scieee Science in your language
[de] (orig)

‚Konservative Revolution‘ transnational? Der Kulturbund und die Europäische Revue als Intellektuellennetzwerke der Zwischenkriegszeit

Abstract

59

Read accessible full text

‚Konservative Revolution‘ transnational? Der Kulturbund und die Europäische Revue als Intellektuellennetzwerke der Zwischenkriegszeit

Author: Heise, Tillmann
Publisher: Univerzita Karlova, Filozofická fakulta,Praha
Year: 2022
Source: https://dspace.cuni.cz/bitstream/20.500.11956/177948/1/Tillmann_Heise_59-76.pdf
‚Konse a i e Re olu ion‘ ansna ional?
De Kul u bund und die Eu opäische Re ue als
In ellek uellenne zwe ke de Zwischenk iegszei
Tillmann Heise– Rup ech ‑Ka ls ‑Uni e si ä Heidelbe g
ABSTRACT
‘Conse a i e Re olu ion’ ansna ional? The Kul u bund and he Eu opäische Re ue
as in ellec ual ne wo ks o he in e wa pe iod
This a icle examines he Kul u bund and he Eu opäische Re ue, an associa ion and ajou nal
ha we e o cen al impo ance o he an i ‑libe al discou se on Eu ope in he in e wa
pe iod. Using an in ellec ual ‑his o ical app oach, he s udy analyses how he wo ini ia i‑
es, which we e ounded ou o adecidedly ‘conse a i e ‑ e olu iona y’ Wel anschauung,
de eloped an in ellec ual and social adiance o Eu opean ange in he 1920s. The pape
ocuses on bo h ideological and pe sonal cons ella ions o he ne wo ks, which a leas
empo a ily anscended he poli ical ‑ideological bounda ies o he in e wa pe iod.
KEYWORDS
discou se on Eu ope; in ellec ual his o y; ‘Conse a i e Re olu ion’; in e wa pe iod;
ne wo ks; cul u al jou nals
Das Thema Eu opa ha e in den 1920e und ‑30e Jah en Hochkonjunk u . Nach de
his o ischen Zäsu des E s en Wel k iegs en al e e sich insbesonde e in den neu‑
en Republiken in Deu schland und Ös e eich ein i ale , mul idisziplinä e und
poli isch ‑wel anschaulich polymo phe ö en liche Eu opa ‑Disku s, de die epochale
K isene ah ung am Ende des ‚langen 19. Jah hunde s‘ iels immig e lek ie e. Auch
e liche Sch i s elle be eilig en sich in de Funk ion ö en liche In ellek uelle
an diesem Disku s. Ih zen ales Publika ionso gan wa mi de Eu opäischen Re‑
ue die „bedeu ends e deu schsp achige Eu opazei sch i de Zwischenk iegszei “
(Mülle 1996: 162),1 die in de li e a his o ischen Ge manis ik bislang wei gehend
unbe ücksich ig blieb.2 In diese zwischen 1925 und 1944 mona lich e schienenen
Rundschauzei sch i üh en deu schsp achige Au o en wie Thomas Mann, Hugo
on Ho manns hal, Go ied Benn, Kasimi Edschmid ode Jakob Wasse mann ge‑
meinsam mi eu opäischen Sch i s elle ‑In ellek uellen wie And é Gide, Paul Valé y,
T.S. Elio ode José O ega y Gasse einen ansna ionalen In ellek uellen ‑Disku s übe
die Gegenwa und Zukun Eu opas.
1 Zu Eu opäischen Re ue siehe Bock (1999), Paul (2003), Mülle (2005).
2 Eine Ausnahme bilde U álek (2021).
60 BRÜCKEN 29/1
Viele Re ue ‑Au o en wa en zugleich Mi gliede ode Assoziie e des mi de Zei ‑
sch i eng e zahn en, eu opäischen In ellek uellenne zwe kes Kul u bund (1922–
1934). Mi in ellek uellem Di ek aus ausch, egelmäßigen Vo ägen und Kong essen
bilde e de Kul u bund insbesonde e im deu schsp achigen Raum ein G a i a ions‑
zen um des g enz‑ und disziplinenübe g ei enden Eu opa ‑Disku ses (Mülle 2005).
An ihm be eilig en sich neben e lichen Sch i s elle n auch namha e Ve e e aus
de Poli ik, zum Beispiel Kon ad Adenaue ode de ös e eichische Bundeskanzle
Ignaz Seipel, zahl eiche Hochschulleh e , da un e E ns Robe Cu ius, F ied ich
Gundol , C.G. Jung, Max Schele und Al ed Webe , sowie mi E ich Wol gang Ko ngold,
Wilhelm Fu wängle und Max Beckmann p ominen e Ve e e aus dem Be eich de
Musik und de bildenden Kuns .
Mi ‚Eu opa‘ e banden iele In ellek uelle in de Eu opäischen Re ue und im Kul u ‑
bund abweichend om heu e gängigen Beg i s e s ändnis nich libe ale und plu alis i‑
sche Vo s ellungen, sonde n o mulie en ih e Eu opa ‑En wü e in F on s ellung dazu:
Sie a o isie en beispielsweise soziokul u elle und kon inen ale „O dnungen de
Ungleichhei “ (B eue 2001), wiesen die Eu opa ‑Pläne des Völke bundes als ‚wes lich‘
zu ück, o ien ie en sich adi ionss i end am Heiligen Römischen Reich Deu sche
Na ion ode liebäugel en in Reak ion au die wissenscha liche „En zaube ung de
Wel “ (Max Webe ) und die unk ionale Ausdi e enzie ung de mode nen Massen‑
gesellscha mi eine Wiede belebung eligiöse Wel deu ungen und soziale Bin‑
dungen.3 Diese aus heu ige Sich iel ach e s iegenen Eu opa ‑En wü e lassen sich
g ob un e dem Obe beg i ‚an ilibe al‘ subsumie en und poli isch ‑ideologisch im
polymo phen ‚ ech en‘ Spek um de Weima e und E s en Republik e o en (B eue
2010). Sie augen ausd ücklich nich zu Iden i ika ion ü ein Eu opa de Gegen‑
wa , sind als in eg ale Bes and eil des poli ischen, in ellek uellen und li e a ischen
Eu opa ‑Disku ses de Zwischenk iegszei abe on (li e a ‑)his o ische Rele anz.
An diese S elle seien einige e minologische und me hodologische E läu e ungen
o weggeschick : Wenn im Folgenden on An ilibe alismus die Rede is , insinuie
dies keine Vo s ellung eine homogenen wel anschaulichen S ömung. Die Ka ego ie
‚an ilibe al‘ o ien ie sich wede an einem no ma i en Me kmalska alog noch an de
Quellensp ache, sonde n is in Anlehnung an Die e Gosewinkel (2012) heu is isch
mo i ie : Sie mach als Analyseka ego ie Posi ionen g ei ‑ und besch eibba , die sich
im zei genössischen Eu opa ‑Disku s gegen als ‚libe al‘ ma kie e Übe zeugungen
in S ellung geb ach haben, also eine bes imm e poli isch ‑wel anschauliche S oß‑
ich ung implizie en, ohne deswegen un e einande iden isch zu sein. Vielmeh soll
ge ade die Di e si ä und mi un e die Wide sp üchlichkei an ilibe ale Eu opa‑
Vo s ellungen sich ba gemach we den. Zugleich wi d in Rechnung ges ell , dass
es einen einhei lichen (An i‑)Libe alismus de Zwischenk iegszei nich gegeben
ha , und die G enzen zwischen aus heu ige Sich libe alen und an ilibe alen Ideen
o mals ließend wa en (F eeden 2015; Hacke 2018).
Ähnlich ambi alen p äsen ie sich das S ichwo ‚Konse a i e Re olu ion‘, das
sich als ideengeschich liche Sammelbezeichnung ü ech sin ellek uelle S ömun‑
3 Die his o ische Fo schung zu an ilibe alen Eu opa ‑En wü en ha sich maßgeblich e s in den le z en
20 Jah en en al e , da un e El e (1999), Conze (2005), Mülle (2005), die Bei äge in Gosewinkel
(2012; 2015) und Gusejno a (2016).
61TILLMANN HEISE
gen de Weima e Republik e ablie ha . Insbesonde e S e an B eue ha in seinen
zahl eichen A bei en nachgewiesen, dass die poli isch ‑wel anschauliche Gemenge‑
lage, die sich hin e dem Syn agma ‚Konse a i e Re olu ion‘ au ü m , im G unde
iel zu di e s is , um on eine einhelligen Bewegung zu sp echen (B eue 1993;
2001; 2010). Ziel dieses Au sa zes kann es demnach nich sein, ein einhei liches, sich
übe ganz Eu opa e s eckendes In ellek uellenmilieu ‚Konse a i e Re olu ionä e‘
aus indig machen zu wollen. Vielmeh geh es da um, anhand des Kul u bundes und
de Eu opäischen Re ue zu zeigen, wie ein Ve ein und eine Zei sch i , die aus eine
dezidie konse a i ‑ e olu ionä en Wel anschauung he aus geg ünde wu den,
eine in ellek uelle S ahlk a on eu opäische Reichwei e en al en konn en. De
Kul u bund und die Re ue we den in diesem Sinne als in ellek uellengeschich liches
und ‑soziologisches Phänomen pe spek i ie .
4
Dadu ch soll auch de bishe übe ‑
wiegend ideengeschich liche Blick au den Ve ein und die in de Zei sch i e ‑
handel en Posi ionen e wei e und de Disku s an seine his o ischen Ak eu e und
Ak ions o men ückgebunden we den.
Konk e geh diese Au sa z in d ei Sch i en o : Zunächs soll de Kul u bund
skizzena ig im Spek um in ellek uelle Ve gemeinscha ung de Zwischenk iegs‑
zei e o e we den (1.), be o sich das Augenme k au konk e e Fo men de T ans‑
na ionalisie ung on Disku s äumen und In ellek uellenmilieus ich e : Dazu ücken
eine sei s das Au o enp o il und edak ionelle P ak iken de Eu opäischen Re ue in
den Fokus (2.), ande e sei s we den am konk e en Beispiel des Kul u bundkong esses
1926 in Wien die pe sonellen und wel anschaulichen Kons ella ionen im Kul u bund
genaue beleuch e (3.). Es geh im Folgenden also nich um eine olls ändige Ve ‑
eins‑ und Zei sch i ench onik, in diese Hinsich ha de His o ike Guido Mülle
(2005) wich ige Vo a bei geleis e . Vielmeh we den schlaglich a ig zen ale wel ‑
anschauliche G undlagen, Ak ions o men und G uppendynamiken behandel . Dabei
lieg de Schwe punk au den 1920e Jah en und dami au de ak i s en Phase des
Kul u bundes und de Eu opäischen Re ue.
1. DER KULTURBUND UND DIE INTELLEKTUELLE
VERGEMEINSCHAFTUNG DER ZWISCHENKRIEGSZEIT
Seinen An ang nahm de Kul u bund als wel anschauliche P og ammsch i des
23jäh igen hochadligen P i a ie s Ka l An on (P inz) Rohan 1921 in Ös e eich. Ein
halbes Jah , be o de Ve ein im Ap il 1922 in Wien das e s e Mal ö en lich in E ‑
scheinung a , ha e Rohan mi de G ündungssch i des Kul u bundes ein Amalgam
aus gegenwa sdiagnos isch ‑kul u k i ischem Mani es und Ve einsp og amma ik
o geleg , das in meh ache Hinsich sowohl die allgemein ‑poli ischen E eignisse
als auch Rohans pe sönliche E ah ungen sei dem Ende des E s en Wel k iegs e ‑
a bei e (Rohan 1921). Das Ende de Habsbu ge mona chie und die Aus u ung de
„Republik Deu schös e eich“ 1918, die ös e eichischen Gebie s e lus e du ch den
4 Me hodisch knüp die S udie sowohl an die jünge e In ellek uellengeschich e und ‑soziologie an
(Hübinge 2006; Moebius 2011; Fabe /Puschne 2013) als auch an die kul u wissenscha liche Zei ‑
sch i en o schung (Neu e 2020).
62 BRÜCKEN 29/1
Ve ag on Sain ‑Ge main und das Adelsau hebungsgese z om 3. Ap il 1919 bilden
den eal‑ und e ah ungsgeschich lichen Hin e g und de Kul u bund ‑G ündung.
5
Rohan wa es o an e bo en, den Ti el „P inz“ im Namen zu üh en, e muss e au
die poli ischen und sozialen P i ilegien e zich en, mi denen e in den hochadligen
K eisen de spä en Doppelmona chie sozialisie wo den wa , und nich zule z
üb en sich seine s andesgemäßen Ka ie eaussich en in k.u.k. Diens en du ch den
epublikanischen Umschwung e heblich ein (Mülle 2005: 311–315). Diese kollek i e
und pe sönliche Ve lus e ah ung ma kie gleiche maßen einen biog aphischen
B uch und den Ausgangspunk ü Rohans Theo iebildung und Ve einsg ündung. Das
1921 ausge u ene Ziel des Kul u bundes, zunächs in Ös e eich einen eli ä en K eis
on Ve e e n aus Poli ik, Wissenscha , Wi scha und Kul u zu bilden (Rohan
1921), is dami in e s e Linie als nachk iegszei liche K isenbewäl igungss a egie
zu e s ehen. De Kul u bund s eh mi diese p ononcie en wel anschaulichen
Übe o mung in de T adi ion eines um 1900 einse zenden signi ikan en Wandels im
deu schsp achigen Ve einsleben: Ku z nach de Jah hunde wende g ünde en sich
zunehmend solche Gesellscha en, die „die wel anschauliche O ien ie ung wei e Teile
des deu schen Bü ge ums“ übe nahmen, sich selbs als Bünde e s anden und auch
so nann en, e wa de kul u k i ische Dü e bund ode de konse a i ‑ka holische
G albund (Hempel 2008: 47).
Wel anschaulich übe o m e eli ä e Ve gemeinscha ung is im deu schsp achi‑
gen Raum de Zwischenk iegszei so gesehen keine Sel enhei . Die kul u k i ische
G ündungsmo i a ion und das eli ä e Selbs e s ändnis des Kul u bundes e inne n
denn auch an Ve gesellscha ungs o men im ‚konse a i ‑ e olu ionä en‘ Milieu
de Weima e Republik, e wa an den 1919 geg ünde en jungkonse a i en Juniklub
um A hu Moelle an den B uck und Hein ich on Gleichen (B eue 2010: 178–191;
Mohle /Weissmann 2005: 115–144). Auch de Juniklub wu zel e ideologisch in eine
bis ins 19. Jah hunde zu ück eichenden an ilibe alen Zi ilisa ionsk i ik, die sich ab
1919 poli isch als F ons ellung zu neuen Republik ausd ück e. E e ne z e ( ech s‑)
konse a i e Funk ionseli en aus Ve wal ung, Mili ä , Indus ie und P esse und gab
als publizis isches Sp ach oh die Zei sch i Gewissen he aus (B eue 2010: 178 .).
Analog dazu e ö en lich e de Kul u bund ab Juli 1922 eine eigene Zei sch i mi
philosophischem G oßbeg i im Ti el: De Zei geis e schien in d ei He en bis 1923
und publizie e neben wel anschaulichen und kuns heo e ischen Essays on Rohan,
Oska A.H. Schmi z und dem ös e eichischen Exp essionis en Robe Mülle auch
Gedich e on Joseph G ego und S e an Zweig sowie einen Teild uck on Thomas
Manns Rede Von deu sche Republik.6 Auße dem en hiel insbesonde e das e s e He
einen g oßen Rezensions eil, in dem un e ande em die s ändes aa lichen Ideen
O hma Spanns, E ich on Kahle s posi i ismusk i isches Wissenscha s e s ändnis,
Richa d Coudenho e ‑Kale gis neoa is ok a isches Mani es Adel (1922) und die kuns ‑
his o ischen A bei en Wilhelm Hausens eins gewü dig we den (Zei geis 1922: 54–62).
Schon das e s e He de Zei sch i zeig wie un e einem B ennglas das Konglo‑
me a aus geis esgeschich lichen und wel anschaulichen, abe auch li e a ischen
5 Zu Kons i u ionsphase de E s en Republik als e ah ungsgeschich lichem Hin e g und on Rohans
Theo iebildung Kon ad/Made hane (2008).
6 Eine Au lis ung alle Bei äge des Zei geis bei Wallas (1995: 449–452).
63TILLMANN HEISE
A ini ä en des He ausgebe s Rohan, die Eingang in das inhal liche P o il des Zei geis
und spä e de Eu opäischen Re ue wie auch des Kul u bundes anden: Ko po a is isch‑
s ändische Gesellscha smodelle, Wissenscha sk i ik und Neuadelskonzep e bilden,
analog zum deu schen Juniklub, den ‚konse a i ‑ e olu ionä en‘ Ideologie ‑Fundus,
den Rohan ös e eichspezi isch ka holisie und dem Kul u bund un e leg . Alle dings
wü de es zu ku z g ei en, den Kul u bund schlich als aus iazisie e Kopie des Juni‑
klubs zu behandeln, da de Ve ein neben wel anschaulichen Kong uenzen auch sig‑
ni ikan e Un e schiede hinsich lich Wi kungsabsich und Ak ions adius beobach en
läss . So seh auch Rohans poli ische Sympa hien bzw. An ipa hien kla e eil wa en
und sich gegen die au klä e ischen ‚Ideen on 1789‘ im Allgemeinen und die pa la‑
men a ische E s e Republik im Konk e en ich e en (Mülle 2011), wa de Kul u bund
dem Selbs e s ändnis nach keine poli isch es geleg e In e essengemeinscha zu
Besei igung de Demok a ie. Vielmeh be on die Kul u bund ‑Sa zung mi Nachd uck
den unpoli ischen Cha ak e des Ve eins: „De Kul u bund is eine Ve einigung de
geis igen Füh e und T äge de Kul u , um unabhängig on Pa ei, Klasse und Rasse
und mi Ausschluß jede Poli ik schöp e ische Beziehungen zwischen den e schie‑
dens en S andpunk en und Au assungen zu e möglichen.“ (Kul u bund 1925: 62 .)
Im Sinne eines soziokul u ellen „Syn hese“‑P og amms ö ne e sich de Kul u bund
dami g undsä zlich auch ü solche K eise und Pe sonen, die Rohan poli isch zwa
e n s anden, abe om Ve sp echen nach kul u elle Ve gesellscha ung angezogen
wu den. Was Rüdige om B uch, F ied ich Wilhelm G a und Gangol Hübinge
ü die Konjunk u des Kul u beg i s um 1900 in Deu schland kons a ie haben,
läss sich auch beim nich on unge äh Kul u bund genann en Ve ein nach 1920 in
Ös e eich beobach en:7 E bedien e den „aku e[n] Wunsch des Bü ge ums nach ‚kul‑
u elle Ve gesellscha ung‘, d.h. nach e bindlichen Deu ungsmus e n, We en und
Ve hal ens egeln, au die es in En scheidungssi ua ionen zu ückg ei en konn e“ ( om
B uch/G a /Hübinge 1989: 15), wobei im Ös e eich nach dem Adelsau hebungsgese z
sich nun auch e meh adlige Ak eu e nach kul u elle O ien ie ungshil e umsahen.8
Die om Kul u bund os en a i zu Schau ges ell e Poli ik ‑Fe ne da eilich nich
da übe hinweg äuschen, dass de Ve ein ge ade mi diesem Ges us implizi doch poli‑
isch S ellung bezog: Vanessa Conze ha anhand de ech ska holischen Abendland‑
Bewegung in Deu schland he ausgea bei e , dass die Rede om Unpoli ischen o mals
die Vo behal e de Konse a i en und Rech saußen gegen eine zunehmende Poli‑
isie ung on S aa und Gesellscha codie e und sich gegen die Republik ich e e
(Conze 2005: 36). Nich sdes owenige e eich e de ös e eichische Kul u bund ein
g öße es und poli isch ‑ideologisch di e se es Spek um an Mi gliede n, Gäs en
und In e essen en als e gleichba e Ve eine aus dem Um eld de ‚Konse a i en
Re olu ion‘ in Deu schland. Die iel ach be on e Übe pa eilichkei mag dies ebenso
begüns ig haben wie de Ums and, dass sich de Kul u bund eben nich als ‚ ech e‘
Wel anschauungsgemeinscha inszenie ha , sonde n in e s e Linie als kul u el‑
7 Zu (kul u ellen) O ien ie ungsk ise in Ös e eich nach dem E s en Wel k ieg und den e schiedenen
Reak ions o men da au Kuche /Be schik (2011).
8 Adlige Kul u bund ‑Mi gliede , die nach 1919 ih e Ti el in Ös e eich nich meh agen du en, wa en
neben Rohan un e ande em Wenzeslaus (G a ) Gleispach, die Diploma en Albe (G a ) on Mensdo ‑
Pouilly und Paul (G a ) Thun ‑Hohens ein sowie de Kuns mäzen Felix (F eihe on) Oppenheime
(Kul u bund [1937]: 7 .).

64 BRÜCKEN 29/1
le Ak eu mi hochka ä igem P og amm ö en lich in E scheinung ge e en is : am
sich ba s en du ch wöchen liche Vo ags e ans al ungen und Au o enlesungen
mi p ominen en Gäs en aus dem In‑ und Ausland. Allein in Wien eich e die Band‑
b ei e des P og amms on wissenscha lichen E ö e ungen F ied ich Dessaue s
zu „Philosophie de Technik“, Ca l Gus a Jungs zu Psychoanalyse und F ied ich
Meineckes zum „mode nen His o ismus“ übe im wei es en Sinne wel anschauliche
Aus üh ungen eines F ied ich Gundol , Rudol Kassne , Ludwig Klages, Max Sche‑
le ode We ne Somba bis hin zu Au o enlesungen on He mann B och, Anne e
Kolb, Thomas, Hein ich und Klaus Mann, Felix Sal en, Paul Valé y und F anz We el
(Kul u bund 1937: 5–30). Spä es ens sei Mi e de 1920e Jah e gehö e de Kul u bund
zum es en In en a de kul u ellen Ve eine in Wien und wu de on de Tagesp esse
au me ksam beobach e und besp ochen (Anonymus 1922; 1924; 1925).
Am deu lichs en se z sich de Kul u bund jedoch du ch seinen eu opäischen
Ak ions adius on den seh iel s ä ke na ional okussie en (und e o sch en)
Ve gemeinscha ungen de ‚Konse a i en Re olu ion‘ in Deu schland ab. Schon
A min Mohle als langjäh ige Tak gebe de Fo schung pe spek i ie e das Phäno‑
men as ausschließlich au Deu schland beg enz und such e un e dem S ichwo
„Konse a i e Re olu ion in Eu opa?“ au wenigen Sei en nu seh ku so isch nach
ideologischen Kong uenzen zwischen dem ech en In ellek uellenmilieu in Deu sch‑
land und dem einige Nachba lände (Mohle /Weissmann 2005: 193–196). Auch die
sei den 1990e Jah en maßgeblichen A bei en S e an B eue s zu in ellek uellen und
poli ischen Rech en wählen einen na ionalen Be ach ungs ahmen (B eue 1993; 2001;
2010). Demgegenübe wei e de Kul u bund als Fo schungsgegens and eine sei s
schon du ch seinen ös e eichischen G ündungskon ex die Analysepe spek i e und
lenk den Blick au Spiela en des Rech sin ellek ualismus absei s de eichsdeu schen
und zumeis (kul u ‑)p o es an ischen Va ian en, ande e sei s expo ie Rohan das
Ve einsmodell des Kul u bundes be ei s ab 1923 sukzessi e ins eu opäische Ausland.
Die wel anschauliche Fundie ung diese eu opäischen Expansion leis e Rohan in
de zen alen P og ammsch i Eu opa. S ei lich e on 1923, die neben dem Eu opa‑
Disku s auch ü den Neuadels ‑Disku s de 1920e Jah e on Bedeu ung is .9 Denn
nach di e sen zi ilisa ions‑ und mode nek i ischen Un e gangsdiagnosen skizzie
Rohan als Zukun s ision Eu opas eine s ändisch ‑hie a chische Gesellscha so d‑
nung mi einem neuen übe na ionalen Adel de „gu en Eu opäe “ (Rohan 1923: 37)
an de Spi ze. Diesen kon u ie Rohan in dezidie e Anlehnung an die opische
Figu des „gu en Eu opäe s“, die F ied ich Nie zsche in de F öhlichen Wissenscha
als geis esa is ok a ischen (Übe ‑)Menschen ypus en wo en ha e,10 als neuadlige
Füh ungseli e aus Ve e e n des al en Adels, abe ebenso auch aus Exponen en de
Wissenscha , Wi scha , Li e a u und bildenden Kuns . Diese, wie Rohan sie nenn ,
„Kul u obe schich “ (Rohan 1923: 40) au eu opäische Ebene zusammenzu üh en,
e klä e zum wich igs en Anliegen seines sei 1923 eu opawei expandie enden
Kul u bundes (Rohan 1923: 41 .).
9 Zu Neuadels ‑Disku sen im ühen 20. Jah hunde Ge s ne (2008) und Conze u.a. (2013).
10 Zum Typus des „gu en Eu opäe s“ bei Nie zsche Ven u elli (2010).
65TILLMANN HEISE
Bis 1931 en s anden nach ös e eichischem Vo bild in 13 wei e en eu opäischen
Na ionen Kul u bundg uppen,11 beginnend 1923 und 1924 in F ank eich und I alien.
Diese Expansions ich ung leg zum einen Zeugnis da on ab, dass Rohan mi dem
Kul u bund besonde s die In ellek uellen e s ändigung zwischen F ank eich und
dem deu schsp achigen Raum ans eb e, und is zum ande n seinen Sympa hien ü
den i alienischen Faschismus geschulde .12 Beides schläg sich auch im Mi gliede ‑
p o il de jeweiligen G uppen niede : Den anzösischen Kul u bund dominie en
Be ü wo e eine in ellek uellen Wiede annähe ung an Deu schland, e wa de
So bonne ‑Ge manis Hen i Lich enbe ge ode Paul Valé y, in I alien zähl en neben
Mussolinis Gelieb e Ma ghe i a Sa a i übe wiegend aschis ische Pa ei unk ionä e
und Hochschulleh e zum Kul u bund ‑G ünde k eis (Kul u bund 1931: 8 .).
Um die na ionalen „Kul u obe schich en“ im Sinne de Eu opa ‑P og amma ik
zu eu opäisie en, g ünde e Rohan im No embe 1924den Ve band ü kul u elle Zu‑
sammena bei , de als öde a i e Dacho ganisa ion die na ionalen Kul u bünde au
eu opäische Ebene übe wölb e. Die konk e e Au gabe des Ve bandes bes and eine ‑
sei s da in, die Kon ak au nahme zwischen Kul u bundmi gliede n un e schiedliche
Na ionen zu e leich e n, e wa du ch die Ve mi lung on Pos ansch i en ode die
O ganisa ion on Auslandsbesuchen (Kul u bund 1925b). Am sich ba s en a de
Ve band ande e sei s in E scheinung du ch jäh liche Kong esse, die zwischen 1924
und 1934 in wechselnden eu opäischen S äd en s a anden und au denen Delegie e
de na ionalen Kul u bünde d ei Tage lang F agen zu eu opäischen Zukun dis‑
ku ie en.13 Diese Kong esse wa en insbesonde e in den 1920e Jah en hochka ä ig
bese z e, medial au me ksam e olg e und ö en lich sich ba e Ve ans al ungen on
kosmopoli isch ‑mondänem Flai .14
2. „DIE GEISTIGE EINHEIT EUROPAS“? DIE EUROPÄISCHE REVUE
ZWISCHEN TRANSNATIONALEM PLURALISMUS UND
KULTURELLER HEGEMONIE
Ih publizis isches Pendan and die Ve bands ä igkei in de on Rohan geg ünde en
und he ausgegebenen Zei sch i Eu opäische Re ue, die im Ap il 1925 e s mals im
Leipzige Wel anschauungs e lag De neue Geis e schien. Die Re ue eil e das zi ili‑
sa ionsk i ische P og amm des Kul u bundes und e olg e au in ellek uellem Gebie
das Ziel, die „geis ige Einhei Eu opas“ du ch die „wechselsei ige Du chd ingung na‑
11 Kul u bünde bes anden 1931 in Belgien, Bulga ien, Deu schland, Es land, F ank eich, G iechenland,
I alien, Le land, Ös e eich, Polen, Rumänien, Spanien, Unga n und de Tschechoslowakei (Kul u ‑
bund [1931]: 5–10).
12 Rohans Faschismus ‑Emphase zeig sich besonde s in Rohan (1923: 22–26).
13 Kong esse anden s a in Pa is (1924), Mailand (1925), Wien (1926), Heidelbe g (1927), P ag (1928),
Ba celona (1929), K akau (1930), Zü ich (1932) und Budapes (1934). Zu den bekann es en Teilnehme n
zähl en Max Beckmann, Le Co busie , E.R. Cu ius, Hugo on Ho manns hal, C.G. Jung, Ca l Schmi
und Al ed Webe .
14 Das beweisen z.B. die Anwesenhei s aa liche Wü den äge und die Wahl de Kon e enzo e: 1926
besuch e in Ve e ung ü Kanzle Ignaz Seipl Außenminis e Hein ich Ma aja die Tagung in de
Wiene Ho bu g (Anonymus [1926a/b]), 1927 e ö ne e de badische S aa sminis e Gus a T unk den
Kong ess in de Al en Aula de Uni e si ä Heidelbe g (Anonymus [1927]).
66 BRÜCKEN 29/1
ionale A mosphä en“ (Rohan 1925: 2) bewuss zu machen. Konk e kombinie e sie
o an mona lich au ci ca 80 bis 100 Sei en als Rundschauzei sch i kaleidoskopa ig
poli ische, wi scha liche, kul u philosophische und li e a ische Tex e on Au o en
aus ganz Eu opa sowie e einzel aus Übe see. In den zwanzig Jah gängen ih es E ‑
scheinens (1925–1944) publizie en in de Re ue gu 1200 Au o en un e schiedliche
P o essionen, besonde s zahl eich e e en wa en Hochschulleh e alle Diszipli‑
nen (ca. 33%), Sch i s elle (ca. 25%) sowie Poli ike und Diploma en (ca. 20%).15 Die
an ängliche Au lage on 10.000 Exempla en p o He wu de sukzessi e e kleine
und pendel e sich ab den ühen 1930e Jah en bei e wa 3500 ein (Paul 2003: 510). Als
He ausgebe ungie e bis 1936 de Zei sch i eng ünde Rohan, als Sch i lei e bis
1932 de Heidelbe ge Poli ikwissenscha le Max Clauss, ein Schüle Al ed Webe s
(Paul 2003: 518 .). Beide wu den au Geheiß des NS ‑P opagandaminis e iums, das
die Zei sch i ab 1933 e deck inanzie e, om Romanis en und spä e en Me ku ‑
He ausgebe Joachim Mo as abgelös , de die Re ue bis zu de en Eins ellung 1944
maßgeblich p äg e (Mülle 2005: 404 .; U alek 2021).
Konzep ionell o ien ie e sich die Eu opäische Re ue in e s e Linie am Fo ma eu o
‑
päische Rundschauzei sch i en wie de 1909 geg ünde en Nou elle Re ue F ançaise.
Zugleich abe g i die Zei sch i mi de i elgebenden Re ue ein Un e hal ungs‑
o ma au , das im Eu opa de 1920e Jah e seine Hochkonjunk u e leb e. So wie
eine Re ue au de Bühne Musik‑, Tanz‑ und Wo bei äge un e einem allgemeinen
Obe hema nebeneinande s ell , ohne eine einhei liche ode s ingen e Handlung
zu e olgen, a angie en Rohan und Clauss Bei äge un e schiedliche Disziplinen
und Wel anschauungen zu Eu opäischen Re ue, die sich zwa im Allgemeinen dem
Thema ‚Eu opa‘ e sch ieben ha e, sich abe bewuss eine einhei lichen poli ischen
Linie ode Meis e e zählung en hal en woll e.16 Ande s als die Un e hal ungs e ue
de Zwischenk iegszei ich e e sich Rohan abe nich an ein Massenpublikum, son‑
de n en wa mi seine Zei sch i ein eli ä es und publizis isches Gegenp og amm
zum Un e hal ungs hea e . E beansp uch e dami einen im Medien ‑Kosmos de
1920e Jah e höchs populä en Gen e ‑Beg i und ansponie e ihn on de Un e ‑
hal ungs‑ in die Eli enkul u ; ganz ähnlich a dies be ei s sei 1924 die im Be line
Ulls ein ‑Ve lag e scheinende Zei sch i Que schni , das „publizis ische Flaggschi
de Neuen Sachlichkei “ (S eim 2001: 6).
Da übe hinaus be ieb Rohan mi de eli ä en Zuspi zung des Au o en‑ und Ad‑
essa enk eises zugleich auch die Poli isie ung, ode besse : ‚Ve wel anschaulichung‘
des Re ue ‑Fo ma s. E a dies– zumindes nach eigene Aussage– zunächs alle dings
nich mi poli isch ‑agi a o ischen Absich en als Anwal eine bes imm en Ideologie,
sonde n woll e un e schiedliche und wide sp üchliche Wel anschauungen e ueha
im gleichen Medium a angie en (Rohan 1925). Im e s en Jah gang wu de die Zei ‑
sch i diesem Ansp uch auch du chaus ge ech : So konn en e wa im Mai ‑He 1925
in di ek e Nachba scha de ‚Konse a i e Re olu ionä ‘ Leopold Ziegle und de
libe ale i alienische Philosoph und Faschismusgegne Benede o C oce publizie en
(Ziegle 1925; C oce 1925).
15 Da es noch keine lei elek onische Da ensä ze de Eu opäischen Re ue gib , be uhen die olgenden Be‑
obach ungen ausschließlich au meine eigenen händischen Zählung und Be echnung.
16 Zum populä en Re ue ‑Fo ma in de Zwischenk iegszei Linha d (2008).
67TILLMANN HEISE
In li e a his o ische Hinsich e gib sich mi Blick au die Sch i s elle ‑In ellek‑
uellen, die wäh end de e s en zehn Jah gänge– das heiß , bis zu Übe nahme
du ch das NS ‑P opagandaminis e ium– in de Eu opäischen Re ue e e en wa en,
ge adezu ein ideal ypische Kanon de eu opäischen ‚Klassischen Mode ne‘: Mi Ho ‑
manns hal, Thomas Mann, S e an Zweig, Gide, Valé y, Romain Rolland, D.H. Law ence,
Luigi Pi andello und O ega y Gasse 17 inden sich in de Re ue übe wiegend solche
Au o en, die sich eine Gene a ion und ih e li e a ische Sozialisa ion wäh end ode
im Ge olge de Jah hunde wende ‑Mode nen eilen. Li e a u soziologisch lassen
sich zudem noch wei e e e bindende Elemen e e kennen: E s ens ha man es mi
Au o en zu un, die im li e a ischen Feld ih es Landes be ei s o den 1920e Jah en
e ablie wa en, also zu den Posi ionsinhabe n und iel ach zu den p ominen es en
Ve e e n de jeweiligen Na ionalli e a u zähl en. E gänzen ließen sich I an Canka ,
Ka el Čapek und Ka ol Hube Ros wo owski als zen ale Ges al en de slowenischen,
schechischen und polnischen Li e a u des e s en Jah hunde d i els.18 Zwei ens
sind es iel ach solche Au o en, die wie de ehemalige Jungwiene Ho manns hal,
die eins igen ‚Kosmike ‘ Ka l Wol skehl und Oska A.H. Schmi z, de Geo geane
Gundol ode de b i ische Dymock Poe John D inkwa e an li e a isch ‑kul u ellen
G uppenbildungen eilha en;
19
dazu kommen mi den Zei sch i eng ünde n und
he ausgebe n Gide (Nou elle Re ue F ançaise), O ega (Re is a de Occiden e) und F anz
Blei (De Ame hys , Opale, Hype ion) solche Au o en, die nach 1900 zen ale Ne z‑
we k unk ionen in den jeweiligen na ionalli e a ischen Felde n inneha en,20 ode
abe wie He mann Keyse ling als Beg ünde und Lei e de Da ms äd e Schule de
Weishei spä es ens in de Zwischenk iegszei zu Schlüssel igu en de In ellek uel‑
len e ne zung a ancie en.21
D i ens ep äsen ie en insbesonde e die g oßen Namen de ‚Klassischen Mode ne‘
in de Zei sch i ein li e a isch ‑kul u elles Milieu, das sich o dem E s en Wel k ieg
be ei s nich nu du ch eine gewisse gesellscha liche Exklusi i ä , sonde n du ch eine
die Na ionalli e a u en übe wölbende eu opäische Ve ne zung ausgezeichne ha ; ob
in Ges al on solch um iebigen Kul u e mi le n wie Blei,22 on Dich e eundscha ‑
en und ‑b ie wechseln wie zwischen Zweig und Rolland (Zweig/Rolland 1987) ode
in Fo m on pe sönlichen Zusammen e en in den kul u ellen und in ellek uellen
Salons de eu opäischen Me opolen.23 Die Eu opäische Re ue speis ih Sch i s elle ‑
P o il dami aus eine sei de Jah hunde wende eu opawei gu e ne z en kul u‑
ellen Eli e. Dahin e mag sich womöglich auch eine gewisse Fin de Siècle ‑Nos algie
e be gen, die im Vo g i au S e an Zweig wehmü ig das exklusi ‑kosmopoli ische
Flai de o k iegszei lichen Wel on Ges e n e ozie ; mi Blick au die Kul u bund‑
und Re ue ‑P og amma ik läss sich da in abe ebenso eine s ä ke gegenwa s‑ und
17 Im Folgenden we den in Klamme n lediglich die Zei sch i en ‑Jah gänge de Re ue e me k , in denen
die jeweiligen Au o en e e en wa en: Ho manns hal (Jg. 1; 6), Mann (1), Zweig (1), Gide (1; 4; 6), Valé y
(1–3; 9; 10), Rolland (4), Law ence (3; 5; 10), Pi andello (1), O ega (2–4; 7–10).
18 Canka (Jg. 5), Čapek (1; 2; 7), Ros wo owski (6).
19 Wol skehl (Jg. 3; 4; 9), Schmi z (1; 2; 8), Gundol (4–7), D inkwa e (1).
20 Blei (Jg. 6). Zu Kul u zei sch i en als Kno enpunk en im li e a isch ‑kul u ellen Feld G unewald/Bock
(2002).
21 Zu Keyse ling und de Schule de Weishei Gusejno a (2016: 121–138).
22 Vgl. zu F anz Blei als Schlüssel igu eu opäische Kul u e mi lung Mi e baue (2003).
23 Zum kul u ellen Milieu eu opäische Me opolen im ühen 20. Jah hunde Hunkele /Kunz (2011).
74 BRÜCKEN 29/1
[Anonymus] (1924): In e na ionale Ve sammlung de Kul u bunddelegie en.– In: NFP om 18.
No embe , 6.
[Anonymus] (1925): De de zei ige S and de in e na ionalen Kul u bundbewegung. Mi eilungen
des P inzen Ka l Rohan.– In: NFP om 22. Juni, 6.
[Anonymus] (1926a): D i e Gene al e sammlung des Ve bandes ü kul u elle Zusammena bei .–
In: NFP om 18. Ok obe , 5 .
[Anonymus] (1926b): Schlusssi zung des Kong esses ü kul u elle Zusammena bei .– In: NFP
om 21. Ok obe , 8.
[Anonymus] (1926c): De III. Kong ess des Ve bandes ü kul u elle Zusammena bei , 18.–20. Ok‑
obe 1926.– In: Mi eilungen de A bei sgemeinscha de kul u ellen Ve eine Wiens [= Mi eilun‑
gen] 31/32, 1.
[Anonymus] (1927): In e na ionale Tagung ü kul u elle Zusammena bei .– In: F ank u e Zei‑
ung om 20. Ok obe , Abendbla , 1.
Beckmann, Max (1993): B ie e, Bd. 1: 1899–1925. H sg. on UweM. Schneede. München, Zü ich:
Pipe .
Beckmann, Max (1994): B ie e, Bd. 2: 1925–1937. H sg. on S ephan on Wiese. München, Zü ich:
Pipe .
Benda, Julien (1930): B ie e an einen jungen Mona chis en.– In: Eu opäische Re ue [= ER] 6,1, 26–33.
Boehm, Max Hildebe (1930): S aa und Minde hei .– In: ER 6,10, 724–734.
Bo el, Emile (1926): Ve band ü kul u elle Zusammena bei .– In: Mi eilungen 28–30, 6 .
C oce, Benede o (1925): Libe alismus.– In: ER 1,2, 97–101.
En iques, Fede igo (1926): Die Rolle de Geis esmenschen in de eu opäischen Gesellscha .– In:
Mi eilungen 28–30, 8–10.
Giuliano, Balbino (1926): [Vo ag au dem Kul u bundkong ess].– In: Mi eilungen 31/32, 12.
Gleichen, Hein ich on (1932): Reich und Reichs üh ung.– In: ER 8,12, 768–773.
Ho manns hal, Hugo on (1926a): Beg üßung des in e na ionalen Kong esses de Kul u e ‑
bände.– In: Schoelle , Be nd/Beye ‑Ahle , Ingebo g (Hgg.) (1980), Hugo on Ho manns hal.
Gesammel e We ke, Bd. 10: Reden und Au sä ze III 1925–1929. Au zeichnungen 1889–1929. F ank‑
u /M.: Fische [= GW 10], 17 .
Ho manns hal, Hugo on (1926b): Ansp ache bei E ö nung des Kong esses de Kul u e bände in
Wien.– In: GW 10, 19–23.
Jung, Edga Julius (1933): Adel ode Eli e?– In: ER 9,9, 533–535.
Kolb, Anne e (1926): Wenn Ideen iumphie en…– In: Hän zschel, Hil ud/Hän zschel, Gün e
(Hgg.) (2017), Anne e Kolb. We ke, Bd. 2: Eine üge ische Ruhe, 1921–1933. Gö ingen: Walls ein,
201–206.
Kul u bund (1925a): S a u en des ös e eichischen Kul u bunds.– In: ER 1,7, 62–65.
Kul u bund (1925b): P og amm und Sa zung des Ve bandes ü kul u elle Zusammena bei .– In:
ER 1,7, 65–70.
Redak ion de Eu opäischen Re ue (1925): Beme kungen de Redak ion.– In: ER 1,1, 78.
Rohan, Ka l An on (1923): Eu opa. S ei lich e . Leipzig: De neue Geis .
Rohan, Ka l An on (1925): Vo wo des He ausgebe s.– In: ER 1,1, 1 .
Rohan, Ka l An on (1926a): Vo wo zum zwei en Jah gang.– In: ER 2,1, 1–3.
Rohan, Ka l An on (1926b): Eu opäische Diskussion. Die Au gaben des Kul u bundes.– In: NFP
om 16. Ok obe , 12.
Schmi , Ca l (1929): Die eu opäische Kul u im Zwischens adium de Neu alisie ung.– In: ER 5,8,
517–530.
Webe , Al ed (1926): De Deu sche im geis igen Eu opa.– In: Demm, Ebe ha d (Hg.) (1999), Al ed
Webe . Gesam ausgabe, Bd. 7: Poli ische Theo ie und Tagespoli ik (1903–1933). Ma bu g: Me opo‑
lis, 539–548.
De Zei geis (1922), Jg. 1, H. 1.

75TILLMANN HEISE
Ziegle , Leopold (1925): O ganisie e und o ganische Wi scha .– In: ER 1,2, 84–97.
Zweig, S e an/Rolland, Romain (1987): B ie wechsel 1910–1940, 2 Bde. Bea b. on Wal aud Schwa ‑
ze. Be lin: Rü en & Loening.
LITERATUR
Bock, Hans Man ed (1999): Das „Junge Eu opa“, das „ande e Eu opa“ und das „Eu opa de weißen
Rasse“. Disku s ypen in de Eu opäischen Re ue 1925–1939.– In: G unewald, Michel (Hg.), De
Eu opadisku s in den deu schen Zei sch i en (1933–1939) (= Con e gences, 11). Be n u.a.: Lang,
311–351.
B eue , S e an (1993): Ana omie de konse a i en Re olu ion. Da ms ad : WBG.
B eue , S e an (2001): O dnungen de Ungleichhei . Die deu sche Rech e im Wide s ei ih e Ideen
1871–1945. Da ms ad : WBG.
B eue , S e an (2010): Die adikale Rech e in Deu schland 1871–1945. Eine poli ische Ideengeschich e.
S u ga : Reclam.
Conze, Ecka u.a. (Hgg.) (2013): A is ok a ismus und Mode ne. Adel als poli isches und kul u elles
Konzep , 1890–1945 (= Adelswel en, 1). Köln, Weima , Wien: Böhlau.
Conze, Vanessa (2005): Das Eu opa de Deu schen. Ideen on Eu opa und Deu schland zwischen
Reichs adi ion und Wes o ien ie ung (1920–1970) (= S udien zu Zei geschich e, 69). München:
Oldenbou g.
El e , Jü gen (1999): Mi eleu opa! Deu sche Pläne zu eu opäischen Neuo dnung (1918–1945) (= His o‑
ische Mi eilungen: Beihe , 35). S u ga : S eine .
Fabe , Richa d/Puschne , Uwe (Hg.) (2013): In ellek uelle und An iin ellek uelle im 20. Jah hunde (=
Zi ilisa ionen und Geschich e, 20). F ank u /M.: Lang.
F eeden, Michael (2015): The Elusi eness o Eu opean (An i‑)libe alism.– In: Gosewinkel, Die e
(Hg.), An i ‑libe al Eu ope. Aneglec ed s o y o Eu opeaniza ion (= New Ge man His o ical Pe ‑
spec i es, 6). New Yo k, Ox o d: Be ghahn, 33–44.
Ge s ne , Alexand a (2008): Neue Adel. A is ok a ische Eli ekonzep ionen zwischen Jah hunde wende
und Na ionalsozialismus. Da ms ad : WBG.
Gosewinkel, Die e (Hg.) (2012): An ilibe ales Eu opa. Eine ande e In eg a ionsgeschich e (= Zei his o‑
ische Fo schungen, 9). Gö ingen: Vandenhoeck & Rup ech .
Gosewinkel, Die e (Hg.) (2015): An i ‑libe al Eu ope. Aneglec ed s o y o Eu opeaniza ion (= New
Ge man His o ical Pe spec i es, 6). New Yo k, Ox o d: Be ghahn.
G unewald, Michel/Bock, Hans Man ed (2002): Zei sch i en als Spiegel in ellek uelle Milieus.–
In: Dies. (Hgg.), Das linke In ellek uellenmilieu in Deu schland, seine P esse und seine Ne zwe ke
(1890–1960) (= Con e gences, 24). Be n u.a.: Lang, 21–32.
Gusejno a, Dina (2016): Eu opean Eli es and Ideas o Empi e, 1917–1957. Camb idge: Camb idge Uni‑
e si y P ess.
Hacke, Jens (2018): Exis enzk ise de Demok a ie. Zu poli ischen Theo ie des Libe alismus in de Zwi‑
schenk iegszei (= s w, 2250). Be lin: Suh kamp.
Heise, Tillmann (2019): „Schöp e ische Res au a ion“ und Habsbu g eloaded. Hugo on Ho ‑
manns hals Eu opaideen de 1920e Jah e, Rohans Kul u bund und die Eu opäische Re ue.– In:
Beßlich, Ba ba a/Fossaluzza, C is ina (Hgg.), Kul u k i ik de Wiene Mode ne (1890–1938) (=
Beihe e zum Eupho ion, 110). Heidelbe g: Win e , 87–104.
Hempel, Di k (2008): Li e a ische Ve eine in D esden. Kul u elle P axis und poli ische O ien ie ung des
Bü ge ums im 19. Jah hunde (= S udien und Tex e zu Sozialgeschich e de Li e a u , 116).
Tübingen: Niemeye .
Hübinge , Gangol (2006): Geleh e, Poli ik und Ö en lichkei . Eine In ellek uellengeschich e. Gö in‑
gen: Vandenhoeck & Rup ech .
76 BRÜCKEN 29/1
Hunkele , Thomas/Kunz, Edi h Anna (Hgg.) (2011): Me opolen de A an ga de. Be n u.a.: Lang.
Kau mann, Kai (2002): Kul u elle Aneignung und Ausschließung. Die Funk ion de Übe se zung
ü die na ionale Iden i ä sbildung in Deu schland um 1800 und 1900.– In: Böhle , Michael/
Ho ch, Hans O o (Hgg.), Kul u opog aphie deu schsp achige Li e a u en. Pe spek i ie ungen im
Spannungs eld on In eg a ion und Di e enz. Tübingen: Niemeye , 117–137.
Kon ad, Helmu /Made hane , Wol gang (Hgg.) (2008): Das We den de E s en Republik…de Res is
Ös e eich, 2 Bde. Wien: Ge old.
Kuche , P imus ‑Heinz/Be schik, Julia (Hgg.) (2011): „baus elle kul u “. Disku slagen in de ös e ei‑
chischen Li e a u 1918–1933/38. Biele eld: Ais hesis.
Le hen, Helmu (1995): Unheimliche Nachba scha en. Neues om neusachlichen Jah zehn .– In:
Jah buch zu Li e a u de Weima e Republik 1, 76–92.
Linha d , Ma ion (2008): A . ‚Re ue‘.– In: Finsche , Ludwig (Hg.), Die Musik in Geschich e und
Gegenwa . Supplemen . 2., neubea b. Ausg. Kassel u.a.: Bä en ei e , 746–757.
Mi e baue , Helga (2003): Die Ne zwe ke des F anz Blei. Kul u e mi lung im ühen 20. Jah hunde
(= Kul u – He scha – Di e enz, 4). Tübingen, Basel: A. F ancke.
Moebius, S ephan (2010): In ellek uellensoziologie. Skizze zu eine Me hodologie.– In: Sozial.
Geschich e Online 2, 37–63.
Mohle , A min/Weissmann, Ka lheinz (62005): Die Konse a i e Re olu ion in Deu schland 1918–1932.
Ein Handbuch. G az: A es.
Mülle , Guido (1996): A . „Eu opäische Re ue“.– In: Sch enck ‑No zing, Caspa on (Hg.), Lexikon
des Konse a ismus. G az/S u ga : S ocke , 162 .
Mülle , Guido (2005): Eu opäische Gesellscha sbeziehungen nach dem E s en Wel k ieg. Das Deu sch‑
F anzösische S udienkomi ee und de Eu opäische Kul u bund (= S udien zu In e na ionalen
Geschich e, 15). München: Oldenbou g.
Mülle , Nils (2011): Ka l An on Rohan (1898–1975). Eu opa als an imode ne U opie de Konse a i‑
en Re olu ion.– In: Jah buch ü Eu opäische Geschich e 12, 179–203.
Neu e , Mo i z (2020): Edi o ial zum Themenschwe punk : Kul u wissenscha liche Zei sch i ‑
en o schung.– In: IASL 45, 103–111.
Paul, Ina U. (2003): Konse a i e Milieus und die Eu opäische Re ue (1925–1944).– In: G unewald,
Michel/Puschne , Uwe (Hgg.), Das konse a i e In ellek uellenmilieu, seine P esse und seine Ne z‑
we ke (1890–1960) (= Con e gences, 27). Be n: Lang, 509–555.
Rohk äme , Thomas (1999): Eine ande e Mode ne? Zi ilisa ionsk i ik, Na u und Technik in Deu sch‑
land 1880–1933. Pade bo n u.a.: Schöningh.
S eim, G ego (2001): Zwischen Weißem Rößl und Mickymaus. Wiene Feuille onis en im Be lin
de zwanzige Jah e.– In: Fe z, Be nha d/Schlösse , He mann (Hgg.), Wien– Be lin. Mi einem
Dossie zu S e an G oßmann (= P o ile, 7). Wien: Zsolnay, 5–21.
U álek, Aleš (2021): „Kul u bund“ und Eu opäische Re ue (1925–1944). Eu opakonzep e ohne Zu‑
kun ?– In: Bobinac, Ma ijan u.a. (Hgg.), Eu opa im Scha en des E s en Wel k iegs. Kollabie ende
Impe ien, S aa enbildung und poli ische Gewal (Kul u – He scha – Di e enz, 28). Tübingen:
Na F ancke A emp o, 173–192.
Ven u elli, Aldo (2010): Die „Gaya Scienza“ de „gu en Eu opäe “. Einige Anme kungen zum Apho‑
ismus N . 377 des V. Buchs de F öhlichen Wissenscha .– In: Nie zsche ‑S udien 39, 180–200.
Vom B uch, Rüdige /G a , F ied ich Wilhelm/Hübinge , Gangol (1989): Einlei ung: Kul u beg i ,
Kul u k i ik und Kul u wissenscha en um 1900.– In: Dies. (Hgg.), Kul u und Kul u wissen‑
scha en um 1900. K ise de Mode ne und Glaube an die Wissenscha . S u ga : S eine , 9–24.
Wallas, A min A. (Hg.) (1995): Zei sch i en und An hologien des Exp essionismus in Ös e eich. Ana‑
ly ische Bibliog aphie und Regis e , Bd. 1: Analy ische Bibliog aphie. München u.a.: Sau .