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Citoyen und Bourgeois

Abstract

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Citoyen und Bourgeois

Author: Wössner, Jakobus
Publisher: Berlin: Duncker & Humblot
Year: 1967
DOI: 10.3790/schm.87.6.691
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/291151/1/schm.087.6.691.pdf
Wössne , Jakobus
A icle
Ci oyen und Bou geois
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Wössne , Jakobus (1967) : Ci oyen und Bou geois, Schmolle s Jah buch ü
Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha , ISSN 1619-6244, Duncke & Humblo , Be lin, Vol.
87, Iss. 6, pp. 691-705,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.87.6.691
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/291151
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Ci oyen und Bou geois
Das Bü ge um als Soziale S uk u — Au gabe ode Ende?
Von Jakobus Wössne , Linz
I.
Das Bü ge um, on dem hie gesp ochen we den soll, ha mi dem
mi elal e lichen wenig ode ga nich s zu un. Da aus geh schon
he o , daß e schiedene Fo men des Bü ge ums un e schieden we -
den können. Das mi elal e liche Bü ge um ha e — wenigs ens nach
Ansich We ne Somba s — mi els ändische P ägung und s ell e
eine seh kohä en e soziale Schich mi kla um issenen Me kmalen
da : dem S ad leben, s ändisch ixie em sozialem S a us mi ge inge
Au s iegs- bzw. Abs iegsmobili ä , Beda sdeckungswi scha und
soziale Kon olle du ch einen hohen G ad on We konsensus. Vom
G oßbü ge um, dem Pa izia , heben sich Handwe ke , niede e Be-
am e und K äme ab. Die Bezugsg uppe des mi elal e lichen G oß-
bü ge ums wa schließlich meh und meh de Adel. Du ch Aushän-
digung on Adelsp ädika en im 18. Jah hunde gelang es diesen
g oßbü ge lichen G uppen, mi dem Adel gleichzuziehen.
Wenn wi hie on de K ise des Bü ge ums in de Kul u de
Gegenwa sp echen, so meinen wi dami eine soziale S uk u , die
jensei s de mi elal e lichen S ad lieg . Es handel sich um eine so-
ziale G oß-G uppe in den au kommenden na ionalen Flächens aa en
mi bes imm en Handlungss uk u en. Au G und eines gewandel en
Wel - und Menschenbildes, mi neuen philosophischen Ideen, mi de
En wicklung de Na u wissenscha und Technik, mi neuen poli i-
schen Mechanismen und schließlich mi de Indus ialisie ung wi d
hie eine soziale G uppe sich ba , die mi aszinie ende Übe zeu-
gungsk a ein Bild de menschlichen Gesellscha en wi , on dem
wi meinen, es sei in de Kul u de Gegenwa in die K ise ge a en.
Ausgangspunk eine Analyse diese K ise is ü uns die Un e -
scheidung on „Ci oyen" und „Bou geois". Es is au allend, daß diese
Un e scheidung kaum e wende wi d, wenn on de „K ise des
Bü ge ums" gesp ochen wi d. Die Ve mu ung lieg nahe, daß da ü
insbesonde e d ei G ünde maßgebend sind:
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692 Jakobus Wössne
1. De Beg i „Bou geois'6 ha schnell die Bedeu ung e lo en, die
e e wa noch bei Sain -Simon ha e. Im allgemeinen assoziie en
wi dami meis eine sozial-k i ische Bedeu ung. Wenn wi uns in
diesem Zusammenhang nu an zwei „bü ge liche66 In ellek uelle
ganz e schiedene Couleu , an Ka l Ma x und We ne Somba ,
e inne n, so s eh uns die sozialk i ische, plaka i e Ve wendung
des Beg i es „Bou geois66 deu lich o Augen. Demgegenübe ha
de Beg i des „Ci oyen66 als S aa sbü ge meh eine eindeu ig
o ensische Bedeu ung, de en Funk ion li e a ische und äs he i-
sche K i ik e ne zu liegen schein als de Beg i des „Bou -
geois66 und des „Bou geoisen".
2. Das schein wiede um da in seinen G und zu haben, daß mi dem
„Ci oyen66 und dem „Bou geois66 ganz e schieden s uk u ie e
Ve hal ens ypen angesp ochen sind. De Ve hal ens yp des „Bou -
geois66 deck neuzei lich meh die p i a e und gesellige sowie die
gesellscha lich-soziale Sei e des Lebens ab und eigne sich so he -
o agend zu Schilde ung on Ve hal ens ypen^ wie sie e wa in
den Buddenb ooks zum Vo schein kommen, um nu au eine
li e a ische Familie in de sozialk i ischen Typen eihe des „Bü -
ge ums66 hinzuweisen.
3. Mi de Un e scheidung on „Bou geois66 und „Ci oyen66 schein
ge ade eine S uk u on sozialem Ve hal en angezeig zu sein,
die e was in die K ise des Bü ge ums hineinleuch en kann: näm-
lich, daß de „Bou geois66 die en emde e Ges al des „Ci oyen66
is . Ode ande s o mulie : De im „Bou geois66 sich selbs be-
wuß gewo dene Mensch e such , seine mo alischen, 'äs he ischen
und konsum i en P i a in e essen mi Hil e des Ins umen es de
Ö en lichkei , des S aa es ode seine In e esseng uppen zu be-
iedigen, obwohl e ge ade du ch die Ö en lichkei , den S aa ,
die In e esseng uppe bü ge lich im Sinne des „Ci oyen66, d. h. an-
sp uchsbe ech ig und ansp udisk i isch gegenübe S aa und Ge-
sellscha gewo den is . Die Selbs en emdung des „Ci oyen66 in
de Ges al des „Bou geois66 is dann so gesehen eine s uk u elle
Di e enz on P i a hei und Ö en lichkei , de en He au üh ung
nich nu das Ve diens des Bü ge ums, sonde n zugleich auch
seine K ise bedeu e .
Alle dings muß dazu gleich gesag we den, daß ü einen g oßen
Teil de sogenann en „en wickel en66 Menschhei , also des Teiles
au dem Globus, de au dem No dgü el siedel , das P oblem, mi
dem wi uns beschä igen, d. h. also die K ise des Bü ge ums, be ei s
gelös zu sein schein . Die selbs e schulde e K ise des Bü ge ums,
ode um eine dialek ische Denk igu zu geb auchen, die en wicklungs-
geschich lich no wendige, bü ge liche Phase in de En wicklung zu
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Ci oyen und Bou geois 693
mode nen Gesellscha hin, wu de do in die sozialis ische S aa s-
und Gesellscha s o m hinein au gehoben. An de be ei s ge o enen
Un e scheidung on „Ci oyen" und „Bou geois" demons ie , heiß
das: De seinen p i a en und g uppenegois ischen In e essen nach-
gehende „Bou geois" wu de in den seinen P lich en gegenübe S aa
und Gesellscha bewuß gemach en „Ci oyen" zu ück e se z .
Inso e n hä en wi es also mi einem nachhinkenden Scheinp o-
blem zu un. Das um so meh , als wi scheinba o de Ta sache
s ehen, daß de s a ke En wicklungsd ang de sogenann en noch
„un e en wickel en" Menschhei au dem Südgü el des E dk eises
ge ade das Bü ge um in seine bou geoi&en Ges al übe sp ingen
möch e, um gleich un e Au nahme indus ielle Lebens o men eine
sozialis ische Gesellscha zu e ablie en. Soll e ein solch in endie e
Wei sp ung e olg eich sein, wü den wi uns dann nich in einem
in ellek uellen Nachhu ge ech bewegen, wäh end die en scheidende
Schlach be ei s o ges e n zuguns en des „Ci oyen" en schieden
wo den wä e?
Ohne F age gehö en die ge o enen Un e scheidungen und Ansä ze
mi zu P oblema isie ung und P äzisie ung des Themas. Wenigs ens
schließ ein olles P oblembewuß sein in eine Diskussion übe die
K ise des Bü ge ums solche F agen mi ein. F eilich, wollen wi uns
nich mi dem möglichen An i-Typus des Bü ge ums beschä igen,
sonde n mi den ypischen S uk u me kmalen des Bü ge ums selbs .
Und in diese Hinsich is es dem Soziologen eigen, seine F agen nich
in eine A his o ischem Längsschni zu s ellen. Vielmeh e aß e
seinen Gegens and du ch einen s uk u ellen Que schni , d. h. in
einem Modell, das in seine logischen Bes imm hei ope a ionale
Deu lichkei in dem Sinne au weis , daß die ange üh en S uk u -
me kmale des Bü ge ums an de his o ischen Wi klichkei übe p ü
we den können. Mi ande en Wo en: Was hie un e „Bü ge um"
zunächs im Sinne des „Ci oyen" e s anden we den soll, is eine
e kenn- und übe p ü ba e S uk u — ode S uk u en — eines so-
zialen und poli ischen Handlungszusammenhanges, de on eine be-
s imm en sozialen G oß-G uppe, eben dem Bü ge um, ge agen und
in einem his o ischen Kon inuum, das bis heu e anhäl und deshalb
k i isch abge ag we den kann, a ikulie wu de.
II.
E ö nen wi unse e S uk u analyse mi de be ühm en „Pa abole
Poli ique" on
Sain -Simon.
Dami wi d gleich deu lich, we mi dem
„Bü ge um" und de „bü ge lichen G uppe" gemein is . Nach diese
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694 Jakobus Wössne
„poli ischen Gleichnis ede" gib es in de S uk u de e olu ionä en
Gesellscha des damaligen F ank eichs, um dessen K i ik und K ise
es Sain -Simon zunächs einmal zu un is , zwei Reihen ode zwei
G uppen soziale Posi ionen: eine eudale, a is ok a ische G uppe und
eine bou geoise, eine bü ge liche G uppe. Au de einen Sei e inde
sich de B ude des Königs, die ganze königliche Familie, alle Wü -
den äge des S aa es und de Ki che und schließlich noch ausend
de eichs en, abe nich a bei enden G undbesi ze . Im Gegensa z
dazu zählen zu de bü ge lichen G uppe Geschä sleu e, Bankie s,
Kau leu e, Küns le , Philosophen, Beam e, Geleh e, Li e a en, Tech-
nike — also alles Leu e, on denen die En wicklung und E hal ung
de Gesellscha a sächlich abhäng , wäh end die Inhabe de euda-
len Posi ionen gleichsam unk ionslos ü die Gesellscha sind.
Gewiß me k man diesem Modell die k i isch-p o ozie ende Absich
ohne wei e es an. Jedoch ha de Beg i des „Bou geoisen" noch nich
die spä e e nega i e Bedeu ung. Sieh man ielmeh einmal on de
in ellek uellen Kons uk ion und de k i ischen Absich ab, so wi d
doch übe aus plas isch, um wen es sich zu diesem Zei punk bei den
„Bü ge lichen" handel . Es is nämlich jene G uppe on Leu en, die
geis ig, kul u ell und wi scha lich den sozialen Wandel on eine
ag a isch-handwe klich und s ändisch- eudalen Gesellscha ss uk u
zu eine echnisch-be ieblichen und wissenscha lich undie en, geis ig
mobilen Gesellscha anzeigen. Es handel sich um Leu e, die du ch
ih Bewuß sein und du ch ih e anges eb en sozialen Regelungs-
sys eme eine soziale G uppe, eben eine socié é, eben die „bü ge liche
Gesellscha " bilden, on de man, ohne sich eine Übe eibung
schuldig zu machen, sagen kann, daß sie du ch die Wandlung und
Ände ung de Sozials uk u in de Geschich e de menschlichen
Emanzipa ion eine auße o den lich s imulie ende Wi kung ausgeüb
ha .
Wodu ch und wie ha sich nun die Sozials uk u ypisch geände ?
Das is unse e F age nach dem Bü ge um als soziale S uk u .
Wi we den einige solche S uk u me kmale un e scheiden, on
denen wi glauben, daß sie ypisch^ wenn auch nich ausschließlich
sind. Es handel sich insgesam um olgende ün Me kmale: Den
Gesellscha s e ag, die ö en liche Meinung, die Un e scheidung on
Mo al und Poli ik (Gesellscha /S aa ), die Au onomie on Wissen-
scha , Kuns und Li e a u und um die Ma k gese zlichkei de
Wi scha als schließlich indus ielle Kapi alismus. Diese ün bü -
ge lichen S uk u me kmale sind insgesam unse es E ach ens kon-
s i u i ü die He au üh ung eine bes imm en sozio-poli ischen
Handlungss uk u , de en Ve assung schließlich in die P oblema ik
de mode nen Demok a ie einmünde .
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Ci oyen und Bou geois 695
III.
De Gesellscha s e ag is nich nu in in ellek uelle Hinsich ,
sonde n noch iel wich ige in e assungspoli ische Hinsich eine de
wich igs en Schöp ungen des bü ge lichen Geis es. Dahin e s eh die
F age nach de Legi ima ion de menschlichen O dnung.
So gesehen muß das Konzep des Gesellscha s e ages als ein
a ionales Ins umen angesehen we den, mi Hil e dessen de An-
sp uch des Bü ge ums au Besei igung bloße Un e anenscha , die
nich s zu en scheiden und mi zu eden ha , in Gang geb ach wi d. Das
heiß : Die Legi ima ion s aa liche He scha geh nich meh ein ach
aus eingeleb e Si e und geglaub e T adi ion he o , sonde n en -
sp ing je z eine Kon en ion, eine Übe einkun de Gesellscha s-
mi gliede un e einande . Du ch ih e Einsich und Zus immung kann
e s egie we den. Ob das nun im einzelnen Jean Jacques Rosseau,
Thomas Hobbes ode John Locke is : Im „Coni a Social" is die
Chi e ge unden, nach de im Beg i des S aa sbü ge s de Au s ieg
des Un e anen zum eigen lichen Gese zgebe im S aa e e olg .
Man muß nu einmal om jeweiligen his o ischen Anlaß absehen,
um au dieses bü ge liche P inzip zu kommen. Gewiß is es e wa bei
Thomas Hobbes noch nich so kla , abe doch als S uk u inaugu ie .
Wenn auch sein Sa z om „homo homini lupus" aus den englischen
Bü ge k iegswi en e s anden we den muß und e s die Bü ge au
G und diese si ua ioneilen E ah ung zu Einsich kommen, daß sie
zusammengenommen sich daizu en schließen müssen, eine s a ke
s aa liche Au o i ä zus ande kommen zu lassen, so sind es doch ih e
eigenen Rech e, die Rech e des Bü ge s, die an den Fü s en abge-
e en we den, dami e sie als Ga an de F iedenssiche ung e -
wal e. Das Neue jedoch an diesem Vo gang is dies: De Fü s , ode
was dasselbe is , das s aa liche Regimen ha e s du ch den Beschluß
und au G und de Rech e de Bü ge Au o i ä und Vollmach . Wenn
die Rech e de Bü ge zu diese Zei auch mi de en In e essen iden-
isch, sind, so zeig sich doch ein Ve häl nis on s aa liche Au o i ä
und s aa liche Legi imie ung eine sei s und bü ge lichen In e essen
und Rech en ande e sei s, das nich nu au eine ausbalancie e
ö en liche O dnung hinweis , sonde n gleichzei ig au einen ypischen
S uk u dualismus au me ksam mach .
In e essan dabei is , daß sich be ei s das Bü ge liche ä la bou -
geois melde . So is F ied ich Meinecke nich en gangen, daß eine
solche gesellscha s- ode s aa s e agliche Beg ündung de s aa -
lichen Au o i ä als Bandage bü ge liche Einzelin e essen be ei s zu
diese Zei da au au me ksam mach , daß sich hie bei Thomas
Hobbes un e de Decke des bü ge lich zuges andenen s aa lichen Ab-
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solu ismus das Neue des wes eu opäischen Indi idualismus und U ili-
a ismus he o a bei e . Es lieg de Ve such o , den S aa den An-
sp üchen de bü ge lichen Klasse anzupassen, wobei John Locke alle -
dings diese Ansp üche inso e n übe Hobbes hinaus p äzisie , als die
Rech e des Bü ge s au Eigen um, F eihei und pe sönliche Meinung
nich de s aa lichen Manipula ion un e wo en we den dü en. Diese
Rech e seien ielmeh Wesensp op ia des Menschen schlech hin und
inso e n einem s aa s eien Raum, eben dem Raum de bü ge lichen
Gesellscha als Exe zie eld o behal en.
Die Kons uk ion des Gesellscha s e ages du ch das bü ge liche
Bewuß sein mach au die Emanzipa ion desselben au me ksam. Sie
is inso e n ziel üh end, als das s uk u elle No uim: daß nämlich die
Legi imie ungsbasis s aa lichen Handelns nich meh adie e, ü s -
liche Willkü ode gö lich sank ionie e Gewohnhei sein kann, son-
de n aus de Kon en ion de S aa sbü ge he o geh ; daß sich also
dieses s uk u elle No um in die spä e en Ve assungen, gese zgeben-
den Ve sammlungen und in die sogenann en G und ech e des Men-
schen umse zen wi d. Inso e n inszenie hie das Bü ge um du ch
den Gesellscha s e ag eine soziale S uk u , die in das Emanzipa-
ionsgu des Menschen schlech hin Eingang ge unden ha . So gesehen
ha das S aa s e agsdenken ode die Kons uk ion des Gesellscha s-
e ages in seine Ve b ei e ung nich nu au das Ta i e ags-
wesen, au das Sozial- und Gesellscha s ech , um nu au einige Bei-
spiele hinzuweisen, eingewi k , sonde n is ganz g undsä zlich zu
mo alischen U sache gewo den, au welche die Legi imi ä sbasis
neuzei liche menschliche O dnung und ö en liche He scha be uh .
IV.
Mi de F age nach de Legi imi ä soziale O dnung und ö en -
liche He scha is ein wei e es bü ge liches P inzip eng e bunden.
Die S uk u de Ö en lichen Meinung komm in eine spezi ischen
Fo m mi dem Bü ge um au . Die angesp ochenen un e äuße lichen
Rech e des Menschen haben eine zwischenmenschliche Ins anz, übe
die hinweg sich die einzelnen Menschen e s ändigen können. Es gib
nämlich im Un e schied zum gö lichen Gese z und im Un e schied
zum s aa lichen Gese z und Rech nach bü ge liche Meinung noch
e was D i es: das sogenann e Philosophische Gese z. Dieses komm
nach Locke du ch einen geheimen und s illschweigenden Konsensus
de Bü ge , „by a sec e and aci consen ", zus ande. Es is das
„law o opinion and epu a ion". Seine Funk ion is „Billigung und
Mißbilligung, Lob und Tadel". Was sich „nach einem geheimen und
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Ci oyen und Bou geois 697
s illschweigenden Übe einkommen in den e schiedenen menschlichen
Gesellscha en, Klassen und Ve einen de Wel he ausbilde , (und)
wodu ch alle hand Handlungen dem U eil, den G undsä zen ode
de Mode jenes O es en sp echend Guns ode Unguns zu eil wi d'"
(Essay II. 28.10.).
Wenn man weiß, daß die He o hebung des Philosophischen Ge-
se zes als Gese z de ö en lichen Meinung gegen die Pa ia chal-
heo ie eines Si Robe Filme ge ich e wa , nach de die Völke
Eigen um de Fü s en sind, so wi d e s ändlich, wa um Locke mi
seinem Gese z de ö en lichen Meinung eine solche Wi kung e zielen
konn e. Nich s ande es nämlich sp ach sich da in aus als die e wach e
Indi iduali ä und das Selbs bewuß sein des Bü ge ums. Man is de
Meinung, daß au die Daue alle ode iele (es is na ü lich an das
Bü ge um gedach ) meh wissen und wenige i en als jeweils nu
ein Einzige ode ein paa Wenige.
Ö en lichkei und ö en liche Meinung bedeu en also im Zusam-
menhang mi dem Bü ge um die Ta sache, daß nich nu alle sozial
bedeu samen Handlungen und P ozesse du ch die Kon olle und K i-
ik de i gendwie dami be aß en ode be o enen G uppen gehen
muß, sonde n daß da ü auch ein ins i u ionelle Rahmen gescha en
we den muß, de besonde s im „Pa lamen " sich ba wi d. Hie , im
Pa lamen , komm die bü ge liche Au onomie poli isch zum Zuge.
De ehemals hypos asie e S aa wi d de Tendenz nach zum exeku-
i en Aus üh ungso gan soziale , d. h. zu diesem Zei punk bü ge -
liche Ansp üche.
Abe auch hie is de Januskop zu sehen: Das s aa sbü ge liche
Elemen zeig sich in de Kon olle und Mi sp ache in allem, was
ö en liche Angelegenhei is ode sein soll; das bou geoise Elemen :
Manipulie ba kei de ö en lichen Meinung, de s aa lichen Ins i u-
ionen zuguns en e einzel e ode g uppale In e essen un e Hin an-
se zung des Allgemeinen In e esses. T o z diese ambi alen en Mög-
lichkei da abe auch hie das s uk u elle No um dieses Vo ganges
nich übe sehen we den, nämlich: daß in de Handlungss uk u
„ö en liche Meinung" eine Pla o m e ich e is , au de soziale
Ansp üche zu Sp ache kommen, kon ollie und ko igie we den
und au s aa liche Ebene mi de s aa lichen Au o i ä du ch die In-
s i u ion des Pa lamen s poli isch e bunden we den. Ein bis heu e
dynamisch gebliebene Vo gang.
V.
Eine wei e e ypische S uk u des Bü ge ums is de Dualismus
on Mo al und Poli ik. Diese uh dem Dualismus on Gesellscha
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698 Jakobus Wössne
and S aa , on. Ö en lichkei und Au o i a ismus au und geh di ek
da aus he o .
Wi haben bis je z schon on de He ausbildung de bü ge lichen
In e essensphä e, die sich auße - ode nebens aa lich als „Gesell-
scha ", als „¡Socié é" chi ie , gesp ochen. Ebenso on dem exeku-
i en Kon ollo gan diese bü ge lichen Gesellscha in Fo m de
ö en lichen Meinung. Hin e g und diese En gegense zungen is die
geglaub e Übe legenhei de bü ge lichen Mo al übe die s aa lich
beansp uch e Absolu hei , wobei ü Mo al auch Ve nun au onomie
eingese z we den kann, und ü Poli ik au o i ä e Mach . Die Ab-
we ung de Poli ik s amm aus diese Zei und is ein bü ge liches
E kennungse ike . De bü ge liche In ellek uelle is an i-au o i ä
und libe al. E is des Glaubens, daß die Mo al de ö en lichen
Meinung imme höhe zu s ehen komm als undisku ie e und dami
le z lich unkon ollie e Mach ausübung. De mo alische P o es und
de so zum Ausd uck kommende Mach e dach , e bunden mi eine
gewissen nüch e nen Rese e gegen jede Ausdehnung on S aa s ä ig-
kei , is ein s uk u elles und da um pe manen es Signum bü ge -
liche Mo al.
In diesem Sinne muß F ied ich de G oße e s anden we den, de
in seinem Tes amen deu lich mach : „Ich ho e, daß die Nachwel ,
ü die ich sch eibe, den Philosophen in mi om Fü s en und den
ans ändigen Menschen om Poli ike un e scheiden wi d." Poli isch
Lied is je z , nach Goe he, ein ga s ig Lied. Und F ied ich Schille
sp ich in seinem be ühm en Mannheime Vo ag übe „Die Schau-
bühne als mo alische Ans al " ganz in diesem bü ge lichen! Sinne:
„Die Ge ich sba kei de Bühne äng do an, wo das Gebie de
wel lichen Gese ze sich endig ." Denn „nu do hö en die G oßen
de Wel das, was sie in ih e Eigenscha als Poli ike nie ode
sel en hö en, den Menschen". In Don Ca los seu z de bü ge liche
Mensch nach Gedanken eihei .
VI.
Dami komm eine wei e e S uk u des Bü ge ums in den Blick-
punk : die F eihei ode Au onomie on Li e a u , Kuns und Wis-
senscha . De Fall Galilei s eh ü le z e e, die ange üh en li e a-
ischen Zeugnisse und die ganze Au klä ungsphilosophie ü e s e e.
S oßpunk is wiede um au o i ä e Mach , dogma isie e T adi ion
und schließlich auch eligiöse Be angenhei und ki chliche Vo mund.
Die nachkons an insche sozial-s uk u elle Dominanz de Ki che wi d
je z du ch die Geleh en und Küns le au gekündig . In de „Ge-
leh en epublik" als dem Reich de K i ik wieg de bü ge liche Geis
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Ci oyen und Bou geois 705
opposi e o a cle ical ( e ealed) eligion, and he dis inc ion o s a e and socie y
wi h ce ain p e-s a e undamen al igh s o he ci izen.
These s uc u al elemen s being democ a ized and he ci izen's undamen al
igh s being socially ealized o all membe s o socie y (including wo ke s), he
"Bii ge um" canno be ega ded any longe as a homogeneous g oup o socie y.
The e m "class" was eplaced by social s a a, whose membe s can mo e eely
om one ank o a highe one. I becomes di icul , howe e , o con ey he
pe cep ion o social and poli ical (ci oyal) esponsibili y o he membe s o he
di e en s a a.
The men ioned "middle class s uc u es" ob iously ailed o become a las ing
pa o social li e in Ge many in he nine een h cen u y. This ailu e had s ong
in luences on he wen ie h cen u y. The easons seem o be he concep o he
s a e, he Ge man humanis ic concep o educa ion and he economic o ganisa ion
o ising indus ialisa ion.
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.87.6.691 | Gene a ed on 2023-04-04 11:40:38