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Fünfter Weltkongreß für Soziologie (Washington, 2.-8. September 1962)

Abstract

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Fünfter Weltkongreß für Soziologie (Washington, 2.-8. September 1962)

Author: Stendenbach, Josef
Publisher: Berlin: Duncker & Humblot
Year: 1963
DOI: 10.3790/schm.83.1.47
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/291013/1/schm.083.1.047.pdf
S endenbach, Jose
A icle
Fün e Wel kong eß ü Soziologie (Washing on, 2.-8.
Sep embe 1962)
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: S endenbach, Jose (1963) : Fün e Wel kong eß ü Soziologie (Washing on,
2.-8. Sep embe 1962), Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha ,
ISSN 1619-6244, Duncke & Humblo , Be lin, Vol. 83, Iss. 1, pp. 47-63,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.83.1.47
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/291013
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Be ich e
Fün e Wel kong eß ü Soziologie*
(Washing on, 2.-8. Sep embe 1962)
Anläßlich des in Washing on abgehal enen ün en Wel kong es-
ses e ö en lich en Paul F.
Laza s eld
und Ru h
Leeds
einen Au sa iz
übe die in e na ionale Soziologie als soziologisches P oblem1. Die
Au o en heben d ei Funk ionen in e na ionale Kong esse he o :
E s ens machen de a ige Kong esse au neue Gesich spunk e au -
me ksam und hel en den P o inzialismus übe winden, dem die So-
ziologie in jedem Lande meh ode minde un e lieg ; zwei ens ö -
de n sie in o melle pe sönliche Kon ak e, die insbesonde e eine spä-
e en Zusammena bei ö de lich sind; und d i ens e möglichen sie
o melle Vo be ei ungen ü e gleichende Sozial o schunjg. Wi dü -
en hinzu ügen, daß in de e was hek ischen A mosphä e eines solchen
Kong esses du chaus auch die Ge ah bes eh , alsche We ungen o -
zunehmen, sich die eigenen Vo u eile zu bes ä igen und in den ge-
wohn en Bahnen wei e zudenken.
Diese Kong eß ha siche die au gezeig en Funk ionen in ge-
wissem Um ang e üll , doch e scheinen uns wesen liche Modi ika io-
nen in de O ganisa ion ü zukün ige Ve ans al ungen wünschens-
we . Diese Woche in Washing on wa in manche Beziehung unbe-
iedigend. Das gil in besonde em Maße ü die Plena si zungen.
Die zahl eichen Bei äge ü diese Si zungen wa en be ei s im o aus
in den e s en beiden Bänden de Kong eßbe ich e abged uck wo -
den. Das moch e dem Ve ieb ö de lich sein, üh e abe dazu, daß
in den Plena si zungen kaum ein Re e a 'gehal en wu de. Eine ganze
Reihe on Teilnehme n imp o isie e ielmeh übe die e schiedenen
Themen. Es kam auch zu keine Diskussion de o geleg en Re e a e
— sie wa en na ü lich on kaum jemandem gelesen wo den. Die
ela i polemischen Bei äge einige Mi gliede de ussischen Dele-
ga ion wa en schließlich auch nich dazu ange an, diesen Eind uck zu
e besse n. Raymond
A on
sp ach siche im Sinne iele Anwesenden,
* De Be ich e s a e s ü z sich auch au Bei äge on Jose
Gugle
, Joachim
Ma hes
, Die ich
Rüschemeye
und E win K.
Scheuch.
1 Abged uck in de Ame ican Sociological Re iew. Bd. 27. N . 5.
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48 Be ich e
als e es s ell e, daß wi das E be on Ka l Ma x ü uns in An-
sp uch nehmen: daß die Soziologie nämlich eine K i ik de Gesell-
scha sei und nich eine Ve he lichung de Mach . Womi sich indes
die Funk ionen de Soziologie nich e schöp en.
Unse Be ich übe die einzelnen zu diesem Kong eß geleis e en
Bei äge muß no ged ungen eklek isch sein. Lücken sind schon des-
halb un e meidlich, weil die Be ich e s a e nich in de Lage wa en,
an säm lichen pa allel abgehal enen A bei sg uppen — gelegen lich
wa en es bis zu neun — eilzunehmen.
Abgesehen on einigen poli isch mo i ie en Auseinande se zungen
e gab sich wohl de schä s e S ei in dem Kolloquium übe P o-
bleme des Funk ionalismus in de Soziologie. Leide wi d man sagen
müssen, daß diese Auseinande se zung soziologisch as ebenso un-
uch ba wa wie die poli ischen Wo ge edi e zwischen Ve e e n
des Os blocks und des Wes ens.
Neil J. Smelse (Be keley, USA) lei e e die Si zung ein mi einigen
Re lexionen übe den loigischen Cha ak e unk ionalis ische Analy-
sen. Insbesonde e wies e da au hin, daß Annahmen übe die Be-
dingungen des Übe lebens soziale Sys eme sowohl logisch äuße s
agwü dig als auch nich e o de lich ü unk ionalis ische Theo ien-
bildung sind. Wäh end Kingsley Da is (Be keley, USA) behaup e e,
daß „Funk ionalismus" als soziologische Schule nu meh in de Ideen-
wel einige Polemike exis ie e und daß unk ionalis ische Gedanken-
gänge e schiedens en Typs zum Gemeingu soziologische Theo ien-
bildung gewo den seien, ging Ral Dah endo (Tübingen) da on aus,
daß eine solche „Schule44 de Tendenz nach seh wohl exis ie e. E
be ach e e die unk ionalis ische Theo ie als ein Sp achsys em, das
s illschweigende Annahmen mi wei gehenden poli ischen und mo a-
lischen Implika ionen mache; insbesonde e sei dieses Sp achsys em
wenig adäqua ü die Analyse des sozialen Wandels. Robe K.
Me on (New Yo k, USA) an wo e e au diese K i ik mi be äch -
liche Schä e. Leidenscha lich e nein e e die Behaup ungen übe
den Dogma ismus und den Konse a ismus unk ionalis ische Analy-
sen. Sein Vo schlag, au dem nächs en Kong eß eine Reihe gemein-
sam als ele an akzep ie e P obleme pa allel im Rahmen e schie-
dene heo e ische Ansä ze analysie en zu lassen und dami die
ela i e F uch ba kei de Ansä ze konk e zu übe p ü en, soll e u. E.
e wi klich we den. Uns will scheinen, daß übe die F uch ba kei
age de inie e O ien ie ungen de Theo iebildung — und das
s eh , genau be ach e , zu Diskussion — mi den zu Genüge wie-
de hol en abs ak en A gumen en nich en schieden we den kann.
De zwei e Teil de Si zung wa wenige diese allgemeinen Dis-
kussion gewidme als Fo schiungsbe ich en und heo e ischen Übe -
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Be ich e 49
legungen, die meh ode wenige den unk ionalis ischen Bezugs-
ahmen akzep ie en. Fes gehal en zu we den e dien die Schluß-
beme kung an Joseph Ben-Da id (Je usalem), daß die Schwäche des
gegenwä igen dominan en Theo ie yps, den e mi Talco Pa sons
als s uk u ell- unk ional bezeichne e, wenige in seinem Funk iona-
lismus zu suchen sei als in de Zusammen assung nich hin eichend
analysie e Elemen e im Konzep de S uk u .
Sei den g oßen En wü en de Zei o dem Zwei en Wel k ieg
ha das Gebie de Rech ssoziologie wei gehend b achigeleigen. Ähn-
lich wie in de Wissenssoziologie und de Religionssoziologie e -
üh eine unkla e wissenscha s heo e ische Posi ion zu Ve mengung
on soziologischen F ages ellunigen und Hypo hesen mi ech sphilo-
sophischen und ech spoli ischen E ö e ungen. In Reak ion da au
blieben ande e Fo schungen ausschließlich in ju is isch ele an e , so-
ziologische Ma e ialsammlung s ecken. Die ü e olg eiche En wick-
lungen in de Soziologie ypische Kons ella ion on heo ieo ien ie -
e Fo schung und an empi ische Fo schung o ien ie e Theoa ie-
bildung blieb in de Rech ssoziologie bis o ku zem as öllig aus.
Die e s en Ansä ze in solche Rich ung zu bes ä ken und adi ionell
philosophisch o ien ie e Fo sche mi diesen Ansä zen zu kon on-
ie en, wa de Zweck de e s en Zusammenkun eine in e na io-
nalen A bei sg uppe ü Rech ssoziologie au dem Washing one Kon-
g eß.
Die e s e Si zung wu de gelei e on W. M. E an, dessen Ak i i ä
diese Zusammenkun wei gehend zu e danken is . Die Bei äge
be ich e en übe eine Un e suchung de Wi kungen on A bei e -
be iebsge ich en in Polen, übe die Ein üh ung eines o mellen S a -
gese zes und seine Anpassung an die bes ehenden, nich o malisie -
en No men und Sank ionen in G önland (R. Goldschmid , Kopen-
hagen) und übe heo e ische A bei en des im 1961 geg ünde en „Cen-
e o he S udy o Law and Socie y" an de Uni e si y o Cali o nia,
Be keley. Un e dem Ti el „On he Theo y o P i a e Go e nmen "
en wickel e Philip Selznick (Be keley, USA) das Konzep eines gene-
alisie en „Bü ge scha ss a us", de e wa zwischen de Rolle in eine
P imä g uppe und ein e aglichen Beziehungen s eh und cha ak-
e is isch is ü Mi gliedscha in O ganisa ionen, on de die soziale
Iden i ä de Be eilig en wesen lich bes imm wi d (z. B. We kzuge-
hö igkei eines A bei e s).
Die zwei e Si zung wu de e ö ne on Cha bonnie (F ank eich)
mi allgemeinen Spekula ionen übe Rech und Gesellscha , die in
de Diskussion zu Rech als dem „ ech sphilosophischen Denken des
18. Jah hunde s e ha e " angeg i en wu den. Rena o T e es (I a-
lien) sp ach übe Ansä ze und Chancen de Rech ssoiziologie in I a-
4 Schmolle s Jah buch 83, 1
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50 Be i di e
lien, und F l. Benson (Kopenhagen) e gänz e den Be ich übe P o-
bleme bei de Ein üh ung neue Gese ze in G önland. De wei aus
bes e Be ich s amm e aus Oslo; Vilhelm Aube (No wegen) e -
ö e e an Hand eine konk e en Un e suchung einige Bedingungen
ü die Wi ksamkei neue Gese ze im sozialen Wandel. Sein dem-
nächs e scheinendes Buch „Towa ds a Sociology o Law", das die
P obleme de Rech ssoziologie mi den Mi eln de neue en heo e-
ischen Soziologie angeh und eine Reihe on empi ischen Fo schungs-
be ich en en häl , dü e die wich igs e E scheinung au dem Gebie
de Rech ssoziologie sei Jah en we den.
Die A bei sg uppe His o ische und e gleichende Fo schung be-
handel e nu ün Vo äge, on denen eine , übe his o ischen und
dialek ischen Ma e ialismus, wenige zum Thema des A bei sk eises
als zu Au ech e hal ung de Os -Wes -Koexis enz im Rahmen des
Kong esses bei ug. Dieses scheinba ge inge In e esse geh pa adoxe -
weise — zumindes zum Teil — da au zu ück, daß e gleichende
Fo schung on zen ale Bedeu ung ü jede mak osoziologische
Analyse is und daß mi hin iele Be ich e übe kompa a i e Fo -
sch ungen in ande en A bei sg uppen o ge agen wu den, e wa in
den e schiedenen Si zungen übe En wicklungssoziolagie. Als Bei-
spiel mag de ausgezeichne e Bei ag on Seymou M. Lipse (Be -
keley, USA) dienen übe „The Uni ed S a es — The Fi s New
Na ion", in dem gezeig wi d, daß eine ganze Reihe on poli ischen
P oblemen — e wa: die Legi imie ung de neuen poli ischen O d-
nung, cha isma ische He scha und ih e S abilisie ung, Einpa eien-
he scha , die ambi alen e Rolle de In ellek uellen —, die sich
heu e in den En wicklungslände n s ellen, ebenso in den e s en Pha-
sen de poli ischen En wicklung de USA beobach e we den können.
S. D. Cla k (Canada) e glich das Ve häl nis de ame ikanischen
Soziologie zu Geschich e o zwanzig Jah en mi de heu igen Si-
ua ion und kam zu dem E gebnis, daß die al e a-his o ische Ein-
s ellung zwa eine g öße en Au geschlossenhei gewichen is , daß
abe sowohl die empi ische E o schung des his o ischen Ma e ials
als auch die heo e ische Analyse — on wenigen Ausnahmen abge-
sehen — wesen lich zu wünschen üb ig lassen. O wi d die empi ische
Fes s ellung de Da en dem His o ike übe lassen, was in olge de
seh un e schiedlichen heo e ischen und beg i lichen Ausgangspunk e
o zu nai en Ve wendung un e gleichba en Ma e ials üh en muß.
Die heo e ischen Ansä ze, en wickel an Analysen de Gegenwa s-
gesellscha und an den g ob e ein achenden Geschich s ypologien
des 19. Jah hunde s, e scheinen zu s a k o ien ie am simplen Mo-
dell zunehmende Di e enzie ung de Gesam gesellscha . Cla k sieh
eine o läu ige Lösung in de En wicklung di e enzie e e , wenn
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Be i di e 51
auch wenige in eg ie e „ heo ies o he middle änge" auch ü die
Analyse des sozialen Wandels.
Reinha d Bendix (Be keley, USA) s ell e einige Übe legungen übe
me hoidoloigische P obleme und die heo e ische F uch ba kei e -
gleichende Fo schungen zu Diskussion. E be on e insbesonde e die
Raum- und Zei gebundenhei iele zen ale soziologische Beg i e
— wie U banisie ung und Bü ok a ie — und zeig e, daß in in e -
kul u ellen Fo schungen solche Beg i e häu ig zu Vo he sagen übe
die En wicklung — e wa de s äd ischen Kul u in Indien — umin e -
p e ie we den, Vo he sagen alle dings, die sich, wie in dem ge-
nann en Beispiel, du chaus als alsch e weisen können, um dann um
so nachd ückliche au nich analysie e Vo ausse zungen de be ei s
kon en ionalisie en Beg i s- und Theo iebildungen in de Analyse
wes liche Indus iegesellscha en hinzuweisen.
Bei den es lichen Vo ägen handel e es sich um spezielle his o-
ische bzw. his o isch-kompa a i e A bei en. John H. Gold ho pe
(England) e such e, ein soziologisches Modell ü die E klä ung de
sozialpoli ischen En wicklung in England on 1800 bis 1914 zu en -
wickeln; im Gegensa z zu ühe en In e p e a ionen, die en wede
o wiegend desk ip i o gingen ode on simpli izie enden Model-
len (Ein luß g oße Denke , Rech sp echung und Gese zgebung als
p imä e Fak o en, inale kollek i is ische Modelle) ausgingen, be on e
e die Rolle konku ie ende In e esseng uppen on un e schiedliche
und sich wandelnde S ä ke. Die ich Rüschemeye (Köln) s ell e die
wesen lichen S uk u un e schiede de Rech sanwal scha in den Ve -
einig en S aa en und in Deu schland einande gegenübe und üh e
die Un e schiede, die sich o z wei gehende Ähnlichkei de zen-
alen Rech sp obleme in beiden Indus iegesellscha en e geben, au
Un e schiede de adie en Rech ssys eme und Un e schiede de
his o ischen En wicklung in den o - und ühindus iellen Phasen
zu ück; die Wahl zwischen unk ionalen Al e na i en in de Lösung
ähnliche gesellscha liche P obleme wi d wei gehend du ch his o-
ische Vo gegebenhei en bes imm .
In den d ei Sek ionen de A bei sg uppe Poli ische Soziologie
wu den o nehmlich die Beziehungen zwischen sozialen Ve ände un-
gen und Wandlungen im poli ischen Sys em e ö e . Besonde e Au -
me ksamkei anden hie bei die P ozesse de Eingliede ung zusä z-
liche G uppen eine Be ölke ung als „Mi bü ge ". Fü Eu opa wu -
den diese En wicklungen am Beispiel de A bei e scha au gezeig ,
wäh end de gleiche P o zeß ü die Ve einig en S aa en anläßlich
de Emanzipa ion de Nege be ölke ung un e such wu de.
Reinha d Bendix (Be keley, USA) und S ein Rokkan (Be gen) be-
ich e en übe eine in e na ional e gleichende E hebung, in de sie
4'
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52 Be ich e
die un e schiedlichen Fo men de sukzessi en Eingliede ung de Un-
e schich en au wiesen. Um diesen P ozeß gleiche weise in zwöl
eu opäischen Gesellscha en e assen zu können, bedien en sich die
Au o en eine on Thomas H. Ma shall o geschlagenen Typologie.
Aus diese Un e suchung glaub en sowohl die Au o en wie auch zahl-
eiche Teilnehme an den Diskussionen Nu zanwendungen ü zweck-
mäßige S a egien in den un e en wickel en Gebie en ablei en zu
können. Die Eli en diese neuen S aa en e wa in A ika gingen on
de i ümlichen Vo s ellung aus, es gebe ein zu kopie endes allge-
mein eu opäisches Modell de Gewäh ung on Vollbü ge ech en an
alle Mi gliede de Gesellscha . Ta sächlich zeige sich abe eine inzwi-
schen den Eu opäe n selbs nich meh ganz bewuß e Un e schied-
lichkei in den S a egien, und zudem zeige eine solche de aillie e
Be ach ung, daß diese S a egien Ausd uck e schiedene O gani-
sa ions o men de Gesellscha sind. Heu e sei es bei den neuen S aa-
en üblich, mi de Übe nahme mode ns e Ve assungs o men aus
Eu opa o melle poli ische Rech e zu gewäh en o eine Ausdehnung
de S aa sbü ge scha um die G und ech e und insbesonde e die
sozialen Rech e. Allgemein bes and die Ansich , daß in diesen S aa s-
wesen die sozialen Rech e P io i ä e dien en.
De Akzen des Bei ags on Bendix und Rokkan lag au de
Analyse lang is ige e his o ische P ozesse und die Behandlungs-
weise wa de Ve gleichba kei wegen ela i abs ak ; demgegen-
übe lie e en Robe McKenzie (London School o Economics) und
Allan Sil e (Uni e si y o Wisconsin) eine A Falls udie und
Analyse des Endzus andes eine En wicklung: de Gewäh ung poli i-
sche Gleichbe ech igung an die englische A bei e scha . Au de
G undlage eine empi ischen Un e suchung behandel en die Au o en
insbesonde e das Gesellscha sbild und die We o s ellungen de
konse a i en Wähle inne halb de englischen A bei e scha .
Eines de zunächs e blü enden E gebnisse diese Un e suchung
wa , daß konse a i e Wähle aus de A bei e scha einen höhe en
G ad an Übe eins immung zwischen allgemeinen Gesellscha s o s el-
lunigen und konk e em poli ischen Ve hal en zeig en, und daß dem-
en sp echend die Wähle de Labou -Pa y ehe „abweichend" sind.
In eine Un e suchung e schiedens e Un e g uppen inne halb de
A bei e scha zeig sich je z in diese E hebung, daß die konse a-
i e Pa ei nach Ansich ih e Wähle aus de A bei e scha die
We e e i , de en E we b Vollmi gliedscha in de Gesellscha
bedeu e , daß ü diese Wähle „konse a i " gleich „au ech es Mi -
glied de Gesellscha " is . Zudem wi d dann die konse a i e Pa -
ei und insgesam die he schende Schich als ähige in de Aus-
übung on Mach angesehen, eben weil sie die Mach schon so lange
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Be ich e 53
ausübe, selbs wenn allgemein eine gewisse Sympa hie mi den Zielen
de A bei e pa ei o lieg .
Die Eingliede ung zusä zliche G uppen als Vollbü ge ollzieh
sich un e e heblichen Spannungen ge ade in unse en Tagen in eine
hochen wickel en Indus iegesellscha , den Ve einig en S aa en.
Pa y Howa d (Louisiana S a e Uni e si y, New O leans) ging dem
P ozeß de Gewäh ung on Vollbü ge ech en an die Nege be öl-
ke ung im Süden de USA in eine ökologischen Un e suchung nach.
Übe aschends es E gebnis ü die meis en Teilnehme : Bei de Ein-
gliede ung de Nege be ölke ung heu e handel es sich wei gehend
um die Wiede he s ellung on Rech en, die diese Be ölke ung be ei s
gegen Ende des 19. Jah hunde s besaß. Soga im Jah e 1960 wa die
Teilnahme de Nege be ölke ung und de „a men Weißen" am po-
li ischen Leben de Süds aa en noch ge inge als e wa im Jah e 1900!
Daß eine unmi elba e Übe agung einige soziologische Theo-
eme übe Indus iegesellscha en auch au die gegenwä igen Schwie-
igkei en a ikanische S aa en möglich sei, wa die meh ode we-
nige implizi e G undlage eines ambi iösen Be ich s on F ancis
Su on (Fo d Founda ion). Su on un e s ell e alle dings in seinem
Be ich übe die „Be ei scha a ikanische S aa en zu Selbs än-
digkei ", daß ein allgemein e bindliche S anda d zu Beu eilung
on Gesellscha en de en Fähigkei sei, „mode n ziu sein und Wohl-
s and zu scha en" sowie sozialen Wandel zu ö de n. Die gegen-
wä igen en wickel en Gesellscha en zeig en dabei, daß dies nu mög-
lich is , wenn olgende Vo ausse z ungen e wi klich we den: 1. Be-
lohnung au G und di e enzielle Rollene üllung, d. h. Leis ungs-
p inzip; 2. Subo dina ion de Loyali ä en zu G oß amilie und ö -
lichen Gemeinde und E se zung diese als O ganisa ionsp inzipien
des sozialen Lebens; 3. Ins i u ionalisie ung om P o essionen und
Bü ok a ien, d. h. En wicklung on O ganisa ionen mi unk ional
spezi ischen Zielen und uni e salis ische O ien ie ung sowie E we b
eines minimalen Sachwissens; 4. Konsensus in bezug au zen ale
We e und ein Schich ungssys em, dessen Posi ionen dieses We -
sys em ep äsen ie en.
Themen de poli ischen Soziologie wu den gleich alls in ö en -
lichen Si zungen de Fo schungskomi ees behandel . Gene al hema
diese E ö e ungen wa en die „Beg ündung poli ische Gegensä ze
in sozialen und kul u ellen An agonismen". Es wü de jedoch zu wei
üh en, woll en wi auch au diesen Themenk eis noch eingehen, so
in e essan e auch is .
Ein wei e e F agenk eis des Kong esses wa En wicklungsp oble-
men gewidme und nahm mi zwei Plena si zungen und ün A bei s-
g uppen den g öß en Raum im Tagungsp og amm ein.
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54 Be ich e
Die E ö e ungen wu den dami eingelei e , daß He be Blume
(Be keley) als Vo si zende de e s en Plena si zung den Beg i
de sozialen En wicklung zu Diskussion s ell e. E s ell e he aus,
daß es sich um einen Beg i handel , de übe den de wi scha -
lichen En wicklung hinausgeh . E be on e, daß s e s die Tendenz be-
s eh , unse e eigenen Maßs äbe zu Messung dieses „social de elop-
men " zu e wenden, das du ch die gegenwä ige his o ische Si ua-
ion, du ch den Ve gleich zwischen en wickel en und un e en wickel-
en Lände n, bes imm wi d.
Wa dami be ei s ein wei e Rahmen ü die En wicklungsso<ziolo-
gie abges eck , so mach e Samuel N. Eisens ad (Je usalem) die Fo -
de ung explizi , daß wi uns mi En wicklungsp oblemen nich nu
im wi scha lichen, sonde n auch im poli ischen und kul u ellen Be-
eich zu be assen haben. E hob dazu d ei Gesich spunk e he o .
Einmal soll e die ü den wi scha lichen Be eich so anschauliche
Vo s ellung on de En wicklung aus eigene K a auch au ande e
Be eiche angewand we den, e wa au die Fähigkei eine Gesell-
scha , neue Fo men zu scha en, sie o zuen wickeln und zu in e-
g ie en. Zum ande en s ell sich die F age, welches Ausmaß an s uk-
u elle He e ogeni ä möglich is . Zwa sind bes imm e, in den en -
wickel en Lände n wi ksame Fak o en ü die En wicklung une läß-
lich, abe es komm da au an, sie on ande en en beh lichen S uk-
u me kmalen zu un e scheiden. So zeig das japanische Beispiel, daß
in jedem Be eich eine Vielzahl e schiedene s uk u elle Fak o en
mi de En wicklung e einba sein kann. Schließlich gil es, die Be-
ziehungen zwischen En wicklungen in den e schiedenen Be eichen
insbesonde e da au hin zu un e suchen, inwie e n sie sich gegensei ig
behinde n. So kann sich e wa die Ausbildung on Wi scha sun e -
nehme n s ö end au die Ausbildung on poli ischen Füh e n auswi -
ken. Auch No be Elias (London School o Economics) be on e nach-
d ücklich die No wendigkei eine soziologischen Theo ie.
Von (g undlegende Bedeu ung e schein uns in diesem Zusammen-
hang das Re e a on Kunio Odaka (Tokio) übe T adi ionalismus
und Demok a ie in de japanischen Indus ie, das eine deu liche Wa -
nung o Übe eibungen eine heu e o wiegenden Tendenz zu
kul u ellen Rela i ie ung da s ell . Odaka gab eine aus üh liche K i-
ik de Theo ie de Übe nahme adi ionelle Ve hal ensweisen aus
dem o indus iellen S adium in die japanische Indus ialisie ung.
Dazu wies Odaka da au hin, daß diese Theo ie e schiedene Fehl-
in e p e a ionen en häl , -die au obe lächliche Beobach ung du ch
Landes emde zu ückzu üh en sind. So is e wa das Sys em „pe ma-
nen e " Beschä igung, insowei es sich um A bei e handel , kein
eudalis isches Übe bleibsel aus de Tokugawa-Pe iode. Die A bei s-
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Be ich e 61
zen diese Un e schiede ü die S ellung de F eizei au zuzeigen
bemüh e sich Max Kaplan (Bos on Uni e si y). Nach seine Ansich
sind o allem en scheidend ü Un e schiede zwischen Eu opa
unid den USA: 1. de bleibend höhe e Wohls and in den USA; 2. die
He e ogenii ä de Gesellscha bei gleichzei ig einhei lichen Massen-
medien; 3. die Abwesenhei on Eli e-S anda ds und allgemein übe -
kommenen kul u ellen Maßs äben bei Beu eilungen des F eizei e -
hal ens als Massenphänomen; 4. die Legi imi ä de sogenann en Po-
pulä kul u (populä cul u e); 5. de Cha ak e de demok a ischen
Familie, in de die Kinde eben alls ein e hebliches Mi sp ache ech
haben; 6. die Tendenz au Ausdehnung de eien Zei in länge en
Abschni en (bulk ee ime). Ge ade in beizug au den Nachd uck
au Ve länge ung des U laubs schein abe u. E. die En wicklung in
den USA wenige asch als in Wes eu opa.
Eine gene elle Theo ie de F eizei e such e E win Scheuch (Ha -
a d Uni e si y) zu geben. E begann mi einem Übe blick de gegen-
wä igen Li e a u übe F eizei e hal en in Deu schland, de en la-
en e gemeinsame Un e s ellung zu sein schien, man könne unmi el-
ba die Beg i e aus eine F eizei als Vo ech on Eli en au die
F eizei als Massene scheinung anwenden. Eine solche Übe agung
e schien nich nu un e dem Gesich spunk eine Theo iebildung un-
zweckmäßig; es müß en auch die Ve suche zu Ve ände ung des F ei-
zei e hal ens im Sinne de Annähe ung an o gebliche Ve hal ens-
mus e on Eli en in ähnliche Weise schei e n, wie de Ve such de
Übe agung on Maßs äben poli ische Eli en au die Gesam hei de
Wähle . Lei mo i dieses Vo ags wa alle dings, au de G undlage
empi ische Un e suchungen die sich en wickelnde „F eizei kul iu "
au e s ehen als ande sa ige Ausd ucks o m eines zen alen We es
ühe e Eli en.
Insgesam hin e ließ die Tagung übe „F eizei und populä e Kul-
u " den Eind uck, daß diese Themen zwa einen zen alen Zugang
zum Ve s ändnis de Gegenwa sgesellscha e ö nen könn en, daß
e ne ein e hebliches Maß an konk e en empi ischen In o ma ionen
o lieg , daß dieses Gebie abe un e auße o den lich e schiedenen
Aspek en angegangen wi d und heo e isch ungenügend en wickel is .
Die Sek ion Religionssoziologie, die sich im Jah e 1961 als 6ub-
commii ee de ISA o iziell e ablie ha e, wa au dem Fün en
Wel kong eß ü Sozialo»gie in Washing on mi zwei ganz ägigen A -
bei ssi zungen e e en. En sp echend den beiden Haup hemen des
Kong esses beschä ig e sie sich un e dem Vo si z on Willem F.
We heim (Holland) mi dem Thema „Religion and De elopmen "
und un e dem Vo si z on Mil on Yinge (USA) mi heo e ischen
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P oblemen (de Religionssoziologie und den Möglichkei en eine e -
gleichenden Religionssoziologie.
Das Thema „Religion und En wicklung" wu de in zwei Themen-
g uppen behandel : „Economic Ins i u ions and Religion66 und „The
In e p e a ion o Religious and Secula Ins i u ions66. Es wa un e -
meidlich, daß die Diskussion de e schiedenen Bei äge zu diesen
Themeng uppen imme wiede zu ückkam au die F age, wie die
Max Webe sche These om Zusammenhang zwischen „p o es an ische
E hik" umd dem „Geis des Kapi alismus66 heu e angesich s de
Analyse indus ielle En wicklungen in den asia ischen und a ika-
nischen Lände n zu beu eilen sei. De Vo si zende, de sich selbs des
ö e en zu diese F age geäuße ha , e hinde e zwa du ch seine
s a e und kluge Ve handlungs üh ung, daß sich diese Diskussion
allzuseh ins Spekulie en e lo und Un e gleichba es als e gleich-
ba zu se zen e such e. Dennoch wu de meh als einmal deu lich,
daß insbesonde e un e den jünge en asia ischen Soziologen eine ge-
wisse Neigung bes eh , eine zusammengep eß e und zu ech ges u z e
„Max-Webe -These66 als heo e ischen „Au hänge 66 ih e Un e -
suchung zu nehmen, sei es in ih e Ablehnung, sei es in ih e Be-
s ä igung. Abgesehen da on abe b ach en die Ku z e e a e und Dis-
kussionsbei äge zu beiden Themeng uppen seh in e essan e empi-
ische S udien, on denen einige es du chaus e dien en, in einem
Sammelband zusammenge aß und au ih e heo e ische Rele anz hin
übe a bei e zu we den. Das gil insbesonde e ü die Bei äge on
A. K. Sa au (Indien) übe „Hinduism and Economic De elopmen in
Inidia66, om S. H. Ala as (Indonesien) übe „Islam in Sou h-Eas Asia
and he Max-Webe -Thesis66 und on A. W. Eis e (USA) übe
„Pe spec i e on he Func ion o Religion in a Mode nising Coun y:
Islam in Pakis an66. Mi seine ausgezeichne en S udie übe „Religion
und Bü ok a ie66 lei e e Wei heim übe zu de zwei en Themen-
g uppe, aus de o allem de Bei ag on E. Gellne (England) übe
„Islam and Poli ical Mode niisa ion66 he auszuheben is , nich zule z
wegen de au schluß eichen E gänzung, die Gellne dami seinen all-
gemeinen heo e ischen Bei ägen im Plenum hinzu üg e.
Die zwei e Vollsi zung des Komi ees ü Religionssoziologie li
meh als die e s e un e de Fülle de angemelde en Bei äge. Da
zudem keineswegs alle Bei äge o he e iel äl ig o lagen, wa
es bisweilen schwe , den Übe blick übe die wesen lichen gemein-
samen Punk e de Bei äge zu behal en. T o zdem dü e ge-
ade diese Si zung ih besonde es Gewich da in gehab haben, daß
sie zum e s en Male in de En wicklung de neue en Religionssozio-
logie eine in e na ionale Pla o m leg e ü die Diskussion heo e-
ische und me hodologische P obleme. Insbesonde e die glänzend
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o mulie e S udie on H. Des oche (F ank eich) übe „A heismus und
Säkula isa ion als P obleme de Religionssoaioloigie", on Ch. Y. Glock
(USA) übe me hodologische P obleme de ame ikanischen eligiions-
soizialogischen Fo schung und on J. Mai e (F ank eich) übe die
Anwendba kei ma hema ische Me hoden in de eligionssoiziologi-
schen Fo schung dü en, liegen sie e s einmal im Wo lau ged uck
o , eine A heo e ischen und me hodologischen Kompendiums bil-
den, on dem die Religionssoziologie ü ih e wei e e En wicklung
e heblich p o i ie en wi d. Dies läß sich auch, wenn auch nich mi
gleichem Nachd uck, on den Bei ägen zum Thema de e gleichen-
den eligionssoiziologischen Fo schung sagen. Von ihnen sind hie be-
sonde s die S udie on K. Busia (Ghana) übe die F age, ob die Un-
e scheidung on p imi i en und en wickel en Religionen soziologische
Bedeu ung habe, und das Ko e e a dazu on Taleo Pa sons (Ha -
a d, USA) zu nennen, du ch die das P oblem eines „e olu iona y
model o eligion" ü die Religionssoziologie o mulie wu de: on
Busia k i isch, on Pa sons im posi i en Sinne. B. Wilson (England)
leg e eine S udie übe die Typoloigie de Sek en o , die on Pe e
Be ge (USA) — wei hin zu Rech — als spekula i k i isie wu de.
In de Ta dü e das ü die gegenwä ige eligionssoziologische
Fo schung ungemein ak uelle P oblem de Analyse eligiöse G up-
pie ungen und O ien ie ungen mi den übe kommenden Mi eln de
Typologiisie ung nich zu eichend zu lösen sein, und die neue en Fo -
schunigen on Glock, Fuhuyama und Lenski haben ja auch be ei s
ande e und b auchba e e me hodologische Ansä ze in diese Hin-
sich en wickel . Im ganzen muß jedoch M. Yinge zuges imm we -
den, de zum Abschluß de Si zung he o hob, daß die in e na io-
nale Zusammena bei au dem Felde de eligionsso aiologischen Fo -
schung du ch die Diskussionen einen k ä igen Impuls e ah en ha ,
de siche lich wei übe die G enzen des Kong esses selbs hinaus-
wi ken wi d. F anz Jose S endenbach, Köln
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