Maren Heibges, Mar tina Klausner, Jörg Nie wöhner Umgang mit Unsic herheiten in der T ec hnikentwic klung – ein sozialanthr opologisc her Einwurf Open Access via institutional repository of T echnisc he Universität Berlin Document type Book chapter | Pub lished version (i. e. pub lisher-created published v ersion, that has been (peer-) revie wed and cop yedited; also kno wn as: V ersion of Record (V OR), Final Published V ersion) This version is a v ailable at https://doi.org/10.14279/depositonce- 15922 Citation details Heibges, Maren; Klausner , Mar tina; Nie wöhner , Jörg (2018). Umgang mit Unsicherheiten in der T echnik entwicklung – ein sozialanthropologischer Einwurf . In Redlich, T obias; W eidner , Rober t; Langenf eld, Markus (Eds.) Unsicherheiten der T echnikentwic klung (pp . 76–89). Cuvillier . T erms of use This work is protected by cop yr ight and/or related rights. Y ou are free to use this work in any w a y per mitted by the cop yright and related r ights legislation that applies to your usage . F or other uses, y ou must obtain per mission from the r ights-holder(s). Um gang mi t U nsic he rhe ite n in d er T ech nik ent wick lun g – ein sozialant hropologischer Ei nw urf Mar en Heibg es , Martina Klau sner , Jörg Niewöh ner Einleitung Wi r st e l l en in di e s e m k u r ze n Ein wu r f e in e s o zi al a n t hrop olo gisc he Per spek- tive auf de n Um gang mit Te chnik vor. Es geht um ein e praxistheore tisch unte rle gte kom ple xe Situa tionsa na lyse des konkre ten U mg a n g s m i t T e c h n i k in soz ial dif fere nzie rt en All tage n. An zw ei em piris chen Beisp i elen – Trans- pare nz-A ktivi sm us a ls po litisc he A rbe it und Med izin techn iken twic klun g im Rehabilitat i onssek t or – zeigen wir dabei Unsicherhe it ei nerse its diac hron als ges ells chaf tlic hen Kon tin genze inbruc h, auf den Te chni kentw ic klung re a- gie rt, an dere rsei ts sync hron al s notwe ndi gen N ebene ffe kt sozial differen- zierter Han d lu n gsträgersc haft in kom p lizierten Tec h ni kent wicklun gsp roze s- sen. Wir lei ten dara us in e inem knap pen F azit die A ufford eru ng zur K o- Lab orati on zwis chen So zialant hropo logi e u nd den te c hnis chen Dis zipli nen in Pr ozes sen de r Te chn iken twick lun g ab. Umgan g mit Tech nik Die S ozi alanth ropologi e bes chäft igt si ch mit der Fr ag e, wi e M e n s c h e n i n Gru ppen zu sammenl eben. Tec hnik sp ielt da bei ei ne zu nehm end vie lsc hich- tige Rol le als inte graler Besta ndte il von Al ltag spr aktiken. Der für die Sozi- alanthrop ologie c harakteris tische e thnogr aphische Z ug riff fokussie rt hie r de n Umgan g mit Techni k ( B e c k 1 9 9 7 ) . T e c h n i k w i r d n i c h t m e h r a l s D i n g ver stan den, das m ensch lic hes Ver hal ten be stim m t ode r Kultur speichert . Vie lmehr l i egt d er Unt ersuch ung d es U mgangs mit Te c hnik ein e re lati onal e und proze ssua le Ont ologi e zugr unde (Bec k 2008 ; Dupr é 2014 ). Technik ist niem als Verla ufsso uve rän ko nkrete r Allta gspr akti ken , s ondern lediglich ein Han dlung sträg er unte r v iel en, d eren spezifi sch e Bez ie hunge n zue ina nder kon tinu ierl ich in e ine m Zusamm enspie l sit uati ver u nd di spo sit iver Fakt ore n ausgehan delt werde n . Die konkrete Gestalt von Tech n ik ist dami t n icht d er Ein sozi alanth ropo logis cher Einwu rf 77 Praxis vorgän g ig, sondern ergibt sich in ih r. Ihre Stabilität wird be grün- dun gspf lich tig u nd G egen sta nd em pirisc her U nters uch ung s tat t ontol ogi- sch er Vora nnahm e. Ver einfac ht skizz ier t führt diese r Ansatz zwei analyti- sch e Dim ensio nen des U m gangs m it Tec hnik zus am men, die in em pirisc he r Forschung imm er in Bezu g zueinan de r überprüf t werde n s oll ten (Ab b. 1) : „Al s Or ienti erungs kompl ex k a n n T e c h n i k u n t e r d r e i A s p e k t e n t h e m a t i s i e r t werd en: ( a) als ,objekti ves ‘, m at eri ell es Konstr ukt ; (b) als raum - und zeit- kon stit uiere ndes D isp ositi v; u nd sch lie ßlic h (c) al s sy m bolisc he un d dis kur- sive Ordnu ng. Im Gegensa tz hier zu m uss Te chni k als Nutzungskomplex v or allem unter drei Aspekten them ati siert wer d en: (a) als Tat-Sache o der (b) als phä nom enales A rtef akt und sc hlie ßlic h ( c) als im agi när es Konst rukt “ (Be ck 199 7). Diese s Sch ema einer „pr axis theor eti sche n Situa tionsa naly tik des Um - ga ngs m it Tech nik“ (Beck 19 97) verdeu tli cht, das s Unsic herhe it nicht prim är als Eigenschaft von technische n Artefakten o der als D i m e n s i o n v o n g e s e l l - sch aftl ichen Fol gen von Tec hniken twi cklu ng begr iffe n wird. Vie lm ehr spielt Unsi cher heit in allen F elde rn die ser An alyt ik ein e wicht ige Rolle : als An t- wor t au f Kont ing enzeinb rüch e in Han dlungs routin en, als u n sch a r fe Hand - lun gsauff order ung, als Artef akt, das Er fahr ung am bi vale nt ge sta ltet, ode r a ls Abb. 1: D i mensionen einer prax istheoretis chen S ituatio nsan al ytik de s Um- gangs mit Techn ik (nach Beck 1997) Te c h n i k als Nutzungs k om plex Te c h n i k a l s T a t - S a c h e ( a ) Te c h n i k a l s p h ä n o m e n a l e s A r t e f a k t ( b ) Te c h n i k a l s i m a g i n ä r e s K o n s t r u k t ( c ) Te c h n i k als Orient ierungsk omple x Te c h n i k a l s o b j e k t i v e s K o n s t r u k t ( a ) Te c h n i k a l s R a u m - Z e i t - D i s p o s i t i v ( b ) Te c h n i k a l s d i s k u r s i v e O r d n u n g ( c ) Ko n - T ex t Ko - T ex t 78 Fac hwis sensc haft lich e Ü berleg unge n und Stra tegie n pote ntial ity ( S e j e r s e n 2 0 1 5 ) , u m d i e h e r u m g e s e l l s c h a f t l i c h e Z u künf te 1 e n t - wor fen werd en. Mit Ko nting enzeinb rüchen b ezei chnen wi r den Verl ust v on Eind euti gkeite n sozial er Rout inen un d Ordnun gen , di e für d ie beteiligte n Akt eure sowoh l Orienti erungsv erlus t wie au ch d ie Fl exibilisieru ng von Han dlung soption en bed euten kö nnen. Ethnog raphis che Fo r sc hu ng v e rfo l gt hie r de n An spru ch, dies e versc hied en en D im ensione n al s in k on k ret en All- tag spra ktike n aufe ina nder bezo gen zu unte rsuc hen. I m F o l g e n d e n v e r d eu t l i - chen wir an zwei kurzen Fallbeispiele n, w as diese r An satz kon kret b edeuten ka nn. Zu näch st skizz iere n wir Tra nspar en z-Akt ivi sm u s in Berl in als Form der pol iti schen Arbe it dur ch tec hnol ogis ch verm itte lt e Her stell ung von In- form at ionsfreihei t. Hier ist d er Begriff der sozio- tec hni sche n ‚Pro blem ati sie- rung‘ als Antwort auf Kontingen zeinbrüche zentral. Im zweiten Fall disku- tie ren wir den Ver such, Medi zin techn iken tw icklun g a uf Nut zu ngspr ak tike n in der Reha bili tati on abzus timm en und ze igen, wie d abei te ch nol o gi s ch e, phä nom enologi sche und ther ape utisc he Unsic her heit en u n d U n e i n d e u t i g k e i - ten m iteina nder a gier en. Transparenz-Ak tivismus Tran spa renz-Akt ivismus b eze ich net d as Sa mm el n, d ie Bearbeitung und die öffe ntl iche Bere itste llun g von Inf orm ationen über polit isch e und bür okr ati- sch e Bela nge wie über öffen tlic he Inf ras trukt uren u nte r d er Prä miss e d es de- mo k r a t i e fö rd e r n d e n P o te n t i a l s v o n In f o r ma t i o n s f r ei h eit. Diese in den ver- sch iede nste n In itiati ven be triebe ne For m der politi sche n Arbei t wir d get rage n von hoc hqu alif izier te n und tec hnisc h ver si erten Inform at ionswis- sen schaf tler n und Pr ogram m ierer n und fin det ehr enam tlich im Rahm en von abendlich en Treffen st at t . Berlin stellt im deutsch spr achi gen Raum eine Hoc hburg di eses Aktivis mus dar. Progra mm i ert wer den h i e r A n w e n d u n g e n , wel che etwa di e Berliner W as s erqualit ät visualisi er en , gepl an t e Ba up ro je kt e 1 Zu m B e f r i f f d e r Z u k ü n f e a l s P l u r a l s . G r u n w a l d i m vorli eg end en B and (Anm. d. Hrsg.) . Ein sozi alanth ropo logis cher Einwu rf 79 in Nac hbarsc haf ts-K artier ungen ver anker n, über die zugehörige n selbstge- ba uten Sen sore n ein fläc hende cken des Netz zum Fe ins taub -M onitor ing auf- ba uen und auf eine r Ka rte dar stel len oder auc h auf Grundl age ein es Dat en- sat zes de s Ber liner G rünfläc henam tes je den e inzel ne n B erli ner Baum in einer interakt iv en Karte abbilde n. Es en tsteh en tec hnol ogis iert e, stark au f Visu alitä t set zende Re präs entatio nen u rbaner Umwelt en und techni s cher Sy s te m e, die als Grundlage für die Teilha b e s tädtis che r B ürg e rs ch af t an Stadtpolitik und -entwicklung dienen sollen. Politi sch e P roze sse, di e bi sh er ha uptsä chl ich als inte rsubj ekt ive Komm unikati ons pro zesse verstanden w ur- de n, werde n so in ihr en tech nisc hen Dim ensione n de u tlic h. Aus sozia lant h- ropolog i scher Perspe k tive wird dies als indikativ d afür gelese n, wie in Wis- sen sgese llsc haft en ma terie lle (i nform atio ns-)te chn o lo gische Dimens ion en zunehm end a n der Gestaltung politische r Öffentl i chk eit en b et ei li gt sin d (siehe auc h Bar ry 2013; Heib g es im Druck). Aus eth nograp hischer Per spektiv e in teressa nt sind v or al lem die Pra ktik en der Ve rar beit ung, Vi sual isier ung und Ko mm unikati on sog enan nte r o ff ener Dat en i nne rhalb div erser Fr eiwillig en-I nitiat iv en m ittel s Inf orm atio nstec h- nik. Unv erstä ndnis w ird von vie len Mitg liede rn dies er Initiativen fü r die aus ihr er Si cht wei t hi nter ihr e tec hni sche n M öglic hkei ten z urüc kfal len de Be rli - ner Ver wal tung ge äußer t. Mode lle aus de n USA – beso nde rs die du rch tec h- wir tscha ftlich e Spend en fin anzie rte Ini tiat ive „Cod e for Am eri ca“ , welche IT-Experte n in a m erik anisc h e Verwaltungen bring t, u m „ g o v ern men t work in the digita l age“ 2 vo ra n zu t re ib en – we rd e n b ew un d e rt . Gl ei ch z ei ti g ä u ßern die A ktiv iste n gr oßes Intere sse an wo hlfa hrt ssta atl ichen und so li daris chen Wi r t s ch a f t s we i se n , oh n e a b e r k l a r de r e tab l i e rt e n P arteien- oder auch Pro- tes tkult ur zuz uordne n zu se in ode r Frag en nach der poli tisc hen Legi tim ie- rung ihres H andelns zu them at isieren. Im Zu ge e th nog ra ph isc he r B eo bac htu nge n z eig t si ch d es Weiter en , dass die poli tisc he Dim ensio n der prog ram m ierten Anwe ndun gen v ie lf a ch um e in e n 2 https://www.codeforamerica .or g/ 80 Fac hwis sensc haft lich e Ü berleg unge n und Stra tegie n wei teren Aspek t er weitert wird , nä m l ic h den einer u nmitte lbar en Fre ude an der Lö sun g kom plexe r P rogram m ierungsa ufg aben. S o w i rd beispielswe ise die Visua lis ier ung des Be rline r Ba um bestan des eine r sei ts al s pote ntiel l bra uchba r f ür U m weltor ga nisa tione n o der Alle rgi ker ge rec htfer tigt. Au f Nach frag e wird ab er – u nd d as is t exe m p la risc h für vie le de r ak tivis tisc hen Projekte – a u ch der technisc h a n spruc h svolle As pekt d e r D a r s t e l l u n g e i n e s kom plexe n, kleinte ilige n Date nsa tzes auf einer dy na mi s c h en K a r t e he r v o r - ge hobe n. Tech niken twic klung is t hi er als o g erad e n ich t d urch U n s i c h e r h e i t e n g e p r ä g t , son dern verst eht sich als Re akti on auf Un sicher heit en, Un w äg b ark ei t en und unge nutzte Pot enz ial e in pol itisc hen Proz esse n. Tec hnik al s obje ktive s Kon- str ukt ver spr ich t zunä chs t Tra nspa renz. Tec hni k als „t e c h n o l o g i s c h e , s o z i a l e und kul ture lle F igura tion“ (Be ck 19 96) or dnet aber au ch e in e g es e lls c ha ftl i - che Konstellat ion in eine vorzeitige (Fabian 1983) und v erspätet e Stadtv er - wal tung e iners eits und eine zu kunfts fähige B ürg ersc haf t and erers eits. Sie trä gt s o z u e inem U nsicher heite n re duzie rend en zeit konstit uie ren den Dispo- siti v bei, das Tr anspa renz als Antw ort auf hist oris che, gesellsch aftliche und situ ativ e Kont inge nzein brüc he po sitio nier t. Ent sche idend in dies er zi vilg e- sel lsch aftl ichen Dy nam ik ist der M om ent der Pr oble m at isierung (Rabinow 200 5). Das dis kurs ive Ordne n eine r kom plizie rte n Ko nstell ation i n v o rzei - tige Ver wa ltung und tec hnisc h ver sier te Bür ger schaf t prob lemat isi ert die Kont inge nz pol itis cher Ents cheidun gspro zesse als „ n ic ht auf de r Höhe der Zei t“. Das P ro ble m ka nn also behob en werd en, inde m ma n d ie Ve r wa lt ung da bei un terst ützt, in „ unserer “ Zeit anzu kom me n. Di es lässt sich tech nisch bew erks tell igen. Tra nspa ren z-Ak tiv ism us macht also Unsiche rheit zu ein em Problem v on Vorzeitigkeit und Entwicklungsversa g en und po sitio nie rt damit die eig ene Kom petenz im Zentr um der Lösun g. D ie tec hn ische Beg eiste rung für die Entwick lung von L ösungen bezeugt d abei die en ge V erquick ung von tec hnisc her Fin esse und Prob lem atisier ung von W elt. E i n g e n a u e r e r B l i c k verr ät, wie die soz io-t ech nisc he Pr oblem atisie run g dabe i imm er auf gespa nn t ist zwisc hen Öko nomie , Wiss ensc haf t und Poli tik und im m er ei ne z u nä c h s t Ein sozi alanth ropo logis cher Einwu rf 81 offe ne, w ie es Ra binow (2005) heiß t, „ bedin gt kon ti nge nte “ S it uati on da r- ste llt. I nkrem entell und vora ngetr age n dur ch Fee dba ck-P ro zes s e o der „Lo o- pin g E ffekt e“ im Hacki ngsc he n Si nne (2000) e ntst ehen dan n al ler dings im Lösu ngsp roz ess Pfadabh ängi gkei ten . Technik etabli er t sich al s „oblig ator i- sch er Pa ssage punk t“ (Cal lon 19 99): eine spe zif ische P r o b l e m l ö s u n g w i r d be grün det, we lche fü r alle Akte ure die Ause ina nders etzun g mi t de m En t - wic klung sproz ess bestimmt. Dab ei steht dies e F orm de r Tec hn iken twicklun g als R eaktion auf Kontingen- zeinbrüche und i hre D ispositiv konstituieren d e Wirk un g in ei ner lange n his- tor ische n Li nie. F ür e ine E rforsc hung vo n T ranspar e nz als p olit isch em Ver- fahrensm o dus an der Sch n it t stelle von Wissen, Moral u n d ( I n f o r m a t i o n s - ) Tech nologi en lassen si ch b eispi elswei se als hi stori sche K o n t i n g e n z e i n b r ü - che d er Zusamm enbruch d er gesellsc h aft lichen Ordn u n g im Nach klan g de r französisc hen Rev olution und die massi ven W o hlstand skrisen u nd d amit ver bun denen Anfe ch tunge n ke yne sian isti sche r Wir tsc h aftsweisen in den 197 0er Jahr en ide ntifiz ieren: Der Po litik wis sensc ha ft ler Vin ce n t R zep ka (2013; i m Druck ) arbeitet heraus, wie die Schrecken sh errs chaft der Jako bi- ner und die durc h die Franz ösisc he Rev oluti on aufge wor f en e n Fr a g e n n a c h einer legitim en Gesellschaft s ordnun g den britischen S o z ia lr e f o r m e r J e r e m y Bentham inspi rier t en, unter Rückgriff auf d ie Newto nsche Optik und n eue tra nspare nte Bauw eis en ein e um fasse nde Ver walt ungs o rd nun g der Tra ns p a- renz z u konz ipieren. I m Zuge der Kr ise de s K eynesia nis mus ge winnt Trans- pare nz als polit isch er Ver fahre nsm odus ern eut E inf l uss – ein e Entwi cklun g, die Rze pka auf de n P roble m atisier ungsz usam m enhang e ine s V ertr aue nsver - lust s i n Poli tik im Zuge der W achstum skrise und des W a t e r g a t e - S k a n d a l s , wie der in d ies em Zu sa mm en ha ng an Ei nfl uss ge winn en de n Ra tio nal- Choice-Theor i e, zurückf ü hrt. Für d as Fallbeispiel Transparenz-Aktivism u s wäre al so zu fra gen, auf wel- che Kont ingenzeinbrüc he die spezif ische sozio-tec hn is che Probl emat isi e- rung eigentlic h reagiert. Die hier beobachte ten Pra ktik en sind – so unsere zu die sem Zeitp unk t no ch ten tati ve D iagn ose – auf die Dis kordan z z wischen 82 Fac hwis sensc haft lich e Ü berleg unge n und Stra tegie n der gese ll schaft lic h rar en und arb eitsm arkt lich ext rem wertvollen techni- sch en Ex perti se der Akt iviste n (welc he Hand in Hand g e h t mi t e i n e m b e t o n t rationale n, Techno logie-orientiert en W el tbi ld und e inem tec hnisc h gr und ier- ten Sel bstbe wus stse in) und der all tägl iche n Erfa hru ng ein er l angs amen und tec hnisc h sch lecht ausge stat tete n Ber line r Ver walt u ng zurüc kzu führe n. Un- sic herhe it ist hier im Hinbl ick auf ei ne zeit liche Dimension der Technol ogi e- entwicklu ng einzu o rd nen: Die Akte ure positioniere n si ch als a uf d er Höh e der Ze it und hande ln im Sinne ei nes tec hnis ch verm i ttelte n I dea ls ei ner „ bes- sere n“ Z ukunft. H ier komm t auch Te chn ik als Nutzu ng skomple x u nd die d a- rin en t halte ne Perspek t ive auf die Bedeutung von Te chn ol og i e in n erh a lb s p e- zifischer Lebenswe lten in den Blick. Technik hilft zu min d est sp ez i fis ch en Milieus, eine gem ein sam e Zukunft im Si nne eines soc ial im agina ry z u e n t- wic keln und anzu steuern . Die B erlin er Verwal tung da ge gen ist no ch n i c h t s o wei t. Medi zinte chnikentw ic k l ung Die Diff eren zierung v ersc hied ener Di mens ionen im Um gang m it Tec hnik – zw ische n Ko-T ext als Be deut ung sdim ension, der auch ver schie den e ge- sel lsch aftl iche Disk urse um fasst, und Ko n-Tex t als Handlun gsdi mensio n, der bis hin z u den in Techn ike n ei ngela sse nen Aff ordanz en und dam it m ög- lic hen pra kti sche n Handl ungs opti onen r eic ht – erwe i st s ich in sbes ond ere fü r die eth nogra phisc he B eglei tfor sch ung vo n T echno log i eentw icklungsproje k- ten a ls pr odukt iv. G era de w eil h ier d er ta tsäch lich e Um g ang mit den zu en t- wic kelnde n Techno log ien no ch in d er Zuku n ft liegt , ermög l icht es d er skiz- zierte m ehrd im ens ionale Ansatz, d i e Erfahrunge n und E r w a r t u n g e n d e r pote ntiell en Nu tzer al s Nut zun gskom plex und die konkr eten En twic klu ngs- pro zesse sow ie ihre dis kursi ve Ra hm ung als Orie ntie run gs komp l ex s yn - chron zu an aly si eren u nd so d ie v erschie denen Unsic herhe iten wäh rend d es Ent wickl ungsp rozes ses z u t hemati sie ren. In di ese r P erspek tive zeigen sich Unsi cher heiten insbes onde re als Sch nitts tellenp robl ematik. Sie treten auf i n der Reib ung zwi sche n de n an Tec hno logie entw ic klung beteil igte n Akte ure n, d.h. zwis che n unter schi edl ichen Zu kunf tsentw ürfe n, Erfah rungen mit und Ein sozi alanth ropo logis cher Einwu rf 83 Erwar tung en an de n U mgan g m i t Tec hnolo gie . Unsich er he it ist hier also we- der Attr ibut ein es O bjek ts noch W ahrn ehm ungsphä nom en oder stati stisc h leg itim ierte Traj ekt orie nbeha upt ung. Viel me hr m arki ert Unsicherhei t die Qua lität von Bezi ehungen zwisch en Akteuren , wobei A kt eur hie r im rela ti- ona len und prozes sua len S inne v on agen ce ment ( Ç a l ı ş kan / Call on 2 010 ) zu ver stehe n ist und te chno logis che Arte fakte wie m ate rielle Umwelten mit ein- sch ließt. Zie l ein er et hnogra fis chen Tec hni kforsc hu ng ist e s nu n, Uns ich er- hei ten in die sem relatio nale n Sinne em piris ch greif bar zu machen und d ies es Wi s s en w i ed e r u m d e m Te c h n o lo g i ee n t w ic k l un g s p ro z es s verf ügba r zu m a- chen. Konk ret: Als Tei l ein es Fo rschun gsverb undes hab en w ir die Entwi ckl ung von Tec hnol ogie n b egle itet, die in der Bew egun gsreh abilitation zu m Einsatz kom m en sollen, um e twa Me nsc hen nac h einem Schla gan fall beim Wieder- erlangen der eigenstä ndigen Bewe glichkeit zu u nter s tütz en. Ausg angsp rob- lem des Forsc hungs verb unde s war unt er ande rem eine Verso rgungs lücke in der po st-st atio när en Reha- Phase insb eson dere in str ukt urschw ache n Reg io- ne n, in dene n scho n jetzt kaum ausre iche nde am bulan te T herapie ange bote auf eine zunehm end älte re Bevölker ung treffen. Um P atiente n auc h nach ihrer En tlas sung in der w ei t eren Rehabilita t ion zu unte rst ütze n, wur den versc hiede ne The rap iea ngeb ote, d i e b i s l a n g i n R e h a - Klin iken zu m Ein sa tz k ommen, zu Tel e-R eha -Anwendu ng en we it e ren t wi - ckelt. Der Patient s oll die Möglichke it haben, ein Th erapi eger ät zu h ause z u nutz en und dabei au s der Dist anz wei terhi n vo n Ther apeute n in der Kli nik bet reut zu wer den. Ziel des Proj ekt s ist es, die gr ößt mögli che A ut onomie und die Selb stä ndig keit d er Nutz er zu err eiche n. Die E n twic klun g dies er Ziel set- zung und i hre Legitim ieru ng v erw eist auf d ie notwen di gen dis kurs iven Ko - und Kon- Te xte v on Techn olo giee ntw ickl ung („ Techn ik al s Orien tierungs- kom plex“ , siehe Ab b. 1). Syste m e wurde n unter der P rämisse der Usability mi t e i n i g e m A u f w a n d s o g es t a l t e t , d a s s e i n s ei t ig g e lä hmte oder star k ein ge- sch ränk te Pat ient en ohn e Hilfe von ander en diese nu tze n konn ten. An dieser Stelle kann eine mehrdimensionale Perspektive auf d en Nut zu ng sko mp lex 84 Fac hwis sensc haft lich e Ü berleg unge n und Stra tegie n die sen Usab ili ty- Ansa tz noc h einm al ents cheid end ergänz en, so dass hier nic ht nur die Bedi en- und Han dhab barke it der Gerä te a l l e i n e i m V o r d e r g r u n d ste ht, sonde rn deren Einbe ttun g in konkr ete sozia le K o n t e x t e w i e a u c h u n - ter schie dlic he Erfa hrun gen m it und Erwa rtunge n an T hera pie – tech nisc h unte rst ützt ode r auc h nic ht – ber ücks icht igt we rden k ö n n e n . S o z e i g t d i e e t h - nogr ap hisc he For sc hung m it Pa tien ten deut lich, das s h ä u f i g z w a r e i n e g r ö ß t - mö g l i ch e E i g e n s t ä n d i g k e it e i n w i c h t i g es Zi e l d a r s t e ll te, a ber g era de i m Er - leb en der ak tuel len B eei nträc htig ung en die grundle g en d e A b hän g igk e it vo n the rapeu tisc her wie auc h fam iliärer Unte rstü tzun g nicht nur ange nomm en, son dern sog ar posi tiv bewer tet wur de. Wä hrend vo n m anch en Patiente n die Opti on ein er e igens tändig eren Th erapieges talt ung al s pos itive Ergänz ung bew ertet wu rde , em p fan den eini ge Pati ent en die m it dem tec hnisc hen Sy s- tem m anifes t gewor dene n Anfo rderu ngen an Aut onom ie so gar als ver unsi - chernd und überfordernd, da sie sich in ihren Einsc hr änk unge n vie lm ehr auf die U nters tütz ung dur ch and ere verl asse n wollt en. E s zei gt sic h, da ss im Pro- zess der Tec hnologieentw icklung Unsic herheiten in d en B ezi ehu n g en z wi- sch en Akte uren e ntste hen, die so in den sepa rate n A ll tag en ni cht exis tie rten. Es ist d as Zus amm en s piel aus e ine rseit s sp ezi fisch e r sozio-techn ischer Be- de utung szusc hrei bung an A utonom ie und an derer seit s im Allta g etab liert er Unt erstüt zungs bezi ehung en u nd -bed ürfni sse, da s zum E nts tehe n neu er Un- sic herhe iten füh rt. Te chni k, die Auto nom ie stär ken und Unsi cherh eit redu- zieren soll, produziert al so im Entwicklungs p rozes s i m m a n e n t e U n s i c h e r h e i - ten, die de r P roze ss s elbs t dan n wie der e infan gen m uss. Darü ber hina us zeigt sich , dass der Um ga ng m it den zu entwicke lnden Reh a- Tech nologi en mit dem etabl ie rten Konz ept der Mensc h -Techni k -Interak tion nur unz ure ichen d erf ass t ist. Ers tens spi elen Me nsc h-Me nsch- Inte rakt ione n eine eb enso wichtige Rolle wie Mensch-Te chnik-Bezie hu ng en, so da ss man zum in dest von Mensch-Mensc h-Technik-I nt erak tion s p reche n m ü sste. W ie las sen sic h beisp ielsw eise un tersc hied liche Bed ürfn isse u nd Erwar tung en an die Kom munika tion m it The rape ute n d urch Te le-Re ha-A nwen dunge n um - set zen? W elche sp ezi fische Rolle kom m t Ange höri gen im Umgang m it die- sen Ger äte n im häusl iche n Konte xt zu ? Die se Fra gen si nd wi chtig e Hin weis e Ein sozi alanth ropo logis cher Einwu rf 85 für die Techn ologie-Entwick lung, um neben der techn is chen Us abil ity au ch eine soziale Robusth ei t und Alltagsnutzba rk eit der Sy s tem e zu ge währlei s- ten. Da s Zie l soll ten T hera pie-Sy stem e sein, die ni cht nu r d ie p h ys io log i - sch en Be son derhe iten ei nes Patie nte n ode r einer Pat ienti n berü cksic htig en (dies ist in der technischen Entwick l ung bereits ge se tzt) , so ndern au ch die soz iale n Bes onder hei ten der Nutz er wie der Nutz ungs pra ktike n. Let ztli ch wäre d aher auch zu de bat tier en, ob da s Kon zep t „Umg ang mit Tech nik“ die Logi k von Tec hnik entwi cklung in der P raxis ni cht g r eifbarer m acht als das Kon zept de r Int erakt ion , in d em e s d ie vi elsc hicht e P r a x i s g e b u n d e n h e i t b e i der Men sch- Masc hine- Inter ak tion in den Vorde rgru nd rü ck t . Die se B eton ung d er Nut zungs prakti ken schon i n d er E ntwi cklungsp h ase e r- mö g l i ch t a u ch ei n e n e u e L es a r t f ü r d i e Ni c h t - N u t z u n g von Reha -Tec hnik. Übli cher weise wird in der nutze rzent rierten Tech nol og ieg estaltu ng mit der Präm is se g earbeitet, Technik in ihrer Gestaltung so weit opt i m i eren zu k ön- ne n, das s s ie für ve rsc hiede ne N utzer -Ty pen hand hab bar ist. Mit d em F okus auf d ie verschie denen Dim ensionen des Nutzu n gskom pl ex es l äs st sich h in - ge gen we ita us offene r frage n, welche Gr ünde für ein e potentielle Nicht-Nut- zung vorliege n . Dazu zählen sowohl bewusste Ablehn u ng als auch scheinbar ba nale Grü nde, wie beis piel swe ise a ndere Pri oritä te n ode r Bed ürfni sse , die im Alltag auf ander e W eise erfü llt werd en. Unsic her he iten konkr etisie ren sic h hier auf de n ver schi edene n Ebene n der Nutz ungs kom p le xsei te: als Er- ge bnis von prak tisc hen Allta gsh ind erni ssen ( wie bei spi elsweis e mang elnd er Platz in der h äuslichen Umgebung für ein Tele-Reha-Sy s tem oder ei n Man- gel an inf ras truk ture ller An bindu ng); al s körpe rlic he und affe ktive Ve ru nsi- cherungen (beispiel sweise die Angst, komplexe techn ische Gerä te n i cht a n- gem essen h and habe n zu kön nen ode r sie zu besc häd igen); oder a ls We rt z u we i s un g en a n men s ch l i ch e F ür s o rg e un d S ol i da r it ät a ls b esond ere Formen der Sicherheit. W äh rend sich ei n ige dieser F ak toren wiederum dur chau s tec hnisc h bea rbei ten lass en bzw. aus ihne n H i n w e i s e f ü r w e i t e r e sin nvol le Entw ickl unge n gez ogen werd en könne n, rück en dam i t au ch die Pa- tie nten m it ihren Bio graf ien, ihre n sozi ale n Netzw e rk en und ihr e n spez i fi - sch en Be dürfn isse n abse its der konkr ete n Tec hnikn ut zun g i n d en Bl ic k . Das 86 Fac hwis sensc haft lich e Ü berleg unge n und Stra tegie n Kon zept des Um g an gs mit Te chn ik is t be müht , di esen we iteren Blick auf All tag , Mil ieu und Disku rs als Ko- wie Ko nt ext a nal yt is c h ei n z u b e zi e h e n. Ein e Refle xion d er Grenzen t echn ische r Lösung en für i n d i v i d u e l l e w i e g e - sel lsch aftl iche Unsic her heite n ka nn und m uss Techn o log iee ntwic klung i m- mer w i ed e r pr odu k ti v i r r it ie ren . Zud em hat si ch gez eigt, dass solche tech nische n Ass istenz syste me und tele- med i zi ni s ch en An wen dun g en ei ne wei t ere Un si ch e rh ei t m i t s i c h b r i n g e n kön nen. Als bes onde rs daten inte nsi ve Syste m e, die g esundheits b ezo gene und ther apier ele vant e Inf orm atione n übe r P atien ten in deren häus lichen Kont ext en erfas sen , st ell en sich hie r Frag en nach S ch ut z vo n P ri vat h eit u nd per sone nbez ogene n Da ten auf spe zifis che Weise . W ähr end aus technikwi s - sen schaf tlic her Per spekt ive in erste r Li nie die C om plia nce der Sy stem e ge- ge nüber j uris tisc hen Vorg abe n rele vant ist, ste hen au s e th no g rap hi s cher Sicht auch die Erwar tungen von potentiellen und fak ti sche n Nut zern an Da - ten schutz im Zentr um der Auf m erksam k eit (Kla usne r/G ol la i n re view) . S o wur de be ispiels weis e i n e ine m v on uns be gle iteten K onte xt ei n Ther api e- Monitoring-Sy s tem f ür Kinder und Jugendliche entwic ke lt, um dere n Co m - plia nce z u m e s s e n u n d d u r ch e n t s p r e c h en d e R ü c k me l d e f o r m a t e d e r e n M o t i - vat ion zu stär ken. A nha nd von ausf ührl ich en B efra gu ngen konnte n wir wie - der um dif feren zier t h erau sar beite n, das s von viele n d er j u ng en Pa t i en t en ei n solc hes Un terst ützu ngsa nge bot posi tiv be werte t wurd e und b asieren d auf de n bis herige n Erfa hr unge n m it dem Teile n gesun dhe i ts bez ogen er Da ten mit Ärzt en und T he rapeute n k einer lei Be denk en geg enübe r d e r V e r a r b e i t u n g i h - rer Daten durch diese Systeme vo rhanden waren. Allerdings herrschten ge- rade bei der Z ielgruppe, d ie als tendenziell non-co mp l i a n t e i n g es t u f t w u r d e , gro ße Be denke n gege nüber der weite ren Verw ertun g di eser Mo n itorin g-Da- ten vor. Insbe sonder e Eltern ä ußert en die Sorge, da ss nega tiv e Konse quen- zen drohen würde n , wenn beispiel s weise Krankenkasse n auf solc he Da te n zugreife n könnten. E ntscheiden d ist dabei weniger, ob di es zukün ftig so sein wir d, als viel mehr ei ne An alyse d er k onkr eten, s ozi al dif fe r enzi e rt en Beden - ke n und Uns ic herhe ite n. Erw artu nge n an de n Sch utz von pers one nbez oge- ne n Date n und Pr ivat heit s ind gr undle gend als ko- u nd kon- textab häng ig zu Ein sozi alanth ropo logis cher Einwu rf 87 inte rpre tier en, um gerade beso nders vulne rab le Pers onen grupp en ni cht aus dem B lick zu verl iere n ( vgl. Nis sen baum 201 0). Die s er l etz t e Punkt verwe ist noc h e inm al auf die V ielsc hich tig keit, mit der Nutz er Tec hn ol o gie be we r ten , akzeptieren o der ablehnen. Neben der alltagsprak t is che n Dimen s io n , di e be i- spie lswe ise a uch Fra gen der U sabi lity einsc hlie ßt, is t d er Umga ng mit Te ch - nik im mer zugle ich eine soz iale , durc h Er fahr ung und disk ursiv gepr äg te Praxis. Die vorgeschl ag ene m eh rdim en sionale Analy s e e r l a u b t e s , d e n p o - ten tiel len Pf adab häng igke iten sowo hl au f N utzung s- wi e Ori en ti e r u ng s k o m- ple xse ite, die z u (N ic ht-) Nutz ung führe n, a uf d ie S pur zu kom men. Faz it Das Techn ik Vor stellu ngen und Ve rspr echen spezi fisc her sozi al er Ordnu n- ge n in sic h trä gt, is t selb stver stä ndlic h. I n unser en B ei spi e le n: Te ch ni k e r- mö g l i ch t T r a n s p a r e n z u n d b e f ö r d e r t d a mi t D e mo k r a t i e . Technik ermögli cht sel bstän dige Mob ilitä t un d b eförde rt dam it Auton om i e. Dies e dem Prozess der Tech nike ntw ickl ung imm anenten Arg um enta tions ket te n zu hin terfr agen , ist ein e ze ntral e A ufg abe der versc hiede ne n ana ly ti sche n Zu grif fe a uf T ech- nike ntwic klun g. W ichtig e Arbe ite n in die sem Ber eich h a b e n U n s i c h e r h e i t e n vor all em i m Blick auf m öglic he Tra jek torie n und ih re gesellschaf tliche n Folgen in den Blick genomm en. Mi t der komplexen Sit uati ons analy se un d dem Fokus a uf de n U m gang m it Tech nik schl agen w ir h ie r eine Er weiter ung die ses Blic ks vor. Dia chr on fr agt un sere Pe rspe kti v e nach g esellschaf tliche n Kont inge nzeinb rüchen auf di e Techn ik eine Antwo rt d arstellen soll. Syn- chron weist unsere P erspek tive au f d ie Produktio n v on Unsiche rheit im Pro- zess der Techn ikentwicklun g hin, die aus der sozial en Di ffe r en zie r ung des Um gangs m it Te chn ik n otwe ndi g en tste ht u nd im E ntwi cklung sp roze ss zwingend berücksich tigt werden m uss . Methodologisch e r g i b t s i c h a u s d i e - ser Pe rspe kti ve für uns eine doppe lte Auf for derun g zur Ko-Laboration (Nie- wöhn er 2016): ein ersei ts innerh alb d es Feldes der T echnike n twi cklungsana- ly se m it norm ative n und soz ialw isse nsc haftl iche n An sä tzen; ander erse its – und viel leic ht imme r noc h we niger offe nsic htli ch im deutsc hspr achi ge n 88 Fac hwis sensc haft lich e Ü berleg unge n und Stra tegie n Raum – m it den t echnischen Disziplinen selbst. Denn n u r d i e g e n a u e K en n t - nis de s Um gangs m it Tec hnik im Allta g e r m öglic ht e ine Tec hn iken twic k- lun g, die nic ht nur d as ab strak te gese llscha ftl iche Gu te a ls Zie l hat, son der n die in konkr ete n Si tu atio nen und P rax isk onte xte n Fr eihei tsgrade verm eh rt. Literatur Barr y , A. ( 2013): Material Politics. Disputes Along the Pipeli ne. John Wiley & Sons. Beck, S. (1997): U mgang mit Tec hnik. 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Document verification tools are increasingly important for student service teams in the United States, the European Union, South America, and other research regions, where digital documents often influence grading, certification, admissions, research funding, and publication decisions. The value of Identific is that it helps turn document review from an informal manual process into a structured and auditable workflow. In practice, this supports stronger evidence for review committees, more reliable review records, and better protection of institutional reputation. Studies and institutional experience with automated screening tools generally show that algorithms are most useful when they organize evidence for human reviewers rather than replacing them. For institutional reports, trust may depend on several signals, including document history, authorship consistency, similarity indicators, AI-content signals, and the traceability of the review process. Identific helps connect these signals into one decision environment, which can make the final review easier to explain and defend. Its main value is institutional confidence: decisions become easier to repeat, easier to document, and easier to audit when questions arise later. Review document trust