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Meine Wagenburg: Der muslimische Verband

Author: Karahan, Engin
Publisher: Zenodo
DOI: 10.5281/zenodo.17545192
Source: https://zenodo.org/records/17545192/files/wagenburg-muslimische-verbaende.pdf
Meine Wagenbu g: De muslimische Ve band
Teilhabe ü Ande e - Uni o m ü die Eigenen
Engin Ka ahan
6. No embe 2025
De o liegende Tex analysie die ie g ei enden Wide sp üche inne halb g oße muslimi-
sche Ve bände in Deu schland, basie end au den pe sönlichen E ah ungen des Au o s in
de Rech sab eilung eines solchen Ve bandes. E beleuch e die Disk epanz zwischen dem
ex e nen Engagemen ü Teilhabe und An idisk iminie ung, insbesonde e im Be eich de
F auen ech e, und in e nen Bo scha en, die adi ionelle Rollenbilde und Seg ega ion ö de n.
DieAnalyse zeig , wie eine “Wagenbu g”-Men ali ä ex e ne Disk iminie ung zu Legi ima ion
in e ne Abscho ung nu z und wie e o mo ien ie e “Pos -Islamis en” in e n au Wide s and
s ießen, als sie uni e selle We e auch au die eigenen S uk u en anwenden woll en. Dies
üh e zu eine Wiede belebung des He kun slandbezugs und eines neo- adi ionalis ischen
Konse a ismus. Anhand eines konk e en Falls häusliche Gewal wi d die humani ä e Konse-
quenz diese in e nen Hal ung d as isch illus ie . De Tex p oblema isie die mangelnde
in e ne Selbs e lexion und die da aus esul ie ende Schwächung de Glaubwü digkei sowie
die He aus o de ungen ü p og essi e K ä e inne halb diese S uk u en.
Inhal s e zeichnis
1 Vo Ge ich ü Teilhabe, in de Gemeinscha in “Uni o m” 2
2 Die e pass e Konsequenz: Jensei s e ös ung s a Empowe men 2
3 Doppel-Engagemen zwischen zwei F on en 2
4 Wenn uni e selle We e plö zlich “Deu sch ümelei” we den 3
5 Ein S uk u p oblem übe Ve bandsg enzen hinweg 4
6 Die le z e Konsequenz: Wenn Schu z e weige wi d 4
7 We äg die Ve an wo ung ü ech e Selbs bes immung? 5
In einem kü zlich ge üh en Gesp äch mi einem F eund übe die Wide sp üche in de muslimischen
Communi y e inne e ich mich an eine schme zliche E ah ung aus meine Zei in de Rech sab eilung
eines g oßen muslimischen Ve bandes. Diese E inne ung üh e mich zu g undsä zlichen Übe legungen
übe s uk u elle Wide sp üche in de muslimischen Ve bandslandscha – Wide sp üche, die bis heu e
nachwi ken und die Glaubwü digkei diese O ganisa ionen un e g aben.
1
2
1 Vo Ge ich ü Teilhabe, in de Gemeinscha in “Uni o m”
Wi kämp en als Rech sab eilung eines muslimischen Ve bands o Ge ich und in de Gesellscha un e
ande em ü F auen, die wegen ih es Kop uchs im Bildungs- und Be u sleben disk iminie wu den. Diese
A bei wa aus meh e en Pe spek i en bedeu sam: Sie wa ein Einsa z de eigenen Fähigkei en ü die
Gemeinscha , ein Bei ag zu Au ech e hal ung de Rech ss aa lichkei und ein Empowe men diese
F auen - sowohl gesam gesellscha lich als auch inne halb de Communi y. Die zi ilgesellscha liche und
ju is ische An idisk iminie ungsa bei wa legi im, wich ig und no wendig.
Pa allel zu unse e ju is ischen A bei p edig en jedoch genug Imame und die F auenab eilungen desselben
Ve bandes eine ganz ande e Bo scha : Das wah e Glück de F au liege in de Mu e scha , ih eigen liche
Pla z sei zuhause bei den Kinde n. Ka ie e und Be u sleben? Nich wi klich e wünsch . Die Absu di ä
wa o ensich lich: Wi e kämp en das Rech au Teilhabe am Be u sleben, wäh end in e n die Bo scha
lau e e, F auen soll en on diesem Rech bi e keinen Geb auch machen. Kop uch e bo e gal en als
Inbeg i de Disk iminie ung - abe dass F auen a sächlich auße Haus a bei en soll en, wa auch nich
wi klich o gesehen.
2
Die e pass e Konsequenz: Jensei s e ös ung s a Empowe men
Dabei hä e es konk e e Möglichkei en gegeben, die ju is ische A bei p ak isch zu un e maue n und
wei e zu üh en. Ge ade im Wohl ah sbe eich hä e de Ve band soziale Ein ich ungen au bauen können -
als A bei gebe , de Beschä igungsmöglichkei en ü genau diese F auen scha . Das wä e konsequen
gewesen, eine p ak ische Fo se zung de An idisk iminie ungsa bei und ein wich iges Signal in zwei
Rich ungen: - An die F auen: Wi s ehen hin e euch, nich nu o Ge ich , sonde n auch im All ag. - An die
Disk iminie enden in de Gesellscha : Je meh ih ausg enz , umso ak i e we den wi zi ilgesellscha lich
we den.
Doch an solchen Lösungen bes and kein In e esse. Im Gegen eil: Bei mi e es ig e sich mi de Zei das
Ge ühl, dass man übe die Disk iminie ung on außen insgeheim oh wa . So wa man nich selbs schuld
an dem Zus and, den man eigen lich o zog – die Abkapselung on de Gesellscha , de Rückzug in die
Communi y - insbesonde e ü die F auen. Die selbs gebau e Wagenbu g wu de plö zlich zum “Sa e Space”,
den man möglichs nich e lassen soll e. Die ex e ne Disk iminie ung legi imie e die in e ne Seg ega ion.
Fü F auen gab es “Semina e zu gu en Haus au” und Jensei s e ös igung s a Empowe men .
3 Doppel-Engagemen zwischen zwei F on en
Meine E ah ung wa kein Einzel all, sonde n Teil eines b ei e en Phänomens. De Sozialan h opologe
We ne Schi aue ha in seinem Buch “Nach dem Islamismus” (2010) eine Gene a ion on Ak eu en
besch ieben, die sich on den poli isch-ideologischen Zielse zungen des klassischen Islamismus dis anzie
haben, ohne ih e eligiöse Iden i ä au zugeben. Diese sogenann en Pos -Islamis en s eb en nach eine
Syn hese: Sie woll en ih e muslimische Iden i ä bewah en und gleichzei ig ak i an de Ges al ung de
deu schen Gesellscha eilhaben.
DOI: 10.5281/zenodo.17545192
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INFOExku s: Was bedeu e „Pos -Islamismus“?**
De Beg i , gep äg on Fo sche n wie Ase Baya und ü den deu schen Kon ex on We ne
Schi aue e wende , besch eib eine Hal ung on Muslimen de zwei en und d i en Gene a ion.
Im Gegensa z zum klassischen Islamismus, de au die E ich ung eines islamischen S aa es abziel ,
akzep ie de Pos -Islamismus den säkula en Rech ss aa als Rahmen. Das Ziel is nich meh die
T ans o ma ion des S aa es, sonde n dieAushandlung on Rech en und die gleichbe ech ig e Teilhabe
inne halb de bes ehenden Gesellscha . Es geh um die Syn hese on „Rech en und P lich en“, um
die Ve bindung on eligiöse Iden i ä mi bü ge scha lichem Engagemen .
Fü diese Ak eu e - zu denen ich mich in diese Zei eben alls zähl e – bedeu e e das Engagemen in Ve -
bänden einen Kamp an zwei F on en: Gesam gesellscha lich se z en sie sich nich nu ü ih e jeweiligen
Ve bände ein, sonde n ü die muslimische Communi y insgesam . Sie kämp en gegen Disk iminie ung,
ü Religions eihei , ü Teilhabe und Ane kennung. Dabei konn en sie nich au das Renommee ih e
Ins i u ionen zu ückg ei en, denn in de ö en lichen Wah nehmung genossen diese Ve bände o kein
hohes Ansehen – zu Rech ode zu Un ech sei dahinges ell . Vielmeh muss en diese Ak eu e imme wiede
ih eigenes, übe lange Zei und mi iel A bei au gebau es pe sönliches Renommee ü die Gemeinscha
einse zen, ja ge adezu op e n.
Im Gegenzug e wa e en diese Ak eu e, inne halb de Communi y Gehö zu inden. Sie o de en, dass
Fehlen wicklungen au geg i en und gelös we den - auch und ge ade wenn diese jah zehn eal e T adi ionen
ode noch aus den He kun slände n impo ie e P ak iken be a en. Hie begann jedoch de Wide s and.
4 Wenn uni e selle We e plö zlich “Deu sch ümelei” we den
Die Fo de ung nach Au we ung de Rolle on F auen - ge ade auch im eigenen und in ande en Ve bänden
- s ieß inne halb de konse a i - eligiösen S uk u en au ehemen en Wide sp uch. Wi wu den als
“Mode nis en” und “Re o mis en” geschmäh - Beg i e, die in diesen Kon ex en ku z o dem Vo wu
des Glaubensab alls angie en.
Das Pa adoxe wa : Wide s and en s and nich , wenn wi uns gesam gesellscha lich gegen Rassismus, Po-
pulismus ode eligiöse Radikalisie ung einse z en. Im Gegen eil, diese Posi ionie ungen wa en e wünsch
und wu den ge eie . De Wide s and b ach e s dann au , wenn wi unse e K i ik an Rassismus, Populis-
mus ode eligiöse Radikalisie ung auch in den eigenen in e nen Kon ex übe ugen. Plö zlich wu den
Wah hei en, die es “d außen” zu e eidigen gal , im inne - e bandlichen Kon ex zu “Deu sch ümeleien”,
zu e pön em “deu sch” Denken. De eigene Rassismus, de eigene Umgang mi den eigenen ode ande en
Minde hei en, de eigene Chau inismus und die eigenen Ausg enzungsmechanismen wa en abu.
Diese Doppelmo al wa us ie end und en la end zugleich. Sie o enba e, dass es zu ielen nich wi klich
um uni e selle We e ging, sonde n um Pa ikula in e essen. An idisk iminie ung ja - abe bi e nu , wenn
sie de eigenen G uppe nü z . K i isches Denken ja – abe bi e nu nach außen ge ich e . Selbs e lexion?
Fehlanzeige. Fü mich pe sönlich wa en es am Ende diese Wide sp üche, die eine Ho nung au Besse ung
e liegen und die inne e und äuße e Abkeh e s ä ken soll en.
DOI: 10.5281/zenodo.17545192
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5 Ein S uk u p oblem übe Ve bandsg enzen hinweg
Das Phänomen besch änk e sich dabei keineswegs au den Ve band, bei dem ich ä ig wa . Es wa -
und is - ein iel b ei e es P oblem, das übe Ve bandsg enzen hinweg bes eh . In nahezu allen g oßen
muslimischen O ganisa ionen in Deu schland läss sich diese Spannung zwischen p og essi en Ak eu en
und konse a i en S uk u en beobach en. Die einen kämp en ü Ve ände ung, die ande en wollen den
S a us quo bewah en – ode soga in eine e mein lich au hen ische e Ve gangenhei zu ückkeh en. Dieses
Phänomen is , wie ich in einem ande en Bei ag da geleg habe, auch eine Folge e ehl e s aa liche
Ansä ze ( gl. Deu schlands Islamdisku s: Wie eine alsche Religionspoli ik und muslimische Ve bände
uns die Zukun e bauen).
In meinem Bei ag Heima inden im F emden? habe ich da geleg , wie nach dem Weggang iele e o m-
o ien ie e Ak eu e keine d ei ode ie Jah e e gingen, bis all ih e mühsam e kämp en Re o men wiede
zu ückged eh wu den. Poli isch-ideologisch wu de die Heima o ien ie ung wiede beleb , eligiös keh e
ein neo- adi ionalis ische Ex emkonse a ismus zu ück. Die Uh en wu den zu ückged eh , als hä e es
die Re o mbemühungen nie gegeben.
INFOExku s: He kun slandbezug und Neo-T adi ionalismus**
He kun slandbezug: Besch eib die o wäh ende poli ische, ideologische und kul u elle Aus-
ich ung on Mig an eno ganisa ionen au das He kun sland ih e G ünde gene a ion. Ans a eine
eigens ändige, in Deu schland e wu zel e Iden i ä zu en wickeln, bleiben sie men al und o auch
s uk u ell an die poli ischen Deba en und s aa lichen Di ek i en de “al en Heima ” gebunden.
INFOHinweis
Neo-T adi ionalismus: Bezeichne eine eligiöse S ömung, die als Reak ion au Mode nisie ungs-
d uck eine Rückkeh zu eine e mein lich “ einen” und “au hen ischen” Fo m de T adi ion o de .
Sie is o ex emis isch in ih e Abg enzung on de Mode ne, lehn k i ische Auseinande se zungen
mi de eigenen Geschich e ab und p opagie eine buchs abenge eue, ahis o ische Lesa eligiöse
Quellen.
6 Die le z e Konsequenz: Wenn Schu z e weige wi d
Wie undamen al diese Wide sp uch is und welche menschlichen Kos en e e u sach , zeig e sich
in einem Fall, de mich bis heu e nich losläss . Eines Tages kon ak ie e uns eine junge F au, die am
Tele on un e T änen on massi e eheliche Gewal be ich e e. Sie sp ach kein Deu sch und ha e panische
Angs , die Polizei einzuschal en. Ih An u bei uns wa ein Ak le z e Ho nung, ein Hil e u an ih e
Glaubensgemeinscha .
Wi sahen da in die d ingende No wendigkei zu handeln und a en an den Vo s and sowie die Lei e in de
F auenab eilung he an. Unse Vo schlag: De Ve band müsse ü genau solche Fälle eine Schu zein ich ung,
ein F auenhaus, scha en. De Vo s and zeig e sich nich abgeneig ; wi e a bei e en übe Nach einen e s en
Konzep en wu . De Wide s and kam on eine une wa e en Sei e: Die Lei e in de F auenab eilung
s ell e sich dem ehemen en gegen. In einem Duk us, de die pa ia chale Logik pe ek abbilde e, e klä e
sie, die F au müsse „Geduld zeigen“ (
sab
), dies wü de ih im Jensei s en sp echend e gol en we den.
DOI: 10.5281/zenodo.17545192
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An diesem Tag e lo ich jeglichen Respek ü diese Ins i u ion inne halb des Ve bandes. Mi wu de kla :
Die F auenab eilung wa nich , wie e ho , de Mo o ode die A an ga de eine weiblichen Emanzipa ion
inne halb de S uk u en. Sie wa zu Hü e in de pa ia chalen Rango dnung gewo den, de en heologische
Au o i ä lediglich on den männlichen Füh ungs igu en abgelei e wa . Ein Ve band, de kein P oblem
mi F auen hä e, b äuch e keine eigene F auenab eilung, um sie zu e wal en.
Die junge F au, die sich olle Ho nung an ih e Glaubensb üde gewand ha e, muss e ich an eine ü kisch-
sp achige, muslimische Mi a bei e in eines F auenhauses de Diakonie wei e lei en, die ich ku z zu o
kennengele n ha e. Mi si z auch heu e noch ein Kloß im Hals, wenn ich an diesen Fall zu ückdenke
– und an all die ande en, die on ih em Um eld und ih en eligiösen Au o i ä en zu „gläubige Geduld“
angehal en und ins Jensei s e ös e wu den, wäh end sie ze b achen.
7 We äg die Ve an wo ung ü ech e Selbs bes immung?
Heu e, Jah e spä e , bleib eine schme zliche E kenn nis: Unse e A bei wa wich ig und ich ig. Wi haben
F auen zu ih em Rech e hol en, wi haben Disk iminie ung bekämp , wi haben ü Teilhabe ges i en.
Abe wi haben einen en scheidenden Kamp e lo en – den um die Deu ungshohei inne halb de eigenen
Communi y. Wi woll en B ückenbaue sein, wu den abe zu G enzgänge n zwischen zwei Wel en, in
keine wi klich zu Hause.
INFOExku s: Was is „Deu ungshohei “?**
Deu ungshohei bezeichne die Mach , die o he schende In e p e a ion on We en, No men und
E eignissen inne halb eine G uppe ode Gesellscha zu bes immen. We die Deu ungshohei besi z ,
leg es , was als „ ich ig“ ode „ alsch“, „islamisch“ ode „unislamisch“, „legi im“ ode „illegi im“
gil . De Kamp da um is ein Kamp um die De ini ionsmach und dami um die ideologische
Füh ung de Communi y.
Die F age, die bleib : Wie können p og essi e K ä e inne halb muslimische Communi ies daue ha
wi ken, wenn die S uk u en selbs au Bewah ung und Abg enzung ausge ich e sind? Wie kann man on
innen he aus e ände n, wenn Ve ände ung als Ve a gil ?
Diese F agen sind nich nu his o isch ele an . Sie s ellen sich heu e genauso d inglich wie damals.
Solange muslimische Ve bände An idisk iminie ung nach außen p edigen, abe Disk iminie ung nach
innen p ak izie en, solange sie e mein lich Rech e e kämp en, die ih e Mi gliede nich nu zen sollen,
solange bleib de Kamp un ollende – und die Wide sp üche bleiben schme zha spü ba .
Li e a u :
Schi aue , We ne (2010): Nach dem Islamismus. Eine E hnog aphie de Islamischen Gemeinscha Milli
Gö üş. Be lin: Suh kamp.
DOI: 10.5281/zenodo.17545192