scieee Science in your language
[de] (orig)

Lukretia, oder: über die literarischen Projektionen von der Macht der Männer und der Ohnmacht der Frauen : Darstellung und Bewertung von Vergewaltigung in der "Kaiserchronik" und im "Ritter vom Thurn"

Read accessible full text

Lukretia, oder: über die literarischen Projektionen von der Macht der Männer und der Ohnmacht der Frauen : Darstellung und Bewertung von Vergewaltigung in der "Kaiserchronik" und im "Ritter vom Thurn"

Author: Bennewitz, Ingrid
Publisher: Otto-Friedrich-Universität
Year: 1989
DOI: 10.20378/irb-90938
Source: http://fis.uni-bamberg.de/bitstreams/6cd25b2d-eaa5-4dd9-91ba-e572dbfa0bc8/download
113
Ing id Bennewi z
LUKR ETIA, ode :
Übe die li e a ischen P ojek ionen on de Mach de Männe und de
Ohnmach de F auen. Da s eUung und Bewe ung on
Ve gewaJ i~
gung in de
11
Kaise ~h onik" und im "Ri e om Thu n".
"Als die Männe en deck en, _daß sie e gewal igen konn en, mach en sie
on diese En deckung auch Geb auch. Spä e , iel spä e en; sahen sie
unle bes imm en Ve häl nissen Ve gewal igung als Ve b echen an."
(Susan B ownmiUe ) 1
Jene "bes imm en Ve häl nisse", die Susan B ownmille hie o ause z ,
scheinen jeden alls zum Zei punk de En s ehung des Luk e ia-S o es
be ei s als gesellscha liche No men akzep ie gewesen zu sein. Sei seine
sch i lichen Fixie ung du ch die Au o en de ömischen Klassik (Li ius,
Cice o, O id) 2 ha sich kaum ein Li e a die Möglichkei en gehen lassen,
im
Falle de Diskussion des heiklen Themas 'Ve gewal igung' das Handeln
de Luk e ia als P äzedenz all -sei es zus immend, sei es ablehnend -
in
E inne ung zu u en und ih e Ges al
dem
e glichen mi
de
endlosen
Reihe.jene
11
illus en
11
Männe , die
sich
in
besonde e Weise um Va e lä i~
de , Küns e und Wissenscha en e dien gemach haben, so schmalen
Ka alog cle
be ühm en
F auen
einzuo dnen 3; Dies gil ü die
'Vä e ,
de
la einjschen und olkssp achlichen Geschich ssch eibung und de Pa is ik
(Te ullian, Augus inus, O o on F eising, de unbekann e Au o
de
'Kai-
se ch onik,) ebenso wie ü die Au o en de 'Tugendspiegel de Weibe
und Jung auen' 4 (Geo ey de la Tou Land y, sein Übe se ze Ma qua
1 Susan B ownmille : Gegen unse en Willen. Ve gewal igung und Männe he scha .
P ank u M.
1985
(o ig. New Yo k 1975).
2 Vgl. den Übe blick bei E ns F ied ich
Ohly:
Sage und Legende
in
de
Kaise ch onik.
Müns e
1940,
ep . Da ms ad 1968,
S.
8& .
3
Es
schein müßig, hie nochmals die P oblema ik
de
'Geschich slosigkei ' on F auen
disku ie en zu wollen.
Ich
e weise s a dessen au das Einlei ungskapi el on Ma ialouse
Ja
ns
sen.Ju ai : Sexismus. Übe die Ab eibung
de
F auen age. F ank u /M.
1980
(3.
A1J l
.),
bes
.
S.
54 .
4 So
de
(Un e )Ti el des "Ri e om Thum".
DOI: 10.20378/i b-90938
114
BENNEWITZ
on S ein) bis hin zu Bea bei ung als Ve sepos bei William Shakespea e
('The Rape o Luc ece,). Denkwü dig e schein dies o allem dann,
wenn
man be ücksich ig , welchen Legi ima ionsschwie igkei en jede auch nu
ansa zweise Rech e igung des Selbs mo dgedankens inne halb de ch is -
lichen Glaubensübe zeugung begegnen muß e. Zudem ha e Augus inus
im
e s en Buch des "Go ess aa es" dazu be ei s unmiß e s ändlich S ellung
bezogen. In seinen Re lexionen übe das Thema 'Ve gewal igung'
im
allge-
meinen und den Selbs mo d de Luk e ia
im
besonde en (I. Buch, Kap.
15
-20) inde sich denn auch eine eindeu ige Ablehnung diese Vo s ellung:
"P ägen wi es uns on nun
an
es ein, daß die Heiligkei des Leibes auch bei
seine Ve gewal igung nich e lo engeh , wenn die Heiligkei des Geis es
gewah bleib
....
Wenn sie sich also, obwohl selbs keine Eheb eche in, das
Leben nahm,
weil
sie sich des Eheb eche s nich e weh en konn e, so
a
sie
es nich aus Liebe zu Keuschhei , sonde n aus schwächlichem Schamge-
ü
hl.'S .
Mag sein, daß de 'Heidin' Luk e ia
in
diese Beziehung ein Ausnahmes a-
us zuge eil wu de -die mi elal e lichen Au o en jeden alls zeigen sich in
ih e Behandlung de Luk e ia-Vo lage nich
im
mindes en on de lei
Sk upel angie , und bei allen Abweichungen, die e wa zwischen de
Ve sion de Kaise ch onik und jene des Ma qua on S ein es zus ellen
sind, bleib die posi i e Bewe ung de P o agonis in, ge ade au g und
dieses Ak es eiwillige Selbs bes a ung, kons an . Die Eupho ie
de
abschließenden Lobeshymne im "Ri e om Thu n„ ließe sich soga
als
implizi e Zu ückweisung de augus inischen Polemik e s ehen:
"O
d
I'
e •
8 u unse
1ge
schone dieses Weibs/O
du
lau e e einigkei deines
g~mu s/we mag dich olloben/ode so hoch e h~hen als du wo wi dig bis ?
N1emancJ/denn
de
be ach en kan was du ge han has /wie g oß du Weibliche
eh e geach e
ha~ /we~
s a
~u
deinem Leib/ mb ennalgung ange han
has / nnd doch dem emes gemu nie gewencke ."
(3ll a)
6
In de Luk e ia-Episode de 'Kaise ch onik' ge a en diese dem S o inne-
wohnenden In e p e a ionsschwie igkei en au g und de eigenwilligen Be-
5 Au elius Augus inus: Vom Go ess aa (De ci i a e dei). Buch
1-X.
Aus dem La .
üben agen on Wilhelm Timm. Eingel. und
kon1m.
on Ca l And esen. München 1977, S.
33 ., 35, 36 .
6 Dieses und alle olgenden Zi a e aus dem "Ri e om Thum" we den nach
de
Fassung
des
"Buchs
de
Liebe" (1587) wiede gegeben.
115
LUKAETIA
a bei ung des anonymen Ve asse s scheinba
ins
Hin e e en. Die Ten-
denzen de
11
Ve hö ichung
11
7 diese o z allem noch 'heidnischen' Sage
gegenübe de
in
.
4338
ausd ücklich genann en Quelle, nämlich O ids
'Fas en' (II, 685 .) 8, ha e s mals F ied ich Ohly in seinen Un e su-
chungen
zu
''Sage und Legende in de Kaise ch onik" minuziös analysie .
Sein Ve such eine ypologischen Deu ung des Tex es,
in
e s e Linie na-
ü lich ausge ich e am 'ch is lichen' Gegen ypus
de
'Kaise ch onik', de
C escen ia-Legende, s ieß au den Wide s and Wol gang Moh s,
de
zu-
gleich die bis dahin
on
allen In e p e en e nachlässig e und auch
on
Ohly ungelös e F age nach de Beziehung de Almenia-To ila-Szene zu
üb igen Handlung in das Zen um seines F agein e esses s ell e. 9 In de Ta
schein im ich igen Ve s ändnis diese me kwü digen und inselha in die
Luk e ia-Geschich e eingelassenen Episode de Schlüssel zum ich igen
Ve s ändnis des Tex es
zu
liegen1 und dies umso meh , als sie,
wie
Pe e
K.
S ein nachweisen konn e, auch o mal an besonde s ausgezeichne e S elle
s eh : sie bilde ziemlich exak die a chi ek onische Mi e de Luk e ia-
E zählung.
lO
Ich skizzie e ku z den Zusammenhang de Szene:
Nach e olg e F auen-P obe keh en Conla inus und Ta quinius ins
Hee lage
on
Vi e bo zu ück, de König ges eh seine 'Niede lage'
ö en lich ein
( .
4556 .). Anläßlich eines Fes es/eine Tu nie e ans al ung
de
Röme (
11
Römae e he en g öze i' e sca
11
,
.
4565) bi en sie
um
Wa ens ills and, um sich
mi
den F auen de bese z en S ad 'un e hal en'
11
zu
können -
wie
seh diese Szene am Vo bild de Minnekasuis ik
s ilisie is , läß sich an de gänzlichen Nich ach ung de Nebenums ände
7 In
~alogie
zu
No be Elias' Cha ak e isie ung
de
"Ve hö lichung de K iege " ( gl.
N.
Elias:
Ube
den P ozeß de Zi ilisa ion. 2 Bde. F ank u M.
7.
Au l.
1980,
hie
Bd.
2,
S. 351.)
8 Alle Angaben nach de Ausgabe on
Edw.a. d
Scb öde : Die Kaise ch onik eines·
Regensbu ge Geis lichen. Hanno e 1892 ( =Bd. 1 de Monumen a Gennaniae His o ica).
9 Wol gang Moh : Luc e ia
in
de Kaise ch onik.
In:
DVjs
26
(1952), S.
433
-446.
10
Pe e
K S ein:
Zu
Rolle des Geschehens in
de
. ühmi e hochdeu schen Epik. Diss.
Salzbu g
1970.
De .;.: Beobach ungen zu S uk u de Vo aue Handsch i . Ein
VeTSuch
zum Ga ung.5p oblem de ühmi e!hochdeu schen Dich ung. In: Gesammel e Vo äge
de
Lilien e de Tagung
1976,
hg.
on
Al ed
Ebenbaue u.a., Wien 1977,
S.
233
-
238.
11
Deu lich
wi d
hie die Abhängigkei on "Ri e um" on de Möglichkei eine
ö en lichen Zu kenn nisnahme du ch ein hö isches Publikum. Dazu komm noch die
besonde e Aus ich ung
au
die Ane kennung du ch ejn weibliches •Publikum und die
Schmuck•Funk jon adelige F auen
im
Ze emoniell des hö ischen Fes es ( gl. e wa
im
'Nibelungenlied' die e s e Begegnung zwischen K iemhild und Sieg ied, S . 274 ,).
.
116
BENNEWITZ
beobach en:
was
in
de
Zwischenzei mi den belage en Männe n passie ,
wieso diese sieb übe haup be ei e klä en, ih e F auen den Feinden zu
,übe lassen', s eh nich zu Diskussion. Eine besonde s edegewand e und
kühne F au, Almenia
( ain
pal sp achiu" nenn sie die 'Kaise ch onik', und
es schein ,
daß
hie de Boo s Übe se zung " o lau ", gegen die sich indi ek
schon W. Moh e weh ha 12, meh
de
Einschä zung solche F auen
du ch den In e p e en als dem im mi elhochdeu schen Tex konno ie en
Sinn en sp ich ) wende sich
an
den Röme To ila mi de nich eben leich
zu bean wo enden F age, was e pe sönlich wohl be o zugen wü de:
"Ob dih ain scöniu owe
wol e minnen alle dise nah ,
ode
d0
mo gen
ded
ac
in dinem gewae en so es g~n,
eh en
mi ainem a!sö kuonem man
s0
d0
wäenes daz
d0
s s ..." ( . 4588 .).
To ila inde einen diploma ische~ Ausweg
im
"sowohl-als auch''; beides
habe seine Vo züge, doch eine endgül ige En scheidung könne
e
nich
e en:
'lldQ
ilges mih ze e e:
ih
pin
ain ump man,
di'ne ede ih
nih
'Ol
gean wu en kan." ( . 4616 .).
Scheinba zusammenhanglos äg Almenia da au hin ih eigen liches An-
liegen o , die Bi e um F ieden ü die Bewohne de belage en S ad
gegen die Auslie e ung de wen=.gen Übel ä e , womi sie sich auch a säch-
lich du chse z . -Dami is die Episode abgeschlossen; die nächs en Ve se
( .
4645 .) gel en be ei s dem Schla zimme -Gesp äch zwischen Ta quinius
und de Königin, die eine Re anche ü die ih zuge üg e Demü igung
o de . W. Moh sieh nun die beiden Au i e o de belage en S ad -
also die Männe we e zwischen Ta quinius und Conla inus und die
Diskussion
on
To ila und Almenia - e knüp du ch die als he
(= o
hö ische, a chaische)
bzw.
ich ige (=hö ische) S ellungnahme zum
P oblem des " üemens":
12
Helmu
de
Boo : Die deu sche Li e a u on Ka l dem G oßen bis zum Beginn
de
hö ischei:a Dic~ ung:.770 -1170.
M~nch:n
(6. Au l.)
19~,
S.
231.
Dazu W.
Moh
(Anm.
9),
s.
440. -
Dle
glc che Ube se z.ung W1e
be1
de Boo auch m
E.
B b: Geschich e
de
deu schen
Li e a u
.
Von
den An ängen bis
1160,
Be lin 1965,
S.
723.
LUKAETIA
117
"Die hö ische Wel meis e das Leben an
de
S elle, wo die
'Heldensagenwel '
in
agische Ve wi ung ge ä . Die Vo de g undhandJung
is so gebau , daß
in
dem Gesp äch, das
zu
We e üh ,
de
Keim des
ganzen Ve hängnisses lieg . Die To ila-Anekdo e bezieh sich au das
Gesp äch zu ück und weis dami genau
au
den Punk hin, on dem aus die
T agödie
in
Bewegung ge ä .
Voß
ih aus gesehen e schein die We e
ausd ücklich als agische Schuld." 1 •
Zw.ci elsohne wa dami de Boo s Ansich , daß man 1'diese Szene in ih e
Ve einzelung nich übe schä zen (dü e)" und
-sie
"bedeu ungslos
im
Zusammenhang ... ohne Lösung zu Boden ( alle)" 14, endgül ig en k ä e
Und dennoch en häl die Tex assung de 'Kaise ch onik' zu iele
Unge eim hei en,
als
daß
sie allein mi Moh s In e p e a ion de Almenia-
To ila-Szene ausge äum wä en. Das be i e wa das schon e wähn e
Schla zimme -Gesp äch zwischen -' a quinius und de bezeichnende weise
s e s anonym bleibenden Königin, das Julius Schwie e ing und in seinem
Ge olge Ohly und Moh
11
aus de Kenn nis heimische Heldensage"
beg i en wissen woll en
15
, jenes Gesp äch also, in dem die
Königin·
ih en
Ehemann zu Wiede he s ellung ih e Eh e au o de und
ihm
aJs
Mi el
zu diesem Zweck die Ve gewal igung Luk e ias naheleg , wobei sie die
dazu nö igen Ak ionen be ei s
bis
ins kleins e De ail o ausgeplan ha .
De Un e schied zu Konzep ion
O ids,
wo de Sohn de Ta quinius beim
bloßen Anblick de Luk e ia on Besi zwünschen (das Wo 'Liebe' soll e
hie
wohl
unlichs e mieden we den 16) übe allen wi d und noch
wäh end de Rückkeh ins Lage wende , um nunmeh allein und in ein-
deu ige Absich das Haus des Conla inus au zusuchen, konn i: so on
F.
Ohly in dem ma kan en Sa z cha ak e isie we den, daß, ''was do de
Liebesb and des Mannes
...
hie die Rachesuch des beleidig en Weibes
dem König ein(gebe
)"
1
7.
Daß
eilieh in de 'Kaise ch onik' "de König ... nu
im
Geho sam seine •
F au (handle)"
18
, wi d bei genaue e Du chsich des Tex es schnell genug
.3
V/.
Moh (Anm. 9),
S.
442.
14
De
Boo {An1'9'.•
12),
S.
231.
15 Julius Schwie e ing: Die de:u sche Dich ung des Mi elal eis. Po sdam
oJ.
(1941), S. 98 .
16 ande s Ohly (Anm. 2),
S.
96:
~O id
~cn;enk sich ganz
in
die Schilde ung
de
wachsenden
Liebe des Ta quinius."
17
F.
Ohly (Anm. 2). S.
98.
18 Ebd.

118
BENNEWITZ
ela i ie . Die Königin kann ih en Plan kaum so asch zu Ende o b ingen,
wie
e
on ih em Ehemann begeis e ezipie und in die Ta umgese z
wi d:
"sie sp ach:'he e, wil d0 behal en mi'nen lis .
ih a e
di ,
daz
d0
daz selbe
w p
e wi is '.
'en iuwen', sp ah
de
kunic he e,
'des
. a es olge ih
di
i
1 ge ne'."
( .4
6 73 .)
und
"de
kunic nih lange nebai ,
il Olich
e
da
ei " ( .4695 .)
Doch e s aunlich wi k nich nu die ' öhliche Eile' des Ta quinius,
de
so
un e dem Vo wand, die Eh e de Königin wiede he s ellen zu müssen,
nun auch Ve ügungsgewal übe die Ehe au seines Feldhe en e eich .
Viel unglaubliche noch e schein de Um.s and, daß die Königin
ausge echne ih en eigenen Mann au o de n soll e, die Ri alin in
de
du ch die Männe we e ö en lich gewo denen pa ia chalen Ehe auen-
We ehie a chie au diese
A
und Weise auszuschal en. In
de
Ta
e lang e eine de a ige Posi ion -be ach e aus heu ige Pe spek i e -
doch noch bei wei em meh als jenes nich eben nied ige
Maß
an
sadomasochis ische G undeins ellung, das Sigmund F eud und seine
Schüle als Cha ak e is ikum de weiblichen Psyche o auszuse zen geneig
wa en.
19
Wie s eh es denn übe haup um ih ielzi ie es Ve sagen "als
mus e ha e Haus au und Ga in"
20
? Als sie on Ta quinius nach s mi
de Fo de ung nach Beg üßung und Bewi ung aus dem Schla ge issen
wi d, e weis ihn ih e An wo exak au die un e schiedlichen
Rollene wa ungen, die eine S ellung als Haus au und Ehega in
eine sei s
bzw.
jene de Königin
als
obe s e Rep äsen an in
de
eudaladligen Mach hie a chie ande e sei s zukommen:
"'wol es u iz
h e',
sp ah
s.i
, bedenken;
19
Beginnend mi S. F euds Abhandlun_gen
zu~
Sexual heo ie und e wand en Sch i en ( gl.
den
Au
swahlband, hg. on Alexande Mi sche hch. F ank u /M. 1977). Ich e weise dazu
au
den eminis ischen Disku s bei Ka e Mille : Sexµs und He scha . Die Ty annei des
Mannes
in unse e Gesellscha . Köln 1982 (o ig. 1969).
20 W.
Moh
(Anm. 9), S. 436.
LUKAETIA
119
ih
enpin wede uhsaeze noh schenke,
kame G e noh koch
ube al en disen ho
ih enweiz waz d O mi wizes :
ih
en uoh ob
dO
ieme
ih
es enbizes .'" ( . 4545 .)
Dod1 un e
de
Obe läche diese scheinba p i a en Auseinande se zung
um
eheliche Rollen e s ändn.isse und E wa ungshal ungen inde zugleich
ein b isan e (geschlech e -)poli ische Disku s s a . Wäh end nämlich
noch un(e den Salie n und Ouonen de F au des He sche s als Mi egen-
in und po en ielle Nach olge in ein wich ige S ellenwe zukam
(''conso s- egni"-Konzep ion)
21
, wu den diese Mach be ugnisse
im
12. und
13.
Jah hunu~ pa allel zu sys ema ischen He anbildung eine Bea1n en-
Eli e meh und
meh
eduzie .
Ob
diese
äl e e
Fo m
de
Mach pola isa ion
zu
Zei en de Ab assung de 'Kaise ch onik' noch als
his o isches Wissen p äsen wa , muß dahinges ell bleiben; mi Siche hei
jedoch blieb auch in
de
S au e zei
clie
Königin un e zich ba e
Bes and eil hö iscl1e Mach ep äsen a ion.
22
Welche Bedeu ung
de
F age nach de mach poli ischen Be eiligung de
Königin an de He scha und dami e bunden dem Ausmaß ih e pa -
iellen Gleichbe ech igung ode abe Un en e ung un e die Mach des
Ehega en noch in de ühen Neuzei zugemessen wu de, zeig nich zu.
le z die Au nahme de al es amen a ischen Geschich e on Ahas e os
und Vas hi in den Ka alog de Nega i -Exempel im '!Ri e
om
Thu n".
Auch hie bie e üb igens ein Gas mahl Anlaß zum Kon lik : König
Abas e os und Königin Vas hi e ans al en zu gleichen Zei , jedoch
äumlich ge enn , ein Mahl ü die männlichen
bzw.
weiblichen
Angehö igen des Ho s aa es. Als de König in Weinlaune seine schöne
Gemahlin o den Männe n p äsen ie en
will,
weige sie sich, seinem
21
Vgl. dazu Edi h Ennen: F auen
im
Mi elal e . München (2. Au l.) 1985,
S.
48 -
75;
Pe e
Ke sch: F auen im Mi elal e .
2.
Bd.:
F auenbild und F auen ech e
in
Ki che und
Gesellscha . Quellen und Ma e ialien. Düsseldo 1984,
S.
361
-
394;
Thilo Vogelgesang: Die
F au als He sche in im hohen Mi elal e . S udien zu "consoIS egni" -Fo meJ. Gö jngen •
usw.
1954
sowie Hans-Joachim Beh : Die Rückkeh des Ve bann en. Re lexe al e "conso s
egni"-Vo s eHungen im 1
Henog
E ns '?, in: Sp ache und Rech . Bei äge zu
KuJ u geschich e des Mi elal eß. Fes sch i ü Ru h Schmid -Wiegand zum
60.
Ge >.,
Be lin
und New Yo k 1986,
S.
43
-55.
22
Ich e inne e e wa an die li e a ische Da s el1ung des He scheipaa es in Wal he s Sp uch
L 19,5.
120
BENNEWITZ
Be ehl Folge zu leis en. Aus Fu ch , daß dieses Beispiel Schule machen
könn e, wi d on den "Weisen" des Königs ein Edik beschlossen, das die
Abse zung
de
Königin, ode besse : ih e Ablöse du ch die
11
nechs e()/die
besse is denn sie'' (298 a) zum Ziel ha und auße dem jeden Mann zum
"Obe he (n) in seinem Hause
11
(ebd.) e klä . 23
Doch zu ück zu Auseinande se zung zwischen Ta quinius und de Köni-
gin: ge ade weil sie in de oben geschilde en Szene au ih e Posi ion
a1s
He sche in
(im üb igen leg
ja
schon die deu sche Wo bildung die
eigen lichen Mach - und Abhängigkei s e häl nisse kla !) mi eigenem Zu-
s ändigkei sbe eich beha -ein Zus ändigkei sbe eich, de jeden alls
n i c h die P lich en de 'no malen' Ehe au mi um aß und sich gegen
diese Ein e nahme s äub , wi d das Schle e und Menschen e ach ende an
de Männe we e zwischen König und Feldhe besonde s deu lich: nich
genug dami , daß sie ih e F auen zum Gegens and des "Rühmens
11
(mi W.
Moh ), ode genaue zu Objek en ih e männlichen Selbs da s ellung de-
g adie en, konn en sie
im
G unde schon die Ausgangsposi ion diese
'Konku enz' nu dadu ch he s ellen, daß sie om je un e schiedlichen
sozialen und gesellscha lichen Rang de beiden F auen und den dadu ch
beding en di e enzie en Rollenmus e n abs ahie en und s a dessen das
uni o me Ze bild eines weiblichen Ideal e hal ens pos ulie en, dessen
einziges Bewe ungsschema
de
G ad de Un e we ung gegenübe
dem
Ehemann da s ell : schon ü Ta quinius und Conla inus also is in diesem
Sinne
"wip
alse
wip".
Schwie igkei en be ei e ge ade un e diese Pe spek i e die In e p e a ion
de
Disk epanz zwischen de ö en lichen Beleidigung de Königin
(Ta quinius bekenn die ' auliche' Übe legenhei Lu.k eHas
ja
o
dem
e sammel en Hee ,
gl.
.4558 .) und ih e Rache an Luk e ia, die
scheinba ,nu ' au die Ze s ö ung de en p i a e , pe sönliche In eg i ä
als
F au
abziel und deshalb keines alls ih e ö en lichen Rehabili ie ung
dienen kann. Schwie e ing ha e, als
e
die A ini ä des näch lichen
Gesp ächs zwischen Ta qu.inius und
de ·
Königin
ZU
ge manischen
Heldensage kons a ie e
24
, auch inso e n Rech , als es sich a sächlich
um
23
De
Ri e om
Thu n
(Anm. 6),
Kap.
45, Bl. 298 b- a.
24
Vgl. Anm.
15.
lUKF!ETIA
121
die do eben alls zu beobach ende Fo m on Männe p ojek ion handel ,
nämlich Schuld agen g undsä zlich
zu
Las en
de
be eilig en F auen gehen
zu
lassen: das gil ü B ünhild und K imhlld
im
'Nibelungenlied' ebenso
wie
ü die
11
iu elinne Ge lin " in
de
'Kud un1. Dann abe könn e de
Racheplan
de
Königin auch dazu dienen, einen Me~hanismus on Rache,
Gewal und Gegengewal in Gang
zu
se zen, de selbs o dem Ve lus
ih e eigenen sozialei:i S ellung nich hal mach e:
e
be i die -wie dje
Königin -
im
G unde unbe eilig e Luk e ia, die du ch die Ve gewal igung
zu Mä esse des Königs deg adie wi d; in e s e Linie -und dies nich
nu nach mi elal e liche Vo s ellung, s.u. -ih en Ehemann Conla inus,
dessen 'Eigen um' mißach e und ze s ö wi d, de deshalb zwangsläu ig
zu Ve gel ungsmaßnahmen g ei en muß; und
e
be i auch Ta quinius>
dessen Ane kennung
als
König du ch das Bekann we den dieses
Ve b echens au oma isch in Ge ah ge ä und
de
zusä zlich mi de
Blu ache des Ehemanns echnen muß.
25
Folge ich ig ende die Luk e ia~
Fassung de Kaise ch onik dahe nich mi de Da s ellung
de
poli ischen
Konsequenzen -dem Ende des ömischen König eiches -wie dies bei O id
geschieh , sonde n mi de 'p i a en' Auseinande se zung zweie einsame
• Männe , die high-noon-Szenen des Wildwes -Gen es o wegzunehmen
11
schein : Conla inus, de "ellende() man
( .
4801), de
ml
seine Ehe au
zugleich auch die Einbindung
in
die ömische Gesellscha e lo en ha ,
e schläg einen e iebenen Ex-König, um dessen
Tod
sich nich einmal
meh sein Ge olge kümme
( .
4801 .).
Auch in
de
Exempelsammlung des Ma qua
on
S ein du e die E zäh-
lung on Luk e ia, "ein ilh e in Römische eh ba kei de F auwen/ nnd
ein heylige hohe zie d alle eynigkei " (311 a) nich ehlen; sie s eh
25
Selbs e s ändlich bedien en sich die Angehö igen de eudaladligen Männe eli e
de
F auen in ih e Umgebung nach Belieben -ausgenommen da on soll en jedoch die Ehe auen
und Töch e eben diese Schich bleiben. Daß
de
Hinweis
au
sexuelle Übe g i e eines
He sche s a[s Rech sb uch gegenübe seinen Un e gebenen gewe e
wu de,
zeig beispiels-
weise
die
Anklagesch i gegen F ied ich den S ei ba en on Ös e eich (1236) zu
Beg ündung
de
Reichsach
( gl.
Adol Ficke~
Henog
F ied ich II.
de
Je z e Babenbe ge .
Innsb uck 1884, S. 49: "Die Minis e ialen
..
. behandel
e
nach seine Willkü , Mädchen und
F auen allen seinen Lüs en zum Op e ,.). -Einen ein üh enden Übe blick bie e Joachim
Bumke; Hö ische Kul u . Li e a u und Gesellscha im hohen Mi elal e . Bd.
2,
München
1986,
s.
561 .
128
BENNEWITZ
mi ih e Klage du chzukommen: 'Leich e igkei ' -die ju is ische Um-
sch eibung ü eine Lebenseins ellung on F auen, die nich in jedem Mann
schon den po en iellen Ve gewal igungs ä e e mu en -wä e noch
de
ge-
ings e Tadel, den sie sich einhandeln wü de.
38
zwei ellos beweisen die li e a ischen Zeugnisse des Mi elal e s und
de
ühen Neuzei , daß Ve gewal igung als schwe es Ve b echen eingeschä z
wu de.
Zu
den Ausnahmen wä e e wa
eile
be ühm -be üch ig e S elle aus
dem Minne ak a des And eas Capellanus
zu
zählen, in de die Ve gewal-
igung on F auen de bäue lichen Un e schich du ch männliche Ange-
hö ige
de
eudalen Füh ungsschich en meh ode wenige als 'He en-
spo ' eigegeben wi d
39
ode abe die ideologisie ende Ve klä ung on
Ve gewal igung,
wie
sie in de mi ella einischen Vagan enly ik s a in-
de .40 Da an.
daß
es sich in den beiden le z en Fällen um eine li e a i
sc
he
Ane kennung des ealgesellscha lichen Usus handeln dü e, e inne
jedoch auch Ha mann on Aue im '!wein':
"swe daz
i O
ü ein wunde
ime selben sage
daz
im
ein unsippiu mage
nah es
alsO
nähen lac .
mi de
e
ande s .nih enp lac,
de n weiz nih daz ein bide be man
sich alles des en hal en kan
des
e
sich en hal en
wil.
weizgo de n is abe nih
il."
( .6574 .) 41
Au schluß eich is ge ade in cliesem Zusammenhang die Un e suchung on
Jacques Rossiand
zu
"P os i u ion, Sexuali ä und Gesellscha in den
38
Ebd.
S.
149,
295, 308 . Vgl. auch
S.
283
zu Behandlung
o
Ge ich : "P auen, die o
de
Ta
mi dem
Tä e
in ein Lokal gegangen sind, die "au gelesen• wu den, F auen, die den
Tä e
o he be ei S kann en, und F auen, de en Ve gangenhei sie
als
"p omiskui i " ausweis ,
haben sich in den Augen on Geschwo enen unnö ig in Ge ah geb ach und sind
es
ni
ch
we ,
daß
ein Mann ih e wege.n e u eil wi d."
~-9
Vg]. Al ed Ka n.ein:
De
Amo e deu sch.
De
T ac a us des And eas Capellanus in
de
Ube se zung Johann Ha liebs. München
1970
(MTU 28), S. 191.
40 Vgl. e wa Pe us on Blois,
~!=} a es
ago Vcne is", N . 72 in den Ca mina bu ana (hg.
.
A.
Hilka und
0.
Schumann. Ube se zung de la ein. Tex e on Ca l Fische ,
de
mi elhochdeu schen on Hugo Kuhn. Anme kungen und Nachwo on G. Be n . Zü ich
und München 1974,
S.
232 .).
41
Zi .
n~.ch
Ha mann on Aue: Iwein. Tex
de
7.
Ausg. . G. F. Beneckc, K Lachmann und
L Wol . Übe se zung und Anme kungen on Thomas C ame . Be lin 1968, S.
128.

LUKRETIA
129
anzösischen S äd en des
15.
Jah hunde s". 42 Demnach kam es in Dijon
wäh end des e s en und zwei en D i els des
15.
Jah hunde s au g und des
ü Männe ela i hoch liegenden Hei a sal e s und de s ändigen Hei a s-
konku enz duch äl e e, gesellscha lich und inanziell e ablie e Männe
zu Ausbildung
on
"Jugendbanden
11
, die die weiblichen · Angehö igen de
Un e schich en, o allem, abe keineswegs nu , Ex-P os i uie e,
e o isie en und e gewal ig en, und dies mi Wissen und Duldung, wenn
schon nich Billigung, de S ad obe en, die au diese A ih e eigenen
Töch e und Ehe auen in Siche hei b ingen woll en:
"De lei Gewal ak e wu den jedoch auch an F auen begangen, die gänzlich
un e däch ig wa en,
auße
daß sie sich on
de
Familie en e n ha en -ih
einziges 'Ve b echen' bes and in
de
Ve le zung eine G und egel, des
Gebo es
de
HäusJichkei . B u alen Tä lichkei en wa en übe dies junge
F auen
ausgese z , de en Lebens e häl nisse als ungewöhnlich gal en, sei es,
we
il
sie o einem abia en
ode
e schwende ischen Ehemann aus
dem
Hau
s ge lohen wa en, sei es, weil sie allein leb en
ode
das
Zimme
mi eine
Ge äh in eil en. Und schließlich
. ich e en
sich die 'lus ollen Jagden' gegen
Mädchen, die
im
Taglohn a bei e en, mi hin on Haus zu
Haus
zogen, d ei
Tage hie , eine
Woche
do
blieben und so Anlaß zu manche lei Ve däch i-
gungen bo en."
43
3.
Die ö en liche Anklage und ge ich liche Ve olgung des Tä e s is ü
die e gewal ig e ode mi Ve gewal igung bed oh e F au nu in Ausnah-
me ällen und µn e g oßen Schwie igkei en du chse zba .
Allein das Bekann we den des Vo alles
gil
als Schande ü die Be o ene
und ih e Familie. Umgekeh genüg be ei s die ino izielle Anschuldigung
du ch einen einzigen Mann,
um
eine F au in den Ve dach des Eheb uchs
ge a en
zu
lassen und sie dadu ch noch wei g öße en geseJlscha Jicben
Schwie igkei en auszuse zen. Dami jedoch is die F au in zwei ache Hin-
sich e p eßba , ohne du ch eigenes Zu un aus diesem K eis ausb echen zu
können: Gib sie de D ohung des Mannes nach, gil sie ih e Familie und
ih em sozialen Um eld gegenübe als en eh ,
zu
schweigen
on
de au-
42
Jn;
Die
Masken des Begeh ens und die Me amo phosen
de
Sinnlichkei .
Zu
Geschich e
de
Sexuali ä
im
Abendland,
hg.
on Philippc A. ies und
Aud c
Bejin. Aus dem F z. on
Michael Bischo . F ank u am Main 1986 (o ig. 1982),
S.
97
.120.
43 Ebd. S. 108.
130
BENNEWITZ
ma ischen Ve le zung ih e psychischen und physischen In eg i ä und den
dadu ch e u sach en pe sönlichen K isen.
Im
Falle ih e Ve weige ung
d oh ih die Anklage als Eheb eche in, die zu en k ä en ih au g und de
e heblich g öße en Au o i ä des Mannes (als König, Reichs e wal e ,
Vo mund, Ve wand e ) kaum möglich is : eine Kons ella ion, die sich ü
Luk e ia ebenso
wie
ü C eszen ia s ell , de sie in öllige Hil losigkei
ausgelie e sind, ohne -mi Ausnahme eine
so
e zwungenen und
scheinba eiwilligen Selbs bes a ung
wie
im
Falle C eszen ias) -aus
eigene K a einen Ausweg inden und ih e Rehabili a ion o den Augen
de Gesellscha du chse zen zu können.
Welches Ve hal en de F au
als
einziges die Chance eine spä e en
Ve olgung und Anklage des Tä e s bo , wi d
im
Rech sbuch des Rup ech
on F eising
(1328)
aus üh lich besch ieben ( e gleichba e Bedingungen
we den üb igens auch schon in de englischen Gese zgebung des
12.
Jah -
hunde s genann
44
):
''Wi d eine F au e gewal ig , sie sei a m
ode
eich
ode
wie sie genann
wi d, wi d sie e gewal ig au einem Felde ode in einem Gehölz
ode
in
Täle n
ode
in Be gen,
hö
jemand den Ru , es sei F au ode. Mann, dami
kann sie die No zuch wohl beweisen.
Hä
es
abe
niemand, so soll sie mi
klagende S imme übe den Ve gewal ige Weh u e ausb ingen, bis daß sie
demnächs un e die Leu e komm ;
da
soH
sie ihn e u en. So
soU
sie auch
o
dem Rich e un; e schweig sie
abe
die No zuch bis zum d i en Tag,
sie habe des Mannes Geld ge1nmmen
ode
nich , so kann sie ihn wei e hin
wegen
de
No zuch nich e k· dgen."
45
Deu lich läß sich also anhanci de mi elal e lichen Rech ssp echung die
his o ische und bis in unse e Zei nachwi kende Disk epanz zwischen de
Einschä zung on Ve gewal igung
als
Kapi al e b echen eine sei s 46 und
de E schwe ung eine Anklage und Ve olgung des Tä e s du ch die F au
ande e sei s zu ück e olgen. So gesehen en sp ich es konk e en gesell-
scha lichen Bedingungen, wenn auch die li e a ische Handlungs üh ung
den
e gewal ig en ode bed oh en F auen die Chance ö en lich- ech li-
che Gegenmaßnahmen e weige .
F.
Ohly ha den Un e schied zwischen
44
V
gJ.
B own nme ( Anm. 1 ),
S.
32 .
45
Rup ech on F eising, zi . nach P. Ke sch (Anm. 21),
S.
175.
46 Sachsenspiegel II, 13 § 5 (hg. on
Cl.
F h . on Schwe in, S u ga
1969,
s.
66.)
LUKRETIA
131
den Rollens ilisie ungen on Luk e ia und C eszen ia au den Punk ge-
b ach , wenn e mein ,
daß
"C escen ia nich an die Möglichkei des Ge-
ich s (denke), au das doch de Selbmo d
de
Luk e ia ... ech eigen lich
abziel(e)".
47
In de Ta ,
de
Selbs mo d bie e Luk e ia ge ade un e den
oben geschilde en Vo ausse zungen die einzige Möglichkei , um ohne
Zeugen und e s im nachhinein, noch dazu gegen den König als obe s e
poli ische und gesellscha liche Au o i ä , Anklage e heben und die
Rich igkei ih e Behaup ung un e Beweis s ellen zu können. Ob es a -
sächlich ge ech e ig is , das passi -abwa ende und le zlich -gäbe es
nich das Eing ei en eines hie wo wö lich e s andenen deus ex machina
-den eigenen Tod genauso p o ozie ende Ve hal en de C eszen ia
in
diese Schä e zum An i ypus de Luk e ia
zu
s ilisie en, wage ich alle -
dings zu bezwei eln, o aJlem, weil ü diese Gegenübe s ellung in
de
E zählhal ung des 'Kaise ch onik' -Au o s kein Anhal ge unden we den
kann. Dies gil jedoch e s ech ü eine we ende Abse zung on 'heidni-
schen' und ch is lichen Sagenheld(inn)en, wie sie on Ohly im
Zusammenhang mi den Luk e ia- und C eszen ia-Episoden nach
de
Vo gabe seines ch is lich- ypologischen In e p e a ions ahmens o mulie
wi d:
"Was jene Helden o bilde en
an
Leidensk a , an Keuschhei und an Op e -
be ei
scha , wenn auch mi sündha em
Wahn
e misch , das haben die
ch is lichen Heiligen und
Dulde
au
eine eine en Ebene zu ollkommene-
e
Tugend e höh .
11
48
Daß
die Ausbildung eine pe ek en Dulde -Men ali ä aus dem Blickwin-
kel eine ch is lich-pa ia chalen Wel sich ausnahmslos posi i bewe e
we den konn e, s ell gewiß keine Übe aschung da . Doch was da übe
öllig auße Ach gelassen wu de, is die Ta sache, daß -zum Beispiel~ die
E zählungen
on
Luk e ia und C eszen ia auch zwei un e schiedliche S a-
dien im Domes iz.ie ungsp ozeß on F auen cha ak e isie en. Fü beide
gib es keine ande e Möglichkei
de
Re-Ak ion ( abgesehen on de
nu
o übe gehend wi ksamen Maßnahme des Einschließens) meh als die
des
Hinnehmens und de Selbs bes a ung. Dazu wä e nich nu
de
Selbs ~
mo d Luk e ias
zu
zählen; auch C eszen ias En schluß, ins Klos e zu
47 F. Ohly (Anm. 2),
S.
197.
48
Ebd.
S.
198.
132
BENNEWITZ
gehen, gleich le zlich eine Kapi ula ion o ih em Leben als F au; abe in
die S ilisie ung de C eszen ia-Rolle is die aglose In e nalisie ung
sogenann e weibliche Tugenden
wie
Passi i ä , Gü e, s ändige Be ei -
scha zu Nachsich und Ve zeihung ode eiwillige Au gabe alle pe sön-
lichen In e essen, be ei s sowei eingegangen,
daß
nich einmal meh de
Gedanke an Ve gel ung ü das ih zuge üg e Leid au kommen kann. Daß
an
de
En wicklung dieses F auenbildes wiede um wei gehend de Ein luß
ki chliche Au o i ä en und Ideologeme be eilig
wa ,
s eh öllig auße
Zweüel.
4.
Nach e olg e Ve gewal igung wi d ein Teil de Schuld imme dem
Op e angelas e , wobei es zu einem Zusammenwi ken on F emd- und
Eigenp ojek ion kommen kann.
49
Daß e wa Luk e ias Selbs mo d ü Va e und Ehemann nich s Une wa e-
es und -nach de an ih e üb en Schändung de Familieneh e - ielleich
nich s Une wa ba es is , zeig sich poin ie noch
in
Shakespea es
Da s ellung de Klageszene, in de Ta quinius den Selbs mo d seine
Toch e
als
11
oo ea ly and oo la e" beklag
( gl.
S.
13), abe auch im
E zähle kommen a des Ma qua
on
S ein
( gl.
S.2).
Ma e ial ü eine nich e wa nu un e schwellige Schuldp ojek ion zu
Las en de F auen inde sich
in
den Re lexionen Augus ins. Im Anschluß
an seine Ve u eilung des Selbs mo des de Luk e ia e such Augus inus
jenen
(gläubigen) F auen, die
Op e
eine Ve gewal igung wu den, zu
e -
läu e n, wa um
11
Go den F e el zugelassen" habe
(1,
Kap.28). Doch neben
den 'une o schlichen Wegen' de Vo sehung könn en die F auen auch
selbs , gleichsam wibewuß , den Vo all p o ozie haben:
"P ü e eulich eu e Seelen, ob ih euch nich des Gu es de Unbe üh hei ,
En hal samkei und Keuschhei selbs ge ällig übe hoben und begie ig nach
menschlichen Lobsp üchen au ande e, denen sie zu eil gewo den, scheel
geblick hab . Ich klage
nich
an,
denn
ich weiß
es
nich ...
Doch
kann's
auch
49
B ownmille (Anm. 1),
S.
227:
"Die Belieb hei
de
Ansich , F auen e üh en Männe
zu Ve gewal igung
ode
p o ozie en sie du ch au eizendes Ve hal en, is Teil de
männlichen Ve schleie ungs ak ik. Die Ve unsiche ung de F auen geh so wei , daß iele
womöglich die meis en Op e
im
nachhinein e zwei el übe legen, was an ih e KJeidun~
ode
ih em Ve hal en diese scheußliche Ta ausgelös haben
mag."
•
lUKRETIA
133
sein,
daD
F auen,
die
hinsich lich
ih e
Keuschhei sich
de
Selbs übe hebung nich schuldig ühlen,
...
eine geheime Schwachhei an sich
ugen, die einmal als eide S olz ans Tageslich hä e dun-hb echen können,
wenn ihnen bei
jene
Plünde ung die Demü igung e spa geblieben wä e ...
Abe
auch das soll nich e schwiegen we den, daß einige ... ielleich das
Gu
de
Keuschhei
2u
den
)eiblichen
Gü e n
gezähl
und
gedach
haben,
es
bleibe ihnen nu
dann
gewah , wenn ih Leib du ch keines Mannes Wollu~
ange as e we de
...
Diese I um is nun ie1leich on ihnen genommen." 5
Zu
denken gib abe auch eine ande e Ve gewal igungsda s ellung
im
11
Ri e om Thu n'', die E zählung
" on
de Hauß auwen O giagon is
11
(Kap.
85,
Bl.
312 b
-313 a), die wäh end ih e Ge angenscha on einem
ömischen Haup mann mißb auch
wi d.
Au ih e Au o de ung hin ö en
ihn ih e Leu e wäh end de Zahlung des Lösegeldes, so daß sie dem
Ehemann als Beweis ih e Unschuld den Kop des Tä e s übe geben kann.
In einem ungewöhnlich aus üh lichen Kommen a zieh
de
E zähle den
Ve gleich mi Luk e ia und inde Töne höchs en Lobes ü dieses
Ve hal en:
"Sie ennein auch jh en e mahel en Leib/nich denn du ch g osse ha en
wide
e n s c h u 1 d i
gen
m6gen/ nd einigkei
Cles
Gem~h s
e zeigen/denn da du ch wi o weibliche Zuch nnd
Eh beha en/ nnd
die
e lo en
wide
b ach .
Da an
so11en
die F auwen sehen/ die die
einigkei ih es Gemue s es igen w8nen. Denn
es
is nich genug einigkei
des
He zens mi z.ihe n/sch eyen nd klagen/zu bezeugen/ nd mi wo en
geli nen gewal e z. eigen/sondem auch wann
es
m~glich we e/die ach
ollb ingen." (213 a; Spe ung on mi ).
Sowohl die >Kaise ch onik' als auch de 'Spiegel de Tugend nnd Eh -
samkei de Weibe nd Jung auwen' des Ma qua
on
S ein sind also
in
den soeben besp ochenen E zählabschni en Baus eine inne halb eine li e-
a ischen
Kondi ionie ung
on
F auen
zu
po en iellen
Ve gewal igungsop e n; wei gehend es geleg au das Bild de schönen
und ohne männlichen Beis and schu zlosen F au wi d Ve gewal igung auch
hie zum as zwangsläu ig
11
aus Leidenscha ü die Schönhei
de
F au
e üb e( n) Ve b echen" SI s ilisie . Vc gcwal igung e schein als d i e
Möglichkei des Mannes zu Bed ohung
de
F au schlech hin. Ein wei e es
Beispiel da ü lie e die Mäb hil -Episode de 'Kaise ch onik', in de die
50 Augus in,
De
Ci i a e Dei (Anm. 5)1 S. 49(.
51
B o -nmille (Anm. 1),
S.
252.

134
BENNEWITZ
sexuelle Bed ohung du ch ih en Schwage le z lich als eine
A
'blindes
Mo i ' au i , das nu dazu dien , die he o agende Tugend de Mu e
des spä e en Paps es Clemens un e Beweis zu s ellen. 52
Insgesam also e mi el sich uns ein Bild,
wie
es kaum ande s
zu
e wa en
wa : ge ade weil es sich le z lich auch nich wesen lich on jenem
un e scheide , das Un e suchungen zu Behandlung dieses Aspek s in de
Li e a u des
19.
und
20.
Jah hunde s e b ach haben. 53 Doch bleib
selbs hie noch
ei i
F ei aum ü F auen-U opien. Ich keh e noch einmal
zu ück zu 'Kaise ch onik' und den Beobach ungen
on
Pe e S ein zu
s uk u ellen He o hebung
des
Gesp ächs zwischen Almenia und To ila
und seine Bedeu ung ü die In e p e a ion de Luk e ia-Episode. Wede
das un e wü ig-demu s olle Ve hal en de Luk e ia noch das agg essi -un-
koope a i e Agie en de Königin kann sich gegen die dominan e pa ia -
chale F emdbes immung du chse zen. Dies geling nu de selbs bewuß en,
edegewand en, ü die eigene
wie
auch ü die Sache alle ande en on
K ieg bed oh en F auen kämp enden Almenia, die dami zugleich den
Männe n neue Pe spek i en e ö ne 54: nämlich mi einande zu eden s a
Unschuldige zu e mo den, Komp omisse
zu
schließen s a au das Rech
des S ä ke en
zu
pochen, F auen als gleichwe ige Pa ne innen zu
akzep ie en s a sie
zum
Gegens and chau inis ische Selbs da s ellung zu
deg adie en. Daß einigen Li e a u wissenscha lERn zu Cha ak e isie ung
dieses Ve hal ens nu das Adjek i " o lau " ein iel, sp ich , meine ich,
jeden 2il s gegen s 1 e - gegen sie und nich gegen die "pal sp achiu
Almenia".
52
De
schwange en Maeh hil geling
es,
ih en Schwage au den Zei punk nach
de
Gebu ih es Sohnes
zu
e ös en. Doch danach
wi d.
das Mo i nich wiede au genommen;
das Be gesp äch zwischen M eh hil und Faus inian, das e wa ungsgemäß eigenlich
de
Anklage des Vo alls dienen soll e, behandel lediglich die F age
de
E ziehung ih e beiden
Söhne ( . 1219 ., hie 1331 .).
53 Vgl. Mil e (Anm. 19),
S.
11 .
54
Ich lasse hie o läu ig unbe ücksich ig , daß es sich
um
adi ionelle,
um
nich zu sagen
konse a i e u opische Po en iale handel (im Hinblick au ih e Zusch eibung an F auen).
Daß eine solche Fes legung nich unp oblema isch is , e s eh sich on selbs . Doch die
Inhal e bleiben nich sdes owenige posi i .