scieee AI-readable full text Open interactive document viewer

Mečislovo Reinio laisvai versto „Psichologijos vadovėlio“ psichologijos terminų reikšmė ir kilmė

Rita Katelytė

Full text

Bedeutung und Herkunft der psychologischen Termini in Mečislovas Reinios freier Übersetzung des Psychologielehrbuchs RITA KATELYTĖ Institut für Litauische Sprache Zum 125. Geburtstag von Mečislovas Reinys Am 5. Februar 2009 jährte sich die Geburt eines der ersten litauischen Psychologen, Mečislovas Reinys (1884–1953), zum 125. Mal. Er war eine bedeutende, herausragende Persönlichkeit – Priester, Bischof, Erzbischof, Pädagoge, Professor, gesellschaftlich engagierter Mensch, Politiker und politischer Gefangener. Seit 1922 leitete M. Reinys an der damaligen Universität Kaunas den Lehrstuhl für Psychologie der Fakultät für Theologie und Philosophie; außerdem lehrte er Allgemeine Psychologie, Vergleichende und Pädagogische Psychologie und leitete psychologische Übungen. Damals gab es kein litauisches Psychologielehrbuch, deshalb übersetzte M. Reinys frei ins Litauische das 1Psychologielehrbuch von Prof. Georgij Čelpanov. In seinem Vorwort heißt es: „Die Übersetzung ist frei, damit die Fremdsprache nicht so deutlich hervortritt. Außerdem war es nötig, manches zu ändern und manches hinzuzufügen“ (Reinys 1921: IV). Die Abbildungen wurden geändert, die Zahl der Illustrationen verringert und die Kapitel in Paragraphen unterteilt. M. Reinys beklagt, dass es schwierig war, passende Termini zu finden; deshalb „bediente er sich der Termini aus I. Vabalo Gudaitis’ ‚Programm zur Erforschung der Persönlichkeit‘, Rygiškių Jonas’ ‚Unserem kleinen Wörterbuch‘, Z. Žemaitis’ ‚Termini der Geometrie und Trigonometrie‘, M. Šikšnys’ ‚Kleinem Wörterbuch der arithmetischen und algebraischen Termini‘, I. Elisonas ‚Kurzem Entwurf zoologischer Termini‘ und einigen weiteren Quellen“ (Reinys 1921: V). Da das Lehrbuch frei übersetzt wurde und ein großer Teil des Textes von M. Reinys selbst stammt, wird es im Folgenden als M. Reinios Psychologielehrbuch bezeichnet (Quellenabkürzung: MR). M. Reinios Psychologielehrbuch ist recht umfangreich (242 S.) und besteht aus drei Teilen und 38 Kapiteln. Im ersten Teil geht es um die Psychologie der Erkenntnis; allgemeine Informationen über das Empfinden werden dargelegt. Der zweite Teil behandelt die Psychologie der Gefühle und allgemeine Informationen über Gefühle; der dritte Teil behandelt die 1 Georgij Čelpanov (1862–1936) war ein russischer Psychologe, Logiker und Philosoph. 198 Rita Katelytė | Mečislovo Reino laisvai versto Psichologijos vadovėlio... Psychologie des Willens sowie willentliche und unwillentliche Bewegungen. Am Anfang des Lehrbuchs ist das Vorwort des Autors abgedruckt, in dem die Bedeutung der Psychologie aufgezeigt und das Prinzip der Lehrbuchgestaltung erläutert wird. Am Ende ist ein kleines Wörterbuch psychologischer Termini eingefügt. Außerdem werden im Lehrbuch bei einem Teil der litauischen Termini in Klammern die Entsprechungen in einer oder mehreren Sprachen (Russisch, Deutsch, Polnisch, Englisch, Französisch, Latein) angegeben. Ziel dieses Artikels ist es, 505 im genannten Psychologielehrbuch gefundene psychologische Termini hinsichtlich ihrer Bedeutung und Herkunft zu erörtern. Im ersten Teil des Artikels wird das Verhältnis der Bedeutungsgruppen der Termini dargestellt, im zweiten das ihrer Herkunft. In weiteren Artikeln soll die Struktur der Termini in M. Reinios Lehrbuch untersucht werden. 1. BEDEUTUNG DER TERMINI Die Auswahl der psychologischen Termini erfolgte auf der Grundlage des Kontexts des Untersuchungsmaterials, des kurzen Glossars psychologischer Termini am Ende von M. Reinio Psychologijos vadovėlio und des 1993 erschienenen Psichologijos žodyno (PŽ). Die Termini werden so wiedergegeben, wie sie in der Quelle geschrieben sind; daneben wird die Seite angegeben, auf der der Terminus erstmals verwendet wurde. Auf der Grundlage des Lehrbuchs zum Kurs Allgemeine Psychologie von A. Jacikevičius, A. Gučas und E. Rimkutė Bendrosios psichologijos sowie M. Reinio Psichologijos vadovėliu werden die psychologischen Termini in folgende Bedeutungsgruppen eingeteilt: allgemeine psychologische Termini, Bezeichnungen für Teilgebiete der Psychologie, Bezeichnungen für psychologische Gesetze und Theorien, Bezeichnungen für physiologische Prozesse, Bezeichnungen für psychische Prozesse, Bezeichnungen für Emotionen und Gefühle, Bezeichnungen für psychische Störungen und Charakterzüge der Persönlichkeit, Bezeichnungen für Erkenntnisprozesse sowie Personenbezeichnungen. 1.1. Allgemeine psychologische Termini. Die 40 Termini dieser Gruppe, die 7,9% aller Termini ausmachen, bezeichnen allgemeine psychologische Begriffe, Untersuchungsmethoden, Erscheinungsformen der menschlichen Psyche usw.: Apperzeption MR 93, Faktor MR 94, reiner Raum MR 149, Ursache MR 147, Reproduktion MR 72 (dieser Terminus wird definiert als „ein Prozess, der in uns eine Empfindung hervorruft, obwohl kein Reiz mehr vorhanden ist <...>“ MR 72), Synthese von Begriffen MR 141, Subjekt MR 141, Substanz MR 151, kontinuierlicher Raum MR 148, Faktor MR 141, homogener Raum MR 148. Zu den allgemeinen psychologischen Termini zählen Raum MR 147, Zeit MR 147, Kausalität MR 150, Zahl MR 147. Nach M. Reinys Auffassung sind „Raum und Zeit notwendige Bedingungen für die Vorstellung von Dingen und Vorgängen. Solche Begriffe nennen wir grundlegende Elemente der empirischen Erkenntnis“ MR 149. Der Terminus „Zahl hat empirischen Ursprung, d. h. Zahl wird gewonnen aus Terminologija | 2009 | 16 199 der Erfahrung durch Sinneswahrnehmungen. <...> Der Zahlenbegriff geht aus der Erfahrung von Gegenständen durch die Sinne hervor und ist daher empirischer Art“ MR 150. M. Reinys erläutert den Begriff der Kausalität dahingehend, dass er „eines der grundlegenden Elemente der Erkenntnis“ sei MR 151. Dem Autor zufolge verfügt jede Wissenschaft über einen Begriff der Kausalität, der die Überzeugung bekräftigt, dass in der Welt beständige Gesetze herrschen. So wie die Naturgesetze immer bestanden haben, wird auch der Begriff der Kausalität immer bestehen MR 150. Den Terminus Synthese MR 131 vergleicht M. Reinys mit dem in der Chemie verwendeten Terminus: Ein zusammengesetzter Stoff kann in seine Bestandteile zerlegt und analysiert werden. Dieser Terminus bedeutet in der Psychologie dasselbe: „<...> Auch in Denkprozessen können wir einzelne Vorstellungen zu einer Einheit verbinden und dadurch eine Gesamtvorstellung oder sogar einen Begriff gewinnen“ MR 131. Es wurden auch weitere allgemeine psychologische Termini gefunden: moralische Haltung MR 197, experimentelles Material MR 14, elementarer Erkenntnisvorgang MR 179, empirischer Ursprung MR 150, körperlicher Ausdruck MR 160, erzählerische Vorstellung MR 54, Geisteswissenschaft MR 89, Psychologie MR 1, psychologisches Experiment MR 14, psychologische Wissenschaft MR 1, psychologisches System MR 3, psychologischer Ausdruck MR 1, psychologische Analyse MR 7, psychologische Bedingung MR 212, Ähnlichwerden MR 131, kontinuierlicher Zusammenhang seelischer Erscheinungen MR 18. Zu erwähnen sind sechs Termini dieser Gruppe, die sich auf die Seele beziehen: Seele MR 1, Seelenzustand MR 21, Wesen der Seele MR 2, Eigenschaft der Seele MR 2, Seelenbewegung MR 160, Erkenntnis seelischer Erscheinungen MR 3. Nach M. Reinys bezeichnet eine seelische Erscheinung MR 3 – „unsere Gedanken, Gefühle, Willensentscheidungen usw. nennen wir seelische oder psychische Erscheinungen. Sie werden auch psychische Entitäten oder Bewusstseinszustände genannt“ MR 3. Es ist darauf hinzuweisen, dass M. Reinys im Lehrbuch auch ein litauisches Äquivalent des Terminus Psychologie angibt – Seelenkunde MR 1. Ihm zufolge „wurde der Terminus Seelenkunde nach einem für die Sprache üblichen Zusammensetzungsmuster gebildet, denn Psychologie oder Seelenkunde ist die Wissenschaft von den psychischen Erscheinungen oder vom Seelenleben“ MR 1. Das litauische Äquivalent wurde jedoch nur einmal verwendet; danach wird ausschließlich der Terminus Psychologie gebraucht. 1.2. Bezeichnungen für Teilgebiete der Psychologie. In diesem Abschnitt werden die von M. Reinys verwendeten Bezeichnungen für Teilgebiete der psychologischen Wissenschaft vorgestellt und mit den heute gebräuchlichen Termini verglichen. Die 11 Termini dieser Gruppe machen 2,2% aller Termini aus: experimentelle Psychologie MR 128, empirische Psychologie MR 2, Tierpsychologie MR 10, Psychologie der Gefühle MR 20, Massenpsychologie MR 11, vergleichende Psychologie MR 10, Erkenntnispsychologie MR 20, rationale Psychologie MR 2, Völkerpsychologie MR 10, Kinderpsychologie MR 10, Psychologie des Willens MR 20. 200 Rita Katalytė | Mečislovo Reinio laiškai versto Psichologijos vadovėlio... Zu beachten ist, dass M. Reinys den Begriff Tierpsychologie MR 10 verwendete, während heute die Begriffe Tierpsychologie, Zoopsychologie gebräuchlich sind (PŽ 1993: 329). M. Reinys zufolge kann man bei der Erforschung der Psychologie eines Volkes mit geringer Kultur zahlreiche nützliche Informationen über die Massenpsychologie MR 11 erschließen und zusammentragen (heute: Propagandapsychologie (PŽ 1993: 225). Völkerpsychologie MR 10 wird heute Psychologie des Volkes oder Ethnopsychologie genannt (PŽ 1993: 80). Sowohl in M. Reinios freier Übersetzung des Psychologielehrbuchs als auch im Wörterbuch der Psychologie werden die Begriffe empirische Psychologie MR 2 und rationale Psychologie MR 2 synonym verwendet und gemeinsam behandelt; heute wird jedoch anstelle des Begriffs rationale Psychologie der Begriff rationalistische Psychologie verwendet. M. Reinios zufolge setzt sich die vergleichende Psychologie MR 10 (heute: vergleichende Psychologie) aus Erkenntnissen der Völkerpsychologie, der Tierpsychologie und der Kinderpsychologie zusammen MR 11–12. 1.3. Bezeichnungen psychologischer Gesetze und Theorien. In diesem Abschnitt werden 12 Fachbegriffe der Psychologie (2,4% aller Fachbegriffe) vorgestellt, die psychologische Gesetze und Theorien bezeichnen. Den größten Teil dieser Gruppe bilden Bezeichnungen psychologischer Theorien (7 Fachbegriffe): Theorie des Affektanstiegs MR 160, Berkeley-Theorie MR 120, Theorie der Kräfte MR 16, Helmholtz-Theorie MR 52, Hering-Theorie MR 55, Theorie des angeborenen moralischen Gefühls MR 175, Spurentheorie MR 75. Etwas weniger gibt es Bezeichnungen psychologischer Gesetze (5 Fachbegriffe): Fechner-Gesetz MR 69, psychophysisches Weber-Fechner-Gesetz MR 66, Gesetz des Seelenlebens MR 10, Gesetz der seelischen Erscheinungen MR 3, Gesetz der spezifischen Energie MR 65. Die Beispiele zeigen, dass Personennamen in den Fachbegriffen in der Originalschreibung mit litauischen Endungen wiedergegeben werden. Die Gruppe der Bezeichnungen physiologischer Prozesse umfasst 73 Fachbegriffe (14,4% aller Fachbegriffe). Sie bezeichnen Lebensvorgänge, Funktionen, deren Regulationsmechanismen und Beziehungen zur sich verändernden Umwelt: Physiologie MR 14, physiologischer Zustand MR 164, physiologisches Phänomen MR 21, physiologischer Vorgang MR 158, Rückwirkung MR 31, Erröten MR 21, Reflex MR 34, Reflexhandlung MR 31, Reflexvorgang MR 185, Sehbild MR 85, Sehzentrum MR 34, Traum MR 79, Schläfrigkeit MR 214 (neben diesem Begriff wird im Lehrbuch das Synonym driemotuojas MR 214 verwendet), Sättigung MR 39, Selbstbeherrschung MR 195, Durst MR 39. In der Gruppe der Fachbegriffe für physiologische Prozesse bilden die das Nervensystem beschreibenden Begriffe den größten Anteil. Es wurden 20 gefunden, zum Beispiel: Zentrifugalnerv Terminologija | 2009 | 16 201 MR 31, Zentripetalnerv MR 31, Nervenzentrum MR 37, Wesen der Nervenreizung MR 29, Information der Nervenenden MR 66, Nervensystem MR 22, Element des Nervensystems MR 25, zentripetaler Nerv MR 31, zentrifugaler Nerv MR 31, inneres Reizen MR 39, innere Erfahrung MR 4, motorischer Nerv MR 31, sensorischer Nerv MR 31, Hörnerv MR 37, Tastnerv MR 58, Sehnerv MR 65, Geschmacksnerv MR 59. In M. Reinio Psychologielehrbuch wird der Begriff dirksnis im Sinne von „Nerv“ verwendet. Die Variante dieses Begriffs, dirgsnė, wurde bereits in den Arbeiten von J. Šliūpas und in der Zeitschrift Varpas von V. Kudirka verwendet (Žemlevičiūtė 2008: 146). In der Gruppe der physiologischen Prozesse gibt es zahlreiche synonyme Fachbegriffe: motorische Nerven – Zentripetalnerv MR 31, zentripetaler Nerv MR 31; sensorische Nerven – Zentrifugalnerv MR 31, zentrifugaler Nerv MR 31. Die Beispiele zeigen, dass den Synonymen litauischen Ursprungs der Vorzug gegeben wird. Zu beachten ist, dass heute die Begriffe motorische, sensorische und vegetative (sympathische oder parasympathische) Nerven verwendet werden (ME 1993: 66). M. Reinys unterscheidet vier Arten der Bewegung lebender Wesen, für die er acht Fachbegriffe verwendet. Drei Arten werden mit synonymen Begriffen bezeichnet: automatische Bewegungen MR 184 – impulsive Bewegungen MR 184; Reflexbewegungen MR 184 – reflexartige Bewegungen MR 184, Rückbewegungen… Hervorzuheben ist, dass heute anstelle der Begriffe willkürliche Bewegungen MR 184 oder wunschbestimmte Bewegungen MR 184 der Begriff Willkürbewegungen verwendet wird (PŽ 1993: 320). In der Gruppe der physiologischen Prozesse sind die Begriffe für den Tastsinn hervorzuheben (8 Fachbegriffe): Raum in Bezug auf die Tastempfindung MR 107, Raum der Tastempfindung MR 107, Tast- und Muskelbild MR 119, Tastbereich MR 34, Muskel- und Tasterfahrung MR 121, Muskel- und Tastwirkung MR 120. Synonym verwendet werden die Begriffe Tastempfindung MR 111 und Tasterfahrung MR 122. In der untersuchten Quelle wurden sieben Fachbegriffe gefunden, die einen der physiologischen Prozesse – das Sehen – bezeichnen. Ein Teil der von M. Reinys verwendeten Begriffe hat sich inzwischen geändert, zum Beispiel: zweiäugiges Sehen MR 115 oder binokulares Sehen MR 115 wird heute binokulares und zweiäugiges Sehen genannt (PŽ 1993: 44). Räumliche Beziehungen zwischen Gegenständen werden hinsichtlich des Sehens mit den Begriffen Raum in Bezug auf das Sehen MR 112, Raum der Sehempfindung MR 107 bezeichnet. Der Sehvorgang wird mit dem Begriff Sehvorgang MR 34 bezeichnet. 202 Rita Katelytė | Mečislovo Reinio laisvai versto Psichologijos vadovėlio... Den Reflexhandlungen sind 4 Begriffe zuzuordnen, z. B.: Husten MR 184, Niesen MR 31, Husten MR 32, Blinzeln MR 32. Einige Begriffe benennen andere Funktionen von Organismusorganen (Empfindung, Geruchssinn, Gehör, Gehirntätigkeit): Wahrnehmung der Größe von Gegenständen MR 121, Empfindung leichten Atmens MR 39, Empfindung MR 4; Geruchsbild MR 81, Geruchsbild MR 85, Ende des Riechnervs MR 59; Hörbild MR 85; Denkfähigkeit MR 18. Weitere von M. Reinys verwendete Begriffe sind Raum im Verhältnis zur Bewegungsempfindung MR 107, Bewegungsbild MR 85, Bewegungsempfindung MR 111, Zweckmäßigkeit reflexartiger Bewegungen MR 184. 1.5. Die größte Begriffsgruppe bilden Bezeichnungen psychischer Prozesse (98 Begriffe oder 19,4% aller Begriffe). Zu dieser Gruppe zählen Begriffe, die dynamische psychische Phänomene beschreiben, welche durch äußere und innere Reize entstehen und mit deren Wegfall wieder verschwinden. Psychische Handlungen, Abläufe und Phänomene werden mit folgenden Begriffen bezeichnet: Abstraktionsprozess MR 93, abnormes psychisches Phänomen MR 14, Abstraktionsprozess MR 93, höhere psychische Tätigkeit MR 34, äußere Willenshandlung MR 183, innere Willenshandlung MR 183, grundlegender psychischer Ablauf MR 183, Denkvorgang MR 143, psychischer Prozess MR 5, psychischer Prozess MR 34, psychisches Phänomen MR 1, psychische Handlung MR 92, psychischer Ablauf MR 136, komplexe Willenshandlung MR 190, Willensphänomen MR 15, Willenshandlung MR 183, Willensablauf MR 188, einzelne Willenshandlung MR 190. Assoziationen werden mit folgenden Begriffen bezeichnet: Assoziation MR 80, Assoziation von Vorstellungen MR 215, Assoziation von Vorstellungsähnlichkeit MR 82, Kontiguitätsassoziation MR 81, Kontrastassoziation MR 82, Ähnlichkeitsassoziation MR 82, Assoziation verbundener Vorstellungen MR 80. Es wurden 72 Begriffe für weitere psychische Prozesse gefunden: Abstraktion MR 130, Verlagerung von Assoziationen MR 83, Allgemeingültigkeit von Assoziationen MR 84, Reproduktion MR 72, Abstraktion MR 132, Abstraktionsfähigkeit MR 130, Wiedererkennen MR 73, Verantwortlichkeit MR 198, Vorstellung MR 72, Darstellung MR 1, Behalten von Vorstellungen MR 74, Verschränkung von Vorstellungen MR 79, allgemeines Denken MR 147, Deduktion MR 146, deduktives Schließen MR 147, Extirpationsmethode MR 33, Raumwahrnehmung MR 118, Fähigkeit zur Lautanalyse MR 41, Induktion MR 146, induktives Denken MR 147, Introspektion MR 4, Überzeugung MR 178, Vorstellungsvermögen MR 18, entwickelter Wille MR 196, Schlussfolgerung MR 146, Suggestion MR 216, Absicht MR 192, Konvergenz MR 113, Neigung MR Terminologija | 2009 | 16 203 193, Gedanke MR 1, Wunsch MR 1, Auffassungsgabe MR 32, objektive Realität MR 142, grundlegendes empirisches Erkenntniselement MR 149, Ähnlichkeit MR 189, unbewusstes Glied der Assoziation MR 83, Erkenntnis MR 15, ursprünglicher psychischer Akt MR 35, ursprüngliches Bewusstseinselement MR 35, Empfindungston MR 38, Sinnestäuschung MR 143, Erlebnis MR 12, Erinnerung MR 128, Beharrlichkeit MR 210, Geist MR 2, Denken MR 3, psychische Fähigkeit MR 193, psychische Zusammensetzung MR 94, psychische Existenz MR 214, psychisches Wesen MR 3, psychischer Erkenntnisakt MR 185, psychisches Erkenntniswesen MR 184, psychische Fähigkeit MR 212, psychisches Bild MR 36, Genese psychischer Phänomene MR 7, Vererbung psychischer Fähigkeiten MR 209, Bewusstsein MR 5, Tiefe des Bewusstseins MR 80, Selbstbewusstsein MR 203, Selbstbeobachtung MR 4, Gewissen MR 173, Schwankung MR 142, höchster Wille MR 196, Willenselement MR 188, Ausbreitung des Willens MR 193, Willensfreiheit MR 198, Willensmoment MR 190, Nachlassen des Willens MR 223, Willensentschluss MR 3, Entwicklung des Willens MR 195, Willensentscheidung MR 200, Folge einer Willenshandlung MR 183. M. Reinys verwendet im Lehrbuch den Begriff Ablauf der Vorstellungen MR 183 und gibt daneben das Synonym Ablauf der Gefühle MR 183 an. Verwendet wird auch der eine oder andere Ausdruck mit terminologischer Form – anstelle der heutigen standardsprachlichen bestimmten Form begegnet die ostaukštaitische Form mit der hervorhebenden Partikel -ai (Lietuvių kalbos gramatika 1965: 494), z. B. atgimintasi vaidinys MR 144 (siehe auch 1.7, 1.8.1, 1.8.2, 2.3.1). 1.6. Die Gruppe der Bezeichnungen für Emotionen und Gefühle umfasst 106 Begriffe (21% aller Begriffe), z. B.: Emotion MR 158, Gefühl MR 1, persönliches Gefühl MR 163, reproduktives Gefühl MR 162, höheres Gefühl MR 158, reines Gefühl MR 154, empfindbare Gefühle MR 168, ursprüngliches Gefühl MR 162, soziales Gefühl MR 163, gesellschaftliches Gefühl MR 163, gemeinschaftliches Gefühl MR 163, niederes Gefühl MR 158. Bemerkenswert ist, dass in M. Reinio’s Klassifikation der Begriff jausmai, anders als heute, die niederen Gefühle bezeichnete, während emocijos für die höheren Gefühle stand: „Wenn wir der Klassifikation den größeren oder geringeren Grad an Komplexität der Vorstellungen und Begriffe zugrunde legen, die sich in den Gefühlen festgesetzt haben, können wir die Gefühle in zwei große Gruppen einteilen: 1) in niedere oder physische Gefühle und 2) in die sogenannten höheren Gefühle <...> Die höheren Gefühle werden unter anderem auch Emotionen genannt“ MR 158. In der heutigen Psychologie werden Emotionen mit dem Erleben der Bedeutungen von Umweltphänomenen und Situationen in unmittelbarem Zusammenhang gebracht (PŽ 1993: 75), während Gefühle als beständige Erlebnisse von Beziehungen zur Wirklichkeit gelten (PŽ 1993: 130). Der Lehrbuchautor verwendet als Hauptbegriff persönliches Gefühl 204 Rita Katelytė | Mečislovo Reinio laisvai versto Psichologijos vadovėlio... und nennt dafür zwei Synonyme: individuelles Gefühl, persönliches Gefühl, vgl.: „Gefühle, die mit der Erhaltung des Lebens eines Einzelnen verbunden sind, heißen individuelle oder persönliche Gefühle <...>“ MR 163. „Individualgefühle sind solche, die bei Personen auftreten können, die nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen <...>“ MR 163. Ähnlich verhält es sich mit der Verwendung der Synonyme soziales Gefühl, gesellschaftliches Gefühl, Gemeingefühl: „Gefühle, die mit der Erhaltung des Lebens anderer Personen verflochten sind, werden soziale oder gesellschaftliche Gefühle genannt“ MR 163. „Soziale Gefühle entstehen und entwickeln sich gemeinsam mit dem gesellschaftlichen Leben“ 163. Bemerkenswert ist, dass der Ausdruck gesellschaftliche Gefühle häufiger verwendet wird. In der untersuchten Quelle werden folgende Arten individueller und gesellschaftlicher Gefühle aufgeführt (38 Termini): altruistisches Gefühl MR 169, Hingabegefühl MR 177, charakteristisches moralisches Gefühl MR 179, Dankbarkeitsgefühl MR 177, Gefühl der Ehre Gottes MR 177, Liebe zu Gott MR 177, Gefühl der Hingabe an den Willen Gottes MR 177, Gefühl der moralischen Pflicht MR 173, moralisches Gefühl MR 173, egoistisches Gefühl MR 168, elementares ästhetisches Gefühl MR 179, ästhetisches Empfinden MR 158, ästhetisches Gefühl MR 178, körperliches Gefühl MR 158, Wohlgefühl MR 62, Individualgefühl MR 163, individuelles Gefühl MR 163, intellektuelles Gefühl MR 178, Stolzgefühl MR 157, Kraftgefühl MR 165, Rachegefühl MR 164, Lustgefühl MR 62, Unlustgefühl MR 38, Unzufriedenheitsgefühl MR 164, Missbehagen MR 185, Verehrungsgefühl MR 177, Achtung MR 163, Pflichtgefühl MR 173, Zufriedenheitsgefühl MR 165, Anstrengungsgefühl MR 192, Befriedigungsgefühl MR 92, Missbrauchsgefühl MR 164, primäres ästhetisches Gefühl MR 179, Zorngefühl MR 164, Gefühl der Erhabenheit MR 157, Religionsgefühl MR 173, Freudegefühl MR 165, Schwankungsgefühl MR 191. Zu den physiologischen Gefühlen zählen diese 8 Termini: Angstgefühl MR 9, Freudegefühl MR 161, Jubelgefühl MR 181, Schamgefühl MR 21, Gefühl des Lächerlichen MR 181, Leidensgefühl MR 9, Sympathiegefühl MR 168, Schmerzgefühl MR 153. Es wurden 27 Termini gefunden, die Erlebnisse des Verhältnisses zur Umwelt, zu anderen Menschen und zu sich selbst bezeichnen: Leidenschaft MR 189, Angst MR 159, Freude MR 159, Jubel MR 159, Bedauern MR 174, Begierde MR 189, Schreck MR 159, Wut MR 159, Lächerlichkeit MR 181, Leid MR 165, Leiden MR 152, Missbehagen MR 152, Langeweile MR 128, Niedergeschlagenheit MR 159, Überraschung MR 159, Schwärzung MR 191, Berührung MR 58, Abscheu MR 159, Mitleid MR 174, Befriedigung MR 152, Zorn MR Terminologija | 2009 | 16 205 159, Gewissensbisse MR 174, Freude MR 152, Erregung MR 37, Kaltblütigkeit MR 210, familiäre Sympathie MR 171, Begierde MR 189. In den Gruppen weiterer Emotions- und Gefühlsbezeichnungen wurden ebenfalls Termini gefunden (21 Termini), zum Beispiel: Affekt MR 157, Affektgedächtnis MR 162, asthenischer Affekt MR 159, Ursprung des moralischen Gefühls MR 174, Verbindlichkeit des moralischen Gefühls MR 174, Reizung MR 37, physiologische Grundlagen der Gefühle MR 154, äußerer Reiz MR 91, äußere Reizung MR 39, Gefühlsfähigkeit MR 210, Gefühlsausdruck MR 160, Reproduktion von Gefühlen MR 161, Gefühlsgedächtnis MR 162, Verlauf der Gefühle MR 183, Aufhebung der Gefühle MR 157, Eigenschaft des Gefühlskomischen MR 181, Vergnügen beim Erinnern MR 161, Sympathiemechanismus MR 168, Entwicklung der Sympathie MR 171, sthenische Affekte MR 159. 1.7. Bezeichnungen für psychische Störungen und Charaktereigenschaften der Persönlichkeit Der Gruppe werden 51 Termini (10,1% aller Termini) zugeordnet, die verschiedene psychische Störungen der Persönlichkeit bezeichnen (psychische, geistige und seelische Behinderungen sowie Störungen des Denkens, Verhaltens und Fühlens), sowie 18 Termini, die die Individualität und Eigenart der Persönlichkeit sowie die Gesamtheit angeborener oder erworbener Eigenschaften und Verhaltensmerkmale widerspiegeln. Zur Bezeichnung von Störungen der Selbstwahrnehmung der Persönlichkeit werden im Lehrbuch 12 Termini verwendet, zum Beispiel: Abulie MR 223, altruistische Handlung MR 169, Störung der Selbstwahrnehmung der Persönlichkeit MR 222, Bewertung des geistigen „Selbst“ MR 204, Abbild des körperlichen „Selbst“ MR 203, Hyperbulie MR 224, Illusion MR 143, extreme Beharrlichkeit MR 224, Manie MR 223, unwillkürliche Bewegung MR 184, willkürlose Bewegung MR 183. Pathologische Wahrnehmungsstörungen, das heißt Halluzinationen, werden durch 7 Termini bezeichnet: auditive Halluzination MR 219, Halluzination MR 79, Halluzinationserscheinung MR 219, taktile Halluzination MR 219, visuelle Halluzination MR 219, Geschmackshalluzination MR 219, Geruchshalluzination MR 219. Die im Wörterbuch der Psychologie aufgeführten Bezeichnungen für Halluzinationsarten unterscheiden sich geringfügig von denen, die M. Reinys Lehrbuch verwendet. Im genannten Wörterbuch der Psychologie werden Halluzinationen des Sehens, Hörens, Riechens, Schmeckens, Tastens, der Eingeweide und des allgemeinen Empfindens unterschieden. M. Reinys benennt zwei besonders häufig auftretende Halluzinationsarten: visuelle Halluzination und auditive Halluzination. Es wurden 4 Bezeichnungen für Sprach-, 3 für Seh-, 2 für Schreib- und 5 für psychische Störungen gefunden: Aphasie MR 33, Worttaubheit MR 220, Sprachhemmung MR 220, Stummheit MR 220; psychische Blindheit MR 33, Wortblindheit MR 221, Farbenblindheit MR 54; Agraphie MR 33, Unfähigkeit zu schreiben MR 221; Abweichung von der Norm MR 223, 206 Rita Katelytė | Mečislovo Reinio laisvai versto Psichologijos vadovėlio... Fehlentwicklung des Verstandes MR 222, psychische Krankheit MR 221, psychische Fehlentwicklung MR 219, Psychose MR 221. Zur Bezeichnung der Persönlichkeit, ihrer Charakterzüge und der grundlegenden Temperamenttypen werden in M. Reinys Psychologijos vadovėlyje 18 Termini verwendet: Persönlichkeit MR 176, Identität der Persönlichkeit MR 206, Charakter MR 197, Choleriker MR 209, geistige Persönlichkeit MR 205, Phlegmatiker MR 209, reaktiver Charakter MR 138, aufmerksames Lernen MR 101, Lerngeschwindigkeit MR 89, logisches Denken MR 221, mechanischer Charakter MR 97, Melancholiker MR 209, organische Grundlage des Temperaments MR 210, reflexiver Charakter MR 138, Sanguiniker MR 209, das eigene „Ich“ MR 201, „Selbst“-Wahrnehmung MR 203, Temperament MR 209. Ein Synonym des Hauptterminus „reaktiver Charakter“ MR 138 ist reflexiver Charakter MR 138. 1.8. Die Gruppe der Bezeichnungen für Erkenntnisprozesse umfasst 108 Termini (21,3% aller Termini). 1.8.1. Aufmerksamkeit. Im Lehrbuch wird Aufmerksamkeit MR 90 als eine Fähigkeit definiert, „dank derer wir einige auf unser Bewusstsein einwirkende Eindrücke ganz deutlich und lebhaft wahrnehmen“ MR 90. Folgende Termini bezeichnen Arten der Aufmerksamkeit: aktive Aufmerksamkeit MR 91, die aktive Aufmerksamkeit MR 96, passive Aufmerksamkeit MR 91, die passive Aufmerksamkeit MR 91. Heute werden andere Termini verwendet: unwillkürliche Aufmerksamkeit, willkürliche Aufmerksamkeit und nachwillkürliche Aufmerksamkeit (PŽ 1993: 53–54). Die Menge und Anzahl der Aufmerksamkeitsbilder werden mit den Termini Aufmerksamkeitsumfang MR 91, Aufmerksamkeitsbedingung MR 92, Enge der Aufmerksamkeit MR 91, Aufmerksamkeitsvolumen MR 91 bezeichnet. Weitere Termini zu Erkenntnisprozessen: Mechanismus der aktiven Aufmerksamkeit MR 96, Wirkung der willkürlichen Aufmerksamkeit MR 194. 1.8.2. Gedächtnis. Im Psychologijos žodyne werden vier Gedächtnisarten unterschieden: motorisches, emotionales, bildhaftes und verbales Gedächtnis (PŽ 1993: 32). In der untersuchten Quelle wurden weitere Termini zur Bezeichnung von Gedächtnisarten gefunden: angeborenes Gedächtnis MR 98, Intervallgedächtnis MR 88, Hörgedächtnis MR 88, mechanisches Gedächtnis MR 89, musikalisches Gedächtnis MR 88, geistiges Gedächtnis MR 89, Verstandesgedächtnis MR 98, reflektierendes Gedächtnis MR 101, Klangfarben-Gedächtnis MR 88, Tonhöhengedächtnis MR 88, Kindergedächtnis MR 98, Erinnerung an Bilder MR 100, Wortgedächtnis MR 88. Einige Artenbezeichnungen haben ihrerseits Unterarten. So unterteilt M. Reinys beispielsweise das Hörgedächtnis in kleinere Gruppen, etwa: „Unter Personen mit Hörgedächtnis muss man diejenigen mit gutem Wortgedächtnis von denen mit gutem musikalischem Gedächtnis unterscheiden. Unter Letzteren muss man diejenigen mit gutem Tonhöhengedächtnis, Intervallgedächtnis, Klangfarben-Gedächtnis usw. unterscheiden.“ MR 88. Terminologija | 2009 | 16 207 Zur Bezeichnung der Verbesserung und Übung des Gedächtnisses werden folgende Termini verwendet: Gedächtnisverbesserung MR 100, Technik der Gedächtnisverbesserung MR 99, Gedächtnistraining MR 100, Entwicklung des Gedächtnisses MR 97. M. Reinys unterscheidet vier Gedächtnistypen: auditiver Typ MR 86, motorischer Typ MR 86, Mischtyp MR 85, visueller Typ MR 85. Weitere 12 gedächtnisbezogene Termini: individuelle Gedächtnismerkmale MR 88, Gedächtnisanstrengung MR 100, Gedächtnisgenauigkeit MR 89, Gedächtnistyp MR 85, Gedächtnisumfang MR 89, Gedächtnis MR 72, Dauer des Erinnerns MR 89, allgemeines Gedächtnismerkmal MR 88, physiologische Grundlage des Gedächtnisses MR 74, Mnemonik MR 98, Kritik der Mnemonik MR 99, mnemonisches Hilfsmittel MR 99. 1.8.3. Eine beträchtliche Gruppe bilden Termini zur Bezeichnung von Empfindungen (31 Termini). Die Termini dieser Gruppe bezeichnen physiologische Empfindungen: Empfindung MR 1, Hungergefühl MR 61, Hunger MR 39, allgemeine Empfindung MR 39, Schallempfindung MR 37, Hörempfindung MR 39, Verlauf der Hörempfindung MR 41, Lebensgefühl MR 39, reine Empfindung MR 36, Empfindung äußerer Reize MR 204, Bewegungsempfindung MR 58, Wahrnehmung des Komischen MR 181, Härteempfindung MR 58, Hörempfindung MR 64, Ekelgefühl MR 61, Geruchsempfindung MR 35, Zeitempfinden MR 124, Tastempfindung MR 36, Empfindung brennender Berührung MR 153, Müdigkeitsempfindung MR 62, organische Empfindung MR 39, Empfindungsakt MR 71, Berührungsempfindung MR 58, ähnliche Empfindung MR 72, einfache Kälteempfindung MR 59, Widerstandsempfindung MR 58, Empfindung des Übermaßes MR 61, Widerstandsempfindung MR 61, Gleichgewichtsempfindung MR 62, Muskelempfindung MR 39, Empfindung des Sehnervs MR 65. Hervorzuheben ist, dass in den Termini Geschmacksnervenreizstoff MR 59 und Riechnervenreizstoff MR 59 der Reizfaktor durch eine Ableitung mit dem Suffix -tojas bezeichnet wird, das Personenbezeichnungen bildet: „Geschmacksnervenreizstoffe sind flüssige Körper. Feste Körper werden weich, verbinden sich mit dem Speichel und unterliegen einer chemischen Zersetzung; die Folgen dieser Zersetzung reizen den Geschmacksnerv“ MR 59; „Partikel riechender Körper verteilen sich auf der Nasenschleimhaut, reizen die Endorgane der Riechnerven; die Reizung gelangt zum Gehirn, und die Folge einer solchen Reizung ist eine Empfindung“ MR 59. 1.8.4. Im Lehrbuch wurden 12 Termini gefunden, die Arten und Erscheinungen der Vorstellungskraft bezeichnen, z. B.: reproduktive Vorstellungskraft MR 102, starke Vorstellungskraft MR 106, Mechanismus der schöpferischen Vorstellungskraft MR 103, Ertrag der Vorstellungskraft MR 106, Kraft der Vorstellungskraft MR 105, schöpferische Tätigkeit der Vorstellungskraft MR 105, Erscheinung der Vorstellungskraft MR 105. Neben dem Hauptterminus Vorstellungskraft MR 102 wird synonym verwendet 208 Rita Katelytė | Mečislovo Reinio laisvai versto Psichologijos vadovėlio... Der Termin Fantasie MR 102. Zum Termin produktive Vorstellungskraft MR 102 führt M. Reinys auch das Synonym schöpferische Vorstellungskraft MR 102 an, verwendet im weiteren Verlauf des Lehrbuchs jedoch nur den Terminus schöpferische Vorstellungskraft. Im Vergleich zur heutigen psychologischen Terminologie zeigt sich, dass sich die Einteilung der Arten der Vorstellungskraft verändert hat. M. Reinys unterschied reproduktive und produktive Vorstellungskraft; im Psychologischen Wörterbuch wird die Vorstellungskraft dagegen in passive und aktive Vorstellungskraft eingeteilt, die wiederum in kleinere Unterarten gegliedert werden. 1.9. Die Gruppe der Bezeichnungen für Personen umfasst 6 Termini (1,2% aller Termini), mit denen Personen benannt werden, die mit der psychologischen Wissenschaft oder ihrer praktischen Ausübung verbunden sind: Empirist MR 114 (im TŽŽ ist nur der Terminus Empiriker aufgeführt, der einen Anhänger des Empirismus oder einen Menschen bezeichnet, der sich nicht vertieft mit Theorien befasst), Evolutionist MR 175, Genetiker MR 114, Indeterminist MR 199, Nativist MR 115, Psychologe MR 9. Aus den gesammelten Termini geht hervor, dass es vor allem Termini gibt, die allgemeine Begriffe der Psychologie (40 Termini oder 7,9% aller Termini), psychologische Teilgebiete (11 Termini oder 2,2% aller Termini), psychologische Gesetze und Theorien (12 Termini, die 2,4% aller Termini ausmachen), physiologische Prozesse (73 Termini oder 14,4% aller Termini), psychische Prozesse (98 Termini oder 19,4% aller Termini), Emotionen und Gefühle (106 Termini oder 21% aller Termini), psychische Störungen und Charakterzüge der Persönlichkeit (51 Termini oder 10,1% aller Termini), kognitive Prozesse (108 Termini oder 21,3% aller Termini) sowie Personen (6 Termini oder 1,2% aller Termini) bezeichnen. 2. HERKUNFT DER TERMINI In diesem Abschnitt des Artikels wird die Herkunft der im Psychologielehrbuch von M. Reinys verwendeten Termini erörtert. Alle Termini werden nach der Anzahl ihrer Bestandteile in einwortige und zusammengesetzte psychologische Termini eingeteilt. Bei den einwortigen Termini wird ihre Herkunft untersucht; zusammengesetzte Termini werden nach der Anzahl ihrer Bestandteile, ihrer Herkunft und ihren syntaktischen Beziehungen behandelt. Zur Gruppe der einwortigen Termini gehören 138 Termini, die 27,3% aller Termini ausmachen. Darunter überwiegen litauische Termini – 100 (72,4% aller einwortigen Termini). Deutlich weniger sind internationale Termini – 38 (27,6% aller einwortigen Termini). Die Gruppe der zusammengesetzten Termini umfasst 281 zweigliedrige, 75 dreigliedrige und 11 mehrgliedrige Termini. 2.1. Einwortige litauische Termini. Es sollte darauf hingewiesen werden, dass M. Reinys das Lehrbuch bei seiner freien Übersetzung überwiegend mit litauischen Termini formulierte und neben internationalen Termini litauische Synonyme angab, Terminologija | 2009 | 16 209 z. B.: Reproduktion MR 72 – Wiedergabe MR 72, Subjekt MR 141 – Faktor MR 141, Illusion MR 143 – Sinnestäuschung MR 143. Am häufigsten wurden litauische Begriffe gefunden, die psychische Prozesse bezeichnen (45 Begriffe oder 32,6% aller Begriffe dieser Gruppe): Vorstellung MR 72, Wiedergabe MR 72, Ablenkung MR 132, Wiedererkennen MR 73, Verantwortungsbewusstsein MR 198, Vorstellung MR 72, Vorstellung MR 72, Vergegenwärtigung MR 1, Interesse MR 92, Zorn MR 164, Überzeugung MR 178, Verwirrung MR 96, Schlussfolgerung MR 146, Suggestion MR 216, Absicht MR 192, Leichtgläubigkeit MR 210, Neigung MR 193, Schlaf MR 214, Gedanke MR 1, Wunsch MR 1, Erkenntnis MR 32, Neigung MR 193, Verlangen MR 189, Erfahrung MR 13, Anziehung MR 188, Erweckung MR 191, Erkenntnis MR 15, Charakter MR 197, Erlebnis MR 12, Erinnerung MR 128, Beharrlichkeit MR 210, Verstand MR 2, Denken MR 3, Zusammensein MR 125, Bewusstsein MR 5, Zusammenhang MR 141, Selbstbewusstsein MR 203, Selbstbeobachtung MR 4, Gewissen MR 173, Zusammenkunft MR 125, Schwankung MR 142, Behauptung MR 141, Gewissheit MR 141, Erstickung MR 39, Weinen MR 168. Eine kleinere Gruppe bilden litauische Bezeichnungen für Emotionen und Gefühle (29): Leidenschaft MR 189, Angst MR 159, Freude MR 159, Jubel MR 159, Ärger MR 37, Mitleid MR 174, Begierde MR 189, Schreck MR 159, Wut MR 159, Gefühl MR 1, Gefühlsbetontheit MR 210, Lustigkeit MR 181, Leiden MR 165, Leid MR 152, Unbehagen MR 152, Langeweile MR 128, Traurigkeit MR 159, Erstaunen MR 159, Erregung MR 191, Berührung MR 58, Abscheu MR 159, Mitgefühl MR 174, Befriedigung MR 152, Wut MR 159, Wohlgefühl MR 152, Erregung MR 37, Gelassenheit MR 210, Verlangen MR 189, Verletztheit MR 4. Gleich viele litauische Begriffe (je 9) gibt es in der Gruppe der allgemeinen psychologischen Begriffe – Zeit MR 147, Kausalität MR 150, Ursache MR 147, Seele MR 1, Seelenkunde MR 1, Zahl MR 147, Fähigkeit MR 193, Ähnlichwerden MR 131, Faktor MR 141 – sowie in der Gruppe der Bezeichnungen physiologischer Prozesse – Niesen MR 31, Husten MR 32, Blinzeln MR 32, Empfindung MR 4, Traum MR 79, Schläfrigkeit MR 214, Sättigung MR 39, Selbstbeherrschung MR 195, Durst MR 189. In den übrigen Gruppen finden sich nur jeweils ein oder zwei litauische Begriffe: bei den Empfindungen – Hunger MR 39, Empfindung MR 1, Wahrnehmung MR 71; bei psychischen Störungen und Charakterzügen der Persönlichkeit – Stummheit MR 220, Nichtschreiben MR 221; bei der Aufmerksamkeit – Aufmerksamkeit MR 90; beim Gedächtnis – Gedächtnis MR 72; bei den Bezeichnungen der Vorstellungskraft – Einbildungskraft MR 102. 210 Rita Katelytė | Mečislovo Reinio laisvai versto Psichologijos vadovėlio... 2.2. Einsilbige internationale Termini. Auf der Grundlage von Wörterbüchern der Fremdwörter (siehe Literaturverzeichnis) wurden die einsilbigen internationalen Termini nach ihrer Herkunft eingeteilt. Nahezu alle in der untersuchten Quelle verwendeten internationalen Termini stammen aus dem Lateinischen oder Griechischen. 2.2.1. Termini lateinischer Herkunft. Im Lehrbuch wurden 19 Termini lateinischer Herkunft gefunden. Am häufigsten bezeichnen sie psychische Prozesse, z. B.: Abstraktion MR 130 (lat. abstractio), Assoziation MR 80 (lat. associatio), Deduktion MR 146 (lat. deductio), Induktion MR 146 (lat. inductio), Introspektion MR 4 (lat. introspectio), Konvergenz MR 113 (lat. convergens), Objekt MR 205 (lat. objektus). Weitere internationale Termini, die andere Bedeutungsgruppen bezeichnen, sind beispielsweise: Affekt MR 157 (lat. affectus), Apperzeption MR 93 (lat. ad + lat. perceptio), Faktor MR 94 (lat. factor), Halluzination MR 79 (lat. hallucinatio), Illusion MR 143 (lat. illusio), Nativismus MR 114 (lat. naivus), Reflex MR 34 (lat. reflexus), Sanguiniker MR 209 (lat. sanguis), Subjekt MR 141 (lat. subjectum), Substanz MR 151 (lat. substantia), Temperament MR 209 (lat. temperamentum). 2.2.2. Termini griechischer Herkunft. Zu nennen sind 15 Termini griechischer Herkunft: Abulie MR 223 (gr. abulia), Aphasie MR 33 (gr. aphasia + gr. phasis), Agraphie MR 33 (gr. graphō), Charakter MR 197 (gr. charaktēr), Ekstase MR 222 (gr. ekstasis), Phantasie MR 102 (gr. phantasia), Physiologie MR 14 (gr. physis + gr. logia), Phlegmatiker MR 209 (gr. phlegmatikos), Hyperbulie MR 224 (gr. hyper + gr. bulē), Manie 2 MR 23 (gr. mania), Melancholiker MR 209 (gr. melancholikos), Mnemotechnik MR 98 (gr. mnēmonikon (technēma)), Psychologie (gr. psichē + gr. logos), Psychose MR 221 (gr. psychōsis), Synthese MR 131 (gr. synthesis). Ein Terminus griechischer Herkunft, der über das Lateinische übernommen wurde, ist belegt: Choleriker Choleriker MR 209 (lat. cholericus < gr. cholē). 2.2.3. Termini französischer Herkunft. Ein Terminus französischer Herkunft ist Reproduktion MR 72 (franz. reproduction). Im Lehrbuch wurden Termini gefunden, die lateinischen und griechischen Ursprungs sind und über das Französische übernommen wurden. In der untersuchten Quelle wird ein Terminus lateinischer Herkunft verwendet, der über das Französische übernommen wurde – Emotion MR 158 (franz. émotion < lat. emoveo) – sowie ein Terminus griechischer Herkunft, der über das Französische übernommen wurde: Hypnose MR 214 (franz. hypnose < gr. hypnos). Bemerkenswert ist, dass im Lehrbuch einmal die Form Hipnoza MR 10 verwendet wird; im am Ende des Buches befindlichen Glossar wird jedoch nur der Terminus Hipnozė aufgeführt, weshalb anzunehmen ist, dass es sich um einen Druckfehler handelt. Terminologija | 2009 | 16 211 2.3. Zusammengesetzte zweigliedrige Termini. Zu den zusammengesetzten zweigliedrigen Termini ist festzustellen, dass es nach der Herkunft der Bestandteile überwiegend Termini mit zwei litauischen Bestandteilen gibt (171 Termini oder 60,8% der Termini dieser Gruppe). Termini mit internationalen Bestandteilen sind selten (12 Termini oder 4,2% der Termini dieser Gruppe). Einen beträchtlichen Anteil der zusammengesetzten Termini bilden Termini mit gemischten Bestandteilen (98 Termini oder 35% der Termini dieser Gruppe). 2.3.1. Termini mit litauischen Bestandteilen. In dieser Gruppe überwiegen Termini, deren untergeordnetes Glied durch den Genitiv eines Substantivs ausgedrückt wird (126 Termini), z. B.: Pflicht der Moral MR 174, Reproduktion von Gefühlen MR 161, Tastnerv MR 58, Gefühl des Zorns MR164, Seelenbewegung MR 160, Lichtempfindung MR 64, Erinnerung an Bilder MR 100, Ausweitung des Willens MR 193, Willenshandlung MR 183. Wesentlich seltener sind Termini, deren untergeordnetes Glied durch ein Adjektiv oder ein Partizip ausgedrückt wird (45 Termini). Nach der Ausdrucksform der untergeordneten Glieder lassen sich folgende Untergruppen unterscheiden: a) Termini, deren untergeordnetes Glied durch ein bestimmtes oder unbestimmtes qualitatives Adjektiv ausgedrückt wird (16): moralischer Charakter MR 197, mächtige Vorstellungskraft MR 106, reine Empfindung MR 36, reines Gefühl MR 154, reiner Raum MR 149, aufmerksames Lernen MR 101, logisches Denken MR 221, unangenehmes Gefühl MR 128, unwillkürliche Bewegung MR 184, unwillkürliche Bewegung MR 183, willkürliche Bewegung MR 184, passive Aufmerksamkeit MR 91, passive Aufmerksamkeit MR 91, vollkommenster Wille MR 196, willentliche Bewegung MR 183, niedrigeres Gefühl MR 158; b) Termini, deren untergeordnetes Glied durch ein relationales Adjektiv ausgedrückt wird (17): geistige Persönlichkeit MR 205, binokulares Sehen MR 115, Rückbewegung MR 184, Rückhandlung MR 31, zentraler Nerv MR 31, äußerer Reiz MR 91, äußerer Reiz MR 39, innerer Reiz MR 39, innere Erfahrung MR 4, äußerste Beharrlichkeit MR 224, unbegründete Angst MR 161, ursprüngliches Gefühl MR 162, geistiges Gedächtnis MR 89, Geisteswissenschaft MR 89, kontinuierlicher Raum MR 148, homogener Raum MR 148, gesellschaftliches Gefühl MR 163; c) Termini, deren untergeordnetes Glied durch ein bestimmtes oder unbestimmtes Partizip Passiv ausgedrückt wird (12): produktive Vorstellungskraft MR 102, auditiver Typ MR 86, angeborenes Gedächtnis MR 98, entwickelter Wille MR 196, kinästhetischer Typ MR 86, motorischer Nerv MR 31, sensorischer Nerv MR 31, schöpferische Vorstellungskraft MR 102, erneuerte Empfindung MR 72, Nachbild MR 54, reflektierende Kraft MR 33, reflektierender Gedanke MR 101. 212 Rita Katelytė | Mečislovo Reinio laisvai versto Psichologijos vadovėlio... 2.3.2. Termini mit internationalen Bestandteilen. In dieser Gruppe überwiegen Termini, deren untergeordnetes Element durch den Genitiv eines Substantivs ausgedrückt wird (10), z. B.: Abstraktionsprozess MR 93, Helmholtz-Theorie MR 52, Introspektionsmethode MR 8, psychischer Prozess MR 5. Nur ein Begriffspaar hat untergeordnete Elemente, die durch Adjektive ausgedrückt werden: objektive Methode MR 8, subjektive Methode MR 8. 2.3.3. Termini mit gemischten Bestandteilen. Die Gruppe der Termini mit gemischten Bestandteilen umfasst mehrere Typen von Termini. An der Ausdrucksform der Bestandteile ist zu erkennen, dass es etwas mehr Termini gibt, deren untergeordnetes Element durch ein Adjektiv ausgedrückt wird. Diese Gruppe umfasst: a) Termini mit einem hybriden untergeordneten und einem litauischen Hauptelement (39), z. B.: egoistisches Gefühl MR 168, experimentelles Material MR 14, empirischer Ursprung MR 150, ästhetisches Schaffen MR 105, ästhetisches Gefühl MR 178, physisches Gefühl MR 158, physiologischer Zustand MR 164, physiologisches Phänomen MR 21, physiologischer Prozess MR 158, impulsartige Bewegung MR 184, instinktive Bewegung MR 184, intellektuelles Gefühl MR 178, zentrifugaler Nerv MR 31, mechanisches Gedächtnis MR 89, mechanische Wissenschaft MR 89, metaphysischer Begriff MR 148, Reflexbewegung MR 76, Reflexhandlung MR 31, Reflexprozess MR 185, soziales Gefühl MR 163; b) Termini mit einem litauischen untergeordneten und einem internationalen Hauptelement (7), z. B.: auditive Halluzination MR 219, reziproker Charakter MR 138, extremer Realismus MR 63; c) Termini mit einem hybriden untergeordneten und einem internationalen Hauptelement (7): experimentelle Psychologie MR 128, empirische Psychologie MR 2, mechanischer Charakter MR 97, psychischer Prozess MR 34, psychologische Analyse MR 7, rationale Psychologie MR 2, Reflexcharakter MR 138; d) Termini mit einem hybriden untergeordneten und einem hybriden Hauptelement (2): objektive Realität MR 142, objektives Realitätswesen MR 142. Etwas weniger zahlreich sind die Termini, deren untergeordnetes Element durch den Genitiv eines Substantivs ausgedrückt wird. Diese Gruppe umfasst: a) Termini mit einem internationalen untergeordneten und einem litauischen Hauptelement (22), z. B.: Affektgedächtnis MR 162, Extirpationsmethode MR 33, Ästhetikgefühl MR 158, Fechner-Gesetz MR 69, Halluzinationsdarstellung MR 219, Induktionsschluss MR 147, Intervallgedächtnis MR 88, Intuitionsrichtungen MR 175, Lokalisationsbegriff MR 34, Mimikbewegung MR 160, Tonhöhengedächtnis MR 88, Tonabstimmung MR 179; b) Termini mit einem litauischen untergeordneten und einem internationalen Hauptelement Terminologija | 2009 | 16 2 1 3 mit einem Bestandteil (21), z. B.: Nervensystem MR 22, Lokalisierung der Fähigkeiten MR 34, Theorie der Fähigkeiten MR 16, Tierpsychologie MR 10, Assoziation der Kontiguität MR 81, Psychologie der Gefühle MR 20, Kinderpsychologie MR 10, Willenselement MR 188, Willensmoment MR 190, Willenspsychologie MR 20. 2.4. Zusammengesetzte dreigliedrige Termini. Fast die Hälfte aller zusammengesetzten dreigliedrigen Termini besteht vollständig aus litauischen Bestandteilen (38), z. B.: Verzerrung der Persönlichkeitswahrnehmungen MR 222, allgemeines Merkmal des Gedächtnisses MR 88, äußere Art der Reizung MR 39, Empfindung des leichten Atmens MR 39, taktile Brennempfindung MR 153, einfache Kälteempfindung MR 59. Zusammengesetzte dreigliedrige Termini mit gemischten Bestandteilen gibt es fast ebenso viele wie solche mit ausschließlich litauischen Bestandteilen (37), z. B.: Mechanismus der schöpferischen Vorstellungskraft MR 103, spezifisches Energiegesetz MR 65, Lokalisierung psychischer Fähigkeiten MR 32. Zusammengesetzte dreigliedrige Termini mit internationalen Bestandteilen wurden nicht gefunden. 2.5. Zusammengesetzte mehrgliedrige Termini. Mehrgliedrige Termini sind in der untersuchten Quelle recht selten – es wurden 11 mehrgliedrige Termini gefunden, die 3,9% aller zusammengesetzten Termini ausmachen. Den Großteil der zusammengesetzten mehrgliedrigen Termini (8) bilden Termini litauischen Ursprungs: Gefühl der Hingabe an den Willen Gottes MR 177, Raum in Bezug auf das Bewegungsempfinden MR 107, Raum in Bezug auf das Tastempfinden MR 107, Ausgangspunkt der wesentlichen Denkoperation MR 142, taktile und muskuläre Vorstellung MR 119, muskuläres und taktiles Erleben MR 121, muskuläre und taktile Wirkung MR 120, kontinuierlicher Zusammenhang der seelischen Erscheinungen MR 18. Nur wenige Termini haben gemischte Bestandteile (3): Theorie des angeborenen moralischen Gefühls MR 175, grundlegendes empirisches Erkenntniselement MR 149, psychophysisches Weber-Fechner-Gesetz MR 66. SCHLUSSFOLGERUNGEN 1. Das frei aus dem Russischen übersetzte Psychologie-Lehrbuch von M. Reinys ist sowohl aus psychologischer als auch aus terminologischer Sicht eine wichtige Quelle. Es ist das erste litauische Psychologie-Lehrbuch; daher lässt sich sagen, dass dieses Lehrbuch die Grundlagen sowohl der psychologischen Wissenschaft als auch der psychologischen Terminologie geschaffen hat. 2. Im Hinblick auf die Bedeutungsgruppen zeigt sich, dass die Terminologie des Lehrbuchs überwiegend aus Termini besteht, die psychische Prozesse sowie Emotionen und Gefühle bezeichnen. Einen kleinen Teil der Terminologie bilden Termini, die Zweige der Psychologie, Gesetze, Theorien und mit der psychologischen Wissenschaft verbundene Personen benennen. 3. Für zahlreiche psychologische Begriffe verwendete M. Reinys jeweils einen Terminus, in einigen Fällen gab er jedoch zwei oder sogar drei Synonyme an. 214 Rita Katelytė | Mečislovo Reinio laisvai versto Psichologijos vadovėlio... 4. Leicht lässt sich feststellen, dass sich die von M. Reinys verwendeten Termini im Vergleich zur heutigen psychologischen Terminologie erheblich verändert haben – zahlreiche Termini werden nicht mehr verwendet, und ihre Klassifikation hat sich gewandelt. 5. Die Analyse der Termini des Lehrbuchs zeigte, dass der Übersetzer überwiegend litauische Termini verwendete. Litauische einwortige und zusammengesetzte Termini machen mehr als die Hälfte aus, während die internationale Terminologie nur ein Zehntel aller erörterten Termini umfasst. Fast alle internationalen psychologischen Termini stammen aus dem Lateinischen oder Griechischen; neben den internationalen Termini werden jedoch recht häufig auch litauische Synonyme angegeben. 6. Die zusammengesetzte Terminologie des Lehrbuchs besteht überwiegend aus zweiteiligen Termini. Den größten Teil der zweiteiligen zusammengesetzten Termini bilden Termini mit zwei litauischen Bestandteilen sowie Termini mit gemischten Bestandteilen. Die Ausdrucksweise der Bestandteile zusammengesetzter zweiteiliger Termini zeigt, dass die untergeordneten Bestandteile am häufigsten im Genitiv eines Substantivs stehen. Dreiteilige und längere zusammengesetzte Termini machen einen unbedeutenden Teil der zusammengesetzten Terminologie aus. QUELLE MR – Reinius M. Psichologijos vadovėlis. Vilnius, 1921. LITERATŪRA Dabartinės lietuvių kalbos žodynas (elektroninis leidimas), 6-as leid. Vilnius, 2006. Interleksis. Kompiuterinis tarptautinių žodžių žodynas (elektroninis leidimas). Ats. red. A. Kinderys, Vilnius, 2002. Jacekevičius A., Gučas A., Rimkutė E. Bendroji psichologija. Vilnius, 1986. Lietuvių kalbos gramatika, I. Vyr. redaktorius K. Ulvydas, Vilnius, 1965. Lietuvių kalbos žodynas (I–XX. 1941–2002). Vilnius, 2005. Interneto prieiga: <http://www.lkz.lt>. ME 1993: Medicinos enciklopedija, II. Vilnius. PŽ 1993: Psichologijos žodynas. Spec. red. Augis R., Kočiūnas R., Vilnius. Vaitkevičiūtė V. Tarptautinių žodžių žodynas (elektroninis leidimas). Vilnius, 2003. Zemlevičiūtė P. 2008: Lietuviški Vinco Kudirkos medicinos terminai. – Terminologija 15, 142–153. MEANING AND ORIGIN OF TERMS OF PSYCHOLOGY IN MEČISLOVAS REINYS’ FREELY TRANSLATED “PSICHOLOGIJOS VADOVĖLIS” This article deals with terminology in the textbook of psychology by one of the first Lithuanian psychologists Mečislovas Reinys. At the beginning of the 20th century there was still no textbook of psychology in Lithuanian. Reinys made a free translation of Georgij Chelpanov’s textbook Учебник психологии (для гимназий и самообразования) (Psychology textbook (for gymnasiums and self-education)). Quite a lot of text was Reinys’ own. 505 terms from Psichologijos vadovėlis (Psychology textbook) published in 1921 were analyzed in respect of origin and meaning. Terminologija | 2009 | 16 215 The terms analyzed allow the conclusion that Reinys mainly used Lithuanian terms. Purely Lithuanian one-word and complex terms make up more than half of the terms analyzed. International terms make up only ten percent of all the terms researched. Almost all international one-word terms came from Latin and Greek. The majority of terms name emotions and feelings, psychical and physiological processes, processes of cognition. There are several terms naming mental disorders, character types, branches, laws and theories of psychology. The majority of complex terms are two-word terms. Three-word and longer terms are very rare. The comparison of terminology used by Reinys and the present terminology of psychology shows that quite a lot of terms fell out of use, their classification changed and new terms emerged. Gauta 2009-12-07 Rita Katelytė Lietuvių kalbos institutas P. Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius E. paštas: [email protected] 216 Rita Katelytė | Mečislovo Reinio laisvai versto Psichologijos vadovėlio...