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Bernd Werle
Dr. sc. hum.
Cathepsin B aus humanen Lungentumoren: Kinetische und molekulare Charakterisierung -
Regulation und Klinische Bedeutung
Geboren am 18.01.1963 in Heidelberg
Reifeprüfung am 07.06.1983 in Heidelberg
Studiengang der Fachrichtung Chemie vom WS 1984/1985 bis WS 1991/1992
Vordiplom am 26.11.1987 an der Universität Heidelberg
Diplom am 27.09.1991 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Klinische Chemie
Doktorvater: Prof. Dr. rer. nat. W. Ebert
Die Beteiligung der Cysteinpeptidase Cathepsin B im Prozeß der Tumorinvasion und Metastasierung kann
heute als gesichert gelten. Mit Hilfe der konfokalen Laserscanningmikroskopie konnte gezeigt werden, dass
die lysosomale Peptidase Cathepsin B in Tumorzellen auch Zellmembran-gebunden, vornehmlich in den
sogenannten Filopodien, in aktiver Form vorkommt. Dies gibt Anlass zur Vermutung, dass Cathepsin B
einmal in mehreren molekularen Formen existieren kann, und zum anderen ein Teil dieser Formen auch bei
einem physiologischen pH-Wert, wie er in der Umgebung der Zellmembran herrscht, katalytisch wirksam
ist.
Um letztere Hypothese zu belegen, wurden grundlegende Experimente zur Untersuchung der Aktivität und
Stabilität von Cathepsin B in Abhängigkeit vom pH-Wert vorgenommen. Neben dem Aktivitätsmaximum
bei pH 6,0 - 6,5 konnten zwei Schultern bei pH 4,5 - 5,5 und bei pH 7,0 - 7,5 beobachtet werden.
Bemerkenswert ist der Befund, dass im Tumorgewebe eine Zunahme der Cathepsin B-Aktivität im sauren
pH-Bereich auftritt. Die Überprüfung der Stabilität von Cathepsin B nach Inkubation beim pH-Wert von 7,5
ergab eine Konservierung der Enzym-Aktivität von 82 - 100 % der Ausgangswerte bei pH 5,0 - 5,5,
wohingegen im Bereich von pH 5,5 - 7,4 die Aktivität drastisch auf 26 - 42 % abgesunken ist. Bei pH 7,5
waren jedoch immer noch 20 - 34 % Cathepsin B-Aktivität vorhanden. Diese Aktivität war gegenüber
normalem Lungenparenchym im Tumorgewebe signifikant erhöht. Zwangsläufig stellt sich die Frage,
inwieweit die nachgewiesene veränderte pH-Abhängigkeit auf konformelle Strukturveränderungen in einer
Cathepsin B - Spezies zurückzuführen ist, oder ob sich dahinter tatsächlich tumor-assoziierte Cathepsin B-
Isomere verbergen. Die gelelektrophoretische Auftrennung verbunden mit Westernblot-Analyse ergab für
Cathepsin B sowohl aus Tumor- als auch aus Lungengewebe zwei Einfachketten- und zwei Doppelketten-
Formen mit einer molekularen Masse von 31/32 kDa bzw. 26/5 und 27/5 kDa. An beiden Einfach- bzw.
Doppelketten ist an der schweren Kette von Cathepsin B ein 1 kDa schweres Oligosaccharid vom "high-
Mannose"-Typ N-glycosidisch gebunden. Ein Unterschied in der molekularen Masse konnte auf der Basis
dieser Untersuchungen zwischen Tumor- und Lungengewebe nicht nachgewiesen werden. Auf der Suche
nach sehr viel diskreteren strukturellen Unterschieden wurde Cathepsin B durch die Anwendung der 2-
dimensionalen Gelelektrophorese-Technik analysiert. Cathepsin B liegt im normalen Lungenparenchym in
1 - 3 Einzelketten-Formen mit einer molekularen Masse von 32 kDa und zugehörigen isoelektrischen
Punkten von 4,98; 5,21 sowie 5,32 vor. Weiterhin konnten die 1 - 2 schweren Ketten der Doppelketten-
Formen mit einer molekularen Masse von 32 kDa und den isoelektrischen Punkten von 5,21 und 5,29
gefunden werden. Im Lungentumorgewebe dagegen wurden 3 - 7 Einzelketten-Formen des Cathepsin B mit
einer molekularen Masse von 32 kDa mit zugehörigen isoelektrischen Punkten von 4,98; 5,07; 5,21; 5,28;
5,32; 5,40; 5,50 identifiziert. Den 2 - 3 nachweisbaren schweren Ketten der Doppelketten-Form mit einer
Masse von 27 kDa konnten isoelektrische Punkte von 5,21; 5,29, und 5,40 zugeordnet werden. Diese
Ergebnisse belegen eine höhere Anzahl von Cathepsin B-Isomeren im Lungentumorgewebe im Vergleich zu
normalem Parenchym der Lunge. Auffällig ist weiterhin eine höhere Zahl von Einfachketten-Formen mit
einer Masse von 32 kDa im Tumorgewebe.
Anhand von 91 Gewebepaaren konnte gezeigt werden, daß die bei einem pH-Wert von 7,5 stabile Cathepsin
B-Fraktion in Lungentumoren signifikant erhöht war. Es stellt sich zwangsläufig die Frage, ob diese tumor-
assoziierte Cathepsin B-Fraktion mit klassischen Prognosefaktoren in Beziehung steht. Die Untersuchung
ergab jedoch, daß die Expression der Cathepsin B-Aktivität bei pH 7,5 weder mit der Histologie und dem
Tumorstadium (TNM-Stadien) noch mit sekundären Prognosefaktoren wie Geschlecht, Alter oder
Rauchverhalten korreliert. Daß diese Cathepsin B-Fraktion dennoch mit dem malignen Wachstum assoziiert
ist, beweist die Tatsache, daß Patienten mit Plattenepithelzellkarzinomen und Cathepsin B-Aktivitäten größ
er als 292 [@EU/mg] eine signifikant (p<0,05) kürzere postoperative Überlebenszeit aufwiesen als solche
mit Enzymaktivitäten unterhalb dieses Schwellenwertes.
Die Bestimmung der Substratumsatzrate objektiviert durch den Km - Wert ergab 0,4 mM für die
Einzelketten-Form und 0,2 mM für die Doppelketten-Form von Cathepsin B. Unterschiede in den Km-
Werten für Cathepsin B aus Tumor- und Lungengeweben konnten nicht nachgewiesen werden. Trotzdem
finden wir eine schnellere Umwandlung der Einfachketten-Form in die Doppelketten-Form von Cathepsin B
aus Tumorgeweben im Vergleich zum jeweils zugehörigen Lungenparenchym.