Spech , K. G.
A icle
Zwei e an h opologisch-soziologische Kon e enz in Mainz
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Spech , K. G. (1952) : Zwei e an h opologisch-soziologische Kon e enz in Mainz,
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha , ISSN 1619-6244, Duncke
& Humblo , Be lin, Vol. 72, Iss. 1, pp. 93-102,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.72.1.93
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/290745
S anda d-Nu zungsbedingungen:
Die Dokumen e au EconS o dü en zu eigenen wissenscha lichen
Zwecken und zum P i a geb auch gespeiche und kopie we den.
Sie dü en die Dokumen e nich ü ö en liche ode komme zielle
Zwecke e iel äl igen, ö en lich auss ellen, ö en lich zugänglich
machen, e eiben ode ande wei ig nu zen.
So e n die Ve asse die Dokumen e un e Open-Con en -Lizenzen
(insbesonde e CC-Lizenzen) zu Ve ügung ges ell haben soll en,
gel en abweichend on diesen Nu zungsbedingungen die in de do
genann en Lizenz gewäh en Nu zungs ech e.
Te ms o use:
Documen s in EconS o may be sa ed and copied o you pe sonal
and schola ly pu poses.
You a e no o copy documen s o public o comme cial pu poses, o
exhibi he documen s publicly, o make hem publicly a ailable on he
in e ne , o o dis ibu e o o he wise use he documen s in public.
I he documen s ha e been made a ailable unde an Open Con en
Licence (especially C ea i e Commons Licences), you may exe cise
u he usage igh s as speci ied in he indica ed licence.
h ps://c ea i ecommons.o g/licenses/by/4.0/
93] 93
Be ich e
Zwei e an h opologisch-soziologische Kon e enz in Mainz*
I.
Vom 27. bis 29. Sep embe 1951 and in de Johannes-Gu enbe g-
Uni e si ä zu Mainz die zwei e an h opologisch - soziologische Kon*
e enz s a . Dami wu de de bei de e s en Ve ans al ung diese A
allsei ig geäuße e Wunsch, diese Kon e enz möge nich die einzige
bleiben, Wi klichkei ; nach genau zwei Jah en und am gleichen O e
anden sich wiede um e wa 200 Geleh e aus den e schiedens en
Wissenscha sdisziplinen zusammen, um in eine Fülle on Re e a en
und ausgedehn en Diskussionen übe F agen zu sp echen, die alle die-
jenigen Fäche angehen, die es in ih e Fo schungsa bei mi dem Men-
schen zu un haben1. Das diesjäh ige T e en e wies sich wie das e s e
* Wie de Ve asse schon in seinem Be ich e übe die e s e an h opologisch-
soziologische Kon e enz (Schmolle s Jah buch, 70. Jah gang, 1950, He 1, S. 87 .)
beme k e, und wie auch aus de o liegenden Be ich e s a ung he o gehen wi d,
s ellen diese Ve ans al ungen einen neua igen Typ wissenscha liche Zusammen-
kün e da . Diese neue Fo m b ing es jedoch mi sich, daß es nu noch schwe ,
eigen lich ga nich meh möglich e schein , übe eine de a ige Ve ans al ung in
de üblichen Fo m zu be ich en. Woll e man auch nu in kü zes e Fo m au die
einzelnen Re e a e und die anschließenden Diskussionen eingehen, so wü de ein
Raum beansp uch we den müssen, de in einem wissenscha lichen Pe iodicum
nich zu Ve ügung s eh . Auch e schein es nich angängig, eine Auswahl nähe
zu besp echende Re e a e und Diskussionsbei äge o zunehmen: es wä e no -
wendige weise eine subjek i e Bewe ung. De Rezensen hiel es aus diesem G unde
ü ich ig, einmal eine s a k zusammen assende Da s ellung des Da gebo enen zu
geben, zum ande en abe das G undanliegen diese Kon e enzen da zulegen; denn
ihm e schein de in Mainz nun zum zwei en Male mi so g oßem E olge be-
sch i ene Weg als Ta und An egung ü die gesam e Wissenscha on höchs em
We e und g öß e Bedeu ung. — Es sei hie da au e wiesen, daß die Ve hand-
lungen de diesjäh igen Kon e enz in einem Doppelhe de Kölne Zei sch i ü
Soziologie (Wes deu sche Ve lag, Köln und Opladen) e ö en lich we den; das
He wi d im F ühjah 1952 e scheinen.
1
Die Ve handlungen de e s en Kon e enz sind 1950 un e dem Ti el „Syn-
he ische An h opologi eM, Vo äge und Diskussionsbe ich e de „Kon-
e enz zu Fö de ung de e bundenen Wissenscha en om Menschen" am 27. und
28. Sep embe 1949 in Mainz, im Au age de Deu schen Gesellscha ü Soziologie
zusammenges ell on L. . W i e s e und K. G. S p e c h , im Buchhandel e schienen.
(Bonn 1950, A henäum-Ve lag, 192 S.)
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.72.1.93 | Gene a ed on 2023-04-04 11:07:47
94 K. G. Spech [94
on g oße Wi ksamkei und F uch ba kei , so daß man nunmehi
ho en und e wa en da , daß die an h opologisch-soziologischen Kon-
e enzen zum es en Bes and eil des wissenscha lichen Lebens in
Deu schland we den, zu einem Bes and eil, au den in Wah hei das
heu e so o geb auch e (und mißb auch e) Wo „in eg ie end" an-
gewende we den da .
Man mag heu e in Wissenscha sbe eiche alle A hineinho chen:
imme lau e wi d de Ru und imme s ä ke das Ve langen nach Zu-
sammena bei , nach Niede eißung de ennenden Sch anken, die aus
G ünden, die om Unwissen um die A bei des Nachba n bis zu selbs -
ge älligen ode ei e süch igen Abschließung eichen, au ge ich e und
zum „eise nen Vo hang" gewo den sind. S ändig meh en sich die An-
sä ze zum e s ehenden Eind ingen in die Schau- und A bei sweisen de
benachba en Disziplinen, ja soga de ande en Fakul ä en. Es wä e
jedoch alsch, woll e man diese Bemühungen e wa als eine Be-
kämp ung des Spezialis en ums au assen und auslegen. Unse e Zei mi
de une hö en E wei e ung de gesam wissenscha lichen P oblema ik,
mi de o wäh enden Anhäu ung neuen Ma e ials zu wissenscha -
lichen Ve a bei ung e lang nach Spezialis en um. Wi we den uns
dami ab inden müssen, daß sich dieses spezialisie e und spezi izie e
A bei en im wei en Räume de Wissenscha s ändig noch e eine n
und e äs eln wi d. Diese Ta sache da abe kein F eib ie da ü sein,
nun zu glauben, man müsse Scheuklappen anlegen; eine En schuldigung,
man habe ü die A bei ande e Disziplinen keine Zei , man dü e sich
ja nich e ze eln, sonde n es gel e sich zu konzen ie en, is ebenso
wenig s ichhal ig wie de Hochmu , de die eigene A bei als die allein
heilb ingende ansieh , und de den ande en Disziplinen ga zu schnell
den Cha ak e on Hil swissenscha en zuweis . Spezialis en um is nu
sinn oll und ech , wenn neben de Behe schung des u eigenen A -
bei sgebie es eine Au geschlossenhei ü die ande en A bei sbe eiche
bes eh , die, obwohl mi ande en G und ages ellungen, Me hoden und
e schiedena ige Sys ema ik, doch am gleichen Un e suchungsobjek
o schend be eilig sind. Da aus wi d sich dann ech bald die Einsich
in die No wendigkei kon inuie liche wechselsei ige Un e ich ung e -
geben, die dann „ on selbs " zwischen den einzelnen Fo sche n ein-
se zen wi d, ja einse zen muß. Dabei is dann nich e wa eine Neigung
zum Al uismus e wach , sonde n ein du chaus eal denkende Egois-
mus, de den We de Schauweise, de Me hoden und de Un e -
suchungse gebnisse des Nachba n e kenn und diesem — gewisse maßen
im Aus ausch — auch die eigenen E kenn nisse „zu Ve ügung" s ell .
Doch noch ein wei e es i hinzu: Es is möglich und auch o de
Fall, daß eine F age, ein P oblemk eis aus de Sich eine einzelnen
Disziplin e schöp end bean wo e , olls ändig du chleuch e wi d;
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.72.1.93 | Gene a ed on 2023-04-04 11:07:47
95] Zwei e an h opologisch-soziologische Kon e enz in Mainz 95
abe eben nu aus de Sich diese einen Disziplin. Wi wissen nun
abe heu e, daß eine solche „Lösung" keines alls aus eichend is bei de
Ve zweig hei de wissenscha lichen Fäche ; mag es auch in diese
einen Disziplin ganz ex eme Spezialis en geben, die eine solche An -
wo au eine wissenscha liche F age als genügend be ach en, weil ja
„nich s meh hinzuzu ügen" sei. Fü denjenigen abe , de weiß, daß
„sein" Fach lediglich eines un e ielen is , wi d sich alsbald ein Bündel
wei e e F agen e geben, e wa: „Wie sehen die ande en Wissenscha s-
be eiche dieses P oblem? Was haben sie zu Lösung on sich aus bei-
zu agen? We zieh die Summe alle einzelnen Lösungsbei äge? Is
eine Syn hese, die meh is als die Summe, möglich? Es wi d und muß
s e s so sein, daß alle die du ch ein und dasselbe Fo schungsobjek e -
bundenen Wissenscha en mi ih en E gebnissen Baus eine lie e n, die
da au wa en, zu dem Ganzen zusammengese z zu we den, das eben
du ch die Zahl alle Bei äge zu Du chd ingung eines P oblems da -
ges ell wi d. Es ag sich nu noch, we mi s a ke Hand diese Einzel-
e gebnisse o dne . Kann es ein Einzelne ode eine einzelne Disziplin?
Ode muß nich on den Fach o sche n selbs de Wille zu Au ich ung
eines solchen Gebäudes ausgehen? Uns will scheinen, als läge es nich in
de Möglichkei eines Einzelnen, sonde n als müsse ein Gesp äch, eine
Gemeinscha sa bei diese Syn hese zus ande b ingen. Dann kann auch
das Ge ühl eine Ve bundenhei , das Wilhelm B epohl die „g oße
Kame adscha alle Fo schenden" genann ha , en s ehen. Von ih
wa in Mainz manches zu spü en.
II.
Wie au de e s en Kon e enz wa en auch diesmal zwei Themen zu
Ve handlung ges ell : am e s en Tage „Wachsen, Rei en und Ve gehen";
am zwei en Tage „De Eu opäe ". De d i e Tag wa den Diskussionen
o behal en. Es ha e sich o zwei Jah en als uch ba e wiesen,
einem meh abs ak - heo e ischen Thema ein solches on g öße e
Konk e hei , in gewissem Sinne auch on g öße e Ak uali ä zu Sei e
zu s ellen. Es ha e sich eilich gezeig , und dasselbe wa bei de dies-
jäh igen Kon e enz es zus ellen, daß auch das Abs ak e e seh o so
konk e und „gegenwa snah" wa , wie man nu wünschen konn e2.
Ha e die e s e Kon e enz insgesam 18 Re e a e au gewiesen, so wa en
es diesmal 21. 15 Disziplinen wa en an ihnen be eilig . Die Redezei
2 Es muß hie mi Bedaue n es ges ell we den, daß die meis en de Rund unk-
und P essebe ich e glaub en, diese Ta sache zum Anlaß nehmen zu müssen, sich
au die Be ich e s a ung übe das „ak uelle Thema64 zu besch änken, was sich in
ielen sensa ionell au gemach en Be ich en zeig e. Man soll e wissenscha liche
Tagungen nich als Lie e an en on ( agwü digen) e ek ollen Schlagzeilen und
Sensa ionsbe ich en be ach en.
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.72.1.93 | Gene a ed on 2023-04-04 11:07:47
96 K. G. Spech [96
wa au 20 Minu en besch änk , wu de abe meis ens wei übe -
sch i en, so daß die beiden e s en Tage nich ge inge An o de ungen
an die Au nahme ähigkei de Hö e s ell en; daß o zdem de Hö -
saal bis zu den le z en Reden die Teilnehme ollzählig sah, kann als
ein (wenn auch äuße liches) Zeichen ü die Bedeu ung und den We
des Gebo enen genommen we den.
De d i e Tag b ach e in übe sechss ündigen Ve handlungen zahl-
eiche we olle Diskussionsbei äge, die noch manche Lücke in den
Da bie ungen üllen konn en, manche en s andenen F age eine An -
wo gaben ode auch im Wechselgesp äch zwischen einzelnen Re e en-
en und Hö e n Klä ungen und E gänzungen b ach en.
•
Das Thema des e s en Ve handlungs ages „Wadisen, Rei en und
Ve geben" üh e schon nach wenigen Re e a en mi en in eine P oble-
ma ik hinein, die sogleich ü die Wissenscha sdisziplinen eine g oße
Bedeu ung e lang , die zusammena bei en wollen. Es is nämlich die
F age de Ve s ändigung un e einzelnen Fäche n in bezug au Be-
g i e, Ka ego ien, ode ande s gesag : die Ve s ehba kei de e -
schiedenen „Fachsp achen". Es e wies sich seh bald, in welch un e -
schiedliche Bedeu ung und Auslegung die Ve e e de zu Wo
kommenden Be eiche die d ei in den Mi elpunk de Ve handlungen
ge ück en Beg i e anwand en. Nach einigen Reden wa man ge adezu
gespann da au , in welche A und Weise de nächs e Vo agende
diese Beg i e handhaben we de. Ja, man konn e sich zuweilen nich
ganz des Eind ucks e weh en, als ä en o die sachlichen Aussagen
übe die hin e diesen Ka ego ien s ehenden Abläu e und Vo gänge
zu ück gegenübe den e minologischen Da legungen. Nun, dies wa
du chaus kein Fehle , kein Miß e s ändnis, obwohl es wohl bei man-
chem de Zuhö e ein leises be eiendes Au a men gegeben haben mag,
als Leopold on Wiese in seinen Schlußwo en in de Diskussion
sag e: „Es lag im Thema nich e wa die Behaup ung, es bes ehen es e
gese zmäßige Übe eins immungen zwischen biologische und soziolo-
gische Be ach ung, sonde n die Themas ellung en hiel eine F age:
Wi woll en agen, wie wei eichen die Übe eins immungen?" Daß
hie s ändig nich ausgesp ochene F agen ih e An wo en such en, wa
doch den meis en bewuß gewo den.
Die F agen nach dem Geb auch diese Beg i e in den einzelnen
Fäche n, nach ih e Ausdeu ung, nach ih e He kun und schließlich
nach dem G ade de Gemeinsamkei wu den noch e s ä k und kom-
plizie e dadu ch, daß jede on ihnen auch de All agssp ache gemein
is , daß also jede Re e en eine solche „populä e" Beg i s assung in
sich ug und hie schon die e s e Klä ung no wendige weise he bei-
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.72.1.93 | Gene a ed on 2023-04-04 11:07:47
97] Zwei e an h opologisch-soziologische Kon e enz in Mainz 97
üh en muß e. Besonde s deu lich wu de diese le z e Punk im Re e a
des Medizine s (G o e, We zla ).
Übe denk man heu e ückblickend die Reihen olge de Re e a e,
so wi d ollends kla , wie glücklich sie gewähl wa . Die Beg i e des
Themas en s ammen den Na u wissenscha en, und so e ö ne en dann
auch d ei na u wissenscha liche (biologische, an h opologische und
medizinische) Re e a e die Reihe de Da bie ungen. O ma F h .
on Ve schue (Müns e ) begann mi eine Un e suchung übe
„On ogenese und Phylogenese". Ihm olg e F ied ich K e i e
(Hambu g), de übe „Wachsen und Rei en im Jugendal e " sp ach.
Mi Rücksich au die S u en, wa Udo Undeu schs (Mainz) Vo -
ag „Die menschliche En wicklung in psychologische Sich " schon an
die d i e S elle gese z wo den; dann sp ach de Medizine Louis
R. G o e (We zla ) übe das „Al e n om S andpunk de Medizin",
In den Re e a en on . Ve schue , Kei e und G o e and sich noch
eine wei gehende Übe eins immung im Geb auche diese Beg i e,
wäh end bei den nun olgenden sich eine Skala on Abweichungen au -
a . Sie eich e on de mi Einsch änkungen e sehenen Übe nahme
bis zu k asses en Ablehnung. Bei Undeu sch begann dieses und se z e
sich o in den Vo ägen on Ilse S c h w i d e z k y (Mainz), die zum
„We den und Ve gehen on Völke n als an h opologisches P oblem"
S ellung nahm; F ede ik. Adam a on Schel ema (Gau ing/
München) lehn e sich in manchem seh an den o ganischen Ablau an
(„Ablau on Kul u en"); Ul ich Scheune (Bonn) and, on de
scha en Ablehnung des o ganizis ischen Denkens ausgehend, schon eine
Hinneigung zu sozialwissenscha lichen und im enge en soziologischen
Sich („Al e ss u en und Un e gang on S aa en im Lich e des Rech s");
aus Gün e Schmölde s' (Köln) Re e a ging he o , daß eine
Zusammena bei auch zwischen Sozial- und Na u wissenscha en o
meh als e wünsch , ja ge adezu no wendig e schein , wenn nämlich
eine diese beiden Wissenscha sg uppen in ih en Fo schungen da an-
gelang is , wo de Be eich de ande en beginn — eine in e akul a i e
und nich meh nu in e achliche Zusammena bei („ökonomische
Phasen")! Im soziologischen Re e a on MaxHo kheime (F ank-
u a. M.) kam die doppel e Sich möglichkei des P oblems dann seh
kla zu Da s ellung. E kon on ie e die Ve ände ung — ein na ü -*
liche Ablau -— mi den Einwi kungen des O ganisa o ischen, des
Mechanismus de heu igen Zi ilisa ion und ag e, ob heu e de eie
Ablau de na ü lichen En wicklung bei de imme s ä ke o d ingen-
den Einsch änkung des Tuns des Einzelmenschen übe haup noch ge^
wäh leis e sei („In a ianz und Dynamik in de Leh e on de Gesell-
scha "). — De Philosoph als le z e Re e en oll e schließlich in
syn he ische Schau die F age de Analogie, die ausgesp ochen und un-
Schmolle s Jah buch LXXII, 1 7
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.72.1.93 | Gene a ed on 2023-04-04 11:07:47
98 K. G. Spech [98
ausgesp ochen sich du ch alle Re e a e hindu chgezogen ha e, in alle
Kla hei au und gab dami den uch ba en Ans oß ü die Diskussion
(Ka l Holzame , Mainz, „We den und Ve gehen"). — Vo he
ha e Hans-Joachim Schoeps (E langen) einen in e essan en
ideengeschich lichen Bei ag gelie e , in dem e die beiden heu e as
e gessenen His o ike Ka l F ied ich Vollg a und Pe e on Lasaulx
in den Mi elpunk ück e, um an de Da legung ih es We kes zu zeigen,
daß schon o Spengle die Ve allse scheinungen und -pe ioden k i-
ische Du chleuch ung ge unden haben. „Ih e En deckung ü die
Geschich e des Geschich spessimismus s ehe noch aus", sag e e on
ihnen („Dep a a ions heo ien im 19. Jah hunde ").
Aus de Diskussion, die eine Reihe on beme kenswe uch ba en
und we ollen E gänzungen, Kla legungen und Einwü en b ach e,
seien d ei Bei äge he ausgehoben, weil sie kla ge aß e E kenn nisse
aus den Re e a en en hiel en. W. E. Mühlmann (Mainz) beme k e:
„Das analogische Denken eich nich aus, weil die subjek i en Bewe -
ungen eine Rolle spielen, weil wi imme im Ablau d ins ehen und
weil wi selbe Menschen sind, die leben, wachsen, ei en und al e n.
Es is ge äh lich, diese Analogien zu übe agen au den Ablau des
Lebens on Völke n und Kul u en; wi agen dami subjek i e Be-
we ungen in diese P ozesse hinein, die an und ü sich nich in ihnen
liegen." — Cha lo e on Reichenau (F ank u a. M.) üh e
aus, daß in de Biologie die P ozesse des En s ehens, des Rei ens und
des Ve gehens e was O ganisches seien, ein Spezial all sozusagen un e
den Ta sachen om En s ehen und Ve gehen schlech hin. Das bedeu e
abe , daß zu agen sei: „Ha das En s ehen und Ve gehen im Biologi-
schen und im Gesellscha lichen und auch im Ano ganischen i gendwie
einen seelisch-o ganischen We dep ozeß?" Hie an schließe sich abe
eine zwei e, öllig ande e F ages ellung, nämlich die al e S ei age:
„Is im Leben alles o ganisch ode nich ? Ha es also on innen he
sein Lebensgese z im En s ehen, im Rei en und im Ve gehen?"
Alexande Rüs ow (Heidelbe g) sp ach „übe das g oße F age-
zeichen, das meis ens la en hin e den Diskussionen lag und auch
hin e de Themas ellung s and", übe das Ve häl nis on Biologie
und Soziologie. In kla e Fo mulie ung und eind ingliche In e p e-
a ion s ell e e ie e schiedene Beziehungen he aus: 1. Die Menschen,
aldo die T äge de sozialen Zusammenhänge, sind biologische O ganis-
men. 2. Die Möglichkei , Ta bes ände, die mi soziologischen Denk-
me hoden geklä sind, mi Hil e biologische Bilde zu e anschau-
lichen. 3. Gewisse S uk u e wand scha en, die sich dann e weisen
können, wenn soziologische Ta bes ände nach ih e soziologischen
Klä ung und biologische Fak en nach ebensolche Klä ung du ch
biologische Mi el sich in höhe en, abs ak e en Regionen e en. Diese
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.72.1.93 | Gene a ed on 2023-04-04 11:07:47
99] Zwei e an h opologisch-soziologische Kon e enz in Mainz 99
d ei Beziehungen seien zulässig; abzulehnen sei jedoch sch o die ie e:
de Biologismus, das E g ei en biologische Denk o men und Denk-
weisen bei soziologische Fo schung. Wi müssen uns au diese ku zen
Beme kungen aus de Diskussion besch änken.
•
Auch am zwei en Tage de Kon e enz kamen bei den Re e a en zum
Thema „De Eu opäe " ech e schieden ge ä b e Au asungen zu
Sp ache; dabei handel e es sich manchmal um abge unde e es e Fo -
mulie ungen, manchmal um ließende Auslegungen de Beg i e „Eu o-
päe " und „Eu opa". Ha e schon de e s e Tag gezeig , daß eine allzu
wei gehende Übe eins immung du chaus nich imme nü zlich und
e wünsch is , so konn e man bei diesen Ve handlungen ge adezu on
einem Posi i um sp echen bei de Fes s ellung dieses Di e gie ens de
Meinungen. Wenn man nämlich alsbald beme ken konn e, daß sich aus
den einzelnen Da legungen manche Wide sp uch e gab, so da dies
als Zeichen da ü gewe e we den, daß sich die Geleh en nich um-
ga nen lassen on den „Fo de ungen des Tages", on de „poli ischen
S immung des Augenblicks". Das E ischende und Ho nungs olle
dieses zwei en Tages lag eigen lich da in, daß die einzelnen Geleh en
in unbeein luß e Sich und in wah ha „wissenscha liche G ündlich-
kei " dieses P oblem „Eu opa" angingen. Nich s wa zu beme ken on
osig o em Op imismus ode ga u opischen Wunsch o s ellungen. Das
hie und da au kommende Ge ühl de Be emdung übe den Mangel
(de in Wi klichkei ga kein Mangel wa ) an Gemeinsamkei de An-
schauungen schlug denn auch in de Diskussion ech bald um, als man
einsah, daß es o besse is , im Gesp äch zu Gemeinsamem zu kommen,
als gleich on o nhe ein undisku ie ba e Meinungen und Fo de ungen
mi zub ingen.
F eilich zeig en die Re e a e wie auch die Diskussionsbei äge, daß
de Beg i des Eu opäe s und Eu opas auch in de „Ö en lichkei " und
in de Poli ik noch ech ums i en is . Es wi d heu e iel on einem
einhei lichen Eu opa gesp ochen; wie e schieden jedoch sind die hie -
übe on den einzelnen Na ionen geheg en Konzep ionen! Nich nu die
Wissenscha such nach dem Beg i des Eu opäe s, nach de eu o-
päischen Lebens o m.
Es e wies sich als seh no wendig, daß Leopold on Wiede in
seinen E ö nungswo en aussp ach, daß e das Eu opa, on dem ge-
sp ochen we den solle, als das gegenwä ige ansehe. Ein g oße Teil
de Diskussion wu de am nächs en Tage mi Gesp ächen und Aus-
einande se zungen übe his o ische P obleme e b ach ; es wa dies
nich unwich ig, jedoch lenk e es manchmal on den konk e e en F agen
seh ab. — Audi die Reihen olge de zehn Re e a e zu dem zwei en
7*
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.72.1.93 | Gene a ed on 2023-04-04 11:07:47
100 K. G. Spech [100
Thema wa inso e n e end, als hie das o wiegend „ma e ialmäßig-
in o ma o ische" an den An ang ges ell wo den wa . Jedoch wa en die
Vo äge on T h eodo K aus (Köln) „Eu opa als geog aphisches
Gebilde" und Ilse Schwide zky „Eu opäe und Eu opide" alles
ande e als eine Da s ellung es s ehende Ta sachen, sonde n e mi el-
en Einsich en, die den Wandel unse es Eu opabildes so ech zum
Bewuß sein b ach en. — Wilhelm E. Mühlmann e glich die
eu opäischen Kul u en mi auße eu opäischen und kam zu de These
eine möglichen Eu opäisie ung im wei es en Sinne; sie sei möglich
du ch die Übe agung de a ionalen Eins ellung zu gesam en Lebens-
üh ung (zu de dann gehö en das A bei se hos, die echnische An-
sp echba kei usw.). („Was is eu opäische Kul u ? Ein Ve gleich mi
auße eu opäischen Kul u en.") — Alexande Rüs ow un e such e
„Das E be de An ike und den Einuß des Ch is en ums au die eu o-
päische Kul u ", ein Re e a , das einen wei gespann en Übe blick gab.
Es wu de sozusagen o gese z in einem an egenden Zwiegesp äch
in de Diskussion zwischen dem Re e en en und 0. H. on de
Gablen z (Be lin). Besonde s esselnd in diese Diskussion wa en
die Aussagen beide Redne zu Geis esgeschich e de Re o ma ions-
zei . — Hans Thieme (Gö ingen) s ell e in den Mi elpunk seine
ju is ischen Be ach ungen die Allgemeingül igkei und Unabhängigkei
des eu opäischen Rech semp indens, die e als wesen lichs es E be de
eu opäischen Rech sgeschich e o ge üh haben möch e („de Eu opäe
als Fak o und Lei ziel eine einhei lichen Rech skul u "). — In dem
e lesenen Vo ag on Eugen Lembe g (Kassel) „Eu opäische
Na ionalideen und eu opäische Na ionalismus" kam die gleiche posi i e
Bewe ung des Na ionalge ühls de eu opäischen Völke ü eine In e-
g ie ung Eu opas zum Ausd uck, wie sie auch die Aus üh ungen
Leopold on Wieses en hiel en. — Heinz Saue mann
(F ank u a. M.) sp ach übe die „Wi scha liche In eg a ion Eu opas"
und hob hie bei die g oße Au gabe de in e na ionalen Ka elle he o ,
ein Hinweis, de manchen Wide sp uch and. — „Das Wesen des Eu o-
päe s nach Äuße ungen Nie zsches" wu de da geleg du ch Ca l
Augus Emge (Mainz). Kla wu de he ausgea bei e , wie de
inne e Zwiespal bei Nie zsche nich übe wunden wu de: au de
einen Sei e de sa kas ische Gegne Eu opas, au de ande en de ie
in de eu opäischen Geis eswel Lebende. — In ku zen Zügen gab de
Be ich e s a e eine Da s ellung de eu opäischen Auswande ungen in
den le z en Jah hunde en und ging dann au die Möglichkei eine
Ve minde ung des gegenwä igen Völke d uckes du ch e meh e Aus-
wande ung ein. (Ka l Gus a Spech - Köln „Die Auswande e
aus Eu opa".) — De Kon e enz o si zende Leopold on Wiese
hiel das abschließende Re e a „Tendenzen de Assozia ion und Disso-
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.72.1.93 | Gene a ed on 2023-04-04 11:07:47