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Birgit Liliensiek
Dr. sc. hum.
Untersuchung der biologischen Relevanz TNF-α supprimierter, endothelialer Gene nach
verschiedenen Stimuli in vitro und unter pathophysiologischen Bedingungen in vivo
Geboren am 25.08.1965 in Osnabrück
Reifeprüfung am 03.06.1986 in Osnabrück
Studiengang der Fachrichtung Biologie vom WS 1986 bis SS 1992
Vordiplom am 23.11.1988 an der Universität Osnabrück
Diplom am 18.05.1992 an der Universität Osnabrück
Promotionsfach: Innere Medizin
Doktorvater: Priv.-Doz. Dr. med. P. P. Nawroth
Die biologische Relevanz von 6 TNF-α supprimierten, aus einer subtraktiven Genbank
klonierten, endothelialen Rindergenen konnte mit Hilfe von verschiedenen Versuchsansätze in
vitro und in vivo ermittelt werden.
Zellkulturüberstände unbehandelter und mit TNF-α stimulierter BAEC wurden isoliert, mit
wachsenden Fibroblasten oder verwundeten, einschichtigen Fibroblastenkulturen inkubiert
und die Proliferations- beziehungsweise die Migrationsgeschwindigkeiten verglichen.
Geringere Proliferations- und Migrationsgeschwindigkeiten der Fibroblasten, die mit
Zellkulturüberstand TNF-α vorbehandelter BAEC inkubiert wurden, zeigten, daß TNF-α in
BAEC die Sekretion von Mitogenen für Fibroblasten reduziert. Eine der zu untersuchenden,
klonierten, endothelialen cDNA´s kodiert für den Wachstumsfaktor CTGF. CTGF wurde in
kultivierten BAEC auf Transskriptionsebene nach 30minütiger Inkubation mit TNF-α
unabhängig von einer Proteinneusynthese supprimiert und die Halbwertzeit der CTGF mRNA
von 140 Minuten auf 70 Minuten verkürzt. Aufgrund dieser Eigenschaften konnte CTGF als
immediate early“ Gene deklariert werden. Das Rinder CTGF ist ein sekretiertes, aus 349
Aminosäureresten bestehendes Protein mit einer sekretorischen Signalsequenz und einem
Cysteingehalt von 11,7%. Die Rinder CTGF Proteinsequenz, resultierend aus der cDNA
Sequenz, hat 92,3% Homologie zum humanen und 89,1% Homologie zum Maus CTGF
(FISP-12). Mit Hilfe eines Antisense CTGF Oligonukleotids konnte gezeigt werden, daß die
Suppression der CTGF mRNA durch TNF-α zur reduzierten Sekretion mitogener Aktivität
durch BAEC führt. Die Proliferation und Migration von Fibroblasten, die z. B. im Verlauf der
Wundheilung erforderlich ist, wird von Endothelzellen in vitro durch die Sekretion des
Wachstumsfaktors CTGF kontrolliert, dessen Expression wiederum negativ durch TNF-α
beeinflußt wird. Die Suppression von CTGF durch TNF-α stellt eine potentielle
Interventionsmöglichkeit bei Wundheilungsstörungen als Begleiterscheinung von
Erkrankungen mit erhöhten TNF-α Konzentrationen im Plasma dar.
Spontan Lebermetastasen bildende ESbl-lacZ Lymphomzellen wurden in immunkompetente
oder immuninkompetente Mäuse injiziert, bis zur maximalen Metastasengröße inkubiert, ex
vivo die sinusoidalen Leberendothelzellen isoliert und die Genexpression der 49 TNF-α
supprimierten Gene untersucht. Für 4 der untersuchten Gene wurde eine Expressionsänderung
in gesunden, sinusoidalen Endothelzellen aus dem Zielorgan der Metastasierung in
Abhängigkeit vom Immunstatus der tumortragenden Mäuse bei maximaler Metastasengröße
nachgewiesen. Mittels Sequenzanalyse konnten die Gene als Polyubiquitin (A4),
Elongationsfaktor 1α (B2), saures, ribosomales Phosphoprotein PO (C3) und ribosomales
Protein S2 identifiziert werden. Diese Gene sind am Proteinstoffwechsel beteiligt und wurden
uniform in tumortragenden, immunkompetenten Mäusen supprimiert, während sie in
tumortragenden, immuninkompetenten Mäusen induziert wurden. In kultivierten BAEC
wurden die Gene durch TNF-α und/oder ESbl-lacZ Lymphomzell konditionierten
Zellkulturüberstand supprimiert, wobei die Suppression durch Koinkubation von TNF-α und
konditionierten Zellkulturüberstand verstärkt wurde.
Für die Untersuchung der Genexpression wurde desweiteren ein akutes
Lebertransplantationsmodell verwendet. Rattenlebern wurden zu verschiedenen Zeitpunkten
(Tag 1, 2 und 6) der Abstoßungsreaktion entnommen und für die Isolation von Gesamt-RNA
sowie Proteinen verwendet. Genexpressionuntersuchungen der erwähnten 49 Gene auf RNA-
Ebene zeigten, daß die Expression von Polyubiquitin (A4) und Fibronektin (A8) durch die
akute Abstoßungsreaktion modifiziert wurde. Die Polyubiquitin mRNA (A4) wurde im
untersuchten Zeitraum supprimiert, während eine geringere Proteinmenge erst am letzten Tag
(Tag 6) der Abstoßungsreaktion detektiert wurde. Fibronektin (A8) wurde auf RNA-Ebene
zunächst induziert. Die Zunahme der Fibronektinproteinmenge (Tag 1) konnte vor der
Induktion des Transskripts (Tag 2) nachgewiesen werden. Am Tag 6 der Abstoßung war
Fibronektin auf RNA- sowie auf Proteinebene supprimiert.