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[en] (orig)

Empirisch-pädagogische Zugänge zur schulischen Teilhabe bei Krankheit

Author: Langnickel, Robert
Publisher: Zenodo
DOI: 10.5281/zenodo.17191120
Source: https://zenodo.org/records/17191120/files/Z_EP_2025_3-wgphot.pdf
EP
Empi ische Pädagogik – 2025 – 39 (3)
Robe Langnickel, Anne Thiele, Nicola
Somme , Agnes Tu ne & Pie e-Ca l Link
(H sg.)
Empi isch-pädagogische Zugänge zu
schulischen Teilhabe bei K ankhei
Empi ische Pädagogik
______________________
39. Jah gang 2025
3. He
He ausgebe
Zen um ü Empi ische Pädagogische Fo schung (zep )
Bü ge s aße 23, 76829 Landau/P alz
Tele on: +49 6341 280 32165, Tele ax: +49 6341 280 32166
E-Mail: [email p o ec ed]
Homepage: zep . p u.de
Ve lag
Empi ische Pädagogik e. V.
Bü ge s aße 23, 76829 Landau/P alz
Tele on: +49 6341 280 32180, Tele ax: +49 6341 280 32166
E-Mail: [email p o ec ed]
Homepage: www. ep-landau.de
D uck
Sowa Piaseczno
Zi ie o schlag
Langnickel, R., Thiele, A., Somme , N., Tu ne , A. & Link, P. C. (H sg.). (2025).
Empi isch-pädagogische Zugänge zu schulischen Teilhabe bei K ankhei
(Empi ische Pädagogik, 39 (3), Themenhe ). Landau: Ve lag Empi ische Pädagogik.
Alle Rech e, insbesonde e das Rech de Ve iel äl igung und Ve b ei ung sowie de
Übe se zung, we den o behal en. Kein Teil des We ks da in i gendeine Fo m
(du ch Fo og a ie, Mik o ilm ode ein ande es Ve ah en) ohne sch i liche
Genehmigung des Ve lags ep oduzie ode un e Ve wendung elek onische
Sys eme e b ei e we den.
ISSN 0931-5020
ISBN 978-3-68921-008-3
© Ve lag Empi ische Pädagogik, Landau 2025
h ps://doi.o g/10.62350/MYQW1471
Empi ische Pädagogik © Ve lag Empi ische Pädagogik
2025, 39. Jah gang, He 3
Inhal
Edi o ial
Robe Langnickel, Anne Thiele, Nicola Somme , Agnes Tu ne & Pie e-Ca l Link
Empi isch-pädagogische Zugänge zu schulischen Teilhabe bei
K ankhei : Edi o ial zu Gas he ausgabe .......................................................................... 222
Themen eil
Ul ich Theobald, Jochen Maye & Ma in Giese
Spo un e ich ü Schüle *innen mi ch onische E k ankung: Ein
Scoping Re iew ........................................................................................................................... 228
S en Jennessen & K is in Fellbaum
Robo ics, Klinikbe en, Menschen: Hohe Un e s ü zungsbeda als
He aus o de ung ü eine Pädagogik bei K ankhei an un e schiedlichen
Le no en ....................................................................................................................................... 248
F ancesco Ciociola & Mo si Abdallah
Psychische G undbedü nisse in den jugendlichen Lebenswel en Social
Media und Schule: Eine e gleichende F agebogens udie an Gesam -
und Klinikschulen ....................................................................................................................... 265
S e anie Elb ach , René Sch oede , Ka ja Höglinge , Melanie Willke & S ephan
Gingelmaie
Leh k ä e an Klinikschulen: Eine e lexi e hema ische Analyse
p o essionelle An o de ungen im Lich des COACTIV-Modells ............................ 282
Enya Kohlwage
Selbs wi ksamkei se wa ungen on Leh am ss udie enden im Umgang
mi ch onisch e k ank en Schüle *innen – En wicklung und Validie ung
eine Ku zskala (SUmeS) .......................................................................................................... 303
Rebecca Schumache & Ewa Sliwinski
Handlungsbeda ü die Leh k ä ep o essionalisie ung zum Umgang
mi sp achlichen Au älligkei en bei ch onisch e k ank en Schüle *innen
mi angebo enem He z ehle ................................................................................................ 321
Ka ja Höglinge & Sophia Falkens ö e
Zu Unsich ba kei ch onische E k ankungen und ih e Bedeu ung ü
die Pädagogik: Eine me a-e hnog aphische S udie .................................................... 335
Call o Abs ac s
Do is Wi ek, Melanie Fabel-Lamla, Tho id Rabe, Ve a Volkmann
Themenhe : Biog a ie und Be u . Biog a ieanaly ische Zugänge zum
Wandel de A bei in pädagogischen Handlungs elde n ......................................... 356
Call o Gues Edi o s ü die Empi ische Pädagogik ab He 4/2027 ......................... 360
Imp essum ........................................................................................................................................... 362

Con en s
Topic-cen e ed
Ul ich Theobald, Jochen Maye & Ma in Giese
Physical educa ion o s uden s wi h ch onic heal h condi ions: A
scoping e iew............................................................................................................................. 228
S en Jennessen & K is in Fellbaum
Robo ics, hospi al beds, people: High suppo needs as a challenge o
pedagogy in he e en o illness a di e en lea ning loca ions ........................... 248
F ancesco Ciociola & Mo si Abdallah
Psychological needs in he you h li e a eas social media and school: A
compa a i e ques ionnai e s udy a comp ehensi e and hospi al schools ...... 265
S e anie Elb ach , René Sch oede , Ka ja Höglinge , Melanie Willke & S ephan
Gingelmaie
Teache s in hospi al schools: A e lexi e hema ic analysis o
p o essional demands discussed in ela ion o he COACTIV-Model .................. 282
Enya Kohlwage
Sel -e icacy expec a ions o s uden eache s in dealing wi h ch onically
ill pupils – De elopmen and alida ion o a sho scale (SUmeS) ........................ 303
Rebecca Schumache & Ewa Sliwinski
Need o eache p o essionaliza ion in add essing language di icul ies
among ch onically ill s uden s wi h congeni al hea de ec s ................................. 321
Ka ja Höglinge & Sophia Falkens ö e
On he in isibili y o ch onic illnesses and hei signi icance o
pedagogy: A me a-e hnog aphic s udy ........................................................................... 335
Empi ische Pädagogik CC BY-NC-SA 4.0
2025, 39. Jah gang, He 3, S. 222-227 h ps://doi.o g/10.62350/GLJV6184
Edi o ial
Robe Langnickel, Anne Thiele, Nicola Somme , Agnes Tu ne & Pie e-
Ca l Link
Empi isch-pädagogische Zugänge zu schulischen
Teilhabe bei K ankhei : Edi o ial zu Gas he ausgabe
1 Empi isch-pädagogische Zugänge zu schulischen
Teilhabe bei K ankhei – zu Hin üh ung
Die Pädagogik bei K ankhei s ell ein spezialisie es Fo schungs- und P axis eld ü
Leh pe sonen da , das im deu schsp achigen Raum in den le z en Jah zehn en zu-
nehmend an Au me ksamkei und Bedeu ung gewonnen ha . Im Ke n beschä ig
sich dieses Feld mi de schulischen und pädagogischen Beglei ung on Kinde n und
Jugendlichen, de en Bildungsbiog a ien du ch aku e ode ch onische E k ankungen
gep äg sind (Ledesma, Caycho, C uz & Rod iguez, 2019). Dabei eich die Spann-
b ei e de E k ankungen on ela i ku zen K ankhei sphasen bis hin zu lebens e -
kü zenden E k ankungen, die eine in ensi e medizinische Ve so gung und pädago-
gische Beglei ung no wendig machen (Bu gio & Jennessen, 2023; KMK, 2025).
Eine ch onische ode langandaue nde soma ische, psychosoma ische ode psychi-
sche E k ankung beein luss den Schulbesuch, das Le nen und die soziale Teilhabe
on Schüle *innen maßgeblich. Kinde und Jugendliche e b ingen wäh end K ank-
hei sphasen mi un e iel Zei auße halb de egulä en schulischen Ein ich ungen –
in Klinikschulen, im Hausun e ich ode in spezialisie en pädagogischen Se ings
(BMB, 2017; EDK, 2022; KMK, 2025) und müssen mi ih em Bezugspe sonen k ank-
hei sbezogene T ansi ionen zwischen diesen Le no en und ih e S ammschule be-
wäl igen (Thiele, Boo smann, Lübbehusen, Pelikan & Scholz, 2024). Spezi ische Un-
e ich s o men und Le no e s ellen Leh pe sonen o He aus o de ungen, die sich
in egulä en Schulkon ex en kaum zeigen: die No wendigkei , eng mi medizini-
schem Fachpe sonal zu koope ie en, de Umgang mi s a k indi idualisie en Le n-
bedü nissen sowie die pe manen e He aus o de ung, Bildungsp ozesse lexibel
und an den K ankhei s e lau angepass zu ges al en (Elb ach , Langnickel, Liebe -
he , Hoanzl & Gingelmaie , 2023; Oelsne , 2013; Thiele, 2024).
Zudem is die schulische Bildung bei K ankhei in eine komplexe soziale Reali ä
eingebe e . Schüle *innen, die ch onisch k ank sind, sind nich nu in ih en Bil-
dungswegen beein äch ig , sonde n e ah en häu ig soziale Isola ion, e leben eine
Edi o ial 223
ge inge e soziale Pa izipa ion und zeigen ein e höh es Risiko ü psychische Belas-
ungen (Di Pado a, Pe oello-Man o ani & Dipace, 2024). Diese Belas ungen sind
sowohl du ch die K ankhei selbs als auch du ch de en soziale Beglei ums ände
beding : soziale S igma isie ung, Exklusion aus sozialen Kon ex en, ehlende Sensi-
bili ä und mangelndes Ve s ändnis im schulischen und sozialen Um eld.
Die besonde e Rele anz de Pädagogik bei K ankhei e gib sich auch aus de hohen
Zahl be o ene Schüle *innen. Nach ak uellen Schä zungen des Robe Koch-Ins i-
u s leben allein in Deu schland meh e e Hunde ausend Kinde und Jugendliche
mi ch onischen E k ankungen, de en gesundhei liche Si ua ion ih e Bildungs- und
Teilhabechancen einsch änk (RKI, 2024). Gleichzei ig be ich en S udien, dass Leh -
pe sonen au diese spezi ischen pädagogischen He aus o de ungen unzu eichend
o be ei e sind und es an lächendeckenden Quali izie ungs- und P o essionalisie-
ungsmaßnahmen ehl (Á alos & Fe nández, 2021; Kohlwage, 2024).
Das o liegende Themenhe widme sich diesen He aus o de ungen aus un e -
schiedlichen Pe spek i en und s ell empi ische S udien o , die zen ale Face en
de Pädagogik bei K ankhei beleuch en. Denn auch im in e na ionalen Ve gleich
sind empi ische S udien bis au wenige Ausnahmen bislang a im Feld eine Päda-
gogik bei K ankhei (Ää elä, Mää ä & Uusiau i, 2016; Chen, Tsai, Su & Lin, 2015;
Ligh ood, W igh & Slope , 1999; Mukhe jee, Ligh oo & Slope , 2000; Todis,
McCa & Glang, 2018).
2 Zu A chi ek u und Inhal en de Bei äge des Themen eils
de Gas he ausgabe
Ul ich Theobald, Jochen Maye und Ma in Giese analysie en in ih em A ikel
„Physical educa ion o s uden s wi h ch onic heal h condi ions: A scoping e iew“
die Bedeu ung und Umse zung angepass e spo pädagogische Maßnahmen ü
Schüle *innen mi ch onischen E k ankungen. Das Scoping-Re iew (2006-2025)
analysie 29 S udien aus ie Da enbanken zum Spo un e ich ü Schüle *innen
mi ch onischen E k ankungen. Ziel wa es, didak isch und me hodisch ele an es
Wissen zu bündeln, Ba ie en zu e assen und Fo schungslücken au zuzeigen. Die
E gebnisse be onen die No wendigkei indi idualisie e Un e ich skonzep e, spe-
zi ische Leh e *innenquali izie ung sowie wei e e Fo schung zu s uk u ellen Si-
che ung on Teilhabe.
S en Jennessen und K is in Fellbaum widmen sich in ih em Bei ag „Robo ics, Klinik-
be en, Menschen“ den besonde en He aus o de ungen, die sich bei Kinde n und
Jugendlichen mi hohem Un e s ü zungsbeda e geben. Basie end au eine b ei
angeleg en S udie we den Teilhabe isiken und -ba ie en iden i izie und konk e e
Maßnahmen zu Ve besse ung schulische Teilhabe o geschlagen. Die Nu zung di-
224 Langnickel, Thiele, Somme , Tu ne & Link
gi ale Technologien, insbesonde e Telep äsenzsys eme, sowie eine e ie e P o es-
sionalisie ung de Leh pe sonen s ehen im Zen um ih e k i isch e lek ie en Hand-
lungsemp ehlungen.
F ancesco Ciociola und Mo si Abdallah e gleichen in ih e Que schni ss udie zu
Be iedigung psychische G undbedü nisse die Lebenswel en Social Media und
Schule bei Jugendlichen, die en wede an Gesam schulen ode Klinikschulen (Psy-
chia ie) un e ich e we den. Theo e ische Hin e g und is u. a. G awes Konsis-
enz heo ie (2004). Ih e E gebnisse e deu lichen, dass Schüle *innen in Kliniken ih e
psychischen G undbedü nisse in sozialen Medien besse e üll sehen als in de
Schule und diese eine kompensa o ische Funk ion e üllen. Die F agebogene he-
bung leis e einen Bei ag ü das Ve s ändnis schulische Le np ozesse im digi alen
Zei al e und e weis , ge ade in Anbe ach psychische E k ankungen, zugleich au
no wendige Anpassungen inne halb schulische S uk u en. Die Au o en be onen
die Rele anz ganzhei liche Bildungsansä ze, die psychologische E kenn nisse be-
ücksich igen und medienpädagogische Konzep e geziel zu En wicklungs ö de-
ung einse zen.
S e anie Elb ach , René Sch oede , Ka ja Höglinge , Melanie Willke und S ephan
Gingelmaie un e suchen in ih e lei adenges ü z en In e iews udie mi Klinikleh -
k ä en mi els eine e lexi en hema ischen Analyse au Basis des COACTIV-Mo-
dells die speziellen be u lichen An o de ungen an Leh k ä e in Klinikschulen und
zeigen, dass das p o essionelle Handeln on Leh pe sonen maßgeblich du ch hohe
Flexibili ä , komplexe Koo dina ionsp ozesse, hohe Anpassungsleis ungen und Be-
ziehungsa bei gep äg is – Me kmale, die sich im Rahmen des COACTIV-Modells
kompe enz heo e isch eino dnen lassen. Diese E kenn nisse sollen zu En wicklung
geziel e Quali izie ungskonzep e bei agen, die den besonde en Kon ex de Klinik-
schulen be ücksich igen.
Enya Kohlwage s ell in ih em Bei ag die En wicklung und Validie ung de Ku zskala
SUmeS o , einem Ins umen zu Messung de Selbs wi ksamkei se wa ungen on
Leh am ss udie enden im Umgang mi ch onisch e k ank en Schüle *innen. Die
Skala um ass medizinische und soziale Aspek e und un e s ü z zukün ige Leh -
pe sonen dabei, ih e eigenen Kompe enzen ealis isch einzuschä zen und geziel
wei e zuen wickeln. Dies e schein essen iell ü eine e ek i e und empa hische
schulische Un e s ü zung ch onisch e k ank e Schüle *innen.
Rebecca Schumache und Ewa Sliwinski be assen sich mi dem Handlungsbeda zu
P o essionalisie ung on Leh k ä en hinsich lich sp achliche Au älligkei en bei
Schüle *innen mi angebo enem He z ehle . De nich -empi ische Bei ag wu de
au genommen, da e au ein bislang empi isch unzu eichend e o sch es Thema –
die Komo bidi ä zwischen ch onischen E k ankungen und sp achlichen En wick-
lungsbeein äch igungen – au me ksam mach und du ch ak uelle Re iews sowie
APE o s uden s wi h ch onic heal h condi ions 231
2.1 Eligibili y C i e ia
We included s udies published be ween 2006 and 2025. This ime ame was chosen
because he Uni ed Na ions Con en ion on he Righ s o Pe sons wi h Disabili ies
was a i ied in 2006 and ma ks a pi o al poin ha spa ked esea ch ac i i ies in he
ields o inclusi e educa ion, Adap ed Physical Educa ion, as well as Adap i e Spo s.
All e ie able ull- ex s w i en in English and in Ge man we e included in he selec-
ion p ocess, aking in o conside a ion ha a as co pus o academic li e a u e in
he ield o Special Needs Educa ion and Rehabili a ion Pedagogy does exis in he
Ge man-speaking esea ch communi y. P ep in s and esea ch p o ocols o s udies
ye o be conduc ed we e excluded om he e iew.
2.2 In o ma ion sou ces and sea ch s a egy
We sea ched ou elec onic da abases (PubMed, PsycIn o, Spo Discus and ERIC)
o ele an li e a u e h ough o Feb ua y 28, 2025. We ied o iden i y o he eligi-
ble publica ions by sea ching he e e ence lis s o all included s udies. The lis o
ch onic physical diseases in childhood (no including li es yle diseases) ha we used
in he sea ch que ies was d awn up wi h he help o a ained pedia ician. Ou sea ch
s a egy o ch onic men al heal h condi ions was alida ed agains he lis o s udies
included in he Sys ema ic Re iew on "ba ie s and acili a o s o physical educa ion,
spo , and physical ac i i y p og am pa icipa ion among child en and adolescen s
wi h psychia ic diso de s" (Hickingbo ham, Wong & Bowling, 2021). The que y
s ing ha was used o he sea ch on PubMed is displayed in able 1.
Since he da abases PsycIn o and Spo Discus can be sea ched by using he EBSCO
in e ace, only mino e isions o keywo ds and Boolean ope a o s had o be made
compa ed wi h he sea ch s a egy on PubMed. In accoun o he unc ional di e -
ences be ween sea ch in e aces, a di e en sea ch que y s ing had o be de eloped
o ERIC. The inal sea ch s a egy was alida ed by checking he lis o esul s agains
ou s udies ha had been iden i ied as ele an be o ehand (Halpe n & Agwu, 2009;
Hickingbo ham e al., 2021; La sen e al., 2023; Tahi o ic & To omano ic, 2007). We
used au ho s' ins i u ional con ac da a, which is publicly a ailable, as well as hei
public p o iles on Resea chGa e o ge in ouch wi h hem o he e ie al o missing
ull- ex s. We sen one ollow up message in case au ho s didn' espond o ou i s
inqui y.

232 Theobald, Maye & Giese
Table 1: PubMed sea ch que y s ing
((((("Ch onic Disease"[Mesh:NoExp] OR "ch onic*"[Ti le/Abs ac ] OR "Diabe es
Melli us"[MeSH] OR "Diabe *"[Ti le/Abs ac ] OR "Cys ic Fib osis"[MeSH] OR "Cys ic
Fib osis*"[Ti le/Abs ac ] OR "Muco iscidosis*"[Ti le/Abs ac ] OR
"Fib ocys ic*"[Ti le/Abs ac ] OR "Blood Coagula ion Diso de s, Inhe i ed"[MeSH] OR
"Blood Coagula ion Diso de *"[Ti le/Abs ac ] OR "hemophil*"[Ti le/Abs ac ] OR
"haemophil*"[Ti le/Abs ac ] OR "willeb and"[Ti le/Abs ac ] OR "neoplasms"[MeSH] OR
"neoplasm*"[Ti le/Abs ac ] OR "cance *"[Ti le/Abs ac ] OR " umo *"[Ti le/Abs ac ] OR
"Leukaemia"[Ti le/Abs ac ] OR "Leukemia"[Ti le/Abs ac ] OR "As hma"[MeSH] OR
"As hma*"[Ti le/Abs ac ] OR "A h i is"[MeSH] OR "A h i i*"[Ti le/Abs ac ] OR
"Polya h i i*"[Ti le/Abs ac ] OR "A hy hmias, Ca diac"[MeSH] OR
"A hy hmi*"[Ti le/Abs ac ] OR "A y hmi*"[Ti le/Abs ac ] OR "Dys hy hmi*"[Ti le/Abs ac ]
OR "In lamma o y Bowel Diseases"[MeSH] OR "In lamma o y Bowel Diseas*"[Ti le/Abs ac ]
OR "C ohn*"[Ti le/Abs ac ] OR "En e i is"[Ti le/Abs ac ] OR "Ileocoli is"[Ti le/Abs ac ] OR
"Ilei is"[Ti le/Abs ac ] OR "Coli is"[Ti le/Abs ac ] OR "Hea De ec s, Congeni al"[MeSH]
OR "Hea De ec *"[Ti le/Abs ac ] OR "Hea Abno mal*"[Ti le/Abs ac ]) OR ("Men al
Diso de s"[MeSH] OR "Men al diso de *"[Ti le/Abs ac ] OR "Men al illness*"[Ti le/Abs ac ]
OR "Psychia *"[Ti le/Abs ac ] OR "psycholog*"[Ti le/Abs ac ])) NOT (((adul [MeSH] OR
bi h coho [MeSH] OR in an [MeSH]) NOT (child [MeSH] OR adolescen [MeSH])))) AND
(Physical Educa ion and T aining[Mesh] OR Physical Educa ion*[ iab] OR Physical
aining*[ iab] OR Spo s[Mesh] OR Spo *[ iab] OR a hle ic*[ iab] OR Exe cise[Mesh] OR
Physical Fi ness[Mesh] OR Re u n o Spo [Mesh] OR Exe cise The apy[Mesh])) AND
(Schools[Mesh:NoExp] OR school*[ iab] OR educa ion[sh] OR Teach*[ iab])) AND
(Ge man[la] OR English[la])
2.3 Selec ion p ocess
All eco ds ha we e iden i ied in he ini ial sea ch we e impo ed o Ci a i (Swiss
Academic So wa e, 2024, Ve sion 7.00), whe e duplica es and eco ds wi h missing
abs ac s we e emo ed. The i s ound o sc eening was done by one o he au ho s
and a esea ch assis an om Ma bu g Uni e si y. Bo h sc eened i les and abs ac s
o all s udies independen ly and discussed eco ds i hey we e doub ul o hei
eligibili y. In he ollowing s ep, he e e ence lis s o all ull- ex s included in he i s
s ep we e sea ched o addi ional publica ions ha me eligibili y c i e ia. In a sec-
ond ound, all h ee au ho s discussed he s udies o be included ega ding hei
eligibili y. To be included in his e iew, s udies needed o be ocused on popula-
ions ha a e o school-age and ha a e dealing wi h CI. Pape s we e selec ed i
hey we e: published be ween 2006 and 2025, w i en in English o Ge man and i
hei main esea ch goal e ol ed a ound PE in a school se ing. We excluded posi-
ion pape s and s udy p o ocols. The eligibili y c i e ia used in his e iew a e p e-
sen ed in able 2.
APE o s uden s wi h ch onic heal h condi ions 233
Table 2: Eligibili y c i e ia o selec ion o s udies
Eligible
Non eligible
Popula ion
S uden s wi h Ch onic Illness
O he age g oups (p eschool age child en, col-
lege s uden s); s uden s wi h Special Educa ion-
al Needs and Disabili ies o he han ch onic ill-
ness; s uden s wi h li es yle diseases
Concep
Physical Educa ion
The apy; ea men ; high-pe o mance aining,
sel -di ec ed Physical Ac i i y
Con ex
School; any educa ional
se ing guided by
school eache s (e. g. dis ance
lea ning)
Va si y; comme cial se ings; he apeu ic se -
ings; heal h clubs
O he
Pape s no w i en in English o Ge man; posi-
ion pape s; s udy p o ocols
2.4 Da a Cha ing P ocess
A da a cha ing o m was de eloped by one o he au ho s wi h e e ence o he
main esea ch ques ion o his e iew. The o m was join ly discussed be ween all
h ee au ho s and e ined again be o e ex ac ing da a om he selec ed publica-
ions. Besides basic s udy da a (au ho s, publica ion yea , coun y o o igin), he
cha ing o m cap u es all signi ican in o ma ion on s udy popula ions (age s uc-
u e, condi ion, popula ion size) as well as ele an me hodological de ails (s udy
design, me hodology). The o m also includes a desc ip ion o he main esea ch
goal o each s udy. All da a was ini ially ex ac ed by one o he au ho s, who used
he cha ing o m o check h ough all included s udies. In his s ep, ele an da a
was iden i ied, and main opics we e summa ized. The comple e cha ing o m
( able 3) was join ly discussed by all h ee au ho s one inal ime.
2.5 Syn hesis o esul s
The s udies included a e displayed as a esea ch map ( igu e 2). This is done o p e-
sen he dis ibu ion o opics wi hin he cu en li e a u e. All s udies we e clus e ed
by he au ho s depending on he scope o hei main esea ch ques ion: esea ch on
pedagogical and didac ical concep s, esea ch on eaching pe sonnel, esea ch on
eaching s uc u es and in e ac ions be ween physical educa ion and speci ic heal h
condi ions. Main esul s o all he included s udies we e summa ized and a e b oken
down in sho na a i es o each indi idual ca ego y.
234 Theobald, Maye & Giese
3 Resul s
3.1 Selec ion o sou ces o e idence
A o al o 7 819 s udies (including 613 duplica es) we e iden i ied in all da abases.
A e sc eening he i le and abs ac o he emaining 7 206 s udies o PCC c i e ia,
we selec ed 49 s udies o a ull- ex assessmen , one o which p o ed o be un e-
ie able. Among hese, we inally included 29 s udies in his e iew. The e iew de-
cision p ocess is p esen ed as a low-cha in igu e 1.
Figu e 1: PRISMA low cha
APE o s uden s wi h ch onic heal h condi ions 235
3.2 Cha ac e is ics o indi idual sou ces o e idence
In able 3, basic cha ac e is ics, s udy design, and me hodology, as well as he main
goal o each s udy, a e lis ed. O all included sou ces, he e a e wo pape s ha
concei e ch onic heal h condi ions as a gene al concep (Issaka & Hopkins, 2015;
Lepo e-S e ens, 2024) wi h an addi ional sys ema ic e iew on men al diso de s
(Hickingbo ham e al., 2021). All o he s udies in es iga e speci ic condi ions wi h
as hma being he mos p ominen (10 s udies), ollowed by ype 1 diabe es (5) and
leukemia/cance , as well as a h i is (4 each). Fu he mo e, s udies on cys ic ib osis,
hemophilia and heuma ism we e included. Wi h ega ds o me hodology, hi een
s udies use a quan i a i e app oach, wi h wo egis y-based coho s udies among
hem. Twel e s udies op ed o a quali a i e o mixed-me hods app oach. One o
he s udies is a sys ema ic li e a u e e iew. In h ee pape s, he chosen me hodo-
logical app oach emains unclea . Mos s udies we e conduc ed in high-income
coun ies (n = 26), as o low and middle-income coun ies, he e is one s udy each
om Bosnia, Chile and Malaysia.
Table 3: Da a cha ing o m
Au ho s
Yea
Coun y
Popula-
ion
Condi-
ion
S udy
Type/
Design
Me hods
Main Goal
Alias
e al.
2019
Malay-
sia
n = 47,
7-18 y
Leuke-
mia
C oss-
sec ional
s udy
S uc u ed
ques ion-
nai e
De e mine
pa icipa ion in
PA & PE
Cain &
Reznik
2018
US
n = 22,
nu ses &
p inci-
pals
As hma
Case
s udy
Semi-
s uc u ed
in e iews
Assess school
nu ses' &
p incipals'
pe spec i es on
in-school
as hma
managemen
Dine
e al.
2019
F ance
n = 16,
6-10 y
Hemo-
philia
In e en-
ional
s udy
Video-
obse ed
ocus
g oups
Assess men al
ep esen a ions
abou
impo ance o
PA
236 Theobald, Maye & Giese
Au ho s
Yea
Coun y
Popula-
ion
Condi-
ion
S udy
Type/
Design
Me hods
Main Goal
Fo ck
e al.
2008
Ge -
many
n = 120,
PE
eache s
As hma
Case
s udy
Semi-
s uc u ed
in e iews
Assess PE
eache s'
knowledge on
as hma and
exe cise
Gu z-
weile
e al.
2020
Ge -
many
n = 678,
eache s
T1
Dia-
be es
In e en-
ional
s udy
S uc u ed
ques ion-
nai e
Assess
eache s' sel -
pe cep ion o
abili y o
suppo
s uden s wi h
T1D
Halpe n
& Agwu
2009
UK
n = 156,
PE
eache s
T1
Dia-
be es
Case
s udy
S uc u ed
ques ion-
nai e
Assess
seconda y
school PE
eache s'
knowledge on
T1D
Ha -
mann
e al.
2018
Ge -
many
n = 50,
11.8 ± 2.
8 y
Rheuma
ism
Feasibili y
S udy
S uc u ed
ques ion-
nai e
De elopmen o
an IT- ool o
c ea e indi idu-
alized PE e-
commenda ions
Hicking-
bo ham
e al.
2021
-
-
Psychi-
a ic
diso -
de s
Sys ema-
ic e iew
Li e a u e
e iew
Assess ba ie s
and acili a o s
o PA & PE
Issaka &
Hopkins
2015
Aus-
alia
n = 127,
p e- o
seconda y
school
s uden s
Ch onic
illness
In e en-
ional
s udy
E hnog a-
phic ob-
se a ion
De elopmen
and implemen-
a ion o a PE
p og am in a
pedia ic
hospi al se ing
Joe es
e al.
2012
Ge -
many
-
Hemo-
philia
Unclea
Docu-
men
analysis
De elop p ac ical
ad ice o sa e
inclusion o
child en wi h
hemophilia in PE

APE o s uden s wi h ch onic heal h condi ions 237
Au ho s
Yea
Coun y
Popula-
ion
Condi-
ion
S udy
Type/
Design
Me hods
Main Goal
Kes ing
e al.
2016
Ge -
many
n = 83,
5-19 y
Cance
C oss-
sec ional
s udy
S anda d-
ized
ques ion-
nai e
De e mine
pa icipa ion in
PE a e cance
ea men
Ko nbli
e al.
2018
US
n = 23,
pa en s
As hma
Case
s udy
Semi-
s uc u ed
in e iews
Assess pa en s'
pe spec i es o
ba ie s o PA
& PE
La sen
e al.
2023
No way,
Den-
ma k
n = 63,
9-18 y,
n = 68,
pa en s
Cance
Case
s udy
Semi-
s uc u ed
in e iews
Explo e ba ie s
and acili a o s
o PA & PE in
ju enile cance
su i o s and
hei pa en s
Lepo e-
S e ens
2024
US
-
Ch onic
illness
Concep -
ual
esea ch
Li e a u e
e iew
P o ide in o -
ma ion o
suppo ing
s uden s wi h
CI du ing PE
Mac-
Millan
e al.
2015
Aus-
alia
n = 16,
7-14 y,
n = 14,
pa en s,
n = 9,
diabe es
p o ess-
sionals,
n = 37,
eache s
T1
Dia-
be es
Case
s udy
Semi-
s uc u ed
in e iews,
ocus
g oups,
AA
Explo e
pe cep ions o
acili a o s and
ba ie s o PE
Mila z
e al.
2019
Ge -
many
n = 5879,
13.1 ± 3.3 y
Ju enile
idio-
pa hic
a h i is
Coho
s udy
Regis y-
based
s udy
P esen da a on
PE a endance
No dal
e al.
2019
Finland,
Sweden,
No way
n = 347,
10-17 y
Ju enile
idio-
pa hic
a h i is
Coho
s udy
Regis y-
based
s udy
P esen da a on
PE a endance
238 Theobald, Maye & Giese
Au ho s
Yea
Coun y
Popula-
ion
Condi-
ion
S udy
Type/
Design
Me hods
Main Goal
Nø ga-
a d &
He lin
2019
Den-
ma k
n = 68,
10-16 y
Ju enile
idio-
pa hic
a h i is
C oss-
sec ional
s udy
S anda d-
ized
ques ion-
nai e, AA
Rela e habi s in
club-spo ,
leisu e- ime PA
and PE o
objec i ely
measu ed PA
Powell
e al.
2024
UK
n = 10,
pa en s
Cys ic
ib osis
Case
s udy
Semi-
s uc u ed
in e iews
Assess pa en s'
pe spec i es on
s uc u al
ba ie s o PE
pa icipa ion
P aena-
C espo
e al.
2017
Spain
n = 4240,
10.56 ±
0.7 y
As hma
In e en-
ional
s udy
S anda d-
ized
ques ion-
nai es
Assess whe he
he As hma,
Spo and Heal h
PE p og am im-
p o es as hma-
ics’ quali y o li e,
as hma know-
ledge, and
educes school
absen eeism
Qi e al.
2019
US
n = 16,
PE
eache s
As hma
Case
s udy
Semi-
s uc u ed
in e iews
Explo e PE
eache s’ pe -
spec i es on in-
school as hma
managemen
and ba ie s o
PA
Reznik
e al.
2018
US
n = 108,
7-10 y
As hma
C oss-
sec ional
s udy
AA
Assess i in-
school PA
a ies by age,
gende , body
weigh and
as hma s a us,
pa icipa ion in
PE and o he
in-school PA
APE o s uden s wi h ch onic heal h condi ions 239
Au ho s
Yea
Coun y
Popula-
ion
Condi-
ion
S udy
Type/
Design
Me hods
Main Goal
Rudd
e al.
2024
UK
n = 100,
< 25 y
Ju enile
idio-
pa hic
a h i is
C oss-
sec ional
s udy
S uc u ed
ques ion-
nai e
Explo e
s uden s' pe -
spec i es on
and expe ien-
ces in PE
Sand-
sund
e al.
2011
No way
n = 106,
PE
eache s
As hma
Case
s udy
In e iews,
ques ion-
nai e
su ey
Iden i y needs
o PE eache s
o suppo
s uden s wi h
exe cise-
induced
as hma
So o
e al.
2014
Chile
n = 54,
PE
eache s
As hma,
T1 Dia-
be es
Case
s udy
S uc u ed
ques ion-
nai e
Assess
knowledge o
PE eache s on
T1D and
as hma
Tahi o
ic &
To om
ano ic
2007
Bosnia
&
He ze-
go ina
n = 83,
PE
eache s
T1
Diabe
es
Case
s udy
S uc u
ed
ques ion
nai e
Assess
knowledge o
g ade school
PE eache s on
T1D and T1D
ela ed
eme gencies
Walke
&
Reznik
2014
US
n = 23,
8-10 y
As hma
Case
s udy
Quali a-
i e
in e iews
Explo e child-
en’s pe cep-
ions o he im-
pac o in-
school as hma
managemen on
PA
We zel
&
Weisse
2013
Ge -
many
n = 217,
9-16 y
As hma
C oss-
sec ional
s udy
S uc u ed
ques ion-
nai e
In es iga e PE
pa icipa ion,
in luence o
knowledge
abou as hma
and as hma
se e i y
240 Theobald, Maye & Giese
Au ho s
Yea
Coun y
Popula-
ion
Condi-
ion
S udy
Type/
Design
Me hods
Main Goal
Yamada
e al.
2021
US
-
Cance
Feasibili y
s udy
-
P o ide guide-
lines o PE
eache s o
suppo child-
en wi h cance
No es: n = quan i y; y = yea s; PA = physical ac i i y; PE = physical educa ion; US = Uni ed S a es
T1D = Type 1 Diabe es; UK = Uni ed Kingdom; CI = ch onic illness; AA = ambula o y assessmen ; JIA = ju-
enile idiopa hic a h i is
3.3 Syn hesis o Clus e ed Resul s
To syn hesize wha is known om he cu en li e a u e abou ele an opics e-
ga ding PE o s uden s wi h CI, all included sou ces we e clus e ed hema ically. To
come up wi h a pa e n o clus e ing he esul s, we analyzed all included s udies
o ien ed on p ocedu es o hema ic analysis (B aun & Cla ke, 2006). The mos p e-
sen opics ha a e highligh ed in hese pape s all in o he ollowing ou ca ego-
ies: in e ac ions be ween PE and speci ic heal h condi ions, eaching s uc u es,
eaching pe sonnel and speci ic pedagogical concep s o s uden s wi h CI. Figu e 2
shows a map on which he dis ibu ion o esea ch opics among he included s ud-
ies is displayed and he numbe o pape s explo ing each opic is gi en. Main esul s
om each a ea o esea ch a e summa ized below.
Figu e 2: Resea ch opics o included sou ces
3.3.1 In e ac ions be ween PE and Speci ic Heal h Condi ions
S udies ha all in o his ca ego y p ima ily aim o assess and p esen quan i a i e
da a on PE pa icipa ion. All hese pape s ocus on a speci ic heal h condi ion,
namely leukemia (Alias, Mohd Nazi & Lau Sie Chong, 2019), ju enile idiopa hic a -
APE o s uden s wi h ch onic heal h condi ions 247
Au ho s
D . Ul ich Theobald, Pädagogische Hochschule Ludwigsbu g, Fakul ä ü Teilhabe-
wissenscha en
P o . D . Jochen Maye , Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, Ins i u ü
Gesundhei swissenscha en
P o . D . Ma in Giese, Philipps-Uni e si ä Ma bu g, Ins i u ü Spo wissenscha
und Mo ologie
Ko espondenz an: ul ich. heobald@ph-ludwigsbu g.de

Empi ische Pädagogik CC BY-NC-SA 4.0
2025, 39. Jah gang, He 3, S. 248-264 h ps://doi.o g/10.62350/LTHN3126
S en Jennessen & K is in Fellbaum
Robo ics, Klinikbe en, Menschen: Hohe
Un e s ü zungsbeda als He aus o de ung
ü eine Pädagogik bei K ankhei an
un e schiedlichen Le no en
Die meh als 300 000 Kinde und Jugendlichen (≤ 19 Jah e), die mi eine diagnos izie en lebensbed ohli-
chen ode - e kü zenden E k ankung in Deu schland leben, sind besonde en Exklusions isiken ausgese z .
Im Kon ex des Lebensbe eichs Schule kann die Teilhabe du ch einen e höh en P lege- und
Un e s ü zungsbeda ge äh de sein. Je um assende de Un e s ü zungsbeda eines Kindes is , des o
wah scheinliche e olg eine Beschulung an eine Fö de schule. Auch die Kon on a ion mi schwe e
K ankhei schein schulische Ak eu *innen so zu be üh en, dass sich Tendenzen des Ausschlusses zeigen.
De Bei ag e olg die F age, wie sich Ein- und Ausschlüsse om Schulbesuch an un e schiedlichen Le n-
o en ü die a isie e Pe soneng uppe da s ellen. Zu Analyse de schulischen Si ua ion liegen mi de S udie
FamPalliNeeds Da en o , die diese Exklusions isiken empi isch un e maue n. Jugendliche mi hohem
Un e s ü zungsbeda , ih e Geschwis e und El e n wu den mi els G uppendiskussionen und
Expe enin e iews zu ih en Teilhabebeda en be ag . Zusä zlich nahmen die El e n (N = 417) an eine
quan i a i en E hebung eil. Aus diese Un e suchung sowie eine quali a i en Pilo s udie zum Einsa z on
Telep äsenzsys emen als Medium schulische Teilhabe ließen sich Maßnahmen ablei en, wie Schulen
wei e en wickel we den können.
Schlagwö e : Exklusions isiken – Teilhabe – Un e s ü zungsbeda e
Robo ics, hospi al beds, people: High suppo needs
as a challenge o pedagogy in he e en o illness a
di e en lea ning loca ions
Mo e han 300 000 child en and adolescen s (≤ 19 yea s) in Ge many li e wi h a li e- h ea ening o li e-
sho ening illness and a e he e o e exposed o pa icula isks o exclusion. Thei pa icipa ion in school in
pa icula can be impai ed by hei inc eased need o suppo . The g ea e his need, he mo e likely i is
ha hey will a end special schools Con on a ion wi h se ious illness also seems o a ec school
s akeholde s o such an ex en ha endencies owa d exclusion become appa en . This a icle explo es he
ques ion o how inclusion and exclusion om school a endance a e pe cei ed by he a ge g oup. The
s udy “Needs o Families wi h Child en and Adolescen s wi h Li e-Sho ening Illnesses” (FamPalliNeeds)
p o ides da a ha subs an ia es he isks o exclusion. Adolescen s wi h high suppo needs, hei siblings,
and pa en s we e su eyed abou hei pa icipa ion needs h ough g oup discussions and expe in e iews.
In addi ion, 417 pa en s ook pa in a quan i a i e su ey. A pilo s udy on he use o elep esence sys ems
also highligh s oppo uni ies o school pa icipa ion. The esul s enable measu es o be de i ed o he
a ge ed u he de elopmen o schools.
Keywo ds: exclusion isks – high suppo needs – pa icipa ion
Hohe Un e s ü zungsbeda e on Kinde n als He aus o de ung 249
1 Leben mi hohem Un e s ü zungsbeda – Teilhabeba ie-
en ü Kinde und Jugendliche
Kinde und Jugendliche mi hohem Un e s ü zungsbeda sind in e schiedenen ge-
sellscha lichen Be eichen spezi ischen Exklusions isiken ausgese z . Auch ü ih e
Familien s ell diese Si ua ion eine besonde e He aus o de ung da , wobei de Be-
las ungsg ad de Familien mi de Abhängigkei on zu Ve ügung s ehenden Res-
sou cen, gesellscha lichen Ba ie en und de Höhe des p lege ischen Un e s ü -
zungsbeda s ko elie (Jennessen, 2022). Die E gebnisse de e s en Folgebe a-
gung de KiGGS-S udie (Kinde - und Jugendgesundhei ssu ey) zeigen, dass 10.0 %
de e ass en Kinde und Jugendlichen ch onisch k ank sind und gleichzei ig einen
speziellen Ve so gungsbeda au weisen. Diese Angaben wu den mi de deu schen
Ve sion des Child en wi h Special Heal h Ca e Needs-Sc eene s (CSHCN) e mi el
und ußen da au , dass eine de olgenden diagnoseunabhängigen K i e ien zu i :
 Einnahme e sch eibungsp lich ige Medikamen e
 No wendigkei psychosoziale ode pädagogische Un e s ü zung au g und on
Gesundhei ss ö ungen
 unk ionelle Einsch änkungen
 emo ionale, En wicklungs- ode Ve hal ensp obleme
 spezielle The apiebeda (F icke, 2020).
Fü die spezi ische G uppe on Kinde n und Jugendlichen mi lebens e kü zenden
und lebensbed ohlichen E k ankungen zeig eine ak uelle S udie, dass die Anzahl
diese in Deu schland übe 300 000 lieg (Bu gio & Jennessen, 2023). Auch wenn
nich alle de mi els ICD-10-Codes e ass en Kinde om Zei punk de Diagnose an
p legebedü ig sind ode spä e we den, kann als Cha ak e is ikum ü diese Kinde
und Jugendlichen – o allem in den Toge he o Sho Li es-G uppen (T SL) 2, 3
und 4 (Hoell e al., 2019) – ein au g und des K ankhei s e lau s kon inuie lich wach-
sende Un e s ü zungs- und P legebeda es ges ell we den. Diese s ell die
Familien, neben psychosozialen Belas ungen, o die He aus o de ung eine o jah-
elangen, äuße s um ang eichen und zumeis p lege isch ansp uchs ollen Ve so -
gung ih es Kindes. Die da aus esul ie enden empi isch nachweisba en Teilhabe isi-
ken und -ausschlüsse aus un e schiedlichen gesellscha lichen Bezügen (Jennessen
e al., 2023) zeigen sich auch in ande en S udien zu Lebenssi ua ion on Kinde n
und Jugendlichen mi Beein äch igungen, die mi einem e höh en Un e s ü zungs-
beda einhe gehen (z. B. Ko ahl & Lüdecke, 2014). Zudem sind on diesen Exklusi-
onsdynamiken nich ausschließlich die e k ank en Kinde und Jugendlichen, sonde n
zugleich auch ih e El e n und Geschwis e be o en, die beispielsweise in den Le-
bensbe eichen A bei , Mobili ä und F eizei deu liche Einsch änkungen e leben
(z. B. Jennessen e al., 2023; Meie -G äwe, Buck & K iege-S e en, 2014; Neh ing e
250 Jennessen & Fellbaum
al., 2014). Ein ö en liche Disku s übe diese Si ua ion inde allen alls im Zusam-
menhang mi F agen des Fachk ä emangels in de P lege s a . Die ela ional ge-
inge Anzahl an Kinde n und Jugendlichen un e 19 Jah en, die daue ha p legebe-
dü ig sind, is hie ü mögliche weise u sächlich. So be äg ih An eil an de Ge-
sam zahl de P legebedü igen in Deu schland lediglich ca. 5.1 % (Ma zk, Tsiasio i,
Beh end , Jü cho & Schwinge , 2020). Zu e mu en is abe auch, dass eine gesell-
scha liche Kon on a ion mi de Si ua ion on Kinde n und Jugendlichen, die ü
ih e all ägliche P lege au Un e s ü zung angewiesen sind und je nach Diagnose und
K ankhei s e lau soga ühe e s e ben als die meis en ande en Menschen, den
o he schenden Bilde n on Kindhei wide sp ich (Deu sche Hospiz- und
Pallia i Ve band e. V., 2017). Hie üh en ehe unbewuss e Dynamiken zu Mechanis-
men de Abwe ung, Ausg enzung ode des Ve weises au Sonde ins i u ionen
(ebd.). Dennoch haben auch diese Kinde und Jugendlichen – wie alle ande en He-
anwachsenden – ein Rech au Teilhabe an (inklusi e ) Bildung. Dieses Rech be-
ginn mi dem Besuch eine Kinde agesein ich ung und se z sich übe den Schul-
besuch bis zu Ausbildung im Be u sschulbe eich ode einem Hochschuls udium o
(UN-Kon en ion zu Gleichs ellung on Menschen mi Behinde ung, §24). Alle dings
machen Teilhabe isiken o ins i u ionellen Lebenswi klichkei en nich hal , wie
nach olgend au de G undlage e ügba e empi ische Da en da ges ell wi d.
2 Zu schulischen Teilhabe – Ba ie en ü Kinde und Ju-
gendliche mi einem hohen Un e s ü zungsbeda
Zen ale empi ische G undlage de nach olgend skizzie en E kenn nisse is die S u-
die FamPalliNeeds, die im Au ag des BMFSFJ (Bundesminis e ium ü Familie, Se-
nio en, F auen und Jugend) e s mals die Beda e on Familien mi lebens e kü zend
und lebensbed ohlich e k ank en Kinde n e ass e. Mi Hil e eines pa izipa i o ien-
ie en Mixed-Me hods-Designs, bes ehend aus quali a i en In e iews und G up-
pendiskussionen mi e k ank en Jugendlichen, ih en Geschwis e n und El e n sowie
eine quan i a i en F agebogene hebung, die sich an El e n e k ank e und be ei s
e s o bene Kinde (N = 417) ich e e, wu de e hoben, welche Fo men de Un e -
s ü zung die einzelnen Familienmi gliede be ei s in Ansp uch nehmen, wie sie diese
bewe en, welche sie sich wünschen und wo sie Op imie ungsbeda e sehen
(Jennessen e al., 2023). E gänz we den diese Da en mi E kenn nissen zu Ve wen-
dung hyb ide Le n o men, die mi els In e iews mi ele an en Ak eu *innen sowie
eilnehmende Beobach ungen e hoben wu den (Fellbaum e al., 2025).
2.1 Hohe Un e s ü zungsbeda e als Exklusions isiko
Kinde und Jugendliche mi hohem Un e s ü zungsbeda gehen auch 15 Jah e nach
Ra i izie ung de UN-Kon en ion zu Gleichs ellung on Menschen mi Behinde ung
Hohe Un e s ü zungsbeda e on Kinde n als He aus o de ung 251
imme noch nich selbs e s ändlich mi Gleichal igen ohne eben diese besonde en
Beda e in Kinde agesein ich ungen und zu Schule (KMK, 2024).
Im Vo schulbe eich we den in de S udie FamPalliNeeds (Jennessen e al., 2023) zu
Beda en on Familien, in denen Kinde mi lebens e kü zenden ode lebensbed oh-
lichen E k ankungen leben ode geleb haben, He aus o de ungen in de Ve läss-
lichkei de Be euung besch ieben. Diese esul ie en eine sei s aus dem gene ellen
Pe sonalmangel und ande e sei s aus einem Mangel an spezi isch quali izie em
P legepe sonal (ebd.). Bezüglich de schulischen Teilhabe on Schüle *innen mi ho-
hem Un e s ü zungsbeda zeigen sich jedoch g a ie ende Un e schiede sowohl in
de A des Fö de beda s als auch in den Inklusionsp axen de einzelnen deu schen
Bundeslände . So we den beispielsweise im Fö de schwe punk 'soziale und emo i-
onale En wicklung' bundeswei 57.2 % alle Schüle *innen an allgemeinen Schulen
un e ich e , wäh end es beim Fö de schwe punk 'kö pe lich-mo o ische En wick-
lung' nu 36.0 % und beim Fö de schwe punk 'geis ige En wicklung' lediglich
13.2 % sind (KMK, 2022).
Da bei Schüle *innen mi hohem p lege isch-medizinischem Un e s ü zungsbeda
o angig besonde e Beda e in den beiden le z genann en Fö de schwe punk en
es ges ell we den, lieg nahe, dass sie häu ige als ande e om Schulbesuch in de
allgemeinen Schule ausgeschlossen we den. Zudem weisen S udien zum Schulbe-
such im Fö de schwe punk kö pe lich-mo o ische En wicklung deu lich da au hin,
dass de Besuch eine Fö de schule mi de Höhe des Beda s an Ve so gung, P lege
und The apie posi i ko elie (Lelgemann, Singe & Wal e -Klose, 2015; Wal e -
Klose, 2012).
Lau de S udie FamPalliNeeds (N = 417) besuchen on 188 Kinde n mi lebens e -
kü zende ode lebensbed ohliche E k ankung zum Um agezei punk 74.5 % eine
Fö de schule und 25.5 % eine allgemeine/inklusi e/in eg a i e Schule (Jennessen e
al., 2023). Die Schule ü K anke wu de in de E hebung nich e ass , da sie ein
o übe gehendes Bildungsangebo da s ell . Vo allem de hohe Un e s ü zungs-
beda de Zielg uppe bi g ein g oßes Exklusions isiko im Sinne eine Sonde -
beschulung (Jennessen, 2015; Lelgemann e al., 2012). So haben die mi einem
P legeg ad eines Kindes ko elie enden Un e s ü zungsbeda e einen e heblichen
Ein luss au die Schul o m (Abb. 1).
252 Jennessen & Fellbaum
Anme kungen: Nl = S ichp obeng öße de Familien mi lebenden Kinde n
Abbildung 1: Besuch e Schul o m nach P legeg ad
Abbildung 1 e anschaulich , dass mi s eigendem P legebeda de Besuch eine
allgemeinen Schule zunehmend unwah scheinliche wi d. Wäh end alle Kinde mi
P legeg ad 1 eine Regelschule besuchen, nehmen nu noch 60.0 % de Kinde mi
P legeg ad 2 am Un e ich eine Regelschule eil; bei P legeg ad 5 sind es soga nu
noch 12.3 %. De übe wiegende An eil de Kinde mi P legeg ad 5 besuch mi
87.7 % eine Fö de schule. Fes zus ellen is abe auch, dass de o iziell e ass e Bil-
dungso noch keine Aussagen übe die Regelmäßigkei des Schulbesuchs zuläss
(Jennessen e al., 2023).
Die deu liche Dominanz de hohen P legeg ade (4-5) im Ve gleich zu den nied igen
P legeg aden (1-3) in de S ichp obe indizie einen um änglichen p lege ischen,
he apeu ischen und medizinischen Ve so gungsbeda de Kinde sowie einen ho-
hen Un e s ü zungsbeda im schulischen All ag. Lediglich 6.3 % (N = 188) de e -
ass en Schüle *innen benö igen wede p lege ische Ve so gung noch besonde e
pädagogische Un e s ü zung in de Schule. Alle ande en Kinde e hal en diese en -
wede du ch das Schulpe sonal ode du ch ex e ne Fachk ä e (z. B. ambulan e
P legediens e, Schulassis en *innen). Die Zu iedenhei de El e n mi de ak uellen
schulischen Si ua ion ih e e k ank en Kinde un e scheide sich nich signi ikan
zwischen den Schul o men Fö de schule und allgemeine Schule. Einige El e n s e-
ben die Beschulung ih es Kindes au eine allgemeinen Schule an. Ande e wiede um
be ü ch en, dass Regelschulen keine angemessene indi iduelle Fö de ung leis en

Hohe Un e s ü zungsbeda e on Kinde n als He aus o de ung 253
und die Ge ah eine sozialen Ausg enzung on Kinde n und Jugendlichen mi le-
bens e kü zenden E k ankungen bes ehe, wie olgendes Zi a e deu lich :
„(…) de G und wa um wi uns da ü en schieden haben, wa auch die Angs ,
dass sie eben in eine no malen Schule disk iminie wi d au g und ih e Behin-
de ung, also nich willen lich, abe weil sie ein ach nich wissen dami umzuge-
hen (E6)“ (Jennessen e al., 2023, S. 90).
El e n, de en Kinde eine Fö de schule besuchen, bewe en die he apeu ischen An-
gebo e o O sowie die Möglichkei en indi iduelle Beglei ung im Schulall ag als
besonde s posi i . Aus Sich de be ag en Familien soll en die pädagogischen Fach-
k ä e ü eine adäqua e Beglei ung um assend übe die E k ankung des Kindes in-
o mie sein und jedem einzelnen Kind eine essou ceno ien ie e Hal ung en ge-
genb ingen (auch Uh lau, 2005). Doch auch un e diesen Ums änden sei au g und
on gesundhei lichen K isen ode eine mangelha en Ve so gungssiche hei ein
Schulbesuch eilweise nich möglich. Die quali a i en Da en de S udie
FamPalliNeeds weisen au eine g oße zei liche Spannwei e des Ausschlusses om
Schulbesuch hin, de on einzelnen Tagen bis zu einem olls ändigen Ausschluss
de e k ank en Kinde und Jugendlichen om Schulbesuch eichen kann (Jennessen
e al., 2023). Fü die be ag en Jugendlichen selbs bedeu e ein egelmäßige Schul-
besuch in e s e Linie No mali ä . Home-Schooling wi d nich als adäqua e E sa z
ü den a sächlichen Schulbesuch und de Besuch de Leh k a im häuslichen Um-
eld nich als schulische Fö de ung wah genommen, sonde n als soziale Besuch.
Schule nimm ü die be ag en Jugendlichen neben den Bildungsaspek en auch
eine bedeu ende Funk ion als soziale Raum ein. K ankhei sbeding e Exklusionse -
ah ungen in de Schule, au Klassen ah en und bei ähnlichen Ak i i ä en bedingen
bzw. e s ä ken das Ge ühl, nich Teil de Pee -G oup zu sein und e schwe en somi
die soziale Teilhabe am G uppengeschehen (Jennessen e al., 2023).
2.2 He aus o de ungen on Telep äsenzsys emen als
Exklusions isiko
Um Schüle *innen mi einem hohen medizinisch-p lege ischen Ve so gungsbeda
an Bildungsangebo en im schulischen Kon ex eilhaben zu lassen, we den in
Deu schland e meh Telep äsenzsys eme eingese z (exempla isch ü Be lin:
Kie e , 2024; Windisch, 2024). Zu den Teilhabe- und Bildungsmöglichkei en de Kin-
de , die ein Telep äsenzsys em nu zen, exis ie bishe kaum empi isches Wissen
(Tu ne , Zillne , Rockenbaue & Ple schko 2024; Zillne , Tu ne , Rockenbaue ,
Röhsne & Ple schko, 2022). Dahe wu den in eine Pilo s udie u. a. He aus o de un-
gen in de schulischen Nu zung on Telep äsenzsys emen on Kinde n mi einem
hohen medizinisch-p lege ischen Ve so gungsbeda aus de Pe spek i e de El e n,
Leh k ä e, e leihende O ganisa ionen (In e iews) und de Pe spek i e eine e -
254 Jennessen & Fellbaum
k ank en Schüle in und ih e Mi schüle *innen ( eilnehmende Beobach ung) un e -
such (Fellbaum e al., 2025). De S udie lag die Hypo hese zug unde, dass Telep ä-
senzsys eme im schulischen Kon ex eine ans o ma i e Möglichkei ü Kinde bie-
en könn en, Bildungsangebo e wah zunehmen, indem sie i uelle P äsenz in en -
e n en Umgebungen e möglichen. Es handel sich bei diesen hyb iden Sys emen
um Robo e , welche die Funk ionali ä on Videokon e enzen mi de eines mobilen
physischen Kö pe s kombinie en. Beim Einsa z des A a a AV1 emp angen die Schü-
le *innen einen einsei igen Li es eam, welche ihnen du ch den d ehba en Kop mi
in eg ie e Kame a eine 360-G ad-Sich e möglich . Du ch die eingebau en Lau -
sp eche können die Schüle *innen übe Sp ache kommunizie en. Mi dem Telep ä-
senz obo e Double 3 is eine bidi ek ionale Videoübe agung inkl. eine Ech zei -
kommunika ion mi audi i en und isuellen Eind ücken möglich. De Double 3 s eh
au zwei Räde n, is mobil und läss sich übe einen B owse ode eine App an einem
mobilen Endge ä s eue n (ebd.).
Die E gebnisse zu de zei igen Nu zung diese Sys eme zeigen, dass diese o angig
on onkologisch e k ank en Schüle *innen genu z we den. Von de he e ogenen
Pe soneng uppe de Kinde und Jugendliche mi einem hohen medizinisch-p lege-
ischen Ve so gungsbeda wi d demen sp echend nu eine Teilmenge e eich .
Schüle *innen mi komplexe Behinde ung, bei denen zusä zlich Le nschwie igkei-
en o liegen, we den lau de Be ag en de zei ga nich be ücksich ig (Fellbaum
e al., 2025). Es bes eh somi de Beda , en sp echende E kenn nisse zu spezi i-
schen Si ua ion diese Pe soneng uppe hinsich lich de Nu zung hyb ide Le n o -
ma e explizi zu e heben. Auch wenn de Einsa z on Telep äsenzsys emen on ie-
len Ak eu *innen g undsä zlich be ü wo e wi d, kann ein lächendeckende Aus-
bau im schulischen Kon ex pe spek i isch nu du ch eine gesiche e Finanzie ung
umgese z we den. Diese lieg de zei in de Ve an wo ung on Ve einen und S i -
ungen, die on den po enziellen Nu ze *innen geziel angesp ochen we den müs-
sen. Wenn eine obliga o ische Finanzie ung nich gesiche ode das Angebo nich
bekann is , we den Kinde jedoch on de Inansp uchnahme ausgeschlossen. Zu-
dem lassen sich bei einigen El e n und schulischen Ak eu *innen Bedenken es s el-
len, die sich au F agen des Da enschu zes und de ge ech en Gewäh ung des Nach-
eilsausgleichs beim Einsa z de Sys eme beziehen. He aus o de ungen zeigen sich
auch bei de Ges al ung de Pee -Kon ak e, die meis wenige e aulich sind als im
analogen Kon ak und bei de Nu zung an auße schulischen Le no en (Fellbaum e
al., 2025). Abe auch echnische He aus o de ungen (z. B. ins abiles WLAN ode zu
ge inge Akkulau zei en) sowie die zei nahe Ve so gung de digi al eilnehmenden
Schüle *innen mi Le nma e ialen we den als Umse zungshe aus o de ungen on
den Be ag en benann (ebd.).
Hohe Un e s ü zungsbeda e on Kinde n als He aus o de ung 255
2.3 Klinikschule als Exklusions isiko
Die Da en de o. g. Pilo s udie zeigen auch, dass die schulische Teilhabe on Kinde n
beein äch ig sein kann, wenn sie eine Klinikschule besuchen. Lau Aussage de
Mu e eines e k ank en Kindes is die Klinikschule eines Kinde k ankenhauses
äumlich und pe sonell unzu eichend ausges a e , um einen adäqua en Un e ich
siche zus ellen. Zum Zei punk de Da ene hebung e hiel ih Kind lediglich zwei
Un e ich ss unden p o Woche. Ih e Einschä zung zum Un e ich in de Klinikschule
ass sie wie olg zusammen:
„Abe man is hie ganz wei da on en e n , dass es i gendwie egelmäßigen
Un e ich gib , sonde n das is hal so, man guck , wo ha ein Kind i gendwie
Nachholbeda , wo muss es noch mal was nachholen und dann geh man da
hin und mach das. Abe einen ge egel en Un e ich gib es nich .“ (In e iew
Mu e , Z. 363-366, Fellbaum e al., 2025).
Wenn neben dem Un e ich in de Klinikschule auch am Un e ich in de bishe igen
Schule mi hil e eines Telep äsenzsys ems eilgenommen wi d, s ellen sich bei de
Zuschal ung aus dem K ankenhaus wei e e He aus o de ungen, um die schulische
Teilhabe zu ealisie en. So kann diese Fo m des Un e ich s aus El e npe spek i e
o angig als eine zusä zliche Belas ung ü das Kind in eine physisch he aus o -
de nden Si ua ion wah genommen we den (ebd., Z. 370), die auch on den do igen
Leh k ä en nich be ü wo e wi d:
„Und auch die Leh k ä e, die hie in de Schule ü K anke in de Be a ung sind,
haben uns on o nhe ein abge a en. Haben gesag : Boah, das is ein dickes
B e , das sie da boh en müssen. Und das unk ionie nich .“ (ebd., Z. 370-373,
Fellbaum e al., 2025).
Eine Un e s ü zung bei de Ein üh ung des Telep äsenzsys ems du ch die Klinik-
schule gab es somi zumindes in dem dokumen ie en Einzel all nich . S a dessen
e olg e die Un e s ü zung du ch die bishe ige Schule sowie du ch ein Medienzen -
um aus de Region (ebd., Z. 375-378).
2.4 Tabuisie ung on K ankhei und Tod und mangelnde
Ba ie e eihei als Exklusions isiken
In de S udie FamPalliNeeds wi d als wei e es Themen eld eine nu als unzu eichend
e leb e Auseinande se zung mi den Themen schwe e K ankhei , S e ben und Tod
in allen Schul o men besch ieben. Dabei schilde n die mi els In e iews be ag en
Jugendlichen (N = 10), dass sie sich ühe und in ensi e mi dem eigenen Tod aus-
einande se zen als Gleichal ige ohne E k ankung und sich einen o enen und
humo ollen Umgang mi diesen Themen im schulischen Kon ex wünschen
(Jennessen e al., 2023).
256 Jennessen & Fellbaum
Ein wei e es Exklusions isiko bes eh im Kon ex de Schulabschlüsse und somi des
wei e en Bildungswegs. Teilweise können Schulabschlüsse nich gemach we den,
da wei e üh ende Schulen häu ig nich ba ie e ei sind. Doch auch wenn die ge-
wünsch e Schule besuch we den kann, bes ehen soziale He aus o de ungen: Du ch
indi iduelle Regelungen, zum Beispiel im Rahmen des Nach eilsausgleichs, kann
sich soziale D uck bei den be ag en Jugendlichen au bauen, da Sonde egelungen
on Mi schüle *innen nich imme wohlwollend au genommen we den (Jennessen
e al., 2023):
„Eine Zei lang wa meine Mo o ik ganz schlech , ich konn e nich gu sch eiben.
Dann du e ich Klausu en au einem Lap op sch eiben, ohne In e ne emp ang
na ü lich. Da gab es abe in diese Klasse wi klich seh iel Diskussionen und
seh iel, ich sag mal, S igma, also da ha e ich i gendwie zwei F eund[:innen]
und das wa es dann auch. Was a sächlich dazu ge üh ha , dass ich dann die
Klasse auch gewechsel habe. (J4)“ (ebd., S. 91).
Eine wei e e Ge äh dung de Realisie ung on Teilhabe on Kinde n und Jugendli-
chen mi hohem Un e s ü zungsbeda bes ehe lau Aussagen de be ag en El e n,
sobald die Schulbeglei ung nich kon inuie lich und zu e lässig zu Ve ügung s eh
und/ode o mal-bü ok a ische Hü den zu bewäl igen sind. Dies üh e zu einem e -
heblichen zei lichen Au wand ü die El e n, de un e ande em in die Finanzie ung
und/ode eigens ändige Bescha ung on Pe sonal in es ie we den müsse. Aus-
älle de Schulbeglei ung können einen empo ä en Schulausschluss ü das e -
k ank e Kind bedeu en und wi ken sich un e ande em du ch den (ku z is ig) abzu-
deckenden Ve so gungs- und Be euungsau wand au das gesam e Familiensys em
aus: „Ja, wenn die Schulbeglei ung k ank is , kann ich hal nich iel machen. Dann
heiß es ü mich hal auch, ja, kanns zu Hause bleiben. (J9)“ (ebd., S. 93). Die pe -
sonelle Zus ändigkei ü die P lege ä igkei en in de Schule is un e schiedlich ge-
egel . So be ich en in e iew e El e n, de en Kinde eine Fö de schule besuchen,
sowohl on de Übe nahme de P lege du ch die Schulbeglei ung ode einen am-
bulan en P legediens als auch du ch das schulische Pe sonal. S eig de Ve so -
gungsbeda an, könne dies mi un e dazu üh en, dass die Schule die P lege ohne
zusä zliches P legepe sonal nich meh siche s ellen kann und die Beschulung un-
e b ochen ode soga gänzlich beende wi d. Wiede keh ende Ausschlüsse ode
ein olls ändige Schulausschluss eduzie en ode e hinde n somi die Realisie ung
des Rech s au Bildung und Teilhabe de Kinde und Jugendlichen (Fellbaum e al.,
2025).
Die da ges ell en Exklusions isiken be e en nich ausschließlich die e k ank en Kin-
de und Jugendlichen, sonde n unmi elba auch ih e El e n. Insbesonde e be ag e
Mü e e ügen bei ge ingen schulischen P äsenzphasen ih e Kinde nu übe seh
beg enz e Zei ens e ü eine eigene be u liche Tä igkei . Von den be ag en nich -
Hohe Un e s ü zungsbeda e on Kinde n als He aus o de ung 263
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wissenscha en, Pädagogik bei Beein äch igungen de kö pe lich-mo o ischen En -
wicklung
Ko espondenz an: [email p o ec ed]
Empi ische Pädagogik CC BY-NC-SA 4.0
2025, 39. Jah gang, He 3, S. 265-281 h ps://doi.o g/10.62350/YRLC3750
F ancesco Ciociola & Mo si Abdallah
Psychische G undbedü nisse in den jugendlichen
Lebenswel en Social Media und Schule: Eine
e gleichende F agebogens udie an Gesam - und
Klinikschulen
Ausgehend on G awes Konsis enz heo ie (2004) sowie wei e e bedü nispsychologische Modelle un e -
such die e gleichende S udie die selbs wah genommene Be iedigung psychische G undbedü nisse on
13- bis 18-Jäh igen in den Lebenswel en Social Media und Schule an Gesam - und Klinikschulen. Die Da en-
e hebung e olg e mi hil e des MYNEEDZ-F agebogens bei insgesam N = 155 Jugendlichen. Zum Einsa z
kamen Mann-Whi ney-U-Tes s sowie ANCOVA und UNIANOVA. Die E gebnisse zeigen, dass Klinikschü-
le *innen eine signi ikan höhe e Bedü nisbe iedigung in de Lebenswel Social Media be ich en. Bezogen
au die psychische G undbedü nisbe iedigung zeigen sich zwischen de ak uell besuch en Schul o m keine
signi ikan en Un e schiede; jedoch bewe en Klinikschüle *innen ih e psychische G undbedü nisbe iedi-
gung in ih e ühe en S ammschule signi ikan nied ige als Gesam schüle *innen. Zudem konn en signi i-
kan e In e ak ionse ek e zwischen Schul o m und Al e ü beide Lebenswel en nachgewiesen we den. Es
e geben sich Implika ionen ü eine bedü niso ien ie e Schulen wicklung sowie eine en wicklungsadäqua e
medienpädagogische Beglei ung psychisch belas e e Jugendliche .
Schlagwö e : Gesam schule – Jugendliche – Klinikschule – Lebenswel en – psychische G undbedü nisse
Psychological needs in he you h li e a eas social
media and school: A compa a i e ques ionnai e
s udy a comp ehensi e and hospi al schools
Based on G awe's consis ency heo y (2004) and o he needs-based psychological concep s his compa a-
i e s udy examines he sel -pe cei ed sa is ac ion o basic psychological needs among 13 o 18-yea -olds
ac oss he li e a eas o social media and school, compa ing s uden s om comp ehensi e and hospi al
schools. Da a we e collec ed using he MYNEEDZ ques ionnai e om a o al sample o N = 155 adolescen s.
Mann-Whi ney U es s, ANCOVA and UNIANOVA we e used. The esul s show ha hospi al school s uden s
epo signi ican ly highe sa is ac ion o basic psychological needs in he li e a ea o social media. In e ms
o basic psychological needs sa is ac ion, he e a e no signi ican di e ences be ween he ype o school
cu en ly a ended; howe e , hospi al school s uden s a e hei sel -pe cei ed sa is ac ion o basic psycho-
logical needs in hei o me egula school signi ican ly lowe han comp ehensi e school s uden s. In ad-
di ion, signi ican in e ac ion e ec s be ween school ype and age we e ound o bo h li e a eas. This has
implica ions o needs-o ien ed school de elopmen and de elopmen ally app op ia e media educa ion
suppo o men ally dis essed adolescen s.
Keywo ds: adolescen s – basic psychological needs – comp ehensi e and hospi al school – you h li e a eas
266 Ciociola & Abdallah
1 Theo e ische Hin e g und
Das psychische Wohlbe inden on Jugendlichen e äh in Wissenscha und Gesell-
scha zunehmende Au me ksamkei , insbesonde e au g und s eigende P ä alen-
zen psychische E k ankungen in diese Al e sphase (Schmi z, Wol & Bauch, 2024).
S udien e weisen au eine zunehmende Belas ung jugendliche Lebenswel en, au -
g und ak uelle k isenha e Ums ände (COVID-19-Pandemie, K ieg e c.), in de en
Ve lau ein G oß eil de Jugendlichen übe ein beein äch ig es Wohlbe inden und
psychische Beschwe den be ich e (Ra ens-Siebe e e al., 2022; Robe -Bosch-S i -
ung, 2024). Besonde s be o en on eine Beein äch igung zen ale En wick-
lungsau gaben sind Jugendliche in s a ionä -psychia ische Behandlung, die häu ig
mi mul iplen Belas ungen wie soziale Isola ion ode Schulabsen ismus kon on ie
sind. In diesem Zusammenhang gewinnen heo e ische Modelle an Bedeu ung, die
sich mi g undlegenden psychischen Bedü nissen sowie de en sozialem und kon-
ex uellem Zusammenspiel be assen (Reisch, 2025).
Vo diesem Hin e g und e gib sich die Fo schungs age (F): Un e scheide sich die
selbs wah genommene Be iedigung psychische G undbedü nisse in den Lebens-
wel en Social Media und Schule bei Jugendlichen an Gesam - und Klinikschulen?
Die o liegende S udie ad essie ein bislang wenig bea bei e es Fo schungs eld, in-
dem sie psychologische, pädagogische und medienbezogene Pe spek i en in e-
g ie und empi isch undie e E kenn nisse zu subjek i en Bedü nislage ulne ab-
le Jugendliche in den Lebenswel en Social Media und Schule be ei s ell – als
G undlage ü geziel e und bedü niso ien ie e Maßnahmen zu schulischen Re-
in eg a ion und psychischen S abilisie ung.
1.1 Psychische G undbedü nisse im Jugendal e
Die Konsis enz heo ie nach G awe (2004) besch eib psychisches Wohlbe inden als
Resul a de Be iedigung ie g undlegende psychische G undbedü nisse
(Tab. 1). Ein länge is iges Miss e häl nis zwischen diesen Bedü nissen und den äu-
ße en Lebensbedingungen, ein sogenann es Inkonsis enze leben, kann zu e höh e
psychische Vulne abili ä üh en.
Psychische G undbedü nisse Jugendliche in Social Media & Schule 267
Tabelle 1: Die ie psychischen G undbedü nisse nach G awe (2004)
Psychisches
G undbedü nis
De ini ion
O ien ie ung und
Kon olle
E möglich Indi iduen, ih e Umwel o he sehba zu ges al en und
geziel zu beein lussen, wodu ch Selbs wi ksamkei und Au ono-
mie ge ö de we den.
Lus gewinn und
Unlus e meidung
Wah nehmungen we den kon inuie lich en lang eines posi i en
ode nega i en Kon inuums im Hinblick au Lus gewinn/Unlus -
e meidung bewe e , wobei diese P ozesse wei gehend au oma-
isie ablau en.
Bindung
Eine siche e Bindung, gep äg du ch empa hische Bezugspe so-
nen, ö de emo ionale S abili ä und soziale Kompe enz. Unsi-
che e Bindungsmus e ko elie en mi maladap i en Bewäl i-
gungss a egien und einem e höh en Risiko ü psychische Belas-
ungen.
Selbs we e höhung
und -schu z
Äuße sich in de Tendenz, sich als we oll zu e leben und posi-
i e Selbs bilde au ech zue hal en.
G awe (2004) heb he o , dass diese Bedü nisse kon ex sensi i sind und in un e -
schiedlichen Lebensbe eichen un e schiedlich e leb und egulie we den können,
e wa du ch kompensa o ische P ozesse zwischen Lebenswel en; ein Ve s ändnis,
das auch im ökologischen En wicklungsmodell on B on enb enne (1979) angeleg
is , das die Bedeu ung kon ex uelle Ein lüsse au psychische P ozesse he o heb .
B on enb enne (1979) geh da on aus, dass En wicklung nich isolie , sonde n im
Zusammenspiel e schiedene Lebensbe eiche e olg . Ähnlich zeig die Selbs be-
s immungs heo ie on Ryan und Deci (2000), dass die E üllung basale Bedü nisse
wie Au onomie und Kompe enz s a k om jeweiligen sozialen Kon ex abhäng ,
e wa du ch Un e s ü zung ode Einsch änkung du ch Umwel bedingungen. Die
Ma ix de Bedü nisse und Bedü nise ülle nach Max-Nee (1991) e gänz diesen
Ansa z, indem sie zwischen uni e sellen Bedü nissen und kon ex abhängigen Fo -
men de Bedü nise üllung un e scheide , e wa du ch soziale P ak iken, ins i u io-
nelle S uk u en ode kul u elle Ausd ucks o men. Ge ade im Jugendal e , in dem
Iden i ä sbildung und Au onomieen wicklung zen ale Au gaben sind, is diese kon-
ex spezi ische Va ia ion on Bedeu ung (Bo g-Lau s, 2014; Hensel, 2025). T o z ih-
es En s ehungskon ex s behal en diese heo e ischen Ansä ze angesich s ak uelle
En wicklungen wie zunehmende psychische Belas ungen, digi ale T ans o ma-
ionsp ozesse und e ände e Beziehungsmus e eine hohe heo e ische T ag ähig-
kei und empi ische Anschluss ähigkei (WHO, 2024). Dami wi d eine heo e ische
G undlage gescha en, psychische G undbedü nisbe iedigung in ih e kon ex ab-
hängigen Ausp ägung zu e s ehen und en lang e schiedene Lebenswel en sys e-
268 Ciociola & Abdallah
ma isch zu analysie en. Im Kon ex psychische G undbedü nisse kommen in de
Wechselwi kung mi e schiedenen Lebenswel en un e schiedliche Funk ionen zum
T agen, e wa eine ausgleichende, abpu e nde ode mo i ie ende. Eine solche Pe -
spek i e e möglich es, das subjek i e E leben Jugendliche in ih e Komplexi ä zu
e assen und zielge ich e e, bedü niso ien ie e Un e s ü zungsangebo e zu en wi-
ckeln. Zugleich e schein es sinn oll, auch das Jugendal e selbs di e enzie zu be-
ach en, insbesonde e en lang en wicklungspsychologische Meilens eine und
schuls uk u elle Übe gänge im deu schen Bildungssys em. Die G uppe de 13- bis
14-Jäh igen um ass die ühe Adoleszenz, in de soziale O ien ie ung und e s e Au-
onomiebes ebungen zunehmen. Die 15- bis 16-Jäh igen be inden sich meis in ei-
ne Übe gangsphase zu Obe s u e und e leben e höh e An o de ungen an Selbs -
egula ion und Kompe enzen wicklung. Die 17- bis 18-Jäh igen ep äsen ie en das
spä e Jugendal e und e lek ie en häu ig schulische E ah ungen e ospek i
(O ben, P zybylski, Blakemo e & Kie i , 2022; Schne ze , Hampel & Hu elmann,
2025).
1.2 Die jugendlichen Lebenswel en Social Media und Schule
Die o liegende S udie okussie die Lebenswel en Social Media und Schule, da sie
eine sei s eine kon as i e Gegenübe s ellung in o melle -digi ale (Social Media)
und o malisie e (Schule) Lebenswel en e möglichen und ande e sei s eine beson-
de s hohe All agsp äsenz in beiden un e such en G uppen (Gesam - und Klinikschü-
le *innen) au weisen. Ge ade bei psychisch ulne ablen Jugendlichen, e wa in s a io-
nä e Behandlung, nehmen diese Lebens äume eine Schlüssel olle ü die Wah neh-
mung und Regula ion psychische G undbedü nisse ein (A ms ong-Ca e , Ga e ,
Nick, P ins ein & Telze , 2023).
Die Lebenswel Social Media s ell einen selbs gewähl en, digi alen E ah ungs aum
da , de iel äl ige Möglichkei en zu psychischen Bedü nisbe iedigung bie e . Fü
Jugendliche, die im analogen Lebens aum sozial isolie , in ih e kö pe lichen Mobi-
li ä eingesch änk ode psychisch belas e /e k ank sind, kann sie du ch Anschluss-
kommunika ion, Selbs inszenie ung und Kon olle übe Inhal e eine wich ige kom-
pensa o ische und bedü nis egulie ende Funk ion einnehmen (Paschke & Thoma-
sius, 2024). Zugleich sind Risiken wie exzessi e Nu zung, soziale Ve gleich ode Cy-
be mobbing zu be ücksich igen, die nachweislich mi psychischen Belas ungen wie
Dep essionen, Angs - ode Schla s ö ungen assoziie sind (O ben e al., 2022; WHO,
2024).
Die Lebenswel Schule bilde demgegenübe einen o malisie en, du ch Schul-
p lich s uk u ie en E ah ungs aum und is ü nahezu alle Jugendlichen ein zen-
ale O soziale In e ak ion, Leis ungsbewe ung und Iden i ä sen wicklung
(Schuppene , Leonha d & K uschel, 2023). Das Deu sche Schulba ome e 2024 kon-

Psychische G undbedü nisse Jugendliche in Social Media & Schule 269
s a ie , dass ca. 20 % alle Jugendliche on einem ehe ge ingen Wohlbe inden
be ich en, da un e insbesonde e Mädchen, äl e e Jugendliche und sozial Benach-
eilig e (Robe Bosch S i ung, 2024). Das Fo schungsp ojek Moni o Bildung und
Psychische Gesundhei zeig , dass ein posi i es Schulklima, insbesonde e ein un e -
s ü zende Umgang mi Fehle n, Le np ozesse ö de und psychische Belas ungen
eduzie (Schmi z e al., 2024). Gleichzei ig zeigen S udien, dass insbesonde e Ju-
gendliche mi psychischen Au älligkei en on einem ge ingen schulischen Wohlbe-
inden, Schul e meidung und Leis ungsübe o de ung be ich en (Bauch, Rodney-
Wol & Schmi z, 2024; Janschewski, de Oli ei a Käpple & Be ens, 2022). Fü Schü-
le *innen mi länge e K ankhei ode in s a ionä e Behandlung s ell sich schulische
Teilhabe somi als besonde s he aus o de nd da (Casale & De Los Reyes, 2023).
Die Fokussie ung au die Lebenswel en Social Media und Schule e olg au de
G undlage heo e ische Übe legungen, ha abe dennoch exempla ischen Cha ak-
e . Aus Pe spek i e de Konsis enz heo ie (G awe, 2004) wie auch de Selbs bes im-
mungs heo ie (Ryan & Deci, 2000) is anzunehmen, dass Jugendliche mi ch oni i-
zie en F us a ionse ah ungen in de Lebenswel Schule e meh al e na i e digi-
ale Kon ex e au suchen, in denen sie eine s ä ke e psychische Bedü nisbe iedi-
gung e leben können (Tho ell, Au en ie h, Ricca di, Bu én & Nu ley, 2024). Zudem
liegen ü beide Lebenswel en belas ba e heo e ische Vo a bei en zu psychischen
Bedü nisbe iedigung im Jugendal e o , wodu ch eine di e enzie e Analyse e -
möglich wi d (O ben e al., 2022; Schmi z e al., 2024). Die okussie e Analyse
scha somi eine undie e Basis, um g undsä zliche Mus e kon ex bezogene psy-
chische Bedü niswah nehmung sich ba zu machen.
1.3 Die jugendlichen Lebenswel en Klinik- und S ammschule
E wa 10 % de Schüle *innen in Deu schland nehmen au g und länge e K ankhei s-
phasen nich kon inuie lich am Un e ich ih e egulä en Schule eil (Elb ach ,
Langnickel, Liebe he , Hoanzl & Gingelmaie , 2023). Es exis ie en im Kon ex on
Pädagogik bei K ankhei Klinikschulen, auch un e de Bezeichnung Schule ü
K anke i mie end, die o mals an kinde - und jugendpsychia ische Kliniken ange-
bunden sind und he e ogene Al e sg uppen sowie e schiedene Leh äm e e einen
(Fesch & Mülle , 2014). Hie s ell die schulische Wiede eingliede ung ebenso wie
die psychosoziale S abilisie ung eine zen ale pädagogische He aus o de ung da .
Obwohl sich in diesem Zusammenhang g undlegende F agen eine bildungsbezo-
genen Inklusion und indi iduellen Fö de ung e geben, is das Feld bislang wenig
e o sch (Langnickel e al., 2024).
Jugendliche mi psychischen E k ankungen un e scheiden sich in ih e subjek i en
Bedü nislage häu ig deu lich on gesunden Gleichal igen. Die psychische G und-
bedü nisbe iedigung is bei diese G uppe o selek i eingesch änk , zum Teil
270 Ciociola & Abdallah
s uk u ell beding , eils subjek i in e nalisie (Wes e a, an de Molen & Schuen-
gel, 2023). So is bei Jugendlichen in s a ionä e Behandlung die Lebenswel Schule
nich nu du ch E ah ungen in de zu zei besuch en Klinikschule gep äg , sonde n
häu ig du ch Leis ungsd uck ode Mobbing in de zu o egulä besuch en Schule,
auch S ammschule genann , belas e (Hensel, 2025). Janschewski e al. (2022) deu-
en da au hin, dass im schulischen Kon ex , unabhängig om Schul yp, Rückzug und
Schul e meidung als P ädik o en psychische Belas ung au e en und die subjek i e
Bedü nisbe iedigung e heblich beein äch ig sein kann. Dies e deu lich wie en -
scheidend schulische Se ings sowie das ühzei ige E kennen psychische Au ällig-
kei en ü die Fö de ung psychische G undbedü nisse und den Au bau e lässli-
che Beziehungs- und Handlungsmus e sind (Casale & De Los Reyes, 2023), insbe-
sonde e im Sinne eine e wei e en Pädagogik bei K ankhei , die psychologisch-pä-
dagogische Pe spek i en in eg a i zusammendenk . Eine e ospek i e Be ach-
ung de S ammschule ah ung e laub dahe wich ige Rückschlüsse au die schuli-
schen Belas ungen ulne able Jugendliche .
1.4 Fo schungshypo hesen
Au Basis des heo e ischen Hin e g unds is zu e wa en, dass sich Klinikschü-
le *innen sys ema isch on Gesam schüle *innen in ih e selbs wah genommenen
psychischen G undbedü nisbe iedigung in den ausgewähl en Lebenswel en un e -
scheiden. Zu Bean wo ung de Fo schungs age lassen sich olgende Fo schungs-
hypo hesen gene ie en:
H1: Jugendliche an Klinikschulen be ich en eine signi ikan höhe e selbs wah ge-
nommene Be iedigung psychische G undbedü nisse in de Lebenswel Social Me-
dia als Jugendliche an Gesam schulen.
H2: Jugendliche an Klinikschulen be ich en eine signi ikan höhe e selbs wah ge-
nommene Be iedigung psychische G undbedü nisse in ih e ak uell besuch en
Schul o m (Klinikschule) als Jugendliche an Gesam schulen.
H3: Jugendliche an Klinikschulen be ich en e ospek i eine signi ikan nied ige e
selbs wah genommene Be iedigung psychische G undbedü nisse in ih e ühe-
en S ammschule als Jugendliche an Gesam schulen.
H4: Das Al e ha in beiden Zielg uppen in den Lebenswel en Social Media und
Schule (Gesam - s. S ammschule) einen signi ikan en Haup e ek au die selbs -
wah genommene Be iedigung psychische G undbedü nisse.
Psychische G undbedü nisse Jugendliche in Social Media & Schule 271
2 Me hoden
2.1 S ichp obe und S udiendesign
Die S ichp obe um ass N = 155 Jugendliche, da on N = 120 Gesam schüle *innen
aus Do mund, Wi en und dem Mä kischen K eis, die den nich -klinischen S ichp o-
ben eil da s ellen und N = 35 Jugendliche, die zum E hebungszei punk Klinikschu-
len in NRW besuch en, da sie sich au g und eine diagnos izie en psychischen S ö-
ung in s a ionä e Behandlung be anden. Von den N = 120 Gesam schüle *innen
iden i izie en sich 50 % als weiblich und 50 % als männlich. Das Du chschni sal e
be ug zum Zei punk de E hebung 15.41 Jah e (SD = 1.17; ange: 13-18). Sie be-
such en die Klassens u en 7 bis 10 sowie die gymnasiale Obe s u e. Die Klinikschü-
le *innen wa en zu 62.1 % weiblich und zu 37.9 % männlich. Das Du chschni sal e
lag bei 16.39 Jah en (SD = 0.95; ange: 13-18). Ein Welch-Tes zeig e einen signi i-
kan en Al e sun e schied zwischen den G uppen (F(1, 50.465) = 10.853, p = .002)
mi eine g oßen E ek s ä ke (d = .87; Cohen, 1988). Die Gesam schüle *innen sind
somi signi ikan jünge als die Klinikschüle *innen.
Vom S udiendesign he handel es sich um eine e gleichende Que schni ss udie
mi eine Gelegenhei ss ichp obe. Die Da ene hebung e olg e zwischen Sep embe
2024 und Mä z 2025. De F agebogen wu de digi al übe LimeSu ey be ei ges ell ,
de Zugang e olg e übe einen QR-Code, de mi mobilen Endge ä en gescann
we den konn e. Die S udie wu de ausschließlich anonym, au eiwillige Basis und
un e Einhal ung da enschu z ech liche Vo gaben du chge üh . Sie e olg e im
Klassen e band un e s anda disie en Bedingungen und daue e du chschni lich
15 Minu en. Die Da enschu zs elle de Uni e si ä Siegen bes ä ig e die Kon o mi ä
des F agebogens mi den gel enden Da enschu zbes immungen. Ein E hik o um
wu de nich eingehol , da sowohl die be eilig en Klinik- als auch Schullei ungen ein
o males Vo um nich ü e o de lich hiel en. G undlage de Teilnahme bilde e in
allen Fällen die sch i liche Einwilligung de E ziehungsbe ech ig en und de Jugend-
lichen.
2.2 Messins umen
Zu E assung de selbs wah genommenen Be iedigung psychische G undbedü -
nisse in den Lebenswel en Social Media und Schule wu de de F agebogen
MYNEEDZ eingese z . Diese basie au de G undbedü nis-Skala ü Kinde und
Jugendliche (GBKJ-SB; Bo g-Lau s, 2016), die Teil des S ö ungsübe g ei enden Dia-
gnos ik-Sys ems ü Kinde - und Jugendlichenpsycho he apie (SDS-KJ) is .
Im Rahmen eine Pilo s udie mi N = 403 (M = 16.5 Jah e) zeig en sich unzu ei-
chende Reliabili ä swe e in meh e en Skalen des O iginalins umen s, weshalb die-
ses übe a bei e wu de. Un e pa izipa i e Einbindung on Jugendlichen, en s and
272 Ciociola & Abdallah
eine kon ex sensi i e Neu assung de I ems, die zen ale Lebenswel en ad essie
und eine al e sge ech e sowie lebenswel lich undie e E hebung e möglich . Die
Ope a ionalisie ung o ien ie sich an den ie psychischen G undbedü nissen nach
G awe (2004), wobei p o Lebenswel mindes ens zwei I ems je Bedü nis o gesehen
sind. Inhal lich wu den seman isch konsis en e, abe kon ex abhängige I em o mu-
lie ungen en wickel (z. B. „In den sozialen Medien e lebe ich Dinge, die mi Spaß
machen.“ s. „In de Schule e lebe ich Dinge, die mi Spaß machen.“). Fü die hie
da ges ell e Un e suchung anden die Skalen zu den Lebenswel en Social Media,
Schule sowie S ammschule Anwendung. Die Skalen e assen die selbs wah genom-
mene Gesam be iedigung de ie psychischen G undbedü nisse inne halb de je-
weiligen Lebenswel . Fü die insgesam 34 I ems kam eine ün s u ige Like -Skala
als An wo o ma zum Einsa z (1 = „Ich s imme übe haup nich zu“ bis 5 = „Ich
s imme öllig zu").
Die Be echnung de in e nen Konsis enz mi els C onbachs Alpha sowie die Analyse
de I em ennschä en zeigen insgesam zu iedens ellende bis gu e We e (Tab. 2).
Die Skala S ammschule wu de ausschließlich bei den Klinikschüle *innen de Haup -
s udie (N = 35) e ospek i e hoben und inne halb diese Teils ichp obe analysie .
Auch in diese Teils ichp obe zeig sich eine hohe Reliabili ä . Au g und de ge ingen
Fallzahl sind diese Kennwe e jedoch als o ien ie ende Indika o en zu in e p e ie en,
die keine um assende psychome ische Validie ung e se zen. Aus demselben G und
wu de au eine kon i ma o ische Fak o enanalyse (CFA) de e ospek i e hobenen
Skala S ammschule e zich e .
Tabelle 2: C onbachs Alpha und I em ennschä en de MYNEEDZ-Skalen
Skala/Lebenswel
Anzahl de I ems
C onbachs Alpha
T ennschä e ( ᵢₜ)
Social Media
08
.81
.42-.65
Schule
13
.90
.50-.74
S ammschule
13
.90
.55-.78
Zu P ü ung de ak o iellen Validi ä des MYNEEDZ-F agebogens wu de mi IBM
SPSS Amos 26 eine CFA du chge üh (By ne, 2016). Das spezi izie e Messmodell
um ass e zwei la en e Fak o en (Social Media mi 8 I ems und Schule mi 13 I ems),
denen die jeweiligen I ems eindeu ig zugeo dne wu den. C oss-Loadings zwischen
den Skalen wu den ausgeschlossen. Die s anda disie en Fak o ladungen lagen ü
die Skala Social Media zwischen .65-.80, ü die Skala Schule zwischen .75-.88, was
au eine akzep able kon e gen e Validi ä de Skalen hindeu e . Die Composi e Re-
liabili y (CR) be ug .84 ü Social Media und .91 ü Schule, womi in beiden Fällen
ein hohe An eil gemeinsame Va ianz inne halb de Skalen o lieg . Die la en e Ko -
ela ion zwischen den beiden Fak o en be ug = .46, was einen mode a en Zusam-
Psychische G undbedü nisse Jugendliche in Social Media & Schule 279
ke we den. Um psychisch belas e e Schüle *innen adäqua beglei en zu können,
beda es zudem mul ip o essionelle Teams sowie quali izie e Fo bildungen, die
eine bedü niso ien ie e Schulen wicklung e möglichen (Bauch e al., 2024; Casale
& De Los Reyes, 2023). Da übe hinaus soll en Übe gangsp og amme zwischen Kli-
nik- und Gesam schulen geziel ausgebau we den, um Rück üh ungen essou cen-
o ien ie zu ges al en (Piegsda, Link & Rossmani h, 2020). Im Umgang mi digi alen
Lebenswel en is eine de izi o ien ie e Hal ung nich ziel üh end; s a dessen soll-
en Angebo e eine pädagogisch beglei e en Mediennu zung ausgebau we den,
die Jugendliche be ähigen, digi ale Räume bewuss zu S ä kung on Au onomie,
Selbs we und Zugehö igkei zu nu zen. Besonde s im klinischen Kon ex is eine
zei liche Beg enzung de Nu zung on Social Media au ein bis zwei S unden äglich
sinn oll, um exzessi e ode dys unk ionale Mediennu zung o zubeugen. E gän-
zend könn en angelei e e digi ale Re lexionszei en implemen ie we den, in denen
Jugendliche le nen, ih digi ales Ve hal en in Bezug au ih e indi iduelle psychische
G undbedü nisbe iedigung zu e lek ie en (A ms ong-Ca e e al., 2023). Pe -
spek i isch könn en hie ü digi ale Le numgebungen en wickel we den, die
psychoeduka i e und en wicklungs ö de nde Inhal e kombinie en und so zu E wei-
e ung de gesundhei sbezogenen Medienkompe enz bei agen.
4.3 Fazi
Die o liegende S udie lie e di e enzie e Einblicke in die subjek i e Wah neh-
mung psychische G undbedü nisbe iedigung Jugendliche im Kon ex on Social
Media und Schule. Du ch den Ve gleich on Gesam - und Klinikschüle *innen we -
den bes ehende De izi na a i e übe digi ale Mediennu zung ulne able Jugend-
liche k i isch ela i ie . S a dessen ücken unk ionale, kompensa o ische S a e-
gien in den Fokus, die als adap i e Bewäl igung psychosoziale He aus o de ungen
in e p e ie we den können. Die E kenn nisse be onen zudem die Bedeu ung schu-
lische Rahmenbedingungen ü die psychische En wicklung. Un e s abilisie enden
Bedingungen, wie sie in Klinikschulen gegeben sind, kann auch bei psychisch belas-
e en Jugendlichen eine Res abilisie ung de Be iedigung psychische G undbe-
dü nisse e olgen. Dami leis en die Be unde nich nu einen Bei ag zu Wei e en -
wicklung de Konsis enz heo ie im digi alen und schulischen Kon ex , sonde n e -
weisen auch au s uk u elle No wendigkei en in de schulischen P axis. Insgesam
un e s eich die S udie die Bedeu ung in eg a i e , psychologisch undie e Bil-
dungss uk u en und eine en wicklungs ö de nden Medienpädagogik. Sie zeig ,
dass psychische G undbedü nisbe iedigung im Jugendal e nich allein on indi i-
duelle Vulne abili ä , sonde n maßgeblich on digi alen und schulischen Lebens-
wel en mi ges al e wi d.

280 Ciociola & Abdallah
Li e a u
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Au o *innen
F ancesco Ciociola, M. Ed., Uni e si ä Siegen, Wissenscha liche Mi a bei e /
Dok o and am Leh s uhl E ziehungswissenscha mi dem Schwe punk Fö de päda-
gogik („Le nen“)
D . med. Mo si Abdallah, PhD, MHP, Klinikdi ek o und Che a z de Klinik ü Kinde -
und Jugendpsychia ie, Psychosoma ik und Psycho he apie am Klinikum Lüden-
scheid
Ko espondenz an: [email p o ec ed]
Empi ische Pädagogik CC BY-NC-SA 4.0
2025, 39. Jah gang, He 3, S. 282-302 h ps://doi.o g/10.62350/HWDR3255
S e anie Elb ach , René Sch oede , Ka ja Höglinge , Melanie Willke &
S ephan Gingelmaie
Leh k ä e an Klinikschulen: Eine e lexi e
hema ische Analyse p o essionelle An o de ungen
im Lich des COACTIV-Modells
Klinikschulleh k ä e bewäl igen besonde e An o de ungen, die bislang kaum e o sch sind. Diese Bei ag
un e such , welche Themen ih en Be u sall ag p ägen und wie diese sich in e ablie e P o essionali ä smo-
delle eino dnen lassen. Da ü wu den 20 Klinikschulleh k ä e aus Deu schland lei adenges ü z in e iew ;
die Da en analysie en wi mi e lexi e hema ische Analyse (B aun & Cla ke, 2022). Sechs e ne z e The-
men e en he o : (1) He e ogeni ä und Hil sbedü igkei de Schüle *innen, (2) Anpassungs ähigkei im
(Un e ich s-)All ag, (3) E üllende Be u ung un e pe manen e Belas ungse p obung, (4) Beziehungsa bei
als Basis, (5) Na iga ion zwischen Ve so gungssys emen und (6) Übe gangsmanagemen de Du chgangs-
schule. Das COACTIV-Modell (Baume & Kun e , 2011) bie e eine ag ähige S uk u zu Sys ema isie ung
de Be unde, e o de jedoch kon ex spezi ische E wei e ungen. Fü zukun s ähige Quali izie ungskon-
zep e e schein zudem eine Kombina ion kompe enz-, s uk u - und me a e lexi e Pe spek i en angezeig .
Schlagwö e : COACTIV – Klinikschule – Leh k ä e – P o essionalisie ung – e lexi e Thema ische Analyse
Teache s in hospi al schools: A e lexi e hema ic
analysis o p o essional demands discussed in
ela ion o he COACTIV-Model
Teache s in hospi al schools ace speci ic p o essional demands ha ha e so a ecei ed li le empi ical
a en ion. This a icle explo es which hemes shape hei e e yday p o essional p ac ice and how hese can
be ela ed o es ablished models o eache p o essionalism. Twen y hospi al school eache s om Ge many
we e in e iewed using a semi-s uc u ed guide; he da a we e analysed using e lexi e hema ic analysis
(B aun & Cla ke, 2022). Six in e connec ed hemes eme ged: (1) he he e ogenei y and ulne abili y o pu-
pils, (2) adap abili y in e e yday ( eaching) p ac ice, (3) a sense o oca ion unde cons an emo ional s ain,
(4) ela ional wo k as a ounda ion, (5) na iga ing ac oss ca e sys ems, and (6) managing ansi ions in he
con ex o sho - e m schooling. While he COACTIV model (Baume & Kun e , 2011) o e s a use ul ame-
wo k o s uc u ing he indings, i equi es con ex -speci ic ex ensions. Fo u u e-o ien ed quali ica ion
concep s, a combina ion o compe ence-based, s uc u al, and me a- e lexi e pe spec i es appea s neces-
sa y.
Keywo ds: COACTIV – hospi al school – p o essionaliza ion – e lexi e hema ic analysis – eache s
1 Einlei ung
Un e ich in Kliniken und an Klinikschulen e hal en Schüle *innen, die au g und ei-
ne E k ankung ode eines Un alls übe länge e Zei ode in egelmäßigen In e allen
P o essionelle An o de ungen an Klinikschulleh k ä e 283
( eil-)s a ionä in eine Klinik behandel we den und dadu ch ih e egulä e Schule
nich besuchen können (KMK, 2025). Die konk e e O ganisa ion und Ausges al ung
on Un e ich sangebo en a iie dabei je Bundesland (siehe u. a. Fesch & Mülle ,
2014; Meine s, K ull & Leidig, 2023).
An Klinikschulen in Deu schland un e ich en Leh k ä e mi un e schiedlichen Qua-
li ika ionen (KMK, 2025). Sei meh e en Jah zehn en wi d au den Handlungsbeda
hinsich lich spezi ische Aus-, Fo - und Wei e bildungsangebo e ü diese hinge-
wiesen (siehe z. B. Cas ello & Pülschen, 2018; Meine s, K ull & Leidig, 2023; Oelsne ,
2013; Wienhues, 1982).
Um diesem Deside a zu begegnen, e olg das mul ime hodische und meh pe -
spek i ische P ojek „Pädagogik bei K ankhei und Spi alschulpädagogik (Pb_KuS)"
1
das Ziel, ein passgenaues Quali izie ungsangebo ü Leh k ä e an Klinikschulen zu
en wickeln.
Die hie o ges ell e In e iews udie bilde da ü eine empi ische G undlage: Aus
Sich de Leh k ä e we den zen ale Themen ih es be u lichen All ags mi hil e e le-
xi e hema ische Analyse explo a i ekons uie .
Anschließend we den die E gebnisse im Rahmen des COACTIV-Modells p o essio-
nelle Kompe enz (Baume & Kun e , 2006, 2011) heo e isch eingeo dne und dis-
ku ie .
Au diese Weise lassen sich e s e ele an e Kompe enzen iden i izie en, die im wei-
e en P ojek e lau geziel in die En wicklung des Cu iculums ein ließen können.
2 P o essionalisie ung und P o essionali ä on
Klinikschulleh k ä en
Als P o essionali ä wi d de indi iduell e eich e Zus and, de sich du ch achliches
Können, e lek ie es und si ua ionsangemessenes Handeln (z. B. in einem bes imm-
en Be u ) auszeichne , e s anden (C ame , 2020). Pädagogische P o essionali ä
kons i uie sich dabei mi un e zwischen wissenscha lich gesiche em Wissen, e -
ah ungsgesä ig e Handlungsp axis, selbs e lexi e Kompe enz, sozialen Fähig-
kei en, Beziehungsges al ung und Fall e s ehen (Helspe , 2021).
2.1 P o essions heo e ische Übe legungen in de
(sonde pädagogischen) Leh e bildung
In Anlehnung an u. a. Reise (1998) und Dlugosch (2005) skizzie en Theobald und
C ame (2022) d ei his o isch gewachsene En wicklungslinien im P o essionalisie-
1
Das P ojek wi d du ch Mo e ia (Mo e ia-P ojek numme : 2023-1-CH01-IP-0055) ge ö de .
284 Elb ach , Sch oede , Höglinge , Willke & Gingelmaie
ungsdisku s de Sonde pädagogik: 1. O ganisa o isch-sepa ie ende Se ice-Leis-
ung mi Fö de schulen als p imä em Handlungs eld, 2. pe sonalisie -addi i e Se -
ice-Leis ung mi Fokus au In eg a ion/Inklusion in allgemeinen Schulen, 3. ins i u-
ionalisie -sys embezogene Se ice-Leis ung mi be a ende Funk ion zu Siche-
ung on Bildungs eilhabe.
Pa allel e lie ein – zunehmend in de Sonde pädagogik beach e e – bildungswis-
senscha liche Disku s zu P o essionali ä on (allgemeinen) Leh k ä en. Zen al
e ablie sind dabei d ei p o essions heo e ische Zugänge (Te ha , 2011): s uk u -
(u. a. Helspe , 2016; Oe e mann, 1996), kompe enz heo e ische (u. a. Baume &
Kun e , 2006 basie end au Shulmann, 1987) und be u sbiog a ische Ansä ze (u. a.
Fabel-Lamla, 2018).
Aus s uk u heo e ische Sich wi d P o essionali ä als Fähigkei e s anden, an i-
nomische Spannungen pädagogischen Handelns e lexi zu bea bei en (Helspe ,
2016). Zen al is die Auseinande se zung mi g undlegenden An inomien (z. B.
Nähe und Dis anz), die als kons i u i ü pädagogisches Handeln gel en. G umm
(2019) bes imm diesbezüglich die sonde pädagogische P o essionali ä als s ell e -
e ende Kon lik lösung in komplexen P oblemlagen, die eine implizi he apeu i-
sche Dimension einschließ .
De be u sbiog a ische Ansa z beg ei P o essionali ä als eine Sensibili ä ü ei-
gene biog a ische Sinns uk u en und diese e lek ie ü das eigene be u liche
Handeln nu zba zu machen (C ame , 2020; Fabel-Lamla, 2018).
De kompe enz heo e ische Ansa z basie au E kenn nissen de Expe ise o -
schung und besch eib P o essionali ä als e le n- und e mi elba e Handlungs-
kompe enz, ü die spezi isches Wissen sowie Hal ung no wendig e schein (C ame ,
2020; Schape , 2009). P o essionalisie ung wi d dami als ein kon inuie liche En -
wicklungsp ozess du ch Quali izie ung beg i en, weshalb diese Ansa z ü das o -
liegende P ojek als Ausgangspunk ungie . Fü die sonde pädagogische P o es-
sionali ä is dabei bishe unzu eichend geklä , wie sich diese auch in Abg enzung
zu allgemeinen Leh k ä en bes imm , wenngleich die indi iduelle, diagnosegelei-
e e Fö de ung on (belas e en) Schüle *innen als ein spezi izie ba e Kompe enz-
ke n angesehen wi d (Lindmeie & Weiß, 2017; Theobald & C ame , 2022).
2.2 Fo schungss and zu P o essionalisie ung und P o essionali ä
on Klinikschulleh k ä en
Zu P o essionalisie ung und P o essionali ä on Klinikschulleh k ä en, die sowohl
aus dem sonde pädagogischen als auch allgemeinen Leh am kommen, liegen im
deu schsp achigen Raum nu wenige ak uelle S udien o , in denen jeweils un e -
schiedliche Aspek e be o sch wu den.

P o essionelle An o de ungen an Klinikschulleh k ä e 285
So analysie Bakels (2020, 2022) den p o essionellen Habi us on Leh k ä en an
Klinikschulen anhand lei adenges ü z e In e iews (N = 24) in kinde - und jugend-
psychia ischen Ein ich ungen aus s uk u heo e ische und in e ak ionis ische
Pe spek i e. Sie iden i izie d ei Habi us-Typen: 1. Pädagogisch- achlich okussie e,
2. pädagogisch- he apeu isch o ien ie e, 3. kompensa o isch ü so gliche Leh k ä -
e. Die E gebnisse e deu lichen Spannungen zwischen pädagogischen und he a-
peu ischen Handlungso ien ie ungen.
Eine wissenssoziologische Disku sanalyse on Elb ach , Langnickel, Liebe he ,
Hoanzl und Gingelmaie (2023) e weis au zen ale Au gaben und He aus o de-
ungen: Übe gangsges al ung, indi idualisie e Un e ich bei hohe He e ogeni ä ,
pädagogische Diagnos ik, mul ip o essionelle Koope a ion und gesundhei sökono-
mische Rahmenbedingungen. Wich ige P inzipien sind dabei kleine Le ng uppen,
Beziehungso ien ie ung, Ve lässlichkei und emo ionale S abili ä .
Meine s, K ull und Leidig (2023) zeigen anhand on Expe enin e iews (N = 9) den
Beda an spezi ischem Wissen hinsich lich O ganisa ion, Diagnos ik, In e en ion,
Fö de ung und Be a ung und s ellen Bezüge zu Kompe enz heo ie he .
Auch in e na ionale S udien (Jilibe o & Zá a e Al a, 2025; S einke, Elam, I win,
Sex on & McG aw, 2016) bes ä igen diese Be unde und be onen die An o de ungen
hinsich lich Flexibili ä , Belas ba kei und Resilienz. Übe g ei end wi d in nahezu all
diesen S udien das Fehlen sys ema isch en wickel e Aus-, Fo - und Wei e bil-
dungsangebo e ü das A bei s eld Klinikschule k i isie , um geziel Kompe enzen
au zubauen ode die eigene P axis zu e lek ie en (siehe hie zu auch Cas ello &
Pülschen, 2018; Pülschen & Cas ello, 2019). Hie se z die o liegende Un e suchung
an, indem sie zen ale Kompe enzbe eiche empi isch ekons uie und sys ema isch
im Lich e ablie e Kompe enzmodelle e o e .
3 P o essionelle Kompe enz on Klinikschulleh k ä en im
Lich des COACTIV-Modells: He lei ung de F ages ellung
T o z hohe An o de ungen an Leh k ä e in Klinikschulen ehlen bislang empi isch
undie e, sys ema isch s uk u ie e Quali izie ungsangebo e sowie heo iegelei e e
Besch eibungen p o essionelle An o de ungen mi cu icula e Anschluss ähigkei .
Die o liegende S udie se z hie an und ekons uie quali a i -empi isch be u s-
bezogene E ah ungen on Klinikschulleh k ä en. E s es Ziel is es, be u liche Hand-
lungsan o de ungen aus Pe spek i e de Klinikschulleh k ä e di e enzie he aus-
zua bei en.
Die e s e Fo schungs age lau e :
F1: „Welche Themen p ägen den be u lichen All ag on Klinikschulleh k ä en“
286 Elb ach , Sch oede , Höglinge , Willke & Gingelmaie
Das zwei e Ziel bes eh da in, diese Themen in ein empi isches Modell einzuo dnen,
um eine undie e Ausgangslage ü die En wicklung des Cu iculums zu scha en.
Au g und eine b ei en Anlage e schein ü diese wei e en Analysen das Kompe-
enzmodell COACTIV (Baume & Kun e , 2006, 2011) besonde s anschluss ähig.
Dieses basie au Shulmans Topologie p o essionellen Wissens (1987) und heb sich
du ch einen um assenden Blick au p o essionelles Handeln on Modellen ab, die
nu Teilaspek e (z. B. Diagnos ik) okussie en (Schape , 2009). Das Modell in eg ie
neben kogni i en Komponen en, auch nich -kogni i e Komponen en (Schape ,
2009). Konk e we den ie Aspek e p o essionelle Kompe enz un e schieden
(Baume & Kun e 2006, 2011): 1. P o essionswissen, das die Be eiche achliches ,
achdidak isches, pädagogisch-psychologisches, o ganisa o isches und be a endes
Wissen um ass , 2. Übe zeugungen und We hal ungen, die z. B. Theo ien übe Leh-
en und Le nen um assen, 3. mo i a ionale O ien ie ung, die Aspek e wie in insi-
sche Mo i a ion und Selbs wi ksamkei se wa ungen um ass und 4. Selbs egula-
ion, die Re lexions ähigkei und lexible Anpassung beinhal e . Diese beein lussen
demnach die Pe o manz de Leh k a und dami le z endlich auch den Le ne olg
de Schüle *innen (B andl, 2019).
Fü das A bei s eld Klinikschule e schein eine Spezi izie ung angezeig , e wa im
Hinblick au achunabhängiges Wissen (A el & Kun e , 2019), wie be ei s on
Meine s, K ull und Leidig (2023) ü Klinikschulleh k ä e analog zu König, Ge ha d,
Kaspa & Melze (2019) in inklusi en Se ings angedach und in Abbildung 1 on
uns heo e isch e wei e .
Die zwei e Fo schungs age lau e dahe :
F2: „Wie lassen sich die ekons uie en Themen im Lich e des COACTIV-Modells
sys ema isie en?“ Dabei soll auch übe p ü we den, inwie e n die heo e ischen
Vo übe legungen (s. Abb. 1) bes ä ig we den können.
P o essionelle An o de ungen an Klinikschulleh k ä e 287
Abbildung 1: Spezi ische E wei e ung des COACTIV-Modells ü Klinikschulse ings
288 Elb ach , Sch oede , Höglinge , Willke & Gingelmaie
4 S udiendesign
Die S udie wu de als lei adenges ü z e In e iews udie konzipie und mi els e le-
xi e hema ische Analyse in Anlehnung an B aun und Cla ke (2022) ausgewe e .
Diese Me hode e laub einen induk i en Zugang, de sich mi deduk i en Elemen en
– e wa in Fo m eines heo e ischen Re e enz ahmens wie dem COACTIV-Modell –
kombinie en läss . Dabei können sowohl seman ische als auch la en e Sinns uk u-
en be ücksich ig we den. Die e lexi e hema ische Analyse eigne sich besonde s
ü die o liegende F ages ellung, da sie nich nu eine desk ip i e E assung, son-
de n auch eine in e p e a i e Tie enanalyse subjek i e Sinnzusch eibungen e laub
– und somi die Ve knüp ung indi iduelle E ah ungen mi übe geo dne en p o es-
sionellen Ka ego ien e möglich .
4.1 Da ene hebung
Die In e iews wu den im Win e 2023/2024 mi Teilnehmenden (N = 20) aus
Deu schland du chge üh . Die Auswahl de Teilnehmenden e olg e im Sinne eines
heo e ischen Samplings geziel en lang de Me kmale de Anbindung an die Klinik,
mi eine möglichs b ei en Abdeckung alle Ab eilungen (Soma ik, KJP, SPZ, Psy-
chosoma ik). Die In e iews wu den sowohl in P äsenz, als digi al du chge üh und
mi Ein e s ändnis de Teilnehmenden au gezeichne . Anschließend wu den diese
ansk ibie . Die In e iews ha en eine du chschni liche Daue on eine S unde.
Lei adenges ü z e In e iews wu den gewähl , um siche zus ellen, dass heo e isch
ele an e scheinende Aspek e e ag we den können, bei gleichzei ige Flexibili ä ,
au Neues zu e ie en. De In e iewlei aden wa b ei angeleg , mi e s en Bezü-
gen zum kompe enz heo e ischen Ansa z und Aspek en des COACTIV-Modells und
gliede sich in eils übe lappende Inhal sbe eiche, wie Be u sbiog a ie und Be u s-
all ag, benö ig e p o essionelle Kompe enzen (allgemein, pädagogisch, didak isch),
Beda e hinsich lich eine spezi ischen Ausbildung, cu icula em Bezugs ahmen ü
Un e ich an Klinikschulen, Übe gangsges al ung, benö ig em Fachwissen sowie zu
Zu iedenhei und Belas ung.
4.2 Besch eibung de S ichp obe
Von den 20 Be ag en aus Deu schland ühlen sich 16 dem weiblichen und 4 dem
männlichen Geschlech zugehö ig. Das du chschni liche Al e de be ag en Leh -
k ä e be äg M = 47 Jah e (SD = 10).
Die du chschni liche Diens zei an de ak uellen Klinikschule be äg M = 10 Jah e
(SD = 7). De G oß eil de Leh s ando e de Be ag en lieg an Kliniken/Ab eilun-
gen, die mindes ens zwei medizinische Be eiche (Soma ik, Psychia ie, Psycho-So-
ma ik) abdecken (N = 7) ode en wede ein psychia isch (N = 5) ode ein soma-
isch (N = 7) ausge ich e sind.
P o essionelle An o de ungen an Klinikschulleh k ä e 295
xibili ä san o de ungen, komplexe Beziehungsa bei und mul ip o essionelle Koo -
dina ion gep äg is , die anschluss ähig an das COACTIV-Modell sind. Gleichzei ig
wi d sowohl in de Theo ie, als auch Empi ie des Bei ags deu lich, dass COACTIV
spezi isch e wei e we den muss, um den Besonde hei en des Se ings ge ech zu
we den und wei e e p o essions heo e ische Ansä ze ü die Quali izie ung einbe-
zogen we den soll en.
6.1 Diskussion de Be unde im Lich des COACTIV-Modells
Es zeig sich, dass die Themen anschluss ähig an die Vo übe legungen zu spezi i-
schen E wei e ung des COACTIV-Modells sind (s. Abb. 1) und diese e ie en. In Ab-
bildung 3 sind die Zuo dnungen da ges ell und we den im Folgenden e läu e nd
disku ie .
Zen ale Bezugspunk de ekons uie en Themen is die He e ogeni ä de Schü-
le *innen bei gleichzei ig übe g ei ende Hil sbedü igkei (Thema 1), was bishe ige
S udien bes ä ig (Elb ach , Langnickel, Liebe he e al. 2023; Jilibe o & Zá a e Al a,
2025). Dies is zudem anschluss ähig an den bishe igen Disku s in de Pädagogik bei
K ankhei , bei dem die „K ankhei als Bü de“ als Deu ungsmus e zen al s eh
(Elb ach , Langnickel, Liebe he e al., 2023).
Die He e ogeni ä e o de on den Klinikschulleh k ä en Flexibili ä in de Un e -
ich sges al ung (Thema 2) und Beziehungsa bei (Thema 4), und un e maue da-
mi auch die E gebnisse on Meine s, K ull und Leidig (2023). Die indi iduelle Un e -
ich sges al ung un e pe manen e Unplanba kei – plö zliche Symp om e schlech-
e ung ode Ad-Hoc En lassungen e lang u. a. b ei es didak isches Repe oi e. Zu-
dem bi g dies die No wendigkei lexible pädagogisch-psychologische Planung
on Diagnos ik und In e en ion, was auch Oelsne (2013) als eine Didak ik und Pä-
dagogik, die sich an den (k ankhei sbezogenen) Lebens eali ä en de Schüle *innen
o ien ie und de en a ek i e Ve a bei ung un e s ü z , besch eib .
Das eben alls dami einhe gehende achliche Gene alis en um (Thema 2) o de
kogni i e Flexibili ä und gewisse Selbs wi ksamkei se wa ung. Die hie aus esul ie-
ende Spannung zwischen ach(didak ische ) Spezialisie ung und pädagogischem
„Tausendsassa“ (Meine s, K ull & Leidig, 2023) is eine zen ale He aus o de ung kli-
nikschulische P axis und is zudem anschluss ähig an ak uelle Diskussion um Ex-
pansion und Di e si izie ung pädagogische P o essionali ä (Helspe , 2021).

296 Elb ach , Sch oede , Höglinge , Willke & Gingelmaie
Abbildung 3: Themenzuo dnung de Analyse zu Aspek en p o essionelle Kompe-
enz in COACTIV
Sinns i ung o z emo ionale Belas ung (Thema 3) und die Balance on Nähe und
Dis anz (Thema 4) e deu lichen die Rele anz emo ionale Selbs egula ion – eine
pe sonale Kompe enz, die im COACTIV-Modell bislang un e belich e bleib
(Jilibe o & Zá a e Al a, 2025; Oelsne , 2013).
P o essionelle An o de ungen an Klinikschulleh k ä e 297
In Thema 5 wi d die mul ip o essionelle Ve so gung de Schüle *innen au geg i en,
die e deu lich , dass die A bei an Klinikschulen du ch Einbe ung in ein in e dis-
ziplinä es Ne zwe k aus medizinischen, he apeu ischen und schulischen Ak eu en
gep äg is . Diese Koope a ion konn e übe die bishe igen S udien hinaus (Elb ach ,
Langnickel, Liebe he e al., 2023; Jilibe o & Zá a e Al a, 2025; Meine s, K ull &
Leidig, 2023) als zen ales Que schni s hema iden i izie we den, das nich nu als
Gelingensbedingung (Elb ach , Langnickel, Bo n, Leh e & Link, 2023) au indi idu-
ell-p o essionelle Leh k a ebene lieg , sonde n auch Ausd uck sys emische Ve -
sch änkung on Bildung und Gesundhei is (Oelsne , 2013).
Im Kon ex schulische Übe gänge (Thema 6) – sowohl bei de Au nahme als auch
bei de Rückschulung – zeig sich besonde s deu lich die zen ale Rolle de kommu-
nika i en und be a enden Kompe enz on Leh k ä en an Klinikschulen, was bes e-
hende Be unde (u. a. Meine s, K ull & Leidig, 2023) s ü z . Im Rahmen des COACTIV-
Modells lassen sich diese An o de ungen den Domänen des Be a ungs- und O ga-
nisa ionswissens zuo dnen.
F ühe e S udien be onen die Bedeu ung eines sogenann en „K ankhei swissens“ ü
die A bei an Klinikschulen (Meine s, K ull & Leidig, 2023). Die o liegenden E geb-
nisse legen jedoch nahe, dass diese Beg i di e enzie be ach e we den muss:
Nich medizinisches Fachwissen im enge en Sinne – e wa de aillie e Kenn nisse
übe spezi ische Diagnosen – s eh im Vo de g und, sonde n ielmeh de Beda an
einem in eg ie en pädagogischen K ankhei swissen, das die Auswi kungen kö pe -
liche und psychische E k ankungen au schulisches Le nen, Ve hal en und En wick-
lung in den Blick nimm . Dieses Wissen wü de es Leh k ä en e möglichen, au indi-
iduelle Beda e angemessen zu eagie en, ohne dabei in die Rollenkon lik e mi
medizinischen Fachk ä en zu kommen (Bakels, 2020). Zen al is dahe nich die
Kenn nis pa hologische De ails, sonde n die Fähigkei , k ankhei sbeding e Beein-
äch igungen im schulischen Kon ex zu e kennen und da au mi geeigne en ach-
didak ischen, pädagogisch-psychologischen und o ganisa o ischen Maßnahmen zu
eagie en. Dieses p o essionelle Handlungswissen bilde eine wesen liche G und-
lage ü die Ges al ung indi idualisie e und un e s ü zende Bildungsp ozesse im
Klinikschulkon ex .
6.2 Übe g ei ende p o essions heo e ische Einbe ung de Be unde
In den ekons uie en Themen zeigen sich Spannungs elde , die nich allein mi
dem COACTIV-Modell zu sys ema isie en sind. Dies leg mi un e eine s uk u heo-
e ische E wei e ung nahe (Helspe , 2016), da das p o essionelle Handeln in de Kli-
nikschule s a k allbezogen is . Besonde s deu lich we den die An inomien in den
Themen 3 und 4, so wi d die A bei mi den Schüle *innen eine sei s als sinns i end
e leb , b ing abe zugleich emo ionale E schöp ung und Zwei el mi sich, e wa wenn
298 Elb ach , Sch oede , Höglinge , Willke & Gingelmaie
Rück üh ungen in die Heima schule schei e n ode bei di ek e Kon on a ion mi
dem Tod. Auch Thema 2.1 und 2.2 e weisen au g undlegende Spannungen päda-
gogischen Handelns – e wa zwischen Di e enzie ung und S anda disie ung ode
zwischen Fachlichkei und Flexibili ä . Diese Ambi alenzen lassen sich mi eine
s uk u heo e ischen Pe spek i e uch ba assen.
Da übe hinaus bes ehen deu liche Bezüge zu Konzep en sonde pädagogische
P o essionali ä . Besonde s anschluss ähig e scheinen hie die on Reise (1998) be-
sch iebenen sonde pädagogischen Handlungslogiken: Klinikschulen als eigens än-
dige Schul o m mi besonde en Rahmenbedingungen – e wa de engen Anbindung
an das Gesundhei ssys em und de empo ä en Einzel- ode Kleing uppenbeschu-
lung – e deu lichen eine spezielle Fo m de S ando p o essionali ä im Sinne eine
o ganisa o isch-sepa ie enden Logik.
Gleichzei ig s eh eine beda so ien ie e (Einzel-)Fö de ung – im Sinne de En wick-
lung indi idualisie e pädagogische Angebo e – zen al. E k ank e Schüle *innen
we den als kla um issene Klien el mi spezi ischem Fö de beda angesp ochen, wie
in de pe sonalisie -addi i en Se ice-Logik. Abe auch die ins i u ionalisie -sys-
embezogene Se ice-Logik is e kennba : So wi ken die Leh k ä e als be a ende
Ins anzen zwischen Bildungs- und Gesundhei ssys em sowie zwischen Klinikschule
und au nehmende Schule. Sie ges al en Übe gänge, wi ken in Ne zwe ken mi und
agen zu Nachso ge sowie zu Sensibilisie ung im Umgang mi den Schüle *innen
bei und siche n so de en Rech au Bildung auch bei K ankhei . Dies heb he o ,
dass die P o ession an Klinikschulen zahl eiche Me kmale sonde pädagogische
P o essionali ä au weis . Gleichzei ig bleib zu klä en, inwiewei sie sich kla dem
sonde pädagogischen ode einem e wei e en allgemeinpädagogischen Kon ex
zuo dnen läss – insbesonde e o dem Hin e g und de iel äl igen Ausbildungs-
hin e g ünde de Leh k ä e.
6.3 Re lexion und Limi a ion
Die e lexi e hema ische Analyse nach B aun und Cla ke (2022) be on die Un e -
meidba kei on Subjek i i ä . Sowohl das E kenn nisin e esse, als auch die E kenn -
nisse selbs sind gep äg on den Vo e ah ungen de Fo schenden. Die kollegiale
Validie ung de Themen dien e de Plausibilisie ung, kann jedoch Objek i i ä nich
ga an ie en.
Die S ichp obe mi N = 20 is ü eine quali a i e S udie zu iedens ellend und bie e
einen b ei en Einbezug de He e ogeni ä in de Klinikschullandscha . Die ungleiche
Ve eilung zwischen sonde pädagogisch und allgemeinpädagogisch ausgebilde en
Leh k ä en könn e Pe spek i en jedoch un e schiedlich s a k be onen. Zusä zlich is
zu be ücksich igen, dass in e iewbe ei e Leh k ä e o besonde s engagie sind,
was bes imm e Themen (z. B. Belas ung und Be u ung) übe - ode un e be onen
P o essionelle An o de ungen an Klinikschulleh k ä e 299
könn e. Auch die Un e schiede zwischen P äsenz- und Digi alin e iews könn en
sich au die Gesp ächsa mosphä e und die Tie e ausgewi k haben.
7 Fazi & Ausblick
Die S udie zeig , dass p o essionelles Handeln on Klinikschulleh k ä en sich in ei-
nem Spannungs eld on He e ogeni ä , Beziehung au Zei , Un o he sehba kei und
in e disziplinä em Ve so gungsau ag beweg – mi dem Indi iduum als kons an-
em Bezugspunk .
Die kompe enz heo e ische Rahmung, insbesonde e das COACTIV-Modell, bie e
eine ag ähige S uk u zu Sys ema isie ung diese Be eiche, e weis sich jedoch
als e wei e ungsbedü ig: No wendig sind E gänzungen und Spezi izie ungen on
achdidak ischem, pädagogisch-psychologischem Wissen, sowie Be a ungs- und
O ganisa ionswissen – e gänz du ch de en quan i a i e Validie ung. Zudem müssen
pe sonale Aspek e wei e ausdi e enzie und e lexi e Zugänge in eg ie we den.
Pe spek i isch gil es, die ekons uie en Themen wei e im Kompe enz as e aus-
zudi e enzie en und mi ande en S udien zu iangulie en. So können cu icula
nu zba e Kompe enzbesch eibungen en wickel we den.
Die E gebnisse zeigen auße dem, dass das p o essionelle Handeln in Klinikschulen
häu ig allbezogen beg ünde is und sich in Spannungs elde n ollzieh , wie sie on
s uk u heo e ischen und sonde pädagogischen Ansä zen besch ieben we den.
Kün ige Ausbildungs o ma e müssen sodann nich nu au konk e e Kompe enzen
und Inhal e (Was), sonde n auch au Fo men p o essionelle Re lexion und Fallo i-
en ie ung (Wie) zielen. Fü die En wicklung en sp echende Quali izie ungskonzep e
e schein es auße dem zen al, un e schiedliche heo e ische Zugänge – einschließ-
lich kompe enz heo e ische , s uk u heo e ische und e lexi e Pe spek i en –
komplemen ä zu denken, beispielsweise im Sinne de Me a e lexi i ä , wie sie on
C ame (2023) besch ieben wi d ode de mul ipa adigma ischen Leh k ä ebildung
(Hein ich e al. 2019), denn:
„Die an inomisch wide sp üchlichen Unsiche hei en bes ehen nach wie o , de
Au bau p o essionelle Handlungskompe enz is eben alls wei e hin e o de -
lich und die En wicklung eines be u sspezi ischen Habi us s eh eben alls au
de Agenda.“ (B andl, 2019, S. 27)
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302 Elb ach , Sch oede , Höglinge , Willke & Gingelmaie
Au o *innen
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P o . D . Melanie Willke, P o esso in ü Bildung im Be eich kö pe lich-mo o ische
En wicklung und ch onische K ankhei en, In e kan onale Hochschule ü
Heilpädagogik, Zü ich (CH)
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kö pe lichen und komplexen Behinde ungen, Julius-Maximilians-Uni e si ä ,
Wü zbu g (D)
P o . D . S ephan Gingelmaie , P o esso im Be eich Psychologie und Diagnos ik im
Fö de schwe punk emo ionale und soziale En wicklung, Pädagogische Hochschule
Ludwigsbu g (D)
Ko espondenz: s e an[email p o ec ed]
Empi ische Pädagogik CC BY-NC-SA 4.0
2025, 39. Jah gang, He 3, S. 303-320 h ps://doi.o g/10.62350/IRHH4248
Enya Kohlwage
Selbs wi ksamkei se wa ungen on
Leh am ss udie enden im Umgang mi ch onisch
e k ank en Schüle *innen – En wicklung und
Validie ung eine Ku zskala (SUmeS)
Im o liegenden Bei ag wi d die Kons uk ion und Validie ung de 'Ku zskala zu Selbs wi ksamkei se wa -
ungen on Leh am ss udie enden im Umgang mi ch onisch e k ank en Schüle *innen' (SUmeS) o ges ell .
Obwohl sich Selbs wi ksamkei se wa ungen als zen al im Kon ex on p o essionellem Leh k ä ehandeln
e weisen (z. B. Baume & Kun e , 2011), ehl e bislang ein en sp echendes Ins umen zu E assung de
Selbs wi ksamkei se wa ungen on (angehenden) Leh k ä en im Umgang mi ch onisch e k ank en Schü-
le *innen. Nach En wicklung eines I empools e olg e die Pilo ie ung und Validie ung de Skala anhand on
N = 118 Leh am ss udie enden. Neben I emanalysen und in e ne Konsis enzp ü ung wu den explo a i e
und kon i ma o ische Fak o enanalysen sowie eine K euz alidie ung (N = 308) du chge üh . Die esul ie-
ende Skala e weis sich als eliabel sowie alide und um ass neun I ems au zwei Fak o en (Medizinisches
Handeln und soziale Aspek e im Umgang mi ch onisch e k ank en Schüle *innen).
Schlagwö e : Ch onische E k ankungen – Ku zskala – Leh k ä eausbildung – Selbs wi ksamkei se wa ung
Sel -e icacy expec a ions o s uden eache s in
dealing wi h ch onically ill pupils – De elopmen and
alida ion o a sho scale (SUmeS)
This a icle p esen s he cons uc ion and alida ion o he 'Sho scale on sel -e icacy expec a ions o s u-
den eache s in dealing wi h ch onically ill pupils' (SUmeS). Al hough sel -e icacy expec a ions ha e p o en
o be cen al in he con ex o p o essional eache ac ion (e. g. Baume & Kun e , 2011), a co esponding
ins umen o eco ding he sel -e icacy expec a ions o (p ospec i e) eache s in dealing wi h ch onically
ill pupils has so a been lacking. Following he de elopmen o an i em ool, he scale was pilo ed and
alida ed using N = 118 s uden eache s. In addi ion o i em analyses and in e nal consis ency checks, ex-
plo a o y and con i ma o y ac o analyses as well as a c oss- alida ion (N = 308) we e ca ied ou . The
esul ing scale p o ed o be eliable and alid and comp ises nine i ems on wo ac o s (medical ac ion and
social aspec s in dealing wi h ch onically ill pupils).
Keywo ds: ch onic diseases – sel -e icacy expec a ions – sho scale – eache aining
1 Einlei ung
Die Anzahl ch onisch e k ank e Kinde und Jugendliche s eig au g und e besse -
e Diagnosemöglichkei en sowie e ände e ökologische und soziale Lebensbe-
dingungen sei Jah en an. So zeigen Un e suchungen des Robe -Koch-Ins i u s
304 Kohlwage
(2019; 2023) zum Gesundhei ss a us de 0- bis 17-Jäh igen, dass e wa 16 % diese
Al e sg uppe an eine langandaue nden soma isch-ch onischen E k ankung (z. B.
Diabe es) leiden und dass bei jedem ün en Kind Hinweise au eine psychische S ö-
ung (z. B. Angs s ö ung) ge unden we den können. Fü die Schweiz und Ös e eich
we den e gleichba e Zahlen be ich e (Felde -Puig, Teu sch & Winkle , 2023). Folg-
lich s eig die Wah scheinlichkei ü Leh k ä e, im Lau e ih es Be u slebens ch o-
nisch e k ank en Schüle *innen p o essionell zu begegnen. Dies üh zu zusä zli-
chen, gesundhei sbezogenen Au gaben ü die Leh pe sonen. Die Annahme und Be-
wäl igung diese Au gaben häng dabei u. a. s a k mi den Selbs wi ksamkei se wa -
ungen de Leh k ä e zusammen (G eine , Taskinen & K acke, 2020), die sich zudem
als wich ige Komponen e p o essionellen Leh k ä ehandelns e weisen (Baume &
Kun e , 2011). Bislang ehl im deu schsp achigen Raum jedoch ein en sp echendes
Ins umen zu E assung de Selbs wi ksamkei se wa ungen on (angehenden)
Leh k ä en im Umgang mi ch onisch e k ank en Schüle *innen. An diese S elle
se z de o liegende Bei ag an. Es soll eine im Rahmen eines P omo ionsp ojek s
en wickel e Ku zskala zu Messung diese Selbs wi ksamkei se wa ungen o ge-
s ell we den. Hie bei wi d olgenden F ages ellungen nachgegangen:
1. Kann eine zei ökonomische, eliable und alide Skala zu E assung de Selbs -
wi ksamkei se wa ungen on Leh am ss udie enden im Umgang mi ch onisch
e k ank en Schüle *innen en wickel we den?
2. Welche Ausp ägungen zeigen die be ag en Leh am ss udie enden au den e -
schiedenen Fak o en de Skala?
Hie zu wi d zunächs de diesem Bei ag zug unde liegende Beg i de 'ch onischen
E k ankung' de inie . Selbs wi ksamkei se wa ungen we den als zen ale Kompo-
nen e p o essionellen Leh k ä ehandelns e o e und de ak uelle einschlägige
Fo schungss and wi d da ges ell . Es olg die E läu e ung de Kons uk ion, Validie-
ung und Auswe ung de en wickel en Ku zskala sowie die P äsen a ion de E geb-
nisse. Abschließend we den diese disku ie sowie Limi a ionen und ein Ausblick au -
gezeig .
2 De ini ionen und Abg enzungen 'ch onische
E k ankungen'
Eine einhei liche De ini ion on 'ch onische E k ankung' exis ie nich , in de Regel
we den jedoch zwei Haup k i e ien genann (Schmid & Thyen, 2008):
1. Die Au e ensdaue de E k ankung um ass (je nach De ini ion) mindes ens
3-12 Mona e.
2. Ch onische E k ankungen lassen sich du ch ih e Schwe e cha ak e isie en (z. B.
übe Einsch änkungen on Ak i i ä en ode medizinischen Ve so gungsbeda ).
En wicklung und Validie ung eine Ku zskala (SUmeS) 311
Uni e si ä F ank u e sende , mi einem Rücklau on N = 118 olls ändig ausge-
üll en F agebögen (s. Tab. 1). Die spä e e K euz alidie ung e olg e anhand eine
zwei en S ichp obe on N = 308 Leh am ss udie enden (s. Tab. 1).
Tabelle 1: Desk ip i e S a is ik zu S ichp obe
Me kmal
Ausp ägung
S ichp obe ü die
e s e Validie ung
(N = 118)
S ichp obe ü die
K euz alidie ung
(N = 308)
Ka ego iale S ichp obenme kmale
n (%)
n (%)
Leh am
G undschule
79 (66.9 %)
214 (69 %)
Fö de schule
16 (13.6 %)
70 (23 %)
Haup -/Realschule
6 (5.1 %)
2 (0.6 %)
Gymnasium
14 (11.9 %)
17 (5.5 %)
Keine Angabe
3 (2.5 %)
3 (1.4 %)
Geschlech
Weiblich
113 (95.8 %)
252 (81.8 %)
Männlich
3 (2.5 %)
41 (13 %)
Di e s
1 (0.8 %)
0 (0 %)
Keine Angabe
1 (0.8 %)
15 (4.9 %)
Pe sönliche
Vo e ah ungen
mi ch oni-
schen E k an-
kungen
In ensi e Vo e ah ungen (ei-
gene Be o enhei , Be o en-
hei eine nahes ehenden Pe -
son, medizinische Vo bildung)
27 (22.9 %)
123 (39.9 %)
Mäßige Vo e ah ungen (Be-
o enhei eine (ehe en e n-
e ) bekann en Pe son)
24 (20.3 %)
84 (27.3 %)
Keine Vo e ah ungen
13 (11 %)
78 (25.3 %)
Keine Angabe
54 (45.7 %)
23 (7.5 %)
Me ische S ichp obenme kmale
M (SD)
M (SD)
Al e
23.42 (5.41)
23.14 (4.22)
Semes e
4.19 (2.41)
4.34 (2.1)
Anme kungen: N = S ichp obenum ang; n = Teils ichp obe; M = Mi elwe ; SD = S anda dabweichung
Zu Übe p ü ung de Dimensionali ä des F agebogens wu de mi de e s en S ich-
p obe (N = 118) eine explo a i e Fak o enanalyse (Haup komponen enanalyse mi
Oblimin-Ro a ion) du chge üh . Die Fak o en wu den nach dem Kaise -Gu man-

312 Kohlwage
K i e ium ex ahie . In e ne Konsis enzen (C onbachs Alpha) sowie I em-T enn-
schä en wu den übe p ü . Es olg e eine kon i ma o ische Fak o enanalyse. Zu Be-
u eilung de Modellgü e wu den übliche Fi s a is iken (SRMR, RMSEA, CFI, TLI) he-
angezogen.
Zu Absiche ung de ak o iellen Validi ä wu de das esul ie ende Modell im Sinne
eine K euz alidie ung an eine zwei en S ichp obe mi els kon i ma o ische Fak o-
enanalyse übe p ü (N = 308) (s. Tab. 1). Des Wei e en wu de die Kons uk alidi ä
des Ins umen s gep ü , indem die Allgemeine Selbs wi ksamkei se wa ung übe
die Skala on Schwa ze und Je usalem (2003) sowie die Leh e *innen-Selbs wi k-
samkei übe die Skala on Schwa ze und Schmi z (2002) in de e s en S ichp obe
mi e hoben und Spea man-Ko ela ionen zwischen diesen Skalen und de SUmeS-
Skala be echne wu den. E wa ungsgemäß soll en die Ko ela ionen mäßig aus al-
len, da eben alls Selbs wi ksamkei se wa ungen e hoben we den (kon e gen e Va-
lidi ä ), jedoch keine allgemeinen ode allgemein-leh k ä ebezogenen, sonde n
s a k be eichsspezi isch-leh k ä ebezogene (disk iminan e Validi ä ) (Campbell &
Fiske, 1959). Zu be p ü ung de disk iminan en Validi ä wu de zusä zlich das
Fo nell-La cke -K i e ium he angezogen (Fo nell & La cke , 1981).
Als wei e e Va iablen wu den pe sönliche Vo e ah ungen (s. Tab. 1) sowie die
Leh ä igkei an Schulen (in S unden p o Woche) e ass , da sich diese in o he igen
S udien als ein luss eich au Selbs wi ksamkei se wa ungen zeig en (s. Kap. 4.2).
6 E gebnisse
6.1 E gebnisse de Validie ung de SUmeS-Skala
Die explo a i e Fak o enanalyse bes ä ig e nich die zu o angenommenen d ei Fak-
o en, sonde n wies ielmeh au zwei Fak o en hin, wobei sich die Fak o en 'Un e -
ich s- und klassenbezogene Aspek e' und 'Soziale Aspek e' (s. Kap. 5.1) als nich
ennscha e wiesen. Die en sp echenden I ems wu den somi zu einem Fak o zu-
sammenge ass . Zwei I ems zeig en deu liche Que ladungen (> .3) und luden dabei
am s ä ks en au einem Fak o , mi dem sie inhal lich nich sinn oll übe eins imm en.
Dahe wu den sie ausgeschlossen. Nach diese En e nung e gab sich bei den es -
lichen I ems eine kla e Zuo dnung zu zwei Fak o en ('Soziale Aspek e' mi 6 I ems
und 'Medizinisches Handeln' mi 5 I ems) mi Ladungen zwischen .45 und .88. Die
Kommunali ä en de I ems lagen zwischen .36 und .76 und es wu den 52.4 % de
Gesam a ianz du ch die beiden Fak o en e klä . Bei de sich anschließenden P ü-
ung de in e nen Konsis enz und de I em ennschä en wu de ein I em des Fak o s
'Medizinisches Handeln' au g und zu ge inge T ennschä e (.19) en e n . Die üb i-
gen T ennschä en ielen mi We en zwischen .44 und .72 deu lich höhe aus und
auch die in e ne Konsis enz wa ü diesen Fak o mi α = .79 zu iedens ellend. Fü
En wicklung und Validie ung eine Ku zskala (SUmeS) 313
den Fak o 'Soziale Aspek e' e gab sich ein We on α = .81 mi zu iedens ellenden
I em ennschä en zwischen .52 und .63.
In de da au olgenden kon i ma o ischen Fak o enanalyse wu de die Dimensiona-
li ä des Ins umen s wei e gehend übe p ü . Hie bei wu den zwei Modelle gegen-
einande ge es e : (1) ein ein ak o ielles bzw. Gene almodell und (2) ein zwei ak o-
ielles Modell, das die beiden zu o da geleg en Fak o en als Subdimensionen de
Selbs wi ksamkei annimm . Au die P ü ung eines d ei ak o iellen Modells wu de
e zich e , da be ei s die E gebnisse de explo a i en Fak o enanalyse gegen ein sol-
ches Modell sp echen. Zudem e schwe die be ei s e olg e En e nung on I ems
eine sinn olle Bildung d eie Fak o en. Au die P ü ung eines Modells zwei e O d-
nung wu de eben alls e zich e , da dies bei Vo liegen nu zweie Fak o en wenig
sinn oll wä e ( gl. Lee & Ca dogan, 2013).
Die E gebnisse de kon i ma o ischen Fak o enanalyse e gaben nich -zu iedens el-
lende We e ü das Gene al ak o modell (CFI = .65; TLI = .55; RMSEA = .19;
SRMR = .12). Die Fi -Indizes ü das 2-Fak o -Modell sind insgesam aus eichend,
eilweise jedoch g enzwe ig (CFI = .92; TLI = .87; RMSEA = .09; SRMR = .07) (Hu &
Ben le , 1999). Insbesonde e de RMSEA-We äll mi > .08 hoch aus. Eine genau-
e e Analyse de Da en zeig e, dass ein I em des Fak o s 'Medizinisches Handeln'
nich op imal in das Modell pass
11
, da es eine Fak o ladung on lediglich .24 au wies
und hohe We e in de s anda disie en Residualko a ianzma ix au eine unzu-
eichende Passung des I ems hinwiesen. Nach En e nung des I ems wu de eine e -
neu e Modellp ü ung mi els kon i ma o ische Fak o enanalyse du chge üh . Die
E gebnisse (und auch jene de K euz alidie ung) sind in Tabelle 2 da ges ell .
Tabelle 2: Fi -Indizes de e neu en Modellp ü ung ü die Pilo ie ungss ichp obe
(N = 118) und die K euz alidie ungss ichp obe (N = 308)
S ichp obe
Modell
χ²/d
CFI
TLI
RMSEA
SRMR
Pilo ie ung
1-Fak o -Modell
5.185
.69
.58
.19
.11
2-Fak o -Modell
1.337
.98
.97
.05
.04
K euz alidie ung
1-Fak o -Modell
8.251
.74
.65
.15
.09
2-Fak o -Modell
2.699
.94
.92
.07
.05
Anme kungen: N = S ichp obenum ang; χ²/d = χ2-We di idie du ch die Anzahl de F eihei sg ade;
CFI = Compa a i e Fi Index; TLI = Tucke Lewis Index; RMSEA = Roo Mean Squa e E o o App oxima ion;
SRMR = S anda dized Roo Mean Squa e Residual
11
„Ich wü de einem Kind mi Diabe es, das wegen eine Un e zucke ung bewuss los is , eine Glukagonsp i ze
e ab eichen“
314 Kohlwage
Die Fi -Indizes bes ä igen wei e hin die unzu eichende Passung des Gene al ak o -
modells, wäh end das übe a bei e e 2-Fak o -Modell nun eine seh gu e Modell-
passung zeig , die sich auch in de K euz alidie ung bes ä ig . Dahe wi d dieses als
inales Modell angenommen. Die in e ne Konsis enz de Fak o en bleib hoch
(α = .75 bis .81 ü ‚Soziale Aspek e‘ und α = .78 bis .84 ü ‚Medizinisches Handeln‘).
Auch die Fak o ladungen allen wei e hin hoch aus (.5 < FL < .9), ebenso wie die
I em ennschä en (.46 < i < .76). Die beiden Fak o en ko elie en mode a mi ei-
nande ( = .49*). Das inale Ins umen inde sich mi Angabe de Fak o ladungen
in Tabelle 3.
Tabelle 3: Ku zskala zu Selbs wi ksamkei se wa ungen on Leh am ss udie en-
den im Umgang mi ch onisch e k ank en Schüle *innen* (SUmeS)
Fak o
I em
Fak o ladungen
Soziale Aspek e
Ich bin zu e sich lich, die Schüle *innen
zu gegensei igen Un e s ü zung und
Rücksich nahme im Schulall ag an egen
zu können.
.73
.02
Ich kann es scha en, das Klassenklima so
zu beein lussen, dass sich e k ank e und
gesunde Kinde da in angenommen
ühlen.
.78
-.03
Ich bin mi siche , dass ich bei de A bei
mi ch onisch e k ank en Kinde n mi mei-
nen Kolleg*innen gu zusammena bei en
kann.
.63
.10
Ich weiß, dass ich zu den El e n e k ank e
Schüle *innen gu en Kon ak hal en kann,
selbs in schwie igen Si ua ionen.
.68
.07
Ich weiß, dass ich es scha e, mi ch onisch
e k ank en Schüle *innen gu en Kon ak
au zubauen, auch in schwie igen Si ua io-
nen.
.75
-.06
Ich kann an ADHS e k ank en Schüle *in-
nen meine E wa ungen an ih Ve hal en
kla e mi eln.
.72
-.05
En wicklung und Validie ung eine Ku zskala (SUmeS) 315
Fak o
I em
Fak o ladungen
Medizinisches Handeln
Auch bei einem medizinischen No all
(z. B. Bewuss losigkei , As hmaan all)
glaube ich, dass ich gu zu ech komme.
.02
.89
Ich aue mi zu, ein as hma isches Kind zu
a mungse leich e nden Übungen anzulei-
en.
-.001
.89
Ich aue mi zu, medizinische Hil smaß-
nahmen (Gabe on Table en, Salben,
Sp ays, Sp i zen) im Schulall ag du chzu-
üh en.
-.01
.81
Anme kungen: * Dem F agebogen wi d die in Kapi el 2 o ges ell e De ini ion o anges ell .
Die Übe p ü ung de kon e gen en und disk iminan en Validi ä de SUmeS-Skala
im Ve gleich zu Allgemeinen Selbs wi ksamkei sskala (αAllg = .85) und de leh k ä -
ebezogenen Selbs wi ksamkei sskala (αWi kLeh = .76) (s. Kap. 5.2) zeig mode a e
Spea man-Ko ela ionen zwischen dem Fak o 'Soziale Aspek e' und de Wi kLeh -
Skala ( = .52*) sowie de Allgemeinen Selbs wi ksamkei sskala ( = .42*) und zwi-
schen dem Fak o 'Medizinisches Handeln' und de Wi kLeh -Skala ( = .33*) sowie
de Allgemeinen Selbs wi ksamkei sskala ( = .45*). Diese mode a en Ko ela ionen
weisen au eine inhal liche Nähe (kon e gen e Validi ä ) hin, jedoch auch au eine
aus eichende Di e enzie ung de Skalen (disk iminan e Validi ä ). Die Disk iminanz-
alidi ä wu de zudem du ch das Fo nell-La cke -K i e ium bes ä ig , da die du ch-
schni liche Va ianz jedes Fak o s die quad ie e Ko ela ion de beiden Fak o en
übe s eig (.42 > .23 bzw. .80 > .23).
6.2 Selbs wi ksamkei se wa ungen on Leh am ss udie enden im
Umgang mi ch onisch k anken Schüle *innen
Fü die inhal lichen Analysen de Da en wu den beide S ichp oben (s. Tab. 1) zusam-
menge ass . Die desk ip i e Da s ellung de Skalenkennwe e inde sich in Ta-
belle 4.
Tabelle 4: Desk ip i e S a is ik zu SUmeS-Skala (N = 426)
Fak o
M
SD
Min – Max
Soziale Aspek e
5.51
0.68
2 – 7
Medizinisches Handeln
4.49
1.35
1 – 7
Anme kungen: N = S ichp obenum ang; M = Mi elwe ; SD = S anda dabweichung; Min = Minimalwe ;
Max = Maximalwe
316 Kohlwage
Eine Un e suchung de E gebnisse un e eil nach Schula ode Geschlech könn e
au schluss eich sein, hie on wu de jedoch abgesehen au g und de un e schiedlich
um ang eichen S ichp oben, die in einzelnen Ka ego ien zu klein aus allen (s. Tab. 1).
S a dessen wu de die Gesam s ichp obe in d ei Teils ichp oben hinsich lich de
Vo e ah ungen de S udie enden un e eil (s. Tab 1: in ensi e/mäßige/keine Vo -
e ah ungen) und G uppenun e schiede mi els ein ak o ielle Va ianzanalyse
(ANOVA) be echne . Ein signi ikan e E ek de Vo e ah ungsin ensi ä konn e hie -
bei nu ü das medizinische Handeln bes ä ig we den (F(2;423) = 3.89; p = .02;
η2 = .02), nich jedoch ü die sozialen Aspek e (F(2;423) = 2.39; p = .09; η2 = .01).
Hie bei zeig sich eine höhe e Selbs wi ksamkei se wa ung und Va iabili ä in Be-
zug au das medizinische Handeln bei denjenigen Pe sonen, die besonde s in ensi e
Vo e ah ungen mi ch onisch e k ank en Pe sonen gemach haben (s. Abb. 1).
Abbildung 1: Boxplo zu Selbs wi ksamkei se wa ungen bezüglich medizini-
schen Handelns
Eine wei e e ein ak o ielle ANOVA wu de hinsich lich de Leh ä igkei an Schulen
du chge üh . Da diese jedoch nu in de e s en S ichp obe mi e hoben wu de, lie-
gen hie ü lediglich N = 64 Da en o . Diese in Wochens unden zu un e eilen,
hä e zu kleine S ichp oben e geben, dahe wu de in zwei dicho ome G uppen
(keine wöchen liche Leh ä igkei : N = 23; wöchen liche Leh ä igkei : N = 41) un-
e eil . Die E gebnisse zeigen hie bei lediglich Tendenzen an, sind jedoch au g und

En wicklung und Validie ung eine Ku zskala (SUmeS) 317
de ge ingen S ichp obe nich zu e allgemeine n. Die E gebnisse de ANOVA zei-
gen au keinem de beiden Fak o en einen signi ikan en E ek de Leh ä igkei
(Sozial: F(1; 62) = 0.48; p = .49; η2 = .01; Medizinisches Handeln: F(1; 62) = 0.21;
p = .65; η2 = .003).
7 Diskussion, Limi a ionen und Ausblick
Ziel diese S udie wa die En wicklung und Validie ung eine Ku zskala zu Messung
de Selbs wi ksamkei se wa ungen on Leh am ss udie enden im Umgang mi
ch onisch e k ank en Schüle *innen (F ages ellung 1). Die E gebnisse zeigen, dass
ein eliables und alides Ins umen mi neun I ems, die au zwei Fak o en laden,
en wickel we den konn e.
Obwohl das Ziel e olg wu de, eine zei e izien e Ku zskala zu en wickeln und o z
aus eichende Reliabili ä , sind d ei inale I ems ü die Dimension 'Medizinisches
Handeln' jedoch ehe wenig. Wei e e u sp ünglich zugeo dne e I ems muss en im
Ve lau de Analysen ausgeschlossen we den, was au inhal liche ode sp achliche
Unschä en zu ückzu üh en sein könn e. So könn e e wa die Fo mulie ung „Ich
wü de …“
12
ehe Eins ellungen als Selbs wi ksamkei se wa ungen abgebilde ha-
ben. Zukün ig könn e diese Fak o dahe e wei e we den, z. B. könn e eine Au -
spal ung des I ems zu medizinischen Hil smaßnahmen in meh e e I ems gep ü
we den, ebenso wie eine E gänzung wei e e I ems und Fak o en. Da übe hinaus
könn e übe p ü we den, ob sich die Skala auch an be ei s p ak izie enden Leh -
k ä en alidie en läss (K i e iums alidi ä ) ode ob sich indi iduelle, mi els de
Skala e ass e Un e schiede auch p ädik i , z. B. hinsich lich de Un e ich s- ode
Beziehungsges al ung de Leh pe sonen, zeigen. Zudem wä en Zusammenhänge
mi e wand en Kons uk en, wie de Eins ellung gegenübe ch onisch e k ank en/
behinde en Pe sonen, zu un e suchen. Solche Eins ellungen könn en die Wah neh-
mung de I ems beein lussen, was nähe zu beleuch en und zu disku ie en wä e.
Fe ne e schein zukün ig auch eine Übe se zung und Validie ung de Skala in wei-
e en Sp achen sinn oll, e wa ü in e na ionale Ve gleichss udien.
Die be ag en S udie enden zeigen im Mi el mode a e bis hohe Selbs wi ksam-
kei se wa ungen au beiden Fak o en de Skala (F ages ellung 2). Besonde s hohe
We e wu den ü soziale Aspek e im Umgang mi ch onisch e k ank en Schüle *in-
nen e ass (M = 5.51; SD = 0.68). In Bezug au das medizinische Handeln zeigen
sich eine g öße e Va iabili ä und insgesam ge inge e Selbs wi ksamkei se wa -
ungen, wobei diese im Mi el dennoch eine posi i e Tendenz au weisen (M = 4.49;
SD = 1.35). Dies is kon o m zu bishe igen Fo schungsbe unden, die au endenziell
12
s. Fußno e 11
318 Kohlwage
posi i e Selbs wi ksamkei se wa ungen on Leh am ss udie enden hinweisen
(Bosse & Spö e , 2014; Bosse e al., 2016; S eese & Piepe , 2015). Diese bishe igen,
o de g ündig au Aspek e inklusi en Leh ens und Le nens bezogenen Be unde
können du ch die o liegenden E gebnisse in Bezug au den Umgang mi ch onisch
e k ank en Schüle *innen e wei e we den.
Die Leh ä igkei an Schulen ha e in de un e such en S ichp obe keinen signi ikan-
en E ek au die Selbs wi ksamkei se wa ungen de S udie enden. Diese Be und
könn e als Spezi ik de SUmeS-Skala in e p e ie we den, da bishe ige Skalen zu
Selbs wi ksamkei se wa ungen in inklusi en Kon ex en au Ein lüsse schulp ak i-
sche E ah ungen hinwiesen (s. Kap. 4.2). Limi ie end is jedoch neben des ge ingen
S ichp obenum angs auch anzume ken, dass aglich is , welche Quali ä und Quan-
i ä die Kon ak e ah ungen de be ag en S udie enden mi ch onisch e k ank en
Schüle *innen in de schulischen Leh ä igkei au weisen. Dies soll e anhand eine
g öße en S ichp obe e neu übe p ü we den. Gene ell sind an diese S elle Limi a-
ionen hinsich lich de un e such en S ichp obe zu nennen: Diese um ass beson-
de s iele G undschulleh am ss udie ende und F auen (s. Tab. 1), was einen Ein luss
au die E gebnisse haben könn e Eine Replika ion de S udie anhand eine he e o-
gene en S ichp obe wä e sinn oll. Zudem muss auch die Möglichkei des Au e ens
sozial e wünsch en An wo e hal ens k i isch mi bedach we den.
De Be und, dass o he ige E ah ungen mi be o enen Pe sonen Selbs wi ksam-
kei se wa ungen e höhen können (Feye e e al., 2014; G eine e al., 2020; Schee
e al., 2015), konn e bes ä ig we den. In ensi e Vo e ah ungen mi ch onisch e -
k ank en Pe sonen ha en einen signi ikan en posi i en E ek au die Selbs wi k-
samkei se wa ungen im Be eich medizinischen Handelns. Diesbezüglich wä e
denkba , dass in ensi e Kon ak e ah ungen mi ch onischen E k ankungen und me-
dizinischen Maßnahmen dazu bei agen, Ängs e und Hemmungen abzubauen und
dadu ch Selbs wi ksamkei se wa ungen zu s ä ken. Diese Be und un e s eich die
Bedeu ung on Kon ak e ah ungen zu Be o enen in de Leh k ä eaus- und - o -
bildung. Da übe hinaus könn e dies auch au eine zen ale Rolle e wo benen ein-
schlägigen Wissens als Ein luss ak o au Selbs wi ksamkei se wa ungen hinweisen.
Pe spek i isch e scheinen insbesonde e längsschni lich angeleg e S udien zu En -
wicklung de Selbs wi ksamkei se wa ungen sowie zu den E ek en einschlägige
Fo bildungen ode Leh e ans al ungen sinn oll.
Li e a u
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de Elemen a - und P ima s u e
Ko espondenz an: [email p o ec ed]
Leh k ä ep o essionalisie ung & Sp achliche Fö de beda bei AHF 327
ene He z ehle ', 'Sp achen wicklung bei angebo enen He z ehle n' sowie 'Sp ach-
ö de ung bei Angebo enen He z ehle n'. Ziel wa es, mögliche In o ma ionen zum
Umgang mi Sp achen wicklungsau älligkei en aus indig zu machen, welche Leh -
k ä e in einem e s en Sch i bei de Hinwendung zu diesem Thema nu zen können.
5 P o essionalisie ung du ch Handlungsemp ehlungen ü
Leh k ä e zu Beschulung ch onisch e k ank e
Schüle *innen
Wie die bishe igen E läu e ungen zu Beschulung ch onisch e k ank e Schüle *in-
nen und de AHF gezeig haben und wie die KMK (2025) e deu lich , sollen Leh -
k ä e au den Umgang mi ch onisch e k ank en Schüle *innen o be ei e we den,
um den he e ogenen Bedü nissen und Le nausgangslagen de Schüle *innen ge-
ech we den zu können. Die P o essionalisie ung on Leh k ä en inde au e -
schiedenen Ebenen s a . Eine e s e Ebene, o möglichen konk e en Fo - und Wei-
e bildungsmaßnahmen, s ellen Handlungsemp ehlungen ü Leh k ä e da , die on
e schiedenen Bundeslände n und Ins i u ionen e a bei e wu den. Sie können als
e s e und g undlegende Auseinande se zungsmöglichkei mi dem Thema, insbe-
sonde e ü Regelschulleh k ä e ohne sonde pädagogische Quali ika ion, e s an-
den we den.
Insgesam äll die Au klä ung und Sensibilisie ung zu den e schiedenen ch oni-
schen E k ankungen und möglichen Konsequenzen sowie zum Umgang mi ch o-
nisch e k ank en Schüle *innen im Un e ich übe die ei zugänglichen on den
Landes- und Bildungsminis e ien ode Bildungsins i u en be ei ges ell en Hand-
lungsemp ehlungen in allen sechzehn Bundeslände n Deu schlands un e schiedlich
aus. So e ö en lichen einige Bundeslände eigene allgemeine ode k ankhei sbe-
zogene Handlungsemp ehlungen (bspw. bezogen au Dep essionen ode ch oni-
sche E k ankungen im Spo un e ich ), wäh end ande e au bundeslände übe g ei-
ende Emp ehlungen ode Emp ehlungen ande e Bundeslände e weisen ode
übe kaum bis ga keine Emp ehlungen e ügen. Eine besonde s häu ig zi ie e,
bundeslände übe g ei ende Handlungsemp ehlung is die Hand eichung de Bun-
deszen ale ü gesundhei liche Au klä ung (BZgA) aus dem Jah 2006 (E schenbe g,
2006). In diese Hand eichung we den ausgewähl e ch onische E k ankungen, da-
un e AHF, und ih Ein luss au den Schulall ag de Schüle *innen insbesonde e aus
medizinische und un e ich so ganisa o ische Pe spek i e besch ieben. So we den
die Leh k ä e au geklä , mi welchen Symp omen die e schiedenen E k ankungen
einhe gehen können, wie sie sich in No allsi ua ionen e hal en soll en und inwie-
e n die E k ankungen den Schulall ag beein lussen könn en. Zudem wi d A bei s-
ma e ial ü die Thema isie ung de e schiedenen E k ankungen im Un e ich und

328 Schumache & Sliwinski
wei e üh ende Li e a u ü Leh k ä e und El e n angebo en. Eine Thema isie ung
mögliche (Sp ach-)En wicklungsau älligkei en und no wendige Fö de maßnah-
men bleib alle dings aus. Ein ähnliches Bild zeig sich bei de Analyse de bundes-
lände spezi ischen Hand eichungen de e schiedenen Bundeslände . So haben ne-
ben dem Landesins i u ü Schule und Medien Be lin-B andenbu g (LISUM, je z
LIBRA) auch die Landesins i u e ü Schulen wicklung de Lände Baden-Wü em-
be g, Hambu g und Sachsen eigene Hand eichungen e ö en lich .
Die meis en bundeslände spezi ischen Hand eichungen sowie die bundeslän-
de übe g ei ende Handlungsemp ehlung de BZgA beinhal en Abschni e zu aus-
gewähl en ch onischen E k ankungen, zu ech lichen G undlagen und zu Koope a-
ion mi den El e n. Insgesam nennen nu 4 on 21 un e such en Handlungsemp-
ehlungen AHF als ch onische E k ankung, wie Tabelle 1 zu en nehmen is . Keine de
Handlungsemp ehlungen geh au Sp achen wicklungsau älligkei en im Rahmen
eines AHF ein. Eine de Handlungsemp ehlungen hema isie zwa mögliche
Sp achen wicklungsau älligkei en im Zusammenhang mi ch onischen E k ankun-
gen, alle dings bes eh hie kein Bezug zu AHF (Bundesa bei sgemeinscha [BAG]
SELBSTHILFE, 2016).
Tabelle 1: F ei zugängliche Handlungsemp ehlungen ü Leh k ä e zum Umgang
mi Schüle *innen mi einem angebo enen He z ehle (AHF)
Handlungsemp ehlung
Bezug zu
medizinischen
Bedü nissen
Bezug zu
ech lichen
G undlagen
Bezug zu
Sp achen wicklungs-
au älligkei en
BzgA (2006)
x
x
LISUM Be lin-B andenbu g (2010)
x
x
S aa sins i u ü Schulquali ä und
Bildungs o schung München (2020)
x
x
BAG Selbs hil e on Menschen mi
Behinde ung und ch onische
E k ankung und ih en Angehö igen
e. V. (2016)
x
x
x
(alle dings ohne
Bezug zu AHF)
Sächsisches S aa sminis e ium ü
Kul us (2012)
x
x
Anme kungen: AHF = angebo ene He z ehle ; BAG = Bundesa bei sgemeinscha ; BzgA = Bundeszen ale
ü gesundhei liche Au klä ung; LISUM = Landesins i u ü Schule und Medien Be lin-B andenbu g
Die Vo be ei ung de Leh k ä e au mögliche En wicklungsau älligkei en on Schü-
le *innen insbesonde e im sp achlichen Be eich und dami einhe gehende Fö de -
Leh k ä ep o essionalisie ung & Sp achliche Fö de beda bei AHF 329
beda e kann im Rahmen de Hand eichungen en sp echend als unzu eichend an-
gesehen we den. Das is insbesonde e hinsich lich de un e schiedlichen G und o-
ausse zungen de Leh k ä e bezüglich ih e Ausbildung als k i isch zu be ach en.
So kann da on ausgegangen we den, dass sonde pädagogisch ausgebilde e Leh -
k ä e (z. B. Leh am sabschluss in Sonde pädagogik, Fö de pädagogik mi dem
Schwe punk Sp ache ode Rehabili a ionswissenscha en) hinsich lich de Fö de-
ung on Schüle *innen mi (sp achlichen) Fö de beda en au eichhal ige e Fach-
kompe enzen zu ückg ei en können. Diese Fachkompe enzen we den alle dings im
egulä en Leh am ss udium beg enz e e mi el . Besonde s Leh k ä e an Regel-
schulen, die mi de Fö de ung ch onisch e k ank e Schüle *innen kon on ie we -
den, sind au die bes ehenden Hand eichungen im e s en Sch i de Auseinande -
se zung mi diesem Thema angewiesen. Das is auch dahingehend p oblema isch,
da die noch nich sensibilisie en Leh k ä e die Handlungsemp ehlungen mögli-
che weise als Basis ih e Un e ich sanpassung nu zen, be o sie an no wendigen
Fo - und Wei e bildungen eilnehmen. Fehl es an diese S elle an Sensibilisie ung
und Hinweisen au no wendige Fö de maßnahmen, kann sich das ungüns ig au die
Beschulung de be o enen Schüle *innen auswi ken. Es beda dahe en sp echend
be ei s an diese S elle de nied igschwelligen Annähe ung eine geziel en, In o ma-
ions üh ung de Leh k ä e, indem exis ie ende Hand eichungen um die Thema i-
sie ung on (Sp ach-)En wicklungsau älligkei en im Zusammenhang mi ch oni-
schen E k ankungen e wei e und mi Hinweisen au wei e e spezi ische Hand-
lungsemp ehlungen e olls ändig we den. Im besonde en Feld de Leh k ä e an
Klinikschulen bes eh unabhängig on eine sonde pädagogischen G undausbil-
dung be ei s ein Wunsch nach meh P o essionalisie ung ü den Umgang mi de
he e ogenen Schüle *innenscha (Cas ello & Pülschen, 2018; Meine s, K ull &
Leidig, 2023). Die be ag en Leh k ä e in de S udie on Meine s und Kolleg*innen
(2023) b ach en e schiedene Ausbildungshin e g ünde mi . Alle Be ag en gaben
an, dass sie sich nich aus eichend o be ei e ühlen, wobei die Leh k ä e ohne
sonde pädagogisches G unds udium besonde s den Be eich de Diagnos ik und in-
di iduellen Fö de ung als Kompe enzlücke nann en. Fü einen möglichen Wei e bil-
dungss udiengang wi d im Rahmen de S udie eine Skizze p äsen ie , die neben
didak isch-me hodischen Konzep en des Un e ich s auch die Diagnos ik und Fö -
de ung schwe punk mäßig hema isie . Im Be eich de egulä ausgebilde en Leh -
k ä e an Regelschulen könn e sich ein ähnliches Bild zeigen. Eine empi ische Un e -
suchung diese Annahme e olg e jedoch bislang nich .
330 Schumache & Sliwinski
6 Resul ie ende Handlungsbeda und Ausblick
Die o angegangenen Da s ellungen machen deu lich, dass bishe keine einhei li-
chen Handlungsemp ehlungen bezüglich de Ad essie ung sp achliche Au ällig-
kei en on Schüle *innen mi ch onischen E k ankungen, bspw. mi einem AHF, im
Rahmen des e s en P o essionalisie ungssch i s on Leh k ä en exis ie en. Ob und
inwie e n insbesonde e Leh k ä e an Regelschulen übe die Auswi kungen und
Schwie igkei en im Be eich de Sp achen wicklung in o mie , bei de Auseinande -
se zung mi diesen im Kon ex des Un e ich s angelei e und un e s ü z und übe
mögliche Auswi kungen ehlende schulische P ä en ion und In e en ion au ge-
klä we den, bleib unkla . Bleiben die e s en In o ma ionsquellen de Leh k ä e
ö en lich zugängliche Handlungsemp ehlungen de Bundeslände , so kann da on
ausgegangen we den, dass de Fokus au medizinische Pe spek i e und Handhabe
lieg und nich de ü den schulischen E olg g undlegenden möglichen En wick-
lungseinsch änkung ode besonde en Fö de beda en. Inwiewei bspw. allgemeine
Hand eichungen zu schulischen Sp ach ö de ung ü Leh k ä e im Rahmen de Be-
schulung ch onisch e k ank e Schüle *innen konsul ie we den, is eben alls nich
bekann . Es kann jedoch da on ausgegangen we den, dass Leh k ä e ohne eine
Sensibilisie ung zu möglichen Sp achau älligkei en diese Schüle *innenscha sol-
che Hand eichungen nich (an e s e S elle) konsul ie en. Hie zu gib es alle dings
zum je zigen Zei punk keine empi ischen Un e suchungen.
Die Au klä ung und Be a ung de El e n on Kinde n mi ch onischen E k ankungen
in Hinblick au mögliche Sp achen wicklungsau älligkei en und P ä en ions- und
In e en ionsmaßnahmen s ell eine wei e e g oße He aus o de ung da , die nu mi
de Fachkompe enz de Leh k ä e e olg eich bewäl ig we den kann. El e nbe a-
ung wi d in den ak uellen Emp ehlungen de KMK (2025) explizi ge o de . Insbe-
sonde e bei de El e nbe a ung on du ch die ch onische E k ankung ih es Kindes
s a k belas e en Familien (T ös e , 2005) schein eine P o essionalisie ung on Leh -
k ä en d ingend no wendig, um dem e höh en Be a ungs- und Beglei ungsbeda
zu begegnen.
Wi sehen den zukün igen Handlungsbeda esul ie end au e schiedenen Ebe-
nen. Zum einen in de Leh k ä ebildung bzw. be u sbeglei enden P o essionalisie-
ung on Leh k ä en, an allen Schul o men, die ch onisch e k ank e Schüle *innen
un e ich en. Im Rahmen de on de KMK (2025) be ei s e wähn en egelmäßigen
Fo - und Wei e bildungsangebo e soll en die Leh k ä e sich schwe punk mäßig
auch mi den besonde en Bedingungen ch onisch e k ank e Schüle *innen im Be-
eich de Sp achen wicklung und möglichen Un e s ü zungsmaßnahmen ü diese
Schüle *innen auseinande se zen. Dazu gehö Wissen um den Zusammenhang zwi-
schen eine ch onischen E k ankung und neu opsychologischen En wicklungsau äl-
ligkei en, um diagnos ische (Beobach ungs-)Möglichkei en sp achliche Fähigkei en
Leh k ä ep o essionalisie ung & Sp achliche Fö de beda bei AHF 331
und um e idenzbasie e Un e s ü zungsmöglichkei en, die sich un e ich simma-
nen umse zen lassen – ge ade un e dem Gesich spunk de besonde en Belas ung
de Schüle *innen und de häu igen Schulwechsel. Empi ische Be unde zeigen, dass
eine P o essionalisie ung pädagogische Fachk ä e im Elemen a be eich in Bezug
au die Un e s ü zung on Sp achen wicklungsp ozessen ziel üh end is (Becke le e
al., 2019; Simon & Sachse, 2013). Auch ü den Be eich de G undschule gib es e s e
empi ische Un e suchungen, die einen posi i en E ek de P o essionalisie ung in
diesem Feld zeigen (z. B. Gable , Henschel, Ha dy, Son ag & Hepp , 2024). Die Wich-
igkei des cu icula en Ve anke ns on S udieninhal en zu ö de bezogenen und
achin eg ie en Ad essie ung on Sp achau älligkei en bei Schüle *innen in Leh -
am ss udiengängen is e kann und Konzep e dazu we den e schieden lich disku-
ie (Buske & Budde, 2015; Koch-P iewe & K üge -Po a z, 2016).
Zum ande en is es neben de Ve mi lung on Fachwissen in de Ausbildungs- bzw.
P o essionalisie ungsphase de Leh k ä e unbeding zusä zlich e o de lich, dass
be ei s o handene und genu z e Handlungsemp ehlungen au Bundes- und Lan-
desebene um Aspek e de Sp achen wicklung und - ö de ung e gänz we den, da
diese die e s e und nied igschwellige Auseinande se zung mi dem Thema e mög-
lichen. Zusä zlich wä en Konzep e ü die kompe en e und sys ema ische Be a ung
de El e n wünschenswe , um das Po en ial on sp ache we bs ö de lichem Ve hal-
en in de In e ak ion de Kinde mi e wachsenen Pe sonen übe den Schulall ag
hinaus auszuschöp en. So kann eine ganzhei liche Fö de ung und En las ung de
Schüle *innen au lange Sich gewäh leis e we den, sodass eine (Wiede -)Einglie-
de ung in das Regelschulsys em und somi die Inklusion im Bildungsbe eich und in
die Gesellscha gelingen kann.
Zudem s ell die empi ische Un e suchung de Klinikschulen im Allgemeinen sowie
de (Fö de -)S uk u en und Un e ich squali ä ein Fo schungsdeside a da . Eine
mögliche empi ische Annähe ung in Bezug au das Ad essie en sp achliche Au äl-
ligkei en s ell eine sys ema ische Be agung de an diesen Schulen ä igen Leh -
k ä e da . So könn e ein Is -Zus and zu be ei s o handenem Fachwissen, s a in-
dende Sp ach ö de ung und dem bishe igen Fo - und Wei e bildungsangebo e -
mi el we den, um da aus kün igen Nachbesse ungs- und P o essionalisie ungs-
beda abzulei en. Empi ische Einblicke in das A bei en an Klinikschulen sind bishe
a (Bakels, 2020) und besch änken sich au den Be eich de psychia ischen E k an-
kungen. Eine zen ale Rolle soll e die Ve einhei lichung de Fo - und Wei e bil-
dungsinhal e ü (angehende) Leh k ä e einnehmen, die ch onisch e k ank e Schü-
le *innen un e ich en, da mi wachsenden Zahlen on Schüle *innen mi ch oni-
schen E k ankungen an Regelschulen au g und de s e igen Wei e en wicklung de
Medizin auszugehen is .
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D . Rebecca Schumache
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, Uni e si ä Po sdam, Inklusionspädagogik mi dem
Schwe punk Sp ache
Ewa Sliwinski1, Uni e si ä Po sdam, Inklusionspädagogik mi dem Schwe punk
Sp ache
Ko espondenz an: [email p o ec ed]
1
Ge eil e E s au o innenscha
Empi ische Pädagogik CC BY-NC-SA 4.0
2025, 39. Jah gang, He 3, S. 335-355 h ps://doi.o g/10.62350/OTOT8612
Ka ja Höglinge & Sophia Falkens ö e
Zu Unsich ba kei ch onische E k ankungen und
ih e Bedeu ung ü die Pädagogik: Eine me a-
e hnog aphische S udie
Ch onische E k ankungen bleiben häu ig unsich ba – mi ie g ei enden sozialen und pädagogischen Kon-
sequenzen. De Bei ag widme sich diesem bislang wenig beach e en Phänomen und kombinie eine heo-
e ische Analyse mi eine empi ischen me a-e hnog aphischen S udie. Ziel is es, die Lebens eali ä en ch o-
nisch e k ank e Menschen zu beleuch en und dabei die Bedeu ung de Unsich ba kei ü pädagogische
Kon ex e he auszua bei en. Die heo e ische Annähe ung e olg aus Pe spek i en de Philosophie, Medizin-
e hik, An h opologie und Disabili y S udies. Die empi ische Analyse basie au zehn in e na ionalen S udien
und zeig , dass sich Unsich ba kei in ielschich igen Disk epanze ah ungen mani es ie . D ei zen ale Dis-
k epanzen – zwischen E leben und E scheinen, Können und Wollen sowie Sein und Sollen – s uk u ie en
das Phänomen im Leben de Be o enen. Die Pädagogik is au ge o de , diese E kenn nisse au zug ei en,
um Ba ie en zu iden i izie en, Wissen zu gene ie en und siche e Räume ü Menschen mi (unsich ba en)
ch onischen E k ankungen zu scha en. Die S udie lie e dami einen g undlegenden Bei ag zu E ablie ung
eine Pädagogik bei K ankhei .
Schlagwö e : E k ankung – K ankhei – Pädagogik bei K ankhei – S igma isie ung – Unsich ba kei
On he in isibili y o ch onic illnesses and hei
signi icance o pedagogy: A me a-e hnog aphic
s udy
Ch onic illnesses a e o en in isible, wi h a - eaching social and educa ional consequences. This pape o-
cuses on his p e iously o e looked phenomenon, combining a heo e ical analysis wi h an empi ical me a-
e hnog aphic s udy. The aim is o shed ligh on he eali ies o li e o people wi h ch onic illnesses and o
de e mine he signi icance o in isibili y in educa ional con ex s. The heo e ical app oach d aws on philos-
ophy, medical e hics, an h opology, and disabili y s udies. The empi ical analysis, based on en in e na ional
s udies, e eals ha in isibili y mani es s as mul i-laye ed expe iences o disc epancy. Th ee cen al disc ep-
ancies – be ween expe ience and appea ance, capabili y and in en ion, and iden i y and expec a ion – s uc-
u e he phenomenon in he li es o hose a ec ed. Pedagogy is encou aged o conside hese indings in
o de o iden i y ba ie s, gene a e knowledge, and c ea e sa e spaces o indi iduals wi h (in isible) ch onic
illnesses. Consequen ly, he s udy lays impo an g oundwo k o he de elopmen o a pedagogy du ing
illness.
Keywo ds: ch onic illness – in isibili y – in isible illness – pedagogy du ing illness – s igma iza ion
336 Höglinge & Falkens ö e
1 Einlei ung
In Deu schland leben ca. 40% alle Menschen ab 16 Jah en mi eine ch onischen
E k ankung (S i ung Gesundhei swissen, 2022). Fü Außens ehende bleiben diese
E k ankungen häu ig eilweise ode gänzlich unsich ba . Be o ene e leben Ein-
sch änkungen und Symp ome, die on ih em Um eld nich wah genommen we den.
Dies kann gesellscha liche No mansp üche an Belas ba kei und Leis ung begüns-
igen, die be o ene Menschen in no ma i au geladene E wa ungskon ex e s el-
len. Aspek e de Unsich ba kei eine E k ankung können so zu Un e s ändnis, ne-
ga i en Zusch eibungen und soziale Isola ion üh en (Ca oll, G a , Wicks & Diaz
Thomas, 2020; Donnelly, Wilson, Mannan, Whi ehill & K oll, 2021). Die ehlende ge-
sellscha liche Sensibili ä und das ge inge ö en liche Wissen übe ch onische E -
k ankungen e schä en diese Si ua ion.
Die Unsich ba kei ch onische E k ankungen is in wissenscha lichen Disku sen bis-
lang wenig beach e . Empi isch is das Phänomen kaum e o sch ; es ehlen um as-
sende konzep uelle Ansä ze und sys ema ische S udien im deu schsp achigen
Raum. Ziel des Bei ags is es dahe , sich de Unsich ba kei heo e isch und empi-
isch anzunähe n sowie ih e Bedeu ung ü die Pädagogik he auszua bei en.
De Bei ag um ass einen Übe blick übe wissenscha liche Disku se zu Unsich ba -
kei im Kon ex ch onische E k ankungen und eine me a-e hnog aphische S udie
(nach eMERGe: F ance e al., 2019), die in e na ionale S udiene gebnisse hinsich lich
konzep uelle E kenn nisse zu Unsich ba kei analysie . E kann als e s e G undla-
gen o schung zu Unsich ba kei ch onische E k ankungen in pädagogischen Kon-
ex en e s anden we den. De Beg i ‘ch onische E k ankungen’ wi d hie bei als ein
Übe beg i e s anden, de sowohl soma ische als auch psychische E k ankungen
um ass und ebenso sel ene E k ankungen sowie K ankhei ssymp ome und -e ah-
ungen, wie beispielsweise Schme zen, einschließ . Die E kenn nisse sollen dami
auch Anschlüsse ü die sich zunehmend e ablie ende Disziplin de Pädagogik bei
K ankhei e möglichen. Inso e n Unsich ba kei in heo e ischen Disku sen und em-
pi ischen Vo a bei en e einzel be ei s im Kon ex on Behinde ung ad essie
wu de, wi d dabei auch au diesbezügliche E kenn nisse zum Phänomen de Un-
sich ba kei eingegangen (ohne dami eine Gleichse zung on E k ankung und Be-
hinde ung zu in endie en).
2 Theo e ische Annähe ung
Es s ell sich die F age, inwie e n die Wissenscha en sich mi dem Phänomen de
Unsich ba kei und dessen Auswi kungen au die Lebensbedingungen e k ank e
Menschen be ass haben. Dabei zeig sich, dass das Thema insgesam wenig Beach-
ung inde . Mi Blick au die Pädagogik wi d deu lich, dass nu wenige Aus üh un-
Zu Unsich ba kei ch onische E k ankungen: Eine me a-e hnog aphische S udie 343
S udie
Zugang
Zielg uppe
Spezi ische konzep uelle
E kenn nisse
(2) Ca oll, L.,
G a , C., Wicks, M. &
Diaz Thomas, A.
(2020).
Li ing wi h an
in isible illness: a
quali a i e s udy
explo ing he li ed
expe iences o
emale child en wi h
congeni al ad enal
hype plasia.
Quali a i e
S udie
(In e iew-
s udie)
Mädchen
und weib-
liche
Jugendliche
mi angebo-
ene Ne-
bennie en-
hype plasie
Ca oll e al. (2020) be assen sich mi
de Unsich ba kei ch onische E -
k ankungen, indem sie au zeigen,
dass eine angebo ene Nebennie-
enhype plasie ü Außens ehende
nich sich ba is , was zu Miss e -
s ändnissen und S igma isie ung
üh und die Lebensquali ä de Be-
o enen beei äch igen kann. Un-
sich ba kei wi d als Zus and kon-
zep ualisie , de das ägliche Leben
und die soziale In e ak ion wesen -
lich beein äch ig , ü ande e Men-
schen abe le z lich nahezu olls än-
dig e bo gen bleib .
(3) Chiang, Y.-T.,
Chen, C.-W.,
Su, W.-J., Wang, J.-K.,
Lu, C.-W., Li, Y.-F.
& Moons, P. (2015).
Be ween in isible
de ec s and isible
impac : he li e
expe iences o
adolescen s and
young adul s wi h
congeni al hea
disease.
Quali a i e
S udie
(desk ip i-
e phäno-
menologi-
sche
S udie)
Jugendliche
und junge
E wachsene
mi angebo-
enem He z-
ehle
Chiang e al. (2015) be assen sich
mi de Unsich ba kei ch onische
E k ankungen, indem sie „unsich -
ba e De ek e“ wie angebo ene He z-
k ankhei en konzep ualisie en, die
äuße lich nich sich ba sind, abe
das Leben de `Pa ien *innen´ e -
heblich beein äch igen. Sie heben
das mangelnde Bewuss sein de Pa-
ien *innen ü diese K ankhei he -
o , was zu ih e Unsich ba kei bei-
äg . Die S udie gib Au schluss
da übe , wie sich diese Unsich ba -
kei au die Selbs wah nehmung de
`Pa ien *innen´ und den Umgang
mi ih e E k ankung auswi k .

344 Höglinge & Falkens ö e
S udie
Zugang
Zielg uppe
Spezi ische konzep uelle
E kenn nisse
(4) Donnelly, S.,
Wilson, A. G.,
Mannan, H., Dix, C.,
Whi ehill, L. &
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(In) isible illness: a
pho o oice s udy o
he li ed expe ience
o sel -managing
heuma oid a h i is.
Quali a i e
S udie
(Commu-
ni y-ba-
sie e
pa izipa-
i e
Ansa z;
Pho o-
oice)
E wachsene
mi Rheu-
ma oide
A h i is (RA)
Donnelly e al. (2021) be assen sich
mi de Unsich ba kei ch onische
K ankhei en, indem sie den subjek-
i en Cha ak e on unsich ba en
Symp omen wie Müdigkei und
Schme zen he o heben, die ü An-
de e schwe zu e kennen und zu
messen sind. Sie zeigen au , dass die
Unsich ba kei on Symp omen zu
Zwei eln an de Legi imi ä de E -
k ankung üh en kann. De Bei ag
gib Einblicke in das Pa adoxon on
Sich ba kei und Unsich ba kei , bei
dem Menschen mi RA en scheiden,
wann sie ih e K ankhei o enlegen
ode e be gen, um eine S igma i-
sie ung zu e meiden und dami ein
ließendes Ve häl nis zwischen Mas-
kie ung und O enlegung ih e E -
k ankung mani es ie en.
(5) He manns, M.
(2013). The in isible
and isible
s igma iza ion o
pa kinson’s disease.
Quali a i e
S udie
(E hnog a-
phische
Ansa z)
E wachsene
mi
Pa kinson
He manns (2013) be ass sich mi
Unsich ba kei , indem sie die in e -
nen psychologischen Ve ände un-
gen und emo ionalen Auswi kungen
ch onische E k ankungen he o -
heb , die ü Ande e nich unmi el-
ba sich ba sind. De Bei ag bie e
konzep uelle Einblicke in die A und
Weise, wie unsich ba e Aspek e zu
S igma isie ung und Isola ion bei-
agen und heb dabei das e än-
de e Selbs bild be o ene Men-
schen und ih subjek i es (Belas-
ungs-) E leben he o .
Zu Unsich ba kei ch onische E k ankungen: Eine me a-e hnog aphische S udie 345
S udie
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synd ome.
Quali a i e
S udie
(In e iew-
s udie)
F auen mi
Sjög en-
Synd om
He e a e al. (2024) be assen sich
mi de Unsich ba kei ch onische
E k ankungen im Kon ex des Sjög-
en-Synd oms und kons a ie en,
dass die kö pe lichen Symp ome
und de O gan e schleiß diese E -
k ankung ü Ande e nich wah -
nehmba sind, was zu soziale Ab-
we ung, In alidisie ung und man-
gelndem Ein ühlungs e mögen
üh . De Bei ag e deu lich , dass
sich Unsich ba kei auch au das P i-
a - und Be u sleben auswi ken
kann, z. B. da die Schwe e de Symp-
ome alsch eingeschä z wi d.
Hinzu komm eine unzu eichende
Awa eness sei ens de Angehö igen
de Gesundhei sbe u e, welche sich
au das soziale Un e s ü zungsne z
de be o enen Pe sonen auswi k .
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(Online-
Um age
mi
o enen
und
geschlos-
senen
F agen)
Junge
E wachsene
(College
S udie ende)
mi selbs -
be ich e en
unsich ba en
E k ankun-
gen (z. B.
Angs ,
Dep ession,
PTBS, OCD,
Esss ö un-
gen,
ch onische
Schme zen,
Au ismus)
Kline und Da idson (2022) be assen
sich mi de Unsich ba kei ch oni-
sche E k ankungen, indem sie die
He aus o de ungen beleuch en, mi
denen S udie ende mi unsich ba-
en E k ankungen kon on ie sind,
wie S igma isie ung, Disk iminie-
ung und die No wendigkei , un-
sich ba e Symp ome bes ändig zu
e klä en. De Bei ag gib Einblicke
in die A und Weise, wie Unsich -
ba kei dazu üh , dass die Legi imi-
ä on ch onischen E k ankungen
in F age ges ell wi d.
346 Höglinge & Falkens ö e
S udie
Zugang
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Quali a i e
S udie
(In e iew-
s udie:
G ounded
Theo y)
E wachsene
mi
ch onischen
Kop -
schme zen
Lona di (2007) be ass sich mi de
Unsich ba kei ch onische E k an-
kungen, indem sie den Mangel an
gesellscha liche Ane kennung am
Beispiel ch onische Kop schme zen
au zeig . De Bei ag e ö e das Di-
lemma, in dem sich Menschen mi
unsich ba en E k ankungen be in-
den. Machen sie ih e E k ankung
nich sich ba , so bleib ihnen sozia-
le Un e s ü zung e sag . Legen sie
sie o en, kann es zu S igma isie ung
kommen. Dies üh zu einem nega-
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Quali a i e
S udie
(In e iew-
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E wachsene
mi
mik oskopis
che Coli is
(MC)
Pihl Lesno ska e al. (2019) be assen
sich mi de Unsich ba kei ch oni-
sche E k ankungen, indem sie au -
zeigen, dass eine mik oskopische
Koli is (MC) nich du ch S anda d-
diagnose e ah en e kann we den
kann, was zu Ve zöge ungen bei de
Diagnose und Behandlung üh . Sie
e ö e n auch die soziale Unsich -
ba kei , die be o ene Menschen
au g und des mangelnden Ve -
s ändnisses on Gesundhei sdiens -
leis e n und sozialen Ne zwe ken e -
ah en.
De A ikel gib Einblicke in die psy-
chologischen und sozialen He aus-
o de ungen, mi denen Menschen
mi unsich ba en E k ankungen
kon on ie sind, und un e s eich ,
wie wich ig es is , dass Fachk ä e im
Gesundhei swesen diese E ah un-
gen ane kennen und e ns nehmen.
Zu Unsich ba kei ch onische E k ankungen: Eine me a-e hnog aphische S udie 347
S udie
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Me a-
E hnog a-
phie
Jugendliche
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Myalgische
Enzephalom
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Pilking on e al. (2020) be assen sich
mi de Unsich ba kei ch onische
E k ankungen, indem sie he o he-
ben, wie ME/CFS au g und des Man-
gels an beobach ba en Anzeichen
und diagnos ischen Ma ke n on
Ande en o nich e kann ode e -
s anden wi d. Sie konzep ualisie en
Unsich ba kei als ein ela ionales
Kons uk , das sich aus de In e ak-
ion mi Familie, F eunden und
Fachpe sonen e gib und du ch He-
aus o de ungen bei de Diagnose-
s ellung und hinsich lich de gesell-
scha lichen Wah nehmung e -
s ä k wi d.
4.2 Thema ische Analyse
Bei de hema ischen Analyse nach B aun und Cla ke (2006, 2022) wu de das Da en-
ma e ial nach meh maligem Lesen induk i kodie . Zunächs wu den ex nahe
Codes au Sa z- und Absa zebene e geben, dann in einem zi kulä en P ozess zu-
nehmend zu um assende en Codes e dich e , bis au iel, dass sich alle Codes d ei
übe g ei enden Themen zuo dnen ließen. Folglich konn en d ei übe geo dne e The-
men iden i izie we den. Sie deu en da au hin, dass sich das Phänomen de Un-
sich ba kei in eine d ei achen Disk epanz zwischen E leben und E scheinen, Kön-
nen und Wollen und Sein und Sollen mani es ie . In Tabelle 3 we den die Themen
abella isch au ge üh und anhand on Auszügen aus den codie en Segmen en
exempla isch e anschaulich .
348 Höglinge & Falkens ö e
Tabelle 3: Anke beispiele de hema ischen Analyse
Thema
Exempla ische Einblicke
Disk epanz
zwischen
E leben und
E scheinen
“’On he ou side people hink you look well and heal hy. Rosy ed
cheeks, a pic u e o heal h. The lack o unde s anding, conside a ion,
o en c i icism om non-su e e s means mos lupus indi iduals eel
alone, pain ul, ill and demo alised’” (B ennan & C ea en, 2016, S. 1230).
Disk epanz
zwischen
Können und
Wollen
“’I’m always a 100%. I mean be o e I was diagnosed wi h his, I’d be
[busy wi h] wo k, my pa en s, he kids, e e y hing. Whe eas now, I
would ha e ha skill o saying, lis en make you [sel ] a p io i y now. . .
Make a plan [o ] how a e you going o ge h ough oday because
omo ow is a new day and you wake up eeling much be e . . . Be o e,
wi h he medica ion, I would be so d ead ully ea ul ha I would ha e
his o e e . Tha I ne e eel ok again. Tha his illness is pa o li ing
now. And while i is pa o i now, I ac ually [ha e] he skill now o say
i ’s only a ew days; i ’s only a ew hou s; i s one day and omo ow will
be a new day. And you ge up and s a all o e again. I hink you ha e
o ha e a e y, e y s ong line in you head whe e you ha e o say. . .
don’ be d agged down ha ou e whe e i ’s all aw ul and i ’s all pain
because i ’s no . I you gi e you sel . . .le you sel be augh he skills’”
(Donnelly e al., 2021, S. 21-22).
Disk epanz
zwischen Sein
und Sollen
“’I don’ eally wan . . .i ’s like i I had no hand o no leg people would
see i . They’d go “Ah look, God lo e you. Ge on he bus in on o me
he e” and all his. You don’ wan people o pick you ou and say
[some hing], bu ye you s ill wan hem o know ha you’ e no well.
I ’s idiculous, wha I’m saying!’” (Donnelly e al., 2021, S. 17)
“‘You wan o i in comple ely bu you wan people o unde s and wha
you a e going h ough’” (Donnelly e al., 2021, S. 17)
4.2.1 Disk epanz zwischen E leben und E scheinen
De Analyse zu olge mani es ie sich das Phänomen de Unsich ba kei im Kon ex
ch onische E k ankungen e s ens in eine Disk epanz zwischen E leben und E schei-
nen. Unsich ba kei en s eh olglich dann, wenn das äuße e E scheinungsbild und
das inne e E leben de Be o enen di e gie en. Sie en al e sich als eine Rela ion
aus subjek i em K ankhei se leben und de Nich -Wah nehmba kei dieses E lebens
du ch die soziale Umwel .
Menschen mi unsich ba en E k ankungen we den on de Gesellscha als ‘gesund’
ode ‘no mge ech ’ gelesen. Sie e hal en Rückspiegelungen aus de sozialen Um-
wel , wonach sie als ‘gu ’ ode ‘no mal’ aussehend wah genommen we den. Gleich-
wohl e leben sie sich selbs als ‘k ank’ ode ‘e k ank ’. Sie e ah en spü ba e K ank-
hei sanzeichen und -symp ome, Beein äch igungen im All agsleben und Behinde-

Zu Unsich ba kei ch onische E k ankungen: Eine me a-e hnog aphische S udie 349
ungen in de Gesellscha . Inso e n diese abe ü die Al e i ä , d. h. die „Gesam hei
de Ande en, mi denen das Subjek e bunden is “ (Richa z, 2023, S. 11), e bo gen
bleiben, können e hebliche psycho-soziale He aus o de ungen, wie inne e So gen
und Ängs e, en s ehen. Auch schein es eine ge eil e E ah ung on Menschen mi
unsich ba en E k ankungen zu sein, sich s ändige E klä ungsno ausgese z zu üh-
len. In olge ungläubige Reak ionen de Al e i ä kann sich e ne das subjek i e Ge-
ühl ode die soziale E wa ung en wickeln, das Unsich ba e beweisen zu müssen.
Das subjek i e (K ankhei s-)E leben wi d om sozialen Um eld bisweilen nich e ns
genommen und psychologisch en we e . Die S imme be o ene Menschen wi d
un e d ück . Das ‘Gasligh ing’ üh bisweilen so wei , dass Menschen mi unsich -
ba en E k ankungen ih em eigenen E leben nich meh auen, ode sich allein und
en mu ig ühlen.
4.2.2 Disk epanz zwischen Können und Wollen
De Analyse zu olge mani es ie sich das Phänomen de Unsich ba kei im Kon ex
ch onische E k ankungen zwei ens in eine Disk epanz zwischen Können und Wol-
len. Unsich ba kei bedeu e in diesem Ve s ändnis, dass die anges eb en Ziel o -
s ellungen und die du ch kö pe liche, soziale ode s uk u elle Bedingungen be-
g enz en Handlungsmöglichkei en be o ene Menschen di e gie en. Sie en al e
sich als eine Rela ion aus pe sönlichen Bes ebungen und ih e Realisie ba kei und
e ozie dami die En wicklung indi iduelle S a egien im Umgang mi dem Un-
sich ba en.
So schein es eine ge eil e E ah ung on Menschen mi unsich ba en E k ankungen
zu sein, an Ak i i ä en eilhaben und ih en Rollen als Pa ne *innen, El e n,
F eund*innen ode Schüle *innen ge ech we den zu wollen, dabei abe an ih e kö -
pe lichen G enzen zu s oßen. Diese Disk epanz s eh inso e n in Ve bindung zu Un-
sich ba kei ih e E k ankung, als dass die kö pe lichen G enzen ü die Al e i ä zu-
meis e deck sind. Jene ( a sächlich nich e eichba en) no ma i en E wa ungen
und Rollen o s ellungen we den olglich auch wesen lich sozial beein luss ode ga
p oduzie , da die inne en G enzen on Außens ehenden nich wah genommen
we den und die du ch die E k ankung eingesch änk en Wahlmöglichkei en e bo -
gen bleiben. Menschen mi unsich ba en E k ankungen e leben dann po enziell,
dass sie ih en eigenen Ansp üchen und den E wa ungen de Al e i ä nich ge ech
we den können. S a ke Ge ühle, ode das Gegen eil – Ge ühls- und Emo ionslosig-
kei – können die Folge sein. So be ich en be o ene Menschen beispielsweise, sich
so zu ühlen, als s ünden sie am Rande ih es eigenen Lebens, nu an eilig eilneh-
mend und beobach end. Dami einhe gehen kann das Ge ühl, die Kon olle übe
das eigene Leben zu e lie en. Unsich ba kei bedeu e in diesem Kon ex olglich,
dass Bedü nisse po enziell une üll sind und das eigene Po enzial nich ausge-
schöp we den kann. Unsich ba kei is somi ein ielschich iges Phänomen, das die
350 Höglinge & Falkens ö e
Lebens eali ä ch onisch e k ank e Menschen in iel äl ige Weise beein lussen
kann. Gleichwohl zeig die Analyse, dass de Disk epanz aus Können und Wollen
auch (bisweilen ungeahn e) Möglichkei en eines pe sönlichen Wachs ums innewoh-
nen. So en wickeln Menschen mi ch onischen E k ankungen indi iduelle S a egien
des Umgangs mi de Unsich ba kei , bauen neue soziale Ak i i ä en und Ne zwe ke
au , eilen pe sönliche Ve le zlichkei en mi ande en, we den selbs s ändige und
selbs bewuss e im Umgang mi ih e E k ankung und le nen, Aspek e eine ühe-
en ode sozial e wünsch en Iden i ä loszulassen.
4.2.3 Disk epanz zwischen Sein und Sollen
De Analyse zu olge mani es ie sich das Phänomen de Unsich ba kei im Kon ex
ch onische E k ankungen d i ens in eine Disk epanz zwischen Sein und Sollen.
Unsich ba kei en s eh olglich dann, wenn Selbs - und F emdbild di e gie en. Sie
en al e sich als eine Rela ion aus a sächlichem Sosein des Subjek s und de E wa -
ungshal ung, die die Al e i ä an dieses s ell .
Menschen mi unsich ba en E k ankungen sehen sich häu ig mi no ma i en E wa -
ungen kon on ie , die sich nich au die jeweilige sozial e wünsch e A und Weise
e üllen können. Es en s eh eine pa ielle Sich ba kei , die sich abe ausschließlich
au die Folgen de E wa ungs e le zung bezieh . Fü die Al e i ä wi d sich ba , dass
sich be o ene Menschen nich ‘e wa ungsgemäß’ e hal en, sich z. B. sozial zu-
ückziehen ode bes imm e Ak i i ä en e meiden. Unsich ba bleiben dagegen die
Hin e g ünde und eigen lichen U sachen diese Ve hal ensweisen, d. h. die Mani es-
a ion de E k ankung im Leben de Be o enen und die psycho-soziale Belas ung,
die diese e ozie . Folglich en s eh bei de Al e i ä eine Vo s ellung des Subjek s,
in de dessen a sächliches Sosein unbe ücksich ig bleib . Be o ene Menschen se-
hen sich mi nega i en Reak ionen kon on ie , we den sozial ausgeg enz ode
s igma isie .
Menschen mi unsich ba en E k ankungen sehen sich hie du ch bisweilen einem Pa-
adoxon ausgese z . Sie en wickeln sowohl Wunsch nach als auch Angs o Sich -
ba kei ih e E k ankung. Eine sei s s eben sie danach, in ih em Sosein gesehen und
akzep ie zu we den. Ande e sei s haben sie g oße Angs o S igma isie ung und
Ablehnung und e suchen dahe , ih e E k ankung zu e be gen. In diesem Span-
nungs eld kons i uie sich die soziale Iden i ä , bes ändig balancie end zwischen
zwei gegensä zlichen Bes ebungen: Akzep anz und No m-Adäquanz.
Die Themen sind dabei abe nich als dis ink e Ka ego ien zu e s ehen. Vielmeh
zeig e die Analyse, dass sie un e einande hohe Schni mengen au weisen (s. Abb. 2)
Zu Unsich ba kei ch onische E k ankungen: Eine me a-e hnog aphische S udie 351
Abbildung 2: Unsich ba kei als Ge lech aus E leben und E scheinen, Können
und Wollen sowie Sein und Sollen
5 Diskussion de E gebnisse
Die empi ische Annähe ung zeig , dass sich das Phänomen de Unsich ba kei im
Kon ex ch onische E k ankungen in ielschich igen Disk epanze ah ungen mani-
es ie . Die empi ischen E kenn nisse un e s ü zen dabei die heo e ischen Annah-
men, dass sich Unsich ba kei im Leben mi eine ch onischen E k ankung sowohl
als epis emisch-p ak ische Gegebenhei als auch als soziale P ozess de Ve ken-
nung, Ve leugnung ode Ausblendung mani es ie . Als epis emisch-p ak ische Ge-
gebenhei bedeu e Unsich ba kei , dass eine E k ankung ode ih e Symp ome ü
die Al e i ä nich e kennba sind, z. B. ein He z ehle nich gesehen, ode Schme zen
nich wah genommen we den. Als soziale P ozess bedeu e Unsich ba kei , dass
Menschen mi ch onischen E k ankungen gesellscha lich e kann we den, z. B. in-
dem ih K ankhei se leben abgesp ochen und ih e subjek i en E ah ungen psycho-
logisch in alidie we den.
Die Folgen können e heblich sein. Die empi ischen E gebnisse e deu lichen, dass
Unsich ba kei nich nu eine s ändige E klä ungsno bei den Be o enen e zeug ,
sonde n auch mi ie g ei ende soziale Isola ion und S igma isie ung einhe gehen
kann. Die Unsich ba kei on Symp omen üh o dazu, dass E ah ungen nich
e ns genommen we den, was zu psychologische En we ung und einem Ge ühl de
En emdung bei agen kann. Fü die Pädagogik e gib sich hie aus die Au gabe, das
E leben ch onisch e k ank e Schüle *innen e ns zu nehmen und bei de Ges al ung
pädagogische P ozesse zu be ücksich igen. Gleichwohl zeig sich auch Po enzial ü
pe sönliches Wachs um du ch den Au bau indi iduelle S a egien im Umgang mi
352 Höglinge & Falkens ö e
Unsich ba kei . Diese sich en wickelnden Handlungsmöglichkei en können als ein
g oßes pädagogisches Po enzial e s anden we den. Sie implizie en die Möglichkei ,
Schüle *innen in ih e Pe son zu s ä ken und sie bei de En wicklung indi iduelle
Umgangswege mi de Unsich ba kei zu un e s ü zen. Alle dings zeig sowohl die
empi ische als auch die heo e ische Analyse, dass diese sich en wickelnden Hand-
lungsmöglichkei en des Subjek s nich im Sinne eine ‘Machba kei ’ gelesen we den
können. Eine zen ale Fo de ung is dahe die Scha ung scham eie und siche e
Räume, in denen Be o ene ih e E ah ungen eilen können. Die o liegende S udie
leis e hie zu einen Bei ag, indem sie exempla ische E ah ungen Be o ene sich -
ba mach und dami zum E zählen an eg . Es sei alle dings da au e wiesen, dass
sich diese E ah ungen als höchs subjek i e weisen und dahe zwischen Be o e-
nen di e ie en können. Die S udie kann olglich keinen Ansp uch da au e heben,
das Unsich ba kei se leben alle Be o enen au hen isch nachzuzeichnen. Gleich-
wohl is da on auszugehen, dass auch S udien, die in de o liegenden S udie nich
eingeschlossen wu den, wie z. B. S udien, die nich in Zei sch i en mi Pee -Re iew-
Ve ah en e ö en lich wu den ode nich explizi übe „Unsich ba kei " be ich e-
en, we olle E kenn nisse zum Phänomen und dem E leben Be o ene hä en bei-
agen können. Dennoch leis e die o liegende S udie einen e heblichen Bei ag
dazu, sich dem E leben de Be o enen anzunähe n, indem sie dem bishe seh a-
gen und di usen Phänomen eine Kon u e leih . Wei e hin lie e sie Anknüp ungs-
punk e ü nach olgende empi ische S udien, die das Ve s ändnis de Disk epanzen
wei e ö de n und dami ebenso zu Sich ba machung de Lebens eali ä en be o -
ene Menschen bei agen können. Wäh end sich die o liegende empi ische S udie
o de g ündig au subjek i e Sich weisen okussie , könn en insbesonde e Be unde
zu gesellscha lichen Sich weise e ag eich sein.
6 Fazi , Implika ionen und Deside a e ü P axis und
Fo schung
Das Phänomen de Unsich ba kei ch onische E k ankungen e weis sich als gesell-
scha lich hoch ele an , da es eine Vielzahl on Menschen übe die gesam e Le-
bensspanne hinweg be i und mi e heblichen Belas ungen ü die Be o enen
einhe gehen kann. Die o liegende S udie konn e du ch eine heo e ische und em-
pi ische Annähe ung e s e sys ema ische Einblicke in die Lebens eali ä en Be o e-
ne und die ielschich igen Disk epanzen zwischen ‘E leben und E scheinen’, ‘Kön-
nen und Wollen’ sowie ‘Sein und Sollen’ geben. Dabei wu de deu lich, dass Unsich -
ba kei auch ie g ei ende Auswi kungen au die Iden i ä und das Selbs e s ändnis
de Be o enen ha .
Die heo e ischen Analysen e deu lichen, dass die gesellscha liche Ane kennung
on Ve le zlichkei eine zen ale Vo ausse zung ü die En s igma isie ung und
Biog a ie und Be u 359
 Übe a bei ung du ch die Au o *innen bis 31.03.2027
 E scheinen de Zei sch i als Ausgabe 3/2027 (Ende Sep embe 2027)
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Le z e Themenhe e
Jah gang 17 (2024)
 Scha enbe g, J., S adle -Al mann, U., Plank, K. E. & Schlauch, M. (H sg.). (2024).
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VEP
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ISSN 0931-5020
Empi ische Pädagogik – 2025 – 39 (3) h ps://doi.o g/10.62350/MYQW1471
Edi o ial
� Robe Langnickel, Anne Thiele, Nicola Somme , Agnes Tu ne & Pie e-Ca l
Link: Empi isch-pädagogische Zugänge zu schulischen Teilhabe bei K ankhei :
Edi o ial zu Gas he ausgabe
Themen eil
� Ul ich Theobald, Jochen Maye & Ma in Giese: Physical educa ion o s uden s
wi h ch onic heal h condi ions: A scoping e iew
� S en Jennessen & K is in Fellbaum: Robo ics, Klinikbe en, Menschen: Hohe
Un e s ü zungsbeda als He aus o de ung ü eine Pädagogik bei K ankhei an
un e schiedlichen Le no en
� F ancesco Ciociola & Mo si Abdallah: Psychische G undbedü nisse in den
jugendlichen Lebenswel en Social Media und Schule: Eine e gleichende F a-
gebogens udie an Gesam - und Klinikschulen
� S e anie Elb ach , René Sch oede , Ka ja Höglinge , Melanie Willke & S ephan
Gingelmaie : Leh k ä e an Klinikschulen: Eine e lexi e hema ische Analyse
p o essionelle An o de ungen im Lich des COACTIV-Modells
� Enya Kohlwage: Selbs wi ksamkei se wa ungen on Leh am ss udie enden im
Umgang mi ch onisch e k ank en Schüle *innen – En wicklung und Validie ung
eine Ku zskala (SUmeS)
� Rebecca Schumache & Ewa Sliwinski: Handlungsbeda ü die Leh k ä ep o-
essionalisie ung zum Umgang mi sp achlichen Au älligkei en bei ch onisch
e k ank en Schüle *innen mi angebo enem He z ehle
� Ka ja Höglinge & Sophia Falkens ö e : Zu Unsich ba kei ch onische E k an-
kungen und ih e Bedeu ung ü die Pädagogik: Eine me a-e hnog aphische
S udie
ISBN 978-3-68921-008-3