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[ge] (orig)

[Rezension] Gerechtigkeitstheorie weitergedacht

Author: Zimmerling, Ruth
Publisher: Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH,Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Year: 2024
DOI: 10.1007/s11615-024-00538-x
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/315597/1/11615_2024_Article_538.pdf
Zimme ling, Ru h
Book Re iew — Published Ve sion
[Rezension] Ge ech igkei s heo ie wei e gedach
Poli ische Vie eljah essch i
P o ided in Coope a ion wi h:
Sp inge Na u e
Sugges ed Ci a ion: Zimme ling, Ru h (2024) : [Rezension] Ge ech igkei s heo ie wei e gedach ,
Poli ische Vie eljah essch i , ISSN 1862-2860, Sp inge Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden,
Vol. 65, Iss. 3, pp. 613-617,
h ps://doi.o g/10.1007/s11615-024-00538-x
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/315597
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REZENSION
h ps://doi.o g/10.1007/s11615-024-00538-x
Poli ische Vie eljah essch i (2024) 65:613–617
Ge ech igkei s heo ie wei e gedach
Ru h Zimme ling
Angenommen: 1. Feb ua 2024 / Online publizie : 24. Feb ua 2024
© The Au ho (s) 2024
Pas e nak, A ia (2021): Responsible Ci izens, I esponsible S a es. Should Ci i-
zens Pay o Thei S a e’s W ongdoings? Ox o d: Ox o d Uni e si y P ess. 248
Sei en. £56.00
Schemmel, Ch is ian (2021): Jus ice and Egali a ian Rela ions. Ox o d: Ox o d
Uni e si y P ess. 336 Sei en. £61.00
Es zeug on de eno men Rele anz und um assenden B ei e des Themen eldes,
dass auch nach gu einem halben Jah hunde in ensi e ge ech igkei s heo e ische
Diskussionen imme wiede neue Ansa zpunk e iden i izie und bea bei e we den.
Die beiden hie o ges ell en We ke – ehe p ak isch o ien ie das eine, dezidie
heo e isch das ande e – sind beme kenswe e Bei äge zu diese andaue nden Aus-
einande se zung mi F agen soziale Ge ech igkei .
Zwanzig Jah e nachdem in Boli ien bei eine Mili ä ak ion Du zende on De-
mons an en in einem Do ge ö e wo den wa en, wu de im Sep embe 2023 das
U eil in einem Zi il e ah en ech sgül ig, das Familienmi gliede meh e e Op e
gegen die damaligen Obe be ehlshabe , den P äsiden en und den Ve eidigungsmi-
nis e , in den USA anges eng ha en, wohin beide ku z nach dem Massake ge lohen
wa en; die Beklag en akzep ie en schließlich die Ve u eilung zu Zahlung hohe
Geldsummen an die Kläge . Dass indi iduell Ve an wo liche de a pe sönlich in
Ha ung genommen we den ü Kompensa ionsleis ungen an Op e s aa lichen Un-
ech s, is äuße s sel en. Wenn es übe haup zu Kompensa ionen komm , we den
diese in de Regel on den be e enden S aa en, also aus S eue gelde n, geleis e .
De geschilde e Ausnahme all un e s eich , dass die F age, de A ia Pas e nak in
ih em jüngs en Buch nachgeh , on e hebliche p ak ische Rele anz is : Un e wel-
Ru h Zimme ling
Johannes Gu enbe g-Uni e si ä , Mainz, Deu schland
E-Mail: zimme ling@poli ik.uni-mainz.de
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614 R. Zimme ling
chen Bedingungen, wenn übe haup je, is es zu ech e igen, dass Kompensa ionen
ü s aa liches Un ech on allen Bü ge n eines S aa es ge agen we den, unabhängig
da on, ob sie an den Ta en be eilig ode auch nu mi ihnen ein e s anden wa en?
Die in de einschlägigen Li e a u gängige Gegenübe s ellung on p opo ionale
Ve eilung je nach indi iduelle Mi schuld an dem begangenen Un ech eine sei s
und nich p opo ionale Ve eilung au die gesam e (s eue p lich ige) Bü ge scha
ande e sei s we de, so Pas e nak, de P oblema ik in de P axis nich ge ech , weil in
den alle meis en Fällen ak ische Gegebenhei en (die Schwie igkei de Fes s ellung
indi iduelle Schuld, zu ge inge Mi el de unmi elba Schuldigen, ...) eine p opo -
ionale Las en e eilung, die die Au o in – ohne da ü in diesem Buch aus üh liche
zu a gumen ie en – p inzipiell als die ge ech e Al e na i e ansieh , ga nich zulas-
sen. Dami s ehen wi o einem möglichen mo alischen Dilemma, denn soll e sich
nich zeigen lassen, dass auch eine nich p opo ionale Be eiligung an Kompensa-
ionsleis ungen ge ech e ig we den kann, bliebe in den meis en Fällen nu , die
Op e s aa lichen Un ech s ga nich zu kompensie en: eine aus mo al heo e ische
Sich unbe iedigende Op ion.
Pas e nak en wickel olglich ein A gumen zuguns en de Rech e igung nich -
p opo ionale Kompensa ionslösungen (imme o ausgese z , eine p opo ionale
Lösung is nich e eichba ). Das sei, so das E gebnis ih e Un e suchung, dann mög-
lich, wenn da on ausgegangen we den könne, dass Bü ge innen und Bü ge (und
da übe hinaus e en uell auch Einwohne mi ande e S aa sbü ge scha ) g undsä z-
lich als eiwillige, „in en ionale“ Teilhabe s aa lichen Handelns anzusehen sind.
De Ansa z s eh und äll olglich mi de Plausibili ä und Anwendba kei de Idee
de „in en ionalen Teilhabe“, de sie einen e heblichen Teil de Un e suchung wid-
me . Eine sei s disku ie sie gängige al e na i e Beg ündungen ü die allgemeine
Ve an wo lichkei on Bü ge n ü das Handeln ih es S aa es, um die Übe legen-
hei ih es Ansa zes zu zeigen. Ande e sei s bie e sie eine (Teil-)Ope a ionalisie ung
des Beg i s de in en ionalen Teilhabe an, die es ih e laub , anhand in e na ionale
Um ageda en de e gangenen zwei Jah zehn e zu a gumen ie en, dass in Demok a-
ien, nich abe in au o i ä en Sys emen b ei e Be ölke ungsmeh hei en a sächlich
als in en ionale Teilhabe angesehen we den können.
Da dies bedeu e , dass un e Ums änden wede eine nich p opo ionale Ve eilung
au die Gesam be ölke ung ge ech e ig noch eine p opo ionale Ve eilung umge-
se z we den kann, disku ie sie zudem, un e welchen Bedingungen e en uell auch
D i s aa en ode in e na ionale O ganisa ionen zu Kompensa ion on Op e n s aa -
lichen Un ech s mo alisch e p lich e sein könn en, also sozusagen die nich p o-
po ionale Las en e eilung au bes imm e ansna ionale Kollek i e ge ech e ig
wä e, ode abe es in de Ta die bes mögliche Lösung sein mag, Op e n s aa lichen
Un ech s in diesen Fällen ga keine En schädigung zu leis en.
De Band en häl neben Einlei ung und Fazi sieben wohlp opo ionie e Kapi-
el, einen Anhang mi Da en sowie Bibliog a ie und Index. Die A gumen a ion is
g undsä zlich kla und olge ich ig, wenn auch s eckenweise e was ums ändlich
und edundan . Le z e es lieg zum Teil da an, dass Pas e nak sich seh um eine
anspa en e A gumen a ionss uk u bemüh , indem sie in jedem Kapi el zue s da-
an e inne , an welchem Punk des A gumen a ionsgangs sie sich ge ade be inde ,
zwischendu ch imme wiede au ühe e Übe legungen zu ück e weis , dabei auch
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Ge ech igkei s heo ie wei e gedach 615
ech ein ache Übe legungen aus üh lich mi Beispielen illus ie und am Ende je-
weils ein Zwischen azi zieh ; de Au bau alle Kapi el olg also dem Schema „In
he p e ious chap e [...] In his chap e [...] Recall ha [...] Le ’s conclude [...]“.
Diese ge adezu leh buchha e T anspa enz mag e was pedan isch wi ken, mach den
Tex abe gu geeigne ü die Behandlung in de Leh e auch und ge ade mi S udie-
enden, die wenig E ah ung mi no ma i e A gumen a ion (und de Ve wendung
empi ische Da en dabei) haben.
T anspa enz mach es na ü lich auch leich , A gumen a ionslücken und -schwä-
chen zu e kennen – ein wei e e Vo eil ü eine Ve wendung in de Leh e. Au ällig
is beispielsweise das öllige Fehlen eine Auseinande se zung mi de F age, wel-
chen wei e en Bedingungen eine ech e igungs ähige nich p opo ionale Ve eilung
on Kompensa ionskos en ü s aa liches Un ech neben dem K i e ium de „in en-
ionalen“ Bü ge scha e en uell genügen muss. Das mag de Knapphei des Buches
ebenso geschulde sein wie das Fehlen eine aus üh lichen Auseinande se zung mi
den konk e en Folgen des Ansa zes ü e schiedene p ak ische Kons ella ionen.
Pas e nak o mulie im Üb igen gelegen lich unp äzise, und manch unko igie e
Tipp ehle s echen ins Auge. In de Bibliog a ie schein die Au lis ung bei meh e en
Publika ionen de selben Au o en keine Sys ema ik zu olgen, und einige Ein äge
en hal en ehle ha e Angaben (z.B. beide E scheinungso e ih e eigenen Au sä ze
on 2011). Fü den s olzen P eis dieses klein o ma igen und ech dünnen Bandes
hä e man eine so g äl ige e Redak ion e wa en können. Dem subs anziellen Gehal
des Bandes, de auch und ge ade dann zu wei e en Diskussion an egen kann, wenn
einen Pas e naks Lösungs o schlag le z lich nich übe zeug , u dies abe keinen
Abb uch.
Theo e isch deu lich gewich ige is de as zei gleich im selben Ve lag e schie-
nene Band on Ch is ian Schemmel. Die ansp uchs olle Au gabe, die sich de Au o
ges ell ha , is die Au lösung de unbe iedigenden Konku enz zweie p ominen e
Deside a e libe ale poli ische Theo ien du ch ih e Zusammen üh ung in eine ein-
zige übe g ei ende Theo ie. Sei Langem sehen sich Theo ien soziale Ve eilungs-
ge ech igkei mi dem Vo wu kon on ie , dass sie den We gleiche Teilhabe und
Ane kennung in sozialen Beziehungsge ügen igno ie en ode ga negie en; indem
sie sich ausschließlich au F agen de Zu eilung on Gü e n und Las en konzen-
ie en, übe sähen sie die Rele anz on Beziehungseigenscha en im Allgemeinen
und die Auswi kungen, die un e schiedliche ins i u ionelle Ve eilungslösungen au
soziale Beziehungen haben können, im Besonde en. Das is ein Vo wu , de ge-
ade solche libe alen Ve eilungs heo ien schwe i , die au dem Ideal gleiche
F eihei alle Gesellscha smi gliede be uhen (man denke da an, dass Rawls nich
müde wu de zu be onen, dass de Ke n on Demok a ie da in bes ehe, dass sich
die Mi gliede de Gesellscha gegensei ig als ei und gleich ane kennen). Diesem
Vo wu begegne Schemmel mi dem Vo schlag, He s ellung und Wah ung egali-
ä e Beziehungen selbs als zen alen Aspek soziale Ge ech igkei zu be ach en
(S. 10: „a p oposal o a libe al concep ion o social jus ice which acco ds cen e
s age o egali a ian ela ions“) und olglich eine Theo ie soziale Ge ech igkei zu
en we en, die das Deside a ge ech e Gü e e eilung und das Deside a egali ä e
Beziehungen in eg ie . Bishe ige Theo ien konzen ie en sich jeweils nu au eines
diese beiden Themen und seien inso e n lückenha . Umgekeh will Schemmel abe
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616 R. Zimme ling
auch zeigen, dass die Belange egali ä e Beziehungen am bes en in eine libe alen
Ge ech igkei s heo ie un e zub ingen sind.
In eine aus üh lichen Einlei ung we den F ages ellung und A gumen a ionss uk-
u kla skizzie . In ün Kapi eln wi d dann die anges eb e in eg ie e Theo ie en -
wickel . Die A gumen a ion is hie seh dich , Schemmel se z sich eingehend mi
de Li e a u egali ä e Beziehungs heo e ike auseinande , en wickel kon as ie end
dazu seinen eigenen Ansa z und disku ie dabei imme wiede auch mögliche Ein-
wände dagegen. Eine ku ze Rezension kann dem nich im Einzelnen ge ech we den,
nu einige besonde s wich ige Aspek e seien genann : In Kap. 2 wi d .a. e läu e ,
wie nich nu das E gebnis de Ve eilung on Vo eilen und Las en du ch s aa liche
Ins i u ionen, sonde n auch die A und Weise, wie eine solche Ve eilung zus ande
komm , als ge ech igkei s ele an angesehen we den kann. Zeigen s aa liche Ins i-
u ionen bei ih em Umgang mi Indi iduen und G uppen manchen gegenübe eine
Hal ung, die den Be o enen den ihnen zukommenden gleichen Respek und S a us
o en häl , e üb en sie dami Unge ech igkei en in Fo m on „exp essi e w ongs“.
Im Anschluss da an se z sich Kap. 3 mi neo epublikanischen Vo schlägen aus-
einande , Ge ech igkei schlich als die Abwesenhei unge ech e ig e He scha s-
beziehungen au zu assen (S ichwo : „jus ice as non-domina ion“), und se z dem
eine sei s eine deu lich besch änk e libe ale Au assung ele an e „non-domina i-
on“ und ande e sei s eine b ei e e Au assung on soziale Ge ech igkei en gegen,
wonach ge ech igkei s ele an es exp essi es Un ech unge ech e ig e He scha s-
beziehungen zwa um ass , sich abe nich da in e schöp . Dami sind zwei wei e e
A gumen a ionssch i e o gezeichne : Was genau de Schu z gegen unge ech e -
ig e He scha im libe alen Sinn e o de , is Thema on Kap. 4. Anschließend
geh es da um, welche Beziehungsaspek e neben „non-domina ion“ Beziehungs-
egali a is en eben alls beschä igen (soll en). Dazu analysie Schemmel zunächs
in Kap. 5 zwei Theo ieal e na i en („plu alis social egali a ianism“ und „ ela ion-
sensi i e dis ibu i e egali a ianism“), die ele an e Übe legungen zum Thema bei-
ügen, abe aus un e schiedlichen G ünden unbe iedigend seien. Dami ha de
Au o alle nö igen Elemen e beisammen, um in Kap. 6 seinen eigenen Vo schlag
ü eine libe ale Ge ech igkei s heo ie zu en wickeln, die neben Ve eilungsaspek en
auch de Ve meidung on „exp essi e w ongs“ ge ech we de.
In d ei wei e en Kapi eln wi d de Theo ie o schlag abschließend au seine Kon-
sequenzen ü d ei konk e e Themenbe eiche übe p ü . In Kap. 7 geh es um po-
li ische Pa izipa ion. Das Haup augenme k lieg hie au den G enzen akzep able
Besch änkungen gleiche poli ische Teilnahme ech e zuguns en ande e ele an e
Elemen e on Ge ech igkei . E s Kap. 8 be ass sich mi den Folgen de ela iona-
len E wei e ung de Theo ie ü die Ge ech igkei on Ve eilungen on Gü e n und
Las en, die sich als wei eichend e weisen. In Kap. 9 we den diese Folgen ü den
Be eich de Gesundhei und de Gesundhei s e so gung genaue au gezeig . Schem-
mels Ziel hie is es o allem zu zeigen, dass sein libe ale und exp essi e Ansa z
de Einbeziehung egali ä e Beziehungen in de Lage is , ü wich ige soziale Le-
bensbe eiche e hebliche Konsequenzen konk e au zuzeigen, um dem e en uellen
Vo wu eines „social ela ion e ishism“ (S. 17) zu en gehen.
In einem ku zen Schlusskapi el we den d ei Themen ü die wei e e Auseinan-
de se zung mi de o geschlagenen Theo ie ange issen: denkba e K i ikpunk e am
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Ge ech igkei s heo ie wei e gedach 617
libe alen Ansa z, die no wendige Koope a ion on Theo ie und Empi ie bei de
Iden i izie ung und Übe windung eal exis ie ende unge ech e ig e soziale Hie -
a chien sowie die schwie ige F age eine möglichen E wei e ung de Theo ie au
die in e na ionale Ebene. Bibliog a ie und Index unden den im Üb igen seh gu
edigie en Band ab.
Ch is ian Schemmel ha dami nach ielen Jah en de Beschä igung mi dem The-
ma ein beeind uckend ei es We k o geleg , das meh e e komplexe Theo ies änge
( e eilungso ien ie e s. beziehungso ien ie e Ge ech igkei sau assungen, plu a-
lis ische s. ge ech igkei s okussie e Egali a ismus, libe ale s. neo epublikani-
sche Ansä ze) au g ei , kenn nis eich und scha sinnig mi einande in Beziehung
se z und so die Diskussion um Ve eilungsge ech igkei eine sei s und gleichen
Respek und S a us ande e sei s au eine neue Ebene heb .
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nungen in e ö en lich en Ka en und Ins i u sad essen neu al.
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