Wie Rübezahl seine Rüben in de Übe se zung e lo .
Die Rezep ion de Mä chen on J.K.A. Musäus in
den böhmischen Lände n
Ladisla Fu e a– Akademie de Wissenscha en de Tschechischen
Republik/Ka ls ‑Uni e si ä P ag
ABSTRACT
Johann Ka l Augus Musäus schu mi seinen Volksmä chen de Deu schen (1782–1786) eines
de meis gelesenen und nachgeahm en Vo bilde de Mä chensammlung. De Bei ag
konzen ie sich au die Rezep ion de bohemikalen Mä chens o e on Musäus (Libussa
und Rübezahl) in den böhmischen Lände n. An den Beispielen de oman ischen Dich ung
on hohe P es ige, de pa io isch ‑ oman ischen Mä chensammlungen sowie de eien
Übe se zungen und anonymen Nachd ucke de Mä chen in den Volksbüche n we den
die Möglichkei en de T ansposi ionen des Mä chen ex es in Fo men und Ga ungen de
hohen sowie i ialen/populä en Li e a u übe p ü . Besonde s we den die S a egien
de (kul u ellen) Übe se zung in de in e kul u ellen Reali ä de böhmischen Lände
be ücksich ig .
SCHLÜSSELWÖRTER
Böhmische Lände , Johann Ka l Augus Musäus, Mä chen, populä e Kul u
ABSTRACT
How Rübezahl los his bee s in he ansla ion. The ecep ion o he ai y ales o J.
K. A. Musäus in he Bohemian lands
Wi h he an hology Volksmä chen de Deu schen (1782–1786), Johann Ka l Augus Musäus
c ea ed one o he mos popula books o ai y ales, which was epea edly imi a ed. This
pape deals wi h he ecep ion o he Musäus’ ai y ales o Bohemian o igin (Libussa and
Rübezahl) in he Bohemian lands. The possibili ies o he ansposi ions o he ai y ales
in o ms and gen es o he p es igious as well as popula / i ial li e a u e a e desc ibed
on he basis o he p es igious poe y o he oman ic e a, o he pa io ic ‑ oman ic books
o ai y ales as well as o he ee ansla ions and anonymous ep in s o he ai y ales
in he chapbooks. Aspecial a en ion is paid o he s a egies o (cul u al) ansla ion in
he in e cul u al eali y o he Bohemian lands.
KEY WORDS
Bohemian lands, Johann Ka l Augus Musäus, ai y ale, popula cul u e
42 BRÜCKEN 27/1
Als de in Leipzig lebende P age Sch i s elle Ka l He loßsohn im Jah e 1841 ü
die Reihe de Reise üh e Das male ische und oman ische Deu schland einen Band e ‑
ö en lich e, de das Riesengebi ge mi seine b ei en Umgebung (die u.a. eine sei s
B eslau, ande e sei s P ag um ass e) besch ieb, e ö ne e und schloss e die einlei‑
ende Schilde ung de Be ge mi Anspielungen au „Rübezahls Mäh chen“, au den
„d olligen, neckischen und o so wohl hä igen Be gkönige, de die Poesie unse e
Kindhei so o schaue lich e hei e , und den Musäus in seinen Mäh chen so un‑
e gleichlich dich e isch ausgebeu e ha “ (He loßsohn 1841: 13). Als eine Quelle
zu Demons a ion de li e a ischen Bea bei ung de Rübezahl ‑Sage (und auch de
li e a ischen Schilde ung de Region allgemein) wähl e e die ün bändigen Volks‑
mä chen de Deu schen (e schienen 1782–1787) des Weima e Sch i s elle s Johann
Ka l Augus Musäus (1735–1787). Seine Wahl wa nach ollziehba : Die Volksmä chen de
Deu schen gehö en (mi den neue en Kinde ‑ und Hausmä chen de Geb üde G imm)
zu den bekann es en und belieb es en deu schsp achigen Mä chensammlungen,
und de Zyklus de ün Legenden on Rübezahl (u sp ünglich wu de e im zwei en
Band de Volksmä chen de Deu schen aus dem Jah e 1783 e ö en lich ) e eu e sich
auße gewöhnliche Belieb hei : Die e s e, e ymologische Legende on dem e lieb en
Be ggeis , den die lis ige P inzessin Emma dazu zwing , Rüben au dem Feld zu zäh‑
len, wäh end sie seine Mach en lieh – diese Legende wi d on He loßsohn auch
namen lich in seine Schilde ung e wähn –, wu de meh mals küns le isch da ges ell
und im spä en 19. Jah hunde auch im Rahmen des Tou ismus zu We bezwecken
genu z .1 Alle dings se z e schon He loßsohn o aus, dass ü seinen Modellese de
Name Musäus bekann und öllig e s ändlich wa .
De p o o ypische Ad essa des Reise üh e s soll e zum Besuch Schlesiens und
Böhmens mo i ie we den. Fü He loßsohn selbs , de du ch seine sch i s elle ische
Lau bahn nich nu mi dem (gesam ‑)deu schen, sonde n auch mi dem böhmischen
und (un e dem Namen He loš) schechischsp achigen li e a ischen Feld und dem
kul u ellen Milieu de böhmischen Lände e bunden wa , handel e es sich auch
um eine A Selbs p ojek ion und Selbs p äsen a ion seine (enge en) Heima (U ‑
álko á 2009: 17–29). Die Wahl Musäus’ als des einzigen zi ie en Belle is en in den
einlei enden Wo en2 zeig , dass den Band allgemein bekann e Mä chen bilden, mi ‑
hil e de e das Riesengebi ge sowohl einem F emden als auch einem Einheimischen
e gegenwä ig we den konn e. Auch aus de Pe spek i e eines Bewohne s P ags
handel e es sich um Pe iphe ie, die „nu an den hei e s en Tagen des Somme s dem
scha en Auge sich ba “ sei und o dem eigenen Besuch des Gebi ges nu mi hil e
de Mä chen (des Musäus) in de Phan asie konk e isie we de (He loßsohn 1841: 13).
1 Schon im Jah e 1867 be ich e e F an išek Nečásek in seinem Roman Sňa ek na sm elném loži [Hei a
am To enbe ], dass in eine Be gbaude „p odá ají ousa ého K akonoše ajeho manželku Emu“ [de
bä ige Rübezahl und seine Ga in Emma e kau we den] (Nečásek 1867: 162). Am An ang des 20.
Jah hunde s iden i izie e dann de Küns le k eis um die B üde Ca l und Ge ha Haup mann die
Rübezahl ‑Sage mi de al ge manischen, no dischen My hologie. He mann Hend ich pass e in seinen
Ölgemälden die e s e Legende Musäus’ diese In e p e a ion an, indem e Rübezahl als den Go Wo an
und die P inzessin Emma als die F ühlingsgö in da s ell e (Wille 1903).
2 Zu den wei e en Au o i ä en, die He loßsohn namen lich e wähn , gehö en ausnahmslos Reise üh e
wie Wegweise du ch das Sude engebi ge (B eslau, 1828) on Johann Ch is ian Hein ich Be nd und Weg‑
weise ode Neues Taschenbuch ü Reisende du ch das schlesisch ‑böhmische Riesengebi ge (3. Au lage, Glogau,
1837) on Ka l Amand Mülle (He loßsohn 1841: 7).
43LADISLAV FUTTERA
Mein Bei ag konzen ie sich au diese ‚einheimische‘ Pe spek i e, d. h. au die
Rezep ion Musäus’ und seine Volksmä chen de Deu schen in den böhmischen Lände n
im Kon ex de o sch ei enden Na ionalisie ung de Gesellscha wäh end des 19.
Jah hunde s. An den Beispielen des e ände lichen Inspi a ionsg ades du ch Musäus’
We k (sowohl in de Fo m on Übe se zungen ode explizi en in e ex uellen Hin‑
weisen, als auch au de mo i ischen Ebene ode in Fo m on En lehnungen de ein‑
zelnen Da s ellungsmus e ) ü ein pa io isch ‑ oman isches Sammeln on Mä chen,
ü ein küns le isches Scha en on hohem P es ige sowie ü eie Bea bei ungen
bzw. Übe se zungen ü b ei e Lese schich en in den beiden Landessp achen we den
Möglichkei en de T ansposi ion des Mä chen ex es in Fo men und Ga ungen de
hohen sowie i ialen/populä en Li e a u demons ie und übe p ü . Es wi d dabei
un e schiedlichen S a egien de (kul u ellen) Übe se zung in de in e kul u ellen,
meh sp achigen Reali ä de böhmischen Lände in de Vo mä zzei sowie den Spezi‑
ika des ela i kleinen, pe iphe en li e a ischen Ma k es und de dami e bundenen
ungenügenden S a i ika ion de einzelnen Li e a u ebenen nachgegangen. Die le z e
Kon ex age be i dann die We posi ionie ung und die De ini ion de Mä chen‑
Ga ung sowie ih e Dynamik in de deu schen und schechischen Kul u .
MÄRCHENSAMMELN– MÄRCHENSAMMLUNG– MUSÄUS
Mi Rücksich au das Thema Populä kul u en is die le z e wähn e F age nich
ohne Bedeu ung. Im Me zle Handbuch Popkul u wi d die Mä chen ‑Ga ung nu
am Rande im Zusammenhang mi den e hnog aphischen Me hoden und S udien e ‑
wähn und nich di ek zu mode nen populä en Kul u gezähl . Das Mä chen wi d
au de G enze on „Volkskul u “ und „Popkul u “ e o e , die mi de „E indung
komme zielle , s äd ische , massenmediale Zusammenhänge des 19. Jah hunde s“
e bunden seien (Ege 2017: 312 .). Diese These en sp ich meine Ansich nach jedoch
e s diejenige Mä chen ‑Ga ung, wie sie in de Zei de Roman ik– d. h. auch in de
Epoche, in de de Beg i Volkskul u selbs e handel wu de, dessen Bes and eil
u. a. die Volksmä chen bilden soll en (Bu ke 2009: 26–29)– nach dem Tode Musäus’
de inie wu de: eine ‚aus dem Munde des Volkes‘ e nommene und au gezeichne e
E zählung, wie sie zum e s en Mal in de Sammlung de Geb üde G imm au auch .
Alle dings sp ach be ei s And é Jolles in seinen be ühm en Ein achen Fo men bei
seine ypologischen Analyse om Mä chen als on de „Ga ung G imms“ (Jolles 1930:
219). Fü den eigen lichen En s ehungsmomen (bzw. De ini ion) des Gen es hiel e
die Deba e im Jah e 1811 um die S ellung des Mä chens im Rahmen de Beg i e de
Na u ‑ bzw. Kuns poesie zwischen den Roman ike n Achim on A nim und Jacob
G imm. G imm klä e in seinem B ie an A nim die beiden Beg i e olgende maßen:
Die Poesie is das, was ein aus dem Gemü h ins Wo komm , en sp ing also im‑
me o aus na ü lichem T ieb und angebo enen Ve mögen diesen zu assen,– die
Volkspoesie i aus dem Gemü h des Ganzen he o ; was ich un e Kuns poesie
meine, aus dem des Einzelnen. Da um nenn die neue Poesie ih e Dich e , die al e
weiß keine zu nennen, sie is du chaus nich on einem ode zweien ode d eien
gemach wo den, sonde n eine Summe des Ganzen. (S eig 1904: 116)
44 BRÜCKEN 27/1
G imm iden i izie e seine Sammlung de Kinde ‑ und Hausmä chen (1812) mi de
Na u poesie, wobei e A nim und seinem Mi a bei e Clemens B en ano o wa , dass
sie in ih e Volksliede sammlung Des Knaben Wunde nho n (1805) küns liche Eing i e
in die Fo m des Volkslieds un e nommen hä en, was aus seine Sich bei den Fo men
de Na u poesie nich akzep ie ba sei:
Fü Jacob G imm is Kuns poesie eine „Zube ei ung“, Na u poesie „ein Sich on‑
selbs machen“ […], die „neue Dich ung“ is e was on de „al en Dich ung g und‑
sä zlich Ve schiedenes“; deshalb da an de „al en Dich ung“ wo wi sie inden,
auch kein Tü elchen ode kein Jo a geände we den, deshalb sind alle Umges al‑
ungen, zu welchem Zwecke sie auch o genommen we den, om Übel, deshalb
sind Übe se zungen, auch die Umsch eibung in Wo en de Neuzei öllig we los!
(Jolles 1930: 222)3
Diese Spannung zwischen den beiden Konzep en, welche die Rezep ion de Mä chen‑
büche – inklusi e de Volksmä chen de Deu schen– in de Epoche de Spä oman ik
beein luss e, is auch ü die schechische Kul u ele an . Wie die Bohemis in Gud un
Lange kons a ie e, wu de das Mä chen in den 1830e und 1840e Jah en zu eine
de üh enden und meis he ausgegebenen Ga ungen de schechischen Li e a u .
Die Publika ionen e such en jedoch die olksha e Übe lie e ung (welche die es e
Bindung de schechischen ‚na ionalen‘ Kul u an das Volk beweisen soll e) zu imi‑
ie en. Von ‚Kuns mä chen‘ im Sinne A nims und B en anos kann kaum die Rede
sein (Lange 1979: 183 .). Die Spu en eindeu ige Ablehnung solche ‚Kuns mä chen‘
inde man– genauso wie bei Jacob G imm– ela i üh: Im No embe 1822 o de e
de Dich e F an išek Ladisla Čelako ský (spä e Ve asse de sog. ‚Volkss immen‑
poesie‘ [‚ohlaso á poezie‘], welche die Mus e de slawischen Volksly ik und Epik
p og amma isch nachahm e) seinen F eund Jose Vlas imil Kama ý zu A bei an
eine Mä chensammlung au . Im en sp echenden B ie äuße e e alle dings seine
Dis anz den deu schsp achigen Sagen und Mä chen gegenübe , in denen (wie auch
bei A nim) de S o ei bea bei e wu de:
Ale ě u ako é já nemyslím; ožádné kněžně Libuši, ožádném Ho ymí o ém
skokua d. Ty o musíme zase od Čecha něk e ého očeká a i. Ne íš nic íce, co i
babičky po ídá aly? (Bílý 1907: 157)
[Nun solche meine ich ja wi klich nich ; nich die Fü s in Libussa, nich den Sp ung
on Ho ymí usw. Dies müssen wi wiede um on einem Tschechen e wa en. E ‑
inne s du dich nich meh , was di G oßmü e zu e zählen p leg en?]
Musäus hä e– o z de Ta sache, dass ihn de G ünde de Ge manobohemis ik
A noš Vilém K aus am An ang des 20. Jah hunde s als den „p ní obno i el s a ých
lido ých pohádek Německu“ [e s en E neue e de al en Volksmä chen in Deu sch‑
land] (K aus 1902: 28) bezeichne e –, o G imms U eil nich bes anden. Auch o
3 Zu neue en Fo schungsdiskussion übe die S ellung de Beg i e de Kuns ‑ und Na u poesie in de
Roman ik mi besonde e Rücksich au die Mä chenga ung gl. Oes e le (2009) und Neuhaus (2005:
7–8).
45LADISLAV FUTTERA
seinem Zei genossen, dem Philosophen Johann Go ied He de nich , on dem die
These s amm , dass Mä chen „die s a ken, edlen, keuschen, edlichen Si en uns e
Vä e “ (He de 1781:85) aus dem e lo enen goldenen Zei al e bewah en und e mi ‑
eln soll en, wo an die sog. my hologische Schule um die B üde G imm anknüp e.
Musäus schöp e bei de o malen Auss a ung seine Mä chen ex e ausge ech‑
ne aus dem, was He de he ig k i isie e: aus den anzösischen Feenmä chen
on Cha les Pe aul und seinen Nach olge n.4 Die geküns el e Sp ache, die dem
Rokoko ‑S il ähnel , die galan en Szenen und de aillie en Besch eibungen we den
jedoch mi Me kmalen de au klä e ischen Geleh samkei kombinie (Jech 2008:
72 .). In den Vo de g und i eine e zähle ische Ins anz, die aus de Posi ion des
au geklä en Geleh en he aus nich an I onie spa . Die jeweiligen Mä chen ode
Sagen (Musäus is sich des Un e schieds zwischen den Ga ungen, de auch e s on
den G imms de inie wi d, nich bewuss ) we den o pa odie . So auchen mi hil e
s a ke In e ex uali ä nich nu an ike ode biblische Anspielungen au , sonde n
es we den auch ge n die zei genössische li e a ische P oduk ion, die küns le ischen
S ömungen ode auch z. B. sensa ionelle Be ich e übe alle lei Abe glauben e ‑
spo e .5 Auch die ün Legenden on Rübezahl beginnen mi dem Ausd uck i onische
Dis anz zu de ba ocken schlesischen Dich e schule.6 Rübezahl selbs wi d dann als
ein p ä oman ische Ze issene da ges ell , de Sympa hisan en und Ve e e de
Bewegung des S u m und D ang imi ie :
Denn F eund Rübezahl, soll ih wissen, is gea e wie ein K a genie: launisch,
unges üm, sonde ba ; bengelha , oh, unbescheiden; s olz, ei el, wankelmü ig,
heu e de wä ms e F eund, mo gen emd und kal ; zu Zei en gu mü ig, edel
und emp indsam; abe mi sich selbs in s e em Wide sp uch, albe n und weise,
o weich und ha in zwei Augenblicken, wie ein Ei, das in siedend Wasse äll ;
schalkha und biede , s ö isch und beugsam; nach de S immung, wie ihn Humo
und inn e D ang beim e s en Anblick jedes Ding e g ei en läß ([Musäus] 1783: 5).
In de le z en de Rübezahl ‑E zählungen i onisie e jedoch in de Figu de G ä in
Cäcilie, eine begeis e en Lese in on Vol ai e, die nach de Begegnung mi Rübezahl
an ing, an Geis e zu glauben, den ex emen au klä e ischen Ra ionalismus.
4 „Alles wa d in ihnen [in den Mä chen; L. F.] galan und ho mäßig. Rein in de Sp ache, lich in de
Da s ellung, asche in de E zählung, on al en Si ensp üchen wie on de abgekommenen Ri e ‑
üs ung en laden; dagegen einem Gesellscha ssaal, einem Gesp äch‑ ode Besuchzimme , ga e wa
eine Liebeskamme , nach damalige Si e, angemessen; un e hal ende A igkei wa d ih Cha ak e “
(He de 1801: 139).
5 Aus diesen G ünden s imme ich Almu Ba ba a Renge nich zu, nach de sich Musäus, „[ü]be d üssig
de in de spä en Au klä ung populä en Wunde ‑, Spuk‑ und Aben eue geschich en, die de anzösi‑
schen Mode de Feendich ung und mo genländischen Mä chen e p lich e sind, […] de mündlichen
Übe lie e ung“ bediene, „doch de Ti el de Sammlung“ zeig , „dass Musäus de on He de o ‑
gezeichne en Linie de Volkspoesie olgen will“ (Renge 2006: 19). De Ti el eagie deu lich au die
Au o de ungen He de s, de Inhal und die A bei mi dem S o ich en sich jedoch nach den oben
genann en Mus e n, die die Au o in selbs nenn .
6 „Au den o und ma besungenen Sude en, de Schlesie Pa naß, hause in iedliche Ein ach neben
dem Apoll und den neun Musen de be u ene Be ggeis Rübezahl genann , de das Riesengebi ge aun
be ühm e gemach ha , als die schlesischen Dich e allzumal“ ([Musäus] 1783: 3 .).
46 BRÜCKEN 27/1
Die e zähle ischen S a egien bei de Bea bei ung on Mä chen‑ und Sagens o en
hä en Musäus in de spä e en oman ischen Deba e um Na u ‑ und Kuns poesie in
die Nähe zu A nim und seine He o hebung de Ins anz des (Volks‑)Dich e s ge ück .7
De Akzen au dem e zähle ischen Subjek und de E wa ung b ei e Kenn nisse bei
Modelllese n de Volksmä chen de Deu schen wi d jedoch mi sub e si en S a egien
de i ialen Li e a u bzw. Geb auchsli e a u kombinie . Das ganze li e a ische
Scha en Musäus’ ziel e o allem au die Kapi alisie ung und den komme ziellen E ‑
olg seine We ke au dem sich schon e ablie enden deu schen li e a ischen Ma k ab.
Diesem S eben en sp ach be ei s die Wahl de belieb en Ga ungen– neben Mä chen
(nach anzösischen Mus e n) widme e e sich auch dem Roman. Auch bei diesem
handel e es sich um eine pa odis ische und sa i ische Bea bei ung de Ga ung, die
au s a ke In e ex uali ä sowie Halb ‑Anonymi ä des Ve asse s basie e: Musäus
e ö en lich e keines seine We ke un e seinem Namen, nach dem übe g oßen E ‑
olg seine sa i ischen Physiognomischen Reisen wu de jedoch sein Inkogni o gelü e ,
und im Falle de Volksmä chen de Deu schen wu de seine Au o scha in ela i b ei en
K eisen bekann (Ko zebue 1791: 14 .).
Denselben Zielen olg en auch seine Nach olge , de en We ke die Spezi ika de
Mä chen ‑Ga ung als populä e Lek ü e ü das b ei e (jedoch gebilde e, noch nich
massenha e) Publikum au wiesen: ohne g öße e küns le ische Ambi ionen des
He ausgebe s, abe mi de E wa ung eines komme ziellen E olgs. Nach Musäus’
Tode e schienen anonym ie Bände de Neuen Volksmä chen de Deu schen on Be‑
nedik e Naube . Die Anonymi ä bes ä ig e eine sei s die Zugehö igkei des We ks
zu Geb auchsli e a u in de Opposi ion zum Konzep de Au onomie des Dich e s,
ande e sei s haben sich– wie ich noch zeigen we de– im Falle diese adi ionell
mündlich übe lie e en Ga ung iel ache Möglichkei en e ö ne , wie man an die
schon he ausgegebenen Mä chenbüche (die als Sammlungen de ‚au hen ischen‘
Volkse zählung p äsen ie wu den) pa asi ä anknüp en kann.8 Die Neuen Volks‑
mä chen de Deu schen liehen sich on Musäus’ Vo bild nich nu den Ti el, sonde n
auch die S uk u : das Mä chen E dmann und Ma ie wu de als „ein Nach ag zu den
Legenden on Rübezahl“ bezeichne ([Naube ] 1791: 3).9
MÄRCHEN IN KONTEXTEN DER BÖHMISCHEN LÄNDER
Die Rezep ion de Volksmä chen de Deu schen is in den böhmischen Lände n ela i
spä nachweisba , nämlich e s im zwei en Jah zehn des 19. Jah hunde s, d. h. in
de Zei um die Niede lage Napoleons und den Wiene Kong ess he um. Welche
Konsequenzen ha e ein solche his o ische Kon ex ü die Rezep ion de Tex e? An
7 „Volksdich ung im Sinne G imms gib es nich , es gib nu Dich e “– so cha ak e isie e die S ellung
A nims und B en anos Jolles (1930: 222).
8 E s in den 1770e und 1780e Jah en wu den die e s en gese zlichen Maßnahmen zum Schu z des
Nachd uck ech es in einzelnen deu schen S aa en e g i en. Ein U hebe ech wu de 1810 in Baden
einge üh , 1837 olg e dann P eußen. Das e s e komplexe Au o en ech gese z a jedoch e s im Jah e
1853 in P eußen in K a . Die F age des Pa asi ie ens an einem emden We k wu de nu au den Ebenen
on Mo al und E hik e handel (Gieseke 1995: 155 .).
9 T o z dieses Pa asi ismus wu de Naube aus Anlass de neuen Ausgabe de Neuen Volksmä chen de
Deu schen im Jah e 2001 als die „e s e deu sche Mä chenau o in“ bejubel (Singe 2002). Zu Kon ex‑
ualisie ung on Naube s Mä chen gl. Ma in (2006).
47LADISLAV FUTTERA
Bedeu ung gewann de G und, aus dem He de in de selben Zei , in de Musäus seine
Mä chenbüche he ausgab, zum Sammeln on Volksliede n, Fabeln und Mä chen
au o de e: die wachsenden egionalen und na ionalen Iden i ä en wu den anhand
de sch i lichen und sp achlichen Kul u imme deu liche demons ie . Nach de
K önung LeopoldsII. zum König on Böhmen im Jah e 1791, welche die Zen alisie‑
ungs endenzen on Ma ia The esia und Jose II. eilweise ückgängig mach e und
die selbs s ändige S ellung des König eichs Böhmen bzw. de Lände de Böhmischen
K one im Rahmen de Habsbu ge mona chie bes ä ig e, abe auch nach den napo‑
leonischen K iegen und nach Fich es Reden an die deu sche Na ion (Dann 1993: 73–76),
wu den die Mä chen‑ und Sagen ex e als es e Bes and eile de in eg alen kul u ellen
T adi ion eine Region und eines Volkes wah genommen. Sie konn en abe aus den
un e schiedlichen pa io ischen und nun auch na ionalis ischen Pe spek i en e zähl
we den: aus de gesam deu schen Pe spek i e, wie sie u. a. in dem bekann en Lied
Mo i z A nd s Was is des Deu schen Va e lands om Jah e 1813 ausged ück wu de, aus
de Pe spek i e de habsbu gischen E blände , de böhmischen Lände , und zum
Schluss im Zusammenhang mi de o sch ei enden Na ionalisie ung de Gesellscha
nach e hnischen und sp achlichen Mus e n aus de Sich de Deu schböhmen ode de
Tschechen. Die sich eilweise übe lappenden, abe gleichzei ig auch gegensä zlichen
Iden i ä en und Loyali ä en ö ne en dabei auch b ei e po enzielle Kon lik elde .
Wie oben gezeig wu de, e zich e e Musäus au de sp achlichen Ebene öllig
au jedwede Nachahmung de mündlichen Übe lie e ung und au die Anpassung
seine Tex e an den Beg i de Volkspoesie, wie ihn Johann Go ied He de o ‑
cie e. Dennoch bekann e e sich schon mi seinem Ti el zu de spä au klä e ischen
pa io ischen Absich , Mä chen aus dem gesam deu schen Gebie (bzw. Mä chen
de deu schen Na ion) zu sammeln und als ein Ganzes he auszugeben (Renge 2006:
19). Aus de Pe spek i e de 1780e Jah e zähl e e im Einklang mi F ied ich Schil‑
le und seinen Räube n aus dem Jah e 1782 zum imaginä en „Teu schland“ auch die
„böhmischen Wälde “ (Schille 1805: [III]). In den Volksmä chen de Deu schen konn en
sich dann also sowohl die Legenden on Rübezahl, dem He n des Riesengebi ges an
de böhmisch ‑schlesischen (abe auch de e hnischen schechich ‑deu schen) G enze
([Musäus] 1783: 3–199) als auch die Legende on de G ünde in P ags und Mu e de
Přemysliden ‑Dynas ie, de Fü s in Libussa ([Musäus] 1784: 3–111), be inden.
In diese Sich au die S ellung Böhmens (besse gesag de Tschechen) im Rahmen
des zwa nu o malen, abe in de Rolle des iden i ä sbildenden Beg i es imme
noch akzep ie en Heiligen ömischen Reiches deu sche Na ion un e schied sich
Musäus im Allgemeinen nich on He de . De Rigae Philosoph iden i izie e zwa
eine Na ion mi de eigenen Sp ache und Li e a u und hob auch die Gleichs ellung
de einzelnen Na ionen he o , im un e ö en lich en Konzep de Vo ede zu seine
Volksliede sammlung eih e e abe un e den Obe beg i des deu schen Volks und
des deu schen Reichs auch die slawischen Völke , die au dem his o ischen Gebie
des Heiligen ömischen Reiches leb en:
G oßes Volk und Reich! Ode ielmeh Volk und Reich on zehn g oßen Völke n– du
has keine Volksliede ? Und edles, Tugend‑ Scham‑ und Si e‑ so ie liebendes Volk,
du has keine edle e, Gesang‑ Tugend‑, Si e‑ und Inhal olle e als diese? Schweize ,
48 BRÜCKEN 27/1
Schwaben, F anken, Baye n, Ty ole , Sachsen, Wes phalen, Wenden und Böhmen
keine na ü liche e, Leben‑ Rüh ung Inhal olle e als diese? (He de 1990: 20 .)
Auch wenn schon die Namen de Haup igu en de Libussa ‑Sage, de P age Fü s in
selbs und noch deu liche ih es Ga en Přemysl, au den slawischen, schechischen
U sp ung hinwiesen, e moch e die allgemein wah genommene, wenn auch nich
gleichbe ech ig e, un e geo dne e S ellung de Tschechen (die alle dings auch die
So ben/Wenden ode die Slowenen be a ) und ih e Zuo dnung zum S aa sbeg i
des Heiligen Römischen Reiches (Hla ačkae al. 2014: 274) das In e esse an den böh‑
mischen/ schechischen S o en bei den deu schen Au o en zu wecken, die auße halb
de böhmischen Lände ode de Habsbu ge mona chie ä ig wa en und die sich in
ih en We ken– wie Musäus– einen exo ischen S o aus de unbekann en e hnischen
P ähis o ie eines Teiles ih e g oßen Heima , d. h. aus den deu schen Lände n, zum
Thema mach en (Macu a 1998: 90).10
Noch im Jah e 1853 übe nahm Ludwig Bechs ein on Musäus die äumliche Vo s el‑
lung ü sein Deu sches Sagenbuch und eih e in dieses nich nu Rübezahl ein, den e
als den „P o eus de deu sch ‑slawischen My he“ (Bechs ein 1853: 531) bezeichne e, son‑
de n auch Libussa, mi de Absich , Böhmen aus de Pe spek i e de g oßdeu schen
S aa sidee zu app op iie en: „Bis in des deu schen Böhmens He z, die u al e P aga,
e s eck sich die Wande ung“ (Bechs ein 1853:VI). Au de poli ischen Ebene wu de
abe die Zugehö igkei de böhmischen Lände zu einhei lichen gesam deu schen
S aa sidee schon im Re olu ionsjah 1848 bes i en, indem F an išek Palacký die Ein‑
ladung zum alldeu schen Pa lamen in F ank u mi de E klä ung, e ühle sich als
„ein Böhme slawischen S ammes“, abgelehn ha e– mi dem Zusa z: „[d]ieses Volk is
zwa ein kleines, abe on jehe ein eigen hümliches und ü sich bes ehendes; seine
He sche haben sei Jah hunde en am deu schen Fü s enbunde Theil genommen,
es selbs ha sich abe niemals zu diesem Volke gezähl , und is auch on Ande n im
Ablau alle Jah hunde e niemals dazu gezähl wo den“ (Palacký 1874: 150).11
Palackýs B ie und die dami e bundene ak ische De ini ion de Tschechen als
eine poli ischen Na ion au g und ih e Sp ache bzw. slawischen E hnizi ä sowie
ih e Gleichs ellung mi de deu schen Na ion e schä e die Spannung an den Achsen
deu sch ‑böhmisch und deu schböhmisch ‑ schechisch, de en Pole sich aus Palackýs
Pe spek i e in eine Kon lik s ellung be anden. Wie die d ei olgenden Be ach ungen
un e schiedliche li e a ische Ebenen jedoch zeigen we den, bes anden in de Vo ‑
mä zzei o z deu liche Rekon igu a ionen und T ans o ma ionen des Ausgangs‑
ex es ela i b ei e Möglichkei en zu Adap a ion und Anpassung de ‚böhmischen‘
Volksmä chen de Deu schen an die in e kul u elle Si ua ion de böhmischen Lände
mi Rücksich au die un e schiedlichen Modelllese , de en Bedü nisse in beiden
Landessp achen be iedig wu den.
10 Diese S o e wu den den deu schsp achigen Lese n aus de Übe se zung de K onika česká [Böhmische
Ch onik] om ka holischen P ies e Václa Hájek zLibočan aus dem Jah e 1541 bekann , die noch im
Jah e 1718 in Leipzig he ausgegeben wu de (Linka 2013: 1384).
11 Zum his o ischen Kon ex on Palackýs Ablehnung de Einladung nach F ank u gl. Kořalka (2018:
163–172).
49LADISLAV FUTTERA
MÄRCHENSAMMLUNG
Im Jah e 1819 gab de P age Deu sche Wol gang Adolph Ge le seine Volksmä chen de
Böhmen in zwei Bänden he aus. Schon de Ti el signalisie e, dass Ge le sieben Jah e
nach dem E scheinen de Kinde ‑ und Hausmä chen zwa das oman ische In e esse
an de Mä chen ‑Ga ung e lek ie e, es abe als einen Re e enz ahmen ü den Lese ,
d. h. auch ü die S ellung seines Buches au dem li e a ischen Ma k sowie ü die
s ilis ische E assung de da ges ell en S o e des belieb en i onischen Au klä e s
Musäus e wende e. Die T ans o ma ion seines Vo bilds be a in diesem Fall nich
die Ga ung selbs – die E zählungen in den Bänden en sp echen öllig Musäus und
seine Wah nehmung de Mä chen ‑Ga ung, auch bei Ge le we den Mä chen und
Sagen nich oneinande abgeg enz –, sonde n die äumliche Pe spek i e. Ge les
Ho izon wu de im Ve gleich zu Musäus e eng und– wie das schon de Ti el p o‑
klamie e– au seine enge e Heima , die böhmischen Lände , bezogen, die e ie Jah e
nach dem Wiene Kong ess im Kon ex des Au schwungs on pa io isch ‑kul u ellen
P ojek en auch bejubeln woll e.12
Dass e jedoch mi b ei e en Pe spek i en (und Iden i ä en) echne e, zeig e das
Mä chen Lidomi und P inzessin Cla ibella ode Die Wunde quellen, in dem as alle
Sagenges al en Mi eleu opas nebeneinande ges ell we den: Nich nu Libussa
und Rübezahl, sonde n auch die polnische P inzessin Wanda, ih Gelieb e Rüdige
on Rügen ode de unga ische König A pad sind hie zu inden (Ge le 1819: 41–52).
Die Anwesenhei de Pa one on Böhmen, Unga n und eilweise auch Polen
13
e ‑
ä dabei die deu liche In en ion des Au o s, eine Syn hese de Sagen/Mä chen de
habsbu gischen Viel ölke mona chie zu scha en. Die Tendenz is dabei umgekeh
als bei Musäus, dessen Absich es wa , aus nebeneinande ges ell en S o en aus un e ‑
schiedlichen Regionen eine übe geo dne e Syn hese des deu schen Mä chenscha zes
zu k eie en; Ge les Ausgangpunk bleib au de Ebene de egionalen, böhmischen
Pe spek i e, die nu gelegen lich zum Ausd uck eine übe egionalen Iden i ä hin‑
au wachsen kann.
Die Nachahmung Musäus’ besch änk e sich abe nich nu au den Ti el, sonde n
wu de auch au de hema ischen Ebene sich ba . Gu eine Häl e des zwei en Bandes
de Mä chensammlung bilden d ei Geschich en on Rübezahl. In de Einlei ung wi d
ihnen jedoch noch eine eindeu ige Anspielung au Musäus und seine e s e, bekann‑
es e Sage on seinen Legenden on Rübezahl o anges ell . Es wi d be ich e , „wie e
[Rübezahl; L. F.] eins ü eine böhmische P inzessin so seh in Liebe en b ann , daß
e ih zu Willen die Rüben seines Feldes gezähl , und sie wäh end de Zei mi einem
Buhlen en wichen, on welche Geschich e e den Spo namen Rübezahl e hal en“.
De Ve asse e klä wei e : „[…] ja die meis en seine Tha en und Begebenhei en
haben schon so iele Dich e in lieblichen Liede n e künde , dass es wohl Ve mes‑
senhei wä e, solche abe mals zu wiede holen; doch sind da un e meines Wissens
12 Zum Kon ex des böhmischen Landespa io ismus und seine Fö de ung wäh end de Koali ionsk iege
gegen F ank eich gl. Rak (1994: 54–56).
13 De Wanda ‑S o wa in de deu schsp achigen Li e a u um 1800 eben alls seh populä und wu de
meh mals küns le isch bea bei e . Am bekann es en is das D ama on Zacha ias We ne Wanda, Kö‑
nigin de Sa ma en, das im Jah e 1808 in Weima inszenie wu de. Als eine Neben igu i in diesem
T aue spiel auch de Geis de Fü s in Libussa au (We ne 1810).
56 BRÜCKEN 27/1
Musäus, sonde n de on F an išek Bohumil Tomsa, de Übe se ze beim Böhmischen
Gube nium und mi meh als 200 Ti eln eine de „p oduk i s en Übe se ze on
olksau klä e ische und Un e hal ungsli e a u ins Tschechische“ (Pe bok 2015: 401)
wa . Um die Ve knüp ung zwischen de Vo lage und de schechischen Adap a ion
wei e zu komplizie en, ügen wi noch hinzu, dass Tomsa nich di ek on Musäus,
sonde n on dem deu schen Volksbuch Kneyßels ausging.– Beiden Tex en sind Aus‑
lassungen im Ve gleich mi de O iginal assung, Ähnlichkei en im Ti el (Mo i des
eise nen Tisches) und de selbe Un e i el („ las enská bácho ka dle s a obylé po ěs i“
[Tomsa o. J.: 1] sowie „eine a e ländische E zählung, neu bea bei e nach eine al en
Volkssage“ [Kneyßel 1838: 1]) gemeinsam.
Im Nachwo zum D ama Libušin soud [Libussas U eil] om Jah e 1861 spi z e
sein Au o Jose Václa F ič den Kon lik zwischen de deu schböhmischen und de
schechischen Da s ellung de my henha en Fü s in Libussa zu, die jeweils ande en
T adi ionen olg en, indem e sich ablehnend zum „českoněmecký šk á “ [deu sch‑
böhmischen Schund] äuße e, in dem „před ádí Libuši aVlas u, jak házejí s é ajné
milence zVyšeh adu, aPřemysla, jak skoumá s ou nas á ající ím, že jí klade o ázky
z yšší ma ema iky k ozluš ění“ [Libussa und Wlas a da ges ell we den, wie sie ih e
geheimen Gelieb en aus dem Vyšeh ad hinun e we en, und Přemysl, wie e seine
zukün ige Ehe au p ü , indem e sie komplizie e ma hema ische Au gaben lösen
läss ] (F ič 1861: 108 .). Das Beispiel mi dem ma hema ischen Rä sel s amm e abe
u sp ünglich nich aus de Fede eines deu schböhmischen Li e a en, sonde n aus
de schon zi ie en S elle de Musäus’ Mä chen (und auch aus dem D ama B en anos).
F ič e ausch e alle dings die Rollen de Haup helden. Es is nich Přemysl, sonde n
Libussa, we nach dem mä chenha en Schema ih e F eie p ü ([Musäus] 1784: 107 .).
F ičs Wo e ma kie en eine kla e T ennung de schechischen Kul u on de
mä chenha en Bea bei ung de böhmischen ‚Na ionalsagen‘, wie sie Musäus konzi‑
pie e. Diese seien mi de deu schsp achigen Kul u iden i izie und als emd und
unwü dig eingeschä z wo den. T o zdem wu de noch im Jah e 1894 das Volksbuch
Libuše aneb Pooběd ání na železném s ole [Libussa ode Das Mi agessen au dem Eisen‑
isch] neu he ausgegeben (Anonym 1894)– d. h. in demselben Jah , in dem Alois Ji ásek
die neue Syn hese de böhmischen Sagen S a é po ěs i české [Die al en Sagen Böhmens]
he ausgab, die als Schullek ü e die schechische na ionale Iden i ä un e de Jugend
e b ei en soll e. In Fo m on T i ialli e a u (mi ande en Dis ibu ionskanälen
und Modelllese n) wu den diese Tex e nich als Konku enz zu de sich wäh end des
19. Jah hunde s kons i uie enden schechischen na ionalen My hologie eingeschä z .
Es handel e sich jedoch um die le z e En wicklungsphase des Volksbuchs. Die asche
Ve b ei ung de Sagensammlung Ji áseks un e b ei en Volkslese schich en (G aus
1969: 843) d äng e die Sagen‑ und Mä chen ex e aus dem Angebo de Kolpo eu e
de billigen He e he aus.
T o zdem üh e diese s uk u elle Ve wandlung des Büche ma k s nich zu Ab‑
senz on Musäus in de schechischen Kul u . F ič sonde e zwa seine spiele isch
mä chenha e Schilde ung de Libussa ‑Sage aus dem schechischen Kon ex aus, bei
Rübezahl jedoch, den Ji ásek nich in die ‚Na ionalsagen‘ einge eih ha e, sah die
Si ua ion öllig ande s aus. In de schechischen Li e a u and de He sche des
Riesengebi ges ein daue ha es Leben in de Mä chen ‑Ga ung, in die e abe e s
30 Jah e nach de He ausgabe on Ge les pa io ische Sammlung um die Häl e des
57LADISLAV FUTTERA
19. Jah hunde s im We k Ma ěj Mikšíčeks eind ang. In diese Zei , im Kon ex des
Ausklangs des oman ischen Disku ses in de schechischen Li e a u , e lo die
Mä chen ‑Ga ung eine sei s ih e p ominen e S ellung im Rahmen de Na ionalli e‑
a u , es kam zu ih e P o anie ung, T i ialisie ung und zum eindeu igen Aus ich en
au die Jugend (Lange 1979: 501–506), ande e sei s wu de gleichzei ig die Da s ellung
des Riesengebi ges p o anie . Die massenha e P oduk ion de Kinde mä chen
übe Rübezahl, die genauso wie das Volksbuch cha ak e is ische Züge populä e /
i iale Li e a u au wies, e möglich e dann die He ausgabe on Nache zählungen
und Bea bei ungen de deu schsp achigen Mä chensammlungen. So kombinie e
Pa el Jose Šulc die e ein ach en Legenden übe Musäus’ Rübezahl (die in meh e e
Kapi el einge eil wu den) mi ande en deu schen Quellen ( . a. mi Mo i en aus den
Sammlungen de Rübezahl ‑Sagen on Paul Johannes P ae o ius aus de zwei en Häl e
des 17. Jah hunde s) und gab sie un e seinem eigenen Namen mi dem Ti el K akonoš.
Pán K konošském pohoří [Rübezahl. De He im Riesengebi ge] he aus (Šulc 1884).21
Ludmila G ossmanno á ‑B odská übe nahm dann einzelne Mo i e on Musäus und
aus ande en deu schen Mä chen und pass e sie an die böhmischen, besse gesag
schechischen Realien an (Jech 2008: 95 .). Solche Publika ionen un e schieden sich
im Allgemeinen nich on de Menge deu schsp achige Mä chend ucke, egal ob on
de böhmischen ode schlesischen Sei e de Be ge, die nich meh den pa io isch‑
‑na ionalen Zielen wie bei Ge le, sonde n den E olgsaussich en des Buches au dem
li e a ischen Ma k olg en.
FAZIT
In seine Typologie de sog. schechischen na ionalen Wiede gebu sp ach de sche‑
chische Li e a u his o ike Vladimí Macu a u. a. om „Synk e ismus“ und de „Übe ‑
agungscha ak e “ („překlado os “) de schechischen Kul u : eine sei s wu de sie
in ih em besch änk en, engen Ho izon on ih en Ak eu en als ein uns a i izie es,
ja soga gegen die inne e S a i ika ion kämp endes Ganzes angesehen, was u. a. auch
die noch nich au ge eil en Rollen au dem li e a ischen Feld und au den Ebenen des
li e a ischen Wi kens be a ; ande e sei s schöp e sie An egungen aus emden Kul‑
u en– mi de deu schen an de Spi ze, was die Rolle de Ve mi lungskul u be i –,
die ei und inno a i (kul u ell) übe se z , d. h. de spezi ischen, heimischen Si ua‑
ion angepass wu den (Macu a 1995: 14, 77 .). In diese S udie woll e ich zeigen, dass
man ähnliche Beobach ungen auch au die deu schböhmische Li e a u de Vo mä z‑
zei applizie en kann. Musäus’ Vo lage wa dazu geeigne , eine sei s in pa io isch
o ien ie en We ken, in (meis ens inszenie en) Sammlungen de Volksdich ung zu
wi ken, ande e sei s sowohl an dem Pol de hohen Li e a u als auch an dem Pol de
T i ialli e a u Wide hall zu inden. E s nach de Häl e des 19. Jah hunde s is die
inne e Au eilung und Hie a chisie ung des schechischen li e a ischen Scha ens
zu kons a ie en.22 In diesem Kon ex bleib die Rezep ion Musäus’ im schechischen
Sch i um nu au das Volksbuch und die Jugendli e a u besch änk .
21 Šulc e schwieg dabei nich , dass sein Buch aus Übe se zungen bes eh , seine Quellen gab e jedoch
nich an.
22 Vgl. am Beispiel de Theo ie des li e a ischen Feldes on Pie e Bou dieu H dina/F ánek (2019: 7) und
Fu e a (2019a: 102 .).
58 BRÜCKEN 27/1
Wie es o allem in seinen Falls udien nachzuweisen is , echne e Macu a bei
seinem Konzep mi b ei en Zusammenhängen zwischen de schechischen und
de deu schen Li e a u , mach e jedoch keinen kla en Un e schied zwischen dem
allgemeinen deu schsp achigen Sch i um und de deu schböhmischen Li e a u
(Macu a 1998: 90), de en Schöp e in di ek e Nähe zu den schechischen Au o en
s anden und de en beide Ne zwe ke sich dank de pa iellen Meh sp achigkei de
in ellek uellen Eli en soga eilweise übe lapp en. Das Ausmaß de gegensei igen Be‑
ziehungen und dynamischen Posi ionie ungen wu de an Beispielen aus den Be eichen
de populä en ode di ek i ialen Li e a u meh als deu lich, wobei man meine
Meinung nach au eine zu e ein achende Vo s ellung des einsei igen kul u ellen
T ans e s in die schechische Li e a u e zich en soll e– zuguns en eines Konzep s
on dynamische , meh sei ige kul u elle Übe se zung im b ei en Sinne, das sich
nich nu au die Suche nach den in de Übe se zung e lo en gegangenen Rüben des
He n om Riesengebi ge besch änk .
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