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Das »Mencken-Paradigma« und Hofstadters Antiintellektualismusvorwurf: Zu Religion und Konservatismus in den USA

Abstract

Als »Mencken-Paradigma« hat der Historiker Michael Hochgeschwender eine bestimmte skeptisch-ironische Betrachtung konservativer Religion bezeichnet,…

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Das »Mencken-Paradigma« und Hofstadters Antiintellektualismusvorwurf: Zu Religion und Konservatismus in den USA

Author: Bassimir, Anja-Maria
Year: 2024
DOI: 10.38072/978-3-910591-27-1/p7
Source: https://macau.uni-kiel.de/servlets/MCRFileNodeServlet/macau_derivate_00006114/kiel-up_978-3-910591-27-1_p7.pdf
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Anja-Ma ia Bassimi
Das »Mencken-Pa adigma« und
Ho s ad e s An iin ellek ualismus o wu
Zu Religion und Konse a ismus in den USA
1. Einlei ung
Als P äsiden scha skandida Donald T ump im Wahljah 2016 gegen die demok a ische P ä-
siden scha skandida in Hilla y Clin on gewann, be ich e en die Medien, dass weiße E ange-
likale den Republikane mi eine übe wäl igenden Meh hei on 81P ozen gewähl hä en.
1
Diese Be und kann au Zahlen on Wähle be agungen beim Ve lassen de Wahllokale zu-
ückge üh we den, die on Pew zusammenges ell und sowohl on Medien wie CNN als
auch ande en Demoskopie-Ins i u en, wie PPRI, e ö en lich wu den.
2
Schau man sich den
Be ich genaue an, lies man in de Fußno e: »The ›whi e, bo n-again/e angelical Ch is ian‹
ow includes bo h P o es an s and non-P o es an s (e.g., Ca holics, Mo mons, e c.) who sel -
iden i y as bo n-again o e angelical Ch is ians.«
3
Un e weißen E angelikalen e s anden
die Demoskopen also alle weißen Pe sonen, die sich selbs als wiede gebo ene ode e ange-
likale Ch is en e s ehen, unabhängig on de kon essionellen Zugehö igkei . Es is au ällig,
dass diese augenscheinlich eligiöse Ka ego ie eine sei s s a k on einem angenommenen/
zugesch iebenen Weißsein, hie als (hegemoniale) No m im Sinne de k i ischen Rassismus-
o schung e s anden, abhängig is und ande e sei s wenig eligiöse T ennschä e au weis
und s a dessen his o isch und kon essionell di e enzie e G uppen – wie P o es an en, Ka-
holiken und Mo monen – in einen Top wi .
In den USA, wo Gläubige nich in S aa ski chen o ganisie sind und sich eine g oße
Viel al on eligiösen T adi ionen und Ve gemeinscha ungs o men en wickel ha , wi d
1 Siehe u.a. Pulliam Baily 2016; FOX 17 News 2016; Jones 2016; die e angelikale Poli ikwissenscha le in Amy Black
and, dass die Google-Suchan age »81 pe cen o whi e e angelicals« am 13. Juni 2018 974.000 E gebnisse an-
zeig e (Black 2019).
2 Ma ínez/Smi h 2016; Exi Polls 2016; Cox 2016; Bu ge/Lewis 2018, 745–746.
3 Ma ínez/Smi h 2016.
Kiel-UP •
h ps://doi.o g/10.38072/978-3-910591-27-1/p7
130 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
die g öß e eligiöse Glaubens ich ung, die P o es an en, o au d ei Ka ego ien eduzie :
»Mainline P o es an s«, weiße E angelikale und schwa ze Ki chen.4 Diese P axis kann als
p agma ische Me hode, um die unübe sehba e He e ogeni ä de U.S.-ame ikanischen Reli-
gionslandscha in handhabba en G oßka ego ien zusammenzu assen, e s anden we den.
Doch nach welchen K i e ien we den Gläubige, Religions adi ionen und Ve gemeinscha -
ungs o men un e schieden? O ensich lich sind die O dnungsk i e ien, die eligiöse G oß-
ka ego ien in den USA bes immen, nich eligiöse Un e schiede, sonde n sie sind ace-based
und zum Teil poli isch. Zum einen wi d pauschal zwischen weißen und schwa zen Gläubi-
gen un e schieden, zum ande en we den weiße P o es an en in Mainline und E angelikale
ge enn (und zum Teil auch nich -P o es an en den E angelikalen zugeschlagen), Ka e-
go ien, die mi de poli ischen Zwei eilung in Libe ale und Konse a i e zusammen allen.
Wäh end es na ü lich di e enzie e e S udien gib , he schen diese g oben Ein eilungen in
de Be ich e s a ung de Medien o und p ägen insbesonde e auße halb de USA das Bild
on ame ikanische Religion. Dabei schein die Sympa hie sowohl on Be ich e s a e n o
O als auch on deu schem Lesepublikum au Sei en de poli isch und eligiös Libe alen,
besch ieben als ole an e, p og essi e, a ionale und wel o ene Menschen, zu liegen und
gegen die poli isch und eligiös Konse a i en ge ich e zu sein, besch ieben als emo ionale,
dogma ische, in ole an e und an iin ellek uelle Menschen.
Diese Ein eilung de Gesellscha in zwei Lage läss sich au eine bes imm e Lesa de
sogenann en Fundamen alismus-Mode nismus-Kon o e se de 1920e Jah e zu ück üh en,
die de His o ike Michael Hochgeschwende als »Mencken-Pa adigma« bezeichne ha : die
Da s ellung des sogenann en »Scopes-A enp ozesses« du ch den Jou nalis en H. L. Men-
cken und ih e T adie ung du ch Akademike wie Richa d Ho s ad e in den 1950e und
1960e Jah en. Ho s ad e und ande e sogenann e Konsensus-His o ike be on en in ih e
Geschich ssch eibung einen libe alen ame ikanischen Konsens und de aluie en Konse -
a ismus dami als uname ikanisch.5 Wäh end sich sei den 1990e Jah en His o ike In-
nen in ensi mi Konse a ismus in den USA beschä ig und ein di e enzie es Bild dieses
4 Von 1850 bis 1946 sammel e das U.S. Zensusbü o in einem Rhy hmus on e wa zehn Jah en auch Religionsda en.
De Kong ess en schied 1976, dass Religions agen im Zensus nich meh abge ag we den dü en (Fa is Rosen
2010). Sei dem be uhen Religionsda en au Um agen on Demoskopie-Ins i u en wie Gallup, Pew und PRRI. Eine
de olls ändigs en Religionss udien is die Pew Religious Landscape S udie, die bishe zweimal, 2007 und 2014,
au de G undlage on meh als 35.000 Tele onin e iews mi Teilnehmenden aus allen 50 S aa en du chge üh
wu de (Abou he Religious Landscape S udy). Au de Websei e, au de die Da en on 2014 au be ei e sind, bie-
e Pew eine ein ache e s e Ebene mi de Un e scheidung on P o es an en in »E angelical P o es an « (25,4 %),
»Mainline P o es an « (14,7 %) und »Black P o es an « (6,5 %) an. Ausklappba e Un e punk e e lauben In e es-
sie en pe Mausklick ie e in die Komplexi ä de Religionslandscha einzus eigen. So we den E angelikale au
eine zwei en Ebene in 16 Un e g uppen gegliede , zu denen die »Bap is Family (E angelical T ad.)« (9,2 %), die
»Nondenomina ional Family (E angelical T ad.)« (4,9 %) ode die »Lu he an Family (E angelical T ad.)« (1,5 %)
zählen (Religious Landscape S udy). Ein Appendix lis e gesonde au , welche Denomina ionen Pew zu welche
Religions amilie zähl . So echne Pew 25 e schiedene Bap is ische Denomina ionen de Bap is ischen Religions-
amilie in de e angelikalen T adi ion zu (Appendix B. Classi ica ion o P o es an Denomina ions).
5 »Bu many his o ians ins ead chose o ocus on he ›consensus‹ aspec o consensus his o y, de ining Ame ica as
essen ially libe al, and conse a i es as, he e o e, un-Ame ican« (Bu ns 2004, 457).
Bassimi : Das »Mencken-Pa adigma« und Ho s ad e s An iin ellek ualismus o wu  | 131
Phänomens e a bei e haben,6 läss sich das Mencken-Pa adigma anhand on A bei en on
Religionssoziologen wie Ma in E. Ma y und James Da ison Hun e bis in die heu ige de-
moskopische und jou nalis ische Be ich e s a ung e olgen.
Im Folgenden soll e s ens de Ho s ad e sche An iin ellek ualismus o wu eingeo dne
we den, zwei ens de Scopes-A enp ozess und seine Da s ellung du ch Mencken und Ho -
s ad e um issen we den, d i ens Ho s ad e s Desk ip ion de Fundamen alismus-Mode -
nismus-Kon o e se mi dem zei genössischen heologischen Selbs e s ändnis kon as ie
we den und ie ens die wei e e T adie ung des libe alen Bias und des Fundamen alismus-
Beg i s in Ho s ad e sche Manie bis in die gegenwä ige Be ich e s a ung nachgezeichne
we den. Diese Be ach ung soll nich nu ein komplexe es Bild de Auswi kung des Ho s-
ad e schen E bes e mi eln, sonde n auch zu eine di e enzie e en Ka ego isie ung on
Gesellscha und insbesonde e Religion an egen.
2. Zu Ve o ung on Ho s ad e s An iin ellek ualismus hese
Im Jah 1963 e schien Richa d Ho s ad e s An i-in ellec ualism in Ame ican Li e, das 1964
den Puli ze P eis ü allgemeine Sachbüche gewann.
7
Ho s ad e a gumen ie e da in, dass
in den USA eine A mosphä e o he sche, die gegenübe dem höhe en Leben des Geis es
eindlich ges imm sei. E okussie e da ü ie gesellscha liche Be eiche: Religion, Poli ik,
Kul u und Bildung. Im Be eich de Religion
8
besch ieb e die Neuenglandkolonien als ein
in ellek uelles Un e angen de Pu i ane , das be ei s in den da au olgenden Gene a ionen
on an iin ellek uellen e angelikalen Bewegungen un e wande wu de. Die eligiösen E we-
ckungsbewegungen des 18. und 19.Jah hunde s mi ih e b ei en Anziehungsk a lös en
dabei das pu i anische E be ab: »The awakene s we e no he i s o dispa age he i ues
o mind, bu hey quickened an i-in ellec ualism; and hey ga e o Ame ican an i-in ellec-
ualism i s i s b ie momen o mili an success. Wi h he Awakenings, he Pu i an age in
Ame ican eligion came o an end and he e angelical age began.«
9
Du ch geziel e Auswahl
seine Beispiele und Zi a e spiel e Ho s ad e das geis ige Leben on E weckungsp edige n
he un e (Jona han Edwa ds wi d zum Beispiel als un ypische E weckungsp edige mi nu
lokalem Ein luss abge an) und be on e ih e Feindseligkei gegenübe dem In ellek . In eine
Figu wie Dwigh L. Moody (1837–1899) e band sich Ende des 19.Jah hunde s dann e an-
gelikale Ei e mi de O ganisa ionsp axis de Geschä swel , die Ho s ad e in spä e en Ka-
pi eln eben alls als an iin ellek uell eins u e. Mi Billy Sunday (1862–1935) wa Ho s ad e s
Na a i in de Mode ne angekommen: Eine neue Welle on Ra ionalismus, in de Fo m on
6 Vgl. Phillips-Fein 2011.
7 The 1964 Puli ze P ize Winne in Gene al Non ic ion, o. D.
8 Die olgende Zusammen assung bezieh sich au Teil II in Ho s ad e 1963.
9 Ho s ad e 1963, 74.
132 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
Mode nismus und Säkula isie ung, bed äng e den An iin ellek ualismus, weswegen, in de
A gumen a ion on Ho s ad e , Billy Sunday zu besonde s ulgä en Me aphe n und Me ho-
den g ei en muss e. Religiöse An iin ellek ualismus, in de Fo m on Fundamen alismus,
un e lag in diese E zählung in de Auseinande se zung mi a ionalem und on Da win ge-
p äg en Mode nismus im Scopes-A enp ozess in Day on im Jah 1925. Doch de Mode nis-
mus wu de wei e hin bed äng und das Sch eckgespens des Fundamen alismus, diesmal in
de Fo m on McCa hyismus und hys e ischem An ikommunismus, auch e in Ho s ad e s
Gegenwa de 1950e Jah e wiede au .
Be ei s zei genössischen K i ike n iel au , dass Ho s ad e s De ini ion on An iin ellek u-
alismus dü ig wa und es ihm, in den Wo en on Daniel Boo s in, um » epu a ion, s a us,
and p i ileges o ›in ellec uals‹ as a sepa a e class« zu gehen schien.10 Ein ande e Zei genos-
se, Kenne h Lynn, besch ieb Ho s ad e als einen His o ike mi dem Po en ial »unse e s e
Mill« zu we den, de sich abe s a dessen in de Rolle »unse es zwei en Menckens« ein-
ich e e.11 E b ach e Ho s ad e mi eine G uppe on »neo-Menckeni es« in Ve bindung, a -
gumen ie e, dass sich in Ho s ad e s Büche n Abneigung gegen die poli ische Hys e ie de
McCa hy-Ä a, gegen eligiösen Ei e und gegen ma e ielle Vulga i ä zeige, und k i isie e,
dass Ho s ad e Geschich e du ch die B ille de mo gendlichen Schlagzeilen sah und als Ge-
genmi el zu beängs igenden Gegenwa eli ä e My hen in die Ve gangenhei p ojizie e.12
Ho s ad e selbs äum gleich im e s en Sa z on An i-in ellec ualism in Ame ican Li e ein,
dass sich das Buch zwa mi de ame ikanischen Ve gangenhei be asse, abe als »Reak ion
au die poli ischen und in ellek uellen Bedingungen de 1950e Jah e konzipie « wu de.13
Diese Bias e klä , wie iele K i ike es ges ell haben, dass das Buch in iele lei Hinsich
meh übe die Zei aussag , in de Ho s ad e sch ieb, als übe die Zei , übe die e sch ieb.
Da übe hinaus lies sich das Buch wie eine pe sönliche Ab echnung mi his o ische
Unge ech igkei , was sich beispielsweise an den poli ischen Beme kungen zeig . Ho s ad e
bewunde e die in ellek uelle G öße des P äsiden scha skandida en Adlai S e enson und
mach e ü dessen Niede lage den McCa hyismus e an wo lich, was in ihm »Angs o
eine desas ösen Ve nachlässigung des In ellek « auslös e.14 Wie Da id F um es s ell e,
e nachlässig e Ho s ad e in seine Suche nach Fällen on An iin ellek ualismus den his-
o ischen Kon ex : »I eally is a s ange eading o he elec ions o he 1950s o a ibu e
S e enson’s de ea o an i-in ellec ualism. S e enson los in 1952 o h ee easons: Ko ea,
in la ion, and he esidual unpopula i y o Ha y S. T uman. S e enson los again in 1956
o he con e se eason: he incumben Eisenhowe adminis a ion had deli e ed peace and
10 Boo s in 1963, 19.
11 Lynn 1963, 40, meine Übe se zung. Die Aussage nimm Bezug au den b i ischen Philosophen, Poli ike und Öko-
nom John S ua Mill, de als ein luss eichs e libe ale Denke des 19.Jah hunde s gal .
12 Ebd., 38.
13 Ho s ad e 1963, 3, meine Übe se zung.
14 Ebd., meine Übe se zung.
Bassimi : Das »Mencken-Pa adigma« und Ho s ad e s An iin ellek ualismus o wu  | 133
p ospe i y.«15 Da übe hinaus bezeichne e F um Ho s ad e s Idealisie ung de New-Deal-
Poli ik als pe sönliche poli ische Vo liebe. In An i-in ellec ualism in Ame ican Li e zeige sich
seine schlech e Angewohnhei , seine Ve eidigung on In ellek ualismus mi seine sozial-
demok a ischen poli ischen Eins ellung zu e mischen.16 Schon Boo s in wa au ge allen,
dass Ho s ad e ü sein G uselkabine de An iin ellek uellen keinen einzigen Ve e e aus
den Reihen de Demok a en and.17
In seine his o iog aphischen Ve o ung Ho s ad e s ha de His o ike Daniel J. Singal
g öße e Feinhei en he ausgea bei e . In de Ta zeig Singal, dass Ho s ad e an angs zu
eine G uppe on In ellek uellen gehö e, die sich übe die Unge eim hei en on F anklin D.
Roose el s New-Deal-P og ammen au eg en und FDR nu wide willig als ähigen Poli ike
ane kann en. Ho s ad e , de on ma xis ischen und p og essi en Denkschulen beein luss
wa , hiel in seinen ühen Übe legungen an de Vo s ellung es , » ha poli ical beha io
was in a iably a ional, ha people ac ed poli ically in acco dance wi h hei in e es s, and
ha poli ical leade s se ed hose in e es s in cohe en ideologies«.18 Als diese Ansa z ihn
nich wei e b ach e, e u eil e Ho s ad e die Rhe o ik de Poli ike als »k assen Oppo -
unismus«,19 was in We ken wie The Ame ican Poli ical T adi ion (1948) deu lich wi d. In
seinem Kapi el zu FDR äum e e alle dings ein, dass, in den Wo en Singals, »oppo unism
in he hands o a mas e poli ician migh ha e i s me i s«.20 In de Folgezei widme e sich
Ho s ad e de Analyse on symbolische Kommunika ion, die e insbesonde e in seinem
Buch The Age o Re o m (1955) ausbau e und dabei neue We schä zung ü den poli ischen
P og essi ismus und Roose el s New Deal en wickel e. Gleichzei ig e hä e e sich abe
seine Abneigung gegenübe dem Populismus. Singal sp ach on einem »Doppels anda d«,
de dem P og essi ismus eine oppo unis ische Symbolsp ache zuges and, diese abe aus
dem Mund on Populis en e u eil e. Singal ag e: »I Ho s ad e was willing o g an he
u ban middle class hei symbolic com o s, why could he no do he same o he despe a e
and uined a me s who need such com o s e en mo e?«21 Seine An wo da au wa Ho -
s ad e s Kosmopoli ismus mi seine s a ken Abneigung gegenübe »small- own Ame ica«,
de sich insbesonde e in An i-in ellec ualism in Ame ican Li e zeig e.22
15 F um o. D.
16 Ebd.
17 Boo s in 1963, 19.
18 Singal 1984, 978.
19 Ebd.
20 Ebd., 985.
21 Ebd., 989.
22 Ebd., 991.

134 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
3. De Scopes-A enp ozess du ch die Mencken-Ho s ad e -B ille
Ein einschlägiges Beispiel ü o u eilsbelas e e Da s ellung on ückwä sgewand en, länd-
lichen Kleins äd e n is Ho s ad e s Nache zählung des Scopes-A enp ozesses im S il on
Mencken. 1925 wu de in Day on, eine Kleins ad im S aa Tennessee, de Leh e John Tho-
mas Scopes angeklag , die E olu ions heo ie nach Da win un e ich e zu haben, was in Ten-
nessee du ch den Bu le Ac e bo en wa . De P ozess wu de zu einem Spek akel, weil zwei
Schwe gewich e de ame ikanischen Ö en lichkei Anklage und Ve eidigung übe nahmen.
Die Ve eidigung üh e Cla ence Da ow (1857–1938). E ha e sich als Rech sanwal de
jugendlichen Mö de Richa d Loeb und Na han Leopold, die den 14-jäh igen Robe F anks
umgeb ach ha en und die e o de Todess a e bewah e, einen Namen gemach . Im Sco-
pes-A enp ozess wu de e on de 1920 geg ünde en Ame ican Ci il Libe ies Union (ACLU)
beau ag , eine Nich egie ungso ganisa ion, die sich ü Belange des Libe alismus einse z e
und spä e du ch den Einsa z ü s ik e T ennung on S aa und Ki che, das Rech au Ab ei-
bung und die Gleichs ellung on Homosexuellen bekann wu de. Die Anklage übe nahm de
d ei ache P äsiden scha skandida de Demok a en, William Jennings B yan (1860–1925),
ein une müdliche Ve ech e populä e Anliegen, da un e auch de undamen alis ischen
Ablehnung de E olu ions heo ie.
23
In de Be ich e s a ung on Mencken wu de de P ozess zum Symbol ü den An iin el-
lek ualismus on Kleins äd e n. H. L. Mencken (1880–1956) wa Redak eu des Ame ican
Me cu y und be ich e e übe den Scopes-P ozess ü die Bal imo e E ening Sun. Michael
Hochgeschwende nann e Mencken den »Meis e eine skep isch-i onischen und eli ä en
Ve sion des ame ikanischen Libe alismus«, de mi da ü so g e, dass de P ozess als »sym-
bolische Sieg de libe alen, o sch i lichen, in ellek uellen und ole an en U bani ä übe
den bigo en und ücks ändigen Fana ismus de abe gläubischen Landbe ölke ung und de-
en obsku an is ische Lebensweise ge eie wu de«.24 Mencken bezeichne e den Scopes-P o-
zess als »bu oone y« ode »Hanswu s e ei«, besch ieb die Ablehnung de E olu ions heo ie
du ch Gläubige als »Ve schwö ung de Minde we igen gegen die ihnen Übe legenen«;25 e
bezeichne e die Bewohne on Day on als Baue n ölpel (»yokels om he hills«) und P ima-
en (»p ima es«), ü die Zwei el an de Bibel ein gleichg oßes Ve b echen wie Kannibalismus
wa und die Ve ech e de E olu ions heo ie als Agen en des Teu els be ach e en (»agen s
o Beelzebub«).26 Du ch seine Be ich e s a ung wu de die F age, ob de Mensch om A en
abs amme ode on Go gescha en wu de, nach dem Scopes-A enp ozess on Ka ika u is-
en o so da ges ell , dass die Fundamen alis en on Day on die eigen lichen A en wa en.
23 Mi Edwa d J. La sons
Summe o he Gods
(1997) und kommen ie en Quellensammlungen wie Willa d B. Ga e-
wood, J .’s
Con o e sy in he Twen ies
(1969) und Je ey P. Mo gans
The Scopes T ial
(2002) gib es mi le weile
di e enzie e Da s ellungen des P ozesses.
24 Hochgeschwende 2016, 214, meine Übe se zung.
25 Mencken 1925a, meine Übe se zung.
26 Mencken 1925b, meine Übe se zung.
Bassimi : Das »Mencken-Pa adigma« und Ho s ad e s An iin ellek ualismus o wu  | 135
Au ähnliche A und Weise besch ieb Ho s ad e » he olde , u al and small- own
Ame ica« als Gegne des Mode nismus, dem es in Fo m on Ku-Klux-Klan, P ohibi ion,
dem Scopes-A enp ozess und Kampagnen gegen den e s en ka holischen P äsiden -
scha skandida en Al Smi h en gegen a .27 E ass e all diese dispa a en Bewegungen
un e dem Beg i Fundamen alismus zusammen, de inie als eine »soziale und heolo-
gische Reak ion« gegen den Mode nismus und »hunde p ozen ige Men ali ä «.28 Mode -
nismus dagegen wa sein Beg i ü die Ve ech e de »his o isch-k i ischen Bibellesa ,
de E olu ions heo ie, de Social-Gospel-Theologie und k i ischen Denkens im Allgemei-
nen.29 Fü Ho s ad e symbolisie e de Scopes-A enp ozess die Auseinande se zung
zwischen Fundamen alismus und Mode nismus schlech hin,30 und es e wunde e ihn
nich , dass William Jennings B yan die Anklage übe nahm und dami die Posi ion de
An ie olu ionis en e kö pe e. Ho s ad e zu olge e banden sich in de Pe son B yan
die beiden g undlegenden Fo men landläu ige F ömmigkei : e angelikale Glaube und
populis ische Demok a ie. Diese wiede um bilde en die Basis ü An iin ellek ualismus.31
So, wie de Religionshis o ike D. G. Ha u eil e, dass Menckens K i ik am Fundamen-
alismus le z endlich nich s ande es wa als seine Feindseligkei gegenübe Demok a ie
und Egali a ismus, so beobach e e Singal eine besonde e Abneigung Ho s ad e s gegen-
übe Populismus und Kleins äd e um.32
4. Fundamen alismus-Mode nismus-Kon o e se:
Ho s ad e . heologisches Selbs e s ändnis
Diese Bina ismus zwischen ückwä sgewand em Fundamen alismus und p og essi en Mo-
de nismus is in die Geschich ssch eibung eingegangen. Wäh end Mencken zwa die Ablö-
sung des Beg i s Fundamen alismus on seinen eligiösen Wu zeln o be ei e e, ollzog Ho -
s ad e die Gleichse zung on Fundamen alismus mi Populismus und An iin ellek ualismus.
33
27 Ho s ad e 1963, 123.
28 Ebd., 121.
29 Ebd.
30 Ebd., 125.
31 Ebd., 127.
32 Ha 1988, 8; Singal 1984, 989.
33 Ha wies da au hin, dass Mencken in seine Be ich e s a ung übe B yan »übe aschend s umm« – »su p ising-
ly silen « – wa , was eligiöses Dogma anging, und s a dessen B yans poli ische Posi ion ang i (Ha 1988, 6).
Mencken wa A heis und Skep ike , abe in ensi an Religion in e essie , p leg e gu e Ve häl nisse zu Nonnen und
P ies e n in seinem ka holischen Bal imo e und b ach e Respek ü die Denk adi ion des ch is lichen Fundamen-
alismus au . Mencken e ach e e den konsequen en Dogma ismus als einzig mögliche eligiöse Hal ung. Nach Ha
»lehn e Mencken also das Ch is en um aus denselben G ünden ab, wie die Fundamen alis en es e eidig en; beide
Sei en in e p e ie en das ch is liche Dogma als p oposi ionale Wah hei en, die Mencken ü alsch hiel und die
konse a i en P o es an en als ich ig akzep ie en«. (»Mencken, hus, ejec ed Ch is iani y on he same g ounds
ha undamen alis s de ended i ; bo h sides in e p e ed Ch is ian dogma as p oposi ional u hs which Mencken
concluded we e alse and conse a i e P o es an s accep ed as co ec .«) (Meine Übe se zung. Ha 1988, 5–6).
136 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
Dass de Scopes-A enp ozess als Höhepunk de Fundamen alismus-Mode nismus-Kon-
o e se adie e wu de, is e wunde lich, da es sich zunächs einmal um eine inne heo-
logische Kon o e se handel e, die insbesonde e in den p esby e ianischen und bap is ischen
Gemeinden im No den de USA ausge och en wu de.34 Fundamen alismus wa dabei die
Selbs bezeichnung eine bes imm en Rich ung des P o es an ismus, die in den 1910e Jah-
en on Theologen aus o mulie und zum Beispiel in de Sch i en eihe The Fundamen als:
A Tes imony o he T u h (1910–1915) publizie wu de.35 Dem His o ike Ma hew Su on
zu olge e deu lich e die Rezep ion diese Sch i en eihe das wachsende Schisma inne halb
des P o es an ismus: Eine sei s bo en die Sch i en T adi ionalis en eine Basis, au die sie
sich konzen ie en konn en, ande e sei s b ach en sie Libe ale, die eine Mode nisie ung ih e
Glaubens o s ellungen ans eb en, wei e gegen sich au .36 Wäh end de 1920e Jah e s ell en
beide Sei en ih e Posi ionen in P edig en, Pamphle en und ande en Ve ö en lichungen da .
De Bap is , P a e und Di ek o de No hwes e n Schools, William Bell Riley (1861–1947),
de inie e in dem Au sa z The Fai h o he Fundamen alis s (1927) Fundamen alismus als ein
Fes hal en an adie en ch is lichen G undsä zen, wozu e (1) die Ve balinspi a ion und Un-
ehlba kei de Heiligen Sch i , (2) die D ei al igkei Go es und (3) die jung äuliche Gebu
Jesu und sein ollkommenes Go sein und Menschsein zähl e. E benann e (4) die Scha ung
des Menschen als Abbild Go es sowie die sündha e Na u de Menschen, (5) Jesus s ell e -
e enden Op e od und (6) seine Au e s ehung und Himmel ah und Fü sp ache ü die Men-
schen als wei e e undamen ale Glaubenssä ze. Zu den G undsä zen des Glaubens echne e
e auße dem (7) Jesus pe sönliche, p emillenna is ische und immanen e Wiede keh , (8) dass
alle, die Jesus Ch is us im Glauben annehmen, du ch den Heiligen Geis wiede gebo en und
dadu ch Kinde Go es we den und (9) die kö pe liche Au e s ehung und E e ung de Ge-
ech en und ewiges Leiden de Unge ech en.37 Im Selbs e s ändnis wa Fundamen alismus
ein Fes hal en an adie en heologischen G undsä zen.
Schon die Fokussie ung au William Jennings B yan als Fundamen alis en is nich so
ep äsen a i , wie es bei Ho s ad e den Anschein ha . B yan, de Laien-P esby e , e s and
seinen Einsa z in Day on o allem als Fo se zung seine populis isch-demok a ischen und
p og essi en Poli ik.38 B yan, de d eimalige P äsiden scha skandida de Demok a en, e -
a landwi scha liche In e essen, un e s ü z e libe ale und populä e Anliegen wie die Volks-
wahl on Sena o en, eine Einkommenss eue , die Scha ung des A bei sminis e iums, die
Obwohl e Fundamen alismus ü alsch hiel , bewunde e e Theologen wie John G esham Machen und be and,
dass B yan zu »Machens Ma e ho n so hoch wie eine Wa ze« wa (Ha 1988, 6).
34 Vgl. La son 1997, 36; Thompson 1982; Long ield 2000, 35–50.
35 Vgl. Fundamen als, The; o , Tes imony o he T u h 2004, 279.
36 Su on 2014, 89.
37 Riley 1927, 434–436, zi ie nach Ga ewood 1969, 74–77; gl. Kapi el 4 in Russell 1976, 79–134.
38 Randall Balme und Lau en F. Winne be onen, dass B yans Einsa z in Day on nich so iel mi de Ta sache zu un
ha e, dass Da wins Leh e im Gegensa z zu biblischen Schöp ungsgeschich e s and, ielmeh ü ch e e B yan die
Folgen des Sozialda winismus (Balme /Winne 2002, 220).
Bassimi : Das »Mencken-Pa adigma« und Ho s ad e s An iin ellek ualismus o wu  | 137
P ohibi ion und das F auenwahl ech . Aus pazi is ische Übe zeugung a e 1915 als Außen-
minis e on Wood ow Wilson zu ück, als die USA in den 1. Wel k ieg ein a en.39 Wie aus
seinen Kommen a en im P ozess kla wi d, ging es B yan insbesonde e um demok a ische
Teilhabe in F agen, die Familie, Bildung und S eue n be a en. Soll en S eue gelde ü die
Leh e de E olu ions heo ie e wende we den, wenn die Meh hei de Bü ge eine ch is lich-
mo alische E ziehung be o zug e?40 Wäh end die wei gehend libe ale Aus ich ung on B yans
Poli ik schlech in unse heu iges Bild des poli ischen Fundamen alismus als konse a i e
Reak ion au die Mode ne pass , en sp ach auch B yans Religions e s ändnis, obwohl übe -
wiegend konse a i , nich passgenau zei genössischen De ini ionen. Schon C. Allyn Russell
be and, B yan »did no i he adi ional undamen alis s e eo ypes«.41 B yan kann wede kla
als P emillenna is 42 e o e we den, noch schein die Wiede kun Ch is i eine zen ale Rolle
in seinem Glauben gespiel zu haben, beides zen ale undamen alis ische Glaubenssä ze.43
Im Kon ex de Zei wa en die Gegne , gegen die Fundamen alis en in e s e Linie an-
kämp en, keine A heis en und Skep ike ode Ve ech e de E olu ions heo ie, wie es in
Ho s ad e s Na a i den Anschein ha ; die eigen lichen Gegne wa en die heologischen
Mode nis en, die Re o me inne halb de Ki chen, die, beein luss on de his o isch-k i-
ischen Me hode, die Bibel nich meh wö lich, sonde n als Allego ie lasen und eilweise in
Jesus nich meh Go es Sohn, sonde n einen g oßen Philosophen sahen. Den Mode nis en
ging es nich da um, im S il eines Mencken Religion läche lich zu machen, sonde n im
Gegen eil, ch is liche Glaubenssä ze in eine sich apide wandelnde, säkula isie ende und
mode ne Wel zu e en. Die ielleich bekann es e zei genössische De ini ion on Mode -
nismus s amm aus The Fai h o Mode nism on 1924 on Shaile Ma hews (1863–1941),
P o esso und Dekan de heologischen Fakul ä de Uni e si y o Chicago: »I is he use o
he me hods o mode n science o ind, s a e, and use he pe manen and cen al alues o
inhe i ed o hodoxy in mee ing he needs o a mode n wo ld. […] In b ie , hen, he use o
scien i ic, his o ical, social me hod in unde s anding and applying e angelical Ch is iani y
o he needs o li ing pe sons, is mode nism.«44 Wie Ka h yn Lo on be on , zeichne e sich
Mode nismus insbesonde e du ch eine konsequen e Anwendung wissenscha liche Me ho-
den au die Bibel aus.45
39 Zu B yan gl. u.a. Kazin 2007.
40 La son 1997, 31–59, 198–199.
41 Russell 1976, 162.
42
P emillenna ismus is eine bes imm e heologische Auslegung de Dok in de Wiede kun Ch is i. Ve ein ach
gesag besag diese Les
a de Johannes Apokalypse, dass die Wel in Chaos e sink und e s du ch die Wiede -
kun Ch is i ein hunde jäh iges F iedens eich eingeläu e wi d ( o (»p e«) dem hunde jäh igen Reich (»Millen-
nium«)). Die gegensä zliche Lesa des Pos millenna ismus besag , dass die Wel imme besse wi d und in ein
hunde jäh iges F iedens eich münde und Ch is i Wiede kun am Ende (»pos «) diese Zei spanne (»Millennium«)
zu e wa en is .
43 Vgl. Kapi el 7 in Russell 1976.
44 Ma hews 1924. Zu Mode nismus gl. u.a. Hu chinson 1976; Do ien 2002; Do ien 2003.
45 Lo on 2006.
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hannes Gu enbe g-Uni e si ä Mainz. Nach dem S udium de Geschich e und Religionswissenscha
in den USA und Tübingen wu de sie in Müns e p omo ie . Sei 2013 a bei e sie in Mainz, zunächs
in de DFG Fo sche g uppe UnDoing Di e ences an einem P ojek zu eligiösen Zei sch i en o -
schung und sei 2021 im SFB Humandi e enzie ung in einem P ojek zu E näh ungspoli ik und Sozi-
als aa lichkei . Ih Buch, E angelical News: Poli ics, Gende , and Bioe hics in Conse a i e Ch is ian
Magazines o he 1970s and 1980s, e schien 2022 bei Alabama Uni e si y P ess.
bassimi @uni-mainz.de
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