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Jutta Görres-Walendzik
Dr. med.
Der Stellenwert der interiktalen Single-Photonen-Emissions-Computertomographie des
Hirns in der Abklärung von Epilepsiepatienten
Geboren am 06.10.1967 in Stuttgart
Reifeprüfung am 05.06.1986 in Bad Wimpfen
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1987 bis WS 1993/1994
Physikum am 05.04.1989 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Pforzheim (Deutschland) und Rheinfelden (Schweiz)
Staatsexamen am 15.11.1993 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Radiologie
Doktorvater: Prof. Dr. med. P. Georgi
In Deutschland leidet ungefähr 1% der Bevölkerung an Epilepsie. Bei der Abklärung des
Patienten mit epileptischen Anfällen steht an erster Stelle die Anfallsanalyse, wobei die
Anamnese als zentraler diagnostischer Wegweiser dient. Eine Reihe funktioneller und
bildgebender Verfahren stehen für die Abklärung dieser Patienten zur Verfügung wie die
interiktale 99mTc-HMPAO-SPECT, deren Stellenwert in dieser Arbeit untersucht wurde.
Es wurde die 99mTc-HMPAO-SPECT von 53 Patienten mit epileptischen Anfällen (21
Frauen und 32 Männer), die zwischen 20 und 71 Jahre alt waren (Mittel 43,1 Jahre; mittlere
Anfallsanamnese 24,4 Jahre), retrospektiv ausgewertet. Ein Patient erhielt eine iktale 99mTc-
HMPAO-SPECT, wobei diese Untersuchungsmodalität nicht näher besprochen wurde. Von
den 52 interiktal durchgeführten Untersuchungen wurden 28 als pathologisch beurteilt. Alle
Patienten erhielten eine EEG-Untersuchung. In dieser Studie wurden keine Patienten
miteingeschlossen, bei denen ein erfolgreicher epilepsiechirurgischer Eingriff oder andere
funktionelle Verfahren, wie z.B. EEG mit Tiefenableitungen, den Aussagewert der hier
verwendeten bildgebenden Verfahren bestätigt hätten. Deshalb diente die Zuweisung des
Patienten mit der Diagnose epileptischer Anfall durch den Neurologen als Basis für einen
Sensitivitätsvergleich der 99mTc-HMPAO-SPECT mit EEG, CT und MRT.
Beim Vergleich zwischen 99mTc-HMPAO-SPECT und EEG fanden sich unterschiedliche
Ergebnisse bei der Differenzierung der Anfälle in partielle und generalisierte Formen. Bei 9
Patienten mit primär generalisierten Anfällen berechnete sich die Sensitivität der EEG auf
77,8% (7/9), während die 99mTc-HMPAO-SPECT in keinem Fall einen pathologischen
Befund ergab. Umgekehrt lag bei den 38 Patienten mit partiellen Anfällen die Sensitivität der
99mTc-HMPAO-SPECT bei 68,4% (26/38) und erschien damit der EEG mit 65,8% (25/38)
geringfügig überlegen. 41 Patienten erhielten eine CT. Die Sensitivität der 99mTc-HMPAO-
SPECT berechnete sich für alle untersuchten Patienten auf 65,8%, für die CT auf 39,0%.
Diese Daten sprechen für eine deutliche Überlegenheit der SPECT-Untersuchung gegenüber
der CT. Die CT ist zwar für die Erstabklärung und für den Ausschluss traumatischer
Veränderungen des Anfallspatienten sinnvoll, doch ist die 99mTc-HMPAO-SPECT in der
Auffindung funktioneller Störungen der CT deutlich überlegen. Eine MRT, die in der
morphologischen Abklärung pathologischer Befunde zusätzliche Informationen bringen kann,
wurde in 15 Fällen durchgeführt. Die Sensitivität der MRT berechnete sich auf 46,7%, die
der 99mTc-HMPAO-SPECT auf 53,3%. Damit schien in dieser Studie die 99mTc-HMPAO-
SPECT der MRT leicht überlegen. Seit der Durchführung dieser Arbeit sind aber auf den
Gebieten Nuklearmedizin und Magnetresonanztomographie deutliche Fortschritte erzielt
worden, die eine im Vergleich zur interiktalen 99mTc-HMPAO-SPECT bessere Sensitivität
von MRT, PET und Rezeptorszintigraphie in der Erkennung von epileptogenen
Veränderungen ermöglichen.
Die Lokalisationsdiagnostik des epileptogenen Fokus ist besonders bei Patienten mit
therapierefraktären, partiellen Anfällen wichtig, da bei erfolgreicher Exzision eines Fokus bei
einem Teil der Patienten der Krankheitszustand verbessert werden kann. Wegen ihrer
moderaten Sensitivität und Spezifität ist die interiktale 99mTc-HMPAO-SPECT jedoch nicht
als Screeningverfahren für die Abklärung sämtlicher Patienten mit epileptischen Anfällen
sinnvoll einsetzbar. Sie sollte deshalb nur bei ausgewählten Patienten mit partiellen
epileptischen Anfällen als Ergänzung zu den notwendigerweise eingesetzten bildgebenden
Verfahren verwendet werden. Da sie weit verfügbar und relativ billig ist, spielt sie neben
aufwendigerer Verfahren, wie PET, Rezeptorszintigraphie und MRT immer noch eine Rolle,
da mit ihr in rund der Hälfte dieser Patienten ein Fokus richtig lokalisiert werden kann. Nur
die klar definierte Indikationsstellung und Patientenselektion durch den Neurologen kann eine
sinnvolle Kombination der interiktalen 99mTc-HMPAO-SPECT mit den anderen verfügbaren
Verfahren unter Einbezug der Kosteneffektivät gewährleisten.