Oliver Miltner
Dr. med.
Kontrollierte, klinische Prüfung zur Wirksamkeit von Hyaluronsäure bei Patienten mit
beidseitiger Gonarthrose in rechts / links - Vergleich
Geboren am 27.01.1964 in Karlsruhe
Reifeprüfung am 8.06.1983 in Beutelsbach
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1986 bis WS 1994/1995
Physikum am 13.09.1989 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg
3. Staatsexamen am 28.11.1994
Promotionsfach: Orthopädie
Doktorvater: Prof.Dr.med.F.U.Niethard
Ziel dieser Studie war es, die Wirksamkeit von intraartikulär applizierter Hyaluronsäure bei
Patienten mit bilateraler Gonarthrose im rechts / links Vergleich zu untersuchen.
Hierfür wurde ein neues Prüfmodell entwickelt, bei dem Gelenk - Muskelfunktionsparameter
und gelenksphysiologische Parameter zur Anwendung kommen.
In einer kontrollierten und randomisierten Untersuchung wurde der Einfluß von intraartikulär
applizierter Hyaluronsäure bei 18 Patienten (=36 Kniegelenke) mit bilateraler Gonarthrose
(Kellgren II-III) untersucht. Eingeschlossen wurden 8 Männer und 10 Frauen im Alter von 50
- 80 Jahren. Die verwandte Hyaluronsäure hatte ein Molekulargewicht von 500 - 730 kDalton.
Die Patienten der Verumgruppe erhielten 5 Injektionen im Abstand von einer Woche.
Als klinische Parameter zur Überprüfung der Wirksamkeit wurden die Schmerzintensität in
Ruhe und unter Belastung (Visuelle Analogskala) und die Kniegelenksfunktion nach
Lequesne verwandt. Für die gelenksphysiologischen Parameter wurde der intraartikuläre
Sauerstoffpartialdruck (mmHg) in Ruhe und unter Belastung; für diese Messung wurde die
Licox - pO2 - Meßsonde benutzt und die intraartikuläre Temperatur (C°) in Ruhe und unter
Belastung; für diese Messung wurde die Licox - Thermo - Meßsonde benutzt. Für die Gelenk
- Muskelfunktionsparameter wurde der isokinetischer Krafttest mit dem Cybex 6000 bei
folgenden Winkelgeschwindigkeiten (60°/sec, 90°/sec, 120°/sec, 150°/sec, 180°/sec) mit den
Parametern (maximales Drehmoment (Nm), Gesamtarbeit (J)) benutzt. Bei der
Abschlußuntersuchung erfolgte eine Beurteilung der Wirksamkeit und der Verträglichkeit
der Prüfmedikation.
Die Gesamtarbeit zeigte in der Verumgruppe (behandeltes Knie) eine hochsignifikante
Zunahme sowohl bei der Kniegelenksflexion als auch bei der Kniegelenksextension. Das
Signifikanzniveau der Kniegelenksextension betrug p=0,0008 (Summativer Zuwachs 723,8 ±
599,1 J bei der Verumgruppe) und der Kniegelenksflexion bei p=0,0015 (Summativer
Zuwachs 689,1 ± 694,1 J bei der Verumgruppe). Das maximale Drehmoment zeigte bei
Extension und Flexion in der Verumgruppe bei beiden Winkelgeschwindigkeiten (60°/sec,
180°/sec) ebenfalls eine signifikante Zunahme (p<0,01). In der Kontrollgruppe zeigte sich
keine Veränderung des maximalen Drehmomentes. Der intraartikuläre Sauerstoffpartialdruck
stieg nach Hyaluronsäuretherapie sowohl in Ruhe als auch unter Belastung deutlich an. Unter
Belastung war der pO2 zu jedem Meßzeitpunkt und bei allen Testgeschwindigkeiten höher als
vor Therapie. Bei der intraartikulären Temperatur war eine leichte Reduktion zu verzeichnen.
Die durchschnittliche Abnahme des Lequesne Index betrug 4,1 ± 2,8 Punkte und war mit
p=0,0002 hochsignifikant. Im Schmerzverlauf zeigte sich bereits nach 2 Wochen eine
signifikante Abnahme und nach 5 Wochen waren die Unterschiede in Ruhe mit p=0,0006 und
bei Belastung mit p=0,0052 zur Kontrollgruppe statistisch hochsignifikant. Bei der
Abschlußuntersuchung waren 83% der Patienten beschwerdefrei und alle hatten das
Medikament gut bis sehr gut vertragen.
Die Verbesserung der Gelenk - Muskel - Funktionsparameter nach Hyaluronsäuretherapie läßt
sich durch die verbesserten rheologischen Eigenschaften , durch eine bessere Biomechanik,
durch verbesserte koordinativ - muskuläre Eigenschaften und durch eine Verminderung von
Ruhe und Belastungsschmerz erklären. Das verbesserte synoviale Sauerstoffangebot kann
sowohl auf die arthroskopisch nachgewiesene Angioneogenese, als auch auf die Reduktion
der Diffusionstrecke und den antiphlogistischen Effekt der Hyaluronsäure zurückgeführt
werden. Das Absinken der intraartikulären Temperatur kann sowohl physikalisch (geringerer
Reibungswiderstand) als auch biochemisch (Blockade der Entzündungsmediatoren, Reduktion
der entzündlichen Gewebe und Zellproliferation) erklärt werden.
Die Änderung des Lequesne Index entspricht eine Verbesserung von 30 %. Unter
Berücksichtigung der hohen „diability scale“ kann man zu dem Ergebnis kommen, daß die
Hyaluronsäure als Therapeutikum auch in der Alltagsfunktion (Lequesne Index) als effektiv
angesehen werden kann.
Die Ergebnisse zeigen, daß die intraartikuläre Hyaluronsäureapplikation eine effektive und
nebenwirkungsarme Behandlungsform bei Gonarthrose ist.
Das Prüfmodells (Licox pO2 - Messung und isokinetischer Krafttest) hat sich in der ersten
klinischen Prüfung bewährt. Die pO2 Messung stellt ein Verfahren dar, daß mit einer geringen
Fehlerquote den intraartikulären Sauerstoffpartialdruck wiedergibt. Der isokinetische Krafttest
stellt ein objektives, valides und reliables Verfahren dar, um Gelenk - Muskel
Funktionsparameter bei lokaler Medikamentenanwendung zu untersuchen.