Die schechische Sp ache im Gymnasialwesen
de deu schsp achigen S ad B ünn (B no) zwischen
1848 und 1918
1
Ma ia Schinko– Uni e si ä Wien
ABSTRACT
Die o liegende S udie okussie den sp achlichen Wandel des B ünne Gymnasialwesens
am Ende de Habsbu ge mona chie. Das Fo schungsin e esse lieg au dem Ein luss de E
-
ich ung schechischsp achige Gymnasien au die sp achliche Ve eilung de Schüle scha
sowie den Auswi kungen de sp achenpoli ischen Maßnahmen de Jah e 1880, 1897 und
1905 au den S a us und das P es ige de zwei en Landessp ache inne halb des Un e ich s.
Es kann gezeig we den, dass es eine sei s ab 1867 inne halb des B ünne Gymnasialwesens
zu eine sp achlich -na ionalen Seg ega ion de Schüle scha kam, dass abe ande e sei s
das In e esse an de zwei en Landessp ache Tschechisch du ch die Gleichs ellung(s e su-
che) im Be eich de Am ssp ache bis 1918 kon inuie lich s ieg. Beide E gebnisse können
als Folgen eine allmählichen „No malisie ung“ de ehemals kon lik i en diglossischen
Sp achsi ua ion du ch den höhe we denden S a us des Tschechischen gesehen we den.
SCHLÜSSELWÖRTER
B ünn; Mäh en; Diglossie; Schulwesen; Schulp og amme; Sp achenpoli ik
ABSTRACT
The Czech language in g amma schools o he Ge man ‑speaking ci y o B no be ‑
ween 1848 and 1918
The p esen s udy ocuses on he linguis ic change in he g amma school sys em o B no
a he end o he Habsbu g mona chy. The esea ch in e es s lie in he in luence o he
es ablishmen o Czech -speaking g amma schools on he linguis ic dis ibu ion o he
s uden popula ion as well as he e ec s o he language policy measu es o 1880, 1897
and 1905 on he s a us and p es ige o he second na ional language wi hin he class oom.
I can be shown ha , on he one hand, he e was alinguis ic -na ional seg ega ion o he
s uden s wi hin he g amma school sys em o B no om 1867, bu ha on he o he hand,
in e es in he second na ional language, Czech, inc eased con inuously h ough he equa-
li y (a emp s) in he a ea o he o icial language un il 1918. Bo h esul s can be seen as he
consequences o ag adual “no maliza ion” o he o me ly con lic ing diglossic language
si ua ion due o he inc easing s a us o Czech.
KEY WORDS
B no; Mo a ia; diglossia; school sys em; yea books; language policy
1 De o liegende Bei ag basie au den E gebnissen de Mas e a bei Sp achliche Zugehö igkei und
Sp achkompe enz an den B ünne Gymnasien 1867–1918 (Schinko 2019a).
42 BRÜCKEN 28/2
1. EINLEITUNG
G oße Teile de Ma kg a scha Mäh en gal en bis 1918 und eilweise bis 1945 als ‚deu -
sches Sp achgebie ‘. Dazu zähl en im Jah 1890 722 O e (21,7%). In Südmäh en und
de 5 km bzw. eine Wegs unde nö dlich da on beginnenden B ünne Sp achinsel gab
es einen deu schsp achigen Be ölke ungsan eil on und 97% bzw. 70% (Held 1896:
18 .). Besonde s bedeu sam ü diese Region wa die Nähe zu Wien als Zen um de
Mona chie und die beinahe du chgängige Ve bindung zum geschlossenen deu sch-
sp achigen Siedlungsgebie im Be eich des heu igen ös e eichischen S aa es. Un e
diesen Bedingungen en wickel e sich die Rolle de schechischen Sp ache bis zum
Ende de Habsbu ge mona chie ande s als in den schechischsp achigen Gebie en
de böhmischen Lände , wo sie au g und des nied igen An eils deu schsp achige
Be ölke ung einem ge inge en D uck un e lag, abe auch ande s als e wa im niede -
ös e eichischen Wien, wo de schechischsp achige Be ölke ungsan eil 1890 zwa
bei 4,7% lag (Gle le 1972: 32), de o izielle S a us de schechischen Sp ache abe
ein ande e wa als in den– eilweise on e häl nismäßig wenige Tschechisch-
sp achigen besiedel en– deu schsp achigen Gebie en Mäh ens.
De o liegende Bei ag okussie die En wicklung des Tschechischen als Un e -
ich ssp ache und Un e ich sgegens and im Gymnasialwesen de deu schsp achigen
(bzw. o iziell als deu schsp achig kons uie en) S ad B ünn (B no) im Zei aum
1848–1918 und s ell sich dabei in eine T adi ion ähnliche S udien zu den böhmischen
Lände n (Ha ánek 1996; Kim/Newe kla 2019; König -Holle wöge 2009; Newe kla
1999; Schinko 2019a; Schinko 2019b; Schinko/Kim/Englede 2019; S öh 2010; Vašíček
2015).2 Das Haup augenme k lieg dabei au de F age nach dem Ein luss de gese z-
lichen Ände ungen bezüglich des Un e ich s de zwei en Landessp ache abe auch
des ela i en S a us des Tschechischen in ande en Domänen des ö en lichen Lebens
au die Schulwahl und den Besuch des Tschechischun e ich s. Die e gleichende
Un e suchung des deu schsp achigen Gymnasialwesens de böhmischen Lände bi g
dabei soziolinguis isch ein einziga iges E kenn nispo en ial,
3
da die schechische
Sp ache ni gendwo ande s in de Habsbu ge mona chie als zwei e Landessp ache
un e ich e wu de. Inso e n e ö ne sie auch die Möglichkei eines Ve gleiches
mi dem Umgang mi de schechischen Minde hei ensp ache in Ös e eich nach
1918. Nachdem de o liegende Bei ag in de hema ischen Numme mi dem Ti el
‚Tschechisch im deu schsp achigen Um eld‘ e schein , dien das olgende Kapi el de
soziolinguis ischen Cha ak e isie ung de hie behandel en S ad B ünn inne halb
des Un e suchungszei aumes.
2. BRÜNN ALS ‚DEUTSCHE‘ STADT?
B ünn, die Landeshaup s ad de Ma kg a scha Mäh en, ha e om 13. Jah hunde
bis 1918 einen– zumindes nach außen hin– ‚deu schen‘ Cha ak e , de du ch die
deu schsp achige poli ische Füh ung kons i uie und du ch das o iziell meh hei -
2 Die Jah esbe ich e de Schulen als Quelle de Fo schung zu Meh sp achigkei we den auch in de
Geschich swissenscha genu z . In Bezug au die böhmischen Lände gl. z. B. Lu (2000).
3 In Mäh en bes anden bis zum Jah 1918 insgesam 12 Gymnasien mi deu sche Un e ich ssp ache, die
sich allesam im deu schen Sp achgebie bzw. in deu schen Sp achinseln be anden (Schinko 2019b: 87).
43MARIA SCHINKO
liche Bekenn nis de Be ölke ung zu deu schen Umgangssp ache zwischen 1880
und 1910 pe pe uie wu de. Die S ad wa gemeinsam mi Iglau (Jihla a), Olmü z
(Olomouc) und Wischau (Vyško ) eine de deu schen Sp achinseln au mäh ischem
Boden, wobei sie sich o z de geog aphischen Nähe in sp achliche Hinsich om
südmäh ischen Gebie un e schied (Be anek 1936; K anzmaye 1963; Schwa z 1935).
Im Gegensa z zu P ag (P aha), de Haup s ad des König eiches Böhmen, wo de
deu schsp achige Be ölke ungsan eil bei und 7–14% lag (S öh 2010: 112), wa de
Ein luss de deu schen Sp ache in B ünn du ch die Nähe zum deu schsp achigen
Wiene S aa szen um begüns ig . Um 1900 wa en und 4–6% de in B ünn Gebo-
enen in Wien anwesend, das wa en 4.500–6.500 Pe sonen. Aus den umliegenden
südmäh ischen O scha en übe siedel en soga bis zu 10% in die Haup s ad de
Mona chie (Gle le 1972: 39).
Das B ünne Ra haus, das sich bis zum Ende de Habsbu ge mona chie du ch ein
Zweckbündnis zwischen Un e nehme n und Händle n in deu sche Hand be and,
e hinde e mi un e e olg eich die Eingemeindung on o wiegend schechisch-
sp achigen Vo s äd en sowie die E ich ung eine schechischsp achigen Uni e si ä
in B ünn, um einen g oßen Zuwachs de schechischsp achigen B ünne Be ölke ung
zu e hinde n (Kořalka 1996: 149; 1991: 138). Dabei wa de Beda an A bei sk ä en
du ch die wachsende Indus ialisie ung im auch ‚Mäh isches Manches e ‘ genann-
en B ünn in de zwei en Häl e des 19.Jah hunde s so g oß gewo den, dass ihn
die S ad bewohne und Pe sonen aus den deu schsp achigen Vo o en nich meh
abdecken konn en bzw. woll en. Es wu den dahe schechischsp achige A bei e
aus benachba en Gemeinden angewo ben, die sich zwa in de nähe en Umgebung
de S ad ansiedel en und in ih a bei e en, abe nich o iziell zu Be ölke ung de
Landeshaup s ad zähl en (Habe mann 1959: 98).
Übe die genaue Be ölke ungs e eilung de Jah e 1848–1869 kann nich s gesag
we den, da die aus diese Zei o handenen S a is iken keine sp achlichen ode
na ionalen Zugehö igkei en an üh en. Kolejka (1967: 11) komm alle dings au -
g und de He kun de Be ölke ung zu dem Schluss, dass Tschechischsp achige
in diesen Jah en e wa die Häl e de B ünne S ad be ölke ung ausmach en, was
alle dings nich bedeu e e, dass sie sich auch zu schechischen Umgangssp ache
bzw. Na ionali ä – wie in den olgenden Volkszählungen e ag – bekann hä en
und welchen G ad des ‚na ionalen Bewuss seins‘ sie zu diesem Zei punk schon
e eich ha en.
Au schluss übe die sp achliche Be ölke ungs e eilung B ünns bis 1918 geben
die ös e eichischen Volkszählungen de Jah e 1880, 1890, 1900 und 1910, die nach
de so genann en ‚Umgangssp ache‘ de Be ölke ung ag en (Abb.1). Die Angaben
be uh en au einem indi iduellen ‚Bekenn nisp inzip‘, wodu ch sie e s ens eine
gewissen– du ch die momen ane poli ische und gesellscha liche Lage beding en–
Willkü oblagen und zwei ens on na ionale Agi a ion beein luss we den konn en
(B ix 1982: 322 .). Auße dem bezogen sie sich allein au das Me kmal ‚Sp ache‘ und
sagen demnach nu beg enz auch e was übe die e hnische Zugehö igkei de Be öl-
ke ung aus. Nich sdes o o z geben sie als um ang eichs e Quelle Au schluss übe die
sp achliche Zusammense zung de B ünne S ad bewohne ü den hie behandel en
Un e suchungszei aum.
44 BRÜCKEN 28/2
Abb. 1: Umgangssp achen 1880–1910 und Na ionali ä 1921 lau den Volkszählungen
De An eil de sich zu deu schen Umgangssp ache bekennenden Be ölke ung
s ieg zwischen 1880 und 1910 on 58,78% au 64,91%, wohingegen jene de sche-
chischsp achigen Be ölke ung on 38,88% au 33,36% sank. Dabei be ug das ab-
solu e Wachs um bei den Deu schsp achigen 30.000 Pe sonen ( und 60%), bei den
Tschechischsp achigen 10.000 Pe sonen ( und 30%). Sei es nun den poli ischen In e -
en ionen, den e olg eichen Agi a ionen ode dem pe sönlichen Nu zen geschulde –
die Volkszählungen de le z en 50 Jah e de Habsbu ge mona chie un e s eichen
unzwei elha den o iziellen deu schsp achigen Cha ak e de mäh ischen Landes-
haup s ad , wenngleich ein g oße Teil de Be ölke ung beide Sp achen mäch ig
gewesen sein mag. Wie o gesch i en die Meh sp achigkei in B ünn schon o 1918
gewesen sein muss, zeig ein Blick au die e s e schechoslowakische Volkszählung
des Jah es 1921, in de die übe die Mu e sp ache de inie e ‚ná odnos ‘ (Na ionali-
ä ) e ag wu de (Kim 2018: 284): Das Be ölke ungs e häl nis ha e sich komple
umgekeh und nun bekann en sich– bei einem absolu en Wachs um um 15.000
Einwohne – 58,95% zu schechischen und nu meh 34,79% zu deu schen Na io-
nali ä . Obgleich auch die e ände e F ages ellung in den Volkszählungen eine Rolle
in Bezug au de en E gebnisse gespiel haben wi d (de V ies 1990; P ochazka 2018),
kann angenommen we den, dass zumindes am Beginn des 20.Jah hunde s ein seh
lexibles Ve s ändnis on ‚sp achliche Zugehö igkei ‘ und ‚Na ionali ä ‘ gehe sch
ha 4 und wei e Teile de Be ölke ung in de Lage wa en, sich du ch ih e zweisp achige
Kompe enz zu jene Sp ache bzw. Na ionali ä , die du ch die poli ischen und sozialen
Gegebenhei en zum momen anen Zei punk güns ige aus iel, zu bekennen.
Bis zu zwei en Häl e des 19. Jah hunde s is da on auszugehen, dass sich diese
indi iduelle Meh sp achigkei gesellscha lich du ch Diglossie und eine domänen-
spezi ische Ve eilung de beiden Sp achen Deu sch und Tschechisch äuße e. Im
Lau e des Un e suchungszei aumes se z e sich die schechische Sp ache alle dings in
neuen Domänen wie de Ve wal ung, de höhe en Bildung, de Ki che ode dem Zei-
4 Bu ge (1995) und Zah a (2007) sp echen on ‚na ional indi e en e ‘ Be ölke ung.
45MARIA SCHINKO
ungswesen du ch und gewann dadu ch au allen gesellscha lichen und unk ionalen
Kommunika ionsebenen an Akzep anz. Es kam zu eine „subs an iellen Modi izie ung
de Mach e eilung“ (K emni z 2004: 161) und dami zu eine No malisie ung de
ehemals kon lik i en diglossischen Si ua ion. In B ünn selbs blieb Deu sch alle -
dings o allem die Sp ache de egie enden und A bei gebenden Schich , wodu ch
sie a sächlich als ‚Umgangssp ache‘ ü einen g oßen Teil de Be ölke ung gedien
haben mag.
Die Aus üh ungen zeigen, dass B ünn ge ade im o iziellen Au e en bis 1918 als
‚deu sch(sp achig)e‘ S ad bezeichne we den kann– dami wa sie, bezogen au die
Be ölke ungs e eilung, neben Wien und G az am Beginn des 20. Jah hunde die
einzige G oßs ad in de Habsbu ge mona chie (de inie mi übe 100.000 Einwoh-
ne n) mi eine deu schsp achigen Meh hei . Nachdem die schechische bzw. eine
ande e (slawische) Sp ache zu diese Zei wede in G az noch in Wien den S a us
eine ‚zwei en Landessp ache‘ inneha e, lieg in de Un e suchung des B ünne
Gymnasialwesens in Bezug au den Umgang mi de schechischen Sp ache ein be-
sonde e E kenn nisgewinn.
3. DAS BRÜNNER GYMNASIALWESEN 1848–1918
Das B ünne Gymnasialwesen um ass e im Zei aum 1848–1918 insgesam ie Gym-
nasien: zwei mi deu sche und zwei mi schechische Un e ich ssp ache. In diesem
Abschni olg zunächs eine Da s ellung de Geschich e und En wicklung diese ie
Un e ich sans al en bis zum Ende des Un e suchungszei aumes, wobei die beiden
deu schsp achigen Gymnasien den schechischsp achigen zum Zweck de besse en
Ve gleichba kei o anges ell we den.
E s es deu sches S aa sgymnasium.5 Das E s e deu sche S aa sgymnasium geh au
ein 1578–1773 on den Jesui en ge üh es Gymnasium zu ück, das bis 1867 das einzige
Gymnasium in B ünn da s ell e und eine sp achlich du chmisch e Schüle scha an-
zog. Die maximale Schüle zahl wu de in den 1860e Jah en mi knapp 800 e eich .
Die E ö nung des P ní české gymnasium s á ní 1866 üh e zu einem Rückgang de
Schüle zahlen um beinahe 50%. In den 1880e Jah en s ieg diese im E s en deu schen
S aa sgymnasium ku z is ig au übe 600 und beweg e sich ab 1890 bei und 400. Das
E s e deu sche S aa sgymnasium wu de ab 1867 zu einem D i el on jüdischen Schüle n
und zu 75% on O sangehö igen besuch .
Zwei es deu sches S aa sgymnasium.6 Das Zwei e deu sche S aa sgymnasium wu de
1871 als En las ung ü das au g und de g oßen Besuche zahl übe üll e E s e Deu sche
5 De o izielle Name des E s en deu schen S aa sgymnasiums in den Jah esp og ammen lau e e Ve -
einig es K.KGymnasium (1850), K.K.Gymnasium (1851–1857), K.K. olls ändiges S aa s -Gymnasium
(1858), K.K.S aa s -Gymnasium (1859–1867), K.K.Obe -Gymnasium (1868), K.K.S aa s -Gymnasium (1869),
K.K.deu sches Obe -Gymnasium (1870–1878), E s es deu sches K.K.Gymnasium (1879–1882, 1884–1901),
K.K.e s es deu sches Gymnasium (1883), E s es deu sches S aa sgymnasium (1902–1909) und S aa sgym-
nasium mi deu sche Un e ich ssp ache (1910–1917).
6 De o izielle Name des Zwei en deu schen S aa sgymnasiums in den Jah esp og ammen lau e-
e K.K.S aa s -Realgymnasium (1872–1874, 1876), K.K.S aa s -Real- und Obe gymnasium (1875, 1877),
K.K.Zwei es deu sches Obe gymnasium (1879–1897), K.K.II.deu sches S aa s -Gymnasium (1898–1909)
und K.K.S aa s -Realgymnasium mi deu sche Un e ich ssp ache (Zwei es deu sches S aa sgymnasium)
(1910–1917).
46 BRÜCKEN 28/2
S aa sgymnasium und die B ünne S aa sobe ealschule e ö ne und „mi Rücksich
au die ane kann en Vo heile“ (Jah esp og amm des Zwei en deu schen S aa sgym-
nasiums in B ünn 1872: 29) als Realgymnasium ge üh . Mi einem Minis e iale lass
om 18.Juni 1878 (Z. 21421) wu de es in ein humanis isches Gymnasium umgewandel ,
da un e ande em Uni e si ä ss udien nu Absol en en eine de a igen Leh ans al
o behal en wa en. Am 3.Dezembe 1908 olg e mi de Gleichs ellung alle Ma u-
an en eine Rückumwandlung in ein Realgymnasium. De An eil jüdische Schüle
am Zwei en deu schen S aa sgymnasium lag zunächs bei 25%, ab 1890 bei 50%. 50–75%
de Schüle wa en O sangehö ige– ab 1910 beinahe 90%.
P ní české gymnasium s á ní.7 Nachdem das Gymnasialwesen in Mäh en lange
auch in schechischsp achigen O en ein deu schsp achig wa , wu den im Lau e de
1850e und 1860e Jah e S immen nach de E ich ung schechischsp achige Gymna-
sien bzw. zumindes schechischsp achige Pa allelklassen in den deu schsp achigen
Gymnasien lau , wobei Zwei e es in B ünn on de deu schsp achigen Ve wal ung
e olg eich e hinde wu de (Sáňka 1967: 18). De An ag au die E ich ung eines
schechischsp achigen Gymnasiums in B ünn om 12. Sep embe 1863 wu de e s
d ei Jah e spä e umgese z , als es am 18. Ok obe 1866 zu E ö nung des P ní české
gymnasium s á ní kam, welches gemeinsam mi jenem in Olmü z zu den e s en beiden
Gymnasien mi schechische Un e ich ssp ache in Mäh en zähl e (Vyb al 1967:15).
Sein Einzugsgebie e s eck e sich be ei s im e s en Schuljah 1867/68 übe das gesam e
mäh ische Gebie südwes lich on Olmü z– aus B ünn selbs kamen lediglich 6 de
und 200 Schüle . De An eil an O sangehö igen lag noch in den 1880e Jah en bei
nu 20% und wuchs e s allmählich au 40% am Ende des Un e suchungszei aumes.
De g oße Zus om on Schüle n aus wei en Gebie en Mäh ens kann un e ande em
dami e klä we den, dass noch 1918 südwes lich on B ünn lediglich zwei wei e e
Gymnasien mi schechische Un e ich ssp ache bes anden, nämlich in T ebi sch
(Třebíč) und in Mäh isch -Budwi z (Mo a ské Budějo ice) (Schinko 2019b: 87). Die
absolu en Schüle zahlen am P ní české gymnasium s á ní wuchsen bis zum Schuljah
1882/83 au 700, gingen anschließend au 400 zu ück und beweg en sich im beginnen-
den 20.Jah hunde kons an bei 600. De An eil jüdische Schüle lag s eh s un e 1%.
D uhé české gymnasium s á ní.8 Am 23. Juni 1883 wu de dem An ag s a gegeben,
eine ie klassige Zweigs elle des übe üll en P ní české gymnasium s á ní zu e ich en,
welche 1886 in ein eigens ändiges Un e gymnasium und du ch einen Minis e iale lass
om 1. Sep embe 1898 zu einem Obe gymnasium, dem D uhé české gymnasium s á ní,
umgewandel wu de. Die Leh ans al wu de au g und seine schlech en Lage, de
mangelha en Räumlichkei en und de ehlenden inanziellen Un e s ü zung an angs
nu on 150, ab 1900 on 250 Schüle n besuch , da on wa en 25–40% O sangehö ige
und wenige als 1% jüdisch.
Ve gleich. Das Gymnasialleben Mäh ens and zwischen 1870/71 und 1910/11 zu 20–25%
in B ünn s a , wobei sich die Zahl de B ünne Gymnasias en in diesem Zei aum
7 De o izielle Name des P ní české gymnasium s á ní in den Jah esp og ammen lau e e C.K.nižší gymna-
sium slo anské (1868), C.K. yšší gymnasium slo anské (1869–1880), C.K. yšší gymnasium české (1881–1896),
C.K.české yšší gymnasium (1897–1898) und P ní české gymnasium s á ní (1899–1918).
8 De o izielle Name des D uhé české gymnasium s á ní in den Jah esp og ammen lau e e D uhé české
gymnasium s á ní (1902–1906) und D uhé české s á ní gymnasium (1907–1918).
47MARIA SCHINKO
on 816 au 1.604 e doppel e (Vašíček 2015: 135). Die meis en Schüle besuch en das
P ní české gymnasium s á ní, dessen E ö nung zu einem Rückgang de Schüle zahlen
am E s en deu schen S aa sgymnasium um und 50% üh e und dieses au Pla z zwei
e wies. Das Zwei e deu sche S aa sgymnasium s and in Bezug au die Schüle zahlen
an d i e , das D uhé české gymnasium s á ní an ie e S elle. Beme kenswe is
auße dem, dass sich die jüdische Schüle scha as ausschließlich au die beiden
deu schsp achigen Gymnasien e eil e.
4. DIE SPRACHLICHE ZUGEHÖRIGKEIT DER BRÜNNER
GYMNASIASTEN
Die Jah esp og amme de ie B ünne Gymnasien e zeichne en ü jedes Schuljah
die Mu e sp ache bzw. Na ionali ä de Schüle . Im Folgenden wi d gezeig , wie sich
de An eil de sp achlichen G uppen– besonde s an den Gymnasien mi deu sche
Un e ich ssp ache– übe die Zei e ände e und es zu eine sp achlich -na ionalen
T ennung inne halb des B ünne Gymnasialwesens kam.
E s es deu sches S aa sgymnasium. In de Zei 1848–1867, in de das E s e deu -
sche S aa sgymnasium das einzige Gymnasium B ünns da s ell e, wa seine Schüle -
scha sp achlich äuße s du chmisch . Im Schuljah 1849/50 wu de in den o iziel-
len Au zeichnungen zwischen ‚Sla en‘, ‚Deu schen‘ und ‚beide Sp achen mäch ig‘
un e schieden,9 wobei in die d i e Ka ego ie nu deu schsp achige Schüle , die die
schechische Sp ache zusä zlich e le n ha en, ielen.
10
Im Schuljah 1850/51 gab
es die Ka ego ien ‚Sla isch‘, ‚Sla isch -Deu sch‘, ‚Deu sch -Sla isch‘ und ‚Deu sch‘, in
den Jah en 1851/52–1856/57 ‚Deu sch‘, ‚Meh Deu sch als Sla isch‘, ‚Meh Sla isch als
Deu sch‘ und ‚Sla isch‘. Ab dem Schuljah 1857/58 geschah die Ein eilung binä . Die
Auswe ung de Angaben zeig , dass sich Schüle mi deu sche Mu e sp ache (bzw.
besse e Deu schkompe enz) und Schüle mi schechische Mu e sp ache (bzw.
besse e Tschechischkompe enz) bis zum Schuljah 1867/68 die Waage hiel en, wobei
de An eil an Deu schsp achigen s e s übe 50% und jene de Tschechischsp achi-
gen nie un e 35% lag. Zwischen 1849/50 und 1855/56 wa en 30–40% de Schüle
‚beide Sp achen mäch ig‘. Wi d hie zu noch de An eil de ‚Sla en‘ addie , welche
die deu sche Un e ich ssp ache zwangsläu ig behe schen muss en, wa en 60–75%
de Gymnasias en zweisp achig. Im Schuljah 1856/57 sank ih An eil au 13% (lau
S a is ik) bzw. 50% (inkl. ‚Sla en‘). Die Da en dieses Zei aumes legen zwei Schluss-
olge ungen nahe: E s ens wa Zweisp achigkei in B ünn ein geleb es Phänomen
und zwei ens so bedeu sam, dass sie bis in die 1850e Jah e Eingang in die S a is iken
de Schulp og amme and. Besonde s de zwei e Punk is zu beach en, da sowohl
de Rückgang on Schüle n, die beide Sp achen behe sch en, um 30% inne halb
9 In den S a is iken de Jah esp og amme des E s en Deu schen S aa sgymnasiums wu den die Bezeichnun-
gen ‚Sp ach e schiedenhei ‘ (1850–1860), ‚Mu e sp ache‘ (1864, 1877–1882, 1885–1917) und ‚Na ionali ä ‘
(1883–1884) geb auch . In den Jah en 1865–1874 wu de ohne Übe ka ego ie zwischen ‚Deu schen‘ und
‚Sla en‘ un e schieden.
10 „Hiebei wu den in die Rub ik ‚Sla en‘ diejenigen e zeichne , de en Mu e sp ache sla isch wa ; in
die Rub ik ‚Beide Sp achen mäch ig‘ solche, die das Sla ische spä e du ch Umgang ode Un e ich
so e le n ha en, daß ihnen die deu sche und sla ische Sp ache geläu ig zu Gebo e s eh “ (Jah esp o-
g amm des E s en deu schen S aa sgymnasiums in B ünn 1850: 34).
48 BRÜCKEN 28/2
eines Jah es als auch ih ehlendes E wähnen im es lichen Un e suchungszei aum
wenige mi einem Ve schwinden on Zweisp achigkei als mi eine e ände en
Eins ellung ih gegenübe e klä we den können.
Das Schuljah 1867/68 ma kie e den Beginn eine T endwende. De An eil sche-
chischsp achige Schüle am E s en deu schen S aa sgymnasium sank bis zum Schuljah
1872/73 on 37,74% au 6,59%. Zwa kam es in den 1880e Jah en zu einem ku z is igen
Ans ieg au 15%, diesem olg e alle dings eine kon inuie liche Abnahme, sodass im
Schuljah 1916/17 nu meh zwei Schüle schechische Mu e sp ache wa en.
Zwei es deu sches S aa sgymnasium. Die sp achlichen Zugehö igkei en am 1871
e ö ne en Zwei en deu schen S aa sgymnasium wa en on Beginn an wenige du ch-
misch als am E s en deu schen S aa sgymnasium. De An eil schechischsp achige
Schüle lag in den Schuljah en 1871/72–1883/84 bei 15–23%, sank anschließend bis
1889/90 au und 7% und au un e 1% bis zum Ende des Un e suchungszei aumes.
Angaben zu zweisp achigen Kompe enzen sind in den Jah esp og ammen des Gym-
nasiums nich zu inden.
P ní české gymnasium s á ní. Das P ní české gymnasium s á ní wand e sich ex-
plizi an eine schechischsp achige Schüle scha und wa auch da au ausge ich e ,
Schüle des E s en deu schen S aa sgymnasiums abzuwe ben,
11
wo au die im e s en
Schuljah 1867/68 gese z en Maßnahmen in Bezug au die Un e ich ssp ache ab-
ziel en (siehe un en). De An eil deu schsp achige Schüle an de Gesam schüle zahl
des P ní české gymnasium s á ní wa dahe äuße s ge ing und be ug in den Schul-
jah en 1867/68–1876/77 und 1880/81 maximal 1,5% (je 1–7 Schüle ). Danach sind bis
zum Ende des Un e suchungszei aumes ausschließlich Schüle mi schechische
Mu e sp ache bzw. Na ionali ä e zeichne .12
D uhé české gymnasium s á ní. Das D uhé české gymnasium s á ní wu de wäh end
seines gesam en Bes ehens ausschließlich on Schüle n mi schechische Mu e -
sp ache besuch . In de en sp echenden Rub ik de S a is iken (‚řeč ma eřská‘) wa
auch nu ‚česká‘ angegeben.
Ve gleich. Bis in die 1880e Jah e wa die Zahl schechisch- und deu schsp achige
Schüle an den B ünne Gymnasien nahezu gleich g oß, wobei die Zahl de Tsche-
chischsp achigen im Zei aum 1868–1882 eilweise um as 50% höhe wa als die
Zahl de ein schechisches Gymnasium besuchenden Schüle (Abb. 2). Die Tsche-
chischsp achigen mach en an den deu schen Gymnasien eine so hohe Zahl aus, dass
die Gesam zahl de schechischsp achigen Schüle an allen Gymnasien jene de
deu schsp achigen on 1876–1883 soga übe s ieg. Ab An ang de 1880e Jah e kam
es zu eine T ennung in zwei du ch die Un e ich ssp ache de inie e Schul ypen,
was da an zu e kennen is , dass die En wicklung de sp achlichen G uppen nun
jene de absolu en Schüle e eilung an den deu sch- und schechischsp achigen
11 Da Lis en mi den Namen de Schüle des Schuljah es 1867/68 nu ü das P ní české gymnasium s á ní,
nich abe ü das E s e deu sche S aa sgymnasium o handen sind, kann nich es ges ell we den, wie
iele Schüle a sächlich on de einen in die ande e Leh ans al wechsel en. Nachdem die Zahl de
schechischsp achigen Schüle am E s en deu schen S aa sgymnasium abe im Schuljah 1867/68 im
Ve gleich zum Vo jah um knapp 140 Schüle und im Schuljah 1868/69 um wei e e 50 Schüle abnahm,
is on eine hohen Zahl an Schulwechsle n auszugehen.
12 In den S a is iken de Jah esp og amme des P ní české gymnasium s á ní wu den die Bezeichnungen
‚ná odnos ‘ (1867–1884), ‚ma eřský jazyk‘ (1885–1894) und ‚řeč ma eřská‘ (1894–1918) geb auch .
49MARIA SCHINKO
Gymnasien en sp ach. Tschechischsp achige Schüle besuch en o an p imä die
schechischsp achigen Gymnasien und ih An eil an den deu schsp achigen Un e -
ich sans al en nahm s a k ab.
Abb. 2: Sp achliche Zugehö igkei en de B ünne Gymnasias en
Gene ell e uh die Zahl de schechischsp achigen Schüle mi de G ündung des
P ní české gymnasium s á ní ab dem Schuljah 1867/68 ein eno mes Wachs um mi
eine beinahen Ve d ei achung on 290 au 860 Schüle in nu 15 Jah en. Die deu sch-
sp achigen Schüle nahmen im selben Zei aum on 440 au 790 zu, ein Wachs um on
180%. Die Zahl de Schüle mi schechische Mu e sp ache ging am E s en deu schen
S aa sgymnasium be ei s ab den beginnenden 1860e Jah en zu ück, was sich mi de
E ich ung de schechischen Leh ans al o se z e (Abb. 3). Mi de E ö nung des
Abb. 3: Tschechischsp achige Schüle an den deu schsp achigen und schechisch‑
sp achigen Gymnasien
56 BRÜCKEN 28/2
A ikel19 des S aa sg undgese zes sank de Besuche an eil im zwei en Semes e au
66% und in den Folgejah en soga au un e 30%. Die E ö nung des Zwei en deu schen
S aa sgymnasiums 1871 hob den Besuche an eil wiede ein wenig. 1871/72–1878/79 lag
de An eil de Tschechischle nenden am Zwei en deu schen S aa sgymnasium deu -
lich höhe als am E s en deu schen S aa sgymnasium– ein Fak um, das eine sei s mi
dem höhe en An eil an schechischsp achigen Schüle n und ande e sei s mi de
damaligen Schul o m des Realgymnasiums, welches einen ge inge en We au die
‚klassischen‘ Sp achen und dahe womöglich einen Fokus au die zwei e Landessp a-
che Tschechisch leg e, e klä ba is . Fü die zwei e These sp ich , dass de An eil de
Tschechischle nenden am Zwei en deu schen S aa sgymnasium auch ab dem Schuljah
1910/11 wiede übe du chschni lich wa , nachdem die Leh ans al 1908 in ein Real-
gymnasium ückumgewandel wo den wa .
Besonde e Au me ksamkei e dienen auße dem die g oßen Zuwächse des An-
eils de Tschechischle nenden in d ei Zei abschni en des Un e suchungszei aumes,
nämlich in den Schuljah en 1881/82–1883/84, 1896/97–1897/98 und 1904/05–1913/14.
Diese können in einen di ek en Zusammenhang mi den sp achenpoli ischen Maß-
nahmen diese Jah e gese z we den, welche eine Bedeu ungss eige ung de sche-
chischen Sp ache im ö en lichen Raum mi sich b ach en bzw. zumindes mi sich
b ingen soll en. Dies wa en zunächs die so genann en ‚Taa e -S emay ’schen Sp a-
chen e o dnungen‘ om 19. Ap il 1880 (Mäh isches LGBl. 17/1880; Fischel 1910: 209,
N . 374), du ch welche das Tschechische als äuße e Am ssp ache ane kann wu de,
wäh end Deu sch Am ssp ache im inne en Be eich blieb. E s e es bezog sich au den
Ve keh zwischen Behö den und Bü ge n, Zwei e es au die Kommunika ion de Be-
hö den un e einande . S aa sbediens e e muss en demnach in Zukun Deu sch und
Tschechisch sp echen können, was ü iele Deu schsp achige, die des Tschechischen
nich mäch ig wa en, eine Benach eiligung bedeu e e (Fü s 2005: 42) und in B ünn
zu einem Ans ieg de schechischle nenden deu schsp achigen Gymnasias en um
knapp 10% bzw. 98 Schüle zwischen 1881/82 und 1883/84 üh e. Nach Ink a e en
de ‚Taa e -S emay ’schen Sp achen e o dnungen‘ sank de An eil de schechisch-
le nenden Gymnasias en B ünns nie meh un e 30%.
De nächs e beme kenswe e Ans ieg in de S a is ik um 7% bzw. 62 Schüle in-
ne halb nu eines Schuljah es lag in de Mi e de 1890e Jah e und kann mi den am
22. Ap il 1897 in K a ge e enen so genann en ‚Badenischen Sp achen e o dnungen‘
(Mäh isches LGBl. 29/1897; Fischel 1910: 251, N . 419) in Ve bindung geb ach we den.
Diese e o dne en eine ollkommene Gleichbe ech igung beide Landessp achen als
äuße e und inne e Am ssp achen du ch zweisp achige Am ie ung und e p lich e en
alle Beam en inne halb on längs ens d ei Jah en zu Behe schung beide Landes-
sp achen (Bu ge 1995: 161 .). Zwa muss en diese Bes immungen du ch den Boyko
de sich benach eilig ühlenden deu schsp achigen Be ölke ungsg uppe mi einem
E lass om 14. Ok obe 1899 (Mäh isches LGBl. 77/1899; Fischel 1910: 276, N . 435) au -
gehoben we den, doch zeigen sich ih e Auswi kungen in B ünn deu lich da an, dass
nun be ei s knapp die Häl e alle deu schsp achigen Gymnasias en den Un e ich
de zwei en Landessp ache Tschechisch besuch e.
Die d i e und le z e g oße Ve ände ung des An eils de Tschechischle nenden
geschah ab dem Schuljah 1904/05 und zog sich übe insgesam 10 Jah e kon inuie -
lichen Wachs ums. Im Gegensa z zum Ans ieg in den 1880e - und 1890e -Jah en wa
57MARIA SCHINKO
jene im beginnenden 20.Jah hunde zwa nich so sp ungha , doch umso um ang-
eiche . Nie zu o ha e es einen Zuwachs um beinahe 20% bzw. 144 Schüle inne -
halb on nu 10 Jah en gegeben. Auch in diesem Fall is de Zusammenhang mi eine
sp achenpoli ischen Maßnahme augenscheinlich. Am 27. No embe 1905 a de so
genann e ‚Mäh ische Ausgleich‘ (Mäh isches LGBl. 1–4/1906; Fischel 1910: 296 ., N .
460, N . 461, N . 462) in K a , dessen d i e Abschni zum Geb auch beide Landes-
sp achen bei den au onomen Behö den (auch ‚Lex Pa ma‘ genann ) g oßen Ein luss
au die Rolle des Tschechischen ha e. E sah o , dass die inne e und äuße e Am s-
sp ache in den Gemeinden du ch einen Meh hei sen scheid de Gemeinde e e ung
zu bes immen sei. In Gemeinden mi meh als 20% ande ssp achige Be ölke ung
sowie in S äd en mi eigenem S a u (B ünn, Iglau, K emsie [K oměříž], Unga isch
H adisch [Uhe ské H adiš ě], Olmü z und Znaim [Znojmo]) wu de zweisp achig am-
ie , das heiß auch Bekann machungen ha en in beiden Sp achen zu e olgen. Fü
die deu schsp achigen B ünne Gymnasias en bedeu e e dieses Gese z, dass eine zu-
kün ige Beam enka ie e die Behe schung de zwei en Landessp ache Tschechisch
unbeding e o de e. Dieses Bewuss sein schlug sich auch im Handeln niede und
üh e dazu, dass im Schujah 1913/1426 beinahe zwei D i el de deu schsp achigen
Gymnasias en den Tschechischun e ich besuch en und sich insgesam übe 80%
alle B ünne Gymnasias en beide Landessp achen bedien en.27
Ähnliche En wicklungen sind auch in ande en deu schsp achigen S äd en (Süd-)
Mäh ens zu beobach en (Kim/Newe kla 2018; Schinko 2019b). So ha e die schechi-
sche Sp ache ab 1867 e wa auch in Olmü z, Znaim, Nikolsbu g (Mikulo ) und Lun-
denbu g (Břecla ) zunächs einen ge ingen S ellenwe , gewann bis 1918 abe s e ig
an Bedeu ung. Dabei sind ähnlich wie in B ünn Zusammenhänge des Zuwachses
an Tschechischle nenden mi de Au we ung des Tschechischen als Am ssp ache
e kennba , wobei die ‚Lex Pa ma‘ des ‚Mäh ischen Ausgleichs‘ 1905 die deu lichs en
Auswi kungen zei ig e. Ve glichen mi den eben alls meh hei lich deu schsp achigen
S äd en Olmü z, Znaim und Nikolsbu g28 lag de An eil an Tschechischle nenden in
B ünn im Jah 1914 mi 60% im Du chschni . Übe o en wu de e nu om gemisch -
sp achigen Lundenbu g29 mi einem An eil on bis zu 80%. In den südmäh ischen
S äd en bes anden alle dings keine schechischsp achigen Gymnasien, wodu ch auch
de An eil an schechischsp achigen Schüle n an den deu schsp achigen Gymnasien
bis 1918 ein höhe e wa als in B ünn und Olmü z.
26 Die in Abb. 6 da ges ell en Da en nach 1914 sind nich aussagek ä ig, da es mi K iegsausb uch zu
eine Ums uk u ie ung des Un e ich s de zwei en Landessp ache und einem s a ken Ab all de
Besuche zahlen kam.
27 Diese An eil e gib sich du ch die Summe alle Schüle des Schuljah es 1913/14, de en Mu e sp ache
on de Un e ich ssp ache des besuch en Gymnasiums abwich, und jene , die am Un e ich de
zwei en Landessp ache Deu sch bzw. Tschechisch eilnahmen.
28 In Olmü z bekann en sich 1910 59,59% zu deu schen Umgangssp ache, 1914 besuch en knapp 50%
den Tschechischun e ich . In Znaim wa die Ve eilung 85,47% Deu schsp achige gegenübe 60%
Tschechischle nenden, in Nikolsbu g 97,47% gegenübe 50% (Schinko 2019b: 97 .).
29 In Lundenbu g bekann en sich 1910 55,14% zu deu schen und 42,73% zu schechischen Umgangs-
sp ache.
58 BRÜCKEN 28/2
6. RESÜMEE
Die schechische Sp ache en wickel e sich inne halb des deu schsp achigen B ünne
Gymnasialwesens nach de E ö nung de e s en Gymnasien mi schechische Un e -
ich ssp ache on eine Sp ache, die e p lich end in den Un e ich in eg ie wa
und auch dem Umgang mi den schechischsp achigen Mi schüle n dien e, zu einem
beding obliga en, au die Tschechischs unden besch änk en Un e ich sgegens and.
Dessen Besuche zahlen hingen s a k on den gese zlichen G undlagen in Bezug au
die zwei e Landessp ache ab. Nach de Abscha ung als e p lich ende Un e ich s-
gegens and im Jah 1867 e lo die schechische Sp ache an den deu schsp achigen
Gymnasien zunächs an Bedeu ung. E s die Sp achen e o dnungen de Jah e 1880,
1897 und 1905 we e en sie wiede au und üh en zu s eigenden Besuche zahlen des
Tschechischun e ich s.
Die o izielle Sp achenpoli ik de Mona chie und die S ellung des S aa es zu den
einzelnen Landessp achen ha e demnach einen ganz en scheidenden Ein luss au das
Le n e hal en de Mi elschüle . Auße dem zeig sich, dass das Phänomen, F emd-
sp achen wie F anzösisch und Englisch an den Gymnasien e p lich end zu leh en,
die Sp ache de unmi elba en Nachba n hingegen aus dem egulä en Un e ich zu
e bannen, keineswegs eine En wicklung de le z en Jah e is , sonde n au dieselbe
Weise schon o 150 Jah en s a and. Dabei gal wie heu e: Die poli isch schwäche e
G uppe le n e die dominan e Sp ache Deu sch ( o z he schenden Sp achenzwangs-
e bo es) wei e hin lächendeckend, wäh end ein G oß eil de poli isch s ä ke en
G uppe die nich -deu sche zwei e Landessp ache als Un e ich sgegens and nu dann
wähl e, wenn die sp achenpoli ische Lage es unbeding e o de e. Das Mi einande
und die gegensei ige sp achliche We schä zung im Gymnasialwesen, die bis 1867 in
B ünn gehe sch ha e– Zi a : „Es is es zuhal en, dass in de Schule Alles ü Alle
gesp ochen und e s ändlich gemach we den müsse […]“ (Schwippel 1878: 121)– wa
mi dem Ve bo des ‚Zwanges‘ zu E le nung eine zwei en Landessp ache endgül ig
Geschich e. Diese En wicklung zeichne e sich nach 1848 bzw. in den 1850e Jah en
be ei s im e ände en Umgang mi Meh sp achigkei am E s en deu schen S aa s-
gymnasium ab, als das bis da o lexible Ve s ändnis on sp achliche Zugehö igkei
eine binä en Zuo dnung zu den Sp achen Deu sch und Tschechisch wich.
Mi Blick au die Diglossie in den böhmischen Lände n zeig de Fall B ünn, dass
diese im Sinne de Te minologie on Geo g K emni z du ch den höhe we denden
S a us des Tschechischen in de Ve wal ung und die „Teilung“ des Schulwesens nich
nu neu alisie wu de, sonde n du ch die dami einhe gehende Tendenz zu bi-
la e alen Meh sp achigkei auch on den sozial und poli isch dominan en G uppen
akzep ie wu de.
P ojizie au das Habsbu ge eich bes eh de E kenn nisgewinn de o liegenden
S udie besonde s da in, dass sie o Augen üh , wie sich de höhe we dende S a us
de „kleinen“ Sp ache Tschechisch au das Sp ache we bs e hal en de Sp eche de
dominan en Sp ache Deu sch auswi k e. Diese E kenn nis können Un e suchungen
ande e deu schsp achige Me opolen im Habsbu ge eich wie G az ode Wien, die
mi un e beach liche An eile an slawischsp achige Be ölke ung ha en, in diese
Fo m nich lie e n. Zwa wi k e sich auch do die Au we ung de Tschechischen
Sp ache aus, alle dings üh e de ehlende o izielle S a us de slawischen Sp achen
59MARIA SCHINKO
in diesen S äd en zu keinem E we b du ch die deu schsp achige Majo i ä . Vielmeh
kam es zu einem Sp achwechsel (language shi ) de slawischsp achigen Mino i ä ,
welche e wa in Wien du ch ein Sys em on schechischen Schulen ohne ech lich
e bindlichen S a us lediglich geb ems wu de.
QUELLEN
JAHRESPROGRAMME
Jah esp og amme des E s en Deu schen S aa sgymnasiums in B ünn 1850–1917.
Jah esp og amme des Zwei en Deu schen S aa sgymnasiums in B ünn 1872–1917.
Jah esp og amme des P ní české gymnasium s á ní in B ünn 1868–1918.
Jah esp og amme des D uhé české gymnasium s á ní in B ünn 1902–1918.
GESETZE UND VERORDNUNGEN
S aa sg undgese z om 21. Dezembe 1867, übe die allgemeinen Rech e de S aa sbü ge ü die
im Reichs a he e e enen König eiche und Lände .– In: Reichs -Gese z -Bla ü das Kaie -
hum Ös e eich, N . 142/1867, 394–396 [= RGBl. 142/1867].
Ve o dnung de k. K. Minis e des Inne n und de Jus iz om 19. Ap il 1880, be e end den Ge-
b auch de Landessp achen im Ve keh e de poli ischen, Ge ich s- und s aa sanwal scha -
lichen Behö den im König eiche Böhmen mi den Pa eien und au onomen Behö den.– In:
Landes -Gese z -Bla ü das König eich Böhmen, N . 14/1880, 34–35 [= Böhmisches LGBl. 14/1880].
Ve o dnung de Minis e des Inne n, de Jus iz, de Finanzen, des Handels und des Acke baues
om 22. Ap il 1897, be e end den Geb auch de Landessp achen bei den Behö den in de
Ma kg a scha Mäh en.– In: Landesgese z- und Ve o dnungsbla ü die Ma kg a scha Mäh en,
N . 29/1897, 43–47 [= Mäh isches LGBl. 29/1897].
Ve o dnung de Minis e ien des Inne n, de Jus iz, de Finanzen, des Handels und des Acke baues
om 14. Ok obe 1899, be e end den Geb auch de Landessp achen bei den Behö den im
König eiche Böhmen.– In: Landes -Gese zbla ü das König eich Böhmen, N .59/1899, 121
[= Böhmisches LGBl. 59/1899].
Gese z om 27. No embe 1905, wi ksam ü die Ma kg a scha Mäh en und die mäh ischen En-
kla en in Schlesien.– In: Landesgese z- und Ve o dnungsbla ü die Ma kg a scha Mäh en, N .
1–4/1906, 1–54 [= Mäh isches LGBl. 1–4/1906].
VOLKSZÄHLUNGSDATEN
K. K. S a is ische Cen al -Commission (Hg.) (1885): Special -O s -Repe o ien de im ös e eichischen
Reichs a he e e enen König eiche und Lände . X. Mäh en. Wien: Al ed Hölde .
K. K. S a is ische Cen al -Commission (Hg.) (1893): Special -O s -Repe o ien de im ös e eichischen
Reichs a he e e enen König eiche und Lände . Neubea bei ung au G und de E gebnisse de
Volkszählung om 31. Decembe 1890. X. Mäh en. Wien: Al ed Hölde .
K. K. S a is ische Zen alkommission (Hg.) (1906): Gemeindelexikon de im Reichs a he e e enen
König eiche und Lände . Bea bei e au G und de E gebnisse de Volkszählung om 31. Dezembe
1900. X. Mäh en. Wien: Ve lag de k. k. Ho -und S aa sd ucke ei.
60 BRÜCKEN 28/2
K. K. S a is ische Zen alkommission (Hg.) (1918): Spezialo s epe o ium de ös e eichischen Lände .
Bea bei e au G und de E gebnisse de Volkszählung om 31. Dezembe 1910. X. Mäh en. Wien:
Ve lag de k. k. Ho -und S aa sd ucke ei.
Minis e s o ni a aS á ní úřad s a is ický (Hgg.) (1924): S a is ický lexikon obcí epublice
Českoslo enské. Úřední seznam mís podle zákona ze dne 14.dubna1920, čís.266 sb. zák. anář. Vy-
dán Minis e s em ni a aS á ním úřadem s a is ickým na základě ýsledků sčí ání lidu z15.ún-
o a1921. II. Mo a a aSlezsko. P aha.
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61MARIA SCHINKO
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