scieee Science in your language
[de] (orig)

Sprechgeschwindigkeit als Indikator der perzipierten Sprechflüssigkeit in Deutsch als Fremdsprache

Abstract

59

Read accessible full text

Sprechgeschwindigkeit als Indikator der perzipierten Sprechflüssigkeit in Deutsch als Fremdsprache

Author: Kovač, Mirjana M.
Publisher: Univerzita Karlova, Filozofická fakulta,Praha
Year: 2021
DOI: 10.14712/18059635.2021.1.3
Source: https://dspace.cuni.cz/bitstream/20.500.11956/125484/1/Mirjana_M_Kovac_59-73.pdf
Sp echgeschwindigkei als Indika o
de pe zipie en Sp ech lüssigkei
in Deu sch als F emdsp ache
Mi jana M.Ko ač (Uni e si ä Spli )
ABSTRACT
Speech a e as an indica o o pe cei ed luency in Ge man as o eign language
The aim o his a icle is o e alua e pe cei ed luency, which acco ding o esea ch esul s e e s
o he imp ession o he lis ene ha he psycholinguis ic p ocesses o language planning and lan-
guage p oduc ion wo k smoo hly and e icien ly, i.e. ha hese wo p ocesses can be pe o med by
speake s almos simul aneously. The speech a e, as ap edic o o pe cei ed luency, ela es o mea-
su able speed o spoken language and is iden i ied as he numbe o syllables pe uni ime. Ag oup
o 14 s uden s o Ge man (L2) a he Facul y o Philosophy in Spli ook pa in his s udy. The e-
sul s o he analysis show ha he speech a e in he p epa ed speech is app oxima ely nine pe -
cen highe han in he unp epa ed speech. Based on he da a, he e is asigni ican di e ence be-
ween he assessmen s o pe cei ed luency, i.e. he no es o he p epa ed speech a e signi ican ly
highe compa ed o he unp epa ed speech. The esul s ob ained could be explained by he p iming
e ec and, consequen ly, he educed cogni i e load. The conclusions o his s udy a e compa able
o p e ious s udies, in which he speech a e is men ioned as one o he mos impo an p edic o s
o pe cei ed luency.
KEYWORDS
pe cei ed luency, speech luency, speech p oduc ion, speech a e
ABSTRACT
Das Ziel dieses Bei ags is die Bewe ung on pe zipie e Sp ech lüssigkei , die sich lau Fo -
schungse gebnissen au den Eind uck de Zuhö e innen bezieh , dass die psycholinguis ischen P o-
zesse de Sp achplanung und de Sp achp oduk ion eibungslos und e izien unk ionie en, d. h.
dass diese beiden P ozesse on Sp eche innen nahezu gleichzei ig ausge üh we den können. Die
Sp echgeschwindigkei , als Indika o de pe zipie en Sp ech lüssigkei , bezieh sich au die mess-
ba e Schnelligkei gesp ochene Sp ache und wi d als Anzahl de Silben p o Zei einhei iden i i-
zie . Eine G uppe aus 14 Ge manis iks udie enden an de Philosophischen Fakul ä in Spli nahm
an diese Un e suchung eil. Die Sp eche innen üh en zwei un e schiedliche Sp echau gaben aus.
Die E gebnisse de Analyse zeigen, dass die Sp echgeschwindigkei in de o be ei e en Rede unge-
äh neun P ozen höhe is als in de un o be ei e en Rede. Au Basis de Da en wi d es ges ell ,
dass es einen signi ikan en Un e schied zwischen den Bewe ungen de pe zipie en Sp ech lüssig-
kei gib , d. h. die Bewe ungen ü die o be ei e e Rede sind signi ikan g öße im Ve gleich zu
un o be ei e en Rede. Die e hal enen E gebnisse könn en du ch den P iming-E ek 1 und olglich
die e inge e kogni i e Belas ung e klä we den. Die Schluss olge ungen diese Un e suchung
1 Sp achp oduk ionsp ozesse we den au g und s a ke Ve bindungen zwischen dem kon-
zep uellen Plan und den lexikalisch-g amma ikalischen Fo men beschleunig , die au -
g und de Ve au hei mi dem Inhal imme noch einen hohen G ad an assozia i e Ak-
i ie ung au weisen.
60 LINGUISTICA PRAGENSIA 1/2021
sind mi ühe en S udien e gleichba , in denen die Sp echgeschwindigkei als eine de wich igs-
en P ädik o en ü die pe zipie e Sp ech lüssigkei genann wi d.
SCHLÜSSELWÖRTER
pe zipie e Sp ech lüssigkei , Sp achp oduk ion, Sp ech lüssigkei , Sp echgeschwindigkei
DOI
h ps://doi.o g/10.14712/18059635.2021.1.3
1 EINLEITUNG
Die En wicklung de Sp ech lüssigkei is das ul ima i e Kommunika ionsziel in eine
F emdsp ache und implizie die Fähigkei , Sp achkenn nisse in einem Kommunika-
ionsak zu ak i ie en. Sp ech lüssigkei is im Gegensa z zu ande en Elemen en, die
zu den Sp achkenn nissen gehö en, ein Leis ungsphänomen, das au die e izien e und
unp oblema ische En al ung psycholinguis ische P ozesse de Sp achplanung und
Sp achleis ung hinweis . Dahe wi d sie als ein wich iges Feld in de F emdsp achen-
o schung e kann und die e ügba e Li e a u bie e uns e schiedene Bewe ungs-
me hoden, um sie zu de inie en. Demen sp echend un e scheiden die Fo sche innen
zwischen zwei Haup konzep ualisie ungen, d. h. sie ennen die Sp ech lüssig-
kei im wei e en on de Sp ech lüssigkei im enge en Sinne ab ( gl. Lennon 2000:
389). Die e s e implizie ein hohes Maß an allgemeine Sp achbehe schung, ein Be-
g i , de am häu igs en on F emdsp achenleh e innen e wende wi d, und da-
he wi d die Sp ech lüssigkei mi einem hohen Maß an Sp achkenn nissen gleich-
gese z . Au de ande en Sei e beinhal e Sp ech lüssigkei im enge en Sinne eine
aus eichende Sp echgeschwindigkei und ließende Sp ache ohne Ve zöge ungen.
In eine F emdsp ache können jedoch die an de Sp achp oduk ion und de
Sp ach e a bei ung be eilig en P ozesse (Konzep ualisie ung, Fo mulie ung, A i-
kula ion und Selbs -Übe wachung ( gl. Le el 1989: 9)) au g und unzu eichende
Au oma isie ung, Vokabula und G amma ik, beg enz e Au me ksamkei s essou -
cen und A bei sgedäch niskapazi ä no male weise nich pa allel ablau en, was zum
langsame en Sp echen üh mi häu ige en Pausen und Zöge n, weil die Sp eche-
innen zusä zliche Zei benö igen, um die Rede zu e a bei en. Dahe schein es ganz
na ü lich, dass das Sp echen in eine F emdsp ache meh kogni i e Ressou cen und
no wendige Planungsphasen e o de . Mi Sp ech lüssigkei wi d de Sp ach luss
besch ieben, d. h. wie eibungslos und lüssig sp achliche Äuße ungen he o ge-
b ach we den ( gl. Ho mann 2014: 60).
Nach Segalowi z (2010: 52) bezieh sich die Sp ech lüssigkei au die P ozedu a-
lisie ung und Au oma isie ung on lexikalischen Ab u , G amma ik- und A ikula-
ions egeln sowie au die e olg eiche Bewäl igung e schiedene Fo men on Ve -
zöge ungen, die du ch un e schiedliche konzep ionelle An o de ungen e u sach
we den. Segalowi z (2010; 2016) un e scheide zwischen den d ei Be eichen, die sich
au die Sp ech lüssigkei beziehen. De e s e Be eich de Sp ech lüssigkei , de ein
globales Maß ü die Sp ech lüssigkei da s ell , wi d als kogni i e Sp ech lüssigkei
MIRJANA M.KOVAČ 61
bezeichne . Sie zeige „die E izienz de Funk ionsweise de kogni i en Mechanismen,
die de Leis ung zug unde liegen“ ( gl. 2010: 202).
Die kogni i e Sp ech lüssigkei geh de Äuße ungssp ech lüssigkei (engl. u -
e ance luency) o aus, d. h. sie zeig au die Gesam e izienz de P ozesse, die an
de Sp achp oduk ion be eilig sind. Die Äuße ungssp ech lüssigkei is mi zei li-
chen Va iablen wie „Sp echgeschwindigkei “, „mi le e Äuße ungslänge“2, „Phonie-
ungs-Zei -Ve häl nis (Phonie ungszei /Gesam sp echzei )“,3 „A ikula ions a e“,4
s ille Pausen und de gleichen e bunden ( gl. Ko mos und Dénes 2004; P é on aine
2013; Gö z 2013). Dahe bezieh sich die Äuße ungssp ech lüssigkei au objek i e
und quan i izie ba e phone ische Messungen in de L2.5
Die d i e is die pe zipie e Sp ech lüssigkei ode die so genann e subjek i e
Meinung (U eil de Hö e innen) übe die Sp ech lüssigkei des Sp eche s. Sie kann
mi Lennons (1990: 397) Sich au die Sp ech lüssigkei in Ve bindung geb ach we -
den und besch eib sie als die einzige g ei ba e Sp ech lüssigkei ode die Sp ech-
lüssigkei im „Oh des Hö e s“.
Eines de Ziele dieses Au sa zes is es, einen komp imie en Übe blick übe die
bishe ige Fo schung de pe zipie en Sp ech lüssigkei zu geben, die lau Fo sche-
innen au dem Eind uck des Hö e s basie , dass die psycholinguis ischen P ozesse
de Sp achplanung und Sp achp oduk ion e izien unk ionie en. Obwohl es sich
um einen subjek i en Eind uck handel , weisen zahl eiche S udien da au hin, dass
eine Ko ela ion mi objek i en Sp echmessungen bes eh ( gl. Gö z 2013).
Die „Sp echgeschwindigkei “6 wi d als eine de bes en Pa ame e ü die Be-
u eilung de Sp ech lüssigkei in eine F emdsp ache angesehen (z. B.Ko mos und
Dénes 2004: 154). Die Sp echgeschwindigkei wi d als messba e Geschwindigkei au -
ge ass , die in e schiedenen Einhei en (z. B.Lau e, Silben, Wö e ode Mo pheme
p o Sekunde) ausged ück we den kann. Die „Sp echzei “ schließ alle sp achlichen
Elemen e inne halb eine Äuße ung ein.
Im Ve gleich zu Sp echgeschwindigkei in de Mu e sp ache nimm die Sp ech-
geschwindigkei in eine F emdsp ache ab, au g und on Einsch änkungen bei de
Sp ach e a bei ung, Dekodie ung und dem Ab u en phonologische In o ma ionen
ode Schwie igkei en bei de A ikula ion ode eine Kombina ion de oben genann-
en G ünde (Mun o und De wing 2001).
Rei b ech (2017: 97) bie e einen de aillie en Ve gleich e schiedene S udien
zu Sp eche innen in ih e L1 und ih e L2 als auch Ve gleichsko po a mi L1 und
2 Sp echabschni e, die ohne Pausen gesp ochen we den ( gl. Towell e al. 1996: 91).
3 Das Ve häl nis on Phonie ungszei und Gesam sp echzei wi d als P ozen sa z de Zei
be echne , die zum Sp echen benö ig wi d, als An eil de Gesam zei , die zum E s ellen
de Äuße ung benö ig wi d ( gl. Towell e al. 1996: 91).
4 Die A ikula ions a e is ein Maß ü die Sp echgeschwindigkei , bei de alle Pausen on
de Be echnung ausgeschlossen sind ( gl. Ko mos und Dénes 2004: 151).
5 Nach Segalowi z (2010: 2) wi d jede Sp ache nach de e s en (L1), einschließlich de zwei-
en, d i en, ie en usw., als L2 bezeichne .
6 Die Beg i e Sp ech a e, Tempo, Geschwindigkei und Schnelligkei sollen o e s syno-
nym geb auch we den.
62 LINGUISTICA PRAGENSIA 1/2021
L2 Sp eche innen eine konk e en Sp ache. Mi elwe s e gleiche on Sp ech- und
A ikula ions a en in de L1 und L2 zeigen ge inge e We e ü das Sp echen in de
F emdsp ache. Bei de Beu eilung de Sp echgeschwindigkei wi d eine nied ige e
Sp echgeschwindigkei häu ig als eines de Hinde nisse ü die Ve s ändlichkei des
gesp ochenen Ausd ucks (Mun o und De wing 2001) und als Quelle on S e eo ypen
gegenübe Sp eche innen eine F emdsp ache ange üh (Zuengle 1988). Požgaj
Hadži e al. (2012: 98) kommen zu dem Schluss, dass die Sp ech lüssigkei in e s e
Linie on de Behe schung de Sp ache, abe auch on den kogni i en Fähigkei en
abhäng , d. h. ein komplexe e Disku s üh zu eine langsame en Sp echgeschwin-
digkei .
In de Fo se zung de A bei we den die E gebnisse zu den Un e schieden in
de Sp echgeschwindigkei zwischen de L1 und de L2 be ei ges ell , die ü das
Ve s ändnis de Beziehung zwischen de Sp echgeschwindigkei und pe zipie e
Sp ech lüssigkei wich ig sind. Hincks (2005) e gleich die Sp echgeschwindigkei
on ün schwedischen S udie enden, die einen Ku s im echnischen Englisch be-
suchen und die e schiedene Inhal e in Englisch und ih e Mu e sp ache (Schwe-
disch) p äsen ie en. Hincks komm zu dem Schluss, dass die P obandinnen 20%
schnelle in ih e Mu e sp ache sp echen im Ve gleich zum Sp echen au Englisch
(L2). Die Fo sche in wi eine wich ige F age au , wie sich die Sp echgeschwindig-
kei au den E olg de P äsen a ion au Englisch bezieh , da es den Sp eche innen
in de F emdsp ache aus G ünden de o gesehenen P äsen a ionszei nich geling ,
die beabsich ig e Mi eilung zu e mi eln. Hincks (2010) e ö en lich eine wei e e
S udie, in de sie neben de Sp echgeschwindigkei auch die Auswi kungen eine
ge inge en Sp echgeschwindigkei au die Fähigkei de Sp eche innen zu In o -
ma ions e mi lung un e such . Sie s ell es , dass die Sp echgeschwindigkei in
Englisch um 23% nied ige is als in Schwedisch und dass de In o ma ionsgehal
on P äsen a ionen in Englisch e heblich eduzie is , wobei die P äsen a ionszei en
ü beide Sp achen gleich sind.
In eine ande en Fo schung analysie Ai ey (2010) die Fähigkei on 21 S udie-
enden, wissenscha liche Konzep e in ih e Mu e sp ache und in englische Sp a-
che mündlich zu besch eiben und zu e klä en. Sie s ell es , dass die S udie enden
um 45% ge inge e Sp echgeschwindigkei und um 33% kü ze e mi le e Äuße ungs-
länge in de F emdsp ache au weisen.
Im Gegensa z zu den meis en ühe en A bei en, in denen P obandinnen die
S udie enden sind, un e suchen Thoge sen und Ai ey (2011) die Auswi kungen de
Sp echgeschwindigkei in eine F emdsp ache au die Ve mi lung des Inhal s eine
Leh e o lesung. Sie s ellen es , dass die Leh e innen 22% meh Zei benö igen, um
denselben Inhal in eine F emdsp ache zu p äsen ie en als in de Mu e sp ache.
Die nied ige e Sp echgeschwindigkei is mögliche weise ein Fall on Publikums-
ges al ung (Anpassung) gegenübe den S udie enden. Auße dem sp echen F emd-
sp achenleh e innen in eine F emdsp ache 23% langsame und e wenden dabei
einen o melle en S il im Ve gleich zu dem S il in de Mu e sp ache.
Eine de e s en Ve suche, eine Reihe messba e Pa ame e zu en wickeln, die als
Indika o en ü die pe zipie e Sp ech lüssigkei dienen könn en, is eine S udie on
Lennon aus dem Jah 1990. De Au o weis au die heo e ischen und p ak ischen
MIRJANA M.KOVAČ 63
Vo eile de En wicklung solche Va iablen hin. Theo e isch soll e die Iden i izie-
ung on messba en Flüssigkei sma ke n, die die Wah nehmung de Hö e innen
am meis en beein lussen, das Ve s ändnis de En wicklung on Sp achkompe enz
e besse n.
Die e s e um assende S udie zum Zusammenhang zwischen Messungen de Äu-
ße ungssp ech lüssigkei und de pe zipie en Sp ech lüssigkei wi d on Cucchia-
ini e al. (2002) an eine espek ablen S ichp obe on 57 Sp eche innen du chge-
üh , die Niede ländisch als F emdsp ache sp echen. Das Haup ziel ih e Fo schung
bes and da in, zu bes immen, inwiewei objek i e Messungen mi de pe zipie en
Sp ech lüssigkei , d. h. mi den Bewe ungen kompe en e P ü e innen, zusam-
menhängen, um geeigne e Tes s ü die Beu eilung de Sp achkompe enz zu en -
wickeln, de en E gebnisse au indi iduellen Va iablen basie en wü den. Cucchia ini
e al. (2002: 2872) deu en da au hin, dass eine s ä ke e Ko ela ion de pe zipie en
Sp ech lüssigkei mi den olgenden Va iablen bes eh : Sp echgeschwindigkei , Pho-
nie ungszei /Gesam sp echzei , Anzahl de s illen Pausen p o Minu e, Gesam daue
de s illen Pausen p o Minu e und mi le e Äuße ungslänge. Au de ande en Sei e
bes eh kein signi ikan e Zusammenhang in Bezug au die A ikula ionsgeschwin-
digkei und die mi le e Daue de s illen Pause. Sie un e s eichen, dass die Sp ech-
geschwindigkei ein äuße s wich ige Pa ame e is , da sie beide Komponen en, die
A ikula ions a e sowie die Pausen de Sp eche innen, mi einande e binde . In
ih e S udie ko elie die Sp echgeschwindigkei signi ikan mi de Bewe ung de
Sp ech lüssigkei on Mu e sp achle n bei Leseau gaben und bei spon ane Sp ache.
De wing e al. (2004) un e suchen, ob die Bewe ungen on Sp achkenn nissen
au nied ige em Ni eau in de L2 basie end au eine S ichp obe on 28 S udie en-
den mi Messungen de pe zipie en Sp ech lüssigkei ko elie en. Sie geben an, dass
ein e olg eiche P ädik o ü die pe zipie e Sp ech lüssigkei die „beschni ene“
Sp echgeschwindigkei 7 is , wäh end das Maß mi de ge ings en Ko ela ion die An-
zahl de Wiede holungen p o Sekunde is . De Jong e al. (2013) sowie Boske e al.
(2013) kommen zu übe aschenden E kenn nis, dass die Bewe e innen as genauso
emp indlich ü Sp echko ek u en wie ü Geschwindigkei s a iablen sind, obwohl
die Ko ek u a iablen als P ädik o en ü die pe zipie e Sp ech lüssigkei im Ve -
gleich zu Geschwindigkei s a iablen einen signi ikan ge inge en Ein luss haben.
Ko mos und Dénes (2004: 161) sind eben alls de Ansich , dass die Sp echge-
schwindigkei ein gu e P ädik o ü die pe zipie e Sp ech lüssigkei is , obwohl
sie angeben, dass die mi le e Äuße ungslänge ein besse e P ädik o ü die pe zi-
pie e Sp ech lüssigkei is . Ullakonoja (2009) behaup e , dass die Sp echgeschwin-
digkei ein besse e Indika o ü die pe zipie e Sp ech lüssigkei als die A ikula-
ionsgeschwindigkei in de F emdsp ache is , da die le z e e als Quo ien aus de
Anzahl de Wö e ode Silben und de Sp echzei e hal en wi d, jedoch ohne Pausen
zwischen den Äuße ungen, die die pe zipie e Sp ech lüssigkei e heblich beein lus-
sen. Die Sp echgeschwindigkei is ein gu e Indika o ü die Gesam leis ung de
7 Die unbeschni ene Sp echgeschwindigkei : Gesam zahl de Silben/Minu e; die beschni -
ene Sp echgeschwindigkei : Gesam zahl de p oduzie en Silben ohne Wiede holungen,
Repa a u en und Neus a s/Minu e ( gl. De wing e al. 2004: 672).

64 LINGUISTICA PRAGENSIA 1/2021
Sp eche innen, mi ande en Wo en, je kü ze die Pausen und je länge die Äuße-
ungslänge sind, des o meh Wö e p o Minu e we den p oduzie (Gö z 2013).
P é on aine und Ko mos (2016) un e suchen die quali a i en Aspek e de
Sp ech lüssigkei . Die Au o innen üh en die S udie an eine S ichp obe on ie -
zig e wachsenen anzösischle nenden Schüle n du ch, um anhand de quali a i en
Kommen a e de d ei Hochschulleh e Fak o en zu e mi eln, die ih e Einschä zung
de Sp ech lüssigkei de Be ag en s a k beein lussen. Sie inden die olgenden Va-
iablen als die wich igs en: Sp echgeschwindigkei , mi le e Äuße ungslänge, s ille
und ge üll e Pausen, lexikalische Viel al , Ko ek u en, E izienz/Leich igkei bei de
Wo wahl, Rhy hmus und P osodie. Die gesammel en quali a i en Da en zeigen, dass
die Sp echgeschwindigkei ein he aus agende P ädik o ü die pe zipie e Sp ech-
lüssigkei is , dass ih e Beziehung jedoch nich linea is , d. h. dass bei mode a en
Sp ech empo8 eine op imale Ve s ändlichkei e ziel wi d.
Yu und an Heu en (2017) e ö en lichen eine A bei au dem Gebie de Übe -
se zung, in de sie un e ande em un e suchen, ob die pe zipie e Sp ech lüssigkei
du ch Messungen akus ische G ößen au einem Compu e o he gesag we den
kann. De bes e P ädik o is die beschni ene Sp echgeschwindigkei . Ande e Va-
iablen, die die pe zipie e Sp ech lüssigkei gemäß den E gebnissen diese S udie
gu o he sagen, sind die mi le e Äuße ungslänge, Phonie ungszei /Gesam sp ech-
zei und die unbeschni ene Sp echgeschwindigkei . Yu und an Heu en (2017) be-
onen, dass das Sp ech empo als zei liche Sp ech a iable indi ek au den G ad de
Kon olle de Sp eche übe ih Sp achwissen und die Gesam e izienz und Au o-
ma isie ung alle an de Sp achp oduk ion be eilig en Mechanismen e weis . In
ähnlichen S udien zu pe zipie en Sp ech lüssigkei s ellen Ko mos und Dénes
(2004) und Gö z (2013) eben alls es , dass die A ikula ionsgeschwindigkei nich
mi einem höhe en G ad an pe zipie e Sp ech lüssigkei e bunden is , im Gegen-
sa z zu Sp echgeschwindigkei , die au eine s ä ke e Wah nehmung de Sp ech-
lüssigkei hinweis .
In eine um ang eichen S udie analysie Sand a Rei b ech ( gl. 2017: 13) die
Fachli e a u zu Zöge ungsphänomenen und komm zu dem Schluss, dass es hin-
sich lich de pe zipie en Sp ech lüssigkei in Deu sch als F emdsp ache kaum Be-
unde gib . In ih e Fo schung wi d die Bedeu ung de Zöge ungssphänomene ü
den Sp eche ek in de F emdsp ache Deu sch in eine Sp ech-/Rezep ionssi ua ion
mi L2-Sp eche innen und L1-Hö e innen on Deu sch un e such . In einem Da en-
ko pus mi zwöl anzösischen und zwöl schechischen Deu schs udie enden e -
mi el sie die spezi ischen Zöge ungsp o ile. Es we den d ei Aspek e un e such ,
nämlich die Beu eilung de Sp eche innen, die Wah nehmung s ö ende Me kmale
8 Bei de gesp ochenen Sp ache un e scheiden wi „mi le es Tempo“, „e höh es Tempo“,
„deu lich e höh es Tempo“ e c. Anna Schwenke (2020, siehe Kap. 2.2) gib ein mode a-
es Sp ech empo (4,8 bzw. 4,9 Silben p o Sekunde) an. Die übliche Sp echgeschwindig-
kei on z. B.Radionach ich en be äg maximal 5 Silben p o Sekunde. Die Zuhö e innen
b auchen Zei , um die In o ma ionen zu e s ehen. Demensp echend soll e die Sp ech-
geschwindigkei a iie we den je nach inhal liche Wich igkei und Neuigkei eine In-
o ma ion.
MIRJANA M.KOVAČ 65
und die Wah nehmung des emden Akzen s. Die E gebnisse ih e S udie zeigen,
dass o allem hohe Sp echgeschwindigkei und kü ze e Pausen mi einhei liche
posi i en Bewe ungen e bunden sind (2017:217).
Die o liegende Fo schungsa bei soll e dahe meh Da en zu pe zipie en
Sp ech lüssigkei in Deu sch als F emdsp ache lie e n. Die olgenden Fo schungs-
agen we den be ücksich ig : i. Gib es Un e schiede in de Sp echgeschwindigkei
zwischen zwei e schiedenen Sp echau gaben? ii. Gib es signi ikan e Un e schiede
in den Bewe ungen zwischen den beiden Au gaben? Die olgenden Hypo hesen we -
den gemäß den ges ell en F agen o mulie :
1. Die Sp echgeschwindigkei wi d in de o be ei e en Rede signi ikan höhe
sein. Dies geschieh au g und de eduzie en Ve ah ensan o de ungen au
de Konzep ualisie ungsebene und du ch das Bes ehen s a ke Ve bindungen
zwischen allen Ebenen de Sp achp oduk ion, die au g und de Ve au hei
mi de o be ei e en Sp ache einen hohen Ak i ie ungsg ad au weisen.
2. Die Bewe e innen we den die o be ei e e Rede au g und de e höh en
Sp echgeschwindigkei als ließende pe zipie en.
2 METHODEN DER FORSCHUNG
Basie end au den Schluss olge ungen au gabenbasie e S udien wu den zwei Au -
gaben ausgewähl , um die Un e schiede in de Sp echgeschwindigkei sowie die pe -
zipie e Sp ech lüssigkei anhand de Bewe ungen on zwei Deu schleh e innen zu
un e suchen.
Die G uppe on Be ag en bes and aus 14 Ge manis iks udie enden (12 S uden in-
nen und 2 S uden en), Du chschni sal e 19, de en L1 K oa isch is , an de Philoso-
phischen Fakul ä in Spli . Die Au nahmesi ua ion wa so angeleg , dass die Leh e in
die Ein e s ändnise klä ung einhol e und das Ziel und Ve wendung de Au nahmen
da leg e. Die Au nahmen anden im Somme semes e 2018 s a . Basie end au ei-
nem In e iew, das de Au nahme o ausging, gaben alle Be ag en an, dass sie in
de G undschule und/ode im Gymnasium Deu sch gele n ha en. Nu eine Be ag e
leb e ün Jah e lang im deu schsp achigen Raum. Alle dings wu de kein Tes du ch-
ge üh , um die Deu schkenn nisse zu bewe en. Es wu de jedoch e wa e , dass die
S udie enden das B1-Ni eau als no wendige Vo ausse zung ü die Einsch eibung in
das S udienp og amm e eich haben.
Die Be ag en wu den gebe en, zwei Sp echau gaben zu e ledigen. Die e s e
Sp echau gabe um ass e Inhal e, die in den egulä en Vo lesungen und Semina en
de Leh e ans al ung Ein üh ung in die Rhe o ik behandel wu den ( o be ei e e
Rede). Es wu de demen sp echend angenommen, dass die Be ag en mi den Inhal-
en de ges ell en F agen e au wa en und o be ei e zu Au nahme kamen. Es
wu den F agen zu e schiedenen Themen ges ell , wie z. B.Sp ech ähigkei en, e ek-
i e Me hoden zu Ve besse ung de Sp ech lüssigkei und de gleichen.
Die zwei e Au gabe bes and in de Bean wo ung on F agen zu all äglichen Ak-
i i ä en (un o be ei e e Rede), wie zum Beispiel F agen übe Familie, Hobbys, das
66 LINGUISTICA PRAGENSIA 1/2021
S udium und de gleichen. Im Ve gleich zu e s en Au gabe sind die Sp eche innen
in de zwei en Au gabe nich mi dem Inhal de F agen e au , abe die F agen
sind so konzipie , dass die Sp eche innen mi dem Wo scha z einschließlich hoch-
equen e Wö e und o melha e Ausd ücke ela i e au sind. Mi ande en
Wo en, in de e s en Au gabe haben die S udie enden übe achliche Themen und
in de zwei en Au gabe übe All ags hemen gesp ochen. In de e s en Au gabe ging
es zwa um ein o he bekann es Thema, abe nich um eine o be ei e e Rede im
Sinne eines o be ei e en komple en Tex es (z. B. in Fo m eines Re e a s ode eine
P äsen a ion).
Die P obandinnen saßen wäh end de Au nahme an einem Tisch und das Audio-
au nahmege ä s and wäh end de Au zeichnung o den Teilnehme innen au dem
Tisch. Inhal liche In o ma ionen wu den e s nach de Du ch üh ung gegeben, um
das Sp ech e hal en nich zu beein lussen. Auße dem wu den sie auch da übe in-
o mie , dass sie wäh end de Au nahme keine F agen s ellen dü en. Die Tonau -
nahmen wu den in eine seh in o mellen Umgebung im Klassen aum de Fakul ä
du chge üh .
Zwei Deu schleh e innen wu den gebe en, die Sp ech lüssigkei de Sp echp o-
ben zu beu eilen und ih e allgemeinen Eind ücke da on zu e mi eln, wie lüs-
sig die Reden sind. Eine de Deu schleh e innen ha die S udie enden o he nich
gekann . Nach dem Anhö en de Sp echp oben üll en sie einen F agebogen aus.
Die quan i a i en und quali a i en Me kmale de No en wa en: 1— seh s ockend,
2— s ockend, 3— wede lüssig noch s ockend, 4— lüssig und 5— seh lüssig.9 Die
Leh e innen wu den auch gebe en, Kommen a e au zusch eiben zu Au üh ung
un e Be ücksich igung de Sp echgeschwindigkei , Pausen und Zöge n, d. h. de
Pa ame e , die zu ih e Gesam no e bei ugen.
Das PRAAT Sc ip (Boe sma und Weenink 2017) wu de e wende , um die Audio-
au nahmen zu analysie en, ein P og amm, das Sp ech luss a iablen ü Fo schungs-
zwecke au oma isch miss . P é on aine (2010) e wende das PRAAT Sc ip , um au-
oma isch das Ve häl nis on Phona ion und Sp echzei , die Anzahl de Silben p o
Sekunde und ande e Sp ech a iablen zu messen. Ih e Fo schung is wich ig, weil
sie einen de e s en Ve suche da s ell , die Sp echgeschwindigkei au oma isch zu
messen, um Sp echau gaben ü pädagogische Zwecke zu bewe en. Eine wich ige
Schluss olge ung ande e S udien is , dass die e hal enen E gebnisse au eine s a ke
Ve bindung hinweisen zwischen den PRAAT-Messungen de zei lichen Sp ech lüs-
sigkei und de pe zipie en Sp ech lüssigkei , die au de In e p e a ion de Da en
du ch die Bewe e innen basie ( gl. De Jong e al. 2013).
Die Sp echgeschwindigkei wu de in Silben p o Sekunde gemessen. Die Sp ech-
zei schließ alle sp achlichen Elemen e inne halb eine Äuße ung ein. Dazu zählen
das Sp echma e ial inklusi e de da in en hal enen Zöge ungspausen, Dehnungen
und de gleichen.
9 Das Bewe ungssys em in K oa ien is das Gegen eil des deu schen Sys ems. Im k oa i-
schen Sys em is 1 die schlech es e No e, wäh end 5 die bes e No e is .
MIRJANA M.KOVAČ 67
3 ERGEBNISSE
Tabelle 1 zeig die Sp echgeschwindigkei ü alle P obandinnen. Es is e sich lich,
dass die P obandinnen in de un o be ei e en Rede e wa 2,61 Silben und in de o -
be ei e en Rede 2,85 Silben p o Sekunde p oduzie en.
Sp eche /in
Un o be ei e e Rede Vo be ei e e Rede
Sp echgesch.
[Silben/ Sekunde]
Subj.
Flϋss.1
Subj.
Flϋss.2
Sp echgesch.
[Silben/ Sekunde]
Subj.
Flϋss.1
Subj.
Flϋss.2
12,94 3 3 3,46 4 4
23,50 4 4 3,93 5 5
33,00 3 3 2,19 3 3
42,15 1 1 1,71 2 2
53,17 3 4 3,02 3 4
62,95 2 2 2,54 3 3
72,52 2 2 2,97 3 3
82,11 2 2 1,99 4 3
92,64 3 3 2,84 3 3
10 2,46 3 3 3,10 3 3
11 1,98 3 3 2,54 4 4
12 1,94 2 3 2,89 3 4
13 3,44 3 3 3,98 4 4
14 1,79 1 1 2,70 2 3
Mi elwe 2,61 2,50 2,64 2,85 3,29 3,43
Tabelle 1:Sp echgeschwindigkei und die Bewe ungsno en ü jeden P obanden
Nach den E gebnissen des Shapi o-Wilk-Tes s (W=0,932, p=0,326), gib es keine aus-
eichenden Beweise da ü , dass die Ve eilung de Un e schiede zwischen Paa en
signi ikan on de No mal e eilung abweich . Dahe wi d de pa ame ische -Tes
ü abhängige P oben e wende . De e hal ene p-We zeig an, dass es keinen sig-
ni ikan en Un e schied in de Sp echgeschwindigkei zwischen de e s en und de
zwei en Au gabe gib ( =1,632, d =13, p=0,127). De e hal ene Un e schied is s a is-
isch nich signi ikan , was au die ge inge S ichp obeng öße (N=14) zu ückzu üh-
en sein kann.
Die da ges ell e Tabelle 1 en häl Auskun übe die S ichp obenpa ame e , die
sich au die No en de e s en und zwei en Sp echs ichp obe beziehen, die on de
e s en Deu schleh e in begu ach e wu den. Es äll au , dass die Du chschni s-
no e ü die un o be ei e e Rede 2,5 be äg , wäh end sie ü die o be ei e e as 3,3
be äg .
Das Vo handensein eines s a is isch signi ikan en Un e schieds zwischen den
Bewe ungen de beiden Sp echp oben de e s en Leh e in wu de un e Ve wen-
dung des nich pa ame ischen Mann-Whi ney-U-Tes s ge es e , ü den keine
No mali ä sannahme e o de lich is . Hie aus e gib sich, dass es einen s a is isch