Zu Edi ionen de deu sch gesch iebenen
Handsch i en aus Böhmen, am Beispiel de
Memoi en on Hein ich Hiese le on Chodau
(mi einigen sp achhis o ischen Beme kungen
zu deu schen O iginal assung)
Lenka Vod ážko á– Ka ls ‑Uni e si ä , P ag
ABSTRACT
On Edi ions o Manusc ip s W i en in Ge man om Bohemia, Using he Example
o he Memoi s o Hein ich Hiese le on Chodau (wi h some His o iolinguis ic
Rema ks on he O iginal Ge man Ve sion)
This a icle deals wi h he Ge man w i en memo ies o Hein ich Hiese le on Chodau,
which a e deposi ed in he Na ional Museum in P ague, based on he edi ions om 1979 and
2021. While he i s edi ion o he memo ies con ains aCzech e sion, pa ly ansla ed
om o he Ea ly New High Ge man o iginal, and acommen a y, he wo ‑ olume edi ion
om 2021 includes he ep oduc ions o he Ge man w i en o iginal, i s ansli e a ion
and i s ansla ion in o Czech. The Czech ansla ion is based on he 1979 e sion, which
has been co ec ed o he pu poses o he new edi ion and supplemen ed wi h o iginally
omi ed and sho ened ex passages. The edi ion also includes s udies o he his o ical
backg ound, o he au ho and o he manusc ip . The edi ions no only con ibu e o he
Ge man language in he Czech lands, bu also poin o he in e disciplina y co ‑ope a ion
be ween his o ians and Ge manis s, who oge he b ing one o he Ge man w i en ma‑
nusc ip s o he Ea ly Mode n Pe iod om Bohemia o he a en ion o he wide Czech
and Ge man eading ci cles. Since none o he edi ions discussed con ains alinguis ic‑
‑his o ical commen a y on he Ge man o he manusc ip , his a icle includes some
linguis ic ‑his o ical ema ks on egional aspec s o he au ho ’sGe man language.
KEYWORDS
Ge man; manusc ip ; memo ies; edi ion; Bohemia; 17 h cen u y
1. SPRACHVERHÄLTNISSE IN DEN BÖHMISCHEN LÄNDERN
IM 16. UND IN DER ERSTEN HÄLFTE DES 17. JAHRHUNDERTS
Das his o ische Ve häl nis zwischen Sp ache und Gesellscha s ell die Quellenbasis
ü die Fo mulie ung de Zusammenhänge zwischen Sp ach‑ und Gesellscha swandel
sowie ü die Bes immung de Beziehungen zwischen Sp ache und de geog aphi‑
schen Region mi ih e gesellscha lichen, insbesonde e kul u ellen und sozialen
74 BRÜCKEN 31/2
O ganisa ion da . Im Hinblick au die Sp ach e häl nisse im 16. und in de e s en
Häl e des 17. Jah hunde s wa en die böhmischen Lände he e ogen: Es wu den hie
haup sächlich zwei Landessp achen e wende – Tschechisch und Deu sch.
1
In Bezug
au die Sp ach e häl nisse is au die schechisch ‑deu sche Zweisp achigkei , de en
Cha ak e und In ensi ä indi iduelle, e i o iale, soziale und be u liche Fak o en
bes imm en, hinzuweisen– sie wa ein wich iges gesellscha liches Me kmal und ein
ollwe ige Bes and eil de kul u ellen Geschich e de böhmischen Lände . De E ‑
we bsp ozess, d. h. de Kenn niss and und Ve wendung de beiden Sp achen wa en
indi iduell abhängig und on sozialen Ve häl nissen bes imm .2
Die gesellscha lichen Ve häl nisse in de Zei an de Schni s elle on Huma‑
nismus und Ba ock p ojizie en sich in de all äglichen Sp ach‑ und Sch eibp axis:
Deu sch und Tschechisch e üll en die Funk ion de all äglichen mündlichen und
sch i lichen Kommunika ion in de Gesellscha . Im Zusammenhang mi den Sp ach‑
e häl nissen bzw. mi de S ellung on Tschechisch und Deu sch in den böhmischen
Lände n bilden die deu sch gesch iebenen Tex e diese Zei einen wich igen Bes and‑
eil de sch i lichen Kul u de böhmischen Lände .
Aus ypologische Pe spek i e um ass die deu schsp achige Quellenbasis aus den
böhmischen Lände n die olgenden g undsä zlichen G uppen sch i liche Quellen
nach ih em gesellscha lichen Gel ungsbe eich, und zwa un e Be ücksich igung de
Beziehung zwischen dem Absende und Ad essa en: a) sch i liche Quellen ins i u‑
ionelle A , die sich aus den Tä igkei en de Ins i u ionen e geben, z. B. Dokumen e,
Ak enma e ial, Gemeindebüche , G undbüche , Ka as e , S eue lis en, Pe sonen‑
s ands egis e usw., die in Kanzleien als Zen als ellen de Landes‑ ode S ad e ‑
wal ung ü das gesam e Sch eibwesen en s anden sind, b) li e a ische Quellen,
einschließlich de his o iog a ischen We ke und Fach ex e, z. B. aus den Be eichen
Medizin, Rech , Na u wissenscha en, Ma hema ik, As onomie, Be gbau usw., abe
auch Publizis ik,3 und c) Sch i en pe sönlichen Cha ak e s (ab dem 15. Jah hunde ),
z. B. Tagebüche , Memoi en, pe sönliche Ko espondenz usw.4
Un e den übe lie e en deu sch gesch iebenen Manusk ip en und D ucken gib
es beme kenswe e li e a ische We ke, die bis zu ih e Ve ö en lichung nu einem
kleinen K eis on Fachleu en bekann wa en. Dieses Schicksal ha en auch die Me‑
moi en on Hein ich Hiese le on Chodau.
1 Zu einem zweisp achigen, d. h. schechisch ‑deu schen Gebie wu den die böhmischen Lände sei
dem 13. Jah hunde in Folge de kon inuie lichen Besiedlung de S äd e und Landscha en du ch die
deu sche Be ölke ung (Po ejšil 1997: 1656–1662; Rogall 2001: 26–28). Zu Sp ach e häl nissen in den
böhmischen Lände n aus soziolinguis ische Pe spek i e siehe Nek apil (1997: 1641–1649).
2 De P ozess des Rückgangs de Pa allel e wendung des Tschechischen und Deu schen hing mi de
Ve ände ung de S ellung de beiden Landessp achen zusammen (Skála 1977: 197–207; H och 1999: 76–82).
3 Die Fach ex e we den in diese G uppe sch i liche Quellen sei den 1960e Jah en au genommen:
„Nich li e a ische Denkmäle , die die Masse de Quellen lie e n, soll en dabei nich du ch he me ische
G enzen on li e a ischen Quellen ge enn we den. Die Gesellscha sgeschich e läss solche
Abg enzungen kaum zu.“ (Skála 1969: 210).
4 Diese Typologie dien lediglich als Hil smi el ü die De ini ion on Sch i quellen: Die G enzen
zwischen den einzelnen G uppen sch i liche Quellen sind ü de en De ini ion nich p äzise, sie sind
indika i mi Übe schneidungen zwischen den es geleg en G uppen, d. h. nich in allen Fällen kann
eine Sch i quelle eindeu ig klassi izie we den. Da übe hinaus zeichnen sich sch i liche Quellen
nich ‑li e a ische Na u im Gegensa z zu li e a ischen Tex en du ch ih e inhal liche und o male
He e ogeni ä aus (hie zu Vod ážko á/Bok 2018: 340–344).
75LENKA VODRÁŽKOVÁ
2. DIE MEMOIREN VON HEINRICH HIESERLE VON CHODAU
ALS SCHRIFTLICHE QUELLE
Die Memoi en on Hein ich Michael Hiese le on Chodau belegen nich nu die
deu sch ‑ schechischen Sp ach e häl nisse in den böhmischen Lände n im 16. und in
de e s en Häl e des 17. Jah hunde s, sonde n sie nehmen Einsich in die Lebensbe‑
eiche de zei genössischen Gesellscha und dokumen ie en das sp achliche Ni eau
ih es Sch eibe s.
Hein ich Hiese le on Chodau ha ein ep äsen a i es We k zusammenges ell . Als
Memoi ensch eibe behaup e e , dass e die Memoi en nich ü ei len wel lichen
Ruhm sch eibe, sonde n e ue es aus dem G und, um ü seine Kinde und Nachkom‑
men e was zu hin e lassen, aus dem sie e sehen können, was e e leb habe, und aus
dem sie all die Schwie igkei en kennen, die e on seine Jugend an wäh end seines
ganzen Lebens e agen muss e.
Wa umben ich solliche Shlech e nnd ge ingwüe dige Sachen nnd e ah nhei
on mi selbs Sch eibe nnd nach mi e lasse, Alls wenn ich da du ch e mein e,
on den ge inge ah nen Leu en gep isen zusein, gelob , ge üemb ode o Ande e
mi Es ima ion genommen we den, Sonde nu allein da umb, das dise ge inge
Memo ia meinen Kinde n zuue lassen, auch die nachkhommenden solliches zu‑
be ach en, Au das dieselben mein huen nnd Lassen, auch alle T auaglia, die ich
onn meine Jugenn au Bisz so lanng mi nse He Go das Leben e leiche
gehab , nnd auszges anden hab, wissen möch en, Dami dieselben sich nache
be leissen sollen, E was wich ige s, Rüembliche s, auch wü dige s mi nachze‑
huen nnd No i n. ( ol. 4 –4 )
2.1 ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DER MEMOIREN
Das Buch übe die Reisen und das Leben eines Ve e e s des niede en Adels in Böh‑
men is in zwei Ve sionen– in eine deu schen und eine schechischen– en s anden
und übe lie e . Beide Fassungen de Memoi en wu den on Hein ich Hiese le on
Chodau bei seinen kü ze en ode länge en Au en hal en in de Heima e ass . In de
deu schen Fassung seines We kes sch eib diese Solda und Aben eu e : „[Ich habe]
mein Leben nnd Raisen, auch K iegs e ah nhei inn ein el ige nnd Schlech e
Fo mb, wa bey ich mich be unden, was auszges anden nnd ü O icia ich bediene ,
ü mich allein nnd meine nachkhommende inn die Fede genommen“ ( ol. 4 ).
Hiese le begann an seinen Memoi en zu a bei en, als e noch nich ie zig Jah e
al wa . E s ü z e sich dabei au sein Tage‑ und No izbuch, das e sei Jugendjah en
sch ieb und das nich e hal en geblieben is („was Ich Hein ich Hiesse le on Chodaw
seide om Ail en Ja meines Al e s, als de Anno 1586 Ange angen nnd ge ü e “;
ol. 3 ). Da au bezieh sich seine Beme kung im Manusk ip de Memoi en, dass e
sie „mi g ünd liche wa hei , ohne einigen Zusa z, Fo m ode ges all , Sonde , wie es
an im selbs is , zusch eiben, ins we ckh gese z [ha ]“ ( ol. 4 ). Obwohl e behaup e ,
dass „ on An anng desz Ail en Ja s meines Al e s nnd inn was ge ingem e s and
ich solliches Buch e leg nnd ange angen habe, auch Solliches nie Co igi […]
( ol. 4 ), wu den die ühe en Aus üh ungen in seinem Mannesal e neu s ilisie .
76 BRÜCKEN 31/2
Die Handsch i de Memoi en weis d ei Phasen ih e En s ehung au : 1) bis 1621,
2) nach 1621 und 3) in den d eißige Jah en des 17. Jah hunde s.
5
Das Manusk ip
is zwa 1612 da ie , abe de Tex wu de nich inne halb eines Jah es gesch ieben.
Hein ich Hiese le on Chodau mach e konsequen seine Au zeichnungen sei dem
neunzehn en Lebensjah . E begann zwischen 1611 und 1613, als e mi seine Familie
zu ückgezogen leb e, seine Memoi en au Deu sch zu sch eiben. De Tex um ass
die Zei on Hiese les Gebu bis 1611. Als e 1614 nach einem einjäh igen In e mezzo
in den Diens en on Leopold on Passau zu seine Familie zu ückkeh e, mach e e
sich da an, seine Memoi en e neu , aus üh liche und in schechische Sp ache zu
e assen. Aus unbekann en G ünden beende e e die schechische Fassung nich :
Sie besch eib Hiese les Leben nu on An ang an bis zum Ende seine Reise du ch
Wes eu opa 1607. Nach 1621 se z e Hiese le die deu sche Fassung de Memoi en in
Fo m eine o lau enden E zählung mi de Lebensbesch eibung bis zum Jah 1621
o . In den d eißige Jah en des 17. Jah hunde s and das We k ein d i es Mal seine
Au me ksamkei . Diesmal sch ieb e keine o lau ende E zählung, sonde n e zeich‑
ne e einzelne Familiengeschich en und Absch i en einige B ie e und Dokumen e
o wiegend p i a en Cha ak e s au . De abschließende Teil de deu sch gesch iebe‑
nen Memoi en wu de on Hiese le in seinen Ruhes andsjah en ollende .
2.2 AUTOR
Das Leben und Schicksal on Hein ich Michael Hiese le on Chodau
6
[auch: Hise ‑
le,His le, Hiese le, Hiesse le, Hysse le, Es e le; schechisch: Jindřich Michal Hýz le
zChodů (auch: Hyz le)] (1575–1665), übe die e in seinen deu sch und schechisch
gesch iebenen Memoi en be ich e e und als Zeugnis on seinen Aben eue n und
Reisen du ch Eu opa hin e ließ, wa en du ch seine He kun bes imm :7 E s amm e
aus eine u sp ünglich deu schen, spä e schechischen a men adligen Familie, die
Chodau [Chodo ] bei Elbogen [Loke ] in Wes böhmen besaß.8 Seine Ausbildung e ‑
hiel e im Al e on sieben Jah en wah scheinlich in eine S ad schule in de Nähe
seines Heima o es Salesl [auch Zalesl; Zálezly] in Südböhmen. Be ei s im Al e on
zehn Jah en begann e 1584 seinen Diens bei Johann on Pe ns ein [Jan zPe nš ejna,
1561–1597]. Nach seine Bekeh ung zum ka holischen Glauben wu de e 1587 au Emp‑
ehlung des kaise lichen Gene als Johann on Pe ns ein in den Diens des E zhe zogs
E ns on Habsbu g, des B ude s on Kaise Rudol II., ges ell . Am Ho des E zhe zogs
e ie e Hiese le seine Ausbildung und le n e Li e a u , Ho e ike e, Tanzen, Rei en,
Fech en und omanische Sp achen, du ch die sich ein pe ek e Ka alie auszeich‑
5 Zu En s ehungsgeschich e de Memoi en on Hein ich Hiese le on Chodau siehe Pe áň (1979:
379–385).
6 Die zei genössische Sch eib a ian e des Namens, die auch in den Memoi en e schein , wa Hiesse le
on Chodaw.
7 Zu He kun und zum Leben Hein ich Hiese les on Chodau im gesellscha lichen und poli ischen
Kon ex de zwei en Häl e des 16. und de e s en Häl e des 17. Jah hunde s siehe Pe áňo á (1979:
7–20), Ko eš (2016: 291–300), Bůžek/H dlička/K ál/Vybí al (2002: 81 .), Bůžek (1995: 70–79), Bůžek
(1996: 83 .).
8 Die e s en Belege übe die Familie Hiese le s ammen aus dem 15. Jah hunde . Das Geschlech s a b
am Ende des 18. Jah hunde s aus (Halada 1992: 61 .; O o 1897: 1065).
77LENKA VODRÁŽKOVÁ
ne e. Neben Tschechisch und Deu sch behe sch e e eilweise La ein, F anzösisch,
Spanisch, I alienisch und spä e auch Unga isch und Polnisch:9
[Sie haben] nsz Edelkhnaben alle lay Ri e liche Exe ci ia Vben nnd leh nen
lassen, Als namblichen Rei en, Fech en, Sp inngen, Dann zen, Vol egi n, langen
spiesz heben, Ringell Rennen, zu Rosz nnd Fusz Tu ni n, dann auch ande e Sp a‑
chen, als La einisch, Wellisch, Spannisch nnd F anzösisch zule nen anbeuelchen
laszen, Inn Summa, wa zu ein Jede begi ligkhai nnd Lus gehab . ( ol. 7 )
Neben S udien un e nahm Hiese le mi seinem He n auch S udien eisen. Im Ge olge
des E zhe zogs eis e e du ch einen g oßen Teil Wes eu opas. Im Jah 1593 beglei‑
e e e ihn au de Reise on Wien nach P ag und dann übe Nü nbe g, Wü zbu g,
F ank u am Main, das Rheinland und Luxembu g in die Spanischen Niede lande,
wo E zhe zog E ns on Habsbu g on 1593 bis 1595 als S a hal e de Spanischen
Niede lande in B üssel ä ig wa . De Au en hal am B üssele Ho p äg e den jungen
Mann ü s Leben.
Nach seine Rückkeh in Mi eleu opa en schied sich Hiese le ü eine mili ä ische
Lau bahn, de e bis zum Ende seines langen Lebens eu blieb („all mein Sinn nnd
gedanckhen [sind] wide nach dem K iegswesen ges anden“; ol. 22 ). E ech e ig e
seine mili ä ische Lau bahn mi de E inne ung an die K iegs a en seine Vo ah en,
10
wie olg :
Was abe mich zu diesem we ckh bewegen hu , is nich s ande s , als diese
6 punc en, zu o de is die Liebe nd ey e des Va e lands, Das Ande die ew, bey‑
s and nd a ec ion zu demselben, Das D i e die Tap e kei nse e Vo El e n nd
o ah e , da uon wi in iel einhaimbischen, auch ausländischen C onicken nd
His o ien lesen, Zum Vie den Jezige zus ehende nd übe alge eh liche Zei , Zum
Fün en die gnedigis e e gleichung Ih Kayse lichen Mayes ä als Khönig in Böh‑
men mb die bewe bung de LandsDe ension, Vnd Zum Sechs en, so be ind Ich in
iel His o ien, das eine nie genugsamb seinem Va e land dienen nd beysp ingen
kan, als e s zu hun schuldig is . ( ol. 158 )
Um zu Ruhm und Reich um zu gelangen, nahm Hiese le am Feldzug gegen die Tü ken
an: E schloss sich de kaise lichen A mee an,11 die in Unga n gegen die Tü ken in
den Jah en 1594, 1596 und 1603–1606 kämp e,12 und zwa als Ri meis e de Ka al‑
le ie, dann als Obe s . Den Win e 1594 e b ach e e im Familiensi z in Salesl und
im F ühjah 1595 wa e am Ho on Kaise Rudol II. in P ag. Nach dem Tod seines
9 Die Sp achkenn nisse wa en ü den böhmischen Adels im 16. und 17. Jah hunde on g oße
Bedeu ung; im Wesen lichen handel e es sich um Tschechisch, Deu sch, La ein, I alienisch, Spanisch
und F anzösisch. Zu adeligen Ausbildung im 16. Jah hunde siehe Maťa (2004: 307–323).
10 Zu Geschich e des Adelsgeschlech s Hiese le on Chodau siehe Bůžek (2016: 35).
11 Hein ich Hiese le on Chodau s and in den Diens en alle Kaise , die e e leb e: Rudol II., Ma hias,
Fe dinandIII. und LeopoldI. So wa e auch on de K iegsp opaganda und de Agi a ion des
kaise lichen Ho es beein luss . Mili ä ische Au gaben b ach en dann Hiese le und den spä e en
Gene alissimus Alb ech on Wallens ein (1583–1634) zusammen (Pe áň 1979: 386).
12 Zu Hiese les mili ä ische Lau bahn in den Jah en 1594–1604 siehe Bůžek/H dlička/K ál/Vybí al (2002:
82) und Pe áňo á (1979: 10–12).
78 BRÜCKEN 31/2
Onkels Johann Hiese le on Chodau in Cholupi z [Cholupice], Kunne sdo [Kun a‑
ice] und Poppowi z [auch Popowi z; Popo ice] e b e e dessen gesam en Besi z und
e ließ dahe 1597 das Schlach eld. Nachdem e sei 1603 an einem Feldzug gegen
die Tü ken wiede eilgenommen ha e, keh e e im No embe 1606 nach Böhmen
zu ück. Von Feb ua 1607 bis F ühjah 1608 un e nahm Hiese le seine längs e Reise
du ch Eu opa– e besuch e Ös e eich, die deu schen Lände , F ank eich, England
und die Niede lande. Unmi elba nach seine Rückkeh aus Wes eu opa wu de e
1608 on den böhmischen S änden als Ri meis e on Rudol II. gegen seinen B ude ,
E zhe zog Ma hias, anges ell . Im Jah 1610 e nann e ihn de Ne e des Kaise s, Bi‑
scho Leopold on Passau, zu seinem Kämme e . Wäh end des Passaue Einma sches
in Böhmen bekleide e Hiese le das Am des Be ehlshabe s de böhmischen A ille ie
au Sei en de böhmischen S ände. Wegen seine Doppelzüngigkei wäh end des
Kon lik s zwischen den böhmischen S änden und den Passaue n, wu de Hiese le zu
eine zweimona igen Ha s a e e u eil . In den Jah en 1616–1618 wa e am Ho e des
Ma gg a s Ka l on Bu gau als Kamme diene ä ig.
13
Zu Beginn des böhmischen S än‑
deau s andes schloss e sich dem Kaise an: E ging nach Budweis [České Budějo ice]
und on do nach Wien, um ü den Kaise ein Regimen on A kebusie en au zu‑
s ellen, mi dem e die ös e eichische Haup s ad gegen die A mee de böhmischen
S ände e eidig e. Im Jah 1619 nahm e an den Kämp en in Mäh en und Ös e eich
eil und 1620 zog e mi de ka holischen A mee in Böhmen ein. Im da au olgenden
Jah kämp e e bei Neuhäusel [No é Zámky] in de heu igen Slowakei, abe e muss e
dann aus gesundhei lichen G ünden seine mili ä ische Lau bahn au geben. Wäh end
des D eißigjäh igen K iegs be eilig e e sich au G und des kaise lichen E lasses an
de Reka holisie ung. Im Jah 1626 ode 1628 wu de e in den böhmischen Adelss and
e hoben. Einen wich igen mili ä ischen Pos en ha e e zule z 1631–1632 wäh end
des sächsischen Einma sches in Böhmen inne, als e Kommandan de Ga nison in
Budweis wa . Hein ich Hiese le on Chodau s a b im hohen Al e on 91 Jah en.14
2.3 INHALT
Die Memoi en on Hein ich Hiese le on Chodau wu den im Zei al e de Renaissance
e ass , als die Memoi enli e a u und beleh ende Reisebe ich e in den böhmischen
Lände n ih en Höhepunk e eich en. Hiese le besch eib in seinem We k die wich igs‑
en E eignisse seines Lebens, und zwa on seine Ka alie s eise und Ka alle ieka ie‑
e übe die mili ä ischen Auseinande se zungen, an denen diese kaise liche O izie
eilnahm, bis zum Ende des D eißigjäh igen K iegs; die Memoi en enden um 1648.
De We de Memoi en lieg in Hiese les eigenen Beobach ungen und E ah‑
ungen on seinen Reisen in Eu opa, in au hen ische Schilde ung und Bewe ung
de e leb en E eignisse sowie in Besch eibungen on Feldzügen und Schlach en, an
denen e eilnahm. In seinen Memoi en leg Hiese le im Wesen lichen eine kohä en e
E zählung o , die ein ach und spon an is . Die E lebnisse schilde e ohne Dis anz
aus seine eigenen Pe spek i e und e is in de Lage, ein au hen isches E lebnis zu
e mi eln. Gleichzei ig i seine Pe sönlichkei aus seinen E inne ungen lebendig
13 Zu Hein ich Hiese le on Chodau als Kamme diene an adeligen Hö en siehe Maťa (2004: 837).
14 Zu Hiese les Schicksal nach 1604 siehe Ko eš (2016: 290–300) und Bůžek (2016: 22–39).
79LENKA VODRÁŽKOVÁ
he o . So we den dem Lese die lebendige A mosphä e de Zei und das pe sönliche
P o il des Au o s du ch die Memoi en nähe geb ach . De Inhal de Memoi en wi d
du ch das P isma de In e essen des Au o s bes imm : Hiese le konzen ie sich
au die E eignisse um ihn he um und in seine Umgebung sowie au gesellscha lich
p ominen e Menschen, mi denen e neue Bekann scha en und F eundscha en
schloss. Zu seinen eind inglichs en E lebnissen gehö en Banke e, Bälle, Ri e spiele
und Fes e mi Maskenumzügen. Zum g oßen Teil widme e seine Au me ksamkei
de Schilde ung mili ä ische Ak ionen und seinen eigenen K iegse ah ungen, z. B.
in den Tü kenk iegen be ach e e die Tü ken als einen gleichwe igen Gegne . Als
Solda in e essie e e sich ü opog aphische und geog aphische Handbüche , in
denen die En e nungen zwischen den S äd en in Meilen angegeben wa en. In seinen
Memoi en kopie e e die Da en ech mechanisch, o allem zu Beginn de deu schen
Fassung.15 Aus his o ische Sich is die E zählung übe die In asion de Passaue zu
wü digen.16 Die e s en Jah e des D eißigjäh igen K iegs wu den zu den e olg eichs en
Jah en seines Lebens und zu einem de eind ucks olls en Teile seine Memoi en. Die
E zählung e gänz e mi Besch eibungen on Dokumen en und B ie en du ch, die
sein wachsendes Ansehen ode seine Ka ie e demons ie en und on seinem Besi z
und seinen Familien e häl nissen zeugen.
Gegen Ende de Memoi en üg e de Au o eine sepa a e Abhandlung übe Mili‑
ä heo ie ein.17 Diese deu sche T ak a (1616) un e dem Ti el K iegs Discü s Vbe de
hochlöblichen C on Böhmen Land De ension, wie dieselbe im all de no h (als ein e ö ne es
Land) o dem Feind geschuz nnd in de eyl mi dem Landuolck (bis das man zu de we ‑
bung g ei en möch e) geschi me we den, Auch alle ley Muni ion nd uic ualia selbs im
Land mech ig sein kön en wa u sp ünglich an die böhmischen S ände ge ich e . Hie
emp ahl Hiese le eine Re o m des Mili ä s, insbesonde e des Sys ems de S ad e ‑
eidigung, denn e wa de Meinung, dass nich nu Söldne , sonde n auch gu aus‑
gebilde e S ad bewohne eine Ga an ie ü die Siche hei da s ell en.18
2.4 ÜBERLIEFERTE HANDSCHRIFTEN
Die Memoi en on Hein ich Hiese le on Chodau s ellen eine beme kenswe e Quelle
auch aus sp achliche Sich da , weil sie die sp achlichen Ve häl nisse in den böh‑
mischen Lände n du ch ih e zweisp achige– deu sche und schechische– Fassung
genau wiede geben.
Die deu sche Fassung des Manusk ip s be inde sich sei 1892 in de Biblio hek des
Na ionalmuseums in P ag, un e de Signa u VI A12. Sie en häl 185 numme ie e
Papie blä e ; das Manusk ip is un olls ändig.19 Au dem Foliobla 3 be inde
sich de Ti el Raisz Buch nd Leben, Da innen beg i en, was Ich Hein ich Hiesse le on
Chodaw seide om Ail en Ja meines Al e s, als de Anno 1586 Ange angen nnd ge ü e , So
15 Zum Beispiel die Folioblä e 7 (Reise on P ag nach Wien), 7 (Reise on Wien nach S eie ma k), 8
(Reise on G az nach Kä n en) usw.
16 Zu his o ischen Bewe ung de in den Memoi en geschilde en E eignisse siehe Pe áňo á (1979: 22),
Pe áň (1979: 380) und Hýz le (1993: 388).
17 Im deu sch gesch iebenen Manusk ip handel es sich um die Folioblä e 157 –180 .
18 Zum his o ischen Kommen a des K iegsdisku ses siehe Kubeš/P chal (2021: 38 .), Pe áň (1979: 385 .).
19 Einige Papie blä e sind ausgeschni en ode he ausge issen.
80 BRÜCKEN 31/2
mi Figu en hiebeineben gezie e , nnd je z au s New abgesch iben wo den, im 1612. Die
Da ie ung 1612 bezieh sich au den e s en Teil des Manusk ip s. De Tex is in deu ‑
sche neugo ische Halbku si sch i gesch ieben, mi la einischen und ande ssp a‑
chigen Einschüben in humanis ische Sch i . Das Manusk ip wu de nacheinande
on den on Hiese le beau ag en Sch eibe n gesch ieben, 20 de le z e Teil s amm
wah scheinlich on Hiese le selbs .
21
Die deu schen Memoi en ließ Hiese le kalli‑
g aphisch absch eiben und au wendig mi Illus a ionen e sehen: Die Handsch i
ha insgesam 65 kolo ie e Illus a ionen, on denen 32 ganzsei ig sind. Neben dem
küns le ischen We dokumen ie en sie auch die einzelnen E eignisse, z. B. das Cas‑
um dolo is on Kaise Rudol II. bei seine Bee digung im P age S . Vei sdom ode
die Vedu e de P age Bu g. Die Illus a ionen wu den in d ei Zei äumen gescha ‑
en, in denen Hiese le an keinem K ieg be eilig wa – in den Jah en 1612–1618, nach
1630 und um 1646. De Au o de Handsch i wa da in ak i : E e ig e Skizzen an,
s and in Kon ak mi meh e en P age Buchmale n, gab ihnen Ra schläge und such e
selbs nach g a ischen Themen. Einige de Illus a ionen ließ e nach S ichen malen
(z. B. die Schlach bei Lü zen). Hýz les Po ä be inde sich au dem Foliobla 54
de deu schen Fassung.22
Die schechische Ve sion de Memoi en Ži o , němž se obsahují něk e é jízdy a ažení,
k e é sem já, Jindřich Hýz le, s obodnej pán zChodů, činil. Též způsob šeho ži o a mého, co
sem sobě od dě ins í s ého p o paměť odu s ýmu, dědiců[m] abudoucím mejm poznamená‑
al ado ěch o kněh s ou las ní ukou epsal a igu ami ozdobi i dal. Lé a Páně 1614 wi d
im P age Na ionala chi (Ná odní a chi P aha) un e de Signa u A215 au bewah .
Sie is 1614 da ie . Im Un e schied zu deu schen Fassung schilde die schechische
Ve sion einen kü ze en Lebensabschni des Au o s. Obwohl sie einen un ollende en
To so da s ell , sind hie Hiese les Lebens‑ und Reisebesch eibungen um ang eiche ,
homogene und kompak e als in de deu schen Fassung. Die schechischen Memoi en
sind in ollem Um ang Hiese les Au og aph. Die schechisch gesch iebenen Memoi en
wa en u sp ünglich als ein ep äsen a i es We k wie die deu sche Ve sion geplan ,
abe die Illus a ionen enden schon am An ang des Manusk ip s.23
Die Beziehung zwischen de deu schen und schechischen Fassung is ei, d. h.
es handel sich nich um eine Übe se zung. Die Reihen olge de E eignisse is gleich.
Im Ve gleich de beiden sp achlichen Fassungen de Memoi en is die Bedeu ung
de deu schen Ve sion g öße , denn de Tex de Memoi en um ass den gesam en
Zei aum bis zum Ende on Hiese les Leben und lie e ein olls ändige es Zeugnis
on dem zei genössischen Geschehen, das ein S ück des his o ischen und kul u ellen
Pano amas de u bulen en Epoche de F ühen Neuzei bilde .24
20 Au dem Folio 84a komm es zum Wechsel de Sch eibe hand.
21 Zu Handsch i de deu schen Fassung siehe Pe áň (1979: 379–382) und D agoun (2021: 72–75).
22 Zu Besch eibung de Illus a ionen in de deu sch gesch iebenen Ve sion on Hiese les Memoi en und
zu de en Kommen a aus kuns his o ische Pe spek i e siehe Vacko á ‑Šípo á (1963: 118–122), Vacko á
(1979: 388–392) und Šá o co á (2021: 43–71).
23 Zu schechischen Fassung de Memoi en siehe Pe áň (1979: 382–384).
24 Zum Ve gleich de deu schen und schechischen Ve sion on Hiese les Reise‑ und Lebensbesch eibungen
siehe Pe áň (1979: 384 .).
81LENKA VODRÁŽKOVÁ
3. EDITIONEN DER MEMOIREN VON HEINRICH HIESERLE
VON CHODAU
In Bezug au das Fo schungsin e esse ü Hiese les Memoi en wu de zue s die sche‑
chische Ve sion in Be ach gezogen, denn die deu sche Fassung wa bis 1892, als sie
ü die Handsch i enab eilung des Na ionalmuseums gekau wu de, den Fo sche n
unzugänglich. Die einzelnen Auszüge aus de schechischen Ve sion de Memoi en
wu den sei den ach zige Jah en des 19. Jah hunde s in li e a ischen An hologien
und Fachzei sch i en e ö en lich .25 Die deu sche Fassung bzw. ih e Auszüge und
Illus a ionen e weck en die Au me ksamkei d eißig Jah e spä e .26 Bis zu e s en
Edi ion de Memoi en wu de das We k zwa on His o ike n und Li e a his o ike n
zi ie , abe es blieb einem b ei e en Lese k eis als li e a u ‑ und kul u his o isches
Denkmal unzugänglich.
Die e s e Edi ion de Memoi en wu de e s 1979 un e dem Ti el Příběhy Jindřicha
Hýz la zChodů [Die Geschich en on Hein ich Hiese le on Chodau] om Ve lag Odeon
im Rahmen de Edi ions eihe Ži á díla minulos i [Lebendige We ke de Ve gangenhei ,
Bd. 86] he ausgegeben. De Band en häl sowohl die schechische als auch die ins
Tschechische übe se z e deu sche Fassung de Memoi en des kaise lichen O izie s
Hein ich Hiese le on Chodau. Mi Rücksich au den Tex e gleich de beiden Fas‑
sungen beach e en die He ausgebe in de Edi ion auch die Passagen, die sich in de
schechischen und deu schen Ve sion übe schneiden. Die Edi ion wu de on Vě a
Pe áčko á und Jan Vogel anz un e Mi wi kung on Lydia Pe áňo á o be ei e .
Alena Šimečko á übe se z e den Tex de Memoi en aus dem Deu schen ins Tsche‑
chische. Eine S udie zu En s ehungsgeschich e on Hiese les Memoi en s amm on
Jose Pe áň. Eine Abhandlung zu Illus a ionen e ass e Ja mila Vacko á, die sich
mi dem Thema sei den sechzige Jah en beschä ig ha e (Vacko á ‑Šípo á 1963). An
dem O snamen egis e haben de Ge manis Emil Skála und de Bohemis Ka el Oli a
zusammengea bei e . Die Edi ion en häl nich den K iegsdisku s, de „auße halb des
Memoi en ‑Gen es s eh “ (Pe áň 1979: 385) und die ande en d eizehn Tex passagen
mi Absch i en de U kunden (Pe áň 1979: 387). Das Ziel de Edi ion wa nich nu
„das We k in seine Gesam hei zugänglich zu machen, sonde n wi nu zen die Ge‑
legenhei , zwei li e a isch un e schiedliche Fassungen gegenübe zus ellen“ (Pe áň
1979: 387; übe s. L. V.).
Nach meh als ie zig Jah en keh e das P age Na ionalmuseum zu Hiese les
Memoi en zu ück und e ö en lich e 2021 das zweibändige We k un e dem Ti el
Ces y aži o Jindřicha Hýz la zChodů [Die Reisen und das Leben on Hein ich Hiese le
on Chodau]: De e s e Band en häl e kleine e Faksimiles de Handsch i und
de zwei e Band um ass wissenscha liche S udien mi de deu sch ‑ schechischen
Edi ion de Memoi en. Die Edi ion geh ausschließlich on de olls ändigen deu sch
25 De Tex de Memoi en weck e die Au me ksamkei schon sei dem 19. Jah hunde , als auch eine
Edi ion geplan wa . Hiese les schechisch gesch iebene Memoi en wu den z. B. on Ka el Ja omí
E ben und Alois Ji ásek zu Kenn nis genommen. Obwohl K. J. E ben die Ve ö en lichung de Memoi en
be ei s 1858 ankündig e, kam sie nich zus ande und es wu den nu Auszüge he ausgegeben, z. B. in
Jose Ji ečeks An ologie zli e a u y české (Bd. 2) on 1881 (Pe áňo á 1979: 22 .; Pe áň 1979: 384).
26 Die deu sche Fassung de Memoi en e schien in Auszügen in Sněmy české (hg. on J. B. No ák, 15/1, N .
145, 1914; dazu Pe áň 1979: 384 .).
88 BRÜCKEN 31/2
geb auch hal en sich diese Sch eib a ian en bis übe s F ühneuhochdeu sche hinaus,
wobei ‹ch› du ch die ande en, deu liche en Sch eib a ian en wäh end des 15. Jah ‑
hunde s e d äng wu de (Mose 1929: 59 . [§ 34]; Mose 1951: 132 . [§ 139] u. 278–288
[§ 150]). In den Belegen wie Be elch (> Be ehl) bzw. be ilch (> be iehl ), ziechen (> ziehen),
e leichen (> e leihen) s eh ‹ch› e einzel ü al es /h/ (Reichmann/Wege a 1993: 121
[§L56]). Fe ne e schein in de Handsch i in Ini ials ellung die p ‑Sch eibung, die im
Obe deu schen bis ins 17. Jh. g ei ba is (Mose 1951: 122–132 [§ 138]), z. B. (Pah scha en
> Ba scha en, Pas eyen > Bas eien); diese komm auch in indi ek e Ini ials ellung o
(z. B. en pie en > en bie en, en plëss > en bläss ). Daneben e gib sich hie ein Schwan‑
ken zwischen de his o ischen Sch eibung mi ‹p› und de änkischen mi ‹b› sowohl
in de Ini ials ellung als auch im indi ek en Anlau , z. B. Pawen s. bawen s. gebawe ,
Po scha s. Bo scha , Pein s. Bein, Püchsen s. büchsen, Pangke s. Banckhe en. Diese
Doppels ellung e schein in obe deu schen bzw. in alemannischen und schwäbischen
Handsch i en, in bai ischen Handsch i en des 14. und 15. Jah hunde s komm im
unmi elba en Anlau du chgehend ode egelmäßig ‹p› o (Mose 1951: 103–112 [§ 137;
Anm. 1a–b]). In den obe deu schen Handsch i en wi d ‹ › s a ‹d› häu ig geb auch
(z. B. Teu sch, Teu schland , T agone , ge uck e , be ängnus). Um eine Re lexion de
binnenhochdeu schen Konsonan enschwächung im Obe deu schen handel es sich z.
B. in Bäbs liche (> päps liche), geblünde (> geplünde ), (in) Tebichen (> Teppichen)
Tü ggen (> Tü ken), was mi de be e enden Zei ko espondie . Die Auslau e ‑
hä ung is in Einzelbelegen, z. B. Tausen (> Tausend), ma kie ; ‹ › im Auslau zeig
sich als Ma kie ung de Auslau e hä ung im Obe deu schen ech o .
45
Fe ne gib
es mb/mp ‑Sch eib a ian en de spä e assimilie en Konsonan eng uppe /mb/, die im
Gesam ühneuhochdeu schen, o allem im Obe deu schen, im Auslau im 16. und
17. Jah hunde e b ei e wa en, z. B. mbgehen (> umgehen), zimblich (> ziemlich),
Fo mb (> Fo m), Leu enamp (> Leu enan ) sowie Amb (> Am ) s. Ämp e n (> Äm e n)
(Mose 1929: 43 [§ 29]). Die Ve ände ung /w/ > /b/ in Wi ib (> Wi we) he sch sei
dem äl e en F ühneuhochdeu schen im obe deu schen Gebie .46
Im Be eich des Fo menbes ands sind einige on den Schwankungen de Plu al‑
bildungen egional bes imm , z. B. die e ‑Plu al o m: Im Obe deu schen, wo sich de
Schwund des Vokals /e/ im Wo auslau sei dem 13. Jah hunde du chse z e und im
16. Jah hunde seinen g öß en Um ang e eich e, e scheinen die Plu al o men ohne
/e/,47 z. B. 2 S und (> 2 S unden). De Schwund des Vokals /e/ bzw. auch de ande en
Deklina ionsendungen be i auch die Adjek i e, z. B. das g osz geschu z, gu Volck
und P onomen, z. B. niemand (s a niemanden), on iemand . Bei dem Nume ale zwei
bleib ins das 16. Jah hunde eine Genusdi e enzie ung im Nomina i , wobei in den
Memoi en die obe deu schen Fo men zwen bzw. zween ü Maskulina und Neu a und
zwo ü Feminina nebeneinande o kommen (zwen G a en, zwen Söhne, zween He n,
45 Die Auslau e hä ung wi d sei dem äl e en F ühneuhochdeu schen nich meh konsequen gekenn‑
zeichne (Schmid 2004: 331).
46 Sei dem 16. Jah hunde e b ei e sich diese obe deu sche Fo m auch in den mi eldeu schen Raum
(Mose 1951: 87 . [§ 131]).
47 De e ‑Schwund im Auslau begann im Bai ischen in de zwei en Häl e des 13. Jah hunde s. Das
Os mi eldeu sche wu de e s im 16. Jah hunde e ass und da auch nu in seinen südlichen Teilen
(Ha weg/Wege a 2005: 155).
89LENKA VODRÁŽKOVÁ
zwo Compagnien, zwo Heylige Messen).48 Im Obe deu schen inde sich neben wollen (z. B.
wollen e legen) und wellen (z. B. wellen leiden) die bis 17. Jah hunde häu ige Va ian e
de ge unde en Fo m wöllen (z. B. wöllen hal en); gleichzei ig sind im Manusk ip auch
die dem Konjunk i en lehn en Umlau o men beleg , z. B. wölle sein (Reichmann/
Wege a 1993: 87–90 [§L45]).
Im Be eich de Wo bildung dominie en on den De i a ionssu ixen ‑lich, das sich
im obe deu schen Raum inde , z. B. he zlich, eund lich, glückhlich, und ‑nus bzw.
‑nuß, das im Manusk ip konsequen e wende wi d und in südlichen Gebie en des
deu schsp achigen Raumes, insbesonde e im Bai ischen, dem mi eldeu schen Su ix
‑nis en sp ich ,
49
z. B. Ve zeichnus, gedech nus, e lobnus, e laubnus, bewegnus, Beg äbnus,
ge ängnus. Fe ne sind auch konku ie ende Fo men mi ob (s a de P äposi ion übe
und obe halb on ode des Ad e bs oben und obe halb) im Bai ischen zu beach en, z.
B. da ob (> da übe ), obbemel en (> oben e wähn en), obbe ü (> oben genann , oben
ange üh ), obbesag e (> oben besag e), obbenen e (> oben benann e ) (Reichmann/
Wege a 1993: 304 . [§M146]). Bei den Diminu i su ixen läss sich au das obe deu sche
‑lein (z. B. S äd lein, wö lein, Röh lein, Fäszlein, Schi lein, K ieglein, K eußlein) und ‑el
(z. B. Balsambüchsel) bzw. seine synkopie e Fo m, z. B. S ückl, Dö l) hinweisen.50
Die Memoi en en hal en in Bezug au Hiese les mili ä ische Lau bahn o wiegend
im sog. K iegsdiscu s ein achbezogenes Vokabula .51 Zum Ke n des Fachwo scha ‑
zes gehö en die Lexeme K iegsmann und Solda . „K iegsmann“ ( schech. Va ian en
k ýksman, k yksman, k ygsman, k ígsman) wa bei Hiese le nach dem zei genössischen
Usus om „Solda “ un e schiedlich. Im K iegsdisku s handel e es sich um einen Mann,
de an K iegsak i i ä en be eilig wa . Ein „K iegsmann“ wa in Hiese les Au assung
mi eine höhe en mili ä ischen Kuns e bunden. Es handel e sich dabei um Adelige,
die sich um die E üllung de S andeseh e bemüh en und die e wa e en Eigen‑
scha en eines „ ommen, Eh lichen, ge ech en nd Go s ü ch igen, Andäch igen“
( ol. 164 ) K iege s au wiesen.52 Un e einem „Solda en“ e s and Hiese le Söldne
o wiegend ohne S andeszugehö igkei : „die Solda en, wan sies wissen, das gu Qua ‑
ie , ich ige bezahlung nd e leidenliche Tax gemach is , we den ohne Zwei el den
S äd en zulau en nd sich we ben laßen“ ( ol. 179 – 179 ).53 Im Zusammenhang mi
dem Lebensschicksal des Au o s is au den aus dem I alienischen ca alie e en lehn en
Cauaglie (auch: Cauagli i, Cauaglie i in Bedeu ung „Edelmann“, „Ho mann“ und auch
„O izie “) hinzuweisen, de mi den Ka alie s eisen ode Ka alie s ou en als einem
48 Die Fo m zweene bleib im Os mi eldeu schen im 16./17. Jah hunde häu ig (Reichmann/Wege a 1993:
206 . [§M58]).
49 Zu obe deu schen Wo bildungssu ixen siehe Schmid (2004: 354).
50 Zu egionalen Aspek en de Diminu i su ixe siehe Mose (1929: 96 [§ 60; Anm. 2]).
51 Im Ve gleich mi de schechischen Fassung de Memoi en is Hiese les deu sche Wo scha z ä me
und beg enz e , was sich in Wiede holungen de Wö e wide spiegel . Šimečko á 1979: 394.
52 Seine Au assung e wei e e Hein ich Hiese le on Chodau in K iegsdiscu s übe de hochlöblichen C on
Böhemn Land de ension aus dem Jah e 1615, wo e sich au die Velesla íns Ausgabe de Sch i Poli ica
His o ica (1584) übe K ieg und F ieden sowie au Hájeks Česká k onika [Böhmische Ch onik, 1541]
s ü z e. Aus poli ischen G ünden e schien Hiese les Abhandlung nich im D uck, sonde n wu de den
Memoi en angeschlossen (Ži ný 2016: 43).
53 Zum „K iegsmann“ im his o ischen Kon ex des 16. und 17. Jah hunde s Ži ný (2016: 42).
90 BRÜCKEN 31/2
Bes and eil de E ziehung eines Adeligen wäh end des ganzen 17. Jah hunde s in
Mi eleu opa e bunden wa .54
Aus syn ak ische Pe spek i e cha ak e isie den Tex eine s a k pa a ak ische
Syn ax. Es e scheinen hie ein ache und zusammengese z e Aussagesä ze in de
Fo m des Indika i s P äsens (bei Sach e hal sbesch eibungen) ode P ä e i ums
(bei Handlungsbesch eibungen), die on abella ischen Au lis ungen de O e ode
Pe sonen beglei e we den.
55
In s ilis ische Hinsich is de Tex on Hiese les Bil‑
dung abhängig, die im Ve gleich mi zei genössischen Hochadeligen ein nied ige es
Ni eau ha e. Die Quali ä de sp achlichen Wiede gabe is in de gesam en Hand‑
sch i uneinhei lich: Bei de Absch i de deu schen Memoi en wu de die Vo lage
s ilis isch e ände . De An ang e weis die Fo m eines hinzuge üg en, gekü z en
Ein ags, de on dem Tagebuch eines el jäh igen Jungen ausgeh .56 De mi le e Teil,
de den inhal lichen Abschni on de Reise du ch die Fü s enhö e Wes eu opas
bis zu Hiese les an i e o ma o ischen Ak i i ä en um ass , is am bes en en wickel
und s ilis isch bea bei e . Es läss sich e mu en, dass die mi de Absch i be au‑
en Sch eibe die Vo lage s ilis isch e ände haben.57 De le z e Teil de Memoi en,
den Hein ich Hiese le on Chodau wohl eigenhändig sch ieb, is du ch das deu lich
nied ige e s ilis ische und sp achliche Ni eau gekennzeichne , was sich o allem in
de mangelnden syn ak ischen Kohä enz des Tex es zeig .
Obwohl in den Memoi en in Bezug au den egionalen Aspek die sp achlichen
E scheinungen süddeu sche P o enienz übe wiegen, bleib de Tex on mi eldeu ‑
schen Elemen en nich unbe üh .
58
T o z egionale Me kmale zeig die sp achliche
Analyse im Ganzen, dass de im F ühneuhochdeu schen begangene Ve einhei li‑
chungsp ozess de deu schen Sp ache in ensi e lie . Diese Ve einhei lichungs en‑
denzen im spä en F ühneuhochdeu schen üh en dann allmählich zu No mie ung
und He ausbildung de neuhochdeu schen Sch i sp ache.
5. SCHLUSS
Die Memoi en des adligen O izie s Hein ich Hiese le on Chodau e lek ie en das
Bild eines Mannes und seines Ve hal ens und Handelns nach den Idealen des ch is ‑
lichen Ri e ums. Gleichzei ig s ellen sie einen Spiegel de o weißbe gischen, mi
de an i ü kischen Poli ik und P opaganda kon on ie en Gesellscha sowie de
54 Zu Ka alie s eisen in de Zei de Renaissance siehe Bo o ička (2010: 146–200), Maťa (2004: 307–318)
und Hojda/Chodějo ská (2014: 23–31).
55 Zu Da s ellungsmi eln nich sp achliche A gehö en e ne Skizzen, Schema a usw. Zu den Tex en
in o mie enden und dokumen ie enden Cha ak e s siehe Reichmann (1988: 52 u. 170).
56 Zum Konzep und s ilis ischen Ni eau de Memoi en siehe Pe áň (1979: 379).
57 Zu Rolle de Sch eibe bei de En s ehung des Manusk ip s siehe Pe áň (1979: 383 .).
58 Zum Beispiel die Lenisie ung des mhd. / / > /d/ ode /d / im An‑ und Inlau wu de o allem in
mi eldeu schen Dialek en ealisie , und zwa auch in de Ve bindung ‑n ‑ > ‑nd‑ (z. B. Vnde henigkei ,
hinde ) und ‑l ‑ > ‑ld‑ (z. B. e halden), abe es komm hie abe auch z. B. oben bemel en o . Die
Lenisie ung de Fo es / / > /d/ und /k/ > /g/ im Auslau se z e sich im Neuhochdeu schen du ch (z. B.
Tod , geld , land , s ad ); im Inlau Seid en (Sei en). Das a hema ische Ve b sein weis in de o liegenden
Handsch i die schwache Fo m des Pa izips P ä e i um gewes au , die sei dem 13. Jah hunde im
Mi eldeu schen und Os änkischen e wende wi d. Die Fo m gewes wi d mi de allmählichen
No mie ung sei dem 17. Jah hunde in de Sch i sp ache ungeb äuchlich, abe in e schiedenen
Munda en häl sie sich bis in die Gegenwa (Schmid 2004: 345; Mose 1951: 156–198 [§ 143]).
91LENKA VODRÁŽKOVÁ
kollek i en Men ali ä de adligen K iege da , die sich mi dem edlen, du ch zei ‑
genössische soziale und kul u elle Mus e bes imm en Ve hal en und Au e en
ch is liche Ri e iden i izie en.
Hiese les Memoi en weisen aus sp achhis o ische Sich Spezi ika eine ühneu‑
hochdeu schen Sch i lichkei au . Obwohl as übe all eine aus ö liche ode egiona‑
le T adi ion e wachsene Sch eibsp ache die G undlage bilde , we den in Memoi en
indi iduelle Abweichungen beach e , die e schiedene U sachen haben können;
59
soziale Schich ung und e i o iale Va ian en p ägen die Sch eibp axis de Tex e
noch bis ins 17. Jah hunde hinein (Doga u 2012: 172). Die egionalen E scheinungen
im Vokalismus und Konsonan ismus we den in den e s en Jah zehn en des 17. Jah ‑
hunde s allmählich übe wunden; neben den allgemeinen hochdeu schen Elemen en
e scheinen hie o wiegend süddeu sche Me kmale. So geben die Memoi en nich
nu on dem Au o und sein Leben Zeugnis, sonde n sie lie e n auch In o ma ionen
übe die Au o enin en ion, übe die Konzep ion sowie übe das Ni eau de Sch eib‑
ä igkei . Gleichzei ig e mi el diese sch i liche Quelle wich ige In o ma ionen übe
das Geschehen und übe die zei genössischen E eignisse. De li e a ische We lieg
in de Au hen izi ä und Unmi elba kei de iel äl igen, aben eue lichen K iegs‑
und Reisee lebnisse, die mi den Augen eines Beobach e s angesich s seines sozialen
S a us es gehal en wu den. Die deu sch und schechisch gesch iebenen Memoi en
des kaise lichen O izie s Hein ich Hiese le on Chodau aus dem spä en 16. und de
e s en Häl e des 17. Jah hunde s, die die Au me ksamkei als wich ige Quelle zu
E o schung de zei genössischen E eignisse und Ve häl nisse sowie de Zweisp a‑
chigkei in den böhmischen Lände n imme wecken,
60
bie en dank den Edi ionen on
1979 und 2021den Li e a u ‑ und Sp achhis o ike n, His o ike n, A chi a en sowie
den b ei e en K eisen de In e essen en ü dieses li e a ische und kul u geschich ‑
liche sch i liche Denkmal neue Pe spek i en de in e disziplinä en Fo schung an.
QUELLEN
Kniho na Ná odního muzea P aze [Biblio hek des Na ionalmuseums P ag], Hein ich
Hiesse le on Chodaw. Raiss ‑Buch und Leben. Sign. VI A12. (Digi ale Ve sion zugäng‑
lich im Manusc ip o ium un e URL: <h ps://www.manusc ip o ium.com/apps/index.
php?di ec = eco d&pid=RTRBAR ‑NMP___VI_A_12_____1XHFIVF ‑xx> [16.04.2024].
Ces y aži o Jindřicha Hýz la zChodů [Reisen und Leben on Hein ich Hiese le on Chodau]. 2 Bde.: 1.
Zmenšené aksimile [Ve kleine e Faksimiles, ol. 1 –204 ], 2. S udie, edice, překlady [S udien,
Edi ionen, Übe se zungen, 447 S.]. P aha: Ná odní muzeum, 2021.
Pe áčko á, Vě a; Vogel anz, Jan (Hgg.):Příběhy Jindřicha Hýz la zChodů [Geschich en on Hein ich
Hiese le on Chodau]. 1. Au l., P aha: Odeon, 1979 (Ži á díla minulos i 86).
59 Es geh o allem um olgende G ünde: 1) Die Vo lage kann in eine ande en Sch eibsp ache abge ass
sein, 2) beim Absch eiben können einzelne Eigen ümlichkei en un e sehens übe nommen we den, 3)
bei Absch i eine al en U kunde können al e ümliche Sch eib o men bewah bleiben und 4) eine
Rolle spielen dabei auch de Sch eibe selbs und seine Ausbildung (Egge s 1992: 63).
60 Zu Re lexion on Hiese les Memoi en in de his o ischen Fachli e a u siehe Kubeš/P chal (2021:
11–42).
92 BRÜCKEN 31/2
LITERATUR
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