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DIE GESETZLOSIGKEIT UND EIGENGESETZLICHKEIT STIRNERS UND SIMMELS INDIVIDUELLES GESETZ. STIRNERS EINFLUSS AUF SIMMEL UND DESSEN STIRNER-REZEPTION

Abstract

In most of his published works, Georg Simmel dealt with themes which were also motives of concern for Stirner, such as the One and society, the individual and genre, social formations and domination, the problem of duty, egoism versus communism. Contradictions and parallelisms to Stirnerian motifs can be found in Simmel’s thought since its early stages. Starting with an analysis of whether or not these are direct references to Stirner, this paper intends to show the relation between these thinkers and the possibility of a direct influence on Simmel by Stirner, namely in regards to their common idea of “individual law”.

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DIE GESETZLOSIGKEIT UND EIGENGESETZLICHKEIT STIRNERS UND SIMMELS INDIVIDUELLES GESETZ. STIRNERS EINFLUSS AUF SIMMEL UND DESSEN STIRNER-REZEPTION

Author: Kast, Bernd
Publisher: Edições Colibri / Departamento de Filosofia da Faculdade de Letras da Universidade de Lisboa
Year: 2013
Source: https://repositorio.ulisboa.pt/bitstream/10451/24179/1/Bernd%20Kast%20109-141.pdf
DIE GESETZLOSIGKEIT UND
EIGENGESETZLICHKEIT STIRNERS UND SIMMELS
INDIVIDUELLES GESETZ
STIRNERS EINFLUSS AUF SIMMEL UND DESSEN STIRNER-REZEPTION
Be nd Kas
(Max S i ne Gesellscha )
1880 be eilig e sich Geo g Simmel an eine on de Philosophischen
Fakul ä de F ied ich-Wilhelm-Uni e si ä zu Be lin ausgesch iebenen
P eis age übe Kan s Ansich en übe das Wesen de Ma e ie und gewann
p omp den e s en P eis. Übe lie e is nu de e s e Teil diese
P eissch i , de ku ze Zei spä e als Disse a ion einge eich wu de.
Simmel blieb Kan sein Leben lang eu, jedoch beschä ig e e sich
imme in ensi e mi soziologischen, psychologischen und e hischen
F agen, in denen e imme wiede Kan ins Spiel b ach e, zus immend,
ela i ie end ode ihm wide sp echend, F agen, mi denen e auch üh
die Thema ik S i ne s be üh e (Al uismus s. Egoismus, Indi iduum s.
Ga ung, indi iduelles s. soziales In e esse, Sollens-P oblema ik,
Sozial o men usw.), imme jedoch in o k assem Wide sp uch zu
S i ne s Anschauungen. Mi Simmels Kan -Rezep ion und deu lichen
Bezügen zu S i ne we de ich mich bei de Da s ellung des indi iduellen
Gese zes aus üh liche beschä igen.
Wann und wie is Simmel au S i ne ges oßen? Ha ihn jemand au
S i ne hingewiesen?
Keine seine Leh e , bei denen e s udie e, e wähn S i ne in
seinen Publika ionen (Mommsen, T ei schke, D oysen, He mann G imm
u.a.). Is e in Publika ionen au S i ne s “Einzigen und sein Eigen um”
ges oßen? Wi sind au Mu maßungen angewiesen.
Mögliche weise is Simmel du ch Ve ö en lichungen Edua d on
Ha manns au S i ne au me ksam gewo den, de be ei s 1869 in seine
Philosophica, 41, Lisboa, 2013, pp. 109-141
110 Be nd Kas
“Philosophie des Unbewuss en” und dann 1879 in seine “Phänomenologie
des Si lichen Bewuss seins” und danach imme wiede au S i ne
hingewiesen ha e. Simmel kenn au jeden Fall Ha manns “E hik”, wie
ein Hinweis in seinem Au sa z “Übe die G und age des Pessimismus in
me hodische Hinsich ” on 1887 zeig (G.Simmel, 1989/1887,15).
In seinen ühen Publika ionen mi Themen, die auch bei S i ne on
he aus agende Bedeu ung sind, is kein Ein luss S i ne s nachweisba .
Simmel a gumen ie do ehe un- und an is i ne isch, abe auch mi
eine Hal ung, die e spä e , mögliche weise auch du ch S i ne s Ein luss,
so nich meh einnimm , s ä ke noch: on de e sich dis anzie . So
sch eib e im Vo wo zum Neud uck seine “Mo alwissenscha ”, “ein
inzwischen ollzogene Wandel meine p inzipiellen Übe zeugungen
[hä e eigen lich] eine öllige Uma bei ung des We kes nö hig gemach ”
(G. Simmel 1989/1892, 9). Ich e suche an einigen Themenbe eichen zu
e anschaulichen, wo S i ne und Simmel die gleiche Thema ik
behandeln, wo sie sich un e scheiden und wo Simmel au S i ne anspiel
bzw. sich di ek mi ihm auseinande se z .
De Einzelne und die Ga ung
Ein gemeinsames Thema on Simmel und S i ne is das Ve häl nis
om einzelnen Indi iduum zu Ga ung. Simmel beschä ig sich in
seinen e s en Sch i en dami , so beispielsweise in de Rezension on
Gus a Ge be s “Die Sp ache und das E kennen”. Simmel sch eib :
“Allein die Wi kung des indi iduellen Ichs we den on ande en gek euz ;
indem die gleiche Sp ache im K eise de Genossen gel end wi d, indem
die E kenn nis des Indi iduums auch ü diese Wah hei zu sein e lang ,
i an die S elle des indi iduellen Ichs ein Ga ungs-Ich” (G. Simmel
2000b/1884, 187). Ode wenn e in de gleichen Rezension neben
empi ischen Objek en die Exis enz anszenden e o ausse z und
schluss olge : “es is das Gebundensein an die Ich o m, das uns als
me aphysischen U g und de Wel einen Go o s ell ” (a.a.O. 188). Go
und Ga ungs-Ich: ü S i ne iden isch, Spa en und Spuk übe dem
Einzelnen, die Gewal übe ihn ausüben.
In Si ua ionen, in denen de Einzelne e was will, was e nich leis en
kann, muss e sich, so Simmel, eino dnen in einen eleologischen P ozess,
in dem die Allgemeinhei dieses Dilemma zu lösen in de Lage is
(G.Simmel, 1998/1889, 50). Dieses eleologische Denken zieh sich
lei mo i isch du ch Simmels Sch i en. De Einzelne is eingebe e in
diesen eleologischen P ozess, de ihn gene isch on hin en, bezogen au
die Ve gangenhei , en las e und nach o ne, mi Blick au die Zukun ,
e p lich e : “wenn nun auch die Meh zahl de Fäden, on denen das
Die Gese zlosigkei und Eigengese zlichkei S i ne s und Simmels 111
Handeln des Indi iduums gelei e wi d, on ühe en Gene a ionen he
gesponnen sei, so gehen doch auch on ihm wiede um neue aus, die die
kün igen mi bes immen”. So üg jede Einzelne nolens olens seinen
Bei ag zu “Ga ungse bscha ” hinzu (1989/1890, 159). Alles o dne sich
einem “Wel zweck” ode eine “Wel o dnung” un e . Jede menschliche
Handlung kann ei sein, le z lich ealisie en diese Handlungen “du ch ih
Zusammen e en eine ideelle O dnung, einen le z en allgemeinen Zweck
de Wel .” (1991/1893, 179). Übe den eilich sag Simmel nich s.
Beweg sich Simmel hema isch ö e in de Nähe S i ne s,
a gumen a i is e abe meilenwei on ihm en e n , dann zum Beispiel,
wenn e Las e und “seelische Häßlichkei ” als “Ve e bungs ückschläge”
zu e s ehen e such (1989/1890, 162 ., 168) und jede Möglichkei eien
Willens und eigens ändige En scheidungen le z lich negie . Vo diesem
Hin e g und wi d Wah hei ü Simmel zu einem “Ve häl nissbeg i ”, de
den Vo s ellungen de Ga ung en sp eche und “übe eins immenden
Bewuss seinsinhal en” eine Majo i ä , wäh end de indi iduellen
Vo s ellung und Mino i ä en de I um zugewiesen we den müsse
(1989/1892, 17; ähnlich a.a.O. 152). S i ne a gumen ie genau umgekeh :
E bekämp das eleologische Denken und jede phylogene ische
De e minie hei , weil de Einzelne mi seine Eigenhei adikale F eihei
(e )leb , indem e jeden Momen e selbs is und keine wei e e
Bes immung ha . Diese F eihei abe , so Simmel, sei “ein P oduk de
indi idualis ischen Wel anschauung”, die on ihm e e ene “his o isch-
soziale Be ach ung” sehe das öllig ande s: ih “e schein auch das
o geblich pe sönlichs e Besi z hum des Menschen, die F eihei , als eine
Bescha enhei , die ih en Cha ak e ausschließlich on ih e sozialen
Zweckmässigkei e lang .” (a.a.O. 209 .). Zweckmäßigkei kann ü
S i ne sozial sein, in e s e Linie is sie jedoch eigennü zig und da nich
on sozialen K i e ien dik ie we den, weil de Einzelne dami
Ve an wo ung und Zus ändigkei an einen ixen Zweck bzw. eine ixe
Idee abgib . Hin e Simmels Fo de ung e bi g sich eine Sollens-
Philosophie, die sich diame al zu S i ne s Eigne -Thema ik e häl .
In seinem Au sa z “Übe F eihei ”, de sich in Simmels Nachlass
and und e s 1922 ged uck wu de, e i Simmel jedoch einen
F eihei sbeg i , de sich s a k dem S i ne s angenähe ha : “Man kann
nich schlech hin ‚ ei‘ sein”, mein e in diesem Au sa z, “das gib
keinen Sinn, man muß ei on e was sein” (2004/1922, 111). Simmel
komm S i ne soga noch einen wei e en Sch i en gegen, indem e
mein , es gehe nich nu um die E ö e ung, wo on man ei sei, sonde n
auch “wozu man ei is “; dies sei die “no wendige E kenn nis” des
F eihei sp oblems: dass es keine “F eihei übe haup ” gebe, “sonde n eine
F eihei zu e was und on e was Bes imm em” (a.a.O. 115). E s das
112 Be nd Kas
e mögliche dem Menschen Wahlmöglichkei en, nämlich “sich so ode so
zu e hal en, ohne sich zu en -ichen” (a.a.O. 111).
S i ne besch eib die Pe ipe ie on nega i e F eihei sbes immung
zu posi i e als das Umschlagen on F eihei in Eigenhei : “Du müss es
nich bloß los sein, was du nich wills , Du müss es auch haben, was du
wills , Du müss es nich nu ein ‚F eie ‘, Du müss es auch ein ‚Eigne ‘
sein” (EE 164). “F ei bin ich on dem, was ich los bin, Eigne on dem,
was ich in meine Mach habe, ode dessen ich mäch ig bin” (EE 165).
Indi iduum und Gesellscha
S ä ke noch als bei dem Thema Einzelne und Ga ung wi d de
g undsä zlich un e schiedliche Disku sansa z zwischen S i ne und
Simmel beim Thema Indi iduum und Gesellscha deu lich. Fü Simmel
is de Einzelne “in seinem ganzen Wesen und allen Äuße ungen dadu ch
bes imm , daß e in Wechselwi kung mi ande en Menschen leb ” (1992a,
15). Und wo das de Fall is , “wo meh e e Indi iduen in Wechselwi kung
e en”, s ell sich imme Gesellscha ein. (a.a.O. 17). Die
Wechselwi kungen e olgen konk e e In e essen, du chaus auch
egois isch-p agma ische: es geh um g undlegende In e essen des
Einzelnen wie Exis enz- und Besi zsiche ung, S ä kung de eigenen
Mach sphä e (1989/1890, 86). Die jeweils indi iduellen In e essen, die
sich in solchen Wechselbeziehungen mi einande e s ändigen, üh en
dazu, dass aus einzelnen Indi iduen ”eben eine ‚Gesellscha ‘ wi d”
(1992a/1908, 18).
Dem wü de S i ne nich wide sp echen. Sein Gesellscha smodell,
de Ve ein, kenn eben alls die genann en Mo i e und Zwecke. Das
gil auch ü Simmels Beme kungen zu In ensi ä solche
Wechselbeziehungen. “Gesellscha is nu de Name ü die Summe
diese Wechselwi kungen, de nu in dem Maße de Fes ges ell hei
diese anwendba is . Es is deshalb kein einhei lich es s ehende ,
sonde n ein g aduelle Beg i , on dem auch ein Meh ode Wenige
anwendba is , je nach de g öße en Zahl und Innigkei de zwischen den
gegebenen Pe sonen bes ehenden Wechselwi kungen.” (1989/1890, 14).
Die Un e schiede Simmels zu S i ne we den dann o ensich lich,
wenn Simmel seine p imä soziologische Neugie o enba : Sein
soziologisches In e esse bes eh da in, “die Fo m und die Fo men de
Ve gesellscha ung als solche , in Absonde ung on den einzelnen
In e essen und Inhal en, die sich in und e möge de Ve gesellscha ung
e wi klichen” (1992/1894, 54) zu un e suchen. Im Gegensa z zu Simmel
is S i ne nich da an in e essie , was im Indi iduum “als T ieb,
In e esse, Zweck, Neigung, psychische Zus ändigkei und Bewegung
Die Gese zlosigkei und Eigengese zlichkei S i ne s und Simmels 113
de a o handen is , daß da aus ode da an die Wi kung au ande e und
das Emp angen ih e Wi kungen en s eh ” (2002/1917, 48-49). An S elle
de Dynamik solche Fo men de Ve gesellscha ung e olg S i ne ein
e kenn nis heo e isches Anliegen, nämlich die Exis enz des Eigne s, de
sich eis ampel on gesellscha lichen No men und We en und
e such , sich als Einzigen wah zu nehmen. De on Simmel e mu e e
eleologische “We e höhungsp ozess, de die Na u auße uns ode die
Na u in uns e g ei ” (1989/1900, 700) und den e phylo- und
on ogene isch e s eh , s eh Hegel nahe und S i ne s e nenwei e n.
Simmel sieh die nominalis ische Falle, in die man mi de
Diskussion Einzelne e sus Gesellscha zu ge a en d oh . Man müsse,
sag e , “so scha wie möglich zwischen den ealen Wesen, die wi als
objek i e Einhei en ansehen dü en und den Zusammen assungen
de selben zu Komplexen, die als solche nu in unse em syn he ischen
Geis e exis ie en, un e scheiden” (1989/1890, 126). Konk e exis ie de
je Einzelne, abe auch de “is nich die absolu e Einhei , die ein nu mi
den le z en Reali ä en echnendes E kennen o de . Die Vielhei , die
schon de indi iduelle Mensch in und an sich au weis , als solche zu
du chschauen, is … eine de wich igs en Vo bedingungen ü eine
a ionelle G undlegung de Gesellscha swissenscha ” (a.a.O. 127).
Wenn Simmel imme wiede “das allgemeine Menschen um” an üh ,
dann is das ü ihn “de wei e e sociale K eis”, bis hin zu Va e land und
Wel bü ge um, dem gegenübe “das eigens e Ich” eine besonde e P lich
einnehmen muss (1989/1890, 187, 188, 198). Auch hie zeig sich de
g undlegende Un e schied zwischen S i ne und Simmel: Wenn e dem
Indi idualismus glaub o we en zu müssen, dass bei konsequen e
A gumen a ion “als eale Wesen nu die punk uellen A ome üb ig”
blieben (a.a.O. 128). S i ne müss e in diesem Diskussionskon ex
eigen lich angesp ochen we den. Wenn Simmel es nich u , dann wohl
deshalb, weil e sich noch nich mi ihm auseinande gese z ha e. “Jene
Indi idualismus”, de on ihm k i isie wi d, kann nich de S i ne s sein.
He scha und Sozial o men
In “Übe sociale Di e enzie ung” beschä ig sich Simmel
aus üh lich mi dem Thema “sociale K eise”, also Fo men des
Zusammenlebens, G uppenbildungen und O ganisa ions o men. An
einigen S ellen nähe e sich S i ne s Vo s ellungen des Ve eins, ohne
ihn zu nennen und genaue zu kennen. Dann zum Beispiel, wenn e
da s ell , wie sich in eine Gesellscha iel äl ige Angebo e on
G uppenbildungen und –o ganisa ionen ganz un e schiedliche Na u
e geben “um jede Wesenssei e eine mannich ach beanlag en

114 Be nd Kas
Pe sönlichkei Zusammenschluß und genossenscha liche Be hä igung zu
gewäh en.” Dami nähe e man sich den Vo s ellungen des Kollek i ismus
und Indi idualismus gleiche maßen. “Denn eine sei s inde de Einzelne
ü jede seine Neigungen und Bes ebungen eine Gemeinscha o , die
ihm die Be iedigung de selben e leich e , seinen Thä igkei en je eine als
zweckmäßig e p ob e Fo m und alle Vo eile de G uppenangehö igkei
da bie e ; ande e sei s wi d das Speci ische de Indi iduali ä du ch die
Kombina ion de K eise gewah ”. (1989/1890, 244). Konsequen e weise
komm Simmel au Ve eine zu sp echen, “an denen die Be eiligung
Sache de pe sönlichen F eihei is ” (a.a.O., 246).
In seinem Au sa z “Zu Philosophie de He scha ” on 1907
beschä ig sich Simmel mi F agen de Übe - und Un e o dnung und den
dami e bundenen e hischen Aspek en de Ge ech igkei . Simmel mein ,
in Ansä zen seien e hisch e e ba e O ganisa ions o men e kennba , so
e wa bei eine “P oduk i assozia ion on A bei e n”, die zwa einen
übe geo dne en Meis e und We k üh e wählen, dem sie “in de Technik
des Be iebes un e geo dne sind”, jedoch “in bezug au dessen
allgemeine Lei ung und E gebnisse übe geo dne .” Regelmäßige Wahlen
und dami e bundene Wechsel de Übe -und Un e o dnung ga an ie en
Chancengleichhei und demok a ische P inzipien. Simmel behaup e :
“Alle en schiedenen Demok a ien suchen dies du ch die ku ze
Funk ionsdaue ih e Beam en zu e eichen. Hie du ch wi d das Ideal,
dass jede einmal an die Reihe komm , möglichs e eich ; dahe auch
das häu ige Ve bo de Wiede wahl. Die gleichzei ige Übe - und
Un e o dnung is eine de k a olls en Fo men de Wechselwi kung und
kann, in ich ige Ve eilung au die e schiedens en Gebie e, schon
du ch die enge Wechselwi kung, die sie bedeu e , ein seh s a kes Band
zwischen Indi iduen bilden.
S i ne sieh hie in das Wesen liche des Kons i u ionalismus: ‚Die
Minis e dominie en übe ih en He n, den Fü s en, die Depu ie en übe
ih en He n, das Volk.’ ”
Alle dings a gumen ie S i ne ande s, als Simmel o gib : S i ne
geh es bei seine Besch eibung des Kons i u ionalismus nich um
die do angeblich s a indende S ä kung zwischenmenschliche
Beziehungen, sonde n um die Fes s ellung, dass de Einzelne in jedem
S aa schlech d an is , in de absolu en Mona chie ebenso, wie in
de pa lamen a ischen Mona chie ode in de Republik. “De
Kons i u ionalismus is wei e als die Republik, weil e de in de
Au lösung beg i ene S aa is .” Und in jedem S aa s eh eine Mach
“übe Mi ” (EE 233), die die Sou e äni ä des Einzelnen beschneide .
Au allend is , dass Simmel nich au S i ne s Vo s ellungen om
Ve ein hinweis , die in diesen Kon ex passen wü den. Das is eine bei
Die Gese zlosigkei und Eigengese zlichkei S i ne s und Simmels 115
Simmel e kennba e Tendenz: S i ne auszublenden, wo es nahe liegen
wü de, ihn zu e wähnen. Ein sp echendes Beispiel da ü inde sich auch
in Simmels Au sa z “Schopenhaue und Nie zsche” (1993/1906). Simmel
kons a ie do , dass die Menschen ein “Bedü nis nach einem Endzweck
des Lebens” hä en, de nich im “ca pe diem des Genußmenschen”
(a.a.O. 59) liegen könne, du chaus als Anspielung au S i ne zu lesen1
(wobei sich die F age s ell , wa um de Endzweck nich do liegen kann).
Das Ch is en um habe dieses Bedü nis be iedig , indem es den
Menschen “jenen absolu en Zweck”, nämlich “das Heil de Seele und das
Reich Go es” angebo en habe (a.a.O. 60). Schopenhaue und Nie zsche
hä en das Vakuum, das en s and, als das Ch is en um an Bedeu ung
e lo , un e schiedlich ge üll : Nie zsche mi dem Gedanken “de
En wicklung des Menschengeschlech s” hin zu Höhe em, das dem
“Ge ühl ü die Feie lichkei des Lebens” Ausd uck e leih und du ch
diesen We des Lebens e sp ich , dass “das Leben selbs zum Zweck
des Lebens we den kann“; Schopenhaue mi seine Absage an ein
“Auße halb-seine ” und mi de “Ve nein hei des Endzwecks” übe haup
(a.a.O. 61).
S i ne wä e in diesem Disku s ein e giebige und lohnenswe e
Ansp echpa ne gewesen, e i e doch beide Posi ionen mi adikale
Konsequenz: Es gib ü den Eigne keinen on außen an ihn ges ell en
Sinn. E is auch dessen Schöp e . De Sinn des Lebens lieg in dessen
Ve zeh und Genuss, lieg in de Ta sache des Lebens selbs , dass e sein
Leben leb und dass e sein Leben leb .
In “Kan und de Indi idualismus” on 1904 behaup e Simmel, bei
Nie zsche e e “de Indi idualismus des 19. Jah hunde s am adikals en
und mi de en schiedens en Wendung gegen die p ak isch-e hische
We ungsweise Kan s” au (1995/1904, 281). Auch hie scheu sich
Simmel, de sich in diese Zei um einen Leh s uhl an eine deu schen
Uni e si ä bemüh e, S i ne zu nennen; de um die Jah hunde wende
philosophisch salon ähige e Nie zsche muss e s ell e e end die
indi idualis ische Radikali ä S i ne s ep äsen ie en.
1 Ähnlich in seinem Au sa z “Nie zsches Mo al“ (2001/1911, 176), wo Simmel
Nie zsches We angie ung besch eib , nämlich “die unbeding e Konzen ie ung des
We es au das Indi iduum, die wede seinem äuße en Tun, noch seinem
subjek i en Genießen zukomm , sonde n de Bedeu ung seines Seins als eine S u e
des ins Unendliche au sch ei enden Lebens“; “dieses Ideal des Lebens“ e lie e
sich nich in “die Subjek i i ä eines bloßen Selbs genusses”. Genau das abe is
eine o wiede hol e und a iie e Besch eibung und Fo de ung des “Einzigen und
sein Eigen um“: S i ne s “‘Egoismus‘ u euch zu F eude übe Euch selbs , zum
Selbs genuss“ au (EE 171).Und “Genieße, so bis Du zum Genuss be ech ig .“ (EE
196).
116 Be nd Kas
Egoismus und Al uismus
In de Rezension on Heymann S ein hals “Allgemeine E hik”
beschä ig sich Simmel zum e s en Mal mi dem “schwe s en Kon lik
unse es Lebens”, dem nämlich zwischen Egoismus und Al uismus
(2000c/1885, 205), einem Thema, das e imme wiede au g ei und on
e schiedenen Sei en he beleuch e . Simmel beweg sich mi dem Thema
mi en in S i ne s Egoismus-Thema ik, wenn e in diese Rezension
sch eib : “es is eine ie e Wah hei Schopenhaue ’s, dass eine Mo al, die
mo i i , dies nu du ch Wi kung au die Eigenliebe hun kann und
dadu ch ih Wesen als Mo al öllig ze s ö ; die F age, weshalb wi denn
unse egois isches In e esse ü das al uis ische au op e n, bleib
unbean wo e , so lange wi uns nich en schliessen, auch dies nu au
einen au Umwegen gehenden Egoismus (z.B. Be iedigung eines
ins ink i en T iebes e c.) zu ück üh en” (a.a.O. 197). S i ne en la im
“Einzigen” den Egoismus dieses al uis ischen Ve hal ens mi p osaische
Eleganz:
Sehe Ich den Gelieb en leiden, so leide Ich mi , und es läss Mi keine
Ruhe, bis Ich alles e such habe, um ihn zu ös en und au zuhei e n;
sehe Ich ihn oh, so we de auch Ich übe seine F eude oh. Da aus
olg nich , dass Mi dieselbe Sache Leiden ode F eude e u sach ,
welche in ihm diese Wi kung he o u , wie schon jede kö pe liche
Schme z beweis , den Ich nich wie e ühle: ihn schme z sein Zahn,
Mich abe schme z sein Schme z.
Weil Ich abe die kumme olle Fal e au de gelieb en S i n nich
e agen kann, da um, also um Meine willen, küsse Ich sie weg. (EE
294 .).
Simmel mein genau das, wenn e sch eib : “die absolu e und
bedingungslose Ve eibung alle Eigenlus aus den Mo i en des
si lichen Handelns da doch nich e kennen lassen, dass das Glück –
nämlich des Ande n – unendlich o den Inhal des eins en si lichen
Handelns bilde ” (a.a.O. 203). Ganz ähnlich a gumen ie Simmel in de
Rezension on Richa d on Schube -Solde ns “G undlagen eine E hik”,
wenn e sch eib , “in dem Handeln ü meine Lus is das Handeln ü
emde Lus einbeg i en, da diese ja nu ü mich exis i ” (2000d/1887,
221 .), und ganz im Sinne S i ne s au den Punk geb ach : “Indem ich
also ü emde Lus wi ke, wi ke ich ü die eigene” (a.a.O. 222).
Le z lich geh es ihm um “die Ha monie des egois ischen mi dem
al uis ischen In e esse” (1989/1888, 29; gl. auch G.Simmel
1989/1892,94). Egoismus is ü Simmel gegenübe dem selbslosen
Die Gese zlosigkei und Eigengese zlichkei S i ne s und Simmels 117
Handeln si lich un e geo dne und s ell eine noch nich ausge ei e
nied ige e En wicklungss u e da (1989/1900, 104 .).
Vo allem in den Rezensionen on 1883 bis 1901 gib es iele
S ellen, in denen sich Simmel zu diese Thema ik gleich ode ähnlich
äuße .
Liebe und P os i u ion
In “Zu Psychologie des Geldes” kon on ie Simmel an eine S elle
“die ein pe sönlichen indi iduellen Ve häl nisse” mi “de
Unpe sönlichkei des Geldes”. Diese Unpe sönlichkei sei eine de
G ünde, “aus denen uns die Hingabe de weiblichen Eh e ü Geld so
besonde s e äch lich e schein ; denn diese is e was so Pe sönliches,
dass sie nu mi de gleichen Hingabe de ganzen Pe sönlichkei
äqui alen e wide we den kann, am wenigs en abe du ch den We , de
on allen de unindi iduells e, on dem speci ischen Inhal de
Pe sönlichkei en e n es e is ; so dass diejenige, die jenen dennoch ü
diesen hingieb , dadu ch selbs die denkba g öß e He abse zung des
We es ih e Pe son begeh ” (1989/1889, 63; ähnlich a gumen ie e in
1989/1892, 205-207).
Nun ha Simmel om Wesen des Geldes zwei ellos meh beg i en
als om Wesen de F au, wie sein Au sa z “Zu Psychologie de F auen”
beweis . Neben öllig abs usen, heu e wü de man sagen sexis ischen,
Auslassungen übe die Minde we igkei on F auen – die uns hie nich
wei e in e essie en –, mein e , F auen seien du ch ih e Schwäche “zu
Hü e n de Si e be u en”, was ihnen nich wi klich bewuss sei, ihnen
abe ih Ins ink dik ie e (1989/1890, 80 .). F auen wü den gene ell den
“B uch mi de Si e”, “die nich legi imie e Hingabe”, das heiß
Geschlech s e keh auße halb de Ehe, mo alisch e dammen, so bei
Faus s G e chen ode S ella in Goe hes T aue spiel, bei de Ku isane
Ma gué i e Gau ie in Vic o Hugos Kameliendame, bei de
skandalumwi e en Messalina, de F au des ömischen Kaise s Claudius
(a.a.O. 83).
Wie ganz ande s S i ne , de ü das Rech au Sexuali ä ein i und
die eligiösen und mo alischen Ve dik e bissig ka ikie :
Wohin könn e man blicken, ohne Op e n de Selbs e leugnung zu
begegnen? Da si z Mi gegenübe ein Mädchen, das ielleich schon
sei zehn Jah en seine Seele blu ige Op e b ing . Übe de üppigen
Ges al neig sich ein odmüdes Haup , und bleiche Wangen e a en
die langsame Ve blu ung ih e Jugend. A mes Kind, wie o mögen
die Leidenscha en an Dein He z geschlagen und die eichen
Jugendk ä e ih Rech ge o de haben! Wenn Dein Haup sich in die
124 Be nd Kas
Wechselbeziehungen on ex emen Elemen en” und dami ein Bild
e wende, das die Ges al S i ne s übe (2003, 181 .).
Simmel k i isie an S i ne zwei g undsä zliche Aspek e:
1. Einen ehe nebensächlichen: Zwa cha ak e isie e e kla die
Schwachs elle des äl e en Indi idualismus (EE 116, 117, 179), dass
nämlich “diese undamen al gleichen Gesellscha sa ome eigen lich keine
Pe sönlichkei en, sonde n bloß isolie e Exempla e eines
Allgemeinbeg i es sind und daß die o male Gleichhei o dem Gese z,
de S olz diese Wel anschauung, die ä gs e Ve gewal igung de
Indi iduali ä nich zu e hinde n weiß”, e e kenne jedoch dessen
his o ische Bedeu ung: “die Emanzipie ung des Menschen aus
e küns el und na u wid ig gewo denen Ve bindungen” und die au dem
P inzip de Gleichhei be uhende Möglichkei , “ein we olles Leben und
Sichen wickeln zu gewinnen” (a.a.O. 55). S i ne e kenn diese
Bedeu ung eilich nich , sie in e essie ihn nich in einem Kon ex , in
dem es ihm um eine Kon as ie ung des Ga ungsmenschen und de
Menschen ech e eine sei s und des je einzigen Indi iduums und dessen
unbesch änk e Selbs mäch igkei ande e sei s geh .
2. Einen g undsä zlichen: An zum Teil wei auseinande liegenden
S ellen (EE 146, 213 .) e such Simmel nachzuweisen, dass sich S i ne
nich dem “Indi idualismus de Di e enzie hei ” zuwende, sonde n eine
“bloße Fo m des Indi idualismus” e e e (was imme Simmel da un e
e s ehen mag). Ich zi ie e und kommen ie e die S ellen, au die sich
Simmel bezieh , wobei Simmels Zi a e e he o gehoben sind:
De Einzige, in e p e ie Simmel, will nich nach seinen
Eigenscha en, “sonde n als ich selbs will ich geach e sein”. “Die
Einhei des Ich, ü das die ganze Wel …nu ein Gegens and des
Ve b auches is , mach ihn gegen jeden Inhal de Pe sönlichkei
gleichgül ig: sowohl gegen das allgemeine Gese z … wie gegen die
spezielle, un e schiedliche Quali izie ung … So ha S i ne die bloße
Fo m des Indi idualismus seinen beiden Ausges al ungen
en gegengese z ”. Dami heb e den Gegensa z beide Fo men des
Indi idualismus au und e nein sie. Zu ück bleib “als ih capu
mo uum9 nu das on jedem Inhal en lee e, adikale gese z- und
gegensa zlose Ich des Egoismus”.
9 De Name en s amm den Alchemis enlabo s des 15. Jah hunde s, wo bei de
He s ellung on so genann e " auchende " Schwe elsäu e du ch Ab ös en on
Schwe elkies (Py i ) ein b aun- iole es Pul e als Ab allp oduk en s and, das on
den Alchimis en s andesgemäß "Capu Mo uum", ei übe se z "nu zloses Zeug",
genann wu de. (h p://www.capu -mo uum.de/)

Die Gese zlosigkei und Eigengese zlichkei S i ne s und Simmels 125
Diese nega i e Hal ung habe keine Zukun , denn die bes ehe da in,
“eine Lebens- und Gesellscha s e assung” zu ealisie en, “die eine
posi i e Syn hese de beiden A en des Indi idualismus scha : das
unhis o ische Ideal des 18. Jah hunde s mi seinen gleichen und
gleichbe ech ig en, nu du ch das allgemeine und bloß a ionale
Gese z e bundenen Indi iduen in eine höhe e Einhei mi dem des
19. Jah hunde s zu assen, das in de Di e enz de Einzelnen, in de
Eigengese zlichkei de Pe sönlichkei en und in ih e O ganisie ung
du ch das his o ische Leben seine geis esgeschich liche Leis ung
and.” (a.a.O. 56).
Diese K i ik Simmels an S i ne e ehl den Ke n de S i ne schen
Übe legungen. S i ne geh es im e s en Zi a nämlich da um, den
Einzelnen als einen adikal au sich ges ell en Einzigen zu assen, de
sich wede du ch Gemeinsamkei en, noch du ch Un e schiede ode
Gegensä ze de inie , sonde n jede De ini ion on sich abweis . Die
E ah ung, einzig zu sein, en häl nich s allgemein Menschliches wie de
humane Libe alismus de Baue -Schule (au den sich die beiden Zi a e
beziehen), en häl nich s Gemeinsames und nich s T ennendes, kein “wi
sind alle gleich, weil Mensch”, abe auch kein “du bis so und ich bin so”,
weil je un e schiedliche Mensch. Radikal e s andene Einzigkei
en zieh sich dem Ve gleich mi ande en und be on die Singula i ä .
S i ne sp ich on einem exklusi en Ansp uch (EE 212). De nun s ell
e was quali a i öllig ande es da als einen Gegensa z.
Simmel miss e s eh auch S i ne s Ve b auchs-Me aphe : Mi ih
e such S i ne deu lich zu machen, dass de Einzelne leb , um zu leben,
um sich zu leben und nich i gendwelchen impe a i ischen Quali ä en,
die seinen Bedü nissen wide sp echen. Mi den Beg i en “Genuss”,
EE 146: Ich will nich s Besonde es o ande n haben ode sein, Ich will
kein Vo ech gegen sie beansp uchen, abe – Ich messe Mich auch nich
an ande n, und will übe haup kein Rech haben. Ich will alles sein und
haben, was ich sein und haben kann. Ob ande e Ähnliches sind [ode ]
und haben, was kümme ’s Mich? Das Gleiche, dasselbe können sie
wede sein, noch haben.
EE 213 .: De le z e und en schiedens e Gegensa z, de des Einzigen
gegen den Einzigen, is im G unde übe das, was Gegensa z heiß ,
hinaus, ohne abe in die „Einhei “ ode Einigkei zu ückgesunken zu sein.
Du has als Einzige nich s Gemeinsames meh mi dem ande n und
da um auch nich s T ennendes ode Feindliches. …De Gegensa z
e schwinde in de ollkommenen Geschiedenhei ode Einzigkei .
126 Be nd Kas
“Ve b auch” und “Nu zen” opponie S i ne gegen F emdbes immungen,
die zu Mäßigung und zum Ve zich au o de n, die Op e wollen im
Namen hypos asie e Allgemeinbeg i e, die indi iduellen Genuss und
Nu zen einem übe geo dne en spekula i en Nu zen un e o dnen: eine
Teleologie, einem jensei igen Leben, de Menschhei , dem Fo sch i ,
de Zukun usw. Das Leben nu z man, “indem man’s e b auch ...“:
“Man nu z das Leben und mi hin sich, den Lebendigen, indem man es
und sich e zeh . Lebensgenuss is Ve b auch des Lebens.” (EE 323).
Inhal slee is S i ne s Einzige alle dings nich , e ha nu alle
au ged äng en Inhal e des uie , um die dadu ch en s andene Lee e, das
Nich s, k ea i mi eigenen Inhal en zu üllen. P oblema isch is wenige
Simmels In e p e a ion de Zi a e, bezeichnend is ehe Simmels Zi a -
Auswahl: zu dem schöp e ischen P ozess des Einzigen sag Simmel
nich s: De Einzige is Eigne und Schöp e seines Rech s (EE 210), is
Schöp e seine selbs (EE 47, 159), ku z: “Ich bin nich Nich s im Sinne
de Lee hei , sonde das schöp e ische Nich s, das Nich s, aus welchem
Ich selbs als Schöp e Alles scha e” (EE 15).
In seinem Au sa z “Jensei s on Gleichhei und Ve schiedenhei ”
beschä ig sich Fe uccio Andol i, Philosophiep o esso an de
Uni e si ä Pa ma, mi “Simmels Deu ung on S i ne ”, so de Un e i el
dieses Au sa zes. Andol i komm in seine Analyse on Simmels S i ne -
Rezep ion zu dem E gebnis, diese “en s ell den Tex S i ne s an einigen
S ellen”, o allem, weil S i ne s Eigenhei “nich au die bloße Idee
des Ve schiedenseins zu ück üh ba ” sei, sonde n “ ielmeh die
Besch eibung des Eigne s mi sich” b inge (F. Andol i 2002, 145;
Andol i spiel an au EE 178). Einzigkei bezeichne bei S i ne eben
“nich meh nu den Cha ak e des Ande sseins …, sonde n sie schein
ielmeh au die Indi iduali ä hinzudeu en, e s anden als das, was in
sich selbs den G und seine En wicklung ha ”. Alle dings kann Andol i
Simmels S i ne -K i ik auch e was Posi i es abgewinnen, e nachlässige
doch S i ne “die Ums ände, die die Iden i ä des Einzelnen
ma e ialisie en. Sie sind höchs ens ein ‚Na u zus and‘, aus dem
he auszu e en wünschenswe is ” (a.a.O. 146 mi Hinweis au EE 309,
wobei es S i ne in diesem Kon ex um das Loslösen des Einzelnen aus
gesellscha lichen Bindungen geh ).
Schema isch lassen sich Simmels Übe legungen so e anschaulichen
und zusammen assen:
Die Gese zlosigkei und Eigengese zlichkei S i ne s und Simmels 127
18. Jah hunde
Äl e e Indi idualismus
Indi idualismus de
Allgemeinhei
19. Jah hunde
Neue e Indi idualismus
Indi idualismus de
Di e enzie hei
Ve e e
Fich e: Ein Ve nun wesen muss
ein Indi iduum sein, abe kein
bes imm es.
Ansa zweise bei Lessing, He de ,
La a e
Zwei di e gie ende S ömungen:
1. Gleichhei ohne Indi iduali ä :
Sozialismus (wi d nich wei e
be ücksich ig )
2. Indi iduali ä ohne Gleichhei :
Goe he (Wilhelm Meis e s
Leh jah e), F ied ich Schlegel,
Schleie mache , Roman ik,
Nie zscheanismus
Kennzeichen
de allgemeine Mensch;
das Abs ak um Mensch;
man sieh , was allen gleich is ,
nich : was sie un e scheide
De je einzige Mensch: selbs ändig,
bes imm , un e wechselba ,
einmalig
Zusammenhal du ch
O ganisa ionen
S i ne
A gumen ie wie Simmel, sieh
abe nich die posi i en Sei en
(Emanzipie ung, P inzip de
Gleichhei )
Ex eme Sonde o m: Sinn des
Daseins is die Indi iduali ä , Inhal e
sind gleichgül ig; es bleib das
gese z- und gegensa zlose Ich des
Egoismus
In seinem Au sa z “Nie zsche und Kan ”, in dem Simmel die
e hischen Vo s ellungen Nie zsches mi denen Kan s e gleich , komm
e 1906 wiede au S i ne zu sp echen.
De Mensch könne schon “um des egois ischen In e esses willen”
nich wollen, dass ein P inzip gel en könne, das Lüge, Diebs ahl,
Ha he zigkei gegenübe A men usw. ech e ige ode dulde. Dieses
P inzip könne man auch in Nie zsches “wunde lichs e Leh e” de
“ewigen Wiede kun ” e kennen. Im unendlichen Wiede holen soll uns
de We ode Unwe unse es Ve hal ens bewuss we den (G. Simmel
1993/1906, 18 .). Mo al sei ü Nie zsche “im wesen lichen eine
E indung des Ch is en ums und de al uis isch-sozialen Gesinnung”, die
e des uie e, an de en S elle e abe ande e mo alische We e se ze
(a.a.O. 21). Wäh end Kan das mo alische Ideal schilde e, das gegol en
habe, schilde e Nie zsche das, “das s a alle gel enden gel en soll e”
(a.a.O. 23). Wenn Nie zsche nun seine Leh e als “Immo alismus”
bezeichne, so sei das eigen lich alsch. “Kan und Nie zsche sind beide
Mo alis en”, Nie zsche ga ein “Mo alp edige ” (a.a.O. 21), ganz im
Gegensa z zu den g iechischen Sophis en den philosophischen Abbés des
18. Jah hunde s ode Max S i ne ” (a.a.O. 22).
Rich ige wä e gewesen, wenn Simmel S i ne als An iidealis en
bezeichne hä e, s a ihm Immo alismus o zuwe en, denn S i ne s
Einzige e a seh wohl e hische We e. Keine übe ihm s ehenden ode
on außen kommenden und ihm au e leg en, sonde n diejenigen, die e
128 Be nd Kas
e e en konn e und die e mi seinesgleichen ausgehandel ha e.
Übe zeugend s ell Jean-Claude Wol S i ne s “Mo al im
pe sonalis ischen Sinne” da , auch wenn e e was miss e s ändlich on
S i ne s Amo alismus sp ich (2008, 21 – 23).
In “Haup p obleme de Philosophie” (1996/1927) e lek ie Simmel
u.a. die En wicklung de Subjek -Objek -Rela ion. Beide, Subjek und
Objek , en wickeln sich gegensei ig an sich und du ch sich und exis ie en
meis in “Ungeschiedenhei ”.
Sowei sie abe ein p inzipielles Bewuss sein e lang haben, mach die
nai e Fes igkei des ühes en S andpunk es dem Ge ühl eine
me aphysischen Unsiche hei Pla z und dem P oblem, die Einhei nun
au höhe e S u e wiede zugewinnen.
Diese Einhei heiß nun Wah hei : die Übe eins immung des
subjek i en Vo s ellens und des objek i en Seins.
Bei de Da s ellung de “haup sächlichs en Wege”, au denen die
Philosophiegeschich e den Dualismus on Subjek und Objek zu klä en
such e, indem sie “ aus dem Gegenübe on Subjek und Objek die
Möglichkei ih e Übe eins immung, ih e o z allem behaup e en Einhei ,
zu en wickeln such ” (1996/1910, 81), komm Simmel auch au S i ne zu
sp echen. E sieh ihn in de T adi ion de Sophis en, die S i ne in seinem
“Einzigen” in de Ta wohlwollend behandel ,10 denen es da um gegangen
sei, das Subjek um jeden P eis gegenübe dem Objek du chzuse zen,
selbs um den, es “du ch die albe ns e Rabulis ik mund o zu machen…”.
Beispielha nenn Simmel den Homo-mensu a-Sa z des P o ago as (den
S i ne dahingehend modi izie , dass nich meh de Mensch das Maß alle
Dinge, sonde n “dass Ich dieses Maß sei” (EE 355).
Diese Hal ung gegenübe de Subjek -Objek -P oblema ik habe sich
e s “mi de Einzigkei sphilosophie S i ne s” e neue “- wenngleich in
seh e schiedene Wendung und En wicklung –.
Alles, was man übe haup Objek nennen kann, wozu nun auch die
angebo enen, om Ich i gendwie zu abs ahie enden Bes immungen
des Subjek s gehö en, ha ü S i ne seinen ganzen Sinn da in, om
Ich e b auch zu we den. Das Objek ha seine P oblema ik dem
Subjek gegenübe e lo en, weil es nich ande s exis ie , in ga
10 EE 27. S i ne mein , die Sophis en hä en im Ve s and das Ins umen e kann , mi
dem sie sich in de Wel und ih gegenübe hä en behaup en können; alle dings
hä en sie dieses Ins umen einsei ig eingese z (Dominanz de Ve s andesbildung),
gehe es doch auch da um, die Mach des He zens zu be ücksich igen
(Ve nachlässigung de He zensbildung).
Die Gese zlosigkei und Eigengese zlichkei S i ne s und Simmels 129
keine ande n Hinsich in F age komm , als im Genossenwe den du ch
das Subjek . Es is deshalb öllig logisch, wenn die Wah hei als Ideal
ü S i ne nich bes eh – e b auch sie nich , da de Abg und
zwischen Subjek und Objek , den sie zu übe b ücken bes imm is ,
hie p ak isch on de Sei e des Subjek s he ausge üll wi d ode
eigen lich on o nhe ein dadu ch negie is , dass das Objek nu in
seinem Eingehen in das Subjek eal wi d. (1996/1927, 82).
Ta sächlich sp ich S i ne on eine “Au lösung und Ve zeh ung
des Objek es” (EE 74; ähnlich EE 77). Die Me aphe des Ve zeh s
benu z S i ne in diesem Kon ex , um zu e anschaulichen, wie die
“Abhängigkei des Subjek s om Objek ” (EE 113) adikal beende
we den kann: indem die Objek e “besieg ” und in die Mach sphä e es
Einzigen in eg ie we den, womi e mi ihnen machen kann, was e will.
Was man e zeh , mach man unschädlich, wi d unwiede b inglich
e nich e : “Wenn Du das Heilige e zeh s , has Du’s zum Eigenen
gemach ! Ve daue die Hos ie und Du bis sie los!” (EE 106). Das gil ü
die Hos ie ebenso, wie ü die Wah hei .11
Das indi iduelle Gese z
Simmel se z sich in de Folge imme wiede und zum Teil seh
dezidie mi S i ne auseinande , was Laskas Behaup ung zu wide legen
schein , Simmel sei S i ne s “me kwü dige A on Indi idualismus”
ins ink i ausgewichen und habe sich wie iele ande e In ellek uelle o
und nach ihm auch nich ö en lich mi ihm auseinande gese z .12 In diese
Ausschließlichkei is das alsch, wie ich in diesem Bei ag nachweise.
Abe bei Simmel sp ich , wie bei ielen ande en Philosophen auch, iel ü
einen wei aus s ä ke en Ein luss S i ne s, als aus den namen lichen
Nennungen he o geh . Bezeichnend da ü sind seine Vo s ellungen om
iel und kon o e s disku ie en “indi iduellen Gese z”.
Was e s eh Simmel da un e ?
Ich nähe e mich eine An wo in einem e s en Sch i mi de
Be ach ung de S udie “Gese zmäßigkei im Kuns we k”, die e s nach
Simmels Tod e ö en lich wu de, um mich dann in einem zwei en
Sch i mi Simmels Abhandlung “Das indi iduelle Gese z. Ein Ve such
übe das P inzip de E hik” on 1913 zu beschä igen.13
11 Zu Subjek -Objek -Thema ik bei S i ne siehe auch EE 57, 96, 113, 338-341).
12 B.A. Laska, Max S i ne , ein daue ha e Dissiden – in nuce, in: h p://www.ls -
p ojek .de/msinnuce.h ml.
13 Das indi iduelle Gese z is in ühen Ve ö en lichungen noch age “eine ü Alle
gil ige No m”, de sich jede Einzelne un e zuo dnen ha (G. Simmel 1995/1902,

130 Be nd Kas
Simmel besch eib das indi iduelle Gese z ü das Kuns we k “in
seine indi iduellen Einzigkei ”, in seine “Eigenhei ” (2000/1918, 383),
als No m des Gesoll en, das eine ideale No wendigkei ansp ich . Sie
“en häl das, was wi als die Idee, als die inne lich au s eigende Vision
des Küns le s o zus ellen p legen” (a.a.O. 382). Bei ollkommenen
Kuns we ken “emp inden wi , daß die Schuld an eine Idee oll bezahl
is , ein Ve sp echen ganz eingelös , das Gese z e üll ” is (a.a.O. 385).
Simmel o mulie das indi iduelle Gese z im Kon as zum
allgemeinen Gese z Kan s, diesem jedoch in seinen wei e en
Übe legungen e p lich e : Handle nich so, wie alle handeln sollen,
sonde n da du au einmalige und un e wechselba e Weise in jedem
Momen dein eigenes Leben lebs , handle nach dem Sollen, das aus
deinem ie s en Inne en komm .
Soll e was meine P lich sein, so is es eben meine P lich ”
(2000/1918, 386), die da in bes eh , ein o gezeichne es Sollen zu
e üllen, denn “übe jede besonde en menschlichen Exis enz ode in
ih s eh , wie mi unsich ba en Linien o gezeichne , ein Ideal ih e ,
ein So-Sein-Sollen. … Nu die einhei liche indi iduelle Ganzhei
meines Lebens kann bes immen, wie ich mich zu e hal en habe. Das
En scheidende hie is , daß de Mensch wie e is , zugleich das Gese z
en häl , wie e sein soll … Da um, daß die si liche Gese zmäßigkei
ü uns ein indi iduelles Gese z bedeu e , s eh sie … übe de
Wi klichkei des indi iduellen Subjek s”. Simmel sieh in diese
Fes s ellung “eine geis ige Fo m on de ungeheue s en Bedeu ung ü
das gegebene und das zu ges al ende Bild de Menschen.(a.a.O. 387).
Was Simmel hie p imä als we kimmanen e In e p e a ion au das
Kuns we k bezieh , gil gene ell auch ü den mo alischen Selbs en wu
des Menschen. Um assend beschä ig sich Simmel in seinem Au sa z
“Das indi iduelle Gese z” mi diesem P oblem.
Do heiß es ganz im Sinne Hegelsche Me aphysik, “übe dem
Dunkeln und Unzulänglichen de empi ischen Einzelhei en” s ehe “das
Reich de Ideen, de me aphysischen Realisie hei en des Beg i lich-
Allgemeinen” – und sie en hal en und s ömen “das eigen liche Sein” aus,
das Simmel zu einem “ ealen Ve häl nis” bes imm , das “unmi elba ein
Sollen, eine Fo de ung an das indi iduelle Leben” bedeu e, “die allgemeine
Idee in sich zum Ausd uck zu b ingen.” (G. Simmel 2001/1913,419). Nach
diese Se zung kann Simmel die “Doppelbedingung” o mulie en, un e de
93). E s spä e bekomm das Gese z die um assende Bedeu ung, wie sie im
Folgenden aus üh liche da ges ell wi d.
Die Gese zlosigkei und Eigengese zlichkei S i ne s und Simmels 131
de Einzelne s eh : “ein Indi iduum zu sein und zugleich einem
Allgemeinen zu un e s ehen; eine solchen indi iduellen Exis enz is es
immanen , daß ein Gese z … ü sie bes eh .” (a.a.O. 420).
Ich möch e e was p o oka i einen Zugang zum Ve s ändnis und zu
Wide sp üchlichkei diese A gumen a ion übe eine Episode e suchen,
die Simmel as am Ende des Tex es besch eib :
Ein pazi is ische An imili a is en zieh sich dem K iegsdiens , weil
e sich dazu aus mo alischen G ünden e p lich e ühl .
Wenn nun sein Ve hal en dennoch e u eil wi d, wenn die E üllung
jenes a e ländischen Ansp uchs ge ade als si liche e lang wi d, da
es ganz gleichgül ig sei, wie e da übe subjek i denke – so weiß ich
nich , wie de Leugne des “i enden Gewissens” sich mi diese
Si ua ion ab inden könn e.
Wenn S aa und Gese z und salus publica, “wenn alle objek i en
i dischen und übe i dischen O dnungen” o de n wü den, sich ande s zu
en scheiden, “e ha sie zu e üllen und, wenn es ein si liches Tun sein
soll, so müssen sie aus ihm kommen, müssen das in seinem Sein gelegene
Sollen da s ellen”. Tun sie abe nich . Was nun?
“Au diese Basis, die keine lei Komp omiß ode Konzession
e äg , meine ich alle dings, daß jene An imili a is wi klich zum
Wa endiens mo alisch e p lich e is , obgleich sein subjek i si liches
Bewuß sein ihn e wi .” (2000/1918, 458 .). Eine Meinung, die Simmel
be ei s in seine “Einlei ung in die Mo alwissenscha ” e e en ha
(1989/1892, 181).
Simmel beg ünde seine Meinung:
Die Indi iduali ä , die sollen soll, kann du ch den S aa gezwungen
we den, dessen Bü ge e is (Simmel sp ich euphemis isch on e wi d
“mi bes imm “). Zum S aa sbü ge um gehö nun eben die “P lich des
Wa endiens es, als ein schlech hin objek i e Übe bau ode Nebenbau zu
seine Wi klichkei .” Ku z: De Wa endiens is “si lich gesoll ” – weil
de S aa ihn o de . Fü Simmel is en scheidend, “daß das indi iduelle
Leben nich s Subjek i es is , sonde n … als e hisches Sollen schlech hin
objek i is .” (a.a.O. 460).
Dieses Fallbeispiel se z die seman ische O enhei on Simmels
indi iduellem Gese z auße K a und zeig , wie a bi ä ü ihn die
eigene Posi ion is , wie e sie pe e ie und e gewal ig . Ode , wie
Joachim Landkamme in eine Rezension des 16 Bandes de
Gesam ausgabe “De K ieg und die geis igen En scheidungen”
zu ückhal end k i isie , das Beispiel illus ie e “un eiwillig die
F agwü digkei de abs ak en P inzipien.” Landkamme mein , es sei
“wohl insgeheim ad essie an Simmels pazi is ische Schüle Lukács und
132 Be nd Kas
Bloch, die sich damals ge ade wegen diese Eins ellung on ihm
abgewand ha en.”
Mi geh es nich um Simmels Hal ung gegenübe dem E s en
Wel k ieg, auch nich da um, dass e Gewissensen scheidungen ablehn ,
sonde n exempla isch um den in seine Disku ss uk u e ablie en
me aphysischen Übe bau und die dami e bundene g undsä zliche (Un-)
Glaubwü digkei seine Aus üh ungen.
Wie heiß es in diesem Au sa z?
Niemand kann ein einziges Handeln, ein einziges allgemeines Gese z
angeben, dem wi nich un e besonde en Ums änden die
Ane kennung als unse e P lich e weige n müß en – also keines,
dessen Sachgehal nich die F age als höchs e Ins anz übe sich hä e:
is es denn meine P lich , gehö es de objek i -idealen Ges al ung
meines Lebens zu? (2001/1913, 444).
Nun wa Weh p lich damals ein allgemeines Gese z ohne das Rech
au Weh diens e weige ung. Den E s en Wel k ieg da man ge os als
besonde en Ums and bezeichnen. Wa um gil dann hie ü den
Weh diens e weige e nich “die F age als höchs e Ins anz”, ob es auch
seine P lich is ? We sons als e kann die on Simmel ges ell e F age
“als höchs e Ins anz” bean wo en?
Simmel konzedie die Une kennba kei und Unde inie ba kei des
indi iduellen Gese zes: “Die sozusagen echnische Schwie igkei , dieses
sich in de idealen Sphä e des Lebens ollziehende objek i e Sollen auch
als solches zu e kennen, wi d niemand leugnen.” (a.a.O. 460). Und
“Wah scheinlich is dieses jeweilige indi idual-allgemeine Gese z nich
beg i lich zu ixie en …” (a.a.O. 468). Zwa sp ich Simmel beschönigend
on eine “ echnischen Schwie igkei ”, de S i ne iane Rol Enge häl es
abe ü eine “Unmöglichkei “: “De Cha ak e de Einziga igkei des
indi iduellen Gese zes, das ü einen einzigen Menschen gel en soll,
wide s eb jede Ve beg i lichung” (2002/1917, 54).14
Da jedes Gese z ein Sollen und Müssen gegenübe dem Einzelnen
ausd ück , kann es nich s Eigenes sein. “Deshalb is de Beg i eines
indi iduellen Gese zes an sich ein Unbeg i .” (a.a.O. 56). Wenn ich ein
Gese z be olge, gleichgül ig welchen U sp ungs es is und hä e ich es
mi selbs gegeben, so un e we e ich mich diesem Gese z. Ch is oph
Menke sp ich in diesem Zusammenhang on “Selbs un e we ung: on
mi selbs , un e mich selbs ”, weshalb Au onomie nich da in bes ehen
könne, ein indi iduelles Gese z im Ve s ändnis Simmels zu be olgen
14 Enge iden i izie (mi Simmel) zwei “G undeigenscha en“ des indi iduellen
Gese zes: “seine Une kennba kei … und seine Un o mulie ba kei “ (2003,53),
häl abe an seine Exis enz es .
Die Gese zlosigkei und Eigengese zlichkei S i ne s und Simmels 133
(2005, 308) – wobei die P oblema ik Simmels ja da übe hinaus da in
bes eh , sich übe geo dne en Zwecken beugen zu sollen.
Ohne Simmels Namen zu e wähnen, kanzel auch Ka l Jaspe s in
Die g oßen Philosophen (1957, Bd.1, 483) das indi iduelle Gese z als
bloßen Wide sinn ab.15
In Simmels Au sa z gib es imme wiede Anklänge an S i ne .
Fe uccio Andol i mein soga , Simmel s elle seine eigenen
Anschauungen da , “indem e einen implizi en Ve gleich mi S i ne s
Au assung o nimm .” (F. Andol i 2002, 146). So wenn Simmel da on
sp ich , dass jede Mensch un e gleichlich is (2001/1917, 448; siehe
auch a.a.O. 462) und S i ne on sich sag “in de Ta bin
ich un e gleichlich, einzig” (EE 146), wenn Simmel on de
“Geschiedenhei des einen om ande n” sp ich (a.a.O.), was sich deck
mi S i ne s Aussage “Du has als Einzige nich s Gemeinsames meh mi
den ande n … De Gegensa z e schwinde in de ollkommenen
Geschiedenhei ode Einzigkei ” (EE 213 .), eine S elle üb igens, die
Simmel in seinen “Beiden Fo men des Indi idualismus” on 1901 zi ie .
Wenn Simmel die komple e Exis enz “in jedem Gegenwa smomen ”
sieh (a.a.O. 433)16 und “daß es in jedem seine Augenblicke dieses ganze
Leben is ” (a.a.O. 448; ähnlich a.a.O. 450) wi d man an S i ne e inne ,
de da au poch e, dass de “wah e Mensch” nu in de Gegenwa zu
inden sei (EE 331) und S i ne om Einzigen sag , dass e sich “jeden
Augenblick übe haup e s se ze ode scha e” (EE 159). Bei Simmel
heiß es en sp echend, “jede Momen eines Lebens” sei einzig und
einmalig, und was sich en wickel sei “in jedem Augenblick e was
Schöp e isches” (G.Simmel 2000/1914, 57).17 Beim “Ande s- und
Besonde ssein” handel es sich, so Simmel, nich “um die Einzigkei ,
sonde n um die Eigenhei ” (a.a.O. 462), einem zen alen Beg i in
S i ne s Philosophie, dem e in de zwei en Ab eilung seines Buches das
e s e Kapi el widme .
15 So e wunde es nich , dass es imme wiede zu sinnkons i uie enden
Banalisie ungen des indi iduellen Gese zes komm , wie e wa bei I. Schmid
(2009), die mein , es ginge da um, “eine Balance he zus ellen zwischen dem, was
da is … und dem, was … ehl .“
16 “Es komm abe da au an, einzusehen, daß das Leben, auch öllig in de Fo m
des Fließens beg i en, d.h. seine To alexis enz in jedem Gegenwa smomen
indend … Indi iduali ä is “ (a.a.O. 433).
17 “Das Leben is ein unun e b ochenes, ließendes Scha en on Neuem, so noch
nich Dagewesenem“ (a.a.O. 58). Auch in dem hie da ges ell en Kon ex sieh
Simmel eine “mo i ische Ve wand scha mi Nie zsche“ und nich mi S i ne
(a.a.O.).
140 Be nd Kas
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Die Gese zlosigkei und Eigengese zlichkei S i ne s und Simmels 141
ABSTRACT
A AUSÊNCIA DE LEI E LEGALIDADE PRÓPRIA NA LEI INDIVIDUAL
DE STIRNER E SIMMEL
A INFLUÊNCIA DE STIRNER SOBRE SIMMEL E A SUA RECEPÇÃO
DE STIRNER
Na maio ia das suas publicações Geo g Simmel ocupou-se com emas que
p eocupa am igualmen e S i ne , ais como o único e a sociedade, o indi íduo e o
géne o, as o mações sociais e o domínio, o p oblema do de e , egoísmo e sus
comunismo. Desde cedo que se encon am em Simmel pa alelismos, ou
con aposições, a mo i os s i ne ianos. Começo po analisa aqui se se a a de
e e ências di ec as a S i ne . Po úl imo, o a igo p e ende mos a a elação
en e ambos e a possibilidade de in luências di ec as de S i ne sob e Simmel,
nomeadamen e quan o à comum ideia de “lei indi idual”.
ABSTRACT
THE ABSENCE OF LAW AND OWN LEGALITY IN BOTH STIRNER
AND SIMMEL’S INDIVIDUAL LAW. STIRNER’S INFLUENCE ON SIMMEL
AND SIMMEL’S RECEPTION OF STIRNER.
In mos o his published wo ks, Geo g Simmel deal wi h hemes which
we e also mo i es o conce n o S i ne , such as he One and socie y, he
indi idual and gen e, social o ma ions and domina ion, he p oblem o du y,
egoism e sus communism. Con adic ions and pa allelisms o S i ne ian mo i s
can be ound in Simmel’s hough since i s ea ly s ages. S a ing wi h an analysis
o whe he o no hese a e di ec e e ences o S i ne , his pape in ends o show
he ela ion be ween hese hinke s and he possibili y o a di ec in luence on
Simmel by S i ne , namely in ega ds o hei common idea o “indi idual law”.