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Wenn modifizierte Sprichwörter zu Mustern werden. Eine korpusbasierte Studie am Beispiel von Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Abstract

Untersuchungsgegenstad der vorliegenden Arbeit ist die korpusbasierte Analyse der Musterhaftigkeit der Sprichwörter auf textueller Ebene. Nach einem Überblick über die Musterterminologie der deutschsprachigen Sprichwortforschung (vgl. Termini wie Strukturmodelle, Topikmuster, Sprichwortmuster, idiomatic pattern) wird die wichtige Differenzierung zwischen Modellen der Synthese und der Analyse bei Parömien diskutiert und ihre wichtigste Charakteristik erläutert. Der Nutzwert der korpusgestützten Studien für die Bestimmung von Sprichwortmustern soll des Weiteren im Korpus Sketch Engine (SkE) (deTenTen 2013) anhand des Sprichwortes Reden ist Silber, Schweigen ist Gold auf der Basis von rekurrenten Modifikationen veranschaulicht werden. Dank der gewonnenen Ergebnisse aus verschiedenen gezielten Suchanfragen werden produktive bzw. weniger produktive Modelle formuliert und dabei erklärt, in welchem Maβe die herkömmliche Botschaft ('Es ist ratsamer zu schweigen als zu reden') in den variierten Belegen und in den Mustern erhalten bleibt. Zum Schluss wird das mit 21% der Gesamtbelege bewährte Sprichwortmuster [Reden ist Silber, X ist Gold] einer genaueren Analyse unterzogen und die Vielfalt der lexikalischen Aktualisierungen des Slots X aus onomasiologischer Perspektive gezeigt.

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Wenn modifizierte Sprichwörter zu Mustern werden. Eine korpusbasierte Studie am Beispiel von Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Author: Mellado Blanco, Carmen
Publisher: Peter Lang
Year: 2018
Source: https://minerva.usc.es/bitstreams/37b455e1-29e8-48e7-b7df-8ab485cf0aed/download
1
Ca men Mellado Blanco
Uni e si ä San iago de Compos ela
Wenn modi izie e Sp ichwö e zu Mus e n we den. Eine ko pusbasie e S udie am
Beispiel on Reden is Silbe , Schweigen is Gold
1
Wi möch en in de Regel e was bewi ken, wenn wi sp echen, also sp achlich
handeln – und mi Ph asemen schein das i gendwie leich e zu sein – ielleich weil
wi indi ek bleiben können, indem wi e was ande es sagen, was wi meinen und
na ü lich da on ausgehen, dass das Gemein e om Hö e e s anden wi d. (Scha o h
2013: 186)
Abs ac
Un e suchungsgegens ad de o liegenden A bei is die ko pusbasie e Analyse de Mus e ha igkei de
Sp ichwö e au ex uelle Ebene. Nach einem Übe blick übe die Mus e e minologie de deu schsp achigen
Sp ichwo o schung ( gl. Te mini wie S uk u modelle, Topikmus e , Sp ichwo mus e , idioma ic pa e n)
wi d die wich ige Di e enzie ung zwischen Modellen de Syn hese und de Analyse bei Pa ömien disku ie und
ih e wich igs e Cha ak e is ik e läu e . De Nu zwe de ko pusges ü z en S udien ü die Bes immung on
Sp ichwo mus e n soll des Wei e en im Ko pus Ske ch Engine (SkE) (deTenTen 2013) anhand des
Sp ichwo es Reden is Silbe , Schweigen is Gold au de Basis on eku en en Modi ika ionen e anschaulich
we den. Dank de gewonnenen E gebnisse aus e schiedenen geziel en Suchan agen we den p oduk i e bzw.
wenige p oduk i e Modelle o mulie und dabei e klä , in welchem Maβe die he kömmliche Bo scha ('Es is
a same zu schweigen als zu eden') in den a iie en Belegen und in den Mus e n e hal en bleib . Zum Schluss
wi d das mi 21% de Gesam belege bewäh e Sp ichwo mus e [Reden is Silbe , X is Gold] eine genaue en
Analyse un e zogen und die Viel al de lexikalischen Ak ualisie ungen des Slo s X aus onomasiologische
Pe spek i e gezeig .
1. Ein üh ung: Abwandlungen on Sp ichwö e n und Mus e ha igkei
Die Ideen de Reku enz bes imm e Bauss uk u en bei Pa ömien und de Assozia ion
zwischen solche Baumodelle und eine allgemeinen abs ak en Bedeu ung inden sich schon
bei Röh ich/Miede (1977: 62) und Miede (1999: 5). Diese Au o en sp echen in ih e Theo ie
– in Anlehnung an skandina ische Au o en – on «S uk u modellen», wie olgende: <E s A,
dann B> (z.B. E s die A bei , dann das Ve gnügen), <Liebe A als B> (z.B. Liebe den Spa z
in de Hand als die Taube au dem Dach). S uk u modelle diese A können ih e sei s
1
Diese A bei is im Rahmen des om spanischen Minis e ium ü Wi scha und We bewe bs ähigkei
inanzie en Fo schungsp ojek s FFI2013-45769-P Combinaciones aseológicas del alemán de es uc u a
[PREP. + SUST.]: pa ones sin agmá icos, desc ipción lexicog á ica y co espondencias en español
(h p://www.usc.es/ asespal/web/) en s anden.
2
p oduk i we den und die G undlage ü neue Sp ichwö e ode Sp ichwo a ian en bilden
(Röh ich/Miede 1977:62). De so besch iebene Modellcha ak e iele Pa ömien e inne
nach Lewandowska (2008) – au seman ische Ebene – an Pe mjako s Theo ie de
ie enseman ischen «Modelle» (1968) bzw. an die logisch-seman ischen Uni e salien
(«In a ian en»), die aus eine meh sp achigen Pe spek i e die Basis ü das Ve s ändnis und
den Geb auch on Sp ichwö e n abgeben ( gl. G zybek 2000).
Die e wähn e Ka ego ie de S uk u modelle e schein in de deu schen
Ph aseologie o schung un e eine ande en Te minologie wei e hin bei Feilke (1996: 242),
de die sogenann en «Topik-Mus e » – neben den ex uellen s uk u ie enden Mus e n (z.B.
Wenn ich X ich ig e s ehe, …) und den sozial s uk u ie enden Mus e n (z.B. Es lebe X!) –
als Bes and eil de «syn ak ischen Ausd ucksmodelle mi p imä p agma ische P ägung»
konzipie . De Klasse de Topikmus e subsumie e «alle Fo men on Ausd ucksschema a
ü Sp ichwö e , S e eo ype, Gemeinplä ze e c.», wie <Liebe A als B>; <We A, de B>.
Eine wei e e Pe spek i e de Modellie ung und Modellha igkei de Pa ömien bie en S eye
(2010, 2012, 2013) und Ďu čo/S eye /Hein (2015) un e dem Beg i Sp ichwo mus e .
S eye (2013) e s eh un e Sp ichwo mus e n «Einhei en, die aus es en lexikalischen SW-
Komponen en und a iablen Slo s bes ehen. Unabhängig on de Na u de Slo bese zungen
und dem G ad de Polysemie bleib die Sp ichwö lichkei e hal en».
Bei diese Au o in en sp ich das Konzep des Sp ichwo mus e s – im Gegensa z zu den
obe en Beispielen de S uk u modelle – ehe den Modellen de Syn hese und nich de
Analyse
2
. Demzu olge sind die Okku enzen des Sp ichwo mus e s <Es is noch kein SUB
om Himmel ge allen> Es is noch kein Redne om Himmel ge allen ode Es is noch kein
S a om Himmel ge allen keine lexikalisie en Einhei en, sonde n k ea i e Va ia ionen eines
in de Sp ache e ablie en Sp ichwo s (Es is noch kein Meis e om Himmel ge allen).
Fes zuhal en is alle dings, dass sowohl die ex uellen Realisie ungen de Modelle de
Syn hese (z.B. on <Es is noch kein SUB om Himmel ge allen>: Es is noch kein
G oβmeis e om Himmel ge allen) als auch die sp ichwö lichen Ve e e de Modelle de
Analyse (z.B. on <Liebe A als B>: Liebe den Spa z in de Hand als die Taube au dem
Dach) un e sich ein Kon inuum da s ellen und sich beide Ka ego ien in Folge de g aduellen
P o o ypikali ä de Slo bese zungen e wischen können. In diesem Zusammenhang kann die
Ko puslinguis ik on g oβem Nu zen sein. So Ďu čo/S eye /Hein (2015: 88):
2
Nach Fleische (1997: 194) geh es bei Modellen de Analyse um die Typisie ung o handene
Ph aseologismen, die «bei de Bildung neue Ve bindungen Modellwi kung ausüben können». Nach diesem
Au o bilden sie syn ak isch-seman ische Kons uk ionsge üs e, bei denen die lexikalische Füllung nu ge inge
Va ia ionsmöglichkei en zuläss .
3
Mi Hil e de Ko pusanalyse is es nun möglich, anhand empi ische Massenda en zu
ekons uie en, welche Inhal e p o o ypisch in bes imm e Mus e und Modelle gegossen
we den und welche nu okkasionelle Bildungen sind.
Ein wei e e wich ige Beg i ü die Theo ie de Mus e ha igkei is bei Miede (2010: 194)
anzu e en. Diese bekann e Pa ömiologe bezieh sich au die «S uk u o mel» (z.B. <Man
soll X nich o Y loben>) als Abs ak ion on in den Tex en au ge undenen
«An isp ichwö e n»
3
on einem bes imm en Sp ichwo (Man soll den Tag nich o dem
Abend loben). Die als Okkasionalismen en s andenen An isp ichwö e können sich in de
Sp ache e es igen und e schiedene Lexikalisie ungsg ade au weisen.
Vom Te minus S uk u o mel mach ebenso S eye (2013) Geb auch, abe mi eine ande en
Bedeu ung. S uk u o meln sind bei diese Au o in abs ak e e Bau o men wie z.B. <Wo X
is , is Y>
4
, die sowohl e ablie e Sp ichwö e mi p o o ypischen Fülle n (Wo Lich is , is
auch Scha en; Wo ein Wille is , is auch ein Weg) als auch k ea i e Va ia ionen (z.B. Wo in
Wald is , is auch ein Reh), also «nich -sp ichwö liche Realisie ungen», um ass
5
.
Die ak uelle ph aseologische ko pusges ü z e Fo schung des Deu schen ha bis da o ih
Augenme k besonde s au Modelle de Syn hese mi sa zgliedwe igem bzw. sa zwe igem
Cha ak e (Ph asem-Kons uk ionen
6
) ge ich e , wäh end sich die ko pusbasie e Analyse on
pa ömiologischen Mus e n au Sa zebene on wenigen Au o en du chge üh wi d ( gl.
S eye 2010, 2012, 2013; Ďu čo/S eye /Hein 2015). Die Kons uk ionsg amma ik kann un e
dem Einsa z de Me hoden de Ko pusanalyse au die Fo schung de Mus e ha igkei de
Ph aseologie seh posi i einwi ken ( gl. Scha o h 2014; Benigni u.a.), wie Bu ge (2015:
54) in de ün en Au lage seine Monog a ie Ph aseologie. Eine Ein üh ung am Beispiel des
Deu schen nachweis . In diesem Re e enzwe k sei wei e hin zu beg üβen, dass Mus e
7
zum
e s en Mal ein eigenes Kapi el als Ph asem-Subklasse in de allgmeinen Klassi izie ung
3
Das «An isp ichwo » is ein on Miede gep äg e Te minus, de sich au Abwandlungen und E wei e ungen
on bekann en Sp ichwö e n beziehen, die gegen diese o mulie sind (Miede 1985). So bei Li o kina/Miede
(2006: 5): «Wol gang Miede has coined he e m <An isp ichwo > (an i-p o e b) o such delibe a e p o e b
inno a ions (al e a ions, pa odies, ans o ma ions, a ia ions, wisec acks, ac u ed p o e bs [...]».
An isp ichwö e we den hie wei e als « eac ions o adi ional p o e bs» au ge ass (s. Li o kina/Miede 2006:
5).
4
De Abs ak ionsg ad de Ko pusab age bes imm die E gebnisse o . So kann die S uk u o mel [Wo X is ,
is Y] un e schiedliche Ak ualisie ungen wie Wo ein Wille is , is auch ein Weg (bei eine Suchan age mi
inde ini em A ikel) ode Wo Lich is , is auch Scha en (bei eine Suchan age ohne A ikel) e geben.
5
Da aus läss sich schluss olge n, dass de Beg i S uk u o mel bei S eye (2013) au beide Modelle de
Syn hese und de Analyse Bezug nimm .
6
Diese on Dob o ol’skij (2011) in Anlehnung an die angelsächsische Kons uk ionen o schung gep äg e
Te minus en sp ich im wei e en Sinne den Modellbildungen (in de Te minologie on Če nyse a 1975,
Häuse mann 1977 und Bu ge 2015
5
) bzw. den Ph aseoschablonen (nach Fleische 1997).
7
Mus e um assen in diese Klassi izie ung: Modellbildungen ( on X zu X: on S ad zu S ad ), Paa o meln ( ix
und e ig), kompa a i e Ph aseme, Funk ions e bge üge und «wei e e Mus e » (ko pusbasie end) wie
idioma ische Sä ze und Sp ichwo mus e . Den le z en Te minus übe nimm Bu ge on S eye (2013).
4
bekommen. «Sp ichwo mus e n» bzw. «S uk u o meln» wi d ein Pla z un e de Subg uppe
«wei e e Mus e » einge äum .
Eine wei e e in e essan e E scheinung de Mus e ha igkei un e den Sp ichwö e n is
diejenige de idioma ischen Kons uk ionen au in e linguale Ebene. Fü diesen Te minus
lehnen wi uns an Pii ainens neues P ojek Widesp ead idioma ic and o mulaic
Cons uc ions
8
an, un e denen Un e suchungsgegens änden die In en a isie ung und
Besch eibung on idioma ic pa e ns in meh e en eu opäischen Sp achen zählen. Bei den
idioma ischen Kons uk ionen sind in de Regel nu die unk ionalen Wö e lexikalisch
spezi izie , wäh end die üb igen Slo s unspezi izie bleiben. Ein wich ige Punk bei diese
A Mus e ha igkei is es, dass die lexikalisch unspezi izie en Lee s ellen kons i u i e
Elemen e on F ames ode Szena ien da s ellen müssen, weshalb sie nu indi ek besch ieben
we den können. Ein Beispiel ü eine idioma ische Kons uk ion wä e [( o li e/be/…) like X
in Y], wobei X = ein Tie und Y = sein Lieblingsessen is . Die Bedeu ung de idioma ischen
Kons uk ion wä e '( o li e/be/…) in abundance' und einige de in e lingualen Ins anzen sind:
- im Englischen ( o be) like a bee in clo e /( o be) like a pig in clo e
- im Deu schen leben wie die Made im Speck
- im F anzösischen i e comme un coq en pâ e (wö lich 'leben wie ein Huhn in
Lebe pas e e')
- im Tschechischen ží jako p ase ži ĕ (wö lich 'leben wie das Schwein im Roggen')
Nach dem obigen Übe blick übe einige Ansich en de Mus e ha igkei in de Pa ömiologie
wi d im olgenden Kapi el das Sp ichwo Reden is Silbe , Schweigen is Gold un e die Lupe
genommen und sein Modi ika ions- bzw. Mus e po enzial anhand de Ko pusbelege im
Ko pus Ske ch Engine (SkE) (deTenTen 2013) e ö e .
2. Das Sp ichwo Reden is Silbe , Schweigen is Gold
2.1 Inhal liche und o melle Me kmale
Die bekann e Pa ömie Reden is Silbe , Schweigen is Gold weis die G undbedeu ung 'in
bes imm en Si ua ionen is es a same zu schweigen als zu eden' ( gl. die De ini ion in de
Sp ichwo pla o m h p://www.sp ichwo -pla o m.o g/) au und
be uh au den
8
Es handel sich um eine Fo se zung ih es o igen P ojek s Widesp ead Idioms in Eu ope and Beyond (Online:
h p://www.widesp ead-idioms.uni- ie .de/)
5
P äsupposi ionen
9
'Gold is we oll'/'Silbe is wenige we oll als Gold' und au dem
Analogieschluss
10
'Wenn Reden Gold is und wenn Schweigen Silbe is , dann is Reden
besse /we olle als Schweigen'.
Die Modi ika ionen des A ibu s un e den Fo meln [Reden is X, Schweigen is Gold],
[Reden is Silbe , Schweigen is Y] bzw. [Reden is X, Schweigen is Y] (wobei X≠Silbe und
Y≠Gold) haben zum Zweck, die mo alische Weishei übe die Vo eile des Schweigens zu
ela i ie en, zu e s ä ken ode zu negie en (s. wei e un en).
Die illoku i en Funk ionen de Pa ömie Reden is Silbe , Schweigen is Gold sind in den
un e such en Ko pusbelegen KRITIK, AUFFORDERUNG, WARNUNG, RATSCHLAG,
BELEHRUNG, RECHTFERTIGUNG und ZURECHTWEISUNG. Anhand dieses Beispiels
sehen wi , dass sich Pa ömien – als Subg uppe de Ph aseme – zum Ausd uck illoku ionä e
K a besonde s gu eignen, wie Scha o h (2013: 186) zu e end anme k (s. Zi a am
An ang des Bei ags).
Die o male und logisch-seman ische S uk u des Sp ichwo s Reden is Silbe , Schweigen is
Gold en sp ich dem «Topos des Meh ode Minde » als Aspek opos (Wi e 1999: 424 und
Wi e 2007), ode dem sogenann en «Konsequenz opos», «de eine Abwägung posi i e und
nega i e Handlungen un e dem Aspek on Wah scheinlichkei und Rele anz o sieh
»
(Kind 2002: 281). Nach Kind ließen sich «Regula i ä en übe posi i e ode nega i e
Konsequenzen bes imm e Handlungen
»
imme in A gumen a ionen nach dem Mus e des
Konsequenz opos einbauen, wie auch bei unse em Un e suchungsgegens and de Fall is . In
de Pa ömie Reden is Silbe , Schweigen is Gold wi d de Abwägungsp ozess bei den
Al e na i handlungen (Reden ode Schweigen) explizi hema isie und o die
Konzequenzen on de eine bzw. de ande en Handlung gewa n . Die Äuße ung is asse i ,
wie bei den meis en Konsequenz opoi. D ohungen und E p essungen als di ek i e
Sp echak ypen machen in de Ta o Geb auch om Konsequenz opos, «indem eine Pe son
X on eine Pe son Y g a ie ende nega i e Konsequenzen ü den Fall angekündig we den,
dass X eine bes imm e Handlung H du ch üh bzw. un e läss »
(Kind 2002: 284).
9
Diese P äsupposi ion basie au unse e Wel kenn nis bzw. de Kul u symbolik de Edelme alle Gold und
Silbe . In unse em Kul u k eis wi d beiden Me allen ein hohe We zugesch ieben und sie sind symbolisch mi
'Reich um' e bunden ( gl. das Ph asem mi einem goldenen/silbe nen Lö el im Mund gebo en sein: ' eich
gebo en sein', DUDEN 11). Gold und Silbe e ügen alle dings in ih e Symbolha igkei nich übe den
gleichen We , sonde n be inden sich jeweils au eine imaginä en We skala 'gu -wenige gu '.
10
«Analogie» wi d lau Coenen (2002: 31) de inie als «ein symme isches Ve häl nis zwischen zwei sp achlich
besch iebenen Gegens änden, nich e wa zwei Bedeu ungen ode sp achlichen Ausd ücken. Das Ve häl nis de
Analogie bes eh zwischen zwei besch iebenen Gegens änden genau dann, wenn ü die Gegens ände ein
gemeinsame Besch eibungsinhal gil . Wo die Besch eibung (a)I und (b)I gel en, sind die Gegens ände a und b
einande analog».

6
De Konsequenz opos gil als A gumen a ionsmodell ü die Ak ualisie ungen de oben
e wähn en Mus e mi eine A ibu -Lee s elle, wobei die Slo s X, Y o als
Me allbezeichnungen au e en. In diesen Fällen bes imm die Quali ä des bezeichne en
Me alls den We de Kommunika ionshandlungen Reden bzw. Schweigen. So kann in den
Ko pusbelegen de A ibu -Slo X beim Mus e [Reden is X, Schweigen is Gold] du ch
Blech, Quacksilbe , Blei ode B onze (Reden is Blech, Schweigen is Gold; Reden is B onze,
Schweigen is Gold) e e en sein. In einigen Belegen we den gleichzwei ig X und Y [Reden
is X, Schweigen is Y] (wobei X≠Gold und Y≠Silbe ) ak ualisie und das Sp ichwo kann
zusä zliche E wei e ungen als konzep uelle S eige ungen e ah en (Reden is Blech,
Schweigen is Silbe , Handeln is Gold)
11
.
Dieses Sp ichwo wä e au g und seine al en He kun
12
( gl. Röh ich 2004: 1234) und
seine Ve b ei ung in den eu opäischen Sp achen ( gl. die Sp ichwo pla o m
un e
h p://www.sp ichwo -pla o m.o g/ und den Re ane o Mul ilingüe un e
h ps://c c.ce an es.es/lengua/ e ane o/ icha.aspx?Pa =58895&Lng=5) als
«In e na ionalism» bzw. «Eu opäism» zu be ach en ( gl. Pii ainen 2005, Mellado Blanco
2013). De hohe Bekann hei sg ad des Sp ichwo s begüns ig dessen häu ige
Abwandlungen
13
un e de Fo m on E wei e ungen, Reduk ionen, Subs i u ionen ode
Kon amina ionen
14
.
Die das Sp ichwo s uk u ie ende binä e Opposi ion, die zweiglied ige aus zwei
Haup sä zen bes ehende S uk u de Pa ömie sowie de Symbolcha ak e de Kons i uen en
inne halb eine We skala «wenige gu -gu » e s ä ken ebenso das Modi ika ionspo enzial
diese Pa ömie besonde s un e de Fo m de lexikalischen Subs i u ion
15
. Diese P ämissen
lassen sich mi alle Deu lichkei au de Basis de im Ko pus Ske ch Engine (SkE)
(deTenTen 2013) gewonnenen E gebnisse nachweisen. Anhand de Ko pusbelege de
11
Eine in e essan e und amüsie ende Da s ellung de ex uellen Modi ika ionen des Sp ichwo es Reden is
Silbe , Schweigen is Gold in de Belle is ik und den Medien bie e Miede (1998: 232-239).
12
Bei diese Pa ömie wi d a abische He kun e mu e ( gl. Röh ich 2004: 1234). In de Bibel inde sich
be ei s die me apho ische Ve wendung om Reden und dem Edelme all Silbe : «Des Ge ech en Zunge is
kös liches Silbe ; abe de Go losen is wie nich s» (Sp üche 10,20) ( gl. h ps://www. edensa en-index.de). In
la einische Fo m auch das Sp ichwo im 16. Jah hunde au und Johann Go ied He de übe se z es 1792
ins Deu sche: «Le ne schweigen, o F eund. Dem Silbe gleiche die Rede, abe zu ech e Zei Schweigen is
lau e es Gold» («Das Schweigen» aus: Ze s eu e Blä e , Vie e Sammlung, E s es Buch).
13
Fü Miede (2010: 201) s ehen beide Fak o en (Bekann hei sg ad bzw. Ve b ei ung eines Sp ichwo s) und
Modi izie ba kei im Tex in di ek em Ve häl nis zueinande .
14
Fü die A en de Modi ika ionen bei Sp ichwö e n gl. Sabban (1998) und Bu ge (2015).
15
Du ch diesen Be und bes ä ig sich die Einsich Rue s (1995: 32), dass die A de Modi ika ionen nich au
Zu all be uh , sonde n sie Ausd uck spezi ische Möglichkei en sind, die mi dem be e enden Beispiel
o gegeben sind.
7
du chge üh en Suchan agen
16
e geben sich olgende Sp ichwo mus e : [X is Silbe ,
Schweigen is Gold], [Reden is X, Schweigen is Gold], [Reden is Silbe , Y is Gold] und
[Reden is Silbe , Schweigen is Y]
17
, bei denen das Mus e [Reden is Silbe , X is Gold]
(wobei X≠Schweigen) bei Wei em das P oduk i s e is .
Modi ika ionen agen im Allgemeinen zu Vi ali ä de Sp ichwö e in de Sp ache bei. Die
Vi ali ä des Sp ichwo geb auchs zeig sich wesen lich «in einem S uk u - und
Funk ionswandel des Phänomens» (Lewandowska/An os 2004: 171), das dadu ch beding is ,
dass kanonische Sp ichwö e ‒ besonde s in den Massenmedien ‒ heu e zunehmend
«modi izie , a iie , ka ikie ode eilweise als neue bwz. ande e Sp uch o men e wei e »
we den  hie s imm e was in de Syn ax nich . In den Massenmedien spielen Sp ichwö e
eine besonde e Rolle, indem sie do in salien en ex uellen Posi ionen wie im Ti el ode
Schluss e scheinen.
Sowohl o male als auch inhal liche Abwandlungen zeugen also on eine noch s a ken
P äsenz de Sp ichwö e im kollek i en Bewuss sein de deu schen Sp achgemeinscha .
Dieses Fak um wu de in de Un e suchung on G zybek (1991) nachgewiesen, nach de
Sp ichwö e au g und ih es hohen Bekann hei sg ades in de gesam en Be ölke ung
keineswegs ein «sinkendes Kul u gu » da s ellen. Nach de Ansich Miede s (1997: 162)
g ei en mode ne Menschen zu Sp ichwö e n, weil sie noch «als symbolische Zeichen wah
und sinn oll sind, da sie all ägliche Gewohnhei en und E ah ungen beinhal en».
Auße de Kon inui ä de Sp ichwö e dienen Modi ika ionen ebenso zu Da s ellung de
K ea i i ä und indi iduellen O iginali ä des Tex e asse s: «En gegen ih em Ru als
ypische <kollek i ische> Sp ach o men we den Sp ichwö e zunehmend auch zu
Selbs da s ellung, zu Un e hal ung, ja zu E zeugung on O iginali ä e wende »
(Lewandowska/An os 2004: 174). In diesem Zusammenhang sch eib Lüge (1999: .)
Sp ichwö e n die «Funk ion de Au me ksamkei ss eue ung» ˗ da sie als Appel an den
Rezipien en ungie en ˗ und wei e hin die Funk ion de «Selbs da s ellung» zu, weil de
Sp eche sich du ch die Modi ika ionen als Schöp e p o ilie en will.
16
E gebnisse aus jeweils den Suchan agen: <#-1/ is Silbe , [Schweigen is Gold]>, <Reden is / +1#,
[Schweigen is Gold]>, <[Reden is Silbe ], #-1/is Gold>, <[Reden is Silbe ], Schweigen is /+1#>
17
In diesem Bei ag wi d au Mus e mi nu eine Lee s elle okussie , wenngleich gelegen lich einige
Schema a mi zwei Slo s be ücksich ig we den. Auβe Ach bleiben o male Modi ika ionen des Sp ichwo s,
die sich s uk u ell nich sys ema isie en lassen und denen in olgedessen kein Mus e cha ak e zugesch ieben
we den kann. Beispiel:
Au den iesischen Inseln, wo man wah scheinlich schweig , weil es keinen Sinn ha , gegen den S u m
anzub üllen, bleibe ich ein F emdling. Mag Schweigen Gold sein, ich liebe Silbe . Zu Hause ühle ich mich in
den Ba s on Bologna, in den Ca és on A ezzo, au dem Ma k on Co ona. Vielleich habe ich deshalb asch
und leich I alienisch gele n . (Online: h p://ch ismon.e angelisch.de/blog/was-ich-no ie -habe/schweigen-
%C2%AD-und-nach-de -pause-ein-gesp aech-4053).
8
2.2. Reden is Silbe , Schweigen is Gold in seine kanonischen Fo m
Das Sp ichwo Reden is Silbe , Schweigen is Gold e schein in beinahe zwei D i el de
gesam en Ko pusbelege ( ü die e schiedenen Suchan agen s. Fuβno e 16) nich o mell
modi izie und wi d in seine kanonischen Fo m ohne Va ia ion benu z . In ca. de Häl e
diese nich abgewandel en Belege se z sich de Tex e asse mi de allgemeinen Bo scha
des Sp ichwo s 'Es is besse zu schweigen als zu eden' nich auseinande und somi is die
p agma ische Haup unk ion des Sp ichwo s is meis ens a gumen a i : De Sp eche
e wende das Sp ichwo , um seine eigene Meinung zu un e maue n ode eine Äuße ung
a gumen a i abzu unden. Beispiele:
(1) Liebe He Hube , bei IX s and in einem de e s en Kommen a e ein ganz wich ige
Sa z: «Reden is Silbe , Schweigen is Gold!» Wenn man halbwegs Fo en- ode
Bloge ah ung ha , so ha man es schon inne, wenn man ein ach schweigen muss.
Auch wenn es einen noch so in den Finge n juck . (Onine:
h p://www.lawblog.de/index.php/a chi es/2006/08/16/cold-call- om-dok o /)
(2) Wenn imme alles o he sehba wä e, könn e man den Baye n am An ang de Saison
die Schale geben und müβ e den Res de Saison nich spielen. Alle dings kann ich zu
heu igen Leis ung auch nu sagen: Reden is Silbe , Schweigen is Gold. (Online:
h p://www. o um-hamme -eisbae en.de/ 981 3-Eisbae en- s-Ice-Aliens3.h ml)
In unse e Un e suchung konn e es ges ell we den, dass iele de Ko pusbelege, in denen
d
as
Sp ichwo seine kanonische Fo m in ak bewah , in Fo en und Blogs o kommen (s. obige
Belege (1) u. (2)). Die Beispiele de e wähn en Tex so en gel en des Wei e en au g und
ih es spon anen, di ek en und dialogischen Sp achs ils als gu e Ve e e de Nahsp ache und
de konzep ionellen Mündlichkei
18
( gl. Koch/Oes e eiche 1985).
Im Web is de Geb auch on Ph aseologismen im Allgemeinen ela i hoch, wie die
Fo schung on Kleinbe ge Gün he (2006: 237) bei Idiomen und Pa ömien in Cha s
nachweis : «Sie sind (häu ig) als Allgemeinplä ze allen e s ändlich, au schlüsselba und on
18
Pa allelen zwischen den Cha s und mündlichen Gesp ächen we den in de A bei on Beißwenge (2003)
kons a ie . Wenngleich die Dialoge in den Fo en ‒ ande s als bei den Cha s ‒ nich hunde p ozen ig synch on
e lau en, sind iele Gemeinsamkei en zwischen beiden In e ne ex so en anzume ken. Nach Kleinbe ge
Gün he (2006: 229) bes ehen Cha s meh hei lich «aus spon an e ass en ku zen sch i lichen Tex einhei en, die
in einem meis ö en lich zugänglichen Fo ma e ass da ges ell sind»; die «konsequen e sch i liche
Da s ellung», «das zug unde liegende dialogische P inzip» und die «annäh ende Gleichzei igkei sp inzip bei de
P oduk ion und Rezep ion» seien wei e e ele an e Me kmale dieses mode nen Kommunika ionsmi els.
Da übe hinaus da man nich pauschal behaup en, dass in Web ex en nu Ph aseologismen au e en, die an die
mündliche Kommunika ion angelehn sind. Nach de Un e suchung on Quas ho /Schmid /Halls einsdó i
(2010: 47) e weisen sich lediglich 54% de im Web e scheinenden Ph aseologismen als ypisch mündlich, was
da au zu ückzu üh en sei, dass in diese Tex so e auch zahl eiche ju is ische Wendungen und Ph aseologismen
aus e ns ha e Ko espondenz au auchen. Nach de empi ischen Analyse diese Au o en un e scheiden sich
Zei ungs- und Web ex e nach de F equenz on mündlich geläu igen Ph aseologismen kaum oneinande (s.
Quas ho /Schmid /Halls einsdó i 2010: 47).
9
eine übe indi iduellen We igkei umgeben, die nich hin e ag we den muss». De ypisch
exp essi e Cha ak e de Ph aseologismen und Sp ichwö e en sp ich in de konzep ionellen
Mündlichkei dem Bedü inis de Sp eche nach Ve inge ung de kommunika i en Dis anz
19
.
Aus de Analyse de Ko pusbelege aus In e ne o en läss sich schluss olge n, dass in den
Geb auchsdomänen Cha s und Fo en on o malen bzw. seman ischen Modi ika ionen kaum
Geb auch gemach wi d und de Sp eche in de Regel die al adie e Weishei de Pa ömie
wede ela i ie noch abs ei e . Die a gumen a i e Funk ion wi d in diesen Fällen du ch die
E scheinung on pa ömiologischen Konnek o en bes ä ig , die dazu dienen, Sp ichwö e in
den Disku s eibungslos einzu üh en und sie da in mi dem Tex inhal zusammenhängend zu
e knüp en. Im gewissen Sinne e se zen sie u.E. die auße sp achlichen S eue ungssignale de
mündlichen Kommunika ion wie Mimik, In ona ion ode Kö pe sp ache, die bei de
Ve wendung on Sp ichwö e n au mündliche Ebene unbewuss eingese z we den
20
.
Au e en können Konnek o en als Einwo lexeme wie schließlich, doch, denn, es e Ph asen
des Typs nach dem Mo o, sag eine Volksweishei , heiß ein Sp ichwo , das Sp ichwo ha
sich wiede einmal bewah hei e usw. ( gl. zu den Konnek o en die A bei en on
Dob o ol'skij/Lûbimo â 1993; Du čo 2002 und Umu o a 2005: 133). In den Ko pusbelegen
mi de kanonischen Fo m Reden is Silbe , Schweigen is Gold kommen als häu igs e
Konnek o en-Kolloka o en Sp ichwo , gil , Volksmund und Sp uch
21
o . Beispiel:
(3) Ein Sp ichwo sag : Reden is Silbe , Schweigen is Gold! Du ch Schweigen können
In o ma ionen in die Tie e eind ingen ode in die Höhe au s eigen. Es e scha eine
Ruhepause. In diese Zei können An wo en in uns au s eigen, die wi geschenk
bekommen. (Online: h p://www. onsaba.de/4.h ml)
Die Bewah ung de äuβe en Fo m is alle dings keine Ga an ie ü die Bewilligung de al en
Weishei sei ens des Sp eche s
22
. In unge äh de Häl e de o mell nich modi izie en
19
Demgegenübe scha en We beslogans und – eklamen gu e Beispiele ü die konzep ionelle Sch i lichkei
und zeichnen sich du ch Planungsau wand aus ( gl. Koch/Oes e eiche 1985: 21-24). Aus diesem G und s ellen
sie einen eichen Näh boden ü den k ea i en Umgang mi de Sp ache und ü me asp achliche Re lexionen
des Sp eche s da , wie an den Ak ualisie ungen des Mus e s [Reden is Silbe , X is Gold] abzulesen is .
20
Das Thema de auβe sp achlichen Signale und de p osodischen Me kmale de Pa ömien in de mündlichen
Kommunika ion bleiben meines Wissens bis da o une o sch und bilden aus dem G und ein
Fo schungsdeside a .
21
Demgegenübe e schein au ällige weise de pa ömiologische Konnek o nach dem Mo o o wiegend in
Ko pusbelegen, die o male Modi ika ionen des Sp ichwo es beinhal en.
22
In einigen Belegen bilde das F agezeichen ein deu liches Indiz ü die Rela i ie ung de e mein lichen
Allgemeingül igkei des Sp ichwo es, auch wenn die o melle S uk u und die Kons i uen en ansons en keine
Modi ika ionen e ah en. Beleg:
Um age: Reden is Silbe – Schweigen is Gold? Manchmal sind gewisse Themen nu peinlich. Manchmal will
man heikle Punk e ein ach nich meh hö en. (Online: h p://www. e olu ion-
one.ch/index.php/D/a icle/232/?lis =40).
16
- Enige “An isp ichwö e ” im Sinne Miede s (1985) wie z.B. Reden is Silbe , Handeln
is Gold zeigen in unse e S udie au g und ih e Reku enz eine gewisse
Lexikalisie ungs endenz

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