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Demokratische Resilienz als Konzept

Author: Merkel, Wolfgang
Publisher: Berlin: De Gruyter,Berlin: De Gruyter
Year: 2024
DOI: 10.1515/9783111118147-022
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/313530/1/Full-text-chapter-Merkel-Demokratische-Resilienz.pdf
Me kel, Wol gang
Book Pa — Published Ve sion
Demok a ische Resilienz als Konzep
P o ided in Coope a ion wi h:
WZB Be lin Social Science Cen e
Sugges ed Ci a ion: Me kel, Wol gang (2024) : Demok a ische Resilienz als Konzep , In: Nida-Rümelin,
Julian Gegne , Timo Oldenbou g, And eas (Ed.): No ma i e Kons i uenzien de Demok a ie, ISBN
978-3-11-111814-7, De G uy e , Be lin, pp. 341-358,
h ps://doi.o g/10.1515/9783111118147-022
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/313530
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Wol gang Me kel
Demok a ische Resilienz als Konzep
Abs ac : Resilience has isen obecome akey concep in science and socie y.Re-
silience is used in manyscien i ic disciplines as di e seasma e ials science, a -
chi ec u e, enginee ing,psychology,sociology, sus ainabili y science,and now, o
some yea s, poli ical science oo. Mo e gene ally, esilience means heabili y o an
objec o asys em o wi hs andex e nal and in e nal dis u bances, imposi ions, and
shocks wi hou gi ingupi s undamen al s uc u es and unc ions. Democ a ic
esilienceenables ans o ma ion bu p e en s sys emic change. As ascien i ic
concep ,democ a ic esilienceis, on he one hand, an analy ical ca ego y ha seeks
o g asp empi ically „wha is“(wha esilience po en ial does agi en democ a ic
sys em ha e?) and, on heo he hand, pos ula esno ma i ely „wha should be“
(wha is adesi able esilien democ acy and how can i be es ablished?). The em-
pi ical and he no ma i e dimensions o he concep o esiliencemus be kep
apa . This applies no leas o democ acy esea ch.
Resilienz is zu einem Schlüsselbeg i in Wissenscha und Gesellscha au ges ie-
gen. Aus dem Nich s,wie de S aa s- und Ve assungs heo e ike Gunna Folke
Schuppe (2021) sch eib .¹Dies gil ü die beiden e s en Dekaden des 21.Jah -
hunde s. Resilienz wi d heu e in so un e schiedlichen wissenscha lichen Diszi-
plinen wie de Ma e ialwissenscha ,de A chi ek u ,dem Ingenieu wesen, de
Gesundhei s o schung,de Psychologie, Soziologie, Ökologie, Nachhal igkei swis-
senscha und nunmeh sei einigen Jah en auch in de Poli ikwissenscha e -
wende .
De Beg i s amm ausde We ks o physik und besch eib do die Fähigkei
on „Ma e ialien, nach ih e empo ä en Ve o mung wiede in ih en Ausgangs-
zus and zu ückzukeh en“(B öckling2017, 1). Allgemeine bedeu e Resilienz die
Fähigkei eines Gegens ands ode eines Sys ems,äuße en und inne en S ö ungen,
Zumu ungen und Schocks zu wide s ehen,ohne seine g undsä zlichen S uk u-
en und Funk ionen au zugeben. Resilienz e möglich T ans o ma ion, abe e -
hinde den Sys emwechsel. Als wissenscha liche Beg i is Resilienz zum einen
eine analy ische Ka ego ie, die beg i lich-empi isch assen will, „was is “(welches
Resilienzpo enzial ha ein bes imm es demok a isches Sys em?), und zum ande en
1Diese Au sa z is e s mals e schienen in: Wol gang Me kel 2023: Im Zwielich . Ze b echlichkei
und Resilienz de Demok a ie im 21.Jah hunde ,F ank u am Main: Campus.
Open Access. ©2024 bei den Au o innen und Au o en, publizie on De G uy e . Dieses We k is
lizenzie un e eine C ea i eCommons Namensnennung –Nich komme ziell –Wei e gabe un e gleichen
Bedingungen 4.0 In e na ional Lizenz. h ps://doi.o g/10.1515/9783111118147-022
no ma i pos ulie , „was sein soll“(wie is eine wünschba e esilien eDemok a ie
he zus ellen?). Die empi ischeund die no ma i e Dimension des Resilienzbeg i s
sind zunächs auseinande zuhal en. Dies gil nich zule z ü die Demok a ie o -
schung.
1Zwei Konjunk u en de Demok a ie
Nach dem Kollaps de Sowje union und de kommunis ischen Dik a u en Os eu-
opas im Jah 1989he sch e demok a ischeAu b uchs immung.Au ok a ien
wu den zu Demok a ien, und selbs in den e ablie en Demok a ien des Wes ens
ging es um nich s wenige als um die „Demok a isie ung de Demok a ie“.De
Op imismus e ebb enach zwei Dekaden. Nun okussie esich die Deba e in Os
wie Wes au die demok a ische Selbs e eidigung und die Resilienz de Demo-
k a ie. Wa umis gegenwä ig ge ade die Resilienz de Demok a ie das g oße
Thema? Wa umih e No wendigkei ,wa umdie Möglichkei en ih e S ä kung, und
wo in sehen wi die K ä e ih e Auszeh ung?
Die e s e An wo lau e : weil die Demok a ie heu e Ge ah läu ,anS eue-
ungs ähigkei nach innen wie nach außen zu e lie en (Lüh mann/Me kel2023).
Sie wi d zudem als Sys em on e izien en au ok a ischen (VRChina)ode hyb iden
(Singapu )Regimenhe ausge o de .Insbesonde edie kapi alis ische Dik a u de
VR China e schein heu e, was die E izienz be i ,manchenals ein Konku en
libe aldemok a isch-kapi alis ische Sys eme.Konku enzlos hohewi scha liche
Wachs ums a en, ein ungeheu es ökonomisches Po enzial und eine als e ek i
wah genommene Regie ungsweise in undamen alen K isen, wie de Co id-19-
Pandemie, wi ken ausde Fe ne als e üh e isches Disposi i inAnbe ach de
Schwächen und Langsamkei de Demok a ie in Wi scha ,Gesellscha und K ise.
Wie eine Gesellscha –und ih e p o essionellen Deu e –au sich selbs und
ih e poli ische Ve ass hei blick ,sag übe den jeweils he schenden Zei geis
ebenso iel auswie übe den Zus and de Demok a ie. Sei knapp zehn Jah en
übe schwemmen akademische Büche namha e wes liche Au o innen und Au-
o en den Ma k ,de en Ti elschon ih e Essenz e künden: Li e and Dea h o De-
moc acy,How Democ acies Die, TheEnd o Democ acy,Niede gang de Demok a ie
ode ku z und bündig Democ isis. De op imis ischeÜbe schwangde beiden
o he gehenden Dekaden ha sich in analoge Übe eibunginsein Gegen eil e -
keh .Alle dings beginn sich jüngs synch on zu den Un e gangs- und K isenge-
sängen eine ande e Pe spek i e zu ö nen. Sie läss sich ku z zusammenge ass als
„demok a ische Resilienz“ode „Resilienz de Demok a ie“bezeichnen. Sie be-
s ei e nich die ungelös en He aus o de ungende Demok a ie ode die e kenn-
ba en Tendenzen de demok a ischen E osion. Alle dings nimm sie diese nich als
342 Wol gang Me kel
a ales E gebnis, sonde n als Ausgangspunk de eigenen Analysen und e such au
diese G undlage, übe die Möglichkei sbedingungendemok a ische Resilienz
nachzudenken.
2Was bedeu e „Resilienz de Demok a ie“?
Es gib G ünde, den ubiqui ä en K isen-,Abs iegs- und Endzei -Diagnosen skep isch
gegenübe zus ehen, insbesonde ewenn sie de e minis isch au ge üs e we den
(Me kel 2015). „Die“Demok a ie im Singula is ein Abs ak um, welches in de
ealen Wel nich zu inden is .Dänema k is nich die USA, Finnland nich Ru-
mänien, Kanada schon ga nich Polenode Unga n. Dennochkann man Zwei el
hegen, ob die Demok a ien des libe alenWes ens gewappne sind, die g oßen
He aus o de ungendes gegenwä igenJah zehn s e neu e T ans o ma ion zu
meis e n. Undzwa so, dass ih e libe ale G unds uk u nich beschädig wi d, die
exeku i eKompe enz zu P oblemlösung du chse zungs ähig is und die Gesell-
scha nich auseinande b ich . Ob diese d ei ü die Demok a ie übe lebenswich-
igen Funk ionenbeispielsweise dem klimaneu alen Umbaude Indus iegesell-
scha bei eine ai en Las en e eilung s andhal en können, da übe en scheide
die Resilienz de Demok a ie. Was abe is demok a ische Resilienz, welche Funk-
ionen muss sie e üllen und welche S uk u en und Ak eu ebenö ig sie? Ichde-
inie e „demok a ischeResilienz“wie olg :
Demok a ische Resilienz is die Fähigkei eines demok a ischen Regimes,ex e ne He aus o -
de ungenund in e ne S esso en zu abso bie en und sich den wandelnden unk ionalenBe-
dingungendemok a ischen Regie ens dynamisch anzupassen, ohne in einen Regimewechsel
zu ge a enund seine de inie enden P inzipien, Funk ionen und No men au zugeben ode zu
beschädigen.
Es geh also da um, in welche WeiseS uk u en, Funk ionen und Ak eu einne -
halb eines demok a ischen He scha ssys ems in e agie en sollen, dami sie
möglichs e ek i und demok a isch au die sich ände nden Sys emkon ex e, wie
e wa ex e ne K isen, eagie en können. Ein solches Konzep läss sich sowohl übe
den „ak eu szen ie en Ins i u ionalismus“(Scha p 2000) wie sys em heo e i-
schen Funk ionsübe legungen en wickeln.
G a isch läss sich diese basale De ini ion in einem Konzep de demok a i-
schen Resilienz olgende maßen ausdi e enzie en. In den Ecken sind pa adigma-
isch ie undamen ale He aus o de ungenskizzie ,die das libe aldemok a ische
Sys em in den zwanzige Jah endes 21.Jah hunde ssobes ehen muss, dass es
wede den sie de inie endenCha ak e des libe alen Rech ss aa s noch die Gel ung
pa izipa i - ep äsen a i e Volkssou e äni ä e lie ode subs anzielle Beschä-
Demok a ische Resilienz als Konzep 343
digungene äh .Diese ie He aus o de ungen sind: CO2-neu ale Umbau des
ossilen Indus ies aa s, Wi scha sk isen und sozioökonomische Ungleichhei ,
Mig a ionsd uck und Pandemie. Diese sind keineswegs die einzigen Zumu ungen
ü das gegenwä igeJah zehn ,abe e mu lich die g öß en.
Fü die Bea bei ung diese ans o ma i enAu gaben s ehen s aa liche, poli-
ische und gesellscha liche Ak eu ewie Regie ungen, poli ische Pa eien, In e es-
seng uppen, NGOs, Ge ich e, abe auch die Bü ge innen und Bü ge be ei .Sie
müssen ih e sei s nach demok a isch- ech ss aa lichen P inzipien und Ve ah en
handeln, zumindes in ih e deu lichen Meh hei . Agie en Ak eu e, wie e wa die
p äsiden ielle Exeku i e un e Pu in in Russland ode E doğan in de Tü kei, mi
allen ih en Mach essou cen konsequen gegenden Rech ss aa ,die Demok a ie
und die Opposi ion, dann kippen udimen ä demok a ische Regime in au ok a i-
sche He scha .HandelnAk eu e, wie die unga ische Regie ung un e O báns
Fidesz ode die PiS in Polen, illibe al, ko up und undemok a isch, e en sie
hä e eins i u ionelle, opposi ionelle und eu opapoli ische Res ik ionen, die ih en
Handlungs aume heblich einsch änken. Sie kippen deshalbnich ein ach in e -
gleichba au o i ä eRegime, sonde n ans o mie en sich onlibe alen zu illibe al-
de ek e Demok a ien. Fo de n an isys emische ode semi-loyale ech spopulis i-
sche Pa eien wie in I alien die libe ale Demok a ie he aus, wi d es onden An i-
Abb.1:Meh ebenenmodelldemok a ische Resilienz, ©Wol gang Me kel
344 Wol gang Me kel

zipa ionen und Reak ionen de demok a ischen Pa eien und Bü ge abhängen, wie
sie die Resilienz des Demok a ischen bewah en ode ga s ä ken können.
Es sind die ie elemen a ens uk u ellen Ebenen eines demok a ischen Sys-
ems (s. Abb. 1),au denen Ak eu ein e agie en und demok a ische Resilienz p o-
duzie ode e lo en wi d. Die ie Ebenen s ehen ih e sei s du ch ih e ins i u-
ionellen Ve lech ungen und die jeweils handelnden Ak eu ewechselsei igin
einem dynamischen Ve häl nis. Dadu ch können sich posi i e wie nega i e (an i‐)
demok a ischeIn ek ionen asch au die nächs en Ebenen ausb ei en. Ge ade diese
dynamische In e dependenz gil es im Blick zu hal en, wenn die demok a ische
Resilienz des Gesam sys ems analysie we den soll.Ich will die ie Ebenen und
ih e Ak eu eku zdu chleuch en und knapp indizie en,wodie Risiken und
Chancen demok a ische Resilienz im nächs en Jah zehn liegen. De Blick wi d
sich dabei nich au die neo-au o i ä en ode illibe alen Regime ich en, sonde n
au die Resilienz de gegenwä ig (noch) libe al- ech ss aa lichen Demok a ien
Wes eu opas.
2.1 Gewal enkon olle undGewal enbalance
Im Zuge de Globalisie ung und Eu opäisie ung ha sich in den meis en de de-
mok a ischen S aa en die Mach balancezwischen Exeku i e,Legisla i e und Judi-
ka i e e schoben. Insbesonde edie Exeku i e ha ondiese anhal enden „De-
na ionalisie ung“de Poli ikges al ungp o i ie (Zü n 1998), denn es sind o allem
die Regie ungen, die die Beschluss assung bei den G7,G20,de WTO(Wel han-
delso gansa ion) ode de EU (Eu opäische Union) agen. Na ionale Pa lamen e
bleiben da onwei gehend ausgeschlossen und habenin olgedessen einen schlei-
chenden Mach e lus e li en.
Ve s ä k wu de diese Mach e schiebung du ch die Poli ikmus e bei de
Bekämp ung de Co id-19-Pandemie. In Deu schlandwie in ande en eu opäi-
schen Demok a ien zog die Exeku i e au dem Ve o dnungswegeode übe no -
s andsähnliche Be ugnisse wei e eEn scheidungsgewal ansich. Sie beg ünde e
diese Mach e schiebung mi einem de Pandemie geschulde en Zei d uck, de
keine „zei aubenden“Pa lamen sdeba en zuließe. Legi ima ions heo e isch be-
deu e edies, dass die Legi ima ionsquelle des pa izipa i en Inpu s onBü ge n
und Pa lamen enzuguns en des legi ima o ischen Ou pu s, e s andenals P o-
blemlösung du ch die Exeku i e,zu ückge ah en wu de. Dies muss in eine abso-
lu en No s andssi ua ion nich illegi im sein, d oh abe E inne ungssedimen e
bei du chg i sbe ei en Poli ike n, bei ägen Ins i u ionen und pa e nalismusa i-
nen Bü ge innen und Bü ge n zu ückzulassen. Dass dies nich nu eine plausible
Ve mu ung is ,sonde n empi isch in Deu schland zu beobach en wa ,zeig eine
Demok a ische Resilienz als Konzep 345
jüngs e Um ages udie onDie meie und Niehues (2021).Die Au o en s ellen bei
ums i enen poli ischenThemen wie de Mig a ion,de Klimapoli ik und de Co-
onapandemie es ,dass beach liche G uppen de Be ölke ungbe ei sind, in k i-
senha enZei enau „zei aubende P ozesse“pa lamen a ische En scheidungs-
indungzu e zich en, wenn es de e mu e en E izienz bei de P oblemlösung
hil .Dies i e wa au A D-Anhänge in de Mig a ions- und Flüch lings age, au
G ünen-Anhänge in de Klima ageund in de Co onak ise que du ch die Pa -
eien und Be ölke ungsschich en zu (S olik e al. 2022, 5 .). Als Faus egel kann
gel en, je höhe de Bildungsg ad, umso ge inge die Neigung, demok a ische
P inzipien und Ve ah en de e mu e en E izienz zu op e n. Dieses Fak umgib
auch e s e Einsich en ei, wie an diese S elle demok a ischeResilienz du ch
besse e (poli ische) Bildungges ä k we den kann.
Inne halb de Gewal en eilung geh es in F agen de demok a ischen Resilienz
nich zule z da um, die in Zei en onT ansna ionalisie ung und ex e nen K isen
p i ilegie e Posi ion de Exeku i e du ch gu unk ionie ende Legisla i enund
Judika i eneinzuhegen. Posi i is beispielsweise zu e me ken, dass inne halb de
Gewal enkon olle besonde s die Ve wal ungsge ich sba kei ih e ech ss aa liche
Kon oll unk ion wäh endde Co onapandemie –zumindes in Deu schland –e -
ek i aus üll e. So „kassie en“Ve wal ungsge ich e imme wiede exeku i e Ve -
o dnungenals un e häl nismäßig.P oblema isch wa dagegen, dass die g üne
Opposi ion in de Pandemie ih e Opposi ions olle nich wah nahm. In de Zukun
wi d abe ge ade das Pa lamen als de legi imie ende Ke n de ep äsen a i en
Demok a ie ges ä k we den müssen.Fü die Klimapoli ik da die en pa lamen -
a isie ePandemiepoli ik wäh end de Co onak ise keine Blaupause sein. Beim
klimaneu alenUmbaudes ossilen Indus ies aa s müssen die Pa lamen e ih e
Rech e als no mse zende und kon ollie ende Ins i u ionen wiede s ä ke wah -
nehmen. Allgemein wi d es bei den d ei kons i u ionellen Gewal en da au an-
kommen, die En scheidungs- und Kon oll agen so zu o ganisie en, dass das de-
mok a ische Sys em auch in K isen inhal s-und zukun so en is .Gleichzei ig
müssen die En scheidungenandie Gel ungde G und ech eund basalen demo-
k a ischen No men gebundenbleiben.Die d ei Gewal en müssen im Rahmen de
gel enden Ve assung den gesellscha lichen Wandel in e assungs eue S abili ä
e möglichen. Das is eineg undsä zliche Bedingung ü die Resilienz de Demo-
k a ie au de basalen Ebene de Poli y (Schuppe 2021).
2.2 Pa eien undPa eiensys eme
Au de Ebenede Poli ics sind in den meis en pa lamen a ischen Demok a ien
poli ische Pa eien diedominie enden Ak eu e. Dasgil inbesonde emMaße ü
346 Wol gang Me kel
Deu schland und dieS aa ende Eu opäischen Union. Die du chschni liche
Wahlbe eiligungbe äg inde EU unge äh zweiD i el de Wahlbe ech ig en.
Dasis keine he o agende,abe du chauseine solide Legi ima ion. Gleichzei ig
zeigen se iöseUm agen,wie jene desEu oba ome e s, d ama isch nied ige
Ve auenswe ede Bü ge innen und Bü ge in poli ische Pa eien. Zudemha-
benMi gliede inden le z en zwanzigJah endie poli ischen Pa eien in Scha en
e lassenode sind ihnenwegges o ben.Die G üneninDeu schlandund die
Rech spopulis en in Eu opabilden hie die Ausnahmen. DieWahle olge de
Rech spopulis endeu enau eine signi ikan eRep äsen a ionsschwächede e a-
blie en demok a ischenPa eienhin. Dasbesonde eP oblemhie bei is , dass die
ech spopulis ischenPa eienbes en alls „semi-loyal“gegenübe de Demok a ie
sind.InmanchenLände n habensie ga an isys emischenCha ak e angenom-
men. DenDemok a enmuss es gelingen,semi-loyale Pa eigänge de Rech spo-
pulis en zu ück ins demok a ischeLage zu ziehenund gleichzei ig dieo en
an idemok a ischen Ke ne zu isolie en. Dennein schlich es Ve bo ech spopu-
lis ische Pa eien wü de bedeu en, den Illibe alismusmi illibe alen Me hoden
einzusch änken.
Mi de Schwäche on dezidie linkenPa eieninWes eu opahaben die
Rech spopulis eninden e gangenen zwei Dekaden as so e waswie dasOppo-
si ionsmonopol gegen diee ablie ePoli ik und „diedaoben“ ü sich eklamie en
können.Dami gewannen sieeine Bedeu ungund Sich ba kei ,die meis übe ih e
Wähle an eilehinausgehen. Resilien eDemok a ienbenö igen jedoch s a ke,
demok a ieloyale und koope a ionsbe ei e Pa eieninRegie ungund Opposi ion.
Auch wäh end p o unde K isen, wiede Pandemie und desKlimawandels, da
die demok a ische Opposi ion –wiein ensi sie auchih eRolle wah nimm –
nich delegi imie we denode sichselbs empo ä en mach en.Ge adein
Zei en on K isen, wenn die Exeku i enochs e s Mach und Kompe enzen an sich
zieh ,komm de Opposi ioneine besonde edemok a ischeWäch e olle zu.
Zudemmüssendemok a ischePa eien ih eRep äsen a i i ä und Responsi i ä
ge adegegenübe de ulne ablen un e en sozioökonomischenHäl ede Ge-
sellscha e s ä ken. Gleichzei igsoll ensie ande e Be eiligungs e ah enwie
Volksabs immungen ode Bü ge ä e ö de nund nich blockie en. Denn Pa eien
we den in denindi idualisie enGesellscha endes 21.Jah hunde s nich meh
alleine die gesellscha liche Rep äsen a i i ä impoli ischenSys em ga an ie en
können. Inso e ns ellen zusä zliche Pa izipa ions-und Rep äsen a ionsmög-
lichkei en aucheine En las ung de Pa eienund ih e Ve an wo ungda .So
e s ä ken e waBü ge ä enich nu den gesellscha lichen Inpu indie s aa li-
chePoli ik o mulie ung, sonde nauchdas Ve auende Bü ge indie Demo-
k a ie selbs .
Demok a ische Resilienz als Konzep 347
2.3 Zi ilgesellscha
In den le z en d ei Dekaden konn e die eale Zi ilgesellscha nich mi de Ka ie e
ih es Beg i s Sch i hal en. In de Theo ie muss e sie häu ig als Heilmi el ü alle
denkba en Malaisen de Demok a ie he hal en. Die Empi ie e zeichne e dage-
geneineFluch auskleinen Ve einen und g oßen gesellscha lichen Ve bänden.
Gleichzei iggewannen poli ische NGOsund die explizi poli ische Zi ilgesellscha
an S ä ke. Diese Teil de Zi ilgesellscha ha seine unbezwei elba e K a im Ak-
i ismus sowie de ex apa lamen a ischen Kon olle de Mäch igen und He -
schenden. Amnes y In e na ional, T anspa ency In e na ional ode die Deu sche
Umwel hil e decken Menschen ech s e le zungen und Ko up ionsskandale au
ode b ingen Ve s öße gegenUmwel no men o Ge ich .Sie e üllen wich ige
T anspa enz unk ionen in de Demok a ie. Die gesellscha lichen B ücken unk-
ionen de klassischen Ve eine und Ve bände können diese poli isie en NGOsje-
doch kaum übe nehmen. Denn die poli ischenzi ilgesellscha lichen „Assozia io-
nen“(Tocque ille 1987[1835]) bilden sich heu e zunehmendnu noch inne halbde
eigenen sozialen Klassen und Schich en, eng de inie e mo alisch-kul u elle Mi-
lieus ode sexuelle P ä e enzen undIden i ä en. Diese T end zu subkul u ellen
Segmen ie ung de Gesellscha ha sich in ielen wes lichen (Zi il‐)Gesellscha en
e s ä k .So e ie en sie ehe die G äben in de Gesellscha .Dies wi d insbe-
sonde e in den Deba en übe die Immig a ion, übe Co id-19 und den Klimawandel
sich ba .Sie üh en ehe zu disku si enAb issen onB ücken in de Gesellscha
als zu de en Au bauund Fes igung. Die Exklusion de „Ande en“,und nich die
Inklusion „alle “,kennzeichne die gegenwä igeTex u und Ke ndynamik unse e
(Zi il‐)Gesellscha en. Was in den USAwei o gesch i en is ,schein sich wiede
einmalmi eine gewissen Zei e zöge ung auch in Eu opa auszub ei en. Haben
Tocque ille und Ma x au ih e je eigene A ech , dann hal en die Ve einig en
S aa en onAme ika dem al en Kon inen Eu opa wiede einmal den Spiegel seine
Zukun o . Keine gu en Aussich en.
Fü die Resilienz de Demok a ie muss auße Zwei el s ehen, dass die Ze ei-
lungde Zi ilgesellscha inF eund und Feind übe wunden, zumindes abe ge-
s opp wi d. Es gil soziales B ückenkapi al (b idging social capi al)zwischen den
einzelnen Teilgesellscha enzubilden. Bonding social capi al inne halb einzelne
G oßg uppen und Teilgesellscha en (z.B. Mig an en, Klassen,Kosmopoli en, Na-
ionalis en) e ie dagegen die G äben und un e g äb das gemeinscha liche Ge-
ühl de gesellscha lichen Zugehö igkei .Die Rech e spal e die Gesellscha mi
ih em E hnona ionalismus. Die sich selbs ausg enzenden und ausgeg enz en
Que denke –eine Minde hei in de Gesellscha – adikalisie en sich und die
gesellscha lichen Deba en. Abe nich nu die Rech e spal e die Gesellscha .Auch
die gebilde en, sozial meis p i ilegie enlinkslibe alen Kosmopoli enbenü zen
348 Wol gang Me kel
dungsp ozedu en. Fai e Ve ah en und ai e Ve ah ense gebnisse sind un e -
zich ba e Bes and eile zu S ä kungdemok a ische Resilienz.
4Fo men de Resilienz
Den Funk ionen demok a ische Resilienz sollen de en un e schiedlichen Fo men
an die Sei e ges ell we den. Fo menheiß , wie eagie en demok a ische Sys eme,
wenn sie wie in den zwanzige Jah en diesesJah hunde s exogenen Schocks und
in e nem S ess ausgese z sind. Ich habe in Anlehnung an die o handene Li e a u
zu Thema ik in meinem Meh ebenenmodell demok a ische Resilienz d ei Fo -
men (Eigenscha en) o geschlagen: wide s ehen, eagie en und wiede he s ellen
(s. Abb. 1). Die d ei Beg i e sugge ie en eine Zei linie.T i de S ess au ein de-
mok a isches Sys em, seine Ins i u ionen und Ak eu e, eagie en Le z e ehäu ig
mi Wide s and. Sie mobilisie en dabei Resilienzpo enziale, die bisweilen in de-
mok a ischen Ins i u ionen eingebau sind. So kann e wa die Jus iz au die Aus-
dehnung exeku i e Mach eagie en. Demok a ische Pa eien können eine con-
en io ad excludendum e einba en, die wie in Deu schland die ech spopulis ische
A D onallen Regie ungskoali ionen und poli ischenKoali ionen ausschließ .Ve -
bo e gegenpoli ische O ganisa ionen können onden da ü au o isie en Ins i u-
ionen (Exeku i e,Legisla i e,Judika i e) ausgesp ochen we den. Die Zi ilgesell-
scha kann Gegendemons a ionen und Rockkonze e „gegenRech s“o ganisie en.
In de Bundes epublik Deu schland we den gegenan idemok a ischeAn eindun-
genge ne Ve bo e e lang ,ode es wi d nach Obse ie ungdu ch den Ve as-
sungsschu z ge u en. E s aunliche weise we den solche Maßnahmen gegenwä ig
häu ig onLinken und G ünen ge o de , de en Al o de en in den 1970e Jah en
selbs omVe assungsschu z beobach e ode on „Be u s e bo en“be o en
wa en.Damals habendies konse a i e K eise mi zei weilige Zus immung de
SPD (Minis e p äsiden en-E lass) be ieben. Je meh abe Beobach ungen du ch
den Ve assungsschu z und Ve bo e als Maßnahmen in den Vo de g und ücken,
umso meh läu eine demok a ische O dnung Ge ah ,illibe ale Tendenzen zu
be ö de n, die ih e sei s S ess in de libe alen Tex u demok a ische Gesell-
scha en e u sachen. Die „weh ha eDemok a ie“,die de Soziologe Ka l Mann-
heim in den 1930e Jah en o allem in de Zi ilgesellscha e o en woll e,wi d
heu e onde Linken gegendie Rech e ehe in eine s aa s ixie en „Beobach ungs-
und Ve bo skul u “gesehen.
Sind die Wide s andspo enziale zu wenigwi kungs oll ode au geb auch ,
e s ä ken sich die Mühen eine Anpassung onRou inen, Ve ah en und Ins i u-
ionen als zwei e Resilienz o m. Dies ließ sich besonde s gu wäh end de Co o-
nak ise in Deu schland beobach en. Das Ve hal en de Bü ge innenund Bü ge
Demok a ische Resilienz als Konzep 355

wu de haup sächlich zu Beginn de K ise einem s ik en Reglemen un e wo en.
Da ü muss en zei weise G und- und F eihei s ech e auße K a gese z we den.
Gleichzei igwu de das In ek ionsschu z-Gese zinReko dzei no ellie .Abe nich
nu Gese ze wu den e ände ,sonde n auch in o melle Fo men des Regie ens
bemüh .Die sogenann e Minis e p äsiden en-Kon e enz is da ü das bekann es e
Beispiel. Dies wa die S unde de Exeku i e und de Selbs besch änkungde Le-
gisla i e.Das soll hie nich bewe e ,sonde n nu besch ieben we den. Es zeig
abe die aschenund ie g ei enden Anpassungs eak ionen de poli ischenAk eu-
e, die meh hei lich die gese zliche Imp p lich im Bundes ag im F ühjah 2022
schei e n ließen. Nach den Mona enübe schießende Exeku i las igkei ,zeig esich
die wiede e wach e libe ale Resilienz des pa lamen a ischen Sys ems.Die d a-
ma ischePhase de Pandemie wa o bei. Mi ih ende en auch die es ik i en
Einsch änkungen demok a ische F eihei s ech e. Man kann dies bei alle K i ik an
den einzelnen Maßnahmen auch als ein Beispieldemok a isch-pa lamen a ische
Resilienz gegenübe einem o se zungsbe ei en Pa e nalismus in Teilen de Exe-
ku i e au Kos en onG und ech en bezeichnen.
Nach dem Wide s ehen und Anpassen is das Wiede he s ellen die d i e Fo m
demok a ische Resilienz. Diese bedeu e ,k isenbeding eBeschädigungenode
Einsch änkungen de Demok a ie wiede zu beheben und den ins i u ionellen wie
p ozedu alen S a us quo an e wiede he zus ellen. Denn selbs wenn Einsch än-
kungendemok a ische Rech e in d ama ischen K isen ge ech e ig ode e as-
sungsgemäß sein können, geh es nach Ende de K ise da um, ech ss aa liche
P inzipien und die demok a ischeKul u eine Gesellscha wiede inGel ungzu
se zen. Deu schland nachdem Ende de Co onak ise s eh hie als wei gehend
posi i esBeispiel. Alle dings kann eineWiede he s ellung demok a ische Rech e
auch du ch neue demok a ische Ins i u ionen und Ak eu egeschehen.Un e -
zich ba e Bedingungda ü is ,dass diese in demok a ischen und e assungskon-
o men Ve ah en e ablie wu den.Esis einebesonde e Fo m demok a ische
Resilienz, wenn sich solch neue Ve ah en den e ände en Handlungsbedingungen
„anpassen“und den essenziellen P inzipien de Demok a ie wei e und ielleich
soga besse Gel ung e scha en.Mögliche weise is dies die o ausse zungs olls e
de d ei Fo men demok a ische Resilienz.Wi beobach en das in den USAnach
DonaldT ump und in B asilien nach Jai Bolsona o, wenngleich de P ozessin
beiden Lände n alles ande e als abgeschlossen is .Die de ek en Demok a ien Po-
lens und Unga ns s ehen noch o einem solchen libe aldemok a ischen Neuan-
ang.
T o z de auße o den lichen Konjunk u des Beg i s demok a ische Resilienz
da abschließend die F ageges ell we den: Was is neu an dem Beg i ?Wissen-
scha liche Beg i e,die asch in den modischen All agsgeb auch einwande n,
e lie en häu ig ih e Kon u enund analy ische Tauglichkei .Was e laub de Be-
356 Wol gang Me kel
g i an neuenEinsich en in de E o schung poli ische Regimedynamiken?Was
e klä demok a ischeResilienz besse als die Beg i e ode Konzep e „demok a-
ische S abili ä “ode „demok a ische Konsolidie ung“?Ge ade das Konzep de
demok a ischen Konsolidie ung besi z eben alls einen analy ischen Doppelcha-
ak e :Ese laub di e enzie eBesch eibungendes S a us quo, wie es E klä ungen
ü den P ozessde Konsolidie ung eine Demok a ie übe die Zei hinwege -
möglich .Auch in einem solchen P ozesslassen sich Funk ionen, Ins i u ionen und
Ak eu einih en jeweiligenIn e dependenzen dechi ie en (Me kel1998). Le z -
endlichsehe ich zwei neue Aspek e eines wissenscha lichen Meh we s. De e s e
bi g du chaus Spu en de Banali ä in sich. „Demok a ische Resilienz“als Be-
g i is hie und je z anschluss ähige andie einschlägigenDisku se. Beg i und
Konzep de demok a ischen Konsolidie ung agenden S aub e gangene De-
ba en. Sie e inne n s ä ke an den demok a ischen Au b uch nach1989 als an den
schleichenden Niede gangdemok a ische S anda ds heu e. Inso e nha de Be-
g i swechsel wegen seine Disku s-Anschluss ähigkei schon pe se seinen eigenen
diagnos ischen We .Abe es gib noch einen zwei en Aspek .Demok a ische Re-
silienz be on meh die Wide s andspo enziale demok a ische Sys eme. Sie o-
kussie s ä ke au a ia ionso ene Funk ionen als au s a ischeS uk u en. Das
is nich weniginZei en mul iple K isen. Abe es is auch ypisch ü diese. Es geh
de Demok a ie o schung heu e nich so seh um die Demok a isie ung de De-
mok a ie wie noch d eißigJah e zu o ,sonde n um de en Ve eidigung.Vielleich
is dies de beg i liche Beweis,dass zwa nich unbeding „die“Demok a ie pe se
in de K ise s eck ,abe iele eal exis ie ende Demok a ien oneine E osion ih e
libe aldemok a ischen S anda ds be o en sind.
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