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Der Streit der Königinnen: Machtverhältnisse und Geschlechterrollen im Nibelungenlied

Abstract

Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Handlungen zu analysieren, die zur Eskalation des Streits zwischen den beiden Königinnen im Nibelungenlied führen, sowie die tief greifenden Folgen dieses Konflikts. Insbesondere wird sich die Analyse auf die Machtdynamiken konzentrieren, die die verschiedenen Protagonisten bewegen, nämlich die Königinnen Kriemhild und Brunhild und die Könige Gunther und Siegfried, aber auch Nebenfiguren wie Hagen oder Ute. Außerdem werden diese Machtverhältnisse unter Berücksichtigung der Geschlechterrollen betrachtet, die jede Figur beeinflussen. Dazu werden Geschlechterstudien in Betracht gezogen, immer unter Berücksichtigung des historischen Kontextes. Das Nibelungenlied zeigt eine Gesellschaft, in der die alten heroischen Merkmale durchdringen und in Konflikt geraten mit den höfischen Kultur. In dieser wechselnden Welt befinden sich die Protagonisten, die sich auf Macht und Rang fokussieren. Einerseits kämpfen die Königinnen als Frauen um ihre eigene Macht, und andererseits versuchen die Könige ihre heroische Gewalt zu halten, aber auch ihren höfische Kategorie zu wahren. In dieser Hinsicht behauptet Müller: „Die heroische Vergangenheit verschwindet zunächst hinter der höfischen Fassade einer Welt, in der für Helden kein Platz zu sein scheint.“ (2015) In dieser Arbeit werden die Handlungen der Figuren vor dem Hintergrund dieser Realität untersucht, und am Ende soll gezeigt werden, wie diese Motive zur endgültigen Katastrophe des Stücks führen

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Der Streit der Königinnen: Machtverhältnisse und Geschlechterrollen im Nibelungenlied

Author: Martínez López, Irene
Year: 2022
Source: https://minerva.usc.es/bitstreams/c62530bc-b256-4975-ba35-00a5cacc6e15/download
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Facul ade de Filoloxía
G ao en Lingua e Li e a u as Mode nas: Alemán
2021/2022
De S ei de Königinnen: Mach e häl nisse und Geschlech e ollen im
Nibelungenlied
Au o a: I ene Ma ínez López Ti o : Vic o Mille Sch öde
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Facul ade de Filoloxía
G ao en Lingua e Li e a u as Mode nas: Alemán
2021/2022
De S ei de Königinnen: Mach e häl nisse und Geschlech e ollen im
Nibelungenlied
Au o a: I ene Ma ínez López Ti o : Vic o Mille Sch öde
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Tí ulo
A discusión das aíñas: dinámicas de pode e oles de xéne o no Can a dos Nibelungos.
La discusión de las einas: dinámicas de pode y oles de géne o en el Can a de los
Nibelungos.
The queen’s a gumen : powe dynamics and gende oles in he Nibelungenlied.
De S ei de Königinnen: Mach e häl nisse und Geschlech e ollen im Nibelungenlied.
Resumo
Das Ziel diese A bei is es, die Handlungen zu analysie en, die zu Eskala ion des S ei s
zwischen den beiden Königinnen im Nibelungenlied üh en, sowie die ie g ei enden
Folgen dieses Kon lik s. Insbesonde e wi d sich die Analyse au die Mach dynamiken
konzen ie en, die die e schiedenen P o agonis en bewegen, nämlich die Königinnen
K iemhild und B unhild und die Könige Gun he und Sieg ied, abe auch Neben igu en
wie Hagen ode U e. Auße dem we den diese Mach e häl nisse un e Be ücksich igung
de Geschlech e ollen be ach e , die jede Figu beein lussen. Dazu we den
Geschlech e s udien in Be ach gezogen, imme un e Be ücksich igung des his o ischen
Kon ex es.
Das Nibelungenlied zeig eine Gesellscha , in de die al en he oischen Me kmale
du chd ingen und in Kon lik ge a en mi den hö ischen Kul u . In diese wechselnden
Wel be inden sich die P o agonis en, die sich au Mach und Rang okussie en. Eine sei s
kämp en die Königinnen als F auen um ih e eigene Mach , und ande e sei s e suchen
die Könige ih e he oische Gewal zu hal en, abe auch ih en hö ische Ka ego ie zu
wah en. In diese Hinsich behaup e Mülle : „Die he oische Ve gangenhei e schwinde
zunächs hin e de hö ischen Fassade eine Wel , in de ü Helden kein Pla z zu sein
schein .“ (2015) In diese A bei we den die Handlungen de Figu en o dem
Hin e g und diese Reali ä un e such , und am Ende soll gezeig we den, wie diese
Mo i e zu endgül igen Ka as ophe des S ücks üh en.
Palab as cha e: Mach dynamiken, Geschlech e ollen, Gewal , Hö ische, He oische

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Inhal s e zeichnis
1. Einlei ung .................................................................................................................. 7
2. Die Eskala ion ........................................................................................................... 9
2.1. K iemhild ........................................................................................................... 9
2.2. Sig ied ............................................................................................................. 12
2.3. B ünhild und Gun he ...................................................................................... 15
2.4. Die Eheschließungen ....................................................................................... 20
3. De Höhepunk : De S ei de Königinnen ................................................................ 27
4. De Fall ....................................................................................................................... 34
4.1. Die E mo dung Sieg ieds ................................................................................... 34
4.2. Die Rache K iemhilds .......................................................................................... 37
5. Schluss olge ungen ..................................................................................................... 48
6. Li e a u e zeichnis .................................................................................................... 50
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1. Einlei ung
Das Ziel diese A bei bes eh da in, die Mach dynamiken de Figu en des
Nibelungenlieds in Ve bindung mi den Geschlech e ollen als G undlage ü das
Ve s ändnis de En wicklung de Handlung zu analysie en. Den Mi elpunk diese
Handlung bilde die ie zehn e A en iu e, d.h., de S ei de Königinnen K iemhild und
B ünhild. Dies is de Schwe punk de E zählung, denn hie b echen die Spannungen
und Täuschungen au , die sich im e s en Teil de Geschich e au ges au haben, und die
Folgen des S ei s we den das Ende de Nibelungen bes immen. So wi d zunächs die
Eskala ion de Handlung be ach e , dann de S ei selbs und zule z de Fall.
De e s e Teil de A bei wi d sich au die Analyse de Haup igu en –K iemhild, Sig ied,
B ünhild und Gun he – konzen ie en, wobei de Schwe punk da au lieg , wie sie
gemäß de ihnen zugewiesenen Mach e häl nissen und Geschlech e ollen handeln. Es
wi d sich zeigen, dass Gun he und K iemhild das neue hö ische Sys em e kö pe n,
B unhild das my hische, und Sieg ied eine Mischung aus beiden. Anschließend wi d de
Hei a sp ozess de beiden Paa e analysie , wobei deu lich wi d, dass das he oische
Sys em im Fall on Gun he s Ho imme noch seh p äsen is , da diese Männe Gewal
und Be ug einse zen, um ih e Ziele –die F auen– zu e eichen. Was die
Geschlech e ollen be i , so we den B unhild und Gun he in diesem Teil die g öß en
Abweichle sein, abe wäh end de König Sieg ieds Hil e such , um seinen Mangel an
‚Männlichkei ‘ zu kompensie en, wi d B unhild als F au bes a und ih e F eihei en
be aub .
In de Diskussion s ei en die Königinnen übe den Rang ih e Männe und dami übe
ih en eigenen, und es kommen Teile de Täuschungen ans Lich , die Gun he und
Sieg ied im e s en Teil begangen haben und die B unhilds Eh e, abe auch das Ansehen
Sieg ieds, Gun he s und seines Ho es beein äch igen. Obwohl die Männe e suchen,
den Kon lik e schwinden zu lassen, nu z de Ri e Hagen ihn als Vo wand, um
Sig ied zu ö en. Diese Szene ma kie nich nu einen Wendepunk in de Handlung,
sonde n is auch deshalb wich ig, weil sie zeig , dass auch F auen ü ih e Mach kämp en
und ih e eigene Indi iduali ä besi zen.
Die Mach und Rebellion, die B unhild im e s en Teil des S ücks zeig , wi d im le z en
Teil du ch K iemhild e se z . Nach de E mo dung Sieg ieds e häl sich die Königin
zunächs eu und passi , wie es die Ve hal ens egeln o sch eiben, abe in ih em
8
Inne s en plan sie eine Rache an den Mö de n ih es Mannes, die zu Ve nich ung de
Nibelungen üh en wi d. Einmal meh lösen sich die Geschlech e ollen au und die
Gewal de he oischen Wel übe deck alles.
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2. Die Eskala ion
Im e s en Teil de Geschich e wi d e zähl , wie es Gun he und Sieg ied geling , jeweils
B ünhild und K iemhild zu hei a en, was a sächlich den Haup kon lik de E zählung
kon igu ie . De Kon lik be uh au de Ta sache, dass Gun he B ünhild hei a en will,
abe selbs dazu nich in de Lage is . B ünhild agie als Figu in einem Sys em, in dem
das Rech des S ä ke en gil , dahe kann sie nu einen Mann hei a en: den S ä ks en. Das
P oblem ü Gun he is , dass e nich de S ä ks e is ; abe sein Vo eil is , dass e
Sieg ied ha , de seine Schwes e K iemhild hei a en will und deshalb be ei is , Gun he
zu hel en. Sieg ied, zumindes de D achen ö e Sieg ied, gehö eben alls in das Sys em
de b achialen K a und is do de S ä ks e; so wi d e auch dem König die he oische
Hal ung und Gewal b ingen, die diese , ü den das Rech ssys em des Ho es gil , nich
ha . Sieg ieds Hil e wi d jedoch o B ünhild e bo gen, die in dem Glauben gelassen
wi d, Gun he sei de ich ige Mann ü sie. Dieses Täuschungsmanö e eskalie bis zum
Wendepunk de E zählung mi dem S ei de Königinnen, wo diese Geheimnisse
eilweise (und e älsch ) ans Lich kommen und das Gleichgewich des Ho es s ö en, bis
alle Schuldige da ü bezahlen. In diese A bei we den die Handlungen de Figu en
analysie , die zu diesem agischen Ende üh en, wobei de Mi elpunk eine sei s au
den Pe sönlichkei en de Figu en lieg , die sich du ch ih Abweichen on den
Geschlech e - und Sozial ollen auszeichnen, und ande e sei s au den un e schiedlichen
Mach e häl nissen, die on Gewal und Eh geiz gep äg sind.
2.1. K iemhild
Die Geschich e beginn und ende mi K iemhild. Ta sächlich s a en alle d ei Ve sionen
des Nibelungenliedes mi K iemhild (Eh ismann, 1998, S. 20), was die Bedeu ung de
Figu ü die E zählung zeig . Im Ve lau de Handlung wi d K iemhild als unde
Cha ak e da ges ell , das heiß , ih e Rolle als F au ände sich im Ve lau de Geschich e.
Zu Beginn e schein K iemhild als hö ische Dame, die jedoch o ih e Bes immung als
Ehe au und Mu e da onlau en will. Abe als ih e B üde sie mi Sieg ied e hei a en,
leis e sie keinen Wide s and (obwohl sie sich um den Ve lus ih es E bes kümme , 691)
und e häl sich wäh end de Ehe „in acco dance wi h he oic con en ions pe aining o
gende “ (Pa enbe g, 1995, S. 109). Sie blieb noch ih em Mann eu, als e e mo de wi d,
doch als sie eines ge ech en U eils und ih es Reich ums be aub wi d, b ich K iemhild
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i gelîche enheine man wesse ninde mê.
diu was unmâzen schoene. il michel was i k a .
sie schôz mi snellen degenen umbe minne den scha .
(Es he sch e eine Königin jensei s des Mee s. / Man kann e keine, die ih gleichkam. /
Schön wa sie übe alles Maß. Seh g oß wa ih e K a . / Um den P eis ih e Liebe wa
sie den Spee im Kamp mi s a ken Helden. 326)
Eine sei s e schein B ünhild als eine exo ische Figu , die in einem e nen Land leb , was
das höchs e Ni eau de Exogamie da s ell . Sie is auch schön, de am meis en geschä z e
weibliche We . Ande e sei s ma kie ih e K a ih e männlichen und bösa igen
Eigenscha en. Lau F ank (2004) is diese Disk epanz a sächlich das, was „ih e
spezi ische Faszina ion ausmach “ (S. 67). Ih e A ak i i ä lieg auch in ih e Vi gini ä
und Exklusi i ä ; B ünhild äg weiß und wü de nu ü einen einzigen Mann ih e
Jung äulichkei he geben: den s ä ks en Mann. Nich nu diese Kondi ion zeig ih e
Exklusi i ä , sonde n auch die Ta sache, dass sie bishe jeden Mann, de um ih e Hand
anhiel , ge ö e ha . B ünhild un e wi die Männe , die sie begeh en, einem Spee wu -,
S einwu - und Wei sp ung u nie , bei dem de Mann en wede gewinnen ode s e ben
kann: „Es handel sich somi um Disziplinen, die (in de Li e a u ) on Männe n
p ak izie we den und die im Nibelungenlied dazu dienen, die ‚Männlichkei ‘ P ünhil s
zu akzen uie en“ (F ank, 2004, S. 65).
Deswegen muss Gun he B ünhild hei a en und ih auch ih e Jung äulichkei nehmen,
um B ünhilds Mach zu ze s ö en und somi die pa ia chalische Balance au ech zuhal en
(Sau e -Baillie , 1984, S. 104). Ta sächlich e s ehen diese Männe es als ih e
Ve p lich ung, jede F au zu kon ollie en, die die Geschlech e olle und soziale
Gewich sbalance b ich : „disempowe men o women is in eg al o ensu ing he p imacy
o he wa io cul u e“ (Pa enbe g, 1995, S. 110). Auße dem sind solche F auen ein
sexuelles Ta ge ü Männe , da sie, indem sie diese 'wilden' F auen zähmen, da an ih e
Männlichkei zu Beweis s ellen. In Bezug au B ünhilds Bösa igkei sch eib Liene
(2003): „B ünhild mi all ih e magischen K a is nu dazu kons uie , on einem Mann
übe wunden zu we den“ (S. 12). In Gun he s Fall is diese Übe p ü ung wich ige als
üblich, da e nich diese adi ionelle Idee de Männlichkei e üll , abe e b auch K a ,
um B ünhild zu gewinnen, dahe se z e die Pe son ein, die am Bu gundenho noch die
he oischen We e, und dami die Gewal , e i : Sieg ied. Lau We hschul e (2011):

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Gewal is unau löslich mi de ”k iege ischen Männlichkei “ e bunden, die im
Nibelungenlied als Essenz de zwei wich igs en Männlichkei sen wü e, des hö ischen
und des he oischen, ungie . Diese epochenbeding en Männlichkei smodelle s oßen au -
und e schmelzen zum Teil mi einande . (S. 273)
In diesem Sinne s eh Gun he s Männlichkei nich nu im Gegensa z zu K iemhilds
We en, sonde n auch zu Sieg ieds he oische Männlichkei . Ta sächlich sch eib Liene
(2003): „Gun he kompensie seine Schwäche zunächs du ch o ge äusch e Mach übe
Sieg ied, dann übe die Aneignung eines mach oll-wide s ändigen Weiblichen“ (S. 11).
Was Gun he und Sieg ied un e scheide und du ch was sie beide P o agonis innen
gewinnen we den, is die S ä ke: „de E zähle übe äg Rache- und Gewal ak e, die
Kons i uen en k iege ische Männlichkei , als S a egien de Mach übe nahme auch au
F auen“ (We hschul e, 2011, S. 290). Die F au is de P eis ü den s ä ks en Helden,
und die Ta sache, dass Gun he au diese We e zu ückg ei en muss, s eh ü die imme
noch bes ehende Abhängigkei de hö ischen Wel on de he oischen Wel ; zwei Wel en,
die im Lau e de E zählung zu eine einzigen e schmolzen we den. Auße dem beweis
es, dass e sie heimlich einse z , die Lüge des iedlichen Ho es. In Be ach de g oßen
S ä ke B ünhilds wä e Gun he zwei ellos bei den P ü ungen ges o ben (452,1–2). Abe
das Unglaubliche is , dass selbs Sieg ied nich s ä ke als B ünhild is , und deshalb
b auch e den Ta nman el, mi dem e sie besiegen kann (457,4). Diese Man el mach
ihn unsich ba und iel s ä ke : wol zwel manne s e ke zuo sîn selbes lîp. („die S ä ke
on zwöl Männe n kam zu seine eigenen dazu.“ 337,3). In diese Hinsich weis de
E zähle da au hin, dass B ünhild die K a on as zwöl Männe n ha , was im Lau e
des Tu nie s imme wiede be on wi d.
Es is sinn oll, einen Ve gleich zu ziehen zwischen de A und Weise, wie Gun he und
seine Männe sich da au o be ei en, B ünhild zu e obe n, und B ünhilds Vo be ei ung,
sie zu emp angen. Als Gun he sich dazu üs e , nach Isens ein zu ei en, mach e So ge
um Folgendes: waz wi kleide solen o B ünhilde agen („was wi an Kleide n o
B ünhilde agen sollen“ 343,3). Und so wende e sich an seine Schwes e um Hil e: Wi
wellen, liebiu swes e , agen guo gewan . („Wi wollen, liebe Schwes e , kos ba e
Gewände agen.“ 357,1). Und e sag , daz ich selbe ie de ze ie agen age / ie d îe
hande kleide („Ich und die d ei ande n wollen an ie Tagen / jede d ei e schiedene
Gewände agen, so kos ba e Kleidung“ 360,2–3). Das heiß , dass jede Held ü die
Reise zwöl un e schiedliche Kleidungen nehmen wi d. Dies is ih e eigene A , sich in
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B ünhilds Land eich und mäch ig zu zeigen. So sag man ihnen bei ih e Ab eise, daz si
ze we lde hê en bezze s nih gesehen […] on bezze ecken wae e kunde niemen nih
gesagen. („dass sie au de Wel nich s Schöne es gesehen ha en. / Mi F eude konn en
sie sie do bei Ho e agen. / Niemand hä e sagen können, dass es besse e Heldenkleide
gab.“ 370,2–4). Dann bei ih e Ankun in Isens ein, wie bei Sieg ieds Ankun in
Wo ms, bewunde man sie wegen ih e P ach , ü ch e sie abe nich wegen ih e
Fes igkei . Sie we den wie olg besch ieben: si i en hê lîche ü B ünhilde sal („in
g oße P ach i en sie zu B ünhilds Saal“ 400,2) mi ih en schilde wolge ân („Ih e
schönen Schilde“ 399,3), s e el wol ges eine („Sä el schön bese z mi Edels einen“
400,1), und swe en wolge ân („schönen Schwe e n“ 401,1). Obwohl dies Zeichen de
Mach an seinem Ho sind, sind sie nich aus eichend in B ünhilds Land, wo K a
he sch . Abe diese Zeichen, sowohl die on Gun he und seinen Männe n als auch die
on B ünhild, sind auch die We e, die adi ionell mi den Geschlech e ollen ü F auen
und Männe e bunden sind, nu dass sie wiede einmal e ausch we den. Au de einen
Sei e zeig dies den Wandel de Mach e häl nisse in de i e lichen Wel im Gegensa z
zu denen de he oischen Wel . Au de ande en Sei e üh dies zu einem Wechsel des
Konzep es de Geschlech e ollen, die nich so seh du ch das Geschlech , sonde n du ch
die Wel , de die Pe son angehö , gep äg zu sein scheinen. Au jeden Fall wi d die
hö ische Eleganz, die hie übe ieben wi d, spä e e schwinden, und nu Gewal au
beiden Sei en wi d bleiben.
Abe bei Gun he s Ankun s eh seine He lichkei im Wide sp uch zu B ünhilds
Besch eibung, die sich au die Wiede holung ih e übe na ü lich S ä ke basie : gewâ en
man die an , / sam ob si solde s î en umb elliu küniges lan . („Man sah sie gewappne ,
/ als soll e sie um alle König eiche kämp en.“ 434,1–2). Auße dem we den ih e Wa en
nich nu du ch ih en Schmuck und ih Gold besch ieben, wie im Fall de Männe ,
sonde n sie zeichnen sich du ch ih g oßes Gewich und ih e B u ali ä aus. Übe ih
Schild sch eib de E zähle : on s ahel und ouch on golde îch e was genuoc, / den i
kame ae e selbe ie de kûme uoc („E bes and aus S ahl und Gold, p ach oll und
gewal ig / kaum konn e ihn ih Kämme e mi Hil e on d ei Männe n agen.“ 437,3–4);
und übe ih en Wu spee , s a c und unge üege, michel unde b ei , / de ze sînen ecken
il ha e eislîchen snei . („s a k und gewal ig, dick und b ei , / dessen Schneiden
u ch ba schni en.“ 440,3–4). Du ch die Besch eibung ih e Wa en wi d auch B ünhilds
g oße S ä ke bek ä ig, wie auch die Ta sache, dass diese K a de eines jeden Mannes
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übe legen is , was gleichzei ig au die Umkeh de adi ionellen Geschlech e ollen
hinweis . Au diese A zeig dies de E zähle : Von des gê es swae e hoe e wunde
sagen! [...] den uogen kûme d îe B ünhilde man. („Hö E s aunliches om Gewich des
Ge s! / Gu d eieinhalb Maß Me all wa da ü e wende wo den. / D ei on B ünhilds
Männe n konn en ihn kaum agen.“ 441,1–3). Und auch:
Diu B ünhilde s e ke il g oezlîche schein.
man uoc i zuo dem inge einen swae en s ein,
g ôz und unge üege, il michel unde wel.
in uogen kûme zwel e, helde küene und snel.
(Es zeig e sich, wie ungeheue B ünhilds S ä ke wa . / Man b ach e ih zum Kamp pla z
einen schwe en S ein, / dick und gewal ig, g oss und und. / Zwöl Männe – kühne, s a ke
Helden – konn en ihn kaum agen. 449)
Abe B ünhilds K a und Mach we den nich als G oß a en be ach e , wie es bei einem
Mann de Fall wä e, sonde n als böse und mons ös: de i dâ ge ze minnen, diu is des
iu eles wîp („Die F au, die Ih gehe , die is des Teu els Weib.“ 438,4), jâ sol si in de
helle sîn des übeln iu els b û („Die B au des bösen Teu els in de Hölle soll sie sein.“
450,4). Denn sie is eine F au, abe K a und Gewal sind Eigenscha en, die nie mi ih
e bunden we den soll en. Deshalb wi d B ünhild e eu el , und a sächlich lös ih
E scheinen in Isens ein Angs aus, im Gegensa z zu dem de Männe . Als Gun he und
seine Beglei e sich B ünhilds K a bewuss we den, be euen sie, do hin ge ah en zu
sein.
Je z müssen die Männe B ünhild e nich en, nich nu , dami Gun he sie hei a en kann,
sonde n auch um ih e Männlichkei un e Beweis zu s ellen. In diesem Sinne sag Hagen:
nû hiezen wi ie ecken. wie e liese wi den lîp, / suln uns in disen landen nû übe winden
diu wîp! („Man nann e uns doch imme Helden. Wie e lie en wi das Leben, / wenn uns
in diesen Lände n je z die F auen übe winden!“ 443,3–4). Übe diese Szene sch eib
We hschul e (2011): „Wäh end des Kamp es be ü ch e e nich e wa den Ve lus seines
Lebens, sonde n die weibliche Mach übe nahme und den Ve lus de männlichen
Übe mach “ (S. 288). Im Kamp gegen diese F au zu siegen, bedeu e ü diese Männe
in Wi klichkei , die S ö ung de pa ia chalischen O dnung zu übe winden: „Dass
P ünhil s Ve hal en on de hö ischen Weiblichkei sno m abweich , muss sank ionie
we den“ (S. 288). Schließlich können sie dank de K a des Ta nman els gewinnen.
Danach e künde B ünhild Gun he als Siege des Tu nie s und gib sich in seine Hand,
und als das Volk o Gun he knie , kommen ie de E zähle : E g uoz e’s minneclîche.
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jâ was e ugende îch. („E nahm die Un e we ung gnädig an. E wa ein o bildliche
He sche .“ 468, 1). In diesem Sa z s eck die I onie de Zwiespäl igkei des Ho es:
Gun he g üß espek oll als wohle zogene König, abe in Wi klichkei ha e sie ge ade
alle be ogen. Neben de Täuschung mi dem Ta nman el üh en Sig ied und Gun he
noch eine wei e e Lüge au , die den Kon lik mi B ünhild maßgeblich bes immen wi d.
Von ih e Ankun in Isens ein an agie Sieg ied als Gun he s Vasall: E häl sein P e d
(397, 398), leis e ihm den S eigbügeldiens und sag B ünhild di ek , dass Gun he sein
He sei (420). Mi diesen Ges en, die die gesellscha liche Hie a chie de inie en, geling
es, B ünhild da on zu übe zeugen, dass Gun he de He und Sieg ied de Vasall is
(Denk, 2002, S. 66); das heiß , dass sie nich nu nich weiß, dass Gun he sie im Tu nie
nich schlagen konn e, sonde n auch glaub , dass e besse als Sieg ied is , de ja de
S ä ks e und dami in B ünhilds Augen de Mäch igs e is .
2.4. Die Eheschließungen
Au diese Weise ge äusch , muss B ünhild ih Land e lassen. Die Schlussszene de
ach en A en iu e üh ein wei e es ele an es Thema in Bezug au die Mach dynamik
on F auen und Männe n ein, das spä e auch bei K iemhild wiede hol we den wi d: Die
Be eue ung de Männe ih e Mach und Au o i ä , indem sie ih e F auen ih es Reich ums
und dami ih e Unabhängigkei und Mach be auben, und das Bewuss sein und de
Schme z de F auen übe ih e Ve lus e. In diese Szene muss B ünhild, da sie nun
e hei a e is , ih Ve mögen au eilen und ih König eich e lassen. Dankwa e eil
das Gold, abe e gib zu iel da on ab, deswegen wi d B ünhild wü end und sie sag zu
Gun he :
[›]E gî sô îche gâbe – jâ waene des de degen,
ich habe gesan nâch ôde. ich wil’s noch lenge p legen
(ouch ûwe i’z wol e swenden), daz mi mîn a e lie.‹
sô mil en kame ae e gewan noch küneginne nie.
([›] E gib so iel aus ollen Händen – e mein wohl, / ich hä e nach dem Tod ge u en.
Ich will’s noch lände haben / (und kann’s schon ech e b auchen), was mi mein Va e
hin e liess. ‹ Einen so eigebigen Kämme e ha e noch keine Königin ge unden.“ 518)
Die Ve wendung des Wo es ôde is a sächlich mi B ünhilds Si ua ion e bunden, denn
„Hei a en und Un e s ansein is dasselbe – ü F auen.“ (Liene , 2003, S. 7).
Insbesonde e ü eine mäch ige Königin wie B ünhild, die ih e Indi iduali ä , Gewal und
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Unabhängigkei e lie en wi d, bedeu e Ehe so e was wie den Tod. Nach diese Rede
en zieh B ünhild Dankwa die Kon olle und e au das Ve mögen ih en eigenen
Kämme e n an, die sie bi e , das Gold in ih Schi zu legen, um es mi zunehmen (521).
Eine ähnliche Szene e gib sich spä e mi K iemhild: Als Sieg ied und Gun he nach
Wo ms zu ückkommen, häl de König sein Ve sp echen und e hei a e seine Schwes e
an Sieg ied. Gun he und Sieg ied haben einen Tausch gemach , bei dem die Objek e
F auen sind, was ein Beispiel ü die Objek i ie ung on F auen is , die damals „als
Kamp p eis ode Belohnung“ be ach e wu den (Liene , 2003, S. 6). Zunächs is dazu
zu beobach en, wie die F au den Männe n ih e Familie s e s un e geo dne is . Als
Gun he zu K iemhild sag , dass e sie einem Mann e sp ochen ha , an wo e K iemhild:
› il liebe b uode min,
i sul mich nih lêgen, jâ wil ich imme sîn,
swie i mi gebie e , daz sol sîn ge ân.
ich wil in loben ge ne, den i mi , he e, gebe ze man.‹
(›Liebs e B ude , / Ih b auch mich nich zu bi en. Ich we de imme un, / was Ih mi
be ehl , das wi d ge an. / Mi F euden nehme ich den, den Ih mi , He , zum Mann geb .‹
613)
Diese Rede beleg , dass K iemhild Sieg ied hei a e , nich weil sie ihn lieb , sonde n weil
es ih e Schuldigkei is : „Es geh nich um Ge ühle, sonde n um Mach und Rech de
B üde , die Schwes e nach Gu dünken zu e hei a en; hie üg sich die s uk u elle
Gewal eilich zu K iemhilds und Sieg ieds Neigung“ (Liene , 2003, S. 6). Doch
obwohl K iemhild sich nich au , sich gegen die a angie e Ehe zu weh en, u sie es
doch, als sie, wie B ünhild, ih es Ve mögens be aub wi d. Als K iemhild und Sieg ied
sich da au o be ei en, in Sieg ieds Land zu ziehen (11. A .), die e s e Sache, die
K iemhild ag , is :
›wenne sul wi a n?
daz ich sô ha e gâhe, daz heiz ich wol bewa n.
mi suln ê mîne b uode eilen mi diu lan .‹
lei was ez Sî ide, dô e ’z an K iemhil e an .
(›Wann soll de Au b uch sein? / Ich we de zu e hinde n wissen, dass man mich zu Eile
d äng . / E s sollen meine B üde die Lände mi mi eilen.‹ Sieg ied miss iel das, als
e es on K iemhild hö e. 691)
Sieg ied schein da übe e ä ge , und als K iemhilds B üde anbie en, das Land
zwischen ih e Schwes e und Sieg ied zu eilen, an wo e Sieg ied:
›go lâz iu iuwe e be imme saelic sîn
und ouch die liu e da inne. jâ ge uo diu liebe wine mîn

22
Des eiles wol ze â e, den i i wolde geben.
dâ si sol agen k ône, und sol ich daz geleben,
si muoz we den îche , danne iemen lebendige sî.
swaz i sus gebie e , des bin ich iu dienes lîchen bî.‹
(›Möge Go Euch Eue Land / und die Leu e d in im Glück e hal en. Meine liebe F au
e zich e / au den An eil, den Ih ih geben woll e . / Wo sie die K one agen soll, da
wi d sie – wenn ich es e lebe –, / eiche we den als i gend jemand au de Wel . Ansos en
bin ich Euch zu Diens en.‹ 694,3–695)
Hie e such Sieg ied, K iemhilds Besi z auszuschlagen: dies is eine
„Mach demons a ion“, um zu e klä en, dass K iemhild je z abhängig om S a us ih es
Mannes is (Liene , 2003, S. 7). Abe wie Sieg ied doch sag , K iemhild wi d eich sein,
solange e leb : die Ehe au häng om Leben des Ehemannes ab, um ih e Mach zu
hal en. Vo diese Au e legung kann K iemhild nich s machen, abe sie bes eh da au ,
ih e Vasallen mi zunehmen (696, 4), und au diese A b echen sie in Sig ieds Land au .
In de Zwischenzei angen B ünhild und Gun he ge ade ih e Ehe an. Schon als sie
Isens ein e lassen, beschließ B ünhild, nich mi Gun he zu schla en, bis sie in Wo ms
sind (528). Es is kla , dass die Königin e mu e , dass ih Mann nich ganz eh lich is .
Doch ih Miss auen wi d noch e s ä k , als sie sieh , wie Sieg ied sich am Ho e häl :
E sieh nich meh wie Gun he s Vasall aus. Als dann Sig ied K iemhild hei a e und
B ünhild sie zusammen am Kop ende des Tisches sieh , au gleiche Höhe wie Gun he ,
kann sie die Si ua ion nich e s ehen. Es is ü sie undenkba , dass ein mi maßliche
Vasall eine P inzessin hei a e . Dahe wein sie und sag zu Gun he : ›umbe dîne swes e
is mi on he zen lei . / die sihe ich nâhen si zen dem eigenholden dîn. / daz muoz ich
imme weinen, sol si alsô e de be sîn.‹ („›Deine Schwes e u mi on He zen leid. /
An de Sei e Deines Eigenmannes sehe ich sie si zen. / Da übe muss ich imme weinen,
wenn sie so e nied ig wi d.‹“ 620,2–4) Abe Gun he e häl die Lüge au ech , und
B ünhilds Ve dach s eig wei e , deshalb will sie noch nich mi ih em Ehemann
schla en. Mi ih em sabenwîzem hemede („Hemd aus weißen Saben“ 632,1) sag B ünhild
zu Gun he im Be : ich wil noch mag belîben (i sul wol me ken daz), / unz ich diu mae
e inde. („Ich will noch Jung au bleiben (nehm das zu Kenn nis), / bis ich alles weiss.‹“
635,3–4). Dami bi e B ünhild Gun he , ih die Wah hei zu sagen, abe e u dies nich ,
sonde n e beha wei e da au , do anc e nach i minne und ze uo i diu klei („Da
ang e mi Gewal um ih e Liebe und ze iss ih das Hemd.“ 636,1), wo au hin B ünhilde
sich weh :
23
Die üeze und ouch die hende si im zesamme ban .
si uoc in z’einem nagele und hienc in an die wan ,
dô e si slâ es i e e. Die minne si im e bô .
jâ hê e on i k e e il nâch gewunnen den ô .
(Die Füße und die Hände band sie ihm zusammen. / Sie ug ihn zu de Wand und häng e
ihn an einen Nagel, / als e sie am Schla en hinde e. Sie ließ nich zu, dass e sie lieb e.
/ Sie hä e ihn mi ih en K ä en beinahe umgeb ach . 637)
In diese Szene wi d noch einmal ein g oße Gegensa z zwischen B ünhilds K a und
Gun he s Mach losigkei o ges ell : Gun he kann nu B ünhild bi en, und sie läss ihn
bis zum Sonnenau gang hängen. Dies bedeu e ein b u ale Ang i gegen Gun he als
Mann und König, wie B ünhild selbs sag :
›Nû sag mi , he Gun hê , is iu daz ih lei ,
ob iuch gebunden ünden‹, sp ach diu schoene mei ,
›die iuwe n kame ae e on eine ouwen han ?‹
(›Sag mi doch, König Gun he , is Euch das nich peinlich‹, / sag e die schöne
Jung au, ›dass Euch / Eu e Kämme e on F auenhand ge essel inden könn en? ‹
640,1–3)
Gun he weiß, dass die Ehe e s ollzogen is , wenn sie mi einande schla en, ebenso wie
e weiß, dass dies sein Rech als Ehemann und B ünhilds Schuldigkei als Ehe au is .
Deshalb muss Gun he es gelingen, dass e die Ehe ollzieh und seine Männlichkei und
Mach posi ion e e e , abe e muss sie auch bes a en, nich nu weil sie ih e P lich
e le z ha , sonde n auch weil sie ihn läche lich gemach ha . Pa enbe g (1995) be ach e
diese Szene als „ wo examples o gende ansg ession“, und sie sch eib : „Al hough bo h
ansg essions a e c i icized, only one –B ünhild’s– is punished. In a wa io cul u e a
woman wi h po en ial powe poses a g ea e h ea han a peace-lo ing ule whom he
Wa io s can con ol“ (S. 109). In diese A bei we den meh e e Fälle on
geschlech sspezi ischen Übe e ungen analysie , und es wi d es ges ell , dass nu
F auen ( on Männe n) bes a we den, obwohl de E zähle sie am Ende alle e nich en
wi d. In diesem Fall sp ich Gun he am olgenden Tag mi Sieg ied, de dem König
so o hel en will. Sig ied sag zu ihm, dass K iemhild sich seh gu e hal en habe, und
dass B ünhild das gleiche machen müsse (652). In diesem Sinne b ing B üde lichkei
Sieg ied dazu, Gun he bei de Zähmung seine F au zu hel en, weil e au diese Weise
auch zu Au ech e hal ung de pa ia chalischen O dnung bei äg . Dahe plan
Sieg ied, wie dies zu e eichen sei, und e e klä schließlich zu Gun he , dass e in de
Nach Gun he s und B ünhilds Zimme mi seinem Ta nman el be e en wi d, und dann,
sô winge ich di dîn wîp, / daz dû si hîn e minnes , ode ich e liuse mînen lip.‹ („Dann
24
bezwinge ich Di Deine F au, / dass Du sie heu e nach beschlä s , ode ich e lie e mein
Leben.“ 654,3–4). Es is wich ig da au hinzuweisen, dass Sieg ied den Ta nman el
b auch , dami B ünhild ihn nich sehen kann, abe auch, um sie zu besiegen, da e ohne
den Ta nman el nich s ä ke als sie is . Gun he e wide wie olg :
›Âne daz dû ih iu es ‹, sp ach de künic dô,
›die mîne lieben ouwen, ande s bin ich es ô.
sô uo i , swaz dû welles ! und naemes i den lîp,
daz sold ich wol e kiesen. si is ein eislîchez wîp.‹
(›Wenn Du / meine liebe He in nich beschlä s , bin ich ein e s anden. / Mach mi ih ,
was Du wills ! Und wenn Du ih das Leben nähms , / wü de ich das leich e schme zen.
Sie is ein ü ch e liches Weib.‹ 655)
Gun he kümme sich nich um die Siche hei ode selbs das Leben seine F au, sonde n
um seinen eigenen S olz. Sig ied da nich mi B ünhild schla en, weil dies eine
Beleidigung ü Gun he wä e. Auße dem is das Ziel dieses Plans, dass „die De lo a ion
als Mi el de Rehabili a ion on Gun he s beschädig e Männlichkei geb auch wi d.“
(Liene , 2003, S. 11), dahe da Sig ied mi ih nich schla en.
Dann komm die Nach und Sig ied i in B ünhilds und Gun he s Zimme ein. Sobald
Sieg ied e such , B ünhild zu be üh en, die glaub , dass e Gun he sei, äng eine
b u ale Kamp zwischen ihnen beiden an. Obwohl Sig ied den Ta nman el äg , e le z
B ünhild ihn schwe , und e be ü ch e soga , dass e nich in de Lage sein wi d, sie zu
übe winden:
›Ôwê‹, dâh de ecke, ›sol ich nû mînen lîp
on eine mag e liesen, sô mugen elliu wîp
he nâch imme mê e agen gel en muo
gegen i manne, diu ez sus nimme ge uo .‹
(›Ach‹, dach e de Held, › e lie e ich mein Leben / du ch eine Jung au, dann/ ump en
kün ig alle F auen / gegen ih e Männe au , die es sons niemals ä en. ‹ 637)
Dies zeig die wah e Mo i a ion hin e diese Szene: Sie bes a en B ünhild ü ih e
Au müp igkei und dami senden sie eine Wa nung an alle ande en F auen. In diesem
Momen gib die Scham, mögliche weise on eine F au bezwungen zu we den, Sig ied
K a , und e scha es, B ünhild au zuhal en, indem e sie ha schläg :
e d uh e’s an daz be e, daz si il lû e sch ê.
i â en sîne k e e ha e g oezlîchen wê.
(E p ess e sie ans Be , dass sie b üll e. / Mi seinen K ä en a e ih gewal ig weh.
676,3–4)
25
dô we ez sô sîn han ,
daz i diu li e k ach en und ouch al de lîp.
des wa de s î gescheiden. dô wa si Gun hê es wîp.
(Das weh e seine Hand so ab, / dass ih e Gliede und ih ganze Kö pe k ach en. / Dami
wa de Kamp beende . Da wu de sie Gun he s F au. 677,2–4)
In diese Szene g ei Sieg ied B ünhild an, sodass Gun he sie e gewal igen kann. Dies
Beispiel explizi e und b u ale Gewal gegen F auen is ü diese Männe nu das
no wendige Mi el, um die pa ia chalische O dnung au ech zue hal en, und sie
e eichen ih Ziel: „Im Kamp um die pa ia chale Vo he scha ging es da um, F auen
physisch und sexuell zu un e we en und inne halb de Ins i u ion de Ehe abhängig zu
machen“ (Sau e -Baillie , 1984, S. 100). Sowohl im Kamp am Isens ein als auch je z
bei de Ve gewal igung geling es den Männe n, B ünhild zu schwächen und zu
un e we en. De E zähle ma kie B ünhilds Ve lus de Jung äulichkei und dami die
ollkommene Un e we ung un e ih en Ehemann als den exak en Punk , an dem
B ünhild ih e K a und Indi iduali ä öllig e lie : hei, waz i on de minne i g ôzen
k e e en weich! / Dône was ouch si nih s e ke dann ein ande wîp. („Wie ih e g ossen
K ä e du ch die Liebe schwanden! / Da wa auch sie nich s ä ke als eine ande e F au.“
681,4–682). Ta sächlich be ach e Sau e -Baillie (1984) „die Ve bindung on
Jung äulichkei und einem ungezähm en ode unabhängigen Willen“ wie ein
wiede keh endes Phänomen (S. 100); und im B ünhilds Fall wa en eigen lich ih e K a
und ih e Indi iduali ä oneinande abhängig:
Die S ä ke [is ] zu Fundie ung on B ünhilds Mach posi ion inso e n on Bedeu ung als
sie siche s ell , dass du ch die T iumphe im B au we bungswe kamp B ünhilds
He sche innenposi ion e hal en bleib und sie nich einen ih e F eie ehelichen muss.
(Renz, 2006, S. 20)
E s wu de sie in Isens ein be ogen, dami e lo sie ih e soziale S ellung, und nun wi d
ih die le z e K a genommen, ohne die sie sich nich meh weh en kann. Ohne ih e
Unabhängigkei is B ünhild Gun he und jedem Mann un e geo dne :
O de is es o ed by sun ise a e he nigh ime ansg essions in he Nibelungenlied.
Res o ed o de means es o ed seg ega ion o gende s. In he case o B ünhild, whose
sphe es and means o ac ion ha e been wholly male, his means she nea ly disappea s
om he s o y. (Pa enbe g, 1995, S. 109)
Sieg ied und Gun he haben B ünhild as wie Vieh gezähm und dami die
Geschlech e ollen wiede he ges ell und ih Pa ia cha einen wei e en Tag geschü z .
32
ih leid u “ 858,1–2). Ta sächlich we den die Könige die beiden F auen ü ih e S ei
bes a en, weil es ih e P lich is , da ü zu so gen, dass ih e F auen die Geschlech e ollen
einhal en und ein Vo bild ü ande e sind. Fü Männe is Gewal no wendig, um die
Un e o dnung de F auen zu gewäh leis en, und somi das pa ia chalische Gleichgewich
zu e hal en. In diese Hinsich be onen sie ih e Hal ung:
›Man sol ouwen ziehen […]
daz si üppeclîche sp üche lâzen unde wegen.
e biu ez dînem wibe! de mînen uon ich sam.
i g ôzen unge üege ich mich wae lîche scham.‹
(›Man soll F auen so e ziehen […] / dass sie unnü zes Reden bleiben lassen. / Ve bie es
Deine F au! Ich e bie e es de meinen. / Ich schäme mich seh ü ih e Ungezogenhei .‹
862)
Ta sächlich geh Hagen in de nächs en A en iu e zu K iemhild und sie sag zu ihm:
Daz hâ mich sî ge ouwen, sp ach daz edel wîp.
›ouch hâ e da umbe ze blouwen mînen lîp.
daz ich ez ie ge ede e, daz beswae e i den muo ,
daz hâ il wol e ochen de hel küene und guo .‹
(Spä e ha mich das ge eu , sag e die Königin. / ›Auch ha e mich da ü e p ügel . /
Wenn ich jemals e was sag e, das sie k änk e, ha das de kühne, ap e e Held ollau
ge äch .‹ 894)
Dies is ein wei e es Beispiel on di ek e männliche Gewal zu F auen im We k.
Obwohl es un e den F auen keine Geschwis e lichkei gib , be ücksich igen die Männe
die B üde lichkei , denn sie is no wendig, um die pa ia chalische Gesellscha
au ech zue hal en. Gewal gegen F auen is eine de A en, mi denen Männe zeigen,
dass sie an de E hal ung dieses Sys ems be eilig sind. Deshalb e eidigen die Männe
in diese Szene und bei den Schlägen nich nu ih e Mach posi ion im Sys em, sonde n
auch die jedes Mannes. In diesem Sinne sch eib Liene (2003):
„Gewal ha schon seman isch (mindes ens) zwei Aspek e: Gewal a und Mach […] und
um den Fak o Mach geh es auch bei de Gewal ä igkei : Gewal als Vo ausse zung on
Mach inne halb de Hie a chie de Männe wie zwischen den Geschlech e n“. (S. 4)
Als Sieg ied dahe seine Hand heb , um zu schwö en, dass e nie behaup e habe, dass e
mi B ünhild geschla en habe –denn e ha nich – sag Gun e ihm so o : ›mi is sô wol
bekan / iuwe g ôz unschulde. („›Ich weiß je z siche , / dass Ih ganz und ga unschuldig
seid.‹“ 860,2–3), und e e läss ihm den Eid.

33
Abschließend mach die Szene des Königinnens ei s die Täuschung des Ho es und de
Ho gesellscha sich ba : „Die hö ische Wel wi d ausgehöhl on den K ä en und
Mo i a ionen, die im Ve bo genen agie en und de en Logik de Mach sich au die
Gewal und das Gese z des S ä ke em s ü z “ (Mille , 2008, S. 213). In diese Hinsich
we den Sieg ied, Gun he und Hagen als Figu en o ges ell , die eine Doppelmo al
o enba en, denn obwohl sie sich als Ve mi le p äsen ie en, sind sie in Wi klichkei die
U sache des gesam en Kon lik s. Wäh end Sieg ied und Hagen B u ali ä und Gewal als
Echo de Heldenzei e kö pe n, s eh Gun he als Rep äsen an des Ho es, de e such ,
eu und zi ilisie zu sein, abe le z lich manipulie wi d, und obwohl e selbs keine
Gewal anwende , benu z e ande e, um sie auszuüben, sodass e seine Ziele e eichen
kann. Die Mach e häl nisse am Ho sind imme noch on Gewal und Be ug und
na ü lich on einem ausgep äg en Pa ia cha gekennzeichne , und deswegen soll en
F auen im Sys em keine Rolle spielen. Obwohl diese Szene zeig , wie F auen auch
Manipula ionen einse zen, um sich Mach zu e kämp en, is es ein Kamp , de nich ihnen
gehö . Mi diesem S ei ge äh den die Königinnen die Fassade des gu en Benehmens
und de iedlichen Lösung on Kon lik en, die de Ho zu e mi eln such , und sie
we den da ü geschlagen we den, ebenso wie ü ih en S olz und ih e Gie , We e, die
eine F au nich haben und noch wenige zeigen soll e.
Da übe hinaus spiegel diese Szene die Un e schiede zwischen weibliche und
männliche Mach - und Kon lik dynamik und de en Folgen wide . Obwohl beide
Geschlech e um ih e S ellung und ih en S olz beso g sind, bes eh de Un e schied da in,
dass Königinnen om S a us ih e Ehemänne abhängig sind, dahe e wenden sie diesen,
um einande anzug ei en. Männe hingegen lassen sich ga nich e s au Kon lik e ein,
sonde n un e s ü zen sich gegensei ig bei de Au ech e hal ung de pa ia chalischen
Blase, die ih e Mach siche . Die Handlungen, die zu diesem S ei üh en, basie en au
den In e essen de Männe und de Gewal , die sie ausüb en, um diese zu e eichen, und
die Folgen diese Diskussion we den zu den gleichen E gebnissen üh en.
34
4. De Fall
4.1. Die E mo dung Sieg ieds
Die unmi elba e Folge des S ei s de Königinnen, die den gesam en le z en Teil de
Geschich e p ägen wi d, is de Mo d an Sieg ied. Dies wi d du ch K iemhilds Ang i
au B unhild p o ozie , de Hagen einen Vo wand lie e , Sieg ied zu ö en. So
e schwinden die beiden my hischen Figu en –Sieg ied und B unhild– aus de Handlung
und machen Pla z ü K iemhild und Hagen, die die Gewal und Selbs ze s ö ung de
hö ischen Gesellscha olls ändig au decken und du ch üh en we den.
Obwohl Sieg ied und Gun he ih e B üde lichkei e ie en, nu z Hagen diesen
Kon lik , um Sieg ied loszuwe den. Am Ende de Szene komm Hagen zu B ünhild und
sag zu ih daz ez e a nen müese de K iemhilde man / ode e wolde nimme da umbe
oelîch ges ân. („dass K iemhilds Mann es büßen müsse / ode e wolle wegen diese
Sache nie meh oh sein.“ 864,3–4) Dami inde Hagen eine Aus ede, um Sieg ied zu
e mo den, obwohl seine wah e Mo i a ion nich mi B ünhild, sonde n mi ihm selbs
e bunden is : An de Obe läche de hö ischen Wel is Sieg ied nich mäch ige als die
ande en Könige, abe in de he oischen Wel , die de ande en zug unde lieg und die sei
de Ankun Sieg ieds und B ünhilds imme meh in den Vo de g und i , s ell de
s ä ks e Mann eine Bed ohung ü die üb igen Menschen da , und das is Sieg ied.
Da übe hinaus sieh Hagen in diese Si ua ion die Gelegenhei , den Nibelungenscha z zu
auben, ein In e esse, das de E zähle be ei s in de d eizehn en A en iu e e wähn ha ,
als Hagen sag : ho de Nibelunge beslozzen hâ sîn han . / hei, sold e kumen ieme in
de Bu gonden lan ! („Den Scha z de Nibelungen ha e in seine Hand. / Käme de doch
einmal nach Bu gund!“ 774,3–4).
Deshalb s a e Hagen die Ve schwö ung gegen ihn und alle s immen zu, auße Gun he ,
de einmal meh das hö ische Rech ssys em e kö pe , und sich dahe gegen Gewal
wende ; abe e e i auch die Doppelsich igkei seine Wel , denn e läss sich
schließlich übe eden und den Mo d am Ehemann seine Schwes e zul. Diese
Ve schwö ung is ein wei e es Beispiel ü die Falschhei diese i e lichen Wel :
Es wi d gezeig , dass die au Sich ba kei gebau e hö ische Wel Gun he s und seine
B üde nu Schein und Ges ik is , denn sie e weis sich als un ähig, selbe zu handeln,
und kann ih e Ziele nu du ch Täuschung und Inszenie ung e langen“ (Mille , 2008, S.
206)
35
Auße dem e wenden die Mö de die Aus ede, dass Sieg ied ein Ri e sei, de aus eine
ande en Wel als ih e eigenen komme (Mülle , 2015, S. 92). Abe sie sind wi klich ein
und dasselbe, was nich nu du ch die Geschehnisse o Sieg ieds Tod und du ch seine
E mo dung bewiesen wi d, sonde n auch du ch all das, was nach Sieg ieds Tod
geschehen wi d, wo die Gewal bis zu Ze s ö ung des Bu gundenho es anhal en wi d.
Nach de E mo dung leg Hagen seine wah en Bewegg ünde da :
Dô sp ach de g imme Hagene: ›jâne weiz ich, waz e klei .
Allez hâ nû ende, unse so ge und unse lei .
Wi inden i il wênic, die ge ü en uns bes ân.
Wol mich, deich sîne hê scha ze â e hân ge ân!‹
(Da sag e de sch eckliche Hagen: ›Ich weiß nich , wa um e klag . / Alles is doch je z
zu Ende, unse e So ge, unse Leid / Es gib keinen, de es wag , mi uns zu kämp en. /
Wohl mi , dass ich seine Übe legenhei besei ig habe!‹ 993)
Gleichzei ig ha Hagen noch ein ande es Mo i : K imhilds Mach abzunehmen. Als
Ehe au des s ä ks en Mannes is K iemhild die mäch igs e F au am Nibelungenho , abe
ih Rang is on Sieg ieds Leben abhängig:
Bu o he weal h and powe , K iemhild is no only dependen on Sieg ied, bu on his
s aying ali e […] Indeed, i is he ecogni ion and ea o K iemhild’s po en ial powe ,
ini ially h ough he ma iage o Sieg ied and la e because o he Nibelungen easu e-
a powe o which she, as a woman in he oic cul u e, is no en i led- which in pa mo i a es
Hagen o mu de Sieg ied and hen s eal and sink he Nibelungen easu e. (Pa enbe g,
1995, S. 110)
In diesem Momen is K iemhild hil los, abe sie beginn sich zu bewegen, um ih e
Si ua ion zu ände n. Als sie nach dem Nibelungenscha z schick und K iege ek u ie ,
u sie dies, um sich au das U eil wegen des Mo des an ih em Mann o zube ei en; mi
dem Gold gewinn sie sich die Loyali ä zahl eiche mäch ige K iege (1128). An diesem
Punk wi d K iemhild zu eine Bed ohung ü Hagen und das pa ia chalische Sys em
(Mille , 2008, S. 213). Diese Männe müssen diese Bed ohung besei igen, so wie sie es
mi B ünhild ge an haben, und dahe wi d K iemhilds U eil e weige und ih Gold weg
genommen, um ih die um ih die einzige Mach zu nehmen, die ih als Wi we geblieben
is . Auße dem is be ei s bekann , dass Hagen den Scha z ü sich haben will, dahe wi
e ihn in den Rhein, in de Ho nung, ihn eines Tages wiede zubekommen. Hagen wi d
dabei on den ande en un e s ü z , denn obwohl Gun he sich zunächs weige , läss e
sich wie bei Sieg ieds E mo dung bald übe eden (1131). Dami komm zu de
E mo dung Sig ieds de Raub des Scha zes hinzu, de K iemhilds Si ua ion
e schlimme und ih en Ä ge noch s eige , und de ein wei e es Beispiel on
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Ve doppelung e scha (Mülle , 2015, S. 69): „Die neue liche T änen de F au sind nich
nu au ih e Liebe zu ückzu üh en, sonde n auch au ih en gesellscha lichen Ve lus “
(Mille , 2008, S. 213). Hagens Ang i e au K iemhild we den wei e gehen, und mi ihnen
wi d K iemhilds Zo n s e ig zunehmen.
Übe die E mo dung Sieg ieds sch eib Liene (2003): „Übe ku z ode lang we den
Männe zu den We kzeugen weibliche Rache, weibliche Gewal “ (S. 15). Eine sei s
bezieh sich die Au o in au die Ta sache, dass sich B ünhild du ch Hagen an Sieg ied
und K iemhild äch : „Gewal on F auen is nich ‚au onom‘: In B ünhilds Rache ü die
Beleidigung üb ein Mann (Hagen) s ell e e end Gewal an einem ande en Mann
(Sieg ied) aus“ (S. 14). Deswegen konspi ie B ünhild auch mi Hagen, wie de E zähle
in de Mo dszene (A . 16) au deck : z’einem kal en b unnen e lôs e sî den lîp. / daz
hê ge a en B ünhil , des künic Gun hê es wîp. („An eine kal en Quelle e lo e dann
das Leben. / Das ha e B ünhild anges i e , König Gun he s F au.“ 917,3–4) Und auch
wie K iemhild e mu e : ez hâ ge â en B ünhil , daz ez hâ Hagene ge ân („B ünhild ha
es anges i e , Hagen ha es ge an“ 1010,4). Ande e sei s is K iemhild, obwohl sie nich
so di ek wie B ünhild konspi ie , zum Teil mi schuldig an Sieg ieds Tod. Au de einen
Sei e p o ozie sie den Kon lik mi B ünhild, de zu Ve schwö ung üh . Au de
ande en Sei e zeig sie Hagen Sieg ieds e wundba e S elle, dank de Hagen Sieg ied
e mo den kann (Rasmussen, 1997, S.77 ). Und obwohl sie es be eu , weil sie me k , dass
Sieg ied in Ge ah is , wa n sie aus Angs den Ehemann nich , denn dies geschieh ku z
nachdem Sieg ied sie bes a ha (894). Um keine wei e en Schläge zu e hal en, wa n
sie Sieg ied nich o dem geplan en Anschlag:
Dô gedâh e’s an diu mae e (sine o s i nih gesagen),
diu si dâ Hagene sage e. Dô begunde klagen
diu edel küniginne, daz si ie gewan den lîp.
Dô weine e âne mâze des he en Sî ides wîp.
(Da dach e sie an das (sie wag e es nich zu ges ehen), / was sie Hagen gesag ha e. Da
b ach die / die hochgebo ene Königin in Klagen aus, dass sie je gebo en wu de. 920)
In diesem Sinne s ell Liene (2003) he aus, dass Gewal hie noch ein indi ek e G und
ü Sieg ieds Tod is :
„Die P ügel bewi ken nu eines, nämlich dass K iemhild es nich wag , Sieg ied ih e
Geschwä zigkei zu ges ehen, als sie es o de Jagd mi de Angs um ihn zu un bekomm
[…] Somi is Sieg ieds häusliche Gewal gegenübe seine Ehe au indi ek eine
U sache seines Tods. (S. 15)
37
Nach dem Ve lus ih e Eh e du ch den S ei und die seh wah scheinliche Bes a ung
du ch ih en Mann –wenn Gun he die Ve einba ung mi Sieg ied be olg – e schwinde
B ünhild aus de Geschich e. Ta sächlich wi d sie noch einmal zu Beginn des zwei en
Teils genann (A . 24), als die Bo scha e E zels e suchen, sie zu sehen, abe sie wi d
on de Gesellscha öllig ausgeschlossen:
›Jâne is mîn ouwe B ünhil nû nih sô wol gemuo ,
daz i si muge schouwen‹, sp ach de i e guo .
›bî e unz mo gen, sô lâ man’s iuch sehen!‹
Dô si si wânden schouwen, dône kund es nih geschehen.
(›Königin B ünhild is leide nich in de Ve assung, / dass Ih sie sehen könn ‹, sag e
de ap e e Ri e . / ›Wa e bis mo gen, dann läss man Euch bei ih o !‹ / Als sie dann
mein en, sie zu sehen, wa es doch nich möglich. 1486)
K iemhild is nach dem S ei und de E mo dung Sieg ieds wei e hin in de Geschich e
p äsen , abe passi , ohne Mach und Geld. Dennoch wi d sie aus diese Posi ion wiede
he auskommen. K iemhilds Leid wi d sich in K a und Rache e wandeln (Hen y, 2008,
S. 4), und dami wi d sie on Passi i ä zu Ak i i ä wechseln (F ank, 2004, S. 115) und
das Ende des Nibelungenho s einlei en. In Bezug au K iemhilds Ve ände ung sch eib
Pa enbe g (1995), „B ünhild does no , in ac , disappea ; a he she akes on ano he o m,
ha o K iemhild“ (S. 109). In gewisse Weise wi d B ünhilds Fähigkei de Übe e ung
de Geschlech e ollen an K iemhild wei e geben, und dami wi d de Bu gundenho
ze s ö we den.
4.2. Die Rache K iemhilds
Die Ze s ö ung des Nibelungenho es wi d in diesem le z en Teil de E zählung on
K iemhild ausgelös , du ch einen blu igen K ieg gegen die Männe , die ih Posi ion
beschädig haben. Besonde s Hagen, als Mö de Sieg ieds und Ze s ö e K iemhilds,
wi d zum Haup eind de F au; Sie okussie ih e Rache au ihn, und ebenso s ell Hagen
K iemhild in Ve e ung on Sieg ied als seine neue Gegne in au (Rasmussen, 1997, S.
78). Von dem Momen de E mo dung an, beschä ig sich Hagen dami , K iemhild zu
uinie en: „dahin e s eh , wie bei den an änglichen Ressen imen gegen B ünhild, auch
eine g undsä zlich ‚männliche‘ Abweh weichliche Au onomie“ (Liene , 2003, S. 15).
K iemhild du chläu nach de E mo dung Sieg ieds zwei seh ausgep äg e
T aue phasen: Zunächs s ell sie sich als „Op e de Ta “ da (F ank, 2004, S. 131), d.h.,

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sie eagie so, wie es eine F au un soll e, die ge ade ih en Mann e lo en ha , und wie
sie wuss e, dass sie in diese Si ua ion eagie en soll e, wie sie in de Szene des
Falken aums o schlagen ha . Ih e Klage wi d meh mals om E zähle wiede gehol :
K iemhilde jâme wa ummâzen g ôz („K iemhilds Klage ging übe alles Maß“ 1009,3),
daz bluo i ûz dem munde on he zen jâme b as („Das Blu schoss ih o
He zensjamme aus dem Mund.“ 1010,2), diu i il lieh en ougen o leide weine en
bluo . („Vo Kumme wein en ih e kla en Augen Blu .“ 1069,4). Du ch diese Bilde bau
de E zähle ü K iemhild ein Bilde de Heiligkei (F ank, 2004, S. 133) und T eue au :
Dâ man beg uop i iedel, wie sel en si daz lie,
mi û egem muo e si alle zî da gie.
si ba go , den guo en, sîne sêle p legen.
il dicke wa beweine mi g ôzen iuwen de degen.
(Zum G ab ih es Liebs en / ging sie allezei oll T aue . / Sie ba den lieben Go , sich
seine Seele anzunehmen. / Unablässig wu de de Held in g oße T eue bewein . 1103)
[…]
Nâch Sî ides ôde (daz is alwâ )
si won e in manigem sê e d iuzehen jâ ,
daz sie des ecken ôdes e gezzen kunde nih .
si was im ge iuwe. des i diu meis e menige gih .
(Nach Sieg ieds Tod (das is die Wah hei ) / leb e sie in Schme z und T aue d eizehn
Jah e / und konn e den Tod des Helden nich e gessen. / Sie hiel ihm die T eue. Das
sag alle Wel . 1142)
In Bezug au K iemhilds Ve hal en sch eib de E zähle a sächlich, man moh e i michel
ugende kiesen wol da an. („Man konn e da an sehen, was ü eine gu e F au sie wa .“
1105,2). Hie wi d K iemhild da ges ell , wie eine aue F au, die die Geschlech e olle
und die ch is liche We e e kö pe . Lau F ank (2004):
Diese posi i e We ung ih es Ve hal ens, e bunden mi de Ta sache, dass de E zähle
das Leid K iemhil s de aillie schilde , mach augen ällig, dass in eine solchen
Inszenie ung die F au öllig den om (männlichen) E zähle an sie ge ich e en
E wa ungen en sp ich . De E zähle e leih K iemhil deu liche Züge eine
(säkula isie en) mulie eligiosa – ähnlich de Sigune in Wol ams Pa zi al. (S. 134)
Die Rolle de F au beim Tod des Gelieb en wu de du ch eine ewige T eue zum Mann
de inie . Und, wie F ank behaup e , gib es eine kla e Pa allele zwischen K iemhilds
Reak ion und ande e F auen igu en de mi elal e lichen Li e a u wie Sigune und
He zeloyde im Pa zi al. Gleich alls sch eib Bumke (1991) übe He zeloyde: „Fü den
E zähle o enba He zeloydes Ve hal en nach Gahmu e s Tod eine o bildliche
auliche Gesinnung, die in den Rang eligiöse Ve diens lichkei gehoben wi d“ (S. 58).
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Diese We e können in diese Hinsich au K iemhild zu e en, die hie als o bildliche
F au geschilde wi d.
Das Mo i die Klage de F auen wi d o in mi elal e liche Li e a u e wende , um die
weiblichen Figu en zu analysie en. Lau Hen y (2008) üh dieses Mo i in einigen
Fällen dazu, die K a de F auen zu e o schen (S. 3), und dies inde man bei K iemhilds
Geschich e:
The poe o Nibelungenlied […] cons uc s he widow K iemhild’s lamen as a pa h o
powe and p esen s he exp ession and enac men o g ie as highly h ea ening […]
K iemhild ansg esses he con en ional bounda ies o he lamen ing lady o exp ess he
desi e and powe in he wo ld o men, and she is consequen ly depic ed as a dange ous
she-de il who mus be des oyed. (S. 4)
Obwohl sich K iemhild am An ang als ein passi es Op e e häl , e wandel sich ih
Leiden in Hass und ih e Passi i ä in Ak ion. Diese T au igkei wa jedoch imme Wu
im He zen, denn man kann analysie en, wie K iemhild sei Sieg ieds E mo dung ih e
En scheidungen au a ionale Weise i , um den Sieg ih e Rache zu siche n: „De
Racheplan is also bei allem, was K iemhild u , du chgängig p äsen “ (Haug, 1987, S.
16). Zue s will Sigmund, Sieg ieds Va e , so o nach de Nach ich des Mo ds die
Schuldigen ang ei en, abe K iemhild häl ihn da on ab:
he e Sigemun , i sul ez lâzen unde s ân,
unz ez sich baz ge üege. sô wil ich mînen man
imme mi iu echen. de mi in hâ benomen,
wi d ich des bewîse , ich sol im schedelîche komen.
(Siegmund, lass es au sich be uhen, / bis es sich besse üg ! Dann will ich meinen Mann
/ imme mi Euch ächen. De ihn mi genommen ha – / mach man mi den namha ,
geh es ihm schlech on mi . 1033)
Nach Eh ismann (1998): „She desi es a success ul ou come o he plan o e enge, and
ha becomes abundan ly clea when she p e en s Siegmund om ac ing ecklessly and
spon aneously a e he dea h o his son“ (S. 26). K iemhild wi d so lange wa en, bis sie
die Mi el zu Rache ha und ih Sieg siche is . Als Hagen ih den Nibelungenscha z
wegnimm , be aub e sie einem Mi el zu Rache, und deshalb muss K iemhild au die
nächs e Gelegenhei wa en, die sich ih mi E zels Hei a san ag bie e : „K iemhild se z
Weiblichkei (ih en Kö pe , die Gebu eines Sohnes, ih o bildlich weibliches
Benehmen) als Mi el ein, Mach und dami die Möglichkei de Ausübung on Gewal
zu e langen“ (Liene , 2003, S. 16). K iemhild, die ohne Ehemann und Scha z en mach e
is , kann ih e Mach du ch eine wei e e Hei a wiede e langen. Auße dem s ell Haug
(1987) das Folgende he aus: „Was sich dabei nach außen hin als o ales Sichein ügen in
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eine o gegebene Fo m da s ell , das wi d somi le z lich dazu benü z , ge ade das zu
ze s ö en, wo ü diese Fo m s eh : die Ve söhnung in hö ische Ideali ä ” (S. 16). Obwohl
K iemhilds B üde denken, dass sie ein zwei es Mal de Ehe zus immen wi d, dieses Mal
geh sie s a egisch o . Als E zels Bo en ein e en, lehn sie jedoch zunächs den
Hei a san ag ab (1219 .), da sie noch in T aue is : i wâ was o den b üs en on heizen
ehen naz. („Heiße T änen lossen bis zu B us übe ih Gewand.“ 1228,3). De E zähle
be on wei e hin ih e beispielha e T eue zu Sieg ied. Doch dann wi d de Racheplan,
den K iemhild hin e de Fassade de Op e olle e bi g , wiede deu lich: De E zähle
üh diesen ein, indem e die Rede de Bo en König E zels au die Mach (1235) und die
Ri e (1236) konzen ie , die K iemhild besi zen wi d, wenn sie hei a e : ›Da zuo gî iu
mîn he e […] gewal den alle hoehes en […] den sul i gewal eclîche haben o E zelen
man.‹ („Und wei e hin gib Euch mein He […] die ganze Fülle de Mach […] Die soll
Ih als He sche in übe E zels Vasallen haben.“ 1237). Abe K iemhild ha sechzehn
Jah e gewa e und muss siche sein, dass ih Plan au geh , dahe ände die Königin ih e
Meinung e s , als de Ri e Rüdige ih T eue und Rache schwö : ›sô swe mi eide,
swaz mi iemen ge uo , / daz i sî de naehs e, de büeze mîniu lei !‹ („›Dann schwö
mi Eide, was man mi auch an u , / dass Ih de e s e seid, mein Leid zu ächen!‹“
1257,2–3). Dann denk K iemhild: waz ob noch wi e ochen des mînen lieben mannes
lîp? („Wie, wenn mein liebe Mann noch ge äch wi d?“ 1259,4), und ih Plan beginn
au zugehen.
Spä e , in E zels Land, bes ä ig K iemhild soga , dass ih e En scheidung, ihn zu hei a en,
einzig und allein da au be uh e, ih e Rache zu e möglichen (McConnell, 1998, S. 182):
Ez lac i an dem he zen spâ e unde uo,
wie man si âne schulde b aeh e da zuo,
daz si müese minnen einen heidenischen man.
die nô die hê i Hagene unde Gun hê ge ân.
(Von üh bis spä lag es ih au de Seele, / wie man sie ohne G und dazu b ingen konn e,
/ dass sie die F au eines Heiden wu de. / In dieses Unglück ha en Hagen und Gun he sie
ges ü z . 1395)
Hagen und Gun he sind schuld, weil sie K iemhild zu Hei a gezwungen haben, denn
nu so kann sie ih e Mach zu ückbekommen –die sie ih genommen haben– und sich so
ächen – ü e was, das sie ge an haben–. Auch hie zeig sich wiede , dass K iemhild nich
nu um den Tod ih es Gelieb en wein , sonde n auch um ih en eigenen Mach - und
S a us e lus du ch den Mo d und den Diebs ahl des Scha zes:
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Si gedâh ouch manige ê en on Nibelunge lan ,
de si dâ was gewal ic und die i Hagenen han
mi Sî ides ôde hê e ga benomen,
ob im daz noch imme on i ze leide möh e komen.
(Sie dach e auch an all die Mach und He lichkei des Nibelungenlands, / die ih do zu
Gebo e s anden und die ih Hagens Hand / du ch die E mo dung Sieg ieds es los
genommen ha e, / und sie übe leg e, ob sie noch eine Chance hä e, ihm das
heimzuzahlen. 1392)
De E zähle bes eh au Hagens Beläs igung K iemhilds, wah scheinlich um die
Unausweichlichkei und B u ali ä K iemhilds Rache zu e deu lichen (Eh ismann, 1998,
S. 31), und dami auch die Ze s ö ung des Nibelungenho s. Wie oben e wähn , aue
K iemhild nach Sieg ieds Tod zunächs passi und bescheiden, doch Hagens Ang i e
beginnen und enden nich mi dem Mo d. Nach de E mo dung sp ich K iemhild mi
Gun he und Hagen ü d ei Jah en nich (1106), bis Hagen beschließ , den
Nibelungenscha z zu s ehlen. Zue s gaukeln sie K iemhild o , sie wü den den Scha z
ü sie holen (1116), doch dann we den Hagens wah e Absich en au gedeck :
›ez solde ein ume man
Deheinem einem wîbe nih des ho des lân.
si b inge ez mi gâbe noch û den ac,
daz il wol ge iuwen die küenen Bu gonden mac.‹
(›Ein ech e Mann soll e / keine F au einen Scha z übe lassen. / Sie b ing es mi
Geschenken noch dahin, / dass es die kühnen Bu gunden seh zu bedaue n haben.‹ 1130)
Eine sei s hass Hagen K iemhild als F auen eind, ande e sei s ha e Angs o ih .
Hagen will K iemhild ih e Mach nehmen, nich nu , weil sie eine F au is , sonde n auch,
weil sie diese gegen ihn e wenden könn e. Deshalb will Hagen spä e auch die Hei a
zwischen E zel und K iemhild e bie en, weil K iemhild du ch diese Ve bindung die
Mach e langen wü de, die Hagen so seh ü ch e :
›Daz ich daz wol bekenne, daz uon ich iu kun .
sol si nehmen E zel, geleb si an die s un ,
si ge uo uns noch il leide, swie si’z ge age an.
jâ wi i dienende il manic wae lîche man.‹
(›Das weiß ich wohl, ich sage es Euch o en. / Hei a e sie E zel, üg sie uns, wenn sie
bis dahin leb , / noch g oßen Schaden zu, / wie imme sie es an äng . / Viele s a ke Männe
we den ih doch zu Diens en sein.‹ 1210)
Als K iemhild nach E zels Land eis , e such Hagen, ih das noch e bliebene Gold zu
s ehlen:
E sp ach: ›sî mi ou K iemhil nimme wi de hol ,
sô muoz ouch hie belîben daz Sî ides gol .
Zwiu sold ich mînen înden lân sô michel guo ?
Ich weiz il wol, waz K iemhil mi disem scha ze ge uo .‹
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5. Schluss olge ungen
Die Ka as ophe des Nibelungenliedes is die Folge eines übe hol en i e lichen Sys ems,
da ges ell du ch Figu en, die zwischen zwei Wel en ge angen sind, ohne ih en Pla z
inden zu können. Haug (1987) o mulie eine These zu Indi iduali ä de Figu en und
schläg o , dass de E zähle des Nibelungenlieds Ges al en kons uie , die sich on den
ihnen zugewiesenen sozialen Rollen un e scheiden, und e zeig , dass die Gesellscha ,
die nich au sie o be ei e is , zusammenb ich , wenn ih e wah e Pe sönlichkei zum
Vo schein komm :
Und es is diese Spiel aum zwischen Pe son und Rolle, in de sich das Neue e ablie ,
de Innen aum, on dem he i a ionale Bewegg ünde nach un assba en psychischen
Mus e n zunächs punk uell, dann adikal die Füh ung übe nehmen. (S. 22)
Im Teil de Eskala ion s ell de E zähle du ch den hö ischen Sig ied, den König
Gun he und sein Ho die G undlagen des hö ischen Sys ems da , das angeblich nich
meh die gewal ä ige Dynamiken de he oischen Wel e zeug . B ünhild is die eine, die
in diesem Teil ö en lich mi den gesellscha lichen und geschlech sspezi ischen No men
b ich . Den Männe n geling es, ih ih e K a und Au onomie zu nehmen, dami sie sich
wie K iemhild wie eine hö ische Dame e häl .
In de Szene des S ei s de Königinnen zeigen beide F auen den Eh geiz und die
Selbs such , die sie beweg . Diese Eigenscha en ha e B ünhild schon au Isens ein
gezeig . In gleiche Weise wi d K iemhild sie im le z en Teil des Epos au weisen, denn
sie übe nimm nach dem S ei B ünhilds Rolle, die hö ischen weiblichen G enzen zu
übe que en. Auße dem e en diese F auen die Mach e häl nisse und Mo i a ionen un e
de hö ischen Fassade he o , die zu diesem Höhepunk ge üh haben und die im le z en
Teil explodie en we den. Sie ü eln an de Fassade, die das Sys em schü z , und ö nen
den Weg zu eine explizi en Gewal , die allem ein Ende se zen wi d.
Das Ausmaß an Ze s ö ung und D ama ik am Ende de Geschich e könn e ein Symbol
sein, du ch das die Ko up ion und Selbs ze s ö ung de Mach dynamiken de i e lichen
Wel übe ieben wi d. Die Ta sache, dass de E zähle einige da on anhand on
F auen igu en analysie , könn e au die Unhal ba kei des al en Sys ems hinweisen:
Diese Dynamik is so gi ig, dass sie übe die Geschlech e ollen hinausgeh und am Ende

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alles e gi e und ze s ö . In de gleichen Weise schläg Pa enbe g (1998) das Folgende
o :
The ac ha he wo cen al emale cha ac e ’s e o s o o e come he es ic ions on
hei poli ical, economic, and physical powe lead o nea comple e des uc ion o he
dominan cul u e sugges s ha he wa io cul u e has los he abili y o con ol he
de ini ion o gende . (S. 111)
B ünhilds Gewal gegen Männe , de S ei zwischen den Königinnen ode K iemhilds
Rache sind Handlungen, die die G enzen zwischen dem männlichen und dem weiblichen
Handlungs eld e wischen, dadu ch spiegeln sich Tä igkei en wide , die ü Männe
no mal und soga no wendig wa en, nun auch bei F auen. „Re enge was a legi ima e
mo i e o ac ion in he hinking o ha ime, as was he use o o ce“ (Eh ismann, 1998,
S. 35), und a sächlich un die männlichen Figu en dies wäh end de gesam en Handlung,
abe die wi klichen Kon lik e en s ehen, wenn es die F auen sind, die diese Hal ungen
zeigen, und sie un dies au so gewal ä ige Weise, dass es dem E zähle geling , die
B u ali ä diese T adi ionen wide zuspiegeln. B ünhild ha e meh K a als zwöl
Männe zusammen und ö e e alle ih e F eie , und K iemhilde äch sich nich nu an
Hagen, sonde n op e am Ende auch ih en Sohn, läss ih en B ude e mo den und schläg
einem Mann den Kop ab. Im Nibelungenlied wi d die Unhal ba kei und Ze s ö ung des
Sys ems du ch zwei F auen wiede gespiel :
In [ he Nibelnungenlied] he p esen is domina ed by insul , injus ice, and eache y,
bu dened by he g ie ances o he pas . This p esen mo es inexo able owa d an
apocalyp ic ending […] [i ] enac s i z e sion o he p inciple o his o ical change by
ep esen ing women as he sou ce o he e o s and u moil ha h ea en he social o de .
(Rasmussen, 1997, S. 67)
T o z de S ä ke des Pa ia cha s und soga de Ta sache, dass Sieg ied p ak isch
uns e blich is , geling es den F auen, diese Männe und zwei Hö e zu e nich en. Und
obwohl beide im Lau e de Handlung ha bes a we den, weil sie eine Bed ohung ü
die e ablie e O dnung da s ellen, zahlen am Ende alle Figu en des S ücks die
Konsequenzen eines be ei s unhal ba en Sys ems.
50
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