F icke, Rol
A icle
Die geis igen Vo ausse zungen de Indus ialisie ung im
19. und 20. Jah hunde
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: F icke, Rol (1965) : Die geis igen Vo ausse zungen de Indus ialisie ung im 19.
und 20. Jah hunde , Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha , ISSN
1619-6244, Duncke & Humblo , Be lin, Vol. 85, Iss. 3, pp. 257-272,
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Die geis igen Vo ausse zungen de
Indus ialisie ung im 19. und 20. Jah hunde
Von Rol F icke, Ka ls uhe
I. De kul u geschich liche und kul u philosophische Aspek
Das Thema diese A bei is kul u geschich liche , kul u philo-
sophische und en wicklungs heo e ische A . Es is kul u geschich -
lich ausge ich e , weil sich de Indus ialismus des 19. und 20. Jah -
hunde s au Fak o en s ü z , die sich be ei s in den o ausgegange-
nen Zei al e n de abendländischen Geschich e he ausgebilde haben.
Nu bei angemessene Be ücksich igung diese Fak o en zeig sich,
wa um un e allen Hochkul u en es allein die abendländische zu eine
de a eind ucks ollen Pe ek ionie ung de Technik und ih e Aus-
we ung in ökonomische und poli ische Hinsich geb ach ha . Au
diese Weise wi d abe auch e kennba , on welchen Ge ah en diese
Hochkul u bed oh is , wenn die eligiösen und idealis ischen Ideen
de Ve gangenhei de Ve sachlichung zum Op e allen und wenn
die sozialpoli ischen Fo de ungen in de mode nen Indus iegesell-
scha au die olkswi scha lichen Möglichkei en keine aus eichende
Rücksich nehmen, so daß dami S aa und Wi scha übe o de
we den.
Unse Thema is inso e n kul u philosophisch undie , als die
Ideen e aß we den müssen, die diesen ie g ei enden echnischen
und zi ilisa o ischen P ozeß o be ei e , eingelei e und ge agen
haben. Endlich is unse e F ages ellung en wicklungs heo e isch aus-
ge ich e , weil die abendländische Kul u eine besonde s ie g ei ende
Dynamik besi z und weil die Analyse dieses P ozesses in gewissen
G enzen auch eine P ognose de nähe en Zukun ges a e . E s
wenn sich bei eine solchen Analyse Ve gangenhei , Gegenwa und
Zukun in ekons uk i e bzw. kons uk i e Weise zusammen-
schließen, kann beispielsweise auch die F age bean wo e we den, in
welche Weise eine wi ksame e En wicklungshil e möglich is .
Unse e F ages ellung is wei e hin uni e sal ausge ich e , weil eils
neben-, eils gegeneinande , eils nacheinande eligiöse, s aa spoli i-
sche und s aa s ech liche, soziale und innenpoli ische, ma k wi scha -
17 Schmolle s Jah buch 85,3
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258 Rol F icke
liehe und wissenscha liche, echnische und o ganisa o ische Ideen und
F agenkomplexe zusammengewi k haben, um den Indus ialisie ungs-
p ozeß in seine ganzen B ei e und Tie e zu e möglichen. Das En -
s ehen solche kul u bes immenden Ideen is abe meh ode wenige
auch an ma e ielle Vo ausse zungen gebunden. Fehlen diese, so
komm es zu u opischen Vo s ellungen, die nu sel en in de Lage
sind, eine sinn olle En al ung de Kul u zu e möglichen. Zu den die
Indus ialisie ung bes immenden Fak o en gehö en dami auch geo-
g aphische, geologische und opog aphische Bedingungen. Es is des-
halb kein Zu all, daß sich alle Hochkul u en nu un e besonde s
güns igen na ü lichen S ando bedingungen en wickel haben, wie die
Euph a -Tig is-Kul u , die Nilkul u und auch die g iechisch- ömische
Kul u , die im Mi elmee einen g oßa igen Ve keh s äge o and.
De S ando de abendländischen Kul u is eindeu ig die nö dliche
Hemisphä e, weil nu un e den he schenden hä e en Bedingungen
die Ausdaue und de Fleiß en s ehen konn en, die die A bei und
die be u liche Tä igkei zu eine besonde en kul u ges al enden K a
haben we den lassen.
Un e geis igen Vo ausse zungen im Sinne de Themas ellung sollen
alle jene kollek i wi ksamen Ideen e s anden we den, die eils als
Wel anschauungen ode auch als U opien, eils als Heils- ode Glücks-
o s ellungen säkula ode auch übe säkula im Rahmen de abend-
ländischen Geschich e au ge e en sind und die un e Bindung an
Raum und Zei ims ande wa en, das poli ische, kul u elle und wi -
scha liche Handeln im Sinne de Indus ialisie ung nachhal ig zu
bes immen. Hie gil es es zus ellen, daß alle Ideen nu kollek i
wi ksam sind, indem sie die En wicklung bes imm e Hochkul u en
ode auch das Handeln einzelne Völke und Gesellscha sschich en in
bes imm e Bahnen gelenk haben. Als solche geschich lich wi ksamen,
die Indus ialisie ung ö de nde Gesellscha sschich en können in
diesem Zusammenhang genann we den: die Un e nehme , die in
ih em Ve hal en meh ode wenige sozial-e hisch bes imm sind, die
Technike und nich zule z die aus de indus iellen A bei s eilung
en s ehende A bei e scha und ih e Gewe kscha sbewegung. Zu den
übe säkula wi ksamen geis igen Vo ausse zungen gehö in e s e
Linie die Religion, die als ch is liche Heilsleh e bes imm e sozial-
e hische Momen e in die abendländische Kul u einge üg ha . Zu den
Heilsleh en echnen wi nich nu die Religion, sonde n auch die
Pseudoheilsleh e des Ma xismus mi seinem u opischen Glauben an
die kommunis ische Zukun sgesellscha . Es bes eh kein Zwei el, diaß
ge ade diese Ho nung au die ideale und ge ech e Zukun sgesell-
scha die Innenpoli ik des 20. Jah hunde s wei gehend bes imm ,
gleichgül ig, ob es sich um demok a ische ode kommunis ische Volks-
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Die geis igen Vo ausse zungen de Indus ialisie ung 259
wi scha en handel . Als nu säkula wi ksame geis ige K ä e sind
die s aa s ech lichen O dnungsideen zu nennen, die in Ve assungen,
abe auch in poli ischen Ideen de Regie ungen ih en Niede schlag
inden. Von diesen säkula wi ksamen Ideen wi d de Indus ialisie-
ungsp ozeß meh ode wenige s oßweise ge ö de , so daß es zu kla
abg enzba en poli ischen Epochen bzw. Zei al e n komm .
Un e Indus ialisie ung wi d hie die meh ode wenige bewuß e
Anwendung des P inzips de A bei s eilung au den P oduk ions- und
Wi scha sp ozeß e s anden, die übe die handwe kliche Spezialisie-
ung hinausgeh . Deshalb sp ich man schon mi Rech on eine
Ve lagsindus ie, wenn sich — insbesonde e in de land ischen We-
be ei — ehemals selbs ändige Handwe ke den om Ve lege dik ie -
en P oduk ions- und Absa zbedingungen un e we en und au diese
Weise zu Massen e igung kommen. Dieses Ve lagssys em spiel abe
in de mode nen Indus ie nu noch eine un e geo dne e Rolle. Im
Mi elpunk de mode nen Indus ialisie ung s eh dahe die Fab ik
und die in diesem Rahmen ollzogene inne be iebliche ab ika o ische
A bei s eilung. In diesem p oduk ionswi scha lichen Rahmen e häl
die Maschine als Ene giequelle wie als We kzeug de Bea bei ung und
Ve a bei ung eine imme meh wachsende Bedeu ung. Die mode ne
Indus iegesellscha wi d wei e bes imm du ch die übe be iebliche
A bei s eilung on P oduk ion und Handel, on T anspo , Bank-
wesen und Ve siche ung. Im Rahmen de übe na ionalen Indus ie-
gesellscha bilden sich olkswi scha liche und wel wi scha liche
Schwe punk e he aus, mi dem E gebnis, daß ein g öße e Teil de
Menschhei in wechselsei ige Abhängigkei ge ä . Im Rahmen de
wes lichen Wel en s eh dami de Beg i de eien Indus iegesell-
scha , die au dem P inzip on Leis ung und Gegenleis ung be uh
und die nu du ch zollpoli ische und spä e du ch sozialpoli ische
Maßnahmen zuguns en de sozial Schwäche en komplizie wi d. An
diese S elle e heb sich die F age, inwiewei die En wicklungslände
in diese iedliche wel wi scha liche A bei s eilung einbezogen
we den können, ohne daß das P inzip on adäqua e Leis ung und
Gegenleis ung au gegeben wi d.
Die A und de G ad de A bei s eilung bes immen den Cha ak e
de Indus iegesellscha . Diese is unzwei elha das P oduk de
P oduk ions e häl nisse. Schon un e diesem echnisch-o ganisa o i-
schen Gesich spunk zeichnen sich säkula di e enzie die Indus ie-
gesellscha des 19. und die des 20. Jah hunde s oneinande ab,
de en abweichende und gemeinsame geis ige Vo ausse zungen Haup -
gegens and unse es Themas sind.
Da die Indus ialisie ung im wes eu opäischen Raum in e s e Linie
om p i a en Un e nehme um ge agen wo den is , muß insbeson-
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de e die F agie bean wo e we den, welche speziellen geis igen Vo -
ausse zungen diese äuße s ak i e Schich de Un e nehme he o -
geb ach haben. Es gib keine Hochkul u , die wie die abendländische
ein so ie g ei endes A bei se hos und einen so nachhal igen Ge-
we be leiß en wickel ha . Das spezi isch abendländische A bei se hos
ha — wie gezeig we den soll — allmählich imme b ei e e Volks-
und Be u sschich en e g i en, sei es, daß sie eiwillig aus Idealismus
und eligiöse Übe zeugung ode aus akademische Be u ung Übe -
du chschni liches leis e en ode un e dem Zwange on A mu und
No ode auch un e dem D uck de Fab ikdisziplin und Löhnungs-
me hoden zu übe du chschni lichen Leis ungen e anlaß wu den.
Meine Aus üh ungen konzen ie en sich au die geis igen Vo aus-
se zungen de Indus ialisie ung in de wes lich-en Wel , weil sie als
Fundamen ü alle mode nen En wicklungsp obleme gel en kann und
weil auch die ma e ielle Haup las de En wicklungs ö de ung on de
wes lichen Wel ge agen we den muß. Die wes liche Wel is es auch,
die die zen ale Ve an wo ung ü die einziga igen echnischen E -
olge äg , die sei dem 17. Jah hunde und in imme a embe auben-
de em Tempo sei dem 19. Jah hunde bis zu Gegenwa o an-
ge agen wo den sind. Denn es gib keine Wi scha so dnung und
keine Hochkul u , die sich in bezug au den G ad und die B ei e de
A bei s eilung und des Gü e auss oßes mi ih e gleichen ließe, mag
man zu diese ma e iellen Wohls andswelle s ehen, wie man will.
In diesem Zusammenhang da nich übe sehen we den, daß die
Indus ialisie ung in Sowje ußland ideengeschich lich und echnisch-
o ganisa o isch wei gehend au den Fundamen en de wes lichen Wel
uh . So is die Leh e on Ma x und die Idee eine Zukun sgesell-
scha unbes ei ba au wes lichem Kul u boden in Opposi ion zum
Manches e um en s anden. Auße dem sind im Ma xismus sozial-
e hische Elemen e en hal en, die eligiösen U sp ungs sind. Da übe
hinaus be uh das sowje ussische Indus iesys em au den E ah un-
gen de o ganisie en Massenp oduk ion, die im Ve lau des e s en
Wel k ieges o allem in de deu schen K iegswi scha gemach
wu den. Au diesen G undlagen b auch e S alin nu wei e zubauen.
Bei de Analyse de geis igen Vo ausse zungen de Indus ialisie-
ung muß zwischen den geis igen Fundamen en des 19. und des
20. Jah hunde s un e schieden we den, weil in beiden Epochen die
Indus ialisie ung und die Ve gesellscha ung au wesen lich ande en
Vo ausse zungen be uhen. Dabei s eh das 20. Jah hunde eindeu ig
au den Fundamen en des 19. Jah hunde s. Fü das 19. Jah hunde
als bü ge lich indi idualis isches Zei al e sind es in e s e Linie
libe ale und indi idual-philosophische Elemen e, die in en scheidende
Weise den indus iellen P ozeß und die Ve bü ge lichung de Gesell-
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Die geis igen Vo ausse zungen de Indus ialisie ung 261
scha bes imm haben. Demgegenübe nimm unse gegenwä iges
sozialma k wi scha liches Zei al e imme meh soziale hische und
sozialis ische Elemen e in sich au . Sowohl die Indus iegesellscha
des 19. wie die des 20. Jah hunde s be uhen abe auch au G und-
lagen, die sich in den ühe en im wesen lichen eudalis isch egie en
Zei al e n de abendländischen Kul u he ausgebilde haben.
Kul u heo e isch be ach e , enn ein ie e G aben das g und-
he scha lich undie e Mi elal e und den eu opäischen Absolu is-
mus des 16. bis 18. Jah hunde s on den mode nen O dnungen, weil
ühe den O ganisa ions o men de Ma k wi scha nu im Rahmen
de S äd e e ns zu nehmende Möglichkei en zu Ve ügung s anden.
Demgegenübe be uh die Gegenwa einschließlich des 19. Jah -
hunde s au e olu ionä en ma k wi scha lichen, heo e ischen und
wel wi scha lichen Konzep ionen, und mi ihnen en s eh die mo-
de ne Demok a ie. Im üb igen sind die Übe gänge zwischen dem noch
eudalis ischen 18. Jah hunde und de bü ge lichen Wel des
19. Jah hunde s iel ach ließend, weil, mi Ausnahme F ank eichs,
die eudalis ische T adi ion ie ins 19. Jah hunde hinein eich und
weil gleichzei ig im 13. bis 15. Jah hunde im Rahmen de S ad wi -
scha und Renaissance schon ma k wi scha liches und eilweise an ik-
g iechisches Gedankengu an den B ennpunk en de abendländischen
Kul u spü ba wa en.
II. Säkula e Vo ausse zungen de Indus ialisie ung
An diese S elle soll zunächs gezeig we den, welche kul u ellen,
poli ischen, wi scha lichen und echnischen Ideen das Wel bild de
bü ge lichen Indus iegesellscha des 19. Jah hunde s und die des
sozialen Wohl ah ss aa es de Gegenwa meh ode wenige ge-
meinsam agen.
Im Mi elpunk de mode nen, libe al und demok a isch o ganisie -
en Indus iegesellscha s eh de Glaube an die Ve nun des Men-
schen, de als Indi iduum ü sein Schicksal e an wo lich is und de
auch die Fähigkei zum poli ischen U eil besi z . Diese Glaube is
insbesonde e du ch die Indi idualphilosophie on Da id
Hume
und
Adam
Smi h
, on Jean Jacques
Rousseau
und Imanuel
Kan
en -
scheidend und nachhal ig abges ü z wo den. Au diesen Fundamen-
en be uh auch die abendländische Uni e si ä . Ebenso die poli isch
libe ale Fo de ung de biologischen, de wi scha lichen und de
poli ischen Selbs e an wo lichkei des Indi iduums, die zwei ellos
im 19. Jah hunde ih en Höhepunk e eich und übe sch i en ha .
Denn alle E ah ungen, die wi im 20. Jah hunde mi dem G ad de
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262 Rol F id e
Ve nun des Menschen in bezug au die Masse, abe auch in bezug
au die sogenann en Eli en gemach haben, lassen e hebliche Zwei el
an diesen Fähigkei en des Menschen au kommen. Vielleich bes eh
soga die Ge ah , daß de Mensch du ch die Fo sch i e de Technik
in b ei en Be eichen seines Daseins an Ve nun , an Bildung, an
Selbs e auen und Ins ink siche hei Einbuße e leide .
Als zwei es kons i u i es idealis isches Elemen des 19. und des
20. Jah hunde s kann de sich imme meh ausb ei ende Fo -
sch i sglaube angesehen we den, deT meh ode wenige bewuß au
E indungen und Ra ionalisie ungen und au e wei e e na u wissen-
scha liche E kenn nis be uh und sich on hie aus auch au das
poli ische Denken e s eck . Das Fundamen ü diese geis ige Ein-
s ellung bilde zwei ellos die Ke en eak ion de E indungen, die
sei dem 18. Jah hunde bis zu Gegenwa die Exis enzbedingungen
de mode nen Gesellscha in a embe aubendem und ielleich auch
in beso gnise egendem Tempo e ände haben.
Als wei e es poli isches Elemen des 19. und 20. Jah hunde s i
als F uch demok a ischen Denkens das Rech au Selbs bes immung
de Völke und Na ionen in E scheinung, das den Zusammenb uch
de absolu is ischen und eudalis ischen O dnung zu Vo ausse zung
ha . Die Meh zahl diese Ideen is cha ak e is isch und in gewissem
Sinne kons i u i ü das 19. wie ü das 20. Jah hunde , so daß man
un e diesem Gesich spunk das hochkapi alis ische 19. Jah hunde
und das 20. Jah hunde de sozialen Ma k wi scha synonym be-
ach en kann. Alle dings besi zen diese Ideen ü beide Zei al e
un e schiedliches Gewich , weil de P ozeß de demok a ischen In e-
g a ion und Ni ellie ung e s im 20. Jah hunde die un e en Schich-
en und insbesonde e die A bei e scha e aß und in die bü ge liche
Gesellscha so dnung einbezogen ha .
Im Gegensa z zum 19. Jah hunde e häl das 20. Jah hunde de
sozialen Ma k wi scha dadu ch eine besonde e P ägung, daß sei
dem e s en Wel k ieg sozialis ische und eilweise auch kommunis i-
sche Ideen in die on libe alen und bü ge lichen Elemen en be-
he sch e Gesellscha so dnung eind ingen. Diese sozialis ischen Ideen
en wickeln sich im Keim zwei ellos schon im Lau e des 19. Jah hun-
de s, als Jakobinismus soga schon in de poli ischen Glu de F an-
zösischen Re olu ion. Bis zum Ausb uch des e s en Wel k ieges is
abe die bü ge liche Gesellscha gegen diese Ein lüsse noch so immun,
daß sozialis ische und kommunis ische Ideen nu im poli ischen Un e -
g und Fo sch i e e zielen konn en. E s de e s e Wel k ieg b ing
mi de Niede lage de Mi elmäch e die sozialis ische Re olu ion ins-
besonde e auch in Rußland zum Du chb uch.
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Die geis igen Vo ausse zungen de Indus ialisie ung 263
Ve such man die sozialen und die sozialis ischen Ideen, die in Ve -
bindung mi dem libe alen Gedankengu des 19. Jah hunde s unse e
gegenwä ige Indus iegesellscha behe schen, sys ema isch zu e -
assen, so läß sich olgende Reihen olge bzw. Rango dnung e e en:
1. S aa s ech lich s eh im Mi elpunk de mode nen Gesellscha
de Glaube, daß die Demok a ie die bes e S aa s o m is , weil sie wie
keine ande e die indi iduelle F eihei siche und dami de kul u el-
len En wicklung des Menschen und de Menschhei die güns igs en
Bedingungen scha . Als wesen liche Bes and eil diese Demok a ie
gel en die allgemeinen Menschen ech e, die als poli ische Fo de ung
aus de F anzösischen Re olu ion e wuchsen, die abe e s im 20. Jah -
hunde die Indus iegesellscha in allen ih en Schich en zu du ch-
d ingen e moch en.
2. Lei bild ü alle sozialis ischen und kommunis ischen Elemen e
de Be ölke ung is de Glaube an eine ideale, sozial ge ech e Zu-
kun sgesellscha , die zwangsläu ig komm ode abe auch mi wi -
scha spoli ischen Mi eln e eichba is . Alle dings ha inzwischen die
Bes imm hei dieses Glaubens und diese Heilsleh e mi de En -
my hologisie ung de kommunis ischen Idee e heblich an Übe zeu-
gungsk a e lo en. Abe auch in dem eduzie en Zus and hinde
dieses Lei bild die Meh hei de Ve e e sozialis ische Bes ebun-
gen, poli isch ealis isch zu denken und dem gegenwä igen S aa s-
wesen eine aus eichende S ü ze zu sein.
3. Als spezi ische En wicklungs ak o de mode nen Gesellscha
dien de Glaube an den echnischen Fo sch i und »eine nahezu
unbeg enz en Möglichkei en. Diese Glaube ech e ig sich inso e n,
als es de planmäßigen Ra ionalisie ung sei dem e s en Wel k ieg in
imme b ei e we denden Be eichen gelungen is , du ch Massen-
e igung die P oduk ionskos en zu senken und den Gü e auss oß in
auße o den lichem Um ange zu e höhen und den P oduk ionsp ozeß
eind ucks oll zu pe ek ionie en. In Ve bindung mi diesem Glauben
ollzieh sich das mode ne P oduk i i ä sdenken, au G und dessen
die A bei e scha ih e Lohn o de ungen s ell , in de Annahme, daß
die E höhung de A bei sp oduk i i ä das spezielle Ve diens de
A bei e scha bzw. de Gewe kscha s e e e is . Dabei wi d iel-
ach übe sehen, daß die Ra ionalisie ung den p oduk i en An eil des
A bei e s am Sozialp oduk s ändig e minde und daß die echni-
schen Fo sch i e iel ach mi eine ideellen Ve schlech e ung de
A bei sbedingungen e bunden sind. Eine solche Ve schlech e ung
lieg in allen jenen Fällen o , wenn de A bei e keinen ode keinen
aus eichenden Ein luß meh au die Quali ä des P oduk es ha und
wenn seine indus ielle Tä igkei imme einsei ige und enge wi d.
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264 Rol F icke
4. De echnische Fo sch i b ing es auch mi sich, daß die Spe-
zialisie ung inne halb de Indus ie und nich zule z auch in de
Ve wal ung s ändig Fo sch i e mach . Aus de Ve ein achung de
A bei sbedingungen und de Ve engung des be u lichen Gesich s eldes
e gib sich ü b ei e Be ölke ungsschich en, abe auch ü höhe e
Funk ionä e eine zunehmende Fluch aus de Ve an wo ung, eils,
weil die Ve engung des be u lichen Gesich s eldes b ei gelage e
poli ische, wi scha liche und kul u elle U eile mangels aus eichen-
de Allgemeinbildung nich zuläß ode weil die s a e Übe - ode
Un e o dnung in de indus iellen und poli ischen Bü ok a ie den
E messensspiel aum de Funk ionä e imme meh eineng . Hand in
Hand mi diese En wicklung geh ein zunehmende Mangel an Zi il-
cou age, de eben alls aus de Fluch aus de poli ischen und wi -
scha lichen Ve an wo lichkei zu e klä en is .
5. Unmi elba e wand mi dem Glauben an den echnischen Fo -
sch i is die Idee des Wachs ums des Sozialp oduk es als Quelle de
mode nen Wohls andsbildung. Diese Fo de ung des Wachs ums des
Sozialp oduk es ha als Idee e s im 20. Jah hunde Ges al ange-
nommen und is sei dem imme meh in die un e en Schich en ein-
ged ungen. In Ve bindung mi diese Vo s ellung e gib sich dann,
daß S ills and Rücksch i is . Hie bei wi d angenommen, daß die
S abili ä des mode nen S aa es allein on de Ta sache des ma e iel-
len Wachs ums abhängig is , weil nu bei zunehmende P oduk ion
die Wohls andsho nungen alle Schich en be iedig we den können.
Mi den oben genann en Ideen des echnischen Fo sch i s und de
posi i en wi scha lichen En wicklung is die demok a ische Idee,
die mi de F anzösischen Re olu ion du chb ach, eng e bunden.
Demok a isch is die mode ne Fo de ung des „Wohls ands ü alle4'
mi dem wei e gehenden Ziel, eine Ni ellie ung de Einkommens- und
Besi z e häl nisse zu e eichen. Diese mode ne sozialis ische Idee s eh
im eindeu igen Gegensa z zu allen mi elal e lichen und absolu is i-
schen Vo s ellungen, die du ch s enge a is ok a ische, legi imis ische
ode auch plu ok a ische und dami s ändische Di e enzie ung ge-
kennzeichne wa en.
Sie s eh abe auch im Gegensa z zu den Ideen des 19. Jah hun-
de s, die ausschließlich dem Tüch igen und Leis ungs ähigen die e -
ziel en Gewinne zuges anden.
6. Im Rahmen de sozialis ischen Ideen en s ehen die Vo s ellungen
on de Gleichhei und de Gleichwe igkei alle Menschen und
Menschen assen. Dami wi d ü das 20. Jah hunde die Idee de
sozialen Ge ech igkei und Gleichhei de Exis enzbedingungen alle
Bü ge zum Gene alziel de mode nen Innenpoli ik, um de en Op i-
mum zwischen den Pa eien de Kapi alis en und Sozialis en, de
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Die geis igen Vo ausse zungen de Indus ialisie ung 271
Lebensge ah de physikalischen Fo schung wissenscha liche Wege
e ö ne , so wi d das kul u elle Vakuum sich ba , das de Absolu is-
mus und de T adi ionalismus de Scholas ik gescha en haben, nach-
dem sei de En deckung Ame ikas de Wel wi scha e wei e e
Möglichkei en zu Ve ügung s anden.
De Absolu ismus wa abe auch die Vo ausse zung ü die Idee de
allgemeinen Menschen ech e, wenn schwache He sche ih e Mach -
s ellung mißb auch en. So en s and in England un e de He scha
de S ua s die Habeas-Co pus-Ak e zum Schu ze de Pe sönlichkei ,
wäh end gleichzei ig John Locke den Unabhängigkei sansp uch des
Pa lamen s abs ü z e, alls die Un ähigkei des Königs es e o de e.
Aus dem beeng en Raum des wü embe gischen Absolu ismus emp-
ing Schille die Idee de dich e ischen F eihei , die auch on Goe he
im Tasso au genommen wi d („F ei will ich sein im Dich en und im
Denken, im Handeln sch änk die Wel genug uns ein"). De anzösi-
sche Absolu ismus bilde auch den Hin e g und ü die e olu ionä en
Fo de ungen des Bü ge ums, die sich allmählich zum bü ge lichen
Libe alismus e dich en. Au de gleichen Basis s ehen auch Humanis-
mus und Re o ma ion, die sich zu agenden Säulen des 19. Jah hun-
de s en wickeln soll en. Wenn E asmus on Ro e dam un e dem
Blickwinkel de niede ländischen S ad s aa en die F eihei de Mee e
o de und wenn sich Lu he ü die eligiöse F eihei des Ch is en-
menschen einse z und die Mo al des Handwe ke s zu s ü zen such
und wenn Cal in im Rahmen de P ädes ina ionsleh e Gewe be leiß
und Spa samkei im Hinblick au himmlischen Lohn o de und de
Pu i anismus den Menschen zu schlich e Lebens üh ung anhäl , so
sind das alles geis ige Vo ausse zungen, die e s eine ges eige e
Kapi albildung e möglich haben und einen leis ungs ähigen Un e -
nehme s and zu beg ünden e moch en. So eie de Humanismus
des 16. Jah hunde s im 19. Jah hunde seine e wei e e Au e s ehung
im P eußen-Deu schland als Folge de Niede lage on Jena und
de F eihei sk iege. Au diese G undlage en s eh das deu sche Hu-
manis ische Gymnasium und ollzieh sich die Übe nahme „helleni-
schen Geis es", de das Kul u ge ühl des 19. Jah hunde s wei gehend
bes imm ha . Von hie aus is auch das Be u se hos des Beam en bis
zu Gegenwa en scheidend abges ü z wo den.
IV. E gebnis
Die k i ische Analyse de geis igen Vo ausse zungen de Indus ia-
lisie ung in unse e Zei ha e geben, daß unse e mode ne Indus ie-
gesellscha in ih en G undlagen ie in de abendländischen Ge-
schich e und insbesonde e auch in de Spä an ike e wu zel is . Alle
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DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.85.3.257 | Gene a ed on 2023-04-04 11:36:59
272 Rol F id e
Epochen, die die abendländische Kul u bis zu Gegenwa du ch-
lau en ha , haben An eil da an, daß de A bei s- und Leis ungswille
e ie , de Be u sgedanke ges eige wo den is und daß sich als
Folge (de gesellscha lichen und echnischen A bei s eilung eine ie -
g ei ende poli ische, gesellscha liche und kul u elle Dynamik e geben
ha . Au dem gleichen Fundamen is auch die einziga ige P ospe i ä
unse es Jah hunde s e wachsen. Die geschich liche Rückbesinnung ha
auch gezeig , daß mi de Säkula isie ung de Daseinsbedingungen de
Egoismus alle Gesellscha sschich en in bezug au die ma e ielle
Gü e e so gung in nich unbedenkliche Weise zugenommen ha . Als
Folge des Vo d ingens ma e ialis ische und o allem sozialis ische
Lebensanschauungen sind abe gleichzei ig be u liches Ve an wo -
ungsbewuß sein und die Be ei scha zu in ensi e Leis ung in ielen
Gesellscha sg uppen in de Abnahme beg i en. Deshalb e heb sich
an diese S elle die en wicklungs heo e isch in e essan e F age nach
de Daue ha igkei de Epoche des sozialen Wohl ah ss aa es und
dami zugleich de gegenwä igen kul u ellen und poli ischen Exis enz
de wes lichen Wel . Dami s ell sich die kul u k i iscbe F age, ob
de Höhepunk diese ma e ialis isch undie en Wi scha sepoche
e eich ode soga übe sch i en is ode ob mi wei e em Wachs um
im Sinne de gegenwä igen Ideale de wes lichen Wel ge echne
we den kann. Alles, was wi in bezug au die sich imme wei e ech-
nisch pe ek ionie ende Wel e leben, en sp ich wei gehend dem
pessimis ische« Aspek Oswald Spengle s, de Ma e ialismus und
Technizismus als die le z e und kul u ell ä ms e Epoche des Abend-
landes cha ak e isie ha . Op imis ische is de Glaube, daß ein
Du chb uch nach o wä s unse e abendländischen Kul u neues Ge-
wich geben kann, wenn es den kul u agenden Schich en in Wissen-
scha und Kuns geling , den übe s eige en Ma e ialismus zu dämp-
en und die we olls en K ä e de Menschhei wiede au höhe e
kul u elle Ziele auszu ich en.
Fü die P obleme de En wicklungslände und de En wicklungs-
hil e e geben sich abe hie aus wich ige E kenn nisse. Denn wenn
schon die abendländische Wel mi ih en e heblichen kul u ellen Re-
se en du ch den zunehmenden Ma e ialismus und Technizismus
kul u ell bed oh is , so müssen sich diese Ge ah en ü die En wick-
lungslände e höhen, weil de en kul u elle Fonds ä me is , sei es,
daß es sich um Lände und Na ionen mi ze b echende Eigenkul u
handel , wie Indien und Pakis an, ode daß ausgesp ochene P imi i -
kul u en wie in A ika an die abendländische Kul u Anschluß suchen
ode daß ehemalige Kolonialgebie e wie die südame ikanischen S aa-
en Objek de En wicklungshil e we den, die kul u ell auße o den -
lich he e ogen zusammengese z sind.
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