Bernd Elser
Dr.med.
Über die Bindung an Heteroduplex-Desoxyribonukleinsäure durch zwei transkriptionelle
Repressorproteine, das Krüppel-assoziierte Box (KRAB)-Zinkfingerprotein Kid-1 und das
Wilms-Tumor Protein WT-1
Geboren am 22. 10. 1971 in Ludwigshafen
Reifeprüfung am 29. 5. 1991 in Neustadt
Studiengang der Fachrichtung Humanmedizin vom SS 1992 bis SS 1998
Physikum am 12. 4. 1994 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg
Staatsexamen am 4.11.1998 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Anatomie und Zellbiologie
Doktorvater: Prof. Dr. W. Kriz
Zinkfingerproteine der C2H2-Klasse stellen eine große Gruppe von DNA-bindenden
Proteinen dar, die mehrere hundert Mitglieder enthält. Eine Untergruppe umfaßt die
Zinkfingerproteine mit KRAB-Domäne, einer hochkonservierten Domäne mit transkriptioneller
Repressorfunktion. Obwohl vermutlich ein Drittel aller Zinkfingerproteine eine KRAB-Domäne
enthält, sind bisher noch keine DNA-Bindungsstellen beschrieben worden.
Es gelang mir nun, die Bindung des Zinkfingerproteins Kid-1, einem nierenspezifischen
Transkriptionsfaktor mit KRAB-Domäne, an die Struktur einer Heteroduplex darzustellen. Eine
PCR-Amplifikation- und Gelelektrophorese-gestützte Methode, die separat für einzelsträngige
und doppelsträngige Oligonukleotide durchgeführt wurde, ergab keine Bindungsstelle für Kid-1.
Jedoch erkannte Kid-1 Heteroduplices, die aus willkürlich gewählten Oligonukleotiden
bestanden, bei denen die 5’- und 3’-Enden komplementär, die Nukleotide in der Mitte jedoch
nicht komplementär waren. Kid-1 erkannte Heteroduplices mit größeren nicht-komplementären
Anteilen besser als Heteroduplices mit kleineren nicht-komplementären Anteilen. Sowohl die
einzelsträngigen Oligonukleotide der Heteroduplex als auch eine doppelsträngige Homoduplex
zeigten eine zu vernachlässigende Bindung an Kid-1.
Da eine der Heteroduplex ähnliche Struktur bei der Transkription von DNA auftritt, wenn
die beiden DNA-Stränge geschmolzen werden, könnte ein potentieller Repressionsmechanismus
von Kid-1 und anderen Zinkfingerproteinen mit KRAB-Domäne folgendermaßen aussehen: Nach
der Erkennung einer Heteroduplex rekrutiert Kid-1 mit Hilfe von KRIP-1, einem KRAB-
interagierenden Protein, nicht-histonische chromosomale Proteine, die über Bildung von
kondensierten Heterochromatinstrukturen zu einer transkriptionellen Repression führen. Fraglich
ist jedoch, ob Kid-1 in vivo eine solche „Transkriptionsblase“ erkennt, da durch den
Initiationskomplex mit der RNA-Polymerase II die Größe der zugänglichen und geschmolzenen
DNA eingeschränkt wird und Kid-1 an kleinere Heteroduplices nur schwach bindet.
Obwohl das POU-Domänenprotein Oct-6 und das ets-Domänenprotein Ets-1 nicht an
Heteroduplex-DNA banden, konnte sowohl für WT-1-KTS als auch für WT-1+KTS eine starke
Bindung an Heteroduplex-DNA nachgewiesen werden. WT-1-KTS band an Heteroduplex mit
ähnlicher Stärke wie an die Egr-1-Konsensusequenz. Nachdem für die beiden WT-1-Isoformen
schon mehrere sequenzabhängige Bindungsstellen charakterisiert wurden, konnte hier nun
zusätzlich die sequenzunabhängige Bindung an die Struktur einer Heteroduplex dargestellt
werden. Da für die WT-1-Isoformen eine Kolokalisation mit Transkriptionsfaktoren und fraglich
auch mit Splicingfaktoren besteht, ist eine interessante Hypothese sicherlich, daß WT-1 nach
Erkennen einer Heteroduplex lenkend auf die Transkription und das Splicing einwirkt. Offen ist
allerdings, ob die bei der Transkription geschmolzene DNA ausreichend groß und zugänglich ist
und ob nicht nur eine räumliche Kolokalisation von WT-1 mit Transkriptions- und
möglicherweise auch Splicingfaktoren besteht, sondern auch eine funktionelle Interaktion.
Hiermit konnte die Struktur einer Heteroduplex als ein neues Motiv für DNA-bindende
Proteine charakterisiert werden. Die Struktur einer Heteroduplex stellt aber nicht nur die erste
DNA-Bindungsstelle für Zinkfingerproteine mit KRAB-Domäne dar, sondern ist auch ein
Bindungsmotiv, das von anderen Zinkfingerproteinen erkannt wird.