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Wojciech Baniewicz
Dr. med.
Die zytoprotektive Wirkung essentieller Phospholipide auf die Magenschleimhaut bei
Behandlung mit nichtsteroidalen Antirheumatika
Geboren am 24.04.1955
Reifeprüfung am 10.06.1974 in Breslau
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom 01.10.19974 bis 30.09.1981
Physikum am 30.06.19976
Klinisches Studium in Breslau
Praktisches Jahr in Speyer
Staatsexamen : 30.09.1981
Promotionsfach: Innere Medizin
Doktorvater: Prof. Dr. med. Axel Horsch
Die nichtsteroidalen Antirheumatika gehören zu den meist verordneten Medikamenten. Sie
entfalten ihre Wirkung durch die Synthesehemmung der Prostaglandine durch die Hemmung
der Aktivität der Cyclooxygenase- eines Enzyms, das die Umwandlung von Arachidonsäure
zu Prostaglandin katalysiert. Zu den wichtigsten Prostaglandinen gehören PG2 und PGF2. Die
Prosaglandine wirken vasodilatatorisch, erhöhen gleichzeitig die Gefäßpermabilität und
sensibilisieren die Schmerzrezeptoren. Sie sind auch für die Entstehung des Fiebers
mitverantwortlich. Das Wirkprinzip, welches für die Entfaltung der pharmakologischen
Eigenschaften sorgt, ist dem Verantwortlichen für die zahlreichen Nebenwirkungen der
nichtsteroidalen Antirheumatika. Am stärksten sind der Gastrointestinal- und
Respirationstrakt, das Zentralnervensystem, Knochenmark, Uterus, die Nieren und
Thrombozyten betroffen. Die Thrombozytenaggregationshemmung fand in der letzten Zeit
eine weite klinische Anwendung. Sie wird bei den kardiovaskulären Erkrankungen als
Thromboseprophylaxe zu nutze gemacht.
Bei jedem bis jetzt untersuchten Antirheumatika standen die gastrointestinalen
Nebenwirkungen an der obersten Stelle. So wurden Oberbauchbeschwerden, gastroduodenale
Schleimhauterosionen, Ulzera, Blutungen, Diarrhöen und Hämatochezien nach rektaler
Applikation beobachtet . Die Ulzera und Blutungen des oberen Gastrointestinaltraktes treten
bei Rheumakranken, die NSAR einnehmen häufig auf. Die Inzidenz der Antirheumatika
bedingten Ulzera schwankt in einigen Fällen zwischen 16 und 82%. Besonders oft sind
Frauen über 65 Jahre betroffen.
Therapeutisch gibt es einige Möglichkeiten den NSAR bedingten Gastropathien zu begegnen.
Neben der Säuresektretionshemmung erzeugt entweder durch die H2 Rezeptorblocker oder
durch Protonpumpenblocker steht heutzutage auch die Behandlung mit den zytoprotektiven
Substanzen zu Verfügung. Die Zytoprotektion beruht auf der Anwendung der Prostaglandine
und ihrer Derivate zu Behandlung der NSAR bedingten Gastropathien. Der Begriff definiert
die Fähigkeit einer Substanz, die Intaktheit der gastrointestinalen Schleimhaut zu erhalten,
wobei die Mechanismen, welche dies bewirken, von der Suppression der
Magensäuresekretion verschieden sind . Die Zytoprotektion wird eindeutig mit der Wirkung
von Prostaglandin in Zusammenhang gebracht. Unter anderem stimulieren die Prostaglandine
die Entstehung einer Phospholipiden Schicht auf der Oberfläche der Magenmukosa, die eine
große Ähnlichkeit mit der Phospholipidenschicht der Lungenalveolen aufweist. Die
Phospholipidenschicht besteht vor allem aus Phosphatidylcholin- einem Zwitterionmolekül,
daß für die Hydrofobizität der Magenmukosaoberfläche sorgt. Im Tiermodel konnte eine
Phospholipon- abhängige Minderung von Magenmukosaschäden bei den mit Diclophenac
behandelten Ratten belegt werden und diese Ergebnisse bilden die theoretische Grundlage für
die Untersuchung der zytoprotektiven Eigenschaften von Phospholipiden beim Menschen- zur
Minderung der NSAR- bedingten Mukosaschäden des gastrointestinalen Traktes. Von diesem
theoretischen Hintergrund wurde in der folgenden Arbeit die zytoprotektive Wirkung von
Polyenphosphatidylcholin (Phospholipon 100 von Rhone- Poulenc-Rorer) in einem offenen
und unkontrollierten Versuch bei 20 stationären Patienten mit NSAR- bedingten Magen und
Darm Beschwerden untersucht. Alle Patienten ( 11 Frauen und 9 Männer im Alter von 44 bis
79) litten unterschiedlich lang an rheumatoider Arthritis und deswegen nahmen sie ein oder
mehrere NSAR ein. Zusätzlich bekam jeder der Patienten Phospholipon 100 , 3 mal 450 mg
/Tag, über mindestens 14 Tage. Der zytoprotektive Effekt der Therapie wurde durch die
Endoskopie des oberen Gastrointestinaltraktes mit histologischer Untersuchung der Biopsien
aus den pathologischen Veränderungen vor dem Beginn und am Ende der Studienmedikation,
sowie durch Aufstellung eines Bewertungssystems, in dem die subjektiven vor, während und
zum Ende des Versuches dokumentiert und statistisch ausgewertet wurden.
Bei 8 Testpersonen (42,1%) fand sich ein Ulkus ventrikuli und bei 2 (10,5%) weiteren ein
Ulkus duodeni . Bei den Patienten mit Ulkus ventrikuli (N=8) fand sich in einem Fall (12,5%)
keine Befundbesserung, in 3 weiteren ergab die Nachkontrolle deutliche Heilungstendenz der
Ulzera (37,5%). Bei 4 Patienten waren die Ulzera abgeheilt (50%). Eine Befundbesserung bis
hin zur vollständigen Abheilung der Ulzera zeigte sich somit in 87,5% der Fälle bei
Therapiedauer im Schnitt von 13,7 Tagen. Bei beiden Patienten mit Ulkus duodeni (N=2) war
eine vollständige Abheilung der Geschwüre zu verzeichnen. Bei den Patienten mit Gastritis
bzw. Duodenitis war in 50% der Fälle eine Besserung zu sehen. Die Oberbauchbeschwerden
wurden im Mittel um 65% reduziert. Bei der abschließenden Beurteilung sahen 80% der
Patienten ihren Zustand als viel besser bzw. besser an. Bei der ärztlichen Beurteilung wurde
bei 90% der Patienten eine Besserung bzw. deutliche Besserung festgestellt.
Somit konnte die Arbeit einen neuen Aspekt der Zytoprotektion zeigen, der wegen seiner
Wirksamkeit und guter Verträglichkeit, nach dem Bestehen weiteren Prüfungen, durchaus
einen festen Platz im Arsenal der Mitteln zur Behandlung der NSAR bedingten
gastrointestinalen Läsionen finden kann.