F eihe on Bissing, Wilhelm Mo i z
A icle
Au o i ä e S aa und plu alis ische Gesellscha in den
e s en Jah zehn en des Bisma ckischen Reiches
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: F eihe on Bissing, Wilhelm Mo i z (1963) : Au o i ä e S aa und plu alis ische
Gesellscha in den e s en Jah zehn en des Bisma ckischen Reiches, Schmolle s Jah buch ü
Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha , ISSN 1619-6244, Duncke & Humblo , Be lin, Vol.
83, Iss. 1, pp. 17-45,
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Au o i ä e S aa und plu alis ische Gesellscha
in den e s en Jah zehn en des Bisma ckischen Reiches*
Von Wilhelm Mo i z F h . . Bissing, Be lin
Die Zei Bisma cks is on ielen Au o en um assend da ges ell
wo den. Diese sub ilen his o ischen Fo schungen scheinen abe doch
eine E gänzung on Sei en de poli ischen Soziologie he zu bedü -
en, dami die poli isch und gesellscha lich wi ksamen soziologischen
K ä e schä e e aß we den. Was hie in Kü ze gebo en wi d, geh
übe den Rahmen eines Ve suchs nich hinaus.
Die sachlichen Vo ausse zungen
Als Bisma ck das Deu sche Reich als einen Bund Deu sche Fü -
s en schu , und als e dem Bund eine Ve assung (gab, lag ihm da an,
die Eigena en de einzelnen deu schen S aa en und das Selbs be-
wuß sein de Fü s en zu schonen. Doch gleichzei ig soll e de Pa i-
kula ismus du ch die p eußische Hegemonie niede gehal en we den.
De aus dem allgemeinen Wahl ech he o gegangene Reichs ag wa
eben alls als ein Gegengewich gegen den Pa ikula ismus gedach ,
wäh end zu g oße Mach gelüs e des Pa lamen s wiede du ch das
hegemoniale P eußen gezähm we den konn en, wo die K one als
gleichbe ech ig e Fak o neben dem Pa lamen s and. Wenn Bis-
ma ck jede Pa lamen a isie ung und Demok a isie ung on o ne-
he ein e nhal en woll e1, so lehn e e keineswegs eine schöp e ische
Zusammena bei zwischen Regie ung und Pa lamen ab. Dem Reichs-
ag wa zudem die Au gabe zugewiesen, das S aa sleben beweg
und lebendig zu e hal en, abe nie soll e sich die Regie ung on ihm
lei en lassen, sonde n das Pa lamen ha e dazu beizu agen, die
ö en liche Meinung im Sinne de Regie ung /zu beein lussen2. Neben
dem Reichs ag als de meh uni a ischen Ve e ung des ganzen deu -
schen Volkes wa de Bundes ag die Ve e ung de Fü s en und da-
* E wei e e Wiede gabe eines am 3.12.1962 in de S aa swissenscha lichen
Gesellscha zu Be lin gehal enen Vo ags.
1 F i z Demmle : Bisma cks Gedanken übe Reichs üh ung. Tübingen 1934.
S. 17. — F i z Hä ung: Deu sche Ve assungsgeschich e. S u ga 1959. S. 271.
2 O o Becke : Bisma cks Ringen um Deu schlands Ges al ung. Heidelbe g 1958.
S. 104.
2 Schmolle s Jah buch 83, 1
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18 Wilhelm Mo i z F h . . Bissing
mi wiede eine B emse gegen den Pa lamen a ismus und die Demo-
k a ie; in ihm konn e die hegemoniale S ellung P eußens oll zu
Gel ung geb ach we den.
Übe alle dem schweb e de Reichskanzle als de allein e an -
wo liche Ve e e de Exeku i e, dem nich , wie es Benningsen und
die Na ionallibe alen woll en, ein kollegiales Reichsminis e ium zu
Sei e s and. E s spä e , nachdem das S ell e e e gese z on 1875
zus andegekommen wa , konn e sich de Reichskanzle on S aa s-
sek e ä en e e en lassen, abe diese S aa ssek e ä e blieben s e s
seine Un e gebenen. So besaß de Reichskanzle , de P eußische Mi-
nis e p äsiden und P eußische Minis e des Auswä igen in eine
Pe son wa , eine ausgesp ochen behe schende S ellung, die ih e
le z e Wu zel im Ve auen des P eußischen Königs ha e, de , ohne
on de Meh hei des P eußischen Land ages abhängig zu sein, Mi-
nis e e nennen und en lassen konn e. Au diese Weise wa es mög-
lich, die S ellung des Reichskanzle s aus de kollegialen Ve assung
des P eußischen S aa sminis e iums he auszuheben und ihm dadu ch
einen au o i ä en Ein luß einzu äumen, de sich übe den Bundes a
au die Geschehnisse im Reich auswi ken muß e.
Die Ve assung gab dem Pa lamen nich das Rech , als Ve e ung
des deu schen Volkes dessen Willen de a du chzuse zen, daß es aus
sich he aus eine Regie ung bilde e, die ü ih e Am s üh ung sich au
die Zus immung de Meh hei des Pa lamen s hä e s ü zen können.
So ha e de Reichs ag nu die Möglichkei , K i ik zu üben. Dia Kanz-
le und S aa ssek e ä e nich dem Reichs ag en s amm en, ehl e die
o ganische Ve bindung zwischen Volks e e ung und Regie ung3.
Man da bei all dem nich e gessen, daß die Bisma ckische Ve -
assung ein P oblem zu lösen ha e, wie es bishe einem Ve assungs-
gebe noch nich ges ell wo den wa . Sie soll e aus eine Vielzahl
sou e äne Mona chien einen Bund scha en, de s aa lichen Cha ak-
e ha e. Vo allem muß e ein iag ähige Ausgleich zwischen ein-
zels aa liche und bundess aa liche Gewal he ges ell we den. Ve -
assungsmodelle ande e Lände ließen sich nich au deu sche Ve -
häl nisse übe agen. Die ge äh de e außenpoli ische Lage e lang e,
daß die Ve assung eine k a olle Poli ik nach außen und nach innen
gewäh leis e e. De schweize His o ike Leonha d . Mu al ha
dahe wohl ech , wenn e mein , daß Bisma ck un e den ihm ge-
gebenen Vo ausse zungen das Bes e gemach hä e, was zu machen
4
wa .
Die Ve assung Bisma cks muß e einen S aa (O ganisie en, de zum
in eg ie enden Fak o eine in de Wandlung beg i enen Gesell-
3 Hä ung: a.a.O., S. 289.
4 Leonha d . Mu al : Bisma cks Reichsg ündung. S u ga 1947. S. 23.
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Au o i ä e S aa und plu alis ische Gesellscha 19
scha we den soll e. Diese Wandlung on de ag a isch- eudalis i-
schen zu indus iellen plu alis ischen Gesellscha , die in den e s en
Jah zehn en des Bisma ckischen Reiches o sich ging, wa zunächs
beding du ch die ökonomische En wicklung.
Als im Jah e 1870 de K ieg gegen F ank eich ausb ach, be and
sich Deu schland im Übe gang om Ag a s aa zum Indus ies aa .
Es ha e damals, um mi W. G. Ho mann zu sp echen, ge ade das
zwei e S adium de Indus ialisie ung e eich , in dem sich neben
eine leis ungs ähigen Konsumgü e indus ie eine Indus ie de P o-
duk ionsmi el zu en wickeln begann5. Diese Vo gang wu de du ch
zwei Momen e beein luß : Zue s wa es die anzösische K iegs-
en schädigung on 4 Millia den M., die das Angebo an Geldkapi al
sp ungha e höh e und dadu ch eine s eil empo s eigende Hochkon-
junk u mi s a k spekula i em Einschlag he o ie . Das zwei e
Momen wa die an diese Hochkonjunk u sich anschließende Wel -
wi scha sk ise, die on 1873 ab die Indus ie und die Landwi -
scha e aß e. Die K ise im indus iellen Be eich such e o allem
die Eisen- und S ahlindus ie sowie die süddeu sche Fe ig- und Tex-
ilindus ie heim. Da in olge de gesunkenen Kau k a de ame i-
kanischen Fa me die Expo e de englischen Schwe - und Tex il-
indus ie in den USA keinen en sp echenden Absa z anden, wa en
die Englände ih e E zeugnisse zu s a k gesenk en P eisen au den
deu schen Ma k .
Die deu schen Landwi e ha en sich au G und ih e ühe en E -
ah ungen au s eigende P eise einge ich e . Sei den zwanzige Jah-
en wa en nämlich die Ge eidep eise bis zum Ausb uch de K ise
s ändig ges iegen. De on 1878 bis 1881 e d ei ach e Weizenexpo
de USA und e s ä k e Ge eideaus uh en aus Rußland ließen die
P eise jedoch schnell und s a k sinken. Die A bei e en lassungen in
den zusammengeb ochenen Indus ieun e nehmen bewi k en, daß sich
die Kau k a de b ei en Massen senk e, wodu ch die Ag a p eise
wei e ged ück wu den. Die zunehmende Zahl de A bei slosen ie
ein wei e b ei e es Elend he o , so daß sich die sozialen Span-
nungen e schä en. Dadu ch wu de wiede um die gesellscha liche
S uk u des neu gescha enen Reiches e schü e . Hinzu kam de
Rückgang de s aa lichen Einnahmen bei s eigenden Ausgaben, ein
Vo gang, de die noch nich genügend konsolidie en Finanzen des
neuen Reiches ge äh de e. Um die ökonomische und inanzielle Lage
des Reiches zu es igen, such e Bisma ck die na ionale A bei du ch
Zölle zu schü zen. Die E ägnisse diese Zölle soll en daziu dienen,
die Reichs inanzen gesund zu machen.
5 Wal he G.
Ho mann:
S adien und Typen de Indus ialisie ung. Jena 1931.
2•
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20 Wilhelm Mo i z F h . . Bissing
Gleichzei ig und unabhängig on de wi scha lichen En wicklung
a ein neues Momen in E scheinung, nämlich die Auseinande -
se zung zwischen S aa und ka holische Ki che. Die sieg eichen
K iege on 1866 und 1870 ha en das Bild Eu opas, wie es sich in
den Augen de ka holischen Ki che ges al e ha e, wei gehend e -
ände . Das apos olische Kaise um de Habsbu ge wa aus dem Ve -
band des Reiches ausgeschieden, und an seine S elle wa im Bisma ck-
eich das p o es an ische Kaise um de Hohenizolle n ge e en. Ös e -
eich gehö e nich meh dem Deu schen Reich an, und dami wa
Deu schland zu einem übe wiegend p o es an ischen S aa gewo den,
de nun auch seinen Ein luß in de g oßen Poli ik gel end machen
muß e. Zu igleichen Zei wa die wel liche Mach des Paps ums ge-
schwunden, als nach dem Abzug de anzösischen T uppen i alie-
nische Solda en Rom bese z en und zu Haup s ad des wei gehend
säkula isie en König eichs I alien mach en, in dem S aa und Ki che
ge enn wa en. In dem neuen kleindeu schen Reich, das eundscha -
liche Beziehungen zum König eich I alien un e hiel , sahen ka ho-
lische K eise, nich nu in Deu schland, eine Ge ah ü den Ka ho-
lizismus und eine Minde ung de päps lichen Mach au wel lichem
Gebie .
In P eußen wa sei de Regie ung F ied ich Wilhelms IV. das Ve -
häl nis zwischen S aa und ka holische Ki che besonde s gu ge-
wesen. Selbs ka holische His o ike muß en es s ellen, daß man um
die Wende de sechzige und siebzige Jah e on P eußen hä e le -
nen können, wie die ka holische Ki che behandel we den müß e, um
segens eich zu wi ken6. So wa die Masse de deu schen Ka holiken
nich gegen das p o es an ische Kaise um einges ell , sonde n sie
a en ü die on Bisma ck gescha ene Einhei des deu schen Volkes
mi de gleichen Begeis e ung ein, wie die ande en Deu schen auch7.
Ein luß eiche K eise des deu schen Ka holizismus emp anden es zwa
schme zlich, daß dem Paps die wel liche Sou e äni ä genommen
wo den wa , abe da un e li ih e Loyali ä gegen Kaise und Reich
im allgemeinen nich . Das wa en o allem de hohe und niede e
ka holische Adel im Rheinland, in Wes alen und in Baye n sowie
Teile des ka holischen Bildungsbü ge ums, die alle dings o Ho
pa ikula is ische Bes ebungen, besonde s in Baye n, wa en.
Zu diesen im wesen lichen poli ischen P oblemen, die den deu -
schen Ka holizismus beweg en, kamen geis ige: Die Gegensä ze in-
ne halb de damaligen Gesellscha ha en ih e U sache im geis igen
6 Julius und Ka l Bachem: Die ki chenpoli ischen Kämp e in P eußen. F ei-
bu g i. B . 1910. S. 15.
7 Ka l Bachem: Vo geschich e, Geschich e und Poli ik de Zen umspa ei.
Bd. I. Köln 1927. S. 162.
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Au o i ä e S aa und plu alis ische Gesellscha 21
Libe alismus, de die deu sche Philosophie und die p o es an ische
Theologie e aß ha e. Schon die deu sche klassische Dich ung wa
nu lose mi de ch is lichen Wel anschauung e bunden. Die Philo-
sophie Schopenhaue s, die zu Wel anschauung des gebilde en Bü -
ge ums gewo den wa , ha e dann o en das ch is liche Dogma au -
gegeben; de junge Nie zsche be ei e e einen «zen alen Ang i au
das Ch is en um o , und de his o ische Ma e ialismus on Ma x
und Engels wa an i eligiös und a heis isch. Dadu ch wu den im le z-
en D i el des 19. Jah hunde s die eligiösen We e e schü e .
Soga die G undlage des Ch is en ums selbs , die Bibel, wu de Ge-
gens and de K i ik, als Da id F ied ich S auss das Neue Tes amen
einen My hos nann e und Ludwig Feue bach mi einem „ ü das ge-
bilde e Deu schland de siebzige Jah e ypischen Buch"8 „Vom al en
und om neuen Glauben" gegen Leh e und Dogmen des Ch is en ums
zu Felde zog. Gemäßig e wa de libe ale P o es an ismus des Gö -
inge P o esso s de Theologie, Alb ech Ri schi. E woll e, daß das
Ch is en um o allem in de E üllung de Be u sp lich en bes ünde.
Diese undogma ische E hisie ung des Ch is en ums ha e eine s a ke
Ve bü ge lichung de ch is lichen Bo scha zu Folge9. Die libe ale
Theologie wu de meh und meh zu Glaubensg undlage wei e
K eise des Bildungsbü ge ums, wäh end das Besi zbü ge um im we-
sen lichen gleichgül ig wa , und hie ein s a k au die ma e iellen
We e hin o ien ie es Denken die Geis e e aß e. Im Gegensa z
dazu hiel en de p o es an ische Adel, die obe e e angelische Be-
am enscha unid das O izie ko ps meis an de p o es an ischen
O hodoxie es .
Die p o es an ische Ki che wa du ch das Summepiskopa des Lan-
deshe en eng mi dem S aa und de K one e bunden. Die Masse
de P a e wa dahe königs eu-konse a i und lehn e Demok a ie
in jede Fo m ab. Die P edig wa also meis au die E hal ung des
Bes ehenden einges ell und in e heblichem Um ang poli isch ge ä b ;
de S aa benu z e die Ki che dazu, die bes ehende S aa s- und Ge-
sellscha so dnung zu e eidigen und au ech zue hal en10. Im Eman-
zipa ionskamp de A bei e sah die p o es an ische Ki che einen
Ve such, diese S aa s- und Gesellscha so dnung umzus ü zen. De
P o es an ismus e s and nich die Zeichen de Zei und e moch e
auch nich , die E schü e ung de geis igen und geis lichen We e au -
zuhal en.
Die ka holische Ki che dagegen wa nich an den S aa und an die
K one gebunden. Sie ha e be ei s in den sechzige Jah en e kann ,
8 E ns . As e : Geschich e de Philosophie. S u ga 1954. S. 360.
9 Wai he . Loewenich: Die Geschich e de Ki che. Wi en 1959. S. 374.
10 Adol . Ha nack: Das Wesen des Ch is en ums. S u ga 1950. S. 174.
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Wilhelm Mo i z F h . . Bissing
wo um es dem A bei e in seinem Emanzipa ionskamp ging. De
Mainze Bischo F h . . Ke eie s ell e in seine 1869 e schienenen
Sch i „Die A bei e age und das Ch is en um" kla he aus, daß es
nich allein Lohn agen wä en, die den A bei e beweg en, sonde n
daß es ihm o allem da um »ginge, die olle gesellscha liche Gleich-
be ech igung zu e hal en. Das abe hieß ü Ke eie , daß die soziale
F age nich mi den Mi eln de Ca i as gelös we den könn e.
Diem Ang i au die ch is liche Leh e und de en We e begegne e
de Paps ü die ganze ka holische Ki che mi dem Syllabus e o um,
mi de Encyclica Quan a Cu a und dem Dogma on de Un ehl-
ba kei des Paps es in F agen de Leh e. Sein Ziel wa die geis ige
und o ganisa o ische s a e Zusammen assung de ka holischen
Ki che. De Ka holizismus sah in de Au o i ä des Paps es das
siche s e Bollwe k gegen Libe alismus und Re olu ion. E such e das
Heil „ul a mon es" jensei s de Alpen, in Rom.
De Syllabus wa im wesen lichen eine Absage an den Libe alis-
mus und an sein Bes eben, dem wel lichen Rech o dem ki ch-
lichen Rech den Vo ang einzu äumen, alls sich wel liches und ki ch-
liches Rech wide sp ächen. Dadu ch ühl en sich die K eise des deu -
schen Bü ge ums ge o en, die dem Libe alismus zuneig en und in
e heblichem Maße an de Einigung des deu schen Volkes mi gewi k
ha en.
Dieses libe ale Bü ge um a in de Zei «des Übe gangs om
Ag a - zum Indus ies aa gesellscha lich hin e dem Adel zu ück.
De sich en wickelnde deu sche Indus ies aa izeig e noch ein be äch -
liches ag a isch- euidales Gep äge. Übe 50
°/o
alle haup be u lich Tä-
igen gehö en de Landwi scha an. Os wä s de Elbe wa en übe
40
°/o
de landwi scha lich genu z en Fläche in de Hand des G oß-
g undbesi zes, und die Masse de G oßg undbesi ze en s amm e
adligen Familien. In Wes -, Mi el- und Süddeu schland wa alle -
dings de An eil des G oßg undbesi zes ge inge , und hie he sch-
en das G oßbaue n um und de mi le e bäue liche G undbesi z o .
De Adel besaß abe , gesellscha lich gesehen, übe all eine übe -
agende S ellung. In (de kaise lichen Diploma ie wa en nu 37 % de
Missionsche s bü ge lich. Die wich igs en Bo scha en und die maß-
geblichen S ellen des Auswä igen Am es wa en on Adligen bese z .
In de Ve wal ung, o allem in den ös lichen P o inzen P eußens,
übe wog de Adel eben alls. iDas gleiche gal ü das O izie ko ps
P eußens und Sachsens. De baye ische Adel ha e wenige den O i-
zie be u e g i en. Im P eußischen Abgeo dne enhaus s amm en 1878
40
®/o
de Abgeo dne en aus dem Adel. Diese Füh ung« schich be-
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Au o i ä e S aa und plu alis ische Gesellscha 23
he sch e also in wei em Um ang Bü ok a ie und Mili ä und ha e
dami die en scheidenden Mach posi ionen im S aa inne11.
In P eußen insbesonde e wa aus his o ische Übe lie e ung ein
enges pe sönliches T eue e häl nis zwischen König und Adel o -
handen, das bei de e assungsmäßig s a ken S ellung de K one on
besonde em Gewich wa . De Adel gewäh leis e e du ch seinen Ein-
luß in de Ve wal ung und im Hee sowie auch im Pa lamen die
Mach s ellung des Königs, umd de König s ell e du ch das ihm zu-
s ehende Rech , die Beam en und O izie e izu e nennen, den Ein luß
de üh enden Schich seine sei s siche . Die K eiso dnung ü die
ös lichen P o inzen P eußens on 1872 scha e zwa die gu she -
liche Polizei und Do e wal ung sowie in den K eis agen die Vi il-
s immen de Ri e gu sbesi ze ab und sch änk e die bishe ige Mach
des G oßg undbesi zes in de lokalen ländlichen Ve wal ung ein. Doch
de p eußische Minis e des Inne n, Robe . Pu kame , so g e im
Ein e s ändnis mi Bisma ck da ü , daß das p eußische Beam en um
eine einhei liche konse a i e Schich bilde e, in de die gesellscha -
lichen und poli ischen Mach posi ionen des Adels gewah blieben12.
Die deu sche Gesellscha zeig e also zu Zei Bisma cks noch e heb-
liche eudale Züge, die im Gegensa z zu ökonomischen und gesell-
scha lichen En wicklung s anden. Die üh ende Schich , o allem in
P eußen, wa en demnach Landadel, O izie sko ps und Beam en-
scha , wobei de Adel den Ke n diese Schich bilde e. Wenn auch
de Adel du ch zahl eiche Nobili ie ungen aus dem Bildungs- und Be-
si zbü ge um e meh wo den wa , so assimilie e sich diese neue
Adel mi dem al en g undbesi zenden Adel und e schwäge e sich
mi ihm. E nahm auch die ganze Lebensau assung des al en Adels
an. Ih Kennzeichen wa de eigena ige, u sp ünglich nu in P eu-
ßen o handene Eh beg i des O izie ko ps und de hohen Be-
am enscha , de sich dann übe das O izie ko ps in den ande en
Bundess aa en meh ode wenige ausb ei e e. Das is die Au assung
on de Sa is ak ions ähigkei und Nich sa is ak ions ähigkei . Diese
Au assung enn e den Adel on den ande en Schich en und Klassen
und umschloß „die bes en und edels en K ä e wie ein Ha nisch"13
(Fü s zu Eulenbu g).
11 Nikolaus . P e adowich: Füh ungsschich en in Ös e eich und P eußen 1804
bis 1918. Wiesbaden 1955. S. 81 ., 132, 155, 162.
12 F i z Hä ung: Zu Geschich e des p eußischen Beam en ums im 19. und
20. Jah hunde . Abhandlungen de Be line Akademie de Wiss. 1945/46. Phil.
His . Klasse.
13 Johannes Halle : Aus dem Leben des Fü s en Philipp zu Eulenbu g-He e-
eld. Be lin 1925. S. 324. S. dazu auch die Angaben bei We ne Somba : Die
deu sche Volkswi scha im 19. Jah hunde . 8. Au l. 1954. S. 469 .
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24 Wilhelm Mo i z F h . . Bissing
So wa es kein Wunde , wenn das Besi zbü ge um, das im Zei-
chen de Indus ialisie ung Deu schlands an Zahl und gesellscha -
liche Bedeu ung zunahm, sich de Poli ik im allgemeinen e nhiel
und sich in e s e Linie dem Au - und Ausbau seine Un e nehmen
widme e. Die wes deu schen Un e nehme lehn en es meis ens ab, ü
den Reichs ag zu kandidie en, weil de Abgeo dne e keine Möglich-
kei ha e, inne halb de Regie ung en scheidend an den Geschicken
des Landes mi zuwi ken, so daß die Lau bahn und die gesellscha -
liche S ellung des Abgeo dne en und Poli ike s on e heblich ge inge-
em Ansehen wa en als z. B. in England. Dami en emde e sich das
Un e nehme um dem S aa , den ä ig mi zu agen seine gesellscha -
liche Au gabe gewesen wä e.
Nu das Bildungsbü ge um üh e noch in gewissen G enzen den
Emanzipa ionskamp des Bü ge ums wei e , wenn es sich gegen die
Vo he scha des Adels in Ve wal ung und O izie ko ps wand e.
Doch wich ige als die hinschleichende Auseinande se zung zwischen
Adel und Bü ge um wu de de Kamp de In e essen zwischen Land-
wi en und Indus iellen und die Auseinande se zung zwischen A -
bei gebe n und A bei nehme n. Bis in die ün zige Jah e gingen die
Keime de plu alis ischen Gesellscha zu ück, de en olle En al ung
je z einse z e. Plu alis isch is eine Gesellscha , in de iele e schie-
dene und in sich he e oigene sekundä e G uppen en s ehen. De ein-
zelne und die G uppen als Ganzes wu den in den Schni punk de
gegensei igen Beziehungen zwischen den einzelnen sekundä en G up-
pen ges ell und dami in den Kamp um den Ein luß und um die
Mach im S aa e hineingezogen. Diese he e ogenen G uppen sind ins-
besonde e die poli ischen Pa eien, In e essen en e bände, Gewe k-
scha en und ki chlichen O ganisa ionen. Die plu alis ische Gesell-
scha is die Gesellscha s o m de be u ögespal enen kapi alis ischen
Indus iegesellscha .
In den siebzige Jah en begannen in olge de on Bisma ck un e
dem Mo o „Schu z de na ionalen A bei " eingelei e en Schu zzoll-
poli ik die In e essen en e bände wie Pilze aus de E de zu schießen.
In e essen en e bände sind eiwillige, au p i a ech liche G und-
lage be uhende Zusammenschlüsse on In e essen en. Sie wollen e -
suchen, du ch „D uck au Pa eien, Abgeo dne e, S aa s e wal ung
und Regie ung ih e beg enz en sozialen und ökonomischen In e essen
du chzuse zen"14. Sie e s eb en dahe , daß Männe , die mi den Zie-
len de Ve bände e au wa en, als Abgeo dne e in die Pa lamen e
gewähl wu den. Gelang es ihnen, ih e Ve e e als Abgeo dne e in
14 O o
S amme :
Gesellscha und Poli ik im Handbuch de Soziologie. S u -
ga 1956. S. 594.
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Au o i ä e S aa und plu alis ische Gesellscha 31
dici de indus iellen Un e nehme e bände23. Vo allem nach 1878
begannen sich diese Pe sönlichkei en in de Pa ei s a k zu be ä i-
gen. Sie ugen idazu bei, daß die Na ionallibe alen wei gehend in
das Fah wasse de indus iellen In e essen en e bände ge ie en, zu
eine Pa ei des g oßen Kapi als wu den und dami die Fühlung mi
den b ei en Massen e lo en.
Die ande e libe ale G uppe wa die Fo sch i spa ei. Ih Libe a-
lismus wa dok inä an den Theo ien on Ro eck und Welcke aus-
ge ich e . Da sie die Emanzipa ion des Bü ge ums o se zen woll e,
nahm sie den Kamp gegen Bisma ck und gegen die Vo he scha
des Adels au . Meh noch als die Na ionallibe alen sah die Fo sch i s-
pa ei in de ka holischen Ki che die Mach , die die Be eiung de
Geis e e hinde n woll e. Aus allen diesen G ünden woll e sie das
pa lamen a ische Sys em und die Demok a ie in Deu schland e -
wi klichen, abe dennoch die Mona chie e hal en. Aus ih e dok i-
nä en manches e lichen Eins ellung he aus lehn e sie die Schu zzoll-
und Sozialpoli ik Bisma cks ab; ebenso s imm e sie aus libe ale
Übe zeugung auch gegen das Sozialis engese z. Im Wide sp uch dazu
be eilig e sie sich ei ig am Kul u kamp , um die ka holische Ki che
de Omnipo en des S aa es un e zuo dnen. Die Omnipo enz des
S aa es schien ih e wünsch , wenn sie in de Hand des Bü ge ums
und nich des Adels lag24.
Die Fo sch i spa ei wu de in den Jah zehn en, on denen hie
gesp ochen wi d, dik a o isch on Eugen Rich e ge üh . De baye-
ische Gesand e G a Le chen eld schilde Rich e in seinen E inne-
ungen als einen Mann, de ausschließlich de Poli ik leb e, und de
Poli ik mi Opposi ion gegen die Regie ung gleichse z e. E wa eine
k i ische, abe nega i e Na u , obwohl e an Wissen, A bei sk a
und Ve s and wei den K eis de du chschni lich Gebilde en übe -
ag e25. In olge diese s e s nega i en, opposi ionellen Hal ung blieb
die Fo sch i spa ei eine unbedeu ende G uppe inne halb des Pa la-
men s, und die In e essen en e bände sahen in de Pa ei kein ge-
eigne es Ins umen , mi dem sie ih e Fo de ungen hä en du chse zen
können.
3. Ganz ande s gea e wa die G uppe de Massenpa eien. Im
Zen um wa die Masse de deu schen Ka holiken o ganisie . Es wa
eine eligiös undie e Wel anschauungspa ei, die die F eihei de
ka holischen Ki che und die Gleichbe ech igung de Ka holiken e -
23 K eme : a.a.O.
24 F ied ich G. Seil: Die T agödie des deu schen Libe alismus. S u ga 1953.
S. 248.
25 Hugo G a . Le chen eld-Kö e ing: E inne ungen und Denkwü digkei en.
Be lin 1935. S. 261/62.
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32 Wilhelm Mo i z F h . . Bissing
eidigen woll e26. Die Hal ung des Zen ums in den siebzige Jah en
gib wohl am kla s en die Kölnische Volkszei ung wiede , die damals
eines de wich igs en P esseo gane des deu schen Ka holizismus wa ,
wenn sie sch ieb: „Das Zen um is de be u ene Ve eidige de
Gesellscha und ih e legi imen Gewal en schlech hin gegen die libe-
alen und sozialis ischen Ang ei e . Es is de be u ene Schü ze
jede diese O dnung be es igenden Bes ebungen, de na u gemäße
Bundesgenosse des S aa es on dem Augenblick an, wo diese de
Ki che eh lich die Hand bie e zu dem g oßen We k de sozialen
Wiede gebu au G und de on Go de Ki che zu le z en Hu
und euen Ve eidigung übe agenen sozialen G undsä ze27."
Das Zen um wa also eine eligiös-poli ische Pa ei, wie das au
p o es an ische Sei e im gewissen Sinne die konse a i e Pa ei wa .
Im Zen um wa es nich das wi scha liche In e esse, das die Pa -
ei zusammenhiel , sonde n das einhei liche ka holische Bekenn nis,
das seine aus allen Gesellscha sschi eil en s ammenden Anhänge e -
band. Es wa also im Gegensa z zu den Konse a i en und Libe alen
keine Klassenpa ei. Dennoch ehl e dem Zen um die es e Pa ei-
o ganisa ion. O ganisa o isch wu de die Pa ei on den ka holischen
Volks e einen ge agen. Dann wa sie eng e bunden mi den meis
aus wes deu schen ka holischen Baue n bes ehenden Baue n e einen,
de en Füh e , de F h . . Scho leme -Als , auch maßgeblich in den
lei enden G emien de Zen umspa ei ä ig wa .
Da die Zen umspa ei eine Massenpa ei wa , muß en sich inne -
halb de Pa ei G uppen mi e schiedenen sozialen und poli ischen
Au assungen bilden. Poli isch wa allen gemeinsam eine s a k öde-
alis ische Eins ellung, die da au abziel e, die Mach des o wiegend
p o es an ischen P eußens einzusch änken. Wei e o de e man, daß
das Pa lamen mach mäßig ges ä k und sein Budge ech e wei e
wü de. Pa lamen a ismus und Demok a ie jedoch e och das Zen-
um nich ; die kons i u ionelle Mona chie soll e au ech e hal en
we den.
Nich einhei lich und nich eindeu ig wa die Gesellscha sau as-
sung des Zen ums. Die K eise um den Bischo . Ke eie huldig en
dem S ändegedanken, de da au hinziel e, die poli ischen Pa eien
und die Pa lamen e zu besei igen und den Klassencha ak e de Ge-
sellscha zu übe winden. Es wa en o allem die Geis lichen, die
un e de Füh ung des P äla en Hi ze de Ansich wa en: „Unse
ganzes Leben muß wiede s ändisch we den, on de Poli ik bis zum
26 K.
Bachem:
a.a.O. Bd. I. S. 15.
27 N . 193 . 16. 7. 78; zi ie nach H.
Tö e :
Bisma ck und das Zen um. Köl-
ne Phil. Diss. 1937. S. 11.
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Au o i ä e S aa und plu alis ische Gesellscha 33
Ve gnügen28." Da in be üh en sich diese Zen umsk eise mi den
Konse a i en, abe sie un e schieden sich ida in on ihnen, daß man
im Zen um die Emanzipa ion de A bei e ane kann e. Im Gegen-
sa z zu Hi ze und Ke eie wa en Wind ho s , und spä e auch He -
ling, ü eine pa lamen a ische Volks e e ung, und beide e kann en
auch die Exis enzbe ech igung de bü ge lichen Gesellscha an. So
muß e die p ak ische Poli ik des Zen ums aus einem Komp omiß
inne halb de Pa ei he o gehen, und mi Ausnahme de Ki chen-,
Schul- lind Kul u poli ik wa diese Poli ik undok inä und wei -
gehend p agma isch nüch e n an den jeweiligen Bedü nissen de
Zei ausge ich e . Von diesem Gesich spunk ließ sich die F ak ion
des Zen ums auch lei en, als es um die Wi scha s- und Sozial-
poli ik Bisma cks ging.
Die Schwe punk e des Zen ums wa en Rheinland-Wes alen, Obe -
schlesien und Baye n. Die Füh ung lag wei gehend in de Hand on
Hono a io en, un e denen die ka holische Geis lichkei und die ka-
holischen adligen G oßg undbesi ze eine maßgebende Rolle spiel en.
Un e den Abgeo dne en de siebzige und ach zige Jah e ehl en
noch die A bei e ; Handel, Indus ie und eie Be u e wa en wenig
e e en. S a k be eilig wa en die Jus izbeam en und dann die
Geis lichen mi einem Fün el und die Ri e gu sbesi ze mi einem
Vie el de Abgeo dne en29.
4. Die zwei e g oße Massenpa ei bilde en die Sozialdemok a en.
Sie bezeichne en sich als A bei e pa ei und gaben dami ih en Cha-
ak e als Klassenpa ei o en zu.
In de Sozialdemok a ischen Pa ei ha en die Ma xis en neben
den Lasalieiane n im Jah e 1875 an Ein luß gewonnen. Das Go hae
P og amm on 1875 ha e alle dings nich die Zus immung on Ma x
ge unden. Als Ke npunk s ell e es den Sa z au , daß die Be eiung
de A bei e scha on den Fesseln des Kapi alismus das We k de
A bei e selbs sein müsse. De Weg dazu wu de in de Übe üh ung
de Pnaduk ionsmi el in das gesellscha liche Eigen um gesehen.
Poli isch soll e idie eie Demok a ie und die sozialis ische Gesell-
scha e kämp we den. Die Sozialdemok a en e lang en, daß die
Vo ech e des S andes und de Gebu besei ig , daß das gleiche,
geheime, di ek e Wahl ech ü alle Männe , die das 20. Lebensjah
übe sch i en hä en, gewäh , S aa und Schule on de Ki che ge-
enn und alle die P esse-, Ve eins- und Koali ions eihei besch än-
kenden Gese ze au gehoben wü den. T o z alle Maßnahmen, die
on den Behö den au G und des Sozialis engese zes angewand wu -
28 Jose Ho mann: De s ändische Gedanke und die Geschich sau assung des
Zen ums. Ju . Diss. Müns e i. W. 1925. S. 28.
29 K eme : a.a.O.
3 Schmolle s Jah buch 83, 1
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34 Wilhelm Mo i z F h . . Bissing
den, um die Sozialdemok a ische Pa ei zu un e d ücken, gelang es
ih , die Zahl de Mi gliede und de Wähle zu e meh en. Alle -
dings blieben die Sozialdemok a en im Reichs ag zunächs noch eine
unbedeu ende Minde hei spa ei.
Die Sozialdemok a ische Pa ei wa eine Mi gliede pa ei mi eine
bis ins kleins e ausgebau en O ganisa ion. Ih en Anhang and sie
in e s e Linie in de A bei e scha de g oßen indus iellen Be-
iebe, den unbemi el en Handwe ke n, den schlech bezahl en un-
e en Beam en on Pos und Eisenbahn sowie in den K eisen o
allem de jüdischen In elligenz. Ih e Füh e wa en keine Hono a-
io en, sonde n eine We eli e, die sich in e s e Linie zusammen-
se z e aus A bei e n und dann aus In ellek uellen, die sich in de
O ganisa ion als Poli ike , als Redne und als Gewe kscha s üh e
bewäh ha en.
Ih e p og amma ischen Ziele b ach en die Sozialdemok a en in
Gegensa z zu den ande en Pa eien, die eine Emanzipa ion des ie -
en S andes ablehnend gegenübe s anden, und ih Kamp gegen die
ch is liche Religion mach e ih auch die K eise des Zen ums zu Fein-
den, die de Emanzipa ion de A bei e Ve s ändnis en gegenb ach-
en. So konn e die Sozialdemok a ie damals nu die Rolle eine
ideologie e ha e en Opposi ionspa ei spielen.
Die soziologische Analyse ha eine Fülle on Mosaiks einen gelie-
e , die es nun zu einem einhei lichen Bild zusammenzu ügen gil .
Das neue Reich als Bundess aa un e lag de Ge ah des Pa ikula-
ismus. Da aus e gab sich die au o i ä e Ges al ung de Reichs Ve -
assung, mi de en Hil e Bisma ck den Pa ikula ismus niede zuhal-
en ho e. Bü ok a ie und die aus ih he o gehenden Minis e sind
eine S andeseli e, und diese Eli e s eh die sich en wickelnde plu-
alis ische Gesellscha gegenübe . Mi diese Gesellscha ha die
Eli e nu eine lose Fühlung, ja, sie lehn die neue sich bildende Ge-
sellscha im G unde ab. Die Funk ionen on S aa und Gesellscha
sind o z Mohl und Lo enz on S ein nich e aß , sonde n man
häl nach wie o den S aa ü das allein Dominie ende. Nu e is
poli ische Mach und soll es auch bleiben. Daß daneben in de plu-
alis ischen Gesellscha neue gesellscha liche K ä e ans Lich d än-
gen, wi d e kann . Man übe sieh , daß Poli ik und S aa nich meh
iden isch sind.
Die Pa eien als Aus luß de bishe igen poli ischen und gesell-
scha lichen K ä e hal en an übe hol en Ideologien es , sie we den
dok inä , abe dann, un e dem Ein luß de ökonomischen En wick-
lung, meh und meh zu klassenkämp e ischen In e essen enpa eien.
Nu das Zen um mach hie eine Ausnahme. Dabei we den die kon-
se a i en Pa eien in den beginnenden Todeskamp des os elbischen
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Au o i ä e S aa und plu alis ische Gesellscha 35
G oßg undbesi zes hineingezogen. Die libe alen Pa eien haben zwa
die Einigung Deu schlands e eich , abe da übe den Kamp um die
Emanzipa ion des Bü ge ums au halbem Wege au gegeben. Sie e -
leugnen die libe alen G undsä ze, we den ein lußlos und e lie en
au diese Weise ih e gesellscha liche Funk ion, den S aa eihei lich
zu ges al en und das imme meh an Bedeu ung gewinnende Bü ge -
um poli isch in den S aa einzugliede n. Das Un e nehme um häl
sich dahe on de ak i en Poli ik wei gehend zu ück, so daß es die
Fühlung mi S aa und Gesellscha e lie . Da ü such es Anleh-
nung an die üh ende Schich und is be ei , Adelsp ädika e anzu-
nehmen.
Die Minde ung de eligiösen We e schwäch die In eg a ion o
allem de p o es an ischen, bü ge lichen Schich en. Aus diesem G unde
und um den Anschluß an die üh ende Eli e zu gewinnen, wi d de
Rese eo izie ein e s ebenswe es gesellscha liches Ziel. Die s en-
gen Au assungen on de S andeseh e des O izie s, wie sie z. B. in
den on König Wilhelm e lassenen Bes immungen übe die Eh en-
ge ich e de O izie e zum Ausd uck komm , sollen einen E sa z ü
die nich meh oll in K a s ehenden eligiösen We e bilden und
eine gesellscha liche In eg a ion he bei üh en, die abe nu einen
Teil de Gesellscha um aß , de en In eg a ionszen um in e s e
Linie das O izie ko ps de p eußischen A mee wi d. Nich mi Un-
ech mein dahe Robe Michels30, daß das deu sche Bü ge um
Mi e und Ende des 19. Jah hunde s au dem Wege wa , eudalisie
zu we den. Das is auch mi ein G und, wa um demok a ische Fo -
de ungen on den Pa eien mi Ausnahme des Fo sch i s und de
Sozialdemok a ie nich e hoben wu den.
Fü die Masse de deu schen Ka holiken ha en die eligiösen
We e imme noch ih e olle Bedeu ung; sie wa en soga du ch das
Va icanum noch be es ig wo den. Das In eg a ionszen um is das
übe na ionale, geis ig mäch ige gewo dene Paps um. So kann auch
de deu sche Ka holizismus o z manche Gegensä ze inne halb sei-
ne Anhänge sich poli isch zu eine Massenpa ei zusammenschließen.
Die ande e Massenpa ei endlich is eine Klassenpa ei, die den
Kamp gegen Gesellscha und S aa au ih e Fahnen sch eib . Sie
e hinde (dadu ch, daß die be ech ig en und no wendigen Emanzi-
pa ioinsbes ebungen de A bei e on den ande en G uppen e s an-
den und ane kann we den.
Mi Ausnahme de adikalen Libe alen und de Sozialdemok a en
e s eb keine poli ische Pa ei den demok a ischen, pa lamen a i-
schen S aa , keine de Pa eien kämp um eine wi kliche poli ische
30 Robe Michels: Zu Soziologie des Pa eiwesens. Leipzig 1925. S. 20.
3®
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36 Wilhelm Mo i z F h . . Bissing
Idee, weil auch das Reich keinem we benden Gedanken dien e. Bis-
ma ck ha e seine Schöp ung keine übe die Gegenwa hinaus-
wei&ende Aju gabe gegeben31. So konn e sich kein ü alle G uppen
e bindliches In eg a ionszen um bilden.
Alles das wi d deu liche , wenn wi uns nunmeh mi den Pe sön-
lichkei en be assen, die das Reich gescha en und o ganisie ha en,
dann üh end an seine Spi ze s anden und seine Geschicke mi be-
s imm en.
Die üh enden Männe
Bisma cks Ziel wa es, das noch in de Konsolidie ung be indliche
Reich o den Ge ah en des Pa ikula ismus gegen das Mach s eben
eines im wesen lichen opposi ionellen Pa lamen a ismus und gegen
die e olu ionä en Bes ebungen de Sozialis en zu schü zen. Die Be-
d ohung des Reiches on außen e eg e in ihm den cauchema des
coali ions, die Ve häl nisse im Inne n las e en au ihm wie ein Alp-
d uck des Pa lamen a ismus32. Die außen- und innenpoli ische Lage
e lang en eine k a olle, zielbewuß e Lei ung, und diese schien
Bisma ck nu möglich, wenn eine Pe son die Einhei lichkei de
Poli ik gewäh leis e e und die Ve an wo ung ug. Dami sind sein
Wiille zu Mach und sein Wiille, das Reich du ch einhei liche Füh-
ung mach oll gedeihen zu lassen, nich oneinande zu ennen33.
„Ich will meinen König und das König um e eidigen gegen die
Re olu ion, die o ene und die schleichende, und ich will ein gesun-
des, s a kes Deu schland he s ellen und hin e lassen", sag e e selbs
einmal34.
Die g oßen s aa smännischen E olge ha en ihn mi einem Cha-
isma umgeben, das ihn as zu eine my hischen Pe son mach e.
Allen halben wa man de Übe zeugung, daß Bisma ck nu allein in
de Lage wä e, die Geschicke des Reiches zu lenken. Bisma ck wa
sich auch selbs bewuß , <daß nu e diese S elle oll aus üllen könn e.
Kaise Wilhelm ha e ihn da in bes ä k , wenn auch das be ühm e
„Niemals" als An wo au das Abschiedsgesuch om Mä z/Ap il
1877 in das Reich de Legende gehö , wie es We ne F auendiens
nachgewiesen ha 35. Abe imme hin ha e ihm de Kaise am 7. Mai
1876 gesch ieben: „P eußen e lie seinen ganzen Hal , seine du ch
Sie gescha ene S ellung, wenn Sie nich meh an de Spi ze de Ve -
31 Helmu h Plessne : Die e spä e e Na ion. S u ga 1959. S. 43. W. M. F h .
. Bissing: Na ionale Idee und poli isches Ziel. In: Schmolle s Jah buch 76.
Jg. 1956. S. 604 . We ne Somba : a.a.O. S. 472.
32 Demmle : a.a.O. S. 40.
33 O o Bedce : a.a.O. S. 243/44.
34 G.W. 8. S. 426.
35 G.W. 6. S. 79.
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Au o i ä e S aa und plu alis ische Gesellscha 37
wal ung s ehen36." De p eußische Gesand e am D esdne Ho be-
ich e e dem S aa ssek e ä des Auswä igen Am es, wonach de
König on Sachsen geäuße hä e, kein Mensch e s ünde so gu die
Füh ung de äuße en Poli ik wie Bisma ck37. De wü embe gische
Minis e p äsiden . Mi nach e siche e wiede hol , daß die e bün-
de en Regie ungen Bisma ck als Reichskanzle nich missen möch en38.
Selbs Wind ho s , wohl de mäch igs e Gegne Bisma cks, sieh in
ihm den einzigen Mann, de de zugespi z en Ve häl nisse im Inne n
wü de He we den können39. Dieses au E olg beg ünde e Cha isma
Bisma cks ha den Glauben an die Un ehlba kei poli ische Dok i-
nen und dami auch das Ge üge de poli ischen Pa eien s a k e -
schü e 40.
Bisma ck wa konse a i , abe nich im Sinne S ahls und de Kon-
se a i en Pa ei41. Aus seine konse a i en Hal ung he aus 6ah e
in den Massenpa eien, wie sie im Zen um und den Sozialdemok a-
en he anwuchsen, eine Ge äh dung des S aa es und de O dnung.
E wa ein Gegne jeglichen Ein lusses de b ei en Massen au S aa
und Regie ung. De S aa , so mein e e , dü e nu on eine klei-
nen Schich egie we den. Diese Au assung und seine Selbs he -
lichkei wa en mi Pa lamen a ismus und mi Demok a ie nich in
Einklang zu b ingen. Alle ding« glaub e e , daß die e wickel en
Ve häl nisse des mode nen S aa es on de K oaie allein nich meh
übe blick we den könn en, so daß eine kons i u ionelle Regie ungs-
o m nich zu umgehen wä e. Abe „es is eine kons i u ionelle Re-
gie ung nich möglich, wenn die Regie ung sich nich au eine g öße e
Pa ei mi olle Siche hei s ü zen kann, auch in solchen Einzel-
hei en, die de Pa ei ielleich nich ge allen"42. Das Pa lamen und
die Pa ei, au die sich die Regie ung s ü z , sollen wohl kon ollie en,
abe nich opponie en, sie sollen Schäden in de Ve wal ung au decken,
abe eich nich mi de hohen Poli ik be assen, weil da übe nu Ein-
geweih e ein genügend siche es U eil gewinnen könn en43. Pa eien
sind im üb igen e an wo ungslos, weil ih Handeln au Meh hei s-
beschlüssen be uh 44. Die Volks e e ung soll also de Regie ung
36 H. Goldschmid : Das Reich und P eußen im Kamp um die Füh ung. Be lin
1931. S. 171.
37 Goldschmid : a.a.O. S. 324.
38 G.W. 8. S. 494.
39 K. Bachem: a.a.O. Bd. II. S. 311.
40 Hä ung: Deu sche Geschich e 1871—1919. S u ga 1952. S. 45.
41 G.W. 8. S. 426.
42 O o . Bisma ck: Gedanken und E inne ungen. S u ga 1959. S. 383.
43 Hein ich . Poschinge : Bisma ck und die Pa lamen a ie . Bd. I. Be lin 1894.
S. 60.
44 Wilhelm Schüssle : Bisma ck und de Pa lamen a ismus. Langensalza 1928.
S. 24.
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38 Wilhelm Mo i z F h . . Bissing
zu Sei e s ehen, sie soll ein „minis e ielles Pa lamen " (Oncken)
sein, doch die „pa lamen a ische Demok a ie blieb ü Bisma ck wohl
das Böse schlech hin"45.
Fü Bisma ck s and de S aa im Mi elpunk des Denkens und
Handelns. Nu de S aa wa ü ihn eine Reali ä , de Beg i de
Na ion sag e ihm wenig46. Bisma cks S aa sau as&ung wa undok i-
nä und p agma isch. Sie be uh e nich , wie bei den Libe alen, au
eine Ideologie, sie wa auch nich , wie beim Zen um ode den Kon-
se a i en, eligiös gebunden, auch wenn sie im lu he ischen Ch is en-
um wu zel e. E sah im S aa und de Ki che die beiden on Go
gewoll en O dnungsgewal en, wobei de S aa die i dischen Dinge zu
egeln hä e und ihm in wel lichen Dingen ein unbeding es Vo ech
o de Ki che zus ünde47. Das bedeu e keine Ki chen eindscha ,
abe ihm wa keine Ki che höchs e Au o i ä in Glaubensdingen;
dem wide sp ach sein subjek i es, dogmen eies Ch is en um. Ein po-
li isches P ies e um, gleich ob p o es an isch ode ka holisch, schien
ihm die Exis enz des S aa es zu ge äh den.
Diese Hal ung zum S aa und zu Poli ik bekomm ih e besonde e
No e du ch Bisma cks Cha ak e , ohne den sein ganzes poli isches
Wi ken mi seinen Folgen nich e klä we den kann. Bisma ck als
Cha ak e und Pe sönlichkei is eine Schema isie ung unzugänglich.
Neben dem Genialen, dem Dämonischen und Gewal igen wa in sei-
nem Cha ak e die Fähigkei zu maßlosem Haß gegen seine poli i-
schen Gegne eingep lanz . Dadu ch is es ihm o nich gelungen, au
dem Gebie de inne en Poli ik Maß zu hal en48. Bisma ck wa seh
selbs he lich und e ug sich wenig mi seinen Mi a bei e n.
Hin e Bisma ck wi k e als s ill agende und wollende K a Kai-
se Wilhelm I. De Kaise wa sein ganzes Leben in e s e Linie Sol-
da und dann Poli ike . Poli ik wa ein Gebie , das ihm unsympa-
hisch wa . Seine Weishei abe ließ ihn e kennen, daß Regie en
ohne Poli ik nich möglich wä e. So e ließ e sich au Bisma ck,
deck e ihn du ch sein Cha isma, das du ch Bewäh ung und Al e
en s anden wa . Kaise Wilhelm I. wa aus ie s em He zen konse -
a i , und die libe ale Poli ik Bisma cks, die schließlich zu G ün-
dung des Reiches ge üh ha e, wa ihm wesens emd. Im Jah e 1874
sag e e zum Fü s en Chlodwig Hohenlohe: „Man muß je z wiede
konse a i we den; Bisma ck ges eh das selbs 49." Diese konse a-
i e Hal ung be uh e au seine eligiösen Übe zeugung. Die K one,
45 Hugo P euss: S aa , Rech und F eihei . 1926. S. 454.
46 We ne Rich e : Bisma ck. F ank u a. M. 1962. S. 235.
47 G.W. 11. S. 289.
48 Wilhelm Mommsen: Bisma ck. München 1957. S. 240.
49 Hohenlohe: Denkwü digkei en. Bd. II. S. 133.
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Au o i ä e S aa und plu alis ische Gesellscha 39
die e on Go es Gnaden e hal en ha e, gal es in ih en Rech en
gegenübe dem Pa lamen zu wah en und sie dem Pa lamen nich
un e zuo dnen. Wias ü Bisma ck de S aa wa , wa ü den Kaise
die K one. De gemeinsame Kamp um (die Rech e
de
K one band
ihn an Bisma ck, und je äl e e wu de, um so meh ließ e ihm
eie Hand50.
E gebnisse
Die A mosphä e in den e s en Jah zehn en des Bisma ckischen
Reiches wa also spannungsgeladen. Das Ve häl nis de Wechselwi -
kung on S aa und Gesellscha wa in seine F uch ba kei ü die
En wicklung und dami auch ü die Konsolidie ung des Reiches nich
e kann . Bisma ck sah ge ade in de Wechselwi kung on S aa und
Gesellscha eine Ge ah ü die s e ige, mach olle, au den F ieden
hin ausge ich e e Außenpoli ik, die seine eigens e Domäne wa , on
de e das Pa lamen e nzuhal en such e. Ebensowenig wa ihm
als p o es an ischem Ch is en das Ve häl nis zwischen S aa und ka-
holische Ki che e au . Wa doch die e angelische Landeski che
du ch das landeshe liche Summepiscopa es mi dem S aa e bun-
den als eine unmi elba e S ü ze d«s Th ones. Dann d oh e die
Wi scha sk ise zusammen mi de Emanzipa ion de A bei e scha
das Reich in seinen G und es en zu e schü e n. Hie a en wi -
scha liche und poli ische Dok ina ismus den p ak ischen Lösungen
en gegen. Da übe ze spli e en die Pa eien, die bishe die Bis-
ma cksche Poli ik ges ü z ha en. Au de ande en Sei e bilde en
sich die In e essen en e bände und such en maßgeblichen Ein luß au
die Poli ik zu gewinnen. Bisma ck muß e e suchen, die Spannungen
auszugleichen, denn e wa de alleinige, e an wo liche Lei e de
Poli ik. Dami wa en alle Vo ausse zungen ü den Au o i a ismus
gegeben. Au o i a ismus is ein He scha ssys em, in dem die maß-
geblichen poli ischen En scheidungen on eine ode on nu wenigen
Pe sönlichkei en ge o en we den, die au G und ih es Cha isma die
poli ische Mach in ih en Händen wei gehend e einigen, so daß sie
das Pa lamen le z en Endes ih em Willen un e we en können61.
Diese beiden Pe sönlichkei en wa en Bisma ck und de Kaise . Wenn
als Vo ausse zung ü die Demok a ie die eie Wahl de poli ischen
Ini ia i e ü den einzelnen und die Ane kennung des S aa es hin-
ges ell we den (O o S amme ), so ehl en diese Vo ausse zungen
doch in e heblichem Maße in den e s en Jah zehn en des Bisma cki-
schen Reiches. Die kas enmäßige und noch dazu in s a k eudalen
50 E ich
Ma hs:
Kaise Wilhelm I. 9. Au l. Be lin 1943. S. 302 .
51 s. dazu Ma in
D ah :
To ali a ismus in de Volksdemok a ie. In: Bd. 11 de
Sch i en des Be line Ins i u s ü poli ische Wissenscha en. Köln 1958.
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40 Wilhelm Mo i z F h . . Bissing
Au assungen s uk u ie e Gesellscha e hinde e die En al ung
de eien poli ischen Meinung und Be ä igung. Sie zwang ielmeh
jeden zu eine seine gesellscha lichen G uppe en sp echenden poli-
ischen Hal ung. Es wa gesellscha lich unmöglich, daß ein Ange-
hö ige de üh enden Schich nich den Deu schkonse a i en ode
de Reichspa ei seine S imme gab. Den s aa lichen Beam en wu de
die Wahl de poli ischen Al e na i e wei gehend beschni en. Bis-
ma ck mein e, daß die Be eiligung de Beam en bei den Wahlen im
Sinne de Regie ung ein E o de nis des mona chischen S aa es wä e.
In diesem Sinne wu de auch au die Beam en ein D uck ausgeüb 52,
un d Bisma ck e eich e es, daß dem Land a P inz Hein ich zu
Schönaich-Ca ola h, de als Mi glied des Reichs ages mi dem Fo -
sch i gegen die Regie ung ges imm ha e, om Kaise das Rech
zum T agen de O izie suni o m en zogen wu de53.
Die Pa eien wa en kein wi kliches Gegengewich gegen die Au o-
k a ie Bisma cks, weil sie wede ü den Pa lamen a ismus noch ü
die Demok a ie ein a en. Eine Ausnahme bilde en de Fo sch i
und die Sozialdemok a ie. Diese schied als bewegende Fak o aus,
weil sie sich nich zium S aa bekann e, und de Fo sch i wa eine
kleine Minde hei , die sich in nega i e Opposi ion e ging und -da-
du ch keinen Anhang bei den b ei en Massen ha e, au denen sich
eine Demok a ie hä e au bauen müssen. Fü die E ziehung de b ei-
en Massen zu Demok a ie ehl e es an eine sys ema isch au ge-
bau en Selbs e wal ung, an eine eihei lichen Regie ungs o m in
den Bundess aa en sowie an einem ü alle e bindlichen In eg a-
ionszen um.
De Übe gang om F eihandel zum Schu zzoll im Jah e 1878 und
das Bes eben Bisma cks, du ch die Zolleinnahmen das Reich au eine
gesunde inanzielle Basis zu s ellen, e anlaß en die Libe alen und
das Zen um, den Ein luß des Reichs ages au die Finanzpoli ik und
die Finanzgeba ung des Reiches zu e s ä ken, was ihnen auch ge-
lang. Abe gleichzei ig iel die na ionallibe ale Pa ei aus dok inä en
G ünden übe de Schu zzoll age auseinande . Um die Annahme de
Schu zzollgese ze du ch den Reichs ag zu gewäh leis en, schlössen sich
au Ve anlassung des ühe en wü embe gischen Minis e s . Va n-
bühle , de als Abgeo dne e dem Reichs ag angehö e, 204 Abge-
o dne e de Deu schkonse a i en, de Reichspa ei, de Na ional-
libe alen und des Zen ums zu eine Volkswi scha lichen Ve eini-
gung zusammen. Sie e üg e übe die Meh hei im Reichs ag. Die
g oßen wi scha lichen Un e nehme e bände, de Ve ein de S eue -
52 G.W. 8. S. 440.
53 Ba onin . Spi zembe g: Tagebuch. Gö ingen 1960. S. 192.
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