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Juden im Deutschen Wirtschaftsleben: Soziale und wirtschaftliche Struktur im Wandel 1850-1914

Author: Prinz, Arthur
Publisher: Tübingen: Mohr Siebeck GmbH & Co. KG
Year: 2024
DOI: 10.1628/978-3-16-163610-3
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/312702/1/Mohr-Siebeck_9783161636103.pdf
P inz, A hu
Book
Juden im Deu schen Wi scha sleben: Soziale und
wi scha liche S uk u im Wandel 1850-1914
Sch i en eihe wissenscha liche Abhandlungen des Leo Baeck Ins i u s, No. 43
P o ided in Coope a ion wi h:
Moh Siebeck, Tübingen
Sugges ed Ci a ion: P inz, A hu (2024) : Juden im Deu schen Wi scha sleben: Soziale und
wi scha liche S uk u im Wandel 1850-1914, Sch i en eihe wissenscha liche Abhandlungen des
Leo Baeck Ins i u s, No. 43, ISBN 978-3-16-163610-3, Moh Siebeck GmbH & Co. KG, Tübingen,
h ps://doi.o g/10.1628/978-3-16-163610-3 ,
h ps://www.moh siebeck.com/buch/juden-im-deu schen-wi scha sleben-9783161636103/
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SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER
ABHANDLUNGEN
DES LEO BAECK INSTITUTS
43
A hu
P inz
Juden
im
Deu schen Wi scha sleben
Soziale und wi scha liche S uk u
im
Wandel
1850-1914
Bea bei e und he ausgegeben
on
A aham Ba kai
ARTIBUS
IS
.
.
1·8·0··1
J.
C. B.
Moh
(Paul Siebeck) Tübingen 1984

Die Ve ö en lichung dieses Buches wu de du ch die Memo ial Founda ion o Jewish Cul u e un e s ü z CIP-Ku z i elau aahme de Deu schen Biblio hek P inz, A hu : Juden im deu schen Wi scha sleben: soziale u. wi scha l. S uk u im Wandel • 1850-1914 / A hu P inz. Bea b. u. h sg. on A aham Ba kai. -Tübingen: Moh , 1984. (Sch i en eihe wissenscha liche Abhandlungen des Leo-Baeck-Ins i u s; 43)ISBN 3-16-744825-3 / eISBN 978-3-16-163610-3 un e
ä
nde e eBook-Ausgabe 2024ISSN 0459-097X NE: Ba kai, A aham [Bea b. ); Leo Baeck Ins i u e o Jews om Ge many (New Yo k, NY): Sch i en eihe wissenscha liche Abhandlungen ... © J. C. B. Moh (Paul Siebeck) Tübingen 1984. Alle Rech e o behal en.Dieses We k is sei 04/2024 lizenzie un e de Lizenz
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es inde sichun e : h ps://c ea i ecommons.o g/licenses/by-sa/4.0/deed.de. P in ed in Ge many. Sa z und D uck: Gulde-D uck GmbH, Tübingen. Einband: G oßbuchbinde ei Hein . Koch, Tübingen.
Dieses Open Access eBook wi d du ch eine Fö de ung des Leo Baeck Ins i u e London und des Bundesminis e iums des Inne n und ü Heima e möglich .
Vo wo
A hu P inz wu de am 3. Dezembe 1898 in Gua emala-Ci y gebo en.
Seine El e n wa en, wie e selbs e zähl aus Kempen in Posen ausgewan-
de , wah scheinlich zue s nach den USA,
wo
de Va e die ame ikanische
S aa sbü ge scha e hiel .
Noch
o dem e s en Wel k ieg keh e die Fami-
lie nach Deu schland zu ück und A hu P inz konn e 1918 das Bisma ck-
Gymnasium in Be lin abschließen.
E
s udie e dann haup sächlich an de
Be line F ied ich-Wilhelm-Uni e si ä Na ionalökonomie, Geschich e
und
Philosophie, un e ande en bei E ns T oel sch, Hans Delb ück
und
We ne Somba , de ihn anscheinend besonde s
und
daue nd beeind uck-
e2.
1923 p omo ie e e in Be lin »magna cum laude« mi eine Disse a ion
»Das Ma xsche Sys em in psychologische Be ach ung«.
Wegen de In la ion wu de P inz on de sons üblichen Vo lage eines
Disse a ionsd ucks be ei , doch ha e lange Jah e hindu ch den Gedanken,
seine Disse a ion als Buch
zu
e ö en lichen, nich au gegeben. Als
es
1932
so wei zu sein schien und be ei s Ve handlungen mi Ve lege n im Gange
wa en, ha Hi le s Mach e g ei ung diese Pläne du chk euz . Abe die Aus-
einande se zung mi Ma x ha P inz sein ganzes Leben lang o gese z . Sie
is das
Thema
de meis en seine Ve ö en lichungen3, und seine besonde e
Beziehung zu deu schen A bei e bewegung
komm
meh
als
einmal auch
in den olgenden Sei en zum Ausd uck. Sie dü e wesen lich auch seine
Be u s ä igkei nach Abschluß des S udiums bes imm haben. In den Jah en
1926-1933 wi k e e als Dozen an de Be line eien Volkshochschule
(Humbold -Hochschule) und hiel Vo äge o Gewe kscha en und ande-
en A bei e e einen. Auch seine Themen im S udienp og amm de
Hum-
bold -Hochschule de Semes e 1930 und
1931
sind bezeichnend:
es
wa
wenige die abs ak e Wi scha s heo ie
als
die wi scha spoli ischen
Ta-
1 Siehe un en,
S.
110.
2 Noch
1973
sah e sich
au
de A den-House Con e ence des Leo Baeck Ins i u s e anlaß ,
seinen ühe en Leh e in Schu z
zu
nehmen »
..
.
as
a g ea economic his o ian
...
(who)
dese es some espec « . (Vgl. YLBI, XIX (1974),
S.
30)
.
3 »My hs, Fac s and Riddles abou he Li e a y Es a e
o
Ka l Ma x«, in: De F iede, Idee
und Ve wi klichung, Fes sch i ü Adol Leschni ze , Heidelbe g 1961; »Backg ound and
Ul e io Mo i e
o Ma x's
>P e ace<
o 1859«,
in:
Jou nal
o he
His o y
o ldeas, 7-9/1968; »New
Pe spec i es on Ma x
as
aJew,
in
:
YLBI
XV
(1970)
,
S.
107-124.
VI
Vo wo
ges agen und die poli ischen Pa eien und En scheidungen, denen e die
meis en seine Vo lesungen widme e4• In e essan e weise un e ich e e zu
gleichen Zei de auch on P inz hie o zi ie e Ku Zielenzige , de
Ve asse on »Juden in de deu schen Wi scha «, an de selben Hochschule
übe die Geschich e de A bei e bewegung, doch is uns übe einen Kon ak
zwischen den beiden nich s bekann .
Im Juli 1933
wu de
P inz, wie as alle jüdischen Hochschulleh e , is los
en lassen. Im Mä z sch ieb man
ihm
noch zu ückhal end, daß
es
o e s , »so
wie die Dinge liegen«, besse sei, »nich zu S ö ungen Anlaß zu geben
...
bis sich
im
He bs die Ve häl nisse geklä haben we den«. Im Juli hieß es,
alle dings mi eine neuen Un e sch i , man habe eins immig »die Au he-
bung de al en Sa zungen und die Ums ellung
au
das Füh e p inzip ollzo-
gen«. Seine En lassung sei also keineswegs »sa zungswid ig«5.
Übe
seine
Be u s ä igkei in den olgenden Mona en is wenig bekann . E selbs
e wähn
ü 1933-1935 eine »Fellowship
o
he >S esemann-S i ung< o
w i e
on
In e na ional Mig a ions a e W o ld Wa
1.
This
wo k
was b oken
o
due o poli ical p essu e«6. Ab Dezembe and e Beschä igung
im
Hil s e ein de deu schen Juden, dem
im
Rahmen de neu gebilde en
Reichs e e ung die nich nach Paläs ina gehende Auswande ung un e -
s and.
Zu
seinen Au gaben
als
Vo s andsmi glied gehö e -nach seine
eigenen Schilde ung -die He ausgabe des In o ma ionsbla es »Jüdische
Auswande ung<<, » on dem d ei He e (Südame ika, B i ische Dominions,
No dame ika) e schienen
...
Fe ne He ausgabe de Jah esbe ich e des H.
V„
s ändige Fühlung mi de jüdischen P esse und ih e Beein lussung und
In o ma ion bezüglich alle Wande ungs agen. Neben diese In o ma ion
de Ö en lichkei wa o allem die ägliche In o ma ion de Mi a bei e
selbs du ch Rundsch eiben, ein üh ende Vo äge usw. wich ig. Ebenso
häu ige Mi a bei bei de P opaganda ü den H.
V.
du ch ö en liche
Vo äge, Zei ungsa ikel usw. Von An ang 1936 bis F ühjah 1937 Mi a -
bei
am
Au bau de Auswande e sp achku se, die schnell Bedeu ung ge-
wannen und spä e
om
>Jüdischen Leh haus<
übe nommen
wu den. Dane-
ben nahmen mich
imme
meh die eigen lichen Vo s andsa bei en in
An-
sp uch: insbesonde e die s ändige Fühlung mi ausländischen jüdischen
O ganisa ionen, die auch meh ache Diens eisen e o de e, e ne wande-
ungspoli ische Ve handlungen mi den deu schen Behö den. Bei meine
4 So
z.
B.
im He bs -Semes e 1930: »G undlinien de Innenpoli ik: Deu schlands poli ische
Pa eien; Poli ische Lebens o men bei uns und im Ausland. (Mi Reichs agsbesuchen und eie
Aussp ache.
)«
Im He bs 1931: »Poli isches Füh e um: Die Schöp e des mode nen Sozialis-
mus (Ma x, Engels, Lassalle); Bolschewismus (Lenin, S alin, T o zky); Faschismus (So el,
Pa e o, Mussolini); Deu schland in de wi scha lichen und poli ischen K ise, u. a. m. «.
5 A chi e
o LBI
New
Yo k (ALBI), AR 5103, A hu P inz Collec ion. Le e s
o 22.
3.
1933 and
21.
7.
1933.
6
Ebd
. Pe sonal Da a, 1961-1965; Cu iculum Vi ae (n.
d„
1968?).
Vo wo
VII
ganzen Tä igkei wa de lei ende Gesich spunk , daß man bei de Ges al-
ung de Auswande ung nich
nu
da au ach en müsse, unse e Menschen in
Lände zu b ingen,
wo
sie
au
G und ih e be u lichen
und
sp achlichen
Vo bildung möglichs schnell eine Exis enz inden könn en, sonde n auch
da au , daß sie
im
Einwande ungsland ein gesundes jüdisches Gemein-
scha sleben üh en könn en«
7.
In de Pog omnach
om
9.
No embe
1938
wu de
A hu
P inz, wie
iele ö en lich ä ige Juden, in Ha genommen. Nach seine En lassung
wande e e
im
Mä z 1939 nach Paläs ina aus,
wo
e in den nächs en Jah en
seinen Un e hal
als
eie Jou nalis und du ch gelegen liche Vo äge au-
genscheinlich
nu
mühsam
e wa b. Dies mag auch de
G und
da ü gewesen
sein, daß e in Paläs ina nich Fuß aß e und 1947 nach den USA übe siedel e.
1948 e hiel e die P o essu ü
Ökonomie
am Dickinson College in Ca lis-
le, Pa. , die e bis zu seine Eme i ie ung 1966 bese z e. 1965
wu de
ihm
on
de Uni e si ä de »Lindback Awa d o Dis inguished Teaching« e lie-
hen. Auße dem wa e 1964-1965 P o esso ial Lec u e an de Geo ge
Washing on Uni e si y (Ca lisle B anch,
A my
Wa College) übe die
Wi scha un e en wickel e Lände . Die Jah e nach 1966 wa en Reisen und
eie wissenscha liche A bei gewidme , die in eine Reihe on V
e ö
en -
lichungen ih en Niede schlag and. 1967 hiel e Gas o äge an de Je usa-
leme Uni e si ä übe seine A bei in Deu schland 1935-398. Wie aus einem
B ie omJuli
1962 he o geh , plan e A hu P inz auch eine Neubea bei-
ung seine Ma x-Disse a ion, diesmal jedoch mi wi scha s heo e i-
schem Schwe punk . »Die Cha ak e da s ellung<c, sch ieb e , »is bei mi
eigen lich
nu
Fundie ung und Einlei ung zu Un e suchung des Sys ems.
Aus diesem G unde
kümme e
ich mich nu wenig - as ga nich -
um
den
jungen
Ma x
. Mich in e essie e e s in de Londone Zei . «9 Abe auch
diese Neuan ang blieb leide un ollende . Ab 1972 schein e seine Zei
haup sächlich de o liegenden A bei gewidme zu haben.
Den
Au ag, das Buch übe die wi scha liche En wicklung de deu -
schen
Juden
im
19
. und
20
. Jah hunde zu sch eiben, e hiel P inz Ende de
1960e Jah e
on
Sieg ied Moses in Je usalem, bis zu seinem
Tode
1974
P äsiden des Leo Baeck Ins i u s. Sein
im
LBI
New
Yo k au bewah e
Nachlaß zeug on dem A bei sau wand und de gewissenha en
G ünd-
lichkei , die e diesem P ojek widme e. In seinem Wohno Ca lisle,
und
spä e in San Diego, Ca., s anden
ihm
keine P imä quellen zu Ve ügung,
und
so muß e e sich haup sächlich
au
die ühe e ö en lich e und neu
e scheinende Sekundä li e a u s ü zen.
Es
is beeind uckend, wie so g äl ig
7
Ebd„
Tä igkei im Hil s e ein.
8 Mi eilung on
P o
.
A.
Ma galio h, Ins i u e o Con empo a y Jew y, The Heb ew
Uni e si y, Je usalem.
9 ALB!, ebd., P inz
an
D
.
A.
Künzli
.
24.
7.
1962
.
2
Einlei ung
ehe S udien, leide auch die Quali ä an einem ie gehenden Mangel. Sowei
diese A bei en noch in Deu schland en s anden sind, weisen sie eine Scheu
o de Behandlung alle i gendwie »heiklen«
Themen
au , die aus de
damaligen Si ua ion de deu schen Juden nu allzu leich e s ändlich is . Die
Geschich e
jede
Na ion ode G uppe um aß na u gemäß nich
nu
E schei-
nungen, an denen sich
Mi -
und Nachwel e euen können, sonde n in
g öße em ode ge inge em Maße auch
imme
die »pa ie hon euse«, an die
man liebe nich denk . Bei Völke n, die sich un e einige maßen eien,
no malen Bedingungen en wickeln konn en, bilden sich deshalb
imme
wiede , neben den konse a i en, mi den he schenden Zus änden meh
ode wenige ein e s andenen His o ike n, opposi ionelle Rich ungen he -
aus, die ge ade die une eulichen Ta sachen k i isch ans Lich ziehen. Dies
a en
zum
Beispiel zu Beginn dieses Jah hunde s die ame ikanischen
»muck ake s«, in England die Fabian-Socialis s und in F ank eich schon
o he Männe wie Zola. Die Exis enzbedingungen de deu schen Juden
abe wa en alles ande e ehe
als
no mal. Als eine kleine, s ändig angeg i ene
Minde hei , die niemals meh
als
e wa 1 % de Be ölke ung ausmach e,
wa en sie wäh end de hie behandel en Zei on eine eindlich-agg essi en
Bewegung bed oh , so daß as
jede
Jude sich
imme
in de De ensi e
ühl e.
Un e
diesen Ums änden wa
es
gewiß kein Wunde , daß jüdische
Sch i s elle und Wissenscha le , die sich ih en S olz und ein einige maßen
gesundes Emp inden bewah ha en, un e keinen Ums änden
dem
An ise-
mi ismus Wa en lie e n woll en. Ließen sich manche Behaup ungen de
Juden einde nich
imme
gu bes ei en, so schwieg man liebe übe heikle
Themen, zumal
ja
kein Mangel an e euliche en wa .
In den siebzige und ach zige Jah en wu de zum Beispiel nich
nu
in de
an isemi ischen P esse, sonde n as in de ganzen Ö en lichkei die elende
Lage de süd- und wes deu schen Baue nscha o allem dem jüdischen
Viehhandel und seinem angeblichen» Wuche « zu Las geleg . 1887
widme-
e de hochangesehene »Ve ein ü Sozialpoli ik« -die üh ende O ganisa-
ion de akademischen Sozial e o me -diesem P oblem eine g oße
En-
que e, die dann
au
de Jah es agung disku ie wu de4•
Obwohl
es
hie
um
Ru
und
E we b
on ielen Hunde en jüdische Familien, besonde s in
Hessen, Baden, den Rheinlanden und dem Elsaß ging, wu de das
Thema
on jüdische Sei e as nich au geg i en. Dabei wä e
es
möglich gewesen,
du ch Hinweise
au
ande e Lände -wie Indien, I land und Rußland -zu
zeigen, daß ähnliche Ve häl nisse sich übe all da einzus ellen p leg en,
wo
eine geschä s üch ige e Minde hei eine in kau männischen Dingen unbe-
hol enen Baue nscha gegenübe s eh , auch
wo
wei und b ei kein Jude zu
4 De Wuche
au
dem Lande, Be ich e und Gu ach en,
Sch i en
des
Ve eins
a Sozialpoli ik,
Bd.
35, Leipzig 1887; desgl. : Ve handlungen übe den ländlichen Wuche e c„
Sch i en
VSp,
Bd.
38, Leipzig 1889.

Einlei ung 3
inden is . Abe das hä e na ü lich nich s
an
de Ta sache geände , daß im
o liegenden Falle die Minde hei jüdisch und die Lage de
Baue njamme -
oll wa . So wa
es
iel leich e und angenehme , e wa übe die he o a-
genden Leis ungen jüdische Wi scha s üh e und Geleh en
zu
sch eiben,
die selbs den Nich juden Hochach ung abzwingen und de jüdischen
Ju-
gend
zum
Vo bild dienen konn en.
Die Ka as ophe des deu schen Juden ums ha seinem
Abweh kamp
ein
Ende gemach und dami übe lebende und Nachkommen on de
No wen-
digkei apologe ische Rücksich en be ei . Gleichzei ig ha sich auch das
In e esse an de Geschich e de deu schen Juden on G und
au
gewandel .
Gewiß we den Schicksal und Leis ung bedeu ende Indi iduen
imme
eine
s a ke Anziehungsk a ausüben. Abe nach dem Ende des deu schen
Juden-
ums, dessen Schicksals e bundenhei sich übe alle inne en Gegensä ze
hinweg
au
das G ausigs e e wies, geh
es
heu e de
Nachwel -
nich nu de
jüdischen -doch wohl o allem da um, Wesen und En wicklung de
Gesam hei zu e assen. Dies is eine ungemein schwie ige Au gabe, mi de
man sich, wenigs ens
au
wi scha lichem Gebie , o 1933 ech wenig
be aß ha e5. E s in den le z en Jah zehn en, besonde s sei G ündung des
Leo Baeck Ins i u es, sind einige we olle A bei en e schienen,
au
die sich
auch diese S udie s ü zen kann.
Will man Wi scha sleis ung und Wi scha sschicksal de deu schen
Ju-
den
als
G uppe e assen, so s öß man au eine Reihe on g undsä zlichen
und p ak ischen Schwie igkei en, die e s anden und
im
Auge behal en
we den müssen, wenn man den We de e zielba en E kenn nisse ich ig
einschä zen will. Vo allem ein P oblem äll so o ins Auge:
da
es
wäh end
de ganzen Zei keine jüdische Wi scha gab, sonde n die Juden inne halb
de deu schen Wi scha ä ig wa en, kann eine jüdische Wi scha sge-
schich e
nu
in engs e Ve bindung mi de einschlägigen deu schen Wi -
scha sgeschich e gesch ieben we den. In allgemeine Fo m is diese
E -
kenn nis
o
einigenJah en seh e end on Hans Liebeschü z ausged ück
wo den6. In de o liegenden A bei wi d die mannig ache Wechselwi -
kung zwischen de En wicklung de deu schen Wi scha und de
E we b-
s ä igkei de Juden, de undamen alen Bedeu ung des P oblems en sp e-
chend, in den Mi elpunk ges ell . Wi gehen on den S uk u wandlungen
de deu schen Wi scha aus,
um
ih e Auswi kungen
au
die Wi scha s ä-
igkei de Juden und wiede um de en Rückwi kungen
zu
e olgen. Eine
solche P oblems ellung e o de eine aus üh liche e Da s ellung de deu -
5
S.
dazu:
K.
ZIELENZIGER,
Juden
in
de
deu schen
Wi scha ,
Be lin 1930;
A.
MARCUS,
Die
wi scha liche
K ise
de
deu schen
Juden, Eine soziologische Un e suchung, Be lin
1931;JAKOB
LESTSCHINSKY,
Das
wi scha liche
Schicksal
des
deu schen
Juden ums, Be lin
1932
.
6
Zu
Geschich e de Juden
in
Deu schland im
19
. und
20.
Jah hunde , Tagung des
LBI
in
Je usalem, Je usalem
1971.
4 Einlei ung
sehen Wi scha in ih e Ve lech ung mi de Wel wi scha
als
G undlage
ü die spezi ische Schilde ung de jüdischen En wicklungen. Da aus e gab
sich eine zweckmäßige zei liche Beg enzung des Themas, mi besonde em
Schwe punk
au
die Zei spanne on
1871
bis 1914. Eine um assende Da -
s ellung de En wicklung on 1812 bis
1871
hä e ein Eingehen
au
zahllose
Besonde hei en de gese zlichen Lage de Juden in den Einzels aa en e o -
de , was die Aus üh ung de Un e suchung auße o den lich e schwe
hä e. Ande e sei s is abe ge ade in den le z en zwanzig Jah en un e
Wi scha shis o ike n die en scheidende Bedeu ung de Pe iode on 1835
bis e wa 1865, die Deu schlands Du chb uch zum Kapi alismus b ach e,
meh
als
je
zu o e kann wo den, und auch die Juden wu den on diese
Wendung
au
das S ä ks e be o en.
So
e schien
es
als
bes e Ausweg aus
diesem Dilemma, die wich igs en S uk u wandlungen de Wi scha sei
Ende de napole·onischen K iege und besonde s den Du chb uch zum Kapi-
alismus mi ih en Auswi kungen
au
die Juden in den zwei e s en Kapi eln
zu um eißen,
um
dem Lese das Ve s ändnis de jüdischen Lage
um
1870 zu
e möglichen. E s dann, on
1871
an, is Deu schland nich meh ein age
geog aphische Beg i , sonde n ein es um issene S aa , dessen Gebie bis
1918 un e ände blieb. In iele Hinsich bilde die Zei on 1871bis1914
die d ama ischs e und esselnds e de deu sch-jüdischen Wi scha sge-
schich e, die den Juden den g öß en Wohls and und die he o agends e
S ellung im Wi scha sleben b ach e, die sie
je
genossen ha en.
De
Wel -
k ieg s ell schon sozusagen die »Pe ipe ie« im g oßen D ama, den Beginn
des Umschwungs da . Die dann olgende Zei de Weima e Republik
en hiel im Keim schon einen g oßen Teil des agischen Niede ganges.
Abe wäh end wi in diese Hinsich die Un e suchung
au
es en Boden
s ellen können, lassen ande e Schwie igkei en, die
im
Wesen des Themas
bes ehen, sich nich ganz besei igen. Dabei handel
es
sich in e s e Linie
um
den in meh ache Beziehung aglichen Cha ak e de deu schen Juden
als
G uppe. Wo is , so agen wi zunächs , ü die Zwecke diese Un e su-
chung, die G enze zu ziehen zwischen Juden und Nich juden? Allen am li-
chen S a is iken lieg bekann lich die Kon essionszugehö igkei
als
maßge-
bendes K i e ium zug unde. Abe so ein ach die De ini ion »Jude is , we
eine jüdischen Religionsgemeinde angehö « is , so unbe iedigend is sie,
wenigs ens ü unse e Zwecke. Vo allem be ach e e die nich jüdische
Umwel
in de Regel Pe sonen, die aus de jüdischen Gemeinde aus a en,
um
sich au en zu lassen ode »kon essionslos« zu we den, wei e hin
als
Juden. Auch die Ausge e enen be ach e en sich nich sel en noch
als
(un-
gläubige) Juden und besaßen ein, wenn auch geschwäch es, jüdisches
Zuge-
hö igkei sge ühF. Die Zahl de Pe sonen, die wi in unse em Zusammen-
7
P.
GAY,
The
Be lin Jewish Spi i . A
Dogma
in Sea ch
o
some Doub s,
Leo
Baeck
Memo ial
Lec u e
N .
15,
New
Yo k 1973, S.
3
.
Einlei ung 5
hang
als
jüdisch anzusehen haben, wi d dahe die am lich es ges ell e Zahl
übe e en. Dabei wi d die G öße de Di e enz o allem on
dem
Wi -
scha szweig abhängen,
um
den
es
sich handel . Fü Juden, die e wa
im
Pelzhandel ä ig wa en, lag gewiß kein Anlaß o , sich au en zu lassen -
es
hä e dem Geschä ehe schaden können. Abe ü jüdische Rich e ,
Obe -
leh e , P i a dozen en usw. wa die Ve suchung übe aus s a k, und
dem-
en sp echend die Zahl de Pe sonen jüdische
Abs ammung
e heblich höhe
als
die de s a is isch e aß en Juden. Auch geog aphische
Momen e
spiel en
eine Rolle. In G oßs äd en wie Be lin und
Hambu g
wa de P ozen sa z de
Ge au en und Kon essionslosen wei höhe als e wa
im
Hessischen ode
Posenschen.
Nun
is ein zahlenmäßig die Di e enz zwischen »Rassejuden«
und »Kon essionsjuden« wohl nich allzu bedeu end -jeden alls e heblich
ge inge
als
on an isemi ische Sei e meis behaup e
wu de
8. Schwe wie-
gende wa die soziale Bedeu ung de Ausge e enen: handel e
es
sich doch
zu einem e heblichen Teil
um
Menschen mi besonde s
hohem
Bildungsni-
eau, denen die Tau e
als
de einzig gangba e Weg zu einem ih e Begabung
en sp echenden Wi kungsk eis e schien. Daß eilich bei einem g oßen Teil
de Ge au en Mo i e wie soziales S ebe um, Gewinnsuch und Feighei
die Haup olle spiel en, soll gewiß nich geleugne we den.
Abe wäh end die Disk epanz zwischen dem eng ge aß en s a is ischen
Beg i des Juden und dem soziologisch wei e en Beg i in de Li e a u
schon meh ach Beach ung ge unden ha , schein die P oblema ik de be-
g i lichen Aussonde ung de Judenhei Deu schlands gegenübe den
Juden
de üb igen Wel nu in seh einsei ige Weise un e such
wo den
zu sein.
De
G uppencha ak e de deu schen Juden wa nich s a gleichbleibend,
sonde n im Lau e de Zei eine s a ken geschich lichen
Dynamik
ausge-
se z . Die Zusammense zung de G uppe wandel e sich on
1871
bis 1914
nu
allmählich,
im
olgenden Jah zehn abe apide. Die Juden, die in de
Weima e Republik leb en, wa en zu einem ech e heblichen Teil nich
Nachkommen
de e , die ein halbes Jah hunde ühe in Deu schland ge-
wohn
ha en. Ande e sei s leb en iele Familien, die eins zu den Juden
Deu schlands gehö ha en, spä e du ch Ab i ih e Heima gebie e ode
du ch Auswande ung, jensei s de G enzen.
Nu
de wich igs e Teil diese
Ve ände ungen, nämlich de
Zuzug
de »Os juden«, is aus üh lich
gewü -
dig
wo den
9. Selbs bezüglich de Wandlungen
im
Os en
bleiben manche
8
HELMUT
GENSCHEL,
Die
Ve d ängung
de
Juden
aus
de
Wi scha
im
D i en
Reich,
Gö ingen
1966, S. 274; s. auch
EsRA
BENNATHAN,
»Die
demog aphische
und
wi scha liche
S uk u
de
Juden«,
in
W.
E. MossE
und
A.
PAUCKER
(H g
.),
En scheidungsjah
1932
.
Zu
Juden age
in
de
Endphase
de
Weima e
Republik,
Tübingen
1965, S. 95
.
9 S.
ADLER-RUDEL,
Os juden
in
Deu schland
188~1940.
Zugleich
eine Geschich e
de
O gani-
sa ionen, die sie
be eu en,
Tübingen
1959; E.
ZECHLIN,
un e
Mi a bei
on
H.
J.
BIEBER,
Die
deu sche
Poli ik
und
die
Juden
im
E s en
Wel k ieg,
Gö ingen
1969.
(Neue dings
auch:
JACK
L.
WERTHEIMER,
Ge man
Policy
and
Jewish
Poli ics,
The
Abso p ion
o
Eas
Eu opean
Jews
in
6 Einlei ung
F agen ungeklä . In iel höhe em Maße abe gil dies on de Rückkeh
Elsaß-Lo h ingens zu F ank eich, du ch die eine Reihe jüdische Gemein-
den,
o
allem
im
Elsaß, e lo engingen, die zum Teil
au
eine ielhunde -
jäh ige Geschich e zu ückblick en. Da diese Gebie e on 1871bis1918 un e
deu sche He scha s anden, gehö en auch
sie
in diese Un e suchung. Rein
zahlenmäßig mögen wede die Juden in den an Polen abge e enen Gebie en
noch die elsässischen und lo h ingischenJuden allzuseh ins Gewich allen.
Ande s jedoch is
es
mi de os jüdischen Einwande ung: be ug doch 1925
de An eil de ausländischen Juden an de jüdischen Gesam be ölke ung
Deu schlands nich wenige
als
19,
1
%,
wäh end e imJah e 1880 nu
2,
7%
ausgemach ha e. Abe diese Ve ände ungen besaßen, ganz abgesehen on
ih e quan i a i en G öße, eine seh wich ige quali a i e Bedeu ung. Mi
dem
Ausscheiden de elsässischen Juden ebenso wie mi dem
Zus om
de
Os juden a eine gewisse Wandlung de menschlichen Subs anz, eine
Ve ände ung des An li zes de Juden Deu schlands ein, de en Wi kungen
auch
au
wi scha lichem und soziologischem Gebie es zus ellen sind.
Besch änken wi abe je z unse Blick eld
au
diejenigen Familien, die
sowohl das o izielle K i e ium de Religionszugehö igkei
au
weisen wie
auch daue nd in Deu schland leb en, so s ehen wi e s
o
dem ie s en
P oblem: Was mach e diese Menschen, abgesehen on dem s a is ischen
Me kmal,
im
wi klichen Leben zu eine G uppe? Was wa ih einigendes,
gemeinsames Band und wie s a k wa
es?
Zu
Bean wo ung diese F age is eine ku ze his o ische Besinnung
nü zlich. Wie schon in de Emanzipa ionsdeba e de anzösischen Na io-
nal e sammlung e klä wo den wa , man solle »den Juden
als
Indi iduen
alles, den Juden
als
Na ion nich s<( geben, so wa auch die Emanzipa ion in
P eußen und den ande en deu schen S aa en on de Absich ge agen, die
Juden mi de üb igen Be ölke ung
zu
»amalgamie en<( . Selbs ein den
Juden so wohlgesinn e S aa smann wie Wilhelm on
Humbold
woll e
dahin wi ken, daß die Juden ih e Isolie ung in den Gemeinden au gäben,
und ge ade in diese Absich woll e e
»Schismen<(
ö de n und keine
jüdi-
sche Gesam e e ung zulassen10. T o z gelegen liche Schwankungen in
de Eins ellung de p eußischen und spä e de Reichs egie ung blieb die
G und endenz
imme
au
öllige Assimila ion ge ich e und demen sp e-
chend wu de eine jüdische Gesam e e ung in de ganzen hie in Rede
s ehenden Zei nie zugelassen. Sei ens de Juden wa die Au bebung solche
Sonde ech e wie de » ausendjäh igen eigenen Zi ilge ich sba kei <( schon
Ge many
186~1914,
Disse . Columbia Uni e si y,
New
Yo k 1978;
DERS
., »The
Unwan ed
Elemen -Eas
Eu opeanJews
in Impe ial Ge many«, in:
YLBI
,
XXVI
(1981), S. 23-46 (Anm.
d.
H g
.).]
10
1.
ELBOGEN,
Geschich e
de
Juden
in
Deu schland, Be lin 1935, S.
197
.; gl. auch: H.
HOLBORN,
A His o y o Mode n Ge many 1840-1945,
New
Yo k
1959, S. 280.
Einlei ung 7
zu Zei de Emanzipa ion wide sp uchslos hingenommen
wo den
11
. Schon
lange o de Reichsg ündung be anden sich die deu schen
Juden
auße halb
de eligiösen Sphä e in einem Zus and o ganisa o ische Ze spli e ung. Sie
konn en p i a e Ve eine bilden, die wi scha liche, poli ische und soziale
Zwecke e olg en, und on diesem Rech
wu de
ausgiebig Geb auch ge-
mach . Abe ni gends gab
es
eine jüdische Behö de, die wi klich Au o i ä
besessen hä e,
dem
einzelnen Juden Weisungen ü sein wi scha liches
ode sons iges Ve hal en zu e eilen. Alle wi scha lich wich igen En schei-
dungen wu den on den einzelnen Indi iduen und Familien ge aß , ange-
sich s de Chancen, die ihnen das deu sche Wi scha sleben zu bie en
schien. Gewiß wu den diese Indi iduen on ande en, mi denen sie in
Fühlung s anden, beein luß , abe le z en Endes wa en sie,
im
Rahmen de
bes ehenden Möglichkei en, He en ih es eigenen Schicksals. So is die oben
au gewo ene F age, was alle diese Juden Deu schlands in Wi klichkei ,
und
speziell
im
Wi scha sleben, zu eine G uppe mach e, de en Ve hal en
man
sinn olle weise e o schen kann, bishe noch nich bean wo e . Suchen
wi
wei e .
Es wä e denkba , daß
all
die Indi iduen, unbeschade ih e
Unabhängig-
kei , in ih em wi scha lichen Ve hal en on gewissen gemeinsamen Fak-
o en wie Religionszugehö igkei , Abs ammung ode i gendwelchen ande-
en, noch zu iden i izie enden Elemen en, auch in ih em wi scha lichen
Ve hal en so s a k beein luß wu den, daß sie dadu ch zu eine un e schied-
lichen G uppe gemach wu den.
Nun
handel
es
sich hie o enba
um
Imponde abilien, denen man mi knappen und p äzisen Angaben niemals
ge ech we den kann. Ande e sei s is hie nich de
O
ü eine aus üh li-
che his o isch-soziologische Analyse. Abe sowei
es
ü die Zwecke diese
A bei nö ig is , können wi o zdem diese F agen
im
Wesen lichen klä en.
Fü diejenigen eligiösen Gebo e, die das wi scha liche Ve hal en in
e s e Reihe zu beein lussen geeigne e scheinen, wie die Einhal ung de
Sabba uhe und die Beach ung de Speisegese ze, is eine unzweideu ige
En wicklungs endenz es zus ellen. Fü die g oße Meh hei de Juden in
Deu schland ha e schon zu Zei de Reichsg ündung die Religion längs
au gehö , de g oße Regula o des äglichen Lebens zu sein. Die Zahl de
O hodoxen
ha e schon sei 1848 s a k abgenommen, und selbs die
Neo-
O hodoxen
de
1851
in F ank u geg ünde en »Is aeli ischen Religionsge-
meinde« ha en sich dem Lebenss il de deu schen
Umgebung
wei gehend
angepaß . Sowei
au
einem solchen Gebie Ve allgemeine ungen übe haup
zulässig sind, kann man wohl sagen, daß in den Jah zehn en, die den Gegen-
s and unse e Un e suchung bilden, de Ein luß de Religion
au
das
jüdi-
sche All agsleben in noch iel s ä ke em Maße zu ückging als bei de Ge-
11
ELBOGEN, ebd.,
S.
200;
H.
M.
SACHAR, The Cou se
o
Mode njewish His o y,
New
Yo k
1958,
s.
140
.

8 Einlei ung
sam be ölke ung. Von diese G und endenz de En wicklung abgesehen,
lassen sich seh bedeu ende Un e schiede es s ellen, die o allem on de
geog aphischen Ve eilung und de Be u szugehö igkei abhängen.
De
Zug
zu G oßs ad a bei den Juden, ähnlich wie bei de üb igen Be ölke-
ung,
dem
eligiösen Ein luß Abb uch. So wa en in G oßs äd en wie Be lin,
Hambu g
und München eligiöse Indi e enz und Assimila ion wei o ge-
sch i en, wäh end in kleine en S äd en und
au
dem Lande adi ionelle
Lebens o men und eligiöse Ein lüsse sich
als
iel s ä ke e wiesen12. Nich
minde
iel
die Be u szugehö igkei ins Gewich . Viele Tausende on
jüdi-
schen Familien ä e n, die in kleine en ode mi le en Gemeinden -e wa in
Schlesien, Posen ode Wes p eußen -
als
selbs ändige Geschä sleu e ä ig
wa en, neig en in eligiösen Dingen zu eine konse a i en Hal ung, und
ih e Anschauungen wandel en sich nu langsam. Ähnliches gal on den
Juden in Baye n, Baden, Wü embe g
usw
., die sich
om
Handel mi
landwi scha lichen P oduk en ode
om
Viehhandel und e was eigene
Landwi scha e näh en. Dagegen inden wi
am
ande en Ende de Skala
o allem Jou nalis en, Sch i s elle und Küns le alle
A -
also Angehö i-
ge
on
Be u en, die ohne einen s a ken
Zug
zum Indi idualismus kaum
o zus ellen sind: hie spiel e die Religion o ga keine Rolle meh . Alle -
dings ha en selbs bei den in Deu schland lang ansässigen Juden diese
Regeln iele Ausnahmen.
Au
die Os juden, die in sich wiede um eine seh
he e ogene G uppe da s ell en, paß en sie übe haup nich . All dies e hell
wohl zu Genüge, daß die Religion nich de Fak o sein kann, den
wi
suchen: de Fak o , de die deu schen Juden
im
Wi scha sleben i gendwie
zu eine besonde en, ande sa igen G uppe mach e. Selbs un e denen, die
sich zu jüdischen Religion bekann en, wa die s ändig wachsende Meh hei
in ih e wi scha lichen Tä igkei
nu
seh wenig on eligiösen Ge ühlen
und
E wägungen
beein luß . Die ganze Scha de Agnos ike , A heis en
und
Ch is en jüdische Abs ammung wu de on jenen Ein lüssen übe -
haup nich
meh
be üh .
Finden
wi
den gesuch en Fak o in de He kun ? Da ü sp ich
au
den
e s en Blick, daß de K eis de Menschen, die dieses K i e ium au weisen,
sich as öllig mi dem K eise de e deck , die die nich jüdische
Umwel
als
jüdisch emp and. Die Ta sache, daß in Deu schland,
im
Gegensa z e wa zu
den Mi elmee lände n, Juden sich seh häu ig auch äuße lich on de
Um-
wel un e schieden, mag hie zu beige agen haben. Wenn wi den Beg i
de He kun nich
au
die physische Abs ammung besch änken, sonde n
alle Ein lüsse des El e nhauses
und
des sozialen Milieus, in
dem
junge
Menschen au wachsen, einbeziehen, so ha zwei ellos die He kun die
Juden
Deu schlands zu eine eigena igen und besonde en G uppe gemach .
12 S. W. J.
CAHNMANN
, » Village and Small-Townjews in Ge many. A Typological S udy«,
in:
YLBI,
XIX
(1973),
S.
119 .
Einlei ung 9
Hie zu gehö en auch
jene
spezi ischen Begabungen, die den Juden
im-
me wiede a es ie wo den sind: ih e Anpassungs ähigkei , schnelle
Au assungsgabe, Talen
zum
abs ak en Denken usw.13 All dies sind o -
ensich lich Eigenscha en, ohne die die Juden die Jah hunde e de Ve -
olgung nich hä en übe s ehen können. Was da on a sächlich »ange-
bo ene<<
Eigenscha en ode Einwi kungen des El e nhauses und de
Umwel
wa en, mag dahinges ell bleiben. Fü die En wicklung on
wi scha lich so wich igen Gewohnhei en wie Fleiß und Nüch e nhei
is wohl nich s on solche Bedeu ung wie das el e liche Vo bild.
Zwei-
ellos wa en diese
Züge
bei de g oßen Meh hei de Juden s a k ausge-
p äg -alle dings meh
am
An ang de uns in e essie enden Zei
als
in
den spä e en Jah zehn en,
als
ma e ielle E olg und zunehmende Assi-
mila ion schon ih e Wi kung ge an ha en14. Die ü den kapi alis ischen
Un e nehme
so wich ige Be ei scha zu Übe nahme on Risiken und
inanzielle Wagemu sind Eigenscha en, die Juden in de Regel in
hö-
he em Maße besaßen
als
ih e
Umwel
. Ganz bewuß , du ch
imme
wie-
de hol e E ö e ungen, p ägen El e n ih e We u eile de
jungen
Gene-
a ion ein. Fü uns sind hie zwei Punk e on besonde e Bedeu ung: die
adi ionelle Hochschä zung des Le nens und Wissens, sowohl
als
Mi el
zu ma e iellen Zwecken wie
als
Selbs zweck -und eine übe aus hohe
Bewe ung des Geldes, e bunden mi de Neigung, alles
au
seinen
Geldwe abzuschä zen. Das, was wohl de unübe se zba e Ausd uck
»money-mindedness« bezeichne , ging alle dings wäh end des Kaise ei-
ches e heblich zu ück, in dem Maße, in dem man sich siche e ühl e
und die E inne ung an die bi e e
A mu
ühe e Gene a ionen allmäh-
lich e blaß e.
Endlich noch ein Wo übe Ein lüsse, die o nich so seh on den
El e n ausgingen wie on dem sozialen Milieu, in dem die
jungen
Men-
schen au wuchsen. Ganz gleich, ob
es
sich e wa
um
Fü h in Baye n,
um
Danzig ode
Oppeln
in Schlesien handel e -de
junge
Jude hö e
wei
meh
übe Leben und Ve häl nisse
im
Ausland
als
sein nich jüdi-
sche Al e sgenosse. Viele jüdische Familien ha en ausgewande e Ange-
hö ige in F ank eich, England ode den Ve einig en S aa en. Ande e
wa-
en du ch geschä liche Beziehungen mi Polen,
Unga n
ode Rußland
e bunden. Kein Wunde also, daß de
junge
Jude iel ehe be ei wa ,
selbs ins Ausland zu gehen -sei
es
in die Leh e ode
au
Handels eisen.
13
Übe
die o gebliche »Adap abili ä « de Juden,
s.
R.
MICHELS,
Zu Soziologie
des
Pa ei-
wesens
in
de
mode nen
Demok a ie. Un e suchungen übe die oliga chischen Tendenzen des
G uppenlebens, Leipzig 1911,
S.
246 ; W.
SoMBART,
Die Juden
und
das
Wi scha sleben,
Mün-
chen
und
Leipzig 1911,
S.
323
;
332.
14 Vgl. M.
WEBER,
Gesammel e
Au sä ze zu Religionssoziologie,
1.
Halbband,
Tübingen
1925,
S. 354.
10
Einlei ung
Bei de zunehmenden in e na ionalen Ve lech ung de deu schen Wi -
scha wa die gewonnene E ah ung on Vo eil.
Neben
de He kun müssen
wi
die spezi ische his o ische Si ua ion de
damaligen deu schen Juden ins Auge assen. Fü ih Leben und ih e Lage
wa
nich s so ausschlaggebend wie die Ta sache, daß sie
als
sich ba e, übe das
Land e s eu e Minde hei eine ge ade injene Zei on s a kem Na ional-
ge ühl e üll en Meh hei gegenübe s anden: in de Regel nich ge ade e -
haß , abe eichlich unbelieb ; au g und de Ve assung zwa gleichbe ech-
ig , abe gesellscha lich nich gleichges ell . Es wa diese Ta sachenkom-
plex, de
au
ih Ge ühlsleben ie e, schicksalha e Wi kungen ausüb e und
na ü lich auch ih wi scha liches Ve hal en s a k beein luß e.
Wi müssen uns auch hie
au
die Au zeigung de Haup linien besch än-
ken. Schon de Wide sp uch zwischen de e assungsmäßigen Gleichbe-
ech igung de Juden und ih em p ak ischen Ausschluß aus manchen Be u-
en, wie den O izie s-
und
den meis en Beam enpos en,
schu
in as
jedem
Juden -moch e e pe sönlich noch so wenig Lus zu O izie s- ode
Beam-
enlau bahn haben -das Ge ühl unge ech e Zu ückse zung. Abe das
wa
nu
ein Teil des P oblems, und nich einmal de g öß e. Die Unbelieb hei
des
Juden
in Deu schland, die Möglichkei , daß schon
au
de Schule Leh e
und Mi schüle sich in höhnende , gehässige ode k änkende Weise auslas-
sen ode ihn soga du ch unge ech e Behandlung schädigen könn en,
schu
in
ihm
ein T auma, das meis ens du ch spä e e li ene Unbill noch e -
schlimme wu de. So en s and ein Ge ühl de E bi e ung und inne en
Au lehnung selbs bei den assimilie es enJuden. Den S empel de Minde -
we igkei , den ihnen ein g oße Teil ih e Mi menschen s illschweigend,
die an isemi ischen Agi a o en mi g oßem Wo schwall au zuzwingen
such en,
au
sich si zen zu lassen -da on hiel sie nich nu ih Lebenswille
und das Bewuß sein ih e eigenen K a und Tüch igkei ab, sonde n auch
ih e, wenn auch noch so lückenha e, Kenn nis de d ei ausendjäh igen
jüdischen Geschich e.
De
k asse, schme zende Gegensa z zwischen de
Ach ung, zu de die Juden sich be ech ig glaub en, und de Ve ach ung, mi
de sie allzuo behandel wu den, schu selbs bei Ge au en und Ausge e-
enen la en e Spannungen, die zu wesen lichen T iebk ä en ih es Ve hal-
ens
wu den
und
es
in mannig ache Weise beein luß en
15
. Poli isch üh en
sie zu eine Au lehnung gegen die
Umwel ,
die e schiedene Fo men an-
nahm: eine sei s lag hie eine de Haup g ünde ü den Anschluß seh
zahl eiche ,
zum
Teil wohlhabende Juden an sozialis ische Pa eien16.
An-
15 Vgl. M.
ScHELER,
»Das Ressen imen
im
Au bau de Mo alen«, in:
DERS.,
Vom Ums u z
de
We e,
Abhandlungen
und
Au sä ze, zwei e Au lage, Leipzig 1919.
l6
MICHELS,
a.a.
O.,
S. 249; W.
SOMBART,
De
p ole a ische Sozialismus, »Ma xismus«,]ena
1924,
Bd
. 2, S. 152 . (Dagegen mein TouRY (Die poli ischen O ien ie ungen
de
Juden in
Deu schland on Jena
bis
Weima ,
Tübingen
1966, S. 192), daß
nu
seh wenige
Juden
bis in die
Einlei ung
11
de e sei s üh en diese E lebnisse, besonde s
im
e s en D i el unse es
Jah hunde s, einen g oßen Teil, o allem de akademischen Jugend,
zum
Zionismus.
Die Folgen dieses T aumas, diese seelischen Spannungen, wa en
au
wi scha lichem Gebie e ielleich nich so o ensich lich,
jedoch
minde-
s ens ebenso bedeu sam wie
au
dem poli ischen. Die wi scha liche A bei
im
Diens eines schöp e ischen Zieles -sei
es
eine o ganisa o ische ode
echnische Ve besse ung
im
Be iebe, die E schließung eine neuen
Ab-
sa zmöglichkei ode eine neue wissenscha liche Theo ie -
wu de
zum
Mi el de S ä kung des Selbs ge ühles.
De
Zuwachs an inne e K a
e möglich e zumindes eilweise Übe windung on An eindungen und
Zu-
ückse zungen. Gewiß wa eine g oße schöp e ische Leis ung nu eine
Minde hei de Juden möglich. G öße wa die Zahl de e , ü die de Weg
zu Kompensa ion e li enen und ge ü ch e en Un ech s in de Anspannung
alle K ä e
im
e olg eichen wi scha lichen
E we b
lag.
ühe e
Gene a-
ionen ha en in den Jah hunde en des Ghe olebens gele n , Geld
als
das
einzige Mi el zu be ach en, mi dem man e was
Duldung
, das Rech zu
a men, e kau en konn e,
als
die einzige Siche ung gegen die Wechsel älle
ih e höchs unsiche en Exis enz. Die Juden
im
Deu schen Reich sahen
im
Reich um den siche s en, wenn nich den einzigen Weg zu soziale Gel ung
zu gelangen, das Mi el zu Übe windung des Minde we igkei sge ühls,
gegen das sie sich angesich s de Hal ung ih e
Umwel
imme
wiede
weh en muß en. Einen Juden, de mi ihnen
au
gleiche wi scha liche
S u e s and, moch en die Ch is en mi Nich ach ung behandeln -ein Millio-
nä löß e ihnen doch heillosen Respek
ein!
übe dies
konn e g oße Reich-
um
besonde s un e Wilhelm
II.
ja
den glücklichen Besi ze soga
zum
Komme zien a und zu e schiedenen ande en Wü den e heben. Ti el
und
O den
-wie in e was ande e Weise auch die akademischen Ti el -üb en
eine heilsame Wi kung
au
ein wundes Selbs ge ühl aus. Nich wenige
benu z en ih en Reich um zu En al ung eines möglichs in die Augen
allenden Luxus -zum »P o ze um« de
Neu eichen-
um
übe ih e inne e
Unsiche hei hinwegzukommen, indem sie Neid und Bewunde ung de
Umwel
genossen.
Man
mag eine agische I onie des Schicksals da in e blicken, daß ge ade
die Züge, die den
Juden
on de an isemi ischen Agi a ion
imme
wiede
o gewo en wu den -zügellose E we bssinn, soziales S ebe um,
P o -
ze ei -zum g oßen Teil ge ade die Folgen de Feindseligkei wa en, de sie
1890e Jah e die Sozialdemok a ie un e s ü z en und nich meh
als
4-8 P ozen ü sie wähl en.
Ähnlich auch E.
HAMBURGER,
Juden
im
ö en lichen
Leben
Deu schlands.
Regie ungsmi gliede ,
Beam e und Pa lamen a ie in de mona chis ischen Zei 1848--1918, Tübingen 1968, S.
541
(Anm.
d.
H g
.
).J
18
1815-1835
denen de eine Mach habe sein Gebie »juden ein« zu hal en wünsch e, ein
ande e
Juden
in besch änk e Zahl zuließ, und de d i e sie he anzuziehen
ü o eilha e ach e e
24
. Die g oße Mobili ä de Juden, ein Haup kenn-
zeichen ih es Ve hal ens
im
19.
Jah hunde , olg e aus ih em na ü lichen
Bes eben, aus den
O en,
in die sie nu de his o ische Zu all e schlagen
ha e, dahin zu ziehen,
wo
die bes en E we bs- und Au s iegsmöglichkei en
lock en.
b)
Die Be u ss uk u
Suchen
wi
nun, eine unge äh e Vo s ellung on de jüdischen Wi -
scha slage in de Zei nach den Napoleonischen K iegen zu gewinnen, so
bes eh kein Zwei el, daß die e s en beiden Jah zehn e im ganzen eine Zei
bi e e En äuschung und nu ge ingen Fo sch i s wa en. Die E we bs-
möglichkei en blieben ge ing, on Au s ieg konn e ü die meis en Juden
kaum
die Rede sein
25
. Abe ein genaues Bild de damaligen Lage zu gewin-
nen e weis sich
als
unmöglich, und zwa
o
allem wegen des ü jene Zei
as selbs e s ändlichen Mangels an s a is ischen Un e lagen. Es wä e auch
nai , on einem noch nich indus ialisie en Lande eine gu e Be u ss a is ik
zu e wa ei1
26
. So haben wi e wa olgende S a is ik übe die Be u szugehö-
igkei de Juden, die 1813 das p eußische S aa sbü ge ech besaßen, was in
dem
damaligen P eußen, d. h. o de E we bung de P o inz Posen, die
e s 1815 du ch die Wiene Ve äge e olg e, ü as alle Juden zu a .
Es leb en on
je
1000 Juden:
Von wissenscha lichen und küns le ischen A bei en
Von
Handel und Gas wi scha
Von
Handwe ken
Vom
Acke bau
31
918
46
5
1000
Abe aus diese , auch on Silbe glei
als
unzu e lässig bezeichne en S a i-
s ik27,
le nen wi
wenig-
schon weil die ü uns wei aus wich igs e Rub ik
»Handel und Gas wi scha « so wei ge aß is , daß sie as jeden Sinn
e lie ; umschließ sie doch alles,
om
ä ms en Hausie e
zum
eichs en
Bankie , und
om
Päch e eines B ann weinausschanks zum Tex ilg ossi-
24
Vgl. auch die Einlei ung
zu
SILBERGLEIT, a.a.O .
25 Na ü lich gab
es
auch Ausnahmen. Vgl. K.J.
BALL-KADUR1,Jüdisches
Leben
eins
und
je z ,
München 1961,
S.
9 .
26
Vgl. K. BERRILL, » o eign Capi al and Take-o «,
in:
W.
W.
Ros nw
(H g.),
The
Economics
o
Take-o.
in o
Sus ained
G ow h,
London 1963.
27
SILBERGLEIT,
a.a.O„
s.
75.

Von
den
Napoleonischen
K iegen
bis
zu
Indus ialisie ung
19
s en28.
übe dies
ehl hie die un e s e Schich öllig. Diese bes and nich
e wa, wie o angenommen wi d, aus den Hausie e n. Diese ha en
imme -
hin einen es en Wohnsi z, e näh en sich und ih e Familien mi ha e
A bei und wa en Mi gliede eine Gemeinde. Gewiß lieg kein G und o ,
die Hausie e jene Zei zu idealisie en29: zwei ellos gab
es
manche, die
als
Hehle ges ohlene Sachen ode
als
o skundige Spähe dem jüdischen ode
nich jüdischen Ve b eche um Hil sdiens e leis e en30• Abe das wa en
Rande scheinungen, die die g oße Masse de Hausie e nich cha ak e isie -
en. Wenn jedoch die Hausie e zwei ellos die un e s e Schich de im
Handel Beschä ig en bilde en, so gab
es
in de damaligen Judenhei e -
schiedene Elemen e, die iel ie e s anden. Dies können
wi
-ganz abgese-
hen
on
ande en zei genössischen Dokumen en -aus eine Reihe on S a i-
s iken e sehen, ü die die olgende ein gu es Beispiel is . Sie bezieh sich
au
das
Jah
1834 -also einen Zei punk , an dem sich sei Ende de g oßen
K iege noch nich seh iel geände ha e. Die S a is ik gib ü jede Rub ik
doppel e Zahlen an; die eine ü P eußen einschließlich de P o inz Posen;
die ande e ohne Posen31 .
Was hie
au
den e s en Blick, auße dem schon e klä en höhe en
P o-
zen sa z on Handwe ke n in Posen, wohl am meis en au äll , is de selbs
Von
je
100 Juden in P eußen leb en:
mi Posen
Von Handel und K edi
on Handwe k und Indus ie
on eien Be u en und
als
Beam e
on Landwi scha
als
Ren ne
und
Pensionä e
om
Ve keh sgewe be
als
Tagelöhne und on häuslichen Diens en
ohne Be u ,
als
Un e s ü zungsemp änge
und Be le
51,0
17,7
3,3
1,0
2,6
0,3
13,6
10,5
100,0
ohne Posen
60,8
9,8
4,2
1,3
3,9
0,
1
13,7
6,2
100,0
2s
Nach
Silbe glei sind die p eußischen S a is iken e s ab den 1840e
Jah en
einige maßen
zu e lässig. Dazu haben Be u ss a is iken auch P obleme de Klassi izie ung, die bei den
wechselnden P oduk ions echniken de lndus ialisie ungspe iode asch wechseln.
Noch
p o-
blema ische
wi d
dabei die kon essionelle De ini ion: » Wah ha e Demok a ie ag nich nach
Religionszugehö igkei .« (H.
SJLBERGLEIT,
»Das A bei sp og amm de Kommission ü S a i-
s ik und Wi scha skunde de Juden«, in:
Ko espondenzbla
des
Ve eins
zu G ündung
und
E hal ung
eine
Akademie a
die
Wissenscha
des
]uden ums,]g.
6,
Be lin 1927.)
29 Wie
z.
B.J.
R.
MARCUS,
The Riseand Des iny o he Ge man]ew, Philadelphia 1934,
S.
106.
30 Auch P e dehändle s anden im gleichen Ve dach .
31
SILBERGLEIT,
Be ölke ung e c
.,
a.a.O
., s. 75;
LESTSCHINSKY„
a.a.O .,
S.
32.
20
1815-1835
in den äl e en Landes eilen e sch eckend hohe An eil de Be le , Un e s ü -
zungsemp änge und Be u slosen, nämlich 6,2%; nimm man noch Posen
hinzu, so e höh sich de P ozen sa z ga
au
übe
10!
Es handel sich also
um
iele Tausende, mi denen wi uns be assen müssen; denn
es
is ein sel sames
Pa adox, daß, wäh end
es
in den Sammlungen jüdische Wi ze und Anekdo-
en wohl kaum eine Sei e gib ,
au
de nich die wohlbekann e Figu des
»Schno e s« au auch , in den We ken de meis en jüdischen Wi scha s-
und Sozialhis o ike on ihm
um
so wenige die Rede is .
Nun
wa das
Be le wesen ode -unwesen zum g oßen Teil zwei ellos ein spezi isches
Phänomen des spä en
18.
und ühen
19.
Jah hunde s. We ne Somba
mein ,
es
sei du ch das Reisen, das damals e s ech au kam, mi he o ge-
u en wo den, und zwa »Be el in allen Fo men, o mi alle hand Schau-
s ellungen und Da bie ungen
du chse z <<
32. Abe die Haup u sachen
wa-
en, wenigs ens in de uns in e essie enden Zei , zwei ellos ande e A ; sie
bes anden o allem in dem Gegensa z zwischen dem gewal igen Be ölke-
ungswachs um, das in ganz Eu opa besonde s in de Zei on 1750 bis 1850
zu
e zeichnen wa 33, und de allzu langsamen E wei e ung de Nah ungs-
e zeugung.
Zu
de so en s ehenden g ausamen
No
de Übe schußbe ölke-
ung -die bezeichnende weise
um
die Jah hunde wende den englischen
Na ionalökonomen Mal hus
au
seine Be ölke ungs heo ie geb ach und
mi massenha em Ma e ial
zu
ih e E hä ung e sehen ha e -kam dann
noch das Elend de ielen Tausende on e k üppel en Solda en de g oßen
K iege hinzu. Kein Wunde also, daß so iel gebe el wu de!
c)
»Be eljuden«
und
jüdische
Un e wel
Abe
um
das jüdische Be le um jene Zei zu e s ehen, müssen wi
noch ande e Fak o en in Be ach ziehen. Die Zahl de Juden in Deu schland
wuchs damals mindes ens ebenso schnell wie die de üb igen Be ölke ung
und die E we bsmöglichkei en blieben bis e wa 1835 kä glich. Dabei spiel e
in de jüdischen Religion die Wohl ä igkei eine solche Rolle, und die
E inne ung an die zahllosen Ve olgungen und Ka as ophen, du ch die
selbs de Tüch igs e plö zlich zum Be le we den konn e, wa so wach,
daß die Gemeinden den Be le n nich jede Un e s ü zung e sag en, son-
de n sie mi einem Minimum e so g en und möglichs bald abzuschieben
such en. Zwei ellos be ach e en die Gemeinden die Scha en he umziehen-
de Be le
als
eine Landplage, zumal manche Be le im V e dach s anden,
mi de jüdischen Un e wel in Ve bindung
zu
s ehen34. Abe man ließ sie
32 W.
SoMBART,
Die
deu sche
Volkswi scha
im
19
.
Jah hunde
und
im
An ang
des
20. Jah hun-
de s,
Be lin 1923, S. 9;
GLANZ
,
Geschich e,
a.a.O.,
S.
142 .
33 Die Be ölke ung Eu opas e meh e sich zwischen 1750
und
1850
on
und
140
au 260
Millionen.
SACHAR,
a.a.0 ., S. 117.
34
GLANZ,
Geschich e, a.a.
O.,
S. 142 .
Von
den
Napoleonischen
K iegen
bis
zu
Indus ialisie ung
21
doch nich e hunge n. Wie Glanz be ich e , ha en die meis en jüdischen
Be le , die einzeln ode in Scha en
im
Lande he umzogen,
im
Gegensa z
zum
ch is lichen Be le um meis F au und Kinde an einem es en
Wohn-
si z und un e s ü z en sie
om
E age ih e Be elei35,
und
o moch en ih e
Kinde spä e in die Fußs ap en des Va e s e en, wäh end ande e
zum
Gaune um »au s iegen«. Daß die in de obigen S a is ik
als
»be u slos«
Bezeichne en
zum
Teil Gaune wa en, und daß
es
noch
im
zwei en Vie el
des
19.
Jah hunde s eine on de ch is lichen
im
wesen lichen ge enn e
jüdische
Un e wel
gab, dü e nunmeh es s ehen.
Nu
in den Rheinlan-
den wa das Gaune um alle A en zwischen 1808 und 1815, wäh end de
anzösischen Bese zung, ausge o e wo den -
wo au
sich die meis en
Gaune nach
Os en
e zogen36. Was abe
im
üb igen aus
dem
jüdischen
Gaune um gewo den is , bleib noch ungeklä 37 • Was endlich die
»Un e -
s ü zungsemp änge « be i , so zwing de Zei punk de S a is ik zu de
Annahme, daß
es
sich
um
a bei sun ähige Elemen e handel e, die
on
den
Gemeinden e so g wu den. Spä e spiel en höchs wah scheinlich auch die
Un e s ü zungen aus Ame ika eine wich ige Rolle: wissen
wi
doch, daß
selbs Juden, die d üben
als
Diens bo en a bei e en, ih e Angehö igen in de
al en Heima nich e gaßen, sonde n inanziell un e s ü z en
38
.
Bezüglich de »Tagelöhne und Diens bo en« de obigen S a is ik
muß
man sich die Rech losigkei und e bä mliche Bezahlung de Diens bo en
un e den damaligen Ums änden o Augen hal en. Fassen wi demnach die
beiden un e s en Rub iken de obigen S a is ik zusammen, die selbs in den
äl e en Landes eilen P eußens as 20% de jüdischen Be ölke ung
um aß-
en, so e gib sich ein be ed es Zeugnis ü den
Um ang
de
No ,
die damals
noch he sch e.
d)
»Ren ne «, »Landwi e«
und
»Handwe ke «
-mißlungene »E ziehungspo-
li ik«
Was haben wi uns ü die damalige Zei -d. h.
o
dem
Au kommen
des
»E ek enkapi alismus« mi seinen Di idendenzahlungen und
Coupons
-
un e »Ren ne n und Pensionä en« o zus ellen? Im wesen lichen wohl
35 Ebd., S.
186
.
36 Ebd., S. 180.
37 Gewiß lieg die Ve mu ung nahe, daß die Auswande ung nach Ame ika ab den 1820e
Jah en iel zum Ve schwinden des Gaune ums beige agen habe. Auch Cahnmann (in: »Villa-
ge and Small-TownJews«, a.a.O., S.
111)
schein diese Meinung zu eilen. Es wä e in e essan
zu wissen, wie die Übe ah inanzie wu de. Haben e wa die Gemeinden -in Behe zigung
de Losung »Pa e n is Geld we « -einzeln ode gemeinsam Gaune und Be le mi Schi s-
ka en e so g ? In e essan e F agen ü kün ige Fo sche !
3s Vgl. die E zählung on
B.
AUERBACH
, »De Tolpa sch aus Ame ika« in seinen Schwa z-
wälde
Do geschich en
und
GLANZ
,
Ame ican:Jewish
Mass
Emig a ion
, a.a.
O„
S. 6.
22
1815-1835
Pe sonen, die
on
den Zinsen ih es ausgeliehenen Kapi als ode on de
Mie e ode Pach ü ih e Häuse ode G unds ücke leb en; e ne solche, die
om
S aa ode ö en lichen Kö pe scha en Pensionszahlungen e hiel en.
Wenigs ens
zum
Teil handel e
es
sich hie
um
Angehö ige de bemi el en
K eise
39
.
E was nähe müssen wi uns mi dem P oblem de Juden in de Landwi -
scha be assen.
De
ge inge P ozen sa z on ihnen, die in de obigen S a i-
s ik
als
Landwi e angesehen we den -und diese P ozen sa z ha sich auch
spä e iele Jah zehn e hindu ch kaum geände -gal allgemein als de
schlagends e Beweis ü die ano male Be u ss uk u de deu schen Juden.
Abe ohne e wa die G öße ode Wich igkei des Un e schiedes zwischen de
jüdischen und de allgemeinen Be u ss uk u in Deu schland zu bes ei en,
muß
doch
o
einem Miß e s ändnis gewa n we den. Wäh end
nu
in
Schlesien, wie aus eine on Silbe glei ange üh en S a is ik aus
demJah e
1843 he o geh , ein nich une hebliche P ozen sa z de
Judenhaup be u -
lich in de Landwi scha ä ig wa 40, leb en in wei en Teilen Süd- und
Wes deu schlands -in den Rheinlanden, Baden, Wü embe g, Baye n
usw. - iele Tausende on Juden, de en Be u szugehö igkei nich eindeu ig
wa . Die meis en ha en e was Land e wo ben ode gepach e , das sie
en wede selbs bea bei e en ode mi Hil e emde A bei sk ä e bewi -
scha e en. Das Land dien e eils de Selbs e so gung mi
Nah ungsmi -
eln, eils
wu de
es
in Ve bindung mi dem Vieh- ode P e dehandel des
Besi ze s geb auch .
Nu
wenige diese Juden wa en Baue n
im
Haup be-
u , und die F age, weshalb, allen Bemühungen und wohlmeinenden Au u-
en zum T o z, nich
meh
Juden Baue n wu den, is heu e unschwe zu
bean wo en: ih Ins ink und gesunde Menschen e s and bewah en sie
da o , in eine Zei , in de die deu sche Landwi scha den g oßen bäue li-
chen Nachwuchs nich
au
dem
Lande zu hal en e moch e, sonde n Millio-
nen on Menschen eils du ch Auswande ung, eils du ch Abwande ung in
die S äd e e lo , gegen den S om zu schwimmen -zumal die deu sche
Wi scha gegen Ende de d eißige Jah e an ing, ande wä s eichliche
E we bsmöglichkei en zu bie en.
In ähnliche Weise dü e auch die ielums i ene F age de jüdischen
Be eiligung
am
Handwe k
zu e s ehen sein. Auch hie ehl e
es
nich an
Bemühungen und auch inanziellem Au wand on jüdische und ande e
Sei e, einen g öße en Teil de jüdischen Jugend
om
»Unp oduk i en«
39 Die An änge des E ek enkapi alismus gehen gewiß wei e zu ück: es gab damals schon
Hypo hekenbanken, P andb ie e und S aa sanleihen. Abe die übe wiegende Masse de Be öl-
ke ung, einschließlich de Besi zenden, wa damals da on noch as unbe üh .
40 SILBERGLEIT, Be ölke ung, a.a.O., s.
77.
Von
den
Napoleonischen
K iegen
bis
zu
Indus ialisie ung
23
Handel zum »p oduk i en« Handwe k hinzulei en41 . Auch wa an de
Eignung de Juden nich zu zwei eln: wa en doch, o z alle Schwie igkei-
en
onsei en
de Zün e und o z des Fes hal ens de meis en Juden an den
Speisegese zen und de Sabba uhe, zahl eiche Juden, selbs auße halb des
zun eien Posen,
als
Handwe ke ä ig. Dies nich
nu
in den unen beh li-
chen Be u en des Schläch e s und Bäcke s, sonde n -
um
wenigs ens eine
Ahnung
on de Viel al de Be u e zu
geben-als
Schneide , Webe , Fä be ,
Mü zenmache , Knop mache , Seile und Sa le , Sei ensiede , Tischle ,
Schlosse , S einhaue , Mau e , Tapezie e , Ge be , Op ike , Buchd ucke ,
Gelbgieße , Zinngieße , Klempne , G a eu e, Uh mache , Gold-
und
Sil-
be s icke , Juwelie e, Diaman enschlei e ,
ja
zum
Teil in Be u en, die
wi
heu e
kaum
noch kennen, wie »Po zellane gänze <<, »Bandagen e e ige «,
»Ba zwicke « ode »konzessionie e Wappens eche «
42
. Abe o z alle-
dem blieb die Zahl de Juden, die sich in Deu schland als Handwe ke
e näh en, ziemlich bescheiden. Ein Teil de Jungen, die ein
Handwe k
e le n ha en, wande e bezeichnende weise aus. Bei ande en wa das
Handwe k
nu
die Vo s u e zu ande en luk a i e en Be u en.
Nu
in de
P o inz Posen und zum Teil auch in ang enzenden Teilen Schlesiens43
bes and un e den Juden eine nennenswe e handwe kliche T adi ion mi
sich da aus e gebenden Ausbildungsmöglichkei en ü den Nachwuchs44•
e)
De Handel-
Haup gebie
jüdische
E we bs ä igkei
Fassen
wi
nun
die Be u e ins Auge, die meh
Juden
in Deu schland
e näh en
als
alle ande en zusammengenommen, nämlich die g oße Be u s-
g uppe· »Handel und K edi «.
Am
An ang de uns hie beschä igenden
Jah zehn e bes and zwei ellos eine b ei e Un e schich alle
im
Handel be-
schä ig en Juden aus Hausie e n, die on
O
zu
O
zogen und
zum
g öß en Teil in d ückende
No
in eine heu e schwe o s ellba en
A mu
leb en.
Nu
da
man bei Beu eilung diese Zus ände nich auße ach
lassen, daß -sowei man übe haup o z allen egionalen und ech lichen
Un e schieden e allgemeine n
da
-die Meh zahl ih e Kunden damals
41 Les schinskys auch on uns benu z es We k is leide in diese Hinsich du ch we u eil-
ha e Da s ellung in seinem wissenscha lichen We beein äch ig .
42
Vgl.
J.
jACOBSON
(H g. ), Die
Judenbü ge büche
de
S ad
Be lin
1809-1851 . Mi E gänzun-
gen ü die Jah e 1791-1809, Be lin 1962, die leide nu bis
1851
gehen.
43
BRILLING,
a.a.O .,
S.
53,
be ich e , daß in Schlesien einige Zün e, in Ausnahme on de
allgemeinen Juden eindlichkei de Handwe ke , jüdische Leh linge au nahmen und da ü on
de Regie ung gelob wu den. Gegen wide spens ige Innungen ha dagegen die Regie ung
manchmal auch Zwang angewende .
44
JACOBSON,
a.a.O.,
S. 23, be on die »Ve s ä kung des handwe klichen Elemen s« du ch
die Zuwande ung aus den ös lichen P o inzen, die auch du ch die Be u s- und He kun sanga-
ben in den Bü ge b ie en bes ä ig is .

24
1815-1835
kaum besse d an wa en45 . De schwe e wi scha liche D uck, un e dem
die meis en Hausie e s anden, die gebie e ische No wendigkei , ü die
meis seh kop eichen Familien
B o
zu
bescha en und womöglich den
Kinde n einmal ein besse es Leben zu e möglichen, mach e sie s e s be ei ,
jede ande e E we bsmöglichkei
zu
e g ei en, die sie
nu
e spähen konn en.
Diese lag nich sel en in K edi geschä en, z. B. wenn Kunden nich so o
zahlen konn en ode d ingend Geld b auch en, ode in Da lehensgewäh-
ung gegen P and, also P andleihgeschä en. Zuweilen üh e de Weg on
solchen äuße s bescheidenen An ängen zu spä e en Bankgeschä en
46
• Des
ö e en konn e de Hausie e auch beim Viehhandel e mi elnd eing ei en;
und wenn die Gelegenhei güns ig wa , e wuchs aus solch einem Nebene -
we b de neue Haup be u . In den meis en Fällen abe ging de Eh geiz des
Hausie e s dahin, ein Ladengeschä
zu
e ö nen,
wo
die kö pe lichen An-
o de ungen nich ganz so ha , o allem abe die Ve diens möglichkei en
g öße und das gesellscha liche Ansehen höhe sein wü den.
In
den d eißi-
ge Jah en,
als
allmählich eine wi scha liche Besse ung ein a und das
Tempo
de deu schen Wi scha sen wicklung sich beschleunig e, wu den
die Gelegenhei en zum Be u swechsel
imme
häu ige und de Ab luß aus
dem Hausie e um e s ä k e sich.
In besonde e Weise wu de die Abwendung
om
Hausie en in de
P o-
inz Posen ge ö de . 1815 wa Posen zunächs on de Wi ksamkei des
p eußischen Emanzipa ionsedik es ausgeschlossen wo den.
Um
abe eine
allmähliche Angleichung zwischen den Ve häl nissen de Juden in Posen
und denen in den äl e en Teilen de Mona chie he beizu üh en, e ließ de
damalige Obe p äsiden on Flo well 1833 eine Ve o dnung, nach de
Pe sonen, die eine aus eichende Behe schung de deu schen Sp ache, ein
nich
im
Hausie en ausgeüb es Gewe be ode einen gewissen Kapi albesi z
nachweisen konn en, sich
um
ein Na u alisa ionspa en bewe ben du en.
Du ch
dieses »E ziehungsgese z« -das auch on jüdische Sei e
als
he o -
agende s aa smännische Leis ung ge eie wu de47 -wu de zwa
dem
Au -
s ieg de Posene Juden nich e wa
Tü
und
To
geö ne , doch abe eine
schmale Sei en ü , du ch die in den olgendenJah en eine lange Reihe Juden
mi ih en Familien nach ande en Teilen P eußens abwande n konn en.
Wäh end die in de Flo wellschen Ve o dnung liegende Mißbilligung des
Hausie ens du ch die damaligen Ve häl nisse in de P o inz Posen -mi
ih em auße o den lich hohen P ozen sa z jüdische Be ölke ung -
wah -
scheinlich ge ech e ig wa , be uh die on ielen Au o en an den
Tag
4s
Übe
die elende Lage de Landbe ölke ung, bei egionalen Un e schieden, gl.
CLA-
PHAM,
a.a.0
.,
S.
402 .
46 Vgl.
CAHNMANN,
Village]ews,
a.a.O
., und
BALL-KADURI,
a.a.O ., S.
9
.
41
]ACOBSON
, a.a.O.,
S.
20 ., zi ie das U eil des Danzige A chi di ek o s
Adol
Wa -
schaue in diesem Sinne.
Von
den
Napoleonischen
K iegen
bis
zu
Indus ialisie ung
25
geleg e Mißach ung dieses Be u s in de Regel en wede
au
eine Ve ken-
nung
de his o ischen Zus ände, ode -sel ene -
au
ideologische V o ein-
genommenhei . Solange Baue
und
Bäue in
nu
höchs sel en
au
den elen-
den Landwegen in die S ad ah en konn en,
um
o nehmlich
au Wochen-
ode
Jah mä k en
einzukau en,
wa
de Hausie e
no wendig
und
nü z-
lich48.
Auch wissen
wi
aus manche lei zei genössischen Schilde ungen,
besonde s aus Süd-
und
Wes deu schland sowie aus
dem
in iele Hinsich
ähnlichen Elsaß, daß de Hausie e o
als
T äge
on
Nach ich en
und
Neuigkei en, gelegen lich auch als Ve mi le bei e schiedenen Geschä en
und
als Gebe
on
Da lehen willkommen
wa
49
. E s als die Re olu ionie-
ung
des Ve keh swesens du ch Eisenbahn-
und
Kanalbau de Landbe öl-
ke ung den
Einkau
in de S ad e leich e e
und
neue Exis enzmöglichkei-
en ü den Ladenhandel schu ,
wu de
de Hausie handel
au
dem
Lande
wei gehend übe lüssig.
Suchen
wi
nun
Tä igkei
und
Lage de ande en in Handel
und
K edi we-
sen beschä ig en
Juden
zu e s ehen, so we den
wi
gu
da an un, uns den
damaligen S and de deu schen Wi scha
o
Augen zu hal en.
Au
dem
ganzen eu opäischen Fes land gab
es
nu
wenig Außenhandel,
um
so
weni-
ge ,
je
wei e
man
on
Wes en nach
Os en
kam,
wo
die einzelnen
O scha -
en
mi
de Außenwel wi scha lich kaum in Ve bindung s anden. Selbs
de G ossis , de
nu
im
eigenen Lande Geschä e mach e,
wa
ela i sel en,
und auch Ladenhandel
wa
nich wei e b ei e .
Um
so wich ige
wa en
Wochen-
und
Jah mä k e
und
die Messen, besonde s in F ank u
a.
0.,
F ank u
a.
M.
und
Leipzig,
au
denen die Kau leu e un e einande , nich
mi
dem
Konsumen en, handel en. E s nach
1830
begannen sich die Läden
zu e meh en,
o
allem
im
Zusammenhang mi zunehmende Ve b ei ung
de »Kolonialwa en« wie Ka ee, Kakao, Tee usw., an die sich die Be ölke-
ung
in den Tausenden
on
Kleins äd en ziemlich asch gewöhn e.
E s
danach kamen Läden allgemeine
A
au , die alles mögliche üh en. Abe
selbs dann noch
wa
de Hausie e o schwe zu e d ängen
50.
Von
de Lage des deu schen Handels in
jene
Zei des langsamen
Übe -
gangs ein ech es Bild zu gewinnen, is
um
so schwie ige , als die wich ig-
s en Handelszen en -
Hambu g,
F ank u a.
M.,
B emen
und
Leipzig -
nich
au
p eußischem Boden lagen
und
dahe
on
den p eußischen S a is i-
ken nich mi e aß we den. Inne halb P eußens spiel Be lin als
Haup -und
4
s
So,
ausgewogen
und
sachkundig
beu eil ,
bei
CLAPHAM,
a. a.
0 .,
S.
116
.
Dagegen
is
die
Da s ellung
on
SARTORJUS
VON
WALTERSHAUSEN
(Deu sche
Wi scha sgeschich e
1815-1914,Jena
192Y,
pass.)
du ch
an isemi ische
Vo u eile
beein äch ig
.
4
9 S.
dazu
besonde s:
J.
P .
HEBEL,
E zählungen
und
Au sä ze
des
heinischen
Haus. eundes,
Ka ls uhe
1923 (1.
Au l.
1832),
AuERBACHS
Schwa zwiilde
Doijgeschich en
und
auch
CAHN-
MANN,
Village
]ews,
a.a.
O.
Übe
die
elsässischen Ve häl nisse:
J.
P1cARD,
De Gezeichne e,
Jüdische
Geschich en
aus
einem
Jah hunde ,
Be lin
1936.
so
CLAPHAM,
a.a.
O.,
S.
116 .
26
1815-1835
königliche Residenzs ad
und
on
1834 an als
Mi elpunk
des Zoll e eins
eine ganz übe agende Rolle, die du ch seine schon in den d eißige Jah en
asch wachsende Indus ialisie ung noch
e höh
wu de
51
.
Nu
in wei em
Abs and sind ande e p eußische S äd e wie B eslau, F ank u
a.
0.
und
Königsbe g zu nennen.
We en
wi
zunächs -
mi
allen Vo behal en gegenübe solchen S a is i-
ken aus
dem
damaligen P eußen -einen Blick
au
olgende Zahlen übe die
»inne e S uk u « des jüdischen Handels aus
demJah
184352.
In P eußen en ielen
on
je
100
im
Handel-
und
K edi wesen beschä ig-
en
Juden
au
Geld-
und
Wechselhandlungen
G oßhandel
und
G oß ab ikan en
O ene Läden
Kommissionä e
und
P andleihe
Gehil en genann e 4
G uppen
Lebensmi elhändle
T ödle
S ehende K amhandel
Gehil en genann e
G uppen
Hausie e
Gehil en de Hausie e
P e dehändle
Gas -
und
Schankwi scha
1,0
2,8
19,7
4,5
12,5
9,3
3,0
19,4
2,0
11,8
2,1
2,5
9,4
100,0
Im
allgemeinen gib die S a is ik ein Bild jüdische Anpassung an die
En wicklung
de deu schen Wi scha
und
besonde s des Handels, wie sie
schon oben, au g und ande e Quellen, skizzie wu de.
De
An eil de
Hausie e , die
mi
ih en Gehil en as 14% de
im
Handel Tä igen ausma-
chen, is
zwa
noch e heblich, i abe auch schon s a k hin e
dem
des
»s ehenden K amhandels« (19,4%
ohne
Gehil en) zu ück; die »T ödelhänd-
le « be agen wei e e
3%.
Höchs wah scheinlich spiegel die
Zunahme
des
»S ehenden K amhandels« bei gleichzei ige
Abnahme
de Hausie e -die
51
Zu
Be lins
. H .
RACHEL,
J.
PAPRITZ
und
P.
WALLICH,
Be line
G oßkau leu e
und
Kapi ali-
s en,
hie bes.
Bd.
3,
Die
Übe gangszei
zum
Hochkapi alismus 1806-1856, h g.
onJ.
SCHULZE
undH
. C.
WALLICH,
Be lin 1967. Vgl.
auchH
.
SEELIGER,
a.a.O .
52
LESTSCHINSKY,
a.a.
O.,
S. 34. Die Schwächen
de
Rub izie ung sind o ensich lich: was
haben
z.B.
die »Kommissionä e«
mi
den »P andleihe n« gemein?
Ode
welche »Lebensmi el-
händle « ha en keine »o enen Läden«? Soll e sich diese Bezeichnung
au
den spä e so wich i-
gen jüdischen Handel
mi
landwi scha lichen
P oduk en,
wie Ge eide
und
Wein, beziehen,
so is sie seh unglücklich gewähl . Dagegen is die Zusammen assung on »G oßhandel
und
G oß ab ikan en« ehe zu beg ünden, da zu diese
Zei
He s ellung
und
Ve ieb
de
Wa en
o
inne halb de selben Fi ma s a anden.
Von
den
Napoleonischen
K iegen
bis
zu
Indus ialisie ung
27
man sozial
kaum
als
einen Fo sch i ansehen kann - o allem das Wachs-
um
de S äd e wide ; und zwa handel
es
sich hie o wiegend
um
Klein-
s äd e. Dagegen is de schon ela i hohe An eil de »o enen Läden« sozial
und
wi scha lich
als
Fo sch i zu we en. Die ku iose Ta sache, daß de
spä e so ielums i ene jüdische Viehhandel in de obigen S a is ik ga
nich e schein , wäh end die P e dehändle eine Rub ik e hal en, inde ih e
E klä ung wohl da in, daß de P e dehandel eine de wenigen
E we bs-
zweige wa , die in P eußen o de Emanzipa ion den Juden ausd ücklich
eigegeben wa en.
j)
Die
wi scha liche
Obe schich
Bei den beiden obe s en Rub iken is die Scheidung zwischen »Geld-
und
Wechselhandlungen« und »G oßhandel und G oß ab ikan en« ü die da-
malige Zei noch e was küns lich. Die »Ho juden« des 18. Jah hunde s
ha en ih en Fü s en nich nu Anleihen o ges eck ode e scha sowie
Silbe , Kup e
und
sons ige Me alle ü die Münze gelie e , sonde n sie
ha en auch alle möglichen Luxusgegens ände -Gold
und
Juwelen, Sam
uhd
Seide, Plüsch und B oka - ü die Damen des Ho es beso g
und
übe haup mi g öß e Wendigkei und Findigkei jedes Geschä du chge-
üh , das ihnen en wede au gezwungen wu de ode o eilha e schien53•
In ähnliche Weise wa en in de e s en Häl e des 19. Jah hunde s ih e
Nachkommen
und
Nachei e e ech e Un e nehme na u en, die zupack en,
wo
imme
sie eine Chance e späh en. In eine Zei ,
als
de G ad de
Kom-
me zialisie ung und Indus iealisie ung noch ge ing, das Maß de
unen -
beh lichen Fachkenn nisse noch bescheiden wa en, abe wi scha liche In-
i ia i e
und
Phan asie hoch
im
Ku se s anden, konn en sich dieselben
Män-
ne o
au
einem wei en Gebie e olg eich be ä igen54.
Wesen und Zusammense zung diese wi scha lichen Obe schich
we -
den
am
bes en e s ändlich, wenn man sich ih e En s ehung in den
Haup zü-
gen kla mach . Zunächs wa die Zahl de wi scha lich, ech lich und
sozial s a k be o zug en, abe auch u ch ba ange einde en und ge äh de en
Ho juden e heblich g öße als man heu e
wohl
anzunehmen geneig is 55.
Die Fü s enhö e alle
A
wa en zahl eich: die 34 Einzels aa en wa en doch
nu
de Res , nachdem de napoleonische S u m die meis en de nahezu 300
sou e änen König eiche, Fü s en- und He zog üme
usw
. hinwegge eg
ha e. Die Meh zahl diese Fü s en ha e ih e Ho juden, die abgesehen
on
53
RACHEL
,
WALLICH
e c., a.a.O ., en häl in den d ei Bänden iel einschlägiges Ma e ial; s.
auch: S.
STERN,
The Cou ]ew, A
Con ibu ion
o he His o y
o he
Pe iod
o
Absolu ism in
Cen al
Eu ope,
Philadelphia 1950; L. F.
CARSTEN,
»The
Cou Jews
. A P elude o
Emancipa-
ion«, in: YLBI, III(1958),
S.
140-158.
54 Vgl.
RACHEL,
WALLICH
e c., ebd.
Bd
.
1-2
.
55
CARSTEN,
a.a.
O.
,
S.
142 .
34
1835-1870
1865 wa ein Ne z on 14690
km
Länge en s anden3. Bau und Be ieb diese
S ecken e o de en o allem nie dagewesene Mengen on Kohle und Eisen,
und so s ieg die jäh liche Fö de ung diese S o e sp ungha an. Wäh end
o dem
die Tex ilindus ie de einzige einige maßen en wickel e Zweig de
deu schen Indus ie gewesen wa , en al e e nun die »Schwe indus ie« eine
gewal ige Anziehungsk a
au
A bei sk ä e, die ih aus de landwi scha li-
chen Übe schußbe ölke ung zus öm en und das Ruh gebie zu eine de
dich es besiedel en Gegenden Deu schlands und einem Schwe punk des
en s ehenden P ole a ia s mach en. Gleichzei ig en s anden ande e
indu-
s ielle Zen en wei ab on Rhein und Ruh . Die beim Bahnbau e wo benen
E ah ungen und E kenn nisse be uch e en ein iel wei e es Gebie , und die
maschinelle P oduk ionsweise, die ühe nu in wenige P oduk ionszweige
einged ungen wa , b ei e e sich je z
au
ein iel wei e es Feld aus4.
Wohe abe kamen, in einem so kapi ala men Lande wie Deu schland, die
iesigen Summen, welche diese In es i ionen e o de en?
Mi
den
Me ho-
den, die bis in die ie zige Jah e in Deu schland üblich wa en, konn en die zu
Ausdehnung des Eisenbahnne zes nö igen Summen nich au geb ach
we -
den.
Denn
wäh end in den kapi alis isch meh o gesch i enen Lände n wie
England
und
Holland das Publikum schon
gewohn
wa , E spa nisse
als
Kapi al anzulegen, neig e man in Deu schland meis noch dazu, sie en wede
in Land ode
im
eigenen Geschä zu in es ie en5. E s die En wicklung des
»E ek enkapi alismus«, die au s engs e mi de Eisenbahn zusammenhäng ,
übe zeug e die Deu schen on den Vo eilen des Kau es on Ak ien und
Obliga ionen.
Nich
nu
die Banken, denen die Emissionen ein neues luk a i-
es Geschä e ö ne en, bemüh en sich, die We papie e möglichs schnell an
den Mann zu b ingen: am be eds en wa de inanzielle E olg manche
Bahnen, wie de e s en deu schen Bahngesellscha , de Ludwigsbahn zwi-
schen Fü h und Nü nbe g, die on 1836 bis 1860 Di idenden zwischen
12
und 20 P ozen ausschü e e6. Wäh end de Ausbau g oße Indus ieun e -
nehmungen in Wes deu schland nich sel en ganz aus eigenen Gewinnen
inanzie wu de -wie die Beispiele on Al ed K upp und Hoesch zeigen -
und
im
Os en
die obe schlesischen Magna en das
Einkommen
aus ih en
g oßen Gü e n zu Finanzie ung ih e neuen Indus ien benu z en7, blieb ü
die Eisenbahn inanzie ung die Ak ienemission die Regel. Dadu ch e hiel die
En wicklung des Bahnwesens einen gewal igen Au ieb.
Abe so wich ig de Ein luß de Bahngesellscha en
au
das Bankwesen
3
STOLPER,
ebd., S.
46
.
4 E.
ENGELBERG,
Deu schland on 1849 bis 1871. Von de Niede lage de Bü ge lich-
Demok a ischen Re olu ion bis zu Reichsg ündung, Be lin (DDR), 19722,
S.
36
.
5
CLAPHAM,
a.
a.O.
s.
132 .
6 W. G.
HOFFMANN,
»The
Take-o
in Ge many«, in: RosTow (H g.),
a.a.O.,
S.
113.
7
Ebd
.

Indus ialisie ung
: Die e
s
e
Phase
35
auch wa , so wenig
wa
e die einzige U sache ü den g oßen Au schwung
de Banken und,
im
engs en Zusammenhang mi diesen, auch de Bö sen8.
Zwei
ande e Fak o en wa en nich wenige wi ksam.
De
e s e
wa
die
Auswi kung de du ch Eisenbahn- und Kanalbau e ziel en g oßen Ve bes-
se ung und Ve billigung des Wa en anspo es, de dami e bundenen
Ve iel achung de Kau ansak ionen und de Ve meh ung des Zahlungs-
e keh s.
De
zwei e Fak o wa en Mi e des Jah hunde s die g oßen
Gold unde in Kali o nien und Aus alien. In Deu schland,
wo
on e wa
1851
an sich die Wi kung de Gold unde in einem ges eige en
Zus om
on
Kapi al in den Banken beme kba mach e9, e hob sich eine Welle des
Op i-
mismus und de Un e nehmungslus , die on 1852 bis 1856 zu eine bei-
spiellosen G ündungs ä igkei üh e. Allein
im
p eußischen Be g- und
Hü enwesen wu den on 1852 bis 1857 und 100 Millionen Tale in es ie
-eine bis dahin une hö e Summe. Auch die o wiegend in Süddeu schland
beheima e e Leich indus ie mach e apide Fo sch i e. So s ieg on 1846
bis
1861
die Anzahl de Spindeln in den wich igs en Tex ilzen en
sp ung-
ha an: in Baye n on
4600au 16300
; in Baden on 9000
au
übe 14000,
und
in Wü embe g ga on 2700au 860010! E s die K ise
on
1857
-die
e s e wah ha in e na ionale Wi scha sk ise -mach e dem iebe ha en
Tempo
de G ünde jah e ein Ende.
Sie
ich e e in Deu schland schwe en
Schaden an, besonde s in den Handelszen en wie
Hambu g,
B emen,
F ank u , Be lin und Leipzig. Abe de Schaden wa nich daue nd. Das
alle schlimms e
wa
schon
im
Dezembe 1857 o übe . Es olg en Jah e de
E holung bis 1870, in denen die ühe gemach en Fo sch i e konsolidie
und ausgebau wu den. Die Konjunk u wa
im
allgemeinen güns ig, und in
eine Pe iode ela i hohe P eise und nied ige Ges ehungskos en
11
, in de
die P oduk i i ä asch s ieg, wa en die P o i e o ech hoch.
We en wi nun einen Blick
au
die wich igs en sozialen Folgen de
geschilde en Wandlung de Wi scha ss uk u , so e gib sich olgendes
Bild: An de ö lichen Ve eilung de Be ölke ung ha e sich e häl nismä-
ßig wenig geände . Wu den 1816 nich wenige
als
73,5% de Be ölke ung
in P eußen als ländlich bezeichne , so wa diese Zi e bis 1852
nu
unwe-
sen lich, nämlich
au
71,5%, gesunken. In den ün zige Jah en wuchs de
Zug
zu S ad :
imJah e
1861
be ug die Zi e 69,3%, und bis
1871
sank sie
au
67,5%
12. Die Be ölke ung des ganzen Reiches wa
kaum
meh
» e -
s N och
Ende
1870
wa en
nich wenige als 175 de
au
de Be line Bö se
no ie en
359
We e
Eisenbahnak ien
und
Obliga ionen
.
9
SOMBART,
Volkswi scha , a.a.O ., S. 80.
10
ENGELBERG,
a.a.0 „ S. 95;
HOFFMANN,
a.a.0
.,
S.
111
bes. zu
Tex ilindu
s ie.
11
Zu
Zunahme
de
pe -capi a-Einkommen
,
HOFFMANN,
ebd.
S.
114
.; gl. auch:
ENGEL-
BERG,
ebd
„ S. 26;
HoLBORN
, a.a.O „ S.
125
.
12
Die
p eußische De ini ion
de
Beg i e »ländlich«
und
»s
äd isch«
wa
ju is isch
und
nich
36
1835-1870
s äd e « als die p eußische. Angesich s de ie g ei enden S uk u wand-
lung in de Wi scha e schein de ge inge
Um ang
de Ve s äd e ung
e s aunlich. Die E klä ung is in de S ä ke de Auswande ung zu suchen:
we in de heima lichen
Umgebung
keinen genügenden
E we b
inden
konn e, wag e damals seh o liebe den g oßen Sp ung in das Land »unbe-
g enz e Möglichkei en«. Wäh end die Auswande ung bis 1844 wohl in
keinemJah
33000 übe s ieg, be ug sie in den nächs en ün Jah en du ch-
schni lich e wa 90000, s ieg dann wei e an,
um
in de Zei on 1853/54 -
mi en in den »G ünde jah en<d -mi e wa eine Vie elmillion ih en
Höhe-
punk
zu e eichen13.
Eine Ve ände ung e olu ionä e A wa o allem die En s ehung und
das asche Wachs um eine mode nen, klassenbewuß en A bei e scha ,
de en e s es, wei hin sich ba es Zeichen de iumphale Agi a ionszug Las-
salles du ch das Rheinland 1863 wa . Daß die Lebenshal ung diese A bei e -
massen zunächs seh nied ig und die Wohnungs e häl nisse elend wa en
(ähnlich wie in England ein paa Jah zehn e o he ), is zwa ich ig, doch
im
Ve gleich zu de ühe en Lage diese Menschen
au
dem
Lande s ell e sie
ehe einen Fo sch i da , besonde s nachdem in den sechzige Jah en die
Reallöhne e was zu s eigen begannen
14
. Gleichzei ig ollzog sich am ande-
en Ende de Skala ein kaum minde bedeu same Vo gang: die En s ehung
g oßen Reich ums auße halb des g undbesi zenden Adels, de ihn bis dahin
as allein besessen ha e. En gegen den Vo aussagen des »Kommunis i-
schen Mani es es« konzen ie e sich de Reich um nich e wa in wenigen
Händen, sonde n sein be uch ende (nich sel en auch e de bliche ) Ein-
luß e s eck e sich
au
wei e K eise. Die einzige g oße Be u sg uppe, de es
schlech e ging
als
zu o , wa en die Handwe ke . Wie eine de bekann e-
s en konse a i en Wi scha shis o ike da leg , wa die Lage ü
Hand-
we ke
um
die Mi e des Jah hunde s ungüns ig, abe un e schiedlich:
Spinne , Webe , Tuchmache , Me alla bei e , B aue , Nadle und Nes le ,
S ump wi ke , Sei ensiede , Bö che , Töp e , Handschuhmache und an-
de e »konn en sich nich hal en und e schwanden
als
Handwe ke allmäh-
lich«; dagegen wa en diejenigen, die ü die pe sönlichen
und
häuslichen
Bedü nisse ih e Kunden a bei e en, wie F iseu e, Schuhmache , Klemp-
s a is isch bes imm . Abe auch nach s a is ischen Maßs äben
wa
die ländliche Reichsbe ölke-
ung
1871
imme
noch 63,
7%
. Vgl.
CLAPHAM,
a.a.O.,
S.
278.
13
Ebd
., S. 208. [Vgl. auch:
MACK
WALKER,
Ge many
and
he
Emig a ion
1816-1885
Camb id-
ge, Mass., 1964,
S.
7
.; F. B.
BuRGDÖRFER,
»Mig a ion ac oss he F on ie s
o Ge many«,
in:
W.
F.
WILCOX
(H g.),
In e na ional
Mig a ions,
ol
. II, In e p e a ions,
New
Yo k
1931,
S.
333;
G. HoHORST,J. KocKA, G. A.
RITTER,
Sozialgeschich liches
A bei sbuch
, Ma e ialien zu S a is ik
des Kaise eichs 1870-1914,
München
19782, S. 38; W.
KöLLMANN,
»Be ölke ungsgeschich e
1800-1970«, in: H .
AuBIN
und
W.
ZORN
(H sg.),
Handbuch
de
deu schen
Wi scha s-
und
Sozialgeschich e
,
Bd.
2,
S u ga
1976, S.
31
(Anm. d.
H g.)
.)
14
ENGELBERG,
a.a.O ., S. 57.
Indus ial
i
sie ung
:
Die
e s e
Pha
se
37
ne und Glase du ch die neuen Be iebsweisen wenige be o en
15
. Im
allgemeinen wa de S and im Niede gang: de An eil de
om
Handwe k
lebenden Pe sonen an de p eußischen Gesam be ölke ung
iel
on 1849 bis
1861
on 16,52%
au
14,87%16• Ih e wi scha liche und poli ische S ä ke
iel
noch schnelle .
Um
so besse abe ging
es
dem Handel! Mi de s äd ischen Be ölke ung
wuchs die Zahl de e o de lichen Läden; gleichzei ig bewi k e de Rück-
gang de Selbs e so gung sowie die Ve billigung und Beschleunigung des
T anspo s und Pe sonen e keh s auch au dem Lande einen Au schwung
des Ladenhandels, wobei nich sel en die Inhabe de neuen Läden ühe e
Hausie e wa en, die zum Teil ih e al e Kundscha bedien en. Wei e e
wich ige U sachen ü die E s a kung des Handels wa die Ausdehnung des
Zoll e einsgebie es sowie Deu schlands
zune~mende
Ve lech ung in den
Wel handel, und nich zule z auch die E höhung des Lebenss anda ds, die
es
wei en K eisen e möglich e, auch e eine e Bedü nisse zu be iedigen.
Kein Wunde , daß sich die Gesam zahl de im Wa enhandel alle A Be-
schä ig en s a k e meh e. Viele, die ühe nu eilweise
als
Händle ,
danaben abe auch
als
Landwi e ä ig gewesen wa en, s ell en sich nun ganz
au
den Handel ein; ühe e Handwe ke , die sich nich ha en hal en kön-
nen, e such en ih Glück
als
Händle , und höchs wah scheinlich e hiel de
Handel auch Zuzug on Elemen en, die ühe be u s- und e we bslos
gewesen wa en17. Im Ve gleich zu den Zus änden o 1840,
wo
an den
meis en
O en
auße den We ks ä en de Schus e , Schneide und de glei-
chen übe haup keine Läden exis ie ha en, wa de
Umschwung
gewal ig.
Das Land wu de komme zialisie 18. Dami eng e bunden wa de Au -
schwung des Geld- und K edi handels. Hie handel e
es
sich
um
eine lang i-
s ige En wicklungs endenz; wäh end die Zahl de in diesem Wi scha s-
zweig ä igen Pe sonen in P eußen on
1846
bis 1858 on 1100
au
1774
ges iegen wa , wuchs
sie
bis zum Jah e
1895
au
nich wenige
als
1789619!
Jedoch im Gegensa z zu Indus ie, wo
in
den 50e Jah en manche Fi ma
be ei s Tausende on A bei e n und Anges ell en zähl e, he sch e
im
Bank-
gewe be noch
au
ge aume Zei de Kleinbe ieb o . So inden wi e wa in
Be lin im Jah e 1858 im Geld- und K edi handel
140
Geschä e mi insge-
sam 244 Hil spe sonen, in B eslau 39 Fi men mi
99
Hil spe sonen usw.;
d.
h.
es
handel e sich meis ens
um
Familienbe iebe, zuweilen un e s ü z
on ein paa Anges ell en
20
. Abe auch hie ha e de Konzen a ionsp ozeß
l5
SARTORIUS V. WALTERSHAUSEN, a.a.O.,
s.
145 .
16
ENGELBERG, a.
a.O
.,
s.
48
.
17 Ebd., S.
149
.
18
CLAPHAM,
a.a.O.,
s.
116
.
19
SoMBART,
Volkswi scha
, a.a.O., S.
177
.
20
Ebd., S.
479
.
38 1835-1870
be ei s begonnen. Die g oßen Ak ienbanken, die im Gegensa z zu den
angelsächsischen Deposi enbanken sich de lang is igen Kapi albedü nisse
de Indus ie annahmen, e eich en dadu ch eine beach liche wi scha liche
Füh ungs olle
21
.
Daß die eben um issene S uk u wandlung de deu schen Wi scha den
Juden güns ig wa , lieg
au
de Hand: b ach e sie doch die s ä ks en E wei-
e ungen ge ade
au
Gebie en, mi denen sie sei Jah hunde en e au
wa en und
au
denen sie besonde e Fähigkei en en wickel ha en, nämlich
dem
Geld- und Wa enhandel. Dennoch wä e ih übe aus schnelle ,
ja
phä-
nomenale Au s ieg
22
in dem Menschenal e o de Reichsg ündung kaum
denkba gewesen, wä e nich hinzugekommen, daß Deu schlands
Du ch-
b uch
zum
Kapi alismus zu eine Zei e olg e, in de das Bü ge um
nu
wenige Männe he o geb ach ha e, die du ch Wagemu , Gewinns eben
und kau männische Vo bildung zum kapi alis ischen Un e nehme quali i-
zie wa en. G und da ü wa en die
A mu
und Rücks ändigkei des Landes
und
o allem die lange Pe iode de Be o mundung du ch die Bü ok a ie
des absolu en Fü s ens aa es23 . Diese Mangel
an
deu schen Un e nehme n
gab den Juden eine einmalige Chance. Wie sie diese his o ische Gelegenhei
ausnu z en -o nu mi dem S ome schwimmend, manchmal sich und
ande e bedenkenlos in Aben eue s ü zend, nich sel en abe du ch Vision
und Ini ia i e, gepaa mi Umsich und une müdlichem Fleiß, im bes en
Sinne schöp e isch
wi kend-
soll hie wenigs ens in den Haup zügen da ge-
s ell we den.
b)
Die
demog aphische
En wicklung
de
Juden
Die wi scha liche und soziale En wicklung de Juden in de hie behan-
del en Zei spanne is kaum e s ändlich ohne Be ücksich igung ih e Ve -
meh ung, ih e Auswande ung und ih e Binnenwande ung. Wäh end die
21
Die D esdne Bank ha e Ve e e in den Au sich s ä en on übe 200 Gesellscha en.
De
Ein luß de Banken äuße e sich o da in, daß Fi men zum Bei i in Ka elle gezwungen
wu den. Vgl. G. W.
EowARDS
, The E olu ion o Finance
Capi alism,
Washing on D.
C.
19672
S.
68
.
22 Hans Rosenbe g sieh in de »glänzenden Ausnu zung de E ziehungs- und Ma k chancen
du ch einen e s aunlich hohen P ozen sa z de jüdischen Be ölke ung, die ih en ge adezu
me eo enha en Au s ieg soziale Wi klichkei we den ließ .
..
einen kollek i en, sozusagen
p o ozie enden Leis ungse olg« eine de U sachen ü den e schä en An isemi ismus. H.
ROSENBERG
,
G oße
Dep ession
und
Bisma ckzei , Wi scha sablau , Gesellscha
und
Poli ik in
Mi eleu opa, F ank u
a.
M. 1967,
S.
94.
23
Mi
Ausnahme de Reichss äd e wie Hambu g, B emen ode F ank u
a.
M.
übe a
die
hohe Regie ungsbü ok a ie an Blickwei e, In elligenz und Ausbildung im allgemeinen die
wi scha liche Füh ungsschich auch
au
de en eigenem Gebie . Vgl. W.
FISCHER,
a.a.O .,
S.
94;J.
ScHUMPETER
,
Business
Cycles,
A
Theo e ical,
His o ica/
and
S a is ical
Analysis,
o/.
l,
New
Yo k 1939, S. 283.
Indus ialisie ung:
Die
e s e
Phase
39
Zahl de
Juden
in ganz Deu schland (ohne Elsaß-Lo h ingen)
imJah e
1820
e wa
270000 be ug, wa sie ein halbes
Jah hunde
spä e
au
470278
angewachsen. Gleichzei ig s ieg de jüdische An eil an de Gesam be ölke-
ung
on 1820 bis
1871 on1,09%
au 1,20%.
Nach
Silbe glei wa en die
jüdischen Gebu enübe schüsse in de ganzen
Zei
om
Ende de g oßen
K iege bis
e wa
1870 hoch
und
seh wohl mi denen de Gesam be ölke ung
e gleichba .
Dank
dem
Kinde eich um de jüdischen Familien -an dem
auch die eichs en Schich en An eil ha en -
und
dank eine S e blichkei , die
as
imme
nied ige wa als die de Gesam be ölke ung, wa en die Gebu -
enübe schüsse
g oß
genug,
um
nich nu die zahlenmäßig nich allzuseh
ins Gewich allenden Tau en
und
Aus i e, sonde n auch den ungleich
schwe e en Wande ungs e lus
meh
als
au zuwiegen
24
.
Die jüdische Auswande ung
jene
Zei bilde e einen Teil de deu schen
Massenauswande ung, die sich o wiegend nach Übe see, besonde s nach
den Ve einig en S aa en ich e e
25
. Aus G ünden, die
zum
Teil schon e ö -
e
wo den
sind, wa en die
Juden
an diese Auswande ung besonde s s a k
be eilig , doch wies die Mo i ie ung gewisse Un e schiede au .
Mi
Aus-
nahme de poli ischen Emig a ion
on
1850 bis 1855 wa en ü die g oße
Masse de deu schen Auswande e wi scha liche Bewegg ünde ausschlag-
gebend: Kleinbaue n und Landa bei e sehn en sich nach eine aus eichen-
den eigenen Scholle,
und
besonde s in den sechzige Jah en ieb Ve zwei -
lung iele
du ch
die billigen Indus iewa en uinie en
Handwe ke
und
Heima bei e
zum
Ve lassen des Landes. Die Mo i e de
Juden
wa en
wohl
s ä ke di e enzie : neben wi scha liche
Enge
und
No
o
allem das
Ge ühl de Rech losigkei . Ein zahlenmäßig ge inge , doch
um
so wich ige-
e
Teil de Auswande ung
kam
in jenen Jah zehn en
o
1870 aus den
eichs en Familien, de en Söhne ih e Heima e ließen,
um
in London,
Pa is, Ams e dam, Wien,
New
Yo k ode soga
New
O leans Zweignie-
de lassungen de ä e lichen Fi ma zu beg ünden. Abe o z de sozial
he e ogenen Zusammense zung
und
e schiedena igen Mo i ie ung de
jüdischen Auswande ung
kam
zwei ellos auch hie die g oße Meh hei aus
den ä ms en Schich en: Tagelöhne und Diens bo en (beide lei Geschlech-
es), E we bslose, Gaune , Be le , neben Hausie e n
und
Handwe ke n.
Ih e Auswande ung
26
ug siche lich dazu bei, den Au s ieg
de
Ve bleiben-
24
SILBERGLEIT,
Be ölke ung, a.a
.O
., S. 5; 14 .;
LESTSCHINSKY,
a.
a.O
., S. 50.
2
s
Zu
allgemeinen Auswande ung
im
19.
Jah hunde s
. die Li e a u angaben in
Anm
. 13.
[Zu
jüdischen Auswande ung, auße
LESTSCHINSKY,
a.a.O
., S.
42
., neue dings auch A.
BARKAI
, »
The
Ge man
Jews
a
h
e S a
o
Indus ialisa ion. S uc u al
Change
and Mobili y
1835-1860«, in: W. E. MossE, A
PAUCKER,
R.
RüRUP
(H g.), Re olu ion
and
E olu ion. 1848 in
Ge man-Jewish
His o y,
Tübingen
1981,
S.
127 „ 146 .;
DERS
.,
»Ge man-Jewish Mig a ion
in
he
19 h
Cen u y«,
in: YLBI
XXX,
(1985). (Anm. d.
H g.))
.
26
Eine Lis e
on
Auswande e n aus Wes heim (Baye n)
im
Jah
1854
nenn
wiede hol
»Mangel an Meis e annahme« als Auswande ungsg und.
Die
Lis e en häl
meh e e
Me zge ,

40
1835-1870
den zu e leich e n. Abgesehen on den Un e s ü zungen, die iele Auswan-
de e spä e ih en Angehö igen zukommen ließen, e minde e diese
Ab-
luß die Konku enz in besonde s übe bese z en Be u en ode in
O en,
wo
de P ozen sa z de Juden seh hoch und ih e Be u s e eilung ungüns ig
wa . Wah scheinlich ug die Auswande ung en scheidend zu de allmähli-
chen Abnahme de meh ach e wähn en un e s en Schich en bei.
Die jüdische Binnenwande ung wa , in de übe wiegenden Meh hei de
Fälle, eindeu ig wi scha lich mo i ie -wenn auch häu ig de Wunsch,
den Kinde n besse e Bildungsmöglichkei en zu e schließen und, besonde s
bei äl e en Pe sonen mi E spa nissen, ein Ve langen nach den kul u ellen
und gesellscha lichen Vo eilen de S ad , mi gesp ochen haben mag. Vo
allem wande en iele Juden aus Baye n und aus Posen aus,
wo
die Zahl de
Juden on as 80000 im Jah e 1843
au
wenige
als
62000 zu Zei de
Reichsg ündung iel. Wenn auch ein e hebliche Teil de Abnahme de
übe seeischen Auswande ung zuzusch eiben is , so wa doch de An eil de
Binnenwande ung zwei ellos s ä ke . Diese ging o allem nach Be lin,
dessen jüdische Be ölke ung
on
6456
im
Jah e 1840
au
36015
im
Jah e
1871
ans ieg. Ein Teil de Abwande ung aus Posen ging anscheinend auch in
das benachba e und in iele Hinsich nahes ehende Schlesien,
dessenJu-
denhei sich on 1816 bis
1871
as e d ei ach e, wobei die Haup s ad
B eslau das s ä ks e Wachs um zu e zeichnen ha e27•
Die zwei e cha ak e is ische Eigenscha de damaligen Binnenwande-
ung
wa
de
Zug
in die S ad , abe nich no wendige weise die G oßs ad ,
wie uns besonde s die Ve häl nisse in Baye n und ande en süddeu schen
S aa en beweisen. Wie in Posen
nahm
auch in Baye n die Gesam zahl de
Die jüdische Be ölke ung olgende bay ische Gemeinden be ug:
1852 1869
1871
Nö dlingen 3
96
176
Schwein u
27
277
Nü nbe g
74
1554
1831
Augsbu g 123
491
660
Regensbu g 134 294 430
Wü zbu g 486 1065 1518
Bambe g
455
712 857
München 1252 2097 2903
Quelle: ENGELBERT (1875), a.a.O., s.
10
Mägde und Schuhmache und
je
einen Webe , Golda bei e , S ump wi ke und Hebamme
usw.;
TOURY,
Manual
Labou ,
a.a.O., S.
48
.
27
ELBOGEN
(1935), a.a.O., S.
268;
LESTSCHINSKY, a.a.O.,
s.
56 .
Indus ialisie ung:
Die
e s e
Phase
41
Juden ab, und zwa on und 56000 imJah e 1852
au
e wa 50600 zu Zei
de Reichsg ündung. Vo allem abe haben wi in Baye n und
dem
benach-
ba en Wü embe g eine seh s a ke Abwande ung aus ländlichen Klein-
und Kleins gemeinden in die S ad es zus ellen
28
:
Diese
Zug
in die S äd e zeig e sich in ähnliche Weise auch in
Wü em-
be g: inne halb eines Jah zehn s, on
1861
bis 1871, schwoll
z.B.
die
jüdi-
sche Be ölke ung S u ga s, die noch 1846
nu
234 Seelen be agen ha e,
on
847au 1821
an, wäh end sich in
Ulm
im
gleichen Jah zehn die Zahl
on
321
au 818 e höh e, in Heilb onn soga on 137au 610. Ahnlich wa
das Wachs um de jüdischen Gemeinden in C ailsheim, Canns ad und
Göppingen
29
. Säm liche de genann en S äd e (mi de möglichen Ausnah-
me on Schwein u in Baye n und Canns ad in Wü embe g, übe die
genaue Da en nich zu inden wa en) ha en schon o 1865 Eisenbahnan-
schluß30, und
es
wa die Eisenbahn, mi ih en e olu ionä en Wi kungen
au
Handel und Ve keh , die die Juden anzog -mäch ige und schnelle , als die
meis en Nich juden, de en In e essen nich so eng mi dem Handel e -
knüp wa en. Diese Bewegung hiel in den olgenden Jah zehn en an.
Schon
um
1870 wa die ö liche Ve eilung de deu schen Juden nich meh
on ih em wechselnden ech lichen S a us dik ie , wie zu Zei o de
Emanzipa ion, sonde n im wesen lichen das E gebnis selbs ändige
En -
scheidungen on Tausenden on Familien, die o allem danach s eb en,
sich den e ände en E we bsmöglichkei en anzupassen. Einige s a is ische
Da en lassen - o z ih e unleugba en Mängel -die En wicklung de
jüdischen E we bs ä igkei in P eußen wäh end de ie zige und An ang
de ün zige Jah e e kennen
31
.
c)
Die
Ve ände ungen
de
jüdischen
Be u ss uk u
Die sel same Rub izie ung -ein Zeichen de Zei -bleib auch bei de
nächs en s a is ischen E hebung, die den S and on 1852 wiede gib , as
un e ände , was die Ve gleichba kei e höh
32
. De Kü ze de e s iche-
nen Zei en sp echend, sind die Ve ände ungen meis nich g oß, abe
eilweise ech bezeichnend
33
. Um aß e de Gesindediens 1843 noch übe
28
ENGELBERT,
a.a.
O„
s.
10
.
29
Ebd„
S.
31.
30 Das sons ücks ändige Baye n ging im Eisenbahnbau manchen en wickel en S aa en
o an und bau e schon 1835 die e s e deu sche S ecke zwischen Nü nbe g und Fü h. Vgl.
F.
F.
WURM,
Wi scha
und
Gesellscha
in
Deu schland
1848-1948, Opladen 1969,
S.
70 .
31
In e was e ein ach e Fo m be echne nach
SILBERGLEIT,
Be ölke ung, a.a.
O„
S.
78 „
wo
auch die Mängel diese Da en e ö e we den.
32 Die Ve gleichba kei de Da en on 1843 und 1852 is auch dadu ch e höh , daß sich
wäh end diese Zei de Besi zs and P eußens kaum e ände e.
33 1852
wa
die F eizügigkei de Posene Juden noch "zu
jung«,
um
sich wei gehend in
Be u sände ungen auszuwi ken.
42
1835-1870
10%, so is de An eil 8 bis 9 Jah e spä e schon
au
9,
1, also und
um
ein
Zehn el, ge allen, ebenso wie de An eil de Tagelöhne on
4,2au 3
,
8%.
Daß diese beiden güns igen Ve ände ungen
zum
g oßen Teil de
Auswan-
de ung zuzusch eiben sind, un e lieg
wohl
keinem Zwei el34.
De
An eil
de sel sam bezeichne en Be u sg uppe »Mechanische Küns e
und
Hand-
we k«, in
de
olgenden Tabelle nich wenige als 19,3%, zeig bei de
E hebung
on
1852 eine Abnahme
au
18, 3 - ein Rückgang, de iel leich e
zu e klä en is als die ühe e
Höhe
: die No lage des
Handwe ks
is eine
on
allen Wi scha shis o ike n
im
wesen lichen ane kann e Ta sache35. Hinzu
kam
de Wide s and de Handwe ke in as allen Teilen Deu schlands,
jüdische Leh linge au zunehmen. Die Eins ellung de Handwe kszün e
blieb selbs
im
spä e en 19. Jah hunde ha näckig »an i-kapi alis isch,
an-
i-libe al, an i-in ellek uell
und
an isemi isch«
36
.
Die Anziehungsk a des Handwe ks ü deu sche Juden
wa
o z allen
gu en Zu edens on Behö den und Ve einen ech schwach,
und
de g oße
Die Be u s e häl nisse de selbs ändigen Mi gliede
de gesam enJudenhei P eußens Ende 1843
Be u e:
Ä z e, Leh e , wissenscha liche Beschä igung
Ren ne
und
Pensionä e
Handelsgewe be
Gas -
und
Schankwi scha
Mechanische Küns e
und
Handwe k
Land-
und
Ga enbau
In ande en Gewe ben
Ge inge
Kommunal-
und
Gemeindediens
Tagelohna bei
Gesindediens
Von
bes imm en A menun e s ü zungen Lebende
Ohne
bes imm en
E we b,
sowie Be elei
Quelle:
SILBERGLEIT
, a.a.O .,
s.
78
.
%
2,7
2,7
43,1
4,7
19,3
1,0
2,2
1,3
4,2
10,1
3,8
4,9
100,0
34 Tagelöhne
und
Diens bo en wa en in
de
Regel
jung
und
o ensich lich auch a bei swil-
lig, so daß sie keine Schwie igkei en ha en, nach
Ame ik
a zu
kommen
. No alls e ding en sie
sich als »inden u ed labou «,
mi
de
Ve p lich ung, die o geschossenen Übe ah skos en bei
ih em
kün igen A bei gebe abzua bei en. Be le n
und
Be u slosen
wa
diese Möglichkei
wenige o en.
35
Nach
Wu m
wa en die
Jah e
1850-1870 »die
düs
e s en in
de
langen Geschich e des
deu schen
Handwe ks
«
(a.a.O
., S.
41
.); gl. auch:
SOMBART,
Volkswi schaji
, a.a.O .,
S.
279
.;
V.
WALTERSHAUSEN
, a.
a.O
., s. 138 .;
ENGELBERG,
a.
a.O.,
S.
46
.
36
HAMEROW,
a.a.O ., s.
11
.
Indus ialisie ung:
Die
e s e
Phase
43
An eil des Handwe ks in de Tabelle on 1843 dü e in den besonde en
Ve häl nissen de P o inz Posen liegen. Do ha e die Flo wellsche V e -
o dnung on 1833 ü die Juden einen höchs wi ksamen An ieb zu Ab-
keh
om
Hausie handel und zu Hinwendung
zu
einem »nich im
Umhe -
ziehen« ausgeüb en
Be u
gescha en. Da in Posen das Handwe k un e den
Juden s a k eingebü ge wa , bo die Au nahme eines solchen Be u es die
leich es e Möglichkei zu E langung des S aa sbü ge ech es und de e -
sehn en F eizügigkei . Dann abe b ach en die E eignisse on 1848 allen
Posene Juden die Gleichs ellung mi den üb igen Juden de Mona chie -
und jene An ieb e lo so o seine Wi ksamkei .
De
Zuzug zum Hand-
we k hö e au , zumal die E we bsmöglichkei en im Handel e lockende
e schienen
37
.
Nich s is bezeichnende ü die damalige wi scha liche und soziale
En wicklung de Juden,
als
daß de Handel, de schon 1843 43, 1 % alle
Be u s ä igen um aß e, 1852 einen noch höhe en P ozen sa z, nämlich
45,4
au wies, wobei in beiden Fällen die »Gas - und Schenkwi e«,
im
Gegensa z
zu eine sons häu igen P axis, nich mi einge echne sind
38
. Abe diese
En wicklung e schein im ganzen ollkommen na ü lich: in eine Zei , die
dem Geld- und Wa enhandel imme g öße e Möglichkei en e ö ne e, be-
weg en sich die Juden da in wie Fische im Wasse .
Zu
Guns de ma e iellen
Bedingungen kam hinzu, daß de »Zei geis « mi den Wünschen und In e -
essen de Juden in sel ene Ha monie s and. Das Jah 1860 gil
als
de
Höhepunk des eu opäischen Libe alismus. Bezeichnende weise wa in die-
se Zei auch de An isemi ismus in Deu schland in einem Zus and de Ebbe
-de en Kü ze wohl niemand o aussah.
Die Anziehungsk a des Geld- und Wa enhandels wu de
injenenJah -
zehn en noch besonde s dadu ch e höh , daß e o zügliche Aussich en
au
Selbs ändigkei
bo
. Wäh end die Indus ie damals schon g oße und apid
wachsende Hee e on A bei e n und Anges ell en beschä ig e, besonde s
im Ruh gebie , wa en im Handel einschließlich des Bankwesens die Be ie-
be in de Regel noch klein. 1843 wa en on den 43, 1 % alle jüdischen
Be u s ä igen, die im Handel beschä ig wa en, nich wenige
als
35%
Selbs ändige und nu 8, 1 % Gehil en, und 1852 wa en soga
36,3%
Selbs än-
dige39.
37
Diese heu is ische Hypo hese bleib noch du ch empi ische Fo schung nähe
zu
belegen.
3s Die p eußische S a is ik übe die Be u sgliede ung de Juden
1861
zähl 58,3% un e
»Handel und K edi «, einschließlich de Gas - und Schankwi e. Alle dings ha e sich inzwi-
schen de Besi zs and e heblich geände , so daß die Ve gleichba kei beein äch ig is .
39
SILBERGLEIT
, Be ölke ung, a.a.O., s. 38 .
50 1835-1870
gescha en.
Als
Schöp e des Un e nehmens gil Mo i z on Habe , de
zusammen mi seinem B ude Ludwig auch zu den G ünde n de
Ös e -
eichischen C edi ans al gehö e
60
• Die Familie wa Ende des
18
. Jah hun-
de s on B eslau nach Ka ls uhe gekommen,
wo
Samuel Habe
es
zum
badischen Ho bankie geb ach ha e und geadel wo den wa . Von e wa
1820 an gehö e die Fi ma
S.
Habe
zu
den üh enden Bankie s Eu opas. Alle
d ei Söhne wa en Finanzie s. De äl es e, Samuel, wa nach Ca l Fü s en-
be gs gewiß sachkundige Schä zung Besi ze eines de g öß en eu opäi-
schen Ve mögen, das
an
hunde Millionen F anken be agen haben soll.
Daneben gehö e zu den Teilhabe n de Da ms äd e Bank, auße meh e en
ch is lichen Kau leu en und Bankie s, auch Ab aham F eihe on
Oppen-
heim, welche
im
gleichen Jah e
(1853)
zusammen mi Gus a Me issen
auch die » Conco dia Cölnische Ve siche ungsgesellscha « g ünde e
61
. Von
den üb igen G ündungen jene Jah e seien nu zwei e wähn : 1856 wu de die
Allgemeine K edi ans al in Leipzig ins Leben ge u en, o allem abe die
Be line Handelsgesellscha , die spä e eine g oße Rolle spiel e.
Un e
ih en
G ünde n inden wi »einen Teil jene Kölne Häuse , welche die Da ms äd-
e Bank ins Leben ge u en ha en. Daneben s ehen diesmal die bedeu end-
s en Be line Bankgeschä e, so Mendelssohn & Co., S. Bleich öde , Robe
Wa schaue &
Co.,
Geh . Schickle «62•
Die Guns de geschich lichen S unde, welche die plö zlich e o de liche
E wei e ung des deu schen K edi sys ems den Juden bo , wu de in e s aun-
lichem Maß ausgenu z , und zwa nich on ein paa einzelnen, sonde n on
Du zenden hochbegab e Füh e , Hunde en on üch igen mi le en K ä -
en und Scha en on Hel e n und Mi läu e n. Neben den uns bekann en
Zi e n übe Di idendenausschü ungen, Emissionsgewinne, Di ek o en-
gehäl e und Au sich s a s an iemen, kann wohl kaum ein Zwei el bes e-
hen, daß die F üch e jene Jah zehn e nich nu eine kleinen G uppe zugu e
kamen. Wäh end g oße,
ja
ü die damalige Zei iesige Ve mögen sich in
den Händen de üh enden Finanzie s ansammel en, p o i ie en in ge inge-
em Maße e häl nismäßig b ei e K eise63• An de on allen Wi scha shi-
s o ike n be on en S eige ung de deu schen Einkommens- und Ve mö-
gens e häl nisse injene Zei nahmen die Juden einen meh
als
du chschni -
lichen An eil, und besonde s diejenigen, die im inanziellen Sek o ä ig
wa en.
F agen wi nun, ob ih E olg in de deu schen K edi wi scha den
Juden, übe den unmi elba en inanziellen Gewinn hinaus, Ein luß
au
60
C.
FÜRSTENBERG,
a.a.O.,
S.
163.
61
WURM,
a.a.O„
S. 66.
62 SOMBART,juden, a.a.
O.,
s.
129.
63
Aus üh liche
übe
Di idenden, Gehäl e
usw
.
beim
Schaa hausenschen Bank e ein,
ZUNKEL,a
.a.O ., s. 50.

Indus ialisie ung:
Die
e s e
Phase
51
lange Sich , ielleich soga Mach e liehen habe, so gil
es
zu un e schei-
den. Von den oben he o gehobenen Leis ungen wa die Ve mi lung aus-
ländischen Kapi als ü die deu sche Wi scha im wesen lichen die ge-
schick e und auch im Allgemeinin e esse liegende Ausnü zung eine ku z i-
s igen Konjunk u , die ohne lang is ige Folgen bleiben muß e64 • In ähnli-
che Weise e lo de s a ke jüdische An eil an de Emission on S aa sanlei-
hen und dem en sp echenden Handel meh und meh an Bedeu ung,
als
die
deu schen S aa en inanziell und poli isch e s a k en. Selbs
au
dem d i en
de e wähn en Gebie e, de G ündung on Eisenbahngesellscha en und de
P lege de en sp echenden Geschä e, wu de das Tä igkei s eld de Banken
und sons igen p i a en Finanzie s in Deu schland meh und meh einge-
sch änk . An angs ha en nu einige kleine e S aa en wie Oldenbu g, Baden
und Wü embe g sich ü die S aa sbahn en schieden; abe 1865 en schloß
sich Bisma ck -mi de Hil e Bleich öde s und de inanziellen Rückendek-
kung des Hauses Ro hschild! -dem p eußischen S aa einen An eil an de
Köln-Mindene Eisenbahngesellscha zu e scha en, und dami begann
de Umschwung, de spä e , on den siebzige Jah en an, zu Ve s aa li-
chung de Eisenbahnen üh e65 .
Au
keinem diese Gebie e also b ach e die
A bei jüdische Finanzie s, so e olg eich sie auch sein moch e, ihnen
daue nden wi scha lichen Ein luß, geschweige denn Mach . Ande s abe
die s a ke Be eiligung an de G ündung und Lei ung de P i a - und o
allem de Ak ienbanken: de eigena ige ju is ische und wi scha liche
Cha-
ak e deu sche Banken e hob den Pos en eines Banklei e s zu eine
wi -
scha lich s a egischen Schlüssels ellung, die
es
dem Bankie e möglich e,
die Pe sonal- und Geschä spoli ik iele Fi men zu beein lussen66• Gewiß
wa dies nich imme , und auch nich ü imme , de Fall. Manche Fi men,
besonde s in de Schwe indus ie, wa en ims ande, ih e inanzielle
Unab-
hängigkei
zu
wah en, und spä e ging die Abhängigkei indus ielle Fi -
men on den Banken seh zu ück. Abe das geschah e s nach ielen
Jah -
zehn en. Bis dahin wa die Posi ion eines Lei e s eine de üh enden Banken
übe aus ein luß eich und so daue ha , daß häu ig de Sohn dem Va e , de
Ne e dem Onkel, ein Salomonsohn
au
zwei Salomonsohns olgen
konn e67 .
64 Nach dem E s en Wel k ieg wu den ü ku ze Zei die in e na ionalen Beziehungen
jüdische Bankie s, wie z. B. Wa bu g, wiede wich ig. Abe dazwischen ha e sich die Wel
(und die wi scha liche Lage de Juden) gewal ig geände .
65
GRUNWALD,
Railways, a.a.O .,
S.
178;
S.
V.
WALTERSHAUSEN,
a.a.
O.,
s.
281
.
66 De Ein luß ging im allgemeinen übe die Au sich s ä e, wobei die on den Banken
e wal e en Depo ak ien ih Gewich bei en scheidenden Abs immungen e höh e.
67 Adolph Salomonsohn wa de Geschä sinhabe de Discon ogesellscha . Ein
Nachkom-
me, Geo g Solmssen, soll sich üb igens zu Tau e und Namenswechsel un e dem Eind uck des
gesellscha lichen An isemi ismus, dem e
au
seine S udien eise in Ame ika begegne e,
en schlossen haben.
52
1835-1870
Abgesehen on dem g oßen Reich um, den diese Männe e wa ben und
auch meh ode wenige zu Schau ugen, besaßen sie auch eind ucks olle
Zeichen sozialen P es iges. Auße klingenden Ti eln wie Komme zien a
und gelegen lichen O den, wa en E hebungen in den Adelss and, bei unge-
au en Juden zwa sel en, bei ge au en
um
so häu ige . Nich wenige diese
Finanzie s a en
als
G ünde gemeinnü zige S i ungen ode Fö de e
wohl ä ige Zwecke he o . Nich nu Ba on Hi sch ode die Ro hschilds,
auch Ab aham Oppenheim gehö e zu den g öß en Wohl ä e n seine Va-
e s ad Köln68. De Au s ieg diese wei hin sich ba en, angesehenen und
zahlenmäßig nich meh ga so ge ingen Spi zeng uppe ha e jedoch ü die
Juden auch e hängnis olle Folgen. Noch
o
den siebzige Jah en e eg en
die »jüdischen Empo kömmlinge«
als
Rep äsen an en jüdischen Wi -
scha se olges den Neid und Wide s and mi els ändige Schich en, die
du ch den
T iumph
des F eihandels und de Gewe be eihei e bi e
wa en. Solange in den sechzige Jah en de den Juden so güns ige Wind des
Libe alismus weh e, nahm man diese F ik ionse scheinungen nich allzu
e ns 69. Abe be ei s die K ise on 1857 deck e Mißs ände au , die spä e ,
nach 1873, die deu sche Wi scha e schü e en. De E ek enkapi alismus
kam in Deu schland zu eine Zei au , in de die Gese zgebung noch wenig
en wickel wa , wäh end das Publikum dem neuen Phänomen zwa noch
nai und ohne jede Sachkenn nis, abe nich ohne Gewinnsuch gegen-
übe s and. Diese Kombina ion de Ums ände schu ge adezu ideale
Mög-
lichkei en nich nu ü ech e Un e nehme , die bes imm e, wi scha lich
sinn olle Pläne e wi klichen woll en, sonde n ü P ojek e- und Geschä -
emache alle A , bis zu den Schiebe n und Schwindle n70. Solange die
Hochkonjunk u anhiel , blieben ih e Manö e meis e bo gen; abe
»de nach olgende Wi scha sk ach en hüll e eine Meh zahl unsolide und häu ig auch
be üge ische G ündungen, an denen sich selbs angesehene Bankie s und Fab ikbesi ze
be eilig ha en.
Ankau
on Fab iken und Kohlen elde n, die einem ode meh e en G ünde n
gehö en, zu wei übe höh en P eisen du ch die Gesellscha en, Fes legung eines den We des
geplan en Be iebes wei übe s eigenden Ak ienkapi als,
um
hohe G ünde gewinne zu e zie-
len, Hoch eiben de Bö senku se zu E langung eines hohen Agio .
..
Begüns igung de
G ünde in den Gesellscha ss a u en, Fes legung übe iebene Tan iemen
und
Di ek o enge-
häl e ,
...
ja
selbs Fälschungen de Bilanzen . . . gehö en zu den on einzelnen gewissenlo-
sen G ünde n angewand en P ak iken«
71.
68 Oppenheim schenk e seine Va e s ad ein Kinde k ankenhaus. Als 1863 de ame ikani-
sche Bü ge k ieg un e den eu opäischen Baumwolla bei e n zu A bei slosigkei
und
Massene-
lend üh e, schenk e e dem anzösischen Innenminis e 10000 F ancs
zu
ih e Un e s ü zung.
Die Geb üde Oppenheim wa en auch ak i e Kämp e ü die Judenemanzipa ion
im
Rhein-
land.
69 Vgl.
ROSENBERG,
a.a.0„
HAMEROW,
a.a.0„
S.
91
.
70
Zum
Folgenden
s.
haup sächlich
ZUNKEL,
a.a.O„
pass.
71
Ebd„
S.
46.
Indus ialisie ung
: Die
e s e
Phase
53
Wenn auch e b eche ische Me hoden nu on gewissenloses en Elemen-
en geb auch wu den, so s ell e sich he aus, daß höchs zwei elha e, mo a-
lisch e we liche P ak iken selbs hochangesehenen Wi scha s üh e n,
wie Gus a Me issen und Ab aham Oppenheim un e lau en wa en. Diese
Mißs ände hä en nie einen solchen Um ang annehmen können, wenn eine
unabhängige ode wachsame P esse das In e esse des Publikums wah ge-
nommen
hä e. Abe die Zei ungen wa en zum g oßen Teil ko up -und
zwa sowohl die Tageszei ungen, die on den ie zige Jah en an um ang-
eiche Wi scha s eile b ach en, wie die besonde en Wi scha sblä e , die
eben e s in E scheinung a en. 1854 wu de die »Be line Bö senzei ung«
geg ünde und in F ank u »De Ak ionä «, 1858 »De Kompaß«, 1867
»De Be line Bö sencou ie «. Wäh end im allgemeinen wohl die üblichen
Mi el de P esseko up ion benu z wu den -auße di ek e Bes echung
besonde s die Gewäh ung ode En ziehung luk a i e Inse a enau äge
je
nach dem Ve hal en des Bla es, und sei ens de übels en Blä e e p esse i-
sche D ohungen mi »En hüllungen«
-wa en
einige Fälle ganz o iginell:
im
heinisch-wes älischen Indus iegebie wu den »einige diese Blä e on
den Un e nehme n selbs beg ünde und edigie « -ein ein aches Ve ah-
en, das jede Bes echung übe lüssig mach e72.
Zum
g oßen Teil leis e e die
P esse den G ünde n und Spekulan en nu Zu eibe diens e, die
um
so
ge äh liche wa en,
als
die inanziell besse ges ell en K eise in eine
Mi-
schung on Leich sinn, Gewinnsuch und Unkenn nis nu allzuo geneig
wa en, sich du ch Be eiligung an den angep iesenen Un e nehmungen zu
be eiche n. »Weh -,
Näh -
und Leh s and, sie spekulie en alle, wenn sie
lüssiges Geld haben«, hieß
es
in eine Zei ung. Auch wa die Spekula ion
nich meh
au
die G oßs äd e besch änk : de schon in den d eißige Jah en
e undene Teleg a e möglich e
es
in de Hochkonjunk u de ün zige
Jah e dem Wol schen Teleg aphenbü o, die Bö senku se
im
ganzen Lande
zu e b ei en
73•
Als
im
Somme
1857
die K ise, on Ame ika und England kommend, in
Deu schland einschlug, wa besonde s in Hambu g die Panik ungeheue ,
und meh e e Mona e lang konn e das Unheil
um
sich g ei en, G oßindus ie
und Handel, Banken und Bö sen schwe schädigend. Abe die G und en-
denz de Wel wi scha wa noch imme en schieden güns ig, so daß
es
wede in Deu schland noch ande wä s
zu
eine langen Dep ession kam.
Wa dies de G und, weshalb die K ise in Deu schland zu keine poli ischen
E schü e ung, zu keinen wesen lichen Re o men und auch zu keine me k-
ba en Ve schä ung des An isemi ismus üh e? Höchs wah scheinlich wa
72
Ebd., S.
47
.; zu damaligen P esseko up ion gl.
WURM
, a.a.
O.
, S.
82
. Emile Zolas
»L' A gen « schilde die anzösischen Zus ände de gleichen Zei einschließlich de jüdischen
.Be eiligung an Bö senschwindel und P esseko up ion in Pa is.
73
S. V. WALTERSHAUSEN, a.a.
O.,
s. 187 .
54
1835-1870
dies wenigs ens de Haup g und, neben dem
es
wohl noch mi gesp ochen
haben mag, daß in de K ise on 1857 im allgemeinen nu die wohlhabenden
K eise ih Geld e lo en. Das Kleinbü ge um »schein e s in den siebzige
Jah en
...
in den Bann on Indus ie und Bö se gezogen
zu
sein«
74
.
So
gingen in den sechzige Jah en Wi scha und Mißwi scha in einem
uhige en Tempo, abe
im
G unde un e ände wei e , bis nach de Reichs-
g ündung und dem »Millia densegen« sich die iebe ha en E scheinungen
de e s en G ünde jah e s a k e g öße wiede hol en und in dem iesigen
K ach on 1873 ende en.
Dem
jüdischen His o ike muß
es
ges a e sein, den Gang de E zählung
hie zu un e b echen und eine ku ze Be ach ung einzuschal en. De Du ch-
b uch de deu schen Wi scha zum Kapi alismus wa , wie wi sahen, nich
ohne seine »pa ie
hon euse<c
-e wa zu einem e heblichen Teil mi Mi eln
e ziel und mi E scheinungen e bunden, die
als
mo alisch e we lich
gel en.
Nun
is dies bei g oßen his o ischen Vo gängen iel ehe die Regel
als
die Ausnahme. Man e inne sich an Goe hes Wo : »De Handelnde is
imme
gewissenlos;
es
ha niemand Gewissen
als
de Be ach ende.«
Und
G.
F. W. Hegel ha diesem P oblem einige de schöns en Sei en seine »Philo-
sophie de Geschich e« gewidme ,
um
den Handelnden gegen schulmeis e -
liche Rügen und Mo alp edig en in Schu z zu nehmen. Abe in dem hie
o liegenden Falle e häl das P oblem eine ganz besonde e No e, weil Juden
so s a k an de Füh ung de deu schen Wi scha und besonde s an de
Ausbildung und Ve b ei ung des E ek enkapi alismus be eilig wa en. Daß
die Lei e de deu schen Banken damals wenigs ens de Abs ammung nach
o Juden wa en, is wohl du ch die obige Schilde ung zu Genüge bewiesen
wo den; dasselbe gil abe , und wah scheinlich
in
noch s ä ke em Maße,
on de P esse, on de en Mi e an wo ung schon die Rede wa 75•
So
e hiel en in den Augen iele Gu gläubige die Übel des E ek enkapi alis-
mus meh ode wenige jüdische Züge und die Demagogen ha en
es
spä e
um
so leich e , »die Juden« ü alle Schäden und Leiden e an wo lich zu
machen, welche die Dynamik de kapi alis ischen Wi scha ü gewisse
Gesellscha sschich en mi sich b ach e.
74
Zunkel, a.a.O.,
S.
46
.
75
Un e den Bedingungen de un ollkommenen Emanzipa ion, die den Juden den Ein i
in S aa sdiens und akademische Lau bahn e schwe en, wa de e häl nismäßig leich e e Weg
zumJou nalismus ü iele gebilde e und auch ausgebilde e Juden a ak i .
In
de Wi scha s-
p esse wa en sie besonde s s a k e e en und mögen ih en Teil zum G ündungsk ach de
1870e Jah e beige agen haben. Daß gleichzei ig auch Juden wie Edua d Laske
zu
den
schä s en K i ike n de Schwindelwi scha gehö en, wu de dabei on den an isemi ischen
Demagogen ge lissen lich übe sehen. Vgl.
R.
H.
Low1E,
The
Ge man
Peop/e,
A Social Po ai ,
New
Yo k
198a2,
S.
95
.
Indus ialisie ung
: Die
e s e
Phase
55
e)
jüdische
indus ielle
Un e nehme
Wi haben dem jüdischen An eil an de En wicklung des deu schen Bank-
wesens in den Jah zehn en o de Reichsg ündung e häl nismäßig iel
Raum gewidme , weil
es
sich hie
um
Vo gänge on einziga ige wi -
scha shis o ische T agwei e handel , ohne de en Kenn nis wede die spä e-
e jüdische Wi scha sgeschich e noch die Juden age in Deu schland ech
e s anden we den kann. Wenden wi uns nun de Indus ie zu. Die g oßen
jüdischen Leis ungse olge, o allem in de Elek izi ä swi scha und
Chemie, gehö en g öß en eils in die Zei des Kaise eiches und we den
deshalb spä e da ges ell . Mi de Tex ilp oduk ion wa en die Juden dage-
gen schon sei dem
18.
Jah hunde e bunden76• Im
19.
Jah hunde un e -
lagen sowohl die P oduk ions echnik wie die Absa z e häl nisse einschnei-
denden Ande ungen du ch die o sch ei ende Mechanisie ung de Be iebe
und die wiede hol en zollpoli ischen Wandlungen77. So ge ie z.B. die
Be line Tex ilindus ie, die e häl nismäßig ücks ändig gewesen wa ,
nach 1833 in a ge Bed ängnis,
als
du ch den Zoll e ein das indus iell
o gesch i ene Sachsen mi ih konku ie en konn e.
Am
schlimms en
wu den die in Be lin ansässigen Seiden- und Luxusmanu ak u en be o en,
als
de Schu zzoll gegen F ank eich weg iel. Wäh end die Seiden- und
Wollmanu ak u en seh zu ückgingen, kamen die Baumwollmanu ak u en
am bes en du ch die K isenzei .
Un e
den e olg eichen Tex il ab ikan en
jene Zei inden wi , neben eine Anzahl anzösische »Re ugies«, den
Baumwoll ab ikan en Moses Hi sch (spä e Hellbo n genann , abe unge-
au ).
E
besaß eine Ka un ab ik und ieb Handel mi Polen. In den
ie zige Jah en wa en in Be lin Ruben Goldschmid und seine beiden Söhne
bedeu ende Indus ielle; auch die Fab ik on Dannenbe ge , üh end in
He s ellung und Expo on Ka unen, wa sei 1838 in jüdischen Händen.
Die on
Jose
und Joachim Liebe mann beg ünde e Händle i ma ging
spä e zu Fab ika ion und soga zum Maschinenbau übe 78•
Die g oße En wicklung de Be line Kon ek ion, mi den Namen on
Ge son und Mannheime e bunden, äll wei gehend in diese Zei . Die
Fi ma on He mann Ge son,
1842
geg ünde , beschä ig e zehn Jah e spä e
schon 5 Handwe ksmeis e , 3 Di ek icen, 120-140 A bei e innen in de
We ks a , 150 Meis e mi
je
10
Gesellen auße dem Hause, und 100
76 Au schluß eiches Ma e ial b ing :
R.
MAHLER,
A His o y
o Mode nj
ew y 178{}-1815,
New
Yo k 1971,
S.
138 .; auch
RACHEL,
WALLICH
e c„
a.
a.O„
Bd. 3,
S.
173 .
77 W. G.
HOFFMANN
, Take-o , a.a.O „ b ing Da en übe die
Zunahme
de mechanischen
Webs ühle in P eußen 184&-1875.
78 VonJose Liebe mann -dem G oß a e Max Liebe manns, wie auch Wal he
Ra henaus-
wi d e zähl , e habe, bei Ho e
om
König be ag , welche on den ielen Liebe manns e
eigen lich sei, s olz und schlag e ig gean wo e , e sei de jenige, de die Englände
om
Kon inen e ieben habe . . . nämlich mi seinen Baumwollwa en.

56
1835-1870
Kommis, Au sehe usw. im Ve kau slokaF9. Von Be lin e b ei e e sich die
Kon ek ion langsam
au
das Land. Wie neua ig und allen al he geb ach en
Vo s ellungen wide sp echend diese Wi scha szweig wa , mag man da -
aus e sehen, daß in München die E laubnis zum Ve kau e ige Kleide e s
1847 e eil wu de. Abe wäh end beme kenswe e weise eine so umwäl-
zende Neue ung wie die En s ehung und Ve b ei ung de Kon ek ion ohne
jede o he ige Ände ung de P oduk ions echnik begann, ließen echnische
Neue ungen nich lange
au
sich wa en. 1855/56 wu de die in Ame ika
e undene Nähmaschine zum e s enmal in Deu schland in den Fab iken on
Bee mann und Gu mann he ges ell
80
. 1869 e such e sich auch Ludwig
Löwe, u sp ünglich Tex il- und Maschinenkau mann, nach ausgedehn en
Reisen in Eu opa und Ame ika in de Nähmaschinenp oduk ion. Den ei-
gen lichen E olg and e alle dings in und nach dem K iege on 1870/71
als
Wa enp oduzen und dann auch
au
dem Gebie de Elek o echnik81.
Obwohl
die Kon ek ion und ih »ausbeu e ische « Cha ak e in de an i-
semi ischen Agi a ion und auch on ande e Sei e k i isie wu de, s eh ih e
wi scha liche Bedeu ung auße F age. Fü die deu schen Juden bilde e sie,
o allem in Be lin, die wi scha liche G undlage ü Tausende und Abe -
ausende übe wiegend mi els ändische Exis enzen. Die g oßen En wick-
lungsmöglichkei en de Kon ek ion wa en eine de s ä ks en Magne en,
de
imme
wiede
junge
Juden aus Posen, zum Teil auch Schlesien, nach
Be lin zog. Diese Riesenindus ie en wickel e sich in Be lin nich nu , weil
die S ad
imme
meh zum Mi elpunk eines ausgedehn en Eisenbahn- und
Wasse s aßenne zes wu de und die schnell wachsende Be ölke ung sowohl
als
Absa zma k wie
als
Rese oi ü A bei sk ä e dien e, sonde n weil
Modeindus ien sich as übe all in den g öß en S äd en
-wie
Pa is, London
und
New
Yo k -anse z en,
wo
sie ih e schöp e ische Inspi a ion aus de
engen Fühlung mi den Launen, S immungen und Bedü nissen de Be öl-
ke ung emp angen
82
. Daneben gehö en Juden auch zu den Beg ünde n de
schlesischen Leinen- und Wäscheindus ie, wie
S.
F änkel in Neus ad , F.
V.
G ün eld,
1.
Rinkel und Albe Hambu ge
in
Landshu 83• Auch in de
Teppich-,
Tuch-
und Hu ab ika ion sowie in de Ga dinenwebe ei wa en
zahl eiche Juden ä ig.
Neben dem g oßen Gebie de Tex il- und Bekleidungsindus ie wa in
den Jah zehn en o 1870 auch die Me allp oduk ion und - e a bei ung ein
79
SoMBART,
Volkswi scha ,
a.a.O
.,
S.
291
.
80
RACHEL,
WALLICH
e c.,
a.a.O.,
Bd.
3, s. 188 .
81
ZIELENZIGER,
a.a.O ., S. 99 .
82
Sachkundig
da ges ell in A.
MARCUS,
Wi scha liche
K ise,
a.a.
O.,
S.
124
.
83
ZIELENZIGER,
a.
a.O.,
s.
23 .;
ERNST
LANDSBERG,
»Die
Juden
in
de
Tex ilindus ie«,
in:
De
Mo gen,
3.
Jg.
(1927), S. 99-113, zeig , daß die meis en diese
Fi men
noch
nach
de
In la ion
wei e bes anden
. (Vgl. auch die
Einlei ung
on
S.
jERSCH-WENZEL
zu F. V.
GRÜNFELD,
Das
Leinenhaus
G ün eld.
E inne ungen
und
Dokumen e,
Be lin 1967
(Anm
. d.
H g
.).]
Indus ialisie ung
: Die
e s e
Phase
57
Be ä igungs eld jüdische lndus ielle 84 • Die An änge gehen wei zu ück,
besonde s das We k eine Familie: Aa on Hi sch (1783-1842) g ünde e
schon
1805
seine Fi ma in Halbe s ad , die sich zue s nu dem Ve kau de
P oduk e de nahe gelegenen Hü en im Ha z, o allem Kup e , daneben
abe auch e was Blei und Silbe , widme e.
(In
jenen Tagen wa Deu schland
eine de g öß en Kup e p oduzen en de Wel .) Abe ziemlich bald -im
Jah e
1820-
ging Hi sch auch zu E zeugung übe und wu de ein Mi be-
g ünde de Kup e we ke bei We ne und Ilsenbu g. Die Lage diese We ke,
wie die des Ha zes, e wies sich spä e ,
als
die Indus ialisie ung Deu sch-
lands einse z e,
als
besonde s güns ig, weil on hie aus die neuen Maschi-
nen ab iken in Magdebu g, Leipzig und Halle leich mi Ma e ial e so g
we den konn en. Nach Aa on Hi schs Tode übe nahmen seine Söhne das
Geschä und dehn en die indus ielle wie die kau männische Tä igkei s a k
aus. 1863 e wa ben sie die Messingwe ke am Finow-Kanal in de Nähe on
Ebe swalde. Die wei e e Geschich e de Fi ma, die bis 1932 bes and, und
sich besonde s in den le z en Jah zehn en o 1914 zu einem wel umspan-
nenden Indus ie- und Handelskonze n en wickel e85, gehö noch nich
hie he .
Eine e was jünge e, abe soga noch e olg eiche e Fi ma, die lange Zei
dem Me allhandel oblag und gegen Ende de 1880e Jah e zu P oduk ion
übe ging, ging
au
Philipp Ab aham Cohen in Hanno e zu ück. Philipp
Ab aham Cohen e leg e
1821
sein Geschä nach F ank u . Ähnlich wie
Aa on Hi sch begann Cohen dami , Ha ze Blei zu e kau en. Meh e e
Gene a ionen nach ihm ha e die Fi ma die süddeu sche Ve e ung de
Ha ze Hü en. Die Fi ma en wickel e sich
glänzend-
so daß sie gegen Ende
de 70e Jah e den e s en Pla z
im
deu schen Me allhandel einnahm
86
.
Es gab in de Zei o de Reichsg ündung noch meh Indus ien, in
denen Juden schöp e isch ä ig wa en, wie z.B. de Danzige Jude Mo i z
Becke , de
als
e s e den egelmäßigen be gmännischen Abbau on Be n-
s ein o ganisie e und auch eine Fab ik zu Gewinnung des Be ns einkolo-
phoniums e ich e e. Gegen Ende de 1880e Jah e besaß Becke das g öß e
indus ielle Un e nehmen in Os p eußen87. Abe bei de Fülle de E schei-
nungen muß
au
Volls ändigkei e zich e we den. So wenden wi uns je z
den En wicklungen
au
dem Gebie des Wa enhandels zu, de ebenso iele
Juden beschä ig e wie alle ande en Be u sa en zusammengenommen.
84
Zum
olgenden haup sächlich das Kapi el
übe
A on
Hi sch in
ZIELENZIGER,
a.
a.O.,
S.
199--205; s. auch S.
M.
AUERBACH,
»Jews in he
Ge man
Me al T ade«, in: YLBI, X (1965), S.
18~203.
85 Vgl.
H.
B.
AUERBACH,
»Die Halbe s äd e Gemeinde 1844 bis
zu
ih em
Ende«, in: BLBI,
Jg.
10,
N
.
38/9-40,
1967, S. 124-158, 309-335.
86
AUERBACH,
Me a/
T ade,
a.a.O., S.
191
.
8?
ZIELENZIGER,
a.a.O ., s.
148
.
58 1835-1870
j)
De
mi els ändische
Wa enhandel
Im allgemeinen wa en jene Jah zehn e, wie wi sahen, eine glückliche Zei
ü Kau leu e. De Wa enhandel nahm einen gewal igen Au schwung, weil
sowohl die Wa enmenge wie die Wa ena en sich noch iel schnelle e -
meh en
als
die asch wachsende Be ölke ung. Vielleich noch bedeu same
als
die Fülle de E indungen und die Fo sch i e des Ve keh swesens wa en
ü den Handel das Wachs um de S äd e und de Rückgang de Eigenp o-
duk ion
au
dem Lande. Wie sich
all
dies
au
dem Gebie des Tex ilhandels
auswi k e, da ü gib die Geschich e des Kau hauses N. Is ael ein gu es
Beispiel. B au auss a ungen wu den nun meis e ig im Laden gekau und
iel ach on de Hausindus ie im Ve lagssys em he ges ell .
e ne
began-
nen, bei wachsendem Wohls and, Männe und F auen wollene Män el zu
agen. Kein Wunde also, daß sich nich nu die Fi ma N. Is ael o e lich
en wickel e und meh Anges ell e b auch e
88
, sonde n daß de Tex ilhandel
zu G undlage de Exis enz und nich sel en des Wohls andes eine wachsen-
den Zahl on Juden wu de.
Abe nich übe all und in allen B anchen wa en die Ums ände so übe wie-
gend güns ig wie ü den Be line Tex ilhandel. Die e hebliche Zahl on
Juden, die besonde s in Süd- und Wes deu schland meh ode wenige
om
Ge eidehandel leb e, sah im Lau e de Jah zehn e ih e Anpassungs ähigkei
au
ha e P oben ges ell 89. Deu schland, lange ein ausgesp ochenes Ge ei-
deaus uh land, ge ie in einen Übe gangszus and, in dem das Rheinland
wegen wachsenden Eigenbeda s kein Ge eide meh auszu üh en ha e,
sonde n
es
bald ein üh en muß e. Dagegen hiel die Aus uh aus Os elbien
an, und Danzig,
wo
sei Jah hunde en die Übe schüsse des ganzen Weich-
selbeckens zusammens öm en, blieb de wich igs e Ge eidema k Eu o-
pas -wenn nich de damaligen Wel . Das Ende de heinischen Ge eide-
aus uh e anlaß e die do igen jüdischen »F uch makle « dazu, sich
au
die
Ve so gung de G oßmühlen und B aue eien sowie de Mannheime Kon-
sumen en umzus ellen. E was spä e konzen ie e sich de Handel imme
meh in Mannheim, ganz
au
Ge eide spezialisie . Ans elle de »Landjuden
und F uch makle « en s anden in Mannheim Landp oduk engeschä e, die
au
Kommission Ge eide aus Os elbien, Rußland ode auch Ame ika und
Kanada lie e en. Die Inhabe diese Fi men »wa en nich ausschließlich,
abe meis ens Juden«90, eine Ansich , mi de das Au blühen de jüdischen
Gemeinde Mannheim, de en Mi gliedszahl on 940
imJah e
1801
au 3135
88 REISSNER, N .
Is ael,
a.a.
O.,
S.
236 .
89
G.
FRANZ, »Die En s ehung des Landwa enhandels«, in:
T adi ion
, Zei sch i. a
Un e neh-
mensgeschich e
, Jg.
V,
1960, S . 65-82; auch
CLAPHAM
, a.a.O ., S . 113 .; SOMBART, Volkswi -
scha ,
a.a.O., S.
203
., 213 .
90 FRANZ, ebd.
Indus ialisie ung
: Die
e s e
Phase
59
im
Jah e 1871 und 4259 im Jah e 1885 ans ieg, gu übe eins imm
91
.
Um
1860 wu de Mannheim de bedeu ends e deu sche Ge eidema k . Daß die
Inhabe und lei enden Anges ell en de Mannheime Ge eideimpo i men
wi scha lich und sozial besse s anden
als
die ühe en F uch makle , be-
da keines Beweises.
Was geschah jedoch mi den ielen Landjuden, denen de Au s ieg in
diese Schich nich gelungen wa ? Eine unge äh e
An wo
au
diese F age
können wi nu aus dem Gesam bild de Ve ände ungen
im
wi scha li-
chen und sozialen S a us de damals im Handel beschä ig en Juden e -
hal en92.
1843 be ug die Zahl de selbs ändigen jüdischen Handel eibenden in
P eußen 21739, die sich olgende maßen e eil en
93
:
G oßhandel und Bankgeschä e
Kau leu e mi o enen Läden
Kommisionä e, Agen en usw.
Kleinhandel, T ödle , Höke
Hausie e (ohne 650 Gehil en)
1140
6003
1358
8739
4499
21739
Wie schon A hu Ruppin he o gehoben ha , heiß das, daß
61
% noch
dem Kleinhandel, T ödel- und Hausie e handel angehö en und nu eine
Minde hei
es
zum G oßhandel, Bankgeschä , zu o enen Läden ode zum
Kommissionsgeschä geb ach ha e. Nach de Be u szählung on 1861
dagegen be ug die Zahl de im Handel ä igen Juden 38683. Von diesen
wa en 22771, ode
59%,
nach Ruppin » ich ige« Kau leu e:
Bankie s 550
Kau leu e mi o enen Läden 9736
G oßhändle 2785
Agen en, Makle , P andleihe 2035
Kau männische Anges ell e 7665
22771
Quelle: Nach am lichen »Juden abellen« e echne :
RuP-
PIN,
Soziologie, a.a.
O.,
S.
318 .
Von den in de gleichen Au s ellung e scheinenden Handels eibenden
91
Zahlen nach
ENGELBERT,
a.
a.O
., und de
Encyclopaedia]udaica
, Ausgabe 1971.
92
Obwohl
die im olgenden ange üh en Zahlen me hodisch nich öllig e gleichba sind,
äll diese Mangel nich allzuseh ins Gewich : einmal sind die Un e schiede
zu
g oß,
um
au
bloßen me hodischen Fehle quellen
zu
be uhen, und auße dem is das sich hie abzeichnende
Bild du ch iele ande e Quellen und Da s ellungen bes ä ig .
93
A.
RuPPIN,
Soziologie
de
Juden, Be lin 1930, Bd. 1,
S.
318/320.

III. Indus ialisie ung
und
G ünde k ise 1871-187 4
a)
Die
allgemeine
En wicklung
Bei Ausb uch des K ieges mi F ank eich wa Deu schland noch
imme
ein übe wiegend ag a isches Land: seine Be ölke ung on as
41
Millionen
1
wa zu 63, 9% »ländlich« .
übe dies
abe ha en die meis en S äd e nu einen
bescheidenen Um ang. Von de
als
»s äd isch<<
klassi izie en Be ölke ung
wohn en 4,8% in »G oßs äd en« mi übe 100000 Einwohne n;
7,
7% leb en
in »Mi els äd en« (20000--100000 E.), 11,2% in »Kleins äd en«
(S000--
20000E.) und 12,4% in »Lands äd en« mi 2000--5000Einwohne n. Sei den
Napoleonischen K iegen wa zwa die Be ölke ungsdich e gewal ig ges ie-
gen, be ug abe doch e s
75
, 9 Menschen p o qkm. Wie klein damals noch
de Teil Deu schlands wa , den die indus ielle Re olu ion wi klich umge-
s al e ha e, zeig selbs ein lüch ige Ve gleich mi den Ve häl nissen
um
1910,
als
de s äd ische Teil de Be ölke ung
au
60% und die Be ölke-
ungsdich e
au
120 p o
qkm
ges iegen wa 2.
Eine Ta sache on übe agende wi scha s- und sozialgeschich liche
Bedeu ung wa die anhal ende, s a ke Volks e meh ung. T o z s a ke
Auswande ung nahm die Be ölke ung imme meh zu: on
1871
bis 1880
um
4,4 Millionen, im nächs en Jah zehn
um
wei e e 4,2 Millionen.
De
unablässige Be ölke ungsd uck üh e
zu
den g oßen Binnenwande ungen,
die im allgemeinen den ländlichen Menschenübe schuß in die S ad üh e.
Die
24
Millionen Menschen,
um
die das deu sche Volk on
1871bis1910
wuchs, kamen as ganz den S äd en und G oßs äd en zugu e.
Um
1870
se z e die g oße Os -Wes -Wande ung ein, die sich Ende de siebzige Jah e,
als
die Ag a löhne e heblich hin e den Indus ielöhnen zu ückblieben, noch
e s ä k e.
Daß Deu schland übe haup ims ande wa , den gewal igen Volkszu-
wachs g öß en eils im Lande
zu
behal en, wa haup sächlich seinen Fo -
sch i en in Handel und Indus ie
zu
e danken.
De
Kohlenbe gbau ha e
gewal ige Fo sch i e gemach , so daß
1871
die deu sche P oduk ion an
Kohle zwa noch imme nu e wa ein D i el de englischen ausmach e, abe
1 Einschließlich Elsaß-Lo h ingen.
2 P. MOMBERG, Be ölke ungsleh e, in:
S.
ALTMANN e
al
(H g.) G und iß
de
Sozialökonomik,
Bd.
2, Tübingen 1923, S.
93
.
68
1871-1874
die e ein e anzösisch-belgische be ei s übe a !. Abe ande s s and
es
mi
de Eisen- und S ahlindus ie. Wenn
es
auch wah is , daß de ungeheue e
Au schwung de Eisen- und S ahlindus ie, de Deu schland in die e s e
Reihe de Indus iemäch e s ell e, e s in die le z en d ei Jah zehn e des
Jah hunde s iel, so wies die o he gehende En wicklung schon deu lich in
diese Rich ung; wäh end imJah e 1860
au
dem Gebie e des spä e en Reiches
(einschließlich Luxembu gs) nich einmal halb so iel Eisene z p oduzie
wo den wa wie in F ank eich, ha e
10
Jah e spä e die deu sche P oduk ion
die anzösische schon übe hol 4•
Wa dies das wi scha liche En wicklungss adium Deu schlands
um
1870, so schu die Reichsg ündung ein in sich geschlossenes Wi scha sge-
bie ü übe 40 Millionen Menschen, inne halb dessen A bei s eilung und
Massenp oduk ion sich ei en al en und die neuen T anspo möglichkei-
en oll ausgenu z we den konn en. Du ch die Annek ion on Elsaß-
Lo h ingen gewann Deu schland ein Gebie mi e wa 1,5 Millionen Men-
schen und zwei hochen wickel en Indus ien: de Tex ilindus ie im Elsaß
und de Eisen- und S ahlindus ie, die g öß en eils in Lo h ingen, zum Teil
auch
im
Elsaß lag5. Übe dies e g i die Regie ung eine Reihe wich ige
Maßnahmen,
um
die güns igen En wicklungsmöglichkei en zu e wei e n.
Hie he gehö in e s e Reihe die gese zliche Regelung des Wäh ungs- und
Münzwesens. Im Dezembe
1871
wu de die Ma k
als
Wäh ungseinhei ü
ganz Deu schland einge üh und
au
den Golds anda d basie . Von nich
ge inge e Bedeu ung wa die G ündung de Reichsbank.
Zwei ellos hä e in einem noch ela i kapi ala men Land wie Deu sch-
land auch die g oße K iegsen schädigung eine höchs nü zliche Rolle spielen
können. Abe dazu kam
es
nich . Ein kleine Teil, in Gold gezahl , wu de
om
Reich
als
Gold ese e ü die neue Wäh ung e wende .
Zum
g oßen
Teil abe wu de die En schädigung, o z sach e s ändige Wa nungen6, in
unkluge und ge äh liche Weise e wende , wodu ch No enumlau und
Spekula ion gewal ig zunahmen7. All dies, zusammen mi dem ges eige en
Op imismus und na ionalen Selbs ge ühl, wa en wich ige Vo bedingungen
ü die Exzesse de bald einse zenden »G ünde jah e«.
Nu
wenige Pe ioden de Wi scha sgeschich e haben zu so ielen al-
schen Vo s ellungen und Da s ellungen Anlaß gegeben wie die sogenann en
G ünde jah e. Die E bi e ung de Geschädig en, die Machenscha en de
3
C APHAM,
a.a.O.
, S. 280 .
4 In
de
E zeugung
on
Roheisen lag
zwa
Deu schland
um
1900 noch hin e England, ha e
es
jedoch
in de S ahlp oduk ion be ei s übe hol . Vgl.
STOLPER
(1964),
a.a.O
.,
S.
28;
C A-
PHAM
, ebd., S. 283 .
5
C APHAM,
ebd
.,
S.
245
.
6 M .
MüLLER-jABUSCH,
So
wa en
di
e
G ünde jah
e,
F a
nk u
a. M.
1951
,
S.
20
.
Indus ialisie ung
und
G ünde k ise
69
Demagogen, nich zule z abe die Ve s ändnislosigkei de
Menge
ü
komplizie e in e na ionale Wi scha s agen ugen dazu bei. Sie wa en
auch ü die deu schen Juden
on
schicksalha e Bedeu ung. G ünde jah e,
K ach
und
K ise wa en wede Symp ome eine plö zlichen
E k ankung
eine o he gesunden Wi scha noch spezi isch deu sche E scheinungen.
Viel ehe
könn e
man
sie als deu sche Va ia ionen
on
zei gemäßen, allen
o gesch i enen Völke n gemeinsamen En wicklungen ansehen.
Suchen
wi
die wich igs en deu schen Vo gänge besse zu e assen, so
können
wi
d ei S adien un e scheiden, die sich alle dings nich genau
abg enzen lassen.
Im
e s en ging
es
ela i solide zu.
Zwa
wu den
iele neue
Ak iengesellscha en geg ünde -
im
Jah e 1871 nich wenige als 225
mi
und
375,6 Millionen Thale n Kapi al8. Doch en sp achen die meis en ealen
Bedü nissen de Wi scha .
Zu
einem e heblichen Teil i dies auch noch
au
die
G ündungen
des zwei en S adiums zu, bei
dem
haup sächlich an das
Jah
1872 zu denken is .
Zwa
wu den 1872
meh
als
doppel so iele
Gesellscha en geg ünde
als
im
o he gehenden Jah e, nämlich übe 500;
abe o zdem
da
man die Solida i ä und wi scha liche Be ech igung
iele damalige G ündungen nich bezwei eln. Jedoch and gleichzei ig eine
Fülle zwei elha e , o
au
Be ug angeleg e G ündungen
s a -eine
Ta sa-
che, die
nu
aus de besonde en A mosphä e de
Zei
zu e s ehen is . Es gab
keine wi ksame gese zliche Regelung des Ak ienwesens. So
konn en
die
geschä igen G ünde dem
Publikum
»goldene Be ge« an Di idenden e -
sp echen,
au
die ga keine Aussich bes and. Die Geis es-
und
Gemü s e -
assung des spekulie enden Publikums aus allen K eisen, die auch
nu
e was
lüssiges Kapi al au b ingen konn en, on adligen G oßg undbesi ze
n
bis
zum
Kleinbü ge um,
ja
bis zu den Diens bo en9 -
kam
diesem T eiben
nu
allzuseh en gegen. Sieg
und
Reichsg ündung, die anzösischen Millia den
und
die Annek ion
on
Elsaß-Lo h ingen ha en eine Welle des
Op imismus
e zeug . Diese
wu de
noch e s ä k du ch die Flüssigkei des Geldes, den
nied igen Zins uß
und
nich zule z du ch die Folgen de e s ä k en
Bau-
und
G ündungs ä igkei selbs : Löhne,
P
e
is
e
und
Beschä igungsg ad s ie-
gen. Gleichzei ig s ieg in wei en K eisen auch die Lebenshal ung
und
das
Ve langen,
on
den neuen Genüssen möglichs iel zu e ga e n. Diese
Mischung
on
Unwissenhei
und
Geldgie bei Millionen, an sich ech scha -
ene und bescheidene Menschen sc
hu
ü Spekulan en, Hochs aple
und
Be üge einziga ige Chancen.
Abe
wäh
e
nd
die Geis es-
und
Gemü s e assung de
Na ion
im
zw
ei en
S adium de G ünde jah e schon iele En a ungszeichen au wie
s,
blieben
g oße Teile des Wi scha slebens da on zunächs noch unbe üh ,
und
besonde s in de P oduk ion
wu den
wich ige Fo sch i e e ziel , u. a. auch
s
MÜLLER-JABUS
C
H,
a.a
.O
.,
S.
32 .
9
Ebd., nach E inne ungen on H. B. S ousbe g.
70
1871-1874
im
Maschinenbau und in de chemischen Indus ie. Es wa de Beginn eine
bedeu samen S uk u wandlung de Wi scha mi eine s a ken Tendenz
zum
G oßbe ieb10. Im d i en S adium, on An ang 1873, beschleunig e
sich zunächs das
Tempo
de G ündungs ä igkei noch meh . Solange die
Konjunk u anhiel , ging
es
den meis en Menschen ech gu ,
ja
ielen besse
als
je. Be lin wa
zum
B ennpunk des ganzen T eibens gewo den. Sei de
Reichsg ündung
wa
es
zum e s en Handels-
und
Finanzpla z gewo den und
en wickel e
nun
sozusagen seinen eigenen G ößenwahn und
wu de
Mi el-
punk
de e wegens en Spekula ionen. Als in Wien
im
Mai 1873 inne halb
wenige Tage Hunde e on Insol enzen gemelde wu den, hiel sich die
Be line Bö se noch bis in den Spä somme . Abe dann kamen de
Bank o
und die Bankzusammenb üche, ge olg on dem Ku ss u z an de Bö se,
de das Unheil in wei es e K eise ug. Dazu kam de P eis e all de
Wa enlage , P oduk ionsbesch änkungen und Be iebss illegungen. Im Ge-
gensa z zu Deu schlands e s e kapi alis ische K ise on 1857 wu de diese
nich asch on eine k ä igen E holung abgelös . Es daue e meh e eJah e
-e wa bis 1878 -bis auch nu die schwe s en Schäden übe wunden wa en;
und auch dann olg e bis Mi e de neunzige Jah e kein s a ke Au -
schwung. Die einse zende »g oße Dep ession« lei e e eine Pe iode
wi -
scha liche und poli ische Reo ien ie ungen ein, die ü die wei e e
En -
wicklung Deu schlands und de deu schen Juden on en scheidende Be-
deu ung sein soll e11 .
Eine k i ische Hal ung gegen den ungezügel en Kapi alismus mi seinen
k assen Gegensä zen zwischen a m und eich, seinem unbesch änk en We -
bewe b und F eihandel, ha e sich schon o he bei g oßen Teilen de
ka holischen
und
e angelischen Geis lichkei gel end gemach 12. Von be-
sonde e Bedeu ung jedoch wa die G ündung des »Ve eins ü Sozialpoli-
ik«, die 1872 -un e üh ende Be eiligung on Adolph Wagne , Gus a
Schmolle und Lujo B en ano, on ih en Gegne n
als
»Ka hede sozialis en«
e spo e , s a and. Sie e lang en meh E hik in de Wi scha spoli ik,
da, was mo alisch alsch sei, nich wi scha lich ge ech e ig we den
könne.
De
S aa solle die schwäche en Indi iduen und Klassen schü zen
und
Maßnahmen
zum
Schu z de ma e iellen In e essen de
Na ion
e g ei-
en. Daneben such en diese P o esso en zu beweisen, daß sie zwa eine
scha e Ände ung de Wi scha spoli ik abe du chaus keinen B uch
mi
de deu schen Ve gangenhei o de en, sonde n ehe eine zei gemäße
Rückkeh zu al en T adi ionen, besonde s zu dem Gedankengu de
Jah -
10
ENGELBERG,
a.a.O., s. 52 .
II
Zum
Folgenden s. besonde s
HANS
ROSENBERG,
a.a.O .
12 Vgl. K. E.
BORN,
in: H.
GRUNDMANN
(H g.
),
Gebha d ,
Handbuch
de
deu schen
Geschich e,
Bd. III, S.
237
.
Indus ialisie ung
und
G ünde k ise
71
hunde e des Me kan ilismus
13
.
De Libe alismus ha e in Deu schland nie
so ie e Wu zeln geschlagen wie in F ank eich, Holland ode England.
Schon in den ie zige Jah en,
als
das eu opäische Denken noch as öllig
im
Banne libe ale Ideen s and, ha e F ied ich Lis in seinem »Na ionalen
Sys em de Poli ischen Ökonomie« die libe al-kosmopoli ischen Gedan-
kengänge on
Adam
Smi h und Rica do scha k i isie und e klä , ih e
Ve wi klichung sei wohl
gu
ü das indus iell üh ende, den Wel handel
behe schende England, nich abe ü das zu ückgebliebene Deu schland.
Dieses b auche zunächs »E ziehungszölle«,
um
hin e
ih em
Schu z den
indus iellen Vo sp ung des Wes ens au zuholen. Je z ,
meh
als
ein Vie el-
jah hunde
spä e , wa das einhei liche deu sche Zollgebie , das
ihm
o ge-
schweb ha e, e wi klich .
De
Libe alismus wa
im
Niede gang, und de
Zollschu z, den Lis nu zei weilig, zu »E ziehung« de deu schen
Indu-
s ie, gewäh en woll e, wu de je z on mäch igen In e esseng uppen ohne
zei liche Beg enzung ge o de . Es wa diese F age des Schu zzolles, an de
de
Kamp
en b ennen soll e, de zu Abkeh Deu schlands
om
Libe alis-
mus
au
b ei e F on üh e.
In den siebzige Jah en
kam
es
nich nu den e schiedenen G uppen in
Indus ie und Finanz, sonde n auch Kau leu en, Handwe ke n
und
Land-
wi en
zum
Bewuß sein, bis zu welchem G ade ih Schicksal
on
poli ischen
En scheidungen abhing. Dieses aku e Bewuß sein gemeinsame In e essen
üh e zu Bildung en sp echende In e essen e e ungen. Diese neuen
O ganisa ionen abe wa en on o nhe ein nich
nu
wi scha lich,
son-
de n auch poli isch o ien ie und bilde en somi einen Haup eil de
nun
einse zenden Poli isie ung de Wi scha ode , in ande en Wo en, de
gegensei igen Du chd ingung on Wi scha und S aa . Die Ve meh ung
de Wi scha s e bände in den spä e en siebzige Jah en
und
im
ganzen
olgenden Jah zehn wa
nu
au
Kos en de Selbs ändigkei des einzelnen
Un e nehmens
und
des indi iduellen Un e nehme s ode Geschä smannes
möglich.
Au
das Abb öckeln de libe alen Ideologie olg e die Einengung
des p ak ischen Ak ionsbe eiches des eins eien Un e nehme s. Diese
En -
wicklung
wu de
beschleunig
und
e s ä k du ch das apide Wachs um des
indus iellen P ole a ia es und seine o ganisa o ischen S ä ke. So
wa
es
na ü lich, daß die A bei gebe sich zu Wah ung ih e In e essen besonde e
O ganisa ionen schu en, und neben die Fach e bände de Indus ie lokale,
egionale und na ionale A bei e e einigungen a en, die mi den S aa sbe-
hö den enge Fühlung hiel en.
Hinzu kam, daß aus G ünden, die mi Bö senk ach
und
Konjunk u k ise
nich s zu un ha en, sonde n
im
wesen lichen mi de S uk u wandlung
de Wel landwi scha zusammenhingen, die os elbische G oßlandwi -
13
Zum
Folgenden gl.
STOLPER,
a.a.O. pass.

72 1871-1874
scha ab 1875 in eine No lage ge ie . Dies ha e zu Folge, daß schon An ang
1876 die eins eihändle ischen G undbesi ze die »Ve einigung de S eue -
und Wi scha s e o me « g ünde en, die die ag a ische Zollagi a ion lei e-
e. So kam
es
in denJah en 1877 und 1878 zu ausgedehn en Ve handlungen,
um
die wide sp echenden Wünsche de indus iellen und de G oßlandwi e
au
einen gemeinsamen Nenne
zu
b ingen. De da aus esul ie ende Zoll a-
i
mi seinen Schu zzöllen
au
Eisen, Holz, Ge eide und Vieh nebs einigen
Finanzzöllen wu de
im
Juli 1879
om
Reichs ag mi g oße Meh hei ange-
nommen. Abe seine Bedeu ung lag nich in den Einzelhei en, übe die man
sich so seh e ei e ha e. Im Gegen eil, ückblickend muß man die einge-
üh en Zölle
als
ech mäßig bezeichnen. T o zdem
wa
die Annahme des
Zoll a i s -
nu
9 Mona e nach dem Ausnahmegese z gegen die Sozialis en!-
ein his o ische Wendepunk e s en Ranges. Außenpoli isch s ell e das Ge-
se z einen Sieg de K ä e des Na ionalismus übe in e na ionale
Zusam-
mena bei und Libe alismus da . innenpoli isch besiegel e
es
die poli ische
Niede lage des deu schen Libe alismus und ug zu Ve schä ung des Klas-
senkamp es bei.
Au
dem Gebie de Wi scha abe e möglich e und be-
schleunig e
es
den Au bau und Ausbau de Ka elle mi ih en hohen Inlands-
und nied igen Expo p eisen, die D osselung des eien We bewe bs und
die Tendenzen zu Ausschal ung des Handels. Diese Wi kungen a en
meis ens e s nach Jah en in E scheinung. Abe diese e ände e wi scha -
liche Eins ellung is
nu
ein Zeichen da ü , daß G ünde jah e, K ach und
K ise ü die g oße Meh hei des Volkes
zu
einem ie en auma ischen
E lebnis gewo den wa , dessen Wi kungen sich
au
die e schiedens en
Gebie e e s eck e -nich zum wenigs en auch
au
ih Ve hal en zu den
Juden.
b)
G ünde k ise
und
poli ische
An isemi ismus
In den G ünde jah en ha en neben Un e nehme n und Finanzie s auch
Spekulan en sowie Angehö ige de e schiedens en Schich en,
om
Hoch-
adel bis zum Ku sche und Diens mann, e such , die g oße Konjunk u
auszunu zen14. Als Bö senk ach und P eiss u z die g ausame Wi klichkei
en hüll en, wa en die psychologischen und soziologischen Vo bedingungen
ü die Suche nach
dem
Sündenbock gegeben. Diese wa
um
so leich e zu
inden,
als
Juden sich an allen möglichen Un e nehmungen, auch an zwei el-
ha en
und
selbs be üge ischen, s a k be eilig ha en.
De
bis dahin unbe-
kann e Jou nalis
O o
Glagau e ö en lich e in de damals g öß en deu -
schen Zei sch i , de »Ga enlaube«, eine Reihe on A ikeln, die sensa io-
14
Viele in e essan e Einzelhei en bei H.
GoLLWITZER,
Die
S andeshe en,
München 1964, S.
256
.
Indus ialisie ung
und
G ünde k ise
73
nellen E olg ha e
und
als Buch iele Au lagen e leb e
15
.
De
längs in
wei en K eisen la en o handene Judenhaß lamm e mäch ig
au
und
wu de
bald zu eine o ganisie en poli ischen Bewegung.
Bezeichnende weise gal Glagaus
Empö ung
nich
nu
den Juden; e
wand e
sich gegen Indus ialisie ung
und
Ve s äd e ung, gegen eien
We -
bewe b
und
F eihandel, gegen Banken und Bö sen -
ku zum,
gegen die
ganze kapi alis ische En wicklung. S a dessen sehn e e sich nach
de
Ve gangenhei , in de das Leben des Handwe ke s in den
on
seine
Zun
o gezeichne en Bahnen uhig e lie
und
deu sche
Mä k e
nich
on
em-
den Wa en
übe schwemm
we den
konn en. Es
wa
ge ade diese Eins el-
lung, die ihn wei
übe
die
Op e
des Bö senk achs hinaus zu einem
wich i-
gen Sp eche
on
Millionen
du ch
die kapi alis ische
En wicklung
Benach-
eilig e mach e:
on
Handwe ke n,
kleinen Gewe be eibenden
und
Land-
wi en. Es
wa
kein Zu all, daß ge ade in diesen K eisen de Unzu iedenen
und
En äusch en auch
Haß
und
Miß auen gegen die
Juden
längs ge-
schwel ha en
und
nun
leich en ach
wu den
.
c)
Die
demog aphische
En wicklung
de
Juden
Zu
den
und
470000 Juden, die bei K iegsausb uch in Deu schland leb en,
kamen
du ch
den F ieden
on
Ve sailles noch
e wa
40000 in Elsaß-Lo h in-
gen hinzu. So e gab die am liche Zählung
on
1871
ü das Reich eine
jüdische Be ölke ung
on
512513 Seelen.
De
An eil an de Gesam be öl-
ke ung
be ug
1,2%
ode ,
mi
Einschluß Elsaß-Lo h ingens,
1,25%
16
.
Wäh end de ün einhalb Jah zehn e sei
dem
Ende de Napoleonischen
K iege ha e die
Ve meh ung
de
Juden
mi de de Gesam be ölke ung
e was
meh
als Sch i gehal en. Die e heblich nied ige e S e blichkei ,
o
allem in den e s en 5 Lebensjah en,
wog
nich
nu
die e was nied ige e
Gebu enzi e ,
sonde n
auch den Ve lus du ch Auswande ung,
Tau e
und
Mischehe
au
.
Doch
bezeichne en die siebzige
Jah e
in diese Hinsich schon
einen Wendepunk : den Beginn des Sinkens de Gebu enzi e , das sich
im
olgenden Jah zehn e heblich e s ä k e und selbs
du ch
den gleichzei igen
wei e en Rückgang de S e blichkei nich lange kompensie
we den
konn-
e17.
Haup sächlich aus diesen
G ünden
wu de
auch nie wiede ein An eil an
de Gesam be ölke ung
on
1,25% e eich .
15 Glagaus A ikel e schienen zue s
un e
dem
Ti el »De
Bö sen-
und
G ündungsschwin-
del in Be lin«
im
Dezembe
1874, spä e als gleichnamiges Buch, Be lin 1976, ge olg
on
seinem »De
Bö sen-
und
G ündungsschwindel in Deu schland«, Leipzig 1877.
Zu
Pe son
Glagaus gl.
MÜLLER-JA.BUSCH,
a.
a.O„
S.
9
. (Neue dings übe Glagau
und
die
G ünde jah e
aus üh lich
inJ
.
KATZ,
An isemi ism:
F om
Religious
Ha ed
o
Racial
Rejec ion,
(Heb .)
Tel-A i
1979,
s.
234 .
16
SEGALL,
a.a.
O.,
S. XI.
17 Vgl. bes.
SILBERGLEIT,
S.
14 .;
RUPPIN,
Soziologie,
Bd.
1,
s.
170
.
NOSSIG,
a.a.O .,
s.
24 .
74
1871-1874
De
übe wiegend ländliche Cha ak e de deu schen Be ölke ung
um
1870 spiegel e sich, o z s a k abweichende Wi scha s- und Sozials uk-
u , auch in de ö lichen Ve eilung de Juden wide . Die halbe Million
Menschen leb e e s eu in eine g oßen Anzahl meis kleine und kleins e
Gemeinden. Wi sind zwa nich in de Lage, die Zahl de Gemeinden
um
1870 ganz genau anzugeben, doch bes eh gu e G und, sie
au
e wa 1940
anzuse zen. Von diese Zahl en ielen, nach Engelbe s so g äl igen E he-
bungen, 203
au
Elsaß-Lo h ingen, und zwa
108
au
das Un e elsaß, de
Res
au
Obe elsaß und Lo h ingen.
Lag
die du chschni liche Seelenzahl in
diesen annek ie en Gebie en bei
192,
so wa sie im benachba en Baden
noch ge inge , nämlich unge äh
153,
und in dem du ch anhal end s a ke
Ab- und Auswande ung dezimie en Baye n ga
136
18. Nich minde be-
zeichnend is , daß in den
24
G oßgemeinden, die i gendwann zwischen
1840-1885 übe 2000 jüdische Einwohne zähl en, imJah e
1871
nu 127000
ode knapp 25% alle deu schen Juden leb en. Be lin s and mi 36000 be ei s
an de Spi ze, ge olg on B eslau und Hambu g
mi je
13000-14000 und
F ank u
a.
M. mi knapp 10000 Juden19.
Abe diese Zahlen geben uns nu ein Momen bild des damaligen
En -
wicklungss adiums, das in eine so dynamischen Zei wie den siebzige
Jah en in Deu schland bald ie gehenden Wandlungen ausgese z wa .
Zu
den Fak o en, welche die bes ehenden Zus ände am s ä ks en beein luß en,
gehö en o allem Auswande ung und Binnenwande ung.
Obwohl
in un-
se em Zusammenhang de le z e en die g öße e Bedeu ung zukomm , e -
dien auch die Auswande ung so g äl ige Beach ung, zumal
sie
aus beg ei -
lichen G ünden
im
kaise lichen Deu schland on jüdischen wie ch is lichen
Au o en meis einsei ig behandel wu de. Daß die gewal ige Auswande ung
de ün zige Jah e zum Teil du ch die En äuschung übe den Fehlschlag de
Re olu ion e u sach wa , ließ sich zwa nich leugnen ode e heimli-
chen, abe daß neben wi scha lichen auch poli ische und e wand e Be-
wegg ünde, wie die Abneigung gegen den Mili ä diens -auch bei de
s a ken Auswande ung in de Zei on 1866-1870 und spä e , in den siebzi-
ge und ach zige Jah en -eine e hebliche Rolle spiel en, blieb doch besse
im dunkeln20• Die Auswande ung e bi e e Hanno e ane , de en Land
nach dem K iege on
1866
on P eußen annek ie wo den wa , is in
unse em Zusammenhang ohne iel In e esse, da eine e waige jüdische Be ei-
1s
ENGELBERT,
a.a.O .,
s.
20
.
19 U.
ToURY,
Soziale
und
poli ische
Geschich e
de
Juden
in
Deu schland
1847-1871, Zwischen
Re olu ion, Reak ion und Emanzipa ion, Düsseldo 1977. O ensich lich
wu de
dieses wich-
ige We k
on
A hu P inz nich meh e aß (Anm. d. H g.).]
20
Vgl. bes.
WALKER,
a.a.O ., S. 179 . Das an sich au schluß eiche Buch igno ie die
jüdische Auswande ung öllig. Die s a ke jüdische Auswande ung aus Posen wäh end de hie
behandel en Jah e, die öllig ande s mo i ie wa
als
die nich jüdische, bleib übe haup
une wähn .
Indus ialisie ung
und
G ünde k ise
75
ligung da an
nu
ge ing gewesen sein könn e. Abe ande s s eh
es
um
die
»F eie Reichss ad « F ank u am Main, de en Ein e leibung in P eußen
ielen al en F ank u e n
»als
eine Ka as ophe« e schienen wa . »We
es
sich leis en konn e, emig ie e ode e wa b eine nich deu sche S aa sange-
hö igkei . «21 Wenn auch zahlenmäßig diese Auswande ung eiche F ank-
u e siche lich ge ing wa , so dü e ih wi scha liches Gewich
um
so
g öße gewesen sein. Daß de jüdische An eil da an hoch gewesen sein muß,
is angesich s de Zusammense zung de F ank u e Finanzwel
kaum
zwei elha .
Ungleich wich ige wa die o wiegend poli isch mo i ie e jüdische
Auswande ung aus Elsaß-Lo h ingen. Wenn nach dem F ieden on Ve sail-
les
die elsässische und lo h ingische Be ölke ung übe wiegend p o- anzö-
sisch einges ell
wa
und sich nu dem Zwange üg e, so gal dies in noch
höhe em G ade ü die do ige Judenhei , die sei 1818 in zunehmendem
Maße und sei e wa 1849 so
gu
wie öllig gleichbe ech ig wa . Jensei s des
Rheins, besonde s in Baye n, blieben noch lange en eh ende und äuße s
läs ige an ijüdische Bes immungen in K a , und auch ande wä s ha en die
Juden
un e dem Gegensa z zwischen gese zliche Gleichbe ech igung und
adminis a i e Zu ückse zung zu leiden.
So
wa
es
kein Wunde , daß die
Juden
an dem »Massenabzug de Op an en«22 wei übe ih en P ozen sa z
be eilig wa en -wenn auch genaue Zahlen nich e ügba sind. Wi
wissen, daß die Tex il i men in de No mandie (Elbeu ) sowie in Lyon,
Pa is und Epinal jüdischen
Zuzug
aus den abge e enen Gebie en e hiel en,
und daß iele elsässische Juden in F ank eich eie Be u e e g i en. Abe
abgesehen on de lang anhal enden Abwande ung nach F ank eich und
dem
damals un e anzösische He scha s ehenden Alge ien wande en
Juden aus Elsaß-Lo h ingen auch nach ande en Lände n aus: nach de nahen
Schweiz, nach den Ve einig en S aa en und nach A gen inien,
wo
es
einige
Familien besonde s
im
Ge eidehandel zu g oße Bedeu ung b ach en23• Die
in Elsaß-Lo h ingen e bleibende Judenhei schmolz un e diesen
Ums än-
den s a k zusammen, abe ein einige maßen genaues s a is isches Bild on
Um ang, Ve eilung und Wi kung diese Wande ung zu gewinnen, is as
unmöglich. Die Auswande ung ging meis nich nach Übe see, und de
Ab-
und Auswande ung de einheimischen Juden s and ein jüdische
Zuzug
aus
dem ech s heinischen Deu schland gegenübc 24• Deshalb scha auch Se-
21
M.
MüLLER-JABUSCH
und
E.
AcHTERBERG,
Lebensbilde
deu sche
Bankie s
aus
an
Jah hun-
de en,
F ank u
a.
M. 1963, bes. das Kapi el
übe
Rudolph Sulzbach.
22
S.
V.
WALTERSHAUSEN,
a.a.O.,
s.
244 .
23 Vgl. M .
W1scHNITZER,
Die
Juden
in
de
Wel ,
Gegenwa
und
Geschich e des
Juden ums
in
allen Lände n, Be lin 1935,
S.
375. Fü die F anzosen
wa
A gen inien ein wich iges
Auswande-
ungsziel zwischen 1871
und
1890,
mi
s a ke Be eiligung aus Elsaß-Lo h ingen. Vgl. dazu
W1Lcox
(H g
.),
In e na ional
Mig a ions,
a.a.O ., S. 206.
24
Diese
Zuzug
wi d
zwa
in de Li e a u
o
e wähn ,
jedoch
ohne
Zahlenangaben.
82
1871-1874
Zusammenschluß mi de Deu schen Unionbank und dem Be line Bank-
e ein,
wu de
die Deu sche Bank das ach unggebie ende Ins i u , dessen
g oßa ige En wicklung uns noch beschä igen wi d. Als G ünde we den
Ludwig Bambe ge und Geo g Siemens, mi un e auch de Minis e on
Delb ück angegeben49• Man
da
wohl das Zusammenwi ken on
Bambe -
ge und Siemens
als
en scheidend ansehen. Bambe ge wu de Mi glied des
Au sich s a s, a abe schon 1872 aus, weil e poli ische In e essenkon lik e
be ü ch e e, so g e jedoch da ü , daß dem ideen- und ini ia i eichen Geo g
Siemens in
He mann
Wallich ein e s klassige Bank achmann zu Sei e
a
50
. Neben
ihm
s and schon sei 1873
als
d i e
im
Bunde
Max
S ein hal
51
.
So en s and dieses bedeu ungs olle Un e nehmen un e s a ke Be eiligung
jüdische K ä e.
Nich
minde kla is angesich s de
Namen
on Ca l
Kaskel und Eugen
Gu mann
de jüdische An eil an de 1872 geg ünde en
D esdne Bank.
De
bekann en jüdischen Be eiligung an ande en
G ündun-
gen52
de ühen siebzige Jah e nachzugehen, e bie e sich hie aus
Raum-
g ünden. Angeb ach e schein
es
dagegen,
au
den g oßen An eil eines
Juden an Re o men hinzuweisen, die on g undlegende Bedeu ung ü die
spä e e En wicklung de deu schen Wi scha wa en -nämlich die
G ün-
dung
de Reichsbank und die Ein üh ung de Goldwäh ung.
Ludwig Bambe ge , 1823 gebo en, wa du ch seine
Mu e
ein Mi glied
de bedeu enden in e na ionalen Bankie s amilie Bischo sheim
53
.
E
besaß
selbs nich nu he o agenden Scha sinn ü inanzielle Dinge, sonde n
auch die Gabe, das Geldwesen in seinen mannig achen Beziehungen zu
Wi scha , besonde s zum in e na ionalen Handel, zu sehen. Nach dem
Zusammenb uch de 1848e Re olu ion, an de e sich mi de Wa e in de
Hand
be eilig ha e, loh e ins Ausland und e b ach e as zwanzig Jah e
im
Exil -g öß en eils in Pa is,
wo
e
als
Bankie ein Ve mögen e wa b.
Nach E laß de Amnes ie keh e e zu ück, und wa on
1871
bis 1893
Mi glied des Reichs ages,
wo
e als b illan e Redne gal . Vo allem genoß
e als Wäh ungsexpe e unums i ene Au o i ä . Abgesehen on de
Deu -
schen
Bank-die
dazu bes imm wa , das deu sche Bankgeschä in Übe see
auszudehnen und besonde s den
Expo
nach Südame ika und Os asien on
49
Nach
CARL
FÜRSTENBERG
(a
.a.O ., S. 37) e dank die Deu sche Bank ih e En s ehung de
Ini ia i e Bambe ge s. Auch
GLAGAU
(a
.a.O ., S.
17
.) be ach e ihn
als
den eigen lichen
G ünde
und
behandel ihn, o z seine an isemi ischen Eins ellung,
mi
Respek . Dagegen
wi d bei
ENGELBERG
(a.a.O ., S.
51)
Rudol
on Delb ück und bei
T eue
(Gebha d
III
, a.a.
O.,
S. 402) Geo g . Siemens
al
s G ünde genann .
50
Übe
Wallich, gl. Ach e be g, Be lin, a.a.O ., S. 115 .
51
Zu
S ein hal gl. ebd.,
S.
32 ., und Mülle -Jabusch, a.
a.O
., S.
3
.
52
(Vgl. W.
Mos
sE, »Die Juden in Wi scha und Gesellscha «,
in
: W. MossE
und
A.
PAUCKER
(H g.
),
Juden
im
Wilhelminischen
Deu schland
1891}-1914
,
Tübingen
1976,
S.
71
.
(Anm
. d.
H g
.).)
53 Vgl. C. Fü
s enbe g,
a.a.O
., S.
37
.

Indus ialisie ung
und
G ünde k ise
83
den Londone Banken unabhängig zu machen, wa Bambe ge s »g oßes
Lebenswe k«, nach Ka l Hel e ich o allem seine Mi a bei an de
G ün-
dung
de Reichsbank und sein langjäh ige
Kamp
ü die Goldwäh ung54.
Noch
imJah e
1871
bes anden in Deu schland 6 e schiedene Geldsys eme
nebeneinande . Dazu kam die g oße Anzahl on Banken mi Rech de
No enausgabe -selbs
imJah e
1875 wa en
es
nich wenige
als
33-
und die
en sp echende e wi ende Viel al de umlau enden Bankno enso en.
Bambe ge se z e sich ü eine einhei liche No enbank ein und kämp e auch
ü die Einhei des Münzwesens. Au g und des Bankgese zes on 1875 a
an S elle de ühe en P eußischen Bank die Reichsbank, de en Haup au ga-
be da in bes and, als Zen alno enbank den Geldumlau zu übe wachen
und
zu egulie en. Die üb igen No enbanken wu den zwa nich au gehoben,
abe so un e
D uck
gese z , daß die meis en nach und nach
au
das Rech de
No enausgabe e zich e en. Von g öß e Bedeu ung wa die Bes immung,
daß die on de Reichsbank ausgegebenen Bankno en zu einem D i el mi
Gold ode Reichskassenscheinen gedeck sein müß en.
Dami
ha e sich
Deu schland ü eine eine Goldwäh ung en schieden zu eine Zei , da noch
kein Land auße England dieses Sys em besaß55 .
Zu
diese En wicklung
ha e Ludwig Bambe ge du ch seine une müdliche Tä igkei in
Wo
und
Sch i einen unschä zba en Bei ag geleis e .
Diese posi i en Leis ungen jüdische Wi scha s üh e wu den
jedoch
on den Wo üh e n de an ilibe alen, konse a i en und an isemi ischen
K eise kaum als solche gewü dig . Im Gegen eil gal en sie als wei e e
Beweis ü jüdische »Behe schung« de kapi alis ischen Wi scha . Die
Iden i izie ung on Indus iegesellscha und
Juden um
wu de
so zu einem
Mo i
an isemi ische Agi a ion, die auch die wei e e jüdische Wi scha s-
en wicklung in e heblichem Maße beein luß e.
e)
Gegensä zliche
Tendenzen
de
jüdischen
En wicklung
Die Wi scha s ä igkei de Juden in den siebzige Jah en
wu de
haup -
sächlich on den allgemeinen sozio-ökonomischen En wicklungen be-
s imm
. Unmi elba e Auswi kungen des nach de K ise on 1873 e -
schä einse zenden Judenhasses mach en sich zunächs
au
wi scha li-
chem Gebie
nu
beg enz beme kba . Die Juden konn en ih en Be u en
nachgehen, sich nach Belieben
im
Reiche bewegen und niede lassen, an
deu schen Schulen und Uni e si ä en s udie en. Wah scheinlich wa die
Zulassung on
Juden
zu Beam en- und Akademies ellen nun noch schwie i-
ge und sel ene als o he , abe sie wa ohnehin auch ühe
nu
ge ing. In
54 Nach
AcHTERBERG
und
MüLLER-jABUSCH,
a.a.
O.,
S.
193 .
55
Die Goldwäh ung wa e appenweise schon
ab
1871
einge üh wo den. Vgl.
WURM,
a.a.O.,
S.
116 .
84
1871-1874
dem en scheidenden Be eich de Wi scha , insbesonde e
im
Handel,
he sch e in den siebzige Jah en noch das eie Spiel de K ä e. Die oben
geschilde en Tendenzen zu Bildung g oße Ve bände mi Besch änkung
de eien Ve ügungsgewal des Un e nehme s s eck en noch ganz in den
An ängen. Bei den Juden wa ein hohe P ozen sa z selbs ändig, und on
den jüdischen A bei nehme n a bei e e ein e hebliche Teil in jüdischen
Fi men. Die unmi elba e Wi kung des e s ä k en Judenhasses konn e
dahe in wi scha liche Hinsich
nu
ge ing gewesen sein.
Die indi ek en Auswi kungen wa en jedoch seh e heblich und ü die
spä e e En wicklung en scheidend. Wäh end de P ospe i ä de G ünde -
jah e
ha e ein e hebliche jüdische
Zuzug
aus dem Os en begonnen, gegen
den sich nun die Agi a ion in besonde s gehässige Weise ich e e, zumal
ja
diese Menschen du ch Sp ache und äuße e E scheinung meh au ielen
als
die assimilie en deu schen Juden. Die Fo de ung
au
s enge Schließung de
G enzen gegen jüdischen Zuzug wu de in diesen Jah en zum Ke npunk
an isemi ische P opaganda. Daß sich ih auch angesehene Wissenscha le
und Publizis en wie Hein ich T ei schke anschlossen56, wa ü die Ve b ei-
ung
an isemi ische S e eo ypen in ein luß eichen K eisen des deu schen
Bildungsbü ge ums und ih e Einwu zelung in de pa eipoli ischen Dis-
kussion bedeu ungs oll. Diesem D uck gaben die Behö den nach, indem sie
eine ganze Anzahl on ausländischen Juden auswiesen und die G enzspe e
e schä en57.
Die He ze gegen die Juden, ih e Ve ehmung in de Ö en lichkei ,
muß e
in Tausenden on ihnen ein bi e es Ressen imen he o u en, das ih e
Beziehung zu
Umwel
nachhal ig beein luß e58. Die Meh hei de deu -
schen Juden, die, ih en wi scha lichen In e essen wie ih e W el anschau-
ung en sp echend, poli isch libe al einges ell wa , wu de du ch das Ge ühl
des e li enen und andaue nden Un ech es e bi e gegen alle Teile und
Ins i u ionen de Gesellscha , die mi An isemi ismus, eligiösen ode assi-
schen Vo u eilen, S andesdünkel und Übe heblichkei e bunden schie-
nen.
Und
dieses Ressen imen gewann besonde e Bedeu ung du ch die
ge ade damals schnell wachsende Mach de P esse
im
allgemeinen und de
»jüdischen P esse«
im
besonde en. Die Ve lege , ein g oße Teil de Redak-
eu e, Jou nalis en, Inse en en und Lese wa en jüdische He kun -
moch-
56
TREITSCHKES
Aus u
»Die Juden sind unse Unglück« in seinem be ühm -be üch ig en
Au sa z in den
P eußischen
Jah büche n,
Bd
. 44 (1879), ha noch lange nachhe als Nazi-
Schlagwo au ige Geschich e gemach . Abe auch Nie zsche, de sich spä e
scha
gegen den
An isemi ismus aussp ach, mein e 1885, »daß Deu schland eichlich
genugJuden
ha , daß de
deu sche Magen, das deu sche Blu
No
ha
..
.
um
auch
nu
mi diesem
Quan um
>
Jude
< e ig
zu we den«. Oensei s on
Gu
und Böse, Apho . 251.)
57
SEGALL,
a.a.O ., S. 3.
58
Übe
Nie zsches E klä ung des Ressen imen s und seine Beziehung zu den
Juden
s.
SCHELER,
a.a.O .
Indus ialisie ung
und
G ünde k ise
85
en sie sich auch noch so wenig
um
jüdische Inhal e und We e kümme n.
Die »Mach de jüdischen P esse«,
ih
agg es.si e , k i ische
Ton,
ih e
Respek losigkei gegenübe dem he schenden Sys em, bilde en eines de
Haup hemen de an isemi ischen Agi a ion. Diese Agi a ion
ie
wiede um
in den on
Juden
gelei e en Blä e n -
1871
wa
das »Be line Tagebla «
geg ünde wo den -
imme
neue An älle und k i ische Aus älle he o -ein
e hängnis olle ci culus i iosus59.
Eine kleine, doch his o isch wich ige Minde hei de J iden ging iel
wei e . Aus eine Mischung on Mo i en, un e denen die
Empö ung
gegen
die Zu ückse zung und Ve emung de Juden gewiß eines de bes immen-
den wa , s ießen diese Menschen zu de
in
den siebzige Jah en o z alle
Un e d ückungsmaßnahmen s a k wachsenden A bei e bewegung. Als
Abgeo dne e in den e schiedenen S ad - und Landespa lamen en und auch
im
Reichs ag ode als Jou nalis en in de sozialis ischen Pa eip esse leis e en
sie unen beh liche Diens e, wäh end die nich jüdischen In ellek uellen sich
as ausnahmslos
au
die Sei e de besi zenden Klassen schlugen, aus denen
sie meis ens s amm en. Die Sozialdemok a ische Pa ei und die ih dienende
P esse b auch en d ingend In ellek uelle. Neben
Ma x
und Lassalle inden
sich be ei s un e den ühes en deu schen Sozialis en Juden wie Moses Hess,
Edua d Be ns ein, Johann Jacoby und Ka l Höchbe g, de G ünde de
e s en sozialdemok a ischen Zei sch i in deu sche Sp ache
60
. Spä e
wuchs die Zahl jüdische sozialis ische Ak i is en allmählich
imme
meh .
Es wa zum Teil de Ein luß des e schä en An isemi ismus, de diese
jüdischen In ellek uellen beweg e, sich in de sozialis ischen Bewegung zu
be ä igen.
Do
abe wa ih e S ellung in jüdische Hinsich wide sp uchs-
oll und nich ei on agische I onie. Denn wäh end sie den An isemi en
zum
G und
ode
Vo wand
dien e, den »jüdischen Ma xismus« noch he i-
ge anzug ei en
als
die »jüdische libe ale P esse«, a en sie selbs ,
im
Ein-
klang mi de an i eligiösen Ideologie des Ma xismus, g öß en eils aus den
jüdischen Gemeinden aus und e lo en jedes posi i e jüdische In e esse61 •
Wohl ni gends
wa
die Assimila ion olls ändige
als
in diesen K eisen.
De
Zuzug
zum
Teil hochbegab e
Juden
zu sozialis ischen Bewegung, de
damals in nennenswe em
Um ang
einse z e, hiel Jah zehn e lang an -bis
59
Zu
Gehässigkei selbs »gebilde e « Nich juden gegenübe de »jüdischen P esse« gl.
den B ie
on
Jakob Bu ckha d an F ied . on P een om 2.
1.
1880.
60 Vgl. R.
MICHELS,
a.a.O .,
S.
246 .;
SoMBART,
P ole a ische
Sozialismus, a.a.O „
S.
152 .,
is s a k subjek i , abe aus üh lich.
61
MICHELS,
ebd., sch eib ü eine e was spä e e Zei , daß on neun jüdischen Reichs agsab-
geo dne en de SPD« ie noch mosaischen Glaubens gewesen seien« (»Noch!«).
Übe
die
F ank u e Zei ung be ich e
ERNST
KAHN
(a.a.O„
S.
228 .
),
daß die d ei ein luß eichs en
jüdischen Jou nalis en des Bla es zwischen 1914 und 1930 »alle die jüdische Gemeinscha
e lassen ha en«. Dies wa ypisch ü eine g oße Schich jüdische In ellek uelle ,
om
jüdischen S andpunk aus »schlech e Juden«.
86
1871-1874
zu Au lösung des deu schen Juden ums. Wäh end die F üch e de hinge-
bungs ollen A bei diese Menschen de A bei e bewegung zugu e kamen,
iel das
Odium
ü ih e A bei au » die Juden«.
Im üb igen wa en die wi scha lichen Ve häl nisse de Juden zwischen
dem K ach on 1873 und dem Beginn de neuen Wi scha spoli ikhaup -
sächlich bes imm du ch die Wandlungen de deu schen Wi scha und
besonde s de Wi scha szweige und Be u e, zu denen sie gehö en. Bei de
s a ken jüdischen Be eiligung in allen Spa en des Bank- und Bö senwesens
lieg
au
de Hand, daß beim S u z de E ek enku se und dem
Zusammen-
b uch zahl eiche Un e nehmungen iele Juden ih Ve mögen ganz ode
g öß en eils einbüß en. Die Leid agenden wa en nich nu Di ek o en und
G oßak ionä e, sonde n wei übe diesen K eis hinaus wu den iele kleine e
und mi le e Exis enzen in den Ruin he einge issen: Makle und Agen en
e lo en ih e S ellung, kleine Ren ie s, de en Geld in nun we losen Ak ien
s eck e, e lo en ih e E spa nisse. Kaum besse ging
es
de g oßen Masse
de Juden, die
im
Wa enhandel ä ig wa en: sie e li en g oße Subs anz e lu-
s e du ch die
En we ung
ih e Wa enlage , li en un e Zahlungss ockun-
gen, Absa zschwie igkei en, e schä em Konku enzkamp und e min-
de en Gewinnspannen. Das Leben, das in den ün zige und sechzige
Jah en
und
bis 1873 leich e und aussich s olle zu we den schien, wa
wiede
schw_e
und äuße s mühe oll gewo den.
Bei alledem abe wa de »Zug de Zei «, die g undlegende Tendenz de
wi scha lichen En wicklung, noch
imme
dem Geld- und Wa enhandel
güns ig. Die schie endlose Ke e on echnischen E indungen e olu io-
nie en P oduk ion, T anspo und Nach ich enwesen
imme
au s neue. Fü
imme
neue P oduk e muß en neue Mä k e ge unden we den.
Mi
de sich
ausb ei enden na ionalen und in e na ionalen A bei s eilung und de S eige-
ung de
im
Handel umgese z en Wa enmengen muß e eine en sp echende
Auswei ung des inanziellen Appa a es, o allem de Banken, einhe ge-
hen62.
Nun
se z e zwa inne halb des Bankwesens eine s a ke Konzen a-
ionsbewegung ein, und die P i a banken begannen zuguns en de g oßen
Ak ienbanken an Bedeu ung zu e lie en. Viele wu den soga on ihnen
au gesogen. Abe o zdem e meh e sich die Zahl de P i a banken, die
die abso bie en Banken an Zahl übe wogen, nich nu in den siebzige
Jah en, sonde n bis übe die Jah hunde wende hinaus. Auch die Bö sen
nahmen an Zahl und Bedeu ung e heblich zu, da neben die ühe o he -
schenden Eisenbahnak ien und S aa sanleihen
je z
imme
meh Indus ie-
ak ien und -obliga ionen a en, die un e geb ach we den muß en
63
. Das
e u ene Be lin,
wo
sich die schlimms en Be üge eien, die wildes en
Auswüchse de Spekula ion e eigne ha en, wu de
imme
meh zum e s en
62
CLAPHAM,
a.a.
O.,
S. 195 .
63
SoMBART,
Volkswi scha i, a.a.O., S.
195
und Anlage
8.
Indus ialisie ung
und
G ünde k ise
87
Bö senpla z und zum inanziellen Mi elpunk des Reiches64. F ank u ,
dessen al e Bankie s amilien sich in den G ünde jah en iel o sich ige und
zu ückhal ende
benommen
ha en, a im Ve gleich mi den üb igen
Bö -
sen in den Hin e g und
65
.
Legen schon die geschilde en En wicklungs endenzen den Schluß nahe,
daß die K ise mi ih en Nachwehen wei es e jüdische K eise in eine schwie-
ige abe nich ausweglose Lage b ach e, so gab
es
auch einige G uppen,
denen
es
besse ging
als
dem g oßen Du chschni ,
ja
zum Teil besse
als
je.
Zunächs e leih
jede
P eiss u z und jede Dep ession mi nied igem P eis-
ni eau Pe sonen mi es en Bezügen eine höhe e Kau k a .
Zu
diese Ka e-
go ie gehö en in e s e Reihe die es besolde en, wie Beam e und O izie e,
wo un e
alle dings nu seh wenige Juden wa en. Die Ren ie s, un e denen
nach dem g oßen wi scha lichen Au s ieg in den ün zige und sechzige
Jah en eine e häl nismäßig g oße Anzahl on Juden zu inden wa en,
p o i ie en nu , wenn ih Kapi al so in es ie wa , daß die Zinsen,
Di i-
denden ode Mie en auch in den schlech en Zei en un e minde gezahl
wu den. Viele Un e nehmungen, selbs g oße und gu gelei e e, schü e en
iele Jah e keine Di idenden aus, und so manche Ren ie e lo sein Geld.
Dem
glückliche en Teil de Ren ie s ging
es
in de
Ta
in de K ise
und
wäh end de langen, dann olgenden Dep ession ech
gu
66•
Von de un e den damaligen Ums änden be o zug en G uppe bilde en
die Juden na ü lich nu einen bescheidenen Teil. Dagegen handel
es
sich bei
dem
ag a ischen Händle um, das injenenJah en in g oßen Teilen Süd- und
Wes deu schlands »e heblich wohlhabende ode ga eich«
wu de
(Hans
Rosenbe g), wäh end wenig anpassungs ähige Kleinlandwi e in wachsen-
de Ve schuldung ge ie en, as ausschließlich
um
Juden. Eine Reihe on
Fak o en
kam
zusammen,
um
hie eine agische Kon lik si ua ion zu scha -
en67.
Die Baue n li en nich
nu
un e dem P eisd uck, sonde n on 1875
an kam noch die besonde e, du ch das aus Ame ika, Süd ußland und
Ös e -
eich-Unga n eins ömende Ge eide e u sach e Ag a k ise hinzu.
Nich
wenige wich ig wa besonde s in Wü embe g, Baye n, Hessen
und
dem
Saa gebie die du ch die F ei eilba kei des Bodens und die s a ke Volks e -
meh ung
e u sach e Ze s ückelung des Bodens. Selbs seh üh ige Baue n
ha en auch in no malen Zei en nich genug Land,
um
ih e Familien zu
64
WuRM,
a.a.O „ S. 82.
65
BONN,
a.a.O ., S. 22. Bonns Familie wa sei 200Jah en in F ank u ansässig.
66
ROSENBERG,
a.a.O„
S.
42 „
mein , daß ü das »G os de A bei nehme «
und
alle »gegen
A bei slosigkei und Ku za bei gesiche en Emp änge on es en Bezügen« die Dep ession
ehe eine Zei s eigende P ospe i ä gewesen sei. Abe in unse em Zusammenhang: wie iel
Juden
gab es
wohl
un e diesen Ka ego ien?
67
Zum
olgenden gl. bes.
CLAPHAM
,
a.a.O„
S.
223
.;
SoMBART
, Volkswi scha , a.a.
O„
S.
336
.;
GEBHARDT
III
, a.a.
O„
S.
238
.; W. H.
DAWSON,
The E olu ion
o
Mode n
Ge many,
London 1919, S.
291
.

88
1871-1874
e näh en und s eb en, wenn i gend möglich Land hinzuzukau en.
Zu
die-
sem Zweck nahmen sie o Hypo heken ode ande e Schulden au , de en
T agwei e den Geschä sunkundigen meis nich kla wa , und die ihnen in
den schwe en Jah en nach 1875 o zu eine Schlinge
um
den Hals wu den.
De
Gläubige wa in ielen Fällen ein
im
Do e ode in seine Nähe
ansässige , mi allen Ve häl nissen e au e Jude. Seh häu ig
om
Vieh-
handel ode auch on de P andleihe he ins Anleihegeschä hineingekom-
men,
nahm
de jüdische Händle eine A Monopols ellung ein, da ü den
Baue n ande e K edi möglichkei en kaum exis ie en.
De
scha kalkulie-
ende, gewand e und o jüdische Geschä smann nu z e die Si ua ion o
ücksich slos aus, wäh end sich in de Baue nscha lange ein ohnmäch ige
G imm
und Haß au s au e. Die ü die Juden o agischen Folgen diese
Si ua ion a en e s in den ach zige Jah en zu age
68
.
His o ike und Soziologen kennen de a ige Spannungen
und
Kon lik e
zwischen eine wi scha lich p imi i e en, geschä sunkundigen Baue n-
scha und eine kleinen, geschä s üch igen assischen ode eligiösen
Min-
de hei on Händle n aus e schiedenen Epochen und den en legens en
Himmelss ichen. In Deu schland s and
au
de einen Sei e »de deu sche
Baue «, on den Mäch ige en seines Volkes, o allem
om
Adel, ausge-
beu e
und
niede gehal en, abe in Liede n und Geschich sbüche n e he -
lich und on
jedem
Volks edne gep iesen.
Au
de ande en Sei e s anden
jüdische Händle ode Geld e leihe , die, so e schieden sie sich auch be-
nehmen moch en, in de an isemi ischen Agi a ion
zum
S e eo yp des »jüdi-
schen Wuche e s« wu den -ein ü die an isemi ische Manipula ion und
P opaganda
nu
allzu wi ksame Gegensa z!
)
jüdische Ini ia i e
in
neuen
Indus ien
V e lassen
wi
dieses bed ückende Thema,
um
die Fülle schöp e ische
Leis ungen und die Mannig al igkei de wi scha lichen A bei sgebie e zu
be ach en, an denen Juden zu diese Zei üh end be eilig wa en.
Es
e -
schein dabei zweckmäßig, zunächs die U sachen dieses plö zlichen Au -
blühens jüdische P oduk i i ä
au
ielen on Juden ühe nie be e enen
Gebie en es zus ellen, und dann ü ein besonde s in e essan es Gebie den
Gang de En wicklung nähe zu e olgen.
Die U sachen des Umschwunges, de plö zlichen E wei e ung des
jüdi-
schen A bei s- und Ein lußgebie es, sind leich es zus ellen:
De
s eigende
Wohls and des Landes ha e die deu schen Regie ungen in die Lage e se z ,
68
MoMBERG,
Be ölke ungsleh e,
a.a.O ., 175 .,
190
.; W.
SOMBART
, De
mode ne
Kapi alis-
mus,
His o isch-sys ema ische Da s ellung des gesam eu opäischen Wi scha slebens on sei-
nen An ängen bis zu Gegenwa , 3
Bde„
München-Leipzig 1928, Bd. 3, S. 377 ., 972 .,
976 . (übe Pa allelen
in
ande en Lände n).
Indus ialisie ung
und
G ünde k ise
89
meh ü das E ziehungs- und Bildungswesen on de Volksschule bis zu
den Uni e si ä en auszugeben69. Kein Teil de Be ölke ung mach e sich die
neuen Bildungsmöglichkei en mi g öße em Ei e zunu ze
als
die Juden.
Neben de adi ionellen jüdischen Hochschä zung des »Le nens« kam hie
o allem die endlich on ielen e lang e inanzielle Basis, das S udium zu
bezahlen, zum Ausd uck70, e ne die F eihei de Niede lassung, die dem
jüdischen Akademike neue A bei smöglichkei en e ö ne e.
So
s öm en
die Juden zu den Gymnasien und Uni e si ä en
71
. Diese Begeis e ung
jüdi-
sche Jugend ü das S udium, de And ang zu den höhe en Bildungsans al-
en -neben den Uni e si ä en spiel en o allem die neuen Technischen
Hochschulen eine wich ige Rolle -hiel iele Jah zehn e, bis zum Ende des
deu schen Juden ums, an. De höhe e Bildungsg ad e scha e ielen
jun-
gen Juden, zusammen mi de besse en inanziellen Lage ih e El e n, beim
Ein i in das E we bsleben eine ühe nie gekann e Wahl eihei .
Dabei gab
es
g oße Un e schiede. Manche Söhne de Obe schich
konn-
en sich nach ollende em S udium noch ge aume Zei Auslandss udien,
meis in England, widmen, wie
z.
B. de
aus
seh begü e em Hause s am-
mende Emil Ra henau. Abe ande e, de en Leis ungen aus de deu schen
Wi scha sgeschich e ga nich wegzudenken sind, kamen aus a men Fami-
lien, wie Albe Ballin ode de Bankie Ca l Fü s enbe g. Im ganzen abe
üh e die g öße e Wahl eihei de Jugend
zu
eine auße o den lichen Be-
eiche ung des Spek ums jüdische Be u s e eilung. Dabei a ein
Zug
s a k he o , de in de jüdischen Wi scha s- wie in de Geis esgeschich e
imme wiede he o ag : de Sinn ü das Neue, Une p ob e, We dende;
de D ang, neue Wege einzuschlagen72•
Um
dieselbe Zei , in de zwei
begab e und leißige Geschä sleu e, e s Rudol Mosse, ein Jah zehn spä e
Leopold Ulls ein, das deu sche Anzeigen- und Ve lagswesen e olu ionie -
en, wand e sich eine Anzahl jünge e Juden einem Gebie zu, das neben de
Elek o echnik sich am schnells en zu en wickeln und die g öß en Zukun s-
möglichkei en zu be gen schien: de Chemie.
Die kamen
au
e schiedenen Wegen und o aus ganz ande en Lebensbe-
eichen. Häu ig wa en
es
p ak ische Ums ände, die ihnen die Beschä igung
mi chemischen P oblemen naheleg en.
So
gab z.B. de Beda de Tex ilin-
69
S. V.
WALTERSHAUSEN,
a.
a.O
., S. 364 .
70
Nu
Abi u ien en wu den zum S udium zugelassen, und kaum ein A bei e sohn kam,
schon wegen des hohen Schulgelds, au s Gymnasium
(WURM,
a.
a.O.
,
S.
147)
. Vgl. auch A.
LESCHNITZER,
Saul
und
Da id, Die P oblema ik,de deu sch-jüdischen Lebensgemeinscha ,
Heidelbe g 1954,
S.
13
.
71 1879 kamen S udie ende an den S aa sschulen
au
je
10000 Einwohne Be lins: on den
P o es an en -
51,
Ka holiken -22, Juden
350!
In
Obe schlesien: P o es an en -81, Ka holiken
-19,Juden
423
(NosSIG,
a.a.0.,
S.
33 .).
72 Vgl. dazu
TH.
VEBLENS,
Essay,
»The ln ellec ual P e-Eminence
o
Jews in
Modem
Eu ope« (1919), wiede aeged . in:
Veblen
, Essays in
Ou
Changing O de ,
New
Yo k 1934.
90
1871-1874
dus ie an Fa bs o en und die Schwie igkei , genug na ü liche Fa bs o e zu
annehmba en P eisen zu e hal en, den Haup ans oß zu He s ellung küns li-
che Fa bs o e73. Juden abe wa en mi de Tex ilindus ie, wie
wi
wissen,
sei Jah hunde en eng e bunden: das Leben Hein ich Ca os, eines de
ühen bedeu enden jüdischen Chemike , zeig den Zusammenhang zwi-
schen Chemie und Tex ilindus ie ech kla . Als Sp oß eine al en sepha di-
schen Familie 1834 in Posen gebo en, s udie e e in Be lin Chemie,
wo au
e
nach England ging und Chemike , spä e Mi inhabe eine Tex il ab ik in
Manches e wu de. 1866 keh e e nach Deu schland zu ück, a
als
Chemi-
ke in die Badische Anilin- und Soda ab ik (BASF) ein,
wo
e spä e in den
Vo s and und dann in den Au sich s a kam. Ihm we den bahnb echende
E indungen
au
as allen Gebie en de Tee a benindus ie zugesch ieben,
und
e
gil als eine de bedeu ends en Beg ünde diese Indus ie in
Deu schland
74
• Da die BASF spä e ein Teil de I.G. Fa ben wu de, gehö e
Hein ich Ca o zu den Vä e n diese O ganisa ion, zu de en En wicklung
eine ganze Anzahl Juden wich ige Bei äge geleis e haben -
u.
a.
nich
wenige als ie di ek e
Nachkommen
on Moses Mendelssohn75.
Es is beme kenswe , daß auch die b i ische I.C.I. (Impe ial Chemical
Indus ies) eindeu ig
au
die Ini ia i e eines deu schen Juden in den siebzige
Jah en zu ückgeh . Ludwig Mond, 1839 in Kassel gebo en, s udie e an
meh e en deu schen Uni e si ä en Chemie. Schon 1859,
als
e in eine
kleinen Soda ab ik a bei e e, e and e ein Ve ah en de Schwe elgewin-
nung und ließ
es
pa en ie en. 1873 g ünde e e in England zusammen mi
1.
T. B unne eine chemische Fab ik, die sich zu dem g öß en Alkali-We k de
Wel en wickel e. Die g oßa ige En wicklung des Un e nehmens, de
spä e en
1.
C.
1.,
is ein Teil de b i ischen Wi scha sgeschich e. Mond,
gleich begab
als
Chemike wie
als
indus ielle Un e nehme , e wa b nich
nu
kolossalen Reich um, den e zum g oßen Teil wohl ä igen Zwecken
zukommen
ließ, sonde n emp ing auch zahl eiche wissenscha liche Ti el
und
Eh ungen au g und on Ve ö en lichungen übe seine ielen E in-
dungen und En deckungen. In Deu schland inden wi Monds Al e sgenos-
sen und zei weiligen Konku en en Geo g Lunge aus B eslau. 1862 mach e
de D eiundzwanzigjäh ige schon eine eigene chemische Fab ik au . Abe
dann wand e e sich heo e ischen A bei en zu und wu de P o esso an de
Technischen Hochschule in Zü ich,
wo
e 30 Jah e lang leh e und zahl eiche
73 Vgl. R.
SASULY,
J.G.
Fa ben,
New
Yo k 1947,
S.
22 .
74
ZIELENZIGER,
a.a.
O.,
S.
240 .;
ENGELBERG
glaub
(a
.a.O., S.
43
.), daß o allem de
»Ausbau de Tee a benindus ie
...
die deu sche Indus ie dominie end mach e«.
75
D
. F anz Oppenheim (1853--1921),
Che
de AGFA (»Geh. Regie ungs a «), sein Sohn
D
.
Ku
Oppenheim (geb. 1886), spä e Di ek o de l.G. Fa ben,
D
. Paul Mendelssohn-
Ba holdy (1841-1881), Beg ünde de AGFA und dessen Sohn Paul (geb. 1879), Di ek o de
l.G
. Fa ben.
Indus ialisie ung
und
G ünde k ise
91
chemische We ke e aß e.
E
gal als de üh ende echnische Analy ike
seine
Zei
und
wa
de E inde neue Ins umen e, wie des
Ni ome e s
und
des Gas olume e s76•
Mo i z
T aube
aus Ra ibo , 1826 gebo en,
wa
eine de e s en deu schen
Juden,
die sich
mi
wissenscha lichen chemischen
P oblemen
be aß en. Die
No wendigkei
des
B o e we bs
zwang ihn, zei lebens die Fo schungen in
seinem Labo a o ium
mi
dem
Be ieb des ä e lichen Geschä es zu e eini-
gen.
T o zdem
leis e e
T aube
Pionie a bei
au
dem
Gebie de
Osmose
.
Fü seine
Bedeu ung
sp ich seine Mi gliedscha in de Akademie
de
Wissenscha en in Be lin. Sein Sohn Wilhelm ha e es, bezeichnende weise,
leich e :
e
s udie e
Chemie
und
wu de
P o esso an de Uni e si ä Be lin,
wo
e o ganische
Chemie
leh e. Daneben gab
es
injene
Gene a ion noch
so
manche in e essan e E scheinung -wie e wa
Adol
Pinne aus
W onke
in
Posen (1842-1909), de zunächs ü s Rabbina s udie e,
doch
die
Chemie
o zog, umsa el e
und
schon 1878 P o esso an de Uni e si ä Be lin
wu de.
De
neben Hein ich
Ca o
zwei ellos bedeu ends e
Chemike
wa
Adolph
F ank. 1834 gebo en,
wu de
e mi 14
Jah en
Apo heke leh ling,
bes and sein S aa sexamen als Apo heke
und
a als
Chemike
in eine
Zucke ab ik in S ass u ein. S ass u
wa
de
Mi elpunk
ausgedehn e
Salzbe gwe ke
und
Kalilage . Ende de ün zige
Jah e
ha e F ank be ei s
die Bedeu ung de Kalisalze als Düngemi el ü die Landwi scha
e kann
und
sich
mi
de
Nu zba machung
de Ab aumsalze ü Indus ie
und
Landwi scha be aß . Ab 1860
widme e
e sich
dem
Bau
und
Be ieb eine
Kali ab ik
und
begann
g oße
Mengen
on
Kali nach Ame ika auszu üh en.
1873 bes anden in S ass u be ei s 33 Kaliwe ke,
und
bei ih e
Zusammen-
assung
wu de
F ank Gene aldi ek o de Ve einig en Chemischen Fab iken
bei Leopoldshall77•
So
g oß
auch Zahl
und
wi scha liche
Bedeu ung
de hie um issenen
wissenscha lichen Leis ungen sein moch en, so e schöp sich
doch
in ihnen
nich die Rolle de
Juden
in de F ühzei de chemischen Indus ie
Deu sch-
lands. Ande e deu sche
Juden
kamen zu
Chemie
als
Un e nehme
ode
Geschä sleu e, o aus benachba en Wi scha sb anchen78• Eines
de
e -
s en de a igen
Un e nehmen
dü e die schon
imJah e
1826 in Be lin
on
dem
Bankie S. B. Beh end geg ünde e chemische Fab ik gewesen sein.
Die
76 F.
TEILHABER,
Schicksal
und
Leis ung, Juden in de Fo schung
und
Technik, Be lin 1931,
S.
11
.
Übe
die Bedeu ung de Soda ab ika ion bes. S. B.
CLOUGH,
The
Economic
De elopmen
o
Wes e n
Ci iliza ion,
New
Yo k 1959, S.
290
.
77
ZIELENZIGER,
a.a.
O„
S.
240
.
7s »Aus den Reihen de
D ogen-
und Me allhändle kamen die G ünde de g oßen chemi-
schen Fab iken, de me allu gischen
und
elek ischen P oduk ion. Millionen e mögen
en -
s anden hie in ku ze Zei
..
. Das jüdische Elemen spiel e auch in den neuen Indus ien eine
Rolle. Es wa hie mode ne und wandlungs ähige und such e bewuß , sich mi den ande en
Schich en zu e schmelzen« (Bonn, a.a.O ., S.
22)
.
98
1875-1896
Landwi e gegen den Handel« mi sp ach
17
. Doch is bei de Be ach ung de
Ka ellbewegung
im
Rahmen unse e Un e suchung
imme
die langsame
Ausb ei ung de Ka elle zu beach en; die meis en de genann en Schäden
s ell en sich nich so bald ein, sonde n wi haben
es
hie mi eine langanhal-
enden En wicklung zu un, die sich
om
Ende de siebzige Jah e bis in den
E s en Wel k ieg hinein in unge äh gleiche Rich ung o se z e.
Nachdem
de Rausch de Begeis e ung übe Sieg und Reichsg ündung
e logen, die ku ze He lichkei de G ünde jah e
im
g auen All ag de
Dep ession e schwunden wa , wu de die A mosphä e in Deu schland on
Gegensä zen und Spannungen wi scha liche , poli ische , soziale und
eligiöse A e üll , denen Bisma cks Wo on de »Reichs e d ossen-
hei « einen e enden Ausd uck gab.
bas
b ennends e P oblem abe wa die
»A bei e age<< -ein Sammelbeg i , dessen Haup inhal
wi
hie ku z
be ach en müssen. Die ma e ielle Lage de A bei e wa o allem du ch
Löhne gekennzeichne , die un e dem Ni eau de englischen, anzösischen
ode ga ame ikanischen lagen. Nach Wol gang Zo ns Be echnungen ielen
die du chschni lichen Wochen eallöhne zwischen 1875 und 1880/81
um
as
17%
18.
De
scha e Fall nach 1879 wa haup sächlich
au
die Ge eidezölle
zu ückzu üh en, die den B o p eis e eue en. Die Fab ika bei e , mein
Zo n,
seien ü die s eigenden inländischen Ag a p eise du ch Lohns eige-
ungen
nu
eilweise en schädig wo den -eine Ansich , die auch on
ande en
im
wesen lichen ge eil wi d
19
. Das iel ach bezeug e Wohnungs-
elend in den A bei e ie eln ug, zusammen mi de langen A bei szei und
schlech en E näh ung, iel zu de hohen S e blichkei de deu schen A bei-
e bei
20
. Diese schwe en Übels ände e bi e en einen wachsenden Teil de
A bei e gegen die bes ehende Gesellscha so dnung.
Bisma ck woll e die
ihm
e haß e sozialis ische Bewegung du ch d ako-
nische Maßnahmen e nich en. Nachdem seine e s en Ve suche, ein scha -
es
Ausnahmegese z du chzub ingen, am Wide s and des Reichs ags ge-
schei e wa en, gaben
ihm
1878 die beiden A en a e
au
den Kaise den
e wünsch en
Vo wand
und die ich ige A mosphä e,
um
das »Gese z gegen
die gemeinge äh lichen Bes ebungen de Sozialdemok a en« du chzud ük-
ken21.
Die ande e Sei e de Bisma ckschen Poli ik wa , sozusagen
als
Kom-
pensa ionsleis ung ü die A bei e scha , die Ein üh ung de Sozial e si-
17
Ebd
. S.
26
.
l8
Vgl. W.
ZORN
, »Wi scha liche
und
sozial geschich liche
Zusammenhänge
in
de
Reichs-
g ündungszei 1850-1879«, in:
WEHLER
(H g
.),
Sozialgeschich e,
S.
266
.
19 Wehle bezeichne die deu sche Ag a poli ik als eine »
nu
obe lächlich ge a n e Klassen-
gese zgebung«; H. U .
WEHLER
,
Das
deu sche
Kaise
e
ich
1871-1918, Gö ingen 1973, S. 47.
20
ENGELBERG,
a.a.O ., S.
108
.; übe das Wohnungselend des
G oßs ad -und
Landa bei e -
p ole a ia s gl.
FR
.
ÜPPENHEIMER,
a.a.O
., S. 92 .
21
WuRM,
a.a.O
., S. 153,
gib
die en scheidenden Gese ze
im
De ail.

Die
»G oße
Dep ession«
99
che ung22. Schon anläßlich de Kaise lichen Bo scha on
1881
ha e e die
Absich e künde , die A bei e du ch ein Sys em de Sozial e siche ung an
Reich und Mona chie zu binden. Dieses solle den A bei e gegen die inan-
ziellen Folgen on K ankhei , Al e , In alidi ä und Un all schü zen.
Nun
wu den, o z langwie ige , eilweise ech hi zige Deba en
im
Reichs ag
die d ei Haup gese ze de Sozial e siche ung angenommen: 1883 die K an-
ken e siche ung, im nächs en Jah die Un all e siche ung, und 1889 die
In alidi ä s- und Al e s e siche ung. Dami wa in manche Hinsich eine
imponie ende G undlage gescha en,
au
de spä e wei e gebau we den
konn e. Im Gegensa z zu de bis dahin üh enden englischen Fab ikgese z-
gebung bes and das deu sche Gese zeswe k nich nu aus Ve bo en, sonde n
wa da au angeleg , den A bei e n das Ge ühl einzu lößen, daß auch sie ein
ma e ielles In e esse an de Exis enz des S aa es hä en.
T o z
alle Mängel,
die
zum
g oßen Teil spä e besei ig wu den, s ell e die Sozial e siche ung
eine Pionie leis ung da , die
um
die Jah hunde wende in alle Wel
als
beispielha angesehen wu de. Abe o zdem wu de de poli ische Zweck
de Sozialgese zgebung zwei ellos e ehl . In de A mosphä e des Sozial-
is engese zes und de Ve olgung
wa
es
nu
na ü lich, daß die A bei e
Bisma ck miß au en.
übe dies
weige e sich de Kanzle , Gese ze zu
Besch änkung de A bei szei zu e lassen ode eine wi ksame Fab ikinspek-
ion einzu üh en, wie sie England längs besaß, ode die A bei e i gendwie
an de Ve wal ung de neuen Ein ich ungen mi wi ken zu lassen. Die
g öß en Übel, nämlich nied ige Löhne, Wohnungselend und schlech e A -
bei sbedingungen, bes anden un e ände o , und so blieb auch die Ein-
s ellung de A bei e ode jeden alls des sozialis ischen Teils, zunächs noch
lange e olu ionä .
De
Umschwung
kam bezeichnende weise e s
um
die
Jah hunde wende -
als
die neue in e na ionale P ospe i ä , die
um
1896
einse z e, Löhne und A bei sbedingungen e heblich gebesse ha e, Bis-
ma ck längs aus dem
Am
en e n und das e haß e Sozialis engese z
e schwunden
wa
23.
Ebenso wie die Ve s aa lichung de Eisenbahnen b ach e auch die Sozial-
e siche ung dem S aa e einen g oßen und daue nden Mach zuwachs und
e u sach e ein zahlenmäßiges Wachs um und ein e höh es Selbs we ge-
ühl de Minis e ialbü ok a ie und Ve wal ungsbehö den. Was nich so-
gleich ins Auge äll , is de Klassencha ak e des damaligen p eußisch-
deu schen S aa es, ü den die S eue - und Zollpoli ik die schlagends en
22
WEHLER,
Kaise eich,
a.a.O.,
s. 136;
WURM
ebd.,
s.
168.
23
ROSENBERG,
G oße
Dep ession,
(a
.a.
O.)
e ö e
aus üh lich die
Zusammenhänge
de
»langen Konjunk u wellen«
und
de
poli ischen
En wicklungen
. Es is siche kein Zu all, daß
Edua d
Be ns eins his o isches Buch, das die
Theo ie
eines un e olu ionä en Sozialismus
ode
»Re isionismus« einlei e e, 1899 e schien (E.
BERNSTEIN,
Die
Vo ausse zungen
des
Sozialismus
und
die
Au gaben
de
Sozialdemok a ie, Be lin 1899).
100
1875-1896
Beweise lie e n
24
. Die e s e e belas e e die Massen du ch indi ek e Ve -
b auchss eue n und schon e die besi zenden Klassen, wäh end die Zollpoli-
ik die an angs ech mäßigen Ge eidezölle in den ach zige Jah en wiede
und wiede e höh e,
um
au
Kos en de Ve b auche die wi scha liche
Exis enzbasis des g undbesi zenden os elbischen Adels zu siche n
25
. Gewiß
kam in jenen Jah en neben dem Adel in zunehmendem Maße auch das
Un e nehme um
, o allem du ch die üh enden Pe sönlichkei en de
Schwe indus ie, zu Mach . Doch hing de soziale und poli ische Au s ieg
de Un e nehme on Fall
zu
Fall da on ab, ob de Be e ende eine zu e -
lässig konse a i e und königs eue Gesinnung
an
den Tag geleg ha e.
Dies wa en die he schenden Klassen, zu denen einzelne he o agende
Indi iduen, wenn sie sich anpaß en und ein üg en, hinzukommen konn en.
Die Ve e e des Geld- und Wa enkapi als dagegen muß en zwa wegen
ih e Unen beh lichkei ole ie we den, wa en abe in den ach zige und
neunzige Jah en
im
allgemeinen noch iel wenige belieb
als
20
ode
30
Jah e o he , weil sich »ein ausgesp ochene Haß gegen Banken und
Bö -
sen, abe auch gegen das Kapi al im Landwa enhandel, insbesonde e den
Te minhandel« en wickel ha e
26
.
Zum
Teil wohl auch, weil die Finanz-
und Handelsk eise, ih en wi scha lichen In e essen en sp echend, noch
imme
wei gehend eihändle isch und libe al einges ell wa en.
Den Handel s eb en iele Indus ieka elle möglichs auszuschal en ode
au
bloßes Agen en um zu eduzie en. Eine de Me hoden wa die Zunahme
de gemisch en We ke, die meh e e P oduk ionss adien in sich e einig en,
ohne die Mi wi kung Außens ehende
zu
benö igeü. Vo allem abe en -
s and inne halb des Handels selbs »die Tendenz, aus de Ke e de
Han-
dels e mi lung möglichs iele Gliede auszuschal en, . . . und zwa ohne
ande e Ziele
als
die de Ve ein achung und Ve billigung des Geschä sgan-
ges«27
. Die e s en 5 bis 6 Jah zehn e nach dem Ende de Napoleonischen
K iege wa en ü den Handel ge adezu ideal gewesen.
E
p o i ie e
om
allmählichen Ve schwinden de inne deu schen Zollsch anken und de zu-
nehmenden F eihei des in e na ionalen Handels, de imme o sch ei en-
den A bei s eilung und
dem
Rückgang de P oduk ion zum Eigen e -
b auch.
Zu
Auswei ung de Mä k e, den Ve besse ungen des T anspo -
und
Nach ich enwesens kamen En wicklungen
au
scheinba e nliegenden
Gebie en, die allmählich auch die Wi scha s a k beein luß en: o allem
die Ve b ei ung de Schulbildung, welche die Massenau lagen de neuen
Tageszei ungen mi ih en Inse a en e möglich e. All dies üh e
zu
eine
24
WEHLER
,
Kaise eich,
a.a.O„
S.
141
.
25
ENGELBERG, a.a.O .,
S.
187
; s. auch seine Aus üh ungen übe die
Um
w
andlung
des
Beam
e
n-
appa a s
in
P eußen
und
im
Reich,
S. 170 .
26
WEHLER,
a.a.Ü ., S. 120 .
27
SOMBART
, Volkswi scha , a.a.O ., S.
213
.
Die
i>G oße
Dep ession«
101
gewal igen Zunahme des Handels und de im Handel Beschä ig en. Abe
nachdem diese En wicklung lange in de selben Rich ung o gesch i en
wa , se z e im le z en Vie el des Jah hunde s eine Gegen endenz ein. In de
»G oßen Dep ession« mi ih em P eisd uck und ih en Konku enzkämp en
wa de
Zwang
zu Kos ene spa nis im Handel ebenso gebie e isch wie in
de Indus ie28.
In
gleiche Rich ung wi k e die Konzen a ions endenz in
de P oduk ion sowie
im
De ailhandel29.
Besonde s ühlba wa en Au kommen und Wachs um de Konsum e ei-
ne, de en Mi gliede zahl on und 45800 im Jah e 1870 au 94000 zehn Jah e
spä e und
au
meh
als
215000 im Jah e 1890 s ieg,
um
bei Beginn des neuen
Jah hunde s wei übe eine Million
zu
e eichen
30
. Fü den Handel
ungün-
s ig wa auch die in e na ionale Zollpoli ik: die F eihandelsä a, die 1860 mi
dem
englisch- anzösischen Handels e ag ih en Höhepunk e eich ha e,
and in de G oßen Dep ession ih Ende. Noch o Bisma cks Schwenkung
zum
Schu zzoll ha e Ös e eich den
Ta i
on 1870 angenommen,
und
danach e ich e en ande e Lände ,
o
allem die Ve einig en S aa en
und
Rußland, hohe Zollmaue n31 • Von wich ige en eu opäischen Lände n blie-
ben
nu
England und Holland dem F eihandelsideal eu. So e gab sich aus
dem
Wide spiel iele K ä e wäh end de Dep ession zwa keine Abnahme
des Handels ode des in ihm beschä ig en Be ölke ungs eiles32, wohl abe
eine ie gehende Umges al ung, die an die Anpassungs ähigkei de hie
beschä ig en Menschen höchs e An o de ungen s ell e.
Vielleich am schwe s en li die nach Ka l Lamp ech Ȋl es e
au
deu -
schem Boden übe haup nachweisba e Fo m des Handels«, nämlich de
Hausie handel33, de eins ,
als
die deu sche Indus ie noch in den Kinde -
schuhen s eck e, ih g oße Diens e geleis e ha e. De Niede gang des
Hausie ens en beh e inso e n nich de agischen I onie,
als
ge ade diese
A
des Handels
dem
Geis e de kapi alis ischen Wi scha besonde s nah
e wand wa . Rück e doch de Hausie e , ande s
als
de mi elal e liche
K äme und de adi ionelle Handel spä e e Zei en, dem Kunden agg essi
zu Leibe und such e ihn zum
Kau
zu
übe eden -die Beweglichkei ,
Be edsamkei und Au d inglichkei des mode nen Geschä s eisenden ode
2s DAwsoN
(a
.a.O ., S. 89 .) schilde
seh
übe zeugend, wie die Kos en eduzie ung zu
P oduk ion
s e besse ungen in
de
Schwe indus ie und
zu
Ausschal ung
en beh liche
Zwi-
schengliede üh e.
29
SOMBART,
Volk
s
wi scha ,
a.a.O ., S. 215.
30
Ebd
.,
491
; gl. auch L.
D.
PESL,
in: G und iß
de
Sozialökonomik, a.a.O .,
Bd
. IX, Teil
1,
S.
113.
31
CLOUGH,
a.a.O ., S.
335
.
32
Nach
ENGELBERG
(a
.
a.O„
S.
291) is soga »die Zahl de
im
Handel ä igen Pe sonen on
1882 an unau hö lich ges iegen«. Ta sächlich hiel dieses Wachs um on de Mi e des 19.
Jah -
hunde s bis 1914 unun e b ochen an.
33
LAMPRECHT
, a.a.O „ S. 351 .
102
1875-1896
Reklameche s o wegnehmend. Abe
als
die Quali ä de Wa en sich hob,
selbs in kleinen S äd chen
meh
Läden en s anden und de Baue leich e in
die S ad ah en konn e, wa de Niede gang des Hausie handels un e -
meidlich.
Nu
hie und da, an de Sei e gewisse Hausindus ien, konn e e
sich noch hal en. Viele de al en Hausie e amilien wu den zunächs no lei-
dend und deklassie , ande e such en zu einem neuen
E we b
zu
kommen
-
wobei, alls e was Geld o handen wa , die E ö nung eines Ladens das
Nächs liegende wa . Abe auch die kleinen Ladenbesi ze ha en einen
schwe en S and, eilweise e u sach du ch den
Zus om
ühe außens e-
hende Elemen e. Die Hausie e wa en da nich die einzigen. Handwe ke ,
die sich gegen die übe legene Indus iekonku enz nich hal en konn en,
wand en sich iel ach dem De ailhandel zu; » o allem abe wa de Geis
des neuen Wi scha slebens in die kleinen Kapi alis en ge ah en; sie glaub-
en,
ihm
in einem kleinen K amladen
am
gewinn eichs en und
o
allem am
müheloses en, nämlich ohne Fachkenn nis und s a ke A bei sau wendung
huldigen zu können«34. Besonde s sei den siebzige Jah en wa en iele
Angehö ige des Mi els andes, o wiegend aus Klein- und Mi els äd en,
bemüh , sich
im
De ailhandel zu e ablie en. Jüdische Zuzug,
au
den wi
wei e un en noch zu ückkommen, mach e sich besonde s s a k in gewissen
Zweigen beme kba , wie dem Eisenhandel und dem Schni wa en- und
» Tuchausschni geschä «.
Das na ü liche E gebnis dieses Zud angs wa die iel beklag e Übe bese -
zung des Einzelhandels. Daneben abe üh e ge ade die No lage und die
Schä e des Konku enzkamp es zu Spezialisie ung des De ailhandels. Aus
de Kolonialwa enhandlung en sp ang das Delika essengeschä ode de
Laden, de sich ganz
au
den Ka eehandel spezialisie e,
und
aus dem
Eisenhandel en wickel en sich Geschä e mi Küchenge ä en ode Maschi-
nen, aus
dem
Schni wa enladen das Kon ek ionsgeschä . Diese E wei e-
ung
und Ve eine ung des De ailhandels
bo
e heblich meh Kau leu en
eine Exis enzmöglichkei , ohne abe , bei dem andaue nden Zuzug, die
Ge ah de Übe bese zung daue nd bannen zu können. Eine ande e
En -
wicklung
wa
de Ve such on G oßun e nehme n mi übe legene Kapi-
alk a , die gängigs en Wa en an sich zu eißen, indem sie sie besonde s
billig abgaben nach dem G undsa z »g oße Umsa z, kleine Nu zen<<.
Um
die wenige begeh en A ikel
kümme en
sie sich meis nich .
Um
den
Absa z de leich e käu lichen Wa en zu s eige n, g i en sie zu Eins ellung
on Geschä s eisenden -eine neuen Be u sa , die
um
so wich ige zu
we den schien,
je
meh
sich das Eisenbahnne z ausdehn e. Wenn g oße
P oduzen en on Eisen und S ahl, on Glas und Po zellan Reisende aus-
schick en, die dem kau männischen Zwischenhändle den Boden en zogen,
34 Ebd„ S.
356
.
Die
»G oße
Dep ession«
103
so
wa
de Ladenhandel das
Op e
de »commis oyageu s«, die ü den
G oßun e nehme des Einzelhandels a bei e en. Wohe die Tausende, die in
den neuen
Be u
eins öm en, kamen, wi d sich genau wohl nie es s ellen
lassen; doch lieg die
Ve mu ung
nahe, daß, abgesehen on de Fülle
junge ,
e s
au
den A bei sma k
kommende
K ä e, und on manchen ühe en
Hausie e n,
es
o allem ühe e Ladenbesi ze , ielleich auch einige
Hand-
we ke wa en, die ih e ühe e dü ige Selbs ändigkei mi einem e was
besse en
Einkommen
in abhängige S ellung zu e auschen be ei wa en.
Von ande en Fo men des Einzelhandels, die sich damals he ausbilde en
und e heblich
zum
Niede gang des Ladenhandels bei ugen, seien hie
nu
zwei genann . Das Ve sandgeschä , das e s nach Ve ollkommnung des
Pos e keh s, mi billigem
Po o
ü D ucksachen, Wa enp oben und Pake-
e möglich wu de, gewann besonde e Bedeu ung ü den Handel
mi
Wa-
en, die dem aschen Wechsel de Mode un e wo en wa en, wie besonde s
die Damenkleidung. Ve sandgeschä e en s anden auch ü iele ande e
Wa en,
on
schlesische Wäsche bis zum wes älischen Schinken. Von noch
g öße e Bedeu ung wa en die Wa enhäuse , de en An änge und e s e
En -
wicklung unge äh mi de »G oßen Dep ession« zusammen ielen.
A hu
We heim g ünde e sein e s es Schni wa engeschä in S alsund
im
Jah e
1876;
He mann
Tie z und sein Ne e Osca e ö ne en 1882 ih Geschä -
eben alls mi Schni wa en -in Ge a (Thü ingen). Dies wa en die An änge;
»das deu sche Wa enhaus s ieg aus dem Tex ilgeschä empo «35. Eine
deu sche E indung
wa
das Wa enhaus ebensowenig wie das Ve sandhaus:
beide O ganisa ions o men exis ie en ge aume Zei o he in F ank eich,
den Ve einig en S aa en und England. He mann Tie z ha e zwanzigjah e in
Ame ika e b ach , be o e , mi e was Kapi al zu ückgekeh , in Deu sch-
land zu Geschä sg ündung sch i . Spä e ging Osca Tie z zei weise nach
Pa is,
um
die do igen Wa enhäuse zu s udie en. Die G undsä ze,
au
denen
die Geschä s üh ung und de phänomenale E olg de neuen Fi men
be uh-
en, wa en di ek e
Einkau
beim Fab ikan en, es e P eise und Ba zahlung.
Von An ang an
wa
das Ziel,
au
Massenabsa z auszugehen und die Wa e
billig abzugeben: »g oße Absa z, kleine Nu zen«.
Das g öß e Hinde nis, das de Ausb ei ung de Wa enhäuse
im
Wege
s and,
wa
die Hal ung de Behö den, die un e dem
D uck
de e ängs ig-
en Kleinhändle s anden und die mi els ändischen Elemen e schü zen
woll-
en. Manche Pa lamen e de Einzels aa en, wie besonde s de bay ische
Land ag, e lang en schwe e Sonde s eue n
36
. Ta sächlich
wu den
auch die
Wa enhäuse in P eußen ku z nach de Jah hunde wende mi eine Sonde -
s eue beleg , die einen zei weiligen Rückgang ih e Zahl zu Folge ha e.
Abe de K ise olg e ein neue Au schwung, nachdem die Be iebs echnik
35
ZIELENZIGER, a.a.O.,
S.
207
.
36
LAMPRECHT
, a.a.O., s. 359 .

104 1875-1896
e besse
und
die S eue g oßen eils
au
die Kunden abgewälz wa . Bei-
spiel und Konku enz de Wa enhäuse spo n en iele Ladenbesi ze dazu
an, ih e Geschä e zu mode nisie en und leis ungs ähige zu machen
37
. Diese
in manche Hinsich unleugba e olkswi scha liche Nü zlichkei de Wa-
enhäuse
und
das s a ke Ve b auche in e esse an billigen P eisen leg en
auch dem Ei e de Behö den,
imme
neue S eue n und Schikanen zu
e sinnen, gewisse G enzen
au
. Abe die Be ü ch ungen eine be o s ehen-
den Ve nich ung des Ladenhandels e wiesen sich
als
g o esk übe ieben.
Au
die Ve so gung o allem g oßs äd ische Massen einges ell , konn en
sich die Wa enhäuse
au
diesem Gebie eine s a ke Posi ion e obe n; abe
noch wa en wei e Gebie e, besonde s
im
Os en
und Süden des Reiches, ganz
übe wiegend ländlich, und auch
im
üb igen Deu schland leb en Millionen
on Menschen in Dö e n, Klein- und Mi els äd en. Selbs in den
G oßs äd en konn en sich iele Läden hal en, und on dem iesigen Umsa z
des gesam en Einzelhandels en ielen nu wenige P ozen e
au
die Wa en-
häuse 38.
Wenn jedoch die Bedeu ung des Wa enhauses in ein wi scha liche
Hinsich nich übe schä z we den
da
, so wa en seine sozialen Wi kungen,
besonde s in unse em Zusammenhange, übe aus in e essan .
Sie
e deu li-
chen mi g öß e Schä e einen Vo gang, de sich gleichzei ig auch ande -
wä s in de deu schen Wi scha abspiel e: die Abnahme de selbs ändigen
Exis enzen und die s a ke Ve meh ung de Pe sonen in abhängige S ellung.
Die kleinen Ladenbesi ze , die sich gegen den We bewe b des Wa enhauses
ode Kau hauses nich hal en konn en, moch en ma e iell wenig zu e lie en
haben,
und
ih e Selbs ändigkei wa o meh Schein
als
Wi klichkei ; in
ih em Bewuß sein abe und auch in ih e sozialen S ellung spiel e diese
Selbs ändigkei eine g oße Rolle. Ande e sei s wa zwa de Rayonche
im
Wa enhaus inanziell o besse ges ell
als
manche ha ingende Kau mann
in seinem Laden
39
. Abe wie alle muß e e sich eino dnen und un e o dnen,
und übe allen hing das Damoklesschwe de En lassung.
Nu
wenige
be anden sich in gehobene S ellung ode ha en iel Aussich , so hoch
37
Übe
die Wa enhäuse knapp und sachkundig L. D.
PESL
, »Mi els ands agen«, in:
G und iß, a.a.O ., IX/
1,
S.
111
.
38 Bis in die 1930e Jah e ä ig en die Wa enhäuse n u einen ge ingen Teil des De ailhandels-
gesam umsa zes,
ca
. 4%. Vgl.
J.
R.
MAa
cus,
The
Rise
and
Des iny
o
he
Ge man
jew
, Philadel-
phia 1934,
S.
135 .
[Zu
Konzen a ion des De ailhandels s.
R.
TILLY
, in:
AuBIN-ZORN
(H g.),
Handbuch
,
a.a.O.,
II,
S.
585
., de auch die Bedeu ung de Konsum e eine, die 1910 be ei s 1,3
Millionen Mi gliede zähl en, be on . Alle dings haben 1913 die Wa enhäuse schä zungsweise
nu
2,2%,
die Konsum e eine 1, 1 % des De ailhandelsumsa zes e aß ; W.
CoNZE,
ebd., S. 626
(Anm. d. H g.)]
39
Aus diesem
G und
gingen iele, ühe selbs ändige Kau leu e
als
Anges ell e in die
Wa enhäuse . So wa en bei Leonha d Tie z in Köln ein ün el de Rayonche s ehemals
selbs ändige Qüdische?) Kau leu e;
SEGALL,
a.a.O., S.
34
.
Die
»G oße
Dep ession«
105
au zus eigen. Fü die meis en kau männischen Anges ell en e inge en
sich die Au s iegsmöglichkei en in de Dep ession,
und
diese Ve schlech e-
ung hiel soga wei e an in de olgenden Pe iode glänzende P ospe i ä .
Die ma e ielle Lage, besonde s die Lohn- und A bei sbedingungen de
kau männischen Anges ell en, wa en meis unbe iedigend, und zwa
im
Kleinhandel noch
meh
als
im
G oßhandel. Beide Be u e gal en
als
übe lau-
en on S ellungsuchenden. Nach Einse zen de P ospe i ä s iegen zwa
auch die Löhne de kau männischen Anges ell en, abe wenige
als
die de
A bei e ,
und
nich meh
als
die Lebenshal ungskos en.
Die Zahl de Anges ell en
nahm
om
An ang de ach zige Jah e an einen
aschen Au schwung. Von de e s aunlichen En wicklung, die sich in diese
Be u sg uppe on 1882 bis 1907 ollzog, geben olgende Zahlen wenigs ens
einen unge äh en Beg i : wäh end die Zahl de
Un e nehme
um
7,
09%
abnahm,
und
die de A bei e sich
um
109,
78% e meh e, s ieg die de
Anges ell en
um
nich wenige
als
592, 40% ! »Im Ve häl nis zu Zahl de
Beschä ig en s ieg de An eil de Anges ell en in Indus ie, Be gbau
und
Baugewe be on 1,54%
imJah e
1882 au 6,09%
imJah e
1907. «
40
Gleich-
zei ig wuchs auch die Anges ell enzahl
im
Handel seh e heblich, abe
p ozen ual wa das Wachs um nich so eind ucks oll, weil hie 1882 »schon
ein bedeu ende Anges ell ens ock o handen wa «. In den G oßs äd en
bilde en die Anges ell en einen besonde s hohen P ozen sa z de Be ölke-
ung. Ih An eil an de Be ölke ung in den Haup be u sg uppen Landwi -
scha , Indus ie
und
Handel s ieg on 1882 bis 1907
on
6,5%
au
12, 7%
wäh end de An eil de Selbs ändigen in de gleichen Zei on 31, 9%
au
18,8% iel41 . 1882 be ug die Gesam zahl de Selbs ändigen in den d ei
g oßen Be u sab eilungen »Land- und Fo s wi scha «, »Indus ie und
Be gbau« und »Handel und Ve keh « 5200000. Bis
zum
Jah e 1895
wa
diese Zahl au S 500000 ges iegen, und 1907 wa sie
nu
um
wenig höhe .
Da
abe die Be ölke ung und die Zahl de Be u s ä igen in
dem
Vie eljah hun-
de seh iel s ä ke gewachsen wa en, so bedeu en diese Zahlen, daß ein
imme
kleine e Teil de Be u s ä igen selbs ändig wa ; 1882 noch as ein
D i el, nämlich 32 % ; 1895 nu noch 28, 9%, und bis zum Jah e 1907
wa
de
P ozen sa z au 22,3 zu ückgegangen.
Die Bedeu ung diese Zahlen wi d kla e ,
wenn
wi
jede de g oßen
Be u sab eilungen ü sich ge enn be ach en: in de Land-
und
Fo s wi -
scha be ug die Zahl de Selbs ändigen
im
Jah e 1882 und 2288000,
d eizehn Jah e spä e 2569000 und imJah e 1907 und 2 Millionen, ode on
je
hunde in de Land-
und
Fo s wi scha ä igen Pe sonen wa en 1882:
27,8; 1895: 31,0
und
1907
nu
noch 25,7 selbs ändig
42
. Inne halb de land-
40
E.
LEDERER
u.
J.
MARSCHAK,
»De
neue
Mi els and«, in:
G und iß,
a.a.
O.,
IX/1,
S.
127.
4
Ebd.,
S.
128.
42
Nach
den
o iziellen S a is iken
und
Be u szählungen
.
Die
Zahl
de
Selbs ändigen
in
de
106
1875-1896
wi scha lichen Be ölke ung nahm de P ozen sa z de Selbs ändigen bis
1895
e was zu, danach nich une heblich ab. Im ganzen e scheinen die
sozialen Ve häl nisse de landwi scha lichen Be ölke ung in diesen Zahlen
als
ela i s abil.
Ande s s eh
es
dagegen in de Be u sab eilung »Indus ie und Be gbau«.
Hie zeig die Zahl de Selbs ändigen eine s a ke Abnahme: on und
2201000
im
Jah e 1882
au
2062000 bei de Zählung on 1895, und
ca
.
1977000
im
Jah e 1907. Von allen in »Indus ie und Be gbau« Tä igen
wa en 1882 noch übe ein D i el (34,4%) selbs ändig,
1895
:
24,
9% und im
Jah e 1907 nu noch 17,6%. Wäh end ein s a k wachsende Teil de Be öl-
ke ung in diese Be u sab eilung ä ig wa , nahm die Zahl de Selbs ändigen
da in soga absolu ab.
Dagegen zeig die Be u sab eilung C »Handel und Ve keh « eine e hebli-
che Zunahme de Selbs ändigen in absolu en Zahlen, on und 781500 im
Jah e 1882 au 843600 imJah e 1895, und
au
1012200 bei de Zählung on
1907. Doch zeugen die Ve häl niszahlen auch hie on den imme ge inge-
en Chancen, selbs ändig
zu
we den. Von
je
100
in »Handel und Ve keh «
ä igen Pe sonen wa en
1882
: 44, 7 selbs ändig,
1895
nu
36,
1 und 1907 noch
29,1.
Wi haben uns bishe mi S uk u wandlungen de deu schen Wi scha
beschä ig , die allgemeine en Cha ak e ugen. Auße diesen wies die
deu sche Wi scha wäh end de Dep ession auch S uk u wandlungen au ,
die du ch die En s ehung neue Indus ien he o ge u en wu den. Dabei
handel
es
sich einmal
um
den g oßa igen Au schwung de eng mi einande
e bundenen We indus ie und Handelsschi ah , und sodann
um
die
übe aus schnelle En wicklung de Elek izi ä sindus ie.
Be ölke ungs e meh ung und Indus ialisie ung b ach en Deu schland
in wachsende Abhängigkei on de Ein uh ausländische Lebensmi el und
Rohs o e, die mi dem Expo e lös deu sche Indus iep oduk e bezahl
we den muß e. Abe diese o z de Schu zzollpoli ik wachsende Ve lech-
ung des Landes in den W el handel43 zu eine Zei ,
in
de diese imme meh
Seehandel wu de, mach e Deu schlands Schwächen
au
den Gebie en des
Schi baues und de Handelsschi ah ühlba . England behe sch e die
O ganisa ion, Ve mi lung und Finanzie ung des in e na ionalen Handels
sowie auch den T anspo on Wa en und Menschen übe die Mee e.
Regie ung wie P i a wi scha in Deu schland sahen ih e Au gabe da in,
ih Land aus diese kos spieligen Abhängigkei on englischen We en,
Landwi scha schließ auch Pe sonen ein, die
»als
Gewe be eibende in de eigenen
Wohnung
ü ein emdes Geschä a bei en«, doch dü e ih e Zahl
kaum
ins Gewich allen.
43
De
We des deu schen Außenhandels s ieg on 1872 bis 1900
um
annähe nd 100%. Vgl.
auch
DAWSON,
a.a.
O„
S. 75. (Die G ößen inden sich di e enzie e , abe
im
wesen lichen
bes ä ig bei
TILLY
, in:
AUBIN-ZORN
,
Handbu
ch, a.
a.O
„
S.
583 . (Anm. d.
H g
.).)
Die
11G oße
Dep ession«
107
Banken und Reede eien zu be eien. Nach de Reichsg ündung und de
Ve s aa lichung de Eisenbahnen
hal
die Regie ung
o
allem du ch nied i-
ge F ach sä ze ü alle E zeugnisse, die on de Schwe indus ie
im
Wes en
zu den We en geb ach we den muß en, e ne du ch Zoll eihei ü as
alle on den We en e wa benö ig en ausländischen P oduk e44 . Die
Zunah-
me des Außenhandels und die s a ke übe seeische Auswande ung, die nich
nu
aus Deu schland, sonde n spä e o wiegend aus Rußland
und
Ös e -
eich-Unga n kam, mach en die Scha ung eine
au
deu schen We en
gebau en Handels lo e wi scha lich en abel. Hinzu kam,
im
Lau e de
ach zige
und
neunzige Jah e, das Ve langen nach Kolonien und das
D än-
gen mili ä ische und schwe indus ielle K eise
au
den Bau eine K iegs-
lo e. In eine solchen A mosphä e en wickel en sich die We en ech
gu
und e ziel en einen besonde en E olg du ch Ein üh ung des Doppelsch au-
bendamp e s, mi dem sie die englische Konku enz übe a en.
Handel e
es
sich bei Schi bau und Handelsschi ah
um
die Neubelebung
und
Mode nisie ung wich ige Indus ien nach Jah zehn en des Ve alles, so
geschah de g oßa ige Au s ieg de elek o echnischen Indus ie, ganz
ähn-
lich wie de chemischen, in e s aunlich ku ze Zei -sozusagen aus dem
Nich s. In den ie zige Jah en begann die He s ellung elek ische Ge ä e.
Bald
da au
g ünde e Siemens zusammen mi dem Mechanike Halske die
Teleg a enbauans al Siemens & Halske, die
om
P eußischen S aa
und
ku z danach auch on de ussischen Regie ung wich ige Au äge e hiel
45
.
Abe
obwohl
sich die Fi ma
gu
en wickel e, konn e selbs An ang de
siebzige Jah e on eine deu schen elek o echnischen Indus ie nich die
Rede sein. 1869 beschä ig e die Fi ma Siemens & Halske 269 A bei sk ä e,
d eiJah e spä e
543-noch
imme
kein indus ielles G oßun e nehmen. Die
s ü mische En wicklung se z e e s Ende de siebzige Jah e ein und hiel bis
zu Jah hunde wende un e minde an. An ang de ach zige Jah e begann
die E ich ung on K a we ken. Unge äh gleichzei ig ö ne e sich ein
d i es g oßes A bei s eld
au
dem nich Siemens und seine Fi ma üh end
wa en sonde n die ande e g oße Ges al in de Geschich e de deu schen
Elek oindus ie.
Emil Ra henau, de u sp ünglich Maschinenbau s udie
und
dann in
eine englischen Maschinen ab ik gea bei e ha e, wa , nach Felix Pinne ,
»eine sel ene Mischung aus Technike , Kau mann
und
Finanzmann«, de
»als
Kau mann nich
im
Händle ischen, sonde n
im
Indus iellen wu zel-
e«46.
Ca l Fü s enbe g, de ihn aus jah zehn elange F eundscha
und
Zusammena bei kann e,
ühm e
seinen »ge adezu sehe ischen Wei blick«,
44
S.
.
WALTERSHAUSEN,
a.
a.O„
S. 547 „ b ing in e essan e Einzelda s ellungen.
45
WURM,
a.a.
O„
s.
64 .; ENGELBERG,
a.a.O„
s.
40 .
46 F .
PINNER
(F
. FASSLAND, pseud.),
Deu sche
Wi scha s ah e ,
Cha lo enbu g 1925, S. 198 .
114
1875-1896
des An isemi ismus zu e kennen, we den wi , dem beg enz en Thema
diese S udie en sp echend, ihn nu inso e n behandeln,
als
e schon damals
im
Wi scha sleben wi ksam wu de.
In wi scha liche Hinsich s anden die Juden zunächs , gemeinsam mi
dem g öß en Teil de Be ölke ung
in
Deu schland und den ande en in die
damalige Wi scha e loch enen Lände n, un e dem D uck de schlech-
en Konjunk u mi ih em P eis e all und Lohnd uck66• Da übe hinaus
abe li en die Juden, weil o wiegend im Geld- und Wa enhandel ä ig und
um
selbs ändige A bei bemüh , an den damaligen S uk u wandlungen de
Wi scha . De mäch ige, alles ande e in den Scha en s ellende Au -
schwung de Schwe indus ie -das bezeichnende E eignis de damaligen
deu schen
En wicklung-
wa ü die Juden inso e n ungüns ig,
als
sie diese
Indus ie aus his o ischen und geog aphischen G ünden allgemein e ns an-
den, wäh end sie im Handel und in den eien Be u en, eilweise auch in de
Fe igwa enindus ie, s ä ke e e en wa en. In olgedessen s anden sie in
den g oßen wi scha spoli ischen Kämp en de ach zige Jah e zwischen
den schu zzöllne ischen G oßg undbesi ze n und Schwe indus iellen und
den meh eihändle isch einges ell en Ve e e n de Fe igwa enindus ie
und des Handels, meis
au
de e lie enden Sei e. Die S ä kung de Schwe -
indus ie und des G oßg undbesi zes du ch die Zölle ging no wendige wei-
se
au
Kos en des Außenhandels, de sich, wie die S a is iken zeigen,
wäh-
end de Dep ession iel wenige en wickel e
als
de inne e Ma k 67•
Sie
ging auch
au
Kos en de s äd ischen Ve b auche , de en B o e eue
wu de. So li en die Juden, sowohl
als
mi els ändische S ad bewohne
als
auch du ch den Rückgang des Außenhandels und die e schä e Konku -
enz im Handel.
De Au s ieg de Schwe indus ie bewi k e nich nu eine gewal ige
Zunahme des Reich ums in den Händen eine kleinen Zahl on Indus iema-
gna en, sonde n o allem eine Ve lage ung des wi scha lichen, gesell-
scha lichen und poli ischen Schwe gewich s im Lande, wobei die enge
66 Die Lohnen wicklung is s i ig:
WURM
(a
.a.O ., S.
110)
sp ich on »de ge ingen
Kau k a
..
. o allem de A bei e scha , de en Einkün e
...
noch nied ige gewo den
wa en«, und mein , daß sich das Lohnni eau e s An ang de 1890e Jah e gehoben habe.
Dagegen behaup e e Hans Rosenbe g, daß
es
sei Beginn de 1880e Jah e »mi den Reallöhnen
s eil nach oben ginge« und
sie
zwischen 1881und1896
um
ca.
35% ans iegen (a.a.
O.,
S.
47
.
).
67
De An eil des Expo s
an
de indus iellen P oduk ion
iel
wäh end diese Zei e heblich:
Zwischen
1882
und
1895
nahm e nu um
ca.
10% zu, wäh end gleichzei ig die indus ielle
P oduk ion sich um übe 40% e g öße e;
SoMBART,
Volkswi scha ,
a.a.
O.,
S.
428;
BARKIN,
a.a.O .,
S.
37 . Auch Jacob Riesse , de den S andpunk de G oßbanken e a , gab zu, daß
»e wa sei Beginn de ach zige Jah e die Au nahme ähigkei
...
des inne en Ma k es sich
asche und k ä ige en wickel ha
als
de äuße e Ma k «, e wähn jedoch nich den Ein luß
de Schu zzölle on
1879;
J.
RIESSER,
Die
deu schen
G oßbanken
und
ih e
Konzen a ion
im
Zusammenhang mi
de
En wicklung
de
Gesam wi scha.
in
Deu schland,
Jena
1910
3,
S.
97
.

Die
»G oße
Dep ession«
115
Ve bindung diese Indus ie mi de A mee, de Ma ine und dem so seh
mili ä eundlichen Kaise ho eine g oße Rolle spiel e. Diese ges iegene
Ein luß de Schwe indus ie ging zum Teil zwei ellos
au
Kos en de eil-
weise jüdischen »Hoch inanz«, de en Unen beh lichkei damals ohnehin
du ch die Fülle des in es i ionsscheuen, zu einem nied igen Zins uß ü die
Un e b ingung on Regie ungsanleihen e ügba en Kapi als seh zwei el-
ha gewo den wa 68. Gegen diesen Hin e g und e schein die Ges al des
»le z en
Ho juden<c
Ge son Bleich öde und dessen langjäh ige Ve bindung
mi Bisma ck
als
die Ausnahme, die die Regel bes ä ig 69. Inne halb de
Wi scha blieb de Ein luß de Banken be äch lich, abe die Füh ung ging
imme meh zu den Ak ieng oßbanken übe .
In
diesen spiel en neben he -
o agenden ch is lichen Finanzmänne n wie Geo g Siemens, dem G ünde
de Deu schen Bank, Da id Hansemann und sein Sohn Adolph, auch be-
deu ende jüdische Fachleu e eine Rolle. Max S ein hal, He mann und Paul
Wallich on de Deu schen Bank, Eugen Gu mann und sein Sohn He be
on de D esdne , Adolph und sein Ne e A hu Salomonsohn on de
Discon ogesellscha , Jacob Riesse on de Da ms äd e Bank und nich
zule z Ca l Fü s enbe g on de Be line Handelsgesellscha sind aus de
deu schen Wi scha sgeschich e nich wegzudenken. Von ihnen wie on
den P i a banken wi d spä e noch die Rede sein.
Noch s ä ke ausgep äg wa de den Juden im allgemeinen ungüns ige
Cha ak e de damaligen S uk u wandlungen
70
au
zwei ande en Gebie en.
Einmal in den g oßen e ikalen und ho izon alen Konzen a ionsp ozessen
im Bankwesen wie in einem g oßen Teil de Indus ie
71
und einem kleine en
des Handels; sodann abe in dem eno men Zuwachs wi scha liche Mach
in den Händen de »ö en lichen
Hand<c.
Maßnahmen ode En wicklungen,
68 Nach
R ESSER
(ebd., S.
70)
begann schon 1879 die Kon e ie ung deu sche S aa s-, S ad -
und Eisenbahnobliga ionen. An ande e S elle (ebd. S.
290)
be on e , man habe in Regie ungs-
k eisen
»in
de Zei on 1880 ab (geglaub ), um kein Monopol de Banken und Bankhäuse
au kommen zu lassen, einen g oßen Teil de neu ausgegebenen p eußischen S aa sanleihen im
Wege eie Begebung
...
placie en zu können«.
69 [Vgl.
STERN,
Gold
and
I on,
a.a.
O.,
pass. (Anm. d.
H g
.
))
70
So unzulässig
es
wä e, dieses ode jenes wi scha liche In e esse
als
»jüdisch«
zu
bezeich-
nen-
gehö en doch Juden zu e schiedens en, o mi einande kämp enden In e esseng uppen
-so be ech ig und no wendig is es, die wi scha lichen In e essen de g oßen Meh hei de
Juden
als
solche zu iden i izie en. Es gab Juden, wie Jacob Riesse und ande e G oßbankdi ek o-
en, die gemeinsam mi ih en nich jüdischen S andesgenossen die Konzen a ion im Bankwe-
sen und auch in Indus ie und Handel o an ieben. Abe ungleich meh Juden li en un e de
Konzen a ionsbewegung. Jüdische Wa enhausbesi ze uinie en jüdische wie ch is liche
»Schni wa enhändle « und kleine Gewe be eibende -und zu diesen Ka ego ien gehö e
damals de g öße e Teil de jüdischen Gewe be eibenden. Daß alle Juden gemeinsame wi -
scha liche In e essen e olg en, gehö in das Reich an isemi ische Phan asien!
71
R ESSER
(a.a.O .,
S.
279 .) schilde aus üh lich die Me hoden de Banken, die Ka ellisie-
ung de Indus ie- und Handels i men
zu
ö de n.
116
1875-1896
welche den Be eich de eien Wi scha zuguns en de ö en lichen
Hand
besch änk en, den Ak ionsbe eich des Un e nehme s du ch Ka ell e äge
beschni en, ode Au s iegsmöglichkei en de Jugend in Handel und Indu-
s ie e spe en, a en die Juden besonde s ha 72. Dies
da
jedoch nich zu
de i igen Annahme e lei en, daß die Dep essionszei zu eine wei gehen-
den Ve a mung de deu schen Juden ge üh habe. Die Juden ha en, ebenso
wie de g öß e Teil de Be ölke ung, wäh end de Dep ession zwa schwe
zu kämp en, abe
im
g oßen Ganzen wa en sie an ih em Ende wi scha lich
nich schlech e ges ell
als
am
An ang. Deshalb agen wi
im
olgenden
nich so seh nach den Übeln und Wide s änden, welche zu übe winden
wa en,
als
danach, in welche A und Weise, und dank welche
Ums ände
die
Juden
ims ande wa en, sich wi scha lich
imme
noch e häl nismäßig
gu
zu e hal en.
Will man die Zus ände wäh end de G oßen Dep ession e s ehen, so
muß
man zwei I üme e meiden. De e s e bes eh in de Ve kennung
ode Un e schä zung des Zei elemen s in de Wi kung wi scha liche
S uk u wandlungen. Wäh end de Wi scha s- ode Sozialhis o ike ück-
blickend o es s ellen kann, wann,
wo
und un e welchen
Ums änden
eine
solche Wandlung eingese z und wie sie sich wei e en wickel ha , handel
es
sich häu ig
um
allmähliche, aus kleinen Ansä zen zu bedeu ende K a
anwachsende P ozesse, de en an ängliche Wi kung ge ing und den Zei ge-
nossen
kaum
ühlba sein mag. Manchmal e lang ein längs
im
Gange
be indliche Wandlungsp ozeß plö zlich eine neue, explosi e K a du ch
Ve bindung mi einem neu hinzu e enden Elemen . So ha zwei llos ein
Teil de hie geschilde en S uk u wandlungen den Zei genossen zunächs
nich iel zu scha en
gemach -
abe spä e en Gene a ionen, un e e ände -
en Ums änden,
um
so meh . Wäh end das wi scha liche Schicksal de
deu schen Juden nach 1930 zum g oßen Teil un e s ändlich bleiben
muß
ohne Kenn nis de o wiegend wäh end de G oßen Dep ession en s ande-
nen S uk u wandlungen, blieben die Menschen, die die ach zige und
neunzige Jah e mi e leb en, on ielen ih e Auswi kungen noch e -
schon . Abe auch de Teil, de sie schon a , mach e ihnen genug zu
scha en.
De
zwei e
I um
be i das Wesen de damaligen Konjunk u , also de
Dep ession selbs . Jedes Unglück ha , wie eine Fülle on ös lichen Sp ich-
wö e n e künde , auch i gendwelche gu en Sei en, und was
dem
einen
n Die meis en Maßnahmen wa en wah scheinlich ohne ausgesp ochen an isemi ische Be-
wegg ünde du ch die poli ische ode wi scha liche Zweckmäßigkei dik ie . Abe in einigen
Fällen, wie z.B. bei de Sonde bes eue ung de Wa enhäuse in einigen Lände n, den Gese zen
gegen den Hausie handel, dem Ve bo des Te minhandels an de Bö se und besonde s bei de
G ündung de Rai eisenkassen
au
dem Lande, spiel en siche lich neben allgemein mi els än-
dischen, auch an isemi ische Mo i e eine Rolle.
Die
»G oße
Dep ession«
117
schade , nü z einem ande en. Fü das Wi scha sleben i dies deshalb zu,
weil sich hie iele G uppen gegenübe s ehen, de en In e essen, en sp e-
chend ih em Be u , Ve mögen, Wohno usw. ech e schieden sind und
o mi einande in Kon lik s ehen. Auch Dep essionen, die
im
allgemeinen
du ch P eis e all und Übe p oduk ion gekennzeichne sind, haben ih e
Güns linge, nämlich Pe sonen, de en Geldeinkommen s abil bleib , abe
nun e höh e Kau k a besi z : »De de la ionis ische T end .
..
wi k e sich
im g oßen und ganzen inanziell nach eilig ü Ma k p oduzen en, E ek en-
besi ze , lang is ig Ve schulde e und A bei gebe , hingegen o eilha ü
Ve b auche , zahl eiche Gläubige , und das G os de A bei nehme aus.
So
wa
z.
B. ü die Beam enscha und die O izie e wie ü alle gegen A bei s-
losigkei und Ku za bei gesiche en Emp änge on es en Bezügen die
G oße Dep ession übe haup keine Dep ession im populä en Sinne, sie wa
ielmeh ein Zei al e s eigende P ospe i ä , in dem man sich meh e lau-
ben konn e
als
zu o . Denn mi de Kau k a de Einkommen diese
Schich en ging
es
en schieden nach oben,
da
die Lebenshal ungskos en
...
sanken.
<c
73
Die Rich igkei diese -in gewissen Einzelhei en alle dings s i igen -
Anschauungen einmal un e s ell 74, gil
es,
sie
au
die Lage de damaligen
Judenhei anzuwenden. Welche Juden gehö en zu de glücklichen G uppe
de Fes besolde en? Jüdische O izie e gab
es
im
Wilhelminischen Deu sch-
land kaum, selbs wenn hie und da, e wa
in
Baye n, ein Jude zum O izie
a ancie e75. Abe
es
gab, o z alle Disk iminie ung, eine s a liche Anzahl
jüdische Beam e e schiedene A . Vom Auswä igen Diens , de ein
besonde es P es ige besaß, wu den die Juden g undsä zlich und as aus-
nahmslos e ngehal en76 • Das gleiche gil on de allgemeinen S aa s e wal-
ung, mi einigen Ausnahmen, wie dem Falle des Mo i z Ells ä e , de on
1868-1893 Badische Finanzminis e wa . Abe im Jus izdiens gab
es
eine
s a liche Anzahl on Juden. Wäh end sie zu S aa sanwal scha nu seh
sel en zugelassen wu den, gab
es
1880 allein in P eußen unge äh 100
jüdi-
sche Rich e , de en Zahl spä e noch e heblich zunahm.
Sie
wu den unge-
au in P eußen nu höchs sel en be ö de , abe ü den ge ing besolde en,
jedoch angesehenen Pos en eines Am s- ode Land ich e s wa en sie gu
genug.
In
Baye n, Hambu g, und besonde s in Baden wu den jüdische
Rich e leich e be ö de , wäh end
in
S aa en wie dem G oßhe zog um
73
ROSENBERG,
Dep ession,
a.a.0 ., S. 42 .
74
S.
Anm.
66.
75
Zum
olgenden
s. bes.
E.
HAMBURGER
»Jews in Public Se ice
unde
he
Ge man
Mona chy«,
in: YLBI
IX
(1964), S. 206-238 (aus üh liche ,
HAMBURGER,
Juden
im
ö en lichen
Leben
e c.,
a.a.O .
);
gl. auch
SEGALL,
a.a.
O„
S. 46 .
76
Übe
den Ausnahme all Wilhelm Kahn, de als
Jude
im
baye ischen
auswä igen
Diens
s and,
s.
HAMBURGER,jews,
ebd„
221
.
118
1875-1896
Hessen und
dem
König eich Sachsen Juden
om
Jus izdiens p ak isch
ausgeschlossen wa en.
Im
Gegensa z zu den Schwie igkei en und E olgen de Juden
im
Jus iz-
diens und in de Uni e si ä ska ie e, die wegen des hohen P es iges diese
Be u e iel Beach ung ge unden haben, is iel wenige bekann , doch in
unse em Zusammenhang wich ig, daß eine ech e hebliche Anzahl
jüdi-
sche S aa sbeam e in e schiedenen meh echnischen Zweigen de Ve -
wal ung ä ig
wa -
e wa
als
A chi a e, Feldmesse , ode höhe e Beam e de
P eußischen S aa seisenbahn
77
. Allgemein wa jedoch die Zahl de Juden
im
mi le en und niede en Beam en um übe all ge ing
78
. Eine G uppe
jüdi-
sche Beam e , de en
Um ang
und Bedeu ung in unse em Zusammenhang
nich leich es zus ellen is , bilden die Pe sonen, die mi »Bildung, E zie-
hung, Un e ich « beschä ig wa en. Nach de am lichen S a is ik be ug
die Zahl des jüdischen »Di ek ions- und Leh pe sonals« 1895 imme hin
übe 3000; bei de Zählung on 1907 wa die Zahl noch e was höhe ,
nämlich 3255.
De
jüdische An eil an de Gesam zahl de so Tä igen
en -
sp ach unge äh dem jüdischen Be ölke ungsan eil, nämlich 1,44 P ozen
imJah e
1895, abe nu
1,
16%
zwöl
Jah e spä e . Auch am »Ve wal ungs-
pe sonal« de a ige Ans al en en sp ach de An eil de Juden unge äh
ih em Be ölke ungsan eil, doch wa en die absolu en Zahlen hie ge ing.
Zwei ellos wä e de An eil de Juden
am
E ziehungs- und Bildungswesen
wei höhe gewesen ohne die Disk iminie ung gegen jüdische Leh k ä e,
die übe all, on de Volksschule bis zu Uni e si ä , p ak izie
wu de
und
iele, de en be u liche Eh geiz jede ande e Rücksich übe s ieg, zu Tau e
ieb.
In de am lichen S a is ik we den in de »Haup be u sab eilung E,
Ö -
en liche Diens und F eie Be u e« auch die Rabbine und die on Gemein-
den anges ell en Leh e , Kan o en und Synagogendiene au ge üh . Die
beam e en Rabbine wa en wah scheinlich in ih em Nominaleinkommen
gesiche
und
in de Regel sowohl oll beschä ig wie aus eichend besolde .
Abe
es
gab
im
ganzen Reiche nu einige hunde solche Rabbine
79
.
Dagegen wa en die ungleich zahl eiche en, siche wei übe ausend zählen-
den Leh e wede oll beschä ig noch aus eichend belohn , so daß sie in
seh ielen Fällen
als
Vo be e , Schäch e , Beschneide ode soga mi ganz
ande e A bei , z. B.
als
Buchhändle , Neben e diens suchen muß en
80
.
77
Ebd
., S. 234.
7s Ebd.; s a is isches Ma e ial hie zu ü
1895
und 1900
(1882
wu de nich nach de Kon es-
sion ge ag ),
SEGALL,
a.a.O.,
S.
47
.
79
Nach
ENGELBERT
(a
.a.O .) am ie en auße halb P eußens An ang de 1870e Jah e
125
Rabbine im Reich einschließlich Elsaß-Lo h ingen,
wo
allein
42
Rabbine gezähl wu den.
so
Wie häu ig solche Kombina ionen wa en, geh aus den Be line Judenbü ge büche n
he o ;
s.
Kap. 1, Anm.
65.
Die "G oße
Dep ession«
119
Neben den es besolde en blieb ein g oße Teil de »be u slosen Selbs än-
digen« on de Dep ession e schon .
Es
handel sich hie
um
»jene Pe so-
nen, die zwa nich e we bs ä ig sind, abe auch nich ande en Pe sonen
wi scha lich zu Las allen «81 , zumeis äl e e Ren ne und Ans al sinsassen
ohne g öße en Anhang.
De
P ozen sa z diese Pe sonen ha e sich
im
allgemeinen mi
dem
s eigenden Wohls and und de Übe al e ung de Juden
e höh
82
. So is die Ta sache, daß »die G uppe de be u slos E we benden
bei den Juden in allen deu schen S aa en mi einem as ande halbmal so
hohen P ozen sa z e e en is wie bei den Nich juden«83, meis
als
Zeichen
jüdischen Wohls ands au ge aß wo den, was
nu
mi Einsch änkungen
ich ig is . An
dem
höhe en jüdischen An eil in diese G uppe is nich zu
zwei eln: in P eußen wa en 1882 on
je
100 männlichen Pe sonen de
Gesam be ölke ung
2,
5 »be u slose Selbs ändige«, on
je
100 weiblichen
Pe sonen 2,4; abe on
je
100 Juden wa en
es
4,9;
on
je
100 Jüdinnen auch
4,
9.
25
Jah e spä e ha en sich, in einem iel eiche en Lande, die P ozen an-
eile de be u slosen Selbs ändigen übe all e höh , abe die Un e schiede
zwischen Juden und Nich juden wa en keineswegs e schwunden84. Fü das
Reich s ehen uns ü 1882 keine Zahlen zu Ve ügung. Abe 1895 be ug de
P ozen sa z de be u slosen Selbs ändigen un e allen jüdischen E we bs ä-
igen
im
Haup be u
16,
73;
imJah e
1907 soga 19,2485 .
In absolu en Zahlen inden wi , daß schon 1895 nich wenige
als
18224
Männe und 21596 F auen zu diese G uppe de »Selbs ändigen ohne Be u «
gehö en; 1907 wa en die Zahlen besonde s bei den F auen noch höhe .
Somi handel e
es
sich
um
meh e e Zehn ausende
onJuden
86
!
Doch
is zu
beach en, daß die obigen Zahlen nich nu diejenigen um assen, die » on
eigenem Ve mögen, Ren en und Pensionen« leb en, ielmeh bilde en diese
nu
eine Un e g uppe, welche zwa g öße wa
als
jede ande e, abe doch
nu
ein Teil. Daneben e scheinen in de selben »G uppe
F«
auch » on
Un e -
s ü zungen lebende«, »nich in de Familie lebende S udie ende, Semina i-
s en, Schüle « und »Insassen on In aliden-, Ve so gungs-
und
Wohl ä ig-
kei sans al en«. Somi aß hie die S a is ik wohl bemi el e Pensionä e
und
Ren ne mi den ä ms en zusammen -ein gu es Beispiel ü die G enzen
s a is ische Aussagen.
Abe selbs die am güns igs en ges ell e G uppe
wa
nich du chwegs
81
SEGALL,
a.a.
O„
20 „
29.
82
»Wie asch die Zahl de eichen Ren ne ans ieg, zeig die Kölne Einkommenss a is ik.
1854 gab es
do
162
Ren ne
die
Einkommenss eue
zahlen muß en; 1874
wa en
es
be ei s 594«;
F.
ZUNKEL,
Indus iebü ge um
in Wes deu schland, in:
WEHLER
(H g.), Sozialgeschich e,
a.
a.O„
S. 320.
83
LESTSCHINSKY,
a.
a.O„
S.
72.
84
SEGALL.
a.a.O„
S.
25
.
85
Ebd„
S. 30.
86
Ebd„
S.
79.

120
1875-1896
gegen die Schäden de Dep ession geschü z . Es kam seh da au an, wie das
»eigene Ve mögen« angeleg wa und wohe die »Ren en und Pensionen«
lossen. Diejenigen, de en Geld in Anleihen des Reiches, de deu schen
Einzels aa en, ih e Eisenbahnen ode de Kommunen angeleg wa , e hiel-
en dieselben Be äge wie ühe und ha en den Vo eil nied ige e P eise,
d.
h.
ein e höh es Realeinkommen87. Das gleiche gil on den Anleihen
ausländische S aa en ode Gesellscha en, die wäh end de ganzen Dep es-
sionszei zahlungs ähig blieben88. Das inanzielle E gehen on Ak ionä en
hing dagegen on Geschä sgang und Di idendenpoli ik de be e enden
Gesellscha en ab. Doch legen die o handenen Angaben übe die Di iden-
denpoli ik jene Jah e den Schluß nahe, daß die meis en Ren ie s, die ih
Geld in Ak ien in es ie ha en, selbs wäh end de Dep ession nich allzu
schlech ges ell wa en89. Von den ande en Möglichkei en de Kapi alanlage
müssen wi hie
au
den s äd ischen G undbesi z eingehen. Die Juden wa-
en, wie wi wissen, noch iel meh
als
die üb ige Be ölke ung in die S äd e,
besonde s die G oßs äd e, gezogen. Die Bau ä igkei konn e o mi de
Nach age nach G oßs ad wohnungen kaum Sch i hal en, die P eise s ie-
gen sp ungha 90•
Fü iele Tausende on P i a leu en bo sich so Gelegenhei , ih Kapi al
ela i siche und bequem
im
Ankau eines Mie shauses, ode du ch E we b
eine Hypo hek anzulegen. Ein g oße Teil de Hypo hekenbanken, »Bau-
banken«, Te aingesellscha en, wa on Juden geg ünde
91
, und Juden, wie
de in den ach zige Jah en bekann e Julius Ruhm, spiel en eine üh ende
Rolle
als
Be line Hypo heken- und G unds ücksmakle , wei übe die
Kaise zei hinaus
92
. Vo allem wa en
es
die Posene Juden, die besonde s in
denJ ah zehn en nach 1870 scha enweise nach Be lin zogen,
um
sich do zu
Ruhe zu se zen und gleichzei ig ih en Kinde n besse e Bildungs- und Au -
s iegsmöglichkei en zu e ö nen; sie leg en ih Kapi al wei gehend in G und-
s ücken, Hypo heken und P andb ie en an, zumal sie mi Leih- und Da le-
hensgeschä en e schiedene A aus ih e ühe en Tä igkei e au wa-
s7
ROSENBERG,
Dep ession
(a
.a.O .,
S.
42)
schilde die »Rela ions e schiebung in den Finanz-
ie ungsa en<<:
Zunahme
de ausländischen Obliga ionen
und
de
ö en lichen Anleihen
au
Kos en
de
Ak ienemissionen.
88
Übe
die
Ausdehnung
des deu schen Kapi alexpo s in diesen
Jah en
gl. C.
FÜRSTEN-
BERG,
a.a.
0.,
S.
251
.;
SOMBART,
Volkswi scha , a.a.
0.,
S. 489.
89
ROSENBERG,
Dep ession,
a.a.0 ., S.
43
.
90
LAMPRECHT
(a
.a.O .,
S.
177 .) be ich e übe
»s
ach e s ändige Schä zungen«, die das
Anwachsen
de
Bodenwe e
in den deu schen G oßs äd en zwischen 1870
und
1889
au
ach
Millia den
Ma k
e anschlagen. Auch in den landwi scha lichen Gegenden, besonde s am
Rhein, sei
de
Bodenwe
eno m
ges iegen.
Zu
den Bodenspekula ionen in
de
Be line
Umgebung
gl. W.
BusSMANN,
»Das Zei al e Bisma cks«,
Handbuch
de
deu schen
Geschich e,
Bd. 3, Kons anz 1956, S.
174
.
91
SOMBART,juden,
a.
a.O.,
s.
124.
92
Vgl. C.
FÜRSTENBERG
, a.a.O .,
S.
199.
Die
»G oße
Dep e
s
sion"
121
en93• Wäh end de Dep ession e wiesen sich solche Anlagen
im
allgemei-
nen
als
seh we oll.
Zinsen, Di idenden und sons ige E ägnisse on Kapi alanlagen lossen
na ü lich nich nu denen zu, die nich meh be u s ä ig wa en, sonde n auch
ielen, die noch a bei e en. Dabei is nich anzunehmen, daß selbs ändige
Kau leu e, bei denen die Neigung o he sch e, e ügba e Mi el zu
E -
wei e ung des eigenen Geschä es zu e wenden, und die besonde s
wäh-
end de Dep ession ih e Liquidi ä zu schü zen ha en, nennenswe e
Sum-
men in G unds ücken ode Hypo heken angeleg hä en. Bei den Ä z en,
Anwäl en, eien A chi ek en und Ingenieu en sowie bei Küns le n,
Jou na-
lis en usw., die nich pensionsbe ech ig wa en, is iel ehe anzunehmen,
daß sie e waige E spa nisse siche anzulegen such en, und sowei sich ih e
Anlagen
als
solide e wiesen, ugen die E äge dazu bei, die Emp änge
gegen die Hä en de Dep ession
zu
schü zen.
Fü die Meh hei de deu schen Juden jedoch bilde e de Geld- und
Wa enhandel das Schlach eld,
au
dem sie sich in de Dep ession gegen alle
Schwie igkei en und Ang i e behaup en muß en. Bei de p eußischen Be-
u szählung on 1882
wa
zwa de P ozen sa z alle e we bs ä igen Juden,
de
om
Handel leb e, schon e was ge inge
als
e
1861
gewesen wa , be ug
abe
imme
noch 56,6%, wäh end on de p eußischen Be ölke ung nich
einmal 6%
im
Handel ä ig wa en
94
. Das g öß e Übel, an dem de Handel
damals li ,
wa
seine ielbeklag e »Übe bese zung«, haup sächlich e u -
sach du ch den
Zus om
on Menschen aus ande en Be u en wie e wa aus
Handwe ksa en, denen die Indus ie übe legene Konku enz bo . Wi wis-
sen aus sach e s ändigen und un e däch igen Quellen, aus was ü Elemen-
en sich de
Zus om
zum Handel damals g oßen eils zusammense z e. »De
Geis des neuen Wi scha slebens wa o allem in die kleinen Kapi alis en
ge ah en, die glaub en, ihm in einem K amladen am gewinn eichs en
und
..
.
o
allem am müheloses en huldigen zu können.
<<
95 Ein spä e e
Beobach e sah den Haup g und des And anges zum Kleinhandel in dem
wei e b ei e en Glauben, do »ohne i gendwelche Fachkenn nisse und o
ohne genügendes Kapi al leich und asch Geld gewinnen« zu können,
wobei de Handel mi Ziga en ode Schuhen als besonde s güns ig gel e,
abe auch Kolonialwa engeschä e ode Sch eibwa enhandlungen, beson-
de s in de Nähe on Schulen. Solche Geschä e wü den soga iel ach on
F auen ge üh , die keine ande e Vo bildung hä en
als
die
au
de Volks-
schule e wo bene; und » ü einige Geschä e eich diese Vo bildung auch
93
A.
MARCUS
,
a.a.O„
S.
20
„ übe die Posene Juden. Ebenso M . M .
ZARCHIN,jews
in
he
P o ince
o
Posen,
S udies
in
he Communal Reco ds
o he
18 h and 19 h Cen u ies, Philadel-
phia, 1939, pass. Beide be ich en übe die jüdische T adi ion im G unds ückshandel
in
Posen.
94
LESTSCHINSKY, a.a.O „ s.
85
.
95
LAMPRECHT, a.a.O „ S. 356.
122
1875-1896
ollkommen aus, z.B. bei Milch- und Käsehandlungen«. Selbs bei ande en
Geschä en könne de Inhabe » o z seine Un ähigkei en« E olg haben,
solange g oße Kau lus bes ehe; bei eine Ände ung de Konjunk u abe
e weise sich de Inhabe
als
un ähig zu Anpassung, »de
Ru
nach S aa shil-
e,
nach Schu z ü den Kleinhandel« e öne, und die Konku se im Kleinhan-
del seien zahl eich
96
. Eine de be u ens en Kenne des Handels mein e, daß
Mangel an Kapi al und be u liche Vo bildung bei diesen Kleinhändle n die
Regel sei und daß » Ve käu e alen zu den nich !eh ba en pe sönlichen
Ve anlagungen gehö e«97•
Die jüdischen Kau leu e ha en on diese Konku enz, ein wi scha lich
gesehen, nich allzu iel
zu
ü ch en. Is doch T äghei eine de wenigen
schlech en Eigenscha en, die uns kaum o gewo en we den; im Gegen eil,
»jüdische Has «, as lose Be iebsamkei is de ausend ach wiede hol e
Vo wu . Auch is
es
angesich s de jüdischen Diaspo ageschich e kla , daß
in de Regel
nu
Familien mi gu en wickel em Geschä ssinn den e ba -
mungslosen Exis enzkamp aushal en konn en. Wenn de jüdische Nach-
wuchs in Deu schland kau männische Kenn nisse nich gleichsam »mi de
Mu e milch« einsog98, so hö e e doch im emp änglichs en Al e , im
El e nhaus, meh on Geschä en
als
die meis en Baue n-, Handwe ke -
und Beam ensöhne
je
ohne g oße Mühe e le nen konn en. Die »jüdische
Anpassungs ähigkei « is on k i isch einges ell en nich jüdischen Wissen-
scha le n, abe auch on jüdische Sei e he o gehoben wo den
99
. Aus all
diesen G ünden hä en Juden in einem ein wi scha lichen Konku enz-
kamp
wohl nu sel en zu den Un e legenen gehö . Abe ih e Gegne
üh en den
Kamp
wei gehend mi poli ischen und sozialen Mi eln, an ise-
mi ischen Boyko en und dem
Ru
nach legisla i em D uck. Manche de
Gese ze, die im Reich gegen den Te minhandel
an
de Bö se, in manchen
Bundess aa en gegen die Wa enhäuse ode gegen den Hausie handel e las-
sen wu den, üg en Teilen de jüdischen Geschä swel g oßen Schaden
zu100• Man muß die Wi kung all diese poli ischen und sozialen Fak o en
96
PESL,
»Mi els ands agen«, a.a.O.,
S.
104 .
E
be ich e auch, daß nach s a is ischen
E hebungen in B aunschweig 1882 noch 67% alle Kolonialwa enhändle kau männisch
o -
gebilde wa en.
1901
wa die Zahl de Geschä e on
150
au 276 ges iegen, on de en Inhabe n
nu 34% i gendeine achliche Ausbildung ha en (ebd., S.
118
.
).
97 Vgl. J.
HIRSCH,
»De mode ne Handel, seine O ganisa ion und Fo men und die s aa liche
Binnenhandelspoli ik«, in: G und iß,
a.a.O.,
V /2,
S.
224 .
98
HIRSCH
(ebd., S.
192)
sp ich on de »S ammesmäßigen Ve schiedenhei in de Eignung
zum Handel« und den Juden
als
»O ganisa o en des Handels pa excellence«.
99
MICHEL,
a.a.O ., S. 246, p eis die »schie unbeg enz e Adap ibili ä « de Juden. Ebenso
SOMBART,juden,
a.a.O ., s. 322 . Vgl. auch
LESCHNITZER,
a.a.O., S. 50 .
100
HIRSCH
(a
.a.O., S.
245)
mein alle dings, daß die Sonde s eue n
au
die Umsä ze de
Wa enhäuse
nu
wenig Ein luß ha en. Die Neug ündungen hä en zwa in P eußen e was
nachgelassen, doch hä en die Un e nehme bald Wege ge unden, die Bes immungen zu
umgehen.
Die
11G oße
Dep ession«
123
ebenso wie den wi scha lichen Exis enzkamp in Be ach ziehen,
um
zu
e messen, wie ge äh de und p ekä die Lage des g oßen,
om
Handel
lebenden Teiles de deu schen Juden damals wa .
d)
Ge inge
Ein luß au
die
Be u ss uk u
T o zdem
e anlaß e diese En wicklung keine wesen liche Umschich-
ung de jüdischen Be u ss uk u : p ozen ual ging zwa de An eil de im
Handel Beschä ig en leich zu ück, abe ih e Zahl nahm absolu noch
imme
zu. 1882 wa en in P eußen,
wo
e wa zwei D i el alle deu schen
Juden leb en, 78196, ode 56,6% alle e we bs ä igen Juden im »Handel
und
Ve keh « ä ig. 1895 wa zwa die absolu e Zahl
au
86 753 Pe sonen ges ie-
gen, abe de P ozen sa z
au
55,25 ge allen. Bis zu Zählung on 1907
wa
die absolu e Zahl
au
as 93000 ges iegen, de P ozen sa z
au
48,55 ge al-
len. Wäh end de gleichen Zei spanne wiesen die in de Indus ie e we bs ä-
igen Juden sowohl absolu wie auch ela i e hebliche
Zunahmen
au : ih e
Zahl s ieg on 28546imJah e1882 au übe 33000 d eizehn Jah e spä e ,
und
au
übe 46000 im Jah e 1907, de P ozen sa z im gleichen Vie eljah hun-
de on 21,39 au 24,05. Auch die Zahl de in den » eien Be u en« ä igen
Juden
nahm
absolu wie ela i zu; und die schon ühe in ande em
Zusam-
menhang es ges ell e Ve meh ung de »be u slosen Selbs ändigen« (g öß-
en eils Ren ie s) a auch hie wiede in E scheinung101 •
Die Zahlen ü den zwei g öß en Bundess aa Baye n zeigen in iele
Hinsich ein ähnliches Bild. Auch hie inden wi eine ziemlich s a ke
Zunahme
in den » eien Be u en«, absolu wie ela i , eine noch s ä ke e
Zunahme
in de
Indus ie- on
11,
76imJah e1882 au 15,02imJah e
1907-
und eine absolu e und ela i e Zunahme de »be u slosen Selbs ändigen«.
Doch
zeig sich die on de p eußischen s a k abweichende, noch o wie-
gend ag a ische Wi scha ss uk u Baye ns o allem da in, daß 1882 noch
9,
71
% de e we bs ä igen Juden in de Landwi scha ä ig wa en -gegen-
übe 1,28% in P eußen.
Dann
abe nahm de P ozen sa z asch ab, nämlich
au 3,67
imJah e
1895 und 2,66
zwöl
Jah e spä e . Diese En wicklung
wa
das E gebnis de Abwande ung on ausenden on Juden aus den kleinen
ländlichen Gemeinden Baye ns in die wenigen g oßen S äd e,
o
allem
Nü nbe g
und München,
wo
ihnen das Geschä sleben noch gu e Möglich-
kei en bo . En sp echend blieb in Baye n de P ozen sa z de
im
Handel
e we bs ä igen Juden as un e ände , on 1882 bis 1907 wies e soga eine
ge inge Zunahme au : on
54,37au 54
,
44.
Absolu abe nahm die Zahl de
im
Handel beschä ig en bay ischen Juden in dem Vie eljah hunde
um
nich wenige
als
und d eieinhalb Tausend zu102!
101 SEGALL,
a.a.0.,
S.
65
.
102 Ebd.,
S.
63.
130 1875-1896
noch besonde e Ums ände. 1874 wa nach he igem Wide s eben,
o
allem im P eußischen He enhaus, ein on dem jüdischen Reichs agsabge-
o dne en D . Edua d Laske e aß es Gese z angenommen wo den, das
den Zins uß öllig eigab
124
. Laske handel e
als
übe zeug e Anhänge des
Laissez- ai e-P inzips. Abe die neue F eihei wu de o in g öbs e Weise
mißb auch , zum Beispiel on den -zum g oßen Teil jüdischen -p i a en
P andleihe n in Be lin.
Au
dem Lande ha e das Gese z
u.
a.
zu Folge, daß
e schulde e Baue n, die auße s ande wa en, ech zei ig zu ückzuzahlen,
ganz legal on Haus und
Ho
e ieben we den konn en -was ungeheue
iel böses Blu e eg e. Abe selbs abgesehen on solchen k assen Fällen -
de en
es
iele gab -
125
e zeug e schon de Gegensa z zwischen den on de
De la ion begüns ig en jüdischen Gläubige n und ih en Schuldne n Haß
und Neid. Ein im Jah e 1880 e lassenes Wuche gese z beug e zwa den
schlimms en Mißb äuchen des Geld- ode Da lehenswuche s o , ließ abe
iele ande e Möglichkei en o en. So daue en g obe Mißs ände besonde s
in den kleinbäue lichen Gegenden Süd- und Wes deu schlands (Hessen, den
Rheinlanden, Baden, Teilen on Wü embe g und Baye n sowie Elsaß-
Lo h ingen) wei e an und ugen, besonde s nachdem sie du ch die Enque e
des »Ve eins ü Sozialpoli ik« übe den »Wuche
au
dem
Lande<c
126
de
wei es en Ö en lichkei bekann gewo den wa en, seh iel zu Ve schä -
ung des An isemi ismus bei.
Welche Belas ung die on eine Unzahl on Zei ungen, Flugsch i en
und
he umziehenden Agi a o en und selbs on bekann en Uni e si ä sp o es-
so en127
be iebene juden eindliche Kampagne ü die Juden
im
ganzen
Reich bedeu e e, da on gib die jüdische P esse jene Zei ein e schü e ndes
Bild. Die Hal ung de Behö den wa noch as de einzige Lich blick. Die
selbe Regie ung, die Juden bei Ans ellungen und Be ö de ungen schwe
benach eilig e, ließ doch im allgemeinen gewal same an isemi ische Aus-
sch ei ungen nich zu. De Jus izminis e in Be lin wies alle Ge ich e e s e
Ins anz an, »die angezeig en Fälle an isemi ische Aussch ei ungen mi dem
höchs en gese zlichen S a maße zu bes a en«
128
. Wäh end de ä gs en
Judenhe ze im Lande uh die p eußische Regie ung dami o , Juden mi
124
CARO,
a.
a.O„
S.
37
.
125 Nach
CARO
(ebd.) wu den 1880-1888 in Baye n nich wenige
als
17200 Hö e zwangs-
e s eige , da on 80% kleine G undbesi z, zum G oß eil wegen »wuche ische Da lehen«.
126
S.
Einlei ung, Anm. 4.
127
ADOLPH
WAGNER,
eine de »gemäßig e en« An isemi en, e klä e
au
eine Ve samm-
lung des »Konse a i en Ve eins« in F ank u a. M„
es
gäbe un e den Juden auch ans ändige
. Elemen e
...
abe allgemein hö e man, daß die Juden zwa nich imme die No lage scha en,
sie jedoch imme ausbeu en wü den. Die »Such beim Juden um, jeden kleinen Vo eil im
Wi scha sleben auszubeu en«, b inge sie zum Wuche ;
De
Is aeli ,
Mainz, Janua 1884.
128
Is aeli ,
ebd.

Die
»G oße
Dep ession«
131
O den
auszuzeichnen129.
So
g o esk uns heu e de Gegensa z zwischen
diesen Gnadenbezeugungen (wenn auch
»4.
Klasse«) ü ein paa eiche
Juden und dem D uck, un e dem as die ganze Judenhei leb e,
o kom-
men mag, so unzwei elha e schein es, daß eine Begüns igung des Radau-
an isemi ismus du ch die Regie ung unabsehba e Folgen gehab hä e.
Die en scheidende Wendung
in
de Lage de Baue n und dami eine
Milde ung de sozialen Spannungen kam nich on Regie ungssei e, son-
de n du ch das landwi scha liche Genossenscha swesen. E s spä e
wu -
de die Ach ung und Un e s ü zung des S aa es e zwungen und auch eine
nü zliche Ve bindung zu Hoch inanz he ges ell 130. Das We k
F.
W.
Rai -
eisens, o allem die Scha ung de Spa - und Da lehensgenossenscha en,
wa hie besonde s bedeu ungs oll
131
. Seine Bemühungen, de no leiden-
den heinischen Landbe ölke ung
zu
hel en, begannen zwa schon in den
Hunge jah en 1846/47, e eich en abe lange Zei kaum meh
als
die E ich-
ung eine A on Wohl ä igkei s e einen. E s in den siebzige Jah en and
e den Weg zu G ündung kleine , au unbesch änk e Ha ung de Mi glie-
de be uhenden Genossenscha en. Seine Haup ziele wa en die Scha ung
lang- und ku z is ige K edi möglichkei en ü die Baue n und de en E zie-
hung ü die mode ne E we bswi scha . Von de Mi e de siebzige Jah e
an e b ei e en sich die Genossenscha en besonde s in Süd- und Wes -
deu schland so s a k, daß den meis en bishe igen Mißs änden de Boden
en zogen wu de. Die Rai eisen-Genossenscha en be ä ig en sich iel ach
auch
als
Ein- und Ve kau sgenossenscha en. Dami wa das Monopol in de
Gewäh ung ländlichen K edi es, das die meis jüdischen Viehhändle in
manchen Teilen Deu schlands innegehab ha en, geb ochen. In de zwei en
Häl e de neunzige Jah e b ach e die g oße Welle de neuen P ospe i ä , die
die ganze damalige Wel wi scha und insbesonde e auch in Deu schland
e aß e, eine wesen liche En spannung. Als
es
as allen Klassen besse ging,
ließ auch die Suche nach dem »Schuldigen« nach: de An isemi ismus e -
schwand zwa keineswegs, abe die Fiebe ku e zeig e abwä s.
Was abe wu de aus den jüdischen Viehhändle n, nachdem die En wick-
lung de landwi scha lichen Genossenscha en zum Rückgang des
jüdi-
schen Handels, und besonde s des Viehhandels, ge üh und diesen in ielen
Gegenden zu Bedeu ungslosigkei eduzie ha e132? Die Jah e de g öß en
l29
So melde e die jüdische P esse z. B.
mi
o ensich liche
Genug uung,
daß
de
Geheime
Komme zien a
Simon
in Königsbe g den »Ro en Adle o den ie e Klasse« e hal en habe.
130
Die
wich igs e
Ta
de
Regie ung
au
diesem Gebie
wa
die
E ich ung
de
P eußischen
Zen algenossenscha skasse du ch Finanzminis e Miquel 1895.
Von
den
G oßbanken
wu de
o
allem die
D esdne
Bank, du ch ih e Genossenscha sab eilung, eingeschal e ; gl. C.
BRINKMANN,
Wi scha s-
und
Sozialgeschich e,
Gö ingen 19532,
S.
168.
13l
SOMBART,
Volkswi scha , a.a.
O.,
s.
310 .;
s.
V.
WALTERSHAUSEN,
a.a.O
.,
S.
458
.;
CLAPHAM,
a.
a.O
.,
s.
221
.;
DAWSON,
a.a.O .,
s.
294 .
132
SEGALL,
a.
a.O.,
S.
34.
132
1875-1896
E egung übe den »jüdischen Wuche
au
dem Lande«
- on
e wa 1880 bis
1885-
wa zugleich die Zei eno m s a ke Auswande ung aus dem Reiche,
mögliche weise de »g öß en Auswande ungs lu de deu schen Geschich-
e«133
. Von den mannig achen wi scha lichen und poli ischen G ünden
diese Massenauswande ung wa en die schwe e Wi scha slage, wachsende
Unzu iedenhei mi den poli ischen Zus änden, speziell mi dem Ausnah-
megese z gegen die Sozialdemok a en, wohl die ausschlaggebends en. Die-
se
Mo i e spiel en auch bei den jüdischen Auswande e n eine Rolle, abe ü
sie kamen zwei ellos die Ve schä ung des An isemi ismus und de schwe e
wi scha liche und menschliche D uck hinzu, un e dem besonde s die
Viehhändle li en. Jeden alls wa die jüdische Auswande ung damals e -
häl nismäßig noch s ä ke
als
die allgemeine
134
. Das o liegende Ma e ial
läß zwa nich genau e kennen, wie g oß die jüdische Auswande ungjene
Jah e wa , geschweige denn wie iele Viehhändle da un e wa en. Abe wi
hal en
es
ü höchs wah scheinlich, daß eine e hebliche Zahl on Viehhänd-
le n damals nach den Ve einig en S aa en ode A gen inien ausgewande
is . Viele blieben jedoch
an
O
und S elle und im selben Be u . Es is eine
ebenso übe aschende wie au schluß eiche Ta sache, daß noch ein halbes
Jah hunde spä e , im An ang de na ionalsozialis ischen Ve eibungs-
und Ze s ö ungszei , ge ade in Hessen,
wo
de jüdische Wuche angeblich
ganz besonde s schlimm gehaus ha e, as in jede de ielen kleinen
Gemeinden ein ode ga meh e e jüdische Viehhändle
zu
inden wa en135.
g) P i a bankie s und Ak ienbanken
Wi haben uns mi dem Schicksal zweie A en on jüdischen Händle n
aus besonde en G ünden nähe be aß : mi den Hausie e n
als
einem Beweis,
daß
es
o z des g oßen jüdischen Au s iegs in den o he gegangenen ie
bis
ün
Jah zehn en selbs
in
den ach zige Jah en noch zahl eiche a me
Juden gab, die abe on den Behö den nich ge ö de , sonde n nu bed ück
wu den; mi den Viehhändle n, weil das P oblem des »jüdischen Wuche s
au
dem Lande«, dessen sich ba s e Ve kö pe ung sie wa en, wäh end de
Dep ession zu einem Alpd uck und eine Ge ah ü die ganze Judenhei des
Reiches wu de. Die jüdische Geschich ssch eibung konn e, solange sie un e
dem Zwange de Ve häl nisse apologe isch einges ell wa ,
au
diese
The-
m WALKER, a.a.0 .,
S.
219
.
134
SEGALL, a.a.O ., S .
6,
e echne ü 1880-1895 einen absolu en jüdischen Wande ungs e -
lus on
5100
Pe sonen
in
Hessen und 1444
in
Wü embe g, wobei die na ü liche Ve meh ung
unbeach e blieb, d. h., daß de eale Wande ungs e lus noch g öße wa .
E
weis auch
au
den daue nden Wande ungs e lus in Elsaß-Lo h ingen hin, ü das keine zu e lässigen S a i-
s iken bes ehen.
135
Vgl. ARNSBERG, a.a.O ., pass., de ein gu es Gesam bild de ande sa igen Be u sgliede-
ung und g öße en Bodens ändigkei diese Gemeinden gib .
Die
»G oße
Dep ession"
133
men
kaum
eingehen. Dagegen können wi die Wandlungen, die wäh end
de Dep ession in Si ua ion und Tä igkei de g oßen Masse de handel ei-
benden Juden ein a en, nu in g oßen Zügen kennzeichnen. Diese Ve ände-
ungen, die sich in unge äh gleiche Rich ung bis zum E s en Wel k ieg
o se z en, lassen sich leich e ü die olgende Zei e olgen, ü die
besse e s a is ische Un e lagen zu Ve ügung s ehen.
Im »Geldhandel« konn en die as du chwegs in Be lin konzen ie en
G oßbanken mi ih e Kapi alk a und ih en wei gespann en Deposi enkas-
senne zen die g oßen, luk a i en Geschä e e häl nismäßig leich an sich
ziehen, wäh end selbs die üch igs en P i a bankie s ih en An eil kaum
au ech e hal en konn en136. Inne halb de G oßbanken abe he sch e, wie
in den G oßbe ieben de Indus ie, ein ziemlich es ge üg es hie a chisches
Sys em, in
dem
jede Au s ieg schwie ig wa . So wuchs das Hee de
Bankbeam en -eines neuen, meh ode wenige bü ok a ischen
Typs
: 1882
gab
es
in Deu schland e s 28 Banken mi einem Pe sonal on 50 ode
meh
Pe sonen. Ih e Anges ell en zähl en insgesam 2697 Pe sonen. 1895 gab
es
schon 66 solche Banken mi insgesam 7802 Anges ell en137. Abgesehen on
de schwindenden Au s iegsmöglichkei e möglich e das
Zusammens ö-
men iele Kau - und Ve kau so de s ü E ek en den G oßbanken, diese
Au äge wei gehend bei sich zu kompensie en, ohne an die Bö se zu gehen
und so Ve mi lungso gane wie die Bö senmakle auszuschal en
138
. Endlich
wu de
de Niede gang des P i a bankie ss andes noch du ch eine ehle ha -
e Bö sen- und S empels eue gese zgebung beschleunig
139
.
In Anbe ach diese En wicklung des Bankwesens is die Abnahme des
jüdischen An eils nich übe aschend. Die Zahlen ü P eußen geben, bei de
übe agenden Bedeu ung Be lins
als
Finanzzen um, ein ziemlich zu e läs-
siges Bild de En wicklung
im
Reich. In P eußen wa en
im
Geld-
und
K edi wesen beschä ig :
imJah e
1882 insgesam 13234 Pe sonen, on denen 2908
Juden
wa en;
imJah e
1895 insgesam 19108 Pe sonen, on denen 3045
Juden
wa en.
De
zahlenmäßige An eil de Juden iel also on 21, 97%
au
15,94%.
De
wei e e Fo gang de En wicklung mach de en einschneidende Bedeu ung
noch deu liche : 1925 wa en nu noch 3,84% alle
im
gleichen Sek o
Beschä ig en Juden. Wi e hal en jedoch ein p ägnan e es Bild,
wenn
wi
136
MAUERSBERG,
a.a.
0„
S. 358 ., sp ich besonde s ü das Hanno e sche Bankgewebe
on
de »unausbleiblichen Konsequenz de Au saugung de ielen kleinen P i a banken du ch
G oßbank ilialen, de en Zen en in die Reichshaup s ad e leg wo den wa en«.
137
RIESSER,
a.a.O
., s.
577
.
138
Ebd
., S.
583
.
139
SEGALL,
a.a.O .,
S.
35 ., häl die Bö sengese zgebung on 1896 ü einen
Haup g und
des
Niede gangs de jüdischen P i a bankie s. Du ch das Ve bo des Te minhandels seien sie in
Liquidi ä sschwie igkei en ge a en, wäh end die G oßbanken ü Geldmi el so gen
und
die
Kundscha an sich ziehen konn en.
134
1875-1896
die Bankdi ek o en und die »Be iebsinhabe on Bank- und K edi un e -
nehmen« be ach en. Von diesen gab
es
in P eußen:
1882 2733 Pe sonen,
wo on
1182 ode 43,25% Juden wa en;
1895 2982 Pe sonen,
wo on
1122 ode 37,63% Juden wa en.
Die Sp ache diese Zi e n is kla : die Zahl de jüdischen Bankanges ell-
en
nahm
absolu ein wenig zu, die de jüdischen Be iebsinhabe
und-lei e
dagegen ab. Die Tausende on Bankanges ell en, die sei 1882 neu hinzuge-
kommen
wa en, en s amm en so
gu
wie ausschließlich nich jüdischen
K eisen
140
. Die besch änk e Anziehungsk a , die das Bankgewe be
au
junge
Juden ausüb e, e klä sich aus den e inge en Au s iegsmöglichkei-
en in eine ein ö mig gewo denen Tä igkei und dem zunehmenden An ise-
mi ismus in Anges ell en- und Beam enk eisen. Die Ta sache, daß in de
Lei ung de meis en G oßbanken jüdische Männe wie
He mann
Wallich,
Eugen Gu mann, Adolph Salomonsohn, Jakob Riesse
u.
a.
a bei e en,
schloß hie ebensowenig wie in de chemischen Indus ie aus, daß de la en e
ode o ene An isemi ismus de mi le en und un e en Anges ell enjungen
jüdischen K ä en den Ein i übe aus schwe und o unmöglich mach e.
h) De
Wa enhandel
Im Geld- und K edi wesen wa nu ein kleine B uch eil de
im
Handel
beschä ig en Juden ä ig. Die Haup masse alle e we bs ä igen
Juden
e -
näh e sich
om»
Wa en- und P oduk enhandel
im
s ehenden Geschä sbe-
ieb«141.
Hie wa , namen lich
im
Einzelhandel, wäh end de Dep ession
de Exis enzkamp besonde s ha . Wi müssen dahe ku z un e suchen,
wie, du ch welche Mi el, sich die Juden de Lage anpaß en. Dabei
wi d
sich
e geben, daß ein Teil zwa seine A bei sweise, ielleich auch seine S ellung
ände e, abe
im
Be eich des »Wa en- und P oduk enhandels« blieb, ein
ande e Teil, meis aus
jünge en
Menschen bes ehend, den Handel
zugun-
s en ande e Be u e au gab, wäh end eine d i e, eben alls jünge e G uppe,
Deu schland den Rücken keh e und auswande e.
In jede Pe iode einschneidende wi scha liche , soziale ode poli ische
Ve ände ungen sind es s e s die äl e en Menschen, die
am
meis en leiden.
Selbs
wenn
sie die An o de ungen de neuen Zei e s ehen, können sie aus
p ak ischen G ünden sich kaum noch ums ellen, wäh end die
jünge en
iel
ehe ims ande sind, sich anzupassen
142
. We sich o de Dep ession lange in
140
LESTSCHINSKY,
a.a.O .•
s.
90
.
141 Vgl. die s a is ischen Angaben bei
SEGALL
, a.a.O ., S. 33. 1895 wa en in 563300
Haup -
und 122900 Nebenbe ieben des Wa enhandels insgesam 1142000 Pe sonen beschä ig , da-
on 520000 als Be iebslei e . »Es moch e zu e en, wenn man on den Be ieben mindes ens
neun Zehn el dem De ailhandel zu echne e«;
LAMPRECHT,
a.
a.O
.,
S.
355.
14
2 H .
RAUCHBERG,
Die Be u s- und Gewe bezählung im Deu schen Reich on 1896, Be lin
1901, b ing s a is isches Ma e ial, das beweis , daß Be u e die im Rückgang beg i en wa en,
Die
»G oße
Dep ession«
135
einem Be u e be ä ig , B anchenkenn nisse
e wo ben
und
ielleich e was
Kapi al in es ie ha e, dach e
nu
in den sel ens en Fällen an Auswande-
ung. Auch die Ums ellung
au
einen ganz ande en
Be u
kam
meis ens
kaum
in F age. Ehe e such e e in de gleichen ode eine e wand en
B anche,
wenn
auch in ande e S ellung, zu bleiben. Eine kau männisch
und
o ganisa o isch besonde s begab en, zum Teil auch e mögenden
Min-
de hei
on
De ailhändle n gelang de Übe gang
zum
G oßhandel,
wo
die
An o de ungen an pe sönliche Tüch igkei
und
Wagemu , abe auch die
Gewinnchancen
und
das P es ige seh iel
g öße
wa en. Diese jüdische
Übe gang
zum
G oßhandel
wu de
iel ach beobach e . Die
g oße
Meh hei
de jüdischen De aillis en abe , denen die Fo üh ung ih es Geschä es
unmöglich
gewo den
wa ,
muß e
sich en schließen, ih e Selbs ändigkei
ganz ode eilweise zu op e n.
Ohnehin
wa o die ühe e Selbs ändigkei
zum
bloßen Schein gewo den -de nu noch einen gewissen P es igewe
besi zen moch e. Die F eihei des En schlusses, die Ve ügungsgewal ha -
en sie
un e
D uck
de Ve häl nisse längs eingebüß 143. Viele Händle
be anden sich in d ückends e Abhängigkei
om
G oßhändle
ode
Fab i-
kan en, de ihnen den g öß en Teil de Wa e k edi ie e, abe sich da ü
be ech ig hiel , ihnen o zusch eiben, was ü Wa en sie üh en
und
welche
P eise sie be echnen konn en. Die P oduzen enka elle d ück en o den
Händle
zum
bloßen Agen en he ab.
So
wa en in Tausenden on Fällen
»selbs ändige« Fi meninhabe
mi
ih en So gen, ih e Ve an wo ung,
und
de Unsiche hei ih e Exis enz iel schlech e d an als iele Anges ell e in
gehobene en Posi ionen bei g oßen Un e nehmungen.
Die gleiche Wi scha sdynamik, die We
und
Wesen de Selbs ändigkei
in zahllosen Fällen aushöhl e, schu jedoch eine Reihe
on
Be u en, in denen
Elemen e de Selbs ändigkei
mi
solchen de Abhängigkei gemisch au -
a en, so daß
es
o
au
den indi iduellen Fall ankam, ob die einen
ode
die
ande en übe wogen. Dabei handel e
es
sich
o
allem
um
Be u e e mi eln-
de ode »a bei s e ke ende « A . Die mode ne
Fo m
des Hausie e s
wu de
de Geschä s eisende
144
. »Rech lich is de Reisende in Deu schland
du chweg Anges ell e ; doch
wi d
e
du ch P o ision an seinen A bei se -
olgen in e essie ,
wi d
als
P o isions eisende leich ein ziemlich unabhän-
giges Absa zo gan. «145 Fü uns is diese
Be u
zunächs quan i a i
on
o wiegend
on
äl e en Jah gängen bese z wa en, die
jünge en
sich dagegen
den
neuen
Gewe bezweigen zuwand en;
ebd„
S. 234 .,
373
.
143
RAUCHBERG,
ebd., S. 406 ., e ö e den » agwü digen wi scha lichen We « de
Selbs ändigkei :
man
könne »nu zu Un ech « in de o mell selbs ändigen Be u ss ellung »eine
Gewäh höhe e soziale
und
kul u elle En wicklung« e blicken.
144
LAMPRECHT,
a.a.
O.,
S.
357, bezeichne die »Massen de mode nen Geschä s eisenden«
als »ein ganz neues Hausie e pe sonal des g öße en Be iebes«.
145
HIRSCH,
a.a.O
., S. 88. Es e höh e die Unabhängigkei des Handlungs eisenden,
wenn
e
als »Kollek i eisende ü meh e e Un e nehmungen au i «.

136 1875-1896
Bedeu ung: in Deu schland wuchs die Zahl de Handlungs eisenden in
den d ei Jah zehn en bis
zum
Wel k ieg unau bö lich.
Be ug
sie
im
Jah-
e 1896 schon 27334, so
wa
sie bis 1910
au
68689 ges iegen
146
. Die
Zwielich zone zwischen Abhängigkei
und
Selbs ändigkei e leich e e
ühe en Fi meninhabe n den
Übe gang
.
Übe
den jüdischen An eil an
diesem
Be u
lieg ü die
Zei
de Dep ession kein Zahlenma e ial
o
,
doch
wa
e zwei ellos seh s a k,
und
zwa
besonde s in den B anchen,
wo
den
Juden
ih e Ma e ialkenn nisse zugu e kamen, wie
im
Tex il-
handel147
.
Dem
Be u
des Handlungs eisenden
e wand
is de Agen , d. h. de
daue nde Ve e e eine
ode
meh e e Fi men an einem
O .
E
a bei-
e
au
P o ision, also ich e sich seine
En lohnung
nach seinem E olg.
Rech lich is e ein selbs ändige Kau mann, abe e p lich e , das In e -
esse des Agen u gebe s zu
wah en
-
dami
also wi scha lich, wie de
Reisende, »halbselbs ändig<< . Seine be u liche Exis enz be uh ausschließ-
lich
au
seine Wa en-, Pe sonen-
und
Ma k kenn nis
und
seine Fö de-
ung
des Absa zes.
Neben
dem
eigen lichen Wa enhandel beschä ig en
auch das Ve siche ungswesen, das Bank-, G unds ücks-,
Hypo heken-
,
Thea e -
und
Inse a engewe be,
ja
selbs das Auswande ungsgeschä
Agen en.
Somi
handel e
es
sich
um
eine an Bedeu ung s ändig
wach-
sende E we bsschich . Einzelne besonde s üch ige Agen en b ach en
es
zu
Allein e e ung ü einen g öße en Bezi k (Bezi ks-
ode
Gene ala-
gen u )
mi
einem
Ne z
on
Un e agen en -eine luk a i en
und
geach-
e en Posi ion.
Von
den üb igen Be u en e mi elnde
A
müssen Makle
und
Kommissionä e
e wähn
we den
. Makle is nach
dem
Handelsgese z-
buch
jemand
, de gewe bsmäßig Ve äge e mi el , abe zu seinem
Au aggebe in keinem Diens - ode Agen u e häl nis s eh . Es gab
F ach en-, Schi s-, G unds ücks-
und
am liche Ku smakle
usw
„
da un-
e einige wenige
g oßen
S ils.
De
G unds ücksmakle Julius
Ruhm
spiel e in den ach zige
und
neunzige
Jah en
in Be lin eine e hebliche
Rolle. Ein noch bedeu ende e Makle , de nich
nu
ein iesiges
Ve mö-
gen ü sich
e wa b
, sonde n auch an T ansak ionen mi wi k e, die aus
de deu schen Wi scha sgeschich e
kaum
wegzudenken sind,
wa
Hugo
J.
He z eld, dessen Wi ksamkei alle dings e s in den e s en
Jah en
des
zwanzigs en Jah hunde s ih en
Höhepunk
e eich e. Seine »schöp e i-
146
Ebd
., S. 88.
147
LEST
S
CHINSKY,
a.a.
O„
S. 95, sp ich on den Zei en, »da die jüdischen Makle
und
Agen en so zahl eich wa en, daß de Eind uck e weck we den konn e,
als
wä en alle Juden
Makle ode zumindes alle Makle Juden«. Les schinsky mein , diese Zei en seien e gangen
wegen des
Zus oms
nich jüdische Gewe be eibende , du ch den de jüdische P ozen sa z
s a k zu ückging.
Die
»G oße
Dep ession«
137
sehe Leis ung« lag o allem
au
den Gebie en de Kali- und de Schwe indu-
s ie, und an de Bö se genoß e ein ungeheu es P es ige148.
Insgesam wu den in de Handels e mi lung 1882 und 38700, 1907 übe
50000 Pe sonen e mi el 149.
Übe
den jüdischen An eil an diesen mi einan-
de eng e wand en Be u en haben wi wenigs ens ü das Jah 1895 ü
P eußen einige au schluß eiche Zahlen:
In
de G uppe »Ve mi lung und
Ve wal ung« wa en insgesam 22404 Pe sonen beschä ig , da on 4926
ode nich wenige
als
22% Juden. Von
je
hunde
im
Handel beschä ig en
Pe sonen wa en bei den Juden 6 Makle und Agen en, bei den Nich juden
dagegen
nu
2,
77
. Abe noch iel s ä ke i de jüdische An eil he o ,
wenn man nich die Gesam hei de beschä ig en Pe sonen, sonde n
nu
die
Be iebsinhabe und das lei ende Pe sonal in Be ach zieh
150
. In P eußen
be ug 1895 die Zahl de selbs ändigen Agen en und Makle insgesam
19543,
wo on
4638 ode 23,73% Juden wa en. Somi is kla , daß ein
e hebliche Teil de ühe im Handel ä igen Juden sich
am
Ende de
Dep ession on Diens leis ungen e näh e, in denen sie iel wenige abhän-
gig
und
zum
Teil wohl auch besse ges ell wa en
als
die g oße Meh hei de
Handelsgehil en.
i) Zunahme
de
F auene we bs ä igkei
Ein wich iges Mi el jüdische Anpassung an die schwie ige Wi scha s-
lage wäh end de Dep ession wa die asche Zunahme de E we bs ä igkei
de jüdischen F au151. Allgemein wuchs on 1882 bis 1895 in Deu schland
die Zahl de haup be u lich e we bs ä igen F auen
um
übe eine Million
ode 23,5%, wäh end die Zahl de so e we bs ä igen Männe
nu
um
wenige als 16% s ieg152. Auch wenn man be ücksich ig ,
d;iß
iele ühe
als
»mi hel ende Familienangehö ige« bezeichne e F auen nun s a is isch als
haup be u lich ä ig gezähl wu den, is die G öße des Zuwachses bedeu -
sam. Die Haup u sachen da ü wa en die Ve inge ung des A bei sbe eiches
de Haus au du ch die Massenp oduk ion de Indus ie
und
de Beda an
A bei sk ä en ü die
imme
zahl eiche en Bü os, Wa enhäuse , Läden und
Fab iken. So kümme lich die weiblichen Löhne und Gehäl e auch
im
allgemeinen wa en, so e wünsch wa en
sie
als
E gänzung des männlichen
Ve diens es153. Auch die zunehmende Ve s äd e ung ö de e diese
En -
wicklung.
148 R.
LEWINSOHN,
Die
Umschich ung
de
eu opäischen
Ve mögen,
Be lin 1925, S. 139
.
149
HIRSCH,
a.a.
O.,
s.
89 .
150
Nach
RAUCHBERG,
a.
a.O.
, S. 406,
wa en
nu
e wa
5
P ozen
de
»Selbs ändigen«
e mögend,
wäh end
de
Res
zu
Mi elklasse
und
zu
den
Unbemi el en
gehö e.
151 Vgl.
RAuCHBERG,
ebd.,
S.
181
. Fü die
jüdische
En wicklung
:
SEGALL,
a.a.
O.,
S.
22
.;
LESTSCHINSKY,
a.a.O.
, s. 132 .
152
RAUCHBERG,
eba.,
S.
182
.
153
Allgemein
zu
F auena bei
beme k
RAUCHBERG
(ebd.,
S.
398
.): »Die
e we bs ä igen
138
1875-1896
Eine s a is ische E assung de jüdischen F auena bei
im
Reich
wäh end
de Dep ession is wegen de Mängel de Be u szählung
on
1882 nich
möglich.
Fü
P eußen liegen ü den
Zei aum
on
1882-1907 einige nü zli-
che Angaben
o
154:
Von
je
weiblichen
Juden
wa en:
E we bs ä ige
im
Haup be u
Dienende
im
häuslichen Diens
Angehö ige
Be u slose Selbs ändige
Quelle:
SEGALL,
a.a.O.,
S.
25
1882
9,0
2,0
84,2
4,9
100,0
1907
18,5
1,6
68,9
11,0
100,0
Die Ve doppelung des P ozen sa zes de haup be u lich E we bs ä igen
ging g öß en eils
au
Kos en de »Angehö igen«.
Doch
is beme kenswe ,
daß de jüdische P ozen sa z alle haup be u lich e we bs ä igen F auen
nied ige , de P ozen sa z de jüdischen »Angehö igen« daue nd
höhe
wa
als bei de Gesam be ölke ung. So wa en 1882
on
je
100 weiblichen
Pe sonen de Gesam be ölke ung
15
,5 haup be u lich e we bs ä ig,
und
1907 24,4,
wäh end
1882: 75, 9 zu den »Angehö igen« zähl en,
und
1907:
65,8. Dagegen sind die jüdischen Ve gleichszahlen 9,0
und
18,4; 84,0
und
68, 9155. Als
G und
diese
Abweichung
wies
A hu
Ruppin
au
die jüdische
T adi ion
hin, die jüdische F auen lange da an hinde e, in einem ande en
Geschä als
dem
ih es Mannes ä ig zu sein. Auße dem abe e laub e zwei-
ellos de du chschni lich schon g öße e Wohls and de
Juden
ihnen ehe ,
ih e F auen
und
Töch e
on
de Lohna bei e nzuhal en.
T o zdem
s ieg
wäh end
de Dep ession auch die E we bs ä igkei de jüdischen F au
e -
heblich -
nu
die Zahl de jüdischen Diens mädchen
nahm
bezeichnende -
weise s a k ab156.
j)
Die. eien
und
akademischen
Be u e
De
jüdische
Zuzug
zu den akademischen
und
eien Be u en is
im
Rahmen
de damaligen Ve häl nisse als die Teilnahme an eine allgemeinen
Bewegung
zu e s ehen.
Von
1882 bis 1895 wuchs
im
Reiche die Zahl de
Beschä ig en in den als »Ö en liche Diens
und
F eie Be u e«
zusammen-
ge aß en Be u en
on
und
2,2 Millionen
au
2,8, d. h.
on
4,
92%
au
F auen s ehen meis
au
de un e s en S u e des A bei s anges. So e n sie o mell selbs ändig
e scheinen, sind sie es doch zumeis in kümme lichen Alleinbe ieben.«
154
SEGALL,
a.a.
O„
S.
25
.
155 A.
RUPPIN
,
jewi
sh
Fa e
und
Fu u e
,
London
1940, S. 152.
156
SEGALL,
a.a.
0„
S.
24
.
Die
»G oße
Dep ession«
139
5,48% . Bis 1907 wa en des 3,4 Millionen ode 5,53 P ozen gewo den. Die
Zahl de S uden en an deu schen Uni e si ä en wa iele Jah zehn e s abil
geblieben, ing abe in den siebzige Jah en an, schnelle
als
die Be ölke ung
zu wachsen. 1835 und 1875 kamen
au lOOOOO
Pe sonen e wa
38
S uden en;
1880:
46;
1885 wa en
es
57; 1899: 60, und
1911
übe 100157. Jedoch beziehen
sich diese Zi e n nu
au
die Uni e si ä en, zu denen sich nun in wachsende
Zahl Technische, Handels- und ande e Hochschulen gesell en. Ein
indu-
s ialisie es Land benö ig e eben meh Ingenieu e, Chemike , Physike ,
abe auch meh Ju is en, Na ionalökonomen und Medizine . Gleichzei ig
e möglich en de höhe e Lebenss anda d und Bildungsg ad eines e hebli-
chen Teiles de Be ölke ung die Exis enz on meh Jou nalis en, Sch i -
s elle n, Küns le n alle
A
.
Au
jüdische Sei e kam neben de adi ionellen
Hochwe ung
des »Le -
nens« und Wissens das Bedü nis hinzu, die Zu ückse zungen und Beleidi-
gungen, denen as jede ühe ode spä e ausgese z wa , du ch E ei-
chung ach unggebie ende S ellungen und Ti el zu kompensie en.
Nimm
man noch die wenig e lockende Si ua ion
im
Einzelhandel hinzu, so dü -
en die Haup g ünde ü die Hinwendung zu den eien Be u en kla sein.
Bei de Be u szählung on 1895 wa en as 6 P ozen alle e we bs ä igen
Juden
im
Ö en lichen Diens und den eien Be u en beschä ig 158. Allein
in de Un e ab eilung E 5 - »Gesundhei sp lege und K ankendiens « -
wu den
as 3000 Juden
als
»Di ek ions- und ä z liches Pe sonal« gezähl . In
ande en s a is ischen Un e ab eilungen inde man: 412jüdische »P i a ge-
leh e, Sch i s elle und Jou nalis en«,
835
Juden in »Musik, Thea e ,
Schaus ellungen alle A «, und eine nich ge inge Zahl jüdische Rich e ,
Leh e und echnische Beam e 159. Da die meis en diese Be u e, besonde s
die akademischen, eine lange Ausbildungszei e o de n,
wa
de En schluß,
einen Sohn das Gymnasium besuchen und s udie en zu lassen, in de Regel
wohl e wa zehn Jah e o dem Beginn seine wi scha lichen Selbs än-
digkei ge aß wo den und hing o allem on de Wi scha slage de El e n
ab. Wohlhabende El e n wa en ge ade in de zwei en Häl e des
Jah hun-
de s eine unen beh liche Vo ausse zung des S udiums gewo den; bis dahin
kamen die Angehö igen geleh e Be u e aus den e schiedens en Schich en;
»das Ausschlaggebende wa die Begabung . . . eine egelmäßige Vo bil-
dung
wu de
nich e lang «160.
Sei de Jah hunde wende wu den die Vo sch i en ü die Zulassung zu
S aa säm e n s enge gehandhab , und dies, zusammen mi den s eigenden
Kos en de Ausbildung, e schä e die Lage noch meh . Die wenige
157
SoMBART
, Volkswi scha , a.a.O ., S . 411.
15
8
RAUCHBERG,
a.a.
O.
,
S.
252.
159 SEGALL, a.a.O ., s.
48
.
160 LAMPREC
HT,
a.a.O ., S .
291
.