scieee Science in your language
[de] (orig)
Univer sitä tsv erlag der TU Berlin
Achim Leutz
Gedenkschrift z um 130. Geburtst ag v on
W alter K ucharski (20.6.1887–11.11.1958) –
Ingenieur , Hochschullehr er , R e f ormer
Er st er Rek tor der T echnischen Univer sit ät Berlin

Gedenk schri ft zu m 130. Geburtst ag von
Walter Kucharski (20.6.1887–11.11.1958) –
Inge ni eur, Ho chsch ull ehrer, Refo rmer
Erster R ektor der T echn ischen Universität Berlin

Gedenk schri ft zu m 130. Geburtst ag von
Walter Kucharski (20.6.1887–11.11.1958) –
Ing enieu r, Hoch sch ull e hrer, Refor mer

Erster Rekt or der Technis chen Universität Berlin

bestehend aus 2 T eilen

Te il I
Geden ksch rift zum 130. Gebur tsta g
von P ro fesso r W alt er K ucha rs ki

Te il II
Zu m drei jä hrige n B este hen d e r
T echni sche n U nive rsit ät B erl in - C har lot tenb ur g

Her aus gegeb e n von Achi m Le utz

Universität sverlag d er T U Berlin

Bibliogra fische Information der Deuts che n N ati onal bi bli othe k
Die Deu tsche Nat ion albibl iothek verzeichn et di ese Pub likati on in der
Deutschen Na tionalbibliogra fie; deta illierte bibliog rafis che Daten sind
im Inte rnet über http ://d nb. dnb. de abruf bar .

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Dieses M anuskri pt i st urheb errecht lich geschützt .

Dru ck: docupoi nt G m bH
Satz/L ayout: Achi m Leutz

Umsc hlagbild: Joha nnes Tha ten | Eing ang z um Ge bäude M
der TU Berlin , W irk ungs stä tte v on W . Kucha rsk i | 2007

ISB N 978 -3- 7983 - 2902 - 7 ( print )
ISB N 978 -3- 7983 - 2903 - 4 ( onli ne)

Zugleich o nline veröff entlicht auf dem institutionellen Re positoriu m
der Tech nisch en Uni versität B erlin:
DOI 10.142 79/ dep osito nce - 5817
http: //dx .doi .or g/1 0.142 79/ dep osi tonce - 5817

5
Dieses Po rtrait 1 von W alt er Kucha r ski sta m mt vo n Gr afiker W er ner
Hahm ann 2 . Es hä ngt i m Gro ße n Senat ss itzungss aal (H 1035) de r
T echni schen Univers ität Berlin (T UB) in einer B ildergalerie, in de r die
Po rtraits aller eh e m aligen R ektoren und Präsidenten der TUB nach
1945 gez eig t w erden .
1 © TU B erlin/ Univer sit ätsa rchiv
2 Professor Hahmann war der e rste Dekan de r Fakultät für Architektur an der neuen
Technischen Uni ver sität B erlin. [54]

7

In halt
Vor wort ..............................................................
9
Teil I : Bi ogra fisc he Not ize n zu
W alter K uc har ski ............................................................... 13
Walt (h)er Kuch arskis W erdegan g bis zur Berufu ng ..... 15
Kurcharski an der TH Berlin (1931–1945) .................. 21
Die Ze it zwischen der TH Berlin und der TU Berlin .... 27
Kucharski a n d er TU Berlin (1946–1957 ) ........................ 32
Le hrst uhl f ür M echa nik ................................................................ . 32
Rekt orat ......................................................................................... 33
Kucharskis Doktoranden ....................................................... 36
Kuchars kis P atent e .................................................................. 37
Nachru fe ..................................................................................... 38
Nachruf von Profess or I. Szabó .................................................... 38
Nachruf der TUB .......................................................................... 39
Schlußbemerkung .................................................................... 41
Quel le n und L ite rat ur ...................................................... 43
Anhang A: Notizen über Aufbau und Dauer des
technischen Hochschulstudiums ........................................ 49
Anhang B: Kurzer Bericht über die Technische
Unive rsität B erlin -Charlottenburg ...................................... 59
Teil I I: Z um dreij äh rige n Be ste hen der
Tec hni sche n U niver si tät
Berlin- Ch arl otte nbur g
Ein Rückblick von W. Kucharski, Berlin
(1949 als Manuskript geschrieben) .................................... 67
I E inleitun g: Bedeutung des Juni 1949 ............................. 68
II Die H auptere i gnisse von Mai 1945 bis heute ............. 69

8

1.) Mai 1945 bis H erbst 194 5 ........................................................ 69
2.) Herbs t 1 945 bis Somm er 1 946 ................................................. 73
3.) Som me r 1946 bis h eu te ............................................................ 80
4.) M itteilung über die Fi nanzen ................................................... 8 8
5.) E inige kritis c he und ergänzende Bemerkungen ....................... 89
III Die wichtigste n Gesichtspunkte und Maßna hmen
aus der Ze it von D ezember 1945 bis August 1947 ........ 90
1 .) Drei allgem eine Grundsätze ..................................................... 90
2.) D ie wichtigsten kon kreten Leitsä tze ........................................ 91
3.) Die wich tigsten Maßnahmen zur Verwirklichung dieser
Leitsätze ................................................................................... 92
IV Ergänzende un d kritische Ausführungen zu III ........ 9 4
1.) Zu r Frage der Aut ono mie ei ner U niv e r sität;
de r Finanz - Aus sch uß ................................................................ 95
2.) D er Ältestenrat; Z us am me nsetz u ng des Le hrkö rp ers ............ 10 1
3.) Zur Verallg emeinerung der Ziele einer
tec hnisc he n Uni versi tä t .......................................................... 10 2
4.) D ie Studente n ......................................................................... 10 5
5.) Drei Schlu ßabschn it te von mehr persönlich er Art ................. 10 5
Anhang C: Beschluß über die Wiedereröffnung der
Technische n Hochschule ..................................................... 10 8
Anhang D: Übersetzung einer Rede , gehalten vom
Gene ral Office r Commanding British Troo ps Berlin
bei der Ge l egenhe it de r Eröffnung der Tec h nische
Hochschule Berlin - Charlott enburg , die von jetzt
ab den T itel T echn ische Univ er sität B erlin -
Charlottenburg t rage n sol l .................................................. 1 10
Anhang E: Antwort des Rektors
Professor W. Kucharski .................................................... 11 5
Anhan g F: T echnis che U niv ersität – Unive rsitas
Litte rarum? .............................................................................. 119

9

Vor wort
Bei der Beschäftigung mit der Biografie Hermann Föttingers stößt der
Herausgeber immer wieder auf Walter Kucharski. Das beg innt mi t der
Zeit bei der Stett iner Ma sch in enbau A . G. VULCAN und end et letz t-
lich bei Rudol f Wille 3 , dem letzten Oberi ng en ieur F öttingers , der
beim Neu be gi nn d er Tec hnische n Uni ver sitä t Be rli n Kuc har skis
Rekto ratsa ssi stent und sp äte r O rd inar ius f ür S trö mu ngste c hnik und
Leiter des Herm ann - Fötti nger - I nstit ut s war.
Kuc har ski war ei ne a uß er ge wö hnlic he P er sönli chke it , d er e s ohne
Abit ur und Ho chsc hul stud i um ge scha ff t hat , Hochschullehrer zu
werden.
Er hat sic h um d as Fa ch Me c hani k und in d er G ründ ung spha se um die
19 46 neu gegr ünd ete T echni sche n U nive rs ität Ber lin ver die nt g e-
macht und e r w ar ihr erster Rektor.
De m Auto r is t ke ine Bio gra f ie Kuc ha rs kis be ka nnt. So ha t er den
Ver suc h un ter no mmen, ei ni ge F akte n z u K ucha rs kis Bio gra fie , a uch
mit d e m B ez ug z u Fött inge r, zusa m menz ust elle n.
Die vorliege nde Arbeit is t in zwei Te ile geglieder t. Im e rsten T e il w ird
der beru fl iche Werdegang Kucharskis skizziert. Der z weite Teil ist ei n
T rans krip t eine s Ma nu skr ipt s, da s Kuc har ski 1949 verf asst hat.
Zwi sche n Fö tti nge r u nd Kuc h arski ga b es vi ele Ber ühr ung sp unkt e.
Kucharsk i schreibt a m Sch luss d ieses Manuskripts: „ Vo n den T o ten
möc hte ic h He r mann Fö tti ng er nenne n, m ei ne n Che f, Le hrer und
Fre und, der mich a uch schl i eß lich na c h Ber lin ge ho lt ha t. E r wa r
seinerzei t nac h dem da maligen Zent r um Berlin berufen w or den, w eil
man mi t Recht un d späterer Bestätigung von sei ne r bedeuten den und
sau be re n Pe rsö nlic hke it ei nen güns tige n E in fl us s auf die in Charlot-
tenb ur g st ets et was ge fä hrd ete n Hoc hsc hul ver hältnisse erw artete. Mit
ihm habe i ch häufig über die in dieser Niederschr ift a nge sc hnit tene n
Pr obl eme ge sproch en, un d ich glaube , da ss er heut e mei ne n Aus fü h-
run gen z ust imme n wür d e. “

3 htt p:// hermann - f oetti nger. de/pr epr int s/w ille_ rudolf _gedenk sc hrif t.pdf

10

We nn man d as M a nus krip t u nd auch a nd ere Ausla ss unge n K uchar s kis
zur Ho chsc hulausbild ung lies t kommt eine m Föttin gers Defi nition
des „ Fachmanns “ in den Si nn:
„ Wir müssen dabei immer an die hölzernen Fächer der Reg istratur
denken, in deren jed em ei n „Fachmann“ sitzt, ohn e von der W elt des
Nebenm a nne s eine Ahnung zu h aben, g e schweige einmal einen Blick
hin über zu t un od er sich B ele h run g zu ho len.
Wi r ra ten I hne n dri nge nd , all en ego i stisc he n Wü nsc hen der I nd ustr ie
und B ehö rd en z um T r otz , nicht sc hon i n j ugend lic he m Alt er e in
solcher „ Fachm ann“ ode r „Fach phil ister“ zu werden , sondern sich
den freien B lick für Gott und d ie W elt zu er halt en und die G rund la gen
und a llge mei ne n Zusa mme nh änge s ei nes Ge bie te s mit N a chbarge-
bieten zu stud ie ren.
Das übertriebene S pezialistentum ist de r To d d er a kade mische n
Be rufe u nd d er Q uell fr ü hzei ti ger V ergr eis ung. “
Zur Neu grü ndu ng d er T e chni sche n Uni versität Ber lin hat sich K u-
char ski sehr für e ine nic ht nur eins ei tige F ac haus bil d ung ei n - un d
dur ch gesetzt. Die auch dabei erfahrenen Widerstände hat er aus seiner
Sicht dargestellt. Es blei bt dem Leser überlassen Kucharskis Geda n-
ken z u fol ge n.
Das vorh anden e Manuskr ipt ist v o m 1.7.1949 da tiert un d ein em
Sch reibe n v o m 17.7.1950 an Pr ofess or Ro m b erg b eige f ügt. I n die se m
Schreiben teilt Kuc harski m it, da ss er das Manu skript für s ich selbst
zur eige nen Au farb eitu ng d er Gründ un gsze it er ste llt hat. An e ine
Verö ff e ntlichung w ar nicht g edacht; nur ein kleiner Kr eis vertrauter
Pe rso nen hat dieses Manuskript erhalten . Das waren Dr. Kru spi, Pro f.
Sch oene und Dr. R udolf Will e.
Das Ma nuskr ipt zei gt mit we lche n Sc h wieri gkei te n nac h i nne n u nd
auß en K uc hars ki b ei d er N e ugründ un g de r T U z u kä mpfe n hatte u nd
gib t übe r sei ne M ot ivat ion f ür seine n E ins atz A usk unft.
Ih m sind dre i An hä ngen a nge fügt , d ie h ier um einen w eiteren Anhang
er gänzt wurd en, nä m l ich d ie E rwide run g Kuc har s kis au f die A n-
spr a c he vo n Ge neral Nares anläs slich der Er ö ff nun g der T echni sc hen
Uni ver s ität.
Mein besonderer Dank gilt F ra u Sus a nne Kuc ha rs ki - Huni at und Her rn
Mic hael Kuc hars ki, den E nke ln vo n Wa lte r Kuc har ski , di e d urch i hre

11

Zus timmung die V oraus set zung fü r die V eröf fent lichung des M anu-
skri pts gege be n hab en.
Außerdem möchte ich mich bei Frau Dr. Irin a Schw ab, der Leiterin
de s Uni v ersitä tsarchiv s der TU B erlin, bed anken, die mich stets offen
und hil fsbe rei t be i mei ne n Rec her che n unte rst ütz t ha t.
Nicht zuletzt gilt mein Dank dem Präsidenten der TUB , H errn Pr o-
fessor Dr. C. Thomsen, für sein Interesse an dieser Arbeit u nd die
Übernahme der Pu blik ati onskost en.
Achi m Leut z
Falkensee, Mai 201 7

Teil I :

Bio graf isc he N otiz en zu
W alter K uc har ski

15

Walt(h)er Kucharski s Wer degang bis zur
Berufung
Am 20. Ju ni 1887 w urde Wal t(h )er 4 K uchar ski i n Frie d ric hsho f,
Kreis Or tel sbur g, in O stpr e ußen, als S ohn d es Vorsteh ers der Pre u-
ßi sche n Pr ä parandenanstalt Friedrichsh o f, g eboren. Er besuchte das
Fri edr ichs ko l legi um, ei n hu ma nist isc hes G ymna si u m in Königs berg.
Aus familiäre n (fina nz iell en) Gr ünde n muss te Kuc h ars ki d as Gy m-
nasi u m mit de r P ri marre ife v erlass en. Von 1906 bis 19 08 ab solv iert e
i m A nsc hlus s d ara n die König lich Preußische Ma sch ine nbauschul e in
Ste ttin un d sc hloss das Inge ni eur se xame n mit Aus zeic hnu n g ab .
Die erste Stellung fand er b ei der Stetti ner Masc hinenbau A.G.
VUL CAN. Hier traf er auf Fötti nger, w o er un ter dessen L eit ung u . a.
an Konst r uktio ne n, Ve rsuc he n und d er We iter ent w ic kl ung von Fö t-
tinger T ransf or m atoren arbeitete.
Später, als die größere n Föt ting er - Tr ansformat oren z. B . für di e
„T ir pitz“ un d den Kleinen Kreuzer S.M.S. „Wiesbaden“ auf der neuen
We rft in Ha mbur g gefer t igt werd en mu sste n, z og K uchar ski na c h
Ha mbur g.
Die Arbeiten des VULCAN wurden in d en so g. T echni sc hen B e-
richten dok ument iert. So enthält der Techn isc he B er icht W 1 35 [2]
eine A r beit Kuc harskis. Neb en dem Antrieb mit Fötti n-
ger - Transformatoren s ollte der Kleine Kreu zer „Wiesbaden“ für die
Marschfahrt 5 ein e wei tere Ne uer ung er halte n. Da für war für d ie
„W ies ba den“ eine besondere Mar scha no rd nung d es A ntri e bs vorg e-
s ehen, für die Walter Kuchar ski vera nt wortlic h zeichnete.

4 Man f indet bei de Schrei bwei sen. Rec herc hen zu bei den Sc hrei bwei sen ergeb en
unter sc hiedli che Er gebni sse. Im Folgen den wi rd, a ußer in wört lichen Zi ta ten, di e
Schr eib weis e ohne h verw endet
5 Al s Ma rs c hfa hr t bez e ic h net ma n bei ein em Sc hif f u nt er Ma sc hi n e die Fa hr t g e-
schwindigkeit, bei de r das S chiff mit ei ner gegebenen T reibst of fmenge am ökono -
mischst en ge fahren wer den kann

16

Bil d 1: K ucha rsk is V or sc hlag für die Mas chine na nl age z ur Mar sc hfa hrt de r
„Wi esb ad en“ gezei gt von Föt ti n ger [ 38]
Er unter suc hte vie r m ö glic he Alter nat ive n u nd ent sc hied sic h für die
folge nd e Lös u ng ( Bild 1 ) . Dabei sollte n beide Föttin ger - Tr an sf orm a -
toren au ß er Fu nkti on ge se t zt wer den und nur de r Ba ckbo rd propeller
übe r ei ne sep ar ate H oc hdruc kt urb ine u nd e ine m a usr ückba re n Za h n-
radgetriebe betrieb en w erden.
Föt tin ger ve r m er kt in sei ne m Vor tr ag auf d er H aupt vers am mlun g de r
STG vom 21.Novem ber 1929 [38], da ss di ese A n ordnung aber nic ht
ver wirklicht werden konnte, weil es nicht m ö glich war die Zahnräd er
für d as Z ahnra dget riebe (1: 16), das di e hoh e Dre hza hl d er e inst ufi gen
Marsch turbine a uf die niedr ige Pr opeller - Drehzahl herabsetzen soll te,
mit der erforderliche n P rä zisi on herz uste lle n. D enno ch war die
„Wiesbaden“ (mit F ötti nger - T rans forma toren) ih rem mi t ko nve nti o-
nell em Antr ieb aus ge rü steten Schwe ster sc hi ff „Frankfu rt “ b ezüg lich
der W irtschaftlich keit und Ma nö vrie rfä hig keit über le gen.
In einem an deren Bericht W 11 0 [1] vergl ich Kuc ha rs ki Z ahnr ad g e-
triebe m it Fötti nger - Trans forma toren und k am zum Schl uss, das s zu
dem da maligen Zeitp unkt d ie Fötting er - Transform ato ren überlegen
wa re n. Dies s ollte sich nach d em ersten Weltkrieg aber mit zu ne h-
mend besseren Fertigungsmethoden ändern.

17

Bil d 2: A ussc hn itt a us ei nem Br ief K uchar ski s a n F ött ing er

Bil d 3: A ussc hn itt a us ei nem Br ief Fött ingers a n Kuchars ki

Zwi sche n Fö tti nge r u nd Kuc h arski gab es ei ne n re gen Aust ausc h in
fachliche n Fragen wie in Bild 2 und Bild 3 beispielhaft geze igt wird.

18

Kucharsk i beschäftigte neben seine n dienstliche n Obliegenh eiten mit
Str ö m u ngsp ro ble men i n ro tier end en S yste men. S ein Lehr er Föttinger ,
dem er u.a. das Manuskript zu seiner A rbeit: „G eschwindi gk eitsp o-
tent ial und E ne rgie - Übert ragung bei de r Beweg ung f ester K örper in
einer Fl üssi gkei t“ z ur D urc hsi cht gab war stets e in hil fre ic her Ra t-
geber. In einer Fußno te b ed ankt si ch K uchar sk i b ei Föttinge r für den
Hinweis auf einige Fe hler in e ine r fr üher e n Fas sun g.
Sei n 19 16 ersc hie nene s B uch: „ S trömunge n ein er reibun gsfre ien
Flüssig keit bei Rotatio n fester Kö rper : Beitrag zur T urbinentheorie “
[10] w ar für lange Zeit ein S tandard w erk.
I m Vorw ort des Buches s chreibt Kucharski: „ Den gr ößten Teil de r
Gr undla gen und ma nche e rst e Anr eg ung z u d en durchgearbeiteten
Ged anke n ver da nke ic h He rr n Professor Dr. H . Föt tinger, d ess en
Be lehr ung und M itar be it mi r j ahre lan g ver gö nnt war. “
Föttinger h ielt a m 18.11.1909 a uf de r Ha up tver sa mml ung d er
Schi ff b aute c hnisc he n Ge sell scha ft e ine n Vo rt rag üb er „Ne ue
Gr undla gen für die theoretische und ex peri m entelle Behandlung des
Propellerpro blems“ [37].
Dieser Vo rtrag war zugleic h seine A ntr ittsvorles ung an der Kö nigl ich
T echni sche n H ochs ch ule D anz ig. Hie rzu ste uer te K uc har ski eine n
um fan greic he n Red ebe itr ag be i [9] . In sei ner E r w id eru ng fü hrt e
Föttinger u. a. aus:
„ Herr Kuc har ski ist ei ner mei ner erfo lgre ic hste n Sc hüler u nd M ita r-
beiter, seine Darlegung en verdienen volle Beachtung. “
Ku charski wa r von 1918 bis 1 942 M itglied der Schiff ba utec hni sc hen
Ges ellsc ha ft ( ST G) und hat 19 31 a uf eine r Ha upt ver sam ml ung d er
ST G vor getr agen übe r: „Ne u e Ges icht spu nkt e für de n Ent wurf von
Schi f fsr u dern“ [19] .
I m H e r ma nn - Fö tti nger - Arc hiv gibt e s u nver ö ff entlichte Ma nuskript e
Kuc har skis z. B. Bild 4 u nd Bi ld 5, d ie er Fötting er zur Begutachtung
gesc hic kt ha t.

19

B ild 4 : Manu skript 1917 Bil d 5: Ma nus kri pt 19 20
Auc h sp äter hat e s Fö tti nge r ni e ver sä umt, au f seine M itarbeite r
hin z u wei s e n, wi e z. B . in d em Vo rtr ag auf d er Haup tver sa mml ung d er
ST G am 18. bi s 21. Nov em ber 1936 [3 9]. Dabe i ge ht e s u . a. um die
Anf änge und E ntwic k l un g d es Fö tti nger - Tr ansfomators. Fö ttinger
schreibt: „ Mir ist kein Gegenstück aus anderen Gebieten der Tech nik
be kannt , w o ä hnli che Spr ünge gefor de rt und mit ei n p aar j unge n
begeisterte n Mitarb eitern – den späteren Profess oren Spa nnha k e,
Kuc h a rs ki und Kl uge – die kei ne „Fa chle ute “ ware n, o hne Rüc k-
schlag bewältigt worden wären. Das ist aber kein Verdiens t eines
einz el nen, s ond er n let zten Endes nur das Res ul ta t de s hohe n w i sse n-
scha ftli che n St and es uns ere r d eutsc hen T e chni k u nd der absol u t
klaren G esetze für die Berechnung un d Be m ess ung hy drody na m i-
scher Arbeitsübertragung s o w ie d er vorbildlichen Zusammenarbeit.

Bi ld 6: S chif fs pr ope ll er ohne und mi t L e itscha uf el n [4 0]

20

Ein w eiteres Interessensgebiet Kuch arskis w ar die Mitarbeit bei de r
Ent wic klun g vo n so g. Con tr a - (Gegen - )Pro pellern mit Dr. - Ing. W ag-
ner . Auc h am V ers uc hssc hi ff „M S Fötti nger - T ransformator“ w u r-
de n solc he e rpr obt. Zusammen mit Wa gner wurde ihm das P atent
DRP 352 641: „ Geg enprope llera nordn ung bei Ein - und Mehrschra u-
benschiff en “ . D ies e P rob lema tik führ te K uc hars ki 1 92 1 na ch C hri s-
tia na, d e m he uti gen Osl o, w o er Technisch er Direktor bei der Sta r
Con traprope ller L td. w urde. Aus die ser Zeit sta mmt u. a. das
eng lisch e Paten t 207,167: „Im pro vem ents in and conn ected w ith
Guide Devices for Screw Pro pell ers.“

Bil d 7: UK P atent 2 07, 167
19 25 ging K uchar ski z u Ne ufel dt & K uh nke i n Ki el - Ra ven sbe rg, wo
er an der Weiterentw icklung von Tiefseetauchern arbeitet e und pra k-
tische ers uc he in e ur op äisc hen Ge wä sser n u nter nah m. Hie rüb er
berichtete er ausfü hrli ch i n [1 6] . Kuc harski erl äut ert die phy siol og i-
schen Probleme ei nes T a ucher s b ei m T iefta uc hen, ins be sond ere beim
Au ft auc he n nach Be endi gu ng des T a uchvo rga ngs, de n mec h anisc he n
Be last unge n de s T auc h anzugs in großer W ass ertiefe etc. Seine A r-
beiten führten dazu, dass man an stelle der bisher erreichten T auch tiefe
von c a. 80 m jetzt Tiefen von 200 m errich t en ko nnt e. N ac h e ini ge n
mete or olo gisc h be din gte n Fe hlve rs uche n vo r d er K üste Fra nkre ic hs
konnte erstmals ein Wrack in 2 00 m T ief e vo n ei nem T ie fse e ta uche r
entladen werden.

21

Bi ld 8 : Ansi cht ein es Ti efseet au cher s [ 16]

19 30 wur de e r zur Deut sche n We rft i n Ha mbur g geho lt, w ar dort
all erdin gs nu r ein Jahr tä tig, den n berei ts im Febru ar 1931 w urde
Kucharski an die Technische Hochschule Berlin als ordentlicher
Pr ofesso r für M echa ni k be ru fen.
Kurcharski an der T H Berlin (193 1–1945)
Nach dem Tod des Mechan ik -P ro fes s o rs G eh. Re g. - Rat Dr . Euge n
Mey er am 31.12.1930 f orm uli erte di e Faku ltä t für Mas chinenw ir t-
scha ft im Schreiben an das Ku ltusministerium zunächst die A nfo r-
de runge n a n de n Nachfolger:
„ Der Vertreter der Mechan ik soll i n seiner Wissenschaft Hervorra-
gend es le ist en u nd d abei zugleich h o he L ehrfähigkeit besitzen, derart
da ss er die Studieren den der ersten Semester in die Wiss enschaft der
Mechanik, w el che gr und lege nd f ür a lle Zwei ge d er T echnik ist, in
leb end iger und fesselnder Weise ein zuführen verm ag . Um die s e
Au fgabe für den Ma schi neni nge nie ur e rfül len z u kö nne n, so l l er
weit er eine vielseitige Er fahr un g i m pra ktisc he n Ma sc hi ne nb au h a-
be n, und a u ß erdem sol l er als Per sö nlich keit fähi g se in, i n se ine m
Lehrfach die Faku ltät nach au ß en hi n würdi g zu ver tre ten. “
Am 6.2.1931 f r agt Mi nisterialrat Dr. v . Rottenberg bei Ku charski an,
ob er grunds ätzl ic h de m R uf auf d e n Lehrs tu hl für Mec ha ni k fol ge n
könn te. D em schi en so zu se in, denn das Berufun gsv erfah ren wurde
er öff net.

22

Daraufhin erörterte die Abteilung mehrere Personalien u.a. di e vo n
T heo dore von K ár mán. B ei i hm he iß t es: Z w ar bestehe seitens des
Mi nis ter iums d er Wun sch, i hn an d ie T e chnisc he Ho chs ch ule na c h
Ber lin zu zi ehen, aber er pa sse w ege n s einer Spez ialisie rung auf
Fragen des Luftfahrtwesens nicht auf die Professu r. Stattdes sen setzte
das K olleg ium den Ober in gen ieur de r De utsche n W erft in H ambur g
Wa lther Kucha r ski a uf den ersten Platz der Beruf ungsliste. Dieses
Votum stellte d as Ministeri um nicht zufrie den. Viel mehr nannte es
vier w eitere Namen und f order te die F akult ät a uf, diese bei der
Überarbe it ung de r Liste zu b erüc ksic hti gen. Das Ord inar ie nko llegi u m
blie b jedoch bei s ein er Ent scheidu ng un d be stand a uf Kuc ha rs ki.
Der damalig e Dekan der Fakultät für Mas c hinenwesen Prof. Matth ias
begr ün dete den Ber ufung svorsch lag in eine m Schre ib en vo m
11.7. 1930 wie f ol gt: 6 7
Die Fakultät unterb reitet folgende n Vorschlag z ur Wiederbeset zung:
„ Ober in geni e ur W althe r Kuc har ski, zur Ze it C hef e iner Abt eilu ng de r
Deut sc hen W er ft in Ha mb urg, woh nha ft in Ha mbur g - Alto na,
Cra nac hstr . 68, 43 Ja hr e.
Die äußeren Lebensums tände sein es Lebens - u nd B eruf sga nge s si nd
beson derer A rt. Als S ohn de s Vorste h ers der Preußischen Präp ar an-
den anstalt i n Friedrichsho f (OP r.) Kreis Ortelsb urg hat er da s hum a-
nist isc he G y mnas ium „Fr iedrich skoll egium “ in Kön igsbe r g i. Pr.
be such t. I nfol ge Er kra nk ung und frühz eit ige r P ensio ni eru ng d es
Vaters, sowie der hoh en Kind erzahl in der Familie musste Kuc ha rski
das Abiturziel n ach erlangter P rim areife aufgeben und sich an Stel le
eine s Ho chsc hu lst udi ums mit dem Besuch der Höheren Maschin e n-
bauschule Stett in begnügen, die er „mit A uszeichnung“ verließ.
Von 1908 bis 191 3 wa r er als Ingen ieur beim Stet tiner VULCAN mi t
Vers uche n, Konst rukti on und Prüf ung en von hydr odynam isch en
T rans f ormat oren un ter Fötting er und Ba uer be trau t. Von 1913 bi s
1919 w ar er als Bürochef beim Hamburger VULCAN tätig.

6 Vgl. GStA PK , I. HA Rep . 76 V b S ekt. 5 T it. 1 11 Nr. 5a, Bd. 11, B1. 78,
6. Februar 1931 .
7 Dto. Bl. 71 , 10. Dezember 1930 sowie eb d., Bl.7 5 . , 9 . Ja nuar 1931 .

23

Sein Arbeits feld umfasste: h y drau lis che K upp lun gen fü r Schi e ,
Auto mob ile und Wal zwe rke, ferne r Lage r kon stru ktio n, Da mpft urb i-
nen, Zahn radgetriebe, Zentrifu galp umpe n u nd Hi lfs masc hi nen al ler
Art .
Wissensch a ft lich ist er in elf Arbeiten au f verschiedenen Gebieten der
theo re tisc hen und a ngewa nd te n Mec han ik her vor getr ete n u nd ha t
unter a nder e m wissen schaftli che Erör terungen mit Föttin ger, B auer,
Güm bel , Prandt l und S todola g efüh rt.
Nach dem Krieg wi d mete e r sich ver sc hied ene n Ne uko nst rukt io nen,
unter and ere m der Antr ieb sa nlage n vo n Leic ht fl ugzeugen . 1921
wurde er technischer Dir ekto r einer Gesellschaft für Propellerbau in
Osl o. 1924 nac h Deut schl and zur üc kgeke hr t wid m ete er sich de m Ba u
von T ie fse e ta uc her n, d ene n e r z u de r he uti g en Vol lendung – statt
20 m nun bi s 200 m Tauchtiefe – ver half. Seit April 19 30 ist er A b-
tei lungs chef bei der g roßen „D eutsc he n We rft “ in H amb urg.
Er b eherrscht die wichtigste n Kult u rsprachen der Erde und ist daher
viel mit So nde r m is sio nen b etr aut. Ob gleic h er als ge wand te r Dis ku s-
sio ns redner bekannt war, hat sich die Faku ltä t denn och von sein er
Le hrb efä hi gu ng dur ch e ine n b eso nder en P rob evo rtr ag üb erz euge n
lass en, in we lc hem ei ne A ufgabe ges tellt war, in ku rzer Zeit ein
schwi eri ges mec hani sc hes P roble m i n anschaulicher Weise darz u-
stel le n. Er hat die Aufg abe nach For m u nd Inhalt meisterlich ge löst
und b esi tzt in hohe m M aße di e f ür d ie Mechanik -P rofe ssur erf order-
lic he Le hrfä higke i t. Obe rin ge nieur Kuc hars ki i st sic h de r V eran t-
w ortung ge genüber der Jug end und de r Wissens chaf t vol l bew usst. Er
wäre bereit ein en Ruf anzunehm en. Er ist verhei ratet und hat d rei
Kind er .
gez. Prof. Matthi as
Im Februar 1931 erhielt Ku charski den Ruf auf die ordentliche Pr o-
fes sur für Me c hani k. V o m 1 . Ap ril 1931 bis 1945 v ertra t Kucha r ski
a m Ins ti tut f ür M echa nik der Fakult ät für Maschinenwesen das Fach
Mechanik als Ordinarius .
Sei n Bür o la g im he utige n G ebä ude ko m pl e x Z (Ze ntra lwer kst att) , M
(Mechanik), K (Kraft fahrzeuge), in dem auch Fö tti nger ei nige V e r-
suc hs räu m e hatte.
Bei Amt santritt wurden ih m die b ish erigen Mitarbeiter Me y ers,
Ober inge nie ur Dr. - Ing. Fromm und Assi stent Dipl. - Ing. Schap it z

24

zugeo rd net, w as ih m den Einstieg in die Lehre erleichterte, denn beide
wa r e n mi t de m Leh rb etrieb ve rtraut.
A b 193 9 war er zusätzl ich im gleichen Fach in der Fakultät für
Bauw esen (F akul tät II) und ab Wi nte rsem ester 1942/ 42 au ch in de r
Fakultät I Ia B auin ge nie ur w e se n als O rd inari us ver p fl ichtet.
Seine um fangreiche L e hrtät ig keit ka nn i n de n V orl esu ngs verz eic h-
nis sen d er T ec hnisc hen H o chschule Be rlin nachgel e sen w erden.
Beispie lhaft sind hier einige Einträge des Personal - und V or lesun g s-
verzeichnis f ür das Somme r - un d Herbs ttrime ste r 1940 un d Winte r-
trim es ter 1941 w iederge gebe n. Wie um fangreich Kucharskis L eh r-
angebot zu der Zei t war zeigt Bild 9.

Bil d 9: K ucha rsk is L ehrang e bot 1 940 /4 1 8

8 http:/ /www.u b.tu - b erlin. de/sa mmlunge n - und - uni vers ita etsar chi v/univer si taetsa rc
hi v/bes taende/ sa mm lu ng - dig italisierte - vorles ungs verzei chni sse - 18 74 - bi s - 195 0/

25

Danach war Kucharski Auslandskurator für die Sch wei z, gehö rte den
Fakultäten fü r Bau w esen u nd Maschi nenwe se n (Ma sc hine nba u,
E lektro te ch nik, Schi ff bau, Lu ft fahrz eugb a u). Er w ar Leiter des I n-
stituts für Me c ha nik ( Fest ig ke itsla bo r) und sei n Obe ra s sistent war
Dr. - In g. hab il. Lo thar Cremer . 9
In einem Briefw echsel 10 zwisch en Obe ri nge nie ur H oec ke n vo m
Le hr st uhl für Get rieb el ehre und K ucha rs ki zei gt si ch K uc har ski s
Bemühen nicht nur in fachliche r Hinsicht Vor bil d fü r die S tuden ten zu
sein.
In e ine m Br ie f schr eib t K uch arsk i a n Hoecken am 28.11.1 932, das
sic h am 25. 11. sic h v or dem Hörsaal H 3 6 kur z nac h 4 Uh r e in u n-
erquick licher Vor gang abgesp ielt hat.
Info lge eine r Do pp elb ele gun g, die nicht von K uc har ski od er se ine m
Mitarbei ter Dr. From m (OI und Priv. - Dozent) zu verantw orten war,
ka m es z u einer Kollision mit einer Lehrver anstaltun g vo n Hoe cken.
Der erregte sich deswegen derart, dass er sofort die Räumung des
Saales an ordnet e und al s dies ni cht s ofort gesc ha h dr ehte e r das Lic ht
ab.
Kuc har ski wä re au f den Vorfa ll nicht weiter ei nge ga ng e n würde es
nur Mita rbeiter seine s Lehrs tuhls betreff en, aber es ging um die
anwesenden jung en Stu denten und das verbiet e es ihm , den Vorfa ll
mit Still schweigen z u übe rge h en. Z itat : „ Gerade in der heutigen Zeit
haben wir Dozen ten die Aufgabe, die S tudenten zu einem der Hoc h-
sch ule würd i gen Au ftre te n und Benehm en zu erziehen, soweit uns das
übe rhaup t mö glich ist. Ei ne Aus sic ht a uf E rfo lg habe n wir in di eser
Ri chtung nu r d ann, w e nn wir selb st mit gutem Beispiel voran gehen. “
Kuc har ski mac hte z wei V ors chl äge :
a) Hoecker solle sich fü r sein Verhalten bei den H öre rn ent schuld i ge n
b) Kucharski macht eine entsprechende Bemerkung bei den Hörern in
den Ü bung en am 9.12. 1932

9 Cremer war nach dem Kri ege Lei ter des Inst it uts für Techni sc he Akusti k der
TU Be rlin
10 GS tA I HA Re p 76 Vb S ekt 5 T it 3 Nr. 2C Ban d 4

26

Am 4.12.19 32 läßt sich Ho ecken in ein em längeren Schreiben in
übelste m S til ü ber den o. g. Vor fal l aus.
Am 5 . 12.1932 teil t der Mitarbeiter Kucharskis Herrn Hoecken mit,
dass Kuc hars ki d en B rie f vom 4 . 121932 . z w ar zur K ennt n is ge no m-
men hat, aber dieser n ach For m und In halt nic ht e nt gege n g eno mme n
werd en kan n.
Dam it war für K ucharski der Fall of f enbar erledig t.
Neben der Leh re hat sich Kucharski inten siv mit ho chschulp olitisc hen
Fra gen besc hä ftigt . Zeu gnis d afür s ind die in A nhan g A wiederg e-
geb ene n „ Noti ze n übe r Aufb au u nd Da uer de s tec hni sc he n Hoc h-
schu lstu diums “ vom 30.12.19 38, die er im Auf t ra ge de r Fa kult ät f ür
Maschinen wesen erstell t hat.
Er machte sich aber auch Gedank en über den Zustan d sein es Fac hes
Mechanik in einem Beric ht, de n er fa ku ltät sint er n ver ö ff en tlichte:
„Zu sammenfassender Bericht über den Mech anikunterricht in der
Fakultät für M a schi ne nwese n “.
An läßli ch des 60. G eburt stages von Hermann F öttin ger brach te di e
Ze itsch rift „ Forsc hung auf dem Ge bi et des Ing enieurwesens“ ein
Son de rhe ft hera us ( Bd . 8 , Nr. 1, Jan./ Feb. 1937) m i t einer pers önl i-
chen Wür dig ung vo n Sp annh ake und Bei trä gen vo n Conr a d, Ei cke
und Wille, H ame l, K ucha rs ki, P antel l, Sö re nse n, Sp annha ke , V oge l-
po hl und Ma nne sman n, W eini g.
Kuc har kis B ei tra g trug d en T ite l: „Be we gun g eine s Wi rb els in eine m
nach a uße n o ffene nen K rei sse ktor “. In d er Einl eitun g sc hr eib t Ku-
char ski u.a. „ Fö tti nge r gehö rt zu d en w eni ge n Strö mun gs f orschern
und I nge nie ure n, d ie sc ho n vor mehr a ls ei ne m Vie rte ljahrhun dert de n
gru ndsä tzli che n U nters chi ed e rka nnt ha ben, de r z w i sche n Str ö mu n-
gen i n ver en gten u nd erw eiterten Kanälen besteht... “
und wei te r „ Im Ans chl uß an manc he Unte r halt ung mi t Fö tti nger ha be
ich mi r nun di e Fr age vorgel egt , welc he s einfachste Sche ma einer
z w eid i mens io na len Strömung einer reibungsf rei e n Fl üssig kei t z u-
gru nde gel egt werd en m üsste, dam i t di e Lösung ein e ei nigermaßen
befriedigen de Antw ort zu dem ang edeuteten Proble m gibt “.
In einem längeren Patentstreit zw isc hen der Firma VOIT H, der De-
schi ma g und Föt tin ger w ar Ku char ski a ls B evo llmäc hti gter F ött inger s
an Ver hand lu ngen und tei lw eise unsc hö nen Ause ina nd ers etz unge n
beteiligt, d ie l etzt lic h zu G uns te n Fött inge r s au sgin gen.

27

Über Kucharskis Rolle i m Dri tten Rei ch i st ni cht s be kannt , j ed en fal ls
hat der A utor keine entsprechenden Hinweis e gefunden. Auch nicht
bei Kä ndler [52]. Lediglic h in der Dissertation vo n Krauß [4 5] findet
sich ei n Hi nwei s, d ass i m Zus amme nha ng mit de r Aus s enste lle Ne u-
branden bu rg der Tor pedovers uchsans tal t Eckernf örde um 1942 Fo r-
schu ngsar bei ten vo n ver sc hie de nen In stit ute n u nd Fi r m e n b ear be ite t
werden sollte n. So auch Institute de r TH Berlin w ie d ie V ersuc hsa n-
stalt für Ma schi ne nge stal tu ng, Pr of. Cor neli us 11 , P h y si ka lisc hes
Institut, P rof. Geiger, Inst itu t für M ec han ik, P ro f. Kuc ha rsk i . Ob es
allerdings je zur Z usam menar beit mit Kucharski ka m ist nicht b e-
kan nt.
Kuc har ski s oll sei ne B ri efe nie mit de r da mals übl ic hen G r ußfo r m e l
„Heil H.“ un terschrieben haben , w as für seine an tifaschistische Ei n-
stel l u ng spr icht. [48]
Während der Schlacht um Berlin wurde die T echnis che Hochs c hule
am 20. Apri l 1945 g e schlo ssen.
Die Zeit zwischen d er TH Berlin und der
TU Berlin
Dieses Kapit e l k a nn die schwere Zeit zwi sche n Sc hlie ß ung d er
T echni sche n H ochs ch ule B er li n und der Er ö ff nu ng d er neu en T ec h-
nisc he n Uni ver sit ät B erl in nur kur z str ei fe n.
Dem interessierten Leser sei die Lek türe de r folgen den A rbeiten
e mp fohlen: Brandt [44], Hah ma nn [54] u n d vor a llem das im Teil I I
ab gedr uckte T ra nskrip t d es Manu skr ip t s Kuc har ski s vom 1. 7.1949
„ Z u m d re ij ährige n B est ehe n d er T echni sche n Universität B erlin “.
Vo n C. B aga nz [ 51 ] ist e ine D oku ment atio n z u ei ner 2 01 6 ge zeigten
Aus stel lu ng a n der T U B erl in e rschiene n mit de m Titel „Kriegs e nde
und d en Ne ub egi nn – Von der T echn ischen Hochschule zur Tech n i-
schen Universität Berlin“. Sie zeig t u.a. ei ne A nza hl vo n Dok ume nte n
mit Kuc har ski s U nt ersc hrift.
Am 2. Mai 1945 war Berlin gefallen .

11 Cornel ius war v or s ein er B eruf ung an die T H B erl in la nge Ja hre i n leit ender
Funkt ion der T orped over suc hsa nstalt Ecker nför de täti g

28

Ru dolf Wil le, der a b 27. 3.1946 K uch arski s R ektorat sassiste nt w ar
beschreibt den äu ßeren Zustand der ehem aligen TH Berlin . Diese
B eschrei bung ist als Anhan g B d ieser A rbeit b eigefügt. Sie läss t
er ahne n, welc he Ans trengu ngen e rforde rlich gew esen sei n muss ten,
um eine Wieder - o der Neueröff nung z u r eali sier e n.
Professor Werner Hahmann war an der T echn ischen Hochschul e a.o.
Profess or und s päter an der TU Berlin o. Profess or für Freies Zeic h-
nen a n de r Fa kultät für Ar chitektur. Er ist au ch der Schöpfer des auf
der T itelseite dieser Arbeit ge zeigten P ortraits vo n W. Kuc harski. I n
[54] beschreibt er die Zeit vom 2. Mai 19 45 (Fall Berlins) b is zum 9.
A pril 1945 (Erö ff nung de r Technischen Univer sität Be rlin) stic h-
pun ktar ti g an hand vo n ei gene n No tiz en u nd e ige ner Sich t. A us die se r
Arbeit werden im Fol gend en Zitat e a nge führ t, d ie dir ekte n B ezug z u
Kuc har ski ha be n.
So schreibt er, dass sich am 29. Mai 1945 15 P rofes soren im Erw e i-
te run gsba u mehr z u fälli g ge t ro ff en ha be n u nd ei n e Grup pe bilden
wollten, um den Wiederaufbau der „Institution T echn ische Hoc h-
sch ule “ zu be raten. Plötzlich tat sich die Tür auf und ein kleiner Mann
trat herein, mit ver w ildertem Haar, schwarzen Bartst opp eln, o ffe ne m
Kr agen, abge riss en un d best aubt v on obe n bis unte n. Na ch d em er ste n
Au genbl ic k der Verblüff ung gab es ein großes Hallo und da nn ei ne
allseitige B egrü ß ung. Es war P ro fesso r Kuc har ski. Ir gend w o auß e r-
halb Berlins w ar er seit W o ch en in e ine m r ussis che n Ge fa ngene nl a-
ger 12 fest gehal te n und kür zlic h frei geko mme n war. Z u F uß war er
nun nach B er li n gep ilge rt und z ufä lli g hier vo rb eigeko m me n, w o e s
ihn, wie uns and ere n auch ge dr äng t hatte, einmal zu schauen, wi e es
auf de m Trü mm erfeld unserer alt en Wir kungs stät te wohl aus sehe n
mö g e .

12 Kucha rsk i bez eichnet in [3 1] da s Gefa ngenlager al s Dur chga ngsla ger, i n dem
er ei nen Sc hulfr eund t ra f, mit dem er vor ei nem ha lb en Ja hrhunder t j ahrela ng in d er
glei chen Kl ass e, zei tweis e neben ei nender sitz end, da s humani stis che Fr ied-
ri chs - Kol legium in K önigs ber g i. Pr. bes ucht h a t.

29

Mit Gene h migu ng e ine s r ussi sche n G enerals traf sich die o.g. Grup pe
a m zur er ste n Sitz un g, au f 2. Juni 1 94 5 zu e iner kon stit ui ere nden
Sit zung de s „A rbeit sauss chuß zur Vorberei tun g der Wiedereröff n ung
der T echnis che n Hoc hsc hu le “. Mi tglied er die ses Aus sch usse s w ar e n.
Pr ofesso r Dr . Geo rg Garbotz (Baum a schin enwesen); Prof essor Dr.
Dr. h. c. Max Volm er (Ph ys ikalische Che mie); Pro fessor E mil Rüster
(Ar ch ite ktur , E ntwu rf vo n H oc hbaut en u nd B auge sc hic hte der R e-
naissan ce); Professor Dr. Al oi s Tim pe (Mathematik) Professor Walter
Kuc har ski ( Mechanik ),Dr. H elmut S tark (Darstellende Geometrie),
Dr. - Ing. Rudolf Wil le (Str ö mungs te chni k) u nd d er ko mmi ssar isc he
Verw altun gsdir ektor Huber t Wallor . Prof. Hertz w urde zum Re ktor
un d Prof. V olm er zum P rorek tor u nd die Dek ane der Faku ltäten
ge wählt .
Wie der eine Woche s päter w ir kt en die P rofess oren Hertz u nd Volmer
nicht mehr mit, weil sie ein A ngebot angenommen hatten, Gastvo r-
lesu n gen in Mo ska u z u halte n. So wurde n P ro fesso r Sc h nad el z um
Rekto r und P rofe sso r K ucha r ski zum P ro re ktor ge wählt . Auf d iese r
Si tzung sprang Pr ofe ssor K uchar ski p lö tzli ch a uf d en T isc h und
richtete eine n leiden schaftlichen Appell an alle, dass in einer neu e n
T H der G eist de r Re aktion ausgemerzt werden, der Geist der Dem o-
kratie aber die Füh rung überne hm en müs se.
Rekto r u nd D eka ne bezeichneten i hren Zusa mme n schl uss a ls „Wi e-
deraufbau - Ausschuss“, der di e Aufgabe hat te, die Institution Tec h-
nisc he H och sch ule neu z u or ga nisie re n.
Daneben gab es n och einen Bauaussch uss, d er si ch um p ra ktische
Fra ge n der Ins tand setz u ng de r zer stör te n Baut en und Ei nri chtu nge n
küm mer t.
Im A ugus t 1945 set zte s ich der Wie derauf bau - Ausc hus s wie fol gt
zu sam men :
Schnadel, Re ktor
Kuc har ski, Prorektor
Franck , Fa k. f. A llg. I ng. - Wis sen schafte n
Garbot z , Fak. f. B auin geni eur we sen
Hahmann , Fak. f. Arch itekt ur
Horn , Fak. f . Ma sch inen wes en
Ra msauer , Fa k. f. Elektro technik
Siebel , Fak . f. Bergbau - u. Hü ttenwesen
und
Wille , Assis tent des Rek tors, P rotoko ll

30

U m d ie Ins tit utio n der Te chni sche n Ho chsc hul e in ne uer For m en t-
ste hen zu lassen sah sich de r Wiederaufbau - Aussc hus s mit vielen
P r o b le me n o rga nisa to ri scher Art u nd mit der z unäc hst ru ssisc he n,
später b ritischen Besatzungsmacht un d de m Magistrat von Berlin
konfrontier t.
Er hatte kei ne En tsc hei du ngsb e fugni s, sond er n kon nte nur V o rsc hläge
mache n, die dann von d en vo rge nann t e n Ei nric ht unge n a bge seg net
wer de n mu sst en. D ie s all es b ei kaum o de r u nzure ic hend fu nkt ioni e-
render Inf rast rukt ur.
Am 24. Oktober 1945 teil te Prof. Schnadel m it, dass er zu s einer
Familie re isen wollte und b at Prof. H o rn und Kuc har ski i hn zu ve r-
tre te n. Vo n dieser Reise k ehrte er ni cht zurück, s ondern blieb in
Ha mbur g, u m dor t and ere Aufgab e n zu übe rneh me n. Da rauf hi n
wählte der Wie d era ufb aua ussc huss P r of. K ucha r ski zum Re ktor und
Prof. Franck zum Prorektor.
Ein Großteil der Arbeit des Wiederaufbau a us schusses , der jetzt in
„Se nat “ umbe na nnt wurd e, b estand in d er Fra ge in de r Mitglied sch a ft
in d er N SD AP . I m D e z e mb e r 19 45 ve rkünd et d er R ekto r Ku c har ski
eine Militar y Order der B rit. Militärregieru ng, dass alle P arteige no s-
sen a us der H oc hschule zu e ntfe rne n sind . Dies wurde später von
Kuc har ski mit al ler Schärfe umg esetzt.
Am 8.12.1 945 verf asst Prof. Walter Ku charski ein e De nkschr i ft
„Ge dank e n un d Vorschläge zur Wieder eröff nun g de r T echni sc he n
Ho chsc hule B e rl in “.
Am 14.12.1945 tei lt Ku ch arski , de n kün fti ge n Stud ente n d ie b evo r-
ste hende Eröffnun g de r Ho chschule für das Sommersemester 19 46
mit.
Der o .g. Arbeitsaussc huss bat d ie Britische Militä rregier ung am
9.1.1 946 Walter Kuch arski auch o ffi z iell zum k o mmis s ar ische n
Rekt or zu besti m men.
Anf ang 1946 ü bern ahm Prof. D´An s das Dek anat der Fakultät für
All geme ine In genie ur wiss ens cha fte n und den V or sitz i m
Bau - Aus schus s.
In d er S enat ssitz ung vo m 16 . J anua r 19 46 wur de der Erö ffn ungs te r-
min d er neue n Ho chs chul e a uf de n 9. Apri l 19 46 fest gele gt . Die se
sollte nu n den N a m e n T echni sche Uni ver sitä t trag en. In [29] b e-
schreibt K u charski wi e und w ar um er diese Bezeichnung vorg e-

31

schla ge n hat . Abe r nicht zul etzt war diese Bezeichnung damit b e-
grün det, da ss ein e Huma nistische Fa kultät ei ngerichte t werden sollte ,
um de n alte n T H - Stud e nte n und künfti gen S tud en ten gene ra tione n die
Ideen von Dem okrat ie und Hu mani s mu s in Ver bindung mit allg e-
mei nbi lde nden F äc her n na he z u b rin ge n.
Der ko mm. Re kto r Kuc har ski schr i eb an die Dekane der vier Fak u l-
täten folge nde Einladu ng. (Zitat a us [54])
T echn. Ho chsc hu le Ber lin Ber lin - Ch arlott enburg , d. 8. A pril 1946

An d ie
Herren Dekane Prof. D’Ans ( Al l g. In ge nieur wi sse nsc ha ft)
Prof. Brennecke (Bauing enieur w esen)
Prof. H ahm ann (Archit ektu r)
Pr of. Hor n (M aschi nen wese n)
Sehr v ere hrter Herr Kolleg e,
wie Sie wissen, findet mor ge n m i tta gs d er ge na nnte Er öf f nu ngsa kt
statt.
In Ü ber einst im mun g mit den W ünsc he n und Vo rschl äge n d er eng l i-
sche n B ehör de n möch te ich Si e nu n bi tten, bei dieser Gelegenheit m it
mir zu sammen auf dem Podium der großen Mensa Platz zu nehme n,
wo sich außer uns die Vertreter der en glis chen Behörden und dieje-
nige n de s Magistrats befinden werden.
Ferner b itte ich Sie, sich vor de r Zere mon ie nic ht i m „Zu scha ue r-
raum“ der großen Mensa, sondern in dem große n Vorde rraum de r
Ta berna e inzu finde n, wo ich Sie begrü ßen un d spät er dem eng li schen
Gene ral und se iner B egl eit ung vorst elle n wer de , wor auf di e gena n nte
Gru ppe zusammen mit den Vertretern des Ma gi strats durch den Saal
der g roßen Men sa hindurch sich auf das Podium begeben wird. Ich
bitte Sie um die Fre undlic hkeit, s ic h i n de m an gegeb e nen Rau m der
T ab erna sp äte ste ns 11 .4 0 Uhr einz uf inde n. Ich wär e I hne n dankb ar ,
we n n S ie meiner vor ste hend e n Einla du ng Fo lge leisten und sich an
die erw ähnten Einzelheiten form aler Art gen a u hal te n wür de n, d a
anderen fal ls die k nappe, a ber stilvoll geplante E röff nu ngsfeie rlichkeit
gestö rt wer den kö nnt e. D ie e nglis che n Be hör den l ege n auc h au f die
vollständige Anwesen heit de r vier Faku ltätsvertreter beson deren
We rt, und se lbst vers tä ndlic h entsp ri cht d ies a uch gena u m e ine n
eige nen W ü nsche n, sofe rn d ies e hier übe rha upt in B etr ac ht ko mme n.

32

Mit kol le gia ler Begr üßu ng b in ich I hr se hr e rgeb ene r
W. Kucha rs ki
(Hands chrift lich darunt er):
Oh ne T ala r und sonst ige Auf mach ung !

Kucharski an der T U Berlin (1946 –1957)
So wie es der Br ief des Rekto rs vo m 8. Apri l 1946 an gekü ndig t hat te,
verl ief die Erö ff n ungsz ere mo nie a m 9. Apri l 1946. S ie w ar kur z und
feie rlic h i m Abla uf, nüc hter n und g ra u, wie die Zeit war, in der ä u-
ßerli c hen Er sc hei nun g. Auf musi ka lisc he U mra h mun g wa r b e w ußt
verzic htet w orden. Kein Em p fang, kei ne festliche Veranstaltung
schlo ß s ich an. Die drei R eden, d ie von General Off icer Commanding
British T roops B erlin Nares , Rek tor Ku chars ki und de m Oberbü r-
germeister Werner g e halt en wurd en si nd i n [4 3] verö ff entlic ht.
Nach der Eröff nun g d er T e chnisc hen Univer sität Ber lin h atte K u-
charski zw ei Hauptaufgaben. Es w ar das Institut f ür Mechanik wieder
ar bei tsfä hig z u ge stal ten und als Rekt or die neue T UB na ch i nne n und
außen zu vertreten.
Le h rstuhl für Mechanik
A b Somme rsemest er 1946 wi r k t e Kuc har ski al s Ord inar i us für M e-
c hani k a uf d em Le hr stu hl für M echa nik d er Fakultät für Masch i-
nen wese n ( Fa kult ät IV, umben annt 1949 in F akult ät V ) d e r ne u g e-
grü nde ten T ec hni schen Universität Berlin. Zun ächst betreute er auch
noc h wie a n d er TH d ie Me chanik für Ba uinge nie ur e, b is sie 1 94 8 vo n
P ro f. Sz a bó übern om men wur de . Desse n As siste nt Re ck ling, bei
de ssen P ro motio n Kuc har ski zweit er Berichter war, wurde später
195 7 N achfo lger Kuc hars kis a uf d es sen Le hrst uhl .

33

Bi ld 10: Kucha rski b eim Vortra g [49]
Rekt orat
Das Rekt or at K ucha rs kis war mit viel en S ch wier igke it en na c h inne n
und a uß en ve rb und en. K on nte sich Kuc har ski auf e ine n klei nen Stab
von Mita rbeiter n stützen, sollt e sich bald ei ne Opposi tion bilden die
mit der Arbeitsweise Kucharskis nicht einverstanden war. Der Pr o-
rektor Franck entwic kelte sich zum „Contra “ - Rek to r und de r De kan
Jean d’Ans arb ei tete ge gen K ucha rsk i. A ussc hla gge bend war wohl
Kucharsk is rigides V or gehe n ge gen N S - be las tet e A nge hör ige auc h
des Leh r körpers, sei n autoritär er Fü hru ngs stil . Mö glic her wei se ware n

34

es a uch d ie Ric htli nie n für die Erö ff nun g und f ür di e erste Ent wic k-
lun gsp hase d er Tec hnisc he n Uni versität Berlin - Char lo tte nbur g die in
eine r Anl age zur Nieder sch rif t über die Besprech ung vo m 18 .9 .19 46
mit Vertretern des Magistrats formu liert wu rd en:

Bil d 11: Bei de r Erö ff nung de r de TUB [ 53]
Bil d 1 2: K uch ars kis A bsc hieds re de als Rekt or [53]
1. Anti faschistisc h, anti militaristisc h, o ffe ne Au fgesc hlo sse nhei t
ge ge nüb er de n gewer ksc ha ftli c hen und soz ial ist isc he n Bes tr ebun gen.
2. „Unive rsi tät “; a lso ni c ht nur engs tir nige Fac hle ute, son de rn vo l l-
wertige P ersönlic hkeiten i m Lehrkör per; nic ht zur Über mittlun g v on
Fachw iss en, son dern Erzieh ung .
3. S elb stver wal tun g de r T .U . unter B eibehaltung der alten b ew ährten
Gli ede run g des Lehr kö rp ers i n voll wer tige Pr ofe ssor en, F akul tä ten,
Sena t und Rekto r. Allmä hli che Wied er ent wickl u ng de s d e mokra t i-
sche n In nenl ebe ns, ges tütz t a uf d ie ge nan nte n in nere n Ei nri cht un gen
4. B et reuung d urc h d ie in F rage ko m me nde staa tliche Be hörde unt er
gege nse iti ge m Vert ra uen und Ver ständ ni s. Allmä hlic he Ent wic klun g
dieser Beziehung en, w obei B ehörde nich t et w a übergeordnete Au f-
sicht sb ehö rd e in üb lic her Au ff a ssun g.
Nach vielen inter nen A usei na nd erse tzun ge n ka m es au f An tr ag zw ei er
Deka ne zu e iner vo rgez oge n en Re kt oratswahl, bei der K uch ar sk i
ei gentlich nic ht mehr antr eten wollte. Bei die ser Wahl a m 12. Augus t

35

1947 s etzte s ich eine k onservative Pr ofes sorenmehrheit durch un d
wählte Jean d’ An s zum Re kto r.
Damit endete Ku charskis Amtszeit als erster R e kt or der T ec hnischen
Universit ät Berlin. Bild 12 zeigt Kucharski bei seiner Abschiedsrede.
Leider ist der T ext dieser R ede nicht bekannt.

36

Kucharskis Doktor anden

Kling emann, G.
Ver fahr en z ur Berechnung der t heo ret isc hen Ken nli nie n vo n T u r-
bo masc hine n
(1940) Vors. Prof. G. Ham el , Berich ter: F. W einig, W. Kucha r ski
Ing. - Ar chi v , XI. Bd., Heft 3, 1 940, S. 151 – 177
Melit ta Gräfi n Sc henk von Stau ff en berg (19 43)
Es ist nicht be kannt, ob die P rom otio n abg eschl ossen wurde .
Zwei ihr er T a gebuc heint ra gu ngen Bild 13 weisen aber auf Ku char ski
und ih re Doktorarbeit hin . Diese hat Herr G. Bracke dem Verfasser
freundlicher weise zur Ve rfüg ung gestellt. [47]

Bil d 13: Aus züg e aus de m Tagebu ch von Meli tta von St au ff e nber g l inks : 1 7. 7.19 43 –
re chts: 1 7./1 8. 8.1 943
Rec k ling, K . - A.
Die Stabilit ät erzwungener harm o nis c her Schwingung en gerader
I- Träger im Verband eines Tr agwerk es
(1951) Beri chter: Prof. I. Szab ó. Prof. W. Ku chars ki
Haase, D.
Str ö m u ng in e ine m 9 0 °- K nie
(1953) Beri chter: Prof. R. Wil le, Prof. W. Kuc harski

37

Kucharskis Patente

P atent Nr.

P atentiert ab:

Na me

Tite l

DRP 32 3892

31.12. 19 16

Kuch arski, W.

Ver fahren zu m Au s-

w uchte n schnellrotiere n-
der M assen
DRP 32 6951

10.3. 191 7

Kuch arski, W.

Fräser u nd K opierstift
senkrech t in einem u m

zwei zu einan der sen k-
recht stehend en Achsen
sc hwi ngba ren H ebel von
veränd erlich er Länge

gelagert sind
DRP 41 3670

30.6. 192 3

Kuch arsk i , W.

Sch if f sch raub e mit Lei t-

vor richt ung
DRP 32 5362

25.5. 191 6

Kuch arsk i , W.

Kühlw a sse rver sorg ung

für Flüssig keitsg etriebe
Brevet

d’inv enti on
No 5 61.66 3
1.2. 1923

Kuch arski, W.

Dis positi f p our la pro pu l-

sion
UK P atent No

207,1 67
18.11. 19 22

Kuch arski, W.

Im prov eme nts in a nd
conne cte nted w ith G uide

Device s for Screw P r o-
pell ers
DRP 41 4229

4. 12. 1923

Kuch arski, W.

Sch rauben wasser -

Le itvorrichtung
DRP 40 3761

3.7. 1923

Kuch arski, W.

Schr aubena ntrieb

DRP 40 0415

9.7. 1922

Kuch arski, W.

Freis chwingend es

Balan cierru der
DRP 39 8505

19.11. 19 22

Kuchars ki, W.,

Propellerleitv orrichtung

DRP 39 8504

2.5. 1922

Kuch arski, W.

Sch iff s schrau be mit

Le itvorrichtung
DRP 35 2641

21.5. 192 0

Kuch arski, W.,

Wagner, R.
G ege npropell era nordn ung

bei Ein - u nd Meh r-
schrau ben schiffen

38

Nachrufe
Nachruf von Professor I. Sz abó
Professor Walther Kucharski gestorben
Am 11. Novem ber 1958 v erst arb im 72. L ebens jahre de r eme ritie rte
or de ntlic he P rofe sso r f ür M ec hani k a n, de r T ec hnis che n U nive rs ität
Ber li n, W althe r Kuc hars ki. In Fr ied ric hsho f (Ost pr euße n) gebo re n,
besuchte er da s hum anis tisc he. Gy mnas ium in K önigs berg bi s zur
Primareife u nd absolvierte in d en Jahren 1900 – 190 8 d ie „Kö nigliche
Höhere Maschinen bauschule “ in Stettin. Sei ne praktisc he T ätigkeit
bega nn im Jah re 1908 bei d en Vul kan - Wer ke n in Ste tt in, u nd er blieb
hier bzw . bei der glei chen Fir ma in Ha mbur g bis 19 18 in i mmer höher
stei gend en P os itio ne n.
Bis zu seiner Berufu ng im Jahre 1 931 an die Technisc he Ho chsc hu le
Ber lin - Char lot te nbur g w ar Kuc har ski a ls Che fko nstr uk teur und
technischer Direktor be i vers chied ene n Fir me n des Schi s - und M a-
schi ne nba ues i m In - und Au slande tätig. Scho n allein die T atsache,
da ss er o hne e ine „a ka demisc he Aus bildung“ in de r Prax is di e
höc hste n und ve rant wor tlic hs ten P osten bekle idet hatte, noc h m e hr
aber seine Beruf ung als ordent licher Pr ofes sor der Mechani k, legen
ei n Ze u gni s da von ab , welc he u nge wöhn liche Per sönlich keit K u-
char ski ge wese n ist .
Zur Zeit seiner Berufung nach B erlin w ar K ucharski als erf o lgreich er
Ko nstr ukte ur i n d er P ra xis be kan nt, a ber auc h i n wi sse nsc haft lic he n
Kr eisen hat te er si ch d urc h se ine Pub li kati one n, i nsb eso nde re durch
sei ne für d ie ges amte T urb ine ntheo rie bahnbrechende Arbeit „ Str ö-
mung en ei ner reibun gsfreien Flüssi gkeit bei Ro tation fester Körp er“
eine n Na me n g emach t, so da ß sei ne Ern enn ung zum orde ntl ichen
Professor auch bei dem großen Theoretiker der Mechanik i n Ber lin,
Hamel, völlige Billi gung fand . Nac h Be gin n se ine s Wi rke ns i n Be rlin
en tfaltet e K ucharski ein e re ge w i sse nsc haft lic he T ät igkei t u nd se ine
Arb eite n au s d iese n J ahre n wie „ Der Beitra g zur Theorie des Gehö r-
ganges des menschlichen Ohres“ , Fort pf l anz ung vo n Unst et igke it s-
fl äc h en zeu ge n nic ht nur von m ec ha nisc he r Int uiti on, sond er n auc h
von e ine m b ei se ine m Bil d ungs gang kau m faßbaren mat hematischen
Kö nnen. Kuc har ski ka n n aus d e r P raxi s auf eine Hochschule, aber daß
man in i hm ei nen gro ße n Ge lehr ten g efun den h atte, das be w eisen

39

seine s päteren Arbeiten, denen n iemals das Zweck be ding te, d. h. das
auf die Pr axi s Gerichtete zugrunde lag, sondern die sc höp feri sche
Fre ude in Pr ob lemst ell ung und mathe ma tis cher Lö sun g.
So sei erinnert an seine äußerst geistre iche n Ar be ite n übe r d ie The or ie
der Se ile, ü ber die erst m alige Anw endun g der S törun gsrec hnung auf
die Lö sun g vo n pa rtie lle n Di ff er entialgleic h unge n, a n se ine V ort räge
i m Au ße ninstitut de r Technischen Hoch schule Ber lin - Cha rlo tt enbur g
„Ü ber die Anwend un g der elliptisc hen Funktione n“. Auch seine
Bemüh unge n, di e Bew egung des Pende ls m i t peri odisc h bew egt em
Au fhän gep unkt ei ner der Ans chau ung un d Theorie befri edigen den
Lös ung z uz ufü hre n, ware n erfolgreich, und gerade b ei der Behan d-
lu ng und L ösung die ses Probl ems ze igte er sic h no ch einmal als der
gro ß e Konst ruk teur , ind em e r zur De m o nstration diese s außero r-
dentlich in teressa nten Effe ktes einen – se ine Theor ie vollau f bestät i-
gend en – Apparat konstr uie rte und d iese n in sei ne m Ins tit ut b auen
lie ß. D ie Vo rf ühr ung d ie s es Gerätes bildete für die Teilnehmer der
Tagung der „Gesellschaft für Angewandte Mathe mat ik und Mecha-
nik “ in B erl in i m J ahre 19 55 eine Sensation! Erwähn t sei no ch seine
Arbeit in der Zeit schrift fü r Ange wand te Ma the mat ik und M echa nik
zu Hamels 70. Geburtstage, in der Kucharski auf er staun lich kleine m
Rau m ei ne n in p hil oso phis ch ge hend e T iefe n ge he nde n Üb er blic k
übe r d ie Ent wickl u ng der Me cha nik und insbesondere des Kraftbe-
grif fe s ge gebe n hat ; in so ge d rängt er F or m so vie l W ese ntl iche s zu
sage n, we iß nu r de r wi rklich gro ße Gelehrte! Seine Freunde und seine
Schüler w erden ih m ei n ehre n des Anged enke n b e wahre n.
Nachruf der TUB
Walther Kucharski – Nachr uf
Aus T U - Neuigk eiten Nr. 8/58, 1. 12.195 8, S.2
Am 11. Novem ber gi ng der em eri tier te Ordinarius für Mechanik,
Pro fes sor Wal ther Kucha rs ki, i m 72. Lebe nsj ahre für i mmer von u ns.
Der T od gr i ff hi er nach eine m Mens c hen, der stets hilfsbereit und als
echter Ost preuße auch immer bereit war, f ür die Technisch e Unive r-
sität, für d ie Wis sens cha ft u nd für die St udent ens cha ft z u kä mpfe n.
Am 20 . J uni 18 87 w urd e W alt her K uchar ski in Fr ied ri chsh of, Kre is
Or telsb urg, in O stpr euß e n geb or en. Er b esu chte das Friedrich skoll e-
gi u m, ei n hu ma nist isc hes G y mnasi u m in K öni gsbe rg, und ab sol vier te
im A nschluss daran die Höhere Masch inenbausch ule in Stett in, wo er

40

sein I nge nie urse xa men a ble g te. Die e rst e Ste llu ng fa nd e r in d er
Schi f fs we r ft „Stett iner Vulcan “. Hier arbe itete er mit Prof. Fö ttinger
zusa m men. Als dann der Gr oßsch iff bau spä ter nac h Ha mb urg ver legt
wurde, siedelte er zusa mme n mit P r of. Föttinger in die Hafenstadt an
der Elbe über. An der Entwic klung des Föt tinger - Transfor mators w ar
er maßgeb lich beteiligt.
Während des 1. Weltkrieg es arbeitete Walther Kuch arski zusammen
mit Dr. - Ing. W a gner an d er E ntwic kl ung d es Star - Ko ntr a - Pr opelle r s.
Nach Kri egsende im Ja hre 1921, w u rde er als T echni sc her D ir ekto r in
d ie Star - Cont rapropell er L td., Osl o beruf en. Von dort g ing er 1925 z u
Neu feld und K uhnke in Kiel, w o er die Tiefseetau cher w e iterentw i-
ckelte und p rakt is che Ve r suc he in e uro pä ische n Ge wä sser n u nte r-
nahm . 1930 wu rde er zur Deutsc he n W erft in Ha mbur g ge holt , war
do rt a lle rdings n ur e in Ja hr tätig, denn bere its am 1. April 1931 wur d e
Wa lther Kuc har ski al s o. Pr ofes sor für M ec hani k a n di e T echni sc he
Ho chsc hule B er li n - Charlotte nburg berufen. Gleichzeitig wurde das
Amt d es Direktors des In stituts für M e cha ni k in se ine Hä nde gel egt.
Nach de m 2. Weltkrieg leitete Pro f. Kucha rs ki zu näc hst ( ko mmis s a-
ris ch) di e Tech ni sche H ochschu le. A ls am 6. A pril 1946 dies e
Ho chsc hule o ff i ziell er öff net wurde, war er ih r erster R ektor. In s einen
Ver hand lun ge n mit den Besatzungsmächten, zuerst mit den so w jet i-
schen, später m it den westalliier ten Dienststelle n, bewährte s i ch P ro f.
Kucharski als eine wi l lens starke u nd geprägte P ersönlic hkeit, stets
unter Einsatz a ller seiner Kräfte um den Wiederaufbau der ehemal i-
gen T ec hnisc he n Hoc hsc hu le bemüh t.
Ges und hei tlic he G ründ e z wange n ihn i m Okt ob er 1 95 7, se in Lehra mt
niederzulegen u nd es an Professor Reckling zu übergeben .
Mit selbstbe wusster Wille nsstärke verban d si ch bei ihm die Aufg e-
schlo s senhe it für die Nöt e und Anl iege n d er Stude nte n. We r ihn
kan nte wir d ih m für viele s Dankb ar kei t be wahr en, u nd mit d er
Dankbarkeit verbindet sich die Trauer darüber, dass v iele Pläne, die er
hegte nic ht mehr W irklic hke it werd en ko nnt en u nd d er T o d sei ne m
Wi rken e in E nde setzte.
Schlußbemerkung
Der Auto r ha t ver suc ht, aus de n vor ha ndene n Unt erl age n aus d e m
Nach l ass von Prof. Dr. - Ing. Her mann Föttin ger und e i nfac h zugä n g-
lic hen U n ter l agen einig e Fakte n aus dem berufl ic he n Leb en von P ro f.

41

Walter Ku cha rs ki zusa m menz utr age n. P ri vate s war nic ht G e genst and
der vorliegen de n Arbeit. Ange merkt sei lediglic h seine Liebe z ur
Musi k, i nsb eso nd ere zu B ac h und z ur Li ter at ur. G oet he s Fa ust ha t e r
in z wei Vo rt räge n [ 32 ] und [33] r echt eigenwilli g interpretie rt.

Bi ld 14 : Wa lter Kuc hars ki [ 53]
Je mehr der Autor über die Lebensleistung Kucharskis erfahren hat,
um s o m ehr w ar er ersta un t, da ss di ese L eistu ng bish er – bis auf di e
beiden Nachrufe – nie ge würd igt wurd e .
Off ensic htlich ist es bis heute so, d ass Kucha rs kis ri gor oses Vor gehe n
gege n N S - belastetes Personal be i m Neua nfa ng d er T UB i m G e-
dächt nis ge bli ebe n is t, währ end sei ne V or stel lun ge n vo n ei ner ga n z-
heitliche n Uni versi tä tsa usbi ld ung ni cht zur Ken nt nis g eno mme n
werden.
So lässt sic h in der Literatur n u r eine A ussa ge find en wie b e i Ba ganz
[50], wo ein Brie f Max von La ues [41] an Lise Meitner zitiert w ird, in
dem e s u.a. heiß t: „dazu der treffl iche De kan J ea n d’ Ans, s tehen in
schär fste m Gegensatz zum Rektor, dem SED - Ma nn K uch ar ski, d er
nach H itler m e thoden zu r egi e ren ve rs ucht. Ich sah z . B . eine n Br ief
Herrmanns an den Rektor, der in der Schärfe des Spo tts wahrlic h
nich ts z u wü nsc he n übri g ließ “.

42

Bil d 1 5: K uch ars kis tra ße im „ S pre ebo ge n“ 13
Die einzi ge Eri nner u ng a n Kuc har ski, die de m A utor be ka nnt is t,
bef inde t si ch im sog. Spreebog en w o s eit 19. 8.1986 ein e kl ein e Stra ße
nach Kuc har ski bena n nt i st. B ild 15 zeigt die Lage der Straße neben
de m P ro dukti o nstec h nisc he n Zentr um B er lin.

13 https ://www.o penst ree tm ap.de/karte .htm l

43
Quellen und Literat ur
[1] Kuch arski, W.
Ver glei ch z wisc hen Zahnra dgetrie be un d Fött ing er - T rans formator
Technisch er Bericht Nr. W 11 0, Vulcan - W erke , Ha mb urg – Ste ttin,
10. März 1913
[2] Kuch arski, W.
Mar scha no rd nung für ei nen kl ei ne n Kr euz er mit 2 T ur bo trans for m a-
toren als Haup tantrieb
Technisch er Bericht Nr. W 13 5, Vulcan - W erke , Ha mb urg – S tettin,
3 0. A ugust 1913
[3] Kuch arski, W.
Zur T heor ie mod er ner D ruc kl ager
Z. f.d.g. Tu rbine nwe sen, XI II. Jg., H eft 29, 26. Ok tober 1916 ,
S. 297 – 300
[4 ] K uch arski, W.
Ges chwin digk eitspot ential und Ene rgie übert ragung bei Beweg ung
fe ster Körper in einer Flüssigkeit
Z.f .d.g. T urbin enwes en, XIV. Jg. Heft 7, 19. März 1917, S. 67 – 69
[5 ] K uch arski, W.
Str ö m u ngen i n r otie re nden K anä len
Z.f .d.g.T urbin enwes en, XIV. Jg., Hef t 21, 30. Ju li 19 17, S. 201 – 204
und H eft 22, 10. A ugu st 1917, S . 215 – 217
[6 ] K uch arski, W.
Zur Be sti mmung d er dur ch ei nen sc hra ub enfö r migen W ir be l he r-
vor geru fe nen S trö mun g
unve rö ff e ntlichtes Ma nuskript ( 24. 8.1917 )
H ermann - Föttin g er - Arc hi v
[7 ] K uch arski, W.
Zur Theorie des Schrauben strahls
Ham burg, S eptem ber 1917, 1 1 S.
unve rö ffe ntlic hte s Ma n uskr ipt, H e rma n n - Fö tti nger - Ar ch iv
[8 ] K uch arski, W.
Der Ein fl uss der endlichen Lagerlänge auf die St römung i n der
Schmier mittelschic ht
Z.f.d . g. T urb inen wese n, XV. Jg., 1918, Heft 6, S. 53 – 56, He f t 7,
S.68 – 71, Hef t 8, S. 75 – 78, S ch lus s in Heft 9, S. 81 – 85

44
[9 ] Kuch arski, W.
Redebeitrag zu Föttingers Vortrag über „Neuere Grundlag en fü r die
Beha ndlung des Prope llerp robl ems“
J.STG, 1918, S . 458 – 460
[1 0] K uc harski , W .
Strö m un gen einer reib ungsfreien Flüssig keit bei Rotatio n fester
Körper: Be itra g z ur T urb inent heo ri e
Münc he n [u. a.]: Olden bourg ,1918, 14 7 S.
[1 1] K uc harski , W .
Die Ausbild un g und A nor dnu ng von Sc hmie rn ute n
Ding ler, Pol y t. Journ al, 1919
[1 2] K uc harski , W .
Eini ge p ri vate Rec hn unge n, d ie mit der T heo rie von Vo rst ro m und
So g zu sa mme nhängen , Ham burg, N ovember 1920, 37 S .
unve rö ffe ntlic hte s Ma n uskr ipt, Her man n - Fö tti nger - Ar ch iv
[1 3] Kucha rski, W.
Die E infüh rung des C ontra - Prope llers
in : Werf t, Re ederei , Hafen , 1922, Hef t 22, S . 715 – 732
[1 4] K uc harski , W .
Zuschrift a n die Schriftle itung : Zur Frag e des Nachströmpropellers
in : Werf t, Re ederei , Hafen , 1924, Hef t 20, S . 533 – 535
[1 5] K uc harski , W .
Wirk ungsw eis e und Theorie von Propeller - Leit apparaten
in : Werf t, Re ederei , Hafen , 1925, S. 489, 544, 58 5, 642
[1 6] K uchar ski, W .
Zur Ent wic klun g de s Tauchens in größeren Wassertief en
in: Werft , Reederei, Hafen, 1927, Heft 4, S. 65 –71
[1 7] Kucha rski, W.
Der Begriff des Sicherheitsgrades bei Knickungsfällen
Werft, Reederei, Hafen , Heft , 19 30, Hef t 5, S. 89 –91
[1 8] K uc harski , W .
Schw ingung en v on Mem br ane n in e i ner p ulsie rend e n Fl üssi gkei t; ei n
Beitrag zur R eso nan ztheorie des Hörens
Ph ysika li sche Zeit schr ift , XX XI . J g., (193 0), S. 26 4 – 280

45
[1 9] K uchar ski, W .
Neue Gesi c htsp unk te f ür d en Ent wurf von Sc hi ffsr ude rn
J.STG, Bd. 32 , (1931) S. 20 6
[2 0] K uc harski , W.
Zur Theorie des Steuerv organges bei Schiffen
Werft, Reederei, Hafen , Heft 3, 1 932, Heft 3, S. 35 – 42
[2 1] K uc harski , W .
Be wegu ng ei nes W irb el s in e ine m nac h auß en of fe nen K rei ssek tor
Sonderheft der Zei tschrift „Forschung au f dem Gebiet des In gen i-
eu r we sens“ anlässl ich F öttinge rs 60. Ge burts tage s, Bd. 8, Nr . 1,
Jan./Feb. 1937, S. 1 4 – 20
[2 2] K uc harski , W .
Zusammenfassender Bericht über den Mech ani kun terricht in der
Fakultät fü r Maschinen w e sen , unver öff en tlichtes Ma nuskript,
21.6. 1938 He r ma n n - Föttinger - Ar chiv
[2 3] Kucha rski, W.
Notizen ü ber Aufb au und Dauer des technisch en Ho c hsc hul stud i ums
unve rö ffe nt licht es Manu skript , 30.12. 1938
Hermann - Föttin ger - Arc h iv
[2 4] Kucha rski, W.
Zur Kinetik d ehnungs loser Sei le mit Knic kstellen
Inge nie ur - Arc hiv, XI I. Ba nd, 1941, S. 10 9 – 123
[2 5] K uc harski , W .
Eine Inte gr algle ic hun g für den r ot iere nde n Scha ufe lste rn und i hre
Lösu ng
Zeit schr i ft für Ange wa ndte M athe mati k u nd M echa nik, Bd . 2 1, H eft
2, 1941, S. 65 – 79
[2 6] K uc harski , W .
Unstetigkeit sstellen i n eine m b ewegten Ko nti nuu m
Zeit schr i ft für Ange wand te M athe ma tik u nd M echa ni k, B d. 21,
He ft 3, 1941, S. 152– 161

46
Ab 1945
[ 27 ] K uchar ski, W.
Gedank en und Vor schlä ge zur Wi ede rer öffn ung de r T echni sc hen
Ho c hsc hule B er li n , Manu skript, 8.1 2.19 45
[2 8] K uc harski , W .
Rede zur Eröf f nung de r T ec hnisc hen Hochschule Be r-
lin - Cha rlo tte nb urg am 9. A pril 1946.
Uni ver sität sb ibl iot hek de r T echni sc he n U niversität B erlin, (Signatur
8B6798)
[2 9] K uc harski , W .
Universita s Litterar um – T ec hnisc he U niver si tät ,
in : Bl ick i n die Wi sse nsc haft , 1. Jg., Heft 3, März 1 948, S. 98 – 100
[3 0] K uc harski , W .
Zu m drei jä hrige n B este hen d e r T echnis che n U nive rs ität Ber lin
Quelle: U A T UB, 410 Nachlass Hans Ebert, Nr. 39
[3 1] K uc harski , W .
Ziele un d Ent wi c kl ungstendenzen der T echn ischen Hochschulen
Manu s kri pt, Jun i 1950
Quelle: U nivers itätsarchiv der T UB
[3 2] K uc harski , W .
Ged anke n ei nes Ost preu ßen übe r den S chl uss von Go ethe s Faus t
Un datier t (na ch 1951)
[3 3] K uc harski , W .
Faus t’ s T od , Goe the und das De utsc he Vo l k
Zwei Vorträ ge gehalte n im A ußeninstit ut der T ec hnisc he n Uni ver sitä t
B erlin, undatiert
[3 4] K uc harski , W .
Über Ham e ls Bedeutung fü r die Mechanik
Zeit schr i ft für Ange wand te M athe ma tik u nd M echa ni k, B d. 32,
Nr. 10, 195 2, S. 2 93 – 297
[35 ] Szabo, I.
Nachruf: Profess or Walther Kucharski gestorben
Der Bauing en ieur, Bd. 34 (1959), Hef t 1, S. 5 8 – 59

47

[36] N. N.
Nachruf: Profess or Walther Kucharski gestorben
TU - Neu igk eiten N r. 8/58, 1.1 2.195 8, S. 2
Andere Q uellen
[37) Föttinger, H .
Eine ne ue Lö sun g de s Sc hiff sturbi nenpr oblem s
Antr itt svor les u ng an de r KT H Da nzig u nd z ugle ich Vortrag auf der
Haup tver sa mml ung d er Sc hi ff ba ut ec hnis chen Gesell schaft ( STG) in
Dan zig am 18.11.190 9,
in: J. ST G, 11.B d, 1910
[38 ] Föttinger, H.
Die hy drody nami sche A rbeitsü bertra gung , insbeson dere durc h
Transformatoren in: J.ST G. 1930, S. 187
[39 ] Föttinger, H.
Die Kohl ens ta ubt urb ine a u f Gr undla ge der hyd ro dyna mi sc hen A r-
beit sübe rtragu ng (Tur bo - Übert ragung ) in: J.STG. 1937, S. 3 72
[40] Wagner, R.
Rü ckbli ck und A usbli ck auf die En twick lung des Cont raprope llers
in: J.STG. Bd. 30, 1929, S . 1 99
[41] Lem merich, J. Hg.
Lise Meitner – Max von Laue, Briefw echsel 1938 – 1948
Berli n, ER S, 1998.
[42] GSt A PK, I. HA Rep. 76 Vb S ekt . 5 Tit. I11 N r. 5 a, B d. 11,
B1.63, 1 1. Ju li 19 30
[43] Eröf f nun gsa nspr ache v on Ma jor - General E. P . Nares n ebst
An two r t d es Rek to rs d er T e chnisc he n U ni versität und A nsprache des
Ober bürger meisters de r Stadt Be rlin: gehalte n am 9. April 1 946 ,
( UB Si gn atur 8B6798 )
[44] Brandt, P.
Wiedera uf bau un d Ref orm – Die T echn ische Universität Berlin
1945–19 50
in: R ürup , Hr sg. : W isse nsc ha f t un d Ges ellschaf t, Bd. 1, 1979

48
[45 ] Krauß, O.
Rüs tung u nd R üstu ngserprob ung in der deutschen Marinegeschich te
unter be so nder er Be rücks ic hti gun g de r T or ped ove rsuchs anst al t
(T VA) , Dissertatio n, Kiel 200 6
[46] B racke, G.
Melitta Grä fin Stauf f enberg . Das L eben einer Fliegerin.
Herbi g, Mün ch en 2013
[47] B racke, G.
persön li che M itteilu ng v om 11.6.2016
[48] https://archiv.pr essestelle .tu - berl in.de/ tui/96a pr/au fbau .htm
abge ruf en am 11.6.20 16
[49 ] S tabsstelle Pr esse TU Berlin
[50] B agan z, C.
Diskr i minie r ung, A usgre nz un g, Ver tr ei bung: die Tech nisc he H oc h-
schule Berlin w ährend des Nationalsozialismus
Ber lin : Metropo l - Verl ., 2013
[51] B aganz, C.
Kr iegse nde und N eube gin n – von de r T echnisc he n Hoc hsc hule z ur
T echni sche n U nive rsit ät B erl in
Ber lin: Verlag am Flus s, Febru ar 2017
[52 ] Kändler, W. C.
An passung un d Abg renzung – Zur S ozialgesc hichte der Lehrs tuh l-
in haber der Technischen Hochschule Berli n - C harl ott enbur g und i hre r
Vorg änger akadem ien , 1851 bi s 1945
Franz Steiner Verlag 2009, ( O nli n e-V er sion für T U - Ange hör ige
ver fügbar)
[53] A rchiv der sozialen Demokratie der Friedrich - Ebert - Stif tu ng
[54] H ah m ann, W.
Wie d ie Technische U niversitä t Berlin ent stand – Chro ni k d. Ze it vo m
2. M ai 1945 bi s zum 9. April 1946, auf g ezeichn et nac h e ige nem
Erleben. (Berlin [1963]: Heen ema nn ). 43 S.
T echn. Uni v. B er lin, A kade mi sche Re den, 19 63
Uni ver sität sb ibl iot hek d er T echnisc he Uni versi tä t B erli n, (S igna tur
8BC7937 )

49
Anhang A: Notizen über Auf bau und
D auer des technische n
Hochschulstudiu ms 14 15
I n h a l t
Vorbem erk ung
I . A ll gem ein es ; d ie ta tsäc hli ch e he utige Si tuat io n der Ho chsc hule n
1. Bedarf der Indu strie
2. Aufgaben der T echnisc he n Hoc hsc hule n.
3 . U ntersch ied gegenü ber den Fach - und Mittel schulen.
4 . W elch es si nd die Grundl agen für die T e chnisc hen H oc hs chule n?
5 . B isher ige Le hr plä ne
6 . D ie S chwie rig keit en d er heut ige n La ge
7 . D ie he uti gen No t wend igke ite n
8 . K rit iken a n d en T echni sc hen H ochs ch ule n.
II. D ie dreijährige S tudienzeit
1. ) He rkun ft und Ent ste hu ng d ieser P läne
2. ) Di e in d en Zeit u ngen e tc. gege be ne B egrü ndu ng.
3.) W a s könnte die Ho c hsc hul e in D urc hfü hru ng d er art iger Ver fü g unge n
tun?
4.) U nmittelbare F olgen hiervon ; Abw älzung von Auf ga ben an die Indus -
trie.
5. ) I ndustr ie ka nn d iese Aufga b en nich t üb erne hme n; H aupt g ründe hier für .
6. ) Di e schä dli che n Fol gen.
III. Ein du rchfü hrbarer Vors chlag
14 zusa mmengest ell t im Auft ra ge der Fa . für Mas chi nenwesen a n der TH Ber lin
von W. Kuc har ski 30.12 .1938
15 Anmerk ung: Di e fol genden Not iz en sind i n kei ner Richt ung ers chö pfend; Eil e
war erf order lich; Andeutung der wi chti gst en Punk te musst e genügen.
Str eng v e r t r a u l i c h. N ur für die mit Bea rbeit ung dies er Fr agen bea uft ragt en
Per sonen b esti mmt.

50

Vo r be me r ku ng
Rec htsg ült ige Ano rdnu nge n u nd V erfü gun ge n sind selbstverständlic h
nach b est em Kö nne n und W issen z u befo lgen. Die se Notizen also
nicht etwa Oppositi on. Andererseits auf den techn isc hen Hoc hsc hu len
zweifellos die grö sste Anza hl und viel leic ht mi t weni ge n Aus nahm en
die einz ige n ver ant wort un gsb ewus ste n P e r sönlichkeite n der T e chnik,
welc he a us e ige ner E rfahr u ng ni cht nur d ie Wünsc he so nd er n di e
tatsächliche n Bedürfnisse d er industr iellen Praxis und gleic hzeitig d ie
pä dag ogischen Möglic hkeiten einer Ho c hsc hule kenne n. Die H och-
sch ule n daher verpfl icht et, zu e insc hne ide nden Ano rd nun ge n Stell u ng
zu ne hme n und ge gebe ne nfall s i hre B ed enke n i n pro dukt iv er We ise
an d en ri cht ige n Stel le n vor zub ri ngen.
I. Allge meines; die ta tsäc hlic he heutig e Situat ion der H och -
schule n
1.) Bedarf der In dus trie.
Die für di e Ind ustr ie not wend ige n Te chni ker könne n ga nz r oh in z wei
Hauptgruppen einget eilt w erden:
a) die Gruppe derjenig en, die im W esentlic hen nach Angabe die
laufende A rbeit schnell und si che r so wie mö glic hst bal d nac h Antritt
ihre r St ell ung d urc hzu führ e n hab en;
b) die zu Füh rung un d Leit ung Beg abten und A usg ebil deten, die in
den Aufgaben der Gruppe a) vollk o mmen z uhause se in, a u ß e r d e m
aber den Blick fü r die Z usa mme nhä nge un d die Mög l ichkeit zu m Vo r -
aus sehe n und z war zur wir ks a men Dur c hführ ung d er Ent wic klun g
besi tzen müsse n.
2.) Aufg abe der T echni sc hen Ho chsc hule n .
Aufgabe der T echnis che n H ochsc hu len ist die Aus bildun g de r Gru ppe
b) ; Gr uppe a) f ällt de n Fachschulen, Mittel schule n etc. zu . Da s Za h-
lenve r hält nis der be ide n Grup p en i n d er P ra xis kann mit rohem Grif f
viellei cht z u 10 : 1 ang enommen w erden; rechnet man, da ss vo n de n
Ho chschulabsolventen etwa j eder zw eite doch später m ehr ode r
weni ger in d ie Gr upp e a) a bwand er te, s o ko mmt man a uf ei n Ve r-
hält nis von e t wa 5 : 1 f ür Fa chs chu l - u nd H ochsc h ulb esuc he r. D ies
keine Angab e a uf G ru nd vo n Stati sti k o. der gl., so nde rn nur ei ne rohe
An gabe zur u nge fä hren Fi xie r ung d er V or stell un g.

51
3.) U nterschi ed gege nü ber den Fach - und Mittelsch ulen .
Gruppe a), also Fachsch ulausbild ung: Die allg e mei nen G rund la gen
auf das unbedi ngt N otw endig e und s ofor t Anzu wend ende be schrä nkt ;
straff er, sch ul mä ß iger Unterr icht; soforti ge Br auchb ar keit für d ie
beschränk ten Aufgaben die ser Gruppe ang estrebt. Die ganze T e nde nz
mehr auf Ei nübung als au f Bildu ng (i m wa hren g uten S inne d es
Wor tes) gerich tet. Fast umg e kehrt die Hochs chulen, also Gruppe
b ) : H a uptgewicht lieg t auf der Ausbildu ng in den möglichst b reit und
sol ide zu ne hme nd en Gr und la gen ; im Vorderg run de steht d ie all g e-
mei ne Sc hul ung von d er Wur zel he r; ne be n de n une ntb ehr lic hen
Einz el ken ntni sse n vo r al le m d ie Übe rmittlung der allem z u Grun de
lie gend en M etho den d es D enke ns und de r Art der Anwend un g;
Gr unds tein leg ung we nige r für d en T ag d es Ab sc hlus sexa me ns al s fü r
d ie E ntwic klu ng e i nes z ur le it end en Gr up pe ge hör ende n I nge nie ure,
die mit de m Examen nicht ab geschlos sen ist.
Str enge Sche id ung nic ht i mme r dur ch führ bar . M anc he Anst al ten
(z. B. Hambur ge r St aa tsle hra nst al ten) in viel em d e n Hoc hsc hu len
nahe ko mme nd; d ie H oc hsc hul en he u te i nfo lge der wei ter unte n a n-
gef ührt en Sc h wieri gke ite n b ede nklic h in d ie Nä he der Grup pe a )
ko mme nd.
Die Hoc hsc hule n si nd al so a uc h di ej enige n, d ie ni cht nur die un mi t-
telbaren Bedürfnisse der Gegenwart im Auge haben, sondern ebens o
star k di e für Vo lk und S taat ebenso w ichtige Z ukunft be tr e uen und
ihre n Z usa mmen ha ng mit der Gege n wart z u si cher n.
Diese Seit e der Sache oft ü b ers ehen, a be r i m höc hste n M aße vo r-
hand en. Es l iegt i m Wase n de r te chnisc hen sc ha ff e nde n Arb eit , d a ss
ein statischer Z usta nd auch nur f ür ku rze Z eit kaum denk bar ist; die s
nicht fl acher sog. "Fort sc hritt swah n" , so nde rn de r üb er all feststel l-
bare, aus der Natur dieser Dinge kommende Zu g zu r größ er en Vi e l-
fältigkeit un d Verbesserung des einmal Gescha ff enen.
T echni k und ihre Gr u n dla ge ke ine int el lekt uell und nac h or gani sie r-
ba re N ützli chke it sa ngele ge nhe it, s ond ern e in d yna mi sche r und a us
de n inne rste n Anla gen d es M ens che n q uelle nd er Lebe nsvo rg ang.
Die volle Bedeutung der Hochschulen erst von diesem Blick p unkt a us
her vort ret end.

52

4.) Welches sin d die Grundlagen für die T echnisc he n Hoc hs chule n ?
I n meine r Fa kul tät also allge me iner M asc hi nenb au, Schi ffba u,
Schi ff s masc hi nenb a u, Flu gze ugba u, Elektrote c hni k, und au ch in d er
Fakultät fü r Bauwesen: He ute und in Zuk unft me hr d enn j e ; eine
h arte, anstän di ge, auf zahle nm äßiger mathematischer Gr undla ge
ruhe nd e P hysik i m wei te ste n Sinne d es W orte s, also Mechanik,
Wärmelehre, Strömungs lehre , Festigkeitsle hre, Ele ktrotec hnik etc .
umfa sse nd . Ke ine E xperim e ntal - o der lediglich beschreibende oder
gar auf so ge nan nter gef ühls m ä ß iger Ba sis b eruhe nd e P hysi k für u ns
ganz unz ur eic h e nd. A lles nat ür lich a uf d ie te chni sc he A nwe n dung
ger ichte t, wei tge hend e E inüb ung e be nfa lls not we ndig, abe r nic ht a uf
einfacher un d z u enger Basis. Dies e Auff assu ng de r notwe ndi gen
Ausb ild un g gib t a uch vo n sel bst den nat ürl iche n Ansc hlus s an di e so
oft ve r miss ten mehr allg emein mens chlichen Bezirke des Schülers. Es
muss fü r ei ne n reicher vera nla gten j unge n Me nsc hen fa st u ne rtr äglic h
sein, allei n auf die Bedürfnisse der Fa brike n hi ndre ssie rt z u werd en;
er w ill und muss mehr ha be n. N un ab er ni cht nur „ Ërgä nz ung" d e s
Unte rri cht s dur ch so ge nan nte welta nsc ha ulic he Fä che r; so nd er n vor
alle m Vert iefung de s e ige ne n Fa che s im a nge de utet en S in ne; d an n
ergibt sich der Ansc hluss a n da s A llge mei ne ganz von s elb st .
5.) B isher ige Le hrp läne .
Ursprü n glic h ganz ko nse que nt A ufb au auf der „Theorie“; z. B.
Grashof , Reuleaux. Widerstände geg en diese Richt ung; die W isse n-
scha ft is t noc h zu e ng, d ie exp er imente ll en Gr und lage n zu sc hwac h,
die all ge m eine Vorbildu ng ni cht ausre i che nd; Klu ft z wische n de r
„re i ne n W i sse nsc haft “ und d er Pr axis. S tarke Bestrebungen (z. B .
Riedle r) um die „k onstr uktiv e, gest al ten de“ Richt ung, w eitgehen d in
de n Unter ri cht aufz une hme n. Dies z u se iner Zei t dur c hau s ri chti g,
fru c htb ar und a uf eine m gro ß en T eil der Gebiete auch erf olgreich; die
Aug enbli cksbe dürfnis se de r in E xpa nsio n b efi ndli che n I ndustr i e
vielfach ausgezeic hne t be fr ie digt; wo diese Ric ht ung ni cht aus rei cht ,
schafft der tief er ansetzende T eil de r Hochschulen (z. B. Föppl,
Münc he n) d as Fe hlend e und l egt G runds te in für die Zuk unft. I m
Ganzen starkes Vordrin ge n der kons tr ukti ven Fäc her bi s in d i e er sten
Se meste r hi nei n; d ie u nvoll st änd ige V or stel lu ng vo m i ntui tiv arbei-
tend en und gesta l t ende n I nge nie ur wir d üb er tr iebe n aus geb i lde t und
erhält weiten An han g; Gru nd lage n ger ate n i n De fen si ve ( Ka mpf
Euge n – Me y er – Riedler). Krieg; Nach lassen der a ll geme ine n gei st i-

53

gen Kr a ft; No t wend igke it vo n unvo ll ko mmene r u nd sp äter sic h
schle c ht wirke nd er A usbil du ng gro ß er Massen . Gleichze itig aber:
unaufhaltsa mer For tschritt der T echnik in d er Au snüt zun g de r ständ i g
for tsc hr e ite nde n Nat urer ke nntn is und An sc hl uss d er mat hem a-
tisch - phys ikalis chen Wissenschaften an die Tech ni k in b r eit este m
Aus maß .
Heutige Lage etwa so: Die älteren Gebiete, z. B. allg emeiner Ma-
schi ne nba u, ste he n vie lfac h no ch d er he ute nic ht me hr b ere chti gte n
und auf die Dauer in dies e m Ausmaß schädlichen älteren Richtung
nahe; Ver suc h, mit e ine m Mi ni mum vo n Gr und la gen u nte r B eto nung
der zeichnen de n un d a m lieb st en " gefüh l s mä ß ig “ b etriebenen Fä cher
scho n in d en e rste n Se meste r n durc hzu ko mmen. Von d ie ser Seite
noc h zu me ine r Ze it B est reb en , Gr undfäc he r ei nzu schr ä nken.
In d en neue ren und ge schlo ss ener en G eb iete n ( z. B . Fl ug zeugb a u,
Schi ff s masc hi nenb a u, a uch Bau wese n) d age gen E r ken ntnis , da ss
Gr undla gene nt wic klu ng z urüc kgeb lie be n. D iese Erke nn tni s a uch be i
de n älte ren R ic htu ng i m Fo rtschreiten b egriff e n.
Also di e heute sic h all geme in d urc hse tze nde u nd f ür e ine gesund e
We iter ent wic klun g de r d eutsc hen T ec hnik u nbe ding t not wend ige
Te ndenz; Ver tief ung d er Gru ndla ge n in d e m unte r 5 ) an ge de utete m
Sin ne.
6) Die Sc h wieri gke ite n de r he uti gen Lage .
Ic h hebe vier Pun kte heraus:
Ein trotz bestem Willen immer mehr absinken des Niveau der neu
Eint ret ende n. Die Sch ula usb ild ung gen ügt nic ht; d er Si nn und das
Ver ständ ni s für den Z usa mme nha ng z wisc hen M a t he ma t i k und P h y-
sik i st kaum vor ha nde n, di e allgemeine Re chen ge wand t heit vielfach
auf ei ne m er sc hütte rnd en T ief sta nd.
a) Hie rd urch a uto mati sc her D r uck auf das in den ersten Semes te rn
und d a her a uch sp äter L ehrbare; absinkendes Niveau trotz aller
Anstr e ngu ngen.
b) b) Ve rr inger ung d er für Vo rl es unge n und Üb un gen s o wie f ür d ie
Eige narb ei t de r Stud ente n verfügbaren Zeit; hierdurch Ver schä r-
fun g de r unte r a) ge nannt en S ch wier igke it en und Sc häd en. D abei
aber Fortschreiten der Technik; ständig wachsender Druck der
Ind ustri e; d er S chre i nac h i mmer ne ue n Spe zial inge nie ur en u nd

54
Ri chtung en; Be ginn de r Spez ial isi erung s chon v or d em Vor exa-
men unter Verk e nnu ng de r u nte r a) und b ) a ngede utete n Sa c hl age
c) d) dies erm ög licht und v erschärf t durch das Fehlen einer allseit i-
gen E rke nntn is d er Sch wieri gkei te n und ihre r Gr ünd e. E in b e-
sonders verbreit eter Irrtum , in manchen In dustrie - a uch viel fa ch i n
H oc hsc hulkr eis e n: die Hochschule wäre im Stan de und dazu da ,
f ür mö glic h st viele Sp ezialric htungen "fer tig" geb ild ete und nac h
Ü bertr itt in die Pr axis so fort voll mit V era ntwortung belastbar e
In ge nie ur e zu l ie fer n. Di eser I rr tum beruht auf e ine r vo ll kom m e-
nen V erken nung der pä dago gisc hen M ö glic hkei ten; so et w as i st
auf den technischen Hoch sch ulen eb ens o wenig mö glic h wi e die
Ausb ild un g fix und fer ti ger Richter oder praktischer Ärzte auf
Uni ver sität en.
d) Also heut ige Lage der Ho chschu len: Ei ne Art E in kle mmun g;
Sch wier ig keit en vo n Sei te n der Vor bildu ng am An fang; erhöh ter,
tei lwei se un ver nün fti ger D ruck vo n Se ite n der Ind ustr ie a m
S chl uß des Le hr gangs ; v er kürzte Zeit; ständige Er weite rung de s
wirklic h Not wend ige n d urch stä ndi ge W eite rent wic k lung v on
P hysi k und T echni k, was nur dur ch stä ndi g fol gen de Erneueru ng
und W eit ere nt wic klun g de r Grund la gen unte r gr ünd lic hst er a l l-
ge m e iner Schulung der Köpf e d u rchfüh rbar ist.
7.) Welche Notwendigkeiten li ege n al so he ute an d e n T echni sc hen
Ho chsc hule n vor ?
a) Mehr Zei t und R uhe; z.B. a uch Wegfall eines Monats Sommer f e-
rie n.
b) Her ste llun g eine s ge nü gen de n An fänge rni vea us; e nt wed er dur ch
Ver be sser ung d er S chul en o de r d urch S cha ff ung ge nüge nd tr ag-
fä hige r und lang er (4 bis 6 Monat e) Vork urse mi t Übung en, nic ht
nur wie bisher wenige Wochen Mathematik, sondern auc h die
vielfach in ers tau nl ic he m Ma ße fe hlend e n Gru ndke nnt nis se d er
P h ys i k.
c) Zu rückw eisung und Ein däm mun g unver nü nfti ge r Ansp r üche und
An ford er unge n in B ezug a u f d as E nder geb nis; Säub eru ng u nd
kon seque nter A ufba u der Lehrpläne: dabei Verstärkung der
Gr undla gen bi s in d ie höhe re n Se mester; ke ine Spezia lisieru ng vo r
d em Vor e xame n; ei ne se hr vor sicht ige nac h h er. Nur we nn i n
di eser Richt ung ko ns eque nt v or gegan ge n wir d, w ird es m öglic h
sei n, di e Hochs chulaus bildung wiede r auf das erforderliche N i-

55
veau zu b ri nge n u nd d ar auf z u erha lt en, o hne d ass eine Verlä n-
ger ung der bi sheri gen Dur ch sch nitt sze it von 8 Semester n no t-
we nd ig wi rd . Will man erreich en dass die normale Zeit von 8
Se meste rn vo n weni ger St ud ier ende n als b ishe r übe rsc hr itte n
wi rd, so wä re auß er den vorstehend angedeuteten Maßnahm e n zu
pr üfen, ob man nic h t das Abschlus sexame n in Be zug auf di e da für
erforderlichen S onderarbeiten, insbesondere solche zei ch nerischer
Art v ereinfache n, dad urc h d en St ude nte n vo n e in em v iel f ach
vor hand ene n Üb er maß an me chani sc her Arb eit entlaste n un d ihm
d ie Erwerbun g vertiefter Ken ntnisse und Fäh ig keit e n s o w ie deren
vol lw ertigen Nachweis in der Zeit er m ö glichen sollte .
Ein P un kt i st i n die sem Zusa m men hang b eso nd er s wic hti g; Ein,
nicht unbed eutende r Te il der Stu den ten studiert lä nger, weil er
gez wun ge n ist , das erford erlich e Geld gl eichzeitig zu ver di enen.
Man gebe also in einem viel grö ß eren Ausma ße a ls bi sher St i-
pendi en un d St u dienbeihilfen: die hierzu erf or der lichen Mittel
dür fte n in den he utige n St aat sb udget s ka um be m erkbar sein. Man
spare auch nicht unn öti g a n P ro f esso r en und vor a lle n Di ngen a n
Assi ste nte n; ic h ka nn mic h d es Eindr uck s nic ht er wehr en, d as s d ie
heut ige n Ho chsc hul mit tel den enorm en s onst igen An spannu ngen
gerade in techn ischer Richtung trotz vielen nützlic hen Schritte n
noc h la nge ni c ht ge nüge nd e nts pre chen.
8.) Kr itike n an de n T ech nisc he n Ho chsc hul en .
Kr itike n a n de n T ec hnisc he n Ho chsc h ulen sind of t laut ge worde n;
au sf ührlic he Ause ina nde r set zun g hier unmö gl ic h. Ha uptsa c he:
Ho chsc hule n hab en i n de n verga ngene n J ahr zeh nte n unter oft
sc hwi e r igs te n sac hl iche n und p er sönli che n Ver häl tni sse n ihr e Au f-
gabe in a llem Wese ntliche n erfül lt. Man prüf e nach un d wird f in de n,
da ss in al len wicht ige n I ndus t r ien , besonders aber auf den b e sond ers
not wend ige n u nd in e iner star ke n Ent wic kl ung b efi ndli che n Geb ie ten
(Sc hiffb a u, Sc hi ffs masc hi nenb au, Fl ugze ugb au, Wa ge ntech ni k,
m oder ne Wärm e w irtscha ft seien nur als Beisp iele er w ähnt) d er Di p-
lo minge nie ur, also da s P ro dukt d er D e utsc hen Te chnisc he n Hoc h-
sch ule n. d er T rä ger d er Arbe it und d er Ent wic klun g ge wese n ist.
A uc h gele gent lic he über da s Ziel hina us sc hie ß ende Äu ß er un ge n aus
Ind ustri e kreis en ä nd ern nic ht s an d er t at säch lic hen Sit uat io n ma n
muss es a usspr eche n, d ass es n ur sehr weni ge i nd ustri el le Fü h rer gib t,
welche sich um die Nach w uchsfrage nicht nur über s äch li ch un d

56
dur ch Äu ß e r ung fro mmer W ünsc he und vo rsch nel ler K rit i ken, so n-
dern unter ern stha f t er Verti efu ng in da s Wese n und ins beson dere in
die pädagogisch e Seite der Sache bekümmert haben.
II. Die d reijährige Studienzeit
1 ) D er Plan der dreijährigen Studie nzeit ent ste ht nat ür lic h a us de n
en ormen Nachw uchssch w ierigkeiten; diese wieder au s Ursachen wie:
heut ige Alt ersz usa m m ens etz ung d es d eutsc he n Vol kes , Erschüt t e-
rungen der letzten Ja hrz ehnte , e nor me he uti ge Ansp a n nung bes onders
nach der techni schen Sei te, u nd sc hlie ß lich das zu späte Aufmer k-
sa m - W er den auf die kommende Gefahr trotz g enügender rechtzeitig er
Hinweise nic ht zuletzt a uch vo n Seiten der Hochschu len.
2.) Rec htfer ti gung d ie ses p lö tzl ichen und in se ine n Fo lge n nic ht
absehbaren Planes z. B . in d e n Zeit unge n: E s wär e heu te mö glic h, den
wissensc haftlichen Sto ff so ver einf acht und ko nzentriert, dabei aber
do ch gen üge nd le icht au fne hmbar , z u le hren, da ss dur ch d ie Ve r-
kürz un g d er Ze it we ttge mac ht würde . Dies ist ein ganz gefährlich er
Irrtum . Wie in Abschnitt I dargelegt, liegen die w ir klichen Ve rhält-
nis se en tge ge nge setz t. Di e H oc hschul e n sind u nter de n heu tige n
Verhält nis sen n ur noc h mit Mühe i msta nd e, e in eini ger maß en e rtr äg-
liches Niveau zu h alten un d vor dem Absink en zu bewah ren; w enn
nich t se hr b a ld und eff ekt iv di e unt er I angedeuteten Schritte getan
wer de n, wird scho n bei einer S tudie nz eit vo n vi er J ahr en ein w esen t-
li cher Rüc kga ng a n Ke nnt nis sen u nd G ru ndb ild ung ei ntr ete n .
3.) D ie Maßnahmen der Hoc h s chulen bei V erfüg ung ein es sol chen
Planes kön nt en also nur in e iner wese ntli che n Besc hr änku ng d es
Stoff es bestehen. Ausgeschlossen erscheint dabei der Verzicht auf
eine brauchbare un d über diejenige der Fach sc h ule n hi nau sge hend e
Gr unda usbi l dung. Wol lte m an nach dieser Sei te vor gehe n, so würd en
die Hochschulen nur n och schlechte Fach sc hule n wer den, für der en
Unte r richtsart die Hochsc h ule n nicht geei gnet sind.
Es bliebe also fü r die Hochschu len nur die Möglichkeit, d ie Gr un d-
aus bildung , al so im W ese ntli c hen d iej enig en der ersten vier Semes ter
neb st Vo rexa me n b eizub e halt en u nd d en b is heri gen Sto ff d er letzten
vier Semest er auf die Hälfte zusammenzustreichen.
4.) Unmittelb are Folge hierv on: A b wäl z ung der feh lende n w eitere
Ausbild ung auf die Indus trie, die ge z wunge n wär e, U nter ric hts stä t te n
für i hre I nge nie ur e se lb st z u sc haf fen und aufr ec htz uer halt en. Als o

57
eine Verlegung von einem T eil des Bi sh erigen an andere Stel len,
ver bund en mi t der hie rvon u nt rennb ar en Zer spli tter un g.
5.) Die Indust rie kann d ie so ents te hend en Aufga be n nic ht d u rchfü h-
re n; fol gend es d ie Ha up tgr ünd e:
a) s ie ist heute mit den un mittelbar d urchzuführend en Aufgabe n
übe rla stet u nd a nge span nt, dass Zeit und R uhe für B ild ungs z weck e
nich t vo rha nde n sind .
b) D ie Ind ustrie ist wirtscha ftlich einge stellt; i hre Existe nz hängt zum
grö ß te n T eil vo n ge su n den Bilanzen ab. Di e se k aum ver meidlic he
Rüc ksi cht a uf di e Bi lanze n ha t sc hon b ei un ver stä n diger L ei tung
ga nze tec hnisc h und wirt sch aftl ic h not wendi ge E nt wicke l unge n i n
G efa hr, zu m mi ndes te n in un nöt ige sta r ke Auf - und Ni edersc hwa n-
kun gen ge bracht; ei n wi c ht iger T eil des Bild ungs we se ns ka nn i n
dieser Atmosphäre nicht gedeihen. Wollte man ander erseits die se
Gefa hr en d urc h St aats zusc h üs se vermeiden, so wü rde das ei ne Ve r-
zettelung von Staa tsmit tel n b ed eute n; man würd e vo rh a nd ene und
bew ährte A us bil dungs - und E r zie hun gsstä tte n b esch neid en und d afür
et was un kon trollierb ar Neues und auf viele Stelle n Verzette ltes au f-
zub aue n ver suc hen.
c) D ie Ind u strie besitzt, wenn übe rhaup t, n ur i n ver einz el te m Aus maß
di e not wend ige n Räu me und Einr icht u ngen. Be i de n Ho chschul en i st
beides vorhan den . B is so et was geb aut u nd e inger ic htet ist , ver geht
Zeit; wer soll da s durch führen und leite n?
d) B ereits an den Ho c hsc hul en b ild et s ic h ei ne a usge sp ro chene
Knap phe it a n er st klas sige n Kräften aus. W o will die I ndustrie d ie
erforderlichen L ehrkräfte h ernehmen?
e) i m günstigsten Falle werden einige gro ß e Konzerne eine in de n
näch ste n Ja hren no twe ndi ge g ro ß e A nzahl von Spezialisten ausb ilde n
und b esc häft ige n. W as s olle n die se tun, wen n di e Ko nj unktur die ser
Konzerne wieder ein mal her unte rge ht?
6. ) Di e vor stehe nd en Ande utu nge n dür fte n ge n ügen, um d ar zule ge n,
dass ein Ersatz des an den Hoch schulen bei Durchfüh rung des dre i-
j ährige n Stud iu ms Au sfa lle nde n dur ch d ie Ind ustr ie in ne n ne ns we r-
te m und d en I nter ess en d es V o lkes u nd se ine r Ange hör ige n e ntspr e-
chend e m A usmaß ni cht zu er war te n is t. Also faktischer E rfolg einer
solchen Maßnahme nichts anderes als eine wesentliche Ver sch lec h-
ter ung d er Ingenie ur au sbil du ng, de re n not wend iges N ive a u scho n

58
heute nur mit M ühe zu ha lte n ist . D as hei ß t aber Gefährdung der
Weiter existenz eines Arbeits - und L ebensgebietes, w elches gerade
das deutsche Volk in de m let zten halb en J ahrh und er t zu e ine r une r-
warteten Höh e ausgebil det h at, und au f wel che m e in gr o ßer und
wesentlich er T eil seiner Kraf t nach i n nen u n d au ß en lie gt. Dri n-
gen d ste W arnu ng vor solchen Maßnah m en ist Pf l ich t jede s Ein sic h-
tige n.
III. Ein d urchführ bar er Vorsc hlag
Die zwa ngs weis e Ei nfü hru ng e iner dr eij ähr igen St udi enz ei t für In-
ge nie ure wäre also ein Mittel, d as nicht m e hr herbeifü hrt als eine
grö ß ere Anza hl vo n Ab sol vent en, o hne Rüc ksic ht d ar auf wie die se
ausgebildet w er den , und weiche Roll e eine solche eins ch nei dende
Maßnahme son st her be ifü hre n wür d e. Das tatsächlich vorliegende
Problem des tech ni sche n Nachwuchses würde durch eine solch e
Maßna hme üb er ha upt ni cht ange sc hnit te n, ge sc hweige denn g elöst.
Ein besserer und ohne Sc h wier igkei te n dur ch führ barer Vorschlag:
a) Zur B e w a hru ng u nd He bu ng der Qua lit ät: M aß nah men nach I ,7 )
dieser N otiz
b) Z ur Z eitersparnis: Anrechnung der praktisch en A rbeitszeit auf den
Arbeitsdie nst und V e rk ürzung der Militärzeit für d ie tec hnisc he
Stu dierenden. Missbräuche können leicht verhin dert werden . Dera r-
tige Maßnahmen entsprechen auch g en au d en Ve r hält nis se n; de nn
erst kla ssi ge und pä dago gisc h ver nün fti ge In geni eur sa usb i ld ung d ient
heut e noch mehr als früher unmittelbar der S tärku ng e iner in wei t e m
M aße technisch basierten Wehrmacht.

59
Anhang B : K urzer Ber icht über die Technisc he Uni-
versität Berlin-Char lottenb u rg 16
Die Technisch e Universität Berlin - Char lott enb urg wur de am 9. A pril
1946 er öff net, Rekto r ist der ord entliche Pro fessor W. Kucha rs ki ,
In habe r de s Le hrst uhl s für Me chani k i n de r Fa kultä t für M aschi ne n-
we s en, Prorekt or der or den tli che Prof ess or Dr. H. Fran ck, Inh aber des
Le hr st uhl s für T ech nisc he Che mie in d er Fak ultät für Allge meine
Wisse n sc haft en.
Die Organ e der Selbstver w altung der T echn ischen Universität sin d:
Fak ultä te n, Sena t u nd R ekt or .
Die Technische Un iversität umfasst vier Fakultäten, und zw ar:
I. F akultät für Allg e meine W issens cha fte n mi t de n Abt eilu nge n :
M a themati k, Physik, Che mie, W irts chaf tsi nge nie ur wese n u nd Hü t-
ten kunde ,
II . F akult ät für Ar c hite ktur ,
II I. F akultä t für Ba uin ge nieur we sen m it de n Abteilungen : Verme s-
sun gs wese n und B aui ngeni eur we sen,
IV . F akultä t f ür M aschi ne n wese n mit den A bteilu ngen: All ge meine r
Maschinenbau , E lektrot ech nik un d Binn enschi ff stec hni k.
Sitz und Sti mme in den Fak ultäte n ha be n di e o rde ntlic he n P ro fess o-
ren, d.h. die Inhaber der Lehrstü hle, die zum Bereich d er betreff en den
Fak ultä t ge hör en. Auß er ordentlich e Pro fes soren, denen ein k leineres
Le hrgeb iet anve rtr au t ist, kö nnen i n d ie Fa kult ät be rufe n we rd en.
Je de Fakultä t w ä hlt ei nen D e kan und eine n St ell ver tre tend en D eka n:
De m Sena t ge hö ren a n: der Rek tor und de r P ror ekto r, s o wie die
De ka ne mi t ihr en S tell ver tre te rn. Au ß e r d e m s i t z en i m Se nat noch d re i
der ältesten Professoren sowie einer der j ün gste n P ro fess or en, d iese
j edo ch o hne Sti mmr ec ht.
Zustand der Gebäude; Möglich keiten für den Lehrbetrieb .
Die Technische Universit ä t umfasst v er sch iedene Gebä udegru ppen,
16 R. Wille , Berlin - Charlot tenbur g, den 1 2. 1.1947

60
di e um e ine n kle ine n P ar k heru mgr u ppiert sind. Einige Gebäude
wu r d en ga nz o der teilw eise durch Luftangriff zerstört. Währen d der
Schl ac ht um Berlin war das Hochschulgelände Zen trum eines m e h-
rere T age lang andauernden Kampfes , der w eitere, z . T. schwere
Zers tör un gen a n Ba u lich k eite n, a be r haup t sächl ich a n E inr i chtu ngen
zur Folge hatte; von der ehemals bebaute n Fläch e sind so rund 40 %
ver nic htet wo rd en. U nmittel b ar nach Beendi gung der Käm pfe, am
5. Mai 19 45, bega n nen Pr ofes sor en und St udent en d ie Au frä u-
mun gsar bei te n, d ie währ end d es gesamten So mm ers 194 5 fortgesetzt
wurden. Hier bei ste llte es sic h h er aus, dass no ch ge nüge nd Räu me f ür
eine n vo ll werti ge n, U nterr ic ht w ied er herge st ell t werd en kö nne n.
Die frühe re gro ß e Biblio thek ist prak ti sch völ li g ver nic htet . Von d e n
e hem als 250 0 00 Bänd en sind nur no ch 9 50 0 übr ig geb lie be n, d ie z um
gro ß en T eil ve ralt ete Ausga be n sind. Für d ie U nter br ingu ng e iner neu
aufz uba ue nden B ib lio the k sin d j et zt ne ue Räu me gesc ha ff en w orden .
Am b este n er ha lte n si nd d ie mo de rns te n Geb äud e, nä mlic h da s St u-
den ten haus mit K üc he und M ensa saa l und da s ehe mal ige soge nan nte
Kameradsch a ftsh au s, das während der Nazi - Zei t ein Wohnh aus de s
NS - St udent enbundes war. In diesem Gebäu de bef inden s ic h jetzt da s
Rekto rat, die Büros der Fa kultät en, die Kasse und andere Ver w a l-
tun gso rgane de r T echni sc hen U nive rs itä t. Auch d ie St u de ntisc he
Arb eits ge mei nsc haft ist hier unter gebracht.
Für d en Wi ede raufb a u der Ge bäud e u nd ihr er Inne ne inr ic ht unge n
sorgt h eute ein Baukomitee, das der L eitung des Herrn Pro fes sor
D’Ans, u ntersteht. Der Tätigkeit des Baukomitees ist es zu verdanken,
dass z u Beginn des Sommer - Seme ste r s ( Apri l 1946) in sges am t 18
Hörsäle zur Verf ügu ng st and en, von d e nen de r gr ö ß te bis zu 500
P er sonen a ufne h men ka nn.
Besonders hervorzuheben ist auch die Wiederherrichtung der Labo r-
rä ume de s Che misc he n Ins tit uts, d ie a m Kri egse nde völl ig z ers tör t
war e n, in denen aber bereits ein Jahr später – zum ersten Se mest er –
run d, 250 Che mie - Stude nten ein vollwerti ges Prakti kum abso lvieren
kon nten.
An ne uen G ebä uden e rhie lt die Tec hnisc he Universität einen Flügel
des in der Näh e gelegenen ehem aligen Heereswaffenamtes. Dieses
Bür o ha us wu rde für Unt err ic ht szwe cke i m Inne r n umgeb a ut und P la tz
für Hö r - und Ü b ungs säle der F akul tät für Arc hi tekt ur und d e r Abte i-
lun g Ele ktr ote chni k ge scha f f en.

61

Eine besonders schw ierige Aufgabe war es, das Hochs chul - Kraftw erk
wieder in Gan g zu setzen. Trotz des spürbaren Mang els an Wer k-
zeuge n u nd W er kzeu gma schi nen gel ang e s, zu m Herbst 1945 ein en
klei nen T ur boge nera tor von 250 k W – der einzi ge, der der Techn i-
sche n U n iversität verblieben war – in B etr ieb zu neh men. So ko nnt e
bere its im Winter 1945/46 da s Ver w altungsgebäude m it El ektri zität
und z eit wei lig a uch mit Heizdampf versehen werden. Im Sommer
19 46 wur den, sä mtlic he b enutzbaren Räume an die Strom ver teilung
ange sc h lo sse n; auß erdem wur de n die techni sc hen V or auss et zun ge n
für d ie B ehei zun g ge sc haffe n.
Eine besondere Rolle bei der Wiedererrichtung der Gebäude und
Un terrichtsr äume spielte d ie freiwillige Arbeit der Studenten. Alle
voll ar b eits fähi gen S tud ente n waren b ei der T rümm er - und Schut t-
beseitig ung täti g. Auf ei ner Gl eisa nla ge vo n in sge s amt 1,6 k m L änge
wur den i n kurz er Z eit 2700 m³ Sc h utt vo m Ho chschulgelände abg e-
fah re n. Auch bei allen anderen Bauarbeiten halfen S tudenten mit. 100
Stunden A rbeit w aren Bedingu ng f ür di e Aufn ahme zum Studi um.
Das Gelände des ehemaligen Sportplatzes wu rde zunächst in einen
Ka rto ff elacker umg e w andelt, dessen Erträge für die Studentenspe i-
sung i m Winter die n te . Späte r ist beab sichtigt, die Sp ortplatzanla ge
wie de r in voll en U mfa ng her z ustel len.
Die krie gs vers ehr ten St ude nte n ü bernahm en le ichte re Aufräumung s-
ar bei ten in d en I nstit ute n. So wurd e z. B. di e vö llig in U nor dnu ng
gerate ne Ge ste ins sa mmlu ng d es M iner alo gisc he n In sti tuts von
krie gsve r sehrt e n St udent en neu geordn et, s o dass dies e S amml un g
jetz t fü r Unterr ichts z w ecke w ied er zur Verf ügung steht .
Die Möglic hkeiten für de n Unter richt stellen sic h wie folgt d ar:
T rotz der sch were n Zer stö ru ngen gela ng e s, im So m mer – vo m
15 . A pril bis zum 24. August 1916 – ein er stes Se meste r für r und 15 0 0
Stu denten durchzuführen. Der Unt erricht verlief in den einfachsten
F o r me n.
Den Professoren sta nde n mei s t nur Wa ndta fe l und Kre ide , und auc h
di e nur kna pp , zur Ver füg ung. Licht bi ldvorfüh rungen und ex per i-
mentel le De mon str atio ne n ko nnte n n ur ve rei nze lt gemac ht w er den.
Dennoch kann gesagt werden, d ass das Semester erfolgreich war. Das
Inter esse u nd d er Lerne ifer de r St udent en s ind sehr gro ß , und di e nur

62
einfachen H ilfsmittel d es Unterr ichts f ör derten in vielen F ällen die
enge Z usa m menarbeit zwischen Stude nt und Lehr er .
Während der teilw eise noch mang elha ft e Bauzustand der Hör säle im
Sommer keine Störungen brachte, sind diese jetzt im Wi nte r un ve r-
meid bar . Die all gemeine Sit uation in Berlin und beso nders d ie
T rans po rtla ge machten es unmöglich, die erforderli che n Menge n a n
Dachziegeln und Fe nst ergl as z u b esc haf f en, um al le Räume winterfest
zu mac he n.
Eini ge B e merk unge n üb er die Stud ent en u nd d ie T ä tigkei t d er aka-
de misc hen H ilf sei nric ht unge n. Die Te chnisc he U ni versi tät hat he ute
2192 Stu den ten , darunt er 150 Ausl änd er. Die Za hl de r St u dent inne n
beträ gt 218. D as Du rch schni tts alter der Studenten ist 24, 5 Jahre.
Die meiste n St ud ente n, nä m lich r un d 1400, st amm en aus Berlin ,
wo h ne n hie r b ei El ter n od er Verwand te n und ihr Leb e nsunt er halt
sowie die Studiengelder w erd en z. Z t. vo m E in kommen des Vaters
oder eines an deren Familie nmitgliede s bestritte n. Ein T eil der St u-
de nten, schä tzungs weise 30 % lebt von Ersparn issen aus f rüherer Zeit
und ge lege ntli che m Neben verdienst.
Run d 60 % aller im Sommer - Sem ester 194 6 zug elassene m Stud e nten
ware n An fä nger. Ih nen fehlt zu m gr ö ß t en T eil j e gliche Ausr üst ung
von Fa chb üche r n und so nst ige n , für die Durchfüh rung de s Stu diums
er for derlic hen Hilfsmittel n. E s bes te ht z ur z e it i n Be rlin a u ch no ch
keine Möglichkeit, diese Dinge jedem Studenten im erf or derlichen
Umfange zu gebe n.
Üb er d ie T ä tigkei t eine s a kad emisc he n Hi lf swer ks für S tud e nten kan n
fol gende s ges agt w erden : Vor 1933 best and der „ Ve rein Studen te n-
wer k Charlotte nburg“, d er di e gesamte wirtscha ftliche und soziale
Be tre uung d er S tude nte n in Hän den hatte. Die Mittel dies er Organ i-
sation fl o ssen a us Stiftungen und einem Semesterb eitrag sä mtlicher
Stud e nten. S ol c he „ Stud ent en wer ke“ b es tand en a n a llen d eutsc he n
Uni ver sität en und Hochsc hulen , sie wurden n ach 1933 im „R eich s-
studentenwerk“ zusamm en gefas st, das als Körperschaf t ö ff entlichen
Rechts die Au fgaben der ehemali gen örtlichen Vereine zentral lenkte.
Eine ä hnlic he Orga nisa tio n wurd e na ch K rie gse nd e in Ber lin nich t
wieder ins Leben gerufen. Es besteht hier vielmehr die Tendenz, die
soziale u nd w irt sc haft li che B e tre uun g der Stud ente n ze ntr al vo n ei ner
staatlic hen Stelle – hier also vom Magistrat Ber lin – zu lenken. Dies e

63
Arbeiten befinden sich jedo ch erst im Anfangsstadium. Im Einzelnen
b este he n fol gend e Ei nri cht ung en:
a) D er So zial bet reuun gsa usc hu ss der Berliner Hochs chulen beim
Magistra t Berlin.
Dieser ha t die Aufgabe, Stipe ndien a us den vom Magistrat zur Ve r-
fü g ung gestellte n Geldmittel n zu verteil e n. Es ka nn d a m i t ger ech net
wer den, dass im nächst e n S e mester ca. 150 Student e n ein S tipendi um
von monatlic h RM 10 0, – erha lten w erden.
b) D as Sozialw er k der Technis chen Universität.
Die Geldmittel dieses Sozialwerkes fl ie ß en aus den Ein nahm en eines
Re sta ur atio nsb etr ieb es, de r in de n Räu men d es Stude nt enha u ses unter
der Leit un g ei nes Pächters erö ff net w ur de. Aus diesen Ge ld m itteln
müsse n in erst er Linie alte, em eritierte Professoren und pens io niert e
B eamte der Technischen Universität unterstützt w erden, da für diesen
Pe rso nenkr ei s im Bereich der Stadt Berlin zu r Z eit kei ne P ensi o ne n
ge zah lt werden.
c) D ie Stu dentenspeisung (Mensa)
Die se al te E inr ic htun g wur de i n d en R äume n d es Stude nte nh ause s ne u
er öff net. Wunsc h u nd Au fga be der „Stu dentenspei sung“ ist es, de n
Stu denten w enigstens eine ausreichende warme Mahlzeit a m Tage
ohne gro ß e Marken ab gabe, zu billig em Pr eis zu g ebe n. Die besonders
schwi eri ge Vers orgu ngsl age in Berlin machte es jed och bish er u n-
m öglich , dies es Untern ehmen im wüns chensw erten Um fange auszu-
ba uen.
Eine fühlbare Verbesserung in der Er nähr ung d er Stud e nten tra t
An fang Dezem ber 19 46 ein , als das Britische Rote Kreu z sich bereit
erklärte, zwei mal in de r W oche je de m Stude nte n e ine voll wert ige
Mittags m a hlzeit zu ge be n. D iese Einr icht u ng wurde von de n St u-
de nten mit gro ß er Begeis terun g auf ge no mmen, und die gesa mte
T echni sche Un iv ers ität ist de m Britisc hen R ot en K reuz z u gr o ß e m
Dan k ver pf l ichtet. A uch das Sch w e dische Rote Kreuz hat sich bereit
erklärt, täg lich kranke Studenten zu ver kö sti gen. Auc h die se r Or g a-
nisat io n geb ühr t gr o ß e r Da nk.
d) D ie Studen tische Arbeitsgemeinschaft
Aus dem Kreise der Student e n wu rde zunächst eine Arbeitsgemei n-
s cha ft geb ildet, i n der Stude nten fre iwillig und ohn e Bezah lung g e-
wisse A uf gab e n für i hre M itst ude nte n dur ch führe n. Hier zu g ehö rt d ie
Hilfe bei der B esch a ffung zusät zlicher Lebensmittel für die Mensa,

64
die Einric h t ung ei ner Ver kauf sste ll e für ver bill igt es Zeic he n - und
Büro material, die Vermitt lung von Woh nung en und die O rgani sation
von V era nsta lt unge n für d ie S tud ente n.
Die neue st e Ent wick lun g a uf d em Gebie te der S tudentisc hen Or g a-
nis at ionen is t d ie, dass Anfang Dezember sämtliche Studenten ein
soge na nnte s Stud ent en - P arla ment wählt en, das 100 Vertreter aller
Fachrich tungen u nd Studien alter umfasst. Aus diese m Par lam e nt
w erden nun i n der nächsten Zeit durch Wahl die L eiter der verschie-
d enen S tude nti sc hen Ar bei tsge mei nsc haft en ge wä hlt wer d en. Auf
diese Weise kann erreic ht werden, dass jeder Student lebendig an
seine n e ige nen O rga ni sati one n teilni mmt.

Teil II:
Zum dreijährigen B estehen
der Technischen Uni versität
Berlin-Charlottenb urg
Ein R ückb lic k von
W. K uc hars ki, Be rlin
(1 949 als M anu skrip t ge sc hrie be n)

66
I E inleitun g: Bedeutung des Juni 1949
Im F rühsomm er 1946 w urde an der im April dessel ben Jahr es neu
eröffneten T echn ischen Universität Berlin - Cha rlo tte nb ur g unte r
Zus timmung der maßg eben den Beh örden un d der Vol lversamm lung
des Lehrkörpers der Senat gebildet, w omit die innere Organisation in
ge wisse m Si nne vo llst änd i g wurd e. Seitd em si nd heu te fa st ge nau d rei
Jahre vergang en. Bereits dieser Umsta nd lä ßt e inen mit Er inner u ng
und K riti k ver b unde ne n Rüc kb lic k als b egr ünd et er sc hei nen .
Das ander e psych ologis che Momen tum de s Juni 1949 schei nt dem
Verfasser darin zu liegen, daß die T.U. mit diesem Monat nach lä n-
gerer Unsich er heit in ei n klares Rechtsver hältnis z um Magi strat tritt.
Eine Er öff nun gsb ila nz für di es en Ze it pu nkt würde a uf d er Akti vsei te
der T.U. einen bedeutenden Posten treuer und erfolgreicher Ar beit de r
ver gange ne n d rei J ahr e auf we isen, der in al le m W ese ntli che n der
stil le n, un ver dr osse nen T ä tigkei t vi eler Ho chs chul ange hö rige r vo m
einfachsten Arbeiter und Angestellten bis z um o. Pro fes sor zuz u-
schr eib en is t, d ie e infac h u nd gera dli nig, o hne s ich d urc h st ändi ge
Wide rw ärti gkeite n stören zu lassen, das tun, w as ihres Amtes ist.
Auc h ze igen sic h a n ein ige n Stel len d eut liche A nsatz p unkt e für d as
For tsc hrei te n vo n Ver nun ft un d a kade misc he m Anst and so wie für die
Er kennt nis d er heuti gen Re a lität en u nd No t w e ndi gkei ten. D iese m
unz weife lha fte n Aktivp os te n seht ab er e ine se hr unan gene hme Seit e
der Passiva gegenüber. Der peinl ichen Aufgabe, diese im einzelnen
ausz u führe n, kann i ch mich entz ie hen, da d ie b etr ef fende n Di nge
j ede m erke nnb ar vo rl iege n, de r sehe n will u nd kann. Das bed eute t
aber nichts anderes, als daß der heutige Zust and de m jenigen von
1945/4 6 i n manc he r B ezie hu ng ä hnl ich ist: E s mu ß er ne ut a ufgeb au t
und sa nie rt werd en. Dab ei müsse n z w a ngsl äu fig d ie selb en A ufga be n
und P ro bl emste llun gen i n de n Vo rd ergr und tr ete n wie dama ls. E s
dür fte a lso auc h a us d ies em Gr unde nüt zlic h se in, he ute ei nige s vo n
den dam alige n Vorgä ngen, A uff assung en und L ösungsa nsätz en
zusa m menhä nge nd d ar zuste ll en und da ran e ini ge B emer kun gen z u
knüp fe n.

67
Daß der Verfass er hierbei m ehr in Erscheinung t ritt, als ih m persö n-
l ic h ange ne hm is t, ka nn nic ht ver mie den wer den, de nn die s folgt
einf ach aus den Funk tion en, die er da m als un ter m erkw ürdigen , in
manc her Hi nsic ht wo hl ei n mali gen Ve r hält nis sen nole ns vo len s
übernommen hatte. Überdies ist diese Niederschrift lediglich fü r
einen kleinen Kreis von Personen bestim mt , die de m Verf a sser so gut
bekannt s ind, daß er mit fre undliche m Verständ nis, welches Kriti k
und a b weic he nde M ein unge n nic ht a ussc hli eßt , re ch nen k ann, u nd
daß die M ißdeu tung sein er Äußerun gen als ung ebührl iches Vo r-
dr ängen od er als E itel kei t u nd Her rsc hsuc ht i r gend wel cher Art ka u m
zu erw arten ist. Aus Grün de n der zulet zt angedeu teten Art wurde auch
di e ursp rün glic h er wo gene Ab sicht, ei ne n Auf satz für eine n größ er en
Leserkreis zu schreiben , fal len gelassen . Hierbei hätte nämlich so viel
Rüc ksi cht geüb t wer den mü ss en, da ß Wes entli ch e s, a uf de ssen B e-
leuchtung es gerade ankommt, ungesagt geblieben wäre, ohn e daß
man damit unnütze P arteibild ung und wider w ärti ges Gez änk mit
Sicherheit v ermieden hätte.
II Die Hauptereignisse von Mai 1945 bis heute
1.) Mai 1945 b is Herbst 19 45
Als i ch E nde Mai 1945 nach man cherlei Schicksalen wieder in Berlin
land ete , fa nd i ch e ntge ge n me in er Erw artung auf dem Hochschu lg e-
l änd e nich t nur Tr ümme r vo r. I m Zusa mmen ha ng mit de m da malige n
Magis trat hatte sic h bereits ein komplet tes Regist rierungs büro fü r die
An we send en und Z urüc kke hr ende n geb ild et, da s in vo ller T ätigke it
war , und vor allem war eine beträchtliche A nzah l vo n Ob eri ngen i-
eur en, As siste n te n, Studente n, Angeste llten mit er sta unl iche r Frisc he
und E ner gie d a m it beschäftigt, die noch v orhandenen Gebäuderes te
von Schm utz un d Schut t zu r einige n, d a mit sc hleu nigs t eine Neu erö ff -
nung der Hoch schu le statt fi nd en kö nnte. Diese mir e ntge ge nstr a h-
lend e Fr isc he und Ener gi e unter den trü bsten und finst erst en äußeren
U m s tänd en wird mir unv er ge ßlich bleibe n; ihr lag unv erke nnb ar der
zähe Wille zum Weiterleben z ugr unde , ab er eb enso un ver ke nnba r war
dam it die Überzeu gung ve rbunden , daß die off enbare fu rchtbare
K ata stro phe eine n Si nn n ur e rhal ten könnte, wenn das Neue besser
und a nstä nd iger wer de n würd e als d as zerst örte Alte. Man empf in g
mich mit o ff ene n Ar men u nd er suchte mich, d ie in dieser Situat ion
no t we nd ige n z usa mme nfas send en, rep rä senti ere nd en und o rga nis a-
to risc hen F unk tio ne n zu übe r neh men. Unmi t telbar dri ng end w ar di e

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Her stel lun g ei ner tra gfähi ge n V erb ind ung mit d en Russen , d ie damals
das Gelände besetzt hatten, die begonn ene T ä tigkeit unter He rgabe
de r no twend ige n Rä umli ch kei ten ge sta ttet en u nd bereits ungedu ldig
auf ei ne n ver hand l ung sfä hige n Ve rtr ete r d es Le hrkö r pers warteten.
Pr of. Schna del , de r in Be rli n war und hie rf ür wohl z ue rst infr age ka m ,
hielt sic h no ch u ne ntsc hied e n, und man e r warte te von mir, daß ich
etwas täte un d zustande brachte. Ich fo lgte die sem dr i ngend e n Er s u-
chen nach kurzer Bedenkzeit. Man w ußte von mir, daß i ch die k lein-
lich e Eitelke it nach Ämter n und W ürd en eine r Ho chsc hule nic ht
besaß ; niemand konnte mir also ber echtigte Vorwürfe in dies er
Rich tu ng mac he n, w en n ic h mic h in d er mir ange tra gene n W eis e
betätigte. Man wußte auch, daß ich aus der Industrie ein e vielleicht
nicht ü ber m äßig große, aber doch über dem Durchs chni tt hin au sg e-
hend e Er fa hrun g i m Ver kehr mit A ngehö rige n a nd ere r Län de r mi t-
geb rac ht hatt e, u nd e s er schie n m ir aus so lc hen und äh nlic h en Gr ü n-
den als m eine Aufgabe, in der damal ige n au ßergewöhnlichen Situa-
tio n meine pers önl iche A bneig u ng ge ge n öff e ntliche s Auftreten
beiseite zu schiebe n und et wa ige F ähi gkei te n, di e d er Al lge mei nhei t
nütz lic h se in kö nn ten, in d eren Die nst zu stellen. Auch vor mir selbs t
hatte ich ein Ausweichen in de r damali ge n La ge nic ht a ls r icht ig
em pfunden . Ich h atte m ich neben meinem Be ruf zie mlich viel und
lange mi t Gesc hic hte , P oli tik und ä hnl iche n Di nge n de r Me nsc hen i m
all geme ine n und be sond ere n be faßt, und nu n bot sich die Gelegen heit,
hier vo n ein ige s au f de m wi cht ige n Geb iet d er Uni ver sit äte n und
Ho chsc hule n z u nütz lic her Wi rkung z u b rin gen.
Dies waren etwa die ersten Überlegungen, die mir an jenem Tage
dur ch d en Ko pf gi nge n. Ic h h att e j a zu sa gen und be fand mic h sehr
bald (ich glau be noch am gleichen Tage) bei dem m aßgebenden
russi sche n General, m it ei ner Dolme tsc heri n der di e T. U. ni cht n ur an
j ene m T ag, sond er n auc h no ch bei unzä hli gen spät ere n Gel eg enhe ite n
mehr z u ver danken hat, a ls die meisten e s wisse n oder wissen wollten.
Der General sprach längere Zeit mit mir und sagte dann et w a: “Ich
hab e Vertrauen bek omme n; S ie sc hei nen z u gla ube n, was S ie sa gen;
bilde n Sie ein K o m itee zum W iederauf bau einer Ho chs chu l e“ . D i es
war ge na u da s, was wir b ra uc hten.
Ich trat dann mit Schnadel in näh ere Berü hrung, der nunmehr bereit
war mitz u mac hen, woz u er d urch E ne rg ie und E r fa hrun g wo hl g e-
eigne t war; wir hatte n vo n fr üher he r m a nc he pe rsö nlic he und fac h-

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liche Be r ührungspunkte und verabredeten „ loyale Zusammenarbeit
für ei ne gute S ach e“ .
In e iner Ver samml u ng der anwe send e n Hoc hsc hula nge hör igen hiel t
ich ein e kurze Ansprache, die, wi e alles aus jener Zei t, nach schneller
Vorüberlegung improvisiert w ar. Hieraus ist mir ein S atz besonders
im Gedächtnis geblieben: „Es w ürde ernsthaft der Versuch gemacht
werden, et wa s Be sser es und Anstä ndi gere s a us d e m vo r u ns l iege nde n
äußeren un d i nner en T r ümme rha ufen zu scha ff e n; jed er, der m it m a-
chen wollte, möge sein Ge wissen prüfen, ob er hierzu bereit w äre “ .
Natürlic h prüften alle ihr Ge wissen, u nd all e w aren bereit. Der Au s-
schuß zum Wiederaufbau der Ho c hschul e wur de gebi lde t; aus i hm hat
sich na ch manc her lei V ari a nte n, di e hie r ni cht im E inzelnen zu b e-
hand el n sind, der spätere komm issarische Senat entwickelt.
I m Verhä ltni s z u Sc hnad el z e igte sich bald, daß „loyale Zusamme n-
arbeit fü r ei ne gu te Sache“ leichter zu verabreden als durchzuführen
ist. Ich war s icherlich ni cht i mmer als der Ältere auch der Ruhigere
und W ei sere, versuchte es aber schließlich insofern zu sein, als ich
mic h von d e n äuße re n An gele gen hei te n zur üc kzog u nd auf die Spa r-
ten des inn eren Aufbaus beschränkte. Man war s ehr rührig na ch
auß en. D ie Ru sse n hatte n u. a. ge äuß ert , wir möc hte n in eine m gr oß en
Geb äud eko mple x in B er lin - Licht enb er g übe rsie del n, d en sie uns
her ric hte n w ol lte n. Aus b egre i fl ich en Grün de n w ar es schw er, ei ne
solche Entscheidung zu treff en . Dann wurde die Übern ahme des
Charlottenbu r ger Sek tors durch die Westmächte als bevo rs tehe nd
be kannt . Sovie l ic h er f uhr, wu rd en vo n unser e m Aussc huß viele
Fäd en nac h a lle n mö glic hen S eite n ges po nnen, es wurd e in de r üb l i-
chen Weis e seh r viel verhandelt, gesessen, geredet; wen ig bes chlo s -
sen und no ch wen iger a us gef ühr t; es war no c h nic ht so weit . Lang sa m
aber ste tig gi nge n gleic hz eiti g di e Aufr äu mung s - und Wi ederhe r-
stel lun gsa r b eit en vo r wärt s, u nd wenn m a n uns, wa s gl ückl ic her weis e
nich t gesc ha h, d ie Erö ff nung im O k tober 1945 von irge n deiner Stelle
zuge sta nd en hätt e, so hätten wir z u diese m Zeitpu nkt zuve rsichtlich
und selbstvers tändlic h angefangen. Dies er vielleicht etwas übertrie-
bene Eifer (ohn e den aber die gesamte Tä tigkeit jener Zeit nicht
m ö glich gewese n w äre) ist vielleicht einer d er G rü nde f ür manc he
übereilte Berufung aus der damaligen Zeit, von d e nen d ie meis ten i n
mir nicht b e ka nnte n kle ine re n Kr eise n vor be reitet un d dann dem
Aus sch uß zur A nnah me vo rge le gt wurd e n.

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I m Späts o mmer und Her bst wa r ic h kra nk, la g woc henla n g z u Ha use
und ve rs ucht e, me ine Fach wis sens cha ft wie de r eini ger ma ße n in
Or dnu ng zu b ringen. M it be sondere m Interesse widmete ich mic h
außerdem der Vorbereitung sogenannter Vorsemester, de re n No t-
wendigkeit von einsic h tige n Mitgl ied ern de s Lehr kö rpe rs scho n vor
de m K rieg häufig erört ert w orden war und die man jetzt verwi r kli c hen
wollte, um gleichzeiti g m it d er no t w e ndige n fac hli che n V or ber eit ung
eine allgem einere A ufgabe der Lö sun g nähe rz ubri nge n, a uf die ic h
spä ter aus führl ic h zur ück ko mmen w erde.
In jene Zeit fiel übri gens auc h d ie G ründun g de r „T ab er na“ in en ge m
Zusa m menha ng mi t der Hochs chu le. Sie war in Zusa m menar bei t
z w i sche n Her rn M . 17 , S chnad el und d e m späteren ersten Pror e ktor zu
S tand e gek o m men . Ich ä ußerte m eine stärk sten Bede nken, als mir die
vol l zogene Tatsache bekannt wurde; de m entsprechende Briefe dür f-
ten no ch vorl iege n. D a ic h we iter hi n über die se A ngele ge nhe it nic ht
mehr s pre chen will, sei an dieser Ste lle folgen des vermerkt: Ich habe
mic h sp ä ter überzeugen las sen, daß meine Bedenken übertrieben
war e n, daß aus de r Angele ge nhe it e twa s N ützl ic hes u nd V er nü nfti ges
zu entwickeln war und daß and ere Möglichk eiten unter den d amaligen
Ver hält nis sen ka u m bestanden. Die nicht allgemeine Crux der Sache
liegt darin, d aß ein Me nsa - Ess en z u ei nem für d ie St ud en te n tra gba ren
Pre is ein Verlust ge schä ft is t. Da mit ent spr eche nd en Zu sc hüs sen nich t
zu rechnen ist, m uß das betreff end e Un ter ne hmen d e n aus Me n-
sa - E sse n entste he nd en Verlust als erheblich en reinen Übersch uß eines
hier übe r hina us gehe nde n Bet rieb herausw irtsc haf ten. Da zu ge hör t,
wie eine einfach e Kalkulation zeigt, ein großer andersartig er Ums atz ,
und dieser erfordert einen A p parat an Personal etc., der dem auße n-
stehe nd en u nd nic ht o rie ntie rt en B eob ac hter m i t de n stud ent isc he n
Be dür fnisse n nic ht i m Ver hä lt nis z u ste h en scheint. Ich glaube nicht,
daß dies heute wesentlic h ander s ist.
Daß sich h eute wohl alles ru higer un d geordneter abspielen dürf te als
damals, lie gt vor alle m in der B esserung der allge meinen V erhält-
nis se, d ie vo n vi ele n alle rd in gs ni cht genü ge nd o bj ekt iv emp fund en
w ird, da das Ausmaß der damaligen Katastrophe das Rea lisi eru ng s-
ver mö gen sehr vie le r M ensc he n nac h Fä hig keit und gute m W ille n
17 An m: M entzel, Suden tenwerk

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weit überstie g. Sicher lich s ind Fehler auch in dieser Sache gemach t
w orden; aber die m aßlosen Vor wü r fe, die m an z. B. von ge wisse n
Ste llen ge gen M . er hob en ha t , hab en sic h in alle m Wesentl ichen als
unbe gr ünd et er wie se n.
2.) Herbst 1945 b is Somm er 1946
Okto be r, N ove mber ka m e n he ran. C har lot te nbur g gehör te j et zt zum
eng l isc hen Se kt or. Es war z u er warten, da ß man in Zuk unft a llein mit
dieser Besatzungsm acht z u tun haben würde, aber ein bestimmtes
Er eigni s bezügli ch ein er Eröffn ung un se rer Hochs chul e lag no ch nic ht
vor. Herr Schnad el ver lie ß un s und g ing na c h Ha m b ur g, na c hde m er
mir die Ge schä fte d es kommi ssari sche n Re ktors in kurzem Gespräch
überreicht h at te. Mit der eng lis chen Be hörde war er bereits in Be-
rühr un g geko mme n, hatte vo n ihr eine ge gen i hn la ute nde E ntsc he i-
dun g i n ei ner uner fre uli che n A usei na nder setz un g mit d er d a ma li gen
Be tri ebsve rtr etu ng hi nneh men müsse n und war w o hl a uc h sons t a uf
Schwieri gkeiten gestoß en, wie i ch aus sp äte re n And eut unge n d er
betre ff end en e ngli sche n P er sönli chke i te n mit Sicherheit e ntnehme n
konnte. Es war au ch davo n die Rede, daß andere Mitglieder des
Au sschu ss es pr iv atim m it den En glände rn in Be rühr ung ge ko mme n
waren, ohn e daß ab er von ei nem Vorw ärtsko mmen uns ere r Ange l e-
gen heit e twa s zu b e merke n war .
Bevor ich nach der A breise Schnadels das provisoris c he R ektorat
übernahm, h abe ich die Angeleg en hei t i n kle ine m und klei nste n
Krei se e inge he nd d urc hgesproch en und mehr er en da für in fra g e-
ko mm e nde n Herren (nach meiner Erinnerung dreie n o d er vi ere n)
dr inge nd na hege legt, dieses in da m a liger Zei t ziemlic h s chwierige
und ve ra nt wort un gsvo l le Amt selbst zu übernehmen. Dies ges ch ah
nich t n ur aus selb st ver stä n d licher Vo rsicht, ic h m e inte es ernst haft.
Ich w ar durch den Verlauf meiner p ers önli che n Ange le gen hei ten na ch
auß en und i nnen s ch wer i n Ans pruc h ge no mme n; b ei d er K napp hei t
der verfügbaren Lehrkräfte mußte ich da m it rechne n, nach einer
et waige n Er ö ff nu ng a uch mei ne V or les unge n und Übung en f ür etwa
80 0 Hö rer d urc hführe n zu müs sen. D ie ve rga n genen Monate hatten
außerdem zur Genüge gezeigt, daß die Tätigkeit des Re ktors, die i n
normalen Zeiten m e hr eine Sache der Form und der Repräsen tation
ist, unter d en da mali gen Ver hä lt niss en a uße ror de ntlic h sch wie rig se in
würde. Die zu lös e nde Aufgabe bestan d darin, daß in einem geist ige n
und mate rie lle n T rü mmerha u f en eine Hochschule, also ein le be ndige r
Or gani smu s mit erz ie heri sc hen Z wecke n und Ziele , au fzub aue n war ,

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u nd d ies unter den S pa nnu nge n ei ne s Kräftesp iels mit den folgen den
Hauptko mponenten: Zwei Besatz ungsmäch te, ein kom munistischer
Magistrat, ein e mi t weitgehenden Befugn isse n ausge stat tete B e-
triebsver tretun g, ein e beträc htlich e Schar von wo hlmein end en, aber
n atur ge mäß zie mlic h unk lar en und uner fa hre ne n junge n Ass isten ten,
Stud e nten und Angestellten so w ie ei n bunt z ufalls mä ßig z usamm e n-
ge würfe lter Lehr kör pe r in st at u nasce nd i, a lso un gefä hr i m kle ine n die
gleiche Sit uation wie d iejenige des deuts chen Volkes im g ro ße n.
Für d ies e Au fgabe ware n er nst haft e, ge sc häft sfä hi ge und de n Au f-
gab en de r Zei t wen n auc h nic ht ge w ac hs en so doch w enigstens au f-
ge schlossene Mitarbeiter m it der Fähigkei t und de m Willen der l o-
yalen Z u sa mme nar bei t er fo rde rli ch, u nd d ie ver gange ne n Mo na te
hatten be reits mit ziemlicher D eutlichke it ge zeigt, daß die vorh an dene
Aus wahl solc her P ersö nlic hke ite n ger ing war. Es war mir da her vo n
vor nhere i n klar, daß der dem ers ten Rektor bl üh ende R osens trau ß im
W ese ntlic he n aus D orne n b este he n würd e, vo n de ne n ich bereits
dur ch mei ne Le h rst uhl tä ti gke it z usam me n mit mei nen p er sönli che n
Umständen ein ausreichendes Quantum zu erwarten hat te. Eine A h-
nung der bev orst ehenden Schwi e ri gkei te n sc hei nt b ei d en He rr en,
denen ich damal s die Übernahme des Re ktor ats nahe le gte, vo rhand en
ge wese n zu sei n, d enn si e lehn te n da m als alle m it Ent schiedenhei t die
Übernahme des Am tes ab und haben die Realis ierung der im Ve r-
hält nis z u f rüheren Zeiten ver stärkt a uftre te nden S u cht nac h s chei nba r
leitenden Hoc hschu lpost en u nd - pöstc hen er st spä ter vers uc ht.
Anf ang De zember 1945 k am mein e ers te Verabredung mit der en g-
lisch en Behörde zustande, und zwar oh ne alle „diplo ma tischen“
Hinter t üren, au f de m einfa che n ge rad lini ge n We ge vo n der Be hör de
zum ver ant wor tlic hen M a nn. D ie U nterr ed ung ve rlie f außerordentlich
güns tig, da s Ei s war in ze h n M inut en ge br oche n. I ch ha tt e da s Glüc k,
daß die Argumente, mit denen ich fü r eine baldige Eröffn ung der
Hoc hsc hule plädierte, genau diejenigen waren, di e den beide n fü r uns
maßgeben d en e ngli sc hen V ert r eter n a m ehest en e inl euc hte n ko nnt en
und a uch ein le ucht ete n. Ic h ver suc hte nic ht, mi t fa den scheini gen un d
auch he ute no ch sehr d isk utie rb ar en Gr ünden d en B e w eis zu e rb rin-
gen, daß das einer Art Selbstzerstörung zerfallene deutsche Volk zu
seine r Ge sund un g vor all en Dingen einer Überzahl f achlich spezial i-
sierter Diplomingen ieure bed ürfe, son dern wies darauf hin, daß es zu
d er heutige n Kul tur und Zivi lisat ion d er Völ ker ge hör t, auf ho he r
Stufe Techni k zu treiben, daß man al so eine v itale Ader des m o dernen

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Lebens unter b indet, wenn ma n nic ht ei ne ge nü gend e Anz a hl ho c h-
stehender technischer Bildung sanstalte n zu erneuter Ex istenz bringt,
ein Ar gu ment , das un wid er leg lich i st und ver standen so wie acceptiert
wurde. Diese breite Basis w ar d en Um s tänden und auc h de n infr a-
geko m me nde n e ngli sche n P er sönli chke ite n ad äq uat, die beide aus
Ca mbrid ge kame n a uf ho her St ufe e ine r p oli tisc he n, h is to risc hen,
literarische n und m usikalisc hen Bild ung. Im Grunde leitet sich di e
erstaunliche Tatsache, daß d ie Englä nder die tec hnisc he Ho chsc hu le
i n Be rli n in d er b eka n nten W e ise ge för de rt u nd na ch kurz er Zeit wie
einen Au gap fel bet reut hab en, zum gro ße n T eil a us de m glüc kl i-
cherweise v om ersten Augenblick in das Blic kf e ld g ebrachten soeben
er wähnte n Ar gu me nt sowie e iner gla ubha fte n Ve rtr etu ng und p r o-
dukt ive n Fo r mulier un g her , di e auc h in d e m erst en Absc hnit t un ser es
er sten ih ne n vor gele gte n Expo sés enthal ten ist. Dieses war am 8.12.45
fertigge stellt. Sein erster Absatz lautet.
„Der Trieb, die Natur zu erfo rs chen und tech nisc h z u be he rrs che n,
d. h. a ls o: techn isc he N at ur wisse nsc haf t o der na tur wiss ensc ha ftl ic he
T echni k zu tr eib en, is t eine so tiefliegen de mensc hli che Eig ensc haf t,
da ß man s ie nic ht u nter dr ücke n kann, son dern pfl egen muß. Di ese
P fl ege gesc hie ht u.a . an d e n te chni sc hen Hoc hsc hule n; d ie se si nd als o
w es ent lich für K ult ur und Zivi li satio n. E in Vo lk, das eine e inige r-
maß en vo ll st ä ndige Exi ste nz beha lten s oll, muß da her a uch t ech n i-
sche Hochs chu len bes itzen“ .
Bereit s am 14.12.45 k onn te ich an mei ne m Br ett e ine n B esc hluß
be kannt gebe n, de r unt er T e il nahme der Vertreter des englischen
Educati on Department, des Magistrats und der Technischen Hoc h-
schule n ach Inhalt und Wo rtlaut zusta n de ge ko mme n wa r, wonac h die
Eröffn ung si ch ergest ellt un d für den 5. März 1946 i n Aus s icht g e-
no mme n wurd e. D er B es chluß liegt in Abschri ft dieser Nie der schrift
bei. M it Rücksicht auf he uti ge Vor gänge sei dar auf hinge wi es en, d aß
di eser grund le gend e B e schluß bereits folg ende Punkte als wesen tlich
enthält:
Für die Zukunft eine Erw eiterung der Lehrgebiete für die Studen ten
auf Ang elegenh eit en der Phi losophi e, der Erke nntnis kri ti k, d er G e-
schic h te, der Politik u nd sonstiger spez ieller und allge meiner Ku l-
turbezirke; und ber eit s f ür di e Zwisch enzeit bis zur Eröff nun g ei ne
Er gänz ung d er bereits f rüher eröff neten V ork urs e dur ch So nde r kur se
über Geschi chte, P oli tik, K ult ur und Spr ache n.

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Die Vorkur se ware n b ere its ve rhä ltn ismä ßig fr üh u nter Gene hmig ung
d er Behörden als Bestandteil der Hochschu le eröff net wo rde n. Si e
w urden v on der Hoc hschule geleitet ; i hre Doze nt en wurden ebens o
wie der Lehr p lan vo n d er Hochsc hu le b esti mmt. Dr. Star k hatt e di e
Aufgabe ih rer Or ga nisat io n unte r d er H ochs chul leit un g übe rno mme n
und mit vo rzü glic he m Ge schi ck d urc hge führ t. D a hie rf ür ke ine
Geld m ittel zur Ver fü gu ng sta nd en, mußte n sie si ch selb s t tra gen. D aß
die se in der da m aligen Ze it be sond ers not wend i ge und we rt voll e
Einr icht u ng spä ter von ge wi ss er Seite als eine Art persönlichen U n-
ter neh men vo n D r. S tar k hi nge stell t wurde , beruh t auf den üblich en
Quellen der Unk enn tnis und des Übelw ol lens, und ich ha lte e s he ute
noc h f ür ei nen F ehl er, da ß m a n die se n Ma nn später, bei der Überle i-
tu ng der V orku rse in die Grunds eme ste r, nicht i n diese eingefügt hat,
wo er nac h sei nen b est en F ähi gkei te n hi nge hör t.
Im Eröf f nun gsb esc hluß wa re n di e „a llge mei ne n Kul turb e zir ke“ al s
Tei l der allg emeinen Fakultät vorgesehen. Als man aber später an die
Ver wir klic hu ng d iese r P ro grammp unkt e he ran gi ng, ze igt e e s sich,
daß j ene Glied erun g und urc hfü hrb ar war . Die ursp rü nglic he Allg e-
meine Fakul tät der T echn ischen Hochschulen umfaßte die Math ema-
t ik und die allge m e i nen Natur w issenschaften. Di e spätere Hinz uf ü-
gung der Wirtschafts wis senschaften war bereits ei ne Verlegenh eit s-
maßnahme, durch wel che di e Zusa mme nse tz ung d er A ll ge m e ine n
Fak ultä t in ho moge n wurde , o hne an A ll geme inhe it z u ge w inne n; e s
wäre ein fü r unsere Verhältnisse verderb liches Miß verstän dnis, das
aber besonders nach Krieg en aufzutauchen scheint, w enn man die
Wirtschaft als eine der T echnik im allgemeinen S inne übe rge or dne te
Kategorie aufl a ss e n wol lt e. D ie vor hand ene All ge mei ne F akul tä t i st
also scho n unter no r male n Ve rhäl tni sse n ei n rec ht i n homo ge nes
Gebilde, das außerdem mit den Mathematikern, Physikern, Che m i-
ker n und Wir tsc ha ftler n a us P er sone n bes te ht, d ie häu fig noch e r he b-
lic h mehr als d ie I ngenie ur e und Arc hite kte n zu m extr eme n Sp ez i a-
listentum nei gen. I n unserem speziellen Fall war (und ist) d iese F a-
kul tät no ch b eso nder s un gl ückl ic h zusa mme nge set zt, und es ze igte
sich s ehr f rüh, daß dieses Gebilde es beson ders schw er hatte (un d hat),
zu ei nem p ro dukt ive n Or gan zusa mme nz uwac hse n. D ies gilt ber eits
für d ie un mittelbar en Aufgabe n, die für die Technik allein o bliegen.
All geme ine re A ufgab en im S inne d es Er öf f nungs beschl uss es durch-
zuf ühre n, er wie s si e sic h se hr b al d al s voll ko mmen un fähi g. Da s wir d
hier, wie so vieles a nde re , nic ht nied erge s chrieben, u m ü ber einzelne
Mens che n U nange ne hme s zu sage n od er ihnen Vo r wür fe zu mache n;

75
aber offen bare T atsachen, auf die es a nko mmt , muß m an se he n,
er kenne n und a uch a usspr ech en; es ist nic ht Sc huld d es V e rfasse r s,
daß es im Leben der Menschen meistens a uf Dinge an ko mmt, d ie für
manc he Leut e una nge neh m si nd. In der Z eit bi s zur Eröf f nun g w urde
v iel und w ie ich glaube g ut gearbe itet. Besond ers im Rekto rat, das in
sol che n U mstä nden e ine wes ent lic h andere Rolle s pielen mu ßte als
unter no r male n Ver hält nis se n, hä ufte si ch die Arbeitslast ins E r-
staunli c he. Noch heute wun d ere ich m ich darüber, was damals eine
Hand vol l vo n dr eivi erte l ver h unge rte n Le ute n in k ürze s ter Zeit, fast
ständ i g aus d em Nic hts imp ro visier end , zus ta nde gebracht hat. In
di eser Ver bind ung is t es unmöglic h, die zeitweise bis über d ie Grenze
de r kö rpe rli chen Le ist u ngsfä hi gkei t ge he nde M itar be it vo n Dr. Wille
nicht zu er w ä hnen , der m it selb stl oser Hingabe an das Ziel mehr al s
die Hälfte der A rbeitslast übernahm und fast zwei Jahre lang g etragen
ha t, oh ne d ie T ät igkeit für d as von i hm üb ernommene Lehrgebiet zu
ver nachlässigen . Seine u nentbehrl iche Mitarbeit wurde dad urch
beson ders wertvoll, d aß er d ie glückliche Gabe b esitzt, E rnst und
Sac hken nt nis mi t natürlicher Freu ndlichkeit und bei all e n i nner e n
Takt zw angl osen ä ußeren F ormen zu v erbinde n, Eig enschaf ten, di e
für ei ne n nähe re n Ve rke hr mit d er hi er i nfrage ko mme nde n e nglis che n
T ypen äuß er st wi ll ko mme n, wenn nic ht une ntb ehr lic h si nd.
Die E röff nung wurde dan n no ch um drei Wo chen verschoben; sie
fand a m 9.4.46 durch den en glischen General Nares in Anw e senhei t
des Oberbürgerm eisters von Berlin u nd anderer Magistratsv ertreter
statt.
Die dabei von Gen eral Nares geh a ltene Rede w ar v o m Education
De partment ausgearbeitet und in ein erstaunlich gutes und hoch st e-
hend es Deutsch übersetzt. Ich halte diese Rede auch heute noch für
ein wich tig es un d we rtvolle s Dok umen t. Si e wu rde spät er ge druckt
und verteilt; d ie Engländer waren w ie m eist h öf l ic h ge nug, u m auch
die A ntw ort de s damaligen Oberbürgerm eisters in den A bdru ck
aufz une hme n, o bgl eic h über d eren in adäquates Niveau z u kein e m
Zeitpunkt d er gerings te Zwei fe l gehe rrs cht hat .
Die Gespanntheit der dam aligen Lage wird durch ei ne T atsache
be leuch tet, die mir aus einwandfreier Quelle bek an nt w urd e: Noch 10
T age vo r de r Er öff n ung ha t s ic h irge ndet wa s er eig net, wodu rc h nich t
nur d er Z eitpunk t, s ondern die Eröf f nung e ine r T ec hnisc he n Uni ve r-
sität über ha up t, vo ll ko mmen i n Fr age ge stel lt wur de. Über die Natur
der betreffen den Ereignisse wa r und ist mir nichts bekan nt. Öf f e ntlich

76
dur fte hie r über n ich ts verlautet werden; die Arbeiten na hme n ihr en
For tgan g. G lüc kli cherweise zog dieses Gewitter vorü ber.
Bei der Eröf fn ung, di e na ch Auf f as sun g de r Engl ände r und alle r
Beteiligte n einen o ff i zielle n und rec htlichen Akt darste llte, k a m
er neut kla r z um Ausd ruc k, was von An fan g an, d. h. seit Mai 19 45
fest stand : Es wur de eine neue Anst al t ge grü ndet, nicht die alte w ieder
er öff net. Der a uf m ei nen Vo rs ch l ag g ew ähl t e Nam e „ T ec hnisc he
Uni ver sitä t “ fand die Zu st immung nich t nur der Beh örden, so nder n
auch des kommissarischen Senats, was dessen Mitglieder damal s zu
einem ge w issen T eil en tweder nich t bemerkt oder später verges sen
haben. Über die Gründe für den ne uen N a men ha be i ch sp äter in
einem kurzen Aufsatz Einig e s geäußert, von de m ic h eb enso wie vo n
der Rede von Gen . Nares je ei n Exem p lar dieser Nied erschrift be i-
füge .
Sehr bald nach der Erö ff n ung w urden in jeder Faku lt ät L isten fü r
di ej enigen Ange hö rige n de s Le hr körp er s be kannt ge gebe n, die zu-
sa mme n mit Educatio n b ran ch un d dem M agist rat aufg este llt waren
und d ie Na men derjenigen enthielten, die bis auf weiteres an die T.U.
berufen zu g elte n hatten. In d em späte r mit sehr viel schwerer Arbeit
aufgestellte n Etat fü r da s ers te Ja hr wurd en hier an no ch ei nige pr o-
cent ual geri ng fügi ge Änd er un gen unt er Berücksichtigung der hi erbei
in Er sche in ung t rete nde n and er en engl isc he n Ins tanze n vo r geno m-
men , die z.T . schärf er ko ntrollierten als das a ußero rdentli c h ent g e-
gen ko mmend e und wei the r zige Education branch. Hierna c h wurde n
di e ko mmissa ri sche n Fa kul tä ten d urch vo ll wert ige ersetzt, un d i m
Ansc hl uß hie ra n wurd e in e ine r Vo llve rsa mml ung d es Leh rkörpers in
Anwesenheit des englischen Vertreters der erste Senat anstel le des
bi sheri gen ko mmi s sar ische n gebild et, w omit de r innere Or gani smu s
der T.U. w e nigs te ns de r Fo r m nach i m W ese ntli c hen her ges te llt wa r .
Es liegt in der Nat ur der Sache, daß ic h bishe r fast nur von dem Z u-
sa mmena rb eite n mit de n En gländ er n näher gesprochen habe. Der
eben so no twe ndi ge Ko ntak t mit den d a malige n Ma gistr at sver tete r n
war aber nich t weni ge r erfreulich und erfolgreich . A lle wesentlichen
Din ge wurd en e ntweder m it Magistrat und Education branch gleic h-
zeitig oder zuerst zu z w eit un d dann zu drit t besproch en und b e-
schlo s sen. E s he rr scht e vollkom mene Off enheit und Loyalität, und
auf diese r allein tr a gfä hi ge n B asis gela ng e s, auc h be i a nf ängl iche n
Meinungsverschiedenhei ten o hne we se ntli che Sc hwier i gkei te n zu
eine m b efri edi gend e n Er geb nis z u ko mme n. I ch so rgt e für ei ne n

77
ständ i gen pe rsö nlic he n Ko nta kt z wisc hen d en maßgebenden Deu t-
sche n u nd Engl änd er n und zog nac h Mö glic hke it auch die Vertreter
anderer engl ischer Instanzenzweige, vor allem der fi na nzi ell en, hi nzu,
di e uns ge r n und hä ufi g be su chten. D ie b eid en für uns in frage ko m-
men de n Vertreter des dam aligen Magistrats zeigten für unsere Arb eit
und u nse re Ziele größ tes Verständ nis; auf einigen Einzelhe iten
ko mme ic h noch s pät er z ur ück. Die Engl änd er hab en st et s unt er d e m
Gesichtspunkt g earbeitet, den au ch ich f ür d en ei nz ige n ver nün fti gen
hielt, daß die T.U. frü her oder später in ein klares und eindeutig es
Rechtsver hältnis mit de m Ma gistrat Berlin trete n würde.
Unsere Betriebsvertretung war ausg es prochen soz iali stis ch und
ko m munistisch ; alles andere wäre unter den da m aligen Um stände n
unmö gli ch und unge su nd ge we sen. Ic h ha be mic h sc hwe r g e hütet,
die ses not wen di ge Sic her hei tsve nti l z u sc hlie ße n o der auc h nur z u
dro sseln. Ich hie lt es i m Gegenteil weit off e n, und a uc h die s war
not wend ig und e r folgr eic h b ei m In ga ngse tze n u nd b ei d en e rste n
Fahr te n de r u nvoll ko mme ne n, in eine unge wis se Z uku nft hi nei n-
rum pe lnd en neu en Ma schine. Die Kompe tenz en war en fr ühz ei tig kla r
ab gegre nz t und wurd en s tet s e inge halte n.
Auc h hier her rsc hte Of f enhe it un d gegense itige Ehrlic hkeit. Die
Arb e it m it der Betriebsvertretu ng wurde dadurch in der ersten Zeit
wesentlich er leichtert, daß klare natürliche Verhältnisse bestanden,
ind em vo n i hr derj enig e Personenkreis vertreten wurde, der allein auf
eine r Ho chsc hule in dieser Weis e gesund vert reten werden kann,
nämlich die A r beiter und Angestellte n. Auch hierauf ko mme ich no c h
an anderer Stel le zur üc k.
In jenen s echs Monaten wu r de in zah lreichen Gesprächen m it dem
Magistrat und den Engländer, z. T. auch unte r s chri ftl iche r F ixie run g,
alles Wesen tliche konzipiert, w as ausgeführt oder in Angri ff g e-
no mme n wurd e. Au f da s Wi chti gste ko mme ic h i n de n Kap iteln III
und I V d ieser Nied er schri ft z u rück. Ma n wir d si ch viel leic ht wund er n,
daß hierbei auch im Übr ige n kei n Zusa mme nha ng mit den w estli che n
Zone n i n Er sche inu ng t ritt . D ies e rga b sic h a us d er N at ur d er Ve r-
hältnisse. Der Westen hat te d ie Fo lgen d es K riege s u nd s einer
wah nwit zi gen E ndp hase auc h nicht annäh ernd m it der unmittelbaren
Wirk l ich keit wie Berlin erle bt; bei aller Not, die dort herrschte, begri ff
man do rt die Realitä t der Zeit umst änd e no ch vie l lan gsa mer und
unvo ll ko mmene r a ls i n Ber lin . M a n sah sehr bald, daß es im West en
z w ar verhä lt nis mäß ig fr üh mehr und sc hö nere Uni versi tät sz eit unge n

78
mit g ute n und gutge ma cht en A ufsät ze n u nd D isku ssio ne n gab , d aß
dies aber zum großen Teil und auch im bes ten Fall m ehr Fassade als
Subs ta nz wa r, und da ß wese ntlic he I mpul se z um Ha nde ln für da s
unmit te lba r No t w end ige und Mö gliche vo n do rt ni cht zu erwarten
ware n. Für ei ne T e ilna hme a n d en da mal ige n we stli che n Unte rne h-
mungen fehlte es auc h ei nfach an der Zeit; ich wundere mich heute
darüber, daß diese dazu aus re ichte, w as dam als von s ehr w enigen
Mens che n ge ta n wurd e.
3.) Somm er 1946 bis heute
Mit dieser nicht o hne Absic ht wiederholte n Be merkung er halte ic h in
natü rlich ster Weise den Übergang zu r Schilderung der Gegenstr ö-
mung , die eine m alte n Spr uch fa st ge na u folg end zum ersten Male
de utlic h nac h auß en er ken nba r in d en H öhep unkt der Ent wic klun g
einsetzte, als in der erw ä hn ten Vollversammlung der erste Sen at
gebi ldet und dam it ein ge wiss er Absc hlu ss de r i nnere n E inri cht un gen
erreicht w urde .
Schon bei Übernahme des Rektorat s im Dezembe r 1945 h att e ich
be züglic h d er Q ua l itäte n u nse re s zusa mme nge wür felte n Le hrkö rp ers
keine I ll usione n. Ic h br auc he die s nic ht im E inz elne n z u a na lysier e n,
de nn was mir, de r ic h dur ch mei ne la nge Ind ustr ietätigkeit zur Me n-
sche nb eurt ei lun g erzogen w ar , frü h erkennbar w ar, hat sich später in
aller B reite und Ö ff entlic hkeit ent wickelt. Die E ngländer sahe n e s als
Außensteh e nde viel leicht noc h deutlicher als ich. Es sei mir hier
gestattet, ein ige persönliche Äuße ru ngen d es e ine n e nglis che n Ve r-
treters anzufüh ren. Er kam, etwa im Jan ua r 1946, ei nes Mo rgens,
faßte m ich bei m Ro ckkn opf un d sag te: „My dear rector, gestern Nacht
konnte ic h nicht sc hlafen, ic h mußte über alles Mö glic he na c hden ken,
und a uch üb er Sie und di ese Ho chsc hule ; d a hab e ich fas t gewei nt.
Wir, das heißt Sie, h aben keine Leute; zuviel Treibholz!
Wie sollen w ir das hier durchf ühren!“ Ein anderes Mal: „ Rector, ich
bin e in fr eund lic her M e nsc h (ki nd; e r w ar es wirkl ic h), abe r wenn ma n
das hier mit a nsieht, da nn ist man aus Intere sse f ü r die Zuku nft v e r-
suc ht, beina he zu wü nsc hen, da ß no ch mehr z u Tr ümmer n ge schla ge n
wäre; un d ich m eine nicht nur Häus er “ . Ich wußte, dass er R echt hat te;
er wu ßte, daß ich es wußt e; jedes Abl eugnen und Bes chönig en war
unmö gli ch u nd hätte das gegensei tige Vertrauen zerstört.

79
I mmerhi n ko nnte man mit A ussi cht a uf Erfolg weiterarbeiten. Mei ne
Absc hät zun g de r Si tuat ion, di e ich ni e a us de m Auge ve rl or , war
ein fach und er sc hein t mir au ch heute noc h r ich tig. W ir war en vo n
z we i b e herr sche nd en F akt or en ab hän gig: de m Ma gi stra t und de n
Englä nd ern. Solange diese beiden wu ßten, was si e wo llten, und b eide
in Überein stim mung m it u ns da sse lbe w ollt en, w ar ein produ ktiv es
Wi rken für mic h mögli ch u nd aus sicht s voll . So wie abe r die se Stützen
in i hrer ge mein sa men T ra gfähi gkei t n ac hließen, mußte d ie Situation
krit isc h werd en.
Der L ehrkörper w ar bis zur E röff nun g ohne e rken nba re wese ntl iche
Wi der ständ e mitge gan ge n, ga r nic ht z u reden vo m S e nat , der stets
ein stimm ig bes chloß oder ohn e Widers pruch gen ehmig te und gu thieß
( wa s er übrig ens a uch sp ät er in ge ä nder ter Zusa mme nset zu ng bi s in
de n Augu st 1 94 7 hine in geta n ha t; in d en za hlr ec hen S itz ung en d iese r
19 Mona te sind lediglich z wei Beschlüsse nich t einstimmig ge faßt
worden, der eine m it einer, der andere mit 2 Stim me n Wid er spr uch).
Nach der Eröff nu ng, als die e rste P osition sichergeste llt w a r, b ega nn
er seine Zusammenset zun g au s Gr upp en und Gr üp pc hen na c h auße n
de utlic h in E rsc hei nun g treten zu lassen. Es w äre möglich, aber
z w ec klo s u nd m ühs am, viele E inze lhe iten z usa m menz uste ll en und zu
analysieren . Die Erwähnung z w eier Symp to me mag ge nüge n. De r
Prorektor, der in nor m alen Ze iten als gelege ntlicher for m a ler Vertr e-
ter de s Rekto rs üb er haup t kei ne ne nne ns wer te Rolle zu spielen hat,
konn te i n der dam al i gen Zeit als gleich wertiger Mitar bei ter außero r-
dentlich W e r tvolles leis ten. Er entwickelte sic h aber mit w a chse nde r
Deutlich keit zu m Con tra - Re kt or , wie ich ihn z uer st sc her z ha ft, später
er nstha ft na nnte , hielt es ab e r nic ht et wa für ge gebe n, d ann s ei ne
Ste llun g nied er zule gen und de n Platz fü r ei ne u nu mgän glic h no t-
wendige vollwertige S tellvertretung freizumachen, so daß ich die
gesa mte Zeit außer Dr. Wille überhau pt keine n Mit arbeiter hatt e, der
in alles ei nge weiht war und mic h ve rtr eten ko nn te. Ein and er es
Sym ptom der st ändi g d eut lic her wer de nden ge is tige n un d m oral i-
sche n Ve r wirr ung b est and i n d er vo n ei ni gen M it glied er n d es Se nat s
zuer st n ur gel ege ntl ich, spä ter ab er r echt ko nseq ue nt ge übte n P ra xis,
i m Se nat e i nem Be c hluß zuzustimmen, aber außerhalb des S en ats
unv erblühm t dem soebe n Be schlo ss e ne m ent ge genz uar bei te n.
Etwa Ende Mai zeig ten sich auch die ers ten Symptome dafür, daß
Ed ucat ion b ra nch, welc hes b i s dahi n an u nser er Tä tigke it i n umf a s-
send s ter Weise teilnahm und sicherlich richtungsgebend, ausgle i-

80
chend und f ördernd in allen wesentlichen Angelegenheite n, oft bis in
die Deta ils, persönlich betätigte, diese über die Methoden der Zone
weit hi na usge hende Mitarbeit nicht auf die Dau er beibehalten würde.
I m Ma gistrat w ar m it de m baldig en Ersatz des f ür un s maß gebenden
Vertreters durch eine and er e K raft zu r ech ne n, was a uch i m gün s-
tigsten Falle z umindest vo rüb er gehe nde Unsi cher he ite n mit sic h
br inge n mußte . Aus die sen und ande ren G ründ en s chl ug ic h im Jun i
19 46 d en E nglä nder n vor , sc hle uni gst eine R ekt or wa hl au f bre ite r
Basis vorzu bereiten; die E inrichtungen der Hochschule waren jetzt
soweit gediehen , daß m an dies tun könnte, und ic h selber w o llte je nes
Amt so bald w ie möglich ab geben . Eine Copie des entsprechen de n
Brie fes ist in meiner Ha nd. Nur der Typ d es kle ine n D ilet ta nten kann
und ko nn te i n diese m Sc hritt eine Art „ T rick“ erb licken, um d ie
Englä nd er z u grö ße rer Fest igke it zu ver anla sse n u nd m ei n e P osit ion
zu f estigen, an der m ir persönlich gar nic hts l ag. Die Englä n der hab en
ihn auc h so nic ht auf gefaß t, so nder n mic h vo llko m men ve r stand en.
Sie haben auc h n icht d e n geri ng ste n Z wei fel daran gelassen, daß A rt
und U mfa ng ihr er Mit wir kun g ni cht d urc h die Schwierigkeiten
de utsc her Pe rso nen beeinfl ußt, son der n durc h Vo rsc hri ft en i hrer
Regi er ung f estgelegt w urden, an denen s ie selbst n ichts ändern
k onn ten. Aber sie hielten mir in einer fü r englische Verhältnisse
unge wö hnl ich b ewe gte n Be sp rec hung vor , da ß i ch nicht zur ücktr ete n
dür fe; ic h hätte eine “Au fgab e“ (ta sk) von Be deut un g über no mme n,
vor de r ic h ohne V er leugnu ng m einer V eran t w ortungs pfl icht g egen-
über der All gemei n heit und mir sel bst ni cht zur üc kweic he n kö nnte n;
mei n ver frü htes Ausscheiden könnte zu einer Katastrophe führen.
Hier m it meinten sie in a lle m E rnst, da ß ei ne unge he mmte Aus wi r-
kun g de r ih nen b eka nnte n mehrfach widerstreitenden Tendenzen de s
soge na nnte n Le hr kör per s, wie d ie bei ein er freien Rektorwahl durch
eine Voll ver sa mmlu ng j ed en Au gen blick zu erwarten war, sehr leich t
zu d en schä rf ste n Kons eque n zen b is z ur plötzlichen dau ernden oder
vor übe rge hend en Schl ie ßu ng führ en kö nnte.
Ic h wußt e, d aß sie Recht hatt en. Mein Vorschlag wurde abgelehnt,
und als mich der Senat dann auf ein Jahr als Rektor wählte, n ahm ich
mit i nner lic he m Ächz en an. A uch d iese r Beschluß des Sen ats war
ei ns tim mi g, und auc h die s wa r na ch eine m ha lbe n J ahr vo n eini ge n
Mitgli edern verge sse n o der damals ihrer Aufm erksa mk eit entgangen.
Sehr bald hiern ach trat der er wähnte Wechsel bezüglich des Mag is t-
ratsvertreters ein. D ie Zusammenarbeit mit der neuen Pers önlichkei t

81
nah m kei nen u ngü nst ige n An fang; es ha nde lte si ch u m ei ne K raft vo n
u nzweife lhafter Intelli genz un d Arbeitskra ft. A ber es trat sehr bald in
Erschei nung, daß sie offiziell mit mir und inof fiziell mit den Opp osi-
tionen arb eitete. Al s ich d ies einmal zur Sprache brachte, wurde es
glatt zu gestanden mit der o ff enher z i ge n Mit teilung, da ß diese Ko-
opea tion eines Mitgliedes d er ko mmunistisc hen Par tei mit gerade
de nje nige n Pr ofe sso ren, die zumindest in der Parteipresse al s offe n-
bare Vertreter der „R eaktion“ zu bezeichne n wär en, i mm erhi n zu
eine r sc hla flo se n Nac ht gefü hrt hatte. I c h de utet e la che n d a n, da ß
di ese U nbeq ue mlic hke it d urc h ei ne na hel ie gend e Ko ns e q uenz doch
leicht zu v er mei den wäre, hatte ab er nich t dam it und au ch spät er m it
and ere n fre undl ic hen B e merk unge n kei ne n Erfol g.
Das Verhältnis zum Magis trat wu rde vollends fra g würdi g, a ls End e
19 46 der beka nnte We chsel ei ntr at und neue Le ute an s Rud e r ka men.
Die Stelle des für uns maßgeb end St adtrates blieb zuerst unbeset zt,
und als sie später besetzt wurde, hatt e der neue Ma nn 18 monatelang so
viel da mit z u t un, s ei ne P osit io n au szub aue n u nd a llge me ine Ang e-
legenheite n zu bearb eiten , daß für uns k eine Zeit ü bri gblieb. Dies er
Zust and da uert e praktisch bis zum Ende m einer Rektorzeit, August
19 47 , an und währe nd d ies er Zei t fa nd kei ne p rod ukti ve Zu sa mmen-
arbe it m it d em Magistrat st a tt , weil do rt niemand war, mit dem m an
pro dukti v arb eit en ko nnt e.
Als ch ara kteris tisch w ill ich nur die Tatsache erwähn en, daß ein aus
jener Zei t sta mme nde r Ent wur f für e ine Ho chsc hul ver fa ssu ng die
Festse tzu ng enthielt, daß die L ehrpläne und alle einzeln e n Vo rl e-
sunge n d er T . U. d em Mag istr a t vor zule ge n u nd vo n ih m im E inve r-
neh men zu ge neh mi gen sei e n. Die B riefe, die w ir erhielte n, hatten
zu m T eil eine n so u ngewö hn li chen I nhalt, daß ihre Beantw o rtung bei
aller Vorsicht fast mit Sicherheit zu e xplo sio nsa rti ge n A us einand e r-
setzunge n führen m ußte , was bei de m da mal ige n Vac uu m i m M a-
gistr at nur z u ei ner V ergr öß er ung d er K onfu sion beitrag e kon nte.
Daher w urde – nic ht ohne E inver stä n dnis maßg ebender de utsc her
Stellen – alles unb eant w orte t gelassen, was nicht u nmittel b ar di e
täglichen Gesc häfte betraf . D en Eng ländern w ar dieser Zustand sehr
una ngene h m. I hnen b lie b p ersö nlich die Inkompetenz der betreff e n-
den Magistratsstell e ni c ht verborgen, aber sie waren durch ihre al l-
g em ei n en Vors chr i ften ge b und en, ko nnte n i hrer Me inun g of fi ziel l
18 Anm . Otto Winze r

82
keine n Aus druc k ge b en und wol lten u nd ko nnt en ni cht in die inte rne n
An gelege n heit en d es Magis tr ats ei ngreifen. Einige Versu c he, d urch
private Gespräche ei ne vorteilhaftere Gest altung der Verhältnisse
her bei zufü hre n, sc hl ugen fe hl .
Es w ar ga nz kla r: D ie b eid en no t w e ndige n St ütz en f ür un ser e P osi tion
ware n ins W an ken geko mme n und mußte n fr üher od er späte r nac h-
geb en. I mme rhi n ko nnte noc h m a nc hes N ü tzlic he in Gang gebracht
und e r hal te n werd e n. I ch er wähne hi ervo n d ie Sc haf fu ng u nd Er öf f-
nung des S t u de nte npar la mente s, da s ich in d er gep la nten a nfä ngl iche n
Art mit de n z ugehö ri gen e r nstha fte n H ilfe n vo nse ite n ält er er Pe r-
sönl ic hkei ten a uch he ute noc h für e ine E inr icht u ng hal te, aus der viel
Nütz lic hes und Pr od uktive s e ntst ehe n ka n n. Ic h ko mme hie ra uf n o ch
an anderer Stelle zu r üc k; hie r möc hte i ch nur die be gei ste rte und
aufop ferungsvolle M itarbeit einiger älterer Studenten sowie das große
allgemeine Int eresse wei ter Stu de nten krei se a n di ese n A ngele ge n-
heit en ge bü hrend her vor hebe n. Dama ls wie heute fühle n d ie j unge n
Menschen bei allem berechtigten Drang zur Se lbst ändigk eit, daß bei
ihne n ei n i nnere r Anspr uc h an die Älter en a uf Hi lfe und Ber atun g z u
Recht beste ht, und trotz manch em Wider streben sind sie letzten Endes
da nkbar , wenn dies er Ans pruch i n f reunds cha ft l icher und taktvoller
Art unte r Aner ke nnu ng i hrer be sond er en Ei gena rt er füllt wird . Der
Rekto r sc huld et ihne n Fr eund s chaf t, V erst änd nis und äußerste Geduld
auch in den schwierigsten Fällen; auch anscheinende „Sünder“ hat er
nicht als Gegner zu be h and e l n, so nde rn a ls viel lei cht fehl gel aufe ne
jüngere Freunde, wie denn überhaupt bei Schwierigkeiten m it de n
Stud e nten i mme r zu unter suc hen i st, ob nicht die Ha uptgr ünd e bei
de nen zu s uche n si nd, de nen ihre Ausb ild un g und da mit ei n gro ße r
T eil i hrer Er zie hung z u getr e uen Hä nde n und ve rant wor tli ch an ve r-
tra ut ist. In se hr interessa nter und er freulic her Weise trat bald in
Er schei nu ng, was ic h a uch he ute noc h al s b este he nd a nne h men
m öc hte, daß nämlich d ie J ünge ren nac h ihr er N at ur f ür ne uer e und
bessere Ding e mehr auf g eschloss en un d em pfängl icher s ind al s di e
Alte n, und da ß sie auc h i m Handeln die Alten a n Elasti zität und
ges unde m I nsti nkt leic ht übe rtref fe n kö nne n, w e nn man ihne n mit
lo ckerer Hand beisteht, unver m eidliche Anf angss chwierig ke iten,
Miß ver stä ndni sse un d Unge sc hick lich keit en a us dem Wege zu rä u-
men . Die ersten Vo rsc hlä ge zu eine r Art Stud e nten - Geric htsbarkeit
ka m e n sp onta n vo n ihr er S e ite; sie w aren imsta nde, kon strukti ve un d
zum Teil sehr durchdachte und br auch bare Vorschläge für die in nere
Or gani satio n z u mac hen, die nach Möglic hkeit realisier t wur d en, und

83
ich ha be ni cht nur sc her zha ft geäuß ert , d aß di e Stude nte n in i hr em
Parlament dam als trotz m an cher Schw ierigkeiten und Auswüchse
schneller un d besser in die demokratischen Formen hine ing e w ac hse n
sind und diese b ei taktvoller B eihilfe von älte rer Seite mit duchaus
ver nün fti ge n Inhal t erfüllt haben, als der Lehrkörper. Ich n eige
durchaus dazu, die H auptsc huld a n der oft verme rkten Neig ung de r
de utsc hen St ude nt en z ur „Reakt ion“ , d.h . z u ei ne m kur zsi ch tige n u nd
du mpfe n Hä ngen a m Alte n u nd Abgelebten, den älteren Generationen
zuzusch reibe n. Man nehme d en he uti gen b eka n nte n Zus ta nd: W as
wird de nn he ute geta n, da mit di e Stud ente n nic ht i n die län gst übe r-
lebten und heute als in fantil zu be ze ichne nd en fr üher en F orme n de s
s tude nti sc hen Leb ens z urüc kz ufa llen? K ann man d ana ch d en j un gen
Mens che n e ine n ber echt igt en Vo r w ur f mache n, we nn si e e s tun?
Doch zurü ck zum unmittelbaren Thema. Die Inangr i ff nahme der
Arb eit a uf d en „all ge meine n Kult urb ezi r ken“, deren Betr e uun g dur ch
di e Vo rkurs e ni cht an nä her nd genü gen ko nnte, li eß s ich nich t ve r-
schieben. Die Vorbesprechu n gen mit Ange hör ige n de s Lehrkö r p ers
hatten da s übliche Bild er geben: An keiner Stelle eine tragfä hige und
ausführbare Konzeption , ja nich t einmal die Erkennt nis, daß eine
solche notwendig war, dafür aber ein Gewimmel von Leuten, die
eini ge B üc her u nd Arti kel gel e sen ode r auch ni cht geles en h att en und
sich nu n für be rechtigt hielte n, j eder einzeln nach einer dominiere n-
den F unkt ion in dem noc h gä nzli ch u nkl are n ne uen Geb il de he m-
mung sl o s un d mi t allen Mit te l n zu s treb en.
Ic h war zu d er Erke nntn is ge ko mmen, da ß nur ein W eg la ngsa m zum
Er gebni s f ühr en ko nnt e: Mit e i nige n wenige n gute n P er sönli chke i ten
für d ie Hautgebiete ein e n bescheiden e n Anf an g zu mac he n und di e
Sache in vorsi cht iger Ent wi cklu ng a ufz uba uen. Es er sche in t mir
ferne r a uch he ute noc h kla r, d aß es ei n Wid er sinn ist , vo n ei ner A n-
zahl von Me nsc he n zu erwarten, daß sie au s eigener Kraft un d Fä-
hig keit not we ndige , ne ue Di nge p ro duz ier en, d ie au ßerh alb ih res
Rah mens lie gen. Man kan n vo n ein er Henne nicht erw arte n, daß sie
aus i hre n ei ge nen Eie r n eine n Sch wan ausbrü tet; m an kann ih r aber
Ente ne ier unte rle gen, die si e i m gü nsti gen Falle ausbrütet, w e nn man
gu t aufpa ßt, un d man chmal w ird a us e ine m „häßli che n j unge n En t-
lein“ ein Schwan . Je m and muß aber komm en und das neue Ei in das
alte Nest l e gen , sonst geht es nicht. Diese einf ac he Sachl a ge wurd e
nich t b egri ffe n. E s mußte mö glic hst sc hnel l e ine neue Fak ultät we r-
den, und der ar m e Senat mußte au f „ dem okr at is ch em “ W ege diese s
neue Gebilde koncipieren und in die Welt setzen. Der Senat m it de n

84
and ere n Hoc hsc hulo rga ne n ha t hie rfür me hr al s ei n Ja hr b enöt igt un d
das in die Welt g esetzt, was wir heute haben.
Immerhin konnt e bei der Feier des einjähri gen Bestehens der T .U. die
Absicht a uf Bildung de r neuen Fak ultät als Positio n genan nt werden;
übrige ns die letzte Fe ierlich keit, b ei welcher ic h die he ute f ür uns
allein passende bescheidene For m ohne unpassende Musik durc h-
führ en ko nn te , w obei M usik al s beson dere, i hr zukomm ende Vera n-
stal tun g für sol che , die sie hören wollt e n, auf den Nachm ittag des
betre ff end en T age s ge legt wurde.
Über die Linie, die mir persönlic h in der letzte n Zeit vor geschrieb en
war, besta nd für mic h kei n Zwe ifel; a uc h zu de n En glä nd ern habe ich
mic h hie rüb er klar aus gesp ro che n. Ic h ha tte E xp losi one n z u ve r m e i-
den, aber nicht die Hauptlin ie d er bisherige n Arbeit z u ver lassen.
Wi der ständ e und Spa lt unge n war en i n kei ner W eis e zu ve rhind ern
(diese A nsicht hat sic h späte r als richtig er wiesen); ich hatte n ur So rge
zu tragen, daß der Ge gen wind aus d en ri cht ige n Ec ken ka m , und d aß
man se hen kon nte, a us w elchen Ecken e r kam. Denn wenn der W i-
derstand deutli c h erkennbar daher k o mmt, woher er nach der Natu r
der Sache kommen muß, dann ist da s ei n s icheres Zeichen d afü r, daß
man – bei allen unvermeid lichen einzelnen Irrtümern – in d er
Haup tsa che de n richt ige n We g ge gan ge n ist. Der s ogenannte äußere
Er folg i st i n so lc hen D inge n, d ie a uf lan ge S icht an gel egt w er den
müsse n, un wese ntl ich u nd ir re führe nd. Aus die sem Gr und e habe ich
auch dafü r ges orgt, daß die V erantw ortlichkeiten bei m K urs w echsel
(e igent lic h bei m Auf ge hen j ede n Kurs es) kl ar i n Er schei nu ng tr eten,
d. h. ic h hab e mic h z ur W ied er wahl geste l lt, ob w o hl ich kaum dam it
re chne n kon nte, wiede r ge wä hlt zu wer de n, nac hd e m no ch in d e r
k ritischs ten Zeit der d efinitiven Mein ungsbildu ng die Sucht nach de m
„Pos ten“ auch unt er den bi s dahi n engste n Mita rbeite rn ihr e Wirkung
übt e und nat urge mäß zur Auf sp lit ter ung d er St imme n führ en mußte.
Einzelheiten ü ber d i ese und ä hnl iche A ngel ege nhe ite n si nd für d ie se
Nie der schr ift nic ht vo n Inte re sse . Ei n best i mmter Vo rfal l Anfa ng d es
Jahres 1947 m öge aber no ch kur z b eha ndelt werden, da an ihm die
Ver häl tnis se j ene r Ze it na c h vi ele n Sei ten d e utlic h er ke nnb ar werde n.
Diejenige Fakultät , welch e e ine Ha uptst ütz e d er gesa mte n Ho c h-
schu le sein soll und früher auch gewesen ist, die aber an der neu en
T .U . von Anbe ginn b is he ute zu d en gr öß ten B ede nken un d S orge n
Anla ß ge ge ben hat, begab sich Anfang 194 7 nach entsprechen der

85
Vo r b ere itung er ne ut auf de n Kriegspfad, indem sie dem Senat einen
„ ein stim m ig en“ Bes chl u ß vor legt e, i n we lc hem so fo rt ige Rekt or at s-
wahlen auf breites ter Basis ge fo rd ert wurde n. Der Vo rga ng war unter
den damaligen Ver häl tnissen ge eig net, d ie E nt wickl u ng d er T . U .
er he blich zu l äh m en oder zu erschütt ern; er bekam einen merkwü r-
digen Beig eschmac k dadurch , daß jener Be schluß auc h von d en
be tr effe nde n Se nats mit glied er n ge tra gen wurd e, d ie no ch vo r nic ht
mehr al s eine m hal be n Ja hr e ine m ei ns ti mmige n Besch luß beigetret en
ware n, wonac h d as da m alige Rektorat bis zu m S o m mer 1947 dauern
sol lte. Soga r d ie r uhige n E ngl änd er ge rie ten i n Zo rn.
Nac h viele m H in u nd H er, desse n Ei nzel hei te n hier nic ht int ere ssi e-
re n, sa h ic h, d aß d ie E ngländ er auf e ine n sc har fe n Schr it t hins te uert e n;
ich wuß te nic ht ge nau, auf welc he n, mer kte aber eines Tages, daß
irge nd et w as binn en kurzem bevorst and. N och am g leichen Spä t-
nachmittag hatte i ch mit de n engl isc he n Her ren e ine i nte nsi ve B e-
sprechung zu dritt . Ich riet von ei nem sc har fen S chr itt a b, der, w ie ich
nun hö rte , in e ine r vo r de m Sen at offi ziell dur ch d en e ngl isc hen
Vertreter zu verles enden Er kl är ung d er e ngli sche n Be hör de mit u n-
mißve rs tänd lic he n H i nweis en auf die Konseq uen zen einer Zuwide r-
hand lun g be ste he n soll te. Ich macht e i n aller O ff e nheit dara u f au f-
mer ks a m, da ß d ie E ngländ er i m Eve nt ua lfalle sch werli ch die Mö g-
lichkeit o d er den W ill en zu Durc hgr ei fen hab e n wür d en; man solle
ni cht g lauben , daß die Unve rnü nfti gen d urc h ei ne Er klä r u ng übe r-
zeugt werden könnte n; die kom p lizierte Sit uation bezü gli ch der b e-
hördlichen Ko mpetenzen wäre i m W ese ntli che n be kan nt ; unse re
lieben Sorgenk inde r w ürden bei der näc hste n Gelege nheit e rneut
lo stob en und dan n end lic h sehe n, was sie scho n mo rge n witter n
würden, daß es sich nä mlic h d oc h nur um Dr oh unge n han de lt; hi e r-
nach w ürd e es s icherlich no ch sc hl im mer werde n. Man so l lte, wen n
auch n icht zu sc hne ll u nd mit W ahrung von W ür de und An stand , i n
der Sache nachgeben; auch würden die Verhältnisse selbst für meinen
ostpr eußischen Sc hädel allmä hlich p ersö nlic h u nert rägl ic h. Abe r die
Engländer hatten sic h bereits end gültig „st ark ge mac ht “; de r mir vo n
vornh erei n bedenklich erscheinende Versuch w urde g emacht un d die
Er klär ung i n se hr ei nd ruc ks vo ller We ise in e i ner Sonders itz ung d es
Senats verles en; der raffte sich n och einmal mit einiger Mühe und
viel en W or ten z usa mmen; ab er eine günsti ge W ir kun g tr at, we n n
überhau pt, nur für kurze Z eit ein. Da es nach her o ff ensichtlic h an
kons eq uenter Kraft mangelte, wurde letzten Endes die mit offener

86
Fei nds c ha ft ve rb unde ne V er wir run g nur ver größert, u nter der w ir in
geänderter For m heute no ch zu lei den ha be n.
Die Ereign isse vom Sommer 1947 bis heu te, auf deren Ein zelheiten e s
nicht anko mmt, sehe ich in Ze ite n ru higer Be ob achtu ng al s d urch a us
natür li ch und z wang slä ufi g a n. We nn ei n s olc he r Kö rper , d e r i m
Gr unde ga r nic ht e in Kö r per ist, so nde rn zu m Te il no ch eine lose
Masse v on etwa hun dert schl ech t orien tierte n und zum Zusamm e n-
w irke n a us a llge me ine n und ind ivid ue lle n Gr ünd en ni cht s ehr bef ä-
higten Menschen, wenn ein so lches Ko nglo m erat sich oh ne äußere
Hilfe selb st überlas sen bleibt, so kann eine Bess er ung der Verhäl t-
nis se, wenn über haup t, so nur in sehr lange r Zeit e intreten, und die s
muß u nter de n zweifelha ftesten B egleiterschei nun gen e rfol g en. D ara n
kan n kei n Re kto r a llei n et wa s ä nder n; le di glich Art und U mf ang d er
Begleiterscheinung en w erden in geplanter Weise v on seiner Indivi-
dualität abh än gen . Ic h h alte es ab er nach ständiger erneuter Kontrolle
mei ner Er leb nis se, B eob ac htunge n und Schl uß folge ru nge n für ni cht
sicher, daß eine g enügende Gesu ndu ng a us ei ge ner Kra ft ü be rhaup t
eintritt. Ei n Gesch wü r heilt nicht vo n selbst, so ndern dad urch, da ß der
Kö rp er, zu de m es gehö rt , ge eigne te Sä fte hi nei nsc hic kt u nd a n der
betreff enden S telle besondere Maßnahmen ergreift, un d das beste
Hu hn kann a us se ine n e ige nen E rz eugni sse n b ei b este m W ille n und
größt er Ans tr en g ung keine n S chwa n pr od uzie re n.
4.) Mitteilung en über die Fi nanzen
Zu m Ab sc hluß diese s Ka pite ls sei en no ch einige Zi ff er n z u r fi nanz i-
ellen Seite d er Sache angegeben. Bei der Erö f fnung der T.U. w ar ein
vollstän d iger Etat i n al len E in zel heite n no c h nic ht vo rha nd en; sc hä t-
zun gs weise wurde au f einer Basis v o n 5 bi s 6 Mil lion en pro Jah r
eröffnet. Fü r das erste Finanzjahr wurde später ein Etat vo n e twa 6, 5
M illione n Mark auf ge st ellt und v on den E ngändern bewi lligt; für das
zweit e Fi nan zjahr gelang es mir u nd meine n Mitarbeiter n, in sehr
sor gfäl tige n u nd vo rsic hti gen B espr ec hunge n mi t de n Engl änd er n de n
Betrag auf etwa 7,2 Millionen Mark z u erhö he n. Da mit st an d en wir
weit übe r d en tec hnisc he n Ho ch schulen in der Westzone, die zu m T eil
be i glei che r St ud ente nzi ff e r e t wa d en halben Etat hatte n. Die En g-
länd er waren s cho n da mal s gege nüb er de n unbed acht en und d en
Verhältnissen der Zeit in k einer W eise g erecht w erde nden Anf ord e-
run gen unser es Le hr kör pe rs miß tr auisc h u nd u n ge halten ; ich habe im
Sena t u nd i m Fi nanz aus sch uß da s Äuß erst e geta n, um diese uns ac h-
lic he und j ede m hono rige n Gesc häft sge bahr e n wid ersp re chen de

87
Denk - u nd Handlungsweise eines großen Teiles des Lehrk örpers
einzu dä mmen und abzustellen; die spätere Entwicklung hat gezeigt,
daß jen e Be müh ungen ums onst w aren .
5.) Einig e krit ische und erg änzen de Bem erkun gen
Ic h kön nte mir d en ken, da ß m a ncher Le ser a n d en vor ste hende n
Ab sch nitt en e ine nic ht u nbe re chti g te Kri ti k üb en wird . Es l ie gt zu m
Bei spiel die Frage n ahe, w arum ich die Plä ne und Ged anke ngä nge d er
wi d ers tre bend e n Gr upp en und Grüp pc hen nic ht ge na uer ge schild er t
und untersucht habe. Hierauf i st die Antwort einf ach: Ic h h ab e dera r-
tige Pl äne u nd G eda nke n gänge, m it de nen man si ch über lege nd u nd
aus gleic he nd a usei na nde rse tz en ka nn, nic h t feststelle n k ö nnen; die
„O ppo sitionen“ k ämp ften gegen dasjenige, was dam als fast z w ang s-
läufig allein d ur ch führb ar wa r und ver suc ht wurd e; si e hat ten ke ine
Ko ncep tio nen, P lä ne, klare A bsi chte n, für w elc he sie wirke n woll ten
und kon nten ; n ur d as Ne gati ve war ih ne n ge mei nsam, und ic h halt e e s
nich t für me ine A ufgab e, mi ch mi t dies en se hr me nschl ic he n, meist
allzu m en s ch li ch en Dingen ausein anderzusetzen. Ich habe m ich hier
j a nicht zu ve rte idi ge n, son der n lege dem Leser Tatsachen vor, d ie ic h
für wi cht ig halt e. Na tur gemäß sind es Tatsach e n, wi e ich sie s ehe;
andere kann ich gar nicht feststelle n; es steht de m Leser frei, d arüber
nach e ige ne m Er mes sen z u urt e ilen.
Aber vielle icht hab e ic h zu wenig übe r d iej enige n A ngele ge nhei ten
gesa gt, die gut ge la ufen s ind und auch he ute no ch la u fen? Ich gl a ube,
es lieg t in der Natur der Sach e, daß solche Angel ege nheiten a n-
sche ine nd zu kurz ko mmen. W enn al le s gu t ge lau fe n wär e u nd l ie fe,
läge übe rha up t k ein Anl aß zu einer solch en Niederschrift vor; werden
wir nicht d arum beza hlt, da m it alles gut läuft? Auch h abe ich gleich zu
Be ginn a nge führ t, we m d ie Akti v - Seite unserer heutigen Bilanz zu
ver danke n i st, näml ich alle n de nen, d ie r uhi g und un ver dross en tun ,
was ihr es A mtes ist. Vie lleich t darf ich noch ausdr ücklic h h ervo rh e-
ben, daß hierzu beson ders die Herren der Verw altung g e hören, an
welc he i n j enen u nr uhige n und zer is sene n Ze ite n di e unge wöh n-
lic hste n Ans pr üche ges tell t wurd en, Ansprüche, die s ie unt er den
kär glic hst en U mstä nde n bis an d ie G renz e der Leistungsfähig keit
er füllt en, o hne dab ei i m Ra m penl icht z u s tehe n, das ja fü r viel e eine
bescheidene K o mpe nsa tio n f ür Mü he u nd E ntbe hr ung se in ka n n.
Weiter e s hierüber scheint mir hier nicht am Platz e, da i ch es ni cht für
meine Aufgabe hal te, Censuren zu verteilen.

88
Die Konz ep tion, welc he mein e m Hande ln z ugr unde l ag, wir d in d en
H aup tzü gen i m fo lge nde n Ka p itel III dar gelegt .
III Die wic htigsten Gesichtspunkt e und Maßnahm en
aus der Zeit von D ezember 1945 bis August 1947
1.) Drei allgem eine Grundsätze
Wa s meint en nun j ene we ni gen Le ute d a mit, als sie den Versuc h
unter na h m e n, d en al te n T rau m vo n ei ner „sc höne n Akad emie “ et was
weit er gehen d als bisher zu realisi eren? Man w ar v or alle m der tat-
säc hlic he n Wir klic hkei t zu gewa nd t und fa nd schne ll he ra us, daß m it
den reichli ch nebel haf ten Fo r muli eru nge n wohl mei nend er P hilo s o-
phi eprofe s s ore n nic hts od er ni cht vie l anz ufa nge n war. S o kl ing t z.B .
die damals m ehr fach diskutier te Formulierung, d ie Unive rsitäten
wären eine Stätte, an welcher von Le hre nde n und St udi ere nde n d ie
Wa hrhei t ges uc ht wird , zunä c hst se hr bestechend; sie erweckt s i-
cherlich A ssoziatio nen, die ins Wertvolle un d in die T ief e gehen. Aber
für d as p rakt isc he Ha nd eln kom mt ma n da mit nicht weiter; solche u nd
ähnl iche al lge mei ne Fo r meln sind zu u nbe sti mmt und e nts pre chend
zu wenig d er nun e in mal vo rh ande ne n Real itä t. W enn man also, w as
da m a ls n icht gesc ha h, übe rha u pt a uf grund le ge nde Sätz e zur üc kge hen
wil l, au s d ene n ma n di e ha up ts ächli c hste n Ei nzel hei te n ab lei te n kan n,
so wären das etwa die f olgenden beiden:
a) F ür die heute und in näc hste r Zukunf t du rchzufü hrenden Maß-
nah men sind die H ochs ch ule n und U nive rsit äte n vor a lle m a nde re n
a ls diej eigen Stätten a nzus e hen, an w elchen die ältere heranwac h-
sen de Juge nd die höc hste und weite stge he nde Ausb ild un g für ihre n
spä ter en B eruf und sonst ige n Leb en sweg erhält un d etwa ein halbes
Ja hrze hnt ihrer wic hti gs ten Ent wic klun gs per iod e ve rb ringt. Aus
dieser Jugend geht später die Mehrzahl der in Staat, Gesellschaft,
Wirtscha f t, W isse nsc ha ft etc . fü hre nde n Pe rsö nlic hkeit en he rvo r.
b) D ie in den l etzten Jahrzehnten immer stärker entwickelte Spezia-
li sierun g der Fachausb ildung ist nic ht g e eig net, die für d as he uti ge
Zusa m menleb e n de r Me nsc hen no t wend ige n Gr undl a gen z u sc haf fen;
si e schädi gt die Gesa mtpersö nlichkeit u nd in gewisser Weise so gar
die Ent wicklungsmö glichkeit für das betref f ende Spezialf ac h.
Diese Sätze s ind nicht etw a d am als for muliert und nied ergelegt
wo r d en. W en n ic h ab er he ut e ve rs uche, mi t we nige n W o rte n und
m ö glich st nüch ter n und tro cke n di e wic hti gste n Pun kte a usz u dr ücken,

89
da nn ko mme ic h au f zwei der artige Sätze, die natürlic h unv ollständi g
sind , i n die ma n vieles m ehr oder wenig er unbestimmt hineinlesen
kann und di e trot zdem in g eeigneter Weise die Einzelheiten zu sa m-
menfa sse n.
Ni mmt ma n zu a) und b) noc h die alte Wa hrhei t hinz u: c) Ku nst un d
Wisse nscha ft so wie i h re Lehre kö nne n nur in gr öß tmö g licher Freiheit
fruchtbar blüh en ( w obei aber das weitverbreitete Mißve rstä nd ni s zu
vermeide n ist, daß Fre iheit in Ungebunden heit und Wil lkü r bestün de),
so hat m an bereits ein e ganz brauchbare Rich tschnur für das prakt i-
sche Handeln, die nat ürlich kein Rezept s ein kann oder darf, die a ber
bei et w as T akt, Ein - , Um - un d Vorsi cht so wie u nter Hi nz ufügu ng vo n
ges un de m Me nsc henve r stand gute D ie nste l ei sten ka n n. Ma n hat in
kritische n Situa tio ne n nur zu pr üfe n, o b die se Sät ze wahr und ri chtig
sin d, ob m an, wenn sie für ric hti g be fund en s ind , da mit üb ere isti m-
mend hand elt , u nd w as man bei zu g roßen auftretenden Widerstän den
anders oder in an d ere r Wei se tun muß, um sic h ihr e n wüns che n s-
wert en K on seq uenz en so weit wie mögl ich z u nä her n.
Daß a) und c) wa hr u nd r icht ig si nd , er sche int so selb st vers tänd lic h,
da ß d ara n kau m z u z weife ln i st. U m d ie W ahr heit vo n b) zu p rüfe n,
br aucht man nur eine Anza hl heutiger wissensc haftlicher Sp ezialiste n
be i de r Ber atung u nd B esc hluß fas sun g übe r e infac he m e nsc hl iche u nd
administrative Ang elegenheiten zu beobachten un d daran zu denken,
welc he n unge he uer en Ei nfl uß solc he Gr upp en d ire kt od er ind ire kt,
z.B. wenn T a use nde vo n j ung en Me nsc hen d urc h ihr e Hä nde ge he n,
auf das ö ff e ntlic he Lebe n hab en.
2 .) Die wichtigsten konkrete n Leitsätze
Unmittel bar auf die Anwendung für die T.U. präcisiert, ergeben sich
e t wa fo l ge nde Leit s ätze, die damal s auch ausgesprochen, ausfü hrlich
diskutiert u nd i n ähn lic her F or m auc h n ied erge sc hrie ben wur de n:
A) D ie T.U. dient ein em freien, aufr echte n und an stä nd ige n Me n-
sche n t um und hält s ic h vo n den G rund übel n d er l etzt en Jahr zeh nte
fer n, d ie in Pr estigesuc ht sowie gewaltt äti gen, militarist isch en un d
na ti onal ist isc he n Te nde nzen b e stand e n.
B) W e nn auch d ie T . U . in der erst en Zei t unter w eitestgehendem
Einfl uß der Besatzungsmacht stehen soll , so w ird sie doch früher oder
spä ter in ein d er de utschen E nt wic kl ung u nd T ra dit i on ents prechendes
Verh ältnis z u der betr eff enden deu tschen S taats behörde t reten. Ein e

90
wic hti ge, so for t in An gri f f zu ne hme nde Aufga be be steht al so dar in,
in loyaler Zus am men arbeit mit den maßg ebe nden P er sönli chke it en
der Behörde eine Verf assung (oder wenigs tens die Gr undla ge n d afü r)
zu entw ickeln, w elche der T.U. ein Höchstmaß von Autonom ie unter
Be rücks ic hti gun g der äuß ere n und inne re n U mstände gibt.
C) D ie i nnere n E inric htu nge n si nd m ö glic hst vo n Be ginn a n der ar t zu
gesta lt en und wen n mögl ich ge gen übe r de m Fr üher e n zu er gänze n ,
daß die T.U. sich in positi ver Zusammenarbeit m it den maßgeben de n
B ehö rd en mögl ic hst b ald z u ei ne m gesc hä ftsfä hi ge n aut ono men
Geb ild e ent wic kel n kan n.
D) In den Lehrp länen ist je des Über gewicht des Spe zialistentums zu
ver meid en. Ausb ild un g und E r zie hun g der hera nwachsenden Ju gend
sin d die H aupt aufga ben de r T.U. mit de m Ziel, d en Studen ten z ur
Entwickl ung einer möglichs t kompletten P ersönlic h k eit m i t de n
E igen scha fte n ei nes voll we rtige n, z ur T e ilnah me an ge sund er
Sel bstve r walt un g fähi ge n Sta at sbür ger z u verhe l fen. Hier z u ge hört
nich t nur fa c hlic hes W isse n und Kö nne n auf so lid er allge meine r
Gr undla ge; die ses ist nur ein T ei lbe zir k eines voll stä nd ige n Men sc he n
und St aat sb ür gers.
E) Die alte n For me n des d e uts che n st ude ntisc he n Lebe ns sind ze r-
bro chen und i nhalt slo s ge wor de n; di e Stud ente n werd en w eit gehe nd
sich selbst überlass en sein unter den für lange Zei t sch wierigst en und
un si che rst en V erhä lt niss en; d i e Gefahr des Rü ck fal ls in primi tive
Gebräuche und Zusammenschlüsse is t u nv ermeidlich. Die T. U. wir d
im Berei ch ihr er Mö glic hke it en a lle s t un, um A nsa tzp unk te für die
En t wi c klun g le bend i ger K ei me z u sc haffe n, die sic h unte r t aktvoller
Mithilfe der Älteren bild en sollten.
3.) Die wichtigs ten Maß nahmen zu r Ver w irklichun g dieser Lei tsätze
Fol ge ndes wur de ge ta n, u m d iese Leitsä tze nach Möglichkeit zu
ve r wir k lic he n (d ie B uchst abe n be ziehe n sic h a uf die entsprechen de n
i m vor he rge hend e n Abs chni tt 2 ):
A) Die f ür d en ne u zu b ild end en Lehr kör pe r infr age kom mend en
P er sönlichkeite n wurden in Über ei nstim mun g mi t de n vo n den B e-
sat zun gsm ächten und den deutschen Stellen erlassenen Vorschriften
gepr üft, die sch arf und e indeu ti g wa re n. Da rüb er hi na us kont ro l lierten
di e für uns ma ß gebe nde n Stel le n b ei vie le n zukü nft ige n Mitgliede rn
bi s ins Ei nzel ne d ie E ignun g in p äda gogi sche r und al l ge me iner pe r-

91
sönl ic her B ez ieh ung. Die s wa r f ür u ns wich tige r u nd n otwendig er, als
die Studen ten vor der Aufnahme außerordentlich stre nge n Pr üfu ngen
in d en a nged eut ete n Ri cht un ge n unte rzo ge n w urden. Der S enat hatte
für d ie se Ange lege n heit e ine n besonde ren A u ssc huß ei ngesetzt, der
mit groß er Sorgfalt arb eitete.
B) D ie Besp rechungen mit dem Mag istrat bezüglicher der Verfassung
be ganne n no ch im Somm er 1946 unter Teilnahm e der englis che n
Vertreter. Der Magistrat w ar stets bereit, der T.U. eine ü ber das
Frühe re hi naus ge hend e Auto no mie zu geb en; man war z.B. durchaus
genei gt, die Be rufu ngen vo m Ma gi stra t und d er T. U. gemei nsa m
ausz usp rec he n. Es war be ab sicht igt, eine n Ve rfa ss ung se ntwur f i n
e nger Zusa mme narb eit u nter Bea chtu ng de r E nt wickl un g a uszua r-
beiten; do ch is t es hierzu aus den in Kapitel II an gege bene n Gründ e n
n i cht m ehr ge kommen . 1947 wurde von der er w ä hnte n unte rgeo r d-
neten Magis trats stelle ein E ntwurf o hne un sere Beteiligung ausgea r-
beitet; ein e n and er en, e benfa l ls o hne unse re Mit wirkung, ließ en die
Englä nd e r pro bew eise durch Pro f. Peters herstel len. Beide Entwürf e
ha b e n sich als unbrauch bar her ausge s tellt. Ich selber habe seit End e
1946 de r artig e A rbeit en nicht m ehr vorwärt sgetriebe n, da ich der
Meinu ng w ar und bi n, da ß auch auf diesem Gebiet einseitige, auf
ab str akte n Ged a nken b er uhen de Ko nstruk tio nen ni c ht vie l Sin n und
Zwec k hab e n, u nd d aß e twa s für das Leben Brauchbareres nur i n
l e be n di gem Zus am men w ir k en zw i sche n d enj enige n St elle n entste he n
kann, die aufgrund ein es derar tig en Gesetzes zusammenarbeiten
so llen.
C) G egenü ber den früheren Verhältnissen wurden, um die T.U. zu der
angestrebten größeren Selbs tändi gkei t z u befä hige n, zwei Neue ru n-
gen ei n gefü hrt , di e mir auc h he ute no ch beachtenswert erscheinen:
Aus drei oder vier der ältesten, er fahr enste n und wü r di gste n P ro fe s-
soren wurde ein Älteste nrat geb i ldet, der auch Si tz und beraten de
Stimme im Se nat erhielt ( das ursprünglic h beabsicht igte volle
Sti mmre cht wurd e u nter vie l leicht zu w eit gehender Rücksicht auf
eini ge Äußer un gen i n de r P rofe ssor enve rsa m mlun g n icht auf rec h t-
erhalten ). Ferner wurde ein perm anent arbeitender Fin anzaus schu ß
des Senats geb ild et, der aus mögli chs t ge schä fts tüc htige n Mi tgliedern
mit mehr j ähri ger Zu ge höri gke it unab hä ngig vo n den Fakultäten
be stehe n u nd in d en Finanzgebar en der T .U. die no t w e nd ige V e r-
ant wor tlic hkei t, Stet igke it und Siche rhe it na ch i nne n und au ßen
scha ff e n und a ufrec ht e rhal te n so llte .

92
D) I n die ser Ri cht ung kon nte in d e m erste n J ahr nic hts We se ntlic hes
er zielt werden. In dem letzten von mir bearbeiteten Etat waren etwa
100 .000 M f ür die ersten S chritte auf dies em Wege beantragt. W ie ic h
b ereits in Kapite l I mitteilte, g ing die erste Absicht da hin, in kl eine m
U mfang a ll mähl ic h anz ufa ng en und vor sich tig ent wic kel nd w eite r-
zuge he n.
E) F ür di e Stude nte n wurd e d as Stud ente n - Par lam ent eingerichtet, au f
d esse n Ba sis d ie Stud ente n ihre eige ne n A ngele ge nhe iten mit
größtm öglicher Selb ständig keit in die Hand ne hmen sol lten. Die
G rund sä tze hie rfür wur den vo n mir konz ip iert und a usgea rb eite t un d
d ann m i t Dr . W ille und d em engl isc hen Vertreter durchbera ten. Die
weite re n Ei nze lhe iten wur de n i n en gster Ver bi ndu ng mi t den S tu-
de nten unte r mögl ich st w eit ge hende r B erüc ksic hti gun g ihre r eige ne n
W ünsc he und Vor schlä ge en tw ickelt. Die beratende Zu ge hör ig keit
von z wei j ünger e n Pr ofe ssor en, d ie m it vieler Vorsicht u nter B e-
rüc ksic hti gu ng der Wüns che d er Stud ente n mit die se n zu sa mme n
aus ge wählt wurd en, war o bl igato ri sch. E iner vo n die sen ve rtrat die
stud ent isc he n Ange le ge nhei te n im Se na t. Da s P arl a ment so llte und
kon nte Aus sch üsse f ür al le i nfra ge k omme nd en Z we cke einsetzen.
Der Unte rne hmu ngsl ust der Stud ent en wa r in nerha lb i hrer eigen en
Angelegenheiten der freies te Spielraum gegeben. Auf diese Weise
sollte gle ichzeiti g der S inn für dem okratische Selbstver wal tung g e-
wec k t und ein e Vorü b u ng das spät ere öff e ntliche Lebe n er m ö glic ht
werden.
Dies sin d in kurz er Auf zählung di e wic hti gste n M aßna h men, d ie
da m a ls a ls ne ua rti g und er gänz end gege n übe r frü her dur chge führ t
oder be absi chtigt wur de n. Z u d en ei nzel ne n P unkte n werd en i n d em
folge nd en Kap itel IV w eiter e Einzelhei ten und dam alige sow ie he u-
tige Gedanken m itgete ilt.
IV Ergänzende und kritische Ausführungen zu III
In diesem Kapitel soll zu den einzelnen Punk ten des vorigen Näheres
ausg efüh rt w erden , ohne da ß dabei die Rei henf olg e und U nterte ilun g
nach d en B uc hsta be n A) b is E ) ge na u ein geha lte n wird

93
1 .) Z ur Fr age d er Auto no mie e ine r Uni ver si tät;
der Fina nz - Auss chuß
Eine der wichtigsten Fragen, die auch he ute no c h die grö ßt e Akt ual i tät
besitzt, ist d iejenige nach de m g ünstigste n Ausmaß an Autono mie,
das di e U niver sität , insb eso nd ere eine techni sc he, he ut e und in
nächster Zukunft erhalten sollte.
Nac h mei ner Ansi cht und Erf ahr ung wird über di ese vie l z u viel und
zu u nbes tim mt theor etisiert, und es wird v erges sen, daß m a n unm i t-
tel ba r vo r dr ingend en A ufgab e n d es prak tischen Hande lns steht. Die
Din ge, die man jetzt oder in n ächster Zu ku n ft aus zuführe n, i n die
pr akti sche W irklic hkeit umz usetzen hat, schwebte n nicht i m luftle e-
re n Rau m un d habe n sof ortige sc hwerw iegende Kons e q uen zen. Sie
müs sen un ter de n nun ei nmal vor hande nen U mst änd en f unk tio nier en,
und z war anstä nd ig, sinn voll, ver nünftig, und müssen so weit wie
mögli c h die ge w ünsch ten Re sultate lie fern. Dabei muß v or alle m
bedacht werden, daß man es jeweils mit ga nz best im mte n Grund b e-
di ngu ngen, z.B . so lche n vo n f inanzieller u nd so lche n vo n p er sonel ler
Art, zu tun hat, und daß diese nicht überall dieselben sind.
Es sei m ir gestat tet, die einfachen Gedanken und Gesi c htspunk te
da rzul ege n, d ie für mich vo n A nfa ng an maß gebe nd ge we sen sind und
die ich anhand der Er fahru ng en au s d en let zt en J ahre n no c h ergä nzt
und bestim mter for muliert habe. D abei wähle ich für meine Darstel-
lun g ni cht die Form einer logis ch aufgeba ute n ab str akte n Abha n d-
lun g, so n dern zeige, wie s ich die verschiedenen Au ffa ss unge n,
Wünsc he , Ma ßna h me n , W irku nge n und Gege nwir ku nge n sei t
1945/4 6 entw i ckelt bzw. abg espi elt ha ben, un d knüpf e daran die
jeweils s ich ergebenden Gedanken und S chl ußfo lge ru nge n. Auß e r-
de m behandl e ich von dem Gesam tprobl em die fo lge nde n Haup tk a-
pitel:
a) V er walt ung und F ina nze n
b) Be rufun gen u nd Le hr plä ne a uf de n tec hnis ch -n atur wisse nsc haft -
lic hen Gebieten
d) F ors chu ng
Zu a): Die für uns maßgebenden Eng l ä nder ka men a us d en Col lege s
und d er Uni versi tä t vo n Ca mbrid ge , d ie bish er wohl da s h öchste
de nkba r e Maß von Autonomie besitze n. In D eut sc hla nd ha tte n sic h
di e Eingr i f f e des Staates in das Eigenleben der Univ er sitäten al s

94
hö c hst sc hädlich her a usge ste l lt; w eni gstens war die s die Auf f assu ng,
welc he d ie E nglä nde r zunä chs t ha ben mußt en. D ara us e rgab sich vo n
selbst der Wunsch , der ne uen T .U . eine Auto no mie na ch e n glisc he m
Muste r z u geb en.
Sofort tr at die erste Sch wierigkeit i n Ersc heinung: die T.U . hatte
ebenso w e nig wie d ie fr üher en d eutsc hen U ni ver sität en u nd H oc h-
sch ule n k ein eigenes Vermögen, aus dem sie selbs tändig exist ieren
konn te. E s be sta nd nat ürlic h a uch ga r kei ne A ussi cht , d aß sie ei n
sol ches V er möge n in a bsehb arer Zeit erhalten könnte. Sie ist unt er
de n deut sc hen V er hält nis sen a uf d ie j ähr liche n Zu wend un gen vo n-
seiten des Staates ange w iesen.
Die in E ngla nd i n s o ho hem M a ße b este hend e Ha up tgr und lage für d ie
Auto no mie i st b ei uns nic ht vo rhand en. Auc h i n E ngl and ko mmt sie
ins Wan ken, was hier nur n eb enbei ang e m erkt sei.
Also wur de e in E ta t au fge ste ll t, u nd d as G eld vo n de n E nglä nde rn z ur
Verfügung gestellt. Die erste Frage: „Haben Sie ein Organ der
Selbstver waltung, das diese Gelder im Gan zen ver ant wor tl ich üb e r-
neh men, ver tei len u nd be wirt sc haft en ka nn? “Ant wo r t: „N at urge mäß
nein. Re kto r u nd V er walt ung hab en b ishe r le di glic h Etat sgelde r m it
gena u fest gel eg te n Einzelpo sten fü r die verschiedenen Zwecke e r-
halt en u nd a usge geb en; vo n e iner fina nzi elle n Se lbs tve r walt ung i m
engl isc hen Si nne kann ma n b ei u ns nic ht spr eche n. Konsequen z: Di e
Gelder w urden „ etatsmäßig“ zur Ver fügun g ge stel lt, d a mit zunäc hst
in d er b isher ge woh nte n W eise gearbeitet werden konnte. U m aber f ür
die Z ukun ft das ge plant e höhe re Ausmaß von Auto no mie z u er mö g-
lic hen, wurd e d er Fina nza uss chuß i ns L ebe n g erufen. Dies er sollte aus
einer Rei he geschäftsfähiger Professoren bestehen, die u nabhängig
von d e m W ec hsel d er Deka ne und Rekt ore n und un abh ängig v on den
Sonderinteressen der einzelnen Fakultäten und Lehr stühl e d ie F i-
nanz geb ahr un g für die Gesamtheit der T .U. nach au ße n und inne n in
di e Hand zu ne hme n hat ten, um e ine s de r wic hti gste n Orga n e für e ine
autonome Selbstv erwa ltun g z u bi lde n.
Da ich mich für einen Demokr aten im guten Sinne des Wortes halt e
und ger ne ei ner Uni vers itä t mi t a utono me r Se lbst ver wal tun g a ng e-
hör en möc hte, ka nn ic h d as E rge bnis, da s i ch a us e ige ner E r fahr ung
und kü hler Beobachtung heraus feststelle n muß, nur mit B ed auer n
niedersch reibe n.

95
Vo n Anfa ng an ha t nur eine sehr geri nge A nza hl vo n Pr ofes so ren S inn
und Z weck dieses Ausschusses begriff e n. Immerhin bestand die
Möglich ke it, daß er allmä hli ch in se ine Auf gab en hi nei nwac hse n
kön nte. Die s ist nicht ge sche he n. So viel ic h sehe n kan n, ha t er z u-
nächst einmal im Lau fe vo n dr ei J ahr en vo llko mme n a bge wi rsc ha ftet.
Es ge nü gt, hie r für eini ge S ymp tome z u ne nne n. Ansta tt d aß er nebe n
Rekto r und Sena t a ls ko nt inu ier lic hes, e ntl as te ndes und Ve rant wo r-
tun g trage nd es Or ga n steht, ist heute d er Rektor sein Vor sitzender.
Anstatt da ß er die Dekane als Vertreter de r Einzelin teressen der
Fakultäte n vor sein For um zitiert u nd i hre A nsprü che prüft, korrig iert,
kontrollier t, ausgleic ht und dem Interesse des G anzen unterwirft, hat
er die Dekane als sein e Ha uptmit glied er aufge no mme n und sic h da mit
selbst seinen Haupta st abges ägt. In der le idigen Frage der Kolle g-
geldvertei lu ng h at er alle Versuche, etwas gr undsätzlich Besseres
einz uf ühr en, sc hle un igs t a ufge geb en und ei ne n Mo dus e in gef ührt u nd
ged ulde t, d er frag liche n B es tre bun gen T ür u nd T o r ö ff net. U nd
schließlic h ist mir nicht s da rüber bekan nt geworden , daß die se r
Aus sch uß d en wa hn witz ige n Ant rag a u f ei nen Et at von 1 4 Mill ione n,
hat ver hind er n wol le n, od er da ß auc h n ur ei ne s sei ner Mitglieder in
ef fekti ver und nac h auß en i n Er schei n ung tr ete nder We ise ge ge n
diesen Schritt pro testiert hätte , der uns im In - und A uslan d bei
ernsthaften und wichtigen Interessenten außerordentlich geschadet
hat. Nimmt m an noch einige andere Tatsachen auf dem Gebie t d er
Ver walt ung und F ina nz geba ren hi nzu, di e ich hi er ni cht bes ond ers
auf führ en möchte, so ergibt s ich unweig erlich das Ergebnis, daß di e
T .U . im La u fe vo n dr ei J ahr en nic ht d en B e weis er bra cht ha t , d aß sie
die geeig neten Orga ne für e ine A uto no mi e a u f d e m G ebiete der
Fina nze n u nd d er V er w altung besitzt oder aus eigener Kraft zu en t-
wickeln i mstande ist.
Es ist d a her m . E . für di e Z wec ke d es he uti ge n pra kti sche n H and eln s
vol lko mmen z wec klo s, üb er ei ne Auton omie auf dem Gebiete de r
Fina n ze n u nd d er Verw altung zu theoretisieren . M. E. m üßte hier mit
vor übe rge hend en Ma ß nahme n e inge gri ff e n w erden, die je nach der
Ent wic klun g im Verlau fe der Z eit m ehr oder w eniger aufgelo ckert
werd en kö nnte n.
Zu b): Man soll te m eine n, daß m an einer technis chen An stal t di e
Be rufun gen und Le hrp läne a uf ihr en Fac hge bie te n frei ü ber lasse n
kön nte, w enn der fin an zielle Rahm e n f est gegeben ist. A uc h hier für
hat die Er fah rung gezeigt, daß die Verhältn isse in Wirklichkeit anders

96
liegen, als i n w ohl geme int en a b str akten T he or ien a nge no mm en wird .
In d en Lehrp läne n d rän ge n z.B . si ch di e ursp rü ngl ic h et was ni ede r-
gehalten e n Tendenzen der Sp ezialis ten immer wieder hervor, u nd
wen n di e Fakul täte n nic ht z uf äll ig eine gen üge nde Anza hl vo n Pe r-
sönlichke iten mit allgemei nem und pä dago gisc hem Gesichtskreis
auf weise n, s ind d ie Spezialis ten die Stärke ren, zumal sie stets auf den
Be ifall ei ner kurz sic hti ge n In dus trie rec hne n können . Noch bede nk-
licher lie gen die Ver hältnisse auf de m Gebiet de r B eruf un gen. H ier
muß ma n bei Beur tei lu ng d er Umstän de und be i Erw ägung de r an-
zu wend end en Mit tel vo n e ine r e infache n ab er grund lege nd en T ats a-
che ausgehen, daß ein Gremiu m , wel c hes einmal aus irge ndwelchen
Gr ünde n in sei ne r Zusa mm en setz ung a uf das su baltern e Durc h-
schnitts - N ivea u (o de r d arunt er) geko mme n is t, si ch a us e ige ner K raft
hieraus nicht erhe be n ka nn, da es hier zu ge ge n seine eigene Natu r
hand el n müß te; denn alles, was über seinen Ho rizont lie gt, muß ih m
ver däc hti g und feindlich erscheinen. Zur Z eit meine r Berufung waren
sol che und ver wa nd te Gru nd wahr hei ten noc h le be ndi g; ic h be si nne
mic h auf häufi ge Gesp räc he hi er über im klei ne n und klein ste n Kr eise .
Heute bleibt aber nach drei - bis vierjährig er Erfahrung auch de m
me nschenf reun dlichs ten Betrachter n ur die bedauerliche F estst ell ung
übri g, daß das frühe r no ch vor hand en e u nd stets gefährdete Kapita l
auch in dies er Richtung bis auf sch wac he Re ste verl or enge g ange n i st.
Zu c ): B ezü glic h d er B er ufu ngen und Le hrp läne für d ie heute no t-
wendigen all gemeineren Ziele liegt die S ache so krass , daß ich auf
d iesen Gebieten nicht anders kann, als die Mehrzahl der daran bete i-
ligten Pr o fesso re n in Sc hutz z u ne hme n. M an hat i hne n Un mögli c hes
zuge mut et und ihne n d a mit U nrec ht ge ta n. W en n der Le iter eine s
große n Kon zerns von e ine r T o chterfirma, w elche Fachleute für die
Maschine A besi tzt und b ishe r für di e gru ndve rsc hie dene Maschine B
Able hn ung, G lei chg ül t igkeit und Unver stand gezei gt hat, plötzlic h
ver lan gt, d aß s ie sic h a us ei gener Kraft au f die Mas chine B ums te lle n
un d sel bst di e dazu notw en dige n ne uen Le ute hera n hole n soll, s o
macht er eine g roße Torheit, di e ihn d ie St ellu ng ko ste n kan n. G enau
dieses h at ma n un seren Professo re n gege nüb er geta n. I hr e To rhe it
zeigt sic h nicht d arin, daß sie mit der neua rt ige n und ihre K räft e wei t
übe rste ige nde n Auf gab en nic ht fer ti g werden, s ondern darin, daß sie
diese A ufgab e üb erha up t auf sich ge no mme n hab en, na c hde m sie
eine r vo n au ß en an sie herangetragene Versu chu ng hie rz u in dur chau s
natur ge mäß er und vo rau sz usc haue nde r W eise ge fo lgt ware n. Ic h habe
mir erlaubt, i n Kapitel I di eser Niederschrift die bezüglich dies es

97
Punk te s wese ntl ic hen V erhä l tnis se dur ch d ras tisc he B ild er zu b e-
leuc hte n. Ic h ha lte e s da her f ür vo llko m men un sac hge mäß und ir r e-
führ end , i n die ser A ngel ege nhei t d ie Aut ono mie ans prüc he einer
Uni ver sität in d e n Vor de rgr un d zu sc hi ebe n, und d ies auc h na ch de m
z w eit en G r unde.
Die al lgemeineren Erzie hungsans prüche werden h eute mit Recht von
Staat und Gesel lschaft an die Universitäte n gestellt: die Allg emeinheit
kan n es nic ht mehr zul asse n, d aß sich e ine Anz a hl von Fa c hpr ofe s-
sor en nun i mmer zu F achp ro fes sor en und nic hts weite r er zeugt . Die
Vertreter der A llgemeinheit können es sich in dieser Situation g ar
nicht lei sten, d ie no twe ndi ge Ab ke hr vo m B is her ige n de n gl eic he n
Fachprofessoren all ein zu überlassen, die do ch nac h ihr er Natu r aus
de m B ishe ri ge n nic ht herauskommen können; die Vertreter der Al l-
ge m e in heit wür de n Ge fahr la ufen, al lein we gen dieses Cirkelsc hlu s-
ses f r üher oder später ausg elacht zu wer den, von de sse n natur no t-
wend ige n Fo lge n ganz zu sc h weige n. Man neh m e als nahe lie gend es
Beispie l die B esetzung einer Geschi cht sprofes s ur. H ier üb er s oll e i n
Grem ium von 6 o der 15 Spezialiste n für tec h nisc he u nd natur wi s-
senschaftl iche Gebiete entscheiden! Jene Professu r soll weitgehend
aus a llge me inpä dago gi sc hen Rüc ksi chte n be setz t w erden, und ma n
darf doch w ohl heut e noch anne hm en, daß man der Jugen d ge rade auf
di ese m Gebi et d as Fr ische ste und a m weni gste n Rüc kst änd ige vo r-
setz en so llte . Und da rüb er so ll e in Gre miu m ents che ide n, von d em
mindeste ns dreiviertel a uf diese m Gebie t gar nicht frisc h u nd nic h t-
rüc k ständig sein will. Fast jeder neig t dazu, sich für die Krone der
Sch öpfung zu ha lte n, we nn er mit M ühe u nd N ot P rofe ssor auf ei ne m
speziellen Fac hge bie t ge word e n ist. We nn man s olc hen Le ute n nu n
wirklic h zumutet, a llgemeine Aufgab e n vo n de r h ier infr a ge ko m-
men de n Tragwei te aus ei gene r Kra ft zu lö se n, so ni mmt man i hne n die
Balance und verleit et sie zum Größenw ahn .
Zu d ): Auf den G ebi ete n d er For sch ung l ie gen wo hl di e Ve rhä ltn isse
a m e i n fachsten. Aber sehr viel e Professoren forsch e n gar nic ht so viel,
wie man s ic h das d ra uße n vo rs tell t. Di ej eni ge n, di e es t un, be tei lige n
sich a n all geme ine n Fr age n meis ten s a m al ler we nigst e n, und fa st
i mmer l ieg t es so, daß solche Leute, wenn sie ernsthaft sin d, das
not wend ige (u nd mei st er sta unli ch weni ge) Geld von i r gend wo her
be ko mmen, wenn s ie e s nicht vo m Sta at erhalten. Man sieh t also
bereits aus die ser kurzen Dar leg ung einige Haup t tat sa che n und E r-
fa hrungs ergebni ss e, da ß d ie i mpo nier end en und hö ch st wü nsc hen s-

98
wert en e ngl isc hen Einr ic ht u ng en in B ezu g auf v olle Au tono mie und
Sel bstve r walt un g heut e u nd i n näc hster Z uku nft b ei uns nic ht d urc h-
füh rbar s ind. Di e schöns te und „m oderns te“ Ve rfassung würde zu
eine m vo lle n Miß er folg führ e n. Die s is t kei ne will kür liche B ehau p-
tun g. Den n m a n hat 3 1/ 2 Jahr e la ng die Chance ge habt , se hr un g e-
bund en z u hand el n und aufz ub aue n, und da s Er gebni s lie gt vo r un-
ser en Auge n.
In E ngla nd se lbst sind d ie M einu n gen zu dieser Frage dur chaus g e-
tei lt. E in s ehr kl uger E ng länd e r, d er auch b ere its E rfa hru ng en i n de r
Westzone gemacht h atte, s agte mi r einmal etwas f olgendes: „Man
glaub t imme r, di e Prof ess oren w ären klug un d w eise u nd f orts chri t t-
lic h, und d ie Le ute von d en Regi er unge n d ie r üc kschr itt lic hst en I d i-
ot en! Es ka nn aber, verzeihen Sie m eine Off enhe it, auch u mge ke hrt
sein !“ Aus e ine m der deutschen Westlän der stam mt das b ekan nte
Wor t: “Die heutige Fra ge d er d euts che n Ju ge nd u nd ihr er näc hste n
Zuk unft ist e ine Fr age d er Lehrkörper“. L eider wei ß ich ni cht mehr ,
wer der betreffen de M inister war, der den Nag el mit so k ur ze n Wo rt en
auf de n K opf g etroff e n hat .
Und wenn man ge na uer z usie ht , so ist es i m günsti gste n Fa lle nur e ine
T eilwa hrhe it, daß di e de utsc he n Hoc hsc hule n d ur ch N azi s ko rr u m-
piert wären . Sie ließe n es sich m it verblüf f end ger inge m W id er stand
gefa lle n, wie es jeder Kenner de r Verh ältnisse weiß; die A nzahl der
offe ne n P ar tei mit glied er war ga r nicht üb er wiege nd gro ß, un d vo n de n
and ere n si nd die a llermeisten innerlich dieselb en geblieb en. Es ist
heute no ch so, daß unter den älteren Profess oren die überwi e gende
Mehrzahl stolz da rauf ist, d aß sie sich u m nicht fachlic he Dinge
mögli c hst we ni g küm mert und letzten Endes die ganzen neueren
Be stre bun gen a m l iebsten mit schlechten Witzen über die „ Musi ker
und Literaten “ abtu n m ö c hte ( w oz u ih nen ma nche Feh lgri f f e i n den
Bezeichnung en u nd Be rufu ng en no c h ei nen ge wi sse n Gr und zu geb en
sche ine n) , und ein M a nn, d er übe r di ese D inge er nst ha ft und z u-
sa mmenhä n gend red en ka nn, er schei nt i hne n a pr io r i zu m mi nd est en
leicht v erdächtig; w as über ihren Fachhorizont geht ist „ü b ertrieb en
intellekt uell “, u nd d as ist et was s ehr B ed enklic he s, und häu fig ke nne n
sie ni cht de n Unter sc hied z wische n I ntell ige nz und I n t elle ktualität.
Man kann auch lei cht feststellen, daß diejenig en am lautesten nach
voller Autonomie sc hreie n, die a m we nigsten wissen, was das ist; ma n
hat ge hö rt, daß es he ute mit d em Str a mmste he n und Hand auf heb en
ni chts m ehr ist (v orläuf ig!), und f äl lt nun in da s andere Extr em, indem

99
man d emo kra tisc he Se lb stve rwalt u ng mit Wil lkür und Un ge bund e n-
he it verwechselt. Ich glau be hi er an eine allgemeine Kernfrage be-
zügl ich d er Demo kra tie i n De utsc hla nd zu r ühre n, be gnü ge mic h a ber
mit dieser A ndeut un g.
Zusa m menfa sse nd möcht e ic h zur Frage der Auton o mie etw a fo l-
gen d es sage n: Selb st verst änd l ich i st gr öß te Auto no mie a nz ustr ebe n.
Diese ist abe r nur mö glic h, wen n in B ez ug a uf G esc hä ftsfä hig keit ,
Pä da gogik und all ge m e ine s Nive au se hr ho he V ora usse tzu ng en e rfül lt
sind. Hier mit kann man he ute nich t re chne n; e s ist a uc h nich t zu
erwarten , daß in dieser Bezieh ung aus eig ener Kraft eine schn e lle
Be sser ung vo n heu te a uf mo r gen en tsteht. Bis auf weitere s muß also
eine den jew eiligen Verhältnissen sorgfältig angepaßte, taktvolle, aber
fest e Stütze durch st aatliche Organe als no t wendi g und von d er
Hochschul e selbst wünschenswert bezeichnet w er de n. Vo n unve r-
ant wor tlic hen A usschüssen halte ich gar nich ts; bei de r heut ige n
Realität der aller meisten Gremien dieser Art w ürden der ar tige Gr e-
mien fast m it Sic herheit zu weitere n frucht losen Intrige n und sehr
lei cht z u weite rer De mora li sie run g fü hre n. D ie not wend ig en Di nge
müsse n d ur ch P ers önlic hke i ten mit kl aren Vera ntwortlichk eiten
dur ch geführt w erden, die in geeign e ter Weise au f die Staatsbehörde
und d ie T . U. z u vert eile n sind , u m sich i n an stä nd iger, auf gute n
Willen ber u hend er Zus am me narb eit gege nse iti g z um gew ünsc hte n
Ziele hi nau f zu en twickeln . Bestimmte Vorschläge zu m ache n, is t hier
nicht der Ort; ich will nur andeuten, daß vielleicht et was s chnell ohne
viel weitere s Gere de eingeführte vorläufige Verfassung mit einer
festgesetz ten Gültig keit von ei nige n J ahr en e inge fü hrt u nd da nn unte r
Be rücks ic hti gun g der aufla u fend en p rakt isc he n Erfa hr ung z u et was
mehr End gül ti gem e r hob en, e inen nicht aussichtslosen Weg aus der
heut ige n Lage da rste lle n kö nn te.
2.) Der Älteste nr at; Z usa mme nset zu ng de s Le hrkö r p ers
Zu d en P unkte n B) und C) d es vo ri ge n Kapitels ist hier mit d as W e-
sentlich e von dem in dieser Niederschrift Beabsichtigten ausg espr o-
chen.
Zu C) ist noc h nac hz utra gen, d aß a uch d er Ält es te nrat im Her b st 1 947
ein klan glo se s End e ge fu nden hat. Die Ged a nken b ei sei ner Einr ic h-
t ung waren etwa f olgende: Wenn die Hochs chule in erh ö htem Maße
auto no m ist, so ist sie von der Sta atsbehörd e weit entfernt. I rgendei n
Eingr i ff vonseiten der übergeo rdneten Behörde ist d ann sofor t ein

100
außerordent lic h scharfer Sc hritt; Diszipli narverfahre n und dgl. w e r-
de n dann in d en me iste n Fäll en p ra kti sch u nmö glic h. Ei n Kö rp er von
etwa 100 Menschen bra ucht ab er irge nde in re gul ier ende s O rga n; ic h
erinnere an meine Mit teilung in Kapitel I übe r die Studenten , d ie
spontan als bein ahe erstes eine Art Geri c hts barkeit eingerichtet haben
wollten, was ich für e ine erst a unlic h ric hti ge Reg ung a nsa h, be i d eren
Ver wir klic hu ng ic h nur S or ge trug, da ß de r j ugendl ic he Ei fer si ch
ni cht zu str eng un d dogm ati sch auswir kt e. Also e in Or gan f ür r uhige ,
freundschaf tliche Über wachung, Beratun g, Dä mp fu ng, B ewa hru ng
guter T rad iti on und entsp rec he nder Sitt en, f ür V ern unft u nd wo mög-
lich Weish eit. Ich glau be best immt , daß e in guter P sycho lo ge es a ls
symptomatisch bezeichnen würde, daß die Ab sch af f ung die ser Ei n-
rich tung , aus der ma n manc he s entwi ckel n ko nn te, einer der er sten
Schritte i m Herbst 1 947 gewesen ist. Viel d eutlic her ka nn man d en
We g vo n Fre i heit d urch Selb stko ntrolle und Erziehung zu W illkür
und U n gebu nde nhe it ga r nic ht mar kier en. Ic h hab e e s im mer für
bedauerlich g ehalten, daß d er Äl te stenrat d amals nicht selb st Ei n-
spruch erh oben hat; er hätte es tun können, da die Rechtmäßigkeit der
Au fl ösung zum mindesten höchst zweifelhaft war. Man mu ß aber
wo hl bedenken , daß ein so klein es Gremium sich n ur b ei vol lko m-
mene r Ei n mü ti gke it sta r k fühl en konn te, un d daß dies e be rei ts du rch
die Unsicherheit eines Mitgliedes zu gefährden w ar. Einzelheiten über
diese Vorgänge sind m ir nicht b ekann t.
Zu P unkt A) d es vo rige n Ka p ite ls i st ebenfalls das Wesentliche ge-
sagt; al le d iese Di nge hän gen von der Zusammen setz ung d e s Le h r-
kör pers ab. Es w äre ein g roßes Unglück, wenn sich dieser w ieder zu
dem e nt wicke ln würd e, was i n de r P ar teipr esse ein „Hort der Rea k-
tion“ ge nannt wird. In der gleich en Sprache w ürde das „eine fü r den
Ko mmu nis mus g e w on nen e Schlacht“ bedeuten, den man beka nntl ic h
nich t d urc h Sc hi m p fe n sc hwä chen ka nn, sond ern nur da dur ch, d aß
man i hm d urc h rechtzeitig e gesunde und l ebe ndi ge M aßna h men d en
Bo den ent zieht.
3 .) Zur Ve ra llge m einerung der Ziele einer techni sche n Uni ve rsit ät
Zu P unkt D) d es vo rige n Ka p it els, betreff end die scho n im Er ö f f-
nung sbe schl uß vo rge se hene Aus de hnu ng de r Zie le der te chn ischen
Uni ver sität s e rzie hu ng, i st noc h ein ige s nac hz utra gen. Di e Ha up t-
schwieri gkeit liegt hie r m .E . in e iner ge naue n Pr äci sier ung, wa s ma n
eigentlic h will. Ich fo r m uli ere diese Ding e für m ich folg ende rmaßen:

101
Man s oll te d em S tud ente n d azu ve rhe l fen, se ine Pe rsö nlic hke it vol l-
ständiger zu e ntw ickeln, als dies durch ein spezialisiertes Fachst u-
dium gesc he hen ka nn, und gle ichze iti g ei n we rtvo ller es M it glie d vo n
Staat u nd Gesellsch aft zu sein Diese beiden Ziele sind im G runde
dieselben. Dabei ist an erster Stelle zu berüc ksichtige n, daß Staat und
Gesellsc haft in De utsc hla nd vo r d er mit i hre r E xist enz fä hig keit eng
ver knüp fte n Au fga be stehe n, wenigst en s einen Teil der b isher i gen
Rüc kst ändi gkei t ge ge n über d e m po litische n, staatsbür gerlic he n und
sozialen Ni veau des Wes tens zu üb er winde n, der sie schon vo r 1 933
in hohe m Maß e u nd na ch 1 935 in k aum zu überbietender Weise
verfal len waren. Einen anderen Bez irk vo n Bed eut ung mö chte ich
durch die bekannt e T atsach e chara k terisieren, daß z.B. in Patent pr o-
zes sen d ie Jur isten e s dur c hsc hnitt lic h leichter haben, die tech nischen
Ged anke n gänge de s Gut ac hte ns z u ve rste hen als u mgeke hr t; d.h. de n
technischen Köpfen fehlt es an einer klaren beg ri ffl ic hen S chul ung.
Als drittes w äre zu erwähnen, daß seit lang er Zeit die Sc hulbildu ng f ür
unsere ersten S e mester ke ine gen ügend e Gr und la ge lie fert; es besteht
da eine ge wis se Kl uf t, d ere n Üb er br ückung d ur ch Vor - oder Grun d-
semester sei t lan gem ein Wunsch pä dago gi sch d enke nd e r Hoc h-
schullehrer ist . So ergeben si ch unge fähr f olgende drei St off grup pe n:
a) G eschichte, Politik , Staatsbürgertu m , Moral u nd Weltan schauung,
Reli gio n.
b) P hilos op hie, E rke nntni sthe o rie , Sp rac hen, Li ter at ur, K un st.
c) F achli c he Vorb er eitu ng d urc h Ver tie fu ng de r Ke nn tn i sse und
Fähi g keite n bez ügli ch d er mathe mat isc hen B eha ndl ung u nd Be nu t-
zun g der Nat ur wisse nsc ha ften für d ie T ec hni k.
Man s ie ht, d aß hier für da s Sc hla gwo rt „Hu mani smu s “ nicht aus reic ht .
I m En glis che n und Ameri ka nis che n w ürd e ma n et wa vo n „ general
ed uc ation“ sprechen. Ich habe vorgeschl age n, von „V orb er eitun g und
all ge mei ner E rz iehu ng u nd B ild ung “ zu sp re che n. M an sc he in t hie r-
gege n Hemmunge n zu haben, vielleic ht aus z w ei Gründe n: Einmal ist
wo hl de r Ausd ruc k „all ge mein e Bild ung“ he ute star k abgenutzt. Aber
i m Zu sa mme nha ng mi t de n ande ren B egr i ff en erscheint er m ir
durchaus trag bar.
Dan n sc heint ma n sic h z u sc hä men z uz ugebe n, daß an ei ner Uni ve r-
sität er zoge n wird . Ic h ha lte da s für eine ga nz unan geb ra chte S ent i-
mentalität. Ma n brauch t in einer W elt, in welcher es darauf ankommt,
de n Jünge re n de n Rüc ken z u stä rke n, i hnen d ie For mulie r ung, sie

102
wären „Objekte der E rziehu ng“, n icht vor de n Kopf zu bolz en; aber an
der T atsach e, daß sie es sind, ist trotzde m nichts z u ändern ! Umg e-
kehr t si nd auc h die P ro fes soren Objekte der Erziehung . Auch werden
di e Elt ern b eka nntli ch d urc h die Kinder erzogen. Un d ich hal te d en
all mähl ic h imme r s tär ker a uf tau chenden Gedanken, daß in unserer
heut ige n so gena n nte n Kul tur eine adäquate Erziehung der Me nsc he n
übe r 4 0 fast voll stä ndi g fe hlt, und d aß dies eine katas trophale T atsa-
che i st, für unbe din gt ri cht ig u nd wichti g.
Die vo rgesc hla ge ne Be zei chn ung t ri fft zie mli ch gena u d as, wo ru m es
sich hand elt .
Die Punkt e a) und b ) d er vor stehend en kl ei nen Liste si n d insof ern sehr
gefä hrl ic h, als die Ver such ung, üb er die se Di nge i ntell ekt uel l zu
schwatze n, außeror dentlich gr oß ist; die Erfahrung bestät igt dies.
Dur ch ei n ange blic h „ geis ti ges “ und „hu ma nistisches“ Getue der
in fra ge ko m menden Ausschüsse w ird die g esamte Angelegenheit
diskreditie rt, w or an inn erliche Gegner ihre Freu de haben. Solche
Din ge müsse n ta kt vol l und ernsthaft betrieben werden. Wer si e z u
betreiben versu cht, u m per sö nlic he E itel keit e n zu fö rd ern, ohne ih nen
inner li ch ge wac hse n zu sei n, begeht b uc hstäb lic h d ie Sünd e wid er d en
heil ige n Ge ist, die beka nnt lich beson ders abstoße nd is t un d nich t
ver gebe n werd en ka nn. Ic h rü hre hier an p ei nlic hst e Er fahr unge n d er
letzten Z eit. A ber kann m an einen „Lehr kör per “ we ge n des V er sage ns
fü r die außerhalb sein er Ko mpeten zen liegenden Gebiete a) un d b)
Vo r w ür fe mac hen, wen n er sic h nic ht ei nmal imsta nde s ieht, sein
ure ige nste s Geb iet dur ch B etre uun g von c ) in Or dn ung z u br inge n? Es
wäre unerfreul ich.
Da ich mic h hier so wieso ex ponier e, so will ic h auch eine n Einfall
notieren, mit dem ic h viel gespielt habe : Wie wäre es, wen n m an de n
j ungen M en sche n dur ch j e einen P r ote stante n, Katho li ke n, J uden,
Mo ha mmed aner , C hine se n, B udd hist en vo n F or mat ei ne ge wisse
Ken ntni s der wichtigsten religi ö se n Dog men u nd ihr er Ent wic klun g
vermittelte? Es kö nnte sei n, d aß ma n sich i n 5 0 J ahre n wund er n
wür de, wenn e s he ute unte r bli ebe . Ma n könnte ei ne n ehrl iche n
Ko mmu nist en hi nz ufü gen, u nd hochi nte res sant u nd wicht ig wäre e s,
ge wisse mod erne Ps ycho lo ge n da zu absc hli eßend zu hören, die man
all er ding s i n De utsc hla nd he u te no ch i m Wesentlic hen igno riert und
tots chw eigt, w ähren d man berei ts bew ußt oder unbe wuß t vo n ihr en
synt het isc he n Erke nnt ni sse n Geb ra uch ma cht.

103
Für die Real isierun g s olcher Ged a nke n sc hei nt e s h eute immer no ch
be i uns an e ine r gen üge nde n Anz ahl ge eigneter Persönlich k eit e n zu
feh len. Vielleic ht liegt es auc h daran, daß m an sie nicht ri chtig zu
suc hen vers teht od er d aß man vor E xpe ri mente n zur üc ksc h eut. Dies
sollte man nic ht tu n. U nd wenn es nic ht ge nü gend Deut sc he hier für
gib t, d ann ka nn m an gerade heute Kräfte au s dem Ausland heranh o-
len. Freilic h müßte ma n da vo n Abst and neh me n, ur spr üngl ic h vo r-
handene, f a st bereits in ti m zu nen nend e B ezi ehun gen von unab se h-
bare r Wichtigkeit mit p ueriler Le ic ht fer ti gkeit zu zerreißen.
4.) Die Studente n
U m d ie An gele ge nhei te n der Stud ente n hab e ic h mic h se it Her bst
1947 nicht w e sentlic h beküm mert. Ich we iß nur, da ß auch au s der
no t wen d i g ersc he ine nde n „P ro fesso re nhil fe “ f ür da s S tude nte npa r-
lament etc. ein Zerrbild geword en ist. Man hat, so w e it ich orie ntiert
bin, j etzt 4 „S tuden ten professoren“ im Sen at, die von d en Fa kultä ten
ge wählt w er den, also praktisch nichts an deres, als drei anstatt zw ei
Senatoren pro Fakultät. Man sollte so etw as nic ht tun; Niet zsche
wür de sa ge n: „E s rie cht nic ht gut “. Man s oll te über haup t n icht ve r-
gessen, daß die Gesamt heit d er St ude nte n vo n de n Ver häl t niss en e in
Bild hat, das vielleicht in de n Einz el heit en ni cht immer gen üge nd
best imm t und zutre ff end , in d er Grundtendenz aber z we ife llos ric h tig
und ge sünd er ist al s dasj eni ge eines großen T eils des L ehrkörp ers. Ich
finde, daß die Studenten in Anbetracht dess en ein be m erkenswertes
Maß von T a kt, r ücks icht svol le r Zur ück halt u ng und Ged uld ze igen.
5 .) Drei S c hlußa bsc hnitt e von me hr pe r sön l icher A rt
I m Wesentlic hen bin ich am Ende die ser Nieder schrift; eine vol l-
ständ i ge B ehand lun g de r za hlre iche n ber ührt en E inze lt hem en würde
den beab sic htig ten R ahmen e bens o s prenge n wi e di e Auf stellung
kons tr ukti ver Pl äne, die b is ins Einz e lne d urch ged acht s ind . Da s
Letztere i st Sache der da für V er ant w or tl iche n.
Drei ku rze Schlußabschnitte vo n per sönl ic her Ar t seie n mir noc h
ge stat tet.
1. ) De m Leser ka nn nic ht e nt gan ge n sei n, d aß i ch übe r vie le Din ge
Ansic hte n ha be, die man i n D eutsc hla nd auc h he ute no ch vieleror ts
als „doch s e hr frei“ bezeichnen wird. Bin ich etwa ein Kom mun ist?
Man ka nn be ru higt sei n ich b in e s nic ht. Der Grund is t nic ht et w a d er,
daß ich es für U nr ec ht ha lte , we n n sic h je ma nd ehr lic h und char a k-

104
tervoll z u ko mmuni sti sche n Id eale n und Ansc hau unge n beke nnt.
Aber ich habe nicht erke n ne n kön nen, d aß die he ut ige n deut sc hen
Ko mmu nist en ge n ügend vie l e ane rken nun gs fähi ge P er sönl ich keite n
gen ügend e n For mat s b esitzen, und vor a llem bez w e ifl e ich, daß sie f ür
die Z ukunf t genüg en d ko nstr ukt ive und t ra gfä hige Id een u nd Pläne
hab en, d ie ma n unte r d eut sche n Verhältn issen mi t der Aussicht au f
ein en ges unden Erf olg re alis ie re n kö nnte. Abe r ic h will ge rne zu g e-
ste hen, da ß ich die Spaltun g der d eutsc hen Ar bei ter für ei n gro ße s
Unglück h alte, an welchem die ex tre m li nks st ehe nd en m ir d uchau s
nich t d ie al leini ge Sc hul d zu t rage n sc hei nen, daß ich die mißtrauisc he
Kr itik d er e xtre men L in ken a n d en b isher ige n und heu tige n M etho de n
soge na nnte r fü hre nde r Sc hich te n für r ic hti g und gerec htfertigt halte,
und d aß ich mich tr ot z ä uße rste r Abne ig ung ge gen gewalt tätige
Maßnahmen manchmal ähnlich wie der in Kapitel I erw ähn te En g-
länder frage, wie „das alles“ eigentlich in einigermaßen Ordnung
ko mme n soll , oh ne d aß noch e ini ges ze rsc hla gen wird .
2.) M ir ist diese Niederschrif t er ns thaf t gen ug, um a m Schl u ß a n ei ne
Wi dmu ng zu de nke n. Da für ko mme n vo n den Le bend e n die ssel ben
j ungen u nd j ünger en Me nsc he n infr age, dene n me in Zur uf b ei Abga be
meines Rektorats galt, n ä ml ich diej eni gen, die im Mai 1 945 unter
Hu nger und Le bens gef ahr „die toten Menschen u nd T ier e“ vo m
Gelände entf ernten, da m it man wieder eine Hoch schule aufmachen
konn te, un d die v on de m Ne uen er ho ff ten, daß e s de r Katas trophe
weni gste ns d en Anfl ug ei nes Sinn e s geben wü rde. Wege n dies er
Ho ff n ung wer de n sie von ma che n Überklugen verlacht werden, aber
sie können sich da mit trösten, d aß die Men schheit auf solche Gesi n-
nun gen nic ht ve rzi chte n kan n, die auch a n der Wurzel aller ernstha f-
ten B e mühun ge n um Erz ie hung, Unt err icht, Fors chung und der dazu
not wend ige n Ei nric htu nge n li e gen.
Vo n den T o ten möc hte ich He r mann F ött in ger nenne n, mei nen C hef,
Le hrer und Fr eund , d er mich auch s chl ieß lic h nach B er lin g eho lt hat.
Er w ar seinerzeit nach de m damaligen Zentrum Berlin beruf en w o r-
de n, w eil man mit Rech t und späterer Bestät igung vo n se ine r be deu-
tenden u nd s aub er en P ers önlic hkei t ei nen g ünst ige n E in fluß auf die in
Char lot te nbur g st ets etwas gefährdeten Hochschul verhä l tnis se e r-
wartete. Mi t ihm habe ich häufig ü ber die in dieser Ni e derschrift
ange sch nit tene n P ro blem e gesprochen , und ic h gla ube, da ß er heute
mei nen Aus fü hru nge n zustimmen w ürde.

105
3.) Ich sch reibe hier fü r Deutsche, und ich weiß, daß viele vo n meinen
l ie ben La nd sle uten vo r ei ner K rit ik de r ei genen Zustä nd e ei nen he i-
ligen Ho rr or habe n, d er sie da nn ma nch mal z u de m häßl ic hen Ve r-
glei ch d es Krit ike rs mit d e m se in ei gene s Ne st bes ch mutze nd e n Voge l
begeistert. Für so lche mö c hte ich die folge nden Frage n stellen: Sollte
nicht jeder alles dazu tu n, daß das Nest sau ber bleibt od er wird? Ist es
hier zu n icht no t wend ig, de n Inhal t des Nestes zu prüfen und dann zu
entsc he ide n, was d avo n z u be halte n o de r ab zusto ße n is t? Kann ma n
da s nicht a m besten, wenn m an selbst zu de m Neste gehört, es al so m it
seine m I nhal t ge nau ke nnt un d an s eine m gesu nde n Bes te hen d ir ekt
interessier t ist?
Ich bejahe diese Fragen vor mir selbst und habe mich in dieser Nie-
der schr ift b e müht, de ments pr ec hend na c h bes te m W isse n und Kö n-
nen z u hand el n. W ie weit mir da s gel unge n is t, mag nun j ed er Leser ,
der die ihm zu gemutete Ge duld zum Be wältige n dieser vielen b e-
sch riebenen Seiten aufgebracht h at, nach f reier Erwägung s elbst
entsc he ide n.

107
Anhang C: Beschluß über die Wiedereröf f nung der
Technischen Hochsc hule
In e ine r Sit zung v om 12. ds . M ts. w urde unte r T eil nah m e und Z u-
sti m m ung der m aßgeben den Vertreter des englischen Education
Department , d es M a gistr at s und de r T ec hn. Ho c hschu le fol gend es
be schlo sse n und zur Beka nnt gab e an d en A nsc hla gste lle n de r Ho ch-
schule f reige geben :
1.) Die Technis che Hochschule Ber1in - Charlottenb urg wir d wiede r-
er öff net; als Ter m in hierfür ist der 15. März 1946 beabsichtig t.
2.) Die Anm eldung fü r die zuk ünft igen St udent en und H örer ha t bei
der bekannt e n Stelle der Hochschule zu ge sche he n; hi erb ei i st ei n
Fra ge bo gen a usz ufül len, der vo m Mag istr at u nd vo n de r T echn.
Hoch sc hu le im E inve r ständ ni s mit d em E duca tio n Depart ment he r-
aus gegeb e n ist. Der Fra gebo ge n ist ge nau a usz u fülle n und so schne ll
wie möglic h abzug eben , damit die un partei isch e und sorg fä ltige
Pr üfun g nicht verz öger t wir d.
3.) Mel dung en , die n ach dem 1. Fe bruar 19 46 er fol gen, wer de n nic ht
mehr ange no mme n.
4.) Es is t darauf hi nzuarbeiten, daß auf der neueröffneten Techn.
Hoch schule im Laufe nicht allz u langer Zeit fol gende Ge biete b e-
hand elt wer de n, und z war i n voll wer ti gen , jedoch de n kn appen Ve r-
hält nis sen der Gegen wa rt un d nächs ten Zu kunft Rec hnu ng tr agend e n
Um fan g:
Arc hite ktur und Ba uwe sen,
Land wirtschaftliche Ma schine n u. Ei nri cht unge n,
Che misc he I nd ustri e,
Ver kehr s wese n zu La nde , umfa sse nd E isenb a hnen, Kra ftfa h rze uge
u. ä. , Bi nnen - und Küste n schi ff a hrt,
All g e mei ner Ma sc hine nbau i n voll stä ndige m U mfa ng, einschließ lich
We rkze ugma schi ne n und Betriebslehre, Elektrotech nik i nc l. Fe rn-
meldetechnik;
f erner die Grundf äc her, Math ematik und darstellende Geometrie,
Mec han ik, P hysi k, Che mie.
Die Fakult ät f ür Bergbau und Hüt te nwese n ko mmt bi s auf w eite res in
Fortfall; do ch sollen die für das Hüttenwesen erforderlichen Vor l e-
sunge n, Übun ge n etc . im Ra hme n der Fakultät I abgehal ten w er de n. –
Die Wirtschaftsw is sensch aften werden als zur Technischen H och-

108
sch ule ge hö rig a ner ka nnt; do c h wir d ihr e A usges ta lt ung für die neue n
Verhältnisse in persönlicher und sachlicher Beziehung noch e inige
Zeit i n Ansp ruc h nehm en, s o daß über de ren Neu be gi nn noch we iter e
Mitteilungen abzuwarten sind.
5.) Die Wiedereröf fnun g zum 1. März 1946 s oll so gesc hehe n, d aß
von d e m vor stehe nd a nged eut et en Pr ogr amm so schne ll wie mög lic h
alles ver wirklicht wird, was unte r den heutige n Verhältn issen in b ezug
auf Räuml ic hkei te n, E inric ht unge n, Lehr pe rso nal et c. e r mö glic ht
werd en kan n. G ena uer e Mi tte il unge n hi e rüber w erden i m Laufe d er
Zeit h erausgegeben w erden.
6.) D ie Zw ische nzeit soll durch Fo rtsetz un g de r V orkur se a usge füll t
wer de n; we n n irge nd mögl ic h, si nd d iese in de n näc hste n Mona ten
dur ch So nde rkur se üb er Gesc hich te, Po liti k, Kult ur u nd Sp ra chen zu
er gänze n.
7.) Für d ie Zuk unft ist eine Er w eiter u ng der Lehrgebiete in der A l l-
ge m e ine n Fa kul tät, na ch Mö g lic hkei t für alle St ud ente n, vo r gese hen,
die s ich auf Angel egenhe iten der Ph ilos ophie, der Erk enntn iskri tik,
der Geschichte, der Politik und sonstiger s peziel ler und allgem einer
Kulturbezirke erst recken soll.
8. ) Für die je nige n St ude nte n, d ie un mit tel bar vor de m Exa m en ste he n
und z .B . hier für fa st n ur no ch Reche n - und Z eichenarbeiten zu Hau se
ausz u führe n hab en, ka nn di e T .H. ihre T ätigkeit sofort b e gin ne n,
wo bei d ie Betreff enden nach Möglichkeit gef ördert werden sollen.
Entsprechendes gilt bei Kandidaten für Dr. - Arbeiten.
Ber lin - C harl otten burg, den 14. Dez embe r 1945.
Der ko mm. R ekt or : i. V. ge z. K ucha rsk i
NB: Vo m Educatio n & R. A. Section und vo m Ma gistrat a nerka nn t.
D.O.

109
Anhang D: Überset zung einer Rede ,
gehalten v om General Offi cer Co mmanding British
Troops Berlin bei der Gelegenheit der Eröf f nung der
Technischen Hochsc hule B er lin-C harlottenbur g, die
von jetzt ab den Tite l Technische U niversität Ber-
lin-Ch ar lottenburg tragen soll 19
Seh r verehrter H err Rekt or!
Sehr v ere hrter Herr Oberbürgerm eister!
Mei ne se hr ge e hrten D a men u nd H err en!
Eini ge B eka nnte vo n mir hab en i hre V er wund eru ng z um Ausdr uc k
geb rac ht, d aß die b riti schen und de utsc he n Be hörd en, dene n die ses
Haus unte rste ht, kei ne gro ßa rti gere Er ö ff nun gsfei er ge pla nt ha be n,
d i e me h r und längere Reden sowie festlichere und kostspieligere
Unte rha ltu nge n vo rsi e ht. U nd ich hab e ste ts gea ntwo rte t, d aß das ga nz
gege n de n Gei st wäre, in dem Sie Ih re Arbeit beg inne n wollen. Sie
be ginne n in e ine m zerstörten Gebäu de mit wenig Einr icht u ngen u nd
keine n Anne h mlic h ke ite n, u nd d er We g vor I hnen is t l ang und
schwer, Ih re Aufg abe be steht im langs amen Wi ederauf bau un d in de r
auf mer ksa men H inga be an d ie Gr undsä tze , nac h d e nen Sie Ihre Arbeit
ausr ic hten so lle n. U nd dar um freue ich mich, daß es gerade ein e
schlichte Feier, i m Einklan g m it dem E rnst und der V erantw ortu ng
Ih rer A ufgabe ist, bei der ich Ihn en die offizielle G e nehm igung der
Briti schen Mil itärregierun g zur Eröff nu n g erteilen darf. Wir brauchen
keine gro ßar tige n Feie rlic hke it en und t öne nde n Red ens art en; vie l-
mehr bra uc hen wir er nste und be schei dene Arbeit und den Geist der
schli cht e n Hi ngabe an d ie Arbeit des Wiederaufbaus dieser Ho c h-
schule n ach ric ht igen Grundsätzen . W as sind nun diese richtigen
Grundsätz e. In er ster Li nie meine ic h, so llte die Schule der Hor t ein er
echten Erzie hung werd en ni cht n ur e s tec hn isc hen W is sens. Die
br itisc he n Be hörd en hab en ni cht ver ge sse n, d aß d ie Ber line r T echn i-
19 Die vor lieg ende Über set zung sta mmt von Mr . Cre ight on vom Edu ca tion
Depart ment

110
sche Hochschul e w esentliche Beiträge zum Kriegs potential Ihres
L and es ge li efer t ha t und ei ne de r Stüt zen d er tec hni sc hen E ntwic k-
lun g je ner un ge heure n Kr ieg s m a schi ne war, die Hitl er z ur Unt e r-
dr ücku ng and er er V ölke r und zur Dur chset zu ng de s de utsc hen W i l-
lens, wi e er ih n au ff aßte, brauchte, w obei er s ich über al le Rechte und
Wünsc he der üb r igen Welt hinwe gsetzte. Die vier gr oß en Ve rb ünd e-
ten R ußl and, Fra nk reich, d ie Verein igten S taaten und
Groß - B rita nnie n, hab en ge sc hwor en, d aß ein e solche Kriegsm aschine
nie wieder ersteh en darf, und w ir werden dies e s Vers prechen halten.
Aber wir , d ie B rit isc hen Behö rd en, sind nic ht der Ansicht, daß
Deut sc hla nd u nd se ine tech ni sche E rz ieh ung not wend ig si ch d iese n
Ziele n hi ngeb e n muß . W äre das s o, wür de n wir Ih nen he ute ni c ht
gestatten , wieder mit der Ar beit anzuf a ngen . Als wir zuerst nach
Deut sc hla nd ka men, sagte n wir gl eic h, da ß, o b w o hl wir a ls Sie ger
ka m e n, wir nich t als Unter dr ücker kä men, und d ar um sch enk e n wir
Ihne n Ve r trauen u nd die Mögli chkeit zu beweisen, daß deuts c he
Wisse nscha ft u nd T e chni k in de n Die nst kult ur elle r und a uf ba uende r
Friedensziel e gestellt w erden kann. Soll te jemals unser Vertrau en
mi ßbrauc ht w erden , dann m üß ten wir e s alle rd ings zur üc kzi ehe n und
müßte n a uch z eige n, d aß wir w irklich als Sie ger im Namen des
Fri ede ns ge ko mmen s ind .
Dies ist ein e Warnu ng . A ber i ch bin sicher, daß wi r keinen Gebrauch
von i hr we rde n mac he n müs se n. I hr Rekt or und der Sena t so wie de r
Magi st rat d er Stad t Be rlin wis sen s ehr gena u, w a s vo n die ser Schul e
im In teresse der Menschheit für die Z ukunft gefordert w ird , Aus
die sem Grun de und im Einvers tän dnis mi t al le n zu stä nd igen d eu t-
sche n B ehör de n hab en sie i hr ei nen ne ue n Na men ge ge ben d ie
Technisch e Uni vers ität zu Berlin. Die alte Techn ische Hochschule ist
tot und an ihre r Stelle erste ht eine ne ue Institution mit neue n Ziele n.
Der Sinn dieses Namenwechsels is t einfach, aber von g rößter Be-
deu tung. Sie s ollt en vo n i hm le rnen, da ß je de Er zie hung, techni sc h,
hum a nis ti sch o de r was i mmer , univer sa l sei n muß , d .h. sie muß d en
ganze n M ens che n, die ganz e Pe rsö nlich keit ange he n, u nd i hr e er ste
Aufgabe is t die H er anbi ld ung eine s Me nsc he n im vo lle n Sin ne, der in
der Lage is t, eine verantwortliche Stellung im Leben nebe n sei nen
Mit mensc he n ei nzune h me n. Er st in z weit er Li nie ko mmt die Au s-
bi ldun g zu ei nem g ute n P hilo lo gen, e ine m gute n Archi te kte n, ei nem
gute n M usi ker o de r ei nem guten Ingenieur. Wo aber die Erzieh un g
di e Bi ldung d er ganze n Pe rsö n lichkeit nicht fördert, hat sie ihren

111
Zwec k ver fe hlt, u nd i hre n Zwec k so ll d iese Technische Un iversität
nich t ver fe hlen, S ie kö nnen hi erhe r nic ht n ur die tec hnische. Seite
Ihr es W esens mitb ri nge n und da s Üb rige Ihre r Per sönl ichkei t d ra ußen
lasse n o d er mit H ut u nd M a nte l an d e n Ha ken h ä ngen. Sie müs sen
alles, was Sie h abe n, zur Arb eit m itbr ingen: Ihre Lieb e z ur K unst,
Ihr en Gla ube n, I hre Lebe ns anschau ung oder w as es auc h s ein mag,
ebenso w ie Ihre technis c hen Fähigkeiten , und sie müss en alles dies
zusa m men mit I hrer tec h nisc hen Arb eit hie r zur E ntwic kl ung ko m-
men las sen d ur ch I hr Z usa mmen leb en mit I hre n Lehr er n und Mi t-
stud ent en.
Die größ te Liebe Ihres Rektors, zum Beispiel, ist die zur M usik, und
ich bin überzeugt, daß er das, w a s er von Bach hat, ins Laboratorium
mitb rin gt und i n sei n Zu sa mmenl ebe n mit Ih nen.
Diese U niversalität i st notwen dig in der Er ziehung, den n nur auf die se
Weise bekommt de r Me nsch d as Ve rant wort ung sge füh l, und nur
dur ch Vera ntwortlic hkeit kann Fre iheit, Friede u nd Gerechti gkeit –
und d as heißt das Glück aller Menschen – ge währ lei stet w er den. Jene
T echni ker und es ware n nic ht weni ge – , die sich berei t fa nd en, ihre
tec hnisc he Fä hig ke it en i n den Die nst vo n Hitl er s Kr ieg sma schi ne z u
stellen, o hne sich d ie Fol gen zu üb erl e gen, ware n o hne V e rant wo r-
tungsgef ühl. Hätte n sie sich z uerst gefragt: „Was wird m a n mit m einer
Ent decku ng anfang en? Wozu w ird d iese Maschine, die ich bauen
kan n , verwendet werden? Wie ist i hr Ver hält ni s zu m ganz e n Lebe n
der Men schheit? “ – , dan n hätten die ech ten, ve ra nt wort un gsb e wußten
Männe r unte r ih ne n a nerke nn en mü sse n, d aß das Zi e l ungerecht war
und d ie V erd re hu ng ihr er Er find ung skr aft d arstellte. Natur w isse n-
scha ft u nd T ec hnik kön ne n und müsse n d er Förd erung d es Fri ed ens
und d er Kultur de r Me nsch hei t ge wid m et sei n, u nd nur wo i hre A n-
wendun g in aller Verant w or tlichkeit geschie ht, ist dies mögl ic h,
Verant wortlichkeit ist der Grundstei n, der De mokratie. Denn De m o-
kratie heiß t nicht, da ß jed er alles beko mmt, was er will, oder d aß j ede r
frei ist, a lles zu tu n, was i hm belieb t; son dern Demokratie bedeu tet,
daß die An sprüche des Einzelnen und der Gemeins c haft i n der W eis e
gege nei nand er ausge wo gen we rde n, d aß der Einz el ne das Höch stmaß
an persönlic her Frei heit erhäl t, das sic h mit R ücksicht a uf die G e-
mei nsc haft und ihre Wohlfah rt vertrete n läßt. Jede r E inze lne wird
nach s einer Mei nun g ge frag t, und sei ne Wü nsc he w er de n inso wei t
respektier t, als sie de m Ge m e inwohl nicht en tge gens te hen, Der Ein-
zel mensc h ist da s kost bar e und we sentl iche E lement im Auf bau der

112
Gesellsc haft, Aber die Ansp rü c he de s Einz e lne n sind de nen d er G e-
mei nsc haft unte rgeo rd net, und w o bei de in Kon fl ikt ko mmen, muß
der Einz elne frei willig aus se inem eige ne n Verantw ortungs bewuß t-
sein herau s das Wohl der Gemeinschaft dem eige nen vor anse tze n.
Doch darf die Gemeinschaft niemals so übe rwie ge nde Anspr üc he
stellen, d aß die Freiheit d es Einzel nen völlig vernichte t wird. So ist
also, d ie ideale De mokratie e i ne Ge sellsc ha ft vo ll e nt wic kel ter, wohl
aus geb ilde ter Einz el mensc he n, die fähi g sind , se lbs tä ndig z u d enken,
selbstän dig zu sein und Verantwortung zu übernehmen, die aber a u s
freiem Wille n bereit si nd, dem Inte res se der, Gemeins c haft den Vo r-
ra ng zu ge be n, wenn es mi t dem ihr e n in Ko nfl ikt gerä t. D as kan n nur
do rt ge sche hen, wo Me nsc hen s ich für ihr e Ha nd lunge n ve ra ntwor t-
lich wisse n, und wo sie and er en da s Rec ht z uges te hen, and ers z u
de nken a ls sie se lbe r. J e mehr Si e sich hie r nic ht nur d er E ntwic kl un g
von bloßen Tech nike rn, so nd er n von ve rant wor tlic he n Per sö nlic h-
keit en widme n, dest o mehr wer de n Sie d en Fr ied en und da s Glück d er
Mens che n fö rd ern, und desto m ehr werden Sie auch die Ab sic hte n de r
br itisc he n und d eut sc h en Behörden, die bei dies er Eröff nung ge hol fe n
hab en, e rf ülle n.
Sie sind au s pr akti sche n Gr ün de n gez wun gen, kl ei n anz ufan gen. Abe r
auf Gru nd vo n Ve re inba ru ng en z wisc hen d en vier Alli ier te n soll en
alle Instit utio ne n der höhe re n Wi ssen scha ft al le n Zo nen D eu tschla nd s
ge m ein sam diene n, und so betr achten wir Sie nic ht a ls e ine T ec hn i-
sche Uni versi tä t für Be rli n al le in. Auf I hne n li egt die Ver an t w or t ung,
Schüler in I hr ga nze s La nd hina usz usc hic ke n, di e sic h nich t nur
frage n: „Kan n ich eine gute Arbeit leisten? “, sonde rn „Wird sie auch
eine r g uten Sa che die ne n?“. Die B ed ürfni sse D e utsc hla nds i n der
Zuk unft wer de n a nder s se in a ls b ishe r, und I hr e Le hrp läne werd en den
No twend ig keite n a nge paß t werden, die sich aus den z w ischen den
vier Mächten vereinbarten Vo rschr ifte n f ür Le be n und I nd ustri e i n
Deut sc hla nd er geb en. D ie Za hl d er Stud ente n Ihr es I nsti tu tes wird
nach d ies em G es ic htsp unkt g ere gelt werden, denn das Schlimmste,
was pass ier en kö nnte, wär e, Deutsc hla nd w ieder mit einer Flut von
Fac hkr äfte n z u über sc hwe mme n, f ür di e kei ne Ar bei t vor ha nden se i n
würde. Wir s i nd da v on überzeugt, daß die Stu denten, d ie Sie hier
ausbilden , in ganz Deutschland zum Wiederaufbau Ihres zertrü m-
mer ten Land es u nd z ur Fö rd erung e iner fri edl iche n W irt scha ft in allen
Lä nder n ver we ndet werd en kö nnen. An er ster Ste lle sol lte bei Ihre r
Arb e it Arc hi te ktur u nd Baukunst so wie die land wirtschaftl iche Fo r-
schung s tehe n, dam it Sie Ihre St ädte w ieder aufbauen und si ch selbst

113
ver sor gen kö nne n. Ich b etr achte a m l i ebsten diese Technische Un i-
ver sit ät vo n Berlin als dem Wieder auf bau eines Deutschland gewi d-
met, i n d em f reie, demokratische Mens chen leben können, die die
Recht e a nderer achte n u nd in Fr ied en mi t ihre n N achb arn l eb en.
Eine große Aufgabe erwartet Sie, w enn Sie dies erreichen wo llen , und
Sie kön nen sie nur e rf ülle n, wenn Sie den G ru ndsä tze n de r Wa hrheit
und der wahren Demokratie treu bleiben, Lassen Sie sich nicht durch
persönlich e Dif f er enze n d azu ve rle ite n, si ch d e m Die nst a m G e-
me i n wo h l z u ver sage n. Achten Si e das Recht Ihrer Mitmenschen,
anderer Mei nun g zu sei n, auc h wen n sie s ic h den sel b en Zielen w i d-
men . Seien Sie ver schi ede na rtige Men sc hen, oh ne sic h z u entz weie n.
Geben Sie Ihre eigene Individ ualität nicht gä nzlich a uf in blinde m
Geho rsa m z u ei ner küns tli che n E inhe it, d ie kei ne R üc ksic ht auf I hre
persönlich e Verantwortung nimmt, sondern seien Sie eine Gesel l-
scha ft vo n frei en, ver ant wortl ic hen Me nsc hen, von d ene n j eder seine
persönlich e Freiheit wahrt, aber auch aus f reie m Willen das W ohlsein
de r Ge meinsc ha ft vo r da s Wohl sei n de s Einz el nen ste ll t. Un d d enke n
Sie daran, daß die Gem einschaft n icht ein Vo lk oder eine Klass e von
Menschen ist , so ndern die g anze Welt mit all ihre n Me ns chen und
Nat ione n.
Im Geist e die ser Gedank en er kläre ich hiermit Ihre Technische Un i-
versität für er öff net. Ich fr e ue mic h, hi er a uf d er T rib üne den H er rn
Oberbürgermeister der Stadt Berlin, Ihren R ektor, Professor K u-
char ski , A bteilung Volksbi ldung beim Magistra t be grüße n z u dür fen;
darüber hinaus h eiße ich alle Gäste im Saal, die gekommen sind ,
Ihne n zu I hr e m Arbe its begi n n ihre g uten W ün sche e nt geg enzub ri n-
gen, he rz lic h wil l ko mme n . Ich b in sic he r, d aß sie I hnen al len ei ne n
gute n Anfa ng und ei ne fruc htb are For tse tzu ng I hrer Arbe it wüns che n,
ebenso w ie i ch i m Na men Gr o ß - Br ita nnie ns Ih nen vo n He rz en de n
besten Erf ol g w üns che .

115
Anhang E: Antwor t des Rektors Professor
W. Kucharski
Sehr v ere hrter Herr General!
Ihr e W ort e habe n eine n star ke n Ei ndruc k a uf mic h ge macht , und ic h
glaub e, nie mand i n die se m Sa al kann sic h di ese m Ei ndr uc k e ntzie hen.
Es w are n Worte der Kraft un d der Freundlichkeit , des Vertra uens un d
der Weisheit. Vieles hab en S ie uns hi erd urc h ge geb en, u nd i ch mö c hte
mir ge st atte n, z u e ini gen d er vo n Ihne n be rü hrte n Pu nkte no ch k urz z u
spr eche n, o hne da mit d en übri gen I nha lt I hrer A nspr ache al s w e ni ger
wic hti g bez eic hne n zu wolle n.
Eine n e ue Hochschul e ist eröff net w orden! S cho n i n nor m alen F ri e-
denszeiten war das ein erfreulicher und wichtiger Vorgang; denn es
gib t doch kau m etw as Sc höneres und Bedeuten deres, a ls eine neu e
Anstalt i ns Leben z u r ufe n, i n welc he r di e Ält ere n vo n de m B este n
und Sc hö nste n, was sie im Leben gel ern t und er fahre n ha ben, d as
Geeignete an die jun ge n Me nsc hen weit erge be n, wod ur ch di ese
unter ric hte t und ent wi ckel t werden und gleic hzeitig das W ertvollste
de r Me nsc hheit vo n Ge ner ati o n z u Ge nera tio n weite rget ra ge n wir d. I n
he utiger Zeit vollend s ist die Be d e utung e iner sol che n Neueröff nung
kau m z u übe rsc hätze n, und es ist m ir, als w enn wir hi erbei n och
wieder ei n Stüc kc hen weit er a us de m äuß er en und i nner en S chla mm
her vorkr iec he n u nd, d ie Auge n b lan krei bend , fe ststelle n kö nnen, da ß
di e So nne do ch no ch s c heinen kann . Hierbei se hen und f ühl en wir e s
auch ern eut und in besonders s charfer Weise, daß zu dem Best en und
Notw endig en, wa s wir a n ei ne r so lche n Ho chschule z u p fleg en ha be n,
nicht nur das rein e Fachwissen gehört, und daß zu den tiefs te n
Gr ünde n u nserer Katastrophe vi elleicht die Tatsache geh ört, daß d ie
übe r w ie ge nde Anzahl der ma ß ge b ende n Pe rsö nlic hke ite n i m Gr un de
nur ha lb e Me nsc hen ware n, ind e m sie vo n de n vie len me nsc hlic he n
Eige nsc haft en n ur di ej enige n p fl egte n u nd zur E ntwi ckl u ng ko mme n
lie ße n, d ie ga nz e ng mit i hrem s o gena nnte n Fa ch z u t un h atte n. U nd
so freuen wir u ns darüber, daß w ir Gel e genh eit haben werden, im
La ufe der Zeit in der angedeuteten R ichtung viel weiter zu geh e n al s
früh er;
unser Bestreben w ird darauf geri chtet sein, m ö gli c hs t allseitige,
ha r mo ni sc h, e nt wicke lte P er sö nlic hke ite n he ranz ub ild en. Auc h di e
Kunst wird hie rbe i von gr öß ter Bed eutun g sei n, und von d iese r w i e-

116
derum au ch die M u sik, die Sie, Herr General, in reizen der Lieben s-
würdigkeit als eines m ei ner pe rsö nliche n St ec ke npfer de er wä hnt
haben. Wir werden sie nicht in un ser en Lehr pla n a uf nehmen, aber w ir
werden sie pfl ege n, und vi ele unter uns stehe n i hr na he. Dab e i ke nne n
wir aber auch die Gefahren, in die m an bei u ngesun dem Kunsttrei be n
geraten kann, un d die besonders bei d er Musik d ahe r ko mmen kö n-
nen, daß ma n in se ine n e ige nen Ge fühle n h er umwühl t, ans tatt sich
von i hne n gesta l tend zu be fre ien, und da ß man sic h vo r d en ra uhen
Wirklich keiten des Lebens ve rkriecht, a nstat t sic h für die ses z u stä r-
ken, Ge fahr en, d ie beso nde rs i n unse rem deut sc hen Vo lk l e icht a u f-
tre ten u nd i hre d eutl ic h mer kb are Wi rkun g in der ges chichtlichen
Ver gan genhe i t ge habt habe n.
Sie haben , Herr General, w eiterhin der neu en Hochschule den n eu en
Na men „Te chni sche U niver si tä t“ ge geb en. W ir fre ue n u ns d arüb er ,
daß Sie die Güte h atten, diesem Vorschl ag z uzustimmen , de n ich zur
Er füllu ng al te r P läne , Wün sch e und Ged an ken vo rl egt e. D ie Neuhe it
des Nam ens drü ckt a us, daß w ir der Zu kunf t n ic ht mit sämtliche m
alten Ge p äck e ntge genz u gehe n br auche n, sond ern d aß di e Tür en für
eine n ne ue n Geist geöff net si nd . Und dur c h die Be zei chnung „ Un i-
versität“ wird un mißverständlich daran erinnert, daß eben unsere
heut ige n Be str ebu nge n au f die universitas humanitati s gerichtet s ind,
auf die Allge mein heit, die Allseitigk eit der Mens c hlic hkeit. Man hat
von ve rei nzel ten S tell en her Kriti k geü bt und beh aupt et, daß die
uni versi ta s dur ch d ie Hinz uf ügu ng des Beiwortes Technik eing e-
schränkt würde, daß also der neue Name eine n i nne ren W i der sp ruch
in sich trage. I ch halte diese Kr itik nicht für richtig. Vielmehr sehe ich
als Ingenieu r die Sache eher derart, daß m an, ger ade vo n de r T e chnik
her ko mmend , den Weg in das Allgemeinere be sonde rs leicht finden
kan n. De nn wir In ge nie ure fass en T e chnik nic ht i n dem s chemat i-
schen Sinn auf, der heute lei d er w eit verb reitet ist, und n ach d em es
sich da bei um fas t leblose Angelege nheite n der N ützlichkei t handelt;
nein , wir fühlen uns als Ingenieure bei aller Bescheidenheit m it d en
Kü nstl er n ve r wand t und seh en d as sc haf fe nde E le ment i n u nsere r
Tä tigkeit als e t was ga nz W ic hti ges un d B edeu tung svoll es an. Wir
brin ge n als o vo n vo rnher ei n in u nser e Ausb ild ung, i n u nse re H och-
schule, in unse re T ät igkei t nic ht n ur d en a uf da s N ützl iche g eri chte te n
Verstand m it, sondern in weite m Maße auch die andere für den
Mens che n s o wic h tige Funktion , das aus dem Un bewußt en herau s
scha ff e nde Int uiti ve. Von N at ur aus sind wir da her für ei ne al lg e-
meinere Entwicklung unserer Per sönlich keiten vorb ereitet; und

117
hier mit hän gt e s zus am men, d a ß w ir uns üb er unse ren ne uen N a men
ganz bes o nders freue n.
Und schlie ßli c h möc hte i ch no ch ei ns aus Ihrer Ansprache hervo r-
he ben, sehr vereh rter Herr Ge neral, und viell eicht han delt es sich jetzt
um da s Wichtigs te und T ief ste. S ie zeigen uns Vertrauen. Und
glei chz eiti g ge b en Sie uns die Mö glichk e it einer Rehabil itation g e-
gen über Ihr e m La nd und der übr ige n Welt , aber auc h, und das w ollen
wir nic ht ve r gesse n, u ns selbst gegenüber. Gerade w eil dies er P unkt
so wichtig ist, mö chte i c h hi erz u kein weite res W or t hinz ufü gen, u m
de n Eind ruck a uf j ed en, d er no ch a nst ändi g u nd ger ad lini g fühle n
kan n, nic ht z u b eeint räc hti gen .
Der Schlichtheit und Kürze dieser Feier entsprechend, die wi r T ec h-
nik er besonders zu sch ätzen w issen, komme ich jetzt zu m Schluß
meiner Worte. Da m ö cht e ic h vo r all e m me ine n a ufri cht ige n Da nk
nach v ielen Seiten hin auss pr echen, zun äc hs t an Sie, s ehr verehrter
Herr General, daß S ie hie rher zu uns ge ko mme n sind , in d er s chöne n
und e ind ruc ks voll en W ei se zu u ns s pra che n und uns di e erw äh nt en
Ges che nke üb er ga b en; d ann a n Ihr Ed uca tion Sec tio n und hier vo n
persönlich a n die Her ren Cre i ghto n, Mi dd leto n und Li nds a y, de ren
Arbeit mit uns zusammen nic ht n ur d e m U mfa ng, so nd ern auch d er
Art na ch wei t über eine ko n tr oll ier ende T ätigke it hina usg ing, und vo n
de nen wir A nreg unge n und Ein fl üsse von sa chl ic her u nd p e r sönl ic her
Art erh alten haben, die zu dem Wer tvol lste n ge hör en, was ich b isher
in m ei ne m Leb en er fu hr. E benso freue ic h mic h, m ei nen D a nk de m
Herrn Oberbürgermeister der Stadt Berlin un d deren Magistrat au s-
spr eche n z u kö nnen, o hne d ere n ständ i ge und ve rst ä nd nisvollste
För de rung u n d auf opfern de Mita rbeit di e Vorbere itu ngen fü r den
heut ige n T ag und d ie Zuk unf t u nmö glic h ge we sen wär en, und mi t
de nen eb e nfal ls e ine har moni s che Zusa m menar be it a uf d er Basi s des
gege nse iti gen V ert ra uen s und d er l oyalst en p er sönli c he n Beziehu n-
gen e nt stand e n ist, der en T ra gfäh ig keit für di e Zuk un ft auß e r Zweifel
steht . Auc h al l en Anwesenden in diesem Saal mö ch te ic h für ihr
Er schei nen z u die se m hist or isc hen Mo me nt und für ihr e Ant eilna h me
aufri c htig d an ken.
Zu m A bs chl uß m ö chte ic h Ih nen, sehr verehrter Herr General, ein
Ver spr ec hen ge ben. I ch b in Inge nie ur , be vorzuge gerade bei den
wic hti gs te n Di nge n ei ne kur ze und klar e Ausd ruck swe ise und bin
da ran ge wöh nt, bei einem Versprechen, das ich abg ebe, auch nur das
zu ver spr ec hen, wa s i c h w ir kli ch ha lte n kan n. Da her kan n ich z u-

118
sa mme n mit de n a n d eren m a ßg ebend en P er sönl ic hkei ten d er Ho c h-
sch ule nic ht versp re che n, d aß wir Ihr e und unse re W ünsc he vo ll
er fülle n wer de n den n di e Er füll un g hä ngt n icht nur von uns sch w a-
chen Menschen ab, sondern auc h vo n Kräfte n, die stär ker sind als wir
alle. Wohl aber kann ich versprechen, un d das v erspre che ich, daß w ir
alles t un werd en, was i n u nse ren sc hwac he n Me nsc hen krä fte n ste ht,
um d as u ns ge sc hen kte V ert r auen nic ht zu e nttä usc he n, und von
de m j eni ge n, w a s Sie und wir ho ffe n und wünsc he n, das Mensche n-
mögli c he z u ver wir klic hen.

119
Anhang F: Technis che Universität –
Universitas Litterar um?
Absc hri ft e ine s Art ike ls von P ro fesso r W . Kuc hars ki i n de r Ze itsc hri ft
Blick i n die Wis senschaft, 1 . Jg., Heft 3, März 1948, S . 98 – 100. Die
im Original enthaltenen 9 Bilder zeigen Ansi cht en d er T echnis che n
Hoch sc hule n Aac he n, B er lin , B raunsc h wei g, Da rms tad t, Dre sde n,
Han nove r, Kar lsru he, Münc he n u nd St utt gar t, we rden aber hier nicht
wied erge ge ben.
Die neue Anstalt, welche am 9 . April 1946 an Stel le der früheren
T echni sche n Ho chsc hul e Cha r lot tenb urg er öf fnet wurd e, erhie lt a uf
An regung des Verf assers den neuen Namen „Technisch e Universität
Ber lin – C harl otten burg“. D ie Ei nfüh rung die ser in De uts chl and bi sher
nich t üb li chen Bezeichnung h atte Grün de verschiedener Art: Rein
pr aktis ch und äußerlich gesehen er gab si ch die Möglich keit einer
unmittelb ar verstä nd lic hen Üb er setz ung i n sä mtl iche he ut e für uns
ma ßgeben den f remden Spra chen ; ferner wurde da m it ein al ter
Wunsc h ma nch e r Kreise er füllt, inde m die seit la ngem be stehende
oder angestrebte Glei c hberecht igung mit den ä lte ren U nive rsit äte n
nun a uch i m o ffizi elle n Na me n zu m Au s dr uck ka m. Aber der
Hauptgr und lag tiefer. Es sollte bereits d urch den neue n Na men
de utlic h in E rsc hei nu ng t rete n, daß nich t ein „Wiederaufbau“ alter
Inst itut io nen b eab sic hti gt, so nder n di e No twe ndi gke it ei ne s „Ne u-
ba us“ i ns Be wu ßtse in d er ver ant wo rtli c he n Pe rsö nli chke ite n ge tre ten
war. An d ie se t ie fere Be deut un g des ne ue n Na me ns k nüp fte n sic h
b ald zahlrei ch e Auseinandersetzungen , und je ne an sche i nend g e-
ringfü gige Maßnahme gab der später deutlich h ervor treten den
Sch eidung der Geist er verh ä ltnismäßig früh einen zunächst schwa-
chen aber doch sch on klar er kennb are n A nsatz p unkt. Inz wis che n sind
die hier m i t aufge wo r fe ne n Aufga ben u nd Fr age n mit stä nd ig wac h-
sender Intens ität aktuell geworden , un d da der V erfa sse r in de r b e-
sond er s krit isc he n Vor be rei tun gsze it un d im V erlauf de r ers ten 1 1/2
Jahre der neuen A nstalt an al len wese ntlic he n Ma ßna h men u nmi t-
tel bar und ve ra ntwortlic h beteiligt war , gl aubt e er sic h de m W unsc he
der Redaktion dies er Zeitschrift n ach ei ner kur ze n Darle gung der ihn
leitenden Auf f assungen ni cht entziehen zu d ürfe n.
Die erste Hau ptfrage, welche die heut e ha ndel nde n und die Ver an t-
wor tun g tra ge nden P er sönl ic hkei ten s telle n und klar b eantworte n

120
müs sen, läßt si ch auf ein ku rzes Schlagwort b ri nge n und l aute t ei n-
fach: „Neu ba u“ oder „Wiederauf ba u“?
Der Verfass er glaubt ein e Tatsache festz us tel le n und nic ht nur ei ne
Meinung auszusprechen , wenn er diese Frage dahin beantwortet, daß
nur ei n „Neub a u“ in Frage ko mmt. Z wei Ha up tgr ünde h ier für e r-
schei nen ihm unwider leglich. Einmal haben sic h die Verhält nisse, mit
denen w ir f ür he ute und e ine lä nge re Z uku nft r ech ne n mü sse n, so
gru ndle ge nd geändert, daß es gar n i c ht möglich wäre, einfach „wieder
aufz uba ue n“; ein Bauwerk, das auf sch einbar festem Grund errichtet
war, dann aber m itsam t dem Grun de un d den Fun damenten z usa m-
mengestürzt ist, kan n nic ht wie der aufgeb aut werd en, u nd se l bst w enn
man ei ne n Ve rsuc h hier z u m ache n sol lte, muß es sic h üb er kur z o de r
lang zeige n, daß etw as anderes entsteh t. Wehe, wenn es sich dann
herausstel lt, daß den gän zlich ge ände rte n Ver hä ltni sse n nic ht Re c h-
nun g getr a gen wu rd e. A uch ka nn kein unbefangener Beobachter
leugnen, daß bereits das alte Gebäude zu ei ner Zeit, als der Baugrund
de m fl üc ht i ge n B lick noc h ei n iger maße n s iche r er sc hie n, kei nes wegs
nur wün sche ns wert e Z üge zei gte . Ma n d arf sich d er Tatsache nich t
ver schl ieß en, d aß unser e Ho chsc hul en und Uni ver sitä ten b ei allen
zum Teil glä n zen d, a n Leist u ngen d oc h imme r m e hr B o d en in d er
All geme inhe it verl ore n habe n; m a n kan n nic ht beha up ten, d aß von
ihne n st arke St rö me leb end ig er und tr ag fähi ger K ult ur i n d as Vo lk
aus gega nge n si nd; man muß einge ste hen, da ß sie zur V erh ind eru ng,
auch nur zur Milderung unserer Katastrophe kaum etwas beigetragen
hab en, u nd d aß ihre Sti mme a uch he ute, nac h de m Deb ac le, nur
sch wac h und für das all ge m ei ne S chi cks al wenig för de rnd erkli ngt. I n
kurz en W or ten:
Ein einf ac her „Wiederaufbau“ i st wede r mö glic h noc h wü nsc he n s-
w ert.
Damit erhebt sic h die zweite H auptfrage: In welc hen wichtigste n
Rich tu ngen muß s ich d er N euba u von d em in T rümm er zerfallenen
Frühe re n unt ers che ide n? War d enn nicht im Grunde doch all es im
W esentliche n in Ord nun g? Ist es nic ht tör icht e Ne uer u ng s s ucht, aus
der jene Forderun gen sta mme n? Die Uni vers itä ten und Ho chs chu len
sind do ch, wie heut e i mmer wieder betont wird, die Stätte n, a n denen
di e Wa hrhei t ge suc ht wir d; auc h in Zu kun ft ka nn d ies nic ht a nd ers
sein; man w ird selbst ver stä ndl ic h den ge ä nder t en Verhältnissen du rch
stärkere Betonung des Hu manit ät sged anke ns Re chn ung tr age n; ma n
wird De mokra tie und K ult ur stärker betonen als f rüher, ab e r i m W e-

121

sentl ic he n ergib t sic h do ch au s de m Wesen der Sache, daß Vieles und
Wesentliches gar nicht g eändert werde n ka nn. So et wa la ute n do ch
w o h l die A rgument e derjeni gen , die m öglichs t weni g ä nd ern, i m
W ese ntlic he n „ wiede ra ufba ue n“ möc hte n. Nun kön nte man bereits zu
der „Wahrheit“ , die auf d en Uni ver sitä te n und Ho chsch ule n ges uc ht
und ge f unde n wur de, ma nche Fr age stell en u nd manc he be rechtigte
Kritik aus sprechen. Die Hauptsache scheint dem Verfasser aber da rin
zu lieg en, daß jene Defin iti o n der Unive rsit äte n u nd Ho chsc hule n al s
Stä tten, an d ene n Pr ofes sor en und St ude nte n zus amme n d ie W ahr heit
suc hen, s ehr u nvoll ko m me n i s t. T atsäc hlic h ko mmt nur ei n ge r in ger
Teil der Studieren den in die Lage, zusammen mi t de n Profess oren die
Wahrheit zu suchen. Für die w eitaus überwiegende Menge bedeutet
das Studium einfach Unterricht, Vorbereitung auf die Examina, Basis
für d en s pät er en B eru f, in we lc hem da s Suc he n und Fi nden vo n
Wa hrhei t doch nur in der Minderzahl der Fälle das Au sschlaggebende
ist. Jene Definition geht , also an der Tatsache vorbei, daß die Un i-
versität, die Hochschule , diejenige Stä tte ist, an welcher die jungen
Men sche n, die später die wichtigsten P ositionen in Gesells chaft und
Staat einnehmen und aus fül le n soll e n die für ihr e E ntwic kl un g wi c h-
tigste Zeit ver bringen und v on der sie fü r den s päte ren Beru f und f ür
ihr ges amtes späteres Leben vielleic ht die stärkste n Im pul se, d ie
wichtigste Beeinflu ssung er fahr en. M it a nd ere n Wo rte n: Di e Uni ve r-
sitä te n und Hoc hsc hule n si nd die Bild ungs - , Unterric hts - und Erzi e-
hun gss tätte für ei ne n gro ße n T eil d erj enige n Me nsc he n, d ie i m sp ä-
teren L eben für Gesells cha ft und Staat die wichti gst en Aufgabe n zu
er fülle n hab en. Dies ist eine der Hauptfunk tionen, die ihne n zufällt,
de r sie sic h ni cht ent zie hen kö nne n, s elb st wen n s ie es wollte n, die sie
in d er V erga nge nhei t n ur u nvo llko mme n er kannt und e rfü llt h aben,
und d ie s ie für d ie Zuk unft mi t vol le m Be wußt sei n au f sic h nehm e n
müssen wenn sie die Stelle im Volksleb en ausfülle n w ol len, d ie sie
mit Re cht bea nspr uc hen u nd d ie i hnen z uko mmt. Die Zel ten, in denen
die Heranbildung h ochgezüchteter Experten das alleinige oder das
Hauptziel war, sind v orübe r, und un ser e Univ ersitä ten und Hoc h-
sch ule n haben nu r die Alternative v or sich, dieser Tatsache ins Auge
zu se hen und daraus die erf orderlichen Konsequenzen zu ziehen, oder
end gült ig z u verhä lt nis mäß ig b ed eutun gsl ose n Fac h - und Sp ez ia li s-
tenanstalte n h erab zus inke n, a n d enen d er Hauptstro m des Lebens
vorbe ifl ießt.
Da mit i st da nn auc h scho n a nged eute t, d aß sic h hint er d er Wa hl des
neue n Na men s „T echni sc he U nive rsit ät “ nicht die Abs ich t ver bir gt,

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die neue Techn ische Ho chsc hule meh r oder w eniger den frühe re n
Uni ver sität en ä hnli c h zu mache n u nd e twa d urc h kü nstl ic he u nd
äußerliche Hinzu nah me so ge nannt er k ult urel ler und g eisti ger, w o-
mögli c h schö nge is tiger Fäche r eine Univer sitas litterar um vor zutä u-
schen, die sie w eder er rei chen ka nn no ch will. Den n di e hi er ange-
deutete Kr itik der frühe ren Universitäten zielt g eradezu dar auf hin,
daß eine Aneinan derreihu ng z ahlreicher intellektuell betriebener
Gebiete, m ag sie noch s o vollstän di g sein, no ch kei ne l ebe nd ige, für
Vo lk und M ens ch heit wese ntl ic he „U nive r sita s “ ergibt. Die se anz u-
strebende w ahre U niv ersitas – m a n kön nte wo hl die ses et wa s vie l-
de utige und unb est i mmte Wo rt d urc h „Vo ll stä ndig keit , Ei nheitlic h-
keit, Gan zheit“ umschreiben und e ine m fruc htba re n Sin ne nä he r-
br inge n – w ird fü r den einze lnen un d damit au ch für die Allgemei n-
heit nic ht dur c h Bet ätig ung de r ei nen s pez i ellen Denk - und Inte l-
lekt fun kti o n a uf al le n mö gli chen An wend un gsge biete n erreicht,
möge n d iese no ch so vielsei tig, künstleri sch, geisti g und k ult ur ell
ge wählt wer de n! Da s We sentliche lie gt vielme h r darin , d aß der
Mens ch wed er vo m Br ot no c h vo m Intelle kt allei n leben ka nn . Se ine
Natur ist reic her und vollstä ndiger an gel egt, a be r sie kan n si ch nur
ent falt en u nd d e m Dest ru kti ve n na ch i nne n und na ch auße n a uf d ie
Daue r n ur d ann e ntge he n, we nn nic ht di e eine Fä higke i t stä ndi g und
fast a ussc hließ lich auf Kosten der anderen gepfl egt wird und z ur
Betätigun g kommt. Da s E rg ebni s eine r so lc hen K ult ur h a be n w ir
erlebt, w ir durchleben es n o ch, und di e Fo lgen w er den wir no ch lan ge
Zeit t ra gen müsse n.
Wi r Inge nie u re haben d ieser Au ffa ssung, die heu te in den Bestr e-
bun gen der mod er nste n und a uf saub er ste Wissen schaftlichkei t b e-
dach ten P syc holo gie zum er n euten Ausd ruc k ko mmt, im me r nah e-
gesta nd en, d a u nsere Tä tigkeit m i t Wissen schaft des Intelle kts allei n
nich t aus ge üb t werd en ka nn. In d er Ko nstrukti o n de s einfac h ste n
Geb il des ko mmt ei n mi nde ste ns glei ch wi cht iger An te il vo n I ntuit ion,
„Ge f ühl “, o d er wi e ma n di ese Fun ktio n s on st ne nne n will, zur En t-
falt ung; o hne i hn ka n n nic hts ge ba ut werd en, würd e he ut e kei ne
Maschine l aufe n. Auch in ma n c her so nst ige n B ezi eh ung gl aub en wir
der V ollständi gkeit des L ebens im A ll ge mei nen nä her zu stehe n a ls
der typisch e Fachgelehrte der früheren Universitäten, und wir halten
es nic ht für Unb esc heid en heit , wen n wir de r M einu ng sind , d aß wir
gerade heu te für den Neubau unseres Unive rsi tät s - und Hoch schu l-
wesens Wesentlich es zu geben und zu sagen hab en. S ch on un ser e

123

For de rung nac h e i ner über diejenige der „ littera rum“ hi nau sge hend e
Universit a s des Mensch en erscheint uns wesentlich und fr ucht bar .
Di e Au f f assungen des Verfa s sers werd en nic ht n ur i n m ehr od er
we ni ger bestimmter Form von weiten Kreisen der Jüngeren , seien es
j üngere Professoren oder ältere Stu denten geteilt, sie l aufen auch
para llel m it Be str ebu nge n, d ie heute i m B ild un gs - und Erzie h ung s-
wesen der wich tigsten außerdeutschen Länder an erster Stelle st ehen.
Nat urge mäß gibt es auch Kreise des Widerstan des, und die Gefah r
sinnentstel lender Miß vers tä nd niss e ist nic ht ger i ng. Vo n d en w ide r-
stehe nd en Kre ise n si nd, d ie j enigen selbs tverständ lic h und d a her nic h t
allzu wich t ig zu ne h men, di e zur Erke nntni s ne uer No twen di gkeite n
übe rhaup t nic ht fä hig si nd . Er nst zu ne hme n sind di e äl ter en t ücht ige n
Fachleute der T echn ik, die ein e Ver w ässerung der techni schen Au s-
bild ung u nd eine diletta ntische He ran züc htu ng sc hön geis tige r V ie l-
wiss ere i und - red nere i be für cht en. S olc he B ed enke n si nd nic ht u n-
berechtigt ; die T atsach en haben es bereits gezeigt. W ohl mei nend e
aber abwegige Mißvers tän dn i sse si nd gefä hr lich; die Kri tik e rnst ha f-
ter erfahren er T echn iker zwingt zu ständiger Selb stkontr olle , Sac h-
lic hkei t und Pr üfu ng d er Grund la gen. Die Miß ver stä nd nis se tr ete n
u. a . in der Weise auf, daß man glau bt, ei ne org a nisch e Änderung, die
nur in l änge re r Zeit auf Gr und nücht e r ner und sachli ch er Arbeit
wac h sen d ar f, wen n si e leben dig w erden sol l, du rch übe rhasten des
äußerliches Or gani sie re n vo n heut e a uf mo rge n er setz en zu könne n,
um mö glic hst sc hne ll e ine n na ch a uße n b este che nd wir kend en E ff e kt
zu erzielen , der aber nur in einer w eitere n Anhä ufu ng i ntell ekt uel le n
Sto ffe s mi t gefä hr licher Annäherung an dilet tantische Schönrederei
be stehe n kan n. D er Ka m pf der Geist er u m diese Din ge ist in volle m
Gange; es dü rfte hier aber ni cht der Ort sein, um n äher darauf einz u-
gehen. Im Rahmen dieser nat urge mäß un voll stä ndi gen und led igl ic h
eini ge H aupt pu nkte hervo rhe benden Skizze müss e n die geg ebene n
And eut unge n gen üge n; da s Wic h tigste de s Inhalts läß t sich in fo l-
gend en k urz en Sä tz en z usa mmen fa sse n:
Die d eutsc hen Uni ver sitä ten und Ho chsc hul en b edür fe n ei nes „N e u-
baus“. Dabei is t eine „ Univers itas litterar um“ nicht das W esentliche.
Die un gehe ure V erp flic ht ung de r Erz iehun g und Bi ldun g z u einer
„Universita s vitae mögl ichst ko m pletter Mensc hen“ steht i m Vo r-
de rgrund e. Hie rzu hab en di e tec hni sche n Ho chs chul en wic hti ge,
vielleicht u nentbehrlic he Bei trä ge zu l eist en. In welc he m U mfa ng, i n
welcher Ze it die hierbei ge stec kten Ziele verwirklicht werde n könn e n,

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mu ß die Zuk unf t zeig en; da s häng t von Krä f ten ab, welche diejenigen
weniger ein zelner Menschen w eit über ste ige n.

Gedenk schrift z um 130. Geburts t ag v on W alt er K uchar ski
Univ er sit ä ts v erlag der TU B erlin
Univer sitäts verlag der TU Berlin
Die Gedenkschrift anlässlich des 130. Geburtst ages von Pr of essor W alter K uchar ski, dem ers-
ten R ektor der TU Berlin, is t in zwei T eile gegliedert.
Der ers te T eil hat den beruflichen W erdegang K ucharskis v om einf achen Kons trukteur bis zum
Hochschullehrer und R ektor der TU Berlin zum Inhalt.
Erg änzt wird dieser T eil mit einem umf angreichen Lit era tur - und Quellenv erzeichnis.
Der zweit e T eil ist ein T r anskript eines handschriftlichen Manuskripts, das Kuchar ski 1949 zum
dreijährig en Bestehen der TU Berlin v erfass t hat. Dieses Manuskript ist eine per sönliche Rück -
schau auf die ers ten Jahr e des Neuanfangs der TU Berlin. Es beschr eibt die schwierige Z eit vor ,
währ end und nach Kuchar skis Rekt ora t.
Achim Leutz
Gedenkschrift zum 130. Geburts tag v on W alt er Kuchar ski
http://verlag. tu-berlin.de
ISBN 978-3-7983-2902-7 (print)
ISBN 978-3-7983-2903-4 (online)
9 783798 329027

ISBN 978-3-7983-2902-7
Achim Leutz
Gedenk schrift z um 130. Geburts t ag v on
W alt er K uchar ski (20.6.1887–11.11.1958) –
Ing enieur , Hochschullehr er , R e f ormer
Er s t er R ek t or der T echnischen Univ er sit ä t Berlin
Umschlag_Dummy_Kucharski.indd 1 26.05.2017 12:46:32

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Review document trust