Metaforiniai ekonomikos terminai
Full text
Metaphorische Wirtschaftsfachbegriffe
RASUOLĖ VLADARSKIENĖ
Vilniaus Gedimino technikos universitetas
SCHLÜSSELWÖRTER: Wirtschaftsfachbegriffe, metaphorische Fachbegriffe, stilistische Neutralität, Anschaulichkeit
Die charakteristischsten stilistischen Merkmale der Wissenschaftssprache (Verallgemeinerung, sachliche Genauigkeit, ausgeprägte logische Darstellung, Objektivität, Prägnanz, Vollständigkeit und Klarheit) werden in stilistischen Arbeiten behandelt (Pikčilingis 1971: 314–323; Župerka 1997: 81). Darin wird betont, dass Anschaulichkeit und Emotionalität für die Wissenschaftssprache untypisch sind. Einen wichtigen Teil der Wissenschaftssprache bilden Fachbegriffe, weshalb auch sie die allgemeinen Merkmale der Wissenschaftssprache aufweisen. Nach Ansicht von Kazimieras Župerka (1997: 81) „wird die sachliche Genauigkeit der Wissenschaftssprache durch die Verwendung von Fachbegriffen und anderen eindeutigen Wörtern in direkter Bedeutung bestimmt“. Bei der Aufzählung der wichtigsten Anforderungen an Fachbegriffe werden deren Korrektheit, Systematik, Kürze, Zweckmäßigkeit der Wortbildung und stilistische Neutralität genannt (Gaivenis 2002: 36–50). In vielen wissenschaftlichen Texten finden sich jedoch sowohl anschauliche als auch metaphorische Fachbegriffe, weshalb sich die Frage stellt, wie sie zu bewerten sind.
Ši mokslo kalbos problema nėra nauja, apie ją jau rašė Kazimieras Gaivenis (2002: 44–47) nagrinėdamas terminų stilistinį neutralumą, Vilija Celiešienė ir Judita Džėžulskienė (2009, 50–51) aptardamos profesinės kalbos pagrindus; taip pat yra ir atskirų straipsnių, skirtų metaforinių terminų bendrosioms problemoms (Baltrūnaitė 1998: 36–47), statybos metaforiniams terminams (Stunžinas 2006: 62–73); metaforų vartojimui mokslo populiarinamuosiuose tekstuose (Petrėnienė 2010: 129–134), metaforinių terminų vertimo į lietuvių kalbą sunkumams (Marina 2006: 98–108, Volungevičienė 2010: 23–27) ir kt.
Gegenstand des Artikels sind metaphorische Wirtschaftsfachbegriffe, die aus dem Erklärenden Wörterbuch der Unternehmensführungsterminologie (2000), dem Wörterbuch der Wirtschaftsfachbegriffe, zusammengestellt von Rūta Vainienė (2007), und dem Wörterbuch der Wirtschaftsfachbegriffe, aus dem Englischen übersetzten
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kalbos (1997), Europos žodyno (Eurovoc). Metaforiniais terminais šiame straipsnyje vadinami perkeltinės reikšmės žodžiai, įvardijantys specialias sąvokas.
Ziel des Artikels ist es, nach einer Untersuchung der Grundlagen metaphorischer Benennung in der Wissenschaftssprache die Struktur metaphorischer Wirtschaftsfachbegriffe zu überblicken und die Merkmale metaphorischer Übertragung zu beschreiben.
METAPHORISCHE BENENNUNG IN DER TERMINOLOGIE
Die Bedeutung der Anschaulichkeit in der Wissenschaftssprache und damit auch in der Terminologie hat K. Gaivenis (1991: 30) präzise beschrieben: „Anschaulichkeit ist kein notwendiges Merkmal der Wissenschaftssprache, sondern lediglich innerhalb bestimmter Grenzen zulässig und tolerierbar. Ihre Rolle ist nicht nur in der Sprache einzelner Wissenschaftsbereiche unterschiedlich, sondern auch in den einzelnen Gattungen.“ Es gilt also nur, diese Grenzen klar festzulegen und sich zu bemühen, sie nicht zu überschreiten. Das ist jedoch nicht so einfach, da sich die Gegenstände verschiedener Wissenschaftsbereiche und die Arten ihrer Benennung unterscheiden.
Es ergibt sich eine paradoxe Situation: Stilforscher räumen ein, dass Anschaulichkeit und Ausdruckskraft für den wissenschaftlichen Stil untypisch sind, können jedoch nicht die Tatsache bestreiten, dass sich in der Terminologie verschiedener Wissenschaftsbereiche zahlreiche Metaphern finden. Daher werden die Ursachen dieses Phänomens und Möglichkeiten gesucht, sachliche Genauigkeit und den Gebrauch von Wörtern in übertragenen Bedeutungen in der Wissenschaftssprache (und damit auch in der Terminologie) miteinander zu vereinbaren.
Diese Situation lässt sich durch ein doppeltes Verständnis der Metapher erklären. Im Allgemeinen wird eine Metapher als „Übertragung der Bezeichnung eines Gegenstands oder Phänomens auf einen anderen Gegenstand oder ein anderes Phänomen, um diesen bzw. dieses aufgrund eines gemeinsamen Merkmals, einer Ähnlichkeit der Funktion oder eines unmittelbaren Eindrucks zu benennen“ verstanden (Gudavičius 2009: 114); dabei werden zwei Arten unterschieden: sprachliche und künstlerische Metaphern. Sprachliche Metaphern sind das Ergebnis einer sekundären indirekten Benennung; sie bewahren ein gewisses Maß an Anschaulichkeit und semantischer Doppeldeutigkeit und werden aus Benennungs- und Kommunikationsgründen verwendet. Diese Metaphern sind objektiv und systematisch und spiegeln eine kollektive Sicht auf die logischen Beziehungen zwischen Objekten wider. Künstlerische Metaphern werden als Stilfiguren verwendet; sie sind subjektiv und individuell und erfüllen eine ästhetische Funktion (KPP 325–327). Gerade künstlerische Metaphern sind in der Terminologie unerwünscht, während sprachliche Metaphern dort verwendet werden, wenn sie die einzige Benennung eines Begriffs darstellen. Die Metapher hat sich in der Wissenschaftssprache etabliert, weil sie zwei Dinge miteinander vergleicht und die Analogie eine der wichtigsten Formen wissenschaftlichen Denkens ist. Audronė Bitinienė zufolge ist die Metapher „nicht nur Schmuck des Gedankens oder des Textes, sondern steht mit der geistigen Tätigkeit des Menschen in Zusammenhang: Sie hilft, Erscheinungen der Welt zu erkennen, zu strukturieren, zu bewerten und zu erklären“ (Bitinienė 2007: 36).
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Der wissenschaftliche Stil ist kein geschlossenes System; zahlreiche Termini sind terminologisierte Einheiten des allgemeinsprachlichen Wortschatzes und können bereits in übertragener Bedeutung in die Terminologie eingehen. Beispielsweise wird im Wörterbuch der Gegenwartssprache des Litauischen (im Folgenden – DŽ) als Hauptbedeutung des Wortes srautas „Strom, Fließen einer Flüssigkeit“ angegeben, als zweite, der ersten nahestehende Bedeutung „Strom verschiedener Teilchen oder Wellen“: Luft-, Gasstrom. Windstrom. Flammenstrom. Sandstrom. Licht-, Wärmestrom. Elektronenstrom. Magnetischer Fluss. Wie ersichtlich, wird der Terminus srautas in dieser letztgenannten Bedeutung in den Terminologien verschiedener Fachgebiete verwendet. In der wirtschaftswissenschaftlichen Terminologie wird dieses Wort in übertragener Bedeutung im Sinne von „ununterbrochene Abfolge“ gebraucht: Strom von Fahrgästen, Fracht, Waren DŽ. Vgl. speziellere Termini: Kapitalstrom EV; Migrantenstrom EV; Geldstrom EV; Abzinsung des Geldstroms VŽ 26; Geldflussrechnung VŽ 198.
STRUKTUR METAPHORISCHER TERMINI
In Anbetracht dessen, dass metaphorische Benennungen für die wirtschaftswissenschaftliche Terminologie nicht besonders kennzeichnend sind, wurden als Untersuchungsgegenstand Termini unterschiedlicher Struktur gewählt, in denen sich die Verwendung von Wörtern in übertragener Bedeutung zur Benennung spezieller wirtschaftlicher Begriffe erkennen lässt.
Einfache metaphorische Termini sind für die wirtschaftswissenschaftliche Terminologie untypisch, da ein einzelnes Wort in der Regel nicht ausreicht, um die Vergleichsgrundlage und die daraus entstehende übertragene Bedeutung deutlich zu machen. Solche Termini kommen nur selten vor:
wenn die übertragene Bedeutung von der ursprünglichen Bedeutung nicht sehr weit entfernt ist und sich erschließen lässt, welchen Begriff das Wort bezeichnet, z. B. Trittbrettfahrer „Nutzer, der bewusst erklärt, das Kollektivgut nicht wertzuschätzen, in der Erwartung, dieses Gut nutzen zu können, ohne dafür den vollen Preis zu zahlen“ ETŽ 26;
wenn die übertragene Bedeutung mit der Entstehungsgeschichte des Terminus zusammenhängt; solche Termini sind nur Fachleuten verständlich, z. B. Abschnitt „Anleihezinsen“ EŽ; diese Bezeichnung geht auf die Papierobligationen zurück, die abtrennbare Abschnitte hatten, für die Zinsen gezahlt wurden. Obwohl Anleihen heute häufig immateriell sind, ist die Bezeichnung erhalten geblieben.
Wörter in übertragener Bedeutung, die Grundwörter zusammengesetzter Termini sind, werden mit Bestimmungswörtern verwendet, die den Gegenstand kennzeichnen, dem die metaphorische Bedeutung zukommt (Benennungsmetaphern), z. B.: [Preis-]schere VŽ 138, [Steuer-]last ETŽ 267, EŽ 174; [Preis-]
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Blase EŽ 122. Solche Wörter können verschiedene Bestimmungswörter haben und eine bestimmte Gruppe metaphorischer Termini bilden: [Förder-]mechanismus EV, [Preisbildungs-]mechanismus EV, [zusätzlicher Handels-]mechanismus EV, [Währungsinterventions-]mechanismus EV, [Markt-]mechanismus ETŽ 439, [Wechselkurs-]mechanismus EV; [demografisches] Wachstum EV, [Wirtschafts-]wachstum EV, [Produktions-]wachstum EV, [Unternehmens-]wachstum EV, [Industrie-]wachstum EV, [Wirtschafts-]wachstum EV; [Gemeinschafts-]einnahmen EV, [Haushalts-]einnahmen EV, [Export-]einnahmen EV, [Steuer-]einnahmen EV.
Wörter in übertragener Bedeutung, die Grundwörter eines zusammengesetzten Terminus in direkter Bedeutung näher bestimmen (Merkmalsmetaphern), sind metaphorische Bestimmungsbestandteile zusammengesetzter Termini, z. B.: Schatten-[wirtschaft] EŽ 256–257, ETŽ 477; faule [Kredite] ETŽ 54, eisernes [Lohngesetz] EŽ 96. In der Regel sind diese Bestimmungsbestandteile Adjektive, seltener Partizipien (schleichende [Inflation] ETŽ 479, EŽ 257) oder Genitive von Substantiven (Sünden-[steuer] EŽ 190, Kissen-[steuer] ETŽ 325, EŽ 197). Mit demselben Bestimmungsbestandteil in metaphorischer Bedeutung können mehrere Termini gebildet werden (goldene [Aktie] EŽ 36; goldene [Regel] EŽ 36).
Metaphorische Wortverbindungen. Zusammengesetzte Termini, deren metaphorische Bedeutung aus der Wortverbindung hervorgeht, sind spezifisch und nur Fachleuten bekannt; einige haben eine allgemeinere Bedeutung. Obwohl sich die Grundlage des Vergleichs erahnen lässt, bleibt unklar, welchen Begriff sie bezeichnen, z. B.: goldener Fallschirm EŽ 36, ETŽ 29; goldener Handschlag EŽ 36, ETŽ 29; kostenloses Mittagessen EŽ 185; Giftpille ETŽ 312; Schocktherapie EŽ 257; Chinesische Mauer ETŽ 217.
Auch Autorenmetaphern haben Eingang in wirtschaftswissenschaftliche Wörterbücher gefunden, z. B. unsichtbare Hand EŽ 185 (die Metapher von Adam Smith zur Beschreibung des Wirkungsmechanismus der Marktpreise; häufig wird die erweiterte Variante unsichtbare Hand des Marktes verwendet, um klarzustellen, wessen Hand gemeint ist), großer Bruder EŽ 65 (die Metapher von George Orwell zur Bezeichnung totaler, umfassender und aktiver Herrschaft). Diese Metaphern sind in wirtschaftswissenschaftlichen Texten geläufig und werden als Bezeichnungen bestimmter Phänomene verwendet.
SEMANTISCHE BESONDERHEITEN METAPHORISCHER WIRTSCHAFTSTERMINI
Im wissenschaftlichen Bereich werden Metaphern gebildet, um unbekannte, unklare Sachverhalte mithilfe dessen zu erklären und ihr Wesen offenzulegen, was dem Menschen bereits bekannt und vertraut ist. Russische Wissenschaftler (Ivina 2003: 62, Prochorova 1996: 41) heben die Bedeutung der metaphorischen Benennung in der Terminologie hervor; außerdem wird betont, dass
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dieses Phänomen für Termini aus der Technik, der Medizin und anderen Naturwissenschaften (Botanik) charakteristisch ist, da Metaphern zunächst auf der Grundlage äußerer Ähnlichkeit gebildet werden und daher mit konkretem Wortschatz verbunden sind (Prochorova 1996: 41). Ähnliche Tendenzen in der litauischen Bauterminologie erkannte auch Robertas Stunžinas: „Die metaphorische Benennung von Merkmalen in der Bauterminologie erfolgt überwiegend anhand der Eigenschaften von Gegenständen des täglichen Lebens und der Tierwelt. Durch metaphorische Terminusbestandteile werden meist Merkmale aufgrund äußerer Ähnlichkeit mit Gegenständen bezeichnet, und Oberflächeneigenschaften werden metaphorisch benannt“ (Stunžinas 2006: 71).
Anders ist der Gegenstand der Wirtschaft (ebenso wie der anderer Sozial- und Geisteswissenschaften): Hier werden meist abstrakte Sachverhalte untersucht. Der Hauptgegenstand der Wirtschaftswissenschaft ist die wirtschaftliche Tätigkeit der Menschen; meist müssen verschiedene Handlungen, Beziehungen, Zusammenhänge und Eigenschaften benannt werden. Daher beruhen Metaphern nicht auf äußerer Ähnlichkeit (wie in der Technik- und Bauterminologie), sondern auf Ähnlichkeiten von Funktionen oder anderen Assoziationen.
In der Wirtschaftsterminologie ist eine universelle Tendenz zur Metaphorisierung ausgeprägt – Anthropomorphismus, wobei das Metaphernmodell der Mensch als soziales Subjekt ist. Grundlage der Bedeutungsübertragung sind Wörter, die menschliche Tätigkeiten und deren Bestandteile bezeichnen. Metaphorische Wirtschaftstermini werden mithilfe von Wörtern gebildet, die Realien verschiedener anderer beruflicher Tätigkeitsbereiche benennen. Zu nennen sind zusammengesetzte Termini mit Wörtern aus Bereichen wie Krieg und Jagd; sie rufen Assoziationen mit Gewalt, Zwang und Täuschung hervor, also mit negativen Sachverhalten, z. B.: [kalter] Krieg EŽ 256; [Preis-]Krieg EŽ 123, VŽ 135; weißer Ritter EŽ 39, schwarzer Ritter EŽ 121, grauer Ritter EŽ 216; [finanzielle] Intervention EV, Interventions-[preis] EV, Interventions-[kredit] EV, Interventions-[bestände] EV, Interventions-[kauf] EV; [Audio- und Video-]Piraterie EV, [Computer-]Piraterie EV; [Arbeitskräfte-]Abwerbung EV; [Bevölkerungs-]Falle ETŽ 141; [Liquiditäts-]Falle ETŽ 247; [Armuts-]Falle EŽ 249, ETŽ 461; [Mitarbeiter-]Anwerbung EV; ähnliche negative Assoziationen entstehen auch bei medizinischen Termini, z. B.: [Haushalts-]Injektionen ETŽ 53; Schocktherapie EŽ 257; Giftpille ETŽ 312; [Angebots-]Schock EŽ 208.
Neutraler sind metaphorische Wirtschaftstermini, deren Assoziationen mit Begriffen aus dem Bauwesen (schöpferische Zerstörung EŽ 150; [Preis-]Obergrenze EŽ 124; Vordertür ETŽ 401, Hintertür ETŽ 516) oder der Technik verbunden sind ([Förder-]Mechanismus EV, [Preisbildungs-]Mechanismus EV, [zusätzlicher Handels-]Mechanismus EV; [fiskalische] Bremse ETŽ 127; [Preis-]Barometer ETŽ 190, [finanzieller] Hebel VŽ 200).
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Die metaphorische Übertragung steht auch mit Wörtern in Verbindung, die alltägliche menschliche Handlungen bezeichnen, z. B.: [Geld-]Wäsche EV, EŽ 219; kostenloses Mittagessen „unentgeltlich erhaltene Güter“ EŽ 185; Abschnitt „Anleihezinsen“ EŽ 33; [Steuer-]Last EŽ 174; [Schulden-]Last ETŽ 460.
Metaphorische Termini, die kulturelle Realien widerspiegeln, werden seltener verwendet. Theatertermini ([internationale Rolle der Gemeinschaft] EV, [soziale] Rolle EV; [Szenario der wirtschaftlichen Entwicklung] EV) sind universell und kennzeichnen nicht nur die Terminologie der Wirtschaft, sondern auch die anderer Wissenschaften. Ausdrucksstarke Termini mit religiösem Wortschatz lassen ihre Merkmale leicht erschließen, z. B.: [Steuer-]Paradies „Jurisdiktion, in der für Gebietsfremde vergleichsweise niedrige Gewinnsteuern gelten oder gar keine erhoben werden“ EŽ 175; Sünden[steuer] „Steuer, die dem Staat für die Ausübung einer bestimmten gesellschaftlich missbilligten Tätigkeit gezahlt wird“ EŽ 190. Ähnlich sind auch politische Termini zu bewerten, z. B.: Abstimmung [mit den Füßen] „Auswanderung der Bevölkerung aus einem Land aufgrund unzumutbarer wirtschaftlicher Bedingungen“ EŽ 39; Abstimmung [mit Geld] „Ausdruck des Verbraucherwillens am Markt“ EŽ 39.
Wie zu sehen ist, werden abstrakte wirtschaftliche Begriffe sowohl mit Wörtern bezeichnet, die Abstraktes, als auch mit solchen, die konkrete Gegenstände benennen. Zwar ist die allgemeine Tendenz der Metaphorisierung, Wörter aus dem konkreten Bereich in den abstrakten Bereich zu übertragen, nicht sehr ausgeprägt, doch sind einige Bezeichnungen alltäglicher Gebrauchsgegenstände auch in die Wirtschaftsterminologie eingegangen, z. B.: [Währungs-]Korb EV, VŽ 203; [Schüler-]Korb EŽ 176, [Verbraucher-]Korb EŽ 276; [Preis-]Schere VŽ 138; Kissen[steuer] EŽ 197, Flaschenhälse „Schwachstellen im Produktionsprozess“ EŽ 53.
Ein weiteres in Wirtschaftstermini vorkommendes Metaphernmodell ist Natur (zoologische und botanische Metaphern). Es wird jedoch wesentlich seltener verwendet. Zoologische Metaphern sind in der Wirtschaftsterminologie ausdrucksstark: Akteure werden mit Tiernamen bezeichnet, doch ist die Vergleichsgrundlage – also welche Eigenschaften des Tieres relevant sind – nicht immer klar, da es sich dabei gewöhnlich um semantische Lehnübersetzungen aus dem Englischen handelt, z. B.: Bulle, vgl. engl. bull EŽ 52; Bär, vgl. engl. bear EŽ 160; Melkkühe, vgl. engl. cash cows EŽ 166; Hunde, vgl. engl. dogs EŽ 257, EŽ 290; Tiger-[wirtschaft], vgl. engl. Tiger Economy EŽ 262. Tiernamen können im Litauischen andere Assoziationen hervorrufen als im Englischen; deshalb wird bei der Übersetzung manchmal der Name eines anderen Tieres gewählt, z. B. [Währungs-]Schlange, vgl. engl. monetary snake EV.
Botanische Metaphern sind in der Wirtschaftsterminologie selten, z. B. Entscheidungsbaum VŽ 123, ETŽ 467. Eine der ausgeprägteren und häufig verwendeten Metaphern jedoch
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Ein Teil der Metaphern ist mit Vegetationsprozessen von Pflanzen verknüpft, die mit wirtschaftlichen Prozessen verglichen werden: [demografisches, wirtschaftliches, Produktions-, Unternehmens-, Industrie-, Wirtschafts-]wachstum EV.
Für Wirtschaftsfachtermini ist die Wassermetapher charakteristisch; die Vergleichsgrundlage ist eine Handlung, z. B.: [Kapital-]fluss EV, [Migranten-]strom EV, [Geld-]fluss EV; [Kapital-]abfluss EV, Abfluss [liquider Vermögenswerte] [ins Ausland] EV; [Kapital-]abfluss [aus dem Land] EV; Abwanderung von Fachkräften EV; Zuflüsse EV; [Gemeinschafts-, Haushalts-, Export-, Steuer-]einnahmen EV. Daneben finden sich auch Metaphern, die auf Bewegung beruhen, z. B.: [Kapital-]flucht EŽ 126, [Kapital-]bewegung EV, [freie Kapital-]bewegung EV, [Waren-]bewegung VŽ 150.
Eine Gruppe von Metaphern lässt sich mit Begriffen der Grundlagenwissenschaften in Verbindung bringen, etwa mit solchen aus der Geometrie, die den Raum, die Lage von Ebenen und Objekte bezeichnen, z. B.: [Geld-]raum EV; horizontaler, vertikaler [Vertrag] EV, horizontale [Diversifizierung] VŽ 52, horizontale [Integration] ETŽ 150; horizontales [Marketingsystem] VŽ 154; vertikales [Marketingsystem] VŽ 157; vertikale [Unternehmensflächenplanung] VŽ 68, [Alters-]pyramide EV, [Maslowsche Bedürfnispyramide] VŽ 111, [Inflations-]spirale VŽ 176, ETŽ 163; [Lohn-Preis-]Spirale ETŽ 199; [Waren-]linie VŽ 150.
Es gibt eine beträchtliche Gruppe metaphorischer Wirtschaftsfachtermini, bei denen die Vergleichsgrundlage Eigenschaften sind, d. h. physische Eigenschaften (Festigkeit, Temperatur, Größe, Sauberkeit) eine übertragene Bedeutung erhalten, z. B.: flexibler [Arbeitszeitplan] EV, flexible [Arbeitszeit] EV, flexibles [Renteneintrittsalter] EV, flexibler [Produktionsprozess] VŽ; heißes [Geld] EV, ETŽ 208, EŽ 129, VŽ 195; Haute Couture EV, Hochtechnologie EV; Schattenwirtschaft EV, EŽ 256; saubere [Industrie] EV, saubere [Technologie] EV; Hauptbuch EŽ 66, ETŽ 77, großer Bruder EŽ 65; intransparenter Wechselkurs ETŽ 306, Hartwährung ETŽ 512.
Besonders zu beachten ist die für die Wirtschaftsterminologie charakteristische Bezeichnung von Merkmalen abhängiger Bestandteile anhand eines bestimmten Materials (Gold), d. h. anhand des Wertes dieses Materials. Dadurch erhält der bezeichnete Sachverhalt die Bedeutung eines Gegenstands von besonderem Wert: goldene [Aktie] EŽ 36; goldene [Regel] EŽ 36; goldener Fallschirm EŽ 36, ETŽ 29; goldener Handschlag ETŽ 29; goldener Händedruck EŽ 36, ETŽ 29.
Gesondert ließe sich eine kleine Gruppe metaphorischer Termini herausstellen, in denen Farben bestimmte Bedeutungen erhalten. Schwarz und der Grauton Grau kennzeichnen traditionell negativ bewertete Sachverhalte, z. B.: schwarzer [Markt]
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EV, EŽ 121, VŽ 153; schwarze [Liste] EŽ 121; graue [Wirtschaft] EV; die Farbe Grün steht mit umweltfreundlichen und umweltschonenden Sachverhalten in Verbindung, z. B.: grüne [Steuer] EV; grüner [Tourismus] EV; grüne [Energie] EV, EŽ 291.
Metaphorische Termini können Gegensätze bezeichnen; ihre Motivation ist deutlich, wenn Antonyme verwendet werden: weißer Ritter EŽ 39 / schwarzer Ritter ETŽ 34, EŽ 121; Vordertür ETŽ 401 / Hintertür ETŽ 516. Weniger deutlich sind Übersetzungsmetaphern, bei denen die semantische Grundlage des Gegensatzes aus den Wortbedeutungen nicht hervorgeht, z. B.: großer Bruder EŽ 65 „Synonym für eine umfassende, große und aktive Regierung“ / Nachtwächter „Synonym für eine kleine und begrenzte Regierung, Gegensatz zum großen Bruder“ EŽ 180; Bullenmarkt EŽ 52 / Bärenmarkt EŽ 160.
Der Hauptgrund für die Entstehung metaphorischer Wirtschaftsfachtermini ist die Übersetzung aus anderen Sprachen; dies zeigt sich deutlich im Vergleich der Termini in verschiedenen Sprachen. Ein Teil davon kann als metaphorische Termini gelten, die in mehreren Sprachen verwendet werden, z. B.: monetärer Interventionsmechanismus (engl. monetary intervention mechanism), Wechselkursmechanismus (engl. exchange-rate mechanism, dt. währungspolitischer Interventionsmechanismus, frz. mécanisme d’intervention monétaire); [Währungs-]korb (engl. basket of currencies, dt. Währungskorb, frz. panier de monnaies); [Geld-]wäsche (engl. money laundering, dt. Geldwäsche, frz. blanchiment d’argent).
SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. Die Verwendung metaphorischer Termini in der Terminologie eines bestimmten Wissenschaftsgebiets hängt eng mit den Forschungsgegenständen dieses Wissenschaftszweigs zusammen. Werden konkrete, klar greifbare und häufig verwendete oder sichtbare Objekte bezeichnet, beruht die metaphorische Benennung auf der äußeren Ähnlichkeit der Objekte; Metaphern in der Terminologie der exakten Wissenschaften sind die Folge sekundärer metaphorischer Benennungen. In der Wirtschaftswissenschaft gibt es nicht sehr viele konkrete Objekte; häufiger müssen verschiedene mit Erscheinungen, Handlungen oder deren Beziehungen verbundene Sachverhalte benannt werden. Daher beruhen Metaphern auf Funktionsähnlichkeiten und verschiedenen Assoziationen; zudem gibt es zahlreiche individuelle Metaphern.
2. Die häufigste Grundlage für die Bedeutungsübertragung bei Wörtern in metaphorischen Wirtschaftstermini sind Wörter, die menschliche Tätigkeiten und deren Bestandteile bezeichnen; daneben gibt es zoologische, botanische und geometrische Metaphern. Bei Merkmalsmetaphern wird eine übertragene Bedeutung körperlichen Eigenschaften (Festigkeit, Temperatur, Größe, Material, Farbe) zugewiesen.
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3. Abstrakte wirtschaftliche Begriffe werden sowohl mit Wörtern bezeichnet, die Abstraktes, als auch mit solchen, die konkrete Objekte benennen. Die allgemeine Tendenz der Metaphorisierung, Wörter aus dem konkreten Bereich in den abstrakten Bereich zu übertragen, ist jedoch nicht sehr ausgeprägt.
4. Metaphorische Wirtschaftstermini lassen sich nach ihrer Struktur in vier Gruppen einteilen: 1) einfache metaphorische Termini sind selten und meist Übersetzungslehnprägungen (z. B.: atskalūnas, atkarpa); 2) die Grundwörter zusammengesetzter Termini haben eine metaphorische Bedeutung; solche metaphorischen Wirtschaftstermini sind am häufigsten (z. B.: kainų, žirklės, mokesčių našta, paramos mechanizmas); 3) metaphorisch gebraucht werden die abhängigen Bestandteile zusammengesetzter Termini (z. B.: šešėlinė ekonomika, šliaužiančioji infliacija, nuodėmės mokestis); 4) metaphorische Wortverbindungen, meist Übersetzungslehnprägungen (z. B. auksinis parašiutas, nuodų piliulė, šoko terapija).
5. Metaphorische Benennungen sind für die litauische Wirtschaftsterminologie nicht sehr charakteristisch; ein beträchtlicher Teil der metaphorischen Termini sind Übersetzungslehnprägungen. Die Motivation solcher Termini ist nicht immer klar, und sie sind nicht besonders benutzerfreundlich. Deshalb sollte man bei der Übersetzung metaphorischer Termini aus anderen Sprachen berücksichtigen, ob ihre semantische Grundlage im Litauischen klar verständlich sein wird.
ŠALTINIAI
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ETŽ – Ekonomikos terminų žodynas, Pass C., Lowes B., Davies L. [iš anglų kalbos vertė Z. Bareikytė, L. B. Žemaittytė, K. Francūzevičiūtė]. 2-asis papild. ir patais. leid. Vilnius: Baltijos biznis, 1997.
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METAPHORICAL TERMS OF ECONOMICS
The use of metaphorical terms in the terminology of a particular field of science is closely related to the research objects of that field. If concrete, tangible, frequently used or seen objects are being named, metaphorical nomination is based on the external similarity of objects; in this case a secondary nomination is quite common, for instance in terminology of building, engineering or biology. In economics there are not so many tangible objects, more often things related to various phenomena, actions, operations or relations are being named. Therefore metaphors are based on the similarity of functions and various associations; metaphors specific to particular authors are quite usual. On the whole metaphorical nomination is not very common in Lithuanian terminology of economics.
According to their relation with different language domains metaphorical terms of economics can be divided into three groups: 1) universal metaphors also widely used in other sciences with the usual transferred meaning (prekių srautas (flow of goods), paramos mechanizmas (support mechanism)); 2) common terms of economics, widely used by journalists (kainų burbulas (price bubble), kainų žirklės (price scissors), mokesčių našta (tax burden), kainų lubos (price ceiling)); 3) individual metaphors created by particular authors or special metaphors which are known and understandable only to specialists (nematoma ranka (invisible hand), lokių rinka (bear market), bulių rinka (bull market), valiutų žaltys (monetary snake, currency snake), baltasis karžygys (White Knight), juodasis karžygys (Black Knight)).
Quite a lot of metaphorical terms in Lithuanian terminology of economics are translations, their motivation is not always identifiable and they are not always convenient to use, therefore when translating metaphorical terms from other languages it should be considered whether their semantic basis will be clear in Lithuanian.
Gauta 2012-12-27
Rasuolė Vladarskienė Vilniaus Gedimino technikos universitetas Saulėtekio al. 11, LT-03227 Vilnius E. paštas [email protected]
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