Sabine Pohl
Dr. med.
Trisomie 12 bei chronischen lymphatischen Leukämien der B-Zell Reihe – eine
zytogenetische Analyse mit Hilfe der Fluoreszenz in situ Hybridisierung
Geboren am 29.04.1966 in Frankfurt am Main
Reifeprüfung am 10.06.1985 in Bad Homburg v.d.H.
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1987 bis WS 1994
Physikum am 01.09.1989 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in NewYork, USA; Zofingen, Schweiz; Heidelberg
Staatsexamen am 21.11.1994 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Innere Medizin
Doktorvater: Priv. Doz. Dr. med. H. Döhner
In Europa und den USA ist die chronische lymphatische Leukämie der B-Zell Reihe
die häufigste Leukämie bei Personen über 50 Jahren. Trisomie 12 stellt die
häufigste numerische chromosomale Aberration bei Patienten mit B-CLL dar. Die
klassische zytogenetische Analyse mit Hilfe der Bänderungsanalysen ist bei
diesen Erkrankungen bedingt durch die sehr geringe in vitro Proliferationsrate
der leukämischen Zellen schwierig. Mit Entwicklung der Fluoreszenz in situ
Hybridisierung (ISH) eröffnete sich ein neuer Weg der zytogenetischen Analyse:
die Methode erlaubt die Darstellung chromosomaler Veränderungen nicht nur in
Metaphase-, sondern auch Interphasezellen (sog. "Interphasezytogenetik").
In dieser Arbeit wurden mononukleäre Zellen von 6 Kontrollpersonen und 58
Patienten mit chronischen B-Zell Leukämien [B-CLL=54; B-Prolymphozytenleukämie
(B-PLL)=4] mit Hilfe der Fluoreszenz ISH auf die Inzidenz der Trisomie 12
untersucht. Bei allen Probanden und Patienten wurde eine
Zweifarbenhybridisierung mit zwei Chromosom 12 spezifischen DNA-Sonden (D12Z3,
pBS-12) durchgeführt. Ein Teil der Patientenpräparate wurde zum Nachweis von
strukturellen und numerischen Veränderungen von Chromosom 12 zusätzlich mit
einer das gesamte Chromosom 12 darstellenden (WCP DNA probe 12) DNA-Bibliothek
hybridisiert. Der Schwellenwert für die Diagnose der Trisomie 12 wurde mit Hilfe
der Kontrollpräparate definiert und lag bei 1,4% (Mittelwert von
Interphasezellen mit drei Hybrdisierungssignalen plus dreifache
Standardabweichung). Durch Fluoreszenz ISH wurde bei 13,8% (8/58) der Patienten
[B-CLL 6/54 (11,1%); B-PLL 2/4 (50%)] eine Trisomie 12 diagnostiziert. Der
Anteil der Kerne mit drei Signalen lag zwischen 4,5% und 77%. Diese Ergebnisse
stimmen mit mehreren in letzter Zeit publizierten ISH Studien überein. Bei vier
Patienten gelang der Nachweis von Trisomie 12 nur durch die Fluoreszenz ISH und
konnte mit Hilfe der G-Bänderungsanalyse nicht erbracht werden. Mit der WCP DNA
probe 12 konnte eine unbalancierte Translokation von Chromosom 12 bei einem
Patienten in einigen Metaphasen identifiziert werden. Exemplarisch wurden
Blutausstrichpräparate von zwei Patienten mit Trisomie 12 hybridisiert: die
Prozentsätze von Kernen mit drei Hybridisierungssignalen korrelierten mit denen
an Methanol/Eisessig fixierten Präparaten.
Die Fluoreszenz ISH ist eine schnelle und sensitivere Methode zum Nachweis der
Trisomie 12 in Interphase- und Metaphasezellen bei chronischen lymphatischen
Leukämien der B-Zell Reihe. Von klinischer Relevanz ist die genaue Bestimmung
der Inzidenz der Trisomie 12 und exakte Korrelation zwischen zytogenetischen
Veränderungen und prognostischen Faktoren, so daß entsprechende
Therapiestrategien erarbeitet werden können. Hierzu ist es notwendig
Vielfarbenprobensätze zur Identifizierung der wichtigsten B-CLL-spezifischen
Aberrationen zu entwickeln und in prospektiven Studien anzuwenden.