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Pirmojo lietuviško medicinos mokslo žurnalo dvižodžiai ir trižodžiai sudėtiniai terminai

Palmira Zemlevičiūtė

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Zwei- und dreiwortige zusammengesetzte Termini der ersten litauischen medizinischen Wissenschaftszeitschrift Zum 100-jährigen Jubiläum von Medicina ir gamta PALMIRA ZEMLEVIČIŪTĖ Institut für litauische Sprache WESENTLICHE SCHLÜSSELWÖRTER: Medizin, Terminologie, medizinische Wissenschaftszeitschrift, medizinischer Terminus, zusammengesetzter Terminus EINLEITENDE BEMERKUNGEN Im vergangenen Jahr jährte sich zum genau 100. Mal der Beginn der Herausgabe der ersten litauischen Zeitschrift für Medizin, Veterinärmedizin, Pharmazie und Naturwissenschaften. Sie wurde auf Initiative der Ärzte und Apotheker ins Leben gerufen, die Mitglieder der bei der Litauischen Wissenschaftlichen Gesellschaft gegründeten Ärzte- und Apothekersektion waren: Medicina ir gamta1. Silvija Stakulienė, die die Anfänge und Entwicklung der litauischen medizinischen Periodika in Litauen bis zum dritten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts erforscht hat, stellte fest, dass „in den Seiten der litauischen Presse immer wieder Gedanken über die Herausgabe einer ernsthaften wissenschaftlichen Publikation geäußert wurden, die sich mit Problemen der Medizin und der Naturwissenschaften befassen sollte. An den Diskussionen und Polemiken in den Zeitungen beteiligten sich die aktivsten Ärzte und öffentlichen Persönlichkeiten Litauens. Im November 1912 erschien in Lietuvos žinios ein Aufruf an die litauischen Mediziner, Beschäftigten im Veterinärwesen, Apotheker und Naturforscher: „Das Leben schreitet voran <...> endlich ist die Zeit gekommen, dass auch wir, die litauischen Mediziner, Tierärzte, Pharmazeuten und Naturforscher, aufwachen! Wir können das Gesundheitswesen und die Bereiche des Berufslebens ordnen, indem wir eine Zeitung gründen. Seit mehreren Jahren beabsichtigt man, eine solche Zeitung herauszugeben; seit mehreren Jahren wird diese Frage erörtert, doch bis jetzt ist keine Entscheidung getroffen worden2“ (zit. nach Stakulienė 2001: 226–227). Die Ärzte Jonas Basanavičius, Andrius Domaševičius, Stasys 1Über die Ursprünge des Erscheinens dieser Zeitschrift, ihren Aufbau, Inhalt, ihre Thematik und Problematik sowie über die litauischen einwortigen medizinischen Termini, ihre Ausdrucksformen und ihr Verhältnis zur gegenwärtigen Fachterminologie der medizinischen Wissenschaft wurde 2013 in einem Artikel in Nr. 20 der Zeitschrift Terminologijos mit dem Titel „Die erste litauische medizinische Wissenschaftszeitschrift und die litauische medizinische Terminologie“ geschrieben. Dieser Artikel setzt die Analyse der medizinischen Termini der Zeitschrift fort – diesmal werden zwei- und dreiwortige zusammengesetzte medizinische Termini untersucht. 2 Į lietuvių medikus, veterinarus, farmaceutus ir gamtininkus. – Lietuvos žinios, 1912, lapkr. 24, p. 4. 160 Palmira Zemlevičiūtė Pirmojo lietuviško medicinos mokslo žurnalo dvižodžiai ir trižodžiai sudėtiniai terminai Matulaitis, Jonas Šlapelis, Antanas Vileišis und A. Laumianskis bildeten das Redaktionskomitee der künftigen Zeitschrift. Die erste Ausgabe der ersten litauischen medizinwissenschaftlichen Zeitschrift Medicina ir gamta, „in bescheidenem Format von 3,5 × 21 cm, mit schlichtem Erscheinungsbild und einem Umfang von 24 Seiten“, erschien 1913 (Stakulienė 2001: 227). Es sei daran erinnert, dass im ersten Heft vor allem Fragen der medizinischen Wissenschaft behandelt wurden. Den Kern des Heftes bildeten Fachartikel der Ärzte Petras Avižonis, A. Laumianskis und A. Domaševičius aus den Bereichen Ophthalmologie, Gynäkologie und Geburtshilfe. Umfangreich schrieb auch der Herausgeber und Redakteur der Zeitschrift, der bekannte litauische Gesellschaftsvertreter und Arzt S. Matulaitis: Veröffentlicht wurden seine Artikel über die Behandlung mit Arzneimitteln sowie kurze Rezensionen populärmedizinischer Broschüren. Der wichtigste und bedeutendste, zu Recht als „der erste auf Litauisch gedruckte problemorientierte“ Artikel bezeichnete Beitrag ist jedoch „Die litauische Terminologie der Anatomie, Physiologie, Pathologie und Chemie“, „in dem die Notwendigkeit einer normierten Terminologie für Anatomie, Physiologie, Chemie und andere Wissenschaftszweige begründet“ und betont wird, dass „in wissenschaftlichen Artikeln bereits genaue Termini verwendet werden müssen“ (Stakulienė 2001: 228). Unter den aktiveren Autoren der Zeitschrift sind die Ärzte J. Basanavičius und Juozas Bagdanavičius zu nennen. In der Rubrik „Praktische Ratschläge“ wirkte J. Basanavičius mit; gedruckt wurden von ihm aus dem Deutschen übersetzte Ratschläge zur Behandlung bestimmter Krankheiten und Beschwerden und anderes. In seinem kurzen Artikel „Aus der medizinischen Terminologie“ im zweiten Heft führte J. Bagdanavičius eine Reihe volkstümlicher medizinischer Termini an, die er während seiner ärztlichen Tätigkeit im Bezirk Dusetos gehört hatte, zusammen mit ihren Bedeutungen oder etwas ausführlicheren Bedeutungserklärungen in Form von Sätzen, in denen der Terminus gebraucht wird; einigen fügte er lateinische Entsprechungen hinzu. Hier einige Beispiele: „valinys – Band – womit man kleine Kinder einwickelt, Binde; auglė wächst auf der Brust einer Frau, auglė – neoplasma; dėčius (auf der Stirn) – atheroma; sugargažėjo – es gab ein Geschwür (eine Wunde), jetzt ist eine sugargažėjimas entstanden, gargazis – cicatrix?; plaštalunkis – es kommt ein plaštalunkis, die Beine zucken (cydoporn)“ (MG 1913 2 13). Darüber hinaus wurden in beiden Heften Originalbeiträge zur medizinischen Praxis und Theorie veröffentlicht und zahlreiche Fälle der Behandlung verschiedener Krankheiten vorgestellt u. a. (Stakulienė 2001: 228). Die Zeitschrift erschien jedoch nicht lange – nachdem lediglich zwei Ausgaben herausgekommen waren, wurde die Veröffentlichung eingestellt. Über die Ursachen des Scheiterns der Zeitschrift schrieb S. Stakulienė: „Obwohl die Publikation viele Hoffnungen weckte und ein leistungsfähiges Autorenteam zusammengestellt worden war, fand sie später keine breitere Unterstützung unter den Medizinern. Auch der Staat unterstützte sie nicht-“ Terminologija | 2014 | 21 161 -lich. Wie später Vertreter des pharmazeutischen Berufsstands in „Lietuvos žinios“ und anderen Zeitungen schrieben, lasen nur wenige Ärzte und Apotheker die Zeitschrift und interessierten sich für sie. Es gelang nicht, Mediziner, Naturforscher und Apotheker zusammenzuführen. Alle arbeiteten getrennt. Diese Zersplitterung hemmte die weitere Herausgabe der Zeitschrift. S. Matulaitis erklärte später auf der 1914 abgehaltenen Versammlung der LMD, dass noch genügend Geld für die Herausgabe vorhanden gewesen sei, 50 Abonnenten bezahlt hätten, die Einnahmen aus der Zeitschrift 217 Rubel betragen hätten, die Ausgaben 128 Rubel ausgemacht hätten und sogar 89 Rubel übrig geblieben seien, es aber an Schreibenden gefehlt habe3. Und dieser Umstand war wohl der wichtigste, der das Schicksal dieser für die professionelle medizinische Gemeinschaft so notwendigen Publikation besiegelte“ (Stakulienė 2001: 228). Gegenstand des Artikels sind die von Ärzten in der Zeitschrift Medicinos ir gamtos verwendeten 198 zweigliedrigen und 52 dreigliedrigen medizinischen Zusammensetzungen4. Die Termini werden im Hinblick auf die syntaktischen Beziehungen zwischen Haupt- und Nebenbestandteilen sowie auf Herkunft und grammatische Ausprägung der als Attribute fungierenden Bestandteile untersucht. Ziel ist es, die strukturellen Besonderheiten zwei- und dreigliedriger Zusammensetzungen zu ermitteln und die vorherrschenden syntaktischen Beziehungen zwischen den Bestandteilen dieser Termini sowie deren Herkunft und Tendenzen hinsichtlich ihrer grammatischen Ausprägung festzustellen. 1. STRUKTUR ZWEIGLIEDRIGER ZUSAMMENGESETZTER TERMINI Wie bekannt, benennt ein Terminus einen Begriff nicht nur, sondern hebt ihn zugleich von anderen ab. Neben der nominativischen (benennenden) Funktion kommt Termini also auch eine distinktive (unterscheidende) Funktion zu, die in Zusammensetzungen gewöhnlich von Adjektiven erfüllt wird (Gaivenis 1967: 71). In der untersuchten medizinwissenschaftlichen Zeitschrift fanden sich vorwiegend Termini aus zwei und drei Bestandteilen5, die unter mehreren Gesichtspunkten eingeteilt werden (siehe „Einleitende Bemerkungen“). Der größte Teil der zusammengesetzten Termini der ersten litauischen medizinwissenschaftlichen Zeitschrift entfällt auf zweigliedrige Termini, die verschiedene spezifische medizinische Begriffe bezeichnen (198 Termini). Wie Kazimieras Gaivenis feststellt, unterscheiden sich zweigliedrige Termini von anderen Wortverbindungen dadurch, dass sie die kommunikative Funktion völlig selbständig erfüllen können (Gaivenis 1975: 60). 3 Lietuvių mokslo draugijos suvažiavimas Vilniuje. – Lietuvos žinios, 1914, birž. 25, p. 1. 4Untersucht werden Termini mit rein litauischen und gemischtherkunftlichen (litauischen, hybriden oder entlehnten) Bestandteilen. 5Termini mit mehr als drei Bestandteilen kamen vergleichsweise selten vor. In mehrfacher Hinsicht sind sie problematisch. Bei einigen ist die terminologische Abgrenzung nicht sehr klar, z. B. Mittelohr- und Trommelfellkatarrh, oder sie ähneln eher beschreibenden Wortverbindungen, z. B. Querposition der Geburtswege-Ruptur bei der Geburt. Aus diesen Gründen werden die genannten zusammengesetzten Termini daher nicht weiter berücksichtigt. 1 6 2 Palmira Zemlevičiūtė | Pirmojo lietuviško medicinos mokslo žurnalo dvižodžiai ir trižodžiai sudėtiniai terminai Nach den syntaktischen Beziehungen zwischen Grund- und Nebenbestandteilen werden zweigliedrige Termini in drei Gruppen eingeteilt: Verbindungen mit kongruierendem Attribut, auch attributive Verbindungen (Gaivenis 1968: 110), mit regiertem Attribut und mit angefügtem Attribut (Gaivenis 1975: 61). 1.1. Verbindungen mit kongruierendem Attribut (68 Termini). Verbindungen dieser Art werden zunächst nach der Herkunft ihrer Bestandteile in Verbindungen mit Bestandteilen litauischer Herkunft und in Verbindungen mit Bestandteilen unterschiedlicher Herkunft unterteilt. 1.1.1. Verbindungen mit Bestandteilen litauischer Herkunft (40 Termini). Ihre Grund- und Nebenbestandteile sind litauischer Herkunft. Das kongruierende Attribut wird durch verschiedene Adjektive ausgedrückt: 1. Durch Adjektive mit dem Suffix -inis. Hinsichtlich der Wortbildung überwiegen Ableitungen von Substantiven: a) primären (nicht abgeleiteten), zweisilbigen: druskinė (: druska) rūgštis MG 1913 2 8, makštinė (: makštis) dalis MG 1913 2 3, naminis (: namas) gydymas MG 1913 2 22, raumeninė (: raumuo) plevelė MG 1913 2 4, vaistinė (: vaistas) žolės MG 1913 2 24, b) abgeleiteten: b₁) suffigierten: dabartiniai (: dabartis) gydytojai MG 1913 2 15, rūgštelinė (: rūgštelė) druska MG 1913 2 9, spindulinis (: spindulys) (?) kaulas MG 1913 2 11, vgl. radius – 1. stipinkaulis MedŽ, jungtinė (: jungtis) atžala MG 1913 2 11, vgl. processus articularis inferior – (Wirbel-) apatinė sąnarinė atauga, processus articularis superior – (Wirbel-) viršutinė sąnarinė atauga MedŽ, b₂) präfigierten: pašaliniai (: pašalys) apsireiškimai MG 1913 2 3. Gesondert zu erwähnen ist ein Paar von Verbindungen, deren Grund- und Nebenbestandteile in einer anderen Reihenfolge stehen als in der heutigen litauischen Standardsprache üblich: žiotkaulis apatinis (: apačia) MG 1913 2 11, vgl. mandibula – apatinis žandikaulis MedŽ, žiotkaulis viršutinis6 (: viršus) MG 1913 2 11, vgl. maxilla – viršutinis žandikaulis MedŽ. Einige Ableitungen beruhen auf Adjektiven: a) einfachen (nicht abgeleiteten): skersinė (: skersas) atžala MG 1913 2 11, vgl. processus transversus – (Wirbel-) skersinė atauga MedŽ, und b) abgeleiteten: poglitinė7 (: poglitis) plevelė MG 1913 2 4. 6 In dieser Ableitung bildet das Suffix -inis zusammen mit dem Formans -ut- das zusammengesetzte Suffix -utinis (Kniūkšta 1976: 47). 7 Im Hinblick auf die heutige litauische Standardsprache ist poglитinis ein morphologisch fehlerhaft gebildetes Wort, da Ableitungen mit dem Suffix -inis nicht von Adjektiven mit dem Präfix po- gebildet werden (Kniūkšta 1976: 28). Terminologija | 2014 | 21 163 Die Ableitung mit dem Suffix –inis glitinė lässt sich auf zweierlei Weise analysieren. Als Grundwort kommen sowohl das Substantiv glitis, -ė als auch das Adjektiv glitus, -i infrage. 2. Mit einfachen Adjektiven: gemeinsame Krankenhäuser MG 1913 2 17, rechte Hand MG 1913 2 4, rechte Niere MG 1913 2 8, rechte Seite MG 1913 1 18, große Geschwüre MG 1913 2 6, große Knoten MG 1913 1 13, starke Monatsblutungen MG 1913 1 14, linke Klammer MG 1913 1 13, linke Seite MG 1913 1 18, heißes Wasser MG 1913 2 20, trockener Husten MG 1913 1 10, flüssiger Extrakt MG 1913 2 21. 3. Mit pronominalen Adjektiven: rechte Klammer8 MG 1913 2 6, barmherzige Schwestern MG 1913 1 6, rechter Fuß MG 1913 2 4, rechte Hand MG 1913 2 4, linke Schulter MG 1913 2 4, blauer Stein MG 1913 1 6, gewöhnliches Salz MG 1913 1 17, Erste Hilfe MG 1913 2 16. 4. Mit abgeleiteten Adjektiven: krankhafte Erscheinungen MG 1913 1 10, geringe Blutung MG 1913 2 3. Es wurden vier zweigliedrige Termini gefunden, deren kongruierendes Attribut durch Partizipien ausgedrückt wird: 1. Mit einfachen Partizipien des Passivs: unheilbare Patienten MG 1913 2 17, unheilbare Krankheiten MG 1913 2 19. 2. Mit pronominalen Partizipien des Passivs: Trinkwasser MG 1913 2 15, ansteckende Krankheiten MG 1913 2 24. 1.1.2. Verbindungen mit Bestandteilen unterschiedlicher Herkunft (28 Termini). Hinsichtlich ihrer Herkunft sind ihre Bestandteile verschieden, d. h. rein litauisch, hybrid oder entlehnt. Folgende häufig vorkommende Konfigurationen lassen sich unterscheiden9: litauisches Attribut + entlehntes Bezugswort, hybrides Attribut + litauisches Bezugswort, hybrides Attribut + entlehntes Bezugswort, entlehntes Attribut + litauisches Bezugswort. Die untergeordneten Bestandteile dieser Verbindungen werden durch verschiedene Adjektive ausgedrückt: 1. Durch Adjektive mit dem Suffix -inis, die meist von Substantiven abgeleitet sind: a) von einfachen (nicht abgeleiteten), meist zweisilbigen Substantiven: abdominale (: pilvas) Exstirpationen MG 1913 2 3, systolisches (: sistolė) Geräusch MG 1913 1 13, gläserner (: stiklas) Perkolator MG 1913 2 21, örtliche (: vieta) Anästhesie MG 1913 2 19, b) von abgeleiteten Substantiven: b1 mit Suffixen: anästhetische (: anestezija) Flüssigkeit MG 8 Hier wird skliaustas in der Bedeutung „Gewölbe“ verwendet; vgl. auch den Terminus gimdÿmo takų skliaustas MG 1913 2 4. LKŽe 1 skliaustas 3. siehe 1 skliautas 2. „etwas von gebogener, gewölbter Form“. Übrigens wird in der Zeitschrift auch skliautas verwendet; siehe den Terminus kairys skliautas MG 1913 1 13. 9 Den Terminus konfigūracija verwendete K. Gaivenis in seinen Aufsätzen über zusammengesetzte Termini. 164 Palmira Zemlevičiūtė Pirmojo lietuviško medicinos mokslo žurnalo dvivžodžiai ir trivžodžiai sudėtiniai terminai 1913 2 19, sanitarinė (: sanitarija) statistika MG 1913 2 15, sanitariniai (: sanitarija) įstatymai MG 1913 2 16. So setzte sich die bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts hervorgetretene Regelmäßigkeit bei der Bildung von Adjektiven aus internationalen Substantiven – das Weglassen des Formans -ij- – später durch und blieb in der heutigen Standardsprache erhalten (siehe DLKG 2006: 210). Einige Ableitungen mit dem Suffix -inis sind von Adjektiven gebildet: a) einfachen: apskritinė (: apskritas) analgezija MG 1913 2 19, privatiniai (: privatus) ligonbučiai MG 1913 2 6, b) zusammengesetzten: bromolkaliniai10 (: bromas, kalis) preparatai MG 1913 1 17. Beide Bestandteile der letztgenannten Ableitung – der Hauptbestandteil und der Nebenbestandteil (abhängige Bestandteil) – sind Substantive. 2. Durch einfache Adjektive: abelnas stovìs MG 1913 1 13, abelnas užsikrėtimas MG 1913 1 15, objektyvis stovis MG 1913 1 15, grynas spiritas MG 1913 2 2, lengvas stomatitis MG 1913 1 18, skystas ekstraktas MG 1913 2 21, subjektyvis stovis MG 1913 1 13, šalti kompresai MG 1913 1 23. 3. Durch abgeleitete Adjektive: didesnės doz os MG 1913 2 21, mijomuotas gumbas MG 1913 2 3, mijomuotos ligonės MG 1913 2 3, patologiškas procesas MG 1913 1 9, patologiškos permainos MG 1913 1 11. 4. Durch pronominale Adjektive: aštrusis bromizmas MG 1913 1 16, prak tiškoji medicina MG 1913 2 7, skersoji pozicija MG 1913 2 4. Es wurde ein Paar zweigliedriger Termini gefunden, deren kongruierendes Attribut durch Partizipien ausgedrückt wird: 1. Durch ein einfaches Partizip Aktiv: įsisenėjusi obstipacija MG 1913 2 21. 2. Durch ein einfaches Partizip Passiv: destilinuotas vanduo MG 1913 2 21. 1.2. Verbindungen mit regiertem Attribut (128 Termini). Zwar hat K. Gaivenis darauf hingewiesen, dass „zusammengesetzte Termini mit regiertem Attribut in allen terminologischen Systemen seltener und weniger eindeutig sind als zusammengesetzte Termini mit kongruierendem Attribut“ (Gaivenis 1975: 62), doch wie die Daten der untersuchten medizinischen Fachzeitschrift zeigen, sind Verbindungen dieser Art von Attribut- 10Der Terminus wurde in S. Matulaitis’ Artikel „Behandlung der Epilepsie mit Brom“ verwendet, in dem die Behandlung der Epilepsie mit Brom und seinen Präparaten beschrieben wird. Bromolkalinis könnte ein vom Autor selbst aus zwei Substantiven – den chemischen Elementen bromas und kalis – zusammengesetztes Wort sein. Das zweite Glied der Zusammensetzung ist die litauisierte arabische Bezeichnung für kalio, vgl. kalis [arab. alqalī – Pottasche] (TŽŽ 2013: 383). Die heutige Bezeichnung dieses Präparats lautet kalio bromidas (KBr) (ChemŽ 2003: 206). Terminologija | 2014 | 21 165 Die zusammengesetzten Termini, verglichen mit den Fügungen aus kongruierendem Attribut und Bezugswort, sind zahlenmäßig am häufigsten. Sie lassen sich in zwei Gruppen unterteilen – Kasusrektion-Fügungen und Präpositionalfügungen mit Rektion. Innerhalb dieser Gruppen werden nach der Herkunft der Glieder außerdem Fügungen mit litauischen Gliedern und Fügungen mit Gliedern gemischter Herkunft unterschieden. 1.2.1. Rektionelle Kasusfügungen (123 Termini). 1.2.1.1. Fügungen mit litauischen Gliedern (77 Termini). Beide Glieder dieser Fügungen sind litauischer Herkunft, und das untergeordnete Glied steht: 1. im Genitiv Singular: akies jautrumas MG 1913 1 22, akies kampas MG 1913 2 13, antriešio11 (?) kaulelis – os metacarpi MG 1913 2 11, vgl. metacarpus – delnas, plaštakos vidurinė dalis MedŽ, galvos kaušas – cranium MG 1913 2 11, vgl. cranium – kaukolė MedŽ, galvos sopėjimas MG 1913 1 13, gimdymo takai MG 1913 2 6, gimdymo vartai MG 1913 2 13, girdėjimo nusilpnėjimas MG 1913 1 10, gomurio kaulas – os palatinum MG 1913 2 11, vgl. os palatinum – gomurikaulis MedŽ, gromuliavimo sugedimai MG 1913 1 17, gumbo dykuma MG 1913 2 3, gumbo navikai MG 1913 2 3, gumbo sienelė MG 1913 2 4, gumbo skylė MG 1913 2 3, kaktos kaulas – os frontis MG 1913 2 11, vgl. os frontale – kaktikaulis MedŽ, keteros atžala – processus spinalis MG 1913 2 11, vgl. processus spinosus – (slankstelio) keterinė atauga MedŽ, kraujo plūdimai MG 1913 2 3 / kraujo plūdimas MG 1913 1 12, MG 1913 2 2 / kraujo plūdymas MG 1913 2 14, kraujo postovis (zastoj) MG 1913 1 9, vgl. stasis – stazė, sąstovis, zastoj MedŽ, krūtinės gur­bas – thorax MG 1913 2 11, vgl. thorax – krūtinės lasta MedŽ, kūno įtaisos MG 1913 1 10, kūno lavinimas MG 1913 2 18, kūno svarumas MG 1913 1 16, makšties dalis MG 1913 1 13, motynelės dykuma MG 1913 1 13, motynelės navikas MG 1913 1 13, nosies gleivės MG 1913 1 8, nosies kriauklės (conchae) MG 1913 1 8, vgl. concha, ae – kriauklė MedŽ, nugarkaulio kaulelis – vertebra MG 1913 2 11, vgl. vertebra – slankstelis MedŽ, nuomario priepuoliai MG 1913 1 16, nusinuodijimo ženklai MG 1913 2 19, pakaušio kaulas – os occipitale MG 1913 2 11, vgl. os occipitale – pakauškaulis MedŽ, pavieto gydytojas MG 1913 2 6, pilvelio skaudėjimas MG 1913 1 23, pilvo išputimas MG 1913 2 5, pilvo plėvė MG 1913 2 4, pilvo sienelės MG 1913 1 18, pilvo viduriai 11 Das Wort antriešis ist im LKŽe nicht in medizinischer Bedeutung verzeichnet; vgl. antriešis 1. „ein am Handgelenk getragenes Schmuckstück“. 2. „ein gestrickter Überzug, der zum Wärmen über das Handgelenk gezogen wird“. 166 Palmira Zemlevičiūtė Pirmojo lietuviško medicinos mokslo žurnalo dvižodžiai ir trižodžiai sudėtiniai terminai MG 1913 2 4, pilvo vidus MG 1913 2 5, rankos nugara MG 1913 2 6, riešo kaulelis – os carpi MG 1913 2 11, vgl. ossa carpi – riešakauliai MedŽ, smilkinio kaulas – os temporale MG 1913 2 11, vgl. os temporale – smilinkaulis MedŽ, širdies apsireiškimai MG 1913 1 15, širdies bukumas MG 1913 1 15, širdies dunksejimas MG 1913 1 13, širdies dunksterėjimas MG 1913 1 13, širdies ligos MG 1913 1 19, širdies plakimai MG 1913 1 12 / širdies plakimas MG 1913 1 12, MG 1913 2 2, širdies ribos MG 1913 1 13, širdies silpnumas MG 1913 1 16, širdies vaistai MG 1913 1 15, šla-pumo pūslė MG 1913 2 8, šlapumo rūgštis MG 1913 2 7, užkulnio kaulas – os calcanei MG 1913 2 12, vgl. calcaneus – kulnakaulis MedŽ, vaiko apsukimas MG 1913 2 5, vaiko galvelė MG 1913 2 7, vaiko išėmimas MG 1913 2 7, vaiko pilvelis MG 1913 2 4, valgio gromuliavimas MG 1913 1 17, MG 1913 2 9, valgio malimas MG 1913 1 21, MG 1913 2 9, valgio virinimas MG 1913 2 9, valgio virškinimas MG 1913 1 21, MG 1913 2 9, viršugalvio kaulas – os parietale MG 1913 2 11, vgl. os parietale – momenkaulis MedŽ. 2. im Genitiv Plural: akių ligoniai MG 1913 1 4, apskričių ligonbučiai MG 1913 1 6, ausų perpūtinėjimai MG 1913 1 10, moterų ligos MG 1913 1 12, niežų gyvūnėliai (sarcoptes scabiei) MG 1913 2 22, vgl. Sarcoptes scabiei – niežų erkė MedŽ, plaučių džiova MG 1913 1 21, MG 1913 2 17, vaikų ligos MG 1913 2 7, vaikų močia MG 1913 2 6, vidurių paleidimas MG 1913 2 20, vidurių sugedimas MG 1913 1 17, žarnų kilpos MG 1913 2 4, žemietijų gydytojai MG 1913 2 15. 3. im Lokativ Plural: navikas viduriuose MG 1913 1 14. Unter den Fügungen mit litauischen Gliedern fanden sich zwei, bei denen das Hauptglied vor dem untergeordneten Glied steht: išputimas pilvo MG 1913 2 5 und pėdsakai kraujo MG 1913 2 3. 1.2.1.2. Fügungen mit Gliedern gemischter Herkunft (46 Termini). Hinsichtlich ihrer Herkunft sind die Glieder dieser Fügungen nicht so vielfältig wie diejenigen der Fügungen aus kongruierendem Attribut und Bezugswort mit litauischen Gliedern. Am häufigsten bestehen die Haupt- und Nebenglieder solcher Fügungen aus litauischen oder entlehnten Wörtern: entlehntes Attribut + litauisches Bezugswort und litauisches Attribut + entlehntes Bezugswort. Außerdem kam jeweils eine Fügung mit den Konfigurationen entlehntes Attribut + hybrides Bezugswort sowie hybrides Attribut + litauisches Bezugswort vor. Die untergeordneten Glieder der hier behandelten Fügungen stehen: Terminologija | 2014 | 21 167 1. Mit dem Genitiv Singular: Brombehandlung MG 1913 1 17, Zinksalbe MG 1913 1 23, Eustachische Röhrchen MG 1913 1 9, Labor des Arztes MG 1913 2 15, Hörorgan MG 1913 1 9, Jodgallizin-Körnchen MG 1913 1 23, Oberflächen der Konjunktiva MG 1913 1 23, Entzündung der Konjunktiva MG 1913 1 23, Credés Methode MG 1913 2 6, Körperorgane MG 1913 2 16, Kuprocitrol-Salbe MG 1913 1 23, Kusko-Spiegel MG 1913 2 3, Volksmedizin MG 1913 2 14, Krankengeschichte MG 1913 2 4, Geschlechtszentren MG 1913 1 12, Vaginaltamponade MG 1913 2 3, medizinische Hilfe MG 1913 2 16, Uterusmyome MG 1913 1 14, MG 1913 2 2, Nasenvenen MG 1913 1 9, Novocainmischung MG 1913 2 19, Dauer der Operation MG 1913 2 19, Schwierigkeit der Operation MG 1913 2 19, Eichel MG 1913 2 8, Harnröhrenöffnung MG 1913 2 8, Entfernung der Plazenta MG 1913 2 7, Rekord-Spritze MG 1913 2 19, Senato-Blättchen MG 1913 2 20, Alkoholinjektionen MG 1913 1 13, MG 1913 2 3 / Alkoholinjektion MG 1913 1 14, MG 1913 2 3, Harnkanal MG 1913 2 8, Druck der Spritze MG 1913 2 3. 2. Mit dem Genitiv Plural: Wucherungen der Adenoide MG 1913 1 9, arabischer Apotheker MG 1913 2 20, „Herde“ von Epidemien MG 1913 15, Heilanstalt für Epileptiker MG 1913 1 16, Injektionstechnik MG 1913 2 2, Krankheitsstatistik MG 1913 2 15, Schulhygiene MG 1913 2 18 / Hygiene der Schulen MG 1913 2 16, Gehirnsinus MG 1913 1 9, Krankenhaus für Trachompatienten MG 1913 1 6, Kinderhygiene MG 1913 2 18. 3. Mit dem Dativ Plural: Ambulanz für Erwachsene MG 1913 2 17, Sanatorium für Erwachsene MG 1913 2 17, Sanatorium für Kinder MG 1913 2 17. 4. Mit dem Instrumental Singular: Behandlung mit Brom MG 1913 1 17, Behandlung mit Alkohol MG 1913 2 3. 5. Mit dem Lokativ Singular: Pulsation am Hals MG 1913 1 13. 1.2.2. Präpositionale Verbindungen mit regiertem Kasus (5 Termini). Die Bestandteile dieser zweigliedrigen Verbindungen sind unterschiedlicher Herkunft, d. h. das Grund- oder Nebenglied ist rein litauisch, hybrid oder entlehnt. Ihre Nebenglieder – regierte Attribute – werden durch Kasusformen mit Präpositionen ausgedrückt. 1.2.2.1. Verbindungen mit Bestandteilen litauischer Herkunft (4 Termini). Es wurden Verbindungen mit den Präpositionen į, iš und per gefunden: Eingang in den Kehlkopf (aditus ad laryngem) MG 1913 1 9, vgl. aditus laryngis – Kehlkopfeingang MedŽ, Auszüge aus Kräutern MG 1913 1 17, Wundsekret MG 1913 2 5, Atmung durch die Nase MG 1913 1 18. 168 Palmira Zemlevičiūtė Pirmojo lietuviško medicinos mokslo žurnalo dvižodžiai ir trižodžiai sudėtiniai terminai 1.2.2.2. Verbindungen mit Bestandteilen gemischter Herkunft. Es kam nur eine Verbindung mit der Präposition po vor: Pulsation unter den Schlüsselbeinen MG 1913 1 13. 1.3. Verbindungen mit angefügtem Attribut (2 Termini). Nach K. Gaivenis werden aus zwei Bestandteilen gebildete zusammengesetzte Termini mit angefügtem Attribut in der Terminologie vieler Wissenschaftsbereiche wesentlich seltener verwendet als zusammengesetzte Termini mit kongruierendem oder regiertem Attribut (Gaivenis 1975: 64). Dies wird auch durch das Untersuchungsmaterial bestätigt. Es wurde ein zweiteiliger zusammengesetzter Terminus mit angefügtem Attribut gefunden, bei dem an den substantivisch ausgedrückten Hauptbestandteil (das Bezugswort) ein Nebenbestandteil (Attribut) angefügt ist, der durch ein Gerundium ausgedrückt wird (Gaivenis 1968: 113): Schmerz beim Schlucken MG 1913 1 15. Zu dieser Gruppe zweigliedriger Verbindungen wurde außerdem ein Terminus gezählt, dessen beide Bestandteile – der Hauptbestandteil (das Bezugswort) und der Nebenbestandteil (das Attribut) – durch Substantive ausgedrückt werden: Pessar-Ring MG 1913 2 14. Wie K. Gaivenis hervorhebt, lassen sich solche aus zwei Bestandteilen gebildeten vollständigen Kompositionstermini, deren Bestandteile miteinander verschmolzen sind, teilweise sowohl den Verbindungen mit angefügtem als auch denjenigen mit kongruierendem Attribut zuordnen (Gaivenis 1968: 113). 2. STRUKTUR DREIGLIEDRIGER ZUSAMMENGESETZTER TERMINI Zusammengesetzte Termini aus drei Bestandteilen (52 Termini) ließen sich anhand der syntaktischen Beziehungen zwischen Haupt- und Nebenbestandteilen sowie der Herkunft und grammatischen Ausdrucksform der Nebenbestandteile ebenfalls in Gruppen einteilen12. Hinsichtlich der Herkunft der bildenden Bestandteile werden Verbindungen mit litauischen Bestandteilen von Verbindungen mit Bestandteilen gemischter Herkunft unterschieden. 2.1. Verbindungen mit litauischen Bestandteilen (28 Termini). Diese ausschließlich aus litauischen Bestandteilen gebildeten Verbindungen lassen sich nach der Ausdrucksform der Nebenbestandteile (des ersten und zweiten Attributs oder der Attributverbindungen (Gaivenis 1968: 118)) in folgende Untergruppen einteilen: 1. Genitivverbindung aus zwei Substantiven (Attribut) + Substantiv (Bezugswort): Geburtskanalbogen MG 1913 2 4, Knollen 12 Das Klassifizierungsprinzip für zusammengesetzte Termini aus drei Bestandteilen unterscheidet sich etwas von demjenigen für Termini aus zwei Bestandteilen. Es sei daran erinnert, dass zweigliedrige Termini zunächst anhand der syntaktischen Beziehungen zwischen Haupt- und Nebenbestandteil in drei Gruppen eingeteilt werden; innerhalb dieser Gruppen werden nach der Herkunft der Bestandteile außerdem Verbindungen mit litauischen und mit Bestandteilen gemischter Herkunft unterschieden. Bei dreigliedrigen Termini wird anders vorgegangen. Hier wird umgekehrt zunächst die Herkunft der Bestandteile berücksichtigt – es werden zwei Gruppen unterschieden, innerhalb derer die Termini anhand der syntaktischen Beziehungen zwischen Haupt- und Nebenbestandteil erörtert werden. Dies geschieht, weil die syntaktischen Beziehungen zwischen den Bestandteilen dreigliedriger Termini sehr vielfältig sind und keine deutlich vorherrschenden Gruppen bestehen, d. h. häufig bildet jeder Terminus eine eigene Gruppe. Aus diesem Grund werden die betreffenden Termini nicht einheitlich behandelt. Terminologija | 2014 | 21 169 Blutungen MG 1913 2 3, Stärke der Blutung MG 1913 2 3, Nasengänge MG 1913 1 8, Salze der Schwefelsäure MG 1913 2 9, Muskel des Kindes MG 1913 2 6. 2. Adjektiv mit dem Suffix –inis und Genitiv eines Substantivs (Attribut) + Substantiv (Bezugswort): monatliche Blutungen MG 1913 2 3, ständiges Bluterscheinen MG 1913 1 14, oberflächliche Hautschichten13 MG 1913 2 19, obere Tumorgrenze MG 1913 1 13, obere Atemwege MG 1913 1 9. 3. Einfaches qualitatives Adjektiv und Genitiv eines Substantivs (Attribut) + Substantiv (Bezugswort): große Knotenwüste MG 1913 2 3, großer Körper des Uterus MG 1913 1 13, starke Blutungen MG 1913 1 12, dichte Blutungen MG 1913 1 14. 4. Pronominales qualitatives Adjektiv und Genitiv eines Substantivs (Attribut) + Substantiv (Bezugswort): Schleimhaut der Nase MG 1913 1 8, Schleimhaut des Rachens MG 1913 1 8, linker Brustbereich MG 1913 1 13. 5. Genitivische Fügung aus pronominalem Adjektiv und Substantiv (Attribut) + Substantiv (Bezugswort): Salbe aus Quecksilber MG 1913 1 17, Kelche der linken Niere MG 1913 2 8. 6. Substantiv (Bezugswort) + Fügung aus Genitiv eines Substantivs und Lokativ eines Substantivs (Attribut): Schmerz in der Herzgegend MG 1913 1 12, Schmerzen in der Herzgegend MG 1913 1 12. 7. Abgeleitetes qualitatives Adjektiv und Genitiv eines Substantivs (Attribut) + Substantiv (Bezugswort): tiefere Hautschichten MG 1913 2 19. 8. Einfaches qualitatives Adjektiv und Lokativ eines Substantivs (Attribut) + Substantiv (Bezugswort): stechender Schmerz im Auge MG 1913 1 23. 9. Genitivische Fügung aus pronominalem Zahlwort und Substantiv (Attribut) + Substantiv (Bezugswort): Schwindsucht ersten Grades MG 1913 1 21. 10. Genitivische Fügung aus pronominalem Partizip Passiv und Substantiv (Attribut) + Substantiv (Bezugswort): Vorfall des Mastdarms (prolapsus ani) MG 1913 2 7–8, vgl. prolapsus ani – Vorfall des Afters MedŽ. 13 LKŽe 1 Schicht K.Būg, NdŽ; LsB370, LL273, Rtr siehe 1. Schicht, flache Materialmasse, die sich an der Oberfläche von etwas oder zwischen ähnlichen Massen befindet“: 1. VĮ Obere Hautschicht E. 170 Palmira Zemlevičiūtė Pirmojo lietuviško medicinos mokslo žurnalo dvižodžiai ir trižodžiai sudėtiniai terminai 11. Genitiv eines Substantivs (Attribut) + Substantiv (Bezugswort) + Präposition + Genitiv eines Substantivs (Attribut): Blutfluss aus der Gebärmutter MG 1913 1 12. 12. Abgeleitetes qualitatives Adjektiv (Attribut) + Substantiv (Bezugswort) + Präposition + Genitiv eines Substantivs (Attribut): schlechter Mundgeruch MG 1913 1 18. 2.2. Verbindungen mit Bestandteilen gemischter Herkunft (24 Termini). Die Konfigurationen dieser Art von Verbindungen sind im untersuchten Material sehr vielfältig: litauisches Attribut + litauisches Attribut + entlehntes Bezugswort, hybrides Attribut + litauisches Attribut + litauisches Bezugswort, litauisches Attribut + entlehntes Attribut + litauisches Bezugswort, litauisches Attribut + entlehntes Attribut + entlehntes Bezugswort, entlehntes Attribut + hybrides Attribut + litauisches Bezugswort, entlehntes Bezugswort + litauisches Attribut + hybrides Attribut, litauisches Attribut + hybrides Attribut + litauisches Bezugswort, entlehntes Attribut + entlehntes Attribut + litauisches Bezugswort. Wie die Verbindungen mit litauischen Bestandteilen lassen sie sich nach dem grammatischen Ausdruck des Haupt- und der Nebenbestandteile in folgende Untergruppen einteilen: 1. Genitivverbindung aus zwei Substantiven (Attribut) + Substantiv (Bezugswort): Erkältungen der Eustachischen Röhre MG 1913 1 9, Pessar für den Hausgebrauch MG 1913 2 23, Symptome von Bauchschmerzen MG 1913 2 3, Symptome von Herzschmerzen MG 1913 2 3, Öffnung des Harnkanals MG 1913 2 8, Harnsäureinfarkt MG 1913 2 7, Deformation der Gesichtsknochen MG 1913 1 9, Deformation der Gesichtsmuskeln MG 1913 1 9, Spezialist für Darmerkrankungen MG 1913 2 20. 2. Adjektiv mit dem Suffix –inis und Genitiv eines Substantivs (Attribut) + Substantiv (Bezugswort): periodische Blutungen MG 1913 2 3, sanitäre Beschreibung der Kreise MG 1913 2 15, sanitäre Aufklärung der Menschen MG 1913 2 16. 3. Einfaches qualitatives Adjektiv und Genitiv eines Substantivs (Attribut) + Substantiv (Bezugswort): akuter Gelenkrheumatismus MG 1913 2 22, hohe Bromdosen MG 1913 1 16. 4. Genitivverbindung aus zwei Substantiven (Attribut) + Substantiv (Bezugswort): Guajakol-Vaseline-Salbe MG 1913 1 22. Ein solches Terminologija | 2014 | 21 171 sudurtiniais pilnutiniais žodžiais. K. Gaivenis (1968: 118) vadino sudurtiniais pilnutiniais žodžiais. 5. Abgeleitetes qualitatives Adjektiv und Genitiv eines Substantivs (Attribut) + Substantiv (Bezugswort): mijomische Blutungen MG 1913 1 15. 6. Genitivverbindung aus flektiertem Adjektiv und Genitiv eines Substantivs (Attribut) + Substantiv (Bezugswort): Deformation des harten Gaumens MG 1913 1 9. 7. Einfaches Partizip Aktiv und Genitiv eines Substantivs (Attribut) + Substantiv (Bezugswort): ausgedehnte Bromwunden MG 1913 1 17. 8. Genitivverbindung aus einfachem Partizip Aktiv und Genitiv eines Substantivs (Attribut) + Substantiv (Bezugswort): Desinfektion der ausgefallenen Hände MG 1913 2 4. 9. Adverb und einfaches qualitatives Adjektiv (Attribut) + Substantiv (Bezugswort): halbharter Katheter MG 1913 2 3. 10. Genitiv eines Substantivs (Attribut) + Substantiv (Bezugswort) + Präposition + Genitiv eines Substantivs (Attribut): Blutung infolge eines Myoms MG 1913 1 16. Im heutigen Litauischen ist die Reihenfolge der Attribute gewöhnlich wie folgt: flektiertes Attribut + unflektiertes Attribut + Bezugswort (Gaivenis 1963: 64). Der besprochene Artikel enthält dreigliedrige zusammengesetzte Termini, deren Bestandteile in umgekehrter Reihenfolge angeordnet sind, also einer für das heutige litauische Standardsprachliche untypischen Reihenfolge. Es kam ein Fall vor, in dem das Bezugswort zwischen dem flektierten und dem unflektierten Attribut steht (Bromreizung der Haut MG 1913 1 17), in dem das unflektierte Attribut dem flektierten vorausgeht (rheumatische Erscheinungen der Haut MG 1913 2 22) und in dem das Bezugswort vor der Attributverbindung steht (Hyperplasie der Nasenrachenmandel MG 1913 1 8). SCHLUSSFOLGERUNGEN In der 1913 in Litauen gegründeten ersten medizinwissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlichte Original- und Übersetzungsartikel sowie kleinere Beiträge aus dem medizinischen Bereich und anderes mit diesem Fachgebiet verbundenes theoretisches und praktisches Material sind nicht nur für heutige medizinische Fachkräfte und Erforscher der Wissenschaftsgeschichte wertvoll, sondern zweifellos auch als sprachliches und terminologisches Dokument des frühen 20. Jahrhunderts von Bedeutung, das das Lietuvių kalbos žodyną um neue 172 Palmira Zemlevičiūtė Pirmojo lietuviško medicinos mokslo žurnalo dvižodžiai ir trižodžiai sudėtiniai terminai Wortbedeutungen ergänzt, die semantischen Grenzen einiger litauischer Wörter erweitert und die Entwicklung der litauischen medizinischen Terminologie aufzeigt. Die Ärzte – die Verfasser der Artikel in der Zeitschrift Medicinos ir gamtos – spürten beim Verfassen der Artikel oder bei deren Übersetzung aus anderen Sprachen zweifellos den Mangel an litauischen medizinischen Fachbegriffen. Daher griffen sie bei der Benennung spezifischer medizinischer Begriffe zunächst auf einfache Wörter der lebendigen Sprache zurück und verliehen ihnen medizinische Bedeutungen. Zwei- und dreigliedrige zusammengesetzte medizinische Fachbegriffe mit litauischen und gemischtherkunftssprachlichen Bestandteilen machen 38% aller medizinischen Fachbegriffe der Zeitschrift aus. Der Großteil der zusammengesetzten Fachbegriffe entfällt auf Wortverbindungen aus zwei Bestandteilen. Vorherrschend sind Wortverbindungen mit einem vom regierenden Substantiv abhängigen Attribut im Singular- und Pluralgenitiv. In anderen Fällen oder mit Präpositionen gebrauchte abhängige Attribute kommen deutlich seltener vor. Die Verbindungen mit einem kongruierenden Attribut sind fast halb so häufig. Kongruierende Attribute werden meist durch Adjektive mit dem Suffix -inis gebildet, die von einfachen und abgeleiteten (suffix- und präfixbildenden) Substantiven abgeleitet sind, sowie in geringerem Maße durch einfache qualitative, pronominale und abgeleitete Adjektive. Attribute in Form von Aktiv- und Passivpartizipien, einfachen wie pronominalen, sind nahezu unüblich. Verbindungen mit einem adjungierten Attribut kommen wesentlich seltener vor als solche mit einem abhängigen oder kongruierenden Attribut. Die grammatische Ausprägung der ersten und zweiten Attribute (Attributverbindungen) in dreigliedrigen Wortverbindungen ist sehr vielfältig. Am häufigsten sind folgende grammatische Konfigurationen: eine Genitivverbindung aus zwei Substantiven (Attribut) + ein Substantiv (Bezugswort), ein Adjektiv mit dem Suffix -inis und ein Substantiv im Genitiv (Attribut) + ein Substantiv (Bezugswort). Dreigliedrige Verbindungen mit anderer grammatischer Ausprägung sind vereinzelt. Bei manchen dreigliedrigen zusammengesetzten Fachbegriffen bilden die spezifischen Attribute separate Wortverbindungen mit kongruierender beziehungsweise abhängiger Beziehung, bei anderen nicht. Beide Attributtypen wurden gleich häufig gefunden. Hinsichtlich ihrer Herkunft überwiegen zweigliedrige Verbindungen mit litauischen Bestandteilen. Verbindungen mit Bestandteilen gemischter Herkunft sind unter diesen zusammengesetzten Fachbegriffen fast halb so häufig. Bei den dreigliedrigen Fachbegriffen verhält es sich etwas anders: Hier sind Verbindungen mit litauischen und mit Bestandteilen gemischter Herkunft nahezu gleich häufig. WICHTIGSTE QUELLEN MG 1 – Medicina ir Gamta, 1913 (Mai–Juni). Vilnius. MG 2 – Medicina ir Gamta, 1913 (Juli–September). Vilnius. Terminologija | 2014 | 21 173 HILFSQUELLEN LKŽe – Lietuvių kalbos žodynas (I–XX, 1941–2002), elektroninis variantas, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2005. – www.lkz.lt. MedŽ 1980: Astrauskas V., Biziulevičius S., Pavilonis S., Vaitilavičius A., Vileišis A. Medicinos terminų žodynas, Vilnius: Mokslas. LITERATŪRA ChemŽ 2003: Chemijos terminų aiškinamasis žodynas, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas. DLKG 2006: Dabartinės lietuvių kalbos gramatika, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas. Gaivenis K. 1963: Sudėtinių terminų dėmenų išdėstymo klausimu. – Kalbos kultūra 5, 64–65. 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TWO-WORD AND THREE-WORD COMPLEX TERMS OF THE FIRST LITHUANIAN JOURNAL OF MEDICAL SCIENCE The article deals with two-word and three-word complex terms naming specific concepts of medicine used in articles written or translated by doctors for the first Lithuanian journal of medical science Medicina ir gamta (Medicine and nature), published for the first time in 1913. The terms are analysed in respect of the syntactic relations between the main and complementary elements of terms as well as the origin and the grammatical expression of the element in the position of an attribute. Two-word and three-word complex terms consisting of elements of Lithuanian or mixed origin make up 38% of terms of medicine used in the journal. The majority of terms are two-word terms. Word-combinations with an attribute not in concord (expressed in genitive in singular or in plural) prevail, for instance galvos kaušas “kaukolė” (skull), plaučių džiova “plaučių tuberkuliozė” (tuberculosis of lungs). Attributes not in concord expressed in other cases or cases with prepositions are significantly less common. There are half as many word-combinations with an attribute in concord. Such attributes are most often expressed in adjectives with the suffix -inis derived from primary or derivative (prefixal and suffixal) nouns and to some extent in adjectives, for instance žiotkaulis viršutinis “viršutinis žandikaulis” (upper jaw), sausas kosulys (dry cough), pirmoji pagalba (first aid). Active and passive voice simple and pronominal participles as attributes are not very common and word-combinations with an attribute connected by adjoinment are even rarer. The grammatical expression of the first and second attribute of three-word combinations varies. The following grammatical configurations are most common: combination of two nouns in genitive (attribute) + noun (determined), for instance 174 Palmira Zemlevičiūtė Pirmojo lietuviško medicinos mokslo žurnalo dvižodžiai ir trižodžiai sudėtiniai terminai vidurių ligų specialistas (specialist of gastroenterological diseases), adjective with the suffix -inis + noun in genitive (attribute) + noun (determined), for instance viršutiniai dūsavimo takai “viršutiniai kvėpavimo takai” (upper part of respiratory system). There are a few solitary examples of three-word combinations which have other grammatical expressions than the two previously mentioned configurations. There is almost the same number of cases where attributes of three-word terms make a separate word-combination and where they do not. In respect of origin, two-word terms with elements of Lithuanian origin prevail, for instance gornurio kaulas “gomurikaulis” (palatine bone), skersinė atžala “(slankstelio) skersinė atauga” (transverse process). There are half as many two-word terms with mixed origin elements, for instance konjunktyvos uždegimas (conjunctivitis), vietinė anestezija (local anesthetics). There is almost the same number of three-word terms consisting of elements of Lithuanian origin and three-word terms consisting of mixed origin elements, for instance Eustacho trūbelės slogos “[ausies] trimito [Eustachijaus vamzdžio] gleivinės uždegimai” (Eustachian tube inflammation), sėdimosios žarnos išlėkimas “išangės iškritimas” (rectal prolapse). The first Lithuanian medical journal is valuable not only for specialists of medicine and researchers of the history of medicine, but it is also important as a linguistic and terminological document of the beginning of the 20th century. It supplements Lietuvių kalbos žodynas (Dictionary of the Lithuanian Language) with new meanings of words, extends the semantic boundaries of some Lithuanian words and shows the development of Lithuanian terminology of medicine. Gauta 2014-05-27 Palmira Zemlevičiūtė Lietuvių kalbos institutas P. Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius E. paštas [email protected] Terminologija | 2014 | 21 175