54 Magazin 23
s is kal in Deu schland im Janua , hie
in meinem Do am Niede hein, nahe
de niede ländischen G enze. Ich bin
aus Se illa hie he gekommen, nach
d eißig Jah en Andalusien e b inge
ich zum e s en Mal d ei Win e mona e
in meine al en Heima . Das is ein
Sp ung in Zei und Raum, an den O
de Kindhei und Jugend, ein sel same
Schwebezus and als heinische
Andalusie . Ich habe mi ausd ücklich
o genommen, nich zu we en, wenn
ich zwischen meinen “Heima en“
e gleiche (Eine wei e e Unzulänglichkei de Sp ache: es
gib keine g amma ikalische Meh zahl on “Heima “ im
Deu schen. Kann man abe wi klich nu eine Heima haben?)
Diese e lexa igen Bewe ungen im Ve gleich –“Das is
hie iel besse /schlech e “ – üh en ins Nich s und wenn,
zu inne en und äuße en Kon lik en. Ich ziehe o , beide
Gesellscha en in sich selbs , in ih e gesam en Komplexi ä
und geschich lichen Gebundenhei zu be ach en, was
na ü lich nich imme geling , ge ade in de gegenwä igen
angespann en poli ischen Lage in Eu opa, de zunehmenden
wi scha lichen Klu zwischen No d und Süd, dem
ungleichen And ang und Au nahme de Flüch linge. In den
Diskussionen mi F eunden und Ve wand en muss ich abe
Fa be bekennen. Hie b inge ich ehe den nich -deu schen
S andpunk an, die Außensich , und we de deswegen
gelegen lich soga als “Deu schlandhasse “ e s anden.
Das is Qua sch. Ich denke g undsä zlich nu , dass man
nich nu als Deu sche ge adezu die Ve p lich ung ha ,
k i isch zu sein, de deu schen so wie allen hegemonialen
Mach posi ionen gegenübe , und skep isch gegenübe de
hie schon ech häu ig o zu indenden Selbs ge älligkei
des “Wi machen alles ich ig. Wa um machen es die
Ande en denn nich auch so, wenn es au de Hand lieg ,
dass hie in Deu schland Vieles so gu unk ionie ? Wenn
es denen schlech geh , sind sie es selbe Schuld“ e ce e a.
Na ja, gucken wi mal, ielleich is Deu schland ja auch in
einigen Sachen au dem Holzweg, und ande e Lände sind
hal ande s, kann ja sein...
Im Do leuch e hin e den doppel en Fens e scheiben
wa mes, anheimelndes Lich aus den Wohnzimme n, de
ein ode ande e langlebige Weihnach ss e n e b ei e
Behaglichkei , wäh end d auβen Niesel egen und F os die
S aβen lee egen. Ich denke an die Flüch linge in ih en
Sozialwohnnungen am Do and. Flüch linge - ein agisches
humani ä es Thema, das in Deu schland sei Mona en die
Gemü e beweg und in Spanien keine Maus hin e dem
O en he o lock . Die Zahlen sp echen Hohn und lassen
mich beim Ve gleich kleinlau we den: Deu schland ha übe
eine Million Schu zsuchende au genommen, Spanien keine
d eißig (!). In meinem Deu schun e ich in Se illa habe ich
die eno me Welle de Solida i ä , die im Somme du ch die
deu sche Gesellscha ging, nich ohne S olz kommen ie .
Und habe auch ü meinen Au en hal hie in meinem
Do die Konsequenz gezogen und mich als eiwillige
Deu schleh e ü die Flüch linge angebo en. Ich sammle
je z meine e s en E ah ungen in de Wel des “Deu sch als
Zwei sp ache“, mi all ih en äuße en Ums änden: eno me
He e ogenei ä bei He kun sland, -sp ache, Bildungss and
und Talen , un egelmässige Teilnahme e ce e a. Im Inne n
jedoch sind die Le np ozesse dieselben wie bei meinen
spanischen Uni e si ä ss uden en.
Zu ück ins Do . In den Un e kün en ü die Flüch linge
am Do and ehl es ü ein paa Tage an Kohle, de
Umlau e hi ze gib nich genug wa mes Wasse ü die
übe hunde do un e geb ach en Pe sonen, ein paa
D
Ch is oph Ehle s
Re ugiados
O i e sos
Ehle s, Ch is oph, “Re ugiados”, Magazin 23, in ie no 2015, pp 54-57.
Magazin 23 55
Wi sehen, die Diskussion is he ig, wei eichend und
ie gehend, und imme wiede muss be on we den,
dass die eigen liche Flüch lings age nich s mi den
Übe g i en on Köln zu un ha
Fens e scheiben sind kapu . De Sozialbeau ag e de
Gemeinde, de seinen Be ich abgib au dem T e en
des “Runden Tisches Flüch linge“, an dem ich auch Teil
nehme, zuck müde mi den Schul e n, e wa e au
den Heizungslie e an en. E kann ein ach nich meh
un. Und das is nich wenig, wie e wei e be ich e : die
momen an 277 Flüch linge –500 we den bis Mä z e wa e
in meinem 15000-Seelen-Do - we den in zwei sozialen
Wohnsiedlungen und in ach Gemeinscha swohnungen
un e geb ach . Die Spo e eine und G uppen des O es
ö nen sich ü die Neuankömmlinge, die Schulen ich en
Klassen ü die Kinde ein, die F aueng uppe “Mum“ (“Mü e
und meh “) o ganisie in alle Rich ungen, zwöl F eiwillige
geben wie ich Deu schun e ich , die d ei Fah adhändle
haben al es Ma e ial ges i e und eine We ks a zu
Ve ügung ges ell ü die on den Flüch lingen hie s a k
benö ig en Fah äde ,
die Jugendlichen om
selbs e wal e en
Jugendzen um
“Dingens“ laden ein
zum gemeinsamen
Musizie en... Das Leben
is siche schwe ü die
Flüch linge im deu schen
Win e , die Käl e,
die Isolie ung in de
F emde, die d ohende
Wiede abschiebung,
o Allem das quälende
Nich s un nagen an
de Mo al, abe es
könn e siche wei aus
schlimme sein, denn
man kümme sich um sie.
E was übe zwanzig Ak i is en haben sich e sammel im
Gemeindeheim. Ein junge Mann om “F ei unk e.V.“ is
gekommen und be ich e on seine beeind uckenden
A bei , o mell und hochkompe en . F ei unk s eh ü
“ eie Kommunika ion in digi alen Da enne zen“, und
dank seines gemeinnü zigen Einsa zes gib es je z eien
In e ne zugang in allen Flüch lingsun e kün en sowie
an einigen Ho spo s au de S aβe, un e ande em am
Si z de CDU am Ma k pla z. Ein Du zend eiwillige
“Dozen innen“ gib Deu schun e ich und wei meh ,
kau Schulbüche , beglei e au s Am , zum A z und zum
Op ike . Die Fliehenden sind nich ganz allein, in Köln
beispielsweise sind und 6000 F eiwillige am We k, hie in
meinem Do sind es e wa 20.
Es gib mi ein wa mes Ge ühl zu sehen, wie sich diese
Ve e e de Zi ilgesellscha eiwillig zusammen un
und engagie en, in Zusammena bei mi de Ve wal ung,
die e such , O dnung he zus ellen im Wus de Fälle und
Kasuis iken, in den Abläu en, An ägen und Un e lagen
de übe eine Million Neuankömmlinge in Deu schland.
E ischend auch, wie imp o isie wi d in einem Land,
das im Ausland als kleinka ie gil , und wie das gelassene
“Gucken wi mal“ un e den F eiwilligen as zum
ge lügel en Wo gewo den is . Gelassenhei , Empa hie
und die Siche hei , das Rich ige zu un, is de Tonus in
de G uppe. Au den übe o de en Behö den is die
Be ei scha nich imme genauso g oβ, die A bei is kaum
noch zu bewäl igen.
Das sind also die, die on den konse a i en Rech en
als “Gu menschen“ e unglimp we den. Ge ade is
“Gu mensch“ zum “Unwo des Jah es 2015“ e nann
wo den, abe hie im
Gemeindehaus si z das
ak i is ische Me kel-
Man a ie : “Wi scha en
das!“. De kleine Hau en
de hie e sammel en
Bü ge alle Al e s-
und Be u sg uppen is
da on übe zeug , dass
das Land eine g oßen
He aus o de ung
gegenübe s eh , dass
sich die Gesellscha
e ände und e ände n
muss, und dass diese
Ve ände ungen, sollen
sie zum Gu en sein,
Le np ozesse e o de n,
die Zei benö igen und einen Raum ü gegensei e Tole anz.
Raum ü Nuancen. Die Si ua ion is schwie ig und
komplex, und es gib keine ein achen Lösungen. Nein, es
gib jede Menge P obleme. In ielen S äd en im Ruh gebie
gib so genann e ‚ ech s eie Räume‘, in die sich die Polizei
nich hinein au . Es gib b u ale Bandenk iminali ä on
Magh ebine n, Libanesen, Albane n, Bulga en... Abe : das
ha mi de Flüch lingsp oblema ik nich s zu un, da muss
man selbs e s ändlich kla di e enzie en.
Das Gegen eil on Gelassenhei is Angs , de Feind de
Nuancen die Schwa zweissmale ei. Nach den E eignissen
am Syl es e abend in Köln, bei denen de “a abische
Sexmob“ wü e e, s eh die kleine Minde hei de Ak i is en
einem Hee on “Beso g en“ gegenübe , de en e s ändliche
Beso gnis in Angs umgeschlagen is . Die Hal ung iele
Bü ge ha sich geände , imme wenige F eiwillige
[ ]
Ehle s, Ch is oph, “Re ugiados”, Magazin 23, in ie no 2015, pp 54-57.
56 Magazin 23
In den Medien wi d iel, o en und sachlich disku-
ie , ungeach e de ungeduldigen bis pa anoiden
Hass i aden in den sozialen Ne zwe ken
op e n ih e F eizei . De Sch eck si z ie , de Ve kau on
P e e sp ay und Sch eckschusspis olen ha sich e doppel ,
in Düsseldo , Köln und ande en O en haben sich ku zzei ig
Bü ge weh en gebilde , die on den O dnungsk ä en
un e bunden we den muss en. Die Ängs e sind nach dem
“Mene ekel on Köln“ (S e n) nach ollziehba gewo den,
ein Geschenk ü die o en emden eindliche Pa ei
“Al e na i e ü Deu schland“, die in den Um agen Ende
Janua zu d i s ä ks en Pa ei a ancie is . Wenige
Poli ike zwei eln noch da an, dass die Poli ik de o enen
G enzen an ih e G enzen ges oβen und “das Boo oll“ is .
Die Lage d i en auseinande , “Deu schland s eh au de
Kippe“ i el de Spiegel, in einem pe sönlichen Gesp äch
is soga on einem d ohenden “Bü ge k ieg“ die Rede. Im
al en Duk us äuße sich die Angs o “Übe emdung“, wie
zum Beispiel anlässlich
de Bi e de Behö den,
in de Sil es e nach
au G und de
K iesg auma a au das
Zünden on Bölle n
in de Nähe de
Flüch lingsun e kün e
zu e zich en. O-Ton
eine empö en
Bü ge in: “Je z
müssen wi uns noch
nach denen ich en,
ans a dass die sich
an unse e T adi ionen
anpassen. Je z we den
uns auch noch unse e
T adi ionen e bo en“.
Null Gelassenhei . De Ru nach hä e em Du chg ei en
i die di us e unsiche e Volksseele, und soga die
zwischenzei lich aus den Pa lamen en e schwundenen
Libe alen de FDP sind mi ih e Fo de ung nach meh
Polizei und meh Hä e aus de Ve senkung au ge auch .
Die “ch is lichen“ Pa eien übe bie en sich mi ech
unch is lichen Einwü en, die die Kanzle in plö zlich
wie eine Links adikale das ehen lassen. E s aunlich, dass
Me kel imme noch, beha lich dem G undgese z – “Jede
Ve olg e ha ein Rech au Asyl“ – meh Gewich gib als
de kippenden S immung im Volk.
Zwischen azi : die Si ua ion is schwie ig und wi d on Vielen
als bed ohlich wah genommen. Die Iden i ika ion mi de
on Me kel einge o de en “Willkommenskul u “ wa on
Beginn an auch seh emo ional gep äg , und Emo ionen
können bekann lich schnell in ih Gegen eil umschlagen.
Ande e hingegen geben wei e hin humani ä en Aspek en
den Vo ang und sehen un e ande em den lang is igen
kul u ellen, demog a ischen und dami wi scha lichen
Gewinn ü die deu sche Gesellscha . Es is die Gene a ion
de K iegsenkel, die den K ieg aus den E zählungen ih e
G oβel e n kennen und imme noch nach ühlen können;
de Kinde de Wi scha swunde epublik, die die
mangelha e In eg a ion de “Gas a bei e “ mi e leb ha
und es je z besse machen will.
In den Medien wi d iel, o en und sachlich disku ie ,
ungeach e de ungeduldigen bis pa anoiden Hass i aden
in den sozialen Ne zwe ken. Zu Diskussion s ehen die
Flüch lingspoli ik, je z o en eine “Flüch lingsk ise“, die
Rolle de Medien, o Allem die F age, ob die poli ische
Ko ek hei , in den Meldungen die He kun on S a ä e n
nich zu nennen,
noch ge ech e ig
sei, de Pe sonal- und
Ma e ialmangel de
Polizei, das Ve häl nis
zwischen Rech ss aa
und Ve schä ung
de Asylpoli ik, sowie
besonde s wiede
einmal die S ellung
de F au im Islam
und im au geklä en
Deu schland. Die
Diskussion in den
Medien kann in zwei
an agonis ischen
P essebei ägen
da ges ell we den, au
de einen Sei e mi de Glosse “De Sexmob. Deu schland
bekämp wiede jemanden: Männe , die F auen beläs igen“
in de Zei e ass om Bundes ich e Thomas Fische ,
au de ande en ein Gas bei ag on Manuel Schi mbeck
in de F ank u e Allgemeinen Zei ung, “Sie hassen uns.
Die gi ige Mischung aus no da ikanisch¬a abische
Kul u und Religion“. Die wohla gumen ie e Hal ung
Schi mbecks, de selbs lange Jah e in Alge ien e b ach
ha , i die e b ei e e Meinung, und schwe zu
bes ei ende Ta sache, dass die F au in de a abisch-
islamischen Kul u dem Mann un e geo dne is , o allem
in ih e jüngs en adikalen Fo m. E wa n pauschal o
de „Schizoph enie eines auβe Rand und Band ge a enen
Islams, de sich o dem Kölne Dom ausge ob “ habe. Ganz
ande s Bundes ich e (!) Fische : e en la die Demagogie
im meh hei lichen Ru nach meh Hä e und neuen
[ ]
O i e sos
Ehle s, Ch is oph, “Re ugiados”, Magazin 23, in ie no 2015, pp 54-57.
Magazin 23 57
Gese zen, die es doch längs gebe; die Scheinheiligkei des
Gene al e dach s au muslimische Männe angesich s des
o enen Sexismus in unse e “wes lichen“ Wel (2004 gaben
60% de deu schen F auen an, mindes ens einmal in ih em
Leben sexuell beläs ig wo den zu sein) und de sexuellen
Agg essionen au F auen bei so deu schen Fes lichkei en
wie Ok obe es ode Ka ne al. Dem wiede au keimenden
Feindbild des muslimischen Auslände s se z e diejenigen
Auslände en gegen, die wie die no dame ikanische NSA
ganze Be ölke ungsg uppen ausspionie haben, ode de
Pha ma-Gigan P ize , de zig ausende Ä z e bes ochen und
Pa ien en geschädig habe – niemand u e hie nach “alle
Hä e des Gese zes“ gegen diese A on Ve b eche n.
Wi sehen, die Diskussion is he ig, wei eichend und
ie gehend, und imme wiede muss be on we den, dass
die eigen liche Flüch lings age nich s mi den Übe g i en
on Köln zu un ha . Abe wie man de Si ua ion He
we den soll, wie äglich Tausende on neuen Fliehenden
un e geb ach , e so g , in eg ie und beschä ig we den,
s eh o en. “Wi scha en das schon“, denken ich und meine
eiwilligen Mi s ei e Innen im Do am Niede hein,
hel en is das Wich igs e.
Mo gen ah e ich wiede mi dem Fah ad in meinen
Un e ich s aum im Ve einsheim des Fußball e eins
am Spo pla z, eine u deu sche Umgebung, mi all den
Mannscha s o os, Wimpeln und Schals an den Wänden,
und wa e da au , we on meinen Le nenden dieses Mal
wohl kommen mag: de begab e und übe mü ige Samed
aus Ghana, de sieben Sp achen sp ich , de s ille junge
Somalie Isman, de in seinen ach zehn Jah en seh iel
Leid und Elend e leb ha – sein Blick sag alles - und nu
sechs Mona e zu Schule gegangen is , je z abe begie ig
alles Neue au saug wie ein Schwamm, weil e le nen und
Au omechanike we den will; die junge Albane in Daniela,
die mi ih em Baby nach Deu schland gekommen is , abe
wohl bald abgeschoben we den wi d.... Die Einzelschicksale
geben den Ausschlag. Die Republik ände ih Gesich , in
jedem Falle.
Wäh enddessen s agnie Spanien in de mona elangen
Regie ungsbildung. Solange wi d wede e was ü
die Flüch linge – wie gesag , e was übe 20 (!) nach
nochmalige Konsul ie ung einschlägige Quellen - noch
ü die Millionen on A bei slosen und A men ge an.
Aus deu sche Sich schwe e s ändlich, dass es keinen
na ionalen No s andspak zwischen den Pa eien gib , um
gemeinsam die eno men na ionalen P obleme anzugehen.
An die Au nahme on Flüch lingen in Spanien is nich
zu denken, solange es im eigenen Land zwei Millionen
Menschen gib , die ohne jede Bezüge leben und keine lei
Einkommen haben. Was wiede um aus deu sche Sich
un o s ellba is . Zwei Wel en, de en Un e schiede ich nich
we en will. Und das äll nich imme leich .