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Abwägung, Alternativen und Varianten in kommunalen Planungsprozessen: Grundsätzliche Überlegungen und Ergebnisse einer empirischen Untersuchung

Author: Müller, Christin Juliana,Bongers-Römer, Sabine,Bakunowitsch, Julija,Diller, Christian
Publisher: München: oekom verlag
Year: 2024
DOI: 10.14512/rur.2538
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/307155/1/1908447796.pdf
Mülle , Ch is in Juliana; Bonge s-Röme , Sabine; Bakunowi sch, Julija; Dille ,
Ch is ian
A icle
Abwägung, Al e na i en und Va ian en in kommunalen
Planungsp ozessen: G undsä zliche Übe legungen und
E gebnisse eine empi ischen Un e suchung
Raum o schung und Raumo dnung / Spa ial Resea ch and Planning
P o ided in Coope a ion wi h:
Leibniz-Fo schungsne zwe k "R – Räumliches Wissen ü Gesellscha und Umwel | Spa ial
Knowledge o Socie y and En i onmen "
Sugges ed Ci a ion: Mülle , Ch is in Juliana; Bonge s-Röme , Sabine; Bakunowi sch, Julija; Dille ,
Ch is ian (2024) : Abwägung, Al e na i en und Va ian en in kommunalen Planungsp ozessen:
G undsä zliche Übe legungen und E gebnisse eine empi ischen Un e suchung, Raum o schung
und Raumo dnung / Spa ial Resea ch and Planning, ISSN 1869-4179, oekom e lag, München, Vol.
82, Iss. 5, pp. 422-436,
h ps://doi.o g/10.14512/ u .2538
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/307155
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u .oekom.de h ps://doi.o g/10.14512/ u .2538
FORSCHUNGSBEITRAG RESEARCH ARTICLE OPEN ACCESS
Abwägung, Al e na i en und Va ian en in kommunalen
Planungsp ozessen. G undsä zliche Übe legungen und
E gebnisse eine empi ischen Un e suchung
Ch is in Mülle , Sabine Bonge s-Röme , Julija Bakunowi sch ,Ch is ianDille
Recei ed: 22 Feb ua y 2024 Accep ed: 3 June 2024 Published online: 24 July 2024
Zusammen assung
Abwägung im Allgemeinen und die Abwägung zwischen Al-
e na i en und Va ian en kann als ein Ke nbes and eil de
Tä igkei on Planenden angesehen we den. Vo dem Hin e -
g und ak uelle gesellscha liche He aus o de ungen s eig
die Komplexi ä diese Abwägungsp ozesse zunehmend. Von
planungswissenscha liche Sei e is die F age de Abwägung
jedoch e s ansa zweise du chd ungen. Bishe liegen nu we-
nige empi ische Un e suchungen o , die sich explizi Ab-
wägungs o gängen im deu schen Raum widmen. Hie se z
diese Bei ag an, indem de Blick au die S ad planung ge-
ich e und de F age nachgegangen wi d, was Planende un e
Abwägung, Al e na i en und Va ian en e s ehen und wie sich
die Abwägungsp ozesse im Planungsall ag auswi ken. Hie zu
Ch is in Mülle , Ins i u ü Geog aphie, Jus us-Liebig-Uni e -
si ä Gießen, Senckenbe gs aße 1, 35390 Gießen, Deu schland
ch is in.muelle @geog .uni-giessen.de
Sabine Bonge s-Röme , Fakul ä Raumplanung, Technische
Uni e si ä Do mund,Augus -Schmid -S aße 10, 44227 Do mund,
Deu schland
sabine.bonge s- oeme @ u-do mund.de
Julija Bakunowi sch, Fakul ä Raumplanung, Technische Uni-
e si ä Do mund, Augus -Schmid -S aße 10, 44227 Do mund,
Deu schland
julija.bakunowi sch@ u-do mund.de
P o . D . Ch is ian Dille , Ins i u ü Geog aphie, Jus us-Lie-
big-Uni e si ä Gießen, Senckenbe gs aße 1, 35390 Gießen,
Deu schland
ch is ian.dille @geog .uni-giessen.de
© 2024 by he au ho (s); licensee oekom. This Open
Access a icle is published unde a C ea i e Commons A ibu ion
4.0 In e na ional Licence (CC BY).
wu den 19 In e iews mi Planenden, die in de kommunalen
Ve wal ung und in Planungsbü os ä ig sind, du chge üh .
Zu Auswe ung de Da en wu de eine quali a i e Inhal s-
analyse angewende . Die E gebnisse bes ä igen die zen ale
Rolle on Abwägungsp ozessen im Planungsall ag und be o-
nen die No wendigkei eine wei e üh enden E o schung,
um die Komplexi ä und Bedeu ung diese P ozesse besse zu
e s ehen.
Schlüsselwö e : Abwägung Al e na i en Va ian en 
Planungsp ozesse S ad planung
Balancing, al e na i es and a ian s in
municipal planning p ocesses: gene al
conside a ions and esul s o an empi ical
analysis
Abs ac
Balancing in gene al and balancing al e na i es and a i-
an s can be seen as a co e componen o he wo k o plan-
ne s. Agains he backd op o cu en social challenges, he
complexi y o hese balancing p ocesses is inc easing. F om
a planning science pe spec i e, howe e , he ques ion o he
balancing p ocess has only begun o be analysed. To da e,
he e a e only a ew empi ical s udies ha ha e explici ly o-
cussed on balancing p ocesses in Ge many. This is whe e his
pape s a s by ocusing on u ban planning, in es iga ing wha
planne s unde s and by balancing al e na i es and a ian s
and how he balancing p ocess is p esen ed in e e yday plan-
ning. To his end, 19 quali a i e in e iews we e conduc ed
wi h public and p i a e sec o planne s. A quali a i e con en
analysis was used o analyse he da a. The esul s confi m he
cen al ole o balancing p ocesses in e e yday planning and
422 Raum o schung und Raumo dnung | Spa ial Resea ch and Planning (2024) 82/5: 422–436
Abwägung, Al e na i en und Va ian en in kommunalen Planungsp ozessen. G undsä zliche Übe legungen und ...
emphasise he need o u he esea ch o unde s and hese
p ocesses’ complexi y and significance.
Keywo ds: Balancing Al e na i es Va ian s Planning
p ocesses U ban planning
1 Einlei ung
Das Abwägen (englisch balancing) is on jehe eine de
zen alen Tä igkei en on Planenden, besonde s in de Kom-
munika ion mi ande en Ak eu en in poli ischen Planungs-
p ozessen (Schön 1982;Fo es e 1987). Beim Abwägen
geh es nich nu da um, einzelne An o de ungen zu bewe -
en und zu p io isie en, sonde n auch e schiedene Ansä ze
zu Ges al ung de gebau en und na ü lichen Umwel zu
p ü en. In diesem Zusammenhang is häufig on Planungs-
al e na i en und Va ian en die Rede. Das Abwägen kann
somi als Ke n de plane ischen A bei angesehen we den
(Fü s 2016).
Angesich s de zen alen Bedeu ung de Abwägung is es
e s aunlich, dass es ela i wenige heo e ische Übe legun-
gen und empi ische Un e suchungen gib , die sich explizi
und sys ema isch mi dem Vo gang des Abwägens be as-
sen. Fü s (2004: 243) sieh dahe einen hohen Fo schungs-
beda : De Vo gang des Abwägens gleiche eine „Black
Box“, die de heo e ischen und empi ischen Au hellung
bedü e.
Hie se z diese Bei ag an, indem e den Blick au die
S ad planung ich e und de F age nachgeh , was Planende
un e Abwägung, Al e na i en und Va ian en e s ehen und
wie die Abwägungsp ozesse im Planungsall ag aussehen. In
Kapi el 2 wi d zunächs de S and de Fo schung zum Abwä-
gen sowie zu Al e na i en und Va ian en abgebilde . Dabei
we den zum einen die Pe spek i en aus de in e na iona-
len planungs heo e isch o ien ie en Fo schung, zum ande-
en zen ale Aspek e de deu schen Planungs ech o schung
nachgezeichne . Kapi el 3 schilde das me hodische Vo ge-
hen de empi ischen Un e suchung. In Kapi el 4 we den
dann die E gebnisse o ges ell . Die wich igs e G undlage
da ü sind In e iews mi Planenden aus de Planungsp a-
xis. Die E gebnisse we den in Kapi el 5 disku ie und es
wi d au gezeig , welche Anschlussmöglichkei en ü wei e-
e Fo schungsa bei en bes ehen.
2 S and de Diskussion
2.1 Abwägen
De Duden definie Abwägen als e was „ e gleichend und
p ü end genau bedenken, übe legen“.1Es geh demnach da -
um, das P o und Kon a eine Sache abzuwägen. Man muss
abwägen, was wich ige is , e was k i isch abwägend e ö -
e n.2In de Planungs o schung gib es seh un e schiedli-
che Sich weisen au diesen Beg iff. Nach olgend wi d zu-
nächs in die Diskussion des Beg iffs in de in e na iona-
len planungs heo e ischen Deba e einge üh . Zumindes
in Deu schland gib es abe auch in de planungs ech li-
chen Deba e Übe legungen zum Vo gang des Abwägens,
de auch ü die Planungsp axis hohe Bedeu ung ha und
dahe eben alls aus üh liche da ges ell wi d.
2.2 Abwägen in de in e na ionalen
planungs heo e ischen Deba e
De englischsp achige Te minus ü das Abwägen is ba-
lancing. De Beg iff des Abwägens bezieh sich zunächs
au einen Vo gang inne halb des Planungsp ozesses. Eng
mi dem Vo gang des Abwägens is auch das E gebnis des
Abwägungsp ozesses e bunden, also das ausgewogene E -
gebnis eine Abwägung. Diese enge Bezug komm in den
Beg iffen balance und balanced noch deu liche zum Aus-
d uck. Da aus zeig sich: Ein zu iedens ellendes Abwä-
gungse gebnis is ein ausgewogenes E gebnis.
G an (2022) be ass e sich aus üh lich mi den Fo men
und Funk ionen de disku si en Kons uk ion des Beg iffs
des Abwägens. Inne halb dessen wu de du ch ihn eine empi-
ische Disku sanalyse zu Ve wendung des Beg iffs balan-
cing du chge üh . Sie ha e mi 231, an Planungsp ozes-
sen in Kanada be eilig en Ak eu en (Planende, P ojek en -
wickle innen und -en wickle , Poli ike innen und Poli ike ,
Bewohne scha ), semis uk u ie e In e iews ge üh . Vo
allem on den Planenden wu de die Wo wu zel „balanc*“
augen ällig häufig e wende . Zudem wa in de G uppe
de Planenden de Bezug zu Dimension Planungsp ozess
ela i häufig gegeben, wäh end sich ande e G uppen ehe
au das E gebnis des Planungsp ozesses bezogen.
Abwägen is zunächs ein posi i konno ie e Beg iff
(Cole/Goodchild 2000: 352). Diese posi i e Konno a ion
wi d jedoch on eine Reihe on Au o innen und Au o en
k i isch hin e ag . Inso e n die ägliche Tä igkei on Pla-
nenden auch in de Kons uk ion on Beg iffen in de Kom-
munika ion in Planungsp ozessen bes eh (Fo es e 1989;
Zi ce 2017), is die Ve wendung des Beg iffs Abwägung
auch Teil de meh ode wenige bewuss ausgeüb en Ge-
s al ungs ä igkei – o allem de Übe zeugungsa bei on
Planenden (Th ogmo on 2003). E kann abe auch in Pla-
1h ps://www.duden.de/ ech sch eibung/abwaegen (28.05.2024).
2h ps://www.duden.de/ ech sch eibung/abwaegen (28.05.2024).
Raum o schung und Raumo dnung | Spa ial Resea ch and Planning (2024) 82/5: 422–436 423
C. Mülle e al.
nungsp ozessen als eine s a egische Ressou ce eingese z
we den (Cole/Goodchild 2000; Buhle 2021), weil de Be-
g iff seine Na u en sp echend g undsä zlich age is .
So wi d in de Abwägung als ein Vo gang de Rech e -
igung und Übe zeugung meis ens au einen Commonsen-
se Bezug genommen (Cole/Goodchild 2000). In Planungs-
p ozessen geh es häufig um das Ausbalancie en de d ei
Säulen de Nachhal igkei , de Abwägung zwischen sozia-
len, ökonomischen und ökologischen Belangen (B iassoulis
1999). Abe was da un e im Einzelnen e s anden wi d, is
häufig noch imme age und wi d au g und de In e es-
sen on e schiedenen Ak eu en un e schiedlich definie
(Raco 2007). Bezogen au das E gebnis on Abwägungs-
p ozessen wu de in de Poli ik imme wiede das E gebnis
eine ausbalancie en sozialen S uk u de Bewohne scha
disku ie (Sun 1979; Hawo h/Manzi 1999; Smi h 2008).
Au o innen und Au o en (u. a. Finkle /G an 2011; Allmen-
dinge /Haugh on 2012) weisen jedoch da au hin, dass de
Beg iff de Abwägung auch dazu genu z we den kann, In-
e essen benach eilig e G uppen un e Be u ung au die
Allgemeinhei abzuweh en und soga Exklusionspoli iken
zu ech e igen.
G an (2022) e mi el e in de empi ischen Un e su-
chung, dass Planende es häufig als ih e zen ale Au gabe
ansehen, die In e essen mach olle Ak eu e im P ozess mi
ande en Belangen auszubalancie en: Bisweilen wu de on
einem „balancing game“ gesp ochen. Eine Reihe on Au o-
innen und Au o en be on jedoch die Ve geblichkei diese
Bemühungen: Angesich s de Rahmen und Mach e häl -
nisse könne es kein neu ales Abwägen und Ausbalancie en
on In e essen geben (Fly bje g 1998;Wa son2003; Sage
2009; Fox-Roge s/Mu phy 2014).
2.3 Abwägung in de planungs ech lichen
Deba e in Deu schland
In de planungs ech lichen Deba e in Deu schland ha de
Beg iff de Abwägung eine zen ale Bedeu ung. Alle aum-
bedeu samen Fachgese ze en hal en meh ode wenige
konk e isie e Abwägungsklauseln (Sö ke 2010; Schoen
2018: 20). Fü die e bindliche Baulei planung wi d die
Abwägung mi un e soga als ma e ielles Ke ns ück des Pla-
nungsp ozesses bezeichne (Schmid -Eichs aed 2010: 12),
de übe dies ein ganzes Leh buch gewidme is (Gie ke/
Schmid -Eichs aed 2019).
In de Li e a u we den Anhal spunk e gegeben, welche
Funk ion de Abwägung zukomm : Das Abwägungsgebo
ha die Au gabe, die plane ische Ges al ungs eihei im In-
e esse insgesam ausgewogene und dami ech ss aa lich
e häl nismäßige Konflik lösungen zu beg enzen (Schoen
2018: 21; Gie ke/Schmid -Eichs aed 2019: 7). Be ei s
1969 ha e das Bundes e wal ungsge ich ein zen ales
U eil gesp ochen,3das o z des g undsä zlichen Abwä-
gungsgebo s den E messensspiel aum de Kommunen als
T äge de Planungshohei in den Vo de g und s ell . Eine
Ve pflich ung de Gemeinde, im Rahmen de Abwägung
ein op imales Planungskonzep im Sinne de Auswahl de
bes en Al e na i e zu e olgen, bes eh nich ; das E gebnis
muss lediglich e e ba sein (Zemke 2018: 36).
Nach de planungs ech lichen Li e a u um ass die Ab-
wägung g undsä zlich o allem öffen liche Belange, p i-
a e Belange, Ta sachen und Rech s a sachen als Besonde -
hei en des Einzel alls, om Planwe k o aussich lich beein-
fluss e zukün ige En wicklungen, insbesonde e Ge ah en
und Risiken, ande wei ige Planungsmöglichkei en („Al e -
na i en“) sowie Maßnahmen zu Ve meidung, zu Ve min-
de ung und zum Ausgleich on Eing iffen (Gie ke/Schmid -
Eichs aed 2019). G undsä zlich sind im Bauplanungs ech
Umwel belange be ei s du ch die (S a egische) Umwel -
p ü ung gegenübe ande en Belangen p i ilegie (Gie ke/
Schmid -Eichs aed 2019: 742).
Zu den im Rahmen de Abwägung anzuwendenden Me-
hoden we den in de planungs ech lichen Fachli e a u nu
seh allgemeine Hinweise gegeben: Zum Einsa z kommen
Bes andsau nahmen, P ognosen, ech liche Beu eilungen
und o allem e bal-a gumen a i e Bewe ungen (Gie ke/
Schmid -Eichs aed 2019: 69). Es ha sich zwa ein E ah-
ungsscha z he ausgebilde , welche P üff agen im Rahmen
de Abwägung zu bean wo en sind (Zemke 2018: 101),
dennoch lassen die Abwägungsg undsä ze in de Regel iel
Spiel aum, e wa bei de Fes se zung de Bauweise. Die E -
gebnisse de Auswe ung on S ellungnahmen we den in
eine Abwägungs abelle zusammenge ass (Schoen 2018:
23–24).
Ein zen ales K i e ium, um eine Abwägung als gelun-
gen zu bezeichnen, is das Ve meiden on Planungs ehle n,
die nach de ge ich lichen P ü ung zu eine Nich igkei des
Planungse gebnisses üh en können. Ve le zungen des Ab-
wägungsgebo es sind die am häufigs en im Fall de ge ich -
lichen Kon olle zu Planunwi ksamkei üh enden Fehle
on Bebauungsplänen (Zemke 2018: 33). Nu wenige Bau-
lei pläne schei e n jedoch wegen ma e ielle Abwägungs eh-
le , meis geh es um o melle Abwägungs ehle bei de Zu-
sammens ellung des Abwägungsma e ials (Gie ke/Schmid -
Eichs aed 2019: 24). Das Abwägungsgebo is meis dann
e le z , wenn Belange nich einges ell we den, die nach La-
ge de Dinge einges ell we den müss en, wenn die Bedeu-
ung de be offenen Belange e kann wi d (Abwägungs-
ehleinschä zung) ode wenn ein Ausgleich zwischen den
on de Planung be üh en, öffen lichen und p i a en Be-
langen in eine Weise o genommen wi d, de zu objek i-
3BVe wG En scheidung om 12.12.1969, 4 C 105/66.
424 Raum o schung und Raumo dnung | Spa ial Resea ch and Planning (2024) 82/5: 422–436
Abwägung, Al e na i en und Va ian en in kommunalen Planungsp ozessen. G undsä zliche Übe legungen und ...
en Gewich igkei einzelne Belange auße Ve häl nis s eh
(Abwägungsdisp opo ionali ä ) (Zemke 2018: 33–41).
2.4 Abwägen on Al e na i en und Va ian en
Zunächs is hie wiede ein Blick au lexikalische Bes im-
mungen e hellend: Un e Al e na i e wi d im Duden eine
eie Wahl, abe unabdingba e En scheidung zwischen ode
mindes ens zwei Möglichkei en e s anden. Un e eine Va-
ian e wi d dagegen eine leich e ände e Abwandlung on
e was e s anden. Folglich be on de Beg iff de Al e na-
i en ehe die Un e schiede, wäh end de Beg iff Va ian e
ehe au die Gemeinsamkei en abs ell .4
In de planungswissenscha lichen Li e a u wi d eine
Un e scheidung zwischen Al e na i en und Va ian en meis
nich sys ema isch o genommen, in de Regel wi d nu de
Beg iff de Al e na i en e wende . Die Ausnahme sind hie
Übe legungen zu (S a egischen) Umwel p ü ung (Pe e s/
Weinga en/Schicke anz e al. 2020: 17, 23): Hie wi d on
eine P ü ung on Al e na i en gesp ochen. Jedoch finde
sich hie mi un e auch die explizi e Ve wendung des Be-
g iffs Va ian en. Bei de G obplanung we den Al e na i en
gep ü , die sich seh s a k un e scheiden können, bei de
Feinplanung geh es dagegen um wenige un e scheiden-
de Va ian en. Al e na i en s ellen Möglichkei en da , die
sich un e einande s ä ke un e scheiden als Va ian en. Die-
se Diffe enzie ung s imm mi de lexikalischen Diffe enzie-
ung de Beg iffe übe ein. Sie ha alle dings keine ech liche
Rele anz.
2.5 Die Al e na i enabwägung aus
un e schiedlichen planungs heo e ischen
Pe spek i en
O ien ie am Vo schlag zu Klassifizie ung planungs heo-
e ische Ansä ze on Wiechmann (2019a; 2019b) wi d im
Folgenden ein Blick au die F age de Al e na i enabwä-
gung aus un e schiedlichen planungs heo e ischen Pe spek-
i en gewo en. Im a ionalen Planungsmodell de 1950e -
und 1960e -Jah e wi d das Modell eines linea en Planungs-
p ozesses o mulie (Meye son/Banfield 1955; Al shule
1965). Abwägung wi d dabei als poli ische , abe auch a-
ionale Vo gang beg iffen. Hie wi d übe Al e na i en ab-
gewogen, was dann zu eine Auswahlen scheidung üh
(Wiechmann 2008: 22, 34). Die Denkweise de Abwägung
on Al e na i en und Va ian en d ück sich soga explizi in
4h ps://www.duden.de/ ech sch eibung/Al e na i e_Moeglichk
ei (28.05.2024); h ps://www.duden.de/ ech sch eibung/Va ian e
(28.05.2024).
eigenen Me hoden aus wie de Nu zwe analyse de e s en
Gene a ion (Zangemeis e 1970).
Das Modell des Ink emen alismus, das als Reak ion
au die Defizi e des a ionalen Planungsmodells in den
1970e -Jah en o mulie wu de, e s eh Planung hingegen
als einen offenen und bewuss agmen ie en P ozess de
kleinen Sch i e (B ayb ooke/Lindblom 1972). Dennoch
komm dem Abwägen auch hie , im Rahmen de Al e -
na i enauswahl, eine hohe Bedeu ung zu. So wu den in
diesem Modell eigene Me hoden en wickel (z. B. die Nu z-
we analyse de zwei en Gene a ion; Bechmann 1978). Im
Un e schied zum a ionalen Planungsmodell wi d de li-
nea e, sequenzielle G undablau de Bewe ung zuguns en
klein eilige Bewe ungssch i e s ä ke diffe enzie und
das Messni eau de Bewe ung e ein ach .
In neo a ionalis ischen Ansä zen, die in gewisse Wei-
se du ch den P agma ismus des Ink emen alismus geläu e
sind, is die F age de Abwägung on Al e na i en und Va i-
an en nach wie o zen al. Fü McRae (1993)e wamach
die Suche nach Al e na i en und de en Abwägung un e -
einande den Ke nbes and eil eines Planungsp ozesses aus.
E o de ausd ücklich die Fo mulie ung on kla en und
komplexen Al e na i en (nich nu on Einzel o schlägen).
Nich akzep able Al e na i en soll en ausso ie we den,
be o übe haup K i e ienka aloge angeleg we den. Auch
in B ooks’ (2017) Planungsmodell we den Al e na i en ex-
plizi genann . Hie sind sie in den zen alen Punk en ü
Feedbackschlei en zwischen de poli ischen und de plane i-
schen Ra ionali ä in Fo m de Al e na i enauswahl o mu-
lie . Planende sollen die Zahl de e olg en Handlungsal-
e na i en anhand ih e Bewe ung und de o he schenden
Rahmenbedingungen einengen – in de Regel geben sie ma-
ximal d ei Al e na i en in die Poli ik (Mülle 2017: 17).
Ande e planungs heo e ische Ansä ze (Wiechmann 2019a;
Wiechmann 2019b), wie insbesonde e die kommunika i e/
kollabo a i e Planung (Innes/Boohe 2010) und o allem
die agonis ische Planung (Mouffe 2013; Kühn 2021) se z-
en sich ehe k i isch mi dem zum Teil no ma i posi i
konno ie en Beg iff de Abwägung auseinande ( gl. Kapi-
el 2.1). Sie assen den Planungsp ozess nich wie das a io-
nale Planungsmodell als eine S u en olge on Sch i en mi
eine eigenen Phase de Abwägung und geben auch keine
konk e en me hodischen Hinweise, wie die Abwägung on
Al e na i en und Va ian en e olgen soll e.
De Ansa z de s a egischen Planung (Wiechmann
2008) bezieh sich zwa g undsä zlich au alle Elemen e
eines Planungsp ozesses, wie auch den En wu on Op-
ionen und Al e na i en (Hu e /Wiechmann/K üge 2019:
18). In konk e en Modellen s a egische Planung auchen
diese Elemen e jedoch nich explizi au (Kühn 2008).
Obwohl einige Ansä ze de s a egischen Planung du chaus
Raum o schung und Raumo dnung | Spa ial Resea ch and Planning (2024) 82/5: 422–436 425

C. Mülle e al.
no ma i o ien ie sind, we den keine Emp ehlungen zu
Abwägung on Al e na i en/Va ian en gegeben.
Die auch als Planungs heo ieansä ze benennba en neoin-
s i u ionalis ischen Ansä ze (Gailing/Hamedinge 2019)ha-
ben nu zum Teil gewisse Pa allelen zum a ionalen Pla-
nungsmodell: Das Ra ional-Choice-Modell be ass sich mi
Wahlhandlungen, zu denen auch die Auswahl on Al e na i-
en gehö . Ande e Modelle wie de Ak eu zen ie e Ins i-
u ionalismus sind ehe an Beg iffen on poli ischen In e -
ak ionen wie Ve handlungen, denn an de Abwägung zwi-
schen Al e na i en in e essie . Go e nance-Ansä zen geh
es gene ell um das b ei e Spek um de Fo men de Rege-
lung kollek i e Sach e hal e. Dabei spiel die F age de
Abwägung on Al e na i en und Va ian en jedoch keine ex-
plizi e Rolle. Dies gil auch ü die planungs heo e ischen
Ansä ze, die sich mi dem Aspek de Planungskul u be as-
sen (O heng a en/Reime /Danielzyk 2019).
2.6 Abwägung on Al e na i en und Va ian en
aus planungs ech liche Pe spek i e
Übe aschende weise we den in zen alen Leh büche n des
S äd ebaus wie bei Reiche (2017: 201), die Beg iffe Ab-
wägung, Al e na i en und Va ian en nich sys ema isch e -
wende . Sie auchen hie als Beg iffe nu im Rahmen on
Szena ien au , obwohl bei s äd ebaulichen We bewe ben
häufig übe al e na i e En wü e abgewogen und en schie-
den wi d. In de Li e a u zum deu schen Planungs ech
wi d au das Thema Al e na i en/Va ian en e was aus üh -
liche eingegangen, indem zunächs die F age ges ell wi d,
ob es eine ech liche Ve pflich ung zu Fo mulie ung on
Planungsal e na i en/Va ian en gib : Die Bedeu ung de Al-
e na i enp ü ung kann aus dem Abwägungsgebo , dem Ge-
bo de Ausgewogenhei de Abwägung und dem Ve häl -
nismäßigkei sg undsa z und o allem aus de Pflich zu
Öffen lichkei sbe eiligung nach § 3 Abs. 1 BauGB5abge-
lei e we den (Zemke 2018: 243; Gie ke/Schmid -Eichs a-
ed 2019: 673). Jedoch is auch in § 2 Abs. 4 und § 2a
BauGB eine Pflich zu Al e na i enp ü ung nich ausd ück-
lich no mie (Gie ke/Schmid -Eichs aed 2019: 674). Auch
finden sich Hinweise, welche Al e na i en in B ei e und
Tie e gep ü we den müssen: Nich alle denkba en Al e -
na i en müssen gep ü we den, sonde n nu „ e nün ige“,
„in Be ach kommende“ ode sich „e ns ha “ anbie ende
Al e na i lösungen (Gie ke/Schmid -Eichs aed 2019: 681).
Läss sich das Planziel an einem güns ige en S ando ode
5Baugese zbuch in de Fassung de Bekann machung om 3. No-
embe 2017 (BGBl. I S. 3634), das zule z du ch A ikel 3 des Gese -
zes om 20. Dezembe 2023 (BGBl. 2023 I N . 394) geände wo den
is .
mi ge inge e Eing iffsin ensi ä e wi klichen, so ha die
Gemeinde die e o de lichen E mi lungen anzus ellen und
diese zu bewe en und gegebenen alls in de (S a egischen)
Umwel p ü ung zu p ü en und im Umwel be ich da zus el-
len (Gie ke/Schmid -Eichs aed 2019: 677). Bei de Al e na-
i enbewe ung und Al e na i enauswahl gib es keine Ve -
pflich ung zum Op imum. In de planungs ech lichen Li-
e a u sind wei e hin die Sch i e des Abwägens benann :
E assen, Bewe en, Eins ellen, Abwägen. Diese Sch i e un-
e liegen als Abwägungs o gang de olls ändigen Kon ol-
le du ch die Ge ich e. Eine Al e na i enabwägung is nu
dann ech s ehle ha , wenn sich eine ande e als die gewähl-
e Lösung un e Be ücksich igung alle abwägungse hebli-
chen Belange eindeu ig als die besse e hä e au d ängen
müssen.
Zu Abwägung on Planungsal e na i en im Rahmen
de (S a egischen) Umwel p ü ung en häl die Rich linie
2001/42 EG6in A 5, Abs. 1, Sa z 1 Aus üh ungen.
Diese Vo gaben wu den alle dings in Deu schland nu in
den Fachplanungsgese zen olls ändig umgese z (Pe e s/
Weinga en/Schicke anz e al. 2020: 19). Die (S a egische)
Umwel p ü ung is auch das einzige Planungsins umen ,
zu dem es auch dezidie e me hodische Emp ehlungen
in de Fachli e a u gib (Fü s /Scholles 2008). Dabei wi d
ausd ücklich da au hingewiesen, dass das ka dinale Skalen-
ni eau, wie es de Nu zwe analyse de e s en Gene a ion
zug unde lieg , bei den meis en de zu bewe enden Sach-
e hal en nich einzuhal en is . Dahe soll die Bewe ung
mi Hil e eine Mischung aus Nu zwe analyse de zwei en
Gene a ion (o dinales Skalenni eau) ode de ökologischen
Risikoanalyse und e bal-a gumen a i en Bewe ungsme-
hoden du chge üh we den. Diese is cha ak e isie du ch
eine abella ische Zusammens ellung.
Eine e gleichende Un e suchung on Umwel be ich en
s ell e Mängel in de T anspa enz de Al e na i enbewe -
ung es . Vo allem beim Sch i de zusammen assenden
Gegenübe s ellung de Al e na i en wi d k i isie , dass
in de offiziellen P ü ung nu s ando bezogene Al e na i-
en gep ü we den und nich g undlegende o gelage e
En scheidungsal e na i en ohne konk e en Raumbezug. Zu-
dem wü den Al e na i enp ü ungen be ei s in o mell om
Planungs äge e olgen und seien dami de Bewe ung
im ö mlichen Ve ah en en zogen (Pe e s/Weinga en/
Schicke anz e al. 2020: 23–24).
6h ps://eu -lex.eu opa.eu/DE/legal-con en /summa y/
assessmen -o - he-ce ain-e ec s-o -plans-and-p og ammes-
on- he-en i onmen -sea.h ml (30.05.2024).
426 Raum o schung und Raumo dnung | Spa ial Resea ch and Planning (2024) 82/5: 422–436
Abwägung, Al e na i en und Va ian en in kommunalen Planungsp ozessen. G undsä zliche Übe legungen und ...
3 F ages ellung des Bei ags und
me hodisches Vo gehen
Die heo e ischen und e s ech die empi ischen Bei äge
de Planungs o schung zu den Beg iffen Abwägung, Al e -
na i en und Va ian en sind also übe schauba und dies, ob-
wohl sie doch e mu lich zen ale Beg iffe im all äglichen
Planungshandeln sind. Vo diesem Hin e g und wi d in die-
sem Bei ag e such , die „Black Box“ des Abwägens em-
pi isch zu du chleuch en.
Die Lei agen de empi ischen Un e suchung sind:
– Wie wi d de Beg iff de Abwägung e s anden, welche
Funk ionen und Fo men de Abwägung gib es?
– Wie s ell sich de Abwägungsp ozess da , wie wi d mi
welchen Me hoden abgewogen, welche sind die Defizi e
und E olgsbedingungen des Abwägungsp ozesses?
– Wie we den die Beg iffe Al e na i en und Va ian en e -
s anden, welche Funk ionen und Fo men gib es?
– Wie s ell sich de P ozess de Fo mulie ung on und En -
scheidung übe Al e na i en und Va ian en da , wie wi d
mi welchen Me hoden o gegangen,welches sind die De-
fizi e des P ozesses und de E gebnisse?
Die in diesem Bei ag p äsen ie en E gebnisse basie en
au lei adenges ü z en Expe enin e iews (Meuse /Nagel
1991) mi Planenden aus de kommunalen Ve wal ung und
Planungsbü os. Alle In e iew en wu den au g und ih e
be uflichen Qualifika ion du ch ein judgemen al sampling
(bewuss e Auswahl du ch die Au o innen und Au o en) aus-
gewähl . Sie wu den als besonde s ele an ü die Un e -
suchung angesehen, da sie im Be eich de S ad planung
agie en und do langjäh ige E ah ungen au weisen und so
da on ausgegangen we den kann, dass sie plane ische Rou-
inen en wickel und übe geo dne e Handlungsmus e de
Ins i u ion(en) e inne lich zu haben. Eben alls essenziell
ü die Auswahl wa en Au geschlossenhei und In e esse ge-
genübe de Thema ik, was du ch Vo gesp äche abge ag
wo den wa .
Im Zei aum on Mä z 2023 bis Ok obe 2023 wu den
insgesam 19 In e iews mi eine kumula i en Daue on
22 S unden ge üh . In den o liegenden In e iews wu den
zudem wei e e Aspek e hema isie , die an diese S elle je-
doch nich im Mi elpunk s ehen. Le z lich wu den aus 16
In e iews ele an e Aussagen gewonnen. Gesp ächsg und-
lage wa en insgesam neun ausgewähl e Plan e ah en, die
die Planenden in de Ve gangenhei bea bei e ha en ode
zu dem Zei punk de In e iews bea bei e en.
Zu den im In e iew behandel en Themen zähl en: Ziel-
bes immung und Rahmenbedingungen des Plan e ah ens,
En wicklung on Al e na i en, Abwägungs o gang im Plan-
e ah en und abschließende En scheidungsfindung sowie
Ausblick und Wei e en wicklung des Abwägungs- und En -
scheidungsp ozesses. Au g und dieses Vo gehens konn e ei-
ne Viel al an Kon ex en, äumlichen Bedingungen und He-
aus o de ungen be ücksich ig we den ( gl. Tabelle 1).
Das Fo schungs eam zeichne e die In e iews au , an-
sk ibie e und analysie e sie un e Ve wendung eine in-
hal lich s uk u ie enden quali a i en Inhal sanalyse mi de
So wa e MAXQDA (Kucka z/Rädike 2022). Diese P o-
zess um ass e zunächs eine ini iie ende Tex a bei mi dem
so g äl igen Lesen de T ansk ip e o dem Hin e g und
de Fo schungs age, dem Ma kie en ele an e S ellen und
dem Ve assen on Memos und Fallbesch eibungen (D e-
sing/Pehl 2018: 50). Da au hin e olg e eine e s e Ka ego-
ienbildung, die au de Basis de hema ischen Haup ka-
ego ien deduk i e olg e. Die Haup ka ego ien „Al e na-
i en“, „Abwägung“ und „Va ian en“ bilde en den Rahmen
dieses Un e suchungssch i es. Dadu ch wu den ausgewähl-
en Tex s ellen passende Codes zugewiesen. Die zwei e Ka-
ego ienbildung e lie induk i , um die bes ehenden Haup -
ka ego ien anhand des Ma e ials wei e zuen wickeln und zu
diffe enzie en. Die Analyse olg e dami einem deduk i -in-
duk i en Ansa z de Ka ego ienbildung (Kucka z/Rädike
2022: 102–103). Die konk e e Anwendba kei de en wi-
ckel en Ka ego ien wu de anhand on d ei de 19 T an-
sk ip e übe p ü und e ifizie . Im da auffolgenden Sch i
wu de das gesam e Da enma e ial e neu mi einem diffe-
enzie en Ka ego iensys em kodie . Hie aus ließen sich
die Beg iffs e s ändnisse ablei en. In de Da s ellung sind
die In e iews e schlüssel , sodass keine exak en Zuo d-
nungen de Aussagen zu den in de Tabelle 1genann en
Funk ions äge innen und Funk ions äge n möglich sind.
4 E gebnisse
4.1 Abwägung
4.1.1 Beg i s e s ändnis, Funk ion und Fo men on
Abwägung
In den In e iews wu de deu lich, dass die Abwägung
als Ins umen zu En scheidungsfindung dien , bei dem
un e schiedliche In e essen, Ansp üche und Rahmenbedin-
gungen de Be eilig en einbezogen, angemessen gewich e
und be ücksich ig we den. (I2, I16). Viel ach wu de die
Abwägung o allem mi dem Zusammen üh en und Aus-
gleich zwischen e schiedenen In e essen, Bedü nissen
und An o de ungen gleichgese z (I2). So wu de on Abwä-
gung gesp ochen, wenn im Planungsp ozess ein Zielkonflik
bes and und wide s ei ende Belange und In e essen o -
he sch en (I11). In einem In e iew wu de die Abwägung
auch als ein in ellek uelle Ve a bei ungsp ozess besch ie-
ben (I4).
Raum o schung und Raumo dnung | Spa ial Resea ch and Planning (2024) 82/5: 422–436 427
C. Mülle e al.
Tabelle 1 In o ma ionen zu den Falls udien und den In e iews
Kommune ( e schlüssel ) – Bundesland, S ad g öße, Daue de
In e iews (gesam )
In o ma ionen zum Plan e ah en/zu den Plan e ah en
Expe innen und Ex-
pe en - Kennung und
Hin e g und
Expe innen und Ex-
pe en - Kennung und
Hin e g und
Expe innen und Ex-
pe en - Kennung und
Hin e g und
F1 – No d hein-Wes alen, G oßs ad , 1 h 15 min
In o melles Plan e ah en ü ein S ad eilen wicklungskonzep 1: Lei ung
S ad en wicklung
F2 – Hessen, Mi els ad , 3 h 50 min
In o melles Plan e ah en ü ein s äd ebauliches Rahmenkon-
zep ü einen Technologiepa k und ein o melles o habenbezo-
genes Bebauungsplan e ah en (§ 30 Abs. 2 BauGB) au mili ä i-
sche Kon e sionsfläche
2: Lei ung
S ad planungsam 3: S ad planung 4: Lei ung
Planungsbü o
F3 – Baden-Wü embe g, Kleins ad , 2 h 28 min
Fo melles ein aches Bebauungsplan e ah en (§ 30 Abs. 3 BauGB)
und in o melles Plan e ah en zu Ansiedlung eine Windk a an-
lage
5: Bü ge meis e am 6: Be a ungsfi ma
F4 – B andenbu g, Mi els ad , 4 h 51 min
In o melles Plan e ah en ü einen Rahmenplan und ein o mel-
les inne s äd isches Bebauungsplan e ah en ü eine Qua ie s-
en wicklung
7: Lei ung
S ad planung 8: Bea bei ende
Pe son im
Planungsbü o
9: Bea bei ende
Pe son im
Planungsbü o
F5 – Sachsen-Anhal , G oßs ad , 3 h 24 min
Fo melles inne s äd isches o habenbezogenes Bebauungs-
plan e ah en ü ein Wohn- und Geschä squa ie (§ 30 Abs. 1
BauGB) und in o melles Plan e ah en ü ein Einzelhandelskon-
zep
10: Lei ung
S ad planung 11: Sachbea bei ung
S ad planung 12: Lei ung
S ad en wicklung
F6 – Baye n, G oßs ad , 2 h 19 min
Fo melles inne s äd isches o habenbezogenes Bebauungsplan-
e ah en (§ 30 Abs. 2 BauGB) und in o melle Ideenwe bewe b
zu Qua ie sen wicklung
13: Lei ung
S ad planung 14: Lei ung
Planungsbü o
F7 – Baden-Wü embe g, Mi els ad , 1 h 19 min
Fo melles qualifizie es Bebauungsplan e ah en (§ 30 Abs. 1
BauGB) au F eifläche und o melles Ve ah en ü ein Sanie ungs-
gebie nach § 142 BauGB
15: Lei ung
S ad planung
F8 – Niede sachsen, Mi els ad , 2 h
In o melles Plan e ah en ü ein s äd ebauliches Konzep zu
Qua ie sen wicklung und in o melles Plan e ah en ü eine
Radwegumlegung
16: Deze na slei ung 17: Sachbea bei ung
S ad planung 18: Lei ung
Planungsbü o
F9 – S ad s aa , 1 h 19 min
In o melles Plan e ah en ü einen Mas e plan zu Qua ie s-
en wicklung und o melles inne s äd isches o habenbezogenes
Bebauungsplan e ah en (§ 30 Abs. 2 BauGB) au eine Kon e si-
onsfläche
19: Lei ung
S ad planung
Es wu de be on , dass die Abwägung sich in o mellen
Ve ah en s a k on de Abwägung in in o mellen Ve ah en
un e scheide . Zum o mellen Ve ah en äuße en meh e e
Expe innen und Expe en, dass es seh gu s uk u ie sei
und eine klassische Au gabe des Planungsall ages da s elle
(I16). In o mellen Ve ah en seien die ech lichen Rahmen-
bedingungen kla definie und es müssen o nehmlich „ge-
ech “ Be offenhei en abgewogen und minimie we den,
dadu ch ließe sich die Abwägung in o mellen Ve ah en
ein ache umse zen (I7; I16). In o melle Abwägungs e ah-
en seien dagegen komplexe , da hie nach de bes en Lö-
sung gesuch we de. Man sei hie jedoch au geschlossene
und abwägungsbe ei e und komme schnelle o an als in
den „ e klausulie en“ o mellen Ve ah en (I11; I15; I16).
4.1.2 Abwägungsp ozess und Me hoden
De Um ang de Abwägung ha nach Einschä zung einige
Expe innen und Expe en in den le z en Jah en s a k zu-
genommen (I9; I12). Die Abwägung in de Raumplanung
sei keine einmalige En scheidung, sonde n ein i e a i e Zy-
klus on Übe p ü ung, Anpassung und e neu e Bewe ung
(I9). Es handele sich nich um eine einzige, sonde n eine
„na ü lich en s andene“ En scheidung (I11). Zu den einzel-
nen Sch i en des Abwägungsp ozesses zähl en demnach
die Fes legung on Zus ändigkei en, die Offenlegung on
Rahmenbedingungen, die Gewich ung un e schiedliche Be-
lange und die Einbeziehung on E ah ung und Wissen (I4;
I7; I11; I16). Abwägungsgegens ände seien die Fak enab-
428 Raum o schung und Raumo dnung | Spa ial Resea ch and Planning (2024) 82/5: 422–436
Abwägung, Al e na i en und Va ian en in kommunalen Planungsp ozessen. G undsä zliche Übe legungen und ...
wägung, die In e essenabwägung und die We eabwägung
(I6).
De in de Rech sp echung e anke e E messensspiel-
aum e mögliche den Pe sonen in En scheidungsposi ionen
Flexibili ä in de Beu eilung und Gewich ung un e schied-
liche Belange mi den hochspezifischen Gegebenhei en o
O (I5; I15). Die in e subjek i e Einschä zung spiele ei-
ne wich ige Rolle in de Abwägung. Dies beziehe sich au
die Fähigkei und No wendigkei , un e schiedliche Pe spek-
i en und Meinungen zu be ücksich igen und in den En -
scheidungsp ozess einzubeziehen (I8). Diese plu alis ische
He angehensweise hel e dabei, eine ausgewogene und ge-
ech e En scheidung zu effen, die die Viel al de In e-
essen und Belange eflek ie (I11). Eine Pe son sah die
Abwägung in o mellen Ve ah en als „Ausgleichscha zwi-
schen p i a en In e essen und öffen lichen In e essen ode
achlichen In e essen un e schiedlichs e A und Weise“,
die dazu „ üh , dass man eine Planungsen scheidung iff “
(I16). Ein P oblem poli ische Na u sei, „dass man eben
öffen liche Belange gegenübe den achlichen Bedü nissen
zu ücks ellen muss“ (I10). Die Expe innen und Expe en
wa en de Meinung, dass meis be ech ig e In e essen sei-
ens de Bü ge scha bes ehen.
Von achliche Sei e wu de in diesem Zusammenhang
on „P io i ä en se zen“ gesp ochen (I15), dem so g äl i-
gen P ü en und Gegenübe s ellen un e schiedliche Belan-
ge – seien sie ökologische , ökonomische , soziale ode
kul u elle Na u . Inne halb des P ozesses we de o mals al-
les „zu ech geschni z “, bis „alle gesag haben, hie mi kann
ich leben“ (I11). Ziel sei es, einen Komp omiss und In e es-
senausgleich zu e eichen, de die Nu zungsen scheidungen
inne halb eines bes imm en Raumes op imal ges al e und
dabei die ech lichen Rahmenbedingungen sowie die Quali-
ä ssiche ung einhäl (I8; I9). Dabei s ünde die Machba kei
de Abwägung im Vo de g und (I2; I7). Die Fachleu e be-
ach en es als ih e Au gabe, Klä ung he beizu üh en und
in diesem Kon ex auch nachzua bei en (I9). Gleichzei ig
müsse abe lau eine Aussage auch „ein Ende“ ge unden
und eine En scheidung ge offen we den (I5). Diese Punk
e e ein, wenn nach eigene Einschä zung „alles e such
wu de“ (I12).
In me hodische Hinsich wu de o allem die zen ale
Rolle on Abwägungs abellen be on . Sie dien en als Kon-
ollins umen und un e s ü z en ein sys ema isches Vo -
gehen (I1; I9). Wei e hin hel en sie als Bewe ungsins u-
men e, P io i ä en zu se zen und die e schiedenen Aspek-
e angemessen zu be ücksich igen, um so die Abwägung
zu o malisie en. Einmal wu de als wich iges Ins umen
im Rahmen de Abwägung auch das „So ie en“ genann
(I15).
4.1.3 Defizi e und E olgsbedingungen de Abwägung
Eine zen ale Au gabe sei es, kein Abwägungsdefizi zu e -
zeugen; un e ande em deswegen wü den S ellungnahmen
seh e ns genommen (I9). Dennoch gebe es Hinde nisse
eine gelungenen achlichen Abwägung, de en E gebnisse
auch umgese z we den. Hie wu de die Einflussnahme on
außen du ch die Poli ik und In es o en genann (I1). In de
poli ischen Abwägung we de in Meh hei en gedach (I7).
Diese Einflussnahme könne sich zu D uck wei e en wickeln
und den Abwägungsp ozess maßgeblich beeinflussen (I2).
Wenige komplizie als de eigen liche P ozess de Abwä-
gung sei o die Ve mi lung de Abwägungse gebnisse, wes-
wegen Abwägungen schei e n könn en (I10).
Als E olgsbedingungen wu den nach olgende Punk e ge-
nann :
– Die E ah ungen de Ak eu e: Die P axis lege ein s a -
kes Gewich au Fachdiskussionen, die sich aus E ah-
ungen, Fachwissen und dem Wissen übe P obleme in
e gleichba en und e gangenen Fällen speisen (I10). Ei-
ne Expe in/ein Expe e besch ieb die Bedeu ung diese
Fak o en wie olg : „Das is hal eine Fachdiskussion,
die ganz s a k aus E ah ung und Fachwissen und Wissen
übe P obleme, die sich in e gleichba en Fällen au ge an
haben, speis “ (I10). So zeig e sich auch, dass ex e ne Pla-
nende o Schwie igkei en haben, den ollen Um ang de
lokalen Gegebenhei en und Hin e g ünde wie beispiels-
weise Handlungs elde , Que schni s hemen, Hinweise
zu ( e gangenen) Ve ah en in ih e Abwägungsp ozesse
einzubeziehen, ge ade weil ihnen de lokale E ah ungs-
scha z ehl (I8).
– Ein kommunika i e Aus ausch: Hie bei s ehe die En -
wicklung gemeinsame Lösungen und das Ve s ändnis
ü un e schiedliche Pe spek i en und We e im Mi el-
punk . Dadu ch könn en e schiedene Al e na i en bzw.
Va ian en e ö e we den und le z endlich En scheidun-
gen du ch Abwägung ge offen we den (I13; I14).
– Aus eichende Be eiligung, um den Einfluss on Bü ge -
scha und Bü ge ini ia i en zu kanalisie en (I8, I10).
– Eine gu e In o ma ionsg undlage:Dies e höhe zum einen
die Geschwindigkei des P ozesses und e mögliche zum
ande en, saube zu a bei en (I13). Diese G undlage basie-
e o mals au Gu ach en ode Vo s udien on ex e nen
Diens leis enden und S ellungnahmen de T äge öffen -
liche Belange und de Bü ge scha (I13). Die Fundie-
ung de En scheidungen du ch solide Da en, Fak en und
Analysen sei ü die Glaubwü digkei und Akzep anz des
Abwägungsp ozesses en scheidend (I2). Ein P oblem sei
hie bei jedoch de „Wildwuchs on ielen kleinen Gu -
ach en mi un e schiedlichen Aussagen“ (I2).
– T anspa enz im P ozess und den En scheidungsg undla-
gen: Die Offenlegung on En scheidungsg undlagen,Me-
Raum o schung und Raumo dnung | Spa ial Resea ch and Planning (2024) 82/5: 422–436 429
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