Helmu Rumple , Ul ike Ha ma (Hgg.): Bewäl ig e Ve gangenhei ?
Die na ionale und in e na ionale His o iog aphie zum Un e gang de
Habsbu ge mona chie als ideelle G undlage ü die Neuo dnung
Eu opas (= Die Habsbu ge mona chie 1848–1918, XII). Wien: ÖAW, 2018,
543 Sei en und 3 Abb.
S e en Höhne– H M Weima /F ied ich ‑Schille ‑Uni e si ä Jena
Die E inne ung an das Ende des E s en Wel k iegs 1918, zumindes was die wes ‑ und
südeu opäischen K iegsschauplä ze be i , ha o allem nach 1989 u. a. auch zu
eine Neube ach ung des Un e gangs de Habsbu ge mona chie ge üh , mi de
ein jah hunde elange poli ische und ökonomische O dnungs ahmen zuguns en
kleine Na ional‑, eigen lich Na ionali ä ens aa en au gelös wo den wa . Inso e n is
es nich ohne Konsequenz, dass die oluminöse, 1973 an de Ös e eichischen Akade‑
mie de Wissenscha en begonnene Reihe Die Habsbu ge mona chie 1848–1918 mi dem
Band XII Bewäl ig e Ve gangenhei ? Die na ionale und in e na ionale His o iog aphie zum
Un e gang de Habsbu ge mona chie als ideelle G undlage ü die Neuo dnung Eu opas jus
einhunde Jah e nach de Au lösung ih en Abschluss inde . Mi diesem Band we den
sowohl die e inne ungspoli ischen Folgen de Jah e nach 1918 als auch Aspek e de
eu opäischen Ve gangenhei sbewäl igung und dami zugleich eine eu opäischen
Iden i ä sgeschich e, so die He ausgebe in ih em Vo wo , in den Blick genommen.
Ausgehend on einem Fo schungsübe blick zu A bei en, die sich mi dem Un e gang
de Donaumona chie be assen (Helmu Rumple : The Habsbu g Mona chy as aPo en
o he New Eu ope o he Fu u e, 1–29), we den in d ei Sek ionen e s ens die e inne‑
ungspoli ischen Aneignungen des E s en Wel k iegs als Epochenwende, zwei ens
die Pe spek i en de na ionals aa lichen His o iog aphien in den Nach olge‑ und
Teilungss aa en sowie d i ens die Blicke au das neue Eu opa un e such .
Inne halb de e s en Sek ion behandeln die Ve asse die Habsbu g ‑Disku se in de
Geschich swissenscha , wobei sich die zen alen Kon o e sen um die Möglichkei en
de Nachk iegso dnung sowie um die innen‑ und außenpoli ischen G ünde und Ein‑
lüsse des Un e gangs de Mona chie sowohl au de Ebene de E eignisse als auch im
Blick au die lang‑ und ku z is igen S uk u en d ehen und dami imme auch au
den Poin o no e u n eku ie en. Vo dem Hin e g und des epochalen B uchs on
1989 we den sowohl eine neue Nos algiesie ung de Mona chie beobach e als auch
Ve suche, den Modellcha ak e Habsbu gs ü sup ana ionale O ganisa ionen, nich
zule z de EU he auszua bei en. Dabei kam es ge ade in den le z en Jah en mi den
einschlägigen A bei en on John Boye , Ga y B. Cohen und Pie e Judson zu ma kan‑
en Ve suchen eine Neubewe ung jensei s des wi kungsmäch igen Na ionalismus‑
Pa adigmas und des dami e bundenen ‚Völke ke ke ‑Topos‘, auch wenn dieses
Pa adigma in ielen de Nach olges aa en in den jeweiligen na ionals aa lichen Rah‑
mungen eine Fo se zung and, wo au die He ausgebe in Ul ike Ha ma in ih em
Bei ag zu Rech e weis (Un e gang, Au lösung, Ze s ö ung de Habsbu ge mona chie?
Zei genössische Bedingungen de E inne ung und His o iog aphie, 49–95).
Die zwei e Sek ion e sammel Bei äge zu jeweiligen Na ionals aa shis o io‑
g aphie de Nach olge‑ und Teilungss aa en. Behandel we den Ös e eich, Unga n,
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die schechischen Deu ungen, die se bisch ‑jugoslawische E inne ungskul u , e ne
Polen, Rumänien, die Uk aine und I alien. E ns Hanisch analysie die zen alen
Habsbu g ‑Na a i e und die dami e bundenen Ve schiebungen de Wah neh‑
mungsmus e om zen aleu opäischen S abili ä s ak o Habsbu g zum k anken
Mann an de Donau (Au de Suche nach de ös e eichischen Iden i ä , 147–162). Au
diese Weise konn e eine Poli ik a gumen a i ges ü z we den, die eine Au lösung
de Mona chie einkalkulie e und diese zu eine his o ischen No wendigkei e klä e.
Le z lich könn e man on eine in ih Gegen eil e keh en ansla io impe ii om
Osmanischen Reich (de k anke Mann am Bospe us) zu Donaumona chie sp echen.
Mi diese En wicklung ko elie e, ein wei e es Na a i , de inne e Ze all de
Mona chie, e s ä k du ch den K ieg. Hie bei handel es sich um das Deu ungs‑
mus e eine inne en Desin eg a ion schon o 1914, alle dings un e Ausblendung
a sächlich o handene s abilisie ende Ins i u ionen und du chaus e olg eiche
Kon lik egula ionen. Es sind de a ige A gumen a ionsmus e , die zumindes bei
den Siege n die jeweilige na ionals aa liche Poli ik in Abg enzung zu Ve gangenhei
nach 1918 legi imie en (sollen).
Mi einem Ve lie e be ass sich László Sza ka, de die unga ischen Na a i e im
Kon ex des E s en Wel k iegs un e such (Die Reduk ion Unga ns om mi eleu o‑
päischen Viel ölke s aa zum magya ischen Na ionals aa . Na a i e de ‚Au lösung‘
in de unga ischen Geschich ssch eibung und de Public His o y, 163–187). He aus‑
gehoben we den die Deu ung on Ausgleich und Dualismus, die Rolle de nich ‑
‑madja ischen na ionalen Bewegungen sowie die F iedens e äge, somi T ianon,
ein bis heu e auma isches E eignis in Unga n, ü das Sza ka d ei un e schiedliche
A gumen a ionsmus e iden i izie : ein bü ge lich ‑demok a isches, ein linkso ien‑
ie es, ein e isionis isches Na a i .
Mi de Si ua ion in de Tschechoslowakei be assen sich zwei Bei äge. Ma in
Schulze Wessel ekons uie die Kon o e sen zwischen dem schechischen In‑
landswide s and mi Ka el K amář und Alois Rašín und dem dami e knüp en
Op e my hos sowie de Auslandsak ion um Masa yk und Beneš mi ih en diploma‑
ischen E olgen und de da in in ol ie en Rolle de Legionen (Inszenie e Loyali‑
ä en: Tschechische Deu ungen de Habsbu ge mona chie und des schechoslowakischen
Na ionals aa s am Ende des Wel k ieges, 189–199). Sah de Inlandswide s and in de
G ündung de Republik 1918 eine „g oße Apo heose de schechoslowakischen Na ion,
die E hebung in den Rang de Kul u s aa en“ (S. 193); so ging die Auslandsak ion übe
das Konzep eine Apo heose hinaus, da sie in den E gebnissen des E s en Wel k iegs
den endgül igen Sieg des eihei lich ‑demok a ischen P inzips übe Au ok a ie, Mi‑
li a ismus und Theok a ie sah (S. 194). Dieses Deu ungsmus e wi d insbesonde e an
den Tex en Masa yks he ausgea bei e , in dessen „an i ‑habsbu gische Polemik“ de
mo alische „Vo wu (de ) Hal losigkei , de Falschhei , de Illoyali ä “ akzen uie
wu den (S. 197). Von den d ei po en iellen Op ionen, die den Tschechen wäh end
des Wel k ieges blieben, ‚ oice‘, also die S imme e heben, ‚loyali y‘, also He scha
e agen, ‚exi ‘, somi die Emig a ion, se z e sich le z lich die on Masa yk du ch.
Be ass sich Schulze Wessel ehe mi dem poli ischen schechischen Disku s um Au ‑
lösung de Mona chie und G ündung de Republik, so ekons uie O a Kon ád die
his o iog aphische Auseinande se zung (Von de Kulisse de Na ionals aa sg ündung
zu Eu opäisie ung de Fo schung: Die schechische His o iog aphie zum E s en Wel k ieg,
127REZENSIONEN
201–226). Die En wicklungen inne halb de schechischen His o iog aphie lassen sich
dabei in ün Phasen ein eilen: die Zwischenk iegszei , die Phase des Kommunismus
de 1950e und 1960e , die No malisie ungszei de 1970e und 1980e und die Wende‑
zei nach 1989. Fe ne wi d ein Blick au die ak uelle Geschich swissenscha gewo en.
Im Zen um s anden zunächs ungeach e de un e schiedlichen K iegse ah ungen
Deu ungsmus e , nach denen die G ündung eines demok a ischen Na ionals aa s
als logische Konsequenz und als legi imes E gebnis des K ieges e s anden we den,
womi ein du chaus e olg eiches In eg a ionsmi el o lag, auch wenn dabei die
E ah ungen de meh hei lich loyal ü die Mona chie kämp enden schechischen
Solda en ausgeblende blieben bzw. umgedeu e wu den. Mi dem Kommunismus
wa dann auch– schon in den 1930e n– eine Umdeu ung on Wel k ieg und Repub‑
likg ündung e bunden, S ichwo e bzw. Deu ungsmus e sind hie de Ve a de
Sozialdemok a ie an de p ole a ischen Re olu ion, die Au we ung de Schlach bei
Zbo o zum E inne ungso und die ehe wenigen bolschewis ischen schechischen
Solda en, le z lich Ideologeme, die gegen den Masa ykismus als alsches Bewuss ‑
sein und o allem gegen die wei aus g öße e und wich ige e G uppe de Legionä e
eingese z wu den. Alle dings di e enzie e sich im Ve lau de Re o mpe iode de
1960e Jah e dieses his o iog aphische Bild, le z lich se z en sich wissenscha liche
S anda ds gegen die s alinis ische Dogma ik du ch. E s nach 1989 e ö ne e sich dann
de Raum ü g undsä zliche Um‑ und Neudeu ungen, wede Zbo o konn e seinen
S a us als E inne ungso wah en, noch konn en die ‚Legionä e‘ an die Bedeu ung
wäh end E s en Republik anknüp en. Insgesam wi d die Beschä igung mi dem
E s en Wel k ieg on den E eignissen und E gebnissen des Zwei en Wel k iegs übe ‑
lage , Kon ád nenn hie die Ve eibung de Sude endeu schen und den S aa ssozia‑
lismus. In eine g undlegenden S udie on I an Šedi ý e olge alle dings eine neue
Pe spek i e in Abkeh on de na ionaldemok a ischen und de kommunis ischen
Deu ung des Wel k iegs als bloße Vo geschich e de S aa sg ündung und dami eine
Abkeh on einem schechischen messianis ischen Geschich sbild, das ü die ak uelle
His o iog aphie cha ak e is isch zu sein schein . Neue Pe spek i en e ö nen sich
u. a. du ch Be ücksich igung on K iegse lebnissen, all agshis o ischen Zugängen,
mik ohis o ischen Ansä zen. He o gehoben wi d e ne die Neupe spek i ie ung
bei Michal F ankl und Mi osla Szabó, die auch die unmi elba en Nachk iegsjah e
bis 1922 in ih e S udie zum E s en Wel k ieg mi einbeziehen und o allem auch den
An isemi ismus be ücksich igen.
Fü die jugoslawische E inne ungskul u spiel selbs e s ändlich das A en a
on Sa ajewo eine zen ale, wenn auch kon o e se Rolle. Holm Sundhaussen e‑
kons uie die Wah nehmung des Wel k iegs als Auseinande se zung zweie dicho‑
ome Sys eme, dem habsbu gischen Un e d ücke s aa und Viel ölke ke ke gegen
das demok a ische Se bien, ein dynas ische Viel ölke s aa gegen einen legi imen
Na ionals aa (Das A en a on 1914 und Ös e eich ‑Unga n in de se bischen E inne‑
ungskul u , 227–241). Eine Re ision de Helden e eh ung des A en ä e s e olg e
dabei schon im König eich Jugoslawien, spä e dann auch in de Volks epublik,
le z lich wi d die E inne ung an den E s en Wel k ieg abe du ch den Bü ge k ieg
de 1990e Jah e übe lage . Insgesam e es ig sich dami eine Spal ung de E ‑
inne ung an den E s en Wel k ieg en lang e hnona ionale und e hno eligiöse
T ennlinien (S. 232).
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Die d i e Sek ion e sammel Bei äge, die sich mi de Neuo dnung Eu opas nach
1918 be assen. Neben den Pe spek i en de Siege mäch e G oßb i annien, F ank eich,
die USA und Russland we den auch de Nahe Os en sowie die F age des Föde alismus
als o wi kendes O dnungsmus e o ges ell . Mi dem Fo wi ken öde alis ische
Ideen be ass sich Jana Os e kamp (Ein Reich ohne Eigenscha en? Das E be öde ale Ideen
in den ‚Nach olges aa en‘ de Habsbu ge mona chie, 431–457). Ausgehend on eine me‑
hodischen Di e enzie ung zwischen poli ischem Wi klichkei s‑ und Möglichkei s‑
aum olg sie de Deba e um Föde alisie ung inne halb de al en Mona chie ab 1917,
die sich alle dings du ch eine zunehmende Radikalisie ung de Na ionalbewegungen
nich meh e wi klichen ließ. Die Bes ebungen sei ens de K one zu eine Re o m
des S aa es konn en den Reichsze all nich meh abwenden. Nach 1918 se z e sich
eine öde ale O dnung lediglich in Ös e eich du ch, wo zu o ehe zen alis ische
T adi ionen wi ksam wa en, wäh end säm liche üb igen Nach olges aa en ungeach e
öde ale Fo de ungen o Ok obe 1918 nun au zen als aa liche Modelle se z en,
alle dings mi einem g a ie enden Nach eil. „Diese e einhei lichenden Maßnahmen
wu den nich in eg a i genu z “ (S. 446), sonde n im Gegen eil soll en egionale
T adi ionen du ch den neuen Na ionals aa übe sch ieben we den. Ve bunden dami
wa die „disku si e Ve lech ung on Einhei s‑ und Na ionals aa lichkei “ (S. 446),
eben mi Ideen wie Tschechoslowakismus ode Jugoslawismus, bei denen pa ikula e
T adi ionen ausgeblende blieben. Eine wei e e Disk edi ie ung des Föde alismus
bewi k e dann dessen Ins umen alisie ung z. B. du ch die Suden endeu sche Pa ei
un e Henlein und spä e du ch die aumo dnende Machpoli ik des D i en Reiches
und I aliens, die öde ale Elemen e lediglich zu Behe schung des Donau aumes ein‑
se z en. Dennoch bleib dem Fazi de Ve asse in zuzus immen, dass in de „Geschich‑
e de Nach olges aa en de Habsbu ge mona chie öde ale Pläne ein kons i u i e
Teil des poli ischen Möglichkei s‑ und des poli ischen Wi klichkei s aumes“ blieben
(S. 456). Und zus immen muss man auch de Einschä zung on de A ak i i ä des
Föde alismus: „Föde alismus wa und is eine de wich igs en O dnungsideen zu
In eg a ion gesellscha liche Viel al .“ (S. 457)
Will man ein Resümee ziehen, so geling dem abschließenden Band de Habsbu g‑
Reihe eine seh ielschich ige und auch di e enzie e Skizzie ung de un e schied‑
lichen e inne ungskul u ellen Aneignungen. Was alle dings ein wenig zu ku z komm ,
dass sind die En wicklungen und Deu ungsmus e de sogenann en nich ‑s aa lichen
Völke und Minde hei en, man e äh – ohne Ansp uch au Volls ändigkei – wenig
on den Slowaken, den Slowenen, den di e sen deu schen Minde hei en, e ne wä‑
en auch die Juden und Roma zu nennen, de en Pe spek i e au die un e gegangene
Mona chie siche auch on In e esse wä e. Dami soll alle dings keineswegs das
du chgehend hohe Ni eau de Bei äge in Zwei el gezogen. Mi diesem Band zu den
E inne ungen an die Habsbu ge mona chie nach 1918 inde die gesam e Akademie‑
Reihe einen passenden Abschluss.