Kla , Nikolina
A icle
Zwischen Fo sch i und Rücksch i : De komplexe Kamp
um F auen ech e wel wei
WZB-Mi eilungen: Qua alshe ü Sozial o schung
P o ided in Coope a ion wi h:
WZB Be lin Social Science Cen e
Sugges ed Ci a ion: Kla , Nikolina (2024) : Zwischen Fo sch i und Rücksch i : De komplexe Kamp
um F auen ech e wel wei , WZB-Mi eilungen: Qua alshe ü Sozial o schung, ISSN 2943-6613,
Wissenscha szen um Be lin ü Sozial o schung (WZB), Be lin, Iss. 183 (1/24), pp. 33-36,
h ps://biblio hek.wzb.eu/a ikel/2024/ -26070.pd
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Zwischen Fo sch i
und Rücksch i
De komplexe Kamp um F auen ech e wel wei
In Sachen F auen ech e bie e sich wel wei ein ielschich iges, ja
wide sp üchliches Bild. Fo sch i en in einigen Be eichen s ehen
Rücksch i e in ielen ande en gegenübe . Dabei sind manche En -
wicklungen übe aschend. Auch in Demok a ien, die doch adi ionell
die Gleichs ellung de Geschlech e als Eckp eile eine ge ech en und
o sch i lichen Gesellscha ö de n, zeigen die jüngs en T ends, dass
diese We e zunehmend un e Beschuss ge a en. Gleichzei ig üh en
einige Au ok a ien Re o men ein – wenn auch nich aus emanzipa o i-
schen Mo i en.
Nikolina Kla
Demok a ische We e s ü zen die Gleich-
s ellung de Geschlech e , da diese en -
scheidend zu eine ge ech en und o -
sch i lichen Gesellscha mi gu e Rep äsen-
a ion bei äg . Geschlech e ge ech igkei in
Demok a ien ha iele Ebenen wie indi iduelle
poli ische Be ähigung, Teilhabe und die Quali ä
de demok a ischen Ins i u ionen. Fo schungen
aus meh als zwei Jah zehn en belegen diesen
Zusammenhang.
Das Wahlsys em als Fundamen jede Demok a-
ie spiel eine wich ige Rolle ü poli ische S ä -
kung und Teilhabe. Meh hei swahlsys eme, bei
denen in de Regel eine Pe son p o Bezi k ge-
winn , beein äch igen häu ig die Ve e ung on
F auen. Im Gegensa z dazu bie en ihnen Ve häl -
niswahlsys eme, bei denen Si ze je nach An eil
de S immen ü jede Pa ei e geben we den,
im Allgemeinen besse e Chancen. Ein en schei-
dende Fak o is auße dem die Wahlbe eiligung:
Eine höhe e Wahlbe eiligung is mi eine besse-
en Ve e ung on F auen in legisla i en Funk-
ionen e bunden. Diese Zusammenhang zeig ,
wie wich ig es is , Wahlp ozesse so in eg a i zu
ges al en, dass sich iele be eiligen können.
Ein wei e es en scheidendes Elemen is die
Quali ä de Demok a ie: Wie o en und in eg a-
i sind ö en liche Deba en und Ins i u ionen?
Wenn F auen eine s ä ke e S imme in de Le-
gisla i e, in de Zi ilgesellscha und in den
Medien haben, ha dies e hebliche posi i e
Auswi kungen au Gese zes e o men und Fo -
„Auch Au ok a ien haben
iele Re o men zu Gleich-
s ellung de Geschlech e
einge üh , zum Beispiel
Quo en bei Wahlen“
Ti el hema 33
sch i e bei den F auen ech en. Diese Be eiche
bie en F auen die Möglichkei , Deba en zu ge-
s al en und gegen Einsch änkungen ih e
Rech e und ih es Wohle gehens anzugehen.
Auch Au ok a ien haben iele Re o men zu
Gleichs ellung de Geschlech e einge üh ,
zum Beispiel Quo en bei Wahlen. Das s eh zu-
nächs im Gegensa z zum üblichen Bild on
Au ok a ien als on Na u aus ep essi . Es ha
sich gezeig , dass au o i ä e Regime die Rech e
on F auen nich nu als soziales Gu be ach-
en, sonde n sie auch als s a egisches poli i-
sches Ins umen einse zen.
Das Konzep des „au ok a ischen Gende was-
hings“ besch eib , wie Au ok a en F auen-
ech s e o men s a egisch einse zen, um on
undemok a ischen P ak iken und Menschen-
ech s e le zungen abzulenken. So haben eini-
ge au o i ä e Lände beme kenswe e Fo -
sch i e bei de poli ischen Einbeziehung on
F auen e ziel , mi einem höhe en F auenan eil
in Pa lamen en als in manchen Demok a ien.
Mi solchen Re o men e suchen sie, poli ische
Un e s ü zung und Legi imi ä zu gewinnen.
Diese Ansa z is wenige iskan ü ein Re-
gime, als wenn es um assende e bü ge liche
F eihei en gewäh , was die Opposi ion s ä ken
und le z lich die S abili ä des Regimes ge äh -
den könn e. Ein Beispiel hie ü is Ruanda. De
os a ikanische S aa ha e hebliche Fo sch i -
e bei de poli ischen In eg a ion on F auen
gemach und wi d o un e die Lände mi
dem höchs en F auenan eil an Pa lamen ssi -
zen de Wel gezähl . Diese E ungenscha
s eh jedoch im b ei e en Kon ex beg enz e
poli ische und bü ge liche F eihei en in ei-
nem als au o i ä zu bezeichnenden Regime.
In einigen au o i ä en Kon ex en sind E wei e-
ungen on F auen ech en eine Reak ion au
in e na ionalen D uck. Au ok a en können Ge-
se ze zum Umgang de Geschlech e e lassen,
um zu signalisie en, dass sie sich an globale
No men hal en. Diese S a egie dien einem
doppel en Zweck: Sie e mi el de in e na io-
nalen Ö en lichkei ein Bild des Fo sch i s in
Rich ung Demok a ie, abe gleichzei ig bleib
au o i ä e Kon olle gewah . Solche Maßnah-
men können als Fo sch i e bei de Gleichs el-
lung de Geschlech e wah genommen we den,
selbs wenn sie nich unbeding poli ische
Rech e s ä ken.
Insgesam muss gesag we den, dass auch in
Demok a ien die Rech e de F auen zunehmend
un e D uck ge a en. Sowohl in neuen als auch
in e ablie en Demok a ien komm es zu demo-
k a ischen Rücksch i en und e meh gleich-
s ellungs eindliche Poli ik. Fü F auen ech e,
insbesonde e ih e ep oduk i en Rech e, is
das ein nennenswe es P oblem. Diese T end
is nich au eine bes imm e Region ode ein
bes imm es Land besch änk ; das Phänomen is
ielmeh in e schiedenen Demok a ien, e wa
in Mi el- und Os eu opa und in den Ve einig-
en S aa en, zu beobach en. In Eu opa is ein
T end zu En demok a isie ung es zus ellen,
und in manchen Lände n we den dabei e ab-
lie e Gleichs ellungs ech e zu ückgenommen.
Diese Rücksch i äuße sich häu ig nich als
di ek e Umkeh ung de Poli ik, sonde n au
sub ile e Weise: Die Mechanismen zu Umse -
zung und Kon olle de bes ehenden Gleich-
s ellungsgese ze we den ausgehöhl . Dass die
Legi imi ä und die Wi ksamkei on Gese zen
beein äch ig wi d, ge äh de abe nich nu
die Gleichs ellung de Geschlech e , sonde n
den demok a ischen P ozess als ganzen.
In den Ve einig en S aa en ha e de Rückgang
de Demok a ie s a ke Auswi kungen au die e-
p oduk i en Rech e: Jüngs wu den Ab eibungs-
gese ze geände und Wahl ech e on Menschen
mi nied igem Einkommen, Menschen mi Behin-
de ungen und People o Colo du ch Maßnahmen
wie Ge ymande ing, also einem e ände en
Zuschni on Wahlk eisen, eingesch änk . Solche
Einsch änkungen können dazu üh en, dass ge-
se zgebende G emien nich ep äsen a i ü die
Gesam be ölke ung sind und Gese ze e abschie-
Nikolina Kla is wissenscha liche Mi a bei e in
in de Ab eilung T ans o ma ionen de Demok a-
ie. In ih e Fo schung be ass sie sich mi dem
Ve häl nis zwischen Regimewechseln und ep o-
duk i en Rech en. nikolina.kla[email p o ec ed]
Fo o: © WZB/p i a , alle Rech e o behal en.
34 | Mi eilungen He 183 Mä z 2024
den, die e wa den Zugang zu ep oduk i en Rech-
en e schwe en. Die Au hebung des Rech s au
Ab eibung in eine Ve assung sch änk nich
nu die Au onomie de F auen im Blick au Fo -
p lanzung ein, sie zeig auch, dass die demok a i-
schen We e allgemein e odie en. Denn die F ei-
hei zu Selbs bes immung übe den eigenen
Kö pe is ein g undlegendes demok a isches
P inzip. Die Einsch änkung diese F eihei e -
le z die pe sönliche Au onomie und un e g äb
das demok a ische Ideal de Gleichhei o dem
Gese z. Diese Tendenzen e s ä ken sich gegen-
sei ig: In dem Maße, in dem demok a ische Ins i-
u ionen und P ozesse schwäche we den, sind
die Rech e und F eihei en on F auen, insbeson-
de e im Hinblick au ih e ep oduk i e Gesund-
hei , zunehmend ge äh de .
Eine g oße He aus o de ung ü die Gleichs el-
lung de Geschlech e in den bes ehenden De-
mok a ien s ell die An i-Gende -Poli ik da ,
die sich im le z en Jah zehn in Eu opa he aus-
gebilde ha . Diese Bewegung is meh als eine
Fo se zung de an i eminis ischen Gegen eak-
ion de 1970e Jah e. Sie s ell eine neue poli-
ische Kon igu a ion da und is zu einem
Schlüsselelemen des au kommenden Rech s-
populismus gewo den, de sich die gesell-
scha lichen Ängs e und die Unzu iedenhei
mi de neolibe alen Poli ik zunu ze mach .
De Ke n de An i-Gende -Poli ik lieg in de
Opposi ion zu sogenann en Gende -Ideologie,
also p og essi en Ansich en zu F auen- und
LGBTQ-Rech en, Gende -Mains eaming und
Gende S udies. Diese Opposi ion geh on
ech spopulis ischen Pa eien und ul akonse -
a i en Bewegungen aus, die libe ale Eli en als
„Kolonisa o en“ da s ellen, die de Gesellscha
emde Ideologien au zwingen. Ih e Opposi ion
s ellen sie dami in einen an ikolonialen Kon ex
– eine Rahmung, die de An i-Gende -Bewegung
ideologische Kohä enz e leih und ih e Mobili-
sie ungsk a s eige . Ein beme kenswe e
Aspek diese An i-Gende -Bewegung is ih e
„Die F eihei zu Selbs -
bes immung übe den
eigenen Kö pe is ein
g undlegendes demok a-
isches P inzip“
Ti el hema 35
bewuss seinsp ägende S a egie. Sie s eb nich
nu nach poli ische Mach , sonde n ziel da au
ab, ein neues Pa adigma in den Sozialwissen-
scha en zu e ablie en, das au eligiös undie -
en Glaubenssys emen übe Familie, Sexuali ä
und Gesellscha be uh . Dazu gehö auch die
Scha ung eines neuen Geschlech e wissens, das
die e ablie e eminis ische und geschlech e -
wissenscha liche Fo schung in F age s ell .
In de Eu opäischen Union, die die Gleichs el-
lung de Geschlech e als eine ih e g undle-
genden No men be ach e , is de Au s ieg de
An i-Gende -Bewegungen besonde s beme -
kenswe . Diese Bewegungen sind im Ge olge
wi scha liche und soziale K isen gewach-
sen, sie se zen sich die En demok a isie ung
on En scheidungsp ozessen und das Zu ück-
d ängen de Gleichs ellung de Geschlech e
zum poli ischen Ziel. Lände wie Unga n sind
eind ucks olle Beispiele ü diesen T end. Hie
wu den na ionalis ische und konse a i e Vo -
s ellungen on Familie und Geschlech dazu
benu z , gegen die ep oduk i en Rech e on
F auen o zugehen. Die unga ische Regie ung
ände e Ve assung und Gese ze, um he e o-
no ma i e Familienkonzep e du chzuse zen
und den Zugang zu Ab eibung einzusch än-
ken. Das zeig , wie eine geschlech e eindliche
Poli ik zu konk e en poli ischen Ve ände un-
gen üh en kann. Ähnliche Mus e sind in Po-
len mi einem nahezu olls ändigen Ab ei-
bungs e bo auszumachen. Dieses Ve bo is
ein Beispiel da ü , wie geschlech e eindliche
Poli ik die G undp inzipien de Gleichs ellung
de Geschlech e und de au onomen Ve ü-
gung on F auen übe ih e ep oduk i en
Rech e ie g ei end beein lussen kann.
O ensich lich inde de Kamp ü F auen-
ech e und Gleichs ellung in allen poli ischen
Sys emen s a . Ob in Demok a ien ode Au o-
k a ien – je nach poli ischem Kon ex we den
diese Rech e s a egisch genu z , in F age ge-
s ell ode un e g aben. Als selbs e s ändlich
kann die Gleichs ellung de Geschlech e in
keinem poli ischen Kon ex gel en. Wie die De-
mok a ie, so müssen auch F auen ech e wel -
wei e eidig we den.
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„Die unga ische Regie-
ung ände e Ve assung
und Gese ze, um he e o-
no ma i e Familienkon-
zep e du chzuse zen“
36 | Mi eilungen He 183 Mä z 2024