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Fortschritt, Kontingenz, Dissipation. Zukunftskonzepte in Erwachsenenbildungsorganisationen

Abstract

Debatte : Beiträge zur Erwachsenenbildung 5 (2022) 1, S. 6-22 Pädagogische Teildisziplin: Erwachsenenbildung / Weiterbildung; als elektronischer Volltext verfügbar

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Fortschritt, Kontingenz, Dissipation. Zukunftskonzepte in Erwachsenenbildungsorganisationen

Author: Elven, Julia,Schwarz, Jörg
Publisher: DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation
Year: 2022
DOI: 10.25656/01:34340
Source: https://www.pedocs.de/volltexte/2025/34340/pdf/Debatte_2022_1_Elven_Schwarz_Fortschritt_Kontingenz_Dissipation.pdf
El en, Julia; Schwa z, Jö g
Fo sch i , Kon ingenz, Dissipa ion. Zukun skonzep e in
E wachsenenbildungso ganisa ionen
Deba e : Bei äge zu E wachsenenbildung 5 (2022) 1, S. 6-22
Quellenangabe/ Re e ence:
El en, Julia; Schwa z, Jö g: Fo sch i , Kon ingenz, Dissipa ion. Zukun skonzep e in
E wachsenenbildungso ganisa ionen - In: Deba e : Bei äge zu E wachsenenbildung 5 (2022) 1, S.
6-22 - URN: u n:nbn:de:0111-pedocs-343401 - DOI: 10.25656/01:34340; 10.3224/deba e. 5i1.02
h ps://nbn- esol ing.o g/u n:nbn:de:0111-pedocs-343401
h ps://doi.o g/10.25656/01:34340
in Koope a ion mi / in coope a ion wi h:
h ps://www.bud ich.de
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DIPF | Leibniz-Ins i u ü Bildungs o schung und Bildungsin o ma ion
In o ma ionszen um (IZ) Bildung
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In e ne : www.pedocs.de
6Deba e
Bei äge zu E wachsenenbildung
Fo sch i , Kon ingenz,
Dissipa ion: Zukun skonzep e
in E wachsenenbildungs-
o ganisa ionen
Deba e 2022 · Jg. 5 · H. 1 · 6-22 · h ps://doi.o g/10.3224/deba e. 5i1.02
Julia El en und
Jö g Schwa z
Zusammen assung
Die E wachsenenbildung is ih e pädagogischen Ke n-
idee nach de indi iduellen und kollek i en Zukun
e p lich e – de konk e e Umgang mi Zukun abe
ealisie sich in O ganisa ionen, wo ih e p inzipielle Un-
bes immba kei au die No wendigkei on Planung i .
De Bei ag di e enzie d ei übe g ei ende gesellscha li-
che Zukun skonzep e (Fo sch i , Kon ingenz und Dis-
sipa ion) und un e such diese als la en e, konku ie ende
O ien ie ungen o ganisa ionale Planungsp ak iken.
E wachsenenbildung/Wei e bildung · Zukun sp ak iken·
Planung und P og amme in O ganisa ionen · U opie ·
Dys opie
7
Deba e
Bei äge zu E wachsenenbildung
Fo sch i , Kon ingenz,
Dissipa ion: Zukun s-
konzep e in E wachsenen-
bildungso ganisa ionen
Julia El en und Jö g Schwa z
1. Einlei ung
Eine wesen liche Funk ion de E wachse-
nenbildung bes eh da in, gesellscha lichen
Wandel in indi iduelles Le nen zu übe -
se zen bzw. Zusammenwi ken und In e -
e enz de beiden P ozesse zu s uk u ie en
(Schä e 1993). Bei de dazu no wendigen
bildungskonzep ionellen bzw. -p og am-
ma ischen Ausges al ung und O ganisa ion
spiel eine en scheidende Rolle, wie Zukun
und de empo ale P ozess des Ein e ens,
En wickelns, Eme gie ens e c. des Kün i-
gen gedach und p ak isch konzep ualisie
we den. Zei - und Zukun skonzep e sind
sozial ge eil e, eils explizie e, zumeis abe
implizi bleibende Vo s ellungen da on, nach
welchen P inzipien Kün iges gegenwä ig
wi d. Als in e subjek i ge eil e Wissensbe-
s ände exis ie en Zukun skonzep e nich
nu in den Kö pe n de Ak eu *innen, son-
de n du chziehen auch Ins i u ionen, Kon-
en ionen und die ma e ielle Umwel . Auch
wenn sie zumeis implizi bleiben, en al en
sie hohe Rele anz bei de He o b ingung
soziale P axis – e wa bei de P ospek ion
und Re lexion on Be u slau bahnen, bei de
En scheidung ü einen Bildungsweg, beim
Wei e bildungs e hal en, abe auch bei de
Planung und Du ch üh ung on Angebo en
in E wachsenenbildungso ganisa ionen.
Fü mode ne Gegenwa skul u en sind zwei
Beg i e on zen ale Bedeu ung ü die Vo -
s ellung on Zukun : Fo sch i e weis au
eine linea e En wicklung hin zum Besse en,
Kon ingenz be on die p inzipielle O enhei
und Unbes imm hei des Zukün igen. Ak-
uell meh en sich nun abe die Hinweise da-
au , dass zu diesen beiden konku ie enden
Zukun skonzep en ein d i es hinzu i ,
welches du ch eine Dissipa ion de Zukun
gekennzeichne is , eine zunehmende Au -
lösung on Zukun s o s ellungen und eine
Ze s euung gesellscha liche En wicklungs-
en wü e. Im o liegenden Bei ag un e -
suchen wi diese d ei Zukun skonzep e als
konku ie ende Modelle im gesellscha li-
chen Disku s und gehen de F age nach, was
diese ü die gesellscha liche Ins i u ion de
E wachsenenbildung und ganz konk e : ü
den Umgang mi Zukun in E wachsenen-
bildungso ganisa ionen bedeu en. Obgleich
wi da on ausgehen, dass g undsä zlich säm -
liche o ganisa ionalen P ozesse du ch zu-
g undeliegende (implizi e) Zukun skonzep-
e beding sind, g ei en wi in diesem Bei ag
die P og ammplanung als einen zen alen
P ozess in Wei e bildungso ganisa ionen bei-
spielha he aus, da sie in besonde s exponie -
e Weise an de Schni s elle gesellscha li-
che Zukun skonzep e und o ganisa ionale
Zukun sp ak iken ope ie .
Im Folgenden s ellen wi zunächs die Zu-
kun skonzep ion des Fo sch i s (2.) und de
Kon ingenz (3.) o und beziehen sie jeweils
au die P axis de P og ammplanung in E -
wachsenenbildungso ganisa ionen. Abschlie-
ßend wi d ihnen die d i e, bes ändig an Re-
le anz gewinnende Zukun skonzep ion de
Dissipa ion zu Sei e ges ell (4.), de en Impli-
ka ionen ü die O ganisa ionen de E wachse-
nenbildung wi im Ausblick disku ie en (5.).
8Deba e
Bei äge zu E wachsenenbildung
2. Zukun skonzep ion des
Fo sch i s
Zwa weis die Vo s ellung on Zukun als
Fo sch i du chaus Va ia ionsb ei e au ,
de au klä e isch-mode ne G undgedanke
bezieh sich jedoch au die allgemeine, ins-
besonde e e kenn nis- und echnikbasie e
Ve besse ung menschliche Seinsbedingun-
gen.1 Immanuel Kan se z den „Fo sch i
om Schlech e en zum Besse en“ (Kan
1964[1786], 92) als Menschhei sbes im-
mung o aus, die alle dings du ch a iona-
le Ve s andesa bei , echnische Inno a ion
e c. ak i ealisie we den muss. Diese Du-
ali ä eine meh ode wenige zwingenden
(an h opologischen, e olu ionis ischen, so-
zial
on ologischen, geschich sphilosophischen
e c.)
Fundie ung de S eige ungsbewegung
eine sei s und de en E zeugungs- bzw. Be-
a bei ungsno wendigkei ande e sei s is
kons i u i ü die mode ne Fo sch i sidee
(Koselleck 2004 [1975]). Fo sch i und
Kon ingenz schließen sich also nich aus:
Inno a ionen können ehlschlagen ode sich
in ih Gegen eil e keh en, Rücksch i e au
dem Fo sch i sweg sind imme möglich.
Inso e n wi d die Zukun skonzep ion des
Fo sch i s e s du ch eine spezi isch mo-
de nis ische, o sch i sop imis ische P axis
ka alysie , in de en Kon ex die Möglichkei
eines Rücksch i s zwa nich ausgeschlossen,
jedoch als wenige wah scheinlich eingeheg
wi d (siehe z. B. Nassehi 2003).
Gesellscha lich wei hin wi ksame, zumeis
implizi bleibende mode nis ische Vo s ellun-
gen, e wa die Annahme eine uni e sellen Ra-
ionali ä , die linea e Fo sch i sen wicklun-
gen e ozie (El en 2020), o allem abe die
Kul u eine o ganisie en Mode ne (Wagne
1995) mi ih e ausgep äg en Kon en ionali-
sie ung und Ins i u ionalisie ung on Lebens-
e läu en, Gesellscha sbe eichen und sozialen
Posi ionen ug bis Mi e des 20.Jah hunde s
zu p ak ischen Ve inge ung on Kon in-
genze ah ung bzw. zu In isibilisie ung on
Kon ingenz bei. Das Bildungssys em, nich
zule z auch die o ganisie e E wachsenenbil-
dung, dien dabei als T eib iemen zwischen
pe sönliche und gesellscha liche En wick-
lung und gil inso e n als wesen liche Mo o
de Fo sch i sbewegung (Pa sons 1971). In
de o ganisie en Mode ne kumulie dahe
auch eine klassische U opie e ziehungswissen-
scha lichen Denkens:
„Die Ve besse ung de Wel wi d abhän-
gig gemach on de ich igen E ziehung.
[…] Die A ibuie ung is nich limi ie -
ba , jede neue Idee des Gu en kann zum
Gegens and pädagogische E wa ungen
gemach und es muß nu o ausgese z
we den, die ich ige E ziehung sei möglich
und sie sei das T anspo band des Gu en.“
(Oelke s 1990, 2).
2.1 P og amme als Inka na ion des
o ganisa ionalen Umgangs mi eine
planba en Zukun
O ganisa ionen bea bei en die O enhei de
Zukun , indem sie gegenwä ig En schei-
dungen e en. Die au klä e isch-mode ne
Zukun skonzep ion des Fo sch i s be on
1 Hie zu exis ie eine lange Disku s adi ion, u. a. auch zu eben alls mode nen Gegenposi ionen wie
Niede gang ode zu Fo sch i sk i ik, die wi hie nich nähe au a bei en können (siehe z. B. Koselleck
2004 [1975]).
9
Deba e
Bei äge zu E wachsenenbildung
dabei die Möglichkei , zukün ige En wick-
lungen absehba , du ch so g äl ige Planung
behe schba und o allem auch e we -
ba zu machen. O ganisa ionen haben o
diesem Hin e g und einen besonde en Zu-
gang zum Umgang mi Zukun en wickel ,
de sich egelha plan oll- e lexi ollzieh
und spezi ische Ve ah en und Techno-
logien zum Einsa z b ing . Im klassischen
Managemen p ozess lei en sich e s aus den
En scheidungen de (s a egischen) Planung
sequenziell säm liche Folgeen scheidungen
in den Be eichen O ganisa ion, Pe sonal,
Füh ung und Kon olle ab (Sch eyögg &
Koch 2020). Planung s ell dami die zen a-
le Fo m des o ganisa ionalen Umgangs mi
Zukun im 20. Jah hunde da ( an Laak
2008).
Eine ähnlich g undlegende Bedeu ung
komm in O ganisa ionen de E wachse-
nenbildung de P og ammplanung zu, die
zugleich eine de zen alen Spezi ika de
Zukun skons i u ion da s ell , denn das
P og amm kann als ein in die Zukun ge-
ich e es „Leis ungs e sp echen“ (Nolda
2018, 293) de E wachsenenbildungso -
ganisa ion au ge ass we den. P og amme
sind an de G enze on E wachsenenbil-
dungso ganisa ionen und ih e gesellscha -
lichen Umwel e o e und s ellen den
D eh- und Angelpunk zwischen o gani-
sa ionalen P ak iken de Zukun sbea bei-
ung und de Realisie ung des u opischen
Ke ns de E wachsenenbildung in konk e-
en Bildungsangebo en da . Deshalb wi d
die P og ammplanung im Folgenden als ein
Beispiel da ü okussie , wie sich la en e
Zukun skonzep ionen in o ganisa ionalen
Zukun sp ak iken zeigen.
2.2 Planung zwischen Zielp ojek ion
und Suchbewegung
In den Deba en zu P og ammplanung de
1970e Jah e i de Bezug au eine übe -
g ei ende Zukun skonzep ion im Sinne ge-
sellscha lichen Fo sch i s deu lich he o :
„Selbs e s ändlich wi d man sch i weise
o gehen, wenn man Inno a ionen des
Bildungswesens ans eb . Diese Sch i e
we den abe unsiche und zu ällig sein,
wenn keine Zukun s o s ellungen o -
handen sind und zu Gel ung kommen.
Soll es nich um ak isch beding e Ak i i-
ä en gehen, sonde n um Ve besse ungen
au lange Sich , dann genüg es nich , au
die Ausgangsbedingungen zu eagie en,
dann muß an Zielp ojek ion o ien ie
geplan we den. Sie müssen alle dings e -
kennen lassen, on welchen Annahmen
da übe ausgegangen wi d, wie unse e
Gesellscha s uk u ie is , wie sie sich
o aussich lich en wickeln wi d, was uns
als wünschenswe , d.h. menschwü dig e -
schein , au welchen Wegen und mi wel-
chen Sch i en die Ziele e eich we den
sollen.“ (Tie gens 1970, 83)
Diese unmi elba e Bindung des E wachsenen-
bildungssys ems an Fo sch i im Sinne eines
kollek i en P ozesses de Mode nisie ung se z
seine sei s die Be onung de g undsä zlichen
Ges al ba kei on Zukun o aus, die Bil-
dungsp ozesse inso e n e o de lich mach als
„de hohe G ad des Ve ände lichen zu einem
hohen G ad des Bewuß seins om Ve ände -
ba en he aus o de “ (ebd., 21; H. i. O.). Das
Indi iduum e kenn also o allem im Ve häl -
nis zu eine sich dynamisch o en wickelnden
Gesellscha das eigene Po enzial, den Fo -
sch i auch ak i mi zuges al en. Die hie zu

10 Deba e
Bei äge zu E wachsenenbildung
no wendige Wissensg undlage e mi el wie-
de um die E wachsenenbildung, wobei ge ade
das „Übe schußwissen als dynamisches Po en-
ial“ (ebd.) dien : Die Planung on Angebo en
dü e sich ge ade nich da au besch änken,
nu jene Bedü nisse zu be iedigen, die den
Ad essa *innen „ on den Ums änden au genö-
ig “ (ebd.) we den, sie solle bei ihnen ielmeh
ein „Po enzial spon ane Selbs ges al ung“
(ebd.) au bauen. In de Gegenübe s ellung on
subjek i en Bedü nissen de Ad essa *innen
und objek i en Beda en des gesellscha lichen
Fo sch i s wi d eine dynamische Lee s elle
ausgemach , die zu üllen den O ganisa ionen
de E wachsenenbildung oblieg .
P og ammplanung als eine Ablei ung gesell-
scha liche En wicklungsziele bi g hingegen
P obleme, weil sie Ge ah läu , die Zukun s-
ges al ung de De ini ionsmach ak uelle
Poli ik zu un e s ellen. In Auseinande se -
zung mi Konzep en des Club o Rome, die
dem Bildungssys em eine zen ale Rolle in
de Bewäl igung de Nachhal igkei sk ise zu-
sp echen (Peccei 1979), mach Ho s Siebe
deu lich, dass mi de Zuweisung de Au gabe
gesellscha liche K isenbewäl igung an die E -
wachsenenbildung eine P oblem e schiebung
und ge äh liche Pädagogisie ung einhe geh ,
bei de die E wachsenenbildung Ge ah lau e,
zu „sozial- he apeu ischen Repa a u we k-
s a ins umen alisie zu we den“ (Siebe
1983, 220). Gleichzei ig zeig sich jedoch im
ö en lichen Disku s eine K i ik an mangeln-
de Zukun so ien ie ung de P og ammge-
s al ung in E wachsenenbildungso ganisa io-
nen; bemängel wi d, dass „die Ein ich ungen
de E wachsenenbildung au gesellscha liche
En wicklungen mi eine zei lichen Ve zöge-
ung eagie en und kaum eine Sch i mache -
olle wah nehmen, indem sie Themen ‚ on
mo gen‘ au g ei en“ (ebd., 223).
Zukun sp ak iken de P og ammplanung
können sich also zunächs e wi klichen als
eine E möglichung on Fo sch i : Diese
ollzieh sich im Spannungs eld on allgemei-
nen, insbesonde e du ch die p o essionelle
Gemeinscha geleis e en gesellscha lichen
En wicklungsdiagnosen und den indi iduel-
len Bedü nislagen de Ad essa *innen. De
olls ändigen cu icula en Fes sch eibung
muss deshalb eine Absage e eil und an ih e
S elle eine in konsequen e Teilnehmenden-
o ien ie ung sich ealisie ende Zukun sbe-
a bei ung in Fo m de Hans Tie gens’schen
Suchbewegung gese z we den.
3. Zukun skonzep ion de
Kon ingenz
Ein deu lich e nehmba e Wandel im Be-
g ei en on Zukun wi d spä es ens sei
den 1990e Jah en als E osion uni e selle
En wicklungsmodelle (Schä e 1993) und
Ze b echen des Mode nisie ungskonsens
(Fauls ich 1998) disku ie – Kon ingenz
wi d zu eine dominan en Zukun skon-
zep ion. Die an die S elle kla e Handlungs-
o ien ie ung e ende Uneindeu igkei wi d
zu eine wesen lichen P ämisse zukun s-
ge ich e e P axis. Die Rede übe Zukun
in Konjunk i und Plu al (Holzinge 2007),
die Schä ung des Möglichkei ssinns, die E -
wei e ung de Handlungsspiel äume sowie
de en ambi alen e Ve lech ung mi Unge-
wisshei und Vo läu igkei kon on ie en alle
gesellscha lichen Ak eu *innen mi (ubiqui-
ä en) Kon ingenze ah ungen – und s el-
11
Deba e
Bei äge zu E wachsenenbildung
len die E wachsenenbildung o neue He -
aus o de ungen: Das Au -Daue -S ellen on
Bildung im lebenslangen Le nen, wie auch
die En g enzung de E wachsenenbildung
(Kade 1997; Kade & Sei e 2005), können
als Reak ion au die E osion de sich selbs
übe Dekaden s abilisie enden Ve häl nisse
gelesen we den. Lebenslange E wachsenen-
bildung an wo e au gesellscha liche En -
wicklungen (A nold, Pä zold & Ganz 2018),
die sich beschleunigen, unbe echenba und
zusehends k isenha zeigen und in de en
Ge olge No malbiog a ien, gesellscha liche
Ins i u ionen und soziale Posi ionie ungen
b üchig we den, sodass pe manen e bil-
dungsges ü z e Anpassungen au indi iduel-
le und gesellscha liche Ebene no wendig
sind. Dies ad essie nich nu neue indi idu-
elle „ empo ale Kompe enzen“ wie die He -
s ellung on Anschluss ähigkei in neu zu
e schließenden Kon ex en (Schä e 2012,
113), sonde n auch die Re lexions unk ion
de E wachsenenbildung, die au einen ge-
s eige en bildungsbezogenen O ien ie ungs-
beda an wo e (Schä e 2010).
Die Ho nung, kün ige En wicklungen o -
wegnehmen, plan oll ges al en und lang is-
ig bildungsp og amma isch en wickeln zu
können, schwinde und mi ih die Vo s el-
lung eine dominan en Ra ionali ä , un e
de en Maßgabe sich ühe ode spä e de
mode ne Fo sch i sp ad in linea e P og es-
sion he ausmendeln muss. Die Bea bei ungs-
oki de E wachsenenbildung e schieben
sich dahe on de Kon inui ä zu Diskon-
inui ä , om Bes imm en zum Unbes imm-
en, on de Eindeu igkei zu Polysemie und
Ambi alenz, on de S immigkei zum Kon-
lik e c. (Fauls ich 1998).
3.1 Kon ingenzbewäl igung:
P agma ismus, Re lexion und U opie
Wie können Ak eu *innen und O ganisa-
ionen de E wachsenenbildung in kon-
ingen en Kon ex en Handlungssiche hei
e zeugen? Eine Va ian e bes ünde in eine
o mal- a ionalis ischen Lesa p agma i-
sche Handlungss a egien wie sie Michael
Wimme in k i ische Absich he ausa bei-
e . Diese S a egie zen ie „Realisie ba -
kei als o angige[s] K i e ium“ (Wimme
2002, 35) und p ä e ie Bildungsziele, „die
in beg enz en Zei äumen und konk e an-
gebba en Mi eln in ih en kausalen Wi kun-
gen übe p ü ba “ (ebd.) sind. Eine de a
au Realisie ba kei konzen ie e Pädagogik
bie e eine solide G undlage ü P ogno-
se und Planung. Sie endie abe ih e sei s
wiede um zu linea en En wicklungs o m–
wenn auch mi umgekeh en Vo zeichen,
indem sie die Zukun kausallogisch an die
E ah ungen de Ve gangenhei binde und
diese e länge . Zwa käme auch dieses
p agma ische Modell nich ohne implizi e
Zukun sideale aus, es e wandel e sie je-
doch un e dem Dik um de Fak izi ä und
Planba kei in „pe spek i lose Nüch e n-
hei “ (ebd., 36) und einen „K eislau sich
selbs bes ä igende Vo u eile“ (ebd.).
O ied Schä e eku ie eben alls au
P adabhängigkei en, schläg abe eine S a-
egie o , bei de E wachsenenbildung Mög-
lichkei s äume ü das e lexi e Bea bei en
„o ene Zukün e“ (Schä e 2015, 21)
und ü den „p oduk i e[n] Umgang mi
Unbes imm hei “ (ebd.) e ö nen soll:
„Da es keine uni e sellen En wicklungs-
modelle meh gib , bekomm es die E -
wachsenenbildung konsequen e weise mi
12 Deba e
Bei äge zu E wachsenenbildung
eine p inzipiellen Unbes immba kei ge-
sellscha liche ‚Zukün e‘ zu un, ü de-
en s uk u elle O enhei sie pädagogische
Bea bei ungs o men anbie en muß. In den
Zei konzep en des Wei e bildungssys ems
müssen dahe die gesellscha lichen An-
izipa ions- und Planungsp obleme ange-
sich s eine unbes immba en Zukun in
de Weise zum Ausd uck gelangen, daß sie
sich übe Disk epanze leben in pe sönlich
bedeu same Le nanlässe ans o mie en
lassen. Eine solche Selbs hema isie ung
des pe manen en Zwangs zu k ea i en
‚Zukun sp oduk ion‘ soll hie als de ‚u o-
pische Ke n‘ on E wachsenenbildung be-
zeichne we den“ (Schä e 1993, 448).
Ziel is die Un e s ü zung bedeu ungsbilden-
de Umwel aneignungen bzw. aneignende
Wel e zeugung, die Bildungsp ozesse nich
meh nu als das In e nalisie en des Ex e nen,
sonde n als k ea i en Ak e s eh (siehe auch
Fauls ich 1998). Hie bei handel es sich um
einen g undlegend sozialen P ozess – in eine
spä e en Wiede au nahme de oben zi ie en
Übe legungen sp ich Schä e dahe on
eine T ans o ma ion in „biog a isch und
sozials uk u ell bedeu same Le nanlässe“
(Schä e 2012, 119). Die o ganisie e E -
wachsenenbildung e ö ne soziale Räume,
in denen die Ve mi lung und Aushandlung
un e schiedliche Sinns uk u en und P a-
xismus e , abe auch de en Modi ika ion
möglich wi d. Inso e n wi d – mi Jü gen
Wi po h gesp ochen – die „Plu ali ä on
Wissenso dnungen […] nich meh als Man-
gel angesehen, sonde n als no wendige, o
allem abe chancen eiche Folge dessen, dass
adi ionelle O dnungsgewisshei en schlech -
hin in die K ise ge a en sind“ (Wi po h 2001,
157). E wachsenenbildung ungie dann als
e lexi e Mechanismus, de O ien ie ung
und Koo dina ion im Raum de Bedü nisse,
Anliegen und Op ionen bie e und die „pe -
manen bes immungsbedü igen Zukun s-
pe spek i e[n]“ (Schä e 2012, 118) zu kon-
k e isie en hil .
K i ische Re lexi i ä zähl gene ell zu den
iel ach he ausges ell en S a egien im Um-
gang mi Kon ingenz: Dies gil e wa ü das
Re lek ie en wide sp üchliche Kons ella io-
nen in soziale P axis und das Zugleichden-
ken wide s ei ende K ä e (Riege -Ladich
2020, 150; s. a. Oelke s 1990), um Möglich-
kei s äume ü kün ige P axis auszulo en.
Eine p ominen e Va ian e k i isch- e le-
xi e Bea bei ung on Zukun lieg auch
im Übe windungsansp uch e schiedene
‚Pos -Disku se‘, die übe kommene Denk-
ka ego ien ad essie en (des Pos -Kolonialen,
des Pos -Wachs ums, des Pos -Neolibe alen
e c.): Ohne das Danach nähe zu bes immen,
beziehen sie ih e O ien ie ung ü zukun s-
ge ich e e pädagogische P axis – ex nega i-
o– aus dem Ande s un.
Schließlich wi d auch das U opische k i-
isch- e lexi gewende , indem es en wede
als emanzipa o ische, die Quali ä des Un-
bes imm en und des Gedankenexpe imen-
ellen be onende Denk o m (Mau e 2012)
e o mulie ode selbs zum Gegens and de
Re lexion gemach wi d: Ve gangene U opien
sind geeigne , um „die Zei e ah ung selbs zu
be agen, d. h. zu agen, was Zukün igkei
e möglich , wo in sich Zukun wenige ma-
ni es ie als ankündig “ (Wimme 2002, 40).
Dami wi d die U opie on eine Zukun s-
konzep ion des Fo sch i s in eine Konzep-
ion de Kon ingenz übe üh , denn zu ö -
13
Deba e
Bei äge zu E wachsenenbildung
de s geh es nich meh da um, „das Handeln
zu o ien ie en, sonde n das Denken ü die
Zukun zu ö nen“ (ebd., 42). Dies geling
angesich s des „Ze alls de Glaubwü dig-
kei on Fo sch i sbehaup ungen“ (Oelke s
1990, 12) nich meh mi dem Reku s au
„g oß lächige P ojek ionen“ (ebd.), ielmeh
muss pädagogische U opie angesich s unge-
wisse Zukün e no ma i e Ansp üche on
Bildung und E ziehung e handeln. Mi hin
bedeu e die Ve ände ung im Denken übe
Zukun nich so seh eine Abkeh als iel-
meh eine T ans o ma ion und Bescheidung
de pädagogischen (Wel -)Ve besse ungsam-
bi ionen, denn solange „E ziehung kon in-
gen , also zugleich o en und beein lußba
gedach wi d“ (ebd., 1), s ehen uns auch ‚bes-
se e‘ Zukün e o en – die es eilich zunächs
no ma i zu bes immen gil .
3.2 Planung zwischen Ma ke ing
und Angleichung
Die e meh e E ah ung kon ingen e
Zukün e bi g e ände e o ganisa ionale
He aus o de ungen und ha zu En wick-
lung neue Planungskonzep e, -me hoden
und - echnologien ge üh (Koch, K äme ,
Reckwi z & Wenzel 2016). Fü die E wach-
senenbildung äll dies gegen Ende des le z-
en Jah hunde s zusammen mi eine e -
s ä k en Rezep ion on O ganisa ions- und
Managemen heo ien o dem Hin e g und
e ände e poli ische S eue ungs egime
und eine s ä ke empi ischen O ien ie ung
im P og ammplanungshandeln. Wil ud
Gieseke (2000) leg ih e Un e suchung zu
P og ammplanung als Bildungsmanagemen
in eben diesem, sich neu jus ie enden gesell-
scha lichen Spannungs eld an:
„Bei E hal de pädagogischen Au gaben,
bei eine S eige ung de pädagogischen
Quali ä und de ge o de en Zielgenauig-
kei de Angebo e haben sich also die Leis-
ungsan o de ungen und die Ra ionali-
sie ungsmomen e gleichzei ig e höh . Die
jeweilige Fö de wü digkei wi d im Sinne
on Zielg uppenadäquanz s ändig zu Dis-
posi ion ges ell “ (Gieseke 2000, 33).
Un e den Bedingungen manage iale Ra-
ionalisie ungsideale zeig sich eine e s ä k e
O ien ie ung au die Bedü nisse on Ad es-
sa *innen und zwa nich p imä als po en-
zielle Mi ges al ende de gesellscha lichen
Zukun , sonde n als Kund*innen.
Hinsich lich ih e empo alen O ien ie ung
okussie die P og ammplanung dami s ä -
ke die Gegenwa ; das Ideal möglichs passge-
naue Angebo e s eh de Scha ung dynami-
sche Po enziale du ch die Gene ie ung on
Wissensübe schüssen diame al en gegen. Die
zunehmende Kon ingenz de Zukun wi d
du ch eine p agma ische Fokussie ung eine
möglichs nahen und konk e en Zukun be-
a bei e : Passgenaue Angebo sen wicklung
mach P og ammplanung zu einem P oblem
des Ma ke ings, nich zule z in Anbe ach
eine (scheinba ) imme einglied ige en Aus-
di e enzie ung un e schiedliche Zielg up-
pen (Ba z & Tippel 2007; Mölle 2002). Hie
e üllen um assende (abe eben aus de Ve -
gangenhei esul ie ende) Da en die Funk ion
eine Unsiche hei sabso p ion mi Blick au
die Realisie ba kei on Angebo en, die au
ku z is ige Bedü nisbe iedigung und P ob-
lembea bei ung abs ellen.
Die empi ische Rekons uk ion konk e e
P ak iken de P og ammplanung zeig hin-
gegen zunächs eine nu ge ing ügig du ch
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joe g.schwa [email protected]