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Moral und Wirtschaftstheorie

Abstract

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Moral und Wirtschaftstheorie

Author: Tietzel, Manfred
Publisher: Berlin: Duncker & Humblot
Year: 1986
DOI: 10.3790/schm.106.2.113
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/291634/1/schm.106.2.113.pdf
Tie zel, Man ed
A icle
Mo al und Wi scha s heo ie
Zei sch i ü Wi scha s- und Sozialwissenscha en (ZWS) - Vie eljah essch i de
Gesellscha ü Wi scha s- und Sozialwissenscha en, Ve ein ü Socialpoli ik
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Tie zel, Man ed (1986) : Mo al und Wi scha s heo ie, Zei sch i ü Wi scha s-
und Sozialwissenscha en (ZWS) - Vie eljah essch i de Gesellscha ü Wi scha s- und
Sozialwissenscha en, Ve ein ü Socialpoli ik, ISSN 0342-1783, Duncke & Humblo , Be lin, Vol. 106,
Iss. 2, pp. 113-138,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.106.2.113
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/291634
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Zei sch i ü Wi scha s- u. Sozialwissenscha en (ZWS) 106 (1986), S. 113 - 137
Duncke & Humblo , Be lin 41
Mo al und Wi scha s heo ie
Von Man ed Tie zel
.
. hough we all epea 'de gus ibus non
es dispu andum' in p ac ice we spend
ou ime a guing abou li le else."
Mil on F iedman
„Es gil , das ungeheu e, e ne und so e -
s eck e Land de Mo al ... mi lau e
neuen F agen und gleichsam mi neuen
Augen zu be eisen: und heiß dies nich
beinah so iel als dieses Land e s en -
decken?"
F ied ich Nie zsche
Im o liegenden Au sa z wi d e such , das „mo alische Vakuum" zu üllen, das in
de neoklassischen Wi scha s heo ie bes eh . Im einzelnen we den heo e ische
Ansä ze k i isch da ges ell , die das En s ehen on P ä e enzen, den sachlichen
Gehal en de A gumen e de Ziel unk ionen on Wi scha ssubjek en, e klä en sol-
len, und es wi d e such zu beg ünden, wa um neben knapphei sbeding en (Ressou -
cen-)Res ik ionen auch nich -knapphei sbeding e, mo alische Ve hal ens es ik io-
nen exis ie en.
1. De gus ibus non es dispu andum
Im Ti el dieses Essays we den Gebie e - Mo al und Wi scha s heo ie -
zusammen genann , die im heu igen ökonomischen Denken so wei wie nu
möglich oneinande en e n und geschieden sind. Ve s eh man un e de
Mo al eine Gesellscha die Menge de gel enden (und dami auch e hal-
enswi ksamen) indi iduellen und sozialen We o S ellungen, so is es
gewiß keine Übe eibung, die Wi scha s heo ie als eine zu ie s a-mo a-
lische Wissenscha zu bezeichnen. Un e den klassischen Annahmen übe
das Ve hal en de Wi scha ssubjek e, inka nie in de Fik ion des homo
oeconomicus, be inden sich nu zwei, welche die no ma i e Basis des Wi -
scha ens, die Handlungsziele de Wi scha ssubjek e, besch eiben: danach
e s eb de homo oeconomicus in seine Rolle als Un e nehme Meh ung
seines Geldgewinns, in seine Rolle als Ve b auche Ve g öße ung seines
Konsumnu zens. Diese beiden äuße s spa samen Axiome, in Ve bindung
mi de zusä zlichen Annahme, daß Wi scha ssubjek e die Maximie ung
ih e Ziel unk ion e s eben und de Besch eibung de jeweiligen Hand-
lungssi ua ion - Ressou cenauss a ung, Technologie und Handlungsal e -
na i en -, genügen de Wi scha s heo ie ü den Ve such, beliebige
menschliche Handlungen zu e klä en ode o he zusagen.
8 Zei sch i ü Wi scha s- und Sozialwissenscha en 1986/2
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114 Man ed Tie zel
Du ch einige Kuns g i e e spa en es sich meis die Ökonomen, übe die
Handlungsmo i a ionen de Wi scha ssubjek e zu heo e isie en, und sie
e meiden es so au geschick e Weise, den es en Boden deduk i e A gu-
men a ion mi beobach ba en und quan i izie ba en G ößen zu e lassen
und sich in den sump igen Geländen on Psychologie und Soziologie zu e -
lie en.
Man besi ze „zugegebene maßen keine b auchba e Theo ie de Bildung
on P ä e enzen" und könne sich „auch nich au eine en sp echend ausge-
ei e Theo ie in den ande en Sozialwissenscha en e lassen"1; dahe sei es
nu ge ech e ig anzunehmen, „daß in de Ta alle Haushal e genau die
gleiche (und un e ände liche, M.T.) Nu zen unk ion besi zen."2 „Nach
diese In e p e a ion a gumen ie man nich übe P ä e enzen aus demsel-
ben G und, aus dem man auch nich übe die Rocky Moun ains a gumen-
ie - beide sind da, we den auch nächs es Jah da sein und sind ü alle
Menschen gleich."3 Konsequen e weise übe läß man leich en He zens
dieses P oblem „denjenigen, die auch imme P ä e enzen s udie en und
e klä en (Psychologen? An h opologen? Ph enologen? Soziobiologen?)."4
Die Be olgung des P inzips „de gus ibus non es dispu andum"5 e mög-
lich die gewünsch e s ik e T ennung de endogenen „ökonomischen" on
den exogenen „auße ökonomischen" Fak o en, ohne, wenigs ens dem e s en
Anschein nach, an heo e ische E klä ungsleis ung einzubüßen. Die E klä-
ung e wa de Ta sache, daß eine Pe son eine S a a begeh , kann „au
besonde e Theo ien de Anomie, psychologischen Unangepaß hei ode de
Ve e bung bes imm e Cha ak e züge e zich en und ... es eich , die üb-
liche ökonomische Analyse on Wahlhandlungen au diesen Be eich anzu-
wenden."6 Eine Pe son wi d danach dann eine S a a begehen, „wenn de
ü sie e wa e e Nu zen g öße is als de Nu zen, den sie ealisie en
könn e, wenn sie ih e Zei und sons igen Ressou cen ü ande e Ak i i ä en
einse zen wü de."7
1 Becke (1982), 147.
2 Becke (1982), 162.
3 S igle / Becke (1977), 76.
4 S igle / Becke (1977), 76. Volls ändig leich en He zens und ganz so ohne heo e-
ische Gewissensbisse, wie die schwung olle Rhe o ik glauben mach , geh es dann
doch nich ab. S igle und Becke konzedie en an eine (sowei mi bekann is auch
einzigen) S elle, daß diese ih e „eine These is , die keinen di ek en Beweis e laub ,
weil sie eine (empi ische, M.T.) Behaup ung übe die Wel is und kein Sa z de
Logik." Und sie üh en eine Reihe on A gumen en an, welche die Wah hei diese
empi ischen These un e maue n sollen. Keines diese A gumen e is jedoch hin ei-
chend dazu. Vgl. dazu Tie zel (1983), 233 .
In eine be ühm gewo denen A bei ha Alchian (1950), 211 - 221, mi selek ions-
heo e ischen Übe legungen zwingend zu zeigen e such , daß Un e nehmen übe -
haup nu Gewinn als Ziel e olgen könn en, da sie sons nich übe leben wü den.
Seine neue en A bei en lassen abe seh e ns e Zwei el da an au kommen, daß e
diese These auch heu e noch au ech e hal en wü de.
5 Becke (1982), 162.
6 Becke (1982), 40.
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Mo al und Wi scha s heo ie 115
Die kons an e P ä e enz iele Ökonomen ü die Annahme kons an e ,
inhal lich es geleg e und in a ian e P ä e enzen de Wi scha ssubjek e
ha meines E ach ens einige gu e und nu zu plausible - wenn auch „auße -
ökonomische" - G ünde.
Da is zunächs einmal die e s ändliche Abneigung de Ökonomen gegen
die Beschä igung mi nich unmi elba beobach ba en, nich meßba en
und auch nich quan i izie ba en Sach e hal en zu nennen8, wie sie
menschliche We o s ellungen nun einmal da s ellen.
Die Fehlin e p e a ion des Pos ula s de We w ezZs eihei on M. Webe
als Gebo de We eihei , als ein Ve bo , sich mi We en schlech hin zu
be assen, ha diese Hal ung iele Ökonomen ielleich noch e s ä k .
Dabei is ein We u eil, das Bekenn nis zu bes imm en We en, e was in
jede Hinsich ande es als dak Au s ellen on Aussagen übe We ungen.
Und schließlich mag de me hodologische F eib ie , den die Chicagoe
Schule den Ökonomen ü die Wahl de P ämissen ih e Modelle auss ell ,
U sache eine gewissen Bedenkenlosigkei gewesen sein und einen ausge-
p äg en P agma ismus bei de Fo mulie ung on. Modellen ge ö de haben.
M. F iedman mein nämlich: „De Ökonom ha wenig übe die Bildung on
Bedü nissen zu sagen; das is das Gebie des Psychologen. Die Legi ima ion
und Rech e igung ü diese Abs ak ion muß le z lich, in diesem Falle wie
bei jede ande en Abs ak ion, au de E hellung be uhen, die diese
Abs ak ion leis e und au de Fähigkei zu p ognos izie en, die sie
e laub ."9
In seh ielen Fällen alle dings bleib diesen Ve hal ensp ämissen die (im
üb igen aus wissenscha s heo e ische Sich seh agwü dige) „Legi ima-
ion und Rech e igung" du ch P ognosee olg e sag : die beobach ba en
Ta sachen en sp echen nich den Modell o he sagen. Becke s Modell des
ökonomisch a ionalen Ve b eche s e wa sag ein supe -macchia ellis i-
sches Ve hal en o aus. Ein Handelnde e wi klich demzu olge in eine
pa ame isch o gegebenen Umwel alle jene Handlungsal e na i en, de en
Nu zen ih e Oppo uni ä skos en übe s eigen. Die Wel gleich dem Hob-
besschen Dschungel, in dem jede gegen jeden und mi allen Mi eln um sein
indi iduelles Nu zenmaximum kämp ; man üh , nach den Wo en on
Hobbes, in diese Wel „ein einsames, kümme liches, ohes und ku z
daue ndes Leben."10 Besch iebe das Bild on de Wel des a ionalen Ve -
7 Becke (1982),
47 .
8 Die bewunde nswe en Bemühungen on Ökonomen, du ch die „Theo ie de
o enba en P ä e enzen" selbs diese schlüp igen G ößen indi ek beobach ba und
quan i izie ba zu machen, haben leide nu seh bescheidene E olge gezei ig . Vgl.
Wong
(1978).
9 F iedman (1962), 13. An ande e S elle, Tie zel (1981), 237 - 265, habe ich e -
such , diese ins umen alis ische These F iedmans eine K i ik zu un e ziehen.
10 Hobbes (1974), 116.
8*
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116 Man ed Tie zel
b eche s auch die wi kliche Wel , so be ände sich s e s die eine Häl e de
Menschhei zum Zwecke de E p essung im Gewah sam de ande en; „de
indi idualis ische Kalkül on Kos en und Nu zen wü de nahelegen, daß
Be ug, D ückebe ge ei, Diebs ahl, Übe all und Mo d allgegenwä ig
sind."11
Zwa is die wi kliche Wel nich ei on de a une eulichen Zügen,
doch is sie auch, und ielleich wei s ä ke , gep äg on Ve auen, Al u-
ismus, Ve läßlichkei , Ve an wo lichkei und Eh lichkei . Ganz o enba
is das Ne z de neoklassischen Ve hal ens annahmen nich eng genug
geknüp , um eine b ei e Pale e menschliche Ve hal ensweisen zu e as-
sen. Ich sch eibe diesen Mangel auch den unzulänglichen Annahmen übe
die mo alische Basis menschlichen Handelns zu.
Die Exis enz eines de a igen „mo alischen Vakuums" in de Wi scha s-
heo ie is eigen lich e wunde lich, denn es is nich in ih e T adi ion
angeleg : Adam Smi h, im wah en Sinne ein „Adam" de Wi scha s heo-
ie, wa nach seine Be u ung o allem P o esso ü Mo alphilosophie; e
ha diesem Gebie eines seine Haup we ke, die „Theo y o Mo al Sen i-
men s", gewidme und diesen Hin e g und auch ni gends im „Weal h o
Na ions" e leugne . Und noch in unse em Jah hunde wa de Na ionalö-
konomie de Gedanke nich emd, daß „noch nich mal ein Nagel ohne
We e in die Wand geschlagen wi d" (wie on Schmolle gesag haben soll).
Ohne We ungen ode Handlungsziele, will diese Meinung sagen, komm
übe haup keine Handlung zus ande, und wechselnde We ungen bedingen
wechselnde Handlungsweisen und ande e Handlungse gebnisse.
Ich möch e im olgenden e suchen zu zeigen, daß die Wi scha s heo ie
sich im In e esse ih e eigenen Leis ungs ähigkei bis zu einem gewissen
G ade auch als „Mo alwissenscha "12 e s ehen soll e. Mo alische G und-
sä ze haben in zweie lei Hinsich ü das Ve hal en de Wi scha ssubjek e
eine Bedeu ung: als De e minan en ih e Handlungsziele und als Res ik io-
nen ih e Handlungsmöglichkei en. Beide sollen nähe un e such we den
nach dem P inzip: „de gus ibus dispu andum es ."
2. P ä e enzen und Me ap ä e enzen
K. Boulding sch ieb einmal, eine de absonde lichs en Annahmen in de
Ökonomie sei die „wie man sie nennen könn e - Dok in on de ,unbe leck-
en Emp ängnis4 de Indi e enzku e. Diese Dok in besag , daß
Geschmack ein ach o gegeben is und daß man den P ozeß de
11 No h (1981), 11.
12 Von Boulding (1976), 123 - 143, s amm eine in e essan e Un e suchung mi dem
Ti el „Ökonomie als Mo al Wissenscha ."
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Mo al und Wi scha s heo ie 117
Geschmacksbildung nich du chleuch en kann."13 In all ih e Absonde lich-
kei is diese Dok in, wie gesag , keineswegs un e s ändlich, denn sie
schü z o de Ge ah , „zwei klassige Psychologie zu benu zen, um d i -
klassige Ökonomie zu p oduzie en"14; sie beschwö abe zugleich die neue
und ielleich g öße e Ge ah he au , wegen empi isch alsche Ve hal ens-
annahmen zu nich adäqua en E klä ungen und P ognosen zu gelangen.15
Nich e wa die Ta sache is zu k i isie en, daß Ökonomen in e klä enden
A gumen en die Wah hei bes imm e P ämissen - hie : empi ische
Behaup ungen übe die Inhal e und In a ianz de P ä e enzen on Wi -
scha ssubjek en - „annehmen", also ohne wei e e Beg ündung o ausse -
zen. Denn jede wissenscha liche E klä ung muß bei i gendwelchen Annah-
men hal machen. Das is ganz un e meidlich de Fall, weil man zwa imme
e suchen kann, Aussagen, die in bes imm en Zusammenhängen e klä ende
Funk ionen übe nehmen, ih e sei s zu e klä en, „E klä ungen on E klä-
ungen" zu lie e n. Dami wi d die e s e eine möglichen S u en olge on
E klä ungen „ ie e " beg ünde . Will man zum Beispiel e klä en, wa um ein
Monopolis den P eis eines Gu es e höh , dann gehö zu den e klä enden
P ämissen eine Annahme übe das Ziel, also e wa Gewinne zielung, welches
e e olg . In eine E klä ung „zwei e S u e" könn e man e suchen zu
zeigen, wa um e dieses Ziel e olg . Abe imme muß au i gendeine S u e
n diese unendliche E klä ungs eg eß willkü lich abgeb ochen we den; die
P ämissen de E klä ung n- e S u e sind dann ih e sei s unbeg ünde ,
haben also den Cha ak e on Annahmen. Ve schiedene wissenscha liche
Disziplinen sind meines E ach ens in ganz p agma ische Weise eben auch
dadu ch gekennzeichne , was zu einem Zei punk ü sie po en ielle
Explananda und was ü sie Annahmen sind.
Zu adeln is abe die Tendenz, Annahmen, kos e es was es wolle, beizube-
hal en, obwohl man ih e empi ische Falschhei kenn . Dies geschieh mi
den P ämissen übe die P ä e enzen16 de Wi scha ssubjek e o , um die
13 Boulding (1976), 124 .
14 Yaa i (1977), 158.
15 Die empi ische Wah hei eines e klä enden A gumen es muß (als eine de soge-
nann en „Adäqua hei sbedingungen") ge o de we den, weil nu bei wah en P ämis-
sen auch die Konklusionen eines A gumen es imme wah sind; nu bei E üllung
diese Bedingung zeig dahe ein e klä endes A gumen , wa um a sächlich ein
bes imm e zu e klä ende Sach e hal o lieg . Jede wah e Aussage übe einen zu
e klä enden Sach e hal läß sich - auße aus den adäqua en - aus unendlich ielen
ande en Mengen on P ämissen (eben auch empi isch alschen) ablei en; abe solche
A gumen e zeigen bes en alls, wa um mögliche weise de zu e klä ende Sach e hal
o liegen könn e. Ein solches A gumen be iedig abe unse Ve langen nach eine
E klä ung in keine Weise. Vgl. dazu: Tie zel (1981), 237 - 265.
iß Ma ch (1978), 595 ., disku ie in Einzelhei en die wei e en üblichen Annahmen
übe die Eigenscha en on P ä e enzen, die absolu , ele an , s abil, konsis en , p ä-
zise und exogen sein sollen, und e komm zu de Schluß olge ung: „Jede einzelne
diese Eigenscha en on P ä e enzen schein mi Beobach ungen des Wahl Ve hal ens
... un e einba zu sein."
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118 Man ed Tie zel
Eindeu igkei de Modelle gebnisse ode die ma hema ische Handhabba -
kei des Modelles zu e hal en; doch muß man da ü den P eis des Ve lus es
de Adäqua hei de E klä ung en ich en. Die P ä e enzen de Menschen
bes ehen auch nich annähe nd nu aus Gewinn und Gü e nu zen, und sie
sind zei lich, zwischen Pe sonen und Kul u en, nach Inhal und Gewich ung
a iabel. „Die unglaubliche Komplexi ä de menschlichen Na u ", sch ieb
A. Hi schman11, „wu de mi seh gu en G ünden in de adi ionellen Theo-
ie e nachlässig , abe sie muß zu Guns en g öße e Reali ä snähe in den
adi ionellen E kenn nissen Be ücksich igung inden."
Die Wege, welche zu E eichung dieses Zweckes bishe besch i en wu -
den, bes anden (2.1.) in eine „Ö nung" de he kömmlichen Nu zen unk-
ion und (2.2.) in e schiedena igen Ve suchen, die En s ehung on P ä e-
enzen zu e klä en.
2.1. O ene Nu zen unk ionen
Die Ö nung de Nu zen unk ion ü ande e A gumen e als nu Konsum-
nu zen und Gewinn, die „Ve schiebung zu ,Nu zen' als Maximand",18 is de
sei ela i ku ze Zei un e nommene Ve such, diese seh es ik i en und
wohl in ielen Fällen ak isch alschen Annahmen übe die Handlungsziele
de Wi scha ssubjek e du ch allgemeine e und nach Möglichkei zu e -
ende zu e se zen. In eine o enen Nu zen unk ion können, je nachdem es
de zu e klä ende Fall e lang , als A gumen e nich - adi ionelle Gü e wie
„P es ige, Mach , Wohle gehen ande e , Liebe, Respek , Selbs e wi k-
lichung, Talen , F eihei , Wissen, Schönhei , Muße"19 ebenso eingehen wie
Konsumnu zen und Gewinn im klassischen Fall. Man ha diese allgemeinen
Nu zena en A. A. Alchian zu Eh en als „alchianeske"20 bezeichne , obwohl
diese Idee, sowei ich sehe, eigen lich in eine A bei on Becke 21 aus dem
Jah e 1957 ih en U sp ung ha .
Die Annahme, wi scha ende Menschen e olg en - in welche Funk ion
auch imme - Nu zen in einem seh wei en Sinne, wi d dami beg ünde ,
„daß nu das Indi iduum weiß, was es maximie en will."22
Die p ak ische Anwendung de Idee eine o enen Nu zen unk ion ha zu
eine explosionsa igen Auswei ung des Anwendungsbe eichs ökonomi-
sche Modelle ge üh : Au so d ängende und wich ige P obleme wie K imi-
nali ä und Rauschgi konsum ebenso wie au e was absei ige e wie die
„Ökonomik des Zähnepu zens" ode die „Theo ie de Sei ensp ünge"23.
17 Hi schman (1984), 95.
18 Fu ubo n / Pejo ich (1974), 3.
19 Alchian (1965), 31.
20 Moo e (1974), 335.
21 Becke (1957).
22 McKenzie (1978), 630.
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Mo al und Wi scha s heo ie 119
Eine „alchianeske" Nu zen unk ion e laub na ü lich die Annahme eine
wei g öße en Pale e on Handlungszielen als de „klassische Fall"; in
diese Ve allgemeine ung lieg ih Vo zug, in de dami e bundenen
abnehmenden Ope a ionali ä des Nu zenbeg i es abe gleichzei ig auch
eine Ge ah . Denn ü bes imm e Handlungszwecke muß diese allgemeine
Nu zen unk ion du ch Angabe konk e e Nu zena en ope a ionalisie
we den. Geschieh dies ad hoc, also nich unabhängig on de jeweils zu
e klä enden Handlung, so wi d die Handlungse klä ung au ologisch. Dann
nämlich kann jede beliebige Handlung, sagen wi : zöliba ä es Ve hal en
ebenso wie ak oba isches Sei ensp ingen, s e s au „Besonde hei en" de
Nu zen unk ion des Handelnden zu ückge üh we den. Genau dies is auch
de Haup ang i spunk Becke s gegen die he kömmliche Theo ie: „Viele
Ökonomen können de Ve suchung nich wide s ehen, ih mangelndes Ve -
s ändnis du ch Hinweise au ... ad-hoc-Ände ungen de P ä e enzen, ode
ähnliche Ta bes ände zu e decken."24 Dami die Handlungse klä ung
empi isch gehal oll bleib , is es e o de lich - und es soll en möglichs
auch Anhal spunk e o liegen, die diese Annahme s ü zen -, daß ü den
Handelnden diese Funk ion nich nu im speziellen, im zu e klä enden Fall,
sonde n in ela i e S abili ä auch (sachlich und zei lich) da übe hinaus
dessen Handlungsziele zu e end besch eib . Die E ah ungsda en, welche
die Behaup ung übe die Ziele eines Handelnden s ü zen, allen dann nich
( olls ändig) mi dem E klä ungsbe eich de Behaup ung zusammen.
Die Ö nung de Nu zen unk ion ü inhal lich neue A gumen e bedeu e
nu eine Auswei ung de Anwendungsb ei e, abe keine Ve ie ung des öko-
nomischen E klä ungsansa zes, denn, ganz wie im klassischen Fall, s ellen
die A gumen e de Nu zen unk ion Annahmen da , Behaup ungen da übe ,
daß ein Handelnde bes imm e Ziele e olg ; au die F age, wa um e abe
diese Ziele ha , wi d keine An wo e such .
2.2. Die En s ehung on P ä e enzen
Wenn es also ü ypisch wi scha s heo e ische P obleme zwa nich
zwingend e o de lich is , zu wissen wie P ä e enzen en s ehen - denn es
genüg ja, zu e ende Annahmen übe ih en Inhal und ih e ela i e Bedeu-
ung zu machen -, so is doch aus p agma ischen, abe du chaus d ängenden
G ünden die Bean wo ung de F age „ein lange beklag es Deside a ökono-
mische Fo schung ..., wie indi iduelle P ä e enzen, die als gegebene G ö-
ßen in wi scha s heo e ische Übe legungen und Modelle eingehen, Zus an-
dekommen."25
23 Zu diese Theo ieen Wicklung: McKenzie / Tullock (1978); Becke (1982); Tie zel
(1983 a), 225 - 242.
24 Becke (1982), 12.
25 Wiswede (1981), 83.-
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120 Man ed Tie zel
Denn meis spekula i e Annahmen übe das Vo liegen nich unmi elba
beobach ba e G ößen wie P ä e enzen sind nich nu seh leich alsch; sie
sind auch ein „To so de A gumen a ion"26 im Ve gleich zu Ablei ung on
Aussagen, die das Vo liegen bes imm e P ä e enzen behaup en, aus eine
übe geo dne en, in o ma ionshal igen und bewäh en Theo ie de P ä e-
enzbildung.
Man kann, wie es on Hayeks bildha e Au sa z i el ausd ück , „d ei
Quellen menschliche We e"27, d ei A en on Theo ien un e scheiden, die
genau diese Au gabe e üllen sollen. Diese Theo ien üh en die En s ehung
on P ä e enzen au die biologische E olu ion, au soziale E olu ion ode
au indi iduelles Le nen und En scheiden zu ück; jede diese Theo ien ha
man auch schon ü die Wi scha s heo ie nu zba zu machen e such ,
zum Teil sind soga Ökonomen an ih e En wicklung maßgeblich be eilig .
Soziobiologen un e suchen, mi einigen höchs beme kenswe en E ol-
gen in den le z en beiden Jah zehn en, die U sachen gleich ö mige Ve hal-
ensweisen bei Lebewesen. Ih e G undannahme, das „Zen al heo em de
Soziobiologie",28 is dabei, daß jede A im Ve lau de biologischen E olu-
ion du ch einen seh lang is igen „Le np ozeß", du ch Mu a ion und
Selek ion, Ve hal ensweisen en wickel ha , die alle dem Ziel dienen, die
„inclusi e i ness", „Gesam eignung", eines Indi iduums beliebige A en
zu maximie en. Dabei is un e „Gesam eignung" de An eil de Gene eines
Indi iduums am gegenwä igen und zukün igen Genpool zu e s ehen.29
Die Annahme diese einzigen und imme gleichen „P ä e enz" ü Gesam -
eignung, die na ü lich gene isch angeleg is und nich eine bewuß e Ziel-
o s ellung da s ell , ges a e e es den Soziobiologen, nich nu eine Viel-
zahl on ie ischen Ve hal ensweisen zu e klä en, sonde n soga bishe
nich beobach e e zu e end o he zusagen.
Auch Ökonomen haben schon e such , die Theo eme de Soziobiologie
ü ih en Be eich nu zba zu machen; so behaup e e Becke , die ü seinen
Ansa z so wich ige Annahme in a ian e P ä e enzen sei aus de soziobiolo-
gischen Theo ie ablei ba : „Die P ä e enzen, die on Ökonomen als gegeben
o ausgese z we den und die sie age ,de menschlichen Na u ' ode e was
Ähnlichem zusch eiben, können wei gehend du ch die allmähliche Selek-
ion on Me kmalen, die g öße e Übe lebenswe e besi zen, e klä we -
den."30 Doch de Ansa z, de ü ein ache Lebewesen, om Schwamm bis zu
Te mi e, zu e s aunlichen E klä ungse olgen üh , leis e in Anwendung
26 Wiswede (1981), 83.
27 Von Hayek (1979).
28 Ba ash (1977).
29 Zu Einzelhei en, au die hie nich eingegangen we den kann, siehe den „Klassi-
ke " on Wilson (1975). Mögliche Anwendungen in den Wi scha swissenscha en
we den disku ie in: Tie zel (1983b), 107 - 127.
30 Becke (1982), 162, Fn. 29 und 332.
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Mo al und Wi scha s heo ie 127
Mögliche weise is ü die Blindhei de neoklassischen Theo ie gegen-
übe bes imm en Zügen de wi klichen Wel ih e as olls ändige Fixie ung
au die "A ow-Deb eu-Wal as"-Wel 64 ausschlaggebend gewesen, au die
Wel des o alen Gleichgewich s, in de ein pa ame isch o gegebene Vek-
o on Gleichgewich sp eisen zu olls ändigen und wohl ah smaximie-
enden Koo dinie ung des Ve hal ens ein egois ische und a ionale Ak o-
en genüg .
Doch is auch die Wel des homo sapiens - im Gegensa z ielleich zu de
des homo oeconomicus - oll on mo alischen Ve hal ens es ik ionen, die
den Be eich de übe haup möglichen in die beiden Teilklassen mo alisch
zulässige und mo alisch unzulässige Ve hal ensweisen ze legen; die
E langung des Wissens um diese No men gehö zu den Haup bes and eilen
de Sozialisa ion eines jeden Menschen.
Unzählige Ve suche gib es, die He kun diese A on Ve hal ens-
es ik ionen, die „Genealogie de Mo al", zu e klä en: Be ich e übe die
O enba ung on gö lichen Gebo en und Legenden übe my hische Gese z-
gebe gehö en ebenso dazu wie die klassischen Ve assungs heo ien on
Hobbes, Locke ode Rousseau. Diese le z e en sind die heo e ischen Vo -
ah en neue A bei en on Philosophen65 und Ökonomen66, die, meis mi
dem p äzisen Ins umen a ium de Spiel heo ie, zu zeigen bemüh sind,
welche ökonomischen (Selek ions-)Vo eile in bes imm en Si ua ionen die
Besch änkung de Ve hal ensmöglichkei en jedes einzelnen ü jeden ein-
zelnen - die Be olgung eine Mo al - haben kann.
Ganz unabhängig da on, ob die Ve hal ensbesch änkungen du ch
bewuß e Übe einkun („delibe a ely") ode du ch soziale E olu ion („o ga-
nically")67 en s anden sind, e klä en diese Ansä ze No men so, als ob sie in
jedem Fall explizi e Übe einkün e a ionale , eigenin e essie e und wohl-
in o mie e Handelnde wä en68. Solche „in isible-hand-explana ions"69,
wie sie mi einem Ausd uck on R. Nozick heißen, sind „ ik i ", inso e n sie
nich zu zeigen beabsich igen, wie im konk e en Fall a sächlich eine No m
zus ande kam. Sie sind abe alles ande e als we los, denn sie zeigen, wa um
jede einzelne, o die Wahl ges ell , in bes imm en Si ua ionen einen
Zus and mi allgemeine Gel ung on Ve hal ens es ik ionen einem
Zus and ohne diese o ziehen wü de; die Fik ion des Ve ages s ell also
No men beinhal en, die dem Eigenin e esse jedes einzelnen Mi glieds eine (mensch-
lichen ode ie ischen) Gesellscha dienen.
64 Siehe dazu aus üh lich Tie zel (1985).
65 Lewis (1975); Ullmann-Ma gali (1977).
66 Buchanan (1975); Scho e (1981).
67 So die Te minologie on Scho e (1981), 28 .
68 Eine Ausnahme bilden die Beispiele bei Scho e (1981), 30 .
69 Siehe Ullmann-Ma gali (1978), 263 - 291 und Vanbe g (1984), 115 - 144.
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128 Man ed Tie zel
eine Me aphe ü die nich meh spezi izie e a sächliche A und Weise
des Zus andekommens de No m da .
Fü den einsamen Robinson C usoe au seinem Eiland gib es nu physisch
beding e Res ik ionen seine Handlungsmöglichkei en: e kann jeden Tag
nu eine bes imm e Zei lang a bei en, und die Menge on Nah ungsmi eln
und Rohs o en, au die e zu ückg ei en kann, is ielleich seh g oß, abe
doch imme endlich. Da keine „Gesellscha " - in Ges al ande e Pe sonen
- au diese Insel bes eh , is die Fes legung i gendwelche Ve hal ens e-
s ik ionen nich e o de lich; Robinson is , im olls en Sinne dieses Wo es,
sein eigene He . Lande nun ein F ei ag, ielleich soga beglei e on
seinem ganzen S amm, au diese Insel, so en s ehen so o soziale Bezie-
hungen und soziale Si ua ionen - es bilde sich eine „Gesellscha " -, inso-
e n nämlich jede Pe son ein e hal enswich ige Bes and eil de Umwel
jede ande en Pe son wi d.
In einem de a igen ik i en Zus and o ginä e Hobbessche Ana chie
gäbe es zunächs keine lei Regeln, Gese ze, Rech e, No men und T adi io-
nen, die das Ve hal en de Inselbewohne es ingie en.
Es sind e schiedene soziale Si ua ionen denkmöglich, in denen sich die
in e dependen en Inselbewohne be inden; sie eichen - in de nü zlichen
Sp ache de Spiel heo ie - on de einen Koo dina ion übe eine Skala on
Zwischen o men bis hin zum einen Kon lik . Die Si ua ion eine Koo di-
na ion in eine e ein ach en Zwei-Pe sonen-Gesellscha , bes ehend aus
Robinson (R) und F ei ag (F), is gekennzeichne du ch olls ändige Pa alle-
li ä de In e essen beide , die zum Ausd uck komm in gleichen Auszahlun-
gen ü beide au gleichen Felde n de Spielma ix. Fü beide is es, bei
gegebenen un e schiedlichen Fähigkei en zu den Be u en des Imke s und
des Obs baue n, am bes en, wenn sich Robinson als Obs baue (S a egie O),
F ei ag abe als Imke (S a egie I) be ä ig .
Ma ix
1 :
Reine Koo dina ion
F
O I
0
R
1
Im Gleichgewich e hal en beide, Robinson und F ei ag, Auszahlungen
on ün . Wü den sie den jeweils ande en Be u wählen, e hiel en sie nu
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Mo al und Wi scha s heo ie 129
eine Auszahlung on zwei, weil sie beide zu diesem Be u wenige geeigne
wä en. Und wü den schließlich beide zugleich en wede Obs baue ode
Imke , so be üge die Auszahlung nu eins, weil im einen Falle nich genü-
gend Bienen da wä en, die Obs bäume zu bes äuben und im ande en Falle
nich genug Obs bäume, um die Bienen zu e näh en.
In Si ua ionen einen Kon lik s - o s ellba zum Beispiel als die zweie
ömische Gladia o en, on denen nu eine die A ena lebend e lassen
kann - sind die In e essen de Handelnden olls ändig en gegengese z ; au
jedem Feld de Spielma ix e gib die Summe de Auszahlungen null, denn
de Gewinn des einen is imme de Ve lus des ande en.
Zwischen den Si ua ionen eine Koo dina ion und einen Kon lik s, die
eine sei s de Besch änkung des Ve hal ens de Ak eu e nich bedü ig und
ande e sei s nich ähig sind, liegen eine Reihe on empi isch ele an en
und seh häu igen Si ua ionen, in denen die Besch änkung des Ve hal ens
eines jeden einem jeden Vo eile b ingen kann.
Dies sind koo dina i e Si ua ionen, in denen abe meh als ein Gleichge-
wich exis ie ode Si ua ionen, in denen zu jedem Gleichgewich eine
Pa e o-besse e Ungleichgewich ssi ua ion exis ie .
Wenn Robinson und F ei ag sich zu Jagd e en wollen und den Zei -
punk e einba , abe e gessen haben, einen de beiden möglichen T e -
punk e au de Insel, die Buch (B) ode den Gip el des Be ges (G) da ü o -
zusehen, bes eh eine koo dina i e Si ua ion mi meh e en Gleichgewich-
en, denn beiden is es gleichgül ig, wo sie sich e en, wenn sie sich nu
übe haup e en.
Ma ix 2: Koo dina ion bei meh e en Gleichgewich en
F
B G
B
R
G
Bes ünde eine ü beide gül ige Ve hal ens es ik ion de a , daß sie sich
imme in de Buch e en, abe nie au dem Be g (sei es, weil sie es imme
so gemach haben, ode weil sie eine ausd ückliche Ve ab edung ge o en
haben), dann wü de diese beiden ges a en, zu e ende E wa ungen übe
die S a egie des jeweils ande en zu bilden und die eine de beiden mög-
lichen Gleichgewich ssi ua ionen auch a sächlich zu e eichen.
9 Zei sch i ü Wi scha s- und Sozialwissenscha en 1986/2
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130 Man ed Tie zel
Nehmen wi an70, Robinson und F ei ag wä en o die Wahl ges ell , en -
wede ge enn Kaninchen (K) zu jagen und schlech zu essen ode gemein-
sam einen Hi sch zu jagen (H) und gu zu essen, so wi d nu eine Res ik ion
ih es Ve hal ens sie om Genuß des Kaninchenb a ens bewah en.
Ma ix 3: „Ge angenendilemma" - ähnliche Si ua ion
(Pa e o-in e io es Gleichgewich )
F
H K
H
R
K
T i , wäh end beide au den Hi sch wa en, F ei ag plö zlich au ein
Kaninchen, und läß e die Hi schjagd im S ich, um das Kaninchen zu e le-
gen, so wi d de Hi sch en kommen und F ei ag schlech (Auszahlung 2),
Robinson abe ga nich (Auszahlung 0) essen. Ohne sich au den jeweils
ande en e lassen zu müssen, können beide also nu dann ih en Lebens-
un e hal au jeden Fall siche s ellen, wenn sie beide au Kaninchenjagd
gehen. Nu du ch eine Ve hal ens es ik ion de a , daß jede sich da au
e lassen kann, daß de jeweils ande e die Hi schjagd au ga keinen Fall im
S ich läß , können beide dem gleichgewich igen Hasenb a en zuguns en
Pa e o-supe io en Hi sch agou s en gehen (Auszahlung 5 ü beide).
Wäh end abe die Ve hal ens es ik ion, die „Mo al", die es e laub , eines
on meh e en möglichen koo dina i en Gleichgewich en zu ealisie en, sich
sozusagen selbs s abilisie , da bei gegebene S a egie des jeweils ande en
keine ein In e esse an de Ve ände ung de eigenen S a egie ha , is das
bei Si ua ionen, die analog de Hi schjagd s uk u ie sind (Ge angenen-
dilemma-Si ua ionen) ande s: hie bes eh imme ein An eiz zum T i b e -
ah e -Ve hal en, denn ü jeden einzelnen is es o eilha e , keine Ve -
hal ensbesch änkung zu un e liegen, o ausgese z , alle ande en hal en sich
an die Ve hal ens es ik ionen, sind also „mo alisch".71 Es müssen
—
übe
70 Dies is ein be ühm es Beispiel aus Rousseaus Abhandlung „Übe den U sp ung
de Ungleichhei un e den Menschen." Eine Si ua ion mi eine seh ähnlichen, abe
nich iden ischen S uk u heiß mi einem wei bekann e en Namen auch „Ge ange-
nendilemma." Vgl. Rapopo / Chammah (1965).
71 Ökonomen be ach en übliche weise das T i b e ah e -P oblem als disk e e
En scheidung zwischen nu zwei ausschließlichen Al e na i en: en wede alle e hal-
en sich „mo alisch", ode abe , wenn nu eine sich als T i b e ah e e häl , we -
den alle au mo alisches Ve hal en e zich en. Genau dies wa das be ühm e A gu-
men on Olson da ü , daß in g oßen G uppen Kollek i gü e niemals au g und ei-
5
5
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Mo al und Wi scha s heo ie 131
die An eize hinaus, welche die En scheidungssi ua ion selbs bie e - wei-
e e An eize bes ehen, um mo alisches Ve hal en in solchen Si ua ionen zu
s abilisie en: die Gewißhei e wa, daß sich ähnliche Si ua ionen mi den
gleichen Mi spiele n wiede holen ode das Bes ehen nega i e Sank ionen
ü „unmo alisches" Ve hal en ode die E ziehung zu (In es i ion in)
Mo al.
Doch gil in jedem diese Fälle: es lohn sich, mo alisch zu sein, sein Ve -
hal en gewissen Besch änkungen zu un e we en.
Ganz ähnlich wie in de Na u die biologische Selek ion da au hinwi k ,
daß ü gegebene P obleme bes imm e Lösungen ge unden we den, schein
es auch ü häu ig au e ende soziale P obleme, wie Koo dina ions- und
Ge angenendilemma-P obleme, eine A „soziale " Selek ion zu geben72, die
da au hinwi k , daß mo alische Regeln als Lösungen ü diese P obleme
en s ehen73. Doch gib es ü solche P obleme meis nich eine einzige und
eindeu ige Lösung, sonde n Klassen on (unge äh ) gleichwe igen Lösungen.
Die biologische E olu ion ha du ch die (sogenann e kon e gen e) En wick-
lung ganz e schieden gebau e Seho gane das jeweils gleiche P oblem on
O ganismen gelös , ih e Umgebung op isch wah zunehmen, ganz wie sich in
menschlichen Gesellscha en ü gegebene P obleme äqui alen e, abe e -
schiedena ige Lösungen du chgese z haben: man äh gene ell ech s
(ode abe links) im S aßen e keh , schma z (ode schma z nich ) als
hö liche Gas beim Essen, läß bes imm en Pe soneng uppen (zum Bei-
spiel Damen, Gäs en, Äl e en ode Ranghöhe en) den Vo i an eine Tü ,
nimm (nimm nich ) Zinsen ü ausgeliehenes Kapi al, be ach e
Muscheln, Me allscheiben ode Fo de ungen gegen Banken als uni e selle
Tauschmi el.
Die Mo al eine Gesellscha is nich in Einzelhei en o he sagba , denn
welche de ielen möglichen Mengen on äqui alen en Ve hal ens egeln
willige Übe einkün e he ges ell we den können. Und a sächlich zeig ja unse e
All agse ah ung, daß die Ve le zung on Ve hal ens es ik ionen, sagen wi : de
Regeln des S aßen e keh s, zu schleichenden E osion diese Ve hal ens es ik io-
nen üh : wenn diejenigen, die sich „mo alisch" e hal en, das Ge ühl haben, allzu-
o „die Dummen" zu sein, wi d es bald imme wenige Pe sonen geben, die sich an
en sp echende Regeln hal en. Doch zeig die E ah ung auch, daß es in keine Popula-
ion imme nu en wede Eh liche ode Diebe, Wah h»
4
sliebende ode Lügne , Mo a-
lische ode Sünde (die man auch als Ve e e eine „al e na i en Mo al" au assen
könn e) gib . Vielmeh bes ehen gleichzei ig gegenläu ige Me kmale ode „S a e-
gien", die un e ganz bes imm en, gleichgewich igen Ve häl nissen gemisch au e-
en können. Vgl. zu Einzelhei en Boulding (1976), 40 . und Hi shlei e (1978), 323.
Diese Idee wu de auch un e dem Namen „E olu ionss abile S a egie" on Mayna d
Smi h (1982) im De ail ü bes imm e biologische P obleme en wickel .
72 Diesen Gedanken e i o allem imme wiede on Hayek, wenn e be on ,
daß soziale G uppen, die bes imm e Ve hal ens egeln be olgen, sich wegen ih es
g öße en E olges gegenübe ande en du chse zen ode on ihnen imi ie we den.
73 Siehe dazu auch Scho e (1981), 34 . und Leibens ein (1984), 79.
9"
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132 Man ed Tie zel
sich du chse zen, häng on zahl eichen, auch zu älligen, Bedingungen ab.
Fas alle Eisenbahns ecken haben, un e unendlich ielen denkba en, eine
ganz bes imm e Spu wei e, nämlich genau diejenige, die ühe ü Ku -
schen üblich wa .
Und man kann zwa o he sagen, daß das Zusammenleben on Menschen
imme eine mo alischen O dnung un e wo en sein wi d, denn ein mo al-
lose Zus and is demgegenübe Pa e o-in e io ; keineswegs abe muß eine
gegebene Mo al die bes e mögliche, eine Pa e o-op imale, sein: die bes ehende
Kon en ion übe die Spu wei e on Eisenbahnen is siche un e echni-
schen und ökonomischen Gesich spunk en ine izien ; doch is diese Kon-
en ion besse als ga keine zu haben, und sie is mögliche weise s abil, weil
die Kos en, zu eine e izien e en Kon en ion übe zugehen, p ohibi i hoch
sind.
4. Wi scha s heo ie als Mo al Wissenscha ?
Die zu An ang o ge agene Behaup ung, die Wi scha s heo ie müsse
sich im In e esse ih e Leis ungs ähigkei bis zu einem gewissen G ade auch
als „Mo alwissenscha " e s ehen, glaube ich nun beg ünde und genaue
e e en zu können.
Wenn man das „mo alische Fundamen " des Wi scha ens, die Zielin-
hal e und die mo alischen Ve hal ens es ik ionen, als P obleme und nich ,
wie so häu ig, als exogenes
Da um
be ach e , dann kann das dem Bes eben
nach Adäqua hei de E klä ungs e suche und de genaue en Kenn nis de
Anwendungsbedingungen de Wi scha s heo ie nu zugu e kommen.
Au den En wu wel emde Kuns igu en, wie Becke s a ionalen K i-
minellen, we den die Ökonomen ielleich wenige on ih e kos ba s en
Ressou ce, ih e A bei szei , allozie en. Und Vo schläge zu Ges al ung de
wi klichen Wel , die aus Annahmen übe eine Wel ohne Mo al en wickel
wu den, we den ielleich ealis ische eingeschä z we den. Gewiß kann
man „ a ionale K iminali ä " nu du ch E höhung de Absch eckung - Au -
klä ungsquo e und S a maß - eduzie en; abe au de G undlage dieses
seh einsei igen, ja pe e sen Ve hal ensmodells Ve suche zu Resozialisa-
ion ode die gesundhei liche und psychia ische Be euung on S a ä e n,
wie dies geschieh , als wi kungslos, ja als Ve schwendung abzu un, is
ebenso alsch wie un e an wo lich.
Mögliche weise is das so e nüch e nde Schei e n iele „En wicklungs-
s a egien" und ,,- heo ien" auch da au zu ückzu üh en, daß man alsche
Annahmen übe die „Mo al" de jeweiligen En wicklungsgesellscha en
mach e, indem man die Ziele „Einkommens- und Gewinne zielung", die
ielleich nu aumzei lich besch änk ü wes liche Volkswi scha en e wa
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Mo al und Wi scha s heo ie 133
sei dem 17. Jah hunde e b ei e e Gül igkei besi zen, auch als in diesen
En wicklungslände n unbesch änk gel end annahm.74
Alle sozialis ischen Wi scha ssys eme leiden un e Ine izienz, Ko up-
ion und Ve schwendung, weil die Glaubens hese des Ma xismus-Leninis-
mus, die P oduk ions e häl nisse bes imm en das Bewuß sein de Men-
schen, die dogma ische E wa ung he o b ach e, de Mensch wü de nach
Abscha ung kapi alis ische P oduk ions e häl nisse ein ande e und bes-
se e . Die Ins i u ionen de Zen alplanwi scha e langen abe , wenn sie
unk ionie en sollen, on Plane n wie on Ve plan en ein Maß an Selbs e -
leugnung, Uneigennü zigkei , Eh lichkei und In o mie hei , das nu die
mo alischen An ipoden des a ionalen K iminellen, abe keine wi klichen
Menschen au weisen könn en.
Falsche Mo alp ämissen in Handlungse klä ungen können also o enba
zu e ehl en Maßnahmeemp ehlungen und unzu e enden E wa ungen
übe die Wi kungen solche Maßnahmen üh en.
Bes imm e Fo men menschlichen Zusammenlebens, die Exis enz on Wis-
sen und T adi ionen, das Bes ehen on O ganisa ionen und Ins i u ionen,
die Rolle des S aa es und des Rech s, sind plausibel übe haup nu mi de
Annahme e klä ba , daß menschliche Ve hal ensweisen auch mo alischen
Res ik ionen un e liegen.75
De Ökonom wi d, wie sich e wies, wenig äuße e Hil e bei de Lösung des
P oblemes e wa en dü en, zu e ende Mo alp ämissen ü seine Ve hal-
ense klä ungen zu inden. Doch seh iel, schein mi , is gewonnen, wenn
diese P ämissen übe haup p oblema isie we den, wenn auch sie als ehl-
ba und un e Ums änden e isionsbedü ig angesehen und nich dogma-
isch on jede K i ik ausgeschlossen we den.
Insowei komm auch de Wi scha s heo e ike , ganz wie sein Vo ah
Smi h, nich da an o bei, ein wenig auch „Mo alwissenscha le " zu sein.
74 Die in e essan e Falls udie on Ayal (1973) geh ausd ücklich on einem e mu-
e en „kausalen Zusammenhang zwischen We sys em und wachs ums ele an en
ökonomischen Ve hal ensweisen" (40) aus. De Ve such, skizzenha zu e klä en,
wa um Japan, abe o z alle Ve suche nich Thailand, die Indus ialisie ung
scha e, lie e e ns ha e Anhal spunk e da ü , daß „das We sys em ... eine de
wesen lichen Bes and eile des ,En wicklungspo en ials' eines Landes (is , M. T.) und
... deshalb bei En wicklungsp ojek en und -planen en sp echend in Be ach gezogen
we den" (50) muß.
75 Die an egenden, wenn auch ielleich noch e was spekula i en Un e suchungen
No h / Thomas (1973) und No h (1981) sind e s e Ve suche zu zeigen, wie Ve ände-
ungen on Ve hal ensmöglichkei en und - es ik ionen die his o ische En wicklung
ganze Kul u k eise beein lussen können.
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134 Man ed Tie zel
Zusammen assung
Die in de Wi scha s heo ie üblichen Annahmen de Exogeni ä und Kons anz
on P ä e enzen sind alsch und können zu nich adäqua en E klä ungs e suchen
und zu Maßnahmeemp ehlungen üh en, die unwi ksam sind und e hebliche une -
wa e e und une wünsch e Nebenwi kungen he o u en. Ve suche, das En s ehen
on P ä e enzen zu e klä en, be inden sich in den An angss adien und sind noch
unbe iedigend. De Wi scha s heo e ike bleib , ohne iel Ho nung au Hil e on
den ande en Sozialwissenscha en, da au angewiesen, eigene Annahmen übe die
P ä e enzen zu machen. Nich nu im Inhal de Ziele de Wi scha ssubjek e zeig
sich das mo alische Fundamen des Handelns, auch un e den Ve hal ens es ik io-
nen gib es solche, die nich -knapphei sbeding , die „mo alisch" sind. Es läß sich zei-
gen, daß die Be olgung de a ige mo alische Ve hal ens es ik ionen - on Hö lich-
kei skon en ionen bis hin zu Ane kennung des P i a eigen ums ande e - als Ins u-
men au ge aß we den kann, einen sozial e wünsch en Pa e o-supe io en Zus and zu
e eichen.
Summa y
The widesp ead assump ions o cons ancy and exogenei y o p e e ences a e alse,
and can lead o inadequa e explana ions o economic beha iou as well as o ecom-
menda ions o economic policies ha a e no only ine ec i e bu also c ea e unex-
pec ed and unwan ed side e ec s. A emp s o explain he eme gence o p e e ences
a e s ill in hei beginnings and emain unsa is ac o y. So a he economis depends
on his own assump ions abou p e e ences. No only do he ac o 's p e e ences en ail
mo al s anda ds, bu he e a e also es ic ions o beha iou ha a e due no o sca -
ci y o esou ces bu o he gene al accep ance o mo al ules. I can be shown ha
obedience o such mo al es ic ions o beha iou - o ins ance s anda ds o poli e-
ness o he accep ance o he p i a e p ope y o o he s - can be unde s ood as an
ins umen o a aining a socially app o ed Pa e o-supe io si ua ion.
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