scieee Science in your language
[ge] (orig)

[Rezension] Soziologische Aufklärung

Author: Liebig, Stefan
Publisher: Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH,Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Year: 2024
DOI: 10.1007/s11577-024-00963-1
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/315455/1/11577_2024_Article_963.pdf
Liebig, S e an
Book Re iew — Published Ve sion
[Rezension] Soziologische Au klä ung
KZ SS Kölne Zei sch i ü Soziologie und Sozialpsychologie
P o ided in Coope a ion wi h:
Sp inge Na u e
Sugges ed Ci a ion: Liebig, S e an (2024) : [Rezension] Soziologische Au klä ung, KZ SS Kölne
Zei sch i ü Soziologie und Sozialpsychologie, ISSN 1861-891X, Sp inge Fachmedien Wiesbaden
GmbH, Wiesbaden, Vol. 76, Iss. 2, pp. 199-205,
h ps://doi.o g/10.1007/s11577-024-00963-1
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/315455
S anda d-Nu zungsbedingungen:
Die Dokumen e au EconS o dü en zu eigenen wissenscha lichen
Zwecken und zum P i a geb auch gespeiche und kopie we den.
Sie dü en die Dokumen e nich ü ö en liche ode komme zielle
Zwecke e iel äl igen, ö en lich auss ellen, ö en lich zugänglich
machen, e eiben ode ande wei ig nu zen.
So e n die Ve asse die Dokumen e un e Open-Con en -Lizenzen
(insbesonde e CC-Lizenzen) zu Ve ügung ges ell haben soll en,
gel en abweichend on diesen Nu zungsbedingungen die in de do
genann en Lizenz gewäh en Nu zungs ech e.
Te ms o use:
Documen s in EconS o may be sa ed and copied o you pe sonal
and schola ly pu poses.
You a e no o copy documen s o public o comme cial pu poses, o
exhibi he documen s publicly, o make hem publicly a ailable on he
in e ne , o o dis ibu e o o he wise use he documen s in public.
I he documen s ha e been made a ailable unde an Open Con en
Licence (especially C ea i e Commons Licences), you may exe cise
u he usage igh s as speci ied in he indica ed licence.
h p://c ea i ecommons.o g/licenses/by/4.0/deed.de
REZENSIONSFORUM
h ps://doi.o g/10.1007/s11577-024-00963-1
Köln Z Soziol (2024) 76:199–205
Soziologische Au klä ung
S e an Liebig
Angenommen: 3. Juli 2024 / Online publizie : 16. Augus 2024
© The Au ho (s) 2024
Mau, S e en, Thomas Lux und Linus Wes häuse : T igge punk e. Konsens und Kon-
lik in de Gegenwa sgesellscha . Be lin: Suh kamp 2023. 540 Sei en. ISBN: 978-
3-518-02984-8. P eis: C25,–.
So o komm es nich o , dass ein soziologisches Sachbuch au den einschlägigen
Bes enlis en is . T igge punk e ha es gleich im Mona seines E scheinens (Ok obe
2023) gescha und e blieb do die beiden olgenden Mona e. Diese E olg is
umso beme kenswe e , als es sich um ein Buch handel , das meh als 500 Sei en
um ass , ein halbes Kilog amm (exak : 586g) schwe is und mi eine Vielzahl
on g a isch au be ei e en S a is iken au wa e . Die in allen namha en Zei ungen
e schienen Rezensionen wa en oll des Lobes und we e was au sich hiel , pos e e
au X das eigene T igge punk e-Sel ie. De Klappen ex bezeichne es als „Meis e -
s ück de poli ischen Soziologie“.
Doch zu Sache: Seinen An ang nimm dieses Buch bei den Spal ungsdiagnosen,
wie sie die poli ischen Disku se de le z en Jah e du chziehen und on einschlä-
gigen Wissenscha le innen und Wissenscha le n medial be eue we den. Genau
genommen is es die „Pola isie ungs hese“, wonach die Gesellscha in zwei Lage
gespal en sei, „die mi wide s ei enden Meinungen, In e essen und We en au ein-
ande p allen“ (S. 7). Demgegenübe s eh die Posi ion, die Ve eilung on Eins el-
lungen olge auch wei e hin eine Gauß’schen No mal e eilung. Is Deu schland
ein Kamel ode ein D omeda ? (S. 8). Bislang gib es aus de empi ischen Sozi-
al o schung wenig Hinweise da au , dass es in den le z en Jah en in Deu schland
bei zen alen poli ischen Eins ellungen zu massi en Ve ände ungen kam – das Bild
S. Liebig
Ins i u ü Soziologie, F eie Uni e si ä Be lin
Ga ys . 55, 14195 Be lin, Deu schland
E-Mail: s e an.liebig@ u-be lin.de
K
200 S. Liebig
des D omeda s deshalb ehe passen wü de ( gl. e wa Teney und Rupiepe 2023).
Abe wa um is das Bild des Kamels so p äsen und wa um olg man den „Spal-
ungsdiagnos ike n“ so be ei willig? Weil es T igge punk e gib , die, wenn sie on
„Pola isie ungsun e nehme n“ bedien we den, Deba en emo ional au laden und die
Leu e in zwei Lage eiben! Spal ungen we den e s he ges ell . Gesellscha liche
Ak eu e e wandeln das D omeda zum Kamel. Me aphe n haben ih e G enzen.
Den Au o en geling es o e lich, soziologische Topoi ü ein b ei es Publikum
zu e schließen. T igge punk e möch e abe auch inne halb des Fachs Impulse se zen:
Dies be i , e s ens, die in den le z en Jah en zu beobach enden Spezialisie ungen,
die mi imme klein eilige en Fo schungs agen und komplexe en Me hoden eine
Vielzahl an E gebnissen zu Tage ö de n, dami abe „die langen Linien und die
übe geo dne en Zusammenhänge“ (S. 31) aus dem Blick e lie en; zwei ens, dass
sich E zählungen und Theo iekons uk ionen au eine Flughöhe bewegen, die sich
eine empi ischen Übe p ü ung nu schwe zugänglich machen, und deshalb „de
Nexus on Gesellscha s heo ie und empi ische Fo schung imme p ekä “ (S. 32)
bleib ; d i ens, die Ö en lichkei un e ege Be eiligung on Fach e e e n mi
simpli izie enden und me hodisch agwü digen K isendiagnosen e so g wi d und,
ie ens, de schon sei Jah en ge üh e, im Dualismus on Ökonomie und Kul u
e ha e e Disku s, ob „in den wes lichen Demok a ien klassenbasie e on iden i-
ä sbasie en Kon lik en abgelös “ (S. 33) wü den.
Die Lei idee diese Gegenwa sanalyse is das klassisch soziologische Ve s änd-
nis, gesellscha liche Auseinande se zungen seien im Ke n Ve eilungskon lik e. Da-
mi sind nich nu die klassischen Ve eilungskon lik e um ma e ielle Ressou cen
gemein , sonde n auch solche, die sich au Rech e, Ane kennung und die F age
de Mi gliedscha beziehen. Die Au o en kümme nich , wie da au bezogene Un-
gleichhei en en s ehen, sonde n es geh ihnen da um, „wo und wa um ungleiche
Ve häl nisse kon o e s we den und wie sich an ihnen die Geis e scheiden“ (S. 39).
Im Zen um s ehen also Eins ellungen, subjek i e Beg ündungen, a ek i e Reak-
ionen in Ve bindung mi ak uellen Ve eilungskon lik en. Ziel is es, diese in ih en
S uk u en und Dynamiken zu e s ehen und da aus Emp ehlungen des Umgangs
du ch die poli ischen und zi ilgesellscha lichen Ak eu e abzulei en. Man bedien
sich eine Reihe on spezielle en Theo iebaus einen (zum Beispiel Sozialisa ions-
heo ie de Eins ellungs o schung) ode allgemeine en Ansä zen, wie e wa de in
de klassischen Clea age-Theo ie ausged ück en Idee, gesellscha liche Auseinan-
de se zungen seien imme s uk u ell und poli isch ge ieben, ode dem Ve s änd-
nis, gesellscha liche Kon lik e seien no wendige Bes and eil des sozialen Wandels
und Mi el zu Anpassung an neue gesellscha liche Gegebenhei en, wie dies on
Ve e e n des „kon lik heo e ischen Pa adigmas“ besch ieben wu de. Doch welche
Kon lik e sind dies? Sind die da in sich ba we denden Posi ionen Ausd uck unübe -
windba e , s uk u elle E ah ungen und P ägungen und welche Dynamiken weisen
diese Kon lik e au ode on wem we den sie ge ieben?
Bei de Iden i ika ion de Kon lik dimensionen wi d zwa au kumulie e Wis-
sens o ä e des Faches zu ückgeg i en, sie e olg am Ende abe induk i . Als heu-
is ische Rahmen dien die Un e scheidung on ie Ungleichhei sdimensionen, was
o he be ei s im Be line Jou nal ü Soziologie o ges ell wu de (Mau e al. 2020;
Lux e al. 2022). Die ie Dimensionen sind ü die Au o en „Ungleichhei sa enen“:
K
Soziologische Au klä ung 201
weil es (1) um F agen de Zu- und Ve eilung zen ale Ressou cen (Lebenschancen)
geh und (2) diese Auseinande se zung co am publico ge üh we den, du chaus mi
de Idee, Ak eu e, insbesonde e „Pola isie ungsun e nehme “, wü den Auseinande -
se zungen in ih em In e esse o ches ie en und mi den Emo ionen des Publikums
„spielen“. Hinzu komm , dass mi diesen A enen auch spezi ische Poli ik elde ode
auch Modi de Bea bei ung e knüp we den (S. 49):
1. „Oben-Un en-Ungleichhei en“: Ve eilungs- und sozialpoli ische Kon lik e um
Ansp üche au und den Zugang zu Ressou cen.
2. „Innen-Außen-Ungleichhei en“: mig a ions- und in eg a ionspoli ische Kon lik e
um den Zugang zu Mi gliedscha .
3. „Wi -Sie-Ungleichhei en“: iden i ä spoli ische Kon lik e um den Zugang zu An-
e kennung.
4. „Heu e-Mo gen-Ungleichhei en“: ökologische Gü e und Schädigungen.
Die ie A enen we den um assend und sys ema isch besch ieben (S. 49). Ob dies
übe zeug , häng da on ab, welchen S a us man Theo ien zumiss und ob man deduk-
i en Ablei ungen eine höhe e Übe zeugungsk a zubillig als induk i gewonnenen.
Weil man sich mi den ungleichhei sbezogenen Kon lik elde n im G a i a ionszen-
um soziologische Ungleichhei s o schung be inde , könn e man sich eine Reihe
on ande en Ansä zen bedienen. Dass dabei soziologische G and Theo ies wenig
hil eich sind, lieg au de Hand. Gleichwohl exis ie en au den indi iduellen Be-
dü nissen und Zielen (mik o undie e Ansä ze) au se zende Vo schläge, die sowohl
heo e isch als auch empi isch ag ähig sind (zum Beispiel H adil 1987; Huinink
und Sch öde 2019). F eilich weisen diese Konzep e bislang eine Lee s elle bei de
ökologischen Kon lik dimension au .
Ve zich e man au eine deduk i e Ablei ung, so lieg die Beweislas au Sei en de
Empi ie. Dami komm das empi ische P og amm in den Blick. Es um ass (1) die
Analyse de subjek i en Wah nehmungen und Eins ellungen au den ie Ungleich-
hei sdimensionen mi dem Ziel, sowohl das Vie e schema empi isch zu s ü zen als
auch die Logik de S uk u ie hei in und übe die einzelnen Kon lik a enen en lang
de zen alen sozials uk u ellen Me kmale Klassenzugehö igkei (nach Oesch), Bil-
dung, Al e , sozial äumliche Lage (S ad /Land, Os /Wes ) zu ekons uie en. Da übe
hinaus geh es um die Iden i ika ion on (2) Deu ungsmus e n de Ungleichhei sk i-
ik und - ech e igung und den ihnen zug unde liegenden In e essen, „kul u ellen
Beg ündungs igu en“ und „mo alischen Repe oi es“ sowie (3) den be ei s genann-
en „T igge punk en“. Dabei handel es sich um „sensible Be eiche des ö en lichen
Disku ses“, au die Menschen „s a k und a ek i eagie en“ (S. 27). Sie sind ü
das Ve s ändnis on Kon lik dynamiken en scheidend.
Da eng undlage bilden einmal die ü Deu schland e ügba en S anda dda en-
sä ze de gesellscha lichen Daue beobach ung (ALLBUS, SOEP, ESS, EVS) sowie
de Pa eien o schung (Chapel Hill Expe Su ey). Mi ihnen kann die En wick-
lung de Eins ellungen zu den ie Ungleichhei en übe einen Zei aum on 30 Jah-
en beobach e we den. Man e äh dann e wa, dass de „Zuzug on Nich -EU-
Auslände n“ sei Ende de 1990e -Jah e posi i e eingeschä z wi d (Innen-Außen;
S. 125), die Eins ellungen zu gleichgeschlech lichen Lebens o men libe ale gewo -
K
202 S. Liebig
den sind (Wi -Sie; S. 169) ode ungleichhei sk i ische Eins ellungen zugenommen
haben (Oben-Un en; S. 80). Wich ig is , dass es bei diesen Eins ellungen zu kei-
ne Zunahme de Pola isie ung komm , was au de G undlage eines mi le weile
geb äuchlichen Pola isie ungsindex (zum Beispiel Teney und Rupiepe 2023)ge-
messen wi d. Insgesam we den zen ale Be unde de au die Wah nehmung on
Ungleichhei en bezogenen Eins ellungs o schung mi sam ih e E klä ungsmodelle
(zum Beispiel Sozialisa ions hese ü Un e schiede zwischen Gebu skoho en) o -
ges ell . Eine Analyse de Posi ionen de ak uell im Bundes ag e e enen Pa eien
mi sam ih es Elek o a s e gänz dies. Die lei ende F age is hie , inwiewei es bei
Pa eien und Elek o a eben alls Pola isie ungen ode doch ehe Übe schneidungen
mi Blick au die ie A enen be e enden Posi ionen gib .
De Rückg i au Sekundä da ensä ze wi d du ch zwei Da ene hebungen e gänz :
Fokusg uppen und s anda disie e Que schni sbe agung. Wie diese E hebungen ge-
nau du chge üh wu den und wie die Quali ä de da aus esul ie enden Da en und
Analysen bewe e we den können, dazu inden sich im Buch keine De ails – wi
sind hie in einem ü die b ei e Ö en lichkei p imä gedach en Gen e! Umso e -
euliche is , dass die Au o en eine Dokumen a ion be ei s ellen, die ü die geneig e
Lese scha online e ügba is . Da aus e äh man übe die quali a i e E hebung,
dass es sich um sechs Fokusg uppen handel , die im No embe 2021 in Be lin und im
Mai 2022 in Essen du ch das Ma k - und Sozial o schungsins i u Ipsos mi jeweils
d ei Diskussionsg uppen à sechs Pe sonen du chge üh wu den. Zwei G uppen wa-
en jeweils homogen aus de Un e schich mi nied igem Bildungsni eau sowie de
Mi elschich mi höhe em Bildungsabschluss zusammengese z , die d i e G uppe
du ch Pe sonen mi gegensä zlichen Eins ellungen au den ele an en Dimensio-
nen. Ziel wa es, die a gumen a i e S uk u de Ungleichhei sa enen, die „T ig-
ge punk e“, sowie die Deu ungsmus e de Ungleichhei sk i ik und - ech e igung
übe Ve ah en de hema ischen Analyse, de e gleichenden Tie enanalyse sowie
Me aphe nanalyse eizulegen. Das um ang eiche Ma e ial dien als eigens ändige
empi ische Quelle (zum Beispiel das „a gumen ie ende Repe oi e“ in de Heu e-
Mo gen-A ena (S. 241)) ode zu Ve anschaulichung de quan i a i gewonnenen
Be unde. Es is zu wünschen, dass dieses Ma e ial ü quali a i e Sekundä analysen
zu Ve ügung ges ell wi d.
Die Dokumen a ion de E hebungs- und Auswe ungsme hodik bei de Que -
schni sbe agung bleib hin e den E wa ungen zu ück. Mi hil e des bei den Au-
o en ange ag en Me hodenbe ich s (in as 2022) und de spä lichen In o ma ionen
de Dokumen a ion e gib sich olgendes Bild: Das in as Ins i u ü angewand e
Sozial o schung GmbH ha on Ende Mai bis Ende Juli 2022 eine que schni liche
CATI-E hebung du chge üh . G undgesam hei sind „in P i a haushal en lebende
Pe sonen ab 16 Jah en in Deu schland“ – da die In e iews nu in deu sche Sp a-
che du chge üh wu den (du chschni liche In e iewlänge: 31min), um ass die
G undgesam hei also nu deu schsp achige Pe sonen. Die B u os ichp obe is eine
kombinie e Fes ne z- und Mobil unks ichp obe (Dual-F ame-Ansa z, Gable -Hä-
de -Ve ah en). Die Ausschöp ungsquo e wa mi 11,5% (AAPOR 2, in as 2022)
ode 10,1% (AAPOR 3, in as 2022) e gleichsweise nied ig (Response Ra es ESS
K

Soziologische Au klä ung 203
2021/22: 37,0%, ALLBUS 2021: 29,21). Sowei e sich lich wu de au eine Incen-
i ie ung e zich e , was mögliche weise eine U sache de ge ingen Ausschöp ung
is . Es sind 2530 In e iews auswe ba . Das Sample weis einen Übe hang an äl-
e en (70% de S ichp obe sind äl e als 50 Jah e) und höhe gebilde en Pe sonen
(43% mi Hochschulabschluss) au . Dies wi d bei den Analysen du ch en sp echen-
de Gewich ungen ko igie . Das P oblem lieg eilich bei Subg uppenanalysen, die
au g und ih e Ve eilung in de S ichp obe seh schwach bese z sind (zum Beispiel
Analysen zu A D-Wähle scha /jüngs e Al e sg uppe). Wie g oß dieses P oblem is ,
läss sich nich einschä zen. Im Zen um des F agebogens s ehen die Eins ellungen
in den ie Ungleichhei sa enen, das e wende e Ins umen is dokumen ie . Wie
man da aus zu den ie Eins ellungsindices gekommen is und wie dieses Vo gehen
me hodisch einzuschä zen is , wi d nich olls ändig kla . Die Online-Dokumen a i-
on is au den e s en Blick seh e eulich, au den zwei en Blick zeig sich abe , dass
zen ale In o ma ionen ehlen (zum Beispiel Fallzahlen bei den Auswe ungen). Hie
ha man eine Chance e an, nich nu einem b ei e en Publikum die A bei sweise
und S anda ds de empi ischen Sozial o schung nähe zub ingen, sonde n auch das
Fachpublikum mi aus eichend In o ma ionen zu e so gen.2
Das zen ale E gebnis des meh als 500 Sei en um assenden luziden We kes
bes eh da in, dass bei den un e such en Eins ellungen und Posi ionen de ie Un-
gleichhei sa enen keine Pola isie ung es zus ellen is . Es können keine s uk u ellen
G uppen iden i izie we den, die au einzelnen ode au allen ie Dimensionen ge-
meinsam einhei liche Eins ellungsmus e zeigen. Das „al e“ S uk u ie ungsp inzip
de Klassenzugehö igkei und de Bildung is in allen ie A enen wei e hin wi k-
sam. Höhe gebilde e und im S a us höhe e Klassenangehö ige zeigen konsis en e e
Eins ellungen in und übe die A enen hinweg. Auch mi Blick au die demok a i-
schen Pa eien und ih e Wähle scha sind ehe Übe lappungen als Pola isie ungen
es s ellba .
Bei g undlegenden no ma i en Mus e n de Ungleichhei s ech e igungen domi-
nie ehe ein Konsens. Dabei spielen Vo s ellungen übe Ge ech igkei eine zen ale
Rolle. Ungleichhei en we den also e s dann zum Skandalon, wenn sie den „In e p e-
a ionsschema a und no ma i en G amma iken zu Bewe ung on Ungleichhei en“
(S. 43) wide sp echen ode ku z: wenn „Ge ech igkei s o s ellungen und ( e mein -
lich) legi ime Ansp üche e le z we den“ (S. 43). Es sind also nich nu die s uk u-
ell e mi el en In e essen, sonde n auch ge eil e no ma i e Vo s ellungen, die wi k-
sam we den. Ein wesen liche „T igge “ gesellscha liche Kon lik dynamiken sind
Unge ech igkei se ah ungen, die sich aus de Ve le zung des Ve sp echens o male
Gleichhei speisen. Dass diese emo ional und a ek i hoch au geladen sind, is o
dem Hin e g und de ge ech igkei s heo e ischen Li e a u e s ändlich. Besonde s
au geladene Kon lik e en s ehen, weil dieses undamen ale Ge ech igkei semp in-
den, unse e olu ionä e mi el e Schu zmechanismus o Ausbeu ung („sense o
jus ice“; K ebs 2008), e le z wi d: Ungleichbehandlungen, No mali ä s e s öße,
1h ps://s ess elpubp odwe.blob.co e.windows.ne /da a/ ound10/su ey/ESS10_headline_indica o s_
e02_0.xlsx,h ps://access.gesis.o g/dbk/73210.
2Es soll en auch die Auswe ungscodes zugänglich gemach we den, um de üblichen P axis zu en sp e-
chen.
K
204 S. Liebig
En g enzungsbe ü ch ungen und Ve hal enszumu ungen eiben Auseinande se zun-
gen o an. Eine Schlüssel olle nehmen dabei gesellscha liche Ak eu e ein, die ü
ih e eigenen poli ischen In e essen die Kla ia u de Skandalisie ung bedienen und
es scha en, unse en „sense o jus ice“ zu „ igge n“. Das s eh eigen lich im Zen um
des Buches, weshalb es auch ein Buch übe die Bedeu ung on Unge ech igkei se -
ah ungen is .
De E olg on T igge punk e zeig , dass man einem Nich achpublikum Empi-
ie zumu en kann und dies auch gou ie wi d. Dami is es ein Ve diens dieses
Buches, de Ö en lichkei einen Einblick in den Maschinen aum empi ische Sozi-
al o schung sowie die Viel al und Aussagek a unse e Fo schungsda en e ö ne
zu haben. T igge punk e is keine soziologische Belle is ik, sonde n eine heo e isch
undie e, empi isch un e maue e Zei diagnose, die im bes en Sinne soziologische
Au klä ung be eib . Es ha ho en lich dazu beige agen, dass Soziologie in de
Ö en lichkei nich nu als bloße „Nachdenkenswissenscha “, sonde n eben auch
als „empi ische Wissenscha “ wah genommen wi d. Es hil , ak uelle Deba en und
Kon lik dynamiken zu e s ehen, o mulie in gebo ene Vo sich Emp ehlungen
zum Umgang und zu Ges al ung zen ale gesellscha liche Kon lik e und lie e
zugleich einen Bei ag zu zen alen achin e nen Deba en. Was will man meh ?!
Funding Open Access unding enabled and o ganized by P ojek DEAL.
In e essenkon lik S. Liebig gib an, dass kein In e essenkon lik bes eh .
Open Access Diese A ikel wi d un e de C ea i e Commons Namensnennung 4.0 In e na ional Li-
zenz e ö en lich , welche die Nu zung, Ve iel äl igung, Bea bei ung, Ve b ei ung und Wiede gabe in
jeglichem Medium und Fo ma e laub , so e n Sie den/die u sp ünglichen Au o (en) und die Quelle o d-
nungsgemäß nennen, einen Link zu C ea i e Commons Lizenz bei ügen und angeben, ob Ände ungen
o genommen wu den.
Die in diesem A ikel en hal enen Bilde und sons iges D i ma e ial un e liegen eben alls de genann en
C ea i e Commons Lizenz, so e n sich aus de Abbildungslegende nich s ande es e gib . So e n das be e -
ende Ma e ial nich un e de genann en C ea i e Commons Lizenz s eh und die be e ende Handlung
nich nach gese zlichen Vo sch i en e laub is , is ü die oben au ge üh en Wei e e wendungen des
Ma e ials die Einwilligung des jeweiligen Rech einhabe s einzuholen.
Wei e e De ails zu Lizenz en nehmen Sie bi e de Lizenzin o ma ion au h p://c ea i ecommons.o g/
licenses/by/4.0/deed.de.
Li e a u
H adil, S e an. 1987. Sozials uk u analyse in eine o gesch i enen Gesellscha . Opladen: Leske + Bu-
d ich.
Huinink, Johannes, und To s en Sch öde . 2019. Sozials uk u Deu schlands. Kons anz: UVK.
K ebs, Dennis L. 2008. The e olu ion o he sense o jus ice. In E olu iona y Fo ensic Psychology:
Da winian Founda ions o C ime and Law, H sg. Joshua Dun ley und Todd K. Shackel o d, 230–248.
Ox o d: Ox o d Uni e si y P ess.
Lux, Thomas, S e en Mau und Aljoscha Jacobi. 2022. Neue Ungleichhei s agen, neue Clea ages? Ein
in e na ionale Ve gleich de Eins ellungen in ie Ungleichhei s elde n. Be line Jou nal ü Sozio-
logie 32:173–212.
Mau, S e en, Thomas Lux, und Fabian Gülzau. 2020. Die d ei A enen de neuen Ungleichhei skon lik-
e. Eine sozials uk u elle Posi ionsbes immung de Eins ellungen zu Um e eilung, Mig a ion und
sexuelle Di e si ä . Be line Jou nal ü Soziologie 30:317–346.
K
Soziologische Au klä ung 205
In as Ins i u ü angewand e Sozialwissenscha GmbH. 2022. Me hodenbe ich Tele onische Be agung
zum Thema „Neue Ungleichhei en, neue Spal ungen“ (Au o en: S e an Schiel, Sebas ian Link, Den-
nis Schumache ). Bonn: in as.
Teney, Céline, und Lin Ka h in Rupiepe . 2023. A new social con lic on globalisa ion- ela ed issues in Ge -
many? A longi udinal pe spec i e. Kölne Zei sch i ü Soziologie und Sozialpsychologie (Suppl 1)
75:205–234.
Hinweis des Ve lags De Ve lag bleib in Hinblick au geog a ische Zuo dnungen und Gebie sbezeich-
nungen in e ö en lich en Ka en und Ins i u sad essen neu al.
S e an Liebig P o . D ., P o esso am Ins i u ü Soziologie de F eien Uni e si ä Be lin. Fo schungs-
gebie e: Eins ellungen zu soziale Ungleichhei und Ge ech igkei , Su ey-Me hodologie, Fo schungsda-
enin as uk u en, Ve ö en lichungen: An isemi ische Eins ellungen in Deu schland: Eine Fo schungs-
no iz zu den Deside a a eins ellungsbezogene An isemi ismus-Fo schung. In In o ma ions lüsse, Wahlen
und Demok a ie. Baden-Baden 2023. (h sg. on T. Faas, S. Hube , M. K ewel und S. Roß eu sche ); Wha ’s
in a Wo d? Jus s. Fai s. App op ia e Ea nings o Sel and O he s. Social Jus ice Resea ch, 34(4), 2021
(mi J. Ad iaans, C. Sabbagh und G. Jasso); Ge ech igkei und Gesundhei . In Fehlzei en-Repo , 2020
(mi C. Saue und R. Schunck).
K