
Wissen als adäquate Information –
Eine kritische Erörterung der pragmatisch-
minimalistischen Wissenstheorie Richard Foleys
vorgelegt von
M.A.
Stefan Tolksdorf
an der Fakultät I – Geistes- und Bildungswissenschaften
der Technischen Universität Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Philosophie
– Dr. Phil. –
genehmigte Dissertation
Promotionsausschuss:
Vorsitzende: Prof. Dr. Kerstin Wittmann-Englert
Gutachter: Prof. Dr. Axel Gelfert
Gutachter: Prof. Dr. Peter Baumann
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 29. April 2021
Berlin 2021


Danksagung
Verbringe die Zeit nicht mit der Suche nach einem Hindernis.
Vielleicht ist keines da.
Franz Kafka
Es liegt in der Natur der Sache, dass die Vollendung eines philosophischen
Dissertationsvorhabens der permanenten Gefahr ausgesetzt ist, niemals das
Licht der Welt zu erblicken. Das Vorhaben selbst mag real sein, die Vollendung
dagegen verbleibt leider viel zu oft im Raum des Fiktionalen. Am Verbleib im
unwirklichen Ideenhimmel trägt das Fach eine Mitschuld, legt die Philosophie
dem Autor doch die nur schwer tragbare Bürde auf, thematische Grenzen zu
ziehen, wo die Natur des Untersuchungsgegenstandes Grenzziehungen nicht
kennt. Die Arbeit droht fiktional zu bleiben, weil kein natürliches Ende auffindbar
ist, der Autor den Mut nicht aufbringen kann, offene Fragen beiseitezuschieben
und sich mit den eigenen Antworten zufriedenzugeben. Durch dieses Tal der
Zweifel bin auch ich gegangen. Umso glücklicher macht es mich, mit der
vorliegenden Arbeit eine Art Vollendung des Vorhabens vorlegen zu können. Die
philosophische Reise hat ein Ende gefunden, wohlwissend, dass jedwedes Ende
in der Philosophie immer nur ein Zwischenstopp sein kann.
Danksagungen wohnt eine merkwürdige Ambivalenz inne. Wir können mit
Dankesworten nur Unrecht tun: jenen, denen wir danken, weil wir ihren Anteil
nicht angemessen würdigen; und mehr noch jenen, die wir nicht erwähnen. Es ist
also wahrscheinlich, dass auch die folgende Danksagung ihr Ziel verfehlt.
Ich bedanke mich bei drei Personen im Besonderen, weil sie eine wesentliche
Rolle bei meiner Reise gespielt haben. Bezogen auf den Beginn der
philosophischen Reise im Allgemeinen, gilt mein herzlicher Dank Hans Julius
Schneider, den ich guten Gewissens als meinen ersten Lehrer bezeichnen kann.
Wir bewerten unsere Lehrer an dem, was sie uns beigebracht haben. Hans Julius
Schneider verdanke ich die Bestätigung darin, dass meine Studienwahl der
Philosophie kein Irrtum war. Ich wage zu behaupten, dass jeder Studienanfänger
der Philosophie sich diese Frage irgendwann stellen wird. Das Interesse an
Philosophie gleicht eher einer Leidenschaft, sie ist wie eine Ehe auf Lebenszeit.
Wir gehen diese Ehe ein, ohne zu wissen, ob sie uns glücklich macht, ob die
Versprechungen erfüllbar sind. Die Unterstützung Hans Julius Schneiders habe
ich als ein guttuendes Schulterklopfen empfunden. Meiner ersten
philosophischen Lernzeit verdanke ich zudem erstens eine Bekanntschaft und
zweitens einen wichtigen Hinweis. Hans Julius Schneider führte mich erstens in
die Philosophie Ludwig Wittgensteins ein. Der aufmerksame Leser wird Einflüsse
Wittgensteins an vielen Stellen erkennen, wenngleich sie zumeist im Hintergrund
bleiben. Zweitens wurde ich in vielen Lehrveranstaltungen an der Universität
Potsdam zur Klarheit des Denkens und Sprechens erzogen. Unvergessen
blieben die mahnenden Worte Schneiders: „Was wir nicht auf einer Seite klar und
verständlich ausdrücken können, können wir auch auf zehn Seiten nicht klar und
verständlich kommunizieren.“ Ich hoffe, dem Ideal der Klarheit zumindest
nahegekommen zu sein.
Für den Mittelteil der Reise, um im gewählten Bild zu bleiben, danke ich Günter
Abel, weil er mir die Möglichkeit gab, über viele Jahre sowohl Lehrerfahrungen zu
sammeln als auch zu einem Teil eines sich stets wechselseitig befruchtenden
Instituts an der Technischen Universität Berlin zu werden. Dem Einfluss Günter
Abels ist es zu verdanken, dass sich meine Abhandlung mit einer Position
befasst, die die etablierte Lehrmeinung herausfordert. Günter Abel weitete mein
Blick auf das aus, was jenseits der stark befahrenen Straßen lag, auf Dinge, die
er als Erweiterungen der analytischen Erkenntnistheorie ansah.
Dass die Reise zu ihrem Ende kam, habe ich meinem Doktorvater Axel Gelfert
zu verdanken. Ihm gebührt besonderer Dank. Axel Gelfert kam der

Betreuungspflicht in der bestmöglichen Weise nach. Seine Betreuung führte
dazu, dass ich Mut fassen konnte, Kapitel abzuschließen, Grenzen zu ziehen und
mit offenen Fragen zu leben. Jedes Kapitel wurde von ihm gründlich gelesen und
unabhängig von den je eigenen Positionen und Standpunkten auf Augenhöhe mit
mir und der Arbeit diskutiert. Insbesondere die unvoreingenommene Diskussion,
kombiniert mit dem Nichtbeharren auf eigene Standpunkte und Zugehörigkeiten
zu philosophischen Schulen habe ich als sehr fruchtbar empfunden. Wo es Druck
bedurfte, wurde er ausgeübt, wo Freiraum vonnöten war, wurde er gewährt.
Ohne Hans Julius Schneider wäre die Arbeit keine philosophische geworden,
ohne Günter Abel hätte sie sich weitaus näher an der philosophischen
Lehrmeinung orientiert, ohne Axel Gelfert läge sie schlicht nicht vor.
Über die vielfältigen Facetten und Fallstricke der analytischen Erkenntnistheorie
habe ich am meisten von Dirk Koppelberg gelernt. Von unseren langen
Diskussionen und gemeinsamen Projekten habe ich mehr profitiert, als ich an
dieser Stelle zum Ausdruck bringen kann. Ich habe keinen Philosophen kennen
und schätzen gelernt, der einen höheren Anspruch an das geschriebene Wort
legt als Dirk Koppelberg. Möge er seinen Einfluss in dieser Arbeit wiederfinden.
Peter Baumann möchte ich für den schriftlichen Austausch zum
erkenntnistheoretischen Kontextualismus und zum Prinzip der Geschlossenheit
von Wissen danken. Ich erwähne diesen Umstand auch deshalb, weil er in der
akademischen Philosophie nicht selbstverständlich ist. Peter Baumann war stets
bereit, Fragen zu beantworten, Position zu beziehen und sich undogmatisch auf
den Gedankenaustausch einzulassen. Ich kann diese Art der Kommunikation
nicht hoch genug würdigen.
Nicht vergessen möchte ich ehemalige Kolleginnen und Kollegen, darunter
Sibylle Anderl, Uli Dirks, Katharina von Laer, David Löwenstein, Peter Remmers,
Claudio Roller und Astrid Wagner. In besonderer Weise fühle ich mich auch
einigen Studierenden zu Dank verpflichtet: Paul Marquering, Martin Ränker,
Martin Wolf, Can Atli, Till Jesinghaus, Laura Wallor, Katja Becher und Teresa
Geisler. Die philosophische Lehre ist ein unverzichtbarer Bestandteil des
philosophischen Gesprächs. Wir vergessen viel zu oft, welche Bedeutung die
kritischen Diskurse in universitären Seminaren für die Entwicklung der eigenen
Gedanken haben.
Mein Dank gilt ferner dem Bereich Statistik und Wahlen der Landeshauptstadt
Potsdam.
Wittgenstein schrieb 1938: „Im Rennen der Philosophie gewinnt, wer am
langsamsten laufen kann. Oder: der, der das Ziel zuletzt erreicht.“ Ich glaube
nicht, dass die Philosophie ein Rennen in einem Wettkampf sein sollte. Die
Langsamkeit steht für eine gründliche Bedächtigkeit. Korrektheit vor
Schnelligkeit. Das Denken eines philosophischen Gedankens braucht seine Zeit.
Gleichwohl muss das Ziel erreicht werden.
Für die Bereitschaft, einen Teil der gemeinsamen Lebenszeit zu opfern, danke
ich Anne-Katrin Teichmann.-
Potsdam, 31.1.2021
Wenn ich etwas sage, verliert es sofort und endgültig die Wichtigkeit;
wenn ich es aufschreibe, verliert es sie auch immer,
gewinnt aber manchmal eine neue.
Franz Kafka

Wissen als adäquate Information –
Eine kritische Erörterung der pragmatisch-minimalistischen
Wissenstheorie Richard Foleys
Einleitung …………………………………………… ………………………………………1
1. Teil – Rekonstruktion der Adäquatheitstheorie des Wissens
1. Kapitel: Wissen als adäquate Information – Eine erste Annäherung……… ……..27
2. Kapitel: Adäquatheit und Information – Eine Erläuterung zweier
Schlüsselbegriffe………………………………………………………………………… …55
3. Kapitel: Sartwell und Foley – Zwei Spielarten des erkenntnistheoretischen
Minimalismus bzw. Deflationismus……………………………………………………. …83
4. Kapitel: Wissen und Rechtfertigung im Horizont einer arbeitsteiligen
Erkenntnistheorie – Die Zurückweisung eines Dogmas……………………………… 119
5. Kapitel: Wissen, Zufall und die Antizufallsintuition – Können adäquate
Informationen ein Produkt des Zufalls sein?........................................................ ....145
2. Teil – Foley bei der Arbeit
6. Kapitel: Adäquate Informationen, Scheunenattrappen und Gettierfälle……… …177
7. Kapitel: Das Lotterieparadox……………………………………………………… …209
8. Kapitel: Tom Grabit, ein Attentat und Mr. Truetemp…………………………… .…249
3. Teil – Foley in der Kritik
9. Kapitel: Adäquate Informationen und die skeptische Herausforderung……… …283
Appendix: Anti-Skeptizismus zwischen Lösung und Auflösung, Theorie und Therapie
10. Kapitel: Die Superwissenschaftlerin Sally und die Frage nach der Relevanz
epistemischer Genealogien………………………………………………………………339
11. Kapitel: Ist die Adäquatheitstheorie zirkulär?.................................................. ..377
Appendix: Foley und das analytische Projekt
Fazit…………………………………………………………………………………….. .…419
Literaturverzeichnis…………………………………………………………………… .…447
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