Ziegen uß, We ne
A icle
WERNER SOMBART – Geis , Gesellscha und Wi scha
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Ziegen uß, We ne (1949) : WERNER SOMBART – Geis , Gesellscha und
Wi scha , Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha , ISSN
1619-6244, Duncke & Humblo , Be lin, Vol. 69, Iss. 3, pp. 1-26,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.69.3.1
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257] 1
WERNER SOMBART
Geis , Gesellscha und Wi scha
Von
We ne Ziegen uß, Be lin
Inhal s e zeichnis: I. Ve schiedene Beg i e „Geis " S. 3 — II. Keine his o isch-
psychologische Ablei ung des Geis es S. 6 — III. „Ve geis ung" und „Ra ionalisie ung"
S. 12 — IV. Kapi alis ische Geis und soziale Wi klichkei S. 17 — V. Sozialismus S. 20.
Vielleich schwie ige noch als ü ande e Wissenscha en, die in
ähnliche Lage sind, is es ü die Soziologie, in Zei en dogma isch-
poli ische Auseinande se zungen ih en sachlichen Gegens and scha
und es im Auge zu behal en, ih en E kenn nisweg aus eigene Ve -
an wo ung unbeein luß on äuße lichen Mo i en wei e zugehen und
sowohl an posi i en Einsich en wie an me hodische Kla hei o -
sch ei end zu gewinnen, obgleich ih e S ellung im Sys em de Wissen-
scha en du chaus nich als allgemein ane kann und sachlich gesiche
gel en kann. Die Vo he scha eines pa eipoli isch und s aa lich
ok oyie en Dogmas ollends wi k kaum in einem ande en wissen-
scha lichen Fo schungsk eis so leich und so g ündlich e wi end
wie in de A bei de Gesellscha swissenscha , die sowohl imme da -
au angewiesen is , aus dem denkend e leb en gesellscha lichen Dasein
S o und An egung zu inden, als auch ih e E kenn nisme hode ei-
hal en muß on auße wissenscha lichen Zwecken und Tendenzen. Es
sind noch nich zwei Jah zehn e e gangen, sei in Deu schland mi
dem „Handwö e buch de Soziologie" eine e s e zusammen assende
Übe sich übe jenen G undbes and an E kenn nissen und Me hoden
es geleg wu de, de inmi en eine lebha en Bewegung als e häl -
nismäßig allgemeingül ig ane kann we den konn e. Sei dem muß e die
Soziologie aus G ünden, die nich bei ih selbs lagen, in den Hin e -
g und a en, und wenn sie nunmeh auch wiede eie a bei en kann,
so muß sie doch auße den iele o s kaum zu übe windenden allge-
meinen Schwie igkei en unse e kul u ellen und p ak ischen Si ua ion
noch die Au gabe bewäl igen, sich on neuem au ih e G undlagen zu
besinnen und wiede anzuknüp en, wo allzu iele ohnedies nich seh
s a ke Gedanken äden ze issen sind. Es kann sich dabei zunächs
nich einmal so seh da um handeln, den Gesam bes and ih e E -
Scbmolle s Jah buch LXiX, 3 i*
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2 We ne Ziegen uß [258
kenn nisse neu und eiche zu en al en. Diese Au gabe bleib eine
kün igen Zusammena bei de nich seh zahl eichen wissenscha -
lichen Soziologen in unse em Land un e einande und de Auswe ung
de wiede zugänglich we denden Fo schungse gebnisse des Auslandes
o behal en. Zunächs komm es da au an, die g undsä zlichen Be-
s immungen und die Einsich en, die den Rahmen und die Ka ego ien,
die Me hode und das E kenn nisziel de Soziologie klä en, wiede
lebendig zu machen, sowei sie ühe be ei s e a bei e wo den wa en.
In diesem Sinn wollen die olgenden Beme kungen de Rückbesin-
nung au jenen geis igen S ando dienen, on dem aus eine de uch -
ba s en Geis e in dem Be eich de wi scha sgeschich lichen und
wi scha soziologischen Fo schung, We ne Somba , eine auße -
o den liche Fülle nich allein on E kenn nissen zu P oblema ik de
mode nen Wi scha sgesellscha , sonde n auch on p inzipiellen Klä-
ungen o allem zu dem Zusammenhang on Wi scha und Gesell-
scha , on Na ionalökonomie und Soziologie uns geschenk ha . Es kann
na ü lich nich die Au gabe eine knappen Skizze sein, die wissenscha -
lichen Fo schungse gebnisse aus dem We ke des so ungemein ielsei igen
Geleh en o Augen zu üh en. Diese sind in den G undbes and de
wi scha swissenscha lichen E kenn nis und P oblema ik hinein e -
a bei e wo den und haben de Soziologie zumindes eine Fülle on
An egungen und einzelnen Einsich en bei ih em Bemühen um die E -
o schung de mode nen eu opäisch-ame ikanischen gesellscha lichen
Wi klichkei übe mi el . In diese Hinsich wi d die posi e Einzel-
o schung den übe kommenen E ag au nehmen, p ü en, e gänzen und
umbilden. Da übe hinaus bes eh die Au gabe, das Wi scha sleben
nach dem on Somba mi dem Beginn des e s en Wel k ieges an-
gese z en Ende de „hochkapi alis ischen" Wi scha sepoche in glei-
che enzyklopädisch-sys ema ische Weise zusammen assend o Augen
zu s ellen, wie Somba das eu opäische Wi scha sleben „his o isch-
sys ema isch" in seinem g öß en We k, dem „Mode nen Kapi alismus",
du chdach ha . Bislang is eilich wede in de allgemeinen ealen
gesellscha lich-ökonomischen Geschich e unse e Gegenwa noch im
Fo sch ei en de wissenscha lichen E kenn nis de Augenblick spü -
ba gewo den, de ein solches Un e nehmen e olg e sp echend e -
scheinen lassen könn e. Was abe heu e be ei s nich ganz unnü z sein
dü e, is die P ü ung einzelne Beg i e und Bes immungen, mi
denen ein Meis e wie Somba seine Au assungen und seine Me hode
sich und uns ha klä en wollen. Dabei kann es sich nu um einige Mo-
men e und Thesen handeln, die wi he auslösen, weil sie ü die kün -
ige En wicklung de beiden mi einande eng e bundenen P oblem-
s ellungen de Soziologie und de Na ionalökonomie besonde s bedeu -
sam e scheinen. Es wi d schon einiges gewonnen sein, wenn es geling ,
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259] We ne Somba — Geis , Gesellscha und Wi scha 3
gewisse Beg i e, die nich imme gleichmäßig genau ge aß e scheinen,
schä e zu p o ilie en und es dü e im Geis e Somba s sein, de
seinem me hologischen Haup we k „Die d ei Na ionalökonomien" das
Mo o gab: „Qui bene dis ingui , bene doce ", wenn wi auch seine
eigenen Beg i sbildungen k i isch p ü en. Es wi d sich zeigen, daß
sein nich imme ganz p äzis scheinende Sp achgeb auch nich allein
du chaus konsequen is , sonde n daß sons leich übe sehba e Tönun-
gen des Beg i s du ch eine zunächs kaum au allende Ve schiedenhei
im Wo geb auch deu lich zum Ausd uck gelangen.
Wi nehmen es uns o , den Beg i des „Geis es", de bei Somba s
Deu ung des Wi scha slebens und de gesellscha lichen E scheinun-
gen eine so he o agende Rolle spiel , zu klä en, und wi wählen als
Beispiel hie bei o allem Somba s Theo ie des „kapi alis ischen Wi -
scha ssys ems". Die ungeheu e Fülle an E kenn niss o , die Somba
mi seinem „his o isch-sys ema ischen" Gedankenge üge wissenscha -
lich bewäl ig und die in dem We k übe den „Mode nen Kapi alismus"
als die Da s ellung des „gesam eu opäischen Wi scha slebens on
seinen An ängen bis zu Gegenwa " e schein , und die ielsei ige und
beg i lich di e enzie e Mannig al igkei on De ails, zu de e seinen
Fo schungse ag en al e , können ü den wenige k i isch einges ell-
en Soziologen ode Na ionalökonomen as no wendig den Eind uck
e wecken, als sei das mode ne Wi scha sleben wesenseins und um-
angsmäßig in Deckung mi jenem speziellen Wi scha ssys em, das
Somba das „kapi alis ische" nenn , und da an könn e sich eine Iden i-
izie ung de mode nen „bü ge lichen" Wi scha mi dem Sozial-
ge üge de kapi alis ischen Wi scha knüp en, de en poli ische Konse-
quenzen dann naheliegen wü den. Auch um eine solchen i ümlichen
Ineinsse zung en gegenzuwi ken, we den wi die p inzipiellen G enzen
p ü en, die einem de a igen beg i lichen Schema ges eck sind. Von
diesem Beispiel aus können wi uns wei e üh en lassen zu den sich
zwanglos da an knüp enden F agen des Zusmmenhanges on Gesell-
scha und Wi scha und de Zusammengehö igkei on Na ional-
ökonomie und Soziologie.
I. In seinem e kenn nisk i ischen Haup we k „Die d ei Na ional-
ökonomien" (1930) bes imm Somba das „Wi scha ssys em" am
Beispiel des „Kapi alismus" als „Mus e " eines „S ilzusammenhangs".
Als einen solchen bezeichne e „einen Zusammenhang, bei dem alle
einzelnen Ta bes ände zwa nich zweckbezogen, weil kein einhei -
liche gese z e Zweck o handen is , abe doch — und zwa auch
eali e (an sich selbs )
—
sinnbezogen, die Handlungen also sinno ien-
ie sind, weil de ,Sinn' des Ganzen den Sinn jede Einzele scheinung
bes imm " (S. 211 .). Beweis hie ü is , daß „die einzelne Un e neh-
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4 We ne Ziegen uß [260
mung, de einzelne Lohn e ag, die einzelne Buchung" ih en „Sinn"
inden „im Sinn des kapi alis ischen Wi scha ssys ems; jede A bei e
handel o ien ie 4 am ,Geis des Kapi alismus"6 (S. 212). Diese Fo mu-
lie ung mag s ell e e end s ehen ü ähnliche Bes immungen in
ande en Zusammenhängen ( gl. e wa noch Handwö e buch de Sozio-
logie, 1931, S. 258 .). Vom Ve s ändnis dessen, was Somba un e
„Geis " und „Sinn" e s eh , häng es also ab, ob wi Gegens and und
Lei hema seine Haup we ke ich ig beg ei en. Somba weis selbs
da au hin, wie ieldeu ig de Beg i des Geis es is („Vom Menschen",
1938, S. 16 .). Wi können dahe nich übe asch sein, wenn wi auch
im Sp achgeb auch Somba s eine ganze Reihe on Bedeu ungen dieses
Ausd ucks es zus ellen haben. Wi zählen au , ohne Ansp uch au
Volls ändigkei e heben zu wollen:
1. „Alle Gesellscha is Geis ". Das bedeu e „die Ta sache de
Ve bundenhei de Menschen" („Soziologie, was sie is und was sie
sein soll", 1936, S. 23). Geis is das on ologische Wesen de Ge-
sellscha . E ha uni e sellen Cha ak e .
2. „Ein sich eine Meh hei im Geis e, so bilde sie einen Ve band"
(Handwö e buch de Soziologie, S. 29). Geis gewinn unk io-
nale Bedeu ung als P inzip de Einung zu gene ellen Fo men des Zu-
sammenlebens, den „Ve bänden". Die „Geis ha igkei " mach „das
menschliche Dasein zum Ve bandsein", heiß es mi einem Anklang an
die e s genann e Bedeu ung (a. a. 0. S. 222).
3. In de Ges al des „Idealen" scha de Geis eine besonde e
A on Ve bänden, die „idealen" ode „ech en". Es e schein ein
„i gendwelches Geis ige: die Idee de Familie, die T adi ion, das
To em ie , die Ve assung, die bewuß e leb e Geschich e" und „mach
diese G uppen Blu s e wand e zu Ve bänden" (Handwö e buch d, S.,
S. 224). Dami i das Geis ige als ein Inhal liches au und wi k
gleichzei ig als Fo mmomen gegenübe ande en on ihm unabhängigen
Gegebenhei en. Es e schein de Beginn eines Dualismus zwischen Geis
und Nich geis . Diese wi d deu liche , sobald nich meh die sozialen
Beziehungen schlech hin Geis sind, sonde n
4. „alles, was an (!) den sozialen Beziehungen Geis is ", als die
„F o m" bezeichne , „alles üb ige" zum „Inhal " wi d (a. a. 0. S. 223).
Das Geis ige als das Fo mmomen bleib dabei das die Ve bindlichkei
beg ündende gesellscha liche Wesen und als solches ein Allgemeines
gegenübe dem besonde nden „Inhal ". Einen höhe en G ad on Eigen-
bedeu ung gewinn de Geis , wenn e Inhal e, die e in sich au nimm ,
k a seine Fo mung objek i ie . Es e schein dann de Geis als
5. selbs gegens ändliche „Sinnzusammenhang", abgelös
on dem Menschen. Diese kann sein Ve hal en dem „objek i ie en"
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261] We ne Somba — Geis , Gesellscha und Wi scha 5
Geis gegenübe „adäqua " ode „inadäqua " ollziehen (a. a. 0. S. 222).
Beispielsweise is in diesem Sinn die Wi scha objek i ie e , „niede -
geschlagene " Geis („Die d ei Na ionalökonomien", S. 210). Da übe
hinaus können
6. besonde eZwecke du ch sie bes imm e O ganisa ionen als
geis ig „objek i e" kons i uie en (Handwö e buch d. S., S. 222). Hie
e schein dann am Ende de „Geis eines Kollek i s ... selbs ändig ...
neben und auße diesem" („Vom Menschen", S. 233). Das besag , daß
in solchen Fällen, in denen das Geis ige sich zu eine eigenen Po enz
he ausbilde , es übe jenen Cha ak e de „Objek i ie hei " hinaus,
de den Geis be ei s aus dem unmi elba en Lebenszusammenhang
lös , ge adezu neben und auße halb de gesellscha lichen Wi klichkei
zumindes gedach we den muß.
Die bishe au ge üh en Bedeu ungen des Geis beg i s haben ih en
Sinn in de Soziologie und Wi scha ssoziologie Somba s, so e n ein-
zelne E scheinungen in F age s ehen, denen sie angemessen sind. Sie
eichen indessen nich aus, um jenes ü Somba s Fo schungen zen-
ale Phänomen zu e s ehen, das e den „kapi alis ischen Geis " nenn .
Was mi diesem gemein wi d, e schein g ei ba o ges ell e wa dann,
wenn Somba on den Mi eln sp ich , du ch die es „dem Kapi alis-
mus" geling , das nach ihm benann e „kuns olle Sys em eine wei aus-
g ei enden Gesellscha swi scha zu scha en". Diese assen sich zu-
sammen in de „Ra ionalisie ung alle Elemen e des wi scha lichen
P ozesses, die o mell nich s ande es als de en Anpassung an die Be-
dü nisse des Kapi alismus bedeu e , ma e iell abe in eine allgemeinen
Ve geis ung seelische Inhal e bes eh ". Diese „Ve geis ung (ode Ve -
sachlichung) bezieh sich au die Wi scha s o m, in de und du c i
die alle wi scha lichen Vo gänge sich abwickeln: die kapi alis ische
Un e nehmung, sowie au alle We kbe iebe und au die Fo men, in
denen sich de Gü e umsa z abspiel (Handel und K edi )" („Das Wi -
scha sleben im Zei al e des Hochkapi alismus", 1927, S. 953). An
diese zusammen assenden De ini ion auchen zwei P obleme in Hin-
sich au den Geis beg i au , denen wi genau nachzugehen haben,
be o wi ho en dü en, auch den „Geis des Kapi alismus" ech zu
e s ehen. Das e s e bes eh da in, daß solche Aus üh ungen, wie die
zi ie e, denen sich beliebig iele ähnlich klingende zu Sei e s ellen
lassen, den Gedanken nahelegen, es sei „de Kapi alismus" gleichsam
eine selbs ändig au e ende und agie ende geis ige Po enz. Allzuo ,
zunächs abe nu in de Tagespublizis ik und namen lich in de poli-
ischen Diskussion, wi d in diesem Sinne on „dem" Kapi alismus und
en sp echend dann auch e wa on „dem" Sozialismus gesp ochen, als
seien dies En i ä en, die selbs ändig agie en, aus eigene Mach oll-
kommenhei sündigen ode Gu es ollb ingen könn en. Ohne F age
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6 We ne Ziegen uß [262
können wi in eine k i isch beg enz eii Bedeu ung des Wo es un e
dem Kapi alismus das gedach e Ganze alle in seinem Sinne wi kenden
konk e en An iebe und Mäch e usw. e s ehen. Diese e schein dami
als eine lediglich o s ellungsmäßige Zusammen assung on im üb igen
genau e aßba en konk e en Gegebenhei en. Abe es is doch noch
e was ande es, eben ein eigenes einhei liches Wesen mi gemein , das
dem Kapi alismus einen eigenen geis igen Cha ak e gib und ihn sinn-
ha aus sich he aus wi ksam we den läß . Wie haben wi dies zu e -
s ehen?
Die ande e F age, die sich mi eine Tex s elle wie de wiede -
gegebenen s ell , is die, daß neben diesem anscheinend eigena igen
Geis wesen des Kapi alismus noch zwei wei e e Beg i e on Geis au -
auchen, die o enkundig e was ganz ande es meinen, de Ausd uck de
„Ve geis ung" sowie de de „Ra ionalisie ung". Da de Mensch nu
einen Geis und ein Denken ha , können mi diesen Beg i en nich
absolu e schiedene Momen e gemein sein. Es e gib sich die Au gabe,
die gemein en Bedeu ungen on dem allgemeinen Geis beg i abzu-
lei en und sie in einen sinn ollen Zusammenhang mi einande zu b in-
gen, wenn wi eine S elle, wie die ange üh e, ich ig e s ehen wollen.
II. Daß die e s e unse e beiden F agen nich willkü lich ges ell is ,
zeig sich, sobald wi au jene aus üh lichen Da legungen hinblicken,
mi denen Somba das En s ehen des Kapi alismus om Menschen he
e s ändlich machen will. Die gelegen liche Fes s ellung, „Kapi alismus
muß e s da sein, ehe es kapi alis ische Mo i e gib " („Die d ei Na io-
nalökonomien", S. 227), gewinn eine konk e e Bedeu ung, wenn wi
die Genese des kapi alis ischen Geis es uns o Augen üh en, die Som-
ba in seinem We k übe den „Bou geois" da s ell . Zunächs äll es
au , namen lich im Ve gleich mi den au gezähl en Bedeu ungen des
Geis es, de beispielsweise als „Fo m" gegenübe dem Seelischen als
„Inhal " e schein , daß de „Wi scha sgeis " gleichgese z wi d mi
de „Gesam hei seelische Eigenscha en und Tä igkei en, die beim
Wi scha en in Be ach kommen" („De Bou geois", 1913, S. 2).
Diese Beg i bedeu e so ziemlich das Gegen eil jene Vo s ellung
on de Objek i ie hei des Geis es, mi de die gegebene Reihe de
Bedeu ungen als mi dem 6. Geis esbeg i schließ . Da auße dem bei
de „Menschena Bou geois" das „Geis ige" im Gegensa z e schein
zum „Sozialen" (a. a. 0. S. III), müß e man e wa en, daß de eigen-
ümliche „bou geoise" ode „kapi alis ische" Wi scha sgeis nunmeh
aus den menschlichen Wesenszügen und seelischen Besonde hei en
diese „Menschena " en wickel wi d. Fü einen Geis als eigene Po-
enz neben dem Seelischen und Sozialen bliebe dabei kaum ein Pla z.
Eine solche Fo schung wü de „psychologisch" zu nennen sein, jedoch
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263] We ne Somba — Geis , Gesellscha und Wi scha 7
nich „geis wissenscha lich". Es wä e ollends kein Anlaß anzuneh-
men, es sei mi dem kapi alis ischen Geis ein eigen ümliches Wesen
gemein , das unabhängig on dem gemeinmenschlichen Seelenwesen
exis ie e. Eine These wie die, es müsse Kapi alismus geben, be o es
kapi alis ische Mo i e geben könne, e schiene dann ge adezu als Pa a-
doxie. Denn wie wä e dies möglich, wenn de Wi scha sgeis
—
auch
de Kapi alismus wä e ein solche ! — nich s ande es bedeu e als die
Zusammen assung des Seelischen, also auch de Mo i e de in F age
s ehenden „Menschena "? Wenn wi wei e lesen, die „alle e s e Vo -
ausse zung ü ein ich iges Ve s ändnis wi scha liche Vo gänge" sei
„die Einsich , daß de Geis des Wi scha slebens g ündlich e -
schieden" sein könne und die „bei de Vo nahme wi scha liche
Handlungen e o de en Quali ä en ebenso e schieden on Fall zu
Fall" seien, „wie die lei enden Ideen und G undsä ze, nach denen die
wi scha liche Tä igkei einges ell wi d", dann besag das in Hinsich
au jenen „Geis " nich s Besonde es. So e n diese e schieden sein soll
bei einem „Handwe ke al en Schlages" und bei einen* „mode nen
ame ikanischen Un e nehme " („De Bou geois", S. 4), dann is dami
nach dem Vo angehenden nich meh gesag , als daß beides eben e -
schiedene „Menschen" sind. Aus de seelischen Eigena diese Men-
schen und aus ih en besonde en Mo i en müß e also nunmeh das
Eigen ümliche des Kapi alismus abgelei e we den. Genau das geschieh
abe nich . Schon in diesem e häl nismäßig ühen We k Somba s,
das noch nich die „phänomenologischen" Un e scheidungen zwischen
dem „Ideellen" und dem „Seelischen" kenn , die Somba spä e be-
wuß in s«in Denken au nimm , komm e in de konk e en Un e -
suchung zu einem du chaus ande en Ve häl nis des Kapi alis ischen
zu dem Seelischen und zu dem menschlichen Mo i zusammenhang. Es
geling nich , den kapi alis ischen Geis wi klich psychologisch abzu-
lei en, sonde n diese muß ielmeh doch als ein Wesen ü sich o -
ausgese z we den, dami die menschlichen Phänomene, die da -
ges ell we den, übe haup als zu dem Kapi alismus gehö ig e kenn-
ba we den können. Das wi d mi eine ge adezu „na u alis isch" klin-
genden Wendung deu lich, wenn es heiß , die me kan ilis ische S aa s-
kuns ließe „Keime kapi alis ischen Geis es bei den Un e anen zu
Rei e b ingen" (a. a. 0. S. 112). Eine solche Fo mulie ung d ück nich s
ande es aus als die Ta sache, daß de „kapi alis ische Geis " eben nich
aus gene ellen seelischen Eigen ümlichkei en, sei es auch eine be-
sonde en „Menschena " en wickel we den kann, sonde n daß es dazu
eben de „Anlagen" eines besonde en, eben des kapi alis ischen Geis es
beda . De Ve such, den Somba mach , aus den seelischen Eigen üm-
lichkei en einige Typen on Menschen den Kapi alismus sich en al en
zu lassen, e b ing mi seinem nega i en E gebnis den Beweis da ü .
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8 We ne Ziegen uß [264
Somba will die cha ak e is ischen Eigenscha en des kapi alis ischen
Geis es in eine Reihe on „G und ypen kapi alis ischen Un e nehme -
ums"
—
nich e wa in bloßen „Vo läu e n"!
—
au weisen. Abe wenn
man seine Da s ellung genau p ü , muß man es s ellen, daß das Spezi-
ische des Kapi alismus dabei nich abgelei e , sonde n als Lei idee o -
ausgese z wi d. Wede die „F eibeu e " („De Bou geois", S. 95),
noch die „Feudalhe en" (a. a. 0. S. 102) ode die „S aa sbeam en"
(a. a. 0. S. 111) en wickeln die auszeichnenden Wesenszüge des kapi a-
lis ischen Geis e« aus ih em Seelenleben und Wesen he aus ode haben
on sich aus kapi alis ische Züge. Wenn ollends Colbe zi ie wi d
mi dem Wo : „Ich glaube: da übe wi d man sich leich einigen
können, daß es nich s ande es als die Geldmenge in einem S aa e is ,
die den G ad seine G öße und seine Mach bes imm ", und wenn e -
klä wi d, dieses Wo „könn e ebensogu als obe s e G undsa z jede
kapi alis ischen Un e nehmung au ges ell we den, wenn man nu s a
Geldmenge: G öße des P o i s se zen will" (a. a. 0. S. 111), dann zeig ,
es sich, daß yi Wah hei de kapi alis ische Cha ak e des Denkens e s
un e schoben we den muß, wenn man den g oßen Me kan ilis en zum
Kapi alis en s empeln will. Denn jenes „wenn" kann sachliche weise
nich zuges anden we den, weil es „P o i " auße halb eine be ei s be-
s ehenden kapi alis ischen Wi scha nich geben kann. Ge ade dieses
S eben nach P o i is das Neue und Kennzeichnends e des Kapi alis-
mus, und dies exis ie im Denken und in de P axis des Me kan ilismus
noch nich .
Nähe an das Wesen des Kapi alis en üh en die wei e en „G und-
ypen" he an, jedoch sind auch sie eben nich kapi alis isch, und es be-
deu e keine Be eiche ung de E kenn nis, wenn man sie heo e isch
gewal sam zu Rep äsen an en des kapi alis ischen Geis es mach , um
diesen als menschlich-his o ische Reali ä zu e klä en. So heiß es:
„Spekulan en als ein besonde e Typ des kapi alis ischen Un e neh-
me s sind die G ünde und Lei e on Spekula ionsun e nehmungen.
Die abe e en mi dem Augenblick in E scheinung, in dem ein P o-
jek enmache die nö igen Geldmi el au eib , um seine Idee in die
Wi klichkei umzuse zen; indem also ... P ojek enmachen sich mi de
Un e nehmung e binde " („De Bou geois", S. 115). Abe eine P o-
jek e ealisie ende Un e nehmung b auch doch nich im mindes en
eine kapi alis ische zu sein. Ganz im Gegen eil sind die Un e nehmun-
gen in de g oßen Zei de P ojek emache , wie J. J. Beche , Angelegen-
hei en de Fü s en und des Adels, die zwa iel Geld b auchen, abe so
e was wie einen echenmäßig zu e mi elnden und „ e dien en" P o i
nich kennen. Wenn es wei e hin on den „Kau leu en" als dem näch-
s en „Typ des kapi alis ischen Un e nehme s" heiß , es seien „die-
jenigen, die kapi alis ische Un e nehmungen aus dem Wa en- ode
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271] We ne Somba — Geis , Gesellscha und Wi scha 15
gegen den Schöp e , ohne dessen die Wel e hal ende U gewal auch
sein eigenes ze s ö end-eigenschöp e isches We k nich einmal den
Schein eine selbs ändigen Exis enz gewinnen könn e. Die Wi kungen
des Geis es im Sinne de d i en G uppe on Ausd ücken bleiben zwa
des uk i in Hinsich au den die Gesellscha on G und au kons i-
uie enden Geis , abe diese is doch die nich wegdenkba e Vo aus-
se zung da ü , daß jene übe haup in Ak ion e en können. Das „ a io-
nale66 Momen bedeu e nun nich s Zu älliges, sonde n es is g undsä z-
lich in allem gesellscha lichen Dasein als geis igem angeleg . Denn
übe all gib es „Geis ha igkei " im Sinne de „In en ionali ä 66 als
„Fähigkei , sich und die Vo gänge de Wel aus einem allgemeinen
Kausalzusammenhang he auszuheben46 dadu ch, daß de Gedanke „see-
lische Vo gänge objek i ie und in Zeichen, Symbolen, We ken zum
Ausd uck b ing , denen e einen ,Sinn', eine ,Bedeu ung6 beileg , die e
ande n mi zu eilen e mag66 (Handwö e buch d. S., S. 221 .). Eine
absolu e I a ionali ä äll also mi de G enze de Menschenwel übe -
haup zusammen. Indessen is das In endie en doch be ei s zu un e -
scheiden on dem Seelenha en, und es ha e ihm ein Ansa z des
Nega i en gegen das „O ganische66, soga gegen das Pe sonha e an. In
diesem Zusammenhang klingen die E kenn nisse de Seelisches und
Geis iges scha ennenden Phänomenologie be ei s an. Wenn Somba
au de In en ionali ä eine eigene, wenn auch d i angige G uppe on
Ve bänden beg ünde sein läß als „geis ige Einhei en eine Meh hei
on Menschen66 (Handwö e buch d. S., S. 233), so e n diese ein „glei-
ches in en ionales Objek 66 haben, dann wi k eine solche besonde e
Gegens ände he aushebende Funk ion des Geis es nich allein gegen-
übe dem allgemeinen Kausalzusammenhang, dem sie gegenübe s eh ,
sonde n auch inne halb des Zusammenlebens, aus dem sie besonde e
Ve bände he aus o m , zumindes den un e lek ie -kon inuie lichen
Lebenszusammenhang au hebend. Sie ha abe wede in Hinsich au
,die Pe son, noch au das Zusammenleben, das sie au ih e A e -
geis ig , einen di ek nega i en Cha ak e . Ih einen solchen o we en,
e wa weil sie „O ganisches66 ze s ö e, hieße dem „Na u alismus66 e -
allen, was ganz gewiß nich im Sinne Somba s wä e („Soziologie, was
sie is .. .66 S. 9 .). E s indem die In en ionali ä sich zu Ra io konk e i-
sie , gewinn sie einen gesellscha lich agwü digen Cha ak e . Sie be-
g ünde die „ a ionalen66 Be u e im Gegensa z zu den „na ü lichen66,
die eine „wenn man will, gö lichen Bes immung66 zu e danken sind.
Die a ionalen Be u e ze allen wiede um in „pe sönlich- a ionale66 und
„sachlich- a ionale66 (Handwö e buch d. S., S. 26). „Pe sönlich- a io-
nale66 sind solche „Tä igkei sbe eiche, die um den lebendigen A bei e
he umgelage , on ihm und seinen Lebensbedingungen he ih e Ab-
g enzung e ah en, gleichsam ein Aus luß und ein Ausd uck seine pe -
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16 We ne Ziegen uß [272
sönlichen Scha ensk a sind: e wa die al en Handwe ksbe u e". Hie
behäl de Beg i des „Ra ionalen" noch e was on jenem posi i -geis -
ha en Sinn, den die be ei s zi ie e S elle übe das Handwe k als eine
noch nich „en geis ig e" Wi klichkei ausd ück . G undsä zlich ande s
e häl es sich mi den „sachlich- a ionalen" Be u en. Sie bes immen
ein Tä igkei sgebie „nach ein sachlich- a ionalen Gesich spunk en.. .
ohne Rücksich au die Pe son, die die Tä igkei ausüb : die Be u e in
de mode nen Wi scha ". Die Funk ion des Ra ionalen als des in
seine Nega i i ä gegen das Pe sönliche kons uk i en Denkens ze -
s ö das G undwesen des Geis es im Zusammenleben. De „ökono-
mische Ra ionalismus, on dem o allem alle kapi alis ischen O gani-
sa ionen du chd ungen sind" (Handwö e buch d. S., S. 259) üh
schließlich zu eine „wesen lich a ionalis isch zweckha ges al e en
We ung on Menschen", sie „g ei hinübe au imme wei e e Kul u -
gebie e" (a. a. 0. S. 260).
Im Hinblick au diesen Sinn des Ra ionalen gewinn das „I a io-
nale" eine doppel e Bedeu ung. Es kennzeichne zunächs das auße -
halb des ökonomischen Ra ionalismus noch o lebende Dasein. Dami
is es im posi i en Sinn geis ha und wi d nich allein im oman ischen
I a ionalismus ein besonde s be on e und bewe e e Inhal des
Lebens, sonde n e schein zugleich als ein liebe oll he o gehobene
Gegens and de E kenn nis („Die d ei Na ionalökonomien", S. 170 .).
Daneben heiß „i a ional" das endgül ig einen posi i en Sinn Ve lie-
ende, das nich einmal sachlich- a ional Ges al e e, also das Ges al lose
schlech hin. Diesen Cha ak e de I a ionali ä ha in besonde em
Maße beispielsweise als Ganzes ge ade das im einzelnen a ionalis ische
Wi scha ssys em des Kapi alismus. Auße halb de den speziellen-
kapi alis ischen Zwecken dienenden O ganisa ionen sind in de kapi a-
lis ischen Wi scha „wei e Gebie e des Wi scha slebens de I a io-
nali ä e allen", und es is cha ak e is isch
ü
seine Wesen e bunden-
hei mi dem kapi alis ischen Ra ionalismus, wenn es sich de „wi -
scha liche Sozialismus zu Au gabe s ell ", jene I a ionali ä des Gan-
zen „ öllig aus dem Wi scha sleben auszu ilgen" (Handwö e buch
d. S., S. 259). „Planmäßigkei " gib es bei dem Kapi alismus nu inne -
halb de „Einzelwi scha en"; inne halb de Wi scha sgesam hei
ehl diese du chaus, „wäh end im Un e schiede dazu wiede um de
Sozialismus diese Planmäßigkei zu eine allgemeinen, die einzelnen
Wi scha en in ih e Gesam hei um assenden machen will" (a.a.O.).
Man kann diesen Sach e hal , de ein gene elle inne halb de mode -
nen „bü ge lichen" Gesellscha is , e läu e n im Hinblick au den
„S il". „S ilzusammenhänge" sollen, nach Somba , dann e kennba
sein, wenn E scheinungen sich „als zugehö ig zu einem Sinnzusammen-
hang" bes immen lassen („Die d ei Na ionalökonomien", S. 213). S il
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273] We ne Somha — Geis , Gesellscha und Wi scha 17
gib es in de mode nen Gesellscha im Leben wie in de Kuns abe
imme nu im Lebensumk eis und im Scha en einzelne Pe sönlich-
kei en, ni gends im ganzen.
IV. So is das kapi alis ische Wi scha ssys em als ein in seinen ein-
zelnen Einhei en, wenn auch nich im ganzen a ionales, zwa ein
„Sys em" ode ein „S ilzusammenhang" als eine geis ig beg ei ba e Ein-
hei , abe diese geis ige Einhei is lediglich ein
heo e isches Gebilde. Sie is on ologisch und ins-
besonde e soziologisch keine Reali ä . De Geis , de
das kapi alis ische Wi scha en „behe sch ", is nich de u sp üng-
liche gesellscha lich e bindende und Gesellscha e s kons i uie-
ende, sonde n e is indi idualis isch, sachha und gegen die Pe son
gewand . E is a ionalis isch in dem soziologisch nega i en Sinn de
bloß sachzwecklich in e essie en Be echnung. Abe selbs diese wenn
auch soziologisch nega i e, so doch echnisch und ökonomisch im ein-
zelnen höchs kons uk i e Funk ion des a ionalen Geis es kennzeich-
ne das kapi alis ische Wi scha ssys em nich als ein Ganzes, sonde n
nu in seinen einzelnen Ve kö pe ungen und Ve ich ungen. So kann
die kapi alis ische Wi scha wohl als Sys em gedach und einhei -
lich o ges ell we den als eine Gesam hei , die in ih e Tendenz
im einzelnen a ional, im ganzen i a ional is , abe sie exis ie
e a 1 als Uneinhei lichkei , als Unzusammenhang, de auch nich du ch
seine pa ielle Ra ionali ä ein i gendwie selbs a ionale we den kann.
Es is eine bedenkliche Folge eines gegen sich selbs unk i ischen Den-
kens, wenn diese eale Sys emlosigkei und Uneinhei gedanklich ü
das Bewuß sein ielleich soga in de P axis des Wi scha smenschen
und des Poli ike s übe blende wi d on jene o s ellungs-
mäßigen Einhei eines kapi alis ischen Wi scha ssys ems. Zu einem
solchen undamen alen I um äg alle dings auch Somba bei, wenn
e behaup e , de Kapi alismus als Wi scha ssys em sei ein „Mus e "
eines „S ilzusammenhanges", was bedeu en soll, daß jede Handlung e -
olge in wenn auch unbewuß e „Übe eins immung mi dem übe indi-
iduellen Sinnzusammenhang" („Die d ei Na ionalökonomien", S. 212),
und wenn e gleichzei ig den „,Geis 4" de „Go ik", de eine in de Ta
ech e und sinnha e S ileinhei in Wi klichkei beg ünde , als wei e es
Beispiel he anzieh . Denn ein g öße e Gegensa z als zwischen dem S il-
zusammenhang de Go ik und dem im ganzen nu du ch seine Au -
lösung eines Sinnzusammenhanges cha ak e isie ba en, wenn auch pa -
iell a ionalen Kapi alismus is nich denkba .
Se z man Somba s allgemeine Bes immung des Gesellscha lichen
als des Ve bundenseins im Geis o aus und übe nimm man seine Be-
s immung des Wesens de Ve bände als G und o men des Zusammen-
Schmollci'8 Jah buch
LXIX, 3 %
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18 We ne Ziegen uß [274
lebens, dann bedeu e ein kapi alis ische Geis und ein on ihm be-
he sch gedach es Wi scha ssys em den Ungeis de Ra ionalisie -
hei im einzelnen und die Sys emlosigkei im ganzen. De G ad, in dem
ein solche Geis und ein solches Wi scha ssys em gesellscha lich zu
Wi klichkei we den, gib nich nu nich den Maßs ab he ü das Vo -
handensein eines S il- und Sinnzusammenhanges, sonde n ge ade ü das
Ausmaß de Au lösung des geis igen G undwesens de Gesellscha , dami
auch des S ils und ü die Ve nich ung de Mo i e, aus denen sich das
Zusammenleben in „ech en" Ve bänden (Handwö e buch d. S., S. 266 .)
en al en kann. Eine kapi alis ische Wi scha , also eine Wi scha ,
die un e de Vo he scha des kapi alis ischen Geis es s ehend ge-
dach wi d, is somi soziologisch eine im gleichen Maße geis - und
sinnen emde e und also unsoziale. Zwa sp ich Somba en husias isch
on dem „gewal igen Kosmos64, „den die kapi alis ische Wi scha da -
s ell ". Das Haup me kmal eines Kosmos, die sinn olle Geo dne hei
ehl ih indessen nach seinen eigenen Wo en du chaus, so e n man
nich nu einen echnisch-o ganisa o ischen, sonde n einen gesellscha -
lichen Sinnzusammenhang e wa e . Wenn de Kapi alismus ein „wun-
de sames Ge üge bilde , dessen einzelne Teile kuns oll ineinande -
g ei en" („Das Wi scha sleben im Zei al e des Hochkapi alismus",
S. 951), dann da nich e gessen we den, daß dieses Ge üge, wiede um
nach Somba s Da s ellung, nu um den P eis de Au hebung und zu-
mindes Einsch änkung wesen lichs e Vo ausse zungen eines sinn-
ollen menschlichen und gesellscha lichen Lebens zus andekomm .
Nich ganz im Einklang mi de G undhal ung seine Soziologie bekenn
Somba : „Was wollen die gelegen lichen S ö ungen (zu denen man
na ü lich S ö ungen, wie die du ch den Wel k ieg e u sach en, nich
echnen da ) besagen angesich s de übe wäl igenden Ta sache, daß
in de kapi alis ischen Wi scha aus dem Nich s (!) ein Sys em he -
ausgebilde is , das es e möglich ha , eine um Hunde e on Millionen
anwachsende Be ölke ung zu e näh en, zu bekleiden, zu behausen und
mi alle hand Schmuck und Tand zu behängen und allabendlich zu
amüsie en?" (a. a. 0. S. 952). Is es so siche , daß diese „S ö ungen"
nu „gelegen liche" sind? Könn e es nich sein, daß sie ih en ie en
G und da in haben, daß dieses „Sys em" den p inzipiell e ehl en Ve -
such mach , die sinnha e Ve bundenhei des Zusammenlebens zu e -
se zen du ch ein a ional- echnisches Schema äuße liche Funk ions-
e lech ungen, gleichsam als woll e man die in sich ge unde e Ge-
schlossenhei eines K eises mi eine Anzahl on Tangen en e wech-
seln, die man on außen he an ihn he anleg ? Nich s ande es als eine
soziologische „Quad a u des Zi kels" bedeu e ein Ve such, a ionale
Schema a an die S elle eine geis ig-u sp ünglich en s ehenden Lebens-
gesam hei de Gesellscha zu se zen. Und die on Somba mi eine
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275] We ne Somba — Geis , Gesellscha und Wi scha 19
g oßen Ges e „na ü lich" nich mi ge echne en K iege sind nu die in
gesam gesellscha lichem Ausmaß au e enden Beweise ü die eale
Unangemessenhei jene echnisch- a ionalen Lösung de Gesellscha s-
p obleme de Menschhei , die die u sp ünglichen, e hischen und im ge-
sä ig en Sinne des Wo es geis igen Ve bundenhei en an die zwei e
S elle ücken und p ak isch als unwesen lich ansehen will. Ge ade on
den ie e en Einsich en de Soziologie Somba s aus muß man zu diese
Au assung kommen.
Sieh man on de Begeis e ung Somba s ü den on ihm meis e -
ha da ges ell en „Kosmos" de echnisch zumindes eine Zei lang so
übe zeugend unk ionie enden kapi alis ischen Wi scha ab, so muß
man nach seinen eigenen Beg i sbes immungen sagen, daß eine kapi a-
lis ische Wi scha nich als gesellscha liches Sys em, sonde n en gegen
den on ih mißach e en undamen alen Wesenszügen des Zusammen-
lebens und ande e sei s wiede dank des Fo bes ehens und Fo wi kens
lebendig-pe sonale Sinnzusammenhänge im Gegensa z zu dem Vo -
he schen des „Kapi alismus" übe haup eal möglich is . Woll e man
das Gegen eil behaup en und im Kapi alismus das en scheidende posi-
i e Exis enzmo i de mode nen Wi scha sgesellscha e blicken,
dann käme das e wa dem Ve such gleich, zu behaup en, ein O ganismus
bleibe am Leben nich , obgleich e an Magenk ebs leide, sonde n weil
e an ihm e k ank sei, ja weil sein gesam es Zellgewebe k ebsa ig
wuche e. Ohne ein solches „o ganizis isches" Gleichnis gesp ochen: es
gib wede eine kapi alis ische Wi scha in de Wi klichkei noch ga
eine kapi alis ische Gesellscha . Wo de kapi alis ische Geis im Sinn de
Da s ellung Somba s e schein , bedeu e e eine Ge äh dung und En -
a ung des pe sonha en und gesellscha lichen Wesens und dami de
on diesem le z lich nich ablösba en Ziele und Fo men des Wi -
scha ens. Sinn oll und als posi i e Funk ion im Zusammenleben und
in de „Kul u " wi ksam is das Wi scha en nu o z de kapi alis i-
schen Ve sachlichung, En pe sönlichung, Ra ionalisie ung und Objek i-
ie ung. Die Wi scha is selbs dann, wenn ein kapi alis ische Geis
in ih einen ganzen „Kosmos" on E scheinungen he ausbilde , die
heo e isch einen Beg i de kapi alis ischen Wi scha undie en
können, nich dank diesem kapi alis ischen Cha ak e eine ih es Be-
s andes siche e und lebens olle Wi klichkei im Zusammenleben de
Menschen, sonde n nu in dem G ade, in dem in ih aus dem bleibenden
e bindenden Wesen de Gesellscha und aus dem pe sonha -geis igen
Cha ak e des kul i ie en Zusammenlebens he aus jene nega i en Ten-
denzen des kapi alis ischen Geis es ode Wi scha ssys ems inne halb
g öße e Lebenszusammenhänge und un e übe geo dne en, Zielen und
Zwecken nu zba gemach und einem Sinnzusammenhang einge üg
we den. Kapi alis ische Geis is soziologisch „dena u ie e " Geis ,
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20 We ne Ziegen uß [276
ein kapi alis isches Wi scha ssys em is Sys emlosigkei des Wi scha -
ens im gesellscha lichen Gesam zusammenhang, kapi alis ische Rege-
lungen des Zusammenwi kens sind sozial nega i in Hinsich au den
Menschen do , wo e au eine ebenso unausweichliche wie schicksals-
bes immende Weise in die on dem he schenden Wi scha ssys em be-
s imm en A bei sbedingungen hinein gebunden und on ihnen abhängig
is . Hie wie übe all ze s ö de Kapi alismus die seelischen und pe -
sonha en „Inhal e", die e als „Geis " du ch seine „Fo m" im Zu-
sammenleben zu E üllung b ingen müß e.
V. Bezeichne man den Cha ak e de in sich zusammenhängenden
Ve bundenhei de Gesellscha , die inne e Ve bindlichkei , als die die
Gesellscha geis ig en sp ing , als „sozial" in einem be on en Sinn,
dann e schein de „Sozialismus" als eine e s ändliche Reak ion
des Zusammenlebens au die du ch den Kapi alismus in die Gesellscha
hineinge agene Nega ion des Sinnzusammenhanges und de pe son-
ha en Ve bundenhei mi de Absich , den sozialen Cha ak e de Ge-
sellscha wiede he zus ellen. In diesem Sinn en al e sich die sozia-
lis ische Gedankenwel u sp ünglich in ech em gesellscha lichem Geis
und leb sie au eine no wendige Weise und im Einklang mi dem ges al -
gebenden und e bindenden Wesen des Geis es in de Gesellscha übe -
haup . Sie mach dahe neben dem „mode nen Kapi alismus" das zwei e
haup sächliche Fo schungsgebie on We ne Somba aus. An änglich
s eh e dem Sozialismus nahe, wie ein g oße Teil de „In elligenz"
im Ausklang des o igen Jah hunde s. Man e wa e e om Sozialismus
die no wendige Ko ek u jene geis igen und p ak ischen Schäden, die
de in die Nega ion des gesellscha lich schöp e ischen Geis es gewand e
Kapi alismus mi sich üh . Wenn es die Funk ion des ech en Geis es
is , „Zonen eines gleich ö migen E hos" zu scha en („Die d ei Na ional-
ökonomien", S. 266), dann lag im Wide s and gegen den alles E hos au -
lösenden Kapi alismus eine wah ha geis ige Au gabe des Sozialismus.
Daß e diese lösen wü de, wa die E wa ung de „ bü ge lichen" Sozia-
lis en. Abe de „P ole a ische Sozialismus" wende sich on diesem
Ziel alsbald ab, o allem un e dem Ein luß on Ka l Ma x. E zeig
sich s uk u ell an jenen gleichen nega i en Geis gebunden, den au -
zuheben nach de Au assung de e hisch ge ich e en und bes imm en
Sozialis en seine e s e P lich gewesen wä e. Dahe komm Somba im
Ende gebnis eines jah zehn elangen S udiums de sozialis ischen Ge-
dankenwel und P axis zu dem E gebnis: „Jedes soziale Sys em, das
zue s als Idee o dem menschlichen Geis e au auch , d. h. sich nich
in unme klichen T iebak en in de Geschich e allmählich e wi klich ,
sonde n zunächs einmal in seine Ganzhei o ges ell wi d, is
in seine le z en Eigena nu zu e s ehen au dem Hin e g und des-
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277] We ne Somba — Geis , Gesellscha und Wi scha 21
jenigen sozialen Sys ems, das zu Zei seines E scheinens be ei s Ge-
schich e is ... Indem jedes neue Sys em sein geis iges Auge imme gegen
ein al es ge ich e häl , s eh es un e dem Gese z des al en und ha
Gegensa zcha ak e . Es schließ das al e gleichsam in sich, wie seh es
auch das Bewuß sein haben mag, En wu eine neuen und ielleich
soga als endgül ig gedach en O dnung de gesellscha lichen Dinge zu
sein. Wenn ü i gendein soziales Sys em, so gil diese Wah hei ü den
Sozialismus', de ganz und ga nu als Gegensys em e s anden we den
kann" („De p ole a ische Sozialismus", 1924, Bd. I, S. 10; Spe ungen
on W. S.). Da de Kapi alismus, als „Sozialsys em" be ach e , „in
seinem Ke n soziale Na u alismus" is , weil e es „de Mach ollkom-
menhei de einzelnen Menschen ode de einzelnen G uppen" übe läß ,
„sich diejenige S ellung in de Gesellscha zu e kämp en, die ih e
S ä ke gemäß is ", bedeu e die Bindung an das Gese z dieses seines
Gegne s ü den Sozialismus, daß e de ihm eigen lich ges ell en Au -
gabe de Wiede he s ellung des e hischen e bindenden Geis es no -
wendige weise un eu we den muß. In das im ganzen i a ionalis ische,
weil unsys ema ische und planlose Sys em des Kapi alismus bau sich
als seine eale E scheinungsweise das a ionalis ische Geschä sleben
ein: „Die Ra io ha sich als einziges Be ä igungs eld den Gelde we b in
den einzelnen Be ieben o behal en." Un e dem gleichen „Gese z",
jedoch in scha e Nega ion diese e einzel en Realisie ung des a io-
nalen P inzips e wi klich sich de Sozialismus: „Ra ionalismus soll
das allgemeine Ges al ungsp inzip sein" (a. a. 0. S. 11). Dahe bleib
de <
Sozialismus a sächlich an die gleiche nega i e Geis igkei gebunden,
du ch die de Kapi alismus in einen en schiedenen Gegensa z ge ä zu
dem posi i en, das Zusammenleben und das seelische Leben als dessen
Fo m ges al enden Geis . De Kapi alismus is nich an einem T an-
szenden en als de , le z hin bes immenden Lei idee des Geis es o ien ie ,
sonde n denk ein immanen . Indem e das Indi iduum nich un e
einem e bindlich-gemeinsamen Höhe en beg ei , wodu ch allein das
Zusammenleben als Gesellscha geis ig beg ünde we den könn e, son-
de n „die höchs en Ideale" ü ihn „dem Indi iduum
nich anszenden , sonde n immanen " sind (Spe ung
on W. S.) is „ olglich ... die Hal ung des Indi iduums zum We nich
Op e , sonde n de Ansp uch" (a. a. 0. S. 96). Genau so kann de gleich-
gesonnene, nu nich au das einzelne, sonde n au die Gesam hei ge-
ich e e Sozialismus nich das eigen liche e hische Wesen des Geis es
wiede zu Gel ung b ingen, sonde n muß es ollends ze s ö en. Die
dem immanen en Denken wissenscha lich en sp echende Hal ung is
de „Na u alismus", und wie diese den Kapi alismus cha ak e isie ,
so gil auch ü den Sozialismus: „Das Ziel, das sich alle Sozialis en
s ecken, is die Ausdehnung des na u wissenscha lichen Fo schungs-
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22 We ne Ziegen uß [278
p inzips au Gesellscha und Geschich e" (a. a. 0. S. 229). Diesen adi-
kalen Ab all des Sozialismus on seine u sp ünglichen Au gabe schil-
de Somba s Da s ellung des „Ma xismus", indem e seine U sp ünge
und Konsequenzen im „Sys em" (Bd. I) und in de „Bewegung" (Bd. II)
en wickel . So e klä sich die zunächs ü manche Sozialis en als „Ab-
all" on ühe en Idealen e scheinende Wandlung Somba s aus de
o sch ei enden E kenn nis de sich zugleich geschich lich e s all-
mählich ollkommen en hüllenden Nega i i ä des Sozialismus gegen
den soziologisch posi i en Geis . Dabei mag es eine o ene F age bleiben,
ob diese Geis beg i , de wesen lich pe sonha und zule z on einem
p o es an ischen Ch is en um he zu e s ehen is , nich einen Ke n
on Dogma ismus en häl , wejche eine ielleich mögliche posi i e e
soziologische Deu ung des gesam en P oblemkomplexes „Kapi alismus-
Sozialismus" e hinde . Man könn e es sich o s ellen, daß das an
diesem Beg i des Geis es o ien ie e und an ihn gebundene Denken
sich in de gleichen Lage be inde wie die euklidische Geome ie, die
inne halb de Möglichkei en eines meh dimensionalen Raumdenkens
zu einem Sonde all de In e p e a ion wi d.
Jeden alls e äll Somba mi seine Cha ak e is ik de Na ional-
ökonomie und de Soziologie als „ e s ehende Geis wissenscha " nich ,
wie e wa O hma Spann, eine Geis esme aphysik. E beweg sich in
seine Fo schung bewuß und in höchs em Maße selbs k i isch inne halb
de „posi i " e kennba en E scheinungen. E läß da übe hinaus auch
de „Na u " du chaus ih Rech und ane kenn die ü die Na ional-
ökonomie iel ach en scheidende Bedeu ung de ma e iellen Daseins-
o ausse zungen. So beme k e beispielsweise zu eine Zusammen-
s ellung de zahlenmäßigen En wicklung de Einwohne Eu opas on
1800 bis 1936: „Man p äge sich diese Zi e n -ein: in ihnen is wie
in de Nußschale die gesam e mode ne Kul u einge-
schlossen" („Vom Menschen", S. 329; Spe ung on W. S.). Meh
kann man an Wü digung des „na ü lichen" Daseins nich e wa en on
einem Soziologen, ü den „alle Kul u wissenscha en ... Geis es-
wissenscha en und nich s ande es" sind („Die d ei Na io-
nalökonomien", S. 175; Spe ung on W. S.). Somba s Ablehnung des
„Na u alismus" und de na u wissenscha lichen Me hode ü die Geis -
wissenscha besag , daß e das Eigen ümliche des menschlichen Zu-
sammenlebens in „Ve bänden" nich aus Na u a sachen abgelei e
und nich du ch Na u gese ze ode Na u ak o en e klä wissen
will. Im üb igen wi d e de Bedeu ung de Na u wissenscha nach
ih e G undeins ellung auch ü die Na ionalökonomie du chaus ge-
ech („Die d ei Na ionalökonomien", S. 118 .). Auch zeig die ganze
Fülle on Einsich en zu Wü digung des mode nen Wandels de ech-
nischen Ve we ung de Na u gegebenhei en, die Somba s „Mode ne
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279] We ne Somba — Geis , Gesellscha und Wi scha 23
Kapi alismus66 o uns ausb ei e , daß e das Gewich de „ma e iellen"
G undlagen insbesonde e des Wi scha slebens meh zu seinem Rech
kommen läß als manche dok inä e „ökonomische Ma e ialis " ( gl.
e wa „De mode ne Kapi alismus", III. Bd., S. 100 .). Abe Somba
will die „his o isch-sys ema ische" Besonde hei des Kapi alismus nich
e u sach sehen du ch na ü lich- echnische Bedingungen, sonde n die
A , wie diese in de Wi scha e we e we den, wi d ihm e s be-
g ei lich aus eine sinn ollen, wenn auch noch so p oblema ischen gei-
s igen S uk u he aus. Zu de „G undidee" de Wi scha , die da aus
en sp ing , daß de Mensch „zwischen,Beda und Deckung' den wesen -
lichs en Teil seines Lebens zu e b ingen ha " (Handwö e buch d. S.,
S. 653) komm die besonde e „Ges al idee", die die Wi scha als eine
„ganz bes imm gea e e, his o isch besonde e Wi scha " e s ändlich
mach (a. a. 0.). „Eine Idee, die ims ande sein soll, die wi scha lichen
E scheinungen zu einem Sys em zu ges al en, muß sich unmi elba aus.
de Idee de Wi scha selbe ablei en. Sie muß alle de Wi scha
wesen lichen Züge einschließen und muß diese einzelnen Züge zu eine
Einhei zusammen assen. Nun abe nich in ih e abs ak en gedank-
lichen Fo m, sonde n in ih e konk e en, his o ischen Bes imm hei "
(Handwö e buch d. S., S. 654). So e schein die Wi scha als ein be-
sonde es Kul u gebie , eingebe e in einen um assenden geis ig-gesell-
scha lichen Zusammenhang, aus dem he aus sie im geschich lichen
Wandel auch im Wechsel ih e „sys ema ischen" Eigen ümlichkei en
einsich ig wi d. Die Vo he scha des E we bsdenkens im Diens am
„Kapi al" und seinem „P o i ", des on diesem gelei e en „Ra ionalis-
mus" und ge adezu des „Na u alismus" in ih e Ve bundenhei mi ein-
ande zu dem ökonomischen „Ma e ialismus" sind dahe , so dü en wi
schließen, im Kapi alismus wie in seinem Gegenspiele , dem Sozialismus,
in ih e ak ischen his o ischen Gegebenhei de Ausd uck eines Ve -
sagens de geis ig ges al enden K a im Gesellscha sleben, auch so e n
hie du ch jene besonde e Ges al idee des Kapi alismus, die eben eine
g undsä zlich soziologisch nega i e is , en sp ing .
Dieses p inzipielle E gebnis unse e In e p e a ion bes ä ig sich
auch du ch die konk e en Fo schungse gebnisse Somba s an zwei en -
scheidenden Punk en. De gesellscha lich nega i e Cha ak e ha e
dem Kapi alismus schon in seinem U sp ung an, denn es is das Luxus-
bedü nis des en a e en „Feudalismus" und de gesellscha lich
o mlosen Bou geoisie, das die pe sönliche Mo i a ion des we denden
Kapi alismus he gib (Vgl. Somba , „Luxus und Kapi alismus", 1912),
und du ch das wiede um die o geblichen „G und ypen des kapi alis i-
schen Un e nehme ums" e s zu „kapi alis ischen" we den, indem es
sie ko umpie . Wenn also de Kapi alismus ühe dasein muß, als die
kapi alis ischen Mo i e, wie wi lasen, dann bes eh diese p äexis en e
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24 We ne Ziegen uß [280
Kapi alismus in nich s ande em als in eine Au lösung eine bis dahin
bes ehenden und sinn oll wi kenden, geis ig und e hisch e bindlichen
O dnung des Gesellscha slebens. So komm es, daß e soziologisch
nich im posi i en, sonde n im des uk i en Sinne „ges al bildend"
wi k , weil das Zusammenleben sich nu o z seine Einwi kungen und
seine Vo he scha im einzelnen als Ganzes e hal en kann. Ande e -
sei s is es de K ieg als de Zus and de adikalen Nega ion de ge-
sam hei lich sinn ollen Geis igkei de Gesellscha , du ch dessen An-
o de ungen in ma e ielle Hinsich de Kapi alismus zu eine maßgeb-
lichen Gewal auswuche n kann (Somba , „K ieg und Kapi alismus",
1913). De Kapi alismus, de so ge n im Sinne Da wins om „Kamp
ums Dasein" ede , e heb eine du ch kein pe sönliches E hos gehemm e,
„ma e iell" mo i ie e Konku enz zum gesellscha lich nega i e bin-
denden P inzip, das dann zwischen den Na ionen in dem mode nen
K ieg zum „geschich lichen" Haup ak o wi d. Alles in allem is es
nich die „bü ge liche" Libe ali ä , die den kapi alis ischen Geis p o-
duzie ode die in seinen Auswi kungen zu ih e E üllung gelang ,
sonde n e s die Gewal ä igkei eine mißb auch en F eihei p oduzie
den „Bou geois" als den zum Kapi alis en en a e en bü ge lichen
Menschen.
So können wi die inne e Beziehung des Wesens on Geis , Wi -
scha und Gesellscha aus dem Denken Somba s he aus abschließend
mi olgenden Thesen es legen, wobei wi im einzelnen nich imme
den Fo mulie ungen Somba s olgen:
1. Auch die mode ne Wi scha als o wiegend „bü ge liche" im
Gegensa z zu „ eudalis ischen" ode handwe klich-„ adi ionalis i-
schen" und als „libe ale" im Un e schied e wa on de me kan ilis isch-»
s aa lichen is nich „an sich" ode im ganzen eine „kapi alis ische".
Es is lediglich eine spezielle, alle dings bedeu ungs olle Reihe on E -
scheinungen in ih , die sich aus eine bes imm en, jedoch gegen das
eigen liche „geis ige" Wesen des Zusammenlebens und seine p imä
e bandsbildenden „Ideen" gleichsam dena u ie en Idee he aus im
Sinne eines „kapi alis ischen Geis es" zu de soziologisch nega i en
„Ges al idee" des „kapi alis ischen Wi scha ssys ems" nach Wi -
scha sgesinnung, O dnung und Technik auslegen und gedanklich e lek-
ie end zusammen assen läß .
2. Eine „sozialis ische" Absich ha demgegenübe nich die Au gabe,
die gesam e Wi scha umzuwandeln ode ga die Gesellscha g und-
sä zlich zu ände n, sonde n sie en sp ing mi de No wendigkei , die
nega i en Wi kungen des Kapi alismus zu kompensie en, wo diese nich
du ch ande e als kapi alis ische Wi scha s o men, wie e wa die ge-
nossenscha lichen, besei ig we den können. Die soziologische Idee
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