Yalçin, E dal
A icle
Wandel du ch Handel im neuen Sys emwe bewe b – Zei
ü eine T uman-Dok in 2.0?
Wi scha sdiens
Sugges ed Ci a ion: Yalçin, E dal (2024) : Wandel du ch Handel im neuen Sys emwe bewe b – Zei
ü eine T uman-Dok in 2.0?, Wi scha sdiens , ISSN 1613-978X, Sciendo, Wa saw, Vol. 104, Iss. 12,
pp. 833-837,
h ps://doi.o g/10.2478/wd-2024-0215
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/308263
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ZBW – Leibniz-In o ma ionszen um Wi scha 833
Zei gesp ächDOI: 10.2478/wd-2024-0215
Wi scha sdiens , 2024 104(12), 833-837
JEL: F13, F50, F53, O19
E dal Yalcin
Wandel du ch Handel im neuen Sys emwe bewe b – Zei ü eine
T uman-Dok in 2.0?
© De /die Au o :in 2024. Open Access: Diese A ikel wi d un e de
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en lich (c ea i ecommons.o g/licenses/by/4.0/deed.de).
Open Access wi d du ch die ZBW – Leibniz-In o ma ionszen um
Wi scha ge ö de .
P o . D . E dal Yalcin is P o esso ü In e na ionale
Wi scha sbeziehungen an de HTWG Kons anz –
Uni e si y o Applied Sciences.
De in e na ionale Handel gal lange Zei als Lokomo-
i e des Wohls ands. F eie Handel soll e nich nu die
wi scha liche En wicklung ö de n, sonde n auch zu
Demok a isie ung bei agen. Diese Idee wa be ei s im
B e on-Woods-Sys em on 1944 e anke , dessen d ei
zen ale Ins i u ionen – de In e na ionale Wäh ungs onds
(IWF), die Wel bank und das Allgemeine Zoll- und Han-
delsabkommen (GATT), spä e die Wel handelso ganisa-
ion (WTO) – als P eile de in e na ionalen Wi scha s-
o dnung e ablie wu den. Die Einbindung on Lände n in
den Wel handel soll e dabei hel en, wes liche demok a-
ische We e zu e b ei en und Ve ände ung anzus oßen
– Wandel du ch Handel.
Die 1990e -Jah e können als goldene Ä a dieses Denkens
be ach e we den: Mi de G ündung de WTO (1995),
de In eg a ion eins kommunis ische S aa en und de
Einbindung Russlands (2012) sowie Chinas (2001) in die
Wel handelso dnung blüh e de globale Handel au . Län-
de wie Polen und Unga n e zeichne en du ch ih e In e-
g a ion in die eu opäische und globale Wi scha e hebli-
che Wachs ums a en (Fe enc & Ragni z, 2024), und China
e leb e ein auße gewöhnliches Wi scha swachs um,
das hunde e Millionen Menschen aus de A mu hob. Die
wel wei en We schöp ungske en e s a k en, und die A -
mu konn e zwischen 1990 und 2019 bis zum Beginn de
COVID-19-Pandemie kon inuie lich eduzie we den.
Doch heu e schein de Glaube an den eien Handel e -
blass zu sein. Auch de Wille des Wes ens, du ch Handel
poli ische Ve ände ungen hin zu demok a ische en Sys-
emen zu e eichen, schein schwäche gewo den ode
ga e lo en gegangen zu sein. Ha die Übe zeugung de
Nachk iegsgene a ion, Wandel du ch Handel he beizu-
üh en, e sag ? Fak o en wie das E s a ken au o i ä e
Regime, ehlende poli ische Un e s ü zung ü Demok a-
ien in de En wicklung und die zunehmende Ungleichhei
in einigen Lände n haben dazu beige agen, dass de
e ho e Wandel in ielen Fällen ausblieb. Und wenn on
einem Ve sagen des „Wandel du ch Handel“ Pa adigmas
ausgegangen we den muss, was sind die Al e na i en?
Diese F agen s ehen im Zen um de ak uellen Deba e
und zwingen uns dazu, neue Ansä ze zu suchen, um wi -
scha liche und poli ische T ans o ma ionen in eine zu-
nehmend agmen ie en Wel zu ges al en.
Is eine Libe alisie ung des g enzübe sch ei enden
Handels s e s e s ebenswe ?
Sei meh als 200 Jah en be assen sich Wissenscha le
und auch Poli ike mi de F age, ob eine Na ion sich ei-
nem eien Handel ausse zen soll. Diese F age is jedoch
nich eindimensional zu bean wo en, da neben den wi -
scha lichen Auswi kungen auch ins i u ionelle und poli i-
sche En wicklungen on Bedeu ung sind. In wi scha li-
che Hinsich wu de die F age ausgiebig analysie . Eine
En esselung des Handels üh in Summe g undsä zlich
zu eine E höhung de Wi scha sleis ung in eilneh-
menden Na ionen. Die G ünde ü diese posi i en E ek-
e können un e schiedlich sein. Lände mi echnologi-
schen Un e schieden können du ch Spezialisie ung und
in e na ionale A bei s eilung gemeinsam meh e eichen,
als wenn sie na ional in allen Wi scha sbe eichen ak i
wä en (Rica do, 1817). Ebenso p o i ie en Lände in eine
Wel un e schiedliche Ressou cen e eilung on g enz-
übe sch ei endem Handel, indem Kos ene spa nisse
du ch eine Spezialisie ung au na ionale S ä ken e ziel
we den können, die mi ande en Na ionen ge eil we den
(Hecksche & Ohlin, 1991). Dies bezieh sich nich nu au
Ene gie essou cen, sonde n auch au echnologisches
Know-how, In es i ionskapi al und iele ande e p oduk i-
ons ele an e Aspek e.
In eine Wel mi zunehmenden G oßkonze nen, die Mä k-
e dominie en und nich zwingend mi in ensi em We -
bewe b kon on ie sind, könn e man meinen, dass das
wi scha liche A gumen ü F eihandel an seine G enzen
s öß . Jedoch zeigen K ugman (1979) und Meli z (2003),
dass auch in eine solchen Wel die Ma k k ä e zu eine
Wi scha sdiens 2024 | 12
834
Zei gesp äch
zunehmenden P oduk i i ä s- und We schöp ungss ei-
ge ung üh en können.
Wie e häl es sich jedoch mi diesen e mein lich nu
posi i en Wi scha se ek en au na ionale Ebene, wenn
essen ielle Fak o en wie Risiko zusä zlich be ücksich ig
we den? Insbesonde e in den 1970e und 1980e Jah en,
beglei e on globalen Öl- und Mili ä k isen, wu de diese
F age zu einem zunehmend wich igen Thema in de aka-
demischen und poli ischen Deba e.
Wi scha liche Risiken sind kein A gumen gegen
den F eihandel
Bei de F age, wie Risiken einen in e na ionalen F eihan-
del beein lussen können, is eine Un e scheidung zwi-
schen wi scha lichen und poli ischen Risiken essen iell.
Eine b ei e Li e a u zeig zunächs , dass F eihandel in
eine wi scha lich unsiche en Wel nich zwingend im-
me zu eine E höhung de Wi scha sleis ung in allen
be eilig en Na ionen üh en muss. Wi scha liche Risiken
beziehen sich dabei beispielsweise au die Unsiche hei-
en bei En scheidungen in P oduk ionsp ozessen (e wa
welche Ene gie o m gewähl we den soll ode welche Ge-
eidesamen angesich s zunehmende Umwel ola ili ä
genu z we den sollen). Diese F age wu de au g und de
eno men T agwei e ü die Handelsbeziehungen zwischen
Lände n in ensi analysie . Die wissenscha lichen Ana-
lysen haben die au kommenden A gumen e gegen einen
eien Handel un e Unsiche hei jedoch eindeu ig en -
k ä en können. Im Ke n wu de es ges ell , dass ein eie
g enzübe sch ei ende Handel on Gü e n und Diens leis-
ungen nich zwingend wohl ah ss eige nd sein muss,
wenn es keine globalen Finanzin e mediä e und -mä k e
gib , die eine Absiche ung mögliche ealwi scha liche
Risiken e möglichen. Ande s o mulie , wu de gezeig ,
dass in eine Wel mi wi scha lichen Risiken ein in e na-
ionale eale Handel mi globalen Finanzmä k en einhe -
gehen muss, um wi scha liche Aus all isiken absiche n
zu können und somi die posi i en E ek e des F eihandels
nich du ch Fehlan eize kon e ka ie we den (Helpman
& Razin, 1978). Es is dahe nich übe aschend, dass
ge ade in den 1980e und 1990e Jah en de F eihandel
einhe gehend mi de Libe alisie ung de in e na ionalen
Finanzmä k e zu his o isch g oßen Wi scha ssp üngen
in de Wel ge üh ha .
Die Wel sieh sich nich nu mi wi scha lichen
Risiken kon on ie
Is ein in e na ionale F eihandel auch in eine Wel mi
poli ische Unsiche hei imme o eilha ü das Wachs-
um alle Handelspa ne ? Diese F age e o de eine
g ündliche Analyse, bei de poli ische Unsiche hei aus
e schiedenen Blickwinkeln be ach e we den soll e. Ei-
ne e s e Fo m de poli ischen Unsiche hei e gib sich aus
de Handels-, Geld- und Indus iepoli ik einzelne Na io-
nen. Häu ig e suchen poli ische Ak eu e, na ionale Wi -
scha sp obleme au ande e S aa en abzuwälzen, was o
zu einsei igen Maßnahmen und Spannungen üh . Ein
Beispiel aus de Geschich e sind die Reak ionen iele
Lände au die wi scha lichen He aus o de ungen Ende
de 1920e Jah e: Viele Lände se z en au P o ek ionis-
mus und eine expansi e Geldpoli ik. De Smoo -Hawley
Ta i Ac on 1930 in den USA, de die Zölle au Impo gü-
e d as isch e höh e, is ein bekann es Beispiel. Gleich-
zei ig e such en iele Na ionen, du ch expansi e Geld-
poli ik ih e Wäh ungen abzuwe en, um Expo e zu ö -
de n. Diese unkoo dinie en Maßnahmen e schä en die
globalen wi scha lichen P obleme und üh en zu Ve -
gel ungsmaßnahmen ande e Lände . Die apide Zunah-
me on Handelsba ie en in den 1930e Jah en, gepaa
mi expansi e Geldpoli ik, üh e zu einem globalen Do-
minoe ek , de ein s abiles in e na ionales Wi scha en
nahezu unmöglich mach e. Ve so gungsengpässe, Mas-
sena bei slosigkei und P eisins abili ä wa en die Folge.
Dieses poli ische Risiko, dass einzelne Lände aus einem
koo dinie en in e na ionalen Wi scha ssys em aus-
sche en, s ell e eine massi e Bed ohung da , nich nu
ü die Wi scha , sonde n auch poli isch. Die in e na io-
nale Gemeinscha e such e mi de G ündung globale
Ins i u ionen siche zus ellen, dass ein de a ige P o ek-
ionismus, gepaa mi Abwe ungsspi alen, nich e neu
die Wel wi scha des abilisie . Das B e on-Woods-
Sys em wa bishe Teil dieses ins i u ionellen Rahmens,
de gescha en wu de, um poli ische Risiken in de da ge-
s ell en Fo m zu e hinde n bzw. geo dne in Koope a ion
zu eduzie en ode zu eliminie en.
Zusä zlich zu den g oßen in e na ionalen Ins i u ionen
gab und gib es auch kleine e Koope a ionsini ia i en, die
dazu bei agen können, poli ische Risiken zu e inge n.
Ein Beispiel da ü is das Plaza-Abkommen zwischen den
USA und ande en g oßen Indus ielände n aus dem Jah
1985, das da au abziel e, die Wechselku se koo dinie
anzupassen, insbesonde e den US-Dolla abzuwe en.
Diese koo dinie e Wechselku spoli ik soll e einsei ige
Handelsungleichgewich e eduzie en und das Ve auen
zwischen den Na ionen s ä ken. Diese A on kleine en,
lexible en Abkommen e möglich es, au egionale ode
sek o ale Unsiche hei en geziel zu eagie en und Ve -
auen zwischen den be eilig en Na ionen au zubauen.
Solche Koope a ionen sind eben alls wich ige Elemen e,
um das Risiko eines Ze alls de in e na ionalen O dnung
zu minde n und wi scha liche S abili ä zu ö de n.
Tabelle 1 e anschaulich , dass in e na ionale Ins i u i-
onen wie die WTO und de IWF dazu bei agen können,
ZBW – Leibniz-In o ma ionszen um Wi scha 835
Zei gesp äch
poli ische Unsiche hei en zu minimie en und lang is ig
s abilen Nu zen ü alle be eilig en Na ionen zu gewäh -
leis en. Koope a ion is dabei de Schlüssel, um das Ri-
siko on einsei igen Maßnahmen und de en nega i en
Folgen ü die globale Wi scha zu minimie en. In eine
Wel , die nich nu on wi scha lichen, sonde n auch on
poli ischen Risiken gep äg is , bleib die Bedeu ung eine
gu unk ionie enden in e na ionalen O dnung somi en -
scheidend ü das nachhal ige Wachs um und den Wohl-
s and alle be eilig en Na ionen.
F eihandel, in e na ionale Finanzmä k e und
Ins i u ionen sind nich genug
Wenn die le z en Jah zehn e nach dem Zwei en Wel k ieg
de Scha ung on Ins i u ionen und de In eg a ion on
Finanzmä k en gewidme wa en, wa um wi d ein in e na-
ional libe alisie e Handel heu e zunehmend als P oblem
gesehen? Eine ein ache An wo da au könn e sein, dass
die Wel gemeinscha bei den Absiche ungsins umen en
(Ins i u ionen und Finanzmä k en) nich aus eichend o-
angekommen is ode soga Rücksch i e gemach ha .
Diese Hypo hese en häl siche lich ein S ück Wah hei .
Be ei s sei den 2010e Jah en zeichne sich eine Schwä-
chung de in e na ionalen Ins i u ionen ab. Die WTO
dien e imme sel ene als S ei schlich ungspla o m ü
g oße Kon lik e. Die EU und die USA begannen zuneh-
mend, Maßnahmen zu e g ei en, um handelspoli ische
Uns immigkei en mi unila e alen Mi eln wie Zöllen ode
Sub en ionen zu kompensie en. Eine wei e e S a egie
wa de Ve such, du ch neue, kleine egionale Handels-
abkommen wi scha spoli ische Bündnisse zu schließen,
um die S agna ionen in de WTO zumindes egional zu
kompensie en. In diesem Kon ex sind die anges eb en
F eihandelsabkommen de le z en Dekade zwischen den
USA und de EU (TTIP), den USA und asia ischen S aa en
(TPP) ode auch die EU-Südame ika-Ini ia i en (MERCO-
SUR) zu sehen.
Doch die U sachen ü den zunehmenden P o ek ionis-
mus liegen ie e und haben eine Dimension wiede au -
geg i en, die nach den 1990e Jah en an Au me ksamkei
e lo en ha e. Die global e loch ene Wi scha so d-
nung sieh sich plö zlich wiede einem poli ischen Sys-
emwe bewe b ausgese z . Diese neue-al e We be-
we b üh zu eine komplexe en Risikosi ua ion, in de
geopoli ische Kon lik e keine Tabus meh da s ellen.
Wandel du ch Handel nich ohne eine poli ische
Dok in?
Wie konn e es so wei kommen, dass die Wel e neu o
eine globalen P o ek ionismuswelle und geopoli ischen
Kon lik en s eh ? Und gib es die Möglichkei , eine Es-
kala ion des P o ek ionismus zu e hinde n? Zum Ende
des Zwei en Wel k iegs ha en die poli ischen Ak eu e e -
kann , dass ein eie Wel handel wi scha liche An eize
scha en kann, um Na ionen zu Demok a ie und in e na-
ionalen Koope a ion zu üh en. Um wi scha liche und
poli ische Risiken zu kompensie en, wu den in e na iona-
le Ins i u ionen wie de IWF, die Wel bank und das GATT
ins Leben ge u en, um S abili ä und eine geo dne e Zu-
sammena bei zu ö de n.
En scheidend is jedoch, dass es neben diesen beiden E -
kenn nissen auch eine poli ische Dok in im Wes en gab,
nach de S aa en im Ein lussbe eich au o i ä e Regime
du ch die USA und wes liche Ve bünde e sowohl inanzi-
ell als auch mili ä isch un e s ü z wu den, um demok a i-
sche und ma k wi scha liche S uk u en zu ö de n. Die
USA se z en diesen Ansa z mi de T uman-Dok in on
1947 bis zum Ende des Kal en K ieges 1989 um, in Fo m
de sogenann en Con ainmen -Poli ik, die da au abziel-
e, die Ausb ei ung des Kommunismus zu e hinde n
und den Ein luss de Sowje union einzudämmen (Gaddis,
2005). So wu den Schwellenlände wie Südko ea ode die
Tü kei neben de wi scha lichen Anbindung übe den
Wel handel auch poli isch und mili ä isch un e s ü z , um
eine Demok a isie ung zu e eichen. Diese Ansa z wa
manchmal, wie im Fall on Südko ea, seh e olg eich; in
ande en Lände n blieb de E olg jedoch o e s aus.
Wich ig dabei wa , dass Wandel du ch Handel imme in
Ve bindung mi dem poli ischen Willen s and, ins i u ionell
schwach en wickel e Lände ohne demok a ische S uk-
u en an wes liche We e und Ins i u ionen zu binden. Die
wes liche Dok in sah nich o , dass undemok a ische
Lände gleichbe ech ig neben o enen wes lichen Ge-
Tabelle 1
In e na ionale Ins i u ionen eduzie en Risiko
Tabelle 1 zeig die möglichen E gebnisse un e schiedliche Handelss a-
egien. Wenn zwei Lände koope ie en und Ins i u ionen wie die WTO und
den IWF nu zen, p o i ie en beide lang is ig on einem s abilen Wachs-
um. Wenn jedoch ein Land Zölle ein üh , wäh end das ande e wei e hin
koope ie , e geben sich ku z is ige Gewinne ü das p o ek ionis ische
Land und Ve lus e ü das koope a i e Land. En scheiden sich beide ü
Zölle, üh dies zu gegensei igen Ve lus en und e hinde lang is iges
Wachs um.
Quelle: eigene Da s ellung.
Land B: WTO/IWF
(Koope a ion)
Land B: Zölle
(P o ek ionismus)
Land A: WTO/IWF
(Koope a ion)
Lang is ige s abile
Nu zen ü beide
Land B gewinn ku z-
is ig, Land A e leide
Handels e lus e
Land A: Zölle
(P o ek ionismus)
Land A gewinn ku z-
is ig, Land B e leide
Handels e lus e
Beide haben Ve lus e,
Handelshemmnisse
e hinde n Wachs um
Wi scha sdiens 2024 | 12
836
Zei gesp äch
sellscha en du ch bloßen F eihandel eingebunden we -
den. Vielmeh soll e die wi scha liche In eg a ion übe
den Wel handel eine poli ische T ans o ma ion ö de n
und soga e zwingen. De Gedanke dahin e wa , dass
wi scha liche Vo eile und An eize de in e na ionalen
Zusammena bei , gepaa mi ak i e poli ische In e -
en ion, lang is ig auch die poli ischen Sys eme diese
Lände beein lussen und zu E ablie ung demok a ische
S uk u en üh en wü den.
Heu e jedoch is diese Ansa z ins S ocken ge a en. Die
globale Ö nung und wi scha liche Einbindung haben
nich imme die e wa e en poli ischen Ve ände ungen
bewi k . S a dessen sehen wi , dass au o i ä e Regime
soga wi scha lich ges ä k aus de in e na ionalen wi -
scha lichen In eg a ion he o gegangen sind, ohne dass
sich eine en sp echende poli ische Libe alisie ung ein-
ges ell hä e. Da aus esul ie die F age, ob de Wandel
du ch Handel ohne poli ische Un e s ü zung, wie sie zu
Zei de T uman-Dok in p ak izie wu de, eine ziel üh-
ende S a egie is , um eine s abile und iedliche Wel -
o dnung zu siche n.
Die Neude inie ung des Wandels du ch Handel
Mi dem Ende des Kal en K ieges und dem Auslau en de
T uman-Dok in en s anden im Wes en neue poli ische
Ansä ze. Die Vo s ellung, dass das „Ende de Geschich-
e“ e eich sei (Fukuyama, 1992), gewann an Bedeu ung.
Es wu de da on ausgegangen, dass S aa en wel wei
du ch F eihandel und die In eg a ion in in e na ionale Fi-
nanzmä k e und Ins i u ionen zu poli ischen Kon e genz-
p ozessen gelangen wü den, mi dem Ziel eine globalen
Ausb ei ung de Demok a ie. Doch de Weg all de ge-
ziel en poli ischen In e en ion in nich -demok a ischen
S aa en ha e einen hohen P eis und üh e zu eine ande-
en En wicklung als e ho .
Lände wie Russland, China ode die Tü kei e leb en ab
den 2000e Jah en du ch die Einbindung in das in e na i-
onale Handels- und Finanzsys em his o isch bedeu same
wi scha liche Au schwünge. Das P o-Kop -Einkommen
s ieg um übe 5 %, und auch die In as uk u sowie Bil-
dungss uk u en e besse en sich e heblich (UNCTAD,
2024). Alle dings e ablie en sich pa allel poli ische und
ins i u ionelle S uk u en, die nich den wes lichen demo-
k a ischen Vo s ellungen en sp achen. Wäh end de F ei-
handel die Wi scha sleis ung in diesen Lände n e bes-
se e, nu z en iele au o i ä e Regime die wi scha lichen
Vo eile, um ih e Mach zu es igen und au o i ä e S uk u-
en auszubauen.
Eine e s e Reak ion des Wes ens au diese En wicklungen
wa en nai e ein e agliche An o de ungen (wie Men-
schen ech e, Zi ilgesellscha und Rech ss aa lichkei ),
wie es beispielsweise bei de EU-Os e wei e ung de Fall
wa . Hie soll en Lände in den EU-Binnenma k in eg ie
we den, um gleichzei ig die Demok a isie ung o an-
zu eiben. Die E wa ung de EU wa die Einhal ung on
Menschen ech en und demok a ischen P inzipien. Doch
was kann die EU ode de Wes en un, wenn poli ische
Ak eu e nach de Libe alisie ung de Wi scha sbezie-
hungen nich an die e einba en poli ischen Ziele gebun-
den bleiben (siehe Beispiel Unga n)?
Handel du ch Wandel
Mi dem Weg all de T uman-Dok in wi d imme deu li-
che , dass ein poli ische Wandel allein du ch in e na io-
nalen Handel eine nai e Vo s ellung de demok a ischen
Wel wa . Insbesonde e in zen alis isch o ganisie en,
nich -demok a ischen S aa en wie Russland und China
en s ehen nun neue Kon on a ionen, weil diese Lände
ih e sei s in e na ionale Handelsbeziehungen nu zen,
um ih be o zug es poli isches Sys em in D i s aa en zu
e ablie en. Die USA e such en bis zum Ende de Oba-
ma-Adminis a ion, diese En wicklung du ch eine neue
Con ainmen -Poli ik zuguns en des Wes ens zu beein-
lussen. Mi dem Schei e n on TTIP und TPP begann je-
doch eine neue Vo gehensweise: die di ek e wi scha li-
che Kon on a ion mi au s ebenden Wi scha smäch en
wie China und Russland. Die zunehmende Nu zung on
a i ä en und nich - a i ä en Handelshemmnissen (Kinzi-
us e al., 2019) sowie die d as ische Zunahme on Sank-
ionen gegen S aa en e deu lichen das Schei e n de
nai en in e na ionalen Handelspoli ik nach 1990 (Yalcin,
2023).
Die wes lichen S aa en hä en eine neue Fo m de T u-
man-Dok in geb auch , die Handel du ch Wandel in
nich -demok a ischen S aa en poli isch un e s ü z . Ge-
ade in Schwellenlände n zeig sich, wie seh de Weg all
eine poli ischen Un e s ü zung ein a ale Fehle wa . Die
Uk aine und die Tü kei wu den wei gehend den K ä en
des Ma k es übe lassen, was zu Bildung na ionale Oli-
ga chien üh e, die ohne poli ischen Wandel den Han-
del ü sich nu zen konn en. Im Fall de Tü kei wa es ab
2006 nich nu ein Weg all de poli ischen Hinwendung
zum Wes en, sonde n soga eine ak i e Ablehnung de
poli ischen Zugehö igkei – Zi a aus dem Eu opäischen
Pa lamen : „Die Tü kei gehö nich zu Eu opa“ (Thumann,
2017).
Die Wel be inde sich wiede in einem poli ischen Sys-
emwe bewe b. Es is nich das Ende de Geschich e,
sonde n de Beginn eine neuen Epoche, in de de in e -
na ionale Handel Reali ä is . Die F age lau e , wie ein sol-
che poli ische Sys emwe bewe b ablau en kann, ohne
ZBW – Leibniz-In o ma ionszen um Wi scha 837
Zei gesp äch
in eine globale Wi scha sk ise und geopoli ische Eska-
la ion zu münden.
Li e a u
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Abs ac : This a icle analyses he de elopmen and challenges o in e na ional ade as a means o economic and poli ical ans o ma-
ion. I examines he his o ical ole o ee ade in global in eg a ion and highligh s he g owing c i icism o i s e ec i eness in he ace o
ising au ho i a ian egimes. The a icle unde sco es he necessi y o poli ical suppo o ade, as exempli ied by he T uman Doc ine,
and hypo hesises ha in e na ional ade, wi hou accompanying poli ical measu es and ins i u ional suppo , canno achie e sus ain-
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