scieee Science in your language
[de] (orig)
Dauerw ahrnehm ung und Nutzererleb en
in der Mensc h-Computer-In teraktion
v orgelegt v on
Dipl.-Psyc h.
Anna Katharina T ruk en bro d (geb orene T rapp)
OR CID: 0000-0003-4994-2288
an der F akultät V – V erk ehrs- und Masc hinensysteme
der T ec hnisc hen Univ ersität Berlin
zur Erlangung des ak ademisc hen Grades
Doktor der Naturwissensc haften
– Dr. rer. nat. –
genehmigte Dissertation
Promotionsaussc h uss:
V orsitzender: Prof. Dr. Markus F eufel
Gutac h ter: Prof. Dr. Manfred Th üring
Gutac h ter: Prof. Dr. Florian Klapproth
T ag der wissensc haftlic hen Aussprac he: 22.11.2019
Berlin 2020

ii

“Allting är m yc k et osäk ert, o c h det är just det som lugnar mig.”
“Alles ist sehr ungewiss und genau das b eruhigt mic h.”
T o o-ticki in T r ol lvinter, T ove Jansson, 1957

iv

Danksagung
Eine Dissertation en tsteh t nie ohne Hilfestellung und für all die geleistete Un-
terstützung mö c h te ic h mic h herzlich bedanken, zunäc hst b ei meinem Betreuer
und Erstgutac h ter Manfred Th üring. Du hast mir Spielraum gegeb en, eigene
Ideen zu en t wic k eln und Sch w erpunkte in meiner Arb eit zu setzen, w ährend
Du gleic hzeitig immer als Sparring P artner für einen Gedank enaustausc h zur
V erfügung standest. Das erfordert V ertrauen un d einander Ernst zu nehmen,
ab er auc h zu ertragen, w enn das Gegen üb er manc hmal W arn ungen in den
Wind sc hlägt, sc heitert und daran w äc hst. Für dieses Arb eitsklima und die
Un terstützung mö c h te ic h Dir dank en. Florian Klapproth hat seine Rolle als
Zw eitb etreuer und -gutac h ter b ereits früh im Prozess meiner Promotion üb er-
nommen. Ic h dank e Dir, Florian, dafür, dass Du b ei F ragen und Diskussionen
immer sofort zur V erfügung standest und Dir die Zeit für mic h genommen
hast.
Ein wic h tiger F aktor b eim Erstellen einer Dissertation ist das zwisc hen-
mensc hlic he Klima in der Arb eitsgrupp e. Meine früheren und derzeitigen K ol-
legen und K olleginnen Angelik a Engling, Carolin Wienric h, Christin Bösc ho w,
F abienne Ro c he, F riederice Schröder, Karin Scherrinsky-Pingel, Katharina
Jungnic k el, Mic hael Minge, Nik olaus Rötting, Nils Bac khaus, Ronn y Rec kin,
Sandra Epple und Stefan Branden burg hab en durc h viel Lac hen, geteilte
Erlebnisse und V erlässlichk eit dafür gesorgt, dass ic h mic h immer sehr w ohl
gefühlt hab e. Besonders herv orheb en m uss ic h Nik olaus und Nils, die durc h
ihre wunderbare Art so manc hes emotionales Auf und Ab aufgefangen hab en.
Dafür ein großes Dank esc hön.
Während meiner Promotionszeit durfte ic h mit einer Vielzahl an Studieren-
den zusammenarb eiten. Ich mö c h te mic h herzlic h b ei Anna Stein bac h, Anne
Sc hmitt, Ektarina Kim, F ranzisk a Ullric h, Florian Grieb, Kevin Nürc k, Lena
Mro w etz, Lennart Sc horling, Maik e Rothe und T atiana Balasho v a b edank en.
Die Betreuung eurer Absc hlussarb eiten im Rahmen des F orsc h ungspro jekts,
aus dem meine Dissertation gew ac hsen ist, hat mic h viel gelehrt und mir in
den meisten Momen ten viel Spaß gemac h t.
Ein sehr großes Dank e geh t an meine F amilie. Meinem Bruder v erdank e
ic h v erm utlic h, dass ic h die K ognitiv e Ergonomie als F ac hric h tung ausgew ählt
v

hab e. Maurits Adam möch te ic h dank en für das offene Ohr, das aufmerksame
Lesen und die vielen geteilten Stunden in Hyrule. Ohne Hans T ruk en bro d hätte
ic h meine Promotion jedo c h nic h t in dieser F orm abgesc hlossen. Ic h dank e Dir
für all die Dinge, die Du mir b eigebrac h t hast und für Deine Geduld, w enn
ic h endlos üb er Argumen tationsk etten und Analysen sinniere. Meinen Eltern
gehört jedo c h der größte Dank. Sie hab en immer den p erfekten W eg zwisc hen
Un terstützen und Mac hen lassen gefunden. Auf dem langen W eg sc h ulisc her
und univ ersitärer Bildung hätte ic h mir k eine b esser Un terstützung wünsc hen
k önnen.
vi

Zusammenfassung
Im K on text v on Mensc h-Computer-In teraktionen wird die In teraktionsdau-
er häufig als ob jektiv er Indik ator für die Effizienz o der die V erständlic hk eit
eines Systems gen utzt. Die Dauer wird jedo c h auc h vom Nutzer sub jektiv
w ahrgenommen. V or diesem Hin tergrund ist es das Ziel der v orliegenden Ar-
b eit zu un tersuc hen, (1) wie Nutzer In teraktionsdauern w ahrnehmen und (2)
wie diese W ahrnehm ung mit anderen Erleb enskomponenten zusammenhängt.
Dazu wurde im Rahmen v on vier Studien Dauerw ahrnehm ung (op erationali-
siert durc h prosp ektiv e Dauersc hätzung, Dauerb ew ertung und Zeitflussb eur-
teilung) zusammen mit anderen K omp onen ten des Nutzererleb ens b etrac h tet.
In den ersten drei Studien absolvierten Nutzer ( N 1 = 61 , N 2 = 80 , N 3 = 33 )
Aufgab en auf v ersc hiedenen W ebseiten. Die Ergebnisse zu F rage (1) zeigten,
dass die Dauern meist üb ersc hätzt und v on der Zw eitaufgab e lautes Denk en
v erzerrt wurden. Dies en tsprac h V orhersagen k ognitionspsyc hologisc her Mo-
delle zu prosp ektiv en Dauersc hätzungen. Dauerb ew ertungen und Zeitflussb e-
urteilungen wurden hingegen primär durc h Asp ekte des Systems und nic h t
der Aufgab e b eeinflusst. Die Ergebnisse zu F rage (2) deuteten darauf hin,
dass die Dimensionen der Dauerw ahrnehm ung mit v ersc hiedenen K omp onen-
ten des Nutzererleb ens k o v ariierten, v or allem mit der W ahrnehm ung instru-
men teller Qualitäten und der V alenz. In der vierten Studie ( N 4 = 60 ) wur-
den Dauerb ew ertung und Zeitflussb eurteilung in einer Sim ulationsumgebung
näher un tersuc h t. Hier zeigte sic h, dass die Dauerb ew ertung primär auf der
Dauersc hätzung b eruh t, jedo c h auc h v om emotionalen Zustand des Nutzers
b eeinflusst wird. Die Zeitflussb eurteilung wies hier deutlic he Un tersc hiede zur
Dauersc hätzung und -b ew ertung auf. Zusammengefasst wird gesc hlussfolgert,
dass (1) Nutzer die Dauer v on In teraktionen w ahrnehmen und b ew erten. Die
Bew ertung erfolgt so w ohl absc hließend auf Basis der Gesam tdauer (Dauerb e-
w ertung) als auc h auf Basis des erlebten Zeitflusses w ährend der In teraktion
(Zeitflussb eurteilung). Die korrelativ en Zusammenhänge zu K omp onenten des
Nutzererleb ens stützen zudem die Annahme, dass (2) die W ahrnehm ung v on
Dauern, v or allem in Bezug auf die Dauerb ew ertung, ein in tegraler Bestand-
teil des Nutzererleb ens ist und als T eil der W ahrnehm ung der instrumen tellen
Qualitäten gesehen w erden k ann.
Sc hlagw örter: Nutzererleb en, Zeit w ahrnehm ung, Dauersc hätzung, Dauer-
b ew ertung, P assage of Time

Abstract
In the field of h uman-computer-in teraction, the duration of the in teraction is
often used as an ob jectiv e indicator for the usabilit y of a system. The sub jec-
tiv e p erception of the duration is, ho w ev er, mostly ignored. In the presen ted
thesis, I ask (1) ho w users p erceiv e the duration of an in teraction and (2) ho w
this p erception correlates with the user exp erience (UX). In four studies, the
UX w as measured together with the user’s p erception of time in terms of an
estimated duration, an o v erall assessmen t of the duration and a passage of time
judgmen t. In studies 1 to 3 ( N 1 = 61 , N 2 = 80 , N 3 = 33 ), users solv ed tasks
on differen t w eb pages. The results regarding question (1) sho w ed that the
duration of the in teraction w as mostly o v erestimated. In addition, estimates
w ere distorted when users p erformed a secondary task (think aloud). These
results are in line with the predictions from cognitiv e mo dels of prosp ectiv e
time p erception. In con trast, the ov erall assessment and the passage of time
judgmen ts w ere primarily affected b y the usabilit y of the system and not b y
the task. The results regarding question (2) indicated that the p erception of
an in teraction’s duration co v aried with the p erception of instrumen tal qualities
as w ell as the affectiv e state of the user. Study 4 ( N 4 = 60 ) fo cussed on the
emergence of o v erall assessmen ts and passage of time judgmen ts. The results
sho w ed that the o v erall assessmen t of a duration is strongly based up on the es-
timated duration but also affected b y the user’s affectiv e state. P assage of time
judgmen ts, ho w ev er, sho wed no suc h effects indicating that th ey ha v e to b e
disso ciated from the other dimensions of duration p erception. In conclusion,
(1) when a user p erforms an in teraction with a computer, he/she p erceiv es and
ev aluates time on differen t dimensions. (2) These dimensions are an in tegral
part of UX. Esp ecially the o verall assessmen t of the duration is argued to b e
part of the p erception of instrumen tal qualities.
Keyw ords: user exp erience, time p erception, estimated duration, o v erall
assessmen t of a duration, passage of time

Inhaltsv erzeic hnis
I Theoretisc her Hin tergrund 1
1 Einleitung 3
2 Nutzererleb en in der Mensc h-Computer-In teraktion 7
2.1 Reduktionistisc he K onzeptionen v on UX . . . . . . . . . . . . 8
2.2 Zeitlic he Dimensionen des Nutzererleb ens . . . . . . . . . . . . 15
2.3 Zwisc henfazit zum Nutzererleb en . . . . . . . . . . . . . . . . 17
3 Erlebte Zeit - prosp ektiv e Dauersc hätzungen 19
3.1 Mo delle und Theorien zur erlebten Zeit . . . . . . . . . . . . . 22
3.2 Befunde im prosp ektiv en P aradigma . . . . . . . . . . . . . . 31
3.3 Zwisc henfazit zur erlebten Zeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
4 Zeitempfinden 45
4 . 1 D a u e r b e w e r t u n g e n ........................ 4 7
4.2 Zeitflussb eurteilungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
4.3 Zwisc henfazit zum Zeitempfinden . . . . . . . . . . . . . . . . 53
5 F orsc h ungsfragen und Üb erleitung 55
I I Empirisc he Arb eiten 59
6 Studie I: Effekte v on System und Aufgab e auf Dauer-
w ahrnehm ung 61
6 . 1 M e t h o d e.............................. 6 3
6 . 2 E r g e b n i s s e ............................. 7 5
6 . 3 D i s k u s s i o n ............................. 8 2
vii

7 Studie I I: V alidierung der Effekte v on System und Aufgab e
auf Dauerw ahrnehm ung 89
7 . 1 M e t h o d e.............................. 9 0
7 . 2 E r g e b n i s s e ............................. 9 8
7 . 3 D i s k u s s i o n ............................. 1 0 7
8 Studie I I I: K orrelationen zwisc hen Dauerw ahrnehm ung und
UX b ei "‘ec h ten In teraktionen"’ 117
8 . 1 M e t h o d e.............................. 1 1 9
8 . 2 E r g e b n i s s e ............................. 1 2 6
8 . 3 D i s k u s s i o n ............................. 1 3 0
9 Studie IV: Effekte v on System und Dauer auf Dauerb ew er-
tung und Zeitflussb eurteilung 137
9 . 1 M e t h o d e.............................. 1 3 9
9 . 2 E r g e b n i s s e ............................. 1 4 8
9 . 3 D i s k u s s i o n ............................. 1 5 6
I I I Diskussion 163
10 Allgemeine Diskussion 165
10.1 Dauerw ahrnehm ung w ährend Mensc h-Computer-Interaktionen 167
10.2 Dauerw ahrnehm ung und Nutzererleb en . . . . . . . . . . . . . 179
10.3 An w endungsasp ekte der Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . 183
1 0 . 4L i m i t a t i o n e n ............................ 1 8 7
1 0 . 5F a z i t ................................ 1 9 2
IV Anhang 195
Literaturv erzeic hnis 197
A Abkürzungen 219
B Statistisc he Metho den 221
B.1 Gemisc h tes lineares Mo dell - LMM . . . . . . . . . . . . . . . 222
B.2 K orrelationen b ei Messwiederholung . . . . . . . . . . . . . . . 233
viii

C Zusammenfassung aller Hyp othesen 237
D Anhang Studie I 241
D.1 V ersuc hsmaterialien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 241
D . 2 P o w e r a n a l y s e n ........................... 2 4 3
D.3 Hauptk omp onen tenanalysen zur Dauerb ew ertung . . . . . . . 244
D.4 K orrelationen der UX-b ezogenen V ariablen . . . . . . . . . . . 246
D.5 Analyse der UX-b ezogene V ariablen . . . . . . . . . . . . . . . 247
E Anhang Studie I I 249
E.1 V ersuc hsmaterialien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 249
E.2 Besc heinigung der Ethikk ommission . . . . . . . . . . . . . . . 250
E . 3 P o w e r a n a l y s e n ........................... 2 5 1
E.4 Hauptk omp onen tenanalysen zur Dauerb ew ertung . . . . . . . 252
E.5 K orrelationen der UX-b ezogenen V ariablen . . . . . . . . . . . 254
E.6 Analyse der UX-b ezogene V ariablen . . . . . . . . . . . . . . . 255
F Anhang Studie I I I 257
F.1 V ersuc hsmaterialien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 257
F.2 Besc heinigung der Ethikk ommission . . . . . . . . . . . . . . . 259
F . 3 P o w e r a n a l y s e n ........................... 2 6 0
F.4 K orrelationen der UX-b ezogenen V ariablen . . . . . . . . . . . 260
G Anhang Studie IV 261
G.1 V ersuc hsmaterialien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 261
G.2 Besc heinigung der Ethikk ommission . . . . . . . . . . . . . . . 263
G . 3 P o w e r a n a l y s e n ........................... 2 6 4
G.4 K orrelationen der UX-b ezogenen V ariablen . . . . . . . . . . . 265
ix

x

Abbildungsv erzeic hnis
2.1 CUE-Mo dell nac h Minge und Th üring (2018) . . . . . . . . . . 14
3.1 Informations-Prozess-Mo dell der Dauerwahrnehm ung nac h T reis-
m a n ( 1 9 6 3 ) ............................ 2 3
3.2 Scalar Timing Theory nac h Gibb on et al. (1984) . . . . . . . . 26
3.3 Dual-Pro cess Con tingency Mo del nac h Zak a y (1993a) . . . . . 29
3.4 A tten tional Gate Mo del nac h Zak a y und Blo c k (1995) . . . . . 31
5.1 Op erationalisierung W ahrnehm ung v on In teraktionsdauern . . 56
5.2 Üb ersic h t üb er die Studien I bis IV . . . . . . . . . . . . . . . 57
6.1 Studie I: Üb ersic h t üb er den V ersuc hsablauf . . . . . . . . . . 65
6.2 Studie I: W ebseiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
6.3 Studie I: Effekte der UV n auf Dauer, Dauersc hätzung und PTRs 77
6.4 Studie I: Effekt der UV Usabilit y auf Dauerb ew ertung . . . . . 79
6.5 Studie I: Effekte der UV n auf K omp onen ten des Nutzererleb ens 83
7.1 Studie I I: W ebseiten Aufgab e A . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
7.2 Studie I I: Effekte d er UV n auf Dauer, Dauersc hätzung und PTRs 100
7.3 Studie I I: Effekte der UV n auf das Zeitempfinden . . . . . . . 102
7.4 Studie I I: Effekte der UV n auf K omp onen ten des Nutzererleb ens 106
8.1 Studie I I I: Üb ersic h t üb er den V ersuchsablauf . . . . . . . . . 121
8.2 Studie I I I: Effekte der Aufgab en . . . . . . . . . . . . . . . . . 127
9.1 Studie IV: Annahmen zu Einflüssen auf das Zeitempfinden . . 138
9.2 Studie IV: In terface des Heizungssystems . . . . . . . . . . . . 141
9.3 Studie IV: Üb ersic h t üb er den V ersuc hsablauf . . . . . . . . . 143
9.4 Studie IV: V eransc haulic h ung der Mediatoranalyse . . . . . . . 146
xi

9.5 Studie IV: Effekte der UV n auf Dauersc hätzung und K omp o-
nen ten des Nutzererleb ens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150
9.6 Studie IV: Effekte der UV n so wie Dauersc hätzung und V alenz
a u f D a u e r b e w e r t u n g ....................... 1 5 4
10.1 Studien I bis IV: Streudiagramm der Dauern und Dauer-
s c h ä t z u n g e n ............................ 1 6 7
B.1 K o dierungsarten für zw eistufige, nominalsk alierte Prädiktoren 228
B.2 Un tersc hied zwisc hen K orrelationen basierend auf gemittelten
W erten und Innersub jektk orrelationen . . . . . . . . . . . . . 236
D.1 Studie I: Selbsten t wic k elte Sk alen . . . . . . . . . . . . . . . . 242
E.1 Studie I I: Besc heinigung Ethikk ommission . . . . . . . . . . . 250
F.1 Studie I I I: Selbsten t wic k elte zeitb ezogene Sk alen . . . . . . . . 258
F.2 Studie I I I: Besc heinigung Ethikk ommission . . . . . . . . . . . 259
G.1 Studie IV: Selbsten t wic k elte Sk alen . . . . . . . . . . . . . . . 262
G.2 Studie IV: Besc heinigung Ethikk ommission . . . . . . . . . . . 263
xii

T ab ellen v erzeic hnis
3.1 Arten zur Abgab e v on Dauersc hätzungen. . . . . . . . . . . . 21
3.2 Studien zum Arousaleffekt im prosp ektiven P aradigma . . . . 34
6.1 Studie I: K orrelationsh yp othesen . . . . . . . . . . . . . . . . 70
6.2 Studie I: Effekte der UV n auf Dauer, Dauersc hätzung und PTRs 76
6.3 Studie I: K omp onen tenladungen erster Messzeitpunkt nac h Ex-
p l o r a t i o n .............................. 7 8
6.4 Studie I: Effekte der UV n auf Dauerb ew ertung . . . . . . . . . 80
6.5 Studie I: Innersub jektk orrelationen . . . . . . . . . . . . . . . 81
7.1 Studie I I: Aufgab en und Usabilit y-Probleme . . . . . . . . . . 93
7.2 Studie I I: Üb ersic h t üb er A V n . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
7.3 Studie I I: K orrelationsh yp othesen . . . . . . . . . . . . . . . . 97
7.4 Studie I I: Effekte d er UV n auf Dauer, Dauersc hätzung und PTRs 99
7.5 Studie I I: Effekte der UV n auf Dauerb ew ertung und Zeitfluss-
b e u r t e i l u n g ............................ 1 0 3
7.6 Studie I I: Innersub jektk orrelationen . . . . . . . . . . . . . . . 104
7.7 Studien I und I I: Zusammenfassung der Ergebnisse . . . . . . 109
8.1 Studie I I I: Inhalte der Aufgab en . . . . . . . . . . . . . . . . . 122
8.2 Studie I I I: Effekt der Aufgab en auf w ahrgenommene Usabilit y ,
Aufgab endauer und Sc hätzv erzerrungen . . . . . . . . . . . . . 128
8.3 Studie I I I: Innersub jektk orrelationen . . . . . . . . . . . . . . 130
9.1 Studie IV: Effekte der UV n auf Dauersc hätzung, w ahrgenommene
Usabilit y , w ahrgenommene A ttraktivität und V alenz . . . . . . 149
9.2 Studie IV: Effekte der UV n auf Dauerschätzung und Zeitfluss-
b eurteilung so wie Mediatoranalysen . . . . . . . . . . . . . . . 153
xiii

9.3 Studie IV: Innersub jekt- und reguläre K orrelationen . . . . . . 155
10.1 V ergleic h Innersub jektk orrelationen zwisc hen Studien . . . . . 169
D.1 Studie I: Ausbalancierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 241
D.2 Studie I: P o w eranalysen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 243
D.3 Studie I: K omp onen tenladungen zw eiter und dritter Messzeit-
punkt nac h Exploration . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 244
D.4 Studie I: K omp onentenladungen Aufgab en A, B und C . . . . 245
D.5 Studie I: Innersub jektk orrelationen UX-b ezogene V ariablen . . 246
D.6 Studie I: Effekte der UV n auf w ahrgenommene Usabilit y und
w ahrgenommene A ttraktivität . . . . . . . . . . . . . . . . . . 247
D.7 Studie I: Effekte der UV n auf V alenz und Arousal . . . . . . . 248
E.1 Studie I I: Ausbalancierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 249
E.2 Studie I I: P o w eranalysen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 251
E.3 Studie I I: Komponentenladungen erster bis dritter Messzeit-
p u n k t ............................... 2 5 2
E.4 Studie I I: K omp onen tenladungen vierter Messzeitpunkt und
A u f g a b e n A u n d B ........................ 2 5 3
E.5 Studie I I: Komponentenladungen Aufgab en C und D . . . . . 254
E.6 Studie I I: Innersub jektk orrelationen UX-b ezogene V ariablen . 254
E.7 Studie I I: Effekte der UV n auf w ahrgenommene Usabilit y und
w ahrgenommene A ttraktivität . . . . . . . . . . . . . . . . . . 255
E.8 Studie I I: Effekte der UV n auf V alenz und Arousal . . . . . . . 256
F.1 Studie I I I: Häufigk eiten der Aufgab enreihenfolge . . . . . . . . 257
F.2 Studie I I I: P o w eranalysen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 260
F.3 Studie I I I: Innersub jektk orrelationen UX-b ezogene V ariablen . 260
G.1 Studie IV: Ausbalancierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 261
G.2 Studie IV: P o w eranalysen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 264
G.3 Studie IV: Innersub jektk orrelationen UX-b ezogene V ariablen . 265
xiv

T eil I
Theoretisc her Hin tergrund:
Nutzererleb en und
Dauerw ahrnehm ung
1

Kapitel 1
Einleitung
Zeit spielt in unserem Leb en eine wic h tige Rolle. Sie b estimm t T eile unserer
Handlungen, unserer Handlungsabfolgen und ist eine V oraussetzung für Erin-
nerung und Plan ung. Sie dien t als Orien tierungsmittel (Elias, 1988) o der im
F alle v on Zeitdauern auc h als Signal, dass et w as nic h t wie geplan t v erläuft
(Wittmann, 2013). Do c h Zeit ist nic h t n ur eine messbare, ph ysik alisc he Größe.
Sie wird v om Mensc hen sub jektiv w ahrgenommen und erlebt. Beispiele hier-
für sind Dauersc hätzungen, Erw artungen, w ann ein Ereignis ein treten sollte,
ab er auc h das Gefühl nic h t endender Min uten in einer W artesituation o der das
Erleb en v on v erfliegender Zeit, die mit guten F reunden v erbrac h t wird. Zeit-
und Dauerw ahrnehm ung ist also abzugrenzen v on Zeit als messbare Größe. Sie
k ann nah an der ob jektiv en Zeit sein, ist manc hmal ab er auc h stark v erzerrt.
Sie ist ein wic h tiger T eil unseres Erleb ens und k ann Einfluss auf Bew ertungen,
En tsc heidungen und das V erhalten hab en (Ariely & Zak a y, 2001).
Im K on text der Mensc h-Computer-In teraktion w erden Dauern meist n ur
ob jektiv b etrac h tet. Die Zeit, die ein Nutzer b enötigt, um eine Aufgab e mit
einem Computer erfolgreic h abzusc hließen, wird häufig als Indik ator für die Ef-
fizienz des Systems in terpretiert (Bev an, 2009; Alb ert, T ullis & T edesco, 2009;
F røkjær, Hertzum & Horn bæk, 2000; Lesemann, W oletz & K o erb er, 2007).
Dab ei wird Effizienz als eine Kerndimension v on Gebrauc hstauglic hkeit oder
Usabilit y v erstanden (DIN, EN ISO 9241-11, 2018; Nielsen, 1994, 2012). Ab er
nic h t n ur auf die Effizienz wird auf Basis der Aufgab endauer gesc hlossen. An-
dere Autoren b esc hreib en, dass Bearb eitungszeiten ein Indiz für die V erständ-
lic hk eit und In tuitivität der Ben utzung (Blac kler, P op o vic & Mahar, 2010) o der
3

KAPITEL 1. EINLEITUNG
für die Selbstb esc hreibungsfähigk eit und Erw artungsk onformität des Systems
(DIN, EN ISO 9241-11, 2018) sind.
Diese In terpretation v on Bearb eitungszeiten erfolgt im Rahmen v on
Usabilit y- o der UX-T ests auf Basis ob jektiv er Messw erte und wird v om T est-
leiter durc hgeführt. Nutzern stehen die Bearb eitungszeiten jedo c h auc h zur
V erfügung. Au c h w enn sie meist k eine genaue, ob jektiv e Zeitdauer gemessen
hab en, so hab en Nutzer ein Gespür dafür, wie lange eine Interaktion gedauert
hat und wie sie diese Dauer b ew erten. Eine solc he sub jektiv e Dauerw ahr-
nehm ung k ann in das allgemeine Erleb en der In teraktion in tegriert w erden,
das sogenann te Nutzer erleb en o der auc h User Exp erienc e (UX) genann t. Sie
ist allerdings k ein exaktes Abbild der tatsäc hlic hen Dauern, sondern un terliegt
dem Einfluss v ersc hiedener F aktoren. W elc he F aktoren dies sind und wie sie
wirk en, k ann aus k ognitionspsyc hologisc hen F orsch ungsarb eiten und Mo dellen
abgeleitet w erden.
Vor dem Hin tergrund dieser Grundlagen ist es das Ziel der v orlie-
genden Arb eit, den Einfluss v on In teraktionsdauern auf das Nutzer-
erleb en b esser zu v erstehen, um v erlässlic he und fundierte V orhersa-
gen üb er die Bedeutung v on Dauern und Dauerw ahrnehm ung w äh-
rend einer Mensc h-Computer-In teraktion mac hen zu k önnen.
Hierzu gehört auf der einen Seite die Un tersuc h ung d er Dauerw ahrnehm ung
w ährend einer In teraktion. Möglic he F ragestellungen k önnen sic h darauf b e-
ziehen, ob und w ann es zu systematisc hen V erzerrungen in der Dauerw ahr-
nehm ung w ährend einer Mensc h-Computer-In teraktion k omm t und ob diese
mit k ognitionspsyc hologisc hen Grundlagen b efunden üb ereinstimmen. Auf der
anderen Seite stellt sic h die F rage, w elc he Zusammenhänge es zwisc hen v er-
sc hiedenen Dimensionen der Dauerw ahrnehm ung und des Nutzererleb ens gibt.
Beide T eilasp ekte des F orsc h ungsziels sind an der Sc hnittstelle zwisc hen F or-
sc h ung zum Nutzererleb en und k ognitionspsyc hologisc her F orsc h ung zur W ahr-
nehm ung v on Dauern anzusiedeln. Im theoretisc hen Hin tergrund w erden daher
b eide F orsc h ungsb ereic he trotz geringer Üb ersc hneidungen b ehandelt und bil-
den die Grundlage für die Bearb eitung des F orsch ungsziels.
Im F okus der v orliegenden Arb eit stehen einzelne Interaktionen zwisc hen
Nutzern und Computern mit Dauern v on w enigen Min uten, in denen W arte-
zeiten o der Systemv erzögerungen ( delays ) k eine große Rolle spielen. F orsc h ung
4

zu den Auswirkungen v on W arte- o der Latenzzeiten auf das Nutzererleb en gibt
es b ereits w eit mehr (z.B. Ho xmeier & DiCesare, 2000; Sears, Jac k o & Borella,
1997; Szameitat, Rummel, Szameitat & Sterr, 2009) als F orsc h ung zum Effekt
v on In teraktionsdauern. Daher steh t Letzteres im Zen trum dieser Arb eit.
Darüb er hinaus wird auf In teraktionen fokussiert, in denen die Dauer eine
kritisc he K omp onen te der In teraktion ist. Beispiele hierfür sind das Suc hen
v on Informationen auf einer W ebseite, das Kaufen einer F ahrk arte in einem
einem Online-Shop o der das Bearb eiten eines Dokumen ts mit einem T extv er-
arb eitungsprogramm. In den b esc hrieb enen In teraktionen hat die Zeitdauer bis
zum erfolgreic hen Absc hluss der In teraktion eine hohe Bedeutung, da die In-
teraktion primär eine sc hnelle und einfac he Zielerreic h ung erlaub en soll. Zak a y
(2015) argumen tiert, dass eine solc he hohe temp orale Relev anz zu einer v er-
stärkten Zu w endung v on Aufmerksamk eit auf das V erstreic hen der Zeit führt,
w o durc h Dauern pr osp ektiv w ahrgenommen w erden. Dies ist abzugrenzen v on
einer r etr osp ektiven Dauersc hätzung, b ei der k einerlei Aufmerksamk eit auf das
V erstreic hen der Zeit w ährend des Erleb ens des In terv alls geric h tet wird. Da-
her steh t das P aradigma der prosp ektiv en Dauerw ahrnehm ung im F okus der
v orliegenden Arb eit.
Im Rahmen der F orsc h ung zur Dauerw ahrnehm ung hat sic h in den letzten
Jahren jedo c h no c h eine w eitere Betrac h tu ngsw eise in der psyc hologisc hen F or-
sc h ung etabliert: Zeitempfinden ( fe elings ab out time , W earden, 2015, S. 165).
W earden, O’Donogh ue, Ogden und Mon tgomery (2014) b eschreiben dieses
Empfinden anhand einer W artesituation: Auc h w enn dem W artenden 1 b ewusst
ist, dass er n ur fünf Min uten gew artet hat, k ann er trotzdem äußern, dass es
sic h viel länger angefühlt hat. Zeitempfinden k ann ab er auc h w ährend einer
W artedauer en tstehen, w enn der W artende b eispielsw eise den Min utenzeiger
seiner Uhr b etrach tet und das Gefühl hat, dass sic h jede Min ute unendlic h lan-
ge zieh t. Diese Art des Zeitempfindens b eschreibt k eine Bew ertung der Dauer
in Bezug auf ihre Länge, sondern ein Gefühl üb er das Fließen bzw. V ergehen
der Zeit ( p assage of time ).
In der Mensc h-Computer-In teraktion k ann das Zeitempfinden als ein Emp-
1 Zur b esseren Lesbark eit wird auf die V erw endung der männlichen und w eiblic hen Sprac h-
form v erzic h tet. Säm tlic he P ersonen b ezeic hnungen gelten gleic h w ohl für die weiblic he und
männlic he F orm (generisc hes Maskulin um).
5

KAPITEL 1. EINLEITUNG
finden üb er die In teraktionsdauer in terpretiert w erden. Auc h w enn es nahe-
liegend sc hein t, eine zeitlic he Erleb ensk omp onen te im Rahmen des Nutzer-
erleb ens zu b etrac h ten (Hassenzahl, 2004), gibt es bis jetzt w enig F orsc h ung
hierzu (Liikk anen & Gómez Gómez, 2013). Um diese Lüc k e zu sc hließen, soll
in der v orliegenden Arb eit die Relev anz der Dauerw ahrnehm ung eines Nutzers
für das En tstehen eines sp ezifisc hen Nutzererleb ens theoretisc h erarb eitet und
empirisc h un tersuc h t werden. Der F orsc h ungsgegenstand Dauerw ahrnehm ung
umfasst dab ei die prosp ektiv e Dauerw ahrnehm ung im Sinne v on Dauersc hät-
zungen als auc h das Zeitempfinden im Sinne einer Dauerb ew ertung und einer
Zeitflussb eurteilung.
6

Kapitel 2
Nutzererleb en in der
Mensc h-Computer-In teraktion
Nutzererleb en o der auc h User Exp erience (UX) genann t, b esc hreibt das Erle-
b en des Nutzers während einer In teraktion mit einem technisc hen Gerät o der
einer tec hnisc hen Ob erfläc he. Diese Umsc hreibung v on UX wirkt zunäc hst sehr
sc h w ammig, da der Begriff Erleb en sc h w er zu definieren ist. Diese Unklarheit
spiegelt sic h auc h in der Vielzahl der Definitionen v on UX wider (Lallemand,
Gronier & K o enig, 2015; La w, Roto, Hassenzahl, V ermeeren & K ort, 2009).
Viele dieser Definitionen hab en jedo c h gemeinsam, dass sie die Sub jektivität
und die Ganzheitlic hk eit v on UX hervorheben (Hassenzahl, Burmester & K ol-
ler, 2008). W as b edeutet das?
Die Sub jektivität v on UX b esteh t darin, dass das Erleb en des Nutzers in
den Mittelpunkt gestellt wird (Hassenzahl, 2003, 2008; Hassenzahl, Ec k oldt &
Thielsc h, 2009; Hassenzahl et al., 2008; La w et al., 2009). Dieses ist p er se
sub jektiv, da es nic h t ob jektiv gemessen w erden k ann, sondern n ur durc h die
Befragung des Nutzers zugänglic h wird. Dies findet sic h auc h in v ersc hiedenen
Definitionen zu UX wieder, in denen UX b eispielsw eise als „ W ahrnehm ungen
und Reaktionen einer P erson, die aus der tatsäc hlic hen und/o der der erw ar-
teten Ben utzung eines Pro dukts, eines Systems o der einer Dienstleistung re-
sultieren“ (DIN, EN ISO 9241-11, 2018, S. 7) o der als „momen tary , primarily
ev aluativ e feeling (go o d-bad) while in teracting with a pro duct and service“
(Hassenzahl, 2008, S. 12) definiert wird. Mit anderen W orten steht bei UX die
p ersönlic he W ahrnehmung und das Empfinden im Zen trum des K onstrukts,
7

KAPITEL 2. NUTZERERLEBEN IN DER
MENSCH-COMPUTER-INTERAKTION
w ob ei W ahrnehm ung hier nic h t im engen Sinne zu v erstehen ist, sondern auc h
höhere k ognitiv e Prozesse wie Bew erten o der Kategorisieren b einhaltet (Minge
& Th üring, 2018).
Ganzheitlic h b ezieh t sic h auf die Dimensionen dieser p ersönlic hen W ahrneh-
m ung bzw. des Empfindens. Die DIN, EN ISO 9241-11 (2018) v ersteh t un ter
diesen Dimensionen „säm tlic he Emotionen, V orstellungen, V orlieb en, W ahr-
nehm ungen, ph ysiologisc hen und psyc hologisc hen Reaktionen, V erhaltensw ei-
sen und Leistungen, die sic h v or, w ährend und nac h der Nutzung ergeb en“
(DIN, EN ISO 9241-11, 2018, S. 7). Mit dieser Auflistung wird deutlic h, wie
umfangreic h UX in seinen T eilk omp onen ten v erstanden w erden k ann. Eine
solc h holistisc he Betrac h tung v on UX ist im Rahmen der Eingrenzung des
K onstrukts jedo c h n ur mäßig zielführend, da die Definition w eder sp ezifiziert,
w as un ter den einzelnen K omp onen ten zu v erstehen ist (Hassenzahl, 2008),
no c h Sc h w erpunkte setzt. Daher wird im folgenden auf reduktionistische K on-
zeptionen v on UX eingegangen.
2.1 Reduktionistisc he K onzeptionen v on UX
Im Rahmen einer Strukturierung der Fülle an p oten tiellen Dimensionen o der
T eilasp ekten sind v ersc hiedene, reduktionistisc he K onzeptionen v on UX en t-
standen. Diese b enennen w esen tlic he K omp onen ten v on UX und b esc hreib en
Zusammenhänge zwisc hen den K omp onen ten. Ziel dieser Herangehensw eise ist
es, auf Basis v ersc hiedener An tezedenzien das Erleb en w ährend der Interaktion
so wie die K onsequenzen der In teraktion erklären und v orhersagen zu k önnen.
Zu den An tezedenzien zählen das System, der Nutzer und der Nutzungsk on-
text. Zu den K onsequenzen gehören b eispielsw eise das zukünftige Nutzungs-
v erhalten o der die Gesam tb ew ertung des Pro dukts.
Für das hier v orliegende F orsc h ungsziel bieten reduktionistisc he K onzeptio-
nen v on UX mehrere V orteile. Zum einen erlaub en sie es, das Erleb en eines
Nutzers w ährend einer In teraktion auf K omp onen ten h erun terzubrec hen. Dies
erleic h tert so w ohl die Messun g v on UX als auc h die Un tersuc hung des Zusam-
menhangs zwisc hen der W ahrnehm ung v on In teraktionsdauern und einzelnen
T eilasp ekten v on UX. Zum anderen erfolgt im Rahmen v on reduktionistisc hen
K onzeptionen eine systematisc he Auseinandersetzung mit An tezedenzien u nd
8

2.1. REDUKTIONISTISCHE KONZEPTIONEN V ON UX
K onsequenzen v on UX. Diese Systematik k ann als Rahmen für die Betrac h-
tung v on In teraktionsdauern und somit für die Bearb eitung des v orliegenden
F orsc h ungsziels v erstanden w erden.
2.1.1 K omp onen ten des Nutzererleb ens
Zw ei w esen tlic he T eilasp ekte, die von v ielen Autoren im Rahmen der reduk-
tionistisc hen Sic h t w eise auf UX b esc hrieb en w erden, sind die W ahrnehm ung
v on pr agmatischen bzw. instrumentel len Qualitäten der In teraktion und die
W ahrnehm ung v on he donischen bzw. nicht-instrumentel len Qualitäten der In-
teraktion (Bargas-A vila & Horn bæk, 2011; Hassenzahl, 2003, 2008; Mahlk e,
2008; Minge, 2008; Minge & Th üring, 2018; v an Sc haik, Hassenzahl & Ling,
2012; Th üring & Mahlk e, 2007). Diese b eiden K omp onen ten w erden v on man-
c hen Autoren durc h eine affektiv e K omp onente ergänzt (z.B. Minge, 2008;
Th üring & Mahlk e, 2007).
Instrumen telle (pragmatisc he) Qualitäten der In teraktion b esc hreib en auf-
gab en b ezogene Qualitäten, die den Nutzer darin un terstützen, b estimmte Auf-
gab en erfolgreic h zu meistern (Aran yi & v an Sc haik, 2015; Hassenzahl, 2003)
und sogenann te „do-goals“ zu erfüllen (Hassenzahl, 2008). Zu diesen Qualitäten
gehören die K on trollierbark eit (Hassenzahl, 2003; Th üring & Mahlke, 2007),
die Nützlic hk eit (Hassenzahl, 2003; Minge, Th üring & W agner, 2016) o der die
Usabilit y (Hassenzahl, 2003; Th üring & Mahlk e, 2007) des tec hnisc hen Gerätes,
mit dem in teragiert wird. Diese Asp ekte w erden durc h den Nutzer wahrgenom-
men und führen zu einem sub jektiv en Eindruck der instrumen tellen Qualität.
Wie eingangs diskutiert, wird die Dauer einer erfolgreic h abgesc hlossenen
In teraktion häufig ob jektiv gemessen und als Indik ator für die Effizienz des
Systems (z.B. Bev an, 2009) o der seine V erständlic hk eit (Blac kler et al., 2010)
gen utzt. Hier w erden also instrumen telle Qualitäten der In teraktion auf Grund
der ob jektiv en Dauer ersc hlossen. Für das Nutzererleb ens sind ab er nic h t
die ob jektiv b esc hreibbaren Qualitäten v on Bedeutung, sondern die sub jek-
tiv w ahrgenommenen. Analog dazu steh t im Zen trum der v orliegenden Arb eit
nic h t die ob jektiv e Dauer v on In teraktionen, sondern ihre W ahrnehm ung. Dies
zeigt einen ersten Ankn üpfungspunkt des v orliegenden F orsc h ungsziels an das
K onstrukt Nutzererleb en.
Neb en der W ahrnehm ung instrumen teller Qualitäten nimm t der Nutzer je-
9

KAPITEL 2. NUTZERERLEBEN IN DER
MENSCH-COMPUTER-INTERAKTION
do c h auc h nic h t-instrumen telle (hedonisc he) Asp ekte der In teraktion und des
Pro dukts w ahr. Hierzu gehören b eispielsw eise die Sc hönheit (Minge, 2008),
visuelle Ästhetik (La vie & T ractinsky, 2004; Minge, 2008; Minge & Th ü-
ring, 2018; Th üring & Mahlk e, 2007) und haptisc he Qualität des Pro dukts
(Thüring & Mahlk e, 2007) so wie die Iden tifik ation des Nutzers mit dem Pro-
dukt (Hassenzahl, 2003; Minge, 2008) o der die Stim ulation, die durc h das
Pro dukt o der die In teraktion herv orgerufen w erden (Hassenzahl, 2003; Minge,
2008). Die W ahrnehm ung dieser Pro dukteigensc haften sind für die auszufüh-
rende Aufgab e in der Regel irrelev an t, sie dienen vielmehr einer psyc hologisc h-
hedonisc hen Befriedigung des Nutzers (Hassenzahl, 2003) o der der Erfüllung
sogenann ter „b e-goals“ (Hassenzahl, 2008).
Eine w eitere Dimension v on UX b esc hreibt die Emotionen und die affekti-
v en Reaktionen des Nutzers w ährend, v or o der nac h der In teraktion (Agarw al
& Mey er, 2009; Hudlic k a, 2003; Mahlk e, 2008; Minge, 2008; Th üring & Mahl-
k e, 2007). Emotionen en tstehen als Reaktionen auf einen Stim ulus o der seine
Bew ertung und zeigen sic h zeitlic h b egrenzt und sync hron auf v ersc hiedenen
Dimensionen (Sc herer, 2005). Zu diesen Dimensionen gehören k örp erlic he V er-
änderungen b ezogen auf den motorischen Ausdruc k und neuroph ysiologisc he
K omp onen ten, so wie Handlungstendenzen, k ognitiv e Bew ertungen und sub-
jektiv e Gefühle (Sc herer, 2005). Während einer In teraktion mit tec hnischen
Pro dukten k önnen Emotionen v on un tersc hiedlic her V alenz sein (z.B. negativ
als F rustration o der p ositiv als F reude) und sic h in ihrem Erregungsniv eau
( A r ousal ) un tersc heiden (V ergleic h Core Affect, Russell & Barrett, 1999 o der
Russell, 2003).
Zusammengefasst w erden in reduktionistisc hen K onzeptionen v on UX häu-
fig drei v ersc hiedene K omp onen ten v on UX genann t: die W ahrnehm ung in-
strumen teller Qualitäten, die W ahrnehm ung nic h t-instrumen teller Qualitäten
und die erlebte Emotion. Bei der In teraktion mit einem tec hnisc hen System
en tsteh t auf allen drei K omp onen ten eine situations-, in teraktions- und p er-
sonenabhängige Ausprägung, w as ein sp ezifisc hes Nutzererleb en prägt. Dab ei
stellt sic h jedo c h die F rage, in wie w eit die drei hier v orgestellten K omp onen ten
miteinander in teragieren und sic h gegenseitig b eeinflussen.
10

2.1. REDUKTIONISTISCHE KONZEPTIONEN V ON UX
2.1.2 Zusammenhänge zwisc hen den K omp onen ten des
Nutzererleb ens
Auc h w enn v ersc hiedene Autoren (Hassenzahl, 2003, S. 6; Mahlk e, 2008, S. 126;
v an Sc haik et al., 2012, S. 19) teilw eise auf Basis empirisc her Arb eiten argu-
men tieren, dass instrumen telle und nic ht-instrumen telle Qualitäten voneinan-
der unabhängig und un tersc heidbar sind, zeigen andere Studien K orrelationen
zwisc hen Maßen dieser b eiden K onstrukte. Aran yi und v an Sc haik (2015) b e-
ric h teten b eispielsw eise eine K orrelation v on r = . 63 zwisc hen instrumen tellen
und nic h t-instrumen tellen Qualitäten. Analog hierzu zeigten La vie und T rac-
tinsky (2004) mittlere bis hohe K orrelationen zwisc hen der w ahrgenommenen
Usabilit y und v ersc hiedenen Ästhetik-Dimensionen ( r = . 40 bis r = . 78 ). Auc h
Minge (2008) b eric h teten mittlere K orrelationen ( r = . 37 bis r = . 53 ) zwisc hen
w ahrgenommener Usabilit y und w ahrgenommener A ttraktivität. Diese Zusam-
menhänge deuten darauf hin, dass instrumen telle und nic h t-instrumen telle
Qualitäten nic h t unabhängig v oneinander w ahrgenommen w erden.
Die Emotion steh t eb enfalls in W echselwirkung mit den andern K omp onen-
ten. So zeigten La vie und T ractinsky (2004) mittlere bis hohe K orrelationen
( r = . 44 bis r = . 68 ) zwisc hen Pleasure und Usabilit y bzw. v ersc hiedenen
Ästhetik-Dimensionen. Aran yi und v an Sc haik (2015) b eric h teten v ergleic h bar
dazu hohe K orrelationen zwisc hen p ositiv em Affekt und pragmatisc hen bzw.
hedonisc hen Qualitäten ( r = . 54 bzw. r = . 67 ).
Die b esc hrieb enen Befunde sp rec hen dafür, dass auf der einen Seite die
Un tersc heidung zwisc hen den drei v erschiedenen K omp onen ten des Nutzer-
erleb ens sinn v oll ist, da diese K omp onen ten nic h t dec kungsgleic h sind. Auf
der anderen Seite sind die K omp onenten jedoch nic h t v ollk ommen unabhängig
v oneinander, da sie deutlic h miteinander k o v ariieren.
2.1.3 Determinan ten und K onsequenzen der K omp onen-
ten des Nutzererleb ens
Neb en den Bestandteilen v on UX stellen sic h zw ei w eitere w esen tlic he F ra-
gen: Erstens, w as sind Einflussfaktoren, die auf die K omp onen ten des Nutzer-
erleb ens wirk en und so zu einem sp ezifisc hen Nutzererlebnis führen? Zw eitens,
w as resultiert aus dem Nutzererleb en?
11

KAPITEL 2. NUTZERERLEBEN IN DER
MENSCH-COMPUTER-INTERAKTION
Gemäß der genann ten Definitionen (DIN, EN ISO 9241-11, 2018; Hassen-
zahl, 2008) resultiert Nutzererleb en aus der In teraktion o der der erw arte-
ten In teraktion mit einem Pro dukt. Dab ei spielen also die Charakteristik en
des Pro dukts b ezüglic h des Inhalts, der Gestaltung, der F unktionalität und
des In teraktionst yps eine w esen tliche Rolle (Hassenzahl, 2003; Mahlk e, 2008)
und sollten einen Einfluss auf das En tstehen eines sp ezifisc hen Nutzererleb-
nis hab en. Erwartungsk onform zeigen viele Studien, dass eine Manipulation
der Gebrauc hstauglic hk eit des Systems zu einer V eränderung der W ahrneh-
m ung der instrumen tellen Qualitäten führt (Ben-Bassat, Mey er & T ractinsky,
2006; Ham b org, Hülsmann & Kaspar, 2014; Minge & Th üring, 2018; Th üring
& Mahlk e, 2007; v an der Geest & v an Dongelen, 2009). Umgek ehrt gibt es
auc h viel Evidenz dafür, dass eine Manipulation des visuellen Ersc hein ungsbil-
des des Systems einen Effekt auf die W ahrn ehm ung der nic h t-instrumen tellen
Qualitäten hat (Ben-Bassat et al., 2006; Ham b org et al., 2014; Minge & Th ü-
ring, 2018; Sonderegger & Sauer, 2010; Th üring & Mahlk e, 2007; T ractinsky ,
Katz & Ik ar, 2000).
Es gibt jedo c h auc h W ec hselwirkungen und sogenann te „Halo-Effekte“ zwi-
sc hen den K omp onen ten des Nutzererleb ens (Minge, 2011; Minge & Th üring,
2018). Minge und Th üring (2018) k onn ten b eispielsw eise zeigen, dass sic h das
visuelle Ersc hein ungsbild v or der In teraktion auf die erw artete Usabilit y des
Systems auswirkt, nic h t ab er nac h einer In teraktion. Zu letzterem Punkt ist die
Befundlage jedo c h nic h t eindeutig. So zeigten andere Autoren, dass sic h der Ef-
fekt des Ersc hein ungsbildes auf die w ahrgenommene Usabilit y auch noch nac h
einer In teraktion zeigen k ann (Ben-Bassat et al., 2006; Sonderegger & Sauer,
2010; T ractinsky et al., 2000). F rei nac h dem Ausdruc k „ What is b eautiful is
usable“ (T ractinsky et al., 2000) sc heinen gestalterisc he Asp ekte eines Systems
also auc h die w ahrgenommene Usabilit y zu b eeinflussen. Gleic hzeitig k onn ten
mehrere Autoren zeigen, dass auc h die umgek ehrte Beeinflussung („ What is
usable is b eautiful“) existiert (Ben-Bassat et al., 2006; Ham b org et al., 2014;
Minge & Th üring, 2018).
Neb en den System- o der Pro dukteigensc haften ist für das Nutzererleb en je-
do c h auc h v on Bedeutung, w er die In teraktion erlebt. Eigensc haften des Nut-
zers wie V orerfahrung, Erw artungen, ab er auch Bedürfnisse und A ttributi-
onsstile k önnen so w ohl die In teraktion an sic h als auc h deren W ahrnehm ung
12

2.1. REDUKTIONISTISCHE KONZEPTIONEN V ON UX
b estimmen. Beispielswe ise k ann das gleic he System b ei zw ei Nutzern zu ei-
nem sehr un tersc hiedlic hen Erleb en führen, w enn sic h die Nutzer in Bezug auf
ihre do-goals und b e-goals untersc heiden (Hassenzahl, 2008). Mahlke (2008)
argumen tiert darüb er hinaus, dass neb en den Systemeigensc haften und den
Nutzerc harakteristik a auc h Asp ekte des K on texts einen Einfluss auf die En tste-
h ung eines sp ezifisc hen Nutzererleb enisses hab en. Hierzu gehören die Aufgab e,
ab er auc h die äußeren Bedingungen der Nutzung. Mahlk e (2008) grenzt solc he
Nutzer- und K on textc harakteristik en v on den Systemeigensc haften jedo c h ab,
da Eigensc haften des Systems direkter auf das Nutzererleb en wirk en.
Bezogen auf die F rage nac h den K onsequenzen, argumen tiert Mahlk e (2008),
dass sic h das Nutzererleb en auf die allgemeine Bew ertung, wie b eispielsw ei-
se die Akzeptanz des Pro dukts, die W ahl eines Systems b ei versc hiedenen
Alternativ en so wie auf das Nutzungsv erhalten und die Nutzungsin tentionen
auswirkt. Andere K onsequenzen k önnen auc h Zufriedenheit o der V ergn ügen
sein (Hassenzahl, 2003). Insgesam t gibt es also eine Bandbreite an Reaktionen
und K onsequenzen, die aus einer sp ezifisc hen Ausprägung des Nutzererleb ens
resultieren k önnen. Sie en tstehen jedo c h nic ht durc h eine mathematische Ge-
wic h tung der v ersc hiedenen Erleb ensk omp onen ten, sondern auf Basis einfac her
Regeln und Heuristik en, die basierend auf der W ahrnehm ung der K omp onen-
ten angew andt w erden (v an Sc haik et al., 2012).
2.1.4 CUE-Mo dell: Comp onen ts of User Exp erience
Das Comp onents of User Exp erienc e Mo del (CUE-Mo dell) fasst die eb en b e-
sc hrieb enen K omp onen ten des Nutzererleb ens und deren An tezedenzien und
K onsequenzen in einem Rahmenmo dell zusammen (siehe Abb. 2.1, Mahlk e,
2008; Minge & Th üring, 2018; Th üring & Mahlk e, 2007 ). Es p ostuliert, dass
auf Basis des Systems, des Nutzers und des Nutzungsk on textes In teraktions-
merkmale bzw. -c harakteristik a en tstehen, die der Nutzer in Bezug auf sei-
ne instrumen tellen und nic h t-instrumen tellen Qualitäten w ahrnimm t. Thüring
(2013, S. 115) gibt als Beispiel für ein solc hes In teraktionsc harakteristikum
systeminhären te Latenzen. Diese w erden w ahrgenommen und auf Grund der
V orerfahrungen mit ähnlic hen Systemen b ew ertet (z.B. als lange). Dab ei kum u-
lieren sic h Bew ertungen kleiner T eilsc hritte in der In teraktion üb er die gesam te
In teraktionslänge auf und resultieren in der W ahrnehm ung der instrumen tellen
13

KAPITEL 2. NUTZERERLEBEN IN DER
MENSCH-COMPUTER-INTERAKTION
Interaktions-
merkmale

Komponenten des Nutzer erlebens

W ahr nehmung instrumenteller Qualitäten !
Konr ollierbarkeit, E ff ektivität, Erler nbarkeit, etc.

System

Nutzer

Kontext

W ahr nehmung nicht-instrumenteller Qualitäten !
visuelle Ästhetik, haptische Qualität, Identifikation, etc.

Emotionale Reaktionen !
Gefühle, motorischer Ausdruck, physiologische Reaktionen, etc.

Interaktionsmerkmale

Komponenten des Nutzer erlebens

W ahr nehmung
instrumenteller
Qualitäten !
Konrollierbarkeit,
E ff ektivität,
Erlernbarkeit, etc.

System

Nutzer

Kontext

W ahr nehmung
nicht-
instrumenteller
Qualitäten !
visuelle Ästhetik,
haptische Qualität,
Identifikation, etc.

Emotionale
Reaktionen !
Gefühle, motorischer
Ausdruck,
physiologische
Reaktionen, etc.

Konsequenzen !
Gesamtbewertung, Nutzungsverhalten, W ahl von Alter nativen, etc.

 1

ABBILDUNG 2.1: Comp onen ts of User Exp erience Mo del (CUE-Mo dell), Eigendar-
stellung nac h Minge und Th üring (2018).
Qualitäten des Systems. Ein ähnlic her Prozess in Bezug auf nic h t aufgab enre-
lev an te Asp ekte führt gleic hzeitig zur W ahrnehm ung der nic h t-instrumen tellen
Qualitäten. Ein Beispiel hierfür k önn te das W ahrnehmen der F arb- und Lini-
engestaltung sein, das die W ahrnehm ung der visuellen Ästhetik b eeinflussen
k ann.
Laut CUE-Mo dell b eeinflussen so wohl die W ahrnehm ung der instrumen-
tellen und der nic h t-instrumen tellen Qualitäten den emotionalen Zustand des
Nutzers (Mahlk e, 2008; Th üring & Mahlk e, 2007). Gleic hzeitig k önnen die er-
lebten Emotionen w ährend einer In teraktion ab er auc h auf die W ahrnehm ung
der instrumen tellen und der nic h t-instrumen tellen Qualitäten einen Einfluss
hab en (Minge et al., 2016; Minge & Th üri ng, 2018). Aus dem Nutzererleb en
folgen die eb en diskutieren K onsequenzen, wie das Gesam turteil, das zukünf-
tige Nutzungsv erhalten o der die Nutzungsin ten tion.
Zusammengefasst bietet das CUE-Mo dell ein Rahmenmo dell für die Un-
tersuc h ung des Nutzererleb ens, w elc hes im folgenden als Grundlage für die
14

2.2. ZEITLICHE DIMENSIONEN DES NUTZERERLEBENS
Besc hreibung und Op erationalisisierung v on UX gen utzt wird und in w elc hes
die W ahrnehm ung v on Dauern eingepasst w erden soll. Dab ei wird zunäc hst an
den In teraktionsc harakteristik a angesetzt, da die Dauer einer In teraktion als
ein solc hes Charakteristikum v erstanden wird. Sie sollte durc h den Nutzer, das
System und den K on text b eeinflusst w erden. Evidenz hierfür liefern b eispiels-
w eise Studien mit v ersc hiedenen Altersgrupp en, die zeigen, dass ältere Nutzer
für die gleic he Aufgab e längere Bearb eitungsdauern b enötigen (z.B. Ziefle &
Ba y, 2005). Auc h Systeme, die sic h darin untersc heiden, wie viele Eingab en
für die Erreic h ung eines b estimm ten In terk ationsziels not wendig sind, führen
zu v ersc hiedenen In teraktionsdauern (Ziefle & Ba y, 2005).
Die Besc hreibung der In teraktionsc harakteristik a im CUE-Mo dell ist jedo c h
relativ unsp ezifisc h. Es wird hierfür w eder eine k onkrete Definition no c h eine
Auflistung v on v ersc hiedenen Charakteristik a gegeb en (Mahlk e, 2008; Min-
ge & Th üring, 2018; Th üring & Mahlk e, 2007), wie es b eispielsw eise b ei der
W ahrnehm ung der instrumen tellen Qualitäten der F all ist. Daher zeigt die v or-
liegende Arb eit b eispielhaft anhand des ausgew ählten Charakteristikums In-
teraktionsdauer, wie das CUE-Mo dell durch die V erkn üpfung mit Wissen aus
dem Grundlagen b ereic h und empirisc hen Un tersuc h ungen k onkretisiert und
erw eitert w erden k ann.
2.2 Zeitlic he Dimensionen des Nutzererleb ens
W elc he Rolle die W ahrnehm ung v on zeitlic hen Asp ekten für das En tstehen
des Nutzererleb ens spielt, ist nic h t explizit im CUE-Mo dell zu finden. Die-
se F rage k ann jedo c h b ezogen auf v ersc hiedene Dimensionen gestellt w erden.
Hierzu gehört zum einen die Betrac h tung einzelner, zeitb ezogener Elemen te
einer In teraktion, wie zum Beispiel In teraktionsdauern, System verzögerungen
( delays ) o der W artesituationen, so wie deren W ahrnehm ung und Bedeutung
für das En tstehen v on UX. Auf der anderen Seite k önnen V eränderungen im
Nutzererleb en üb er einen längeren Zeitraum hin w eg b etrac h tet w erden.
Letzteres k ann mit Hilfe des CUE-Mo dell am schlec htesten beschrieben w er-
den, da in diesem auf eine einzelne In teraktion fokussiert wird. Zum Nutzer-
erleb en üb er einen langen Zeitraum hin w eg gibt es jedo c h andere mo dell-
bildende Arb eiten, die das CUE-Mo dell erw eitern (z.B. Con tinUE-Mo dell v on
15

KAPITEL 2. NUTZERERLEBEN IN DER
MENSCH-COMPUTER-INTERAKTION
P ohlmey er, Hec h t & Blessing, 2009). Darüb er hinaus k ann hier auf empirisc he
Befunde (z.B. Minge & Th üring, 2018; W alsh et al., 2014; v on Wilamo witz-
Mo ellendorff, Hassenzahl & Platz, 2006) und Messmetho den (z.B. Karapanos,
Zimmerman, F orlizzi & Martens, 2010; Kujala, Roto, Väänänen-V ainio-
Mattila, Karapanos & Sinnelä, 2011; Kujala, Roto, Väänänen-V ainio-Mattila
& Sinnelä, 2011) v erwiesen w erden, die sic h mit den dynamische V eränderung
v on UX üb er die Zeit und die wiederholte Nutzung eines Systems b esc häftigen.
Die Betrac h tung einzelner, zeitb ezogener Elemen te einer In teraktion k ann
durc h das CUE-Mo dell im Rahmen der In teraktionsc harakteristik a b esser b e-
sc hrieb en w erden. Hierzu gibt es zudem eine Reihe an Un tersuc h ung zu System-
v erzögerungen und W artedauern b ei tec hnisc hen In teraktionen. Hier standen
bis jetzt v or allem negativ e K onsequenzen v on System v erzögerungen für das
Nutzererleb en im F okus (z.B. Ho xmeier & DiCesare, 2000; Sears et al., 1997;
Szameitat et al., 2009). Manc he dieser Ansätze b erüc ksic h tigen dab ei nich t nur
ob jektiv e Systemlatenzen o der W artein terv alle, sondern auc h die Dauerw ahr-
nehm ung des Nutzers und die Bedeutung dieser W ahrnehm ung für die Ge-
staltung v on W artezeiten (Gorn, Chattopadh y a y , Sengupta & T ripathi, 2004;
Kurusathianp ong & T angmanee, 2018; Lee, Chen & Ilie, 2012; Seo w, 2008). In
solc he Arb eiten wird un ter Dauerw ahrnehm ung meist eine Bew ertung b ezüg-
lic h der w ahrgenommenen Sc hnelligk eit des erlebten Zeitflusses (Gorn et al.,
2004) o der b ezüglic h der A ttribute langw eilig, irritierend o der unakzeptab el
(Kurusathianp ong & T angmanee, 2018) v erstanden.
In diesem Sinne fordern Liikk anen und Gómez Gómez (2013), dass sub jek-
tiv erlebte Zeit ( subje ctively exp erienc e d time ) b ei der In teraktion mit einem
tec hnisc hen System eine w eit höhere Bedeutung zugemessen w erden sollte als
der ob jektiv en Messung v on Systemreaktionszeiten ( system r esp onse time ).
Die Autoren argumen tieren, dass das Erleb en v on Zeit als ein Mediator für
das En tstehen v on UX dienen k önn te. Dab ei verstehen sie un ter sub jektiv er-
lebter Zeit eine Bew ertung der erlebten Dauer, die durc h Erfahrungen und den
aktuellen Zustand der P erson b eeinflusst wird (Liikk anen & Gómez Gómez,
2013). So k ann b eispielsw eise das Wissen darüb er, w arum b ei einem Prozess
eine V erzögerung auftritt, den emotionalen Zustand und die sub jektiv erlebte
Dauer b eeinflussen. Die Autoren grenzen diese sub jektiv erlebte Dauer v on der
W ahrnehm ung v on Reaktionszeiten des Systems ab ( subje ctive r esp onse time ),
16

2.3. ZWISCHENF AZIT ZUM NUTZERERLEBEN
da letzteres eher einer Dauersc hätzung als einer Dauerb ew ertung en tspric h t.
In der v orliegenden Arb eiten stehen In teraktionsdauern im F okus. Diese
w erden w eder v on Liikk anen und Gómez Gómez (2013), no c h von anderen oben
zitierten Autoren b etrac h tet. Die W ahrnehm ung v on In teraktionsdauern k ann
ab er genauso zur sub jektiv erlebten Zeit b eitragen, wie die W ahrnehm ung einer
System v erzögerung. So k ann ein Nutzer eine V orstellung da v on hab en, wie
lange es dauern sollte, eine b estimm te In teraktion erfolgreic h zu b eenden. Das
Ändern der Sc hriftgröße eines T exts in einem T extv erarb eitungsprogramm darf
b eispielsw eise nic h t länger als zehn Sekunden dauern. Diese Erw artung k ann
v erletzt w erden, w enn relev an te In teraktionselemen te so ungünstig platziert
sind, dass die Suc he nac h ihnen die In teraktionsdauer v erlängert. Die Messung
des zeitlic hen Erleb ens der Dauer k önn te in diesem K on text also eine sinn v olle
Ergänzung innerhalb der üblic hen K omp onen ten des Nutzererleb ens sein.
Zusammengefasst k ann UX so w ohl als ein K onstrukt gesehen w erden, w el-
c hes üb er die Zeit hin w eg en tsteht und sic h v erändert, als auc h als ein K on-
strukt, das durc h das Erleb en v on Zeit geform t wird. Die b estehende F orsc h ung
zu dieser zw eiten Betrac h tungsw eise k onzen triert sic h meist auf W artein terv al-
le. In der v orliegenden Arb eit liegt der F okus jedo c h auf dem Erleb en und
W ahrnehmen v on Zeitdauern einzelner In teraktionen, in denen W artezeiten
k eine große Rolle spielen. Hierzu gibt es bis jetzt k aum exp erimen telle Arb eiten
und k eine standardisierten Op erationalisierungen (Liikk anen & Gómez Gómez,
2013). Das Erleb en und W ahrnehmen v on Dauern w ährend einzelner In terak-
tionen k ann jedo c h mit K onstrukten und Mo dellen aus der Grundlagenfor-
sc h ung zum Thema Dauersc hätzungen und dem Zeitempfinden in V erbindung
gebrac h t w erden, w o durc h sic h ein theoretisc her Rahmen für die Un tersuc h ung
der sub jektiv erlebten Zeit w ährend tec hnisc her In teraktionen aufspann t.
2.3 Zwisc henfazit zum Nutzererleb en
Nutzererleb en b esc hreibt das sub jektiv e Erleb en einer In teraktion mit einem
System (DIN, EN ISO 9241-11, 2018). Durc h seine sub jektiv e Natur ist es
p ersonen- und situationsgebunden, w o durc h eine p ositiv e UX nic h t p er-se de-
sign t w erden, sondern lediglic h durc h die Gestaltung des Systems b egünstigt
w erden k ann (Lallemand et al., 2015). Das CUE-Mo dell (Mahlk e, 2008; Minge
17

KAPITEL 2. NUTZERERLEBEN IN DER
MENSCH-COMPUTER-INTERAKTION
& Th üring, 2018; Th üring & Mahlk e, 2007) definiert we sen tlic he K omp onen ten,
K onsequenzen und An tezedenzen v on UX und dien t der v orliegenden Arb eit als
Rahmenmo dell. Zu den K omp onen ten gehören die W ahrnehmung instrumen-
teller und nic h t-instrumen teller Qualitäten so wie die emotionale Reaktion, die
auf Basis v on In teraktionsc harakteristik a en tstehen. Das Ziel der v orliegenden
Arb eit ist es, ein solches In teraktionsc harakteristik a näher zu un tersuc hen: die
Dauer der In teraktion. Die In teraktionsdauer b ezogen auf die W ahrnehm ung
und Bew ertung zeitlic her Asp ekte der In teraktion wird im CUE-Mo dell zw ar
nic h t explizit erw ähn t, manche Autoren argumen tieren jedo c h, dass sub jektiv
erlebte Zeit eine w esen tlic he Rolle b ei der En tsteh ung v on UX spielt (Liikk anen
& Gómez Gómez, 2013). Diese Behauptung soll in der v orliegenden Arb eit un-
ter anderem un tersuc h t w erden. Darüb er hinaus soll geprüft w erden, auf w elc he
K omp onen ten des Nutzererleb ens und in w elc her Stärk e sic h die w ahrgenom-
mene In teraktionsdauer auswirkt. Ergebnisse hierzu k önnen dazu b eitragen,
das CUE-Mo dell näher zu sp ezifizieren und gegeb enenfalls die W ahrnehm ung
der In teraktionsdauer einer der K omp onen ten des Nutzerleb ens zuzuordnen.
Zunäc hst m uss jedo c h geklärt w erden, w as genau un ter W ahrnehm ung v on
In teraktionsdauern zu v erstehen ist und w elche Erk enn tnisse b ereits darüb er
v orliegt, wie Mensc hen Dauern w ahrnehmen.
18

Kapitel 3
Erlebte Zeit - prosp ektiv e
Dauersc hätzungen
Dauerw ahrnehm ung ist ein breit un tersuc h tes Phänomen in der psyc hologi-
sc hen F orsc h ungslandsc haft (Matthews & Mec k, 2016). F orsc h ungsarb eiten
hierzu umfassen v ersc hiedene Bereic he, wie zum Beispiel F orsc h ung zur W ahr-
nehm ung v on Zeitdauern, F orsc h ung zur Ab- und Zeitfolge v on Ereignissen
und F orsc h ung zu zeitlic hen P ersp ektiv en, mit der Ereignisse und Erlebnisse
in Bezug auf V ergangenheit, Gegen w art und Zukunft eingeordnet und b ew ertet
w erden (Blo c k, 1990). Im Mittelpunkt dieser Arb eit steh t die F orsc h ung zur
W ahrnehm ung v on Zeitdauern, genauer gesagt v on In teraktionensdauern b ei
Mensc h-Computer-In teraktionen. Dieser An w endungskon text ist in Grundla-
genarb eiten k aum zu finden. T rotzdem k önnen k ognitionspsyc hologisc he Mo-
delle und empirisc he Arb eiten als Rahmen für das v orliegende F orsc h ungsziel
v erstanden w erden.
Grundlegend für das F orsc h ungsfeld Dauerw ahrnehm ung ist die F rage, wie
Mensc hen dazu in der Lage sind, Dauern w ahrzunehmen und anhand die-
ser W ahrnehmung präzise Erw artungen aufzubauen, Handlungen auszuric h ten
und v ersc hiedene Dauern zu un tersc heiden. In einer Vielzahl von Studien wur-
den diese F ragen exp erimen tell un tersuc ht. Dab ei wird t ypisc herw eise zwisc hen
zw ei Arten v on Dauersc hätzungen ( Par adigmen ) un tersc hieden: prosp ektiv e
und retrosp ektiv e Sc hätzungen. V on prosp ektiv en Sc hätzungen spric h t man,
w enn dem Befragten b ereits v or dem zu sc hätzenden In terv all b ewusst ist,
dass die Zeitdauer v on Bedeutung ist (Droit-V olet & Mec k, 2007). Man geh t
19

KAPITEL 3. ERLEBTE ZEIT - PR OSPEKTIVE DA UERSCHÄ TZUNGEN
da v on aus, dass durc h das Wissen üb er die Relev anz der Dauer, Aufmerksam-
k eit auf deren V erstreic hen geric h tet wird und eine k on tin uierlic he Üb erw a-
c h ung erfolgt. Blo c k (1990) nenn t diese Art der Dauersc hätzung exp erienc e d
time ( erlebte Zeit ). Bei Exp erimen ten zu retrosp ektiv en Dauersc hätzaufgab en
hingegen wird den Probanden erst nac h dem zu sc hätzenden Zeitin terv all die
Relev anz der Dauer b ewusst. Daher spielen b ei diesem P aradigma primär er-
innerungsbasierte Mec hanismen eine Rolle. Solc he Dauersc hätzungen w erden
daher auc h als r ememb er e d time ( erinnerte Zeit ) b ezeic hnet (Blo c k, 1990).
Die Un tersc heidung zwisc hen den b eiden P aradigmen ist notw endig, da Da-
ten darauf hin w eisen, dass b eide Sc hätzarten auf un tersc hiedlic hen k ognitiv en
Mec hanismen basieren. So demonstrierten Blo c k und Zak a y (1997) in einer
Meta-Analyse, dass retrosp ektiv e Sc hätzungen im Mittel zu stärk eren Un ter-
sc hätzungen als prosp ektiv e Sc hätzungen führen. Retrosp ektiv e Sc hätzungen
zeigen darüb er hinaus im Mittel eine höhere V ariabilität zwisc hen P ersonen
(Blo c k & Zak a y, 1997). Auc h b eeinflussende F aktoren sind b ei b eiden P ara-
digmen un tersc hiedlic h. So hat die V erarb eitungssc h wierigk eit der zu b earb ei-
tenden Aufgab e ( pr o c essing difficulty ) w ährend der Sc hätzaufgab e n ur einen
systematisc hen Effekt auf prosp ektiv e Sc hätzungen: Je sc h wieriger die V erar-
b eitung, umso kürzer die prosp ektiv e Schätzung (Blo c k & Zak a y, 1997). Hohe
K omplexität der Stim uli hingegen führt n ur b ei retrosp ektiv en Sc h ätzungen
zu einer V erlängerung der Sc hätzung. Solc he Befunde so wie die Meta-Analyse
v on Blo c k, Hanco c k und Zak a y (2010) stützen die Annahme, dass für b eide P a-
radigmen un tersc hiedlic he Erklärungs- und k ognitiv e Mo dellansätze b enötigt
w erden.
Neb en der Un tersc heidung v on pro- und retrosp ektiv em P aradigma können
v ersc hiedene Arten un tersc hieden w erden, wie Dauersc hätzungen abgegeb en
w erden (Allan, 1979; Grondin, 2010; W earden, 2016). Eine Ausw ahl da v on
ist in T ab elle 3.1 zusammengefasst. Alle dort aufgeführten Sc hätzarten sind
im prosp ektiv en P aradigma n utzbar. Im retrosp ektiv en P aradigma hingegen
en tfällt die Pro duktion so wie die meisten Sonderformen des V ergleic hs, da hier
durc h die Instruktion Aufmerksamk eit auf das V erstreic hen der Zeit gelenkt
wird. Im Mittelpunkt der v orliegenden Arb eit stehen v erbale Sc hätzungen. In
der hier v orgestellten Literatur w erden ab er auc h anderen Sc hätzarten gen utzt.
Wie in der Einleitung b eschrieben, wird der F okus dieser Arb eit auf erleb-
20

T ABELLE 3.1: Arten zur Abgab e v on Dauerschätzungen.
Metho de Besc hreibung
V erbale
Sc hätzung
Eine Dauer wird anhand eines Ereignisses (z.B. Abspielen ei-
nes T ons) präsentiert und der Proband sc hätzt die Dauer ver-
bal ein. A bhängige V ariable: verb ale Dauer angab e [Sek.]
Pro duktion Eine Dauer wird v erbal v orgegeb en und der Proband pro du-
ziert die Dauer b eispielsweise durc h das Drück en einer T aste.
A bhängige V ariable: Dauer [Sek.]
Repro duktion Eine Dauer wird anhand eines Ereignisses präsen tiert und
der Proband repro duziert die Dauer b eispielsw eise durc h das
Drüc k en einer T aste. A bhängige V ariable: Dauer [Sek.]
V ergleic h Ein k onstan tes Standardin terv all und ein v ariables In terv all
w erden pro T rial nac heinander präsen tiert. Der Proband gibt
in einem binären An t w ortformat an, ob das zw eite In ter-
v all länger als das Standardin terv all w ar. In einer V ariation
wird das Standardin terv all zunäc hst erlern t und in der T est-
phase n ur das v ariable In terv all präsen tiert. Abhängige V a-
riable: W ahrscheinlichkeit einer L änger-Antwort (p(länger))
o der Par ameter der psychometrischen F unktion (z.B. Point
of Subje ctive Equality (PSE) o der Steigung am PSE)
Bisection
T ask
Sonderform des V ergleic hs: Es w erden zw ei Standardin terv al-
le, ein kurzes und ein langes, mehrfac h präsen tiert und erlern t.
In der T estphase w erden neb en den b eiden Standardin terv al-
len meist fünf dazwisc hen liegende In terv alle mehrfac h und
in randomisierter Reihenfolge präsen tiert. Für jedes gibt der
Proband an, ob das erlebte In terv all eher dem langen o der
dem kurzen Standardin terv all en tspric h t. A bhängige V ariable:
p(L ang), Par ameter der psychometrischen F unktion
Generalisation Sonderform des V ergleic hs: Es wird ein Standardin terv al er-
lern t. In der T estphase w erden umliegende In terv alle in rando-
misierter Reihenfolge präsen tiert. Für jedes gibt der Proband
an, ob er das präsen tierte In terv all für das Standardin terv all
hält. A bhängige V ariable: p(Ja)
21

KAPITEL 3. ERLEBTE ZEIT - PR OSPEKTIVE DA UERSCHÄ TZUNGEN
te Zeit, also prosp ektiv e Dauerw ahrnehm ung gelegt, da diese eine hohe Re-
lev anz im K on text der Mensc h-Computer-In teraktion hat. Im Zen trum ste-
hen dab ei In teraktionen, b ei denen nic h t die In teraktion selb er das Nutzerb e-
dürfnis b efriedigt, wie b ei einem Spiel, sondern das Resultat der In teraktion
den Grund für die In teraktion darstellt. Beispiele hierfür sind die Informa-
tionsb esc haffung auf einer W ebseite o der das Ändern der Sc hriftgröße in ei-
nem T extv erarb eitungsprogramm. In den hier b etrac h teten Mensc h-Computer-
In terk ationen k ann da v on ausgegangen w erden, dass w ährend dem Erleb en der
In teraktion Aufmerksamk eit auf das V erstreic hen der Zeit gelenkt wird (pro-
sp ektiv e Dauerw ahrnehm ung), da eine sc hnelle Erreic h ung des Resultats der
In teraktion (z.B. finden der Information o der v erändern der Sc hriftgröße) meist
ein w esen tlic hes Bedürfnis des Nutzers darstellt. Im F olgenden w erden daher
Mo delle und Befunde zu den k ognitiv en Prozessen b ei prosp ektiv er Dauer-
w ahrnehm ung präsen tiert.
3.1 Mo delle und Theorien zur erlebten Zeit
3.1.1 Informations-Prozess-Mo dell der Dauerw ahrnehm ung
F rühe exp erimen telle Arb eiten im prosp ektiv en P aradigma k onzen trierten sic h
auf die Iden tifik ation der W eb er-K onstan te b ei In terv allen zwisc hen 400 ms und
15.4 Sek. (für eine Zusammenfassung siehe T reisman, 1963). Im Rahmen dieser
F rage schlug T reisman (1963) ein Informations-Pr ozess-Mo del l (Information-
Pro cessing Mo del of Timing) v or (siehe Abb. 3.1), das auf einer inner en Uhr
(in ternal clo c k) basiert. Aufbauend auf dieser Idee präzisierte T reisman (1963)
Prozessannahmen zur k ognitiv en V erarb eitung b ei prosp ektiv en Dauersc hät-
zungen.
Die Kernidee des Mo dells b esteh t darin, dass Dauersc hätzungen auf Basis
v on in tern generierten, regelmäßigen Impulsen en tstehen. Die Impulse w er-
den v on einem T aktgeb er ( p ac emaker ) pro duziert und w andern en tlang eines
Pfads ( p athway ) (T reisman, 1963, 2013). Ein Zähler ( c ounter ) greift die Impul-
se v om Pfad ab und akkum uliert sie, so dass die Menge v on Impulsen w ährend
eines In terv alls durc h eine Anzahl repräsen tiert wird. Die Sc hnelligk eit, mit der
der T aktgeb er Impulse generiert, ist dab ei w eitestgehend k onstant (T reisman,
22

3.1. MODELLE UND THEORIEN ZUR ERLEBTEN ZEIT
ABBILDUNG 3.1: Informations-Prozess-Mo dell der Dauerw ahrnehm ung, Eigendar-
stellung nac h T reisman (1963).
1963), w o durc h ein linearer Zusammenhang zwisc hen der Anzahl der akkum u-
lierten Impulse und der tatsäc hlic h Dauer des In terv alls en tsteh t (Droit-V olet
& W earden, 2003). Sc h w ankungen in der F requenz k önnen jedo c h durch Än-
derungen im Arousal-Lev el der T estp erson en tstehen und zu Un tersc hieden
zwisc hen einzelnen Sc hätzungen und V ersuc hsdurc hgängen führen. Betrac h tet
man diesen Prozess anhand einer In teraktion zwisc hen Mensc h und Computer,
so wird deutlic h, dass der k ognitiv e Prozess der Impulsakkum ulation parallel
zum Erleb en der In teraktion abläuft. Kauft ein Nutzer b eispielsw eise eine F ahr-
k arte auf einer W ebseite, so w erden ab dem Zeitpunkt des In teraktionstarts bis
hin zur Beendigung der In teraktion Impulse aufaddiert. Die Anzahl dieser Im-
pulse sollte laut den Mo dellannahmen des Informations-Prozess-Mo dells größer
sein, w enn die In teraktionsdauer länger ist o der w enn sic h das Arousal-Lev el
des Nutzers durc h negativ e Emotionen erhöh t hat.
Im Mo dell wird w eiter angenommen, dass der Zähler die akkum ulierte Im-
pulsanzahl en t w eder an einen Arb eitssp eic her ( stor e ) o der an eine v erglei-
c hende K omp onen te ( c omp ar ator ) w eitergibt. Der Arb eitssp eic her n utzt eine
räumlic he K o dierung der Dauern, die v ergleic h bar mit einem Zahlenstrahl ist.
Un tersc hiedlic he Dauern bzw. Impulsanzahlen sind üb er den logarithmierten
Abstand v om Nullpunkt k o diert und mit einer sprac hlic hen Benenn ung v erbun-
23

KAPITEL 3. ERLEBTE ZEIT - PR OSPEKTIVE DA UERSCHÄ TZUNGEN
den ( verb al sele ctive me chanismen ). Diese Art der Kod ierung führt dazu, dass
kurze Dauern in ihrer Repräsen tation höher aufgelöst sind als längere Dauern,
d.h. sie sind genauer repräsen tiert und k önnen leic h ter v oneinander diskrimi-
niert w erden. Wird nac h dem Kauf der F ahrk arte aus dem obigen Beispiel eine
b estimm te Impulsanzahl an den Arb eitssp eic her üb ergeb en, führt dies zu einer
gesteigerten Aktivierung an der en tsprec henden Stelle des Zahlenstrahls. Diese
Stelle k ann mit einer v erbalen Benenn ung v erbunden sein, w o du rc h der Nutzer
die Dauer der In teraktion b enennen k ann (z.B. zw ei Min uten). Die Aktivierung
auf dem Zahlenstrahl un terliegt jedo c h einer räumlic hen V erteilung. Hierdurc h
w erden auc h b enac h barte Bereic he des Zahlenstrahls aktiviert, w o durc h F ehler
in der Sc hätzung en tstehen k önnen. So k önn te zum Beispiel die In teraktions-
dauer v on zw ei Min uten fälsc hlicherw eise auf zw eieinhalb Min uten gesc hätzt
w erden.
Je höher die Aktivierung an einer Stelle des Zahlenstrahls ist, umso w ahr-
sc heinlic her ist nic h t n ur die Aktivierung einer sprac hlic hen Benenn ung,
sondern auc h der Abruf der dort k o dierten Dauer durc h die v ergleic hende
K omp onen te. Die v ergleic hende K omp onen te empfängt Informationen v om
Arb eitssp eic her und vom Zähler und k ann diese gegeneinander ab w ägen. Gibt
man einer V ersuchsperson b eispielsw eise die Aufgab e, eine In teraktion nac h
zw ei Min uten zu b eenden (Pro duktion), so wird im Arb eitssp eic her der Be-
reic h um die k orresp ondierende Impulsanzahl aktiviert. Dadurc h k ann die
en tsprec hende Impulsanzahl un ter der ob en b esc hrieb enen F ehleranzahl v om
Arb eitssp eic her an die v ergleic hende K omp onen te w eitergegeb en w erden und
dort mit den akkum ulierten Impulsen aus dem Zähler v erglic hen w erden. Die-
ser V ergleich dien t der En tsc heidung, w ann zw ei Min uten v ergangen sind und
die In teraktion b eendet w erden soll. Da all diese Prozesse v errausc h t sind,
en tstehen zufällige so wie k onstan te F ehler in der Dauersc hätzung.
Mit diesem Mo dell lieferte T reisman (1963) ein k ognitiv es Mo dell einer in-
neren Uhr, das sehr klare Annahmen aufstellt und stark e Ähnlic hk eit mit spä-
teren Mo dellen und Theorien hat, die in der F orsc h ung mit Mensc hen als auc h
mit Tieren en tstanden sind. Für den Bereic h Mensc h-Computer-In teraktion
zeigt das Mo dell eine mögliche Erklärung der k ognitiv en Prozesse auf, die dem
Nutzern erlaub en das In teraktionsmerkmal Dauer w ahrzunehmen und einzu-
sc hätzen (vgl. CUE-Mo dell). Gleic hzeitig w erden durc h die Prozessannahmen
24

3.1. MODELLE UND THEORIEN ZUR ERLEBTEN ZEIT
auc h Gründe für eine fehlerhafte Sc hätzung deutlic h, wie b eispielsw eise ein er-
höh tes Arousal-Lev el o der das Rausc hen der Aktivierungsprozesse. Üb er die In-
terpretation der Dauer durc h den Nutzer o der die Ein b ettung der Dauerw ahr-
nehm ung in eine Erleb ensb ew ertung w erden jedo c h im Informations-Prozess-
Mo dell k eine Annahmen getroffen.
3.1.2 Scalar Timing Theory (STT)
Eine wic h tige W eiterführung des Mo dells v on T reisman (1963) ist die Sc alar
Timing The ory v on Gibb on, Ch urch und Mec k (1984). Sie b eruh t auf der einen
Seite auf auf der Annahme, dass Dauersc hätzungen sk alare, relativistisc he Ei-
gensc haften hab en und auf der anderen Seiten auf ähnlic hen Prozessannahmen
wie das Informations-Prozess-Mo dell (T reisman, 1963). “Sk alare Eigensc haft”
b edeutet, dass die gesc hätzte Dauer durc h eine sk alierende T ransformation
mit w äc hst, w enn sich die tatsäc hliche Dauer v ergrößert. Dies gilt jedo c h nic h t
n ur für die mittlere gesc hätzte Dauer, sondern auc h für deren Standardab w ei-
c h ung. Diese Annahme wurde zuv or im Rahmen der Sc alar Exp e ctancy The o-
ry (SET) form uliert (Gibb on, 1977). Gibb on (1977) b egründete diese Idee
auf Basis der Beobac h tung, dass Ratten bzw. T aub en b ei Zeitsc hätzaufgab en
im Sekunden- bis Min uten b ereic h zw ar relativ präzise Sc hätzungen abgeb en
k önnen, die Sc hätzleistung jedo c h abhängig v on der zu schätzenden Dauer ist.
Mit anderen W orten v ergrößert sic h mit steigender Dauer nic h t n ur die mittlere
Dauersc hätzung, sondern auc h die Standardab w eic h ung der Dauersc hätzung.
Die Annahme der sk alaren Eigensc haften v on Dauersc hätzungen en tspric h t
in einigen T eilen dem Mo dell v on T reisman (1963, 2013), auch w enn dieser
sic h mit mensc hlic hen Probanden und im Sc hnitt kürzeren Zeiten b esc häftigte
(Gibb on, 1977). Durc h die Prop ortionalität der mittleren Sc hätzung und der
Standardab w eic h ung zum zu sc hätzenden In terv all en tsteh t laut der STT ein
k onstan ter K o effizien t der V ariation γ mit γ = S D
M in der Sc hätzung (Gibb on,
1977, S. 285). Dieser en tspric h t einem konstan ten Sensitivitätsmaß, das b ereits
v on T reisman (1963) als W eb er-K onstan te für Dauersc hätzungen un tersuc h t
wurde (Gibb on, 1977). Die v on der STT v orhergesagte Standardab weic h ung
k ann darüb er hinaus mit der probabilistischen Aktivierung eines Bereic hs im
Arb eitssp eic her des Informations-Prozess-Mo dell (T reisman, 1963) v erglic hen
w erden. Durc h die Abbildung v on Zeitdauern auf einem logarithmierten Zah-
25

KAPITEL 3. ERLEBTE ZEIT - PR OSPEKTIVE DA UERSCHÄ TZUNGEN
ABBILDUNG 3.2: Scalar Timing Theory , Eigendarstellung nac h Gibb on et al.
(1984).
lenstrahl im Ansatz v on T reisman (1963) sind aktivierte Bereic he v on kurzen
Dauern höher aufgelöst als längere Dauern. Dadurc h k ann die v ergleic hende
K omp onen te des Informations-Prozess-Mo dells b ei kürzeren Dauern aus einer
stärk er um den Mittelw ert k onzen trierten V erteilung ziehen, w as dazu führt,
dass die V arianzen d er Sc hätzungen b ei kürzeren Dauern geringer sind. Für
die V orhersage der Dauerwahrnehm ung im Rahmen einer Mensch-Computer-
In teraktion gilt also für b eide Ansätze, dass längere In teraktionen auc h länger,
ab er mit einer größeren V ariabilität gesc hätzt w erden. Beide Ansätze, STT und
Informations-Prozess-Mo dell, stimmen daher grob in ihrer V orhersage üb erein ,
auc h w enn sie sic h in einigen mathematisc hen F orm ulierungen der zugrunde-
liegenden Mec hanismen un tersc heiden.
Eine w eitere Ähnlic hk eit zwisc hen der STT und dem Informations-Prozess-
Mo dell wird deutlic h, w enn man die Prozessannahmen (siehe Abb. 3.2) b e-
trac h tet. Gibb on et al. (1984) gliederten die Prozesse in drei Sc hritte, die auf
v ersc hiedenen Mo dulen basieren. Diese Sc hritte b eziehen sic h auf die W ahr-
nehm ung ( clo ck pr o c ess ), das Erinnern ( memory pr o c ess ) und das Un tersc hei-
den v on Dauern ( de cision pr o c ess ). Sie sind durc h Helligk eitsabstufungen in
Abbildung 3.2 gek ennzeic hnet. Die gleic he Kennzeic hn ung findet sic h auc h in
Abbildung 3.1 und mac h t deutlic h, dass diese Prozesssc hritte b ereits im Mo dell
v on T reisman (1963) zu finden sind.
Beim V ergleic h der Abbildungen 3.1 (Informations-Prozess-Mo dell der
Dauerw ahrnehm ung) und 3.2 (STT) fallen große Ähnlic hk eiten in den b etei-
26

3.1. MODELLE UND THEORIEN ZUR ERLEBTEN ZEIT
ligten Mo dulen auf. Beide Ansätze gehen v on einem k on tin uierlic h arb eitendem
T aktgeb er ( p ac emaker ) aus, dessen Pulse im Zähler (vgl. c ounter/ac cumulator )
akkum uliert w erden. Die STT erw eitert den clo c k pro cess um einen Schalter
( switch ). Dieser sorgt dafür, dass n ur w ährend des zu sc hätzenden In terv alls
Impulse v om T aktgeb er in den Zähler geleitet w erden. Der Sc halter reagiert
dab ei mit einer gewissen Latenz auf externe Stimuli (Gibb on et al., 1984), die
das zu sc hätzende In terv all markieren. Der Zähler akkum uliert die Impulse
und gibt die Anzahl w eiter an das Arb eitsgedäc h tnis 1 .
Die K onzeption des Arb eitssp eic hers ( stor e/working memory ) un tersc heidet
sic h zwisc hen den b eiden Ansätzen. Während T reisman (1963) auf eine räum-
lic he K o dierung zurüc kgriff, nahmen Gibb on et al. (1984) eine sehr einfac he
K onzeption des Arb eitssp eic hers an, in der lediglic h die Anzahl aus dem Zähler
üb ernommen wird (Gibb on et al., 1984, S. 55). Diese Anzahl k ann langfristig
gesp eic hert w erden, indem sie ins Referenzgedäc h tnis als T eil des Langzeit-
gedäc h tnisses üb erführt wird. Auf Basis der Referenz und der aktuell akku-
m ulierten Anzahl en tsc heidet die v ergleichende K omp onen te ( c omp ar ator ), ob
eine An t w ort bzw. Handlung ausgelöst wird o der nic h t.
Zusammengefasst stellt die STT ein Prozessmo dell dar, w elches die k ogniti-
v en Prozesse b eim W ahrnehmen einer Dauer b esc hreibt. Sie bietet damit einen
Ein blic k in v ersc hiedene Quellen für F ehler und V arianzen in Dauersc hätzun-
gen, wie b eispielsw eise die sk alare V ergrößerung der Sc hätzv arianz b ei längeren
Dauern, die Latenz des Sc halters, die Sp eic herung im Referenzgedäc h tnis o der
den v ergleic henden Prozess. Bezogen auf den An w endungsk on text Mensc h-
Computer-In teraktionen zeigt sie damit auf, w elc he Prozesssc hritte b ei der
W ahrnehm ung einer In teraktionsdauer durc hlaufen w erden. Mit ihrer Hilfe
k ann zum Beispiel v orhergesagt w erden, dass sic h Dauersc hätzungen syste-
matisc h v erändern, w enn die Latenz des Sc halters v ergrößert wird. Dies k ann
b eispielsw eise durc h Ablenkung passieren (Matthews & Mec k, 2016; Mec k,
1984). Ähnlic h wie das Informations-Prozess-Mo dell ist die STT dazu geeig-
1 Der Zähler wird inzwisc hen eher dem clo c k pro cess als dem memory pro cess zugeordnet
(Ch urc h, Mec k & Gibb on, 1994; Droit-V olet & W earden, 2003; Droit-V olet & Mec k, 2007;
Gibb on & Ch urc h, 1984), w as in der V eröffen tlic h ung v on Gibb on et al. (1984) no c h nic h t
ganz eindeutig erfolgte. Gibb on et al. (1984) bildeten zw ar eb enfalls den Zähler als T eil des
clo c k pro cesses ab (Gibb on et al., 1984, S. 55), sc hrieb en ab er wiederholt, dass der Zähler
T eil des Arb eitsgedäch tnisses sei (Gibb on et al., 1984, S.53, S. 55).
27

KAPITEL 3. ERLEBTE ZEIT - PR OSPEKTIVE DA UERSCHÄ TZUNGEN
net, V orhersagen zu machen, wie lange eine In teraktionsdauer wahrgenommen
wird und un ter w elc hen Bedingungen eine V erzerrung der Dauerw ahrnehm ung
erfolgt. Sie ist nic h t geeignet, Bew ertungsprozesse einer erlebten Dauer b e-
zogen auf Akzeptabilität o der V alenz v orherzusagen. Geh t man jedo c h da v on
aus, dass solc he Bew ertungsprozesse auf der w ahrgenommenen Dauer b eruhen,
stellen so w ohl Informations-Prozess-Mo dell als auc h STT wic h tige Grundla-
genmo delle für die Untersuc h ung der W ahrnehm ung v on In teraktionsdauern
dar.
3.1.3 Dual-Pro cess Con tingency Mo del
Während sic h die bisher b espro chenen Ansätze aussc hließlic h auf prosp ekti-
v e Dauersc hätzungen un ter Berüc ksic h tigung eines in ternen T aktgeb ers b e-
ziehen, stamm t das Dual-Pr o c ess Contingency Mo del v on Zak a y (1993a) aus
einer F orsch ungstradition, die sich so w ohl mit prosp ektiv en als auc h mit re-
trosp ektiv en Sc hätzungen b esc häftigt. Es en tstand basierend auf Studien mit
mensc hlic hen Probanden, in denen der Einfluss k ognitiv er Beanspruc h ung auf
prosp ektiv e Dauersc hätzungen gezeigt wurde (für eine Meta-Analyse siehe
Blo c k et al., 2010). Solc he Befunde k önnen durc h das Informations-Prozess-
Mo dell der Dauerw ahrnehm ung o der die STT nic h t erklärt w erden (Zak a y
& Blo c k, 1995), da b eide Ansätze Aufmerksamk eitsprozesse v ernac hlässigen.
Auc h w enn Latenzen b ei der Betätigung des Sc halters in der STT v on Auf-
merksamk eitsprozessen b eeinflusst w erden k önnen (Matthews & Mec k, 2016;
Mec k, 1984), sind diese Mo delle und Theorien vielmehr für Situationen k on-
zipiert, in denen die Dauersc hätzung die einzige Aufgab e für den Probanden
darstellt. V or allem für den Anw endungsb ereic h Mensc h-Computer-In terk ation
stellt dies allerdings eine stark e Einsc hränkung ein. Wie w eiter ob en b ereits
diskutiert, m uss die Akkum ulation der Impulse als T eil der Dauersc hätzaufga-
b e parallel zur In teraktion gesc hehen. Hier ist die Dauersc hätzung also nic h t
die einzige Aufgab e des Probanden.
Um prosp ektiv e Sc hätzungen auc h un ter Ablenkung prozessorientiert dar-
stellen zu k önnen, wird im Dual-Pro cess Con tingency Mo del nic h t n ur ein
Impulsgeb er als Informationsquelle für Dauerschätzungen, sondern auc h ein
erinnerungsbasierter Prozess angenommen (siehe Abb. 3.3). Der Impulsgeb er
generiert ähnlic h wie im Informations-Prozess-Mo dell der Dauerw ahrnehm ung
28

3.1. MODELLE UND THEORIEN ZUR ERLEBTEN ZEIT
ABBILDUNG 3.3: Dual-Pro cess Con tingency Mo del, Eigendarstellung nac h Zak a y
(1993a). HPE steh t für high-priorit y even t und γ ist die Gewic h tung der Informa-
tionsquelle abhängig v on der Zugänglic hk eit (retriev abilit y) und der zugewiesenen
Aufmerksamk eit (atten tiv eness).
und in der STT eine Impulsanzahl, die n ur kurzzeitig zur V erfügung steh t.
W eitere Ähnlichk eiten zeigen sich darin, dass der Impulsgeb er durc h einen
dem Sc halter ähnlic hen Mec hanism us auf Null zurüc kgesetzt w erden k ann und
seine Impulse für eine langfristige Sp eic herung, wie sie b eispielsw eise für eine
Repro duktion o der einen V ergleic h b enötigt wird, an das Langzeitgedäc h tnis
w eitergeb en k ann. Der erinnerungsbasierte Prozess hingegen un tersc heidet sic h
v on der K onzeption der Sp eic herungseb ene ( memory pr o c ess ) der STT, da er
als eigenständige Informationsquelle neb en dem Impulsgeb er zur V erfügung
steh t und nic h t, wie in der STT angenommen, als F olgeprozess basierend auf
den Informationen des Impulsgeb ers fungiert.
Im Dual-Pro cess Con tingency Mo del wird angenommen, dass b eide Infor-
mationsquellen, Impulsgeb er und Erinnerung, zu Zeitsc hätzungen b eitragen.
Die Stärk e dieses Beitrags hängt da v on ab, wie einfac h die Informationen der
jew eiligen Quelle zugänglic h sind ( r etrievability ) und wie viel Aufmerksamk eit
der en tsprec henden Quelle zugewiesen wird bzw. wurde ( attentiveness ). In ei-
nem rein prosp ektiv en P aradigma wird alle Aufmerksamk eit auf die v erstrei-
c hende Zeit und damit den Impulsgeb er gelegt. Dadurc h w erden die Informa-
tionen, die durc h den T aktgeb er en tstehen, b esonders stark gewic h tet. Bei ei-
29

KAPITEL 3. ERLEBTE ZEIT - PR OSPEKTIVE DA UERSCHÄ TZUNGEN
ner retrosp ektiv en Sc hätzung hingegen wird k einerlei Aufmerksamk eit auf den
Impulsgeb er gelegt, w o durc h der erinnerungsbasierte Prozess zur Sc hätzung
gen utzt wird. Hier w erden aus dem Gedäc htnis ( memory ) herv orstec hende Er-
eignisse, sogenann te high-priority events (HPEs) , dek o diert, die w ährend des zu
sc hätzenden In terv alls enk o diert wurden. Beispiele für HPEs sind k on textuelle
V eränderungen (Zak a y, 1993a), wie das Ersc heinen einer neuen In ternetseite,
w enn b ei einem Kaufv organg auf einer W ebseite der W arenk orb o der die Einga-
b emask e zum Bezahlen geöffnet wird. Die Menge der Informationen b ezüglic h
der Impulse und der HPEs dien t als Grundlage für die Dauersc hätzung.
Im V ergleic h zu den v orher diskutierten Ansätzen ist das Dual-Pro cess Con-
tingency Mo del w eit w eniger sp ezifisc h, da es auf der einen Seite k eine mathe-
matisc he Ausform ulierung der einzelnen Prozesse und auf der anderen Seite
k eine genauen Definitionen v on herv orstec henden Ereignissen (HPEs) bietet.
T rotzdem leistet es einen en tsc heidenden Beitrag zum V erständnis der b etei-
ligten k ognitiv en Prozesse b ei der W ahrnehm ung v on In teraktionsdauern, da
es höhere k ognitiv e F unktionen, wie die Aufmerksamk eitsallok ation, b erüc k-
sic h tigt. Damit mac h t es auc h Situationen zugänglic h, in denen eine Dau-
ersc hätzung neb en einer Zw eitaufgab e abgelegt wird, wie b ei einer Mensc h-
Computer-In teraktion. Hier m uss Aufmerksamk eit k ontin uierlich zwisc hen der
Sc hätz- und der Zw eit-Aufgab e bzw. In teraktion v erteilt w erden und es liegt
k ein rein prosp ektiv es P aradigma mehr v or.
3.1.4 A tten tional Gate Mo del (A GM)
Das A ttentional Gate Mo del (A GM, Blo c k & Zak a y, 1996; Zak a y & Blo c k,
1995, 1997) ist eine W eiteren t wic klung und K om bination des Dual-Pro cess
Con tingency Mo dels (Zak a y, 1993a) und der STT (Gibb on et al., 1984). Wie in
Abbildung 3.4 zu sehen ist, üb ernimm t es alle Mo dule der STT (V ergleic h 3.2)
und erw eitert den Prozesssc hritt zur W ahrnehm ung der Dauer ( clo ck pr o c ess )
um ein T or ( gate ), das durc h Aufmerksamk eitsprozesse b eeinflusst wird.
Die F unktionsweise des T ors ist als ein Engpass zu v erstehen, durc h den die
Impulse des T aktgeb ers ( p ac emaker ) auf dem W eg zum Zähler ( c o gnitive c oun-
ter ) hindurc h m üssen und dessen Breite bzw. Durc hlässigk eit v on der Menge
der zugew endeten Aufmerksamk eit b edingt wird. Ist die gesam te Aufmerk-
samk eit auf das V erstreic hen der Zeit geric h tet, öffnet sic h das T or v ollständig
30

3.2. BEFUNDE IM PR OSPEKTIVEN P ARADIGMA
ABBILDUNG 3.4: A tten tional Gate Mo del, Eigendarstellung nac h Blo c k und Zak a y
(1996) und Zak a y und Blo c k (1995, 1997).
und alle ank ommenden Impulse k önnen passieren. Sobald jedo c h eine Auf-
gab e o der ein Ereignis T eile der Aufmerksamk eit für sic h b eanspruchen, steh t
w eniger Aufmerksamk eit für die Dauersc hätzung zur V erfügung und das T or
sc hließt sic h graduell. Dadurc h gelangen manc he Pulse nic h t mehr zum Zähler,
sondern gehen v erloren. Bei v ollständiger Ablenkung durc h ein anderes Ereig-
nis sc hließt das T or v ollständig: Es gelangen k eine Impulse in den Zähler und
eine prosp ektiv e Dauersc hätzung wird unmöglic h.
Zusammengefasst wird im A GM die Annahme eines sk alaren Zeitgeb ers
(P acemak er), der durc h Arousal b eeinflusst wird, aus früheren Mo dellen üb er-
nommen, w ährend zusätzlic h der Einfluss der Aufmerksamk eitsallok ation b e-
rüc ksic h tigt wird. Dadurc h ist es für die V orhersage v on Dauersc hätzungen im
An w endungsk on text Mensc h-Computer In teraktion b esonders relev an t. Solc he
In teraktionen k ennzeic hnen sic h durc h eine Aufteilung der Aufmerksamk eit auf
v ersc hiedene T eilaufgab en, die neb en der Dauersc hätzung absolviert w erden.
Darüb er hinaus k önnen w ährend der In teraktion Emotionen auftreten, die eine
V eränderung im Arousal-Level mit sic h bringen.
3.2 Befunde im prosp ektiv en P aradigma
Die v orgestellten Ansätze sind k ognitiv e Mo delle der Dauerw ahrnehm ung,
die einen mo dularen Aufbau mit sp ezialisierten K omp onen ten zeigen (Ivry &
Sc hlerf, 2008; Droit-V olet & W earden, 2003), b ei denen ein in terner T aktge-
b er als zentrale K omp onen ten angenommen wird. Daher w erden sie auc h als
31

KAPITEL 3. ERLEBTE ZEIT - PR OSPEKTIVE DA UERSCHÄ TZUNGEN
„timing-with-a-timer“-Mo delle b ezeic hnet (Blo c k & Zak a y, 1996). Auf Grund
der Ähnlic hk eiten zwisc hen den Ansätzen lassen sic h (teilw eise mo dellüb ergrei-
fende) V orhersagen darüb er mac hen, w elc he Eigensc haften Dauersc hätzungen
hab en und w elc he F aktoren einen systematisc hen Einfluss zeigen sollten. Wic h-
tige V orhersagen b etreffen die sk alare Eigensc haft, Effekte des Arousal-Lev els
so wie der Aufmerksamk eit.
3.2.1 Sk alare Eigensc haften
Der in terne T aktgeb er v on „timing-with-a-timer“-Mo dellen geh t mit der An-
nahme einher, dass eine Dauersc hätzung mit der zu sc hätzenden Dauer sk a-
liert. Daher sollten längere Dauern auc h zu einer längeren Dauersc hätzung
führen. Dies k onn te in vielen Exp erimen ten und Studien so w ohl im Sekunden-
b ereic h (z.B. Droit-V olet, Bigand, Ramos & Bueno, 2010; Droit-V olet, Ramos,
Bueno & Bigand, 2013; Gil & Droit-V olet, 2011, 2012) als auc h im Min uten b e-
reic h (z.B. Droit-V olet, Monceau, Berthon, T rahanias & Maniadakis, 2018) ge-
zeigt w erden. Darüb er hinaus leitet sic h aus dem Informations-Prozess-Mo dell
(T reisman, 1963) und der STT (Gibb on et al., 1984) ab, dass Dauersc hät-
zungen mit zunehmender ob jektiv er Dauer v ariabler w erden sollten, w ozu es
eb enfalls eine Vielzahl an exp erimen tellen Befunden gibt (z.B. Allan, 1979;
Bro wn, 1997; Droit-V olet et al., 2018; W earden & Lejeune, 2008).
3.2.2 Effekt v on Arousal auf prosp ektiv e Dauersc hätzun-
gen
Basierend auf dem Informations-Prozess-Mo dell der Dauerw ahrnehm ung
(T reisman, 1963), der STT (Gi bb on et al., 1984) und dem AGM (Block
& Zak a y, 1996; Zak a y & Blo c k, 1995, 1997) ist ein Effekt des Arousal-Lev els
auf prosp ektiv e Dauersc hätzungen zu erw arten: Je höher das Arousal-Lev el
ist, desto sc hneller pro duziert der T aktgeb er Impulse und desto mehr v on
ihnen w erden pro Zeiteinheit im Zähler akkum uliert. Daher sollte die gleic he
Zeitdauer b ei hohem Arousal als länger eingesc hätzt w erden als b ei geringerem
Arousal. Dies gilt für v erbale Dauersc hätzungen und V ergleic he. Bei Pro duk-
tionen sollte das zu pro duzierende In terv all un ter erhöh tem Arousal früher
b eendet w erden, da hier die Impulsanzahl, die aus dem Referenzgedäc h tnis für
32

3.2. BEFUNDE IM PR OSPEKTIVEN P ARADIGMA
den V ergleich abgerufen w erden muss, früher erreic ht wird.
Diese V orhersage wurde für v ersc hiedene Schätzarten un tersuc h t. Ein Bei-
spiel für eine solc he Studie ist die Arb eit v on Gil und Droit-V olet (2012).
Die Autorinnen präsen tierten ihren V ersuc hsp ersonen für eine Dauer zwisc hen
200 ms und 1600 ms emotionsgeladene Bilder und ließen diese Dauer v erbal
sc hätzen. Die Bilder un tersc hieden sic h b ezüglic h ihrer dargestellten Basisemo-
tion (Ek el, Angst und T rauer) und dem Arousal-Lev el, w elc hes sie herv orrufen
sollten. Die Ergebnisse zeigten, dass Bilder, die a priori als stärk er erregend
klassifiziert w orden w aren und somit ein hohes Arousal-Lev el auslösen soll-
ten, zu einer längeren Sc hätzung führten als w eniger erregende Bilder bzw. als
neutrale Bilder.
Neb en solc hen Studien zu v erbalen Dauersc hätzungen gibt es jedo c h auc h
eine Vielzahl an Studien mit Pro duktionen, Repro duktionen und v ergleic hen-
de Sc hätzarten, wie zum Beispiel der Bisection T ask, Generalisationen so wie
andere V ergleic hsarten (Besc hreibung der Sc hätzarten siehe T ab. 3.1, S. 21).
In T ab elle 3.2 ist eine Ausw ahl an Studien zusammengetragen, die sic h diesen
v ersc hiedenen Zeitsc hätzarten zuordnen lassen. Die Befunde en tsprec hen für
Dauern bis zu zw ei Sekunden den sc hätzart-sp ezifisc hen V orhersagen b ezüg-
lic h des Effekts des Arousal-Lev els auf die Dauersc hätzung. Studien, die dies
stützen, sind in T ab elle 3.2 durc h fetten Sc hriftsatz gek ennzeichnet.
Für längere Dauern ist die Befundlage jedo c h nic h t so eindeutig. Hier b eric h-
ten manc he Autoren den erw arteten Effekt (Castellà et al., 2017; Droit-V olet
et al., 2013; F a y olle et al., 2015), w ährend andere k eine bzw. k eine eindeutige
Evidenz für eine V eränderung der Dauersc hätzungen durc h Arousal b ei In ter-
v allen v on zw ei bis ac h t Sekunden finden (Angrilli et al., 1997; Nather et al.,
2011; Noulhiane et al., 2007; T rapp & Th üring, 2016). Die Unklarheit in der
Befundlage b ei längeren Dauern k ann auf der einen Seite durc h die Induktions-
art erklärt w erden, mit der das Arousal-Lev el manipuliert wird (Droit-V olet
et al., 2018). Auf der anderen Seite k önnen sic h die k ognitiv en Prozesse b ei
Dauersc hätzungen v on In terv allen un ter zw ei Sekunden v on denen b ei längeren
In terv allen un tersc heiden (Ulbric h, Ch uran, Fink & Wittmann, 2007).
Bezogen auf den ersten Erklärungsansatz stellt sic h die F rage, w elc he Induk-
tionsmetho den für Arousal t ypisc herw eise gen utzt w erden. In diesem K on text
wird das Arousal-Lev el meist als „ globales Erregungsniv eau“ (Müsseler, 2008,
33

KAPITEL 3. ERLEBTE ZEIT - PR OSPEKTIVE DA UERSCHÄ TZUNGEN
S. 158) v erstanden, w elc hes T eil eines Kernaffekts ist ( c or e affe ct , Russell,
2003). Der Kernaffekt b esc hreibt einen b ewuss ten, neuroph ysiologisc hen Zu-
stand, der als ein einfac hes, unreflektiertes Gefühl w ahrgenommen wird und
sic h aus einer hedonisc hen K omp onen te (V alenz) und dem Arousal (Erregungs-
zustand) zusammensetzt (Russell, 2003). Daher w erden zur Steigerung des
Arousal-Lev els häufig affekt- bzw. emotionsinduzierende Stim uli gen utzt. Hier-
zu gehört in Studien zum Arousaleffekt auf Dauersc hätzungen die Präsen ta-
tion v on emotionsgeladenen Bildern (Angrilli et al., 1997; Gil & Droit-V olet,
2012; Grommet et al., 2011; Grondin et al., 2014), v on emotionalen Gesic h ts-
T ABELLE 3.2: Üb ersic h t üb er Studien zum Arousaleffekt im prosp ektiv en P aradig-
ma. Durc h fetten Sc hriftsatz sind solc he Studien gek ennzeic hnet, die den Arousal-
effekt für Dauern bis zu 2 Sekunden zeigen. Nic h t fett sind Studien mit längeren
Dauern, für die eine w eniger eindeutige Befundlage v orliegt.
v erbale Sc hätzung Gil & Droit-V olet, 2011 ; Gil & Droit-
V olet, 2012 ; Noulhiane, Mella, Samson, Ragot
& P outhas, 2007
Pro duktion Castellà, Cuello & Sanz, 2017; Gil & Droit-
V olet, 2011
Repro duktion Angrilli, Cherubini, P a v ese & Manfredini, 1997;
Gil & Droit-V olet, 2011 ; Noulhiane et al.,
2007; T rapp & Th üring, 2016
Bisection T ask Droit-V olet, Brunot & Nieden thal, 2004 ;
Droit-V olet, Mermillo d, Co cenas-Silv a &
Gil, 2010 ; Droit-V olet, Bigand et al., 2010;
Droit-V olet, F a y olle & Gil, 2011 ; Droit-
V olet et al., 2013 ; Droit-V olet & Gil, 2015 ;
F a y olle, Gil & Droit-V olet, 2015 ; Gil &
Droit-V olet, 2009 ; Gil & Droit-V olet, 2011 ;
Grommet et al., 2011 ; Nather, Bueno, Bi-
gand & Droit-V olet, 2011 ; Tipples, 2008
Generalisation, V er-
gleic h und ähnlic he
Metho den
Gil & Droit-V olet, 2011 ; Grondin, Laflam-
me & Gon tier, 2014 ; Mella, Con t y &
P outhas, 2011
34

3.2. BEFUNDE IM PR OSPEKTIVEN P ARADIGMA
ausdrüc k en (Droit-V olet et al., 2004; Gil & Droit-V olet, 2011; Grondin et al.,
2014; Tipples, 2008), v on P ersonen, deren K örp erhaltung sp ezifisc h für eine
Emotion ist (Droit-V olet & Gil, 2015), sowie die Präsen tation von emotions-
auslösenden Geräusc hen (Mella et al., 2011; Noulhiane et al., 2007; T rapp &
Th üring, 2016). Dass solc he Induktionsmetho den tatsäc hlic h das ph ysiologi-
sc he Erregungsniv eau v erändern, wurde v or allem für emotionsgeladene Bilder
und Geräusc he gezeigt (Angrilli et al., 1997; Brou w er, V an W ou w e, Muehl,
V an Erp & T o et, 2013; Mella et al., 2011).
Solc he Stim uli hab en jedo c h häufig k eine hohe, p ersönlic he Relev anz für die
Probanden. Dadurc h k ann zw ar eine kurzfristige Änderung des Arousal-Lev els
herv orgerufen w erden, diese bleibt ab er nic h t lange b estehen (Droit-V olet et
al., 2018). Dies wird durc h Studien gestützt, in denen mit stärk eren Induk-
tionsmetho den auc h für längere Dauern ein Effekt des Arousal-Lev els gezeigt
w erden k onn te: F a y olle et al. (2015) n utzten Stromsc hläge und fanden den Ef-
fekt b ei In terv allen bis zu ac h t Sekunden in einer Bisection Aufgab e. Castellà
et al. (2017) ließen Probanden kurz nac h der Üb erquerung einer Hängebrüc k e
aus Seilen (Höhe circa 20 m) ein einmin ütiges In terv all sc hätzen. Sie b eric h-
ten längere v erbale Sc hätzungen un ter dieser Bedingung mit h ohem Arousal
im V ergleic h zu einer Sc hätzung un ter w eniger erregenden Bedingungen, in der
die Probanden einen W aldw eg en tlang liefen. In einer Studie mit Ratten, denen
zur Steigerung des Arousal-Lev els intermittierend K ok ain v erabreic h t wurde,
k onn te der v erkürzende Effekt v on erhöhtem Arousal auf Dauerproduktionen
eb enfalls b ei In terv allen bis zu 90 Sekunden gezeigt w erden (Matell, King &
Mec k, 2004). Zusammenfassend stützen diese Studien die Erklärung, dass das
häufige Ausbleib en eines signifik an ten Effekts v on Arousal auf Dauersc hätzun-
gen v on In terv allen üb er zw ei Sekunden zumindest teilw eise auf eine zu geringe
V eränderung des Arousal-Levels zurüc kgeführt werden k ann.
Eine Alternativ erklärung b esteh t in der Annahme, dass sic h die b eteiligten
k ognitiv en Prozesse b ei längeren Dauersc hätzungen v erändern (Noulhiane et
al., 2007; T rapp & Th üring, 2016). So k önn ten b eispielsw eise Gedäc h tnis- und
Aufmerksamk eitsprozesse b ei langen Dauern eine größere Rolle spielen als b ei
kurzen (Ivry & Sc hlerf, 2008). Ulbric h et al. (2007) un tersuc hten diese An-
nahme in einem quasi-exp erimen tellen V ersuc hsdesign. Dazu teilten sie ihre
Stic hprob e anhand der Arb eitsgedäc h tnisk apazität in zw ei Grupp en ein (nied-
35

KAPITEL 3. ERLEBTE ZEIT - PR OSPEKTIVE DA UERSCHÄ TZUNGEN
rige vs. hohe Arb eitsgedäch tnisk apazität) und ließen die Probanden Dauern
v on ein bis fünf Sekunden repro duzieren. Die Autoren argumen tierten, dass
sic h die Sc hätzungen zwisc hen den b eiden Grupp en b ei längeren In terv allen
( > 3 S ek unden ) stärk er un terscheiden m üssten als b ei kürzeren, w enn Prozes-
se des Arb eitsgedäc h tnisses b ei längeren Dauern eine höhere Relev anz hab en.
Hier sollten V ersuchspersonen mit einer höheren Arb eitsgedäc h tnisk apazität
längere Repro duktionen zeigen, da sie mehr Impulse absp eic hern k önnen als
Probanden mit einer niedrigeren Kapazität. Das Befundm uster en tsprac h die-
ser Erw artung und stützt damit die Annahme, dass Dauersc hätzungen v on In-
terv allen üb er zw ei Sekunden stärk er v on Gedäc h tnisprozessen abhängig sind
als solc he un ter zw ei Sekunden.
Bei w esen tlic h längeren In terv allen sc heinen no c h w eitere Prozesse an Be-
deutung zu gewinnen. Droit-V olet et al. (2018) un tersuc h ten Dauern zwisc hen
zw ei und 32 Min uten. Sie k onn ten zeigen, dass die Sc hätzungen nic h t n ur durc h
das selbstb eric h tete Arousal, sondern auc h durc h die Zeitflussb eurteilung v or-
hergesagt wurden. Dieses wurde jedo c h nic h t exp erimen tell, sondern rein k or-
relativ un tersuc h t. Das Gefühl v on sic h ziehender o der sc hnell v ergehender Zeit
wird in Kapitel 4 erneut aufgegriffen und näher diskutiert.
Zusammengefasst stützen Befunde zum Effekt v on Arousal auf Dauersc hät-
zungen die Annahme, dass prosp ektiv e Dauersc hätzungen auf einem T aktgeb er
basieren, dessen F requenz vom aktuellen Arousal-Lev el abhängt. Das Arousal-
Lev el k ann durc h Manipulation des emotionalen o der ph ysiologisc hen Zustands
v erändert w erden, w ob ei auf Grund der t ypischen Induktionsmethoden (Bilder,
Töne) meist n ur kleine und kurzfristige Änderungen herv orgerufen w erden. Der
Arousaleffekt ersc hein t zudem v or allem b ei Dauersc hätzungen v on un ter zw ei
Sekunden eine w esen tlic he Rolle zu spielen. Je länger die Dauer wird, umso
mehr gewinnen andere Prozesse, wie Aufmerksamk eits- und Gedäc h tnispro-
zesse so wie die W ahrnehm ung des Zeitflusses, an Bedeutung. Für In terakti-
onsdauern im K on text Mensc h-Computer-In teraktion ersc hein t der Arousalef-
fekt daher n ur mäßig relev an t, da er n ur b ei sehr stark en V eränderungen des
Arousal-Lev els o der b ei sehr kurzen In teraktionsdauern zu erw arten ist.
36

3.2. BEFUNDE IM PR OSPEKTIVEN P ARADIGMA
3.2.3 Effekt v on Aufmerksamk eit auf prosp ektiv e Dauer-
sc hätzungen
Basierend auf dem A GM k önnen sp ezifisc he V orhersagen für den Effekt v on
Aufmerksamk eitsv ersc hiebungen auf prosp ektiv e Dauerschätzungen gemac ht
w erden. So sollte, b ei gleic hem Arousal-Lev el, eine Dauer v erbal kürzer ge-
sc hätzt w erden, w enn mehr Aufmerksamkeit v on der Zeitschätzaufgabe ab-
gezogen wird. Laut dem A GM gesc hieh t dies, da nic ht alle Impulse das T or
passieren, die w ährend des V erstreic hens der Dauer generiert wurden. Dadurc h
ist die Anzahl der akkum ulierten Impulse geringer und es wird eine kürzere
Dauer gesc hätzt. Bei einer Pro duktion hingegen en tsteh t eine längere Sc hät-
zung, w enn die Aufmerksamk eit nic h t alleine auf die Zeitsc hätzaufgab e ge-
ric h tet wird. Hier m uss länger pro duziert w erden bzw. müssen mehr Impulse
generiert w erden bis die Referenzanzahl erreic h t ist, da einige Impulse v erlo-
ren gehen. Ein ähnlic her Effekt lässt sic h auf Basis der STT v orhergesagen,
sobald man Latenzen in der Öffn ung des Sc halters b erüc ksic h tigt, die durc h
Aufmerksamk eitsprozesse b eeinflusst w erden (Matthews & Mec k, 2016; Mec k,
1984). Diese V orhersagen wurden exp erimen tell b ereits in vielen K on texten
b estätigt (für Reviews siehe Bro wn, 2008; Grondin, 2010; Matthews & Mec k,
2016; Zak a y, 2005). Dab ei k onzen trieren sic h einzelne Arb eiten meist auf ei-
ne v on zw ei v ersc hiedenen Arten v on Aufmerksamk eit: selektive o der geteilte
Aufmerksamk eit (Matthews & Mec k, 2016).
Selektiv e Aufmerksamk eit b esc hreibt die Ausw ahl eines Stimulus, eines Ob-
jekts o der eines Ortes aus einer Menge möglic her Stim uli/Ob jekte/Orte und
das Belegen dieser Ausw ahl mit Aufmerksamk eit (Matthews & Mec k, 2016;
Müsseler, 2008). Hierdurc h en tsteh t eine F okussierung, die auf der einen Seite
mit einer höheren V erarb eitungsk apazität für die selektierten Informationen
und auf der anderen Seite mit einem “Ausblenden” anderer Informationen ein-
hergeh t. Die Zu w endung v on Aufmerksamk eit auf ausgew ählte Stim uli o der
Bereic he k ann willkürlic h gesteuert w erden ( endo gene Aufmerksamk eitsteue-
rung). Sie k ann ab er auc h un willkürlic h durc h die Eigensc haften eines Stim ulus
en tstehen ( exo gene Aufmerksamk eitssteuerng; für einen Üb erblic k siehe z.B.
Hagendorf, Krummenac her, Müller & Sc h ub ert, 2011).
In Bezug auf Dauerw ahrnehm ung stellt sic h die F rage, auf w elc he Informa-
37

KAPITEL 3. ERLEBTE ZEIT - PR OSPEKTIVE DA UERSCHÄ TZUNGEN
tion Aufmerksamk eit w ährend einer Sc hätzaufgab e selektiv geric htet wird und
wie diese Aufmerksamk eitzu w endung die Dauerschätzen b eeinflusst. T ypisc he
Un tersuc h ungen n utzen hierfür zum Beispiel Ereignisse, die Aufmerksamk eit
kurzfristig v on der Sc hätzaufgab e abziehen (exogene Steuerung): Blo c k, Geor-
ge und Reed (1980) instruierten ihre Probanden die Aufmerksamk eit auf die
Zeit zu legen, w ährend sie einen T opf gefüllt mit Flüssigk eit b eobac h teten.
Die Flüssigk eit k onn te dab ei en t w eder kurz aufk o c hen o der nic h t. Ansc hließen
wurde die w ahrgenommene Beobac h tungsdauer repro duziert. Die Ergebnisse
zeigten kürzere Repro duktionen b ei Aufk o c hen der Flüssigk eit, da es hier zu
einer kurzfristigen, exogenen Aufmerksamk eitv ersc hiebung k am. Der Befund
passt zu einer geringeren Anzahl v on akkum ulierten Impulsen b ei Ablenkung
und einer en tsprec hend als kürzer erlebten Dauer. Andere Studien ließen ihre
V ersuc hsp ersonen auf den Ort o der die Mo dalität des zeitgeb enden Stim ulus
fokussieren (endogene Steuerung, Mattes & Ulric h, 1998). Hier zeigte sic h die
erw artete V erlängerung der Dauersc hätzung. Zusammengefasst führt also eine
selektiv e Zu w endung der Aufmerksamk eit auf zeitlic h relev an te Asp ekte, wie
den Zeitfluss und den zeitgeb enden Stim ulus o der Ort, zu einer V erlängerung
der erlebten Zeit (Matthews & Mec k, 2016).
Ähnlic h zu Befunden der selektiv en Aufmerksamk eit un terstützen auc h Ar-
b eiten zur geteilten Aufmerksamkeit die V orhersagen des A GM. Hier wird
häufig das Dual-T ask-Par adigma gen utzt, in dem neb en der Zeitsc hätzaufgab e
eine Zw eitaufgab e durc hgeführt wird. Die Spann w eite der b ereits un tersuc h ten
Zw eitaufgab en ist dab ei enorm. Sie umfasst Aufgab en zur motorisc hen Steue-
rung, p erzeptuellen Diskrimination, v erbalen V erarb eitung, visuellen Suc he,
men talen Arithmetik, En tsc heidungen so wie erinnerungsbasierte Aufgab en (für
Reviews siehe Bro wn, 1997, 2008). Die Befundlage zeigt fast einheitlic h, dass
v erbale Dauersc hätzungen innerhalb eines Dual-T ask-P aradigmas kürzer und
ungenauer sind so wie eine höhere V ariabilität aufw eisen als Dauersc hätzun-
gen, die ohne Zw eitaufgab e abgegeb en w erden. Für Pro duktionen zeigen sic h
en tsprec hend längere Sc hätzungen, w enn eine Zw eitaufgab e zusätzlic h erledigt
w erden m uss. Bro wn (1997) nenn t diesen Effekt den Interfer enzeffekt . In 91%
der v on Bro wn (2008) zusammengefassten Arb eiten wird Evidenz für diesen
Effekt b eric h tet.
Auc h im K on text der Mensc h-Computer-Interaktion gibt es Arb eiten, die
38

3.2. BEFUNDE IM PR OSPEKTIVEN P ARADIGMA
den In terferenzeffekt zeigen. Hertzum und Holmegaard (2015) un tersuc h ten
v erbale Dauersc hätzungen b ei einem Problemlöse-Spiel an einem Computer,
w ob ei sie die Hälfte der Stic hprob e instruierten, w ährend der Bearb eitung
laut zu denk en. Lautes Denk en ist im K on text der Un tersuc h ung v on Mensch-
Computer-In teraktionen eine häufig angew andte Metho de, b ei der Nutzer w äh-
rend einer In teraktion ihre Gedank en v erbalisieren ( c oncurr ent think aloud ).
Diese Gedank en b eziehen sic h meist darauf, w as der Nutzer tut, wie er v ersuc h t
die Aufgab e zu lösen, w elc he Erw artungen er hat und w arum er b estimm te
Handlungen durc hführt (T ullis & Alb ert, 2010). Auc h w enn lautes Denk en ei-
ne reliable Metho de zur Detektion von Usabilit yproblemen und Gründen für
F ehln utzungen bietet (McDonald, Zhao & Edw ards, 2013), so stellt es eine
Zw eitaufgab e und eine Erhöh ung der men talen Beanspruc hung dar. In ihrem
Exp erimen t v erglic hen Hertzum und Holmegaard (2015) die Sc hätzungen der
Aufgab endauern zwisc hen den Grupp en mit und ohne lautes Denk en. T rotz
gleic her Aufgab endauern in den b eiden Grupp en b eric h ten die Autoren kürze-
re Sc hätzungen un ter der Bedingung mit lautem Denk en. Dies en tspric h t dem
In terferenzeffekt, wie er v on Bro wn (1997, 2008) b esc hrieb en wurde.
Eine wic h tige F rage ist jedo c h, wie stark die In terferenz ist und v on w elc hen
Aufgab enc harakteristik a ihre Stärk e b eeinflusst wird. Im A GM wird die Auf-
teilung der Aufmerksamk eit zwisc hen der Zeitsc hätzung und dem Ev en t bzw.
der Zw eitaufgab e als abstufbar b esc hrieb en , w ob ei graduell mehr Aufmerksam-
k eit auf die eine o der die andere Aufgab e gelegt w erden k ann. Dies en tspric h t
der K onzeption v on Aufmerksamk eit als eine b egrenzte und teilbare Ressource
(Kahneman, 1973). Laut dem A GM sollte der In terferenzeffekt also umso stär-
k er sein, je w eniger Aufmerksamk eit auf die Zeitsc hätzaufgab e gelegt w erden
k ann. Mit anderen W orten sollten Zw eitaufgab en, die mehr Aufmerksamk eit
b enötigen, zu einem größeren Interferenzeffekt führen.
Bro wn (1997) un tersuc h te diese V orhersage exp erimentell, indem er zu ei-
ner Zeitsc hätzaufgab e v ersc hiedene Zw eitaufgab en gab, die in den Stufen leic h t
und sc h w er absolviert w erden m ussten. Die Dauersc hätzaufgab e b estand darin
zw ei Min uten lang zw ei- bzw. fünfsekündige In terv alle zur pro duzieren. Zu den
Zw eitaufgab en gehörten eine motorisc he T rac kingaufgab e, eine visuelle Suc he
so wie eine K opfrec henaufgab e. Sie wurden gew ählt, da sie k on tin uierlic h absol-
viert und in ihrer Sc h wierigk eit manipuliert w erden konn ten. In einer zusätz-
39

KAPITEL 3. ERLEBTE ZEIT - PR OSPEKTIVE DA UERSCHÄ TZUNGEN
lic hen Baselinemessung wurde die Leistung b eim alleinigen Durc hführen der
Dauersc hätzung gemessen. Die Ergebnisse zeigten für die visuelle Suc he und die
K opfrec henaufgab e, dass die Pro duktionen länger wurden, je sc h wieriger die
Aufgab e w ar (gradueller Ansteig der Sc h wierigk eit v on k einer üb er leic h te zu
sc h w erer Zw eitaufgab e). Für alle gen utzten Zw eitaufgab en zeigte sic h darüb er
hinaus, dass die Dauersc hätzungen mit steigender Zw eitaufgab ensc h wierigk eit
v ariabler wurden. Zusammengefasst stützen die Befunde die V orhersagen des
A GMs: Je anspruc hsv oller eine Zw eitaufgab e ist, umso weniger Aufmerksam-
k eit steh t für die Dauersc hätzung zur V erfügung und umso länger sind die
Pro duktionen bzw. umso kürzer wird die Dauer v erbal gesc hätzt.
Im An w endungsk on text v on F ahrsim ulationsstudien wurde diese Abstufung
des In terferenzeffekt b ereits gen utzt, um men tale Beanspruc h ung indirekt zu
messen. Baldauf, Burgard und Wittmann (2009) baten ihren Probanden b ei-
spielsw eise ein In terv all v on 17 Sek. zu pro duzieren, w ährend sie eine sim ulierte
F ahrt auf einer geraden Strec k e, in einer Stadt und auf einer kurvigen Stra-
ße mit Gegen v erk ehr absolvierten. Die Ergebnisse zeigten, dass das F ahren in
der Stadt und auf einer kurvigen Straße im V ergleic h zur F ahrt auf gerader
Strec k e eine höhere men tale Beanspruc hung a uslöste (gemessen mit ph ysiolo-
gisc hen und sub jektiv en Maßen). Wie erw artet zeigten sic h für diese F ahrsi-
tuationen auc h längere pro duzierte Dauern. Lind und Sundv all (2007) k onn te
den gleic hen Effekt auc h im K on text von Systemev aluationen und für v erbale
Dauersc hätzungen zeigten: Je höher die sub jektiv b eric h tete men tale Bean-
spruc h ung w ar, um so stärk er wurden die In teraktionsdauern un tersc hätzt.
Diese und ähnlic he Ergebnisse (z.B. Blo c k, 1992; Bro wn, 1985; Bro wn &
Boltz, 2002; Zak a y, 1993b) legen nahe, dass die Sc h wierigk eit der Zw eitaufgab e
bzw. die men tale Beanspruc h ung durc h die Zw eitaufgab e ein w esen tlic her Ein-
flussfaktor für die Stärk e des In terferenzeffekts ist. Auf Basis einer Meta-
Analyse fassten Blo c k et al. (2010) die Effekte v on men taler Beanspruc h ung auf
prosp ektiv e Dauersc hätzungen wie folgt zusammen: Prosp ektiv e Dauersc hät-
zungen w erden stärk er b eein träc h tigt, w enn a) die V erarb eitung der Zw eit-
aufgab e eine aktiv e im V ergleic h zu einer passiv en V erarb eitung v oraussetzt,
b) die Aufmerksamk eit zwisc hen Aufgab en geteilt w erden m uss im V ergleic h
zu einer einheitlic hen Aufmerksamk eitsallok ation und c) die V erarb eitungs-
sc h wierigk eit der Zw eitaufgab e erhöh t wird. Bro wn (2008) ergänzte hierzu,
40

3.2. BEFUNDE IM PR OSPEKTIVEN P ARADIGMA
dass auc h Übung so w ohl der Zw eitaufgab e als auc h der Zeitsc hätzaufgab e zu
einer Absc h w äc h ung der In terferenz führen k ann ( Abschwächungseffekt o der
A ttenuation effe ct ), da sic h durc h Übung die men tale Beanspruc h ung reduzie-
ren lässt.
Eine en tgegengesetzte In terferenz, das heißt eine V ersc hlec h terung der Leis-
tung in der Zw eitaufgab e durc h die Sc hätzaufgab e, ist jedo c h n ur b ei b estimm-
ten Zw eitaufgab en zu finden. Grundsätzlic h spric h t eine bidirektionale In ter-
ferenz dafür, dass ähnlic he Ressourcen b ei b eiden Aufgab en gen utzt w erden
(Wic k ens, 2002, 2008). Bro wn (2006) fasste hierzu 33 versc hiedene Studien
zusammen und k am zu dem Ergebnis, dass v or allem solc he Zw eitaufgab en
v on der Zeitsc hätzung b eein träc htigt w erden, die eine höhere k ognitiv e V er-
arb eitung v oraussetzen. Hierzu gehören K opfrec henaufgab en, Lesen und stark
aufmerksamk eitsbindende Aufgab en im Gegensatz zu w ahrnehm ungsbasierten
Aufgab en, Mustererk enn ung und T rac king. Daher k ann angenommen w erden,
dass Zeitsc hätzungen, ähnlic h wie die eb en genann ten Aufgab en, primär auf
Exekutivfunktionen basieren (Bro wn, 2008; Zak a y & Blo c k, 2004). Un ter Exe-
kutivfunktionen w erden dab ei solc he k ognitiv en Prozesse v erstanden, “die für
die zielb ezogene K on trolle anderer, aufgab ensp ezifisc her Prozesse v eran t w ort-
lic h sind"(Müsseler, 2008, S. 727). Hierzu gehören Prozesse der Handlungspla-
n ung, der Inhibition inadaqäter Reaktionen o der der Aufrec h terhaltung v on
aufgab enrelev an ten Informationen (Müsseler, 2008). Zu diesen Exekutivfunk-
tionen k ann also auc h das prosp ektiv e W ahrnehmen v on Dauern gezählt w er-
den.
Ein wic h tiger Punkt zum Effekt v on Aufmerksamk eit auf prosp ektiv e Dau-
ersc hätzungen, der bis jetzt unerw ähn t geblieb en ist, sind die Zeitin terv alle,
die in den diskutierten Arb eiten b etrac htet wurden. Diese reic hen v on Millise-
kunden (Mattes & Ulric h, 1998) üb er w enige Sekunden (Bro wn, 1997, 2006)
bis hin zu Min uten (Blo ck et al., 1980; Blo c k, 1992). Die Spanne zeigt auf,
dass der Effekt v on Aufmerksamk eit auf sehr v ersc hiedenen Zeitsk alen gefun-
den w erden k ann und anders als der Effekt v on Arousal nic h t sp ezifisc h für
b estimm te In terv alle ist.
Zusammengefasst legen die Befunde nahe, dass prosp ektiv e Dauersc hätzun-
gen eng mit Prozessen der Aufmerksamk eitssteuerung v erbunden sind. Dab ei
ist es ähnlic h wie b ei Gesc hmac k o der Sc hmerzen: Die Zu w endung der Auf-
41

KAPITEL 3. ERLEBTE ZEIT - PR OSPEKTIVE DA UERSCHÄ TZUNGEN
merksamk eit zu der W ahrnehm ung hin v erstärkt das Erlebnis (Bro wn, 2008).
Dadurc h en tsteh t eine V erlängerung der erlebten Zeit, je mehr Aufmerksam-
k eit dem V erstreic hen v on Zeit gesc henkt wird. Dies steh t mit den V orhersagen
des A GM im Einklang und m uss nic h t, anders als der Effekt des Arousal, in
seiner Gültigk eit für b estimm te Zeitin terv alle eingesc hränkt w erden. Darüb er
hinaus zeigen die hier diskutierten Befunde, dass Dauersc hätzungen eine hö-
here k ognitiv e V erarb eitung (vgl. Exekutivfun tionen) b eanspruc hen.
3.3 Zwisc henfazit zur erlebten Zeit
Die Fähigk eit Dauern zu sc hätzen ist eine k ognitiv e Leistung, die mit vielen
anderen k ognitiv en Prozessen v erbunden ist. Hierzu gehören die W ahrnehm ung
und V erarb eitung der Stim uli, Emotionen, die Aufmerksamk eitsallok ation, die
men tale Beanspruc h ung und andere Exekutivfunktionen. Die v orgestellten Mo-
delle zu prosp ektiv er Dauerw ahrnehm ung b esc hreib en die k ognitiv en Prozesse,
die für eine Dauersc hätzung nötig sind und b erüc ksic h tigen dab ei T eile der eb en
genann ten K o-Prozesse bzw. Einflussfaktoren. Zusammengefasst p ostulieren
die Mo delle einen in ternen T aktgeb er, der für prosp ektive Dauersc hätzungen
gen utzt wird und auf dessen Basis sic h sk alare Eigensc haften v on Dauersc hät-
zungen ableiten lassen. Darüb er hin aus ist der T aktgeb er in seiner F requenz
sensitiv gegen üb er dem Arousal-Lev el. Die Registrierung der Impulse des T akt-
geb ers ist hingegen abhängig vom Ausmaß der Aufmerksamk eit, die auf die
Dauersc hätzung geric h tet wird. Diese Mo dellv orhersagen lassen sic h w eitest-
gehend empirisc h stützen. Der Einfluss des Arousal-Lev els sc hein t ab er n ur für
kurze Dauern relev an t zu sein, da er b ei Dauern üb er zw ei Sekunden selten
nac hgewiesen w erden k onn te.
T eil des F orsc h ungsziels der v orliegenden Arb eit ist es zu un tersuc hen, in
wie w eit die Dauer einer In teraktion als ein In teraktionsc harakteristikum v on
Nutzern w ahrgenommen w erden k ann bzw. w ann und ob es zu V erzerrun-
gen k omm t. Die v orgestellten Mo delle und empirisc hen Arb eiten b eziehen sic h
nic h t explizit auf eine solc he An wendungsdomäne. Daher ist es nic ht klar,
wie gut sic h die Annahmen und Befunde auf den Bereic h Mensc h-Computer-
In teraktion üb ertragen lassen und wie gut sie in diesem Bereic h v erlässlic he
V orhersagen treffen können. Auf Basis der im v orliegenden Kapitel diskutie-
42

3.3. ZWISCHENF AZIT ZUR ERLEBTEN ZEIT
ren „timing-with-a-timer“-Mo dellen (Blo c k & Zak a y, 1996) und Befunden zu
prosp ektiv en Dauersc hätzungen k önnen jedo c h Erw artungen an die Dauer-
w ahrnehm ung eines Nutzers w ährend einer tec hnisc hen In teraktion abgeleitet
w erden:
• Auf Grund der sk alaren Eigensc haften (V ergleic h Information-Pro cess
Mo del of Timing und STT) k ann erw artet w erden, dass Zeitdauern v on
In teraktionen grundsätzlic h w ahrgenommen und geschätzt w erden k ön-
nen. Längere Dauern sollten en tsprec hend zu längeren Sc hätzungen
führen. Dies gilt für Dauern im Min uten-Bereic h, wie er im Kon text
Mensc h-Computer-In teraktion v on In teresse ist, wie auch für Dauern
im Sekunden-Bereic h (Droit-V olet et al., 2018). Die Sc hätzungen sollten
jedo c h mit steigender In teraktionsdauer eine größere V arianz aufw eisen.
• Emotionen w erden häufig w ährend einer tec hnisc hen In teraktion erlebt
(Bac khaus & Branden burg, 2014; Branden burg & Bac khaus, 2016; Bra-
v e & Nass, 2003; Jokinen, 2015; Lewis & Ma y es, 2014). Sie bilden eine
w esen tlic he K omp onen te des Nutzererleb ens, w elc he im Kapitel 2 b e-
reits diskutiert wurde. Auf Basis der taktgeb er-basierten Mo delle k önn te
eine V eränderung der Dauersc hätzungen b ei einer V eränderung des emo-
tionalen Status des Nutzers erw artet w erden. Ob Emotionen, die w äh-
rend einer mehrmin ütigen Mensc h-Computer-In teraktion erlebt w erden,
tatsäc hlic h die Sc hätzung der Interaktionsdauer b eeinflussen, ist ab er
fragwürdig. Auf Basis der hier diskutierten Studien k ann angenommen
w erden, dass die Sc hnelligk eit des T aktgeb ers b ei In terv allen üb er zw ei
Sekunden k einen w esen tlic hen Einfluss auf die Sc hätzung mehr hat, da
Prozesse der Aufmerksamk eit so wie des Arb eitsgedäc h tnisses eine zuneh-
mend wic h tige Rolle üb ernehmen und die V eränderungen im Affekt meist
zu sc h w ac h sind.
• Aufmerksamk eitsprozesse spielen eb enfalls eine wic h tige Rolle w äh-
rend der Mensc h-Computer-In teraktion. Um sein In teraktionsziel zu er-
reic hen, m uss der Nutzer dieses im Gedäc h tnis halten, w ährend er es
gleic hzeitig in Un tersc hritte gliedert, die er in Zusammenarb eit mit dem
System b earb eitet und üb erw ach t. Dab ei k onfron tiert ihn so w ohl die Aus-
führung und Plan ung der T eilsc hritte als auc h das Design der In terakti-
43

KAPITEL 3. ERLEBTE ZEIT - PR OSPEKTIVE DA UERSCHÄ TZUNGEN
on mit v ariierender men taler Beanspruc h ung . In Un tersuc h ungen zur
Usabilit y o der zum Nutzererleb en b ei Mensch-Computer-In teraktionen
wird die men tale Beanspruc h ung darüb er hinaus manc hmal durch Zw ei-
taufgab en, wie zum Beispiel lautes Denk en, zusätzlic h erhöh t. Auf Basis
der in diesem Kapitel diskutierten Arb eiten und des A GM sollten Dauer-
sc hätzungen durc h v ariierende men tale Beanspruc h ung und durc h Zw ei-
taufgab en b eeinflusst w erden. Auc h w enn es hierzu im K on text Mens c h-
Computer-In teraktion b ereits erste Arb eiten gibt (Hertzum, Hansen &
Andersen, 2009; Hertzum & Holmegaard, 2015; Lind & Sundv all, 2007),
ist die Befundlage no ch sehr b egrenzt.
Um das F orsc h ungsziel zu erreic hen k onzen triert sic h die v orliegende Arb eit
daher auf die Prüfung der genann ten Punkte (sk alare Eigensc haften, Emoti-
on und Aufmerksamk eit) im prosp ektiv en P aradigma. Durc h die Un tersuch ung
der Eigensc haften v on Dauersc hätzungen im An wendungsk ontext k önnen Aus-
sagen darüb er getroffen w erden, wie Nutzer Dauern w ahrnehmen und w elc he
Bedeutung die Dauerw ahrnehm ung für das Nutzererleb en hat.
44

Kapitel 4
Zeitempfinden
Wie in der Einleitung b ereits argumen tiert, ist die mensc hlic he Dauerwahr-
nehm ung mehr als n ur das reine Sc hätzen v on Dauern, da sie häufig zu einer
k ognitiv en Bew ertung führt. W earden (2015) b ezeic hnet eine solc he Bew er-
tung als Zeitempfinden ( fe eling ab out time ) und nenn t das Gefühl v on sic h
ziehender Zeit, w ährend man in einer W artesc hlange steh t, als ein Beispiel.
Dieses Beispiel zeigt auc h b ereits einen Un tersc hied zwisc hen Zeitempfinden
und Dauersc hätzungen: Während ein Kunde wissen k ann, dass eine W artezeit
exakt fünf Min uten b etrug, k ann er trotzdem das Gefühl äußern, dass ihm die
Dauer länger ersc hien (W earden et al., 2014, S. 298). Zeitempfinden ist damit
nic h t n ur abstrakter und sc h w erer zu erfassen als eine Dauersc hätzung, son-
dern es sc hein t auc h näher an dem Erleb en einer Situation zu sein. Für das
v orliegende F orsc h ungsziel ist dies b esonders in teressan t, da auf Grund der
Nähe zum Erleb en von einem Bezug zum Nutzererleb en ausgegangen w erden
k ann. Aus diesem Grund wird das Zeitempfinden neb en Dauersc hätzungen als
zen trales Elemen t zur Bearb eitung des F orsc h ungsziels v erstanden.
Ab er wie k ann das Zeitempfinden op erationalisiert w erden? Gorn et al.
(2004) n utzten eine V ariable namens wahr genommene Schnel ligkeit ( p er c ei-
ve d quickness ), die mit Hilfe dreier seman tisc her Differen tiale gemessen wurde
(slo w – fast, not sp eedy – sp eedy , not quic k – quic k). Ähnlic h dazu maßen
T anak a und Y otsumoto (2017) die Zeitflussb eurteilung, indem sie fragten, wie
sc hnell die Zeit w ährend einer b estimm ten Aktivität auf einer 100-stufigen,
visuellen Analogsk ala v ergangen sei. Droit-V olet und W earden (2016) n utzen
die F rage, wie die Zeit im V ergleic h zur Uhrzeit v ergangen sei, w ob ei sic h die
45

KAPITEL 4. ZEITEMPFINDEN
Sk alenendpunkte v on viel langsamer zu viel sc hneller erstrec kten. Neb en der
Op erationalisierung als w ahrgenommene Sc hnelligk eit sind jedo c h auc h Items
zu finden, die explizit nac h dem Ziehen o der V erfliegen einer erlebten Zeitdau-
er fragen (Sac k ett, Meyvis, Nelson, Con v erse & Sac k ett, 2010; Sucala, Sc hec k-
ner & Da vid, 2011). Unabhänigig v on der Art der Op erationalisierung w erden
solc he Maße als Passage of Time Judgements (PoTJs) b ezeic hnet, w as mit
Zeitflussb eurteilungen üb ersetzt w erden k ann. Sie w erden in Studien gen utzt,
in denen V ersuc hsp ersonen lediglic h w arten (z.B. Gorn et al., 2004; Lee et al.,
2012) o der ab er w ährend des Interv alls einer Tätigk eit nac hgehen (z.B. Sac k ett
et al., 2010; T anak a & Y otsumoto, 2017). Eine einheitlic he Op erationalisierung
v on Zeitflussb eurteilungen gibt es nic h t. Dies zeigt sic h so w ohl in der W ort w ahl
der Items als auc h in der den Items zugrundeliegenden Sk alen: Sie reic hen v on
fünf- (Sucala et al., 2011) o der sieb en-stufigen Lik ert-Sk alen (Droit-V olet &
W earden, 2016; Sac k ett et al., 2010) bis hin zu neun- (Gorn et al., 2004) o der
100-stufigen (T anak a & Y otsumoto, 2017) seman tisc hen Differen tialen und vi-
suellen Analogsk alen.
Ein anderer Zugang zum Zeitempfinden k ann in der Bew ertung der Dauer
gesehen w erden. W enn b eispielsw eise das Sp eic hern v on Änderungen in einem
Dokumen t mehr als 30 Sek. dauert, k ann sic h diese Dauer als zu lange o der
als unangemessen anfühlen. Dies spiegelt anders als P oTJs nic h t das V ergehen
der Dauer wider, sondern eine absc hließende Bew ertung. Solc he Bew ertungen
wurden für W artedauern b ereits un tersuc h t (An tonides, V erho ef & v an Aalst,
2002; Dellaert & Kahn, 1998; Kurusathianp ong & T angmanee, 2018). Hier
w erden zur Messung eb enfalls seman tisc he Differen tialle o der visuelle Ana-
logsk alen mit un tersc hiedlic h b enann ten P olen (long – short, unacceptable –
acceptable, p o or – go o d) bzw. Zustimm ungssk alen gen utzt. Ähnlic h wie b ei
Zeitflussb ew ertungen k önnen Dauerb ew ertungen ab er nic h t n ur nac h W arte-
dauern abgefragt w erden, sondern auc h nac h gefüllten In terv allen, in denen
die V ersuc hsp erson einer Tätigk eit nac hgeh t. Ein Beispiel hierfür sind Mensc h-
Computer-In teraktionen. Wie in Kapitel 2 diskutiert wurde, k ann hier die Dau-
erb ew ertung einen neuen Blic kwink el auf das Nutzererleb en erlaub en, w elc her
bis jetzt k aum un tersuc h t wurde.
Zusammengefasst lassen sic h in Bezug auf das Zeitempfinden zw ei mögli-
c he Dimensionen un tersc heiden, Dauerb ew ertungen und Zeitflussb eurteilungen
46

4.1. D A UERBEWER TUNGEN
(P oTJs). Im Gegensatz zu P oTJs b eziehen sic h Dauerw ertungen nic h t auf den
Zeitfluss an sic h, sondern auf die Bew ertung der Dauer nac h der Beendigung
der Aufgab e. Sie stellen damit eine Art summativ e Ev aluation dar. Während
Zeitflussb ew ertungen b ereits im Rahmen v ersc hiedener Publik ationen und Tä-
tigk eiten un tersuc h t wurden, sind Arb eiten zu Dauerb ew ertungen w esen tlic h
seltener. Im Bereic h Mensc h-Computer-In teraktion w erden sie teilw eise als
Op erationalisierung gen utzt, um die w ahrgenommene W artezeit zu un tersu-
c hen (Kurusathianp ong & T angmanee, 2018), ab er auc h hier gibt es k aum
Un tersuc h ungen, die sic h systematisc h mit der En tsteh ung und der Bedeutung
v on Dauerb ew ertungen im K on text v on UX b esc häftigen. Im folgenden w er-
den b eide K onstrukte auf Grund ihrer k onzeptuellen T renn ung unabhängig
v oneinander diskutiert.
4.1 Dauerb ew ertungen
Aufgab endauern w erden in Usabilit y- und UX-T estungen häufig ob jektiv ge-
messen (Alb ert et al., 2009; F røkjær et al., 2000; Lesemann et al., 2007), eine
sub jektiv e Dauerb ew ertung wird jedo c h in der Regel nic h t b eac h tet. Einige
F rageb ögen n utzen zw ar Items, die zeitlic he Bew ertungen b einhalten, sie w ol-
len damit ab er Effizienz, Erlern bark eit o der V erzögerungen des Systems mes-
sen (vgl. PSSUQ: Lewis, 1992; QUIS: Chin, Diehl & Norman, 1988; UEQ:
Laugwitz, Sc hrepp & Held, 2006, USE: Lund, 2001). Ein Beispiel für ein sol-
c hes Item stamm t aus dem PSSUQ: „I w as able to complete the tasks and
scenarios quic kly using this system” (Lewis, 1992). Liikk anen und Gómez Gó-
mez (2013) argumen tieren jedo c h, dass die sub jektive Bew ertung einer erlebten
Dauer durc h den Nutzer eine w esen tlic h wich tigere Rolle b ei der Ev aluation
v on Systemen spielt als ob jektiv gemessene Dauern. Solc he sub jektiv en Dauer-
b ew ertungen w erden durc h das Erleb en der Zeit, Erw artungen, V orerfahrungen
und den Zustand des Nutzers b eeinflusst (Liikk anen & Gómez Gómez, 2013)
und sind damit so w ohl v on Dauersc hätzungen als auch v on Zeitflussb eurtei-
lungen abzugrenzen. Im K on text v on Mensc h-Computer-In teraktionen wurden
Dauerb ew ertungen bis jetzt k aum un tersuc h t. Sie sind allerdings im Rahmen
v on W artedauern eine häufig gen utzte Messv ariable (An tonides et al., 2002;
Dellaert & Kahn, 1998; Kurusathianp ong & T angmanee, 2018).
47

KAPITEL 4. ZEITEMPFINDEN
Kurusathianp ong und T angmanee (2018) b etrac h teten b eispielsw eise, wie
sic h die Gestaltung eines W artebalk ens auf die Bew ertung der W artezeit aus-
wirkt. Die Autoren erfassten diese Dauerb ew ertung üb er die Items Boring ,
Unsatisfactory , Irritating , T o o slow und Unac c eptable , die auf einer sieb en-
stufigen Zustimm ungssk alen b ew ertet wurden. Hier fällt auf, dass die Op eratio-
nalisierung v on Dauerb ew ertungen nic h t trennsc harf v on emotionsnahen K on-
strukten erfolgte. Zw ar b esc hreib en Items zur Langew eile (Boring) o der V erär-
gerung (Irritating) k eine Emotionen, sie w erden ab er im UX-K on text häufig zur
Emotionsmessung v erw endet (z.B. im F rageb ogen meCUE – “Das Pro dukt v er-
ärgert mic h.”, Minge & Riedel, 2013). Auc h andere Autoren (An tonides et al.,
2002) n utzen nic h t n ur dauerb ezogene A ttribute zur Bew ertung (long – short,
unacceptable – acceptable), sondern auc h emotionsnahe Items (z.B. anno ying
– pleasan t, b oring – v aried). In der v orliegenden Arb eit soll der Zusammenhang
zwisc hen Dauerb ew ertungen und K omp onen ten des Nutzererleb ens un tersuc h t
w erden. Da Emotionen eine wic h tige UX-K omp onente darstellen, m uss eine
klare T rennung zwisc hen den zu messenden K onstrukten in der Op erationali-
sierung erfolgen. Daher w erden in dieser Arb eit n ur dauerb ezogene Items zur
Erfassung der Dauerb ewertung gen utzt.
T rotz der fehlenden T rennsc härfe in der Op erationalisierung, k önnen die
Studien zur W artezeit einen ersten Ein blic k geb en, in wie w eit Dauerb ew er-
tungen mit Dauersc hätzungen zusammenhängen. An tonides et al. (2002)
fanden b eispielsw eise n ur in einer v on zw ei Studien Evidenz dafür, dass
die Dauersc hätzung ein signifik an ter Prädiktor der Dauerb ew ertung w ar:
Je länger die W artezeit gesc hätzt wurde, umso negativ er wurde sie b ew ertet.
Kurusathianp ong und T angmanee (2018) erhob en zwar k eine Dauersc hätzung
als zusätzlic hes Maß neb en der Dauerb ew ertung, sie fanden ab er einen Effekt
der Größe des W artebalk ens auf die Dauerb ew ertung. Genauer gesagt wurde
die W artezeit b ei einem größeren W artebalk en als negativ er b ew ertet. Aus an-
deren Studien ist b ek ann t, dass die Präsen tationsdauer v on größeren Ob jekte
meist als länger eingesc hätzt wird, als die v on kleineren Ob jekten (Ono & Ka-
w ahara, 2007; Rammsa y er & V erner, 2014; Xuan, Zhang, He & Chen, 2007).
Aus diesen Studien k ann also die Hyp othese abgeleitet w erden, dass sic h auc h
im UX-K on text ein Zusammenhang zwisc hen Sc hätzung und Bew ertung einer
In teraktionsdauer zeigen sollte. Wie groß und stabil dieser Zusammenhang je-
48

4.2. ZEITFLUSSBEUR TEILUNGEN
do c h erw artet w erden k ann, ist unklar, da in den genann ten Studien zum einen
Dauerb ew ertungen teilw eise üb er emotionsnahe K onstrukte op erationalisiert
wurden und zum anderen aussc hließlic h W artezeiten b etrac h tet wurden und
k eine In teraktionen, in denen der Nutzer aktiv eine Tätigk eit v erfolgt. Auch
wie sic h Dauerb ew ertungen in das En tstehen v on UX ein b etten, ist bisher
nic h t empirisc h un tersuc h t w orden.
4.2 Zeitflussb eurteilungen - P assage of Time
Judgemen ts
Zeitflussb eurteilungen o der auc h P assage of Time Judgemen ts (P oTJs) als
K onzeptualisierung v on Zeitempfinden wurden in den letzten Jahren primär
b ezüglic h zw eier Asp ek e un tersuc h t. Hierzu gehören zum einen Zusammen-
hänge zu prosp ektive Dauersc hätzungen und zum anderen Zusammenhänge
zu Erleb ensk omp onen ten der Situation, zu der der Zeitfluss b eurteilt wird.
Bezüglic h des Zusammenhangs zwisc hen prosp ektiv en Dauersc hätzungen
und P oTJs gibt es b ereits einige empirisc he Studien so wie erste Mo dellannah-
men. Droit-V olet und W earden (2016) n utzen b eispielsw eise eine Exp erience
Sampling Metho de, um den Zusammenhang im F eld zu un tersuc hen. Dazu wur-
den Probanden ac h t mal am T ag durc h einen Alarm dazu aufgefordert, eine
präsen tierte Dauer v on un ter zw ei Sekunden v erbal o der durc h eine Pro dukti-
on zu sc hätzen. Danac h b ew erteten sie, ob die Zeit zum Zeitpunkt des Alarms
sc hnell o der langsam v erging. Die Ergebnisse zeigten k eine K orrelationen zwi-
sc hen prosp ektiv er Dauersc hätzung und Zeitflussb eurteilung. Dieses Ergebnis
wurde v on Droit-V olet, T rahanias und Maniadakis (2017) für Dauern bis zu 32
Sek. repliziert. In b eiden Studien b ezog sic h die Zeitflussb eurteilung jedo c h auf
die Aktivität v or dem Alarm, w ohingegen die Dauersc hätzung eine Un terbre-
c h ung dieser Aktivität darstellte. Daher liegt es nahe anzunehmen, dass sic h
die Angab en der Probanden an zwei v ersc hiedenen, v oneinander unabhängigen
Tätigk eiten orien tierten, w o durc h k ein Zusammenhang zu erw arten w äre.
In einer w eiteren Studie v erlängerten Droit-V olet et al. (2017) das zu sc hät-
zende In terv al auf bis zu ac h t Min uten, w elc hes durc h zw ei Töne markiert
wurde und v erbal gesc hätzt w erden sollte. Danach wurde der Zeitfluss b eur-
teilt. In diesem Szenario ist es w ahrsc heinlic h anzunehmen, dass die Probanden
49

KAPITEL 4. ZEITEMPFINDEN
ihre Aktivität zum Zeitpunkt des Alarms auc h w ährend des Sc hätzin terv alls
fortsetzten, w o durc h sic h b eide Maße auf die gleic he Tätigk eit b ezogen. Hier
zeigte sic h eine signifik an te K orrelation zwisc hen Dauersc hätzungen und Zeit-
flussb eurteilung: Je länger die Dauer eingesc hätzt wurde, desto langsamer wur-
de der Zeitfluss b ew ertet. Dieser Zusammenhang wurde v on anderen Autoren
auc h für viermin ütige In terv alle (Sucala et al., 2011) und zw ei- bis 32-min ütige
In terv alle (Droit-V olet et al., 2018) repliziert und stützt die Annahme, dass
Dauersc hätzungen und Zeitflussb eurteilungen zumindest b ei mehrmin ütigen
In terv allen k orrelieren.
Sucala et al. (2011) un tersuc h ten jedo c h nic h t n ur den Zusammenhang zwi-
sc hen den b eiden Maßen. Sie testeten auc h, ob b eide Maße durc h ähnlic he
F aktoren b eeinflusst w erden. Dazu gab en die Autoren ihren Probanden ei-
ne Leseaufgab e und manipulierten die b enötigte V erarb eitungstiefe so wie die
zeitlic he Relev anz der Aufgab e. Der F aktor V erarb eitungstiefe un tersc hied sic h
zwisc hen ob erfläc hlic her und tiefer V erarb eitung (Detektion v on W orten mit
dem Anfangsbuc hstab en S vs. Detektion und zusätzlic hes Finden eines Syn-
on yms). Die zeitlic he Relev anz wurde üb er ein Zeitlimit bzw. k ein Zeitlimit
für die Aufgab e realisiert. Da die V ariation der b eiden F aktoren so w ohl auf
Dauersc hätzungen als auc h auf die Zeitflussb eurteilung den gleic hen Einfluss
zeigte, sc hlussfolgerten die Autoren, dass b eide Maße durc h Prozesse der Auf-
merksamk eit b eeinflusst wurden (Sucala et al., 2011).
Droit-V olet et al. (2018) stützen diesen Sc hluss und k onkretisieren im Rah-
men ihrer The ory of explicit time judgement of very long dur ations , dass das
Sc hätzen der Dauer v on mehrmin ütigen In terv allen zw ar auf Prozessen eines
in ternen T aktgeb ers basiert (vgl. Information Pro cess Mo del, STT, A GM), hier
ab er auc h Prozesse der exekutiv en K on trolle eine stark e Rolle spielen. Sie argu-
men tieren, dass b ei der Sc hätzung mehrmin ütiger In terv alle eine Un terteilung
des In terv alls in mehrere Ereignisse erfolgt. Die Dauer jedes dieser Ereignisse
wird mit Hilfe des T aktgeb ers und des Arb eitsgedäc h tnisses enk o diert, w o-
b ei die geschätzte Dauer eines v ergangenen Ereignisses ins Langzeitgedäch tnis
üb erführt wird. Mit anderen W orten b esteh t die Sc hätzung eines mehrmin ü-
tigen In terv alls aus vielen kleinen Sc hätzungen. Die Zeitflussb eurteilung wird
erst mit steigender Anzahl an Ereignissen b ewusst. Das heißt, je mehr Ereignis-
se abgesp eic hert wurden, umso stärk er bzw. salien ter wird dieses Bewusstsein.
50

4.2. ZEITFLUSSBEUR TEILUNGEN
Mit steigendem Bewusstsein wiederum ersc hein t die Zeit langsamer zu v erge-
hen und es wird mehr Aufmerksamk eit auf die Zeitsc hätzaufgab e geric h tet,
w o durc h längere Dauersc hätzungen en tstehen. Zusammengefasst argumen tie-
ren Droit-V olet et al. (2018) also, dass Probanden auf Nachfrage zw ar immer
eine Aussage üb er ihre aktuelle Zeitflussb eurteilung geb en k önnen, dass der
Zeitfluss jedo c h v or allem b ei mehrmin ütigen Dauern v on alleine b ewusst wird
und dann einen v erlängernden Einfluss auf die Dauersc hätzung hat. Durc h die
b esc hrieb enen Mo dellannahmen k ann die K orrelation b ei mehrmin ütigen In-
terv allen erklärt w erden. Das Mo dell erklärt jedo c h nic h t die En tsteh ung einer
Zeitflussb eurteilung, da es d ieses lediglic h als Einflussfaktor b etrac h tet.
Eine alternativ e Erklärung für den Zusammenhang zwisc hen erlebter Dauer
und Zeitflussb eurteilung (PoTJs) liefern T anak a und Y otsumoto (2017). Sie
argumen tieren, dass Zeitflussb eurteilungen aus der Diskrepanz zwisc hen er-
lebter Zeit und zeitlic her Erw artung resultieren. In einer Reihe v on Studien
mit n-bac k Aufgab en und Aufgab endauern zwisc hen drei und sieb en Min uten
k onn ten die Autoren zeigen, dass die Zeitflussb eurteilung systematisc h mit der
Differenz zwisc hen erw arteter und erlebter Dauer v ariiert. Zusammengefasst
wird in b eiden Erklärungsansätzen erlebte Zeit im Sinne einer Dauersc hät-
zung als ein zen trales K onstrukt für die Zeitflussb eurteilung b esc hrieb en: Laut
Droit-V olet et al. (2018) m uss eine gewisse Dauer b ereits erlebt sein, damit
der Zeitfluss b ewusst wird. Laut T anak a und Y otsumoto (2017) en tsteh t der
Zeitfluss un ter anderem auf Basis der erlebten Zeit. Die erw artete Dauer, die
b ei T anak a und Y otsumoto (2017) als zw eite An tezedenz jedo c h genann t wird,
spielt im Ansatz v on Droit-V olet et al. (2018) k eine Rolle. Hier sind Droit-V olet
et al. (2018) viel unk onkreter, wie Zeitfluss en tsteh t, da sie mehr auf die Ein-
flussfaktoren v on Dauersc hätzungen b ei mehrmin ütigen In terv allen eingehen
als auf die Erklärung der En tsteh ung des Zeitflusses. Der Zusammenhang zwi-
sc hen Zeitflussb eurteilung und Dauerb ew ertung zeigt zw ar, dass Dauern mit
dem Zeitfluss v erkn üpft sind, allerdings bleibt die F rage offen, w elc he anderen
Asp ekte einer Situation dafür sorgen, dass eine sp ezielle Zeitflussb eurteilung
en tsteh t.
Hier k önnen Arb eiten w eiterhelfen, die die F rage aufw erfen, w elc hen Zu-
sammenhang es zwisc hen Zeitflussb eurteilung und Erleb en gibt. In zw ei v on
der Autorin der v orliegenden Arb eit b etreuten Masterarb eiten wurden Pro-
51

KAPITEL 4. ZEITEMPFINDEN
banden nac h ihrer Zustimm ung zur Aussage "Die Zeit v erfliegt, w enn man
Spaß hat"gefragt (Kim, 2017; Sc horling, 2018). V on insgesam t 122 Proban-
den zeigten 120 mittlere bis hohe Zustimm ungsw erte, w as aufzeigt, dass das
Erleb en des Zeitflusses mit p ositiv en Asp ekten einer Aktivität o der eines Er-
lebnisses v erkn üpft wird. W earden et al. (2014) un tersuc h ten dieses Phänomen,
indem sie Probanden den gleic hen Filmclip vier mal v orspielten. Während sic h
die Dauersc hätzungen der einzelnen Präsen tationen nic ht v oneinander un ter-
sc hieden, zeigten die Zeitflussb eurteilungen, dass die Zeit mit jeder Wiederho-
lung langsamer zu v ergehen sc hien und dass jedes erneute Sc hauen sic h län-
ger anfühlte, als das Mal zuv or (k eine inferenzstatistisc he Analyse b eric htet).
Darüb er hinaus ließen p ositiv e Erleb ensk omp onen ten (V ergn ügen, Spann ung
und Gefallen) nac h, w ährend negativ e K omp onenten (Langew eile und Unm ut)
zunahmen. Sc haut man auf emotionale Asp ekte der Situation, gibt es auc h
Evidenz für einen k orrelativ en Zusammenhang zwisc hen Zeitflussb eurteilung
und v ersc hiedenen Maßen für F reude/p ositiv en Affekt, T raurigk eit/negativ en
Asp ekt, Arousal und En tspann ung (Droit-V olet & W earden, 2015, 2016; Droit-
V olet et al., 2017, 2018).
In einer Serie aus v ersc hiedenen Studien gingen Sac kett et al. (2010) no c h
einen Sc hritt w eiter, indem sie die Zeitflussb eurteilungen manipulierten und
Auswirkungen auf v ersc hiedene Erleb ensk omp onen ten un tersuc h ten. In einem
ihrer P aradigmen gab en sie Probanden falsc he Informationen üb er eine Aufga-
b endauer, wodurch die Probanden eine Aufgab endauer v on 5 bzw. 20 Min uten
erw arteten, jedo c h eine Dauer v on 10 Min uten erlebten. Sie sc h ufen hier al-
so eine Diskrepanz zwisc hen erw arteter und erlebter Dauer (vgl. T anak a &
Y otsumoto, 2017). Danach wurden die Zeitflussb eurteilung als Manipulations-
c hec k gen utzt und die Aufgab e b ezüglic h hedonisc her Qualitäten b ew ertet.
Die Ergebnisse zeigten, dass Probanden mit einer zu langen Erw artung (20
Min uten) die Zeit als v erfliegend, w ährend die anderen (5 Min uten) die Zeit
als ziehend b ew erteten. Darüb er hinaus hatte die Manipulation einen Effekt
auf das Aufgab enengagemen t, auf den Gen uss (enjo y abilit y) v on Liedern, die
w ährend der Aufgab e gespielt wurden, und wie nerv end Lärmgeräusc he erlebt
wurden: Je sc hneller die Zeit v erging, desto p ositiv er w aren die Bewertungen.
Dieses Befundm uster replizierten Sac k ett et al. (2010) in mehreren Studien.
Darüb er hinaus zeigten sie, dass sic h die manipulierte Zeitflussb eurteilung n ur
52

4.3. ZWISCHENF AZIT ZUM ZEITEMPFINDEN
dann auf Bew ertungen der Situation auswirkte, w enn Probanden an den Zu-
sammenhang „ W enn ic h Spaß hab e, v erfliegt die Zeit.” glaubten und k eine
alternativ e Erklärung für ihr Zeitflussempfinden hatten.
Zusammengefasst zeigen bisherige Studien, dass P oTJs und Dauersc hätzun-
gen miteinander k orrelieren, w enn sic h b eide Maße auf die gleic he Aktivität
b eziehen und diese Aktivität w enige Min uten dauert. In diesen Fällen k önnen
Dauern, die kürzer gesc hätzt w erden, mit einem sc hnelleren Zeitfluss assoziiert
w erden. Darüb er hinaus wird das Erleb en einer sc hnell v ergehenden Zeit häufig
mit p ositiv en Emotionen o der einem p ositiv eren Erleb en v erkn üpft. An diesen
Zusammenhang sc heinen Probanden so stark zu glaub en, dass sie Situationen
teilw eise als angenehmer b ew erten, w enn Ihnen der Eindruc k v ermittelt wird,
dass die Zeit v erflogen sei.
4.3 Zwisc henfazit zum Zeitempfinden
Das F orsc h ungsziel der v orliegenden Arb eit liegt in der Un tersuc h ung der
Dauerw ahrnehm ung des Nutzers w ährend einer tec hnischen In teraktion so wie
in der Klärung der Bedeutung dieser W ahrnehm ung für die Bew ertung der
In teraktion. Zeitempfinden wird hier als ein Asp ekt der Dauerw ahrnehm ung
v erstanden. Es k ann durc h Zeitflussb eurteilungen so wie durc h Dauerb ew ertun-
gen abgebildet w erden. Für b eide Op erationalisierungen stellt sic h zum einen
die F rage, wie sich zur W ahrnehm ung der In teraktionsdauer (Dauersc hätzung)
v erhalten. Die diskutierten Arb eiten hab en gezeigt, dass das zugehörige F or-
sc h ungsfeld no c h relativ neu und un v ollständig ist. Zu dieser ersten F rage gibt
es daher bis jetzt n ur Befunde für Zeitflussb eurteilungen. Zum anderen stellt
sic h für b eide K onstrukte die F rage, in w elc hem V erhältnis sie zum Nutzer-
erleb en stehen. A uc h hier gibt es zw ar Befunde, die Zusammenhänge zwisc hen
Zeitflussb eurteilungen und Erleb ensk omp onen ten zeigen k onn ten, im An w en-
dungsk on text Mensc h-Computer-In teraktion hab en b eide K onstrukte bis jetzt
jedo c h no c h w enig Beac h tung gefunden. Daher w erden die folgenden Erw ar-
tungen abgeleitet:
• Zeitempfinden k ann auf v ersc hiedene Arten op erationalisiert w erden.
Im F okus dieser Arb eit stehen Zeitflussb eu rteilungen und Dauerb e-
w ertungen .
53

KAPITEL 4. ZEITEMPFINDEN
• Zeitflussb eurteilungen und Dauerb ew ertungen k o v ariieren im Rahmen
einer tec hnisc hen In teraktion mit der Sc hätzung v on Dauern . Darüb er
hinaus sollten sie durc h ähnlic he Charakteristik a der In teraktion b eein-
flusst w erden. Eine solc her Befunde würde den Zusammenhang zwisc hen
Zeitflussb eurteilung und Dauersc hätzungen w eiter stützten und diese An-
nahmen auc h für Dauerb ew ertungen v erallgemeinerbar mac hen.
• Zeitflussb eurteilungen und Dauerschätzungen k o v ariieren mit v ersc hie-
denen K omp onen ten des Nutzererleb ens . Für Zeitflussb eurteilun-
gen ist b ereits b ek ann t, dass sie mit Erleb ensko mp onen ten der Situation
in V erbindung gebrach t werden. Ob dies auc h für Erleb ensk omp onen ten
w ährend einer tec hnisc hen In teraktion gilt und mit w elc hen Dimensio-
nen dies der F all ist, ist eine offene F rage, die im Rahmen dieser Arb eit
b ean t w ortet wird. Für Dauerb ew ertungen gibt es bis jetzt w eit w e-
niger Studien und Indizien, dass sie mit dem Erleb en v erkn üpft sind.
Sie w erden jedo c h im HCI-K on text als Maße für K onstrukte gen utzt, die
die instrumen tellen Qualitäten einer In teraktion widerspiegeln. Darüb er
hinaus w erden sie v on manc hen Autoren als w esen tlic her Bestandteil des
Erleb ens einer Interaktion diskutiert. Daher wird die empirisc he Basis
auc h für dieses K onstrukt erw eitert.
54

Kapitel 5
F orsc h ungsfragen und Üb erleitung
zu den empirisc hen Arb eiten
Das CUE-Mo dell (Mahlke, 2008; Minge & Th üring, 2018; Th üring & Mahl-
k e, 2007) stellt ein wic h tiges Rahmenmo dell für UX dar (siehe Kap. 2), w el-
c hes UX in v ersc hiedene K omp onen ten zerlegt und An tezedenzien und K onse-
quenzen b enennt und strukturiert. Zu den An tezedenzien gehören das System,
der K on text und der Nutzer. Diese b eeinflussen jedo c h die K omp onen ten des
Nutzererleb ens nic h t direkt, sondern führen zu sp ezifisc hen In teraktionsc harak-
teristik a, die die Grundlage der W ahrnehmung der K omp onen ten v on UX für
den Nutzer bilden. Diese In teraktionsc harakteristik a sind bis jetzt un tersp ezifi-
ziert. So w erden b eispielsw eise für die K onsequenzen v on UX v ersc hiedene Un-
terk onstrukte genann t, wie die Gesam tb ew ertung o der das Nutzungv erhalten
(Mahlk e, 2008), für In teraktionsc harakteristik a hingegen gibt es keine solc he
Ausdifferenzierung.
Im Rahmen dieser Arb eit wird daher die W ahrnehm ung eines In terakti-
onsc harakteristikums b eispielhaft näher un tersuc h t – die In teraktionsdauer.
Wie Nutzer In teraktionsdauern w ahrnehmen, w ann es zu V erzerrungen in ihrer
W ahrnehm ung k omm t und w elc he Rolle diese W ahrnehm ung für das En tstehen
des Nutzererleb ens spielt, wurde bis jetzt k aum un tersuc h t. Manc he Autoren
argumen tieren jedo c h, dass sub jektiv erlebte Zeit b eim Gestalten tec hnisc her
In teraktionen b erüc ksic h tigt w erden sollte, da sie ein wic h tiges Kriterium für
ein p ositiv es Nutzererleb en ist (Liikk anen & Gómez Gómez, 2013). Sub jektiv
erlebte Zeit nac h Liikk anen und Gómez Gómez (2013) wird in der v orliegenden
55

KAPITEL 5. F ORSCHUNGSFRAGEN UND ÜBERLEITUNG
Arb eit mit sogenann ten Dauerb ew ertungen gleic hgesetzt, w elc he in Kapitel 4
b esc hrieb en wurden. Dauerb ew ertungen stellen jedo c h n ur eine Op erationali-
sierung für die W ahrnehm ung v on In teraktionsdauern dar, die wie in Kapiteln
3 und 4 b esc hrieb en auc h Dauersc hätzungen und Zeitflussb eurteilungen um-
fassen k ann. In Abbildung 5.1 ist der Zusammenhang zwisc hen diesen K on-
strukten v eransc haulic h t.
Das Ziel dieser Arb eit ist es In teraktionsdauern hinsic h tlich dieser v ersc hie-
denen Dimensionen näher zu un tersuc hen und ihre Bedeutung für das Nutzer-
erleb en zu klären (vgl. F orsc h ungsziel, Kap.1). Zusammengefasst dien t dies der
Bean t w ortung der folgenden F orsc h ungsfragen:
F orsc h ungsfrage 1 : In wie w eit können Nutzer In teraktionsdauern wahr-
nehmen?
F orsc h ungsfrage 2 : W elc hen Zusammenhang gibt es zwisc hen der Dauer-
w ahrnehm ung und dem Nutzererleb en?
Die erste F orsc h ungsfrage b ezieh t sic h auf das V erhältnis der In teraktions-
dauer zur w ahrgenommenen Dauer b ezüglic h der drei b esc hrieb enen Op era-
tionalisierungen. Zur Bean t w ortung dieser F rage w erden in den folgenden Stu-
dien so w ohl Un tersc hieds- als auc h Zusammenhangsh yp othesen getestet. Un-
tersc hiedsh yp othesen b eziehen sic h auf die Effekte v ersc hiedener Asp ekte der
In teraktion auf die In teraktionsdauer und ihre W ahrnehm ung. Hier k ann b ei-
spielsw eise erw artet w erden, dass eine V eränderung des Systems (z.B. üb er
Usabilit y) o der eine Zw eitaufgab e (z.B. lautes Denk en) die In teraktionsdauer
b eeinflusst. In Studien I und I I w erden diese Asp ekte systematisc h v ariiert,
um zu testen, ob ihr Einfluss auf die In teraktionsdauer v ergleic h bar mit dem
ABBILDUNG 5.1: Op erationalisierung der W ahrnehm ung v on Interaktionsdauer n.
56

auf die W ahrnehm ung der In teraktionsdauer ist (siehe Abb. 5.2). Aus den Er-
gebnissen der b eiden ersten Studien leitet sic h b ezüglic h F orsc h ungsfrage 1
Studie IV ab, in der die Einflüsse der In teraktionsdauer gegen die Einflüsse
anderer In teraktionsc harak eristik a auf die W ahrnehm ung der In teraktionsdau-
er abgew ägt wird. Darüb er hinaus wird durc h Zusammenhangsh yp othesen im
Rahmen v on F orsc h ungsfrage 1 der k orrelativ e Zusammenhang zwisc hen In-
teraktionsdauer und W ahrnehmung so wie zwisc hen den Op erationalisierungen
der Dauerw ahrnehm ung in Studien I, I I, I I I und IV geprüft.
Zur Bean t w ortung v on F orsc h ungsfrage 2 stehen K orrelationen zwisc hen der
ABBILDUNG 5.2: Üb ersic h t üb er die Studien I bis IV mit ihrem Bezug zu den F or-
sc h ungsfragen. Die Häk c hen b edeuten, dass die en tsprec hende F orsc hun gsfrage mit
der jew eiligen Op erationalisierung in dieser Studie thematisiert wird. Die F arbge-
staltung der einzelnen Bo xen wird in der Besc hreibung der Studien in den folgenden
Kapiteln jew eils als Grundfarb e der Ergebnisdarstellung gen utzt.
57

KAPITEL 5. F ORSCHUNGSFRAGEN UND ÜBERLEITUNG
Dauerw ahrnehm ung mit K omp onen ten des Nutzererleb ens im F okus, w elc he
in allen Studien un tersuc h t w erden. Hier wird b etrac h tet, w elche zeitlic hen
V ariablen mit w elc hen UX-K omp onen ten wie stark k orrelieren. Ein Aufzeigen
und Abgrenzen dieser Zusammenhänge v oneinander k ann einen Hin w eis dar-
auf geb en, wie und an w elc her Stelle Dauerw ahrnehm ung b ei der En tsteh ung
v on UX eine Rolle spielt. Dadurc h k ann eingegrenzt w erden, auf w elc he K om-
p onen ten v on UX die In teraktionsdauer und deren W ahrnehm ung wirkt. Wie
in Abbildung 5.2 dargestellt, dien t Studie I I I als einzige Studie n ur der Bean t-
w ortung v on F orsc h ungsfrage 2. Sie leitet sic h aus den Ergebnissen der ersten
b eiden Studien ab und üb erträgt diese in den An w endungsk ontext. Hier w er-
den Probanden mit “ec h ten In teraktionen” k onfron tiert, d.h. sie arb eiten mit
real-existierenden W ebseiten und lösen t ypisc he Aufgab en dieser W ebseiten.
In den folgenden Kapiteln erfolgt zum einen die V orstellung der empirisc hen
Arb eiten und zum anderen die Diskussion der Ergebnisse v or dem Hintergrund
der F orsc h ungsfragen. Darüb er hinaus en thält der Anhang ein zusätzlic hes Ka-
pitel zu den statistisc hen Analysemetho den, die im Rahmen der v orliegenden
Studien gen utzt w erden. Dieses Kapitel B (ab S.221) ist ein Exkurs, w elc hes den
statistisc hen Hin tergrund der Themen Linear Mixed-Effects Mo dels (LMMs)
und Innersub jektk orrelationen b eleuc h tet.
58

T eil I I
Empirisc he Arb eiten
59

Kapitel 6
Studie I: Effekte v on System und
Aufgab e auf Dauerw ahrnehm ung
Das erste Ziel v on Studie I b esteh t darin, Dauersc hätzungen und Dauerb e-
w ertungen v on Nutzern w ährend einer Mensc h-Computer-Interaktion näher
zu un tersuc hen (vgl. Abb. 5.2, S. 57). Dazu w erden Nutzer mit Aufgab en k on-
fron tiert, die sie mit Hilfe einer W ebseite innerhalb w eniger Min uten lösen
sollen. Um un tersc hiedlic he In teraktionscharak teristik a zu erzeugen, w erden
dab ei zw ei F aktoren manipuliert: die Usability der W ebseite und die men tale
Beanspruc h ung durc h eine Zw eitaufgab e. Eines der so manipulierten In terak-
tionsc harakteristik a ist die In teraktionsdauer. V ersc hiedene Autoren k onn ten
b ereits zeigen, dass eine v erminderte Usabilit y zu längeren In teraktionsdauern
führt (z.B. T ractinsky et al., 2000; Ziefle & Ba y, 2005). Auc h die Gab e einer
Zw eitaufgab e, die hier durc h lautes Denk en erfolgt, k ann In teraktionsdauern
v erlängern (Hertzum et al., 2009). Mit Hilfe dieser Studie sollen die folgende
T eilfrage der F orsc h ungsfrage 1 b ean t w ortet w erden:
a) K önnen Nutzer die Dauer einer Mensc h-Computer-In teraktion adäquat
w ahrnehmen?
b) Wie b eeinflussen die manipulierten Interaktionsc harakterisik a die Dau-
erb ew ertung?
c) W elc hen Zusammenhang gibt es zwisc hen der In teraktionsdauer und v er-
sc hiedenen Op erationalisierungen der Dauerw ahrnehm ung innerhalb v on
Nutzern?
61

KAPITEL 6. STUDIE I: EFFEKTE V ON SYSTEM UND A UF GABE A UF
D A UER W AHRNEHMU NG
Eine adäquate W ahrnehm ung würde darin b estehen, dass längere In terak-
tionsdauern auc h tatsäc hlic h als länger wahrgenommenen w erden (vgl. sk alare
Eigensc haften v on prosp ektiv en Dauersc hätzungen, z.B. STT nac h Gibb on,
1977). Dies würde sic h auc h darin zeigen, dass sic h die F aktoren Usabilit y und
Zw eitaufgab e auf gleic he Art und W eise auf die tatsäc hlic he und die gesc hätz-
te In teraktionsdauer auswirk en. F alls der Einfluss un tersc hiedlic h ist, m uss es
zu V erzerrungen in der Dauersc hätzung gek ommen sein. In Kapitel 3 wur-
den Mo delle und Befunde zu prosp ektiv en Dauersc hätzungen b esc hrieb en, die
Ursac hen v on V erzerrungen b eleuc h ten. Zw ei wic h tige Einflussfaktoren sind
das Arousal-Lev el als eine Dimension v on Emotion und die V erteilung der
Aufmerksamk eit. Emotionen k önnen wiederum durc h eine Manipulation der
Usabilit y b eeinflusst w erden (Aran yi & v an Sc haik, 2015; La vie & T ractins-
ky, 2004; Th üring & Mahlk e, 2007), w ährend die Aufmerksamkeitsv erteilung
durc h eine Zw eitaufgab e v ariiert w erden k ann (Hertzum & Holmegaard, 2015).
Damit erlaub en es die V ariationen der F aktoren Usabilit y und Zw eitaufgab e,
V erzerrungen in der Dauersc hätzung systematisc h anhand v on V orhersagen
aus Grundlagenmo dellen zu untersuc hen.
Neb en der Betrac h tung v on In teraktionsdauern, Dauersc hätzungen und
Sc hätzv erzerrungen steh t in der folgenden Studie auc h das Zeitempfinden
im F okus, hier op erationalisiert durc h eine Dauerb ew ertung. Bis jetzt gibt
es k eine Studien, die Dauerb ew ertungen im K on text v on Mensc h-Computer-
In teraktionen systematisc h un tersuc hen. Daher stellt sic h die F rage, ob sic h die
Usabilit y und die Zw eitaufgab e auc h auf die Dauerb ew ertung auswirken, (T eil-
frage b) und ob diese Beeinflussung zu den Effekten auf die Dauersc hätzung
und die Sc hätzv erzerrungen passt. Darüb er hinaus ist unklar, wie die Dau-
erb ew ertung so w ohl mit der In teraktionsdauer an sich, als auc h mit anderen
Op erationalisierungen v on Dauerw ahrnehm ung zusammenhängt (T eilfrage c).
Das zw eite Ziel v on Studie I b esteh t darin, den Zusammenhang zwisc hen der
Dauerw ahrnehm ung und dem Nutzererleb en zu un tersuc hen (F orsc h ungsfrage
2). Daher wird neb en den zeitb ezogenen Maßen Dauersc hätzung und Dauer-
b ew ertung auc h v ersc hiedene K omp onen ten des Nutzererleb ens erhob en. Da
es sic h hierb ei primär um Zusammenhänge zwisc hen Bew ertungen handelt, die
nac h v ersc hiedenen In teraktionen mit dem System erfasst w erden, wird hier wie
b ei T eilfrage c) nac h den Zusammenhängen innerhalb v on Probanden gefragt:
62

6.1. METHODE
d) W elc he Zusammenhänge gibt es zwisc hen den Maßen der Dauerw ahr-
nehm ung und den K omp onen ten des Nutzererleb ens innerhalb v on Nut-
zern?
6.1 Metho de
Die V orb ereitung und K onzeption v on Studie I en tstand in Zusammenarb eit
mit Nils Bac khaus. In diesem Rahmen wurden w eitere Daten erhob en, die in
der v orliegenden Arb eit nic h t v orgestellt w erden. Die Ausw ertung v on T eilen
dieser Daten k ann in der Dissertation v on Nils Bac khaus (Bac khaus, 2017) ge-
funden w erden. Abhängige V ariablen, die b ereits in Bac khaus (2017) gen utzt
wurden, w erden im F olgenden gek ennzeic hnet. Die Erhebung der Daten erfolg-
te durc h die V erfasserin der v orliegenden Arb eit so wie durc h Kevin Nürc k und
Florian Grieb im Rahmen ihrer Bac helorarb eiten (Grieb, 2015; Nürc k, 2015).
6.1.1 T eilnehmer
An Studie I nahmen N = 65 T eilnehmer teil. Auf Grund v on grob en Missv er-
ständnissen der Instruktion und einem tec hnisc hen Ausfall m ussten vier T eil-
nehmer aus der Analyse ausgesc hlossen w erden. Die so en tstandene Stic hprob e
b estand aus 39 Männern und 22 F rauen ( N = 61), die im Mittel M = 24.97
Jahre ( S D = 4.05) alt w aren. 93.4% der T eilnehmenden w aren Studierende
der TU Berlin. Die Probanden k onn ten V ersuc hsp ersonenstunden o der 8 A C für
die T eilnahme erhalten. Die Rekrutierung erfolgte üb er Lehrv eranstaltungen
und das Probandenp ortal des IP As an der TU Berlin.
6.1.2 Studiendesign
Die Probanden wurden informiert, dass sie an der UX-T estung einer W ebseite
teilnehmen würden. Die W ebseite w ar so präpariert, dass sie in zw ei V ersio-
nen v orlag, eine mit niedriger und eine mit hoher Usabilit y . Die Aufgab e der
Probanden b estand darin, die Seite zunäc hst zu explorieren und danac h drei
Aufgab e mit ihrer Hilfe zu lösen. Darüb er hinaus wurden sie geb eten, Aufmerk-
samk eit auf das V erstreic hen der Zeit zu ric h ten, da sie nac h jeder Aufgab e eine
Sc hätzung der Aufgab endauer abgeb en sollten. Diese Instruktion wurde expli-
63

KAPITEL 6. STUDIE I: EFFEKTE V ON SYSTEM UND A UF GABE A UF
D A UER W AHRNEHMU NG
zit gegeb en, um ein prosp ektiv es Sc hätzparameter zu gew ährleisten. Die Hälfte
der Probanden wurde darüb er hinaus instruiert, w ährend der In teraktion mit
der W ebseite laut zu denken. Diese Instruktion umfasste die Bitte, möglic hst
viel und genau zu b esc hreib en, w as sie tun, denk en, sehen und fühlen, so wie den
Hin w eis, ihre En tsc heidungen und Ziele w ährend der In teraktion zu v erbalisie-
ren. Dies en tspric h t lautem Denk en auf Lev el 3 der V erbalisierung (Hertzum
et al., 2009; Hertzum & Holmegaard, 2013). Für diese Art des lauten Denk ens
zeigten Hertzum et al. (2009), dass sie im V ergleic h zu k einem lauten Denk en zu
einer Erhöh ung der men talen Beanspruc h ung führt. Zusammengefasst basierte
Studie I auf einem zw ei-faktoriellen Design mit den Zwisc hensub jektfaktoren
Usability (niedrig vs. ho ch) und lautes Denken (mit vs. ohne).
6.1.3 V ersuc hsablauf
Die Probanden wurden einer der vier Grupp en zufällig zu Beginn des Exp eri-
men ts zugeordnet. Alle externen Zeitgeb er (z.B. Uhren) wurden aus dem Sic h t-
feld en tfern t und die Probanden un tersc hrieb en eine Ein v erständniserklärung
für die V ersuc h teilnahme und die W eiterv erarb eitung der Daten 1 . Die erste
In teraktion der Probanden mit der W ebseite b estand in einer freien Explora-
tion, die durc h die Probanden jederzeit b eendet werden k onn te, nac h maximal
vier Min uten allerdings v om V ersuc hsleiter abgebro c hen wurde. Danac h folg-
ten drei Aufgab en, deren Reihenfolge zwisc hen den V ersuchspersonen ausba-
lanciert wurde (Darstellung der Ausbalancierung siehe Anhang D.1.1). In einer
der Aufgab en sollten die Probanden ein K on taktform ular finden und ausfül-
len, w ährend sie in den anderen b eiden Aufgab en eine sp ezifisc he Information
auf der Seite suc hen sollten. Hierzu standen ihnen maximal sec hs Min uten für
das K on taktform ular und jew eils maximal vier Minuten für die Informations-
suc he zur V erfügung. Insgesam t dauerte die Durc hführung pro Proband circa
30 Min uten. Abbildung 6.1 fasst den V ersuc hsablauf graphisc h zusammen.
1 Auf Grund einer w eiteren F ragestellung, die k eine Relev anz für die hier b espro c henen
F orsc h ungsfragen hat, erfolgte v or Beginn des Exp erimen ts eine Baseline-Messung des emo-
tionalen Zustands und die Probanden lasen zw ei kurze T exte laut vor. Die Probanden trugen
ein Headset w ährend des gesam ten V ersuc hs. Dies wurde mit einer Sprachaufzeic hn ung w äh-
rend dem lauten Denk en bzw. einem späteren Interview begründet, welc hes nic h t stattfand.
64

6.1. METHODE
ABBILDUNG 6.1: Üb ersic h t üb er den V ersuc hsablauf in Studie I.
6.1.4 Material
Die b eiden V ersionen der W ebseite (siehe Abb. 6.2) en tstanden im Rahmen ei-
ner Dissertation (Bac khaus, 2017) auf Basis einer b estehenden W ebseite (cct-
ev.de, studen tisc he Un ternehmensb eratung Berlin). Beide W ebseiten un ter-
sc hieden sic h nic h t in ihrem Informationsgehalt, ab er in der Usability . So w ar
die W ebseite mit niedriger Usability sc hwieriger zu n utzen (zu kleine Sc hrift,
springende Links und häufige, irrelev an te P op-Up-Nac hric hten). Der Un ter-
sc hied in der Usabilit y zeigte sic h auc h in Bezug auf sub jektiv e Parameter.
Bac khaus (2017) b eric h tete, dass sic h die W ebseiten signifik an t in den Dimen-
sionen w ahrgenommene Usabilit y , w ahrgenommene Nützlic hk eit und Gesam t-
b ew ertung un tersc hieden. Darüb er hinaus zeigte er, dass die W ebseite mit nied-
riger Usabilit y zu einem größeren Abfall in V alenz und einem größeren Anstieg
im Arousal führte.
6.1.5 Op erationalisierung der abhängigen V ariablen
Die abhängigen V ariablen umfassten zeit- und UX-b ezogene V ariablen. Die
zeitb ezogenen V ariablen wurden nac h jeder der vier Aufgab en (Exploration
und Aufgab e A bis C) gemessen und b estanden aus der ob jektiv gemessenen
A ufgab endauer , einer Schätzung der A ufgab endauer in Min uten und Sekunden
und der Dauerb ewertung . Da die Aufgab endauer k eine k onstan te Größe w ar,
sondern durc h die Aufgab e, den Probanden und die exp erimen telle Bedin-
gung b eeinflusst werden k onn te, m uss sie als k onfundierende V ariable für die
65

KAPITEL 6. STUDIE I: EFFEKTE V ON SYSTEM UND A UF GABE A UF
D A UER W AHRNEHMU NG
ABBILDUNG 6.2: W ebseiten in Studie I. Links hohe Usabilit y , rec h ts niedrige Usa-
bilit y .
gesc hätzte Aufgab endauer gesehen w erden. Daher wurden Per c eive d Time R a-
tios (PTRs) als Maß der Sc hätzv erzerrung nac h Blo c k et al. (2010) b erec hnet,
um den Sc hätzfehler in der erlebten Aufgab endauer unabhängig v on der ob-
jektiv en Aufgab endauer b etrac h ten zu k önnen. Hierzu wurde für jede Aufgab e
die gesc hätzte Dauer durc h die ob jektiv e Dauer geteilt. Ein PTR v on eins en t-
sprac h damit einer p erfekten Sc hätzung, w ährend ein W ert kleiner eins einer
Un ter- und ein W ert größer eins einer Üb ersc hätzung en tsprac h. Zur Erfas-
sung der Dauerb ewertung wurden drei Items gen utzt ( wahr genommene L änge ,
wahr genommene Unangemessenheit und wahr genommene Inakzeptabilität der
Dauer ). Alle drei Items basierten auf einem seman tisc hen Differen tial mit 11
Abstufungen, dargestellt auf einer visuellen Analogsk ala, dessen P ole mit kurz
(1) und lang (11) 2 , angemessen (1) und unangemessen (11) so wie akzepta-
b el (1) und unakzeptab el (11) b ezeic hnet w aren. Ähnlic he Items wurden zur
Erfassung der Dauerb ew ertung auc h sc hon v on Kurusathianp ong und T ang-
manee (2018) gen utzt. Die Bew ertung auf diesen Sk alen erfolgte üb er einen
Sc hieb eregler. Die Sk alen sind in Anhang D.1.2) dargestellt.
Die UX-b ezogenen V ariablen un terteilten sic h in zw ei UX-Kurz-Items 3 so-
2 Das Item w ahrgenommene Länge der Dauer wurde zum b esseren V ergleic h für die Be-
sc hreibung und Analyse gegen üb er der Erhebung inv ertiert.
3 Drei w eitere Kurz-Items zur V ertrauenswürdigk eit und Gesam tb ew ertung der W ebseite
wurden im Rahmen einer zw eiten F ragestellung (Bac khaus, 2017) eb enfalls gemessen. Diese
w erden hier nic ht diskutiert.
66

6.1. METHODE
wie ein Emotionsmaß und einen v alidierten UX-F rageb ogen. Die UX-b ezogenen
V ariablen wurden b ereits in Bac khaus (2017) b eric h tet. Ähnlic h zur Messung
der Dauerb ew ertung wurde für die UX-Kurz-Items ein 11-fac h gestuftes seman-
tisc hes Differen tial gen utzt (Anhang D.1.2). Die Items umfassten die wahr ge-
nommene Usability mit den P olen nic h t gebrauc hstauglic h (1) und gebrauc h-
stauglic h (11) so wie die wahr genommene A ttr aktivität mit den P olen unat-
traktiv (1) und attraktiv (11). Diese Items wurden gew ählt, da sie v ersc hie-
dene K omp onen ten des Nutzererleb ens (w ahrgenommene instrumen telle und
w ahrgenommene nic h t-instrumen telle Qualitäten) im Sinne des CUE-Mo dells
repräsen tieren (Minge et al., 2016; Minge & Th üring, 2018; Th üring & Mahlk e,
2007). Zur Erfassung der Emotionen wurde das Affect Grid gen utzt (Russell,
W eiss & Mendelsohn, 1989). Dies ist ein 9x9-Gitter, w elches sic h üb er die Di-
mensionen V alenz und A r ousal aufgespann t. In seiner deutsc hen A daption sind
die P ole der horizon talen Dimension V alenz mit extrem negativ und extrem
p ositiv so wie die P ole der v ertik alen Dimension Arousal mit extrem sc hläfrig
und extrem erregt b enann t. Als v alidierter UX-F rageb ogen k am der meCUE
zum Einsatz (Minge & Riedel, 2013; Minge et al., 2016).
Die UX-Kurz-Items und das Emotionsmaß wurden nac h jeder Aufgab e
zusammen mit den zeitb ezogenen V ariablen b ean t w ortet, w ohingegen der
meCUE einmalig nac h der letzten Aufgab e ausgefüllt wurde. Diese Aufteilung
wurde gew ählt, um auf der einen Seite möglic hst kurze Items zwisc hen den
einzelnen Aufgab en zu nutzen und auf der anderen Seite die Kurz-Items mit
einem v alidierten Maß abgleic hen zu k önnen. Dazu wurden die Bew ertungen
der Kurz-Items nac h der letzten Aufgab e mit den en tsprec henden Dimensionen
des meCUEs k orreliert. Es zeigte sic h, dass das Kurz-Item zur w ahrgenom-
menen Usabilit y ho c h mit der meCUE-Sk ala sub jektive Usabilit y k orrelierte,
r = .87, p < .001. Ähnlic h dazu k orrelierte die Bew ertung der w ahrgenomme-
ne A ttraktivität signifik an t mit der meCUE-Sk ala visuelle Ästhetik, r = .64,
p < .001. Auf Grund dieser hohen K orrelationen w erden die Kurz-Items als
v alide Maße zur Bean t w ortung der F orsc h ungsfragen angesehen.
Der F rageb ogen und alle Instruktionen wurden digital mit Hilfe v on SoSci-
Surv ey (h ttp://soscisurv ey .de) dargeb oten. Eine Ausnahme bildete hierb ei die
Ein v erständniserklärung und das Emotionsmaß. Diese wurden den Probanden
in P apierform v orgelegt.
67

KAPITEL 6. STUDIE I: EFFEKTE V ON SYSTEM UND A UF GABE A UF
D A UER W AHRNEHMU NG
6.1.6 Hyp othesen
Hyp othesen zur T eilfrage a): Einfluss der UV n auf die Dauer, die
gesc hätzte Dauer und die V erzerrung der Sc hätzung
Da die theoretisc he Grundlage bzw. die Datenlage im Bereic h Zeit w ahrneh-
m ung w ährend tec hnisc her Interaktionen noch nic ht sehr umfangreic h ist
(Liikk anen & Gómez Gómez, 2013), w erden n ur Hyp othesen zu den Einflüssen
der unabhängigen V ariablen auf die Au fgab endauer form uliert. Basierend auf
Arb eiten, die eine V erlängerung v on Aufgab en b earb eitungszeiten zum einen
durc h lautes Denk en (Hertzum et al., 2009) und zum anderen durc h niedrige
Usabilit y (z.B. T ractinsky et al., 2000; Ziefle & Ba y, 2005) zeigen, w erden zw ei
Hyp othesen aufgestellt:
Hyp othese I.1 : Die Aufgab endauer ist signifik an t länger in der
Grupp e mit lautem Denk en als in der Grupp e ohne lautes Den-
k en. Dies zeigt sic h in einer negativ en Steigung: β lautesD enk en < 0 . 4
Hyp othese I.2 : Die Aufgab endauer ist signifik an t kürzer in
der Grupp e mit hoher Usabilit y als in der Grupp e mit nied-
riger Usabilit y . Dies zeigt sic h in einer p ositiv en Steigung:
β U sabil ity > 0 .
T eilfrage a) b ezieh t sic h darauf, ob Nutzer die Dauer adäquat w ahrnehmen.
Eine adäquate W ahrnehm ung zeigt sic h darin, dass längere Dauern auc h län-
ger gesc hätzt w erden. In diesem F all m üssen die gesc hätzten Dauern durc h die
gleic hen F aktoren b eeinflusst w erden wie die tatsäc hlic he Aufgab endauer. Es
k ann jedo c h auc h zu V erzerrungen in den Dauersc hätzungen k ommen, die mit
Hilfe der PTRs un tersuc h t w erden. Solc he V erzerrungen k önnen zum Beispiel
durc h das laute Denk en auftreten, wie Arb eiten zum v erkürzenden Effekt men-
taler Beanspruc h ung auf Zeitsc hätzungen (z.B. Hertzum & Holmegaard, 2015)
so wie die V orhersagen des A GMs (Blo c k & Zak a y, 1996; Zak a y & Blo c k, 1995,
1997) zeigen. Zusätzlic h k ann auc h die Usabilit y eine V erzerrung der Dauer-
sc hätzungen herv orrufen, da niedrige Usabilit y zu einer V eränderung im emo-
tionalen Zustand führen k ann (Aran yi & v an Sc haik, 2015; La vie & T ractinsky,
4 Die Nullh yp othese für Hyp othese I.1 lautet: H 0 I.1: β lautesD enk en > = 0 . Aus Platz-
gründen w erden die Nullh yp othesen der anderen Hyp othesen nic ht genann t.
68

6.1. METHODE
2004; Th üring & Mahlk e, 2007). In der v orliegenden Studie w erden daher die
Effekte v on lautem Denk en und v on Usabilit y auf die Dauersc hätzung zum
einen mit Hilfe der absoluten W erte der Sc hätzung und zum anderen mit den
PTRs-W erten näher b etrac h tet. Das Ziel b esteh t darin, die gefundenen Be-
einflussungen gegeneinander abzu w ägen. Alle In teraktionen w erden zusätzlic h
explorativ analysiert.
Hyp othesen zur T eilfrage b): Einfluss der UV n auf die Dauerb ew er-
tung
Zur Messung der Dauerb ew ertung wurden drei Items gen utzt (w ahrgenom-
mene Länge, w ahrgenommene Unangemessenheit und w ahrgenommene Inak-
zeptabilität der Dauer). Da die Items in dieser F orm zum ersten Mal zum
Einsatz k amen, soll zunäc hst geprüft w erden, ob eine Analyse auf Einzeleb ene
der Items not w endig ist o der eine Zusammenfassung der Items zu einer o der
mehreren K omp onen ten auf Basis der Daten v ertretbar ist. Allgemein wird
für die Dauerb ewertung erw artet, dass sie basierend auf der w ahrgenommenen
Dauer eingesc hätzt wird. Sollte dies der F all sein, dann m üssten Dauern n ur
dann als eher lang, unangemessen und inakzeptab el b eurteilt w erden, w enn
die Dauer auc h als länger w ahrgenommen wird. Die Effekte der unabhängigen
V ariablen auf die Dauersc hätzungen würden sic h dann in den Effekten auf die
Dauerb ew ertung widerspiegeln. Um dies zu prüfen, soll hier der Einfluss der
unabhängigen V ariablen auf die Dauerb ew ertung analysiert w erden.
Hyp othesen zur T eilfrage c): Innersub jektk orrelation zwisc hen den
zeitb ezogenen Maßen
In T eilfrage c) wird nac h dem Zusammenhang zwisc hen In teraktionsdauer und
Dauerw ahrnehm ung gefragt. Hier wird erw artet, dass die ob jektiv e Dauer mit
der gesc hätzten Aufgab endauer ab er auc h der Dauerb ew ertung 5 p ositiv k orre-
liert (Hyp. I.3 (i) und (ii)), d.h. längere Dauern w erden länger gesc hätzt und
negativ er b ew ertet. Darüb er hinaus wird erw artet, dass die gesc hätzte Dauer
p ositiv mit der Dauerb ew ertun g k orreliert (Hyp. I.4 (i)). T ab elle 6.1 fasst alle
5 Da die drei Dauerb ewertungen nac h Möglic hk eit auf eine Dimension reduziert w erden
sollen, wird zu diesen drei Items n ur eine Hyp othese form uliert.
69

KAPITEL 6. STUDIE I: EFFEKTE V ON SYSTEM UND A UF GABE A UF
D A UER W AHRNEHMU NG
K orrelationsh yp othesen zusammen, eine Ausform ulierung dieser Hyp othesen
k ann im Anhang C gefunden w erden.
Hyp othesen zur T eilfrage d): Innersub jektk orrelation zwisc hen den
zeitb ezogenen Maßen und dem Nutzererleb en
Zusätzlic h w erden Zusammenhänge innerhalb der Probanden zwisc hen den
zeit- und den UX-b ezogenen V ariablen erw artet. Hierzu gehören negativ e In-
nersub jektk orrelationen zwischen der Dauer bzw. der Dauerw ahrnehm ung und
der w ahrgenommenen Usabilit y , der w ahrgenommenen A ttraktivität und der
V alenz (Hyp. I.5 bis I.7 in T ab. 6.1). Je länger eine Dauer ist bzw. je län-
ger sie gesc hätzt o der je negativ er sie b ew ertet wird, umso negativ er sollte das
Nutzererleb en sein. Diese Erw artung basiert auf empirisc hen Zusammenhängen
zwisc hen Emotionen und Zeitempfinden (Droit-V olet & W earden, 2015, 2016)
und auf der Relev anz v on erlebter Zeit b eim En tstehen v on UX, die Liikk anen
und Gómez Gómez (2013) p ostulierten. Für das Arousal w erden eb enfalls Zu-
sammenhänge zur Dauerw ahrnehm ung auf Grund v on Effekten des Arousals
T ABELLE 6.1: K orrelationsh yp othesen. Erw artet w erden Innersub jektk orrelationen
der jew eils angegeb enen Ric h tung.
Aufgab en-
dauer
gesc hätzte
Aufgab endauer
Dauer-
b ew ertung
Aufgab endauer
Hyp. I.3 (i): r > 0 (ii): r > 0
gesc hätzte Aufgab endauer
Hyp. I.4 (i): r > 0
w ahrg. Usabilit y
Hyp. I.5 (i): r < 0 (ii): r < 0 (iii): r < 0
w ahrg. A ttraktivität
Hyp. I.6 (i): r < 0 (ii): r < 0 (iii): r < 0
V alenz
Hyp. I.7 (i): r < 0 (ii): r < 0 (iii): r < 0
Arousal
Hyp. I.8 (i): r = 0 (ii): r = 0 (iii): r = 0
70

6.1. METHODE
auf die Sc hätzv erzerrungen erw artet. Hier wird keine Ric h tung angenommen,
da sic h anders als b ei den anderen UX-b ezogenen V ariablen k ein einheitlic her
Zusammenhang ableiten lässt.
Zusätzlic he Hyp othesen: Effekte der UV n auf die UX-b ezogenen V a-
riablen
Durc h das exp erimen telle Design w erden w ahrsc heinlich auc h die UX-b ezogenen
V ariablen b eeinflusst. Daher wird der Effekt der unabhängigen V ariablen auc h
auf die K omp onen ten des Nutzererleb ens b etrac h tet. Diese Betrac h tung k ann
ggf. die In terpretation der K orrelationen zwisc hen den zeit- und UX-basierten
Maßen erleic h tern. Auf Basis v on v ersc hiedenen Arb eiten (z.B. Ham b org et
al., 2014; Minge & Th üring, 2018; v an der Geest & v an Dongelen, 2009)
wird erw artet, dass die V ariation der Gebrauc hstauglic hk eit des Systems einen
stark en Effekt auf die UX-b ezogenen Maße hat. Zu diesen gehört die w ahr-
genommene Usabilit y als eine instrumen telle Qualität der In teraktion, die
w ahrgenommene A ttraktivität als eine nic h t-instrumenetelle Qualität und die
Emotion mit den Dimensionen V alenz und Arou sal. Andere Effekte, wie die
des lauten Denk ens, w erden explorativ b etrac h tet.
Hyp. I.9 (i) bis (iv) : Die (i) w ahrgenommene Usabilit y , (ii)
w ahrgenommene A ttraktivität , (iii) V alenz und das (iv)
Arousal ist signifik an t größer in der Grupp e mit hoher Usabi-
lit y als in der mit niedriger Usabilit y . Dies zeigt sic h in negativ en
Steigungen: β U sabil ity
′ s < 0 .
6.1.7 Datenanalyse
Analyse des Einflusses der UV n auf die A V n
Zur Analyse des Einflusses der zw ei unabhängigen V ariablen auf die abhängi-
gen V ariablen w erden LMMs mit einer Maxim um Lik eliho o d Sc hätzung (ML)
gen utzt (für eine ausführlic he Besc hreibung siehe Kapitel Absc hnitt B.1 im An-
hangB). Dazu wird für jede abhängige V ariable ein LMM nac h dem folgenden
Muster aufgestellt: 6
6 Die Sc hreib w eise ist an die üblic he Schreib w eise im lme4-pac k age (Bates, Mäc hler, Bolk er
& W alk er, 2015) angelehn t. Die Tilde ist zu lesen als „ wird vorhergesagt durc h“.
71

KAPITEL 6. STUDIE I: EFFEKTE V ON SYSTEM UND A UF GABE A UF
D A UER W AHRNEHMU NG
AV ∼ 1 + (Usability + lautes Denken) 2 +
Exploration vs. A + A vs. B + B vs. C +
(1 + Expl. vs. A + A vs. B + B vs. C ⏐ ⏐ ⏐ ⏐ Versuchsperson)
Wie hier zu sehen ist, w erden auf Seiten der Fixed Effects alle möglic hen
T erme des zwei-faktoriellen Designs (zw ei Haupteffekte und eine Zw eifac h-
In teraktionen) in tegriert. Um den Einfluss der Aufgab en statistisc h zu k on trol-
lieren, w erden die Aufgab en üb er einen wiederholten K on trast ( r ep e ate d c on-
tr ast , siehe Sc had, Hohenstein, V asish th & Kliegl, 2018 o der Absc hnitt B.1.2)
in das Mo dell aufgenommen. Der K on trast wird einem Random Effect üb er
Aufgab e (1 ⏐ ⏐ Aufgabe) v orgezogen, da n ur vier Aufgab en inklusiv e Exploration
aus der Grundgesam theit der Aufgab en gezogen wurden. Diese Anzahl ist für
einen Random Effect zu gering (Bolk er, 2019), da die Sc hätzung für die V arianz
der Grundgesam theit nic h t zuv erlässig ist. Die Effekte der Aufgab en w erden
nic h t w eiter in terpretiert, d a sie der Aufklärung v on F ehlerv arianz dienen, nic h t
ab er T eil der Hyp othesen sind. Alle Effekte auf Seiten der Fixed Effects w erden
als zen trierte Prädiktoren mit einem K o dierungsabstand v on eins zwisc hen den
Stufen in das Mo dell aufgenommen, um den In tercept des Mo dells als Gesamt-
mittelw ert ( Gr and Me an ) und die β -Gewic h te als Untersc hiede zwischen den
Stufen in terpretieren zu k önnen (für eine nähere Besc hreibung siehe Absc hnitt
B.1.2).
Auf Seiten der Random Effects w erden ein Random In tercept und drei Ran-
dom Slop es für die K on traste der Aufgab e im Mo dell b erüc ksic h tigt. Inhaltlic h
b edeutet dies, dass das Mo dell auf Basis der Messwiederholung üb er die v er-
sc hiedenen Aufgab en für jede V ersuc hsp erson eine A djustierung des In tercepts
b erec hnet. Darüb er hinaus wird für jede V ersuc hsp erson eine A djustierung der
Aufgab eneffekte b erüc ksich tigt. Die P arametersc hätzungen der K orrelationen
zwisc hen Random Effects wird ausgesc hlossen, da hierfür zu w enige Daten-
punkte v orhanden sind. En tsprec hend der Empfehlung v on Bates, Kliegl, V a-
sish th und Baa y en (2015) wird die Struktur der Random Effects auf Basis der
Daten selektiert, um eine Üb erparametrisierung des statistischen Modells zu
v ermeiden (zum V orgehen siehe Absc hnitt B.1.3).
V or der Betrac h tung der LMMs wird für jede abhängige V ariable geprüft,
ob die Residuen der b esc hrieb enen Mo dellsp ezifizierung durc h eine Bo x-Co x-
P o w er-T ransformation (V enables & Ripley, 2002) der abhängigen V ariable nä-
72

6.1. METHODE
her an eine Normalv erteilung gebrac h t w erden k önnen (vgl. Absc hnitt B.1.4).
In der folgenden Darstellung der Ergebnisse w erden für abhängige V ariablen,
b ei denen eine T ransformation der Daten durc hgeführt wird, n ur die Kenn-
w erte des Mo dells basierend auf der T ransformation b eric h tet. Die Grafik en
w erden eb enfalls auf Basis der transformierten W erte erstellt, allerdings sind
die A c hsen rüc ktransformiert, so dass eine In terpretation in der Einheit der
Originalsk alierung möglic h ist.
In den präsen tierten Analysen wird k ein p -W ert b eric h tet (Begründung sie-
he Absc hnitt B.1.5). Stattdessen w erden Effekte mit einem absoluten t -W ert
größer zw ei ( | t | > 2 ) als signifik an t angenommen. Zur einfac heren In terpretati-
on wird auf eine Anpassung des Signifik anzniv eaus b ei geric h teten Hyp othesen
v erzic h tet. Zusätzlic h wird für jeden Fixed Effekt das 95%-Konfidenzin terv alle
(K onf.) der P arametersc hätzung des β − Gew ichts angegeb en. Für jedes LMM
wird darüb er hinaus das marginale R 2
GLM M ( m ) , w elc hes die V arianzaufklärung
durc h die Fixed Effects alleine b esc hreibt, und das k onditionale R 2
GLM M ( c ) b e-
ric h tet, w elc hes die Aufklärung durch Fixed und Random Effects abbildet (vgl.
Absc hnitt B.1.5). Absc hließend wird für die Effekte der unabhängigen V aria-
blen mit Hilfe des simr P ak etes (Green & MacLeo d, 2016) die erreic h te P o w er
für jede unabhängige V ariable gesc hätzt. Für diese Sc hätzung w erden Mon te
Carlo Sim ulationen mit jew eils N =1000 Sim ulationen gen utzt.
Zusammenhang zwisc hen den Items zur Dauerb ew ertung
Um die Dimensionen der Dauerb ewertungen zu reduzieren, eignet sic h ein e
Hauptk omp onen tenanalyse o der Principle Comp onent A nalysis (PCA) . Dieses
V erfahren setzt im Gegensatz zu einer explorativen F aktorenanalyse k eine An-
nahmen üb er zugrundeliegende F aktoren v oraus, da es lediglic h eine b esc hrei-
b ende, k orrelationsbasierte Reduktionsmetho de ist (Bühner, 2011). Durc h die
Reduktion en tstehen „Sup erv ariablen” o der K omp onen ten, die die b este Line-
ark om bination der Items darstellen (Bühner, 2011, S. 309).
Die Prüfung der Eign ung der Daten für eine Hauptk omp onen tenanalyse er-
folgt nac h Bühner (2011) und Field, Miles und Field (2012) mit dem Bartlett-
T est und dem Kaiser-Meyer-Olkin-Ko effizienten (KMO) . Der Bartlett-T est
prüft die Alternativh yp othese, dass die v orliegende K orrelationsmatrix nic h t
73

KAPITEL 6. STUDIE I: EFFEKTE V ON SYSTEM UND A UF GABE A UF
D A UER W AHRNEHMU NG
der Einheitsmatrix en tspric h t 7 . Nur wenn er ein signifik an tes Ergebnis zeigt,
k ann eine Hauptk omp onen tenanalyse durc hgeführt w erden. Der KMO zeigt
an, ob es substanzielle Zusammenhänge in der K orrelationsmatrix gibt. Bühner
(2011) empfiehlt n ur b ei einem KMO > . 6 eine Hauptk omp onen tenanalyse zu
n utzen. Basierend auf v ersc hiedenen Empfehlungen (Bühner, 2011; Courtney
& Gordon, 2013; Ledesma & V alero-Mora, 2007) werden zur Extraktion der
Anzahl der K omp onen ten der MAP-T est ( V elic er’s Minimum A ver age Parti-
al ) und die P arallelanalyse ( Horn ’s Par al lel Analysis ) genutzt. Basierend auf
der en tsprec henden K omp onen tenanzahl und der Ladungen der Items auf den
K omp onen ten w erden Items durc h Mittelung zusammengefasst.
K orrelationen
Zur Betrac h tung der Zusammenhänge zwisc hen V ariablen w erden nac h Bland
und Altman (1995a) die K orrelationen innerhalb der Probanden (Innersub jekt-
k orrelation) b etrac h tet (vgl. Absc hnitt B.2). Daher b esc hreib en die b eric h teten
K orrelationsk o effizien ten wie zw ei V ariablen innerhalb einer P erson miteinan-
der k o v ariieren, w enn sie in v ersc hiedenen Situationen gemessen w erden. Dieser
Ansatz wurde en tsprec hend der F ragestellung gew ählt, da in dieser Arb eit nac h
den Zusammenhängen innerhalb v on Nutzern gefragt wird. In Anlehn ung an
Cohen (1992) w erden K orrelationsk o effizien ten v on | r | > .1 als kleine Effekte,
K orrelationsk o effizien ten v on | r | > .3 als mittlere Effekte und K orrelationsko-
effizien ten v on | r | > .5 als große Effekte angesehen.
Gen utzte Soft w are
Zur Analyse der Daten wurde das Statisik-Programm R (R Core T eam, 2018)
und die folgenden P ak ete gen utzt: car (F o x & W eisb erg, 2011) , corrplot (W ei &
Simk o, 2017), devto ols (Wic kham, Hester & Chang, 2018), grid (R Core T eam,
2018), lme4 (Bates, Mäc hler et al., 2015), MASS (V enables & Ripley, 2002),
MuMIn (Bartoń, 2018), paramap (O’Connor, 2017), psyc h (Rev elle, 2018),
RePsyc hLing (Baa y en, Bates, Kliegl & V asish th, 2015), reshap e (Wic kham,
2007), rmcorr (Bakdash & Marusic h, 2018), simr (Green & MacLeo d, 2016)
und tidyv erse (Wic kham, 2017).
7 Einheitsmatrix: Alle K orrelationen der Matrix bis auf die Diagonale sind gleich n ull.
74

6.2. ER GEBNISSE
6.2 Ergebnisse
6.2.1 Ergebnisse zur T eilfrage a): Einfluss der UV n auf
die Dauer, die gesc hätzte Dauer und die V erzerrung
der Sc hätzung
Die Ergebnisse zur Aufgab endauer zeigten die erw arteten Effekte des lauten
Denk ens (Hyp. I.1: β lautesD enk en < 0 ) und der Usabilit ymanipulation (Hyp.
I.2: β U sabil ity > 0 ). Wie anhand der Sc hätzparameter in T ab elle 6.2 zu sehen
ist, w aren die T eilnehmer der Grupp e mit lautem Denk en im Mittel 37 Sek.
langsamer als T eilnehmer in der Grupp e ohne lautes Denk en. T eilnehmer der
Grupp e mit hoher Usability w aren im Mittel 67 Sek. sc hneller als die der Grup-
p e mit niedriger Usabilit y . Insgesamt brauc hten die Probanden pro Aufgab e
im Sc hnitt 203 Sek.. Eine Visualisierung der Effekte findet sic h in Grafik 6.3
a) und b). Es zeigten sic h zudem signifik an te Un tersc hiede in der Dauer der
v ersc hiedenen Aufgab en, auf die hier nic h t weiter eingegangen wird, w eil sie
nic h t h yp othesenrelev an t sind. Die In teraktion erreic h te k eine Signifik anz.
Die gesc hätzte Aufgab endauer wurde auf Grund der Ab w eic h ung der Re-
siduen v on der Normalv erteilung log-transformiert. Die Ergebnisse (siehe
T ab. 6.2) zeigten einen Effekt der Usabilit y , der in Abbildung 6.3 c) darge-
stellt ist. Für einen Effekt des lauten Denk ens so wie für die In teraktion wurde
k eine Evidenz gefunden. Zusammengefasst b eeinflusst die Usabilit y auf ähnli-
c he Art und W eise die Dauer und gesc hätzte Dauer. Das laute Denk en hingegen
zeigte n ur einen Einfluss auf die Dauer, nic h t ab er auf die Dauersc hätzung.
Diese Diskrepanz legt nahe, dass es zu V erzerrungen in der Dauersc hätzung
gek ommen ist. Da ein nic h t-gefundener Effekt nich t als ein nich t-v orhandener
Effekt in terpretiert w erden k ann, wurden die PTRs im Sinne einer Üb ersc hät-
zungsstärk e b etrac h tet. Die Analyse der PTRs wurde eb enfalls auf Grund einer
nic h t-v orliegenden Normalv erteilung mit log-transformierten W erten durc hge-
führt. Die Ergebnisse der Analyse (T ab. 6.2) zeigten einen Haupteffekt v on
lautem Denk en, nic h t ab er v on Usabilit y . Der Effekt des lauten Denk ens ist in
Abbildung 6.3 d) dargestellt. Die In teraktion zwisc hen Usabilit y und lautem
Denk en hatte w eder auf die Dauersc hätzung no c h auf die PTR-W erte einen
signifik an ten Einfluss.
75

KAPITEL 6. STUDIE I: EFFEKTE V ON SYSTEM UND A UF GABE A UF
D A UER W AHRNEHMU NG
T ABELLE 6.2: Effekte der unabhängigen V ariablen auf Dauer, transformierte Dau-
ersc hätzung und transformierte PR T.
β -Gewic h t 95% K onf. Std. F ehler t -W ert
Effekte auf Aufgab endauer
In tercept 203.4 [194, 212.89] 4.74 42.90 *
laut. D. mit/ohne -36.6 [-55.51, -17.74] 9.48 -3.86 *
Usab. ho c h/niedrig 66.7 [47.78, 85.55] 9.48 7.03 *
laut. D.:Usab. 19.3 [-18.42, 57.11] 18.97 1.02
Aufgab e Expl./A 74.9 [53.6, 96.28] 10.83 6.92 *
Aufgab e A/B -116.1 [-137.42, -94.74] 10.83 -10.72 *
Aufgab e B/C -30.2 [-51.61, -8.73] 10.88 -2.77 *
Random Effect Struktur: (1 ⏐ ⏐ V er suchsper son )
R 2
GLM M ( m ) : 52.3 %, R 2
GLM M ( c ) : 57.8 %
Effekte auf log-transformierte gesc hätzte Aufgab endauer
In tercept 5.244 [5.14, 5.34] 0.051 103.518 *
laut. D. mit/ohne -0.043 [-0.24, 0.16] 0.101 -0.422
Usab. ho c h/niedrig 0.407 [0.21, 0.61] 0.101 4.017 *
laut. D.:Usab. 0.193 [-0.21, 0.6] 0.203 0.951
Aufgab e Expl./A 0.259 [0.09, 0.43] 0.088 2.942 *
Aufgab e A/B -0.464 [-0.64, -0.29] 0.088 -5.277 *
Aufgab e B/C -0.232 [-0.4, -0.06] 0.088 -2.652 *
Random Effect Struktur: (1 ⏐ ⏐ V er suchsper son )
R 2
GLM M ( m ) : 24.7 %, R 2
GLM M ( c ) : 46.9 %
Effekte auf log-transformierte PTR
In tercept 0.071 [-0.01, 0.15] 0.040 1.773
laut. D. mit/ohne 0.194 [0.04, 0.35] 0.080 2.435 *
Usab. ho c h/niedrig -0.036 [-0.19, 0.12] 0.080 -0.447
laut. D.:Usab. -0.049 [-0.37, 0.27] 0.160 -0.310
Aufgab e Expl./A -0.044 [-0.13, 0.04] 0.044 -1.015
Aufgab e A/B 0.140 [0.05, 0.23] 0.044 3.217 *
Aufgab e B/C 0.042 [-0.04, 0.13] 0.043 0.970
Random Effect Struktur: (1 ⏐ ⏐ V er suchsper son )
R 2
GLM M ( m ) : 9.9 %, R 2
GLM M ( c ) : 63.4 %
Anmerkung : Die Sterne geb en an, ob der Effekt auf einem Signifik anzniv eau v on
α = . 05 und zw eiseitiger T estung signifik an t ist.
76

6.2. ER GEBNISSE
0
60
120
180
240
300
mit lautem Denken ohne lautes Denken
A ufgabendauer [sec]
a) Eff ekt von lautem Denk en
auf A ufgabendauer
0
60
120
180
240
300
niedrige Usability hohe Usability
A ufgabendauer [sec]
b) Eff ekt von Usability
auf A ufgabendauer
60
120
180
240
300
niedrige Usabiltiy hohe Usability
geschätzte A ufgabendauer [sec]
c) Eff ekt von Usabitliy
auf geschätzte A ufgabendauer
0.9
1
1.1
1.2
1.3
1.4
mit lautem Denken ohne lautes Denken
PTR − perceiv ed time ratio
d) Eff ekt von lautem Denk en
auf PTR

ABBILDUNG 6.3: Signifik an te Effekte der unabhängigen V ariablen auf Aufgab en-
dauer, log-transformierte gesc hätzte Aufgab endauer und log-transformierte PTRs.
Die F ehlerbalk en stellen K onfidenzin terv alle der Standardfehler (95 %) korrigiert für
Innersub jektfaktoren (Cousineau, 2005; Morey, 2008) dar. Die Besc hriftung der y-
A c hsen für die log-transformierten Daten sind rüc ktransformiert, um die In terpreta-
tion der W erte zu erleic h tern. Für die PTRs en tspric ht ein W ert v on 1 einer p erfekten
Sc hätzung, W erte üb er 1 einer Üb er- und W erte un ter 1 einer Un tersc hätzung.
77

KAPITEL 6. STUDIE I: EFFEKTE V ON SYSTEM UND A UF GABE A UF
D A UER W AHRNEHMU NG
Die p ost-ho c P o w eranalysen zeigten (Anhang D.2), dass die Effekte der
Usabilit y auf die Aufgab endauer und die gesc hätzte Aufgab endauer so wie der
Effekt des lauten Denk ens auf die Aufgab endauer auf Basis der hier v orlie-
genden Ergebnisse als so groß eingesc hätzt w erden k önnen, dass sie mit der
v orliegenden Stic hprob engröße auc h in einer Replik ation sic her zu finden sein
sollten ( 1 − β > 90%). Der Effekt des lauten Denk ens, wie er hier gefunden
wurde, w äre mit der v orliegenden Probandenzahl un terp o w ert ( 1 − β = 65%).
6.2.2 Ergebnisse zur T eilfrage b): Einfluss der UV n auf
die Dauerb ew ertung
Die Hauptk omp onen tenanalyse üb er die Items der Dauerb ew ertung (w ahr-
genommene Länge, w ahrgenommene Unangemessenheit und w ahrgenomme-
ne Inakzeptabilität der Dauer) wurde zunäc hst mit den Daten des ersten
Messzeitpunktes nac h der Exploration durc hgeführt. Hier zeigte sic h ein si-
gnifik an ter Bartlett-T est, χ 2 (3) = 163.96, p < .001, und ein Kaiser-Mey er-
Olkin-K o effizien t v on KMO = 0.66. Auc h auf Itemeb ene w aren die KMO -
K o effizien ten geeignet, um eine Hauptk omp onen tenanalyse durc hzuführen,
KMOs > 0.60.
So w ohl der MAP-T est als auc h die P arallelanalyse sc hlugen eine K omp onen-
tenstruktur mit n ur einer K omp onen te v or. Die en tsprec hende Hauptk omp o-
nen tenanalyse wurde ohne Rotation durc hgeführt, da dies b ei n ur einer K om-
p onen te nic h t erforderlic h ist. Die Ladungen der einzelnen Items auf d er K om-
T ABELLE 6.3: K omp onen tenladungen Studie I b eim ersten Messzeitpunkt nac h der
Exploration.
Item K omp onen te
Dauerb ew ertung
w ahrgenommene Länge 0.83
w ahrgenommene Unangemessenheit 0.95
w ahrgenommene Inakzeptabilität 0.96
Eigen w ert 2.51
aufgeklärte V arianz 84 %
Anmerkung : N = 61
78

6.2. ER GEBNISSE
p onen te Dauerb ewertung und der Eigen w ert dieser K omp onente sind in T ab elle
6.3 dargestellt. Die Analyse wurde ansc hließend für den zw eiten und dritten
Messzeitpunkt so wie für die Aufgab en A bis C durc hgeführt. Für die Explora-
tion w ar der KMO- K o effizien t für die Durc hführung einer Hauptk omp onen-
tenanalyse zu gering, KMO = 0.50. In allen durc hgeführten Hauptk omp onen-
tenanalysen wurde die gleic he K omp onen tenstruktur extrahiert (siehe Anhang
D.3). Daher wurden die Daten der drei Dauerb ew ertungsitems pro Messzeit-
punkt und V ersuc hsp erson gemittelt. Die neue, gemittelte V ariable wird im
folgenden un ter dem Namen Dauerb ew ertung referenziert.
Für die V ariable Dauerb ew ertung zeigte sic h ein Haupteffekt der Usabilit y ,
ab er k eine w eiteren Effekte (siehe T ab. 6.4). Probanden in der Grupp e mit ho-
her Usabilit y b ew erteten die In teraktionsdauern als p ositiv er. Grafik 6.4 zeigt
diesen Un tersc hied. Die p ost-ho c P o w eranalysen zur T eilfrage b) zeigten (An-
hang D.2), dass die Auswirkung der Usabilit y auf die Dauerb ew ertung so groß
w ar, dass er mit der v orliegenden Stic hprob engröße auc h in einer Replik ation
wieder zu finden sein sollte ( 1 − β > 99%). Die anderen Effekte, die k eine
Signifik anz erreic h ten, w aren in den v orliegenden Daten so klein, dass sie mit
der Stic hprob engröße k aum en tdec kt w erden k önnen ( 1 − β < 13%).
kurz
angemessen
akzeptabel
lang
unangemessen
unakzeptabel

1.0
3.5
6.0
8.5
11.0
niedrige Usability hohe Usability
Dauerbew er tung
Eff ekt von Usability
auf Dauerbew er tung

ABBILDUNG 6.4: Effekt der Usabilit y auf die Dauerb ew ertung. Die F ehlerbalk en
stellen K onfidenzin terv alle der Standardfehler (95 %) k orrigiert für Innersub jektfak-
toren (Cousineau, 2005; Morey, 2008) dar.
79

KAPITEL 6. STUDIE I: EFFEKTE V ON SYSTEM UND A UF GABE A UF
D A UER W AHRNEHMU NG
T ABELLE 6.4: Effekte der unabhängigen V ariablen auf die transformierte Dauerb e-
w ertung.
β -Gewic h t 95% K onf. Std. F ehler t -W ert
Effekte auf Dauerb ew ertung
In tercept 5.430 [5.06, 5.8] 0.188 28.889 *
laut. D. mit/ohne 0.269 [-0.48, 1.02] 0.376 0.715
Usab. ho c h/niedrig 2.080 [1.33, 2.83] 0.376 5.533 *
laut. D.:Usab. -0.571 [-2.07, 0.93] 0.752 -0.759
Aufgab e Expl./A 0.186 [-0.54, 0.91] 0.367 0.506
Aufgab e A/B 0.530 [-0.19, 1.25] 0.367 1.443
Aufgab e B/C -0.415 [-1.14, 0.31] 0.367 -1.130
Random Effect Struktur: (1 ⏐ ⏐ V er suchsper son )
R 2
GLM M ( m ) : 18.9 %, R 2
GLM M ( c ) : 36.2 %
Anmerkung : Die Sterne geb en an, ob der Effekt auf einem Signifik anzniv eau v on
α = . 05 und zw eiseitiger T estung signifik an t ist.
6.2.3 Ergebnisse zu den T eilfragen c) und d): Innersub-
jektk orrelationen
Die Innersub jektk orrelationen zwischen zeitb ezogenen und zwisc hen zeit- und
UX-b ezogenen Maßen sind in T ab elle 6.5 dargestellt. Die Innersub jektk orre-
lationen zwisc hen den UX-b ezogenen V ariablen k önnen im Anhang D.4 einge-
sehen w erden. Bezüglic h der zeitb ezogenen Maße zeigte sic h, dass Probanden
dazu neigten, b ei längeren Aufgab endauern auc h längere Dauersc hätzungen
abzugeb en. Dies en tspric h t Hyp othese I.3 (i) (r > 0). Darüb er hinaus v erga-
b en die Probanden in Bezug auf die Dauerb ew ertung umso größere W erte,
je länger die Aufgab endauer w ar und je länger sie diese sc hätzten (Hyp. I.3
(ii) und Hyp. I.4 (i): r’s > 0). Ein größerer W ert in der Dauerb ew ertung ent-
spric h t dab ei einer negativ eren Bew ertung als eher lang, unangemessen und
unakzeptab el.
Die tatsäc hlic he und die gesc hätzte Aufgab endauer zeigten die erw arteten
negativ en Innersub jektkorrelationen n ur mit d er UX-b ezogenen V ariable V a-
lenz (Hyp. I.7 (i) und (ii): r’s < 0). Evidenz für einen Zusammenhang zwi-
sc hen Aufgab endauer und gesc hätzter Aufgab endauer mit den anderen UX-
80

6.2. ER GEBNISSE
T ABELLE 6.5: Innersub jektk orrelation zwisc hen den zeit und UX-b ezogenen V aria-
blen.
Hyp. I. Aufgab en-
dauer
gesc hätzte
Aufgab en-
dauer
Dauer-
b ew ertung
3 (i)-(ii) Aufg.dauer – .79 *** .31 **
4 (i) gesc h. Aufg.dauer – – .44 ***
5 (i)-(iii) w ahrg. Usabilit y -.14, n.s. -.20, ** -.39 ***
6 (i)-(iii) w ahrg. A ttraktivität -.07, n.s. -.12, n.s. -.32 ***
7 (i)-(iii) V alenz -.21 * -.30 * -.46 ***
8 (i)-(iii) Arousal -.04, n.s -.02, n.s .04, n.s
Anmerkung : * b ei p < .05, ** b ei p < .01, *** b ei p < .001, fett für | r | ≥ .3
b ezogenen V ariablen wurde nic h t gefunden, für die w ahrgenommene Usabilit y
(Beib ehalten der H 0 I.5 (i) und (ii): r’s >= 0), die w ahrgenommene A ttraktivi-
tät (Beib ehalten der H 0 I.6 (i) und (ii): r’s >= 0) und das Arousal (Beib ehalten
der H 0 I.8 (i) und (ii): r’s = 0). Die Dauerb ew ertung hingegen zeigte negativ e
Innersub jektk orrelationen zu drei Maßen des Nutzerleb ens mit mittleren bis
stark en Effektstärk en (Hyp. I.6 (iii), I.6 (iii) und I.7 (iii): r’s < 0). Hierzu gehör-
te die w ahrgenommene Usabilit y , die w ahrgenommene A ttraktivität und die
V alenz. Je p ositiv er das Nutzererleb en b ew ertet wurde, umso p ositiv er w ar die
Dauerb ew ertung (kleine W erte). Einzige Ausnahme bildete hier das Arousal
(Beib ehalten der H 0 I.8 (iii): r = 0).
6.2.4 Zusätzlic he Ergebnisse: Effekte der UV n auf die
UX-b ezogenen V ariablen
Die Analysen zu den Effekten der unabhängigen V ariablen auf die UX-
b ezogenen V ariablen zeigten Haupteffekte der Usabilit y auf die log-transformierte
w ahrgenommene Usabilit y , die log-transformierte w ahrgenommene A ttrakti-
vität und die V alenz (Hyp. I.9 (i), (ii) und (iii): β U sabil ity
′ s < 0 ). Sie sind
in Abbildung 6.5 a) bis c) dargestellt. Hier ist zu sehen, dass die W ebseite
mit hoher Usabilit y als gebrauc hstauglic her und attraktiv er b ew ertet wurde.
Darüb er hinaus löste si e eine höhere V alenz aus . Effekte des lauten Denk ens
81

KAPITEL 6. STUDIE I: EFFEKTE V ON SYSTEM UND A UF GABE A UF
D A UER W AHRNEHMU NG
o der der In teraktion gab es nic h t. Bezogen auf das Arousal zeigte sic h k ein
Haupteffekt der Usabilit y (Beib ehalten der H 0 I.9 (iv): β U sabil ity > = 0 ) o der
des lauten Denk ens. Die Usabilit y zeigte ab er zusammen mit lautem Denk en
einen In teraktionseffekt, der in Abbildung 6.5 d) dargestellt ist. Un ter der
Bedingung hohe Usabilit y w ar das Arousal mit lautem Denk en höher als ohne.
Dieser Effekt dreh te sic h in der Bedingung mit niedriger Usabilit y um. Die
statistisc hen Kenn w erte dieser Analysen sind im Anhang zu finden (Anhang
D.5).
Die p ost-ho c P ow eranalysen zeigten (Anhang D.2), dass der hier gesc hätzte
Effekt der Usabilit y auf die w ahrgenommene Usabilit y , die w ahrgenommene
A ttraktivität und die V alenz groß gen ug w ar, um ihn mit der v orliegenden
Stic hprob engröße erneut zu finden ( 1 − β ≥ 79%). Für den b eo chabteten
In teraktionseffekt auf das Arousal und den erw arteten Haupteffekt der Usabi-
lit y w ar die Stic hprob engröße jedo c h zu gering, um eine akzeptable P o wer zu
erreic hen (40% ≤ 1 − β ≤ 55%).
6.3 Diskussion
In Studie I wurde auf der einen Seite un tersuc h t, in wie w eit Nutzer die Dauer
einer tec hnisc hen In teraktion einsc hätzen k önnen und wie sie diese b ew erten,
F orsc h ungsfrage 1 mit T eilfragen a) bis c). Auf der anderen Seite wurde un ter-
suc h t, wie ho c h die Zusammenhänge zwisc hen Dauerw ahrnehm ung und dem
Nutzererleb en innerhalb v on Nutzern sind, F orsc h ungsfrage 2 mit T eilfrage d).
In diesem Rahmen b earb eiteten Nutzer Aufgab en auf einer W ebseite, w ob ei
die Usabilit y der W ebseite und die men tale Beanspruc h ung der Aufgab e durc h
eine Zw eitaufgab e (lautes Denk en) systematisc h v ariiert wurden.
6.3.1 Zusammenfassung der Ergebnisse und Bean t w or-
tung der F orsc h ungsteilfragen
T eilfrage a): K önnen Nutzer die Dauer einer Mensc h-Computer-
In teraktion adäquat w ahrnehmen?
Die Ergebnisse zeigen, dass Nutzer die V erlängerung der Bearb eitungszeit, die
durc h sc hlec h te Usability en tstand, adäquat w ahrnehmen k onn ten. Dies spie-
82

6.3. DISKUSSION
nicht
gebrauchstauglich
gebrauchstauglich

1
2
3
4
5
6 6
7
8
9
10
11
hohe Usability niedr ige Usability
wahrgenommene Usability
a) Eff ekt von Usability auf
wahrgenommene Usability

unattraktiv
attraktiv

1
2
3
4
5
6 6
7
8
9
10
11
hohe Usability niedr ige Usability
wahrgenommene Attr aktivität
b) Eff ekt von Usability auf
wahrgenommene Attr aktivität

e xtrem negativ
e xtrem positiv

1
3
5
7
9
niedrige Usability hohe Usability
V alenz
c) Eff ekt von Usability
auf V alenz

e xtrem schläfr ig
e xtrem erregt

1
3
5
7
9
niedrige Usability hohe Usability
Arousal
lautes Denken
mit
ohne
d) Interaktionseff ekt lautes Denken und
Usability auf Arousal

ABBILDUNG 6.5: Effekte der unabhängigen V ariablen auf die K omp onen ten des
Nutzererleb ens. Die F ehlerbalk en stellen K onfidenzinterv alle der Standardfehler (95
%) k orrigiert für Innersub jektfaktoren (Cousineau, 2005; Morey, 2008) dar. Die Be-
sc hriftung der y-A c hsen für die log-transformierten Daten sind rüc ktransformiert, um
die In terpretation der W erte zu erleic h tern.
83

KAPITEL 6. STUDIE I: EFFEKTE V ON SYSTEM UND A UF GABE A UF
D A UER W AHRNEHMU NG
gelte sic h in größeren Sc hätzw erten b ei längeren In teraktionsdauern wider.
V erlängerungen, die durch die Zw eitaufgab e lautes Denk en en tstanden, führ-
ten hingegen zu einer systematisc hen V erzerrung in der Dauersc hätzung. Hier
wurde die zusätzlic he Zeit, die auf Grund des lauten Denk ens aufgebrac h t wer-
den m usste, nic h t w ahrgenommen, w o durc h eine kleinere Üb ersc hätzung der
In teraktionsdauer b ei lautem Denk en als b ei k einem lauten Denk en auftrat.
Diese V erzerrung wurde auf Grund der V orhersage des A GM (Blo c k & Zak a y,
1996) b ezüglic h des v erkürzenden Effekts v on hoher men taler Beanspruc h ung
b ei einer Zw eitaufgab e gegen üb er k einer Zw eitaufgab e erw artet. Sie en tspric h t
dem v on Bro wn (2008) b esc hrieb enen In terferenzeffekt zwisc hen Sc hätz- und
Zw eitaufgab e.
Für einen Effekt des Arousal-Lev el hingegen gab es k eine Evidenz. Zw ar
un tersc hied sic h der emotionale Zustand der Probanden b ezüglic h V alenz und
in Abhängigk eit v on der Zw eitaufgab e auc h im Arousal-Lev el zwischen den
Usabilit y-Grupp en, dieses Befundm uster spiegelte sic h jedo c h nic h t in den V er-
zerrungen der Sc hätzungen wider. Insgesam t legen die Befunde also nahe, dass
Nutzer die In teraktionsdauer auc h b ei un tersc hiedlic her Usabilit y des Systems
adäquat w ahrnehmen k önnen. Sobald sie auf Grund einer Zw eitaufgab e jedo c h
w eniger Aufmerksamk eit für das V erfolgen der Zeit hab en, k omm t es zu einer
als kürzer eingesc hätzten Dauer.
T eilfrage b): Wie b eeinflussen die manipulierten In teraktionsc harak-
terisik a die Dauerb ew ertung?
Bei niedriger Usabilit y b ew erteten die Probanden die Dauer der In teraktion
als negativ er als b ei hoher Usabilit y . Dies en tspric h t der tatsäc hlic hen Dauer,
die b ei niedriger Usabilit y länger als b ei hoher Usabilit y w ar. Da die Usabili-
t y jedo c h ein Zwisc hensub jektfaktor w ar, stand den Probanden k ein V ergleic h
zwisc hen der Dauer mit hoher und niedriger Usabilit y zur V erfügung. Da-
her k ann angenommen w erden, dass die Probanden einen in ternen V ergleic hs-
w ert hatten, w as eine kurze o der eine angemessene Dauer für die b esc hrieb ene
Aufgab e w äre. Solc h ein V ergleic h zwisc hen erlebter und angemessener Dauer
k önn te der Dauerb ew ertung zu Grunde liegen. Ein solc her Prozess ist v ergleic h-
bar mit dem v on T anak a und Y otsumoto (2017) v orgesc hlagenen Prozess zur
En tsteh ung v on Zeitflussb eurteilungen. Die Autoren argumen tieren auf Basis
84

6.3. DISKUSSION
mehrerer exp erimen teller Arb eiten, dass ein Empfinden üb er den Zeitlfuss auf
Basis der Diskrepanz zwisc hen erlebter Zeit und zeitlic her Erw artung en tsteh t.
Für die En tsteh ung v on Dauerb ew ertungen k önn te ein ähnlic her Prozess an-
genommen w erden.
Ein Effekt des lauten Denk ens auf die Dauerb ew ertung wurde nic h t gefun-
den. Das Ausbleib en dieses Effekts trotz eines Un tersc hieds in der tatsäc hlic hen
Dauer k önn te v ersc hiedene Ursac hen hab en und m uss mit V orsic h t in terpretiert
w erden, da fehlende Evidenz für einen Effekt nic h t als Evidenz für die Null-
h yp othese gesehen w erden darf. Eine möglic he Ursac he k önn te in dem eb en
b esc hrieb en V ergleic hsprozess liegen. Zum einen k önn ten Probanden durc h die
Zw eitaufgab e eine höhere angemessene Dauer v eransc hlagt hab en. Dadurc h
k ann eine längere Dauer mit Zw eitaufgab e also genauso kurz, angemessen und
akzeptab el w ahrgenommen w erden wie eine kürzere Dauer ohne Zw eitaufgab e.
Zum anderen zeigten sic h V erzerrungen in der Dauersc hätzung zwisc hen den
b eiden Grupp en mit und ohne lautes Denk en. Es k önnte also auch sein, dass
die längeren Dauern nic h t als länger o der unangemessener b ew ertet wurden,
da die V erlängerung du rc h das laute Denk en gar nic h t b emerkt wurde.
Zusammengefasst hatte die V ariation des Systems und nic h t ab er der Auf-
gab e einen Einfluss auf die Dauerb ew ertung. Der Einfluss ähnelte den Effekten
der unabhängigen V ariablen Usability auf die abhängige V ariable gesc hätzte
In teraktionsdauer.
T eilfrage c): W elc hen Zusammenhang gibt es zwisc hen der In terakti-
onsdauer und v ersc hiedenen Maßen der Dauerw ahrnehm ung inner-
halb v on Nutzern?
Wie erw artet, zeigte sic h ein stark er Zusammenhang zwisc hen der tatsäc h-
lic hen und der gesc hätzten Aufgab endauer: Je länger ein Proband für eine
Aufgab e brauc h te, umso länger sc hätzte er die Dauer ein. Dies stimm t mit
sk alaren Eigensc haften v on Dauersc hätzungen üb erein, wie sie b eispielsw eise
in der STT (Gibb on, 1977) b esc hrieb en w erden. P assend hierzu zeigte sic h,
dass die Dauerb ewertung mit steigender ob jektiv er so wie gesc hätzter Aufga-
b endauer negativ er wurde. Diese K orrelationen zeigten jedo c h eine w esen tlic h
geringere V arianzaufklärung. Daher stellt sic h die F rage, w elc he w eiteren Ein-
flüsse auf die Dauerb ewertung v orliegen k önn ten.
85

KAPITEL 6. STUDIE I: EFFEKTE V ON SYSTEM UND A UF GABE A UF
D A UER W AHRNEHMU NG
T eilfrage d): W elc he Zusammenhänge gibt es zwisc hen den Maßen
der Dauerw ahrnehm ung und den K omp onen ten des Nutzererleb ens
innerhalb v on Nutzern?
Ein möglic her Ansatzpunkt für die eb en genann te F rage liegt in der Beac h-
tung der UX-b ezogenen Maße. Die Innersub jektk orrelationen zeigten mittlere
bis hohe K orrelationen zwisc hen der Dauerb ew ertung und den Sk alen w ahrge-
nommene Usabilit y und w ahrgenommene A ttraktivität: Je negativ er die Dau-
erb ew ertung w ar, umso negativ er w ar auc h das Nutzererleb en. Für d iese Sk a-
len zeigte sic h jedo c h k ein signifik an ter Zusammenhang zu der tatsäc hlic hen
und gesc hätzten Aufgab endauer. Aus diesen Un tersc hieden im Befundm uster
k önnen zw ei Sc hlüsse gezogen. Erstens, Dauerb ew ertungen sc heinen tatsäc h-
lic h für Nutzer mit ihrem Nutzererleb en v erkn üpft zu sein, wie es Liikk anen
und Gómez Gómez (2013) p ostuliert hab en. Zw eitens, Dauerb ew ertungen sind
mehr als n ur ein anderes Maß für Dauersc hätzungen. Dies wurde b eispielsw eise
b ereits v on W earden (2015) argumen tiert und k ann hier durc h weitere Daten
gestützt w erden.
Die V alenz zeigte den stärksten Zusammenhang zur Dauerb ew ertung v on
den UX-b ezogenen Maßen. Der Zusammenhang ist nic h t üb errasc hend, da auch
andere Autoren b ereits Evidenz zwisc hen v alenz-ähnlic hen Items wie happiness
und sadness zum Zeitempfinden zeigen k onn ten (Droit-V olet et al., 2018). Die-
se Autoren n utzten jedo c h Zeitflussb eurteilungen als Op erationalisierung v on
Zeitempfinden. Die hier v orliegenden Ergebnisse stützen also die In terpretati-
on, dass das Zeitempfinden mit dem emotionalen Zustand des Nutzers k o v ariie-
ren und dies für v ersc hiedene Arten der Op erationalisierung v on Zeitempfinden
gilt.
Absc hließend k ann T eilfrage d) so b ean t w ortet w erden, dass die W ahrneh-
m ung einer In teraktionsdauer tatsäc hlic h mit dem Nutzererleb en zusammen-
hängt. Dies gilt v or allem für die Dauerb ew ertung, da diese K orrelationen zu
allen drei K omp onen ten des Nutzererleb ens zeigte. Dies stützt die Annahme,
dass die Dauerb ewertung als Ergebnis des V ergleic hs zwisc hen erlebter und
angemessener Dauer in das Nutzererleb en eingeb etet wird. Für w elc he K om-
p onen te des Erleb ens sie jedo c h b esonders relev an t ist, k ann auf Basis dieser
Studie nic h t b ean t w ortet w erden.
86

6.3. DISKUSSION
6.3.2 Limitationen v on Studie I - Ableitung v on Studie
I I
In Studie I arb eiteten Probanden mit lediglic h einer W ebseite, w o durch un-
klar ist, wie stark die Befunde v erallgemeinert w erden k önnen. Darüb er hinaus
basieren manc he gezogenen Sc hlüsse auf einem Nullb efund, wie b eispielsw ei-
se die Annahme, dass Probanden längere In teraktionsdauern nic h t b emerk en,
w enn diese durc h lautes Denk en v erlängert w erden. In Studie I I sollen daher
die gefundenen und nic h t-gefundenen Effekte mit Hilfe eines anderen V ersuc hs-
materials repliziert w erden, um zum einen durc h die Replik ation b elastbarere
Sc hlüsse ziehen zu k önnen und zum anderen durc h das v eränderte V ersuc hs-
material eine Grundlage für allgemeinere Sc hlüsse zu sc haffen. Darüb er hinaus
k ann das Nic h t-Finden manc her Effekte auc h an einer zu kleinen Stic hprob e ge-
legen hab en, w esw egen in Studie I I eine Erhöh ung der Stic hprob engröße erfolgt.
Auc h der Effekt des lauten Denk ens auf die V erzerrung der Sc hätzung sollte
durc h einer V ergrößerung der Stic hprob engröße zuv erlässiger testbar sein.
Eine zw eite Limitation v on Studie I liegt in der einseitigen Op erationali-
sierung des Zeitempfindens durc h die Dauerb ewertung. Diese Op erationalisie-
rung en tspric h t der v on Liikk anen und Gómez Gómez (2013) v orgesc hlagenen
K onzeption sub jektiv erlebter Zeit. In der Literatur zum Zeitempfinden w er-
den jedo c h auc h häufig A ttribute abgefragt, die sic h mehr auf den Zeitfluss
w ährend der erlebten Dauer als auf die absc hließende Bew ertung der Dauer
b eziehen (vgl. P oTJs, wie z.B. „Die Zeit zog sic h”, Sac k ett et al., 2010; Sucala
et al., 2011). Daher soll die Dauerb ew ertung in Studie I I um eine V ariable zur
Zeitflussb eurteilung erw eitert w erden. Hier stellen sic h eb enfalls die F ragen, in
wie w eit diese neue V ariable in ähnlic her W eise wie die Dauerb ew ertung v on
den In teraktionc harateristik a b eeinflusst wird und in wie w eit sie V arianz mit
t ypisc hen UX-b ezogenen Maßen teilt.
6.3.3 F azit
Bezogen auf die F rage, in wie w eit Nutzer In teraktionsdauern w ahrnehmen
(F orsc h ungsfrage 1), zeigte Studie I, dass Nutzer w ährend der In teraktion mit
einer W ebseite dazu in der Lage sind, Dauern adäquat einzusc hätzen und sie zu
b ew erten. Die Sc hätzung k ann jedo c h durc h eine Zw eitaufgab e v erkürzt w erden
87

KAPITEL 6. STUDIE I: EFFEKTE V ON SYSTEM UND A UF GABE A UF
D A UER W AHRNEHMU NG
(vgl. A GM Blo c k & Zak a y, 1996; Zak a y & Blo c k, 1995, 1997). Diese V erzerrung
spiegelt sic h auc h in der Bew ertung wider: Systematisc he V erlängerungen der
Dauer durc h sc hlec h te Usability w erden b emerkt, ric h tig eingesc hätzt und füh-
ren zu einer sc hlec h teren Bew ertung. Systematisc he V erlängerungen durc h eine
zusätzlic he Aufgab e w erden hingegen nic h t b emerkt und bringen k eine sc hlec h-
tere Bew ertung mit sic h. Bezüglic h der zw eiten F orsc h ungsfrage zum Zusam-
menhang zwisc hen Dauerw ahrnehm ung und Nutzererleb en, k ann zusammenge-
fasst w erden, dass v or allem die Dauerb ew ertung und nich t die Dauersc hätzung
mit den v ersc hiedenen K omp onen ten des Nutzererleb ens k orreliert: Je b esser
die Dauer b ew ertet wird, desto p ositiv er wird auc h das Nutzererleb en b eur-
teilt. Insgesam t stützen die Daten also die Annahme, dass die Dauersc hätzung
zu einer Dauerb ewertung führt, die in das Nutzererleb en in tegriert wird.
88

Kapitel 7
Studie I I: V alidierung der Effekte
v on System und Aufgab e auf
Dauerw ahrnehm ung
Studie I I stellt eine F ortführung v on Studie I mit einem ähnlic hen V ersuc hs-
design dar, in dem V ersuc hsp ersonen v ersc hiedene Aufgab en mit Hilfe einer
W ebseite b earb eiten. Dab ei w erden zeitb ezogene V ariablen so wie das Nutzer-
erleb en der V ersuc hsp ersonen gemessen. In Studie I I wird jedo c h eine andere
W ebseite als V ersuc hsmaterial gen utzt, in der sic h die In teraktionselemen te
stärk er zwisc hen den Aufgab en un tersc heiden. Darüb er hinaus wird die Op e-
rationalisierung der Dauerb ew ertung um Zeitflussb eurteilungen erw eitert. Auf
Basis dieser Studie w erden die gleic hen T eilfragen zur F orsc h ungsfrage 1 b e-
an t w ortet w erden , wie in Studie I:
a) K önnen Nutzer die Dauer einer Mensc h-Computer-In teraktion adäquat
w ahrnehmen?
b) Wie b eeinflussen die manipulierten In teraktionsc harakterisik a das Zeit-
empfinden?
c) W elc hen Zusammenhang gibt es zwisc hen der In teraktionsdauer und v er-
sc hiedenen Op erationalisierungen der Dauerw ahrnehm ung innerhalb v on
Nutzern?
Zu T eilfrage a) wi rd erw artet, dass Nutzer auf der einen Seite unabhängig
v on der Usabilit y des Systems die Dauer ric h tig einsc hätzen, auf der anderen
89

KAPITEL 7. STUDIE I I: V ALIDIER UNG DER EFFEKTE V ON SYSTEM
UND A UF GABE A UF D A UER W AHRNEHMUNG
Seite ab er auf Grund des lauten Denk ens eine v erzerrte Sc hätzung abgeb en.
In dieser Studie soll der In terferenzeffekt mit neuen Aufgab en auf anderen
W ebseiten gezeigt w erden. Bezüglic h T eilfrage b) wird auc h in Studie I I ein
stark er Einfluss der Usabilit y auf die Dauerb ew ertung erw artet. Ob es für
die Zeitflussb eurteilung als zusätzlic he Op erationalisierung des Zeitempfindens
einen ähnlic hen Effekt gibt, k ann darüb er hinaus geprüft w erden. Neb en diesen
Effekten des faktoriellen Designs w erden in Studie I I auc h wieder die Zusam-
menhänge zwisc hen In teraktionsdauer und Dauerw ahrnehm ung so wie zwisc hen
den Maßen der Dauerw ahrnehm ung b etrac h tet (T eilfrage c)). Bezogen auf F or-
sc h ungsfrage 2 w erden zudem die Korrelationen zwisc hen Dauerwahrnehm ung
und Nutzererleb en geprüft:
d) W elc he Zusammenhänge gibt es zwisc hen den Maßen der Dauerw ahr-
nehm ung und den K omp onen ten des Nutzererleb ens innerhalb v on Nut-
zern?
7.1 Metho de
Studie I I entstand als F ortführung v on Studie I. Studiendesign, Studien v orb e-
reitung, die Analysen und die v orliegenden Besc hreibungen stammen v on der
V erfasserin dieser Arb eit. Die Erhebung der Daten wurde durc h die V erfasserin
und Lena Mro w etz im Rahmen einer Bac helorarb eit durc hgeführt (Mro w etz,
2016).
7.1.1 T eilnehmer
An Studie I I nahmen N = 80 T eilnehmer teil, w o v on die Hälfte männlic h
und die andere Hälfte w eiblic h w ar. Probanden, die b ereits an Studie I teilge-
nommen hatten, wurden v on der Rekrutierung ausgesc hlossen. Die Probanden
w aren im Mittel M = 25.13 Jahre ( S D = 3.35) alt. Ähnlic h wie in Studie I
w aren die meisten T eilnehmenden Studierende der TU Berlin (89%). Die Pro-
banden k onn ten V ersuc hsp ersonenstunden o der 8 A C für die T eilnahme erhalten.
V or Beginn der Studie wurde das Studiendesign durc h die lok ale Ethikk ommis-
sion geprüft. Die Besc heinigung dieser Prüfung ist im Anhang E.2 zu finden.
90

7.1. METHODE
7.1.2 Studiendesign
Das exp erimen telle Setting w ar iden tisc h zu Studie I. Die W ebseite, mit der
die Probanden in teragierten, w ar ab er gegen üb er Studie I gegen eine Bro wser-
Ob erfläc he eines fiktiv en Cloud-Services ausgetausc h t worden (siehe Abb. 7.1).
Auc h diese W ebseite lag in niedriger und hoher Usabilit y v or. Da die W ebsei-
te ein Protot yp w ar und nic h t v oll funktionstüc h tig, wurde die Exploration
der Seite durc h eine vierte Aufgab e ersetzt. Studie I I basierte wie Studie I
auf einem zw ei-faktoriellen Design mit den Zwisc hensub jektfaktoren Usability
(niedrig vs. ho ch) und lautes Denken (mit vs. ohne). Die Zuordn ung der Pro-
banden zu den vier Grupp en erfolgte randomisiert, so dass in jeder Grupp e
20 Probanden w aren. Die Aufteilung der Probanden zu den Grupp en inklusiv e
der Reihenfolge der Aufgab en k ann in Anhang E.1.1 eingesehen w erden.
ABBILDUNG 7.1: W ebseite aus Studie I I für Aufgab e A. Ob en hohe Usabilit y , un ten
niedrige Usabilit y .
91

KAPITEL 7. STUDIE I I: V ALIDIER UNG DER EFFEKTE V ON SYSTEM
UND A UF GABE A UF D A UER W AHRNEHMUNG
7.1.3 V ersuc hsablauf
Der V ersuchsablauf v on Studie I I en tsprac h dem v on Studie I. Auf Grund der
v eränderten W ebseite wurden die Probanden ab er mit anderen Aufgab en k on-
fron tiert. Dazu wurden sie zunäc hst instruiert, sic h v orzustellen, dass sie in
einer großen Firma arb eiteten und ein K ollege sie geb eten hatte, ein paar Auf-
gab en für ih n zu üb ernehmen. Aus d iesem Grund w aren sie mit dem A ccoun t
ihres K ollegens auf der W ebseite eines Cloud-Services eingeloggt. Dort sollten
sie vier Aufgab en lösen, die in T ab elle 7.1 aufgelistet sind. Für die V ersion
der W ebseite mit niedriger Usabilit y wurden für jede Aufgab e un terschiedlic he
Usabilit y-Probleme in tegriert, die eb enfalls in T ab elle 7.1 dargestellt sind.
Für jede Aufgab e standen den Probanden jew eils vier Min uten zur V er-
fügung. F alls ein Proband die Aufgab e nac h Ablauf dieser Zeit nic h t erle-
digt hatte, wurde er aufgefordert, den V ersuch abzubrec hen und auf „ w eiter“
zu klic k en. Nac h jeder Aufgab e so wie am Ende des Exp erimen ts füllten die
Probanden einen F rageb ogen zur Messung der abhängigen V ariablen aus. Die
demographisc hen V ariablen wurden zum Ende des Exp erimen ts abgefragt. Ins-
gesam t dauerte das Exp erimen t ca. 40 Min uten pro Proband. 1
7.1.4 Material
Die b eiden V ersionen der W ebseite wurde v on der V erfasserin in html und css
programmiert. Während der Programmierung fanden iterativ e T estungen der
b eiden V ersionen mit N = 12 T eilnehmern statt, um auf der einen Seite einen
Un tersc hied in der Usabilit y zwisc hen den b eiden W ebseiten und auf der an-
deren Seite die V erständlichk eit der Aufgab en zu garan tieren. Hierzu wurden
qualitativ e als auc h quan titativ e V ariablen erfasst. Da die T estungen zu v er-
sc hiedenen En t wic klungsstufen durc hgeführt wurden, k önnen k eine sinnv ollen
Mittelw erte der quan titativ en Daten der V ortestungen b eric hte t w erden. V er-
gleic h t man ab er die Mittelw erte der meCue Sk ala Gebrauc hstauglic hk eit aus
dem hier präsen tierten Datenset, zeigt sic h ein signifik an ter Un tersc hied zwi-
1 Auc h in diesem Exp erimen t wurden no c h weitere V ariablen gemessen (z.B. zum V er-
trauen), die in dieser Arb eit nic h t v orgestellt w erden. Zusätzlich wurden die Äußerungen der
Probanden mit lautem Denk en aufgezeic hnet, w esw egen alle Probanden w ährend des gesam-
ten Exp erimen ts ein Head-Set trugen und zu Beginn des Exp erimen ts eine Baseline-Messung
der Stimme absolvierten.
92

7.1. METHODE
sc hen den Usabilit ygrupp en, t (78) = -7.73, p < 0.001, d = -1.7. Die Grupp e,
die mit der W ebseite mit hoher Usabilit y arb eitete, b ew ertete die Usabilit y
also sub jektiv b esser als die Grupp e, die mit der anderen W ebseite arb eitete.
Eine genauere Analyse der Effekte des exp erimen tellen Designs auf die UX-
b ezogenen Maße wird in den Ergebnissen präsen tiert.
T ABELLE 7.1: Aufgab en und Usabilit y-Probleme in Studie I I.
Aufgab e Usabilit y-Problem b ei W ebseite
mit niedriger Usabilit y
A Datei finden, in dieser Datei ei-
ne Information herausfiltern und
auf der Grundlage dieser Infor-
mation eine andere Datei um b e-
nennen
in transparen te Ordnerstruktur,
wic h tige Informationen sind
nic h t direkt ersic h tlic h
B herausfinden, w er v eran t w ortlic h
für den Supp ort b ei dem Cloud-
Service ist
automatisc hes W eiterleiten zu ei-
ner uninformativ en Seite, w as die
Suc he ersc h w ert
C die p ersönlic hen Informationen
des K ollegens v erändern (z.B. T e-
lefonn ummer)
kleine Sc hriftgröße, uneindeutige
Benenn ung, teilw eise v ertausc h-
te P osition v on Links (Abbrec hen
und Sic hern), unpassende F arb-
gebung (grüner Button für Can-
cel), un v erständlic he F ehlermel-
dung
D ein Bilderalbum auf die ric h tige
Größe k omprimieren, damit das
Album geteilt w erden k ann
ungew öhnlic he P osition v on
wic h tigen Informationen, un-
praktik able Sortierung v on
Listen, großer Scroll-Aufw and
93

KAPITEL 7. STUDIE I I: V ALIDIER UNG DER EFFEKTE V ON SYSTEM
UND A UF GABE A UF D A UER W AHRNEHMUNG
7.1.5 Op erationalisierung der abhängigen V ariablen
Die abhängigen V ariablen u mfassten die gleic hen zeit- und UX-b ezogene V a-
riablen wie Studie I, die auf die gleic he Art und W eise gemessen wurden. Die
Liste der V ariablen ist in T ab elle 7.2 zur b esseren Üb ersic h tlic hk eit dargestellt.
Die abhängigen V ariablen wu rden um die wahr genommene Schnel ligkeit zur
Erfassung der Zeitflussb eurteilung ergänzt, w elc hes wie die Dauerb ew ertungen
auf einem seman tisc hen Differen tial mit 11 Abstufungen v on schnell (1) bis
langsam (11) basierte 2 . Dieses Maß en tspric h t einer Zeitflussb eurteilung, wie
sie v on v ersc hiedenen Autoren b ereits gen utzt wurde (z.B. Droit-V olet & W ear-
den, 2016; Droit-V olet et al., 2017; Gorn et al., 2004; T anak a & Y otsumoto,
2017).
Auc h in Studie I I wurden die gen utzten Kurz-Items zur Messung des Nutzer-
erleb ens mit Sk alen eines v alidierten Maßes (meCUE, Minge et al., 2016) v er-
glic hen, um zu k on trollieren, ob die Kurz-Items v alide Maße sind. Dazu wurde
der meCUE nac h der Bew ertung der vierten Aufgab e eingesetzt. Es zeigte sic h
erneut eine hohe K orrelation zwisc hen dem Kurz-Item zur w ahrgenommenen
Usabilit y am vierten Messzeitpunkt mit der meCUE-Sk ala sub jektiv e Usabili-
t y , r = 0.84, p < 0.001, und eine mittlere K orrelation zwisc hen dem Kurz-Item
zur w ahrgenommenen A ttraktivität am vierten Messzeitpunkt zur meCUE-
Sk ala visuelle Ästhetik, r = 0.47, p < 0.001. Auc h w enn die w ahrgenommene
A ttraktivität in diesem Datenset n ur einen mittleren Zusammenhang zur visu-
ellen Ästhetik zeigte, w erden die Kutz-Items als ausreic hend v alide angesehen,
2 Das Item w ahrgenommene Sc hnelligk eit wurde zum b esseren V ergleic h für die Beschrei-
bung und Analyse gegen üb er der Erhebung in vertiert.
T ABELLE 7.2: Üb ersic h t der abhängigen V ariablen in Studie I I.
zeitb ezogenen
V ariablen
Aufgab endauer, gesc hätzte Aufgab endauer, PTRs,
Dauerb ew ertung (w ahrgenommene Länge, w ahrgenom-
mene Unangemessenheit und w ahrgenommene In-
akzeptabilität), Zeitflussb eurteilung (w ahrgenommene
Sc hnelligk eit der Dauer)
UX-b ezogene
V ariablen
w ahrgenommene Usabilit y , w ahrgenommene A ttrakti-
vität, V alenz und Arousal
94

7.1. METHODE
da k eine sehr hohe K orrelation zwisc hen zw ei v erw andten ab er nic h t iden ti-
sc hen K onstrukten zu erw arten w ar.
Alle F rageb ögen und Instruktionen wurden mit Hilf e v on soscisurv ey .de dar-
geb oten, w ährend die Ein v erständniserklärung und das Emotionsmaß den Pro-
banden in P apierform v orgelegt wurden.
7.1.6 Hyp othesen
Die Hyp othesen werden zusammen mit der en tsprec henden Nummerierung aus
Studie I üb ernommen, um einen direkten V ergleic h zu erleic h tern. Ähnlic h wie
in Studie I w erden neb en den Hyp othesen auch andere Haupt- und In ter-
aktionseffekte in den Daten explorativ un tersuc h t, um eine möglic hst hohe
V ergleic h bark eit zwisc hen Studie I und S tudie I I zu gew ährleisten.
Hyp othesen zur T eilfrage a): Einfluss der UV n auf die Dauer, die
gesc hätzte Dauer und die V erzerrung der Sc hätzung
Analog zu Studie I w erden die Hyp othesen I I.1 und I I.2 zu den Effekten v on
lautem Denk en und Usabilit y auf die Aufgab endauer b eib ehalten (Hyp. I I.1:
β lautesD enk en < 0 ; Hyp. I I.2 : β U sability > 0 ). Da in Studie I ein Effekt der
Usabilit y auf die gesc hätzte Aufgab endauer gefunden wurde, wird Hyp othese
I I.10 zum Effekt der Usabilit y neu form uliert. Eb enfalls neu form uliert wird
Hyp othese I I.11 zum Effekt des lauten Denk ens auf die Sc hätzv erzerrungen
(PTR), der in Studie I gefunden wurde.
Hyp othese I I.10 : Die gesc hätzte Aufgab endauer ist signifi-
k an t kürzer in der Grupp e mit hoher Usabilit y als in der Grupp e
mit niedriger Usabilit y . Dies zeigt sic h in einer p ositiv en Stei-
gung: β U sabil ity > 0 .
Hyp othese I I.11 : Die PTRs sind signifik an t kleiner in der Grup-
p e mit lautem Denken als in der Grupp e ohne lautes Denk en.
Dies zeigt sic h in einer p ositiv en Steigung: β l autesD enk en > 0 .
95

KAPITEL 7. STUDIE I I: V ALIDIER UNG DER EFFEKTE V ON SYSTEM
UND A UF GABE A UF D A UER W AHRNEHMUNG
Hyp othesen zur T eilfrage b): Einfluss der UV n auf die Dauerb ew er-
tung und die Zeitflussb eurteilung
Ob sic h die drei Items der Dauerb ew ertung auc h hier wieder in einer K omp o-
nen te zusammenfassen lassen, wird erneut geprüft. Auf Basis der ersten Studie
wird für diese zusammgefasste Dauerb ew ertung ein Haupteffekt der Usabili-
t y erw artet, w as zu der neuen Hyp othese I I.12 (i) führt. Zusätzlic h wird ein
ähnlic her Effekt auf die Zeitflussb eurteilung erw artet.
Hyp othese I I.12 (i) bis (ii) : In der Grupp e mit hoher Usabilit y
zeigt sic h ein signifik an t geringerer W ert als in der Grupp e mit
niedriger Usabilit y in Bezug auf (i) die Dauerb ew ertung , (ii)
die Zeitflussb eurteilung . Dies zeigt sic h in p ositiv en Steigun-
gen: β U sabil ity
′ s > 0 .
Hyp othesen zur T eilfrage c): Innersub jektk orrelation zwisc hen den
zeitb ezogenen Maßen
Die zeitb ezogenen V ariablen w erden erneut auf ihren Zusammenhang un terein-
ander un tersuc h t. Hier w erden p ositiv e K orrelationen zwisc hen Aufgab endau-
er und Dauerw ahrnehm ung erw artet (siehe Hyp. I I.3 (i) bis (iii) in T ab 7.3).
Zusätzlic h sollten die Maße der Dauerw ahrnehm ung p ositiv miteinander k or-
relieren (siehe Hyp. I I.4 (i) und (ii) so wie I I.13 in T ab 7.3).
Hyp othesen zur T eilfrage d): Innersub jektk orrelationen zwisc hen
den zeitb ezogenen Maßen und dem Nutzererleb en
In Anlehn ung an Studie I w erden für die Zusammenhänge zwisc hen zeit- und
UX-b ezogenen V ariablen negativ e bzw. ungeric h tete K orrelationen erw artet.
Hier w erden die Hyp othesen I I.5 bist I I.8 üb ernommen und für die Zeitfluss-
b eurteilung ergänzt (siehe Hyp. I I.5 bis I I.8 jew eils (i) bis (iv) in T ab 7.3).
Zusätzlic he Hyp othesen: Effekte der UV n auf die UX-b ezogenen V a-
riablen
Auc h in Studie I I w erden die Effekte der unabhängigen V ariablen auf die UX-
b ezogenen Maße b etrac htet, um die K orrelationen zwisc hen den zeit- und UX-
b ezogenen Maßen b esser einordnen zu k önnen. Dazu w erden die Hyp othesen
96

7.1. METHODE
T ABELLE 7.3: K orrelationsh yp othesen. Erw artet w erden Innersub jektk orrelationen
der jew eils angegeb enen Ric h tung. Gegenüber der en tsprec henden T ab elle zu Studie I
wurde die Spalte für die Zeitflussb eurteilung ergänzt.
Aufgab en-
dauer
gesc hätzte
Aufg.dauer
Dauer-
b ew ertung
Zeitfluss-
b eurteilung
Aufgab endauer
Hyp. I I.3 (i): r > 0 (ii): r > 0 (iii): r > 0
gesc hätzte Aufgab endauer
Hyp. I I.4 (i): r > 0 (ii): r > 0
Dauerb ew ertung
Hyp. I I.13 r > 0
w ahrg. Usabilit y
Hyp. I I.5 (i): r < 0 (ii): r < 0 (iii): r < 0 (iv): r < 0
w ahrg. A ttraktivität
Hyp. I I.6 (i): r < 0 (ii): r < 0 (iii): r < 0 (iv): r < 0
V alenz
Hyp. I I.7 (i): r < 0 (ii): r < 0 (iii): r < 0 (iv): r < 0
Arousal
Hyp. I I.8 (i): r = 0 (ii): r = 0 (iii): r = 0 (iv): r = 0
I I.9 (i) bis (iv) ( β U sability
′ s < 0 ) zum Effekt der Usabilit y auf die UX-
b ezogenen Maße (i) wahrgenommene Usabilit y , (ii) w ahrgenommene A ttrakti-
vität, (iii) V alenz und (iv) Arousal üb ernommen.
7.1.7 Datenanalyse
Die Datenanalyse erfolgt auf die gleic he Art und W eise wie in Studie I. Es
w erden die gleic hen statistisc hen Programme und P ak ete gen utzt. Auf Grund
der neuen Aufgab e lautet das gefittete Mo dell für die Analyse wie folgt:
AV ∼ 1 + (Usability + lautes Denken) 2 +
A vs. B + B vs. C + C vs. D +
(1 + A vs. B + B vs. C + C vs. D ⏐ ⏐ ⏐ ⏐ Versuchsperson)
97

KAPITEL 7. STUDIE I I: V ALIDIER UNG DER EFFEKTE V ON SYSTEM
UND A UF GABE A UF D A UER W AHRNEHMUNG
7.2 Ergebnisse
7.2.1 Ergebnisse zur T eilfrage a): Einfluss der UV n auf
die Dauer, die gesc hätzte Dauer und die V erzerrung
der Sc hätzung
Die Analyse zur Aufgab end auer, gesc hätzten Aufgab endauer und zur V erzer-
rung der Sc hätzung in F orm der PTRs m ussten auf Grund der V erletzung
der Normalv erteilungsannahme mit log-transformierten W erten durc hgeführt
w erden. Die Ergebnisse sind in T ab elle 7.4 abgebildet.
Im Mittel brauc h ten die Probanden M = 143.13 Sek. ( S D = 63.46 Sek. )
pro Aufgab e. Wie erwartet, zeigten sic h signifik an te Effekte des lauten Denk ens
und der Usabilit y auf die Aufgab endauer. Lautes Denk en führte im V ergleic h
zu k einem lauten Denk en zu einer durc hsc hnittlichen V erlängerung der Dauer
um M = 35.98 Sek. (Hyp. I I.1: β l autesD enk en < 0 ) und hohe Usability führte
im V ergleic h zu niedriger Usabilit y zu einer um M = 55.45 Sek. kürzeren
Aufgab endauer (Hyp. I I.2: β U sabil ity > 0 ). Beide Effekte w aren zudem T eil
einer In teraktion die in Abbildung 7.2 a) abgebildet ist. Hier wird deutlic h,
dass der v erlängernde Effekt des lauten Denk ens v or allem b ei hoher Usabilit y
zum T ragen k am. Darüb er hinaus zeigten sic h signifik an te Un tersc hiede in der
mittleren Aufgab endauer zwischen den Aufgab en.
Mit einer Sc hätzung v on M = 176.71 Sek. ( S D = 97.32 Sek.) üb ersc hätzten
die Probanden die Dauer im Mittel. In der Analyse zeigte sic h der erw artete
Effekt der Usabilit y auf die gesc hätzte Dauer (Hyp. I I.10: β U sability > 0 ). Pro-
banden, die mit der hohen Usabilit y arb eiteten, sc hätzten die Aufgab endauer
im Mittel als M = 60.47 Sek. kürzer ein als diejenigen, die mit niedriger Usabi-
lit y k onfron tiert w aren. Usabilit y w ar ab er auc h T eil einer zw eifac h In teraktion
mit lautem Denk en, die in Abbildung 7.2 b) dargestellt ist. In der Abbildung
wird deutlic h, dass der Un tersc hied zwisc hen den Usabilit y-Stufen w esen tlic h
stärk er ausgeprägt w ar für Probanden, die nic h t laut dac h ten. Bezüglic h der
Üb ersc hätzungsstärk e (PTRs) zeigte sic h der erw artete Haupteffekt des lauten
Denk ens (Hyp. I I.11: β l autesD enk en > 0 ). Während alle Probanden im Mittel
zu einer Üb erschätzung der Dauern neigten, taten sie dies in der Grupp e ohne
lautes Denk en stärk er, siehe Abb. 7.2 c).
98

7.2. ER GEBNISSE
T ABELLE 7.4: Effekte der UV n auf log-transformierte Dauer, log-transformierte
Dauersc hätzung und log-transformierte PR T.
β -Gewic h t 95% K onf. Std. F ehler t -W ert
Effekte auf log-transformierte Aufgab endauer
In tercept 4.86 [4.81, 4.91] 0.03 178.16 *
laut. D. mit/ohne -0.30 [-0.41, -0.19] 0.05 -5.44 *
Usab. ho c h/niedrig 0.42 [0.31, 0.53] 0.05 7.67 *
laut. D.:Usab. 0.41 [0.2, 0.63] 0.11 3.79 *
Aufgab e A/B -0.29 [-0.38, -0.2] 0.04 -6.50 *
Aufgab e B/C 0.09 [0.01, 0.18] 0.04 2.11 *
Aufgab e C/D 0.25 [0.17, 0.34] 0.04 5.65 *
Random Effect Struktur: (1 ⏐ ⏐ V er suchsper son )
R 2
GLM M ( m ) : 44.7 %, R 2
GLM M ( c ) : 62.7 %
Effekte auf log-transformierte gesc hätzte Aufgab endauer
In tercept 5.024 [4.94, 5.11] 0.044 115.393 *
laut. D. mit/ohne -0.086 [-0.26, 0.09] 0.087 -0.987
Usab. ho c h/niedrig 0.373 [0.2, 0.55] 0.087 4.278 *
laut. D.:Usab. 0.488 [0.14, 0.83] 0.174 2.801 *
Aufgab e A/B -0.220 [-0.34, -0.1] 0.061 -3.590 *
Aufgab e B/C 0.008 [-0.11, 0.13] 0.061 0.125
Aufgab e C/D 0.192 [0.07, 0.31] 0.061 3.160 *
Random Effect Struktur: (1 ⏐ ⏐ V er suchsper son )
R 2
GLM M ( m ) : 19 %, R 2
GLM M ( c ) : 54.6 %
Effekte auf log-transformierte PTR
In tercept 0.169 [0.1, 0.24] 0.036 4.642 *
laut. D. mit/ohne 0.228 [0.08, 0.37] 0.073 3.122 *
Usab. ho c h/niedrig -0.047 [-0.19, 0.1] 0.073 -0.643
laut. D.:Usab. 0.086 [-0.2, 0.38] 0.146 0.589
Aufgab e A/B 0.088 [-0.01, 0.18] 0.048 1.838
Aufgab e B/C -0.096 [-0.19, 0] 0.048 -2.005 *
Aufgab e C/D -0.069 [-0.16, 0.02] 0.047 -1.461
Random Effect Struktur: (1 ⏐ ⏐ V er suchsper son )
R 2
GLM M ( m ) : 9.1 %, R 2
GLM M ( c ) : 53.5 %
Anmerkung : Die Sterne geb en an, ob der Effekt auf einem Signifik anzniv eau v on
α = . 05 und zw eiseitiger T estung signifik an t ist.
99

KAPITEL 7. STUDIE I I: V ALIDIER UNG DER EFFEKTE V ON SYSTEM
UND A UF GABE A UF D A UER W AHRNEHMUNG
30
60
120
180
240
300
niedrige Usability hohe Usability
A ufgabendauer [sec]
lautes Denken
mit
ohne
a) Interaktionseff ekt lautes Denken
und Usability auf A ufgabendauer
30
60
120
180
240
300
niedrige Usability hohe Usability
geschätzte A ufgabendauer [sec]
lautes Denken
mit
ohne
b) Interaktionseff ekt lautes Denken
und Usab . auf geschätzte A ufgabendauer
0.9
1
1.1
1.2
1.3
1.4
mit lautem Denken ohne lautes Denken
PTR − perceiv ed time ratio
c) Eff ekt von lautem Denk en
auf PTR

ABBILDUNG 7.2: Effekte der unabhängigen V ariablen auf log-transformierte Auf-
gab endauer, log-transformierte gesc hätzte Aufgab endauer und log-transformierte
PTRs. Die F ehlerbalk en stellen K onfidenzin terv alle der Standardfehler (95 %) k orri-
giert für Innersub jektfaktoren (Cousineau, 2005; Morey, 2008) dar. Die Besc hriftung
der y-A c hsen für die log-transformierten Daten sind rüc ktransformiert, um die In-
terpretation der W erte zu erleic h tern. Für die PTRs en tspric h t ein W ert v on 1 einer
p erfekten Sc hätzung.
100

7.2. ER GEBNISSE
Die p ost-ho c P ow eranalysen zur T eilfrage a) zeigten (Anhang E.3), dass
die erw arteten Effekte der Usabilit y auf die Aufgab endauer und die gesc hätz-
te Aufgab endauer so wie die erw arteten Effekte des lauten Denk ens auf die
Aufgab endauer und die Üb ersc hätzungsstärk e (PTRs) auf Basis der hier v or-
liegenden Effektstärk en als so groß eingesc hätzt w erden k önnen, dass sie mit
der v orliegenden Stic hprob engröße auc h in einer Replik ation zu finden sein
sollten ( 1 − β ≥ 90%). Die hier nic h t signi fik an ten Effekte hatten hingegen
in den v orliegenden Daten zu kleine Effekte, um detektiert w erden zu k önnen
( 1 − β ≤ 16%).
7.2.2 Ergebnisse zur T eilfrage b): Einfluss der UV n auf
die Dauerb ew ertung und die Zeitflussb eurteilung
Analog zu Studie I wurde mit einer Hauptk omp onentenanalyse geprüft, ob sic h
die Dauerb ew ertungsitems w ahrgenommene Länge, Unangemessenheit und In-
akzeptabilität zu einer K omp onen te zusammenfassen lassen. Für die Daten des
ersten Messzeitpunktes zeigte sic h eine ausreic hende Eign ung der Daten für das
V erfahren, Bartlett-T est mit χ 2 (3) = 161.61, p < .001, Kaiser-Mey er-Olkin-
K o effizien t v on K M O = 0.67 (auf Itemeb en KMO-K o effizien ten > 0.60). Auc h
in dieser Studie sc hlugen so w ohl der MAP-T est als auc h die P arallelanalyse eine
K omp onen tenstruktur mit n ur einer K omp onen te v or. Die Analyse wurde zur
V alidierung dieser Struktur für die anderen drei Messzeitpunkte als auc h für je-
de Aufgab e wiederholt, wobei alle Analysen eb enfalls auf n ur eine K omp onen te
hin wiesen (alle Kenn w erte siehe Anhang E.4). Auf Grund der Ergebnisse der
Hauptk omp onen tenanalysen wurden für jeden Messzeitpunkt und jede V er-
suc hsp erson die W erte der drei Dauerb ew ertungsitems gemittelt und als neue
V ariable Dauerb ew ertung zusammengefasst.
Die Analysen der Dauerb ewertung und der Zeitflussb eurteilung sind in T a-
b elle 7.5 dargestellt. Wie erwartet zeigte sic h ein stark er Effekt der Usabilit y
auf die Dauerb ew ertung und auf die Zeitflussb eurteilung (Hyp. I I.12 (i) und
(ii): β U sabil ity
′ s > 0 ). Die Dauern wurden in der Grupp e mit niedriger Usa-
bilit y als länger, unangemessener und unakzeptabler so wie als langsamer v er-
gehend b ew ertet. Darüb er hinaus wurde eine In teraktion zwisc hen Usabilit y
und lautem Denk en für die Dauerb ew ertung gefunden. Die Effekte sind in Ab-
101

KAPITEL 7. STUDIE I I: V ALIDIER UNG DER EFFEKTE V ON SYSTEM
UND A UF GABE A UF D A UER W AHRNEHMUNG
bildung 7.3 visualisiert. Sie zeigt, dass der Effekt der Usabilit y in der Grupp e
ohne lautes Denk en stärk er w ar als in der Grupp e mit lautem Denk en. Dieses
Befundm uster en tspric h t der gefundenen In teraktion v on lautem Denk en und
Usabilit y auf die gesc hätzte Zeit. Die p ost-ho c P o w eranalysen zur T eilfrage b)
zeigten (Anhang E.3), dass der erw artete Effekte der Usabilit y auf die Dauer-
b ew ertung und die Zeitflussb eurteilung auf Basis der v orliegenden Daten als
so groß eingestuft w erden k ann, dass er mit gleic her Stic hprob engröße auc h in
einer folgenden Studie erneut gefunden w erden sollte ( 1 − β ≥ 92%).
kurz
angemessen
akzeptabel
lang
unangemessen
unakzeptabel

1.0
3.5
6.0
8.5
11.0
niedrige Usability hohe Usability
Dauerbew er tung
lautes Denken
mit
ohne
a) Interaktionseff ekt lautes Denken
und Usab . auf Dauerbew er tung

schnell
langsam

1.0
3.5
6.0
8.5
11.0
niedrige Usability hohe Usability
Zeitflussbeur teilung
b) Eff ekt von Usability
auf Zeitflussbeur teilung

ABBILDUNG 7.3: Effekte der unabhängigen V ariablen auf Dauerb ew ertungen und
Zeitflussb eurteilung. Die F ehlerbalk en stellen K onfidenzinterv alle der Standardfehler
(95 %) k orrigiert für Innersub jektfaktoren (Cousineau, 2005; Morey, 2008) dar.
7.2.3 Ergebnisse zu den T eilfragen c) und d): Innersub-
jektk orrelationen
Zur Betrac h tung der K orrelationen zwisc hen den zeit- und zwisc hen den zeit-
und UX-b ezogenen Maßen wurden erneut die Innersub jektk orrelationen b e-
rec hnet. Diese Zusammenhänge sind in T ab elle 7.6 dargestellt. Die Innersub-
jektk orrelationen zwisc hen den UX-b ezogenen V ariablen w aren nic h t T eil einer
Hyp othese w aren, sind ab er zur V ollständ igk eit im Anhang E.5 zu finden.
Ähnlic h zu Studie I zeigten die Innersub jektk orrelationen zwisc hen den zeit-
b ezogenen Maßen, dass längere Dauern auc h länger gesc hätzt und sc hlec h ter
102

7.2. ER GEBNISSE
T ABELLE 7.5: Effekte der unabhängigen V ariablen auf Dauerb ew ertungen und Zeit-
flussb eurteilung.
β -Gewic h t 95% K onf. Std. F ehler t -W ert
Effekte auf Dauerb ew ertung
In tercept 5.183 [4.88, 5.48] 0.151 34.387 *
laut. D. mit/ohne -0.117 [-0.71, 0.48] 0.301 -0.387
Usab. ho c h/niedrig 2.983 [2.39, 3.58] 0.301 9.896 *
laut. D.:Usab. 1.467 [0.27, 2.66] 0.603 2.433 *
Aufgab e A/B 0.388 [-0.18, 0.96] 0.289 1.343
Aufgab e B/C -1.717 [-2.28, -1.15] 0.289 -5.949 *
Aufgab e C/D 0.671 [0.1, 1.24] 0.289 2.325 *
Random Effect Struktur: (1 ⏐ ⏐ V er suchsper son )
R 2
GLM M ( m ) : 39.3 %, R 2
GLM M ( c ) : 53.2 %
Effekte auf Zeitflussb eurteilung
In tercept 4.978 [4.67, 5.29] 0.155 32.014 *
laut. D. mit/ohne -0.369 [-0.99, 0.25] 0.311 -1.186
Usab. ho c h/niedrig 1.094 [0.48, 1.71] 0.311 3.517 *
laut. D.:Usab. 0.987 [-0.25, 2.22] 0.622 1.588
Aufgab e A/B 0.400 [-0.23, 1.03] 0.321 1.244
Aufgab e B/C -0.950 [-1.58, -0.32] 0.321 -2.955 *
Aufgab e C/D 0.262 [-0.37, 0.9] 0.321 0.817
Random Effect Struktur: (1 ⏐ ⏐ V er suchsper son )
R 2
GLM M ( m ) : 9.4 %, R 2
GLM M ( c ) : 25.6 %
Anmerkung : Die Sterne geb en an, ob der Effekt auf einem Signifik anzniv eau v on
α = . 05 und zw eiseitiger T estung signifik an t ist.
103

KAPITEL 7. STUDIE I I: V ALIDIER UNG DER EFFEKTE V ON SYSTEM
UND A UF GABE A UF D A UER W AHRNEHMUNG
T ABELLE 7.6: Innersub jektk orrelationen zwisc hen den zeit- und UX-b ezogenen V a-
riablen.
Hyp. I I. Aufgab en-
dauer
gesc hätzte
Aufg.-
dauer
Dauer-
b ew ertung
Zeitfluss-
b eurteilung
3 (i)-(iii) Aufg.dauer – .66 *** .47 *** .25 ***
4 (i)-(ii) gesc h. Aufg.dauer – – .48 *** .27 ***
13 Dauerb ew ertung – – – .42 ***
5 (i)-(iv) w ahrg. Usabilit y -.20 ** -.25 *** -.45 *** -.28 ***
6 (i)-(iv) w ahrg. A ttrakt. -.18 ** -.19 ** -.39 *** -.19 **
7 (i)-(iv) V alenz -.39 *** -.29 *** -.50 *** -.30 ***
8 (i)-(iv) Arousal -.05, n.s .06, n.s -.01, n.s -.16 *
Anmerkung : * b ei p < .05, ** b ei p < .01, *** b ei p < .001, fett für | r | ≥ .3
b ew ertet wurden (Annahme der Hyp. I I.3 (i) und (ii): r ′ s > 0 ). Darüb er hin-
aus wurden sie mit einem langsameren Zeitfluss assoziiert (Annahme der Hyp.
I I.3 (iii): r > 0 ). Die gesc hätzte Dauer zeigte eb enfalls p ositiv e K orrelationen
zur Dauerb ew ertung und Zeitflussb eurteilung: Je länger die Aufgab endauer
gesc hätzt wurde, umso negativ er w aren Dauerb ew ertung und Zeitflussb eurtei-
lung (Annahme der Hyp. I I.4 (i) und (ii): r ′ s > 0 ). Die K orrelationen mit
der Zeitflussb eurteilung waren jedoch stets sc h w äc her als die mit der Dauer-
b ew ertung. Dahingegen k orrelierten die Dauerb ew ertung und die Zeitflussb e-
urteilung deutlic h miteinander (Annahme der Hyp. I I.13: r > 0 ): Je länger,
unangemessener und inakzeptabler Probanden die Dauern b ew erteten, umso
eher b efanden sie das V ergehen der Zeit w ährend der Dauer als langsam. Zu-
sammengefasst zeigten die b eiden Op erationalisierungen v on Zeitempfinden die
erw arteten Zusammenhänge zueinander, zur Dauer und zur Dauersc hätzung.
Auc h für die Innersub jektk orrelationen zwisc hen den zeit- und den UX-
b ezogenen Maßen zeigten sic h ähnliche Ergebnisse wie in Studie I. Die w ahr-
genommene Usabilit y k orrelierte wie erw artet negativ mit allen zeitb ezogenen
Maßen (Annahme der Hyp. I I.5 (i) b is (iv): r ′ s < 0 ). Das gleic he Befund-
m uster zeigte sic h auc h für die w ahrgenommene A ttraktivität und die V alenz
(Annahme der Hyp. I I.6 und I I.7 je (i) bis (iv): r ′ s < 0 ). Die UX w ar also
höher b ei kürzeren Dauern, b ei als kürzer gesc hätzten Dauern, als p ositiv er
104

7.2. ER GEBNISSE
b ew erteten Dauern und b ei einem sc hnelleren Zeitfluss. Für das Arousal b ot
sic h ein anderes Bild. Hier zeigten sic h n ur sc h wac he K orrelationen zur Zeit-
flussb eurteilung (Annahme der Hyp. I I.8 (iv): r ′ s  = 0 , Beib ehalten der H 0 I I.8
(i) bis (iii): r’s = 0).
7.2.4 Zusätzlic he Ergebnisse: Effekte der UV n auf die
UX-b ezogenen V ariablen
Die Analyse der Effekte der unabhängigen V ariablen auf die UX-b ezogenen
V ariablen zeigte, ähnlich wie in der ersten Studie, einen stark en Effekt d er
Usabilit y auf die w ahrgenommene Usabilit y , die w ahrgenommene A ttraktivität
und die V alenz (Hyp. I I.9 (i), (ii), (iii): β U sabil ity
′ s < 0 ) 3 . Probanden, die mit
der W ebseite mit hoher Usabilit y arb eiteten, b ew erteten die Seite als gebrauc h-
stauglic her und attraktiv er und b eric h teten eine p ositiv ere V alenz (Abb. 7.4).
Für das Arousal k onn te k ein Effekt der Usabilit y gefunden w erden (Beib e-
halten der H 0 I I.9 (iv): β U sability > = 0 ). Die Effekt sind in Abbildung 7.4
dargestellt. Die Analysen sind im Anhang E.6 aufgeführt. Ähnlic h wie in Stu-
die I w aren die hier gefundenen Effekte der Usabilit y auf die w ahrgenommene
Usabilit y , die w ahrgenommene A ttraktivität und die V alenz so stark, dass sie
mit der v orliegenden Stic hprob engröße eine hohe P o w er erreic h ten ( 1 − β ≥
98%, Anhang E.3).
3 Bei den V ariablen w ahrgenommene Usabilit y und w ahrgenommene A ttraktivität lag in
den Analysen k eine Normalv erteilung der Residuen v or. Eine zusätzliche Analyse der Daten
als lineares Mo dell gemittelt üb er die Aufgab en zeigte b ei Erfüllung der Normalv erteilungs-
annahme jedo c h die gleic hen Effekte.
105

KAPITEL 7. STUDIE I I: V ALIDIER UNG DER EFFEKTE V ON SYSTEM
UND A UF GABE A UF D A UER W AHRNEHMUNG
nicht
gebrauchstauglich
gebrauchstauglich

1
2
3
4
5
6 6
7
8
9
10
11
hohe Usability niedr ige Usability
wahrgenommene Usability
a) Eff ekt von Usability auf
wahrgenommene Usability

unattraktiv
attraktiv

1
2
3
4
5
6 6
7
8
9
10
11
hohe Usability niedr ige Usability
wahrgenommene Attr aktivität
b) Eff ekt von Usability auf
wahrgenommene Attr aktivität

e xtrem negativ
e xtrem positiv

1
3
5
7
9
niedrige Usability hohe Usability
V alenz
c) Eff ekt von Usability
auf V alenz

ABBILDUNG 7.4: Effekte der unabhängigen V ariablen auf die K omp onen ten des
Nutzererleb ens. Die F ehlerbalk en stellen K onfidenzinterv alle der Standardfehler (95
%) k orrigiert für Innersub jektfaktoren (Cousineau, 2005; Morey, 2008) dar.
106

7.3. DISKUSSION
7.3 Diskussion
In Studie I I sollte die F rage b ean t w ortet w erden, in wie w eit In teraktions-
dauern w ährend einer Mensc h-Computer-In teraktion adäquat w ahrgenommen
w erden k önnen und wie sic h diese W ahrnehm ung in das Nutzererleb en ein b et-
tet. Dazu in teragierten Probanden in vier aufeinander folgenden Aufgab en mit
einer W ebseite. Die Usabilit y der W eb seite wurde in zw ei Stufen v ariiert und
die Probanden wurden instruiert en t w eder mit o der ohne der Zw eitaufgab e
lautes Denk en zu arb eiten. Mit diesem V ersuc hsaufbau sollten v ersc hiedene
In teraktionsc harakteristik a en tstehen, w ov on die In teraktionsdauer eines ist.
Basierend auf dem CUE-Mo dell (Minge et al., 2016; Minge & Thüring, 2018;
Th üring & Mahlk e, 2007) wurde angenommen, dass sic h solc he In teraktions-
c harakteristik a auf das Nutzererleb en in einer sp ezifisc hen W eise auswirken. Da
In teraktionsc harakteristik a bis jetzt ab er k aum systematisc h klassifiziert und
un tersuc h t wurden, wurde dies in den Studien I und I I exemplarisc h für die
In teraktionsdauer als eine solc hes Charakteristikum exp erimen tell un tersuch t.
7.3.1 Zusammenfassung der Ergebnisse aus Studie I und
I I und Bean t w ortung der F orsc h ungsteilfragen
T eilfrage a): K önnen Nutzer die Dauer einer Mensc h-Computer-
In teraktion adäquat w ahrnehmen?
Ähnlic h wie in Studie I zeigte sic h, dass längere Dauern auc h als länger ge-
sc hätzt wurden, wie es auf Basis grundlagenorien tierter Theorien zu erw arten
w ar (vgl. sk alare Eigensc haften v on Dauersc hätzungen, z.B. STT nach Gibbon,
1977). Darüb er hinaus zeigten die Ergebnisse, dass die Probanden die V er-
längerung der Dauer, die durc h niedrige gegen üb er hoher Usabilit y en tstand,
adäquat w ahrnahmen und sie in ihrer Dauersc hätzung b erüc ksic htigten. Die-
ser Sc hluss basiert auf den Befunden, dass sic h in Studien I und I I so w ohl
ein Effekt der Usabilit y auf die tatsäc hlic he und die gesc hätzte Aufgab endau-
er zeigte so wie k ein Effekt der Usabilit y auf die V erzerrung der Sc hätzungen.
Mit anderen W orten sc heinen Un tersc hiede in der Üb ersc hätzungsstärk e, die
durc h die Usabilit y des Systems en tstehen, so gering zu sein, dass sie in den
v orliegenden Studien nic h t aufgedec kt w erden k onn ten. Darüb er hinaus wur-
107

KAPITEL 7. STUDIE I I: V ALIDIER UNG DER EFFEKTE V ON SYSTEM
UND A UF GABE A UF D A UER W AHRNEHMUNG
de in Studie I I genau wie in Studie I eine V erzerrung in der Dauersc hätzung
durc h die Zw eitaufgab e lautes Denk en gefunden. Eine Gegen üb erstellung der
Befunde aus b eiden Stu dien k ann in T ab elle 7.7 eingesehen w erden.
Zusammengefasst k onn ten in Studie I I die Ergebnisse zu T eilfrage a) repli-
ziert w erden: Nutzer zeigen eine adäquate W ahrnehm ung der Dauer unabhän-
gig v on der Usabilit y des Systems. Ihre Dauerw ahrnehm ung wird jedo c h durc h
eine Zw eitaufgab e b eeinflusst. In Üb ereinstimm ung mit dem AGM (Block &
Zak a y, 1996) zeigten Probanden mit hoher men taler Beanspruc h ung, ausge-
löst durc h lautes Denk en, eine w eniger starke Üb ersc hätzung der Dauer als
Probanden mit niedriger men taler Beanspruc h ung (ohne lautes Denk en). Die
Replik ation dieser Befunde in Studie I I trotz un tersc hiedlic hen Aufgab en und
W ebseiten stützt ein e V erallgemein bark eit der Ergebnisse auf v ersc hiedene In-
teraktionen v on P ersonen und W ebseiten.
T eilfrage b): Wie b eeinflussen die manipulierten In teraktionsc harak-
terisik a die Dauerb ew ertung?
Bezogen auf T eilfrage b) k onn te der stark e Effekt der Usabilit y auf die Dauerb e-
w ertung eb enfalls repliziert w erden (vgl. T ab. 7.7): Niedrige Usabilit y , die mit
längeren Dauern einherging, wurde b ezüglic h der Dauer negativ er b ewertet.
Ein Haupteffekt des lauten Denk ens, w elc hes eb enfalls die Dauer v erlängerte,
k onn te jedo c h auc h in Studie I I nic h t gefunden w erden. In Studie I I gab es
jedo c h eine In teraktion zwisc hen Usabilit y und lautem Denk en auf die Dauer-
b ew ertung. Diese zeigte sic h darin, dass der Un tersc hied in der Dauerb ew ertung
auf Grund der Usabilit y stärk er in der Grupp e ohne lautes Denk en ausgeprägt
w ar. Dieser Effekt ähnelt stark der In teraktion zwisc hen Usabilit y und lautem
Denk en auf die gesc hätzte Aufgab endauer. Das Befundm uster legt nahe, dass
die Dauerb ew ertung durc h die w ahrgenommene Dauer b eeinflusst wird. Solc he
Zusammenhänge wurden bisher zw ar für andere Op erationalisierungen wie die
Zeitflussb eurteilung gezeigt (Droit-V olet et al., 2017, 2018; Sucala et al., 2011),
nic h t ab er für die Dauerb ew ertung. Die Ergebnisse stützen die Annahme, dass
Dauerb ew ertungen auf einem V ergleic hsprozess zwisc hen der gesc hätzten und
der akzeptablen Dauer basieren, wie er b ereits in Studie I diskutiert wurde.
Für das Maß Zeitflussb eurteilung wurde eb enfalls ein Effekt der Usabilit y
gefunden: Bei niedriger Usabilit y b eric h teten die Probanden einen sic h stärk er
108

7.3. DISKUSSION
T ABELLE 7.7: Zusammenfassung der Ergebnisse zu den Un tersc hiedsh yp othesen
üb er die Effekte der UV n auf die A V n in Studie I und Studie I I.
A V Effektor Studie I Studie I I
Aufgab endauer lautes Denk en I.1  I I.1 
Usabilit y I.2  I I.2 
gesc h. Aufgab endauer lautes Denk en nein nein
Usabilit y ja I I.10 
in In teraktion mit
lautem Denk en
PTRs lautes Denk en ja I I.11 
Usabilit y nein nein
Dauerb ew ertung Usabilit y ja I I.12 (i) 
in In teraktion mit
lautem Denk en
Zeitflussb eurteilung U sabilit y I I.12 (ii) 
K omp onen ten des Nutzererleb ens
w ahrgen. Usabilit y Usabilit y I.9(i)  I I.9(i) 
w ahrgen. A ttraktivi-
tät
Usabilit y I.9(ii)  I I.9(ii) 
V alenz Usabilit y I.9(iii)  I I.9(iii) 
Arousal Usabilit y I.9(iv) – I I.9(iv) –
Anmerkung :  für angenommene Hyp othesen, ja für explorativ gefundene Ergeb-
nisse und nein für k eine Hyp othese und k ein Effekt.
ziehenden Zeitfluss. Dieser Effekt wurde ab er anders als b ei der Dauerb ew er-
tung nic h t durc h die Zw eitaufgab e lautes Denk en mo deriert. Die Befunde v er-
deutlic hen, dass die Erw eiterung der Dauerb ew ertung um ein Bew ertungsmaß
des Zeitflusses sinn v oll w ar, da diese V ariable einen anderen Asp ekt des Zei-
terleb ens darstellt. Dies wurde darüb er hinaus durc h die geringere K orrelation
zwisc hen gesc hätzter Aufgab endauer und Zeitflussb eurteilung und einer mitt-
leren K orrelation zwisc hen Dauerb ew ertung und Zeitflussb eurteilung gestützt.
V or allem die geringe K orrelation zur gesc hätzten Aufgab endauer ist dab ei
mit anderen Studien v ergleic h bar, in denen ähnlic he K orrelationsk o effizien ten
gefunden wurden (Sucala et al., 2011).
109

KAPITEL 7. STUDIE I I: V ALIDIER UNG DER EFFEKTE V ON SYSTEM
UND A UF GABE A UF D A UER W AHRNEHMUNG
T eilfrage c): W elc hen Zusammenhang gibt es zwisc hen der In terakti-
onsdauer und v ersc hiedenen Maßen der Dauerw ahrnehm ung inner-
halb v on Nutzern?
Wie ob en b ereits diskutiert, zeigten sic h ähnlic h hohe Zusammenhänge 4 zwi-
sc hen den zeitb ezogenen Maßen in Studie I I wie in Studie I. Mit steigender
In teraktionsdauer wurden längere Dauersc hätzungen abgegeb en (vgl. sk alare
Eigensc haften v on Dauersc hätzungen), die Dauer negativ er b ew ertet und ein
langsamer Zeitfluss b erich tet. Für die Dauersc hätzung w ar der Zusammenhang
zur Dauer jedo c h stärk er als für die b eiden anderen Maße. Darüb er hinaus zeig-
ten die v ersc hiedenen Op erationalisierungen der Dauerw ahrnehm ung (Dauer-
sc hätzung, Dauerb ew ertung und Zeitflussb ew ertung) n ur sch w ac he bis mittle-
re K orrelationen zueinander. Dieses Befundm uster deutet darauf hin, dass sie
v ersc hiedene Asp ekte der W ahrnehm ung einer In teraktionsdauer abbilden. So
zeigte sic h zw ar in Studie I I, dass ein sc hnellerer Zeitfluss mit kürzeren Dauer-
sc hätzungen einherging, hier lag ab er eine sehr geringe V arianzaufklärung v or.
Dieser Befund legt nahe, dass die Sc hätzung einer mehrmin ütigen Dauer nic h t
un b edingt mit dem erlebten Zeitfluss v erbunden ist. W earden et al. (2014)
argumen tierten b ereits, dass Probanden die exakte Dauer eines In terv alls k en-
nen k önnen und trotzdem eine da v on unabhängige Zeitflussb eurteilung äußern
k önnen. Ein Beispiel hierfür bietet die Studie v on Gorn et al. (2004), in der der
Effekt der Hin tergrundfarb e einer W ebseite w ährend W artezeiten un tersuc h t
wurde. Hier zeigte sic h k ein Einfluss der F arb e auf die gesc hätzte Dauer, w ohl
ab er auf die Zeitfl ussb eurteilung. Die Ergebnisse vo n Studie I I sind mit sol-
c hen Befunden im Einklang und w eisen darauf hin, dass der Zusammenhang
zwisc hen Zeitflussb eurteilung und Dauersc hätzungen nic h t so einfac h ist, dass
ein Empfinden v on langsam v ergehender Zeit automatisc h zu einer längeren
Dauersc hätzung führt.
Zusammengefasst deuten die Befunde darauf hin, dass die gesc hätzte In-
teraktionsdauer nic h t alleine ausreic h t, um das Zeitempfinden v orherzusagen.
Dieses sc hein t durc h weitere In teraktionsc harakteristisk a b eeinflusst zu w er-
den. Auf Basis des stark en Effekts der unabhängigen V ariable Usabilit y auf
4 Die Innersub jektk orrelationen aus Studien I und I I sind zusammen mit den K orrelatio-
nen aus Studien I I I und IV in der absc hließenden Diskussion zusammengefasst dargestellt,
T ab. 10.1, S. 169.
110

7.3. DISKUSSION
die b eiden K onstrukte k ann erw artet w erden, dass dies In teraktionsc harate-
ristik a sind, die durc h Merkmale des Systems und nic h t durc h Merkmale der
Aufgab e manipuliert werden.
T eilfrage d): W elc he Zusammenhänge gibt es zwisc hen den Maßen
der Dauerw ahrnehm ung und den K omp onen ten des Nutzererleb ens
innerhalb v on Nutzern?
Auc h für den Zusammenhang zwisc hen zeit- und UX-b ezogenen V ariablen zeig-
ten sic h ähnlic he Ergebnisse zu Studie I. Auc h w enn in Studie I I mehr K orre-
lationen Signifik anz erreic h ten, so sind do c h n ur sp ezifisc he Zusammenhänge
auf Grund ihrer Stärk e in teressan t. Genau wie in Studie I sind dies die Zusam-
menhänge zwisc hen Dauerb ew ertung und den K omp onen ten des Nutzerleb ens:
Probanden b ew erteten die w ahrgenommene Usabilit y , die w ahrgenommene A t-
traktivität und die V alenz als negativ er, je negativ er sie die Dauerb ew ertung
einsc hätzen. Die Zeitflussb eurteilung zeigte geringere Zusammenhänge zu den
UX-b ezogenen V ariablen, die jedo ch die gleic he Ric h tung aufwiesen. Diese
Ergebnisse zeigen auf, dass v or allem die Bew ertung der Dauer eine ähnli-
c he Bew ertungsdimension zu den K omp onen ten des Nutzererleb ens ist. Dab ei
stellt sic h die F rage, in wie w eit die Dauerb ew ertung durc h die W ahrnehm ung
der Dauer und/o der die W ahrnehmung des eigenen Nutzererleb ens b eeinflusst
wird. Diese F rage k ann w eder mit Studie I no c h I I b eant w ortet w erden, da hier
die Dauer un ter anderem durc h die Usabilit y des Systems b eeinflusst wurde. Da
die Usabilit y ab er auc h ein w esen tlic her Einflussfaktor für das Nutzererleb en
ist (z.B. Ben-Bassat et al., 2006; Ham b org et al., 2014; Minge & Th üring, 2018;
Th üring & Mahlk e, 2007), liegt eine K onfundierung v or, die die Abgrenzung
der Effekte v erhindert.
Bezüglic h der K orrelationen zum Arousal-Lev el zeigten sic h in b eiden Stu-
dien k eine signifik an ten Zusammenhänge zur Aufgab endauer, gesc hätzten Auf-
gab endauer o der Dauerb ew ertung. Lediglic h zur Zeitflussb eurteilung wurde in
Studie I I ein sc h w ac her Zusammenhang v on erhöhtem Arousal mit sc hnelle-
rem Zeitfluss signifk an t, der auc h sc hon v on Droit-V olet et al. (2018) b eric h tet
wurde. Insgesam t un tersc hied sic h das K orrelationsm uster zwisc hen Dauer-
w ahrnehm ung und Arousal deutlic h v om Muster der Zusammenhänge zwi-
sc hen Dauerw ahrnehm ung und den UX-K omp onen ten w ahrgenommene Usa-
111

KAPITEL 7. STUDIE I I: V ALIDIER UNG DER EFFEKTE V ON SYSTEM
UND A UF GABE A UF D A UER W AHRNEHMUNG
bilit y , w ahrgenommene A ttraktivität und V alenz. Darüb er hinaus k orrelierte
das Arousal-Lev el nic h t mit den anderen UX-K omp onen ten, w ohingegen diese
üb erwiegend mittlere bis starke Zusammenhänge zueinander zeigten (T ab. D.4
und T ab. E.5 im Anhang). Auf Basis dieser Daten deutet sich an, dass das
Arousal k einen eindeutigen Zusammenhang zur W ahrnehm ung der instrumen-
tellen und nic h t-instrumen tellen Qualitäten hat. Dadurc h un tersc heidet es sic h
deutlic h v on der V alenz.
7.3.2 Limitationen v on Studien I und I I - Ableitung v on
Studien I I I und IV
Durc h das exp erimen telle Design in den Studien I und I I k onn ten einige Sc hlüs-
se b ezüglich der W ahrnehm ung v on Dauern w ährend einer Mensch-Computer-
In teraktionen gezogen w erden. Es b estehen jedo c h w eiterhin offene F orsc h ungs-
fragen, die im folgenden für ausgew ählte Punkte diskutiert w erden. Dab ei han-
delt es sic h um Effekte des Zusammenspiels der unabhängigen V ariablen, um
die zw eistufige Manipulation der Usabilit y in b eiden Studien, um die gleic hzei-
tige Erhebung der k orrelierten Maße und um möglic he K onfundierungen durc h
die v ariierende Aufgab endauer.
Zusammenspiel der unabhängigen V ariablen: K onfundierung zwi-
sc hen Usabilit y und men taler Beanspruc h ung
Ein Kritikpunkt für die b eiden ersten Studien liegt in der möglic hen K onfun-
dierung der unabhängigen V ariablen Usabilit y und lautes Denk en als Zw eit-
aufgab e. So k ann die men tale Beanspruch ung nic h t n ur durc h das laute Denk en
b eeinflusst w orden sein, sondern auc h durc h die Usabilit y: Eine Aufgab e b ei
sc hlec h ter Usabilit y zu lösen, erfordert oft längeres Suc hen nac h der ric h tigen
Handlung o der ein stärk eres Hin terfragen v on ungünstig gew ählten Begrifflic h-
k eiten. Hin w eise auf Zusammenhänge zwisc hen Usability und men taler Bean-
spruc h ung sind auc h in der Definition von Usabilit y nac h der DIN-Norm (DIN,
EN ISO 9241-11, 2018) so wie in der Norm zur Dialoggestaltung (DIN, EN ISO
9241-110, 2008) zu finden. Hier wird die Usabilit y üb er Effizienz definiert, die
wiederum üb er aufgebrac h te Ressourcen b ezüglic h geistigem und ph ysisc hem
Aufw and b esc hrieb en wird.
112

7.3. DISKUSSION
Da die men tale Beanspruc h ung nich t als K on trollv ariable erhob en wurde,
k ann diese K onfundierung nic h t direkt geprüft w erden. Ein sc h w ac hes Indiz,
w elc hes jedo c h gegen eine solc he K onfundierung sprich t, ist der fehlende Ef-
fekt der Usabilit y auf die V erzerrungen in der Zeitsc hätzung. Hätten die b eiden
Usabilit ystufen einen stark en Un tersc hied in der men talen Beanspruc h ung aus-
gelöst, so hätte dies zu einer V erzerrung in der Zeitsc hätzung führen m üssen
(vgl. In terferenzeffekt, Bro wn, 1997). Da dies w eder in Studie I no c h in Studie
I I der F all w ar, k ann da v on ausgegangen w erden, dass die Usabilit y zumin-
dest k einen großen Effekt auf die men tale Beanspruc h ung hatte, w elc he primär
durc h die Zw eitaufgab e lautes Denk en b eeinflusst wurde.
Eine w eitere möglic he K onfundierung k ann ab er auc h in die andere Ric h-
tung v orliegen: In der Grupp e mit lautem Denk en k önnen durc h das V erbali-
sieren der Usabilit yprobleme diese stärk er w ahrgenommen w orden sein als in
der Grupp e ohne lautes Denk en. Dies würde dazu führen, dass der Un tersc hied
zwisc hen den Usabilit ygrupp en in der Grupp e mit lautem Denk en größer w äre
als in der Grupp e ohne lautes Denken. Um dies näher zu un tersuchen, k önnen
die Ergebnisse der zusätzlic hen Analysen zum Effekt der unabhängigen V a-
riablen auf die K omp onenten des Nutzerleb ens b etrac h tet w erden. Hier zeigte
sic h in Studien I und I I k eine In teraktion zwisc hen lautem Denk en und Usabi-
lit y auf die w ahrgenommene Usabilit y , die w ahrgenommene A ttraktivität und
die V alenz. Zusammenfassend sc hein t eine K onfundierung der manipulierten
Usabilit y und Zw eitaufgab e in Studien I und I I nic h t in einer relev an ten Stärk e
v orgelegen zu hab en.
Zw eistufige, exp erimen telle Manipulation der Usabilit y des Systems
So w ohl in Studie I als auc h in Studie I I wurden Innersub jektk orrelationen b e-
trac h tet, das heißt es wurde der Zusammenhang zwisc hen zeitb ezogenen und
zwisc hen zeit- und UX-b ezogenen Maßen innerhalb v on Probanden b etrac h-
tet. Jeder Proband erlebte jedo c h immer n ur eine Usabilit y-Stufe. Dadurc h
w ar die V arianz im Erleb en innerhalb eines Probanden stark eingegrenzt, w o-
durc h k orrelativ e Zusammenhänge zwisc hen zeit- und UX-b ezogenen V ariablen
un tersc hätzt w orden sein k önnte n. In realen Situationen hab en Nutzer einen
großen Erfahrungssc hatz an b ereits erlebten Situationen, die sic h b ezüglic h der
Systeme und deren Usabilit y stark un tersc heiden. In dieses V orwissen k önnen
113

KAPITEL 7. STUDIE I I: V ALIDIER UNG DER EFFEKTE V ON SYSTEM
UND A UF GABE A UF D A UER W AHRNEHMUNG
Nutzer eine gerade erlebte Nutzungssituation ein b etten und den V ergleic h zur
Bew ertung und Einsc hätzung ihres Erleb ens n utzen. Daher stellt sic h die F ra-
ge, wie ho ch die b etrac h teten Zusammenhänge sind, w enn ein Proband nich t
n ur mit einer Usabilit y-Stufe k onfron tiert ist, sondern mehrere Abstufungen
in v ersc hiedenen Aufgab en und einem realistisc heren Setting erlebt. Um diese
F olgefrage aus Studien I und I I mit Hilfe einer höheren V arianz an Systemen
zu b ean t w orten, wird Studie I I I durc hgeführt.
Gleic hzeitige Erhebung der k orrelierten Maße: Common-Metho d-
Bias
Zusätzlic h soll in Studie I I I für einen w eiteren Sc h w ac hpunkt der ersten b ei-
den Studien k on trolliert w erden: Hier wurden die k orrelierten Maße immer zum
gleic hen Messzeitpunkt erhob en. Eine solc he Erhebungsart birgt die Gefahr des
Common-Metho d-Bias (P o dsak off, MacKenzie, Lee & P o dsak off, 2003) o der zu
deutsc h einer Einheitsmetho den v arianz. Der Common-Metho d-Bias b eschreibt
die gegenseitige Beeinflussung v on Messw erten, w enn V ariablen gleic hzeitig ge-
messen w erden. Gerade b ei stark sub jektiv b eeinflussten Maßen, wie hier den
Bew ertungen, k ann alleine durc h die direkt aufeinanderfolgende Messung v on
zw ei v ersc hiedenen K onstrukten eine Ähnlic hk eit zwisc hen den Messw erten
en tstehen. Diese ist jedo c h nic h t auf einen grundlegenden Zusammenhang zwi-
sc hen den K onstrukten zurüc kzuführen, sondern auf die zeitlic he Nähe der Mes-
sung (P o dsak off, MacKenzie & P o dsak off, 2012). Zusätzlic h k ann die Itemge-
staltung ( Item Char acteristic Effe cts ) so wie die Ähnlic hk eit in der Gestaltung
v ersc hiedener Items ( Item Context Effe cts ) die En tsteh ung eines Common-
Metho d-Bias b egünstigen und Probanden dazu erm utigen, ihre eigenen Bewer-
tungen zu v erfälsc hen (P o dsak off et al., 2003). Eine möglic he K onsequenz ist
eine Üb er- o der ab er auc h eine Untersc hätzung v on Zusammenhängen. Um die
möglic he K onfundierung der Ergebnisse zu v erringern, wird in Studie I I I zum
einen eine zeitlic he Lüc k e zwisc hen der Erhebung v ersc hiedener K onstrukte ge-
legt und zum anderen V eränderungen der Op erationalisierung v orgenommen.
V ariierende Aufgab endauer
In Studien I und I I k am es zu v ariierenden Aufgab endauern, da die Proban-
den die Aufgab en in ihrem eigenen T emp o erledigten und selbstständig nac h
114

7.3. DISKUSSION
erfolgreic hem Absc hluss o der nac h Aufgeb en b eendeten. Die Aufgab endauern
un terlagen dab ei systematisc hen Sc h w ankungen, wie den Effekten v on lautem
Denk en, Usabilit y und den Aufgab en an sic h. Es gab jedo c h auc h zufällige
Sc h w ankungen, die durc h die jew eilige V ersuc hsp erson en tstanden. Diese Aus-
gangslage m uss b ei der In terpretation der Dauerb ew ertung b eac h tet w erden.
In b eiden Studien wurden die Aufgab endauern b ei niedriger Usabilit y nega-
tiv er b ew ertet als b ei hoher Usabilit y . T atsäc hlic h w aren die Aufgab endauern
b ei niedriger Usabilit y ab er auc h länger, w esw egen eine negativ ere Bew ertung
nic h t v erwunderlic h ist. Die V erlängerung der Aufgab endauern in der Grup-
p e mit lautem Denk en hingegen, spiegelte sic h in b eiden Studien nic h t in den
Dauerb ew ertungen wieder.
Eine möglic he Erklärung für dieses Ergebnis liegt in der Annahme, dass
Dauerb ew ertung eine Bew ertung der erlebten Dauer und nic h t der tatsäc hli-
c hen Dauer darstellen. Diese Annahme ist im Einklang mit den Daten, wie
b ereits w eiter ob en diskutiert wurde. Eine alternativ e Erklärung liegt im Zu-
sammenhang zwisc hen Dauerb ew ertungen und den K omp onen ten des Nutzer-
erleb ens. Die Bewertung der Dauer k ann w eniger auf der w ahrgenommenen
Dauer, als auf anderen w ahrgenommenen Erleb ensk omp onen ten b eruhen. Bei-
spielsw eise k ann das Gefühl einer problemlosen Lösung der Aufgab en dazu
führen, dass Probanden auc h die Dauer p ositiv er b ew erteten. Da die länge-
re Aufgab endauer hier mit der niedrigen Gebrauchstauglic hk eit des Systems
und damit mit einem negativ eren Erleb en k onfundiert ist, k ann k eine der b ei-
den Erklärungsansätze ausgesc hlossen w erden. Daher w erden b eide Ansätze in
Studie IV gegeneinander getestet w erden, w ob ei eine K onfundierung durc h die
v ariierende Bearb eitungsdauern ausgesc hlossen wird.
7.3.3 F azit Studien I und I I
Zusammengefasst hab en Studien I und I I gezeigt, dass Nutzer die In terakti-
onsdauer mit einer W ebseite adäquat einsc hätzen k önnen, es ab er durc h V aria-
tionen in der men talen Beanspruc h ung zu F ehleinsc hätzungen k ommen k ann.
Diese stimmen mit V orhersagen aus Grundlagenarb eiten zum In terferenzeffekt
(z.B. Bro wn, 2008) und Mo dellen wie dem A GM (z.B. Zak a y & Blo c k, 1995)
üb erein. Darüb er hinaus k onn ten Nutzer in b eiden Studien die Dauer nic h t n ur
einsc hätzen, sondern auc h b ew erten so wie ihr Erleb en des Zeitflusses angeb en.
115

KAPITEL 7. STUDIE I I: V ALIDIER UNG DER EFFEKTE V ON SYSTEM
UND A UF GABE A UF D A UER W AHRNEHMUNG
Diese Bew ertungen sc heinen teilw eise auf der gesc hätzten Dauer zu b eruhen,
zeigen ab er auch üb erlapp ende V arianz mit K omp onen ten des Nutzererleb ens.
Studien I und I I hab en zw ei F ragen aufgew orfen: Erstens, wie groß sind
die Zusammenhänge zwisc hen zeit- und UX-b ezogenen V ariablen, w enn die
Probanden realistisc here Aufgab en an ec h ten W ebseiten mit mehr V arianz b e-
arb eiten? Diese F rage wird mit Hilfe v on Studie I I I b ean tw ortet. Zw eitens, w or-
auf basiert das Zeitempfinden, wird es stärk er v on der erlebten Zeitdauer o der
v on anderen Erleb ensk omp onen ten wie den K omp onen ten des Nutzererleb ens
b eeinflusst? Diese F rage soll zusammen mit einer erneuten Betrac h tung der
K orrelationen in Studie IV b ean t w ortet w erden, in der der die Bearb eitungs-
dauern k onstan t gehalten w erden.
116

Kapitel 8
Studie I I I: K orrelationen zwisc hen
Dauerw ahrnehm ung und UX b ei
„ec h ten In teraktionen“
In den v orangegangenen Studien wurden Zusammenhänge zwisc hen zeit- und
UX-b ezogenen Maßen immer nach In teraktionen mit einem System mit sp ezi-
fisc her Bedien bark eit b etrac h tet. Dab ei zeigten sic h üb erwiegend mittlere Zu-
sammenhänge zwisc hen der Dauerb ew ertung und v ersc h iedenen K omp onen ten
des Nutzererleb ens. In Studie I I I wird geprüft, ob sic h die Stärk e dieser Inner-
sub jektk orrelationen ändert, w enn jeder Proband eine größere V ariation an
Systemen erlebt. Dazu sollen Aufgab en auf v ersc hiedenen, ec h ten W ebseiten
gen utzt w erden, die in ihrer Bedien bark eit v ariieren. Mit Hilfe dieser Betrac h-
tung lässt sic h prüfen, wie Nutzer die W ahrnehm ung v on Dauern in ihr Nutzer-
erleb en in tegrieren (F orsc h ungsfrage 2). Die in dieser Studie relev ante T eilfrage
lautet daher:
a) Wie stark sind die Zusammenhänge zwisc hen der Dauerw ahrnehm ung
und den K omp onen ten des Nutzererleb ens, w enn Probanden realistisc he
Aufgab en an ech ten W ebseiten b earb eiten?
Darüb er hinaus soll das Erleb en und das Bew erten der Dauer bzw. des Zeitflus-
ses einer K omp onen te des Nutzererleb ens zugeordnet w erden. Hierfür k ommen
jedo c h n ur b estimm te K omp onen ten in F rage. Nac h dem CUE-Mo dell (Mahlk e,
2008; Minge & Th üring, 2018; Th üring & Mahlk e, 2007) en tsteh t Nutzererleb en
117

KAPITEL 8. STUDIE I I I: KORRELA TIONEN ZWISCHEN
D A UER W AHRNEHMU NG UND UX BEI „ECHTEN INTERAKTIONEN“
auf Basis der W ahrnehmung der In teraktionscharakteristik a. Nutzer nehmen
hierb ei die instrumentellen Qualitäten, die nic h t-instrumen tellen Qualitäten
und ihre eigene Emotion w ahr. Die W ahrnehm ung der Zeit k ann auf Basis die-
ser theoretisc hen Grundannahmen nic h t jeder K omp onen te zugeordnet w erden.
So ist es k onzeptuell nic h t plausib el anzunehmen, dass die W ahrnehm ung der
In teraktionsdauer T eil der K omp onen te Emotion ist, da Emotionen ein klar
b esc hrieb enes K onstrukt sind (Sc herer, 2005), zu dem die W ahrnehmung v on
Dauern nic h t gehört.
Daher stellt sic h die F rage, ob die Dauerw ahrnehm ung eher als T eil der
K omp onen te instrumen telle o der nic h t-instrumen telle Qualitäten gesehen w er-
den k ann. Inhaltlic h sc hein t das sc hnelle Erreic hen eines In teraktionsziels sehr
w ohl aufgab enrelev an t, w esw egen es zu den instrumen tellen Qualitäten gezählt
w erden k önn te. Diese Zuordn ung wird auc h empirisc h durc h die v orangegan-
genen Studien gestützt. Hier k orrelierten die zeitb ezogenen Maße stärk er mit
den instrumen tellen als mit den nic h t-instrumentellen Qualitäten. Auc h wenn
die Un tersc hiede nic h t groß w aren, k önnen die Befunde als Indizien dafür ge-
sehen w erden, dass die W ahrnehm ung der In teraktionsdauer primär als eine
W ahrnehm ung instrumen teller Qualitäten v erstanden w erden k ann.
Auf Grund des Studiendesigns in Studien I und I I sollten diese Indizien
jedo c h nic h t üb erin terpretiert w erden. Bei den b eiden v orangegangenen Stu-
dien b estand auf Grund der gleic hzeitigen Mes sung der k orrelierten Maße die
Gefahr eines Common-Metho d-Bias (P o dsak off et al., 2003). In Studie I I I soll
diesem v orgeb eugt w erden, um die K orrelationen zwisc hen Dauerw ahrnehm ung
und K omp onen ten des Nutzererleb ens präziser abzubilden. Damit w erden drei
Erw artungen getestet. Erstens, auf Grund des CUE-Mo dells (Mahlk e, 2008;
Minge & Th üring, 2018; Th üring & Mahlk e, 2007) wird angenommenen, dass
die W ahrnehmung der Usabilit y in direktem Zusammenhang zur w ahrgenom-
menen A ttraktivität steh t. Zw eitens, Auf Basis der vorangega ngenen Studien
wird zudem die Hyp othese aufgestellt, dass die w ahrgenommene Usabilit y mit
den zeitb ezogenen Maßen v erkn üpft ist. Drittens wird v erm utet, dass Zusam-
menhänge zwisc hen w ahrgenommener A ttraktivität und zeitb ezogenen Maßen
in den v orangegangenen Studien üb er die w ahrgenommene Usabilit y v ermit-
telt wurden. Daher wird im Studiendesign eine zeitlic he Lüc k e zwisc hen der
Erhebung der w ahrgenommenen Usabilit y und der Erfassung der anderen UX-
118

8.1. METHODE
K onstrukte erzeugt. Zusätzlic h soll ein größerer Un tersc hied in der Itemge-
staltung für die Maße w ahrgenommene Usabilit y und zeitb ezogene V ariablen
gesc haffen w erden. Dieses Anpassungen der Messmetho de dienen dazu, die fol-
gende T eilfrage (F orsc h ungsfrage 2) zu b ean t w orten:
b) Wie v erändern sic h die Zusammenhänge zwisc hen zeit- und UX-b ezogenen
Maßen im V ergleic h zu den v orangegangenen Studien, w enn sic h die
Messung der w ahrgenommenen Usabilit y v on der Messung der anderen
K onstrukte zeitlic h und v on der Darstellung absetzt?
Zusammenfassend sollen in Studie I I I die b etrac h teten K orrelationen durc h
das neue V ersuchsmateria l v alider und durc h das Aussc hließen eines Common-
Metho d-Bias für das Konstrukt w ahrgenommene Usabilit y reliab er als in den
v orangeganenen Studien gesc hätzt w erden 1 .
8.1 Metho de
Studie I I I wurde im Rahmen der Masterarb eit v on Anna Stein bac h getes-
tet. Die Idee zur Studie und die exp erimen telle Plan ung stamm ten von der
V erfasserin der v orliegenden Arb eit. Im Rahmen der Betreuung der Masterar-
b eit durch die V erfasserin hat Anna Stein bac h (Stein bach, 2017) die Aufgab en
für die Probanden ausgesuc h t und sie zusammen mit den F rageb ögen für die
Studie aufb ereitet. Stein bac h (2017) hat zudem die Daten erhob en. Alle hier
präsen tierten Analysen und Besc hreibungen wurden v on der V erfasserin der
v orliegenden Arb eit ausgeführt und b esc hrieb en.
8.1.1 T eilnehmer
An Studie I I I nahmen N = 33 Probanden teil, w o v on 20 w eiblic h und 13
männlic h w aren. Im Mittel w aren die Probanden M = 27,5 Jahre ( S D =
3.9) alt. Da in einigen Aufgab en mit einer englisc h-spac higen W ebseite in ter-
agiert w erden sollte, wurden die Probanden geb eten einzuschätze n, wie gut
1 Die externe V alidität im Sinne einer Üb ereinstimmung v on tatsäc hlic hem und intendier-
tem Un tersuc h ungsgegenstand wird durc h ein realistisc heres V ersuc hmaterial erhöht. Die
Reliabilität, also die V erlässlic hk eit der Messung, wird durc h das Aussc hließen einer Ursac he
für Messfehler gesteigert.
119

KAPITEL 8. STUDIE I I I: KORRELA TIONEN ZWISCHEN
D A UER W AHRNEHMU NG UND UX BEI „ECHTEN INTERAKTIONEN“
ihre Englisc hk enn tnisse w aren. Alle Probanden gab en an, dass sie mindestens
Grundk enn tnisse hätten.
Die Probanden erhielten für die T eilnahme am Exp erimen t eine V ersuc hs-
p ersonenstunde. V or der Studie wurde im Rahmen des F ast-T rac k-V erfahrens
der Ethikk ommission des Instituts für Psyc hologie und Arb eitswissensc haft an
der TU Berlin das F orsch ungsv orhab en geprüft (Stellungsnahme der Ethik-
k ommission siehe Anhang F.2).
8.1.2 Studiendesign
Die T eilnehmer wurden zu Beginn der Studie darüb er informiert, dass sie an
einer Studie zum Zeitempfinden b ei der Nutzung v on W ebseiten teilnehmen
würden. In diesem Rahmen wurden ihnen nac heinander vier v ersc hiedene Auf-
gab en auf je einer real-existierenden W ebseite gegeb en, die sie zunäc hst b e-
arb eiten und danac h b ew erten sollten. Jede Aufgab e w ar dab ei sp ezifisc h für
eine W ebseite. Da b eides miteinander k onfundiert w ar, w erden die Begriffe
W ebseite und Aufgab e im F olgenden synon ym zueinander v erw endet.
Ein bro wser-basierter F rageb ogen führte die Probanden durc h den Prozess
der Bearb eitung. Bei jeder Aufgab e gab es eine kurze Instruktion und einen
Link, mit dem die Aufgab e gestartet w erden k onn te. Sobald der Proband die
Aufgab e gelöst hatte, aufgeb en w ollte o der das Zeitlimit v on fünf Min uten
erreic h t hatte, sollte er zum F rageb ogen zurüc kk ehren und dort die en tspre-
c henden F ragen b ean t w orten. Die vier Aufgab en wurden auf Basis einer V or-
studie (Stein bac h, 2017) nac h den Kriterien Lösbark eit und Untersc hiede in
der sub jektiv en Usability ausgew ählt. Das Zeitlimit v on fünf Min uten für jede
Aufgab e wurde eb enfalls auf Grund der V orstudie gew ählt. Un tersc hiede in der
sub jektiv en Usability zwisc hen den Aufgab en w aren gewünsc h t, um eine V a-
riation v on v ersc hiedenen Usabilit y-Stufen zu realisieren. Die Präsen tation der
vier v ersc hiedenen Aufgab en ist somit die einzige exp erimen telle Manipulation.
Sie wird hier jedo c h nic h t als eine klassisc he unabhängige V ariable gesehen, da
sic h die F ragestellung der v orliegenden Studie auf k orrelativ e Zusammenhänge
zwisc hen v ersc hiedenen Bew ertungsmaßen b ezieht und nic h t auf Un tersc hie-
de zwisc hen Stufen einer exp erimen tellen V ariation. Diese Un tersc hiede sind
lediglic h im Rahmen des Manipulationsc hec ks relev an t.
120

8.1. METHODE
ABBILDUNG 8.1: Üb ersic h t üb er den V ersuc hsablauf in Studie I I I.
8.1.3 V ersuc hsablauf und Material
Die Probanden wurden b egrüßt und erhielten eine Instruktion und die Ein v er-
ständniserklärung zur T eilnahme an der Studie sowie zur W eiterv erarb eitung
der Daten. Danac h durc hliefen sie in randomisierter Reihenfolge die vier Auf-
gab en (Randomisierung siehe A nhang F.1.1), w ob ei die Bearb eitun g jeder Auf-
gab e mit Hilfe eines Screen-Recorders aufgenommen wurde. In T ab elle 8.1 sind
die vier Aufgab en b esc hrieb en. Nac h jeder Aufgab e gab en die Probanden an,
ob sie die Aufgab e lösen k onn ten und es erfolgte die Erhebung der zeitbasierten
Maße so wie v on T eilen der UX-b ezogenen Maße. Nac h der Bearb eitung aller
Aufgab en wurden die demographischen V ariablen erhob en. Nac h einer mindes-
tens 20-min ütigen P ause, in denen die Probanden zw ei Online-F rageb ögen zu
anderen F orsc h ungsv orhab en ausfüllten, wurde für jede Aufgab e ein Video der
eigenen In teraktion v orgespielt und die Usabilit y der jew eiligen W ebseite auf
einem P apierfrageb ogen b ew ertet. Dieses V orgehen wurde gew ählt, um einen
zeitlic hen Abstand zwisc hen der Bew ertung der w ahrgenommenen Usabilit y
und den anderen Maßen zu erzeugen und damit dem Common-Metho d-Bias
v orzub eugen. Durc h das V orspielen der eigenen In teraktion sollte eine retro-
sp ektiv e Bew ertung der Usabilit y ermöglic h t w erden (Burmester, Jäger, Mast,
P eissner & Sproll, 2010), in dem erlebte Sc h wierigk eiten erneut visuell b eob-
ac h tet w erden k onn ten. Der V ersuc hsablauf der Studie ist in Abbildung 8.1
dargestellt.
121

KAPITEL 8. STUDIE I I I: KORRELA TIONEN ZWISCHEN
D A UER W AHRNEHMU NG UND UX BEI „ECHTEN INTERAKTIONEN“
T ABELLE 8.1: Inhalt der vier Aufgab en in Studie I I I.
Aufgab e A Lingscars - T elefonn ummer
h ttps://www.lingscars.com
Bitte Suc hen Sie die T elefonn ummer des Eigen tümers. Bitte
b en utzten Sie k eine Suc hfunktion!
Aufgab e B Univ ersität Groningen - Sekretariat für Organisati-
onspsyc hologie
h ttps://www.rug.nl
Bitte Suc hen Sie die T elefonn ummer des Sekretariats für Or-
ganisationspsyc hologie der Univ ersität Groningen (Englisc he
W ebseite). Bitte nutzen Sie nic ht die Suc hfunktion!
Aufgab e C TK - V erw altungsrat
h ttps://www.tk.de/tec hnik er
Wie viele Mitglieder sind im V erw altungsrat der T echnik er
Krank enk asse (TK)? Bitte n utzen Sie k eine Suc hfunktion!
Aufgab e D Lieferando - P asta Carb onara
h ttps://www.lieferando.de
Wie viel k ostet ein P astageric h t Carb onara v on V apiano im
Gebiet der Mac hstraße, Berlin Charlotten burg (PLZ 10587)
mit P enne Nudeln und extra Artisc ho c k en, Grana P adano
und getro c kneten T omaten? Bitte suc hen Sie den Gesam t-
preis mit V ersandk osten! Bitte n utzen Sie n ur die Suc hfunk-
tion auf der Startseite um die P ostleitzahl einzugeb en!
Sie m üssen nic h ts b estellen o der irgendw o andere Daten als
die P ostleitzahl angeb en! Sollte der Laden no c h nic h t geöff-
net hab en k önnen Sie das Geric h t "v orb estellen". Ihnen en t-
stehen dadurc h k eine K osten, wenn Sie nic ht auf Bestellen
klic k en!
122

8.1. METHODE
8.1.4 Op erationalisierung der abhängigen V ariablen
Die abhängigen V ariablen umfassten v ergleic h bar zu den v orangegangenen Stu-
dien zeitbasierte und UX-basierte Maße. Die zeitbasierten Maße Aufgab endau-
er, gesc hätzte Aufgab endauer, Dauerb ew ertung und Zeitflussb eurteilung wur-
den wie in Studie I I b esc hrieb en op erationalisiert. Um ein ausgeglic heneres
Item v erhältnis b ei der Messung der Dauerb ew ertung und der Zeitflussb eurtei-
lung zu erhalten, wurden hier jedo c h zw ei V eränderungen durc hgeführt. Zum
einen wurde das Item w ahrgenommene Unangemessenheit der Dauer nic h t
mehr erhob en, d a es sehr hohe Ähnlic hk eiten zum Item Inakzeptabilität der
Dauer zeigte ( r S tudie 1 = . 81 und r S tudie 2 = . 84 ) und dadurc h eine redundan te
Messung darstellte. Zum anderen wurde die Zeitflussb eurteilung um ein zw eites
Item ( wahr genommenes Ziehen der Zeit ) ergänzt, w elc hes auf einem seman ti-
sc hen Differen tial mit 11 Abstufungen v on „Die Zeit ist v erflogen.“ (1) zu „Die
Zeit hat sic h gezogen.“ (11) basierte 2 . Dieses Maß en tspric h t einer Op eratio-
nalisierung, wie sie v on anderen Autoren b ereits gen utzt wurde (z.B. Sac k ett
et al., 2010; Sucala et al., 2011). Die F rageb ogenitems zu den zeit-basierten
Maßen k önnen im Anhang F.1.2) eingesehen w erden.
Die UX-basierten Maße umfassten die w ahrgenommene Usabilit y , die w ahr-
genommene visuelle A ttraktivität und die V alenz. Die w ahrgenommene visuelle
A ttraktivität und die V alenz wurden nac h jeder Aufgab e mit Hilfe des VisA Wi-
Shorts (Moshagen & Thielsc h, 2013) und des Affect Grids (Russell et al., 1989)
gemessen. Die w ahrgenommene Usabilit y wurde nic ht nac h jeder Aufgab e er-
hob en, sondern retrosp ektiv nac h einer P ause v on mindestens 20 Min uten mit
Hilfe v on Videos der eigenen In teraktion. Hierzu wurde Mo dul 1 des meCUEs
(Minge et al., 2016) gen utzt. Dieses Mo dul umfasst Items zur w ahrgenomme-
nen Usabilit y und zur w ahrgenommenen Nützlic hk eit. Im F olgenden werden
jedo c h n ur die Daten der w ahrgenommenen Usabilit y b eric h tet, da n ur diese
auc h in den anderen Studien erhob en wurde.
Zur K on trolle der Aufgab enerfüllung wurden die Probanden nac h jeder Auf-
gab e geb eten eine An t w ort zur Aufgab e abzugeb en ( objektiver Erfolg ) so-
wie anzugeb en, ob sie die Aufgab e lösen k onn ten ( selbstb erichteter Erfolg ).
Darüb er hinaus wurde die Bek ann theit der W ebseite abgefragt. Die Ein v er-
2 Das Item w ahrgenommenes Ziehen der Zeit wurde zum b esseren V ergleic h für die Be-
sc hreibung und Analyse gegen üb er der Erhebung inv ertiert.
123

KAPITEL 8. STUDIE I I I: KORRELA TIONEN ZWISCHEN
D A UER W AHRNEHMU NG UND UX BEI „ECHTEN INTERAKTIONEN“
ständniserklärung und die Bew ertung der w ahrgenommenen Usabilit y lagen in
P apierform v or, w ährend der restlic he F rageb ogen online mit Hilfe v on SoSci-
Surv ey (h ttp://soscisurv ey .de) dargeb oten und erhob en wurde.
8.1.5 Hyp othesen
Manipulationsc hec k: Effekte der Aufgab en
Die vier Aufgab en mit den zugehörigen W ebseiten wurden in einer V orstudie
ausgew ählt, da sie sic h in ihrer w ahrgenommenen Usabilit y un tersc hieden. Ob
dies auc h in dieser Stic hprob e so w ahrgenommen wurde, soll mit Hilfe eines
Manipulationsc hec ks geprüft w erden. Auf Basis der V orstudie wird dazu die
folgende Hyp othese als Manipul ationsc hec k aufgestellt, die einem wiederholten
K on trast (siehe Absc hnitt B.1.2) en tspric h t:
Hyp othese I I I.MC (i) bis (iii) : Die w ahrgenommene Usa-
bilit y ist geringer (i) für Aufgab e A (LingsCars) im V ergleic h
zu Aufgab e B (Uni Groningen), (ii) für Aufgab e B (Uni Gro-
ningen) im V ergleic h zu Aufgab e C (TK) und (iii) für Aufgab e
C (TK) im V ergleich zu Aufgab e D (Lieferando)
(i) w ahr g . U sab. Auf g abe A < w ahr g . U sab. Auf g abe B
(ii) w ahr g . U sab. Auf g abe B < w ahr g . U sab. Auf g abe C
(iii) w ahr g . U sab. Auf g abe C < w ahr g . U sab. Auf g abe D
Dies zeigt sic h in p ositiv en Steigungen: β K ontr ast
′ s > 0 .
Zusätzlic h soll im K on text des Manipulationsc hec ks b etrac h tet w erden, ob
es Un tersc hiede zwisc hen den Aufgab en in Bezug auf die Aufgab endauer und
die Sc hätzv erzerrungen der Aufgab endauer gibt. Dazu w erden die V ariablen
Aufgab endauer so wie P erceiv ed Time Ratios (PTRs) als V erhältnis zwisc hen
gesc hätzter und tatsäc hlic her Dauer gen utzt. Darüb er hinaus wird der Be-
k ann theitsgrad der W ebseiten hinsic h tlic h der F rage b etrac htet, ob sic h die
W ebseiten un tersc heiden und ob dies einen Einfluss auf die w ahrgenommene
Usabilit y hat. Ein solc her Einfluss k önn te die Interpretierbark eit der Ergebnis-
se ersc h w eren. Absc hließend wird der ob jektiv e und der selbstb eric h tete Erfolg
der Probanden b ei der Aufgab enerledigung b etrac h tet.
124

8.1. METHODE
Hyp othesen zu den T eilfragen a) und b): Innersub jektk orrelationen
zwisc hen zeit- und UX-b ezogenen Maßen
Da in dieser Studie die k orrelativ en Zusammenhänge im Mittelpunkt stehen,
w erden in Anlehn ung an die Studien I und I I die Hyp othesen zu den Innersub-
jektk orrelationen zwisc hen den zeitb ezogenen Maßen aus den v orangegangenen
Studien üb ernommen. Diese sind in T ab elle 7.3 im v orangegangenen Kapitel
zusammengefasst. Sie umfassen auf der einen Seite Zusammenhänge zwisc hen
den zeitb ezogenen Maßen Aufgab endauer, gesc hätzte Aufgab endauer, Dau-
erb ew ertung und Zeitflussb eurteilung. Auf der anderen Seite b einhalten sie
Hyp othesen zu den Zusammenhängen zwisc hen diesen zeitb ezogenen und den
UX-b ezogenen V ariablen w ahrgenommene Usabilit y , w ahrgenommene A ttrak-
tivität, V alenz und A rousal.
8.1.6 Datenanalyse
Der Effekt der Aufgab e auf die w ahrgenommene Usabilit y , die Aufgab endauer
und die V erzerrung der Sc hätzungen (PTRs) w erden mit Hilfe eines wiederhol-
ten K on trasts ( r ep e ate d c ontr ast , Sc had et al., 2018) in einem LMM mit Maxi-
m um Lik eliho o d Sc hätzung (ML) getestet. Dab ei w erden auf Seiten der Fixed
Effects der In tercept als Gesam tmittelw ert und die drei Kon traste en tspre-
c hend der V ergleic he in Hyp othese I I I.MC (i) bis (iii) k o diert. Auf Seiten der
Random Effects w erden ein Random In tercept so wie drei Random Slop es en t-
sprec hend der K on traste sp ezifiziert. Die Random Effect Struktur wird wieder
nac h dem in Absc hnitt B.1.3 b esc hrieb enen V orgehen selektiert (Bates, Kliegl
et al., 2015). Das Prüfen der K orrelationsh yp othesen erfolgt erneut durc h die
Berec hn ung v on Innersub jektk orrelationen. Diese W erte geb en an, wie stark
die jew eils b etrac h teten Messw erte eines Probandens miteinander k o v ariieren,
w enn der Proband in v ariierenden Situationen (v ersc hiedene Aufgab en auf un-
tersc hiedlic hen W ebseiten) Messw erte liefert, T eilfrage a).
Gen utzte Soft w are
Zur Analyse der Daten wurde das Statisik-Programm R (R Core T eam, 2018)
und die folgenden P ak ete gen utzt: car (F o x & W eisb erg, 2011) , corrplot (W ei
& Simk o, 2017), devto ols (Wic kham et al., 2018), grid (R Core T eam, 2018),
125

KAPITEL 8. STUDIE I I I: KORRELA TIONEN ZWISCHEN
D A UER W AHRNEHMU NG UND UX BEI „ECHTEN INTERAKTIONEN“
lme4 (Bates, Mäc hler et al., 2015), MASS (V enables & Ripley, 2002), MuMIn
(Bartoń, 2018), psyc h (Rev elle, 2018), RePsyc hLing (Baa y en et al., 2015), res-
hap e (Wic kham, 2007), rmcorr (Bakdash & Marusic h, 2018), simr (Green &
MacLeo d, 2016) und tidyverse (Wic kham, 2017).
8.2 Ergebnisse
8.2.1 Manipulationsc hec k: Effekte der Aufgab en
Das LMM zum Effekt der Aufgab en auf die w ahrgenommene Usabilit y zeigte
die erw arteten Un tersc hiede zwisc hen den Aufgab en (siehe Abb. 8.2 a) und
T ab. 8.2). So wurde die w ahrgenommene Usabilit y für Aufgab e A im Mittel
sc hlec h ter b ew ertet als die für Aufgab e B, Aufgab e B im Mittel geringer b ew er-
tet als Aufgab e C und Aufgab e C im Mittel negativ er b ew ertet als Aufgab e
D. Die β -W erte aus T ab elle 8.2 k önnen dab ei jew eils als Un tersc hiede zwi-
sc hen den jew eiligen Stufen in terpretiert w erden bzw. im F alle des In tercepts
als Gesam tmittelw ert.
Ein LMM zur Aufgab endauer zeigte eb enfalls Effekte der Aufgab en, die in
Abbildung 8.2 b) und T ab elle 8.2 dargestellt sind. Hier zeigte sic h, dass Auf-
gab e B im Mittel die längsten und Aufgab e C die kürzesten Bearb eitungszeiten
hatten. Die hier gefundenen Effekte zeigen jedo c h k ein en tgegengesetztes Mus-
ter zum Effekt der Aufgab en auf die w ahrgenommene Usability . Hier w ar die
am sc hlec h testen b ew ertete Aufgab e nic h t die längste, w o durc h eine systema-
tisc he V erzerrung der w ahrgenommenen Usabilit y durc h die Aufgab endauer
ausgesc hlossen w erden k ann.
Für die Sc hätzv erzerrungen zeigten sic h erneut Üb ersc hätzungen ( PTR −
W er te > 1 ), siehe Abb. 8.2 c). Die Aufgab en wurden jedo c h alle ähnlic h stark
üb ersc hätzt. Es gab lediglic h einen signifik an ten Un tersc hied zwisc hen Aufgab e
C und D (siehe T ab. 8.2). Hier ist jedo c h zu b eac h ten, dass die V arianzaufklä-
rung durc h die Fixed Effects ( mar g inal es R 2 ) viel geringer ist als durc h die
Fixed und Random Effects zusammen ( conditional es R 2 ), w as auf w enig syste-
matisc he Effekte der Aufgab en, ab er starke systematisc he Effekte der einzelnen
V ersuc hsp ersonen hindeutet.
Zu den Effekten der Aufgab e wurden ähnlic h wie in den v orangegange-
126

8.2. ER GEBNISSE
nen Studien P o w eranalysen b erec hnet (siehe Anhang F.3). Besonders in ter-
essan t sind hier jedo c h die P o w eranalysen für die Manipulationsh yp othesen
zur w ahrgenommenen Usabilit y . Auf Basis der v orliegenden Daten k önnen die
Un tersc hiede zwisc hen den Aufgab en A und B so wie B und C in der w ahr-
genommenen Usabilit y als so groß eingesc hätzt w erden, dass sie mit gleic her
Stic hprob engröße erneut gefunden w erden sollten ( 1 − β ≥ 88%). Für den Un-
tersc hied zwisc hen Aufgab en C und D w ar die P o w er jedo c h geringer ( 1 − β =
67%), da der Un tersc hied in den v orliegenden Daten kleiner war.
1
2
3
4
5
6
7
A ufgabe A
LingCars
A ufgabe B
Uni Groningen
A ufgabe C
TK
A ufgabe D
Lief erando
wahrgenommene Usability
a) Unterschiede zw. den A ufgaben
in der wahrgenommene Usability
0
60
120
180
A ufgabe A
LingCars
A ufgabe B
Uni Groningen
A ufgabe C
TK
A ufgabe D
Lief erando
A ufgabendauer [sec]
b) Unterschiede zw. den A ufgaben
in der A ufgabendauer
0.75
1
1.5
2
A ufgabe A
LingCars
A ufgabe B
Uni Groningen
A ufgabe C
TK
A ufgabe D
Lief erando
P erceiv ed Time Ratio
c) Unterschiede zw. den A ufgaben
in der Schätzgüte

ABBILDUNG 8.2: Effekte der Aufgab en auf die w ahrgenommene Usabilit y , die
Aufgab endauer und die log-transformierten PTR-W erte. Die F ehlerbalk en stellen
K onfidenzin terv alle der Standardfehler (95 %) korrigiert für Innersub jektfaktoren
(Cousineau, 2005; Morey, 2008) dar. Für die PTRs ist die y-A c hse rüc ktransformiert.
Ein W ert v on 1 en tspric ht einer perfekten Schätzung.
127

KAPITEL 8. STUDIE I I I: KORRELA TIONEN ZWISCHEN
D A UER W AHRNEHMU NG UND UX BEI „ECHTEN INTERAKTIONEN“
T ABELLE 8.2: Effekt der Aufgab en auf die w ahrgenommene Usability , die Aufga-
b endauer und die log-transformierten PTR-W erte.
β -Gewic h t 95% K onf. Std. F ehler t -W ert
Effekte auf w ahrgenommene Usabilit y
In tercept 4.25 [4.08, 4.42] 0.08 50.07 *
Aufgab e A/B 0.95 [0.35, 1.55] 0.30 3.15 *
Aufgab e B/C 2.24 [1.77, 2.72] 0.24 9.33 *
Aufgab e C/D 0.55 [0.07, 1.02] 0.24 2.27 *
Random Effect Struktur: (0 + Auf g . A v s. B ⏐ ⏐ V er suchsper son )
R 2
GLM M ( m ) : 67.5 %, R 2
GLM M ( c ) : 73.2 %
Effekte auf Aufgab endauer
In tercept 136.5 [124.56, 148.49] 5.93 23.03 *
Aufgab e A/B 96.6 [66.44, 126.71] 15.04 6.42 *
Aufgab e B/C -160.5 [-180.19, -140.82] 9.90 -16.22 *
Aufgab e C/D 53.0 [33.28, 72.64] 9.90 5.35 *
Random Effect Struktur: (1 + Auf g . A v s. B ⏐ ⏐ ⏐ ⏐ V er suchsper son )
R 2
GLM M ( m ) : 51.6 %, R 2
GLM M ( c ) : 75.3 %
Effekte auf log-transformierte PTR-W erte
In tercept 0.27 [0.14, 0.4] 0.06 4.19 *
Aufgab e A/B 0.07 [-0.07, 0.21] 0.07 1.04
Aufgab e B/C 0.12 [-0.02, 0.26] 0.07 1.73
Aufgab e C/D -0.14 [-0.28, 0] 0.07 -2.00 *
Random Effect Struktur: (1 ⏐ ⏐ V er suchsper son )
R 2
GLM M ( m ) : 2.5 %, R 2
GLM M ( c ) : 59.6 %
Anmerkung : Die Sterne geb en an, ob der Effekt auf einem Signifik anzniv eau v on
α = . 05 und zw eiseitiger T estung signifik an t ist.
Die Bek ann theit der gen utzten W ebseiten wurde nac h jeder Aufgab e ge-
prüft. Hier zeigte sic h ein einheitlic hes Bild für die W ebseiten der Aufgab en
A, B und C: 94% (A), 94% (B) bzw. 73% (C) der Probanden gab en an, die
W ebseite nic h t zu k ennen. Bei Aufgab e D w ar die W ebseite jedo c h für n ur 40%
un b ek ann t. Da dies auc h die W ebseite mit der hö c hsten w ahrgenommenen Usa-
bilit y w ar, wurde p ost-ho c ein W elc h-T est durc hgeführt, um zu prüfen, ob die
Bek ann theit einen Einfluss auf die w ahrgenommene Usabilit y hatte. Es zeigte
128

8.2. ER GEBNISSE
sic h, dass die Grupp e, die die W ebseite k ann te, sie im Mittel nic h t signifik an t
anders b ew ertete ( M = 6 . 00 , S D = 0 . 52 ) als die Grupp e, die sie nic h t k ann te
( M = 6 . 05 , S D = 0 . 76 ), t (19 . 3) = − 0 . 21 , p > . 05 .
Beim selbstb eric h teten Erfolg stac h Aufgab e B heraus: Während 88% der
Probanden b ei Aufgab e A, 97% b ei Aufgab e C und 100% b ei Aufgab e D
angab en, die Aufgab e gelöst zu hab en, w aren es b ei Aufgab e B n ur 61%.
Ein p ost-ho c t-T est zeigte jedo c h auc h hier, dass sic h die Grupp e mit Er-
folg ( M = 3 . 50 , S D = 1 . 16 ) nic h t signifik an t v on der Grupp e ohne Erfolg
( M = 2 . 82 , S D = 1 . 18 ) in ihrer Usabilit yb ew ertung der Aufgab e B unter-
sc hied, t (31) = − 1 . 63 , p > . 05 . Für die Analyse des ob jektiv en Erfolgs ergab
sic h das folgende Bild: 82% b ei Aufgab e A, 33% b ei Aufgab e B, 79% b ei Auf-
gab e C und 58% b ei Aufgab e D k onn ten nac h der en tsprec henden Aufgab e
die ric h tige Lösung geb en. Auc h hier zeigten sic h k eine Un tersc hiede in der
Usabilit yb ew ertung für die Aufgab en mit einer geringeren ob jektiv en Erfolgs-
rate, Aufgab e B: t (31) = − 1 . 06 , p > . 05 , Aufgab e D: t (31) = − 0 . 93 , p > . 05 .
Die Hyp othese I I I.MC (i) bis (iii) ( β ′ s > 0 ) k önnen ohne Einschränkung
angenommen w erden, da die gefundenen Ergebnisse nic h t auf eine K onfundie-
rung der Dauer, der Bek ann theit der W ebseite o der des Erfolgs zurüc kgeführt
w erden k önnen.
8.2.2 Ergebnisse zu den T eilfragen a) und b): Inner-
sub jektk orrelationen zwisc hen den zeit- und UX-
b ezogenen Maßen
In T ab elle 8.3 sind die Innersub jektk orrelationen zu den Hyp othesen zusam-
mengefasst. Die K orrelationen zwisc hen den UX-basierten Maßen sind nic h t
h yp othesenrelev an t, k önnen ab er im Anhang G.4 eingesehen w erden. Eine in-
haltlic he Besc hreibung aller Zusammenhänge erfolgt zusammen mit der In ter-
pretation in der Diskussion, um Dopp elungen in der Beschreibung zu v ermei-
den.
Es zeigten sic h wie erw artet p ositiv e Zusammenhänge zwisc hen Aufgab en-
dauer, gesc hätzter Aufgab endauer, Dauerb ew ertung und Zeitflussb eurteilung.
Auf Basis dieser Ergebnisse wurden die Hyp othesen zu den Zusammenhängen
zwisc hen den zeitbasierten Maßen angenommen (Hyp. I I I.3 (i) bis (iii), I I I.4
129

KAPITEL 8. STUDIE I I I: KORRELA TIONEN ZWISCHEN
D A UER W AHRNEHMU NG UND UX BEI „ECHTEN INTERAKTIONEN“
T ABELLE 8.3: Innersub jektk orrelationen zwisc hen den zeit- und den UX-b ezogenen
V ariablen.
Hyp. I I I. Aufgab en-
dauer
gesc hätzte
Aufg.-
dauer
Dauer-
b ew ertung
Zeitfluss-
b eurteilung
3 (i)-(iii) Aufg.dauer – .84 *** .82 *** .49 ***
4 (i)-(ii) gesc h. Aufg.dauer – – .73 *** .45 ***
13 Dauerb ew ertung – – – .54 ***
5 (i)-(iv) w ahrg. Usabilit y -.48 *** -.43 *** -.65 *** -.36 ***
6 (i)-(iv) w ahrg. A ttrakt. -.13, n.s. -.10, n.s. -.28 ** -.19, n.s.
7 (i)-(iv) V alenz -.50 *** -.53 *** -.52 *** -.56 ***
8 (i)-(iv) Arousal -.27 ** -.22 * -.21 * -.32 **
Anmerkung : * b ei p < .05, ** b ei p < .01, *** b ei p < .001, fett für | r | ≥ .3
(i) bis (ii) und I I I.13: r ′ s > 0 ). In Bezug auf die Zusammenhänge zwisc hen
den zeit- und den UX-basierten Maßen w erden die Hyp othesen zur w ahrge-
nommenen Usabilit y (Hyp. I I I.5 (i) bis (iv): r ′ s < 0 ), zur V alenz (Hyp. I I I.7
(i) bis (iv): r ′ s < 0 ) und zum Arousal (Hyp. I I I.8 (i) bis (iv): r ′ s < 0 )
angenommen. Für die w ahrgenommene A ttraktivität wurde n ur Evidenz für
den Zusammenhang zur Dauerb ew ertung gefunden (Hyp. I I I.6 (iii): r < 0 ),
nic h t ab er für die anderen Zusammenhänge (Beib ehalten der H 0 I I I.6 (i), (ii)
und (iv): r ′ s > = 0 ). Eine inhaltlic he In terpretation erfolgt in der Zusammen-
fassung der Ergebnisse in der Diskussion.
8.3 Diskussion
In Studie I I I lösten Probanden vier Aufgab en auf vier v ersc hiedenen W ebsei-
ten. Die zu lösenden Aufgab en b estanden darin, eine b estimm te Information
auf der W ebseite ausfindig zu mac hen und w aren damit rec h t ähnlic h zueinan-
der. Sie w aren jedo c h mit Hilfe v ersc hiedener W ebseiten zu lösen, w elc he sic h in
ihrer w ahrgenommenen Usabilit y stark v oneinander un tersc hieden (siehe Ma-
nipulationsc hec k). Mit diesem V ersuc hsdesign wurde die K o v ariation v on v er-
sc hiedenen zeit- und UX-b ezogenen Bew ertungen un tersuc h t, w enn Probanden
sehr v ersc hiedene In teraktionen erleb en und diese jew eils b ew erten. Darüb er
130

8.3. DISKUSSION
hinaus sollten V erzerrungen in den Zusammenhängen, die durc h eine gleic hzei-
tige Messung v on ähnlic hen Maßen en tstehen k önnen (Common-Metho d-Bias,
P o dsak off et al., 2012), für einen T eil der gemessenen K onstrukte (hier w ahr-
genommene Usabilit y) reduziert w erden.
8.3.1 Zusammenfassung und Bean t w ortung der F orsc h ungs-
teilfragen
Innersub jektk orrelationen zwisc hen den zeitb ezogenen Maßen
Studie I I I zeigte zunäc hst durc h die hohe K orrelation zwisc hen der tatsächli-
c hen und der gesc hätzten Aufgab endauer die t ypisc h en sk alaren Eigensc haften
v on prosp ektiv en Dauersc hätzungen (vgl. STT, Gibb on, 1977). Dieser Zusam-
menhang stützt im Einklang mit den v orangegangenen Studien die Annah-
me, dass prosp ektiv e Dauersc hätzungen im Min uten b ereic h auch w ährend ei-
ner Mensc h-Computer-In terk ation auf einem in ternen T aktgeb er b eruhen (vgl.
Informations-Prozess-Mo dell der Dauerw ahrnehm ung nac h T reisman, 1963;
STT nac h Gibb on et al., 1984 und A GM nac h z.B. Zak a y & Blo c k, 1995).
Für die K orrelationen zwisc hen den Op erationalisierungen der Dauerw ahr-
nehm ung zeigten sic h üb erwiegend die erw arteten Zusammenhänge: Je größer
die gesc hätzte Aufgab endauer w ar, umso sc hlec h ter wurde die Dauer als auc h
der Zeitfluss b ew ertet. Auc h die Dauerb ew ertung und die Zeitflussb eurteilung
zeigten den erw arteten Zusammenhang. So wurden Dauern b esser b ew ertet,
w enn die Zeit w ährend der Dauer sc hnell zu v ergehen sc hien. Diese Befunde
dec k en sic h mit der v orangegangen Studie, w eisen ab er auf Grund ihrer teil-
w eise n ur mittleren Stärk e erneut darauf hin, dass die v erschiedenen Operatio-
nalisierungen nic h t dec kungsgleic h sind. Darüb er hinaus stützen sie die Argu-
men tation aus der Diskussion zu Studie I I, dass der Zusammenhang zwisc hen
Zeitempfinden und Dauersc hätzungen nic h t so einfach ist, dass ein Empfinden
v on langsam v ergehender Zeit automatisc h zu einer längeren Dauersc hätzung
führt.
V erglic hen mit den Ergebnissen der v orangegangen Studien w aren alle ge-
fundenen Zusammenhänge stärk er. Dies legt nahe, dass die größere V ariation
v on Aufgab en wie in tendiert zu einem größeren Sp ektrum an Erfahrungen in-
nerhalb jeder V ersuc hsp erson geführt hat. Dieses Sp ektrum k onn ten die Pro-
131

KAPITEL 8. STUDIE I I I: KORRELA TIONEN ZWISCHEN
D A UER W AHRNEHMU NG UND UX BEI „ECHTEN INTERAKTIONEN“
banden b ei der Bewertung der zeitb ezogenen Maße n utzen und V ergleic he üb er
die v ersc hiedenen Aufgab en und Systeme hin w eg anstellen.
Innersub jektk orrelationen zwisc hen den zeitb ezogenen Maßen und
der w ahrgenommenen Usabilit y
In Studie I I I wurde zusätzlic h zur größeren V ariation der präsen tierten Systeme
auc h die W ahrsc heinlic hk eit der En tsteh ung eines Common-Metho d-Bias für
das K onstrukt w ahrgenommenen Usabilit y v erringert. Dies wurde auf der einen
Seite durc h eine zeitlic he P ause zwisc hen der Messun g der w ahrgenommenen
Usabilit y und den anderen K onstrukten und auf der anderen Seite durc h größe-
re Un tersc hiede in der Itemgestaltung erzeugt (P o dsak off et al., 2012). Die Un-
tersc hiede in der Gestaltung b estanden in der Messung der w ahrgenommenen
Usabilit y und der visuellen A ttraktivität auf einer Lik ert-Zustimm ungssk ala
anstelle einer bip olaren Analogsk ala. Darüb er hinaus w ec hselte das Medium
der Erfassung der w ahrgenommenen Usabilit y v on digital zu Papier.
V or diesem Hin tergrund sind die hohen K orrelationen zwisc hen Dauerw ahr-
nehm ung und w ahrgenommener Usabilit y b esonders stark zu gewic h ten. So
w ar die gesc hätzte Aufgab endauer umso länger und die Dauerb ew ertung und
die Zeitflussb eurteilung umso negativ er, je sc hlec h ter die w ahrgenommene Usa-
bilit y b ew ertet wurde. Diese Zusammenhänge deuten darauf hin, dass Proban-
den die K onstrukte der Dauerw ahrnehm ung inhaltlic h mit der Bew ertung der
Usabilit y v erkn üpfen, auc h w enn sie zu un tersc hiedlic hen Zeitpunkten und auf
un tersc hiedlic he Art und W eise erfragt w erden. Damit liefert Studie I I I empi-
risc he Evidenz für einen stark en Zusammenhang zwisc hen Dauerb ew ertungen
und w ahrgenommener Usabilit y , wie er in v ersc hiedenen F rageb ögen b ereits
v erm utet und zur Messung v on w ahrgenommener Usabilit y gen utzt wird (vgl.
PSSUQ: Lewis, 1992; QUIS: Chin et al., 1988; UEQ: Laugwitz et al., 2006,
USE: Lund, 2001).
Innersub jektk orrelationen zwisc hen den zeitb ezogenen Maßen und
der w ahrgenommenen A ttraktivität
Auc h die geringen K orrelationen zwisc hen Dauerw ahrnehm ung und w ahrge-
nommener A ttraktivität sind v or diesem Hin tergrund in teressan t: T rotz gleic h-
zeitiger Messung w aren diese Zusammenhänge größten teils geringer als in v or-
132

8.3. DISKUSSION
angegangenen Studien. Ein Grund für diesen Un tersc hied k önn te einer der V er-
änderungen im V ersuchsdesign zugesc hrieb en w erden, also (i) der größeren V a-
riation der präsen tierten Systeme, (ii) dem anderen F rageb ogen für die A ttrak-
tivität, (iii) der größeren Un tersc heidbark eit in der Erfassung zwisc hen w ahr-
genommener A ttraktivität und Zeitempfinden o der (iv) der Un terdrüc kung des
Common-Metho d-Biases für die wahrgenommene Usabilit y .
Die größere V ariation der präsentierten Systeme (i) auf der einen Seite k ann
dazu geführt hab en, dass die versc hiedenen Usabilit y-Abstufungen nic h t mehr
so eindeutig mit einer b estimm ten A ttraktivität v erkn üpft w aren, wie es b eim
Arb eiten mit einer k onstanten Usabilit y-Abstufungen üb er alle Aufgab en hin-
w eg der F all ist. Gegen diesen Erklärungsansatz sprec hen jedo c h die gefun-
denen K orrelationen zwisc hen w ahrgenommener Usabilit y und w ahrgenomme-
ner A ttraktivität, die in allen drei Studien ähnlic h ho c h w aren (Studie I mit
r = . 63 , Studie I I mit r = . 70 und Studie I I I mit r = . 75 ). Dies zeigt, dass
Probanden auc h in dieser Studie hohe Usabilit y mit hoher A ttraktivität v er-
kn üpften.
In Studie I I I änderte sic h jedo c h die Messung der w ahrgenommenen A t-
traktivität (ii). In Studien I und I I wurde ein Single-Item zur A ttraktivität
gen utzt, w ob ei der Begriff A ttraktivität nic h t w eiter sp ezifiziert wurde. Die-
ses Item k ann v on Probanden sehr allgemein in terpretiert w orden sein und
eine Art Gesam tb ew ertung miteingesc hlossen hab en. In Studie I I I wurde hin-
gegen ein v alidi erter F rageb ogen gen utzt, der die A ttraktivität b ezüglic h der
visuellen Ästhetik abfragt. Das in Studie I I I erfasste K onstrukt sollte daher
trennsc härfer eine rein nic h t-instrumen telle Qualität erfassen. V or diesem Hin-
tergrund k ann die geringe K orrelation zwisc hen w ahrgenommener A ttraktivität
und Dauerw ahrnehm ung als eine b essere Abbildung der Zusammenhänge zwi-
sc hen nic h t-instrumen tellen Qualitäten und zeitb ezogenen Maßen angesehen
w erden.
Die größere Un tersc heidbark eit in der Erfassung (iii) so wie die Un ter-
drüc kung des Common-Metho d-Biases (iv) k ann zusätzlic h dazu geführt ha-
b en, dass Prob anden nic h t mehr v ersuc h ten, k onsisten t in ihrer Bew ertung
der Dauerw ahrnehm ung und der w ahrgenommenen A ttraktivität zu sein.
Eine solc he V erzerrung des An t w ortv erhaltens wird auc h K onsistenzmotiv
( Consistency Motif , Podsakoff et al., 2003) genann t. Sie en tsteh t, w enn Pro-
133

KAPITEL 8. STUDIE I I I: KORRELA TIONEN ZWISCHEN
D A UER W AHRNEHMU NG UND UX BEI „ECHTEN INTERAKTIONEN“
banden einen Zusammenhang so w ohl der Dauerw ahrnehm ung als auc h der
nic h t-instrumen tellen Qualitäten zu den instrumentellen Qualitäten sehen.
Damit b eide Zusammenhänge k onsisten t in den Bew ertungen widergespiegelt
w erden k önnen, erfolgt eine Anpassung der K onstrukte Dauerw ahrnehm ung
und nic h t-instrumen telle Qualitäten, w o durch der tatsäc hliche Zusammenhang
üb ersc hätzt wird.
Die v orliegenden Ergebnisse stützen die Befunde aus Studien I und I I, dass
es so w ohl reliable Zusammenhänge zwisc hen Dauerw ahrnehm ung und w ahrge-
nommener Usabilit y , als auc h zwisc hen w ahrgenommener Usabilit y und w ahr-
genommener A ttraktivität gibt (Aran yi & v an Sc haik, 2015; La vie & T ractins-
ky, 2004; Minge, 2008). Die V erringerung der K orrelationen zwisc hen Dauer-
w ahrnehm ung und w ahrgenommener A ttraktivität gegen üb er den ersten b ei-
den Studien stützt zudem die Argumen tation, dass Dauerw ahrnehm ung primär
mit der W ahrnehm ung instrumen teller Qualitäten und nic h t mit der W ahrneh-
m ung nic h t-instrumen teller Qualitäten zusammenhängt, w as in den v orange-
gangenen Studien auf Grund der gleic hzeitigen und sic h ähnelnder Messung
nic h t dissoziiert w erden k onn te.
Innersub jektk orrelationen zwisc hen den zeitb ezogenen Maßen und
der Emotion
Auc h zwisc hen den K onstrukten der Dauerw ahrnehm ung und der V alenz zeig-
ten sic h stark e K orrelationen, w as darauf hindeutet, dass Probanden ihren emo-
tionalen Zustand inhaltlic h mit der Dauerw ahrnehm ung v erkn üpfen. Dies steh t
im Einklang mit Befunden v on anderen Autoren, die einen Zusammenhang
zwisc hen Emotion und Zeitempfinden bzw. Dauersc hätzungen b ei mehrmin ü-
tigen In terv allen b eric h ten (Droit-V olet & W earden, 2015, 2016; Droit-V olet et
al., 2017, 2018; W earden et al., 2014). Auf Grund des V ersuc hsdesigns k ann
in der v orliegenden Studie jedo c h nic h t der Einfluss eines Common-Metho d-
Bias als Grund für den Zusammenhang ausgesc hlossen w erden, da V alenz und
Dauerw ahrnehm ung gleic hzeitig gemessen wurden.
Im CUE-Mo dell wird angenommen (Mahlke, 2008; Minge & Th üring, 2018;
Th üring & Mahlk e, 2007), dass die W ahrnehm ung der In teraktionsc harakte-
ristik a (hier Dauer) k einen direkten Einfluss auf die Emotionen hat, sondern
üb er die W ahrnehm ung instrumen teller o der nic h t-instrumen teller Qualitäten
134

8.3. DISKUSSION
v ermittelt wird. Der Zusammenhang zwisc hen Dauerw ahrnehm ung und V alenz
k ann jedo c h als Indiz dafür gesehen w erden, dass die W ah rnehm ung der In ter-
aktionsc harakteristik a die Emotionen direkt b eeinflusst. Dieses Indiz ist aller-
dings sc h w ac h, da der Zusammenhang auc h üb er die w ahrgenommene Usabilit y
v ermittelt w orden sein k ann, ohne dass diese zum gleic hen Zeitpunkt explizit
erfragt wurde.
Das Arousal zeigte in Studie I I I ähnlic he, ab er sc h w äc her ausgeprägte Zu-
sammenhänge zu den zeitb ezogenen Maßen als die V alenz. So ging ein erhöh tes
Arousal-Lev el mit kürzeren tatsäc hlic hen und gesc hätzten Dauern, sowie mit
einer p ositiv eren Bew ertung der Dauer und des Zeitflusses einher. Der stärkste
Zusammenhang w ar ähnlic h zu Studie I I der zur Zeitflussb eurteilung, wie er
auc h b ereits v on Droit-V olet et al. (2018) b eric h tet wurde.
Bean t w ortung der T eilfragen a) und b) v on Studie I I I
Zusammengefasst stützen die Ergebnisse die Zusammenhänge zwisc hen Dauer-
w ahrnehm ung und den UX-K omp onen ten W ahrnehm ung instrumen teller Qua-
litäten und Emotion. Hier sc hein t v or allem die Dauerb ew ertung mit den UX-
K omp onen ten v erkn üpft zu sein, w ohingegen der Zeitfluss einen geringeren
Zusammenhang aufw eist. Darüb er hinaus deuten die Ergebnisse darauf hin,
dass die Dauerw ahrnehm ung als T eil der instrumen tellen Qualitäten gesehen
w erden k ann.
8.3.2 Limitationen v on Studie I I I
Studie I I I w ar eine F ortführung der ersten b eiden Studien, in der mehr V ari-
anz in den erlebten In terakionen erzeugt und eine Beeinflussung der Zusam-
menhänge mit dem K onstrukt w ahrgenommene Usabilit y durc h den Common-
Metho d-Bias reduziert wurde. Beide V eränderungen im V ersuc hsdesign gehen
jedo c h mit Limitationen für die In terpretation einher.
Zum einen stellten die v ersc hiedenen W ebseiten mit ihren Aufgab en n ur
eine kleine Ausw ahl dar. Hier hätten andere o der mehr Aufgab en gen utzt w er-
den k önnen, die gegeb enenfalls zu einem anderen Ergebnis geführt hätten.
Darüb er hinaus stellten auc h sie n ur einen Aussc hnitt auf einem K on tin uum
v on möglic hst sc hlec h ter zu möglic hst guter Usabilit y dar. Hier spiegelt sic h
135

KAPITEL 8. STUDIE I I I: KORRELA TIONEN ZWISCHEN
D A UER W AHRNEHMU NG UND UX BEI „ECHTEN INTERAKTIONEN“
jedo c h ein Problem b ei der V orausw ahl v ersc hiedener Usabilit ystufen wieder:
W ahrgenommene Usability en tsteht in der In teraktion mit einem Probanden,
da ein w esen tlic her T eil v on Usabilit y die Zufriedenheit des Nutzers ist (vgl.
Definition Usabilit y , DIN, EN ISO 9241-11, 2018). Daher k ann sie nic h t prä-
zise v orhergesagt o der so gestaltet w erden, dass die gleic he w ahrgenommene
Usabilit y für jeden Nutzer erzeugt wird. Zum anderen wurde der Common-
Metho d-Bias n ur für ein K onstrukt reduziert, die w ahrgenommene Usabilit y .
Diese Ausw ahl erfolgte auf Basis der V orarb eiten und V orüb erlegungen, hätte
ab er auc h für andere K onstrukte angew endet w erden k önnen. So bleibt die
F rage offen, in wie w eit die zeitbasierten V ariablen miteinander k orrelieren,
w enn ihre Messungen getrenn t v oneinander erfolgen.
Ein w eiterer Kritikpunkt k ann in der W ahl der gemessenen K onstrukte
gesehen w erden. Auf Basis der sc h w ac hen K orrelationen zwisc hen w ahrge-
nommener A ttraktivität und Dauerw ahrnehm ung wurde argumen tiert, dass
die Ergebnisse den Sc hluss stützen, dass Dauerw ahrnehm ung primär mit der
W ahrnehm ung instrumen teller Qualitäten und nic h t mit der W ahrnehm ung
nic h t-instrumen teller Qualitäten zusammenhängt. Dies k ann jedo c h als Üb er-
generalisierung gesehen w erden, da so w ohl instrumen telle Qualitäten als auc h
nic h t-instrumen telle Qualitäten durc h jew eils n ur ein K onstrukt gemessen wur-
den. Im CUE-Mo dell w erden w eitere K onstrukte un ter diesen Üb erk ategorien
genann t, wie zum Beispiel die w ahrgenommene Nützlic hk eit, der Status o der
die Iden tifik ation mit dem Pro dukt (Mahlke, 2008; Minge & Th üring, 2018;
Th üring & Mahlk e, 2007). Hier fehlen w eitere Studien, um die Generalisier-
bark eit der gemac h ten Aussagen zu prüfen.
8.3.3 F azit Studie I I I
Studie I I I zeigte, dass Dauerb ew ertung und w ahrgenommene Usabilit y bzw.
V alenz b ei einer großen V arianz der b etrac h teten Aufgab en bzw. W ebseiten
stark miteinander k o v ariieren. Dies deutet darauf hin, dass Probanden in der
Bew ertung dieser drei K onstrukte eine große inhaltlic he Nähe sehen. Die Zeit-
flussb eurteilung hingegen zeigte außer zur V alenz sc h w äc here Zusammenhänge.
Dies w eist darauf hin, wie wic h tig eine Diskriminierung zwisc hen v ersc hiedenen
Op erationalisierungen v on Zeitempfinden ist.
136

Kapitel 9
Studie IV: Effekte v on System und
Dauer auf Dauerb ew ertung und
Zeitflussb eurteilung
In der Diskussion zu Studien I und I I wurde zu F orsc h ungsfrage 1 die folgende
T eilfrage aufgew orfen:
a) Wird die Dauerb ew ertung und die Zeitflussb eurteilung primär v on der
Dauersc hätzung o der v om Nutzererleb en b eeinflusst?
Die theoretisc he Mo dellannahme zu dieser F rage ist in Abbildung 9.1 in
einem Arb eitsmo dell dargestellt. In Anlehn ung an das CUE-Mo dell (Mahlk e,
2008; Minge & Th üring, 2018; Th üring & Mahlk e, 2007) ist hier visualisiert,
dass v ersc hiedene In teraktionsc harakteristik a auf Basis des Nutzers, des Sys-
tems und des K on textes en tstehen. Ein solc hes Charakteristikum ist die Dauer
der In teraktion. Diese k ann v om Nutzer w ahrgenommen und gesc hätzt w erden,
w ob ei es durc h b eispielsw eise men tale Beanspruc h ung w ährend der In teraktion
zu V erzerrungen komme n k ann (vgl. Effekt v on lautem Denk en auf PTRs in
Studien I und I I o der b ei Hertzum & Holmegaard, 2015). Basierend auf der
W ahrnehm ung der In teraktionsc harakteristik a folgt auc h das Nutzererleb en,
w elc hes aus der W ahrnehm ung v on instrumen tellen und nic h t-instrumen tellen
Qualitäten so wie der erlebten Emotion b esteh t.
Im Arb eitsmo dell wird angenommen, dass die Dauerb ew ertung und die Zeit-
flussb eurteilung auf der einen Seite da v on b eeinflusst w erden k önnen, wie lange
137

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