Neologijos terminija ir „Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyno“ praktika
Abstract
Suaktyvėjus naujažodžių tyrimams Lietuvoje, jiems aprašyti prireikia naujų, iki šiol lietuvių kalbotyroje nevartotų arba tik pavienių autorių vartotų, į žodynus neįtrauktų, tačiau užsienio literatūroje paplitusių terminų. Straipsnyje nagrinėjama, kaip pagrindiniuose lietuvių kalbotyros darbuose apibrėžiama naujažodžio sąvoka ir kokie yra esminiai ją sudarantys semantiniai dėmenys. Atskleidžiamas kalbotyros terminų naujažodis, neologizmas, protologizmas, okazionalizmas, efemerizmas, paleologizmas ir kelių kitų su neologija susijusių terminų turinys. Remiamasi šios srities užsienio leksikografijos šaltiniais ir neologijos tyrimais, taip pat internetinio Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyno tvarkybos patirtimi.
Full text
doi.org/10.35321/term27-04
Terminologie der Neologie und die Praxis des Datenbestands für litauische Neologismen
RITA MILIŪNAITĖ
Institut für litauische Sprache
ZUSAMMENFASSUNG
Mit dem zunehmenden Aufschwung der Neologismenforschung in Litauen werden zu deren Beschreibung neue Termini benötigt, die bislang in der litauischen Linguistik nicht oder nur von einzelnen Autoren verwendet wurden und nicht in Wörterbüchern verzeichnet sind, in der ausländischen Fachliteratur jedoch weit verbreitet sind. Der Beitrag untersucht, wie der Begriff Neologismus in den grundlegenden Arbeiten der litauischen Linguistik definiert wird und welche zentralen semantischen Komponenten ihn ausmachen. Dargelegt wird der Bedeutungsgehalt der linguistischen Termini Neuwort, Neologismus, Protologismus, Okkasionalismus, Ephemerismus, Paleologismus sowie einiger weiterer mit der Neologie verbundener Termini. Die Untersuchung stützt sich auf ausländische lexikografische Quellen und Forschungsarbeiten zur Neologie sowie auf die Erfahrungen mit der Pflege des Online-Datenbestands für litauische Neologismen.
SCHLÜSSELWÖRTER: Neuwort, Neologismus, Neologie, linguistische Terminologie, Neologismendatenbank
ZUSAMMENFASSUNG
Da die Neologismenforschung in Litauen zunehmend an Dynamik gewinnt, erfordert ihre Beschreibung neue Termini, die bislang in der litauischen Linguistik nicht oder nur von einzelnen Autoren verwendet wurden und noch nicht in Wörterbüchern verzeichnet sind, in der ausländischen Fachliteratur jedoch weit verbreitet sind. Der Beitrag untersucht, wie der Begriff Neologismus (lit. naujažodis) in den grundlegenden Arbeiten der litauischen Linguistik definiert wird und welche seine zentralen semantischen Komponenten sind. Dargelegt wird der Bedeutungsgehalt der linguistischen Termini naujažodis, neologizmas, protologizmas, okazionalizmas, efemerizmas, paleologizmas sowie einiger weiterer mit der Neologie verbundener Termini. Der Beitrag stützt sich auf ausländische lexikografische Quellen und Forschungsarbeiten zur Neologie sowie auf die Erfahrungen mit der Pflege der Datenbank der litauischen Neologismen.
SCHLÜSSELWÖRTER: Neologismus, Neologie, linguistische Terminologie, Neologismendatenbank
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EINLEITUNG
Untersuchungen des gegenwärtigen Wortschatzes zeigen, dass der Wortschatz verschiedener Sprachen in den vergangenen Jahrzehnten stärker gewachsen ist als je zuvor. Dieses intensive Phänomen wird häufig als Neologismenboom bezeichnet (engl. neological boom; siehe Заботкина 1989; Girčienė 2005: 78; Putilina 2013; Behera, Mishra 2013: 25; Кольцова 2017: 604–613; Martseva et al. 2018: 266). Er wird durch das Aufkommen neuer Ideen und Werte, den raschen Fortschritt in Wissenschaft und Informationstechnologien sowie durch die zunehmende Vielfalt gesellschaftlicher Aktivitäten und die Entwicklung sozialer Netzwerke und anderer elektronischer Kommunikation angetrieben. Das elektronische Umfeld, in dem Online-Medien, Diskussionsforen und soziale Netzwerke existieren, ist zugleich zu einem virtuellen Ort geworden, an dem sprachliche Neuerungen rasch entstehen und sich schnell verbreiten. Auch qualitative Veränderungen des Wortschatzes sind zu beobachten: Einige zuvor randständige Wege der Wortschatzerneuerung haben an Bedeutung gewonnen und sind üblich geworden (Lehrer 2006: 590).
Neue lexikalische Phänomene werden von der Neologie und der Neographie untersucht und beschrieben; neue Termini untersucht die Neonymie. Für diese Arbeit wird die Terminologie der Neologie benötigt, doch sie ist sowohl in litauischen als auch in ausländischen Arbeiten sehr uneinheitlich und bildet bislang kein klares System.
In der litauischen Sprachwissenschaft ist der Begriff Neologie noch nicht sehr verbreitet und findet sich allenfalls in Lehrbüchern für Hochschulen (siehe Jakaitienė 2005: 251) sowie in wenigen Einzelstudien zu Neologismen (vgl. Mikelionienė 2000: 65; Aleksaitė, Murmulaitytė 2018: 238–239). In der ausländischen Sprachwissenschaft wird Neologie meist auf zweierlei Weise verstanden: 1) als Gesamtheit der Prozesse der lexikalischen Erneuerung durch interne und externe Mittel sowie der dadurch entstehenden Bedeutungen; 2) als Teilgebiet der Lexikologie, das diese Prozesse untersucht – also alles, was mit Neologismen zusammenhängt (vgl. Drutą 2013: 749). Es gab auch ein weiter gefasstes Verständnis von Neologie (vor allem in der französischen Sprachwissenschaft), das die Gesamtheit der Neuerungen auf verschiedenen Sprachebenen umfasst, die in einer Sprache innerhalb eines bestimmten Zeitraums auftreten (einschließlich Phonetik, Morphologie, Syntax usw.); mit der Zeit beschränkte man sich jedoch auf die lexikalische Ebene. Eine weitere Ausweitung des Begriffs Neologie umfasst verschiedene Tätigkeiten im Zusammenhang mit lexikalischen Neuerungen und deren Funktionieren in der Gesellschaft (praktische Bildung von Neologismen, das Sammeln und Registrieren sprachlicher Neuerungen mithilfe von Sprachtechnologien, deren Einführung in den Sprachgebrauch usw.; ausführlicher siehe Drutą 2013: 750 und die dort angegebene Literatur).
Ein weiterer kurz zu erläuternder, mit der Neologie verbundener Begriff ist Neonymie. Er wird im Zusammenhang mit der Erneuerung der Terminologie verwendet. Zugleich wird der Unterschied zwischen Neonymie und Neuerungen des Allgemeinwortschatzes hervorgehoben. Neue Termini entstehen meist durch bewusste Bemühungen von Fachleuten eines bestimmten Gebiets, die aus der Notwendigkeit heraus handeln, einen neuen Gegenstand oder ein neues Phänomen zu benennen und dabei die Systematik der bestehenden Termini zu berücksichtigen
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(Drutų 2013: 753–754; Humbley 2018: 437–452). Vgl. die von der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache fortlaufend gebilligten Terminologielisten verschiedener Fachgebiete, zum Beispiel litauische Pilznamen: veltnuotė, voilnuotė, šeriuotė; šakotgrybis, žaliagrybis, kristalgrybis, ryškiagrybis usw.1. Solche lexikalischen Einheiten sind stabiler als Neologismen des Allgemeinwortschatzes, von denen einige spontan als Ergebnis individueller Kreativität entstehen und in verschiedenen Ausdrucksvarianten, auch stilistisch konnotierten, gebraucht werden können. Vgl. die im Sprachgebrauch belegten Entsprechungen des Lehnworts influenceris, -ė 2: įtakdarys, -ė, įtakininkas, -ė, įtakotojas, -a, įtakiukas, -ė, įtakotukas, -ė, įtakonėsis, -ė; nuomonės formuotojas, -a, nuomonės lyderis, -ė.
Die Neologie steht in engem Zusammenhang mit der Neographie (auch Neolographie, vgl. Jakaitienė 2005: 251) oder der neologischen Lexikographie – der Untersuchung, Systematisierung und Beschreibung von Wörterbuchveränderungen (vgl. Fjeld, Nygaard 2012: 221). Auch dies sind in der litauischen Neologieforschung noch seltene Begriffe, da keine Wörterbücher der litauischen Sprache veröffentlicht wurden, die speziell den Neologismen gewidmet sind. Vgl.: Als Beginn der Neographie in Europa gilt ein 1801 veröffentlichtes Wörterbuch französischer Neologismen (vgl. Jakaitienė 2005: 251); der Beginn der englischen Neographie liegt in den 1940er Jahren (vgl. Barnhart R., Barnhart C. 1990: 1162–1163; Заботкина 1989); das erste Wörterbuch russischer Neologismen wurde 1971 veröffentlicht (vgl. Ефремов 2014: 14); das norwegische 1982 (vgl. Fjeld, Nygaard 2012: 231). Anfang des 21. Jahrhunderts begann man, digitale Datenbanken und Wörterbücher lexikalischer Neuerungen zu erstellen, für die Daten automatisch aus Korpora oder verschiedenen Internetquellen entnommen werden.
Als Teilgebiet der Neologie lassen sich teilweise Untersuchungen des Wortbildungsprozesses neuer Wörter betrachten. In litauischen sprachwissenschaftlichen Arbeiten wird dieser Prozess und das Forschungsgebiet bisweilen mit dem Wort naujadara3 bezeichnet. Würde es häufiger verwendet, würde es wahrscheinlich zu einem Terminus werden.
1 Siehe: Empfehlung „Zu den litauischen Bezeichnungen von Pilzen (inoperculaten Discomyceten).“ – Protokollbeschluss Nr. PN-8 der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache vom 7. Mai 2020. Online verfügbar unter: https://e-seimas.lrs.lt/portal/legalAct/lt/TAD/7aac9992937511eaa51db668f0092944?positionInSearchResults=0&searchModelUUID=d26e15e8-65ed-4e77-92ec-5e1aeb2010e2
2 Influenceris, -ė „eine im Marketing tätige Person, die durch ihre Bekanntheit die Kaufentscheidungen beeinflusst; eine bekannte Person, ein Meinungsbildner, der häufig zur Verbreitung der Ideen anderer eingesetzt wird, insbesondere in sozialen Netzwerken und den Medien“ (ND).
3 Dieses neue Wort wurde wohl um 2004 erstmals auf der Jonas-Jablonskis-Konferenz verwendet, die auf Vorschlag des Terminologen Jonas Klimavičius „Neuwortbildung der litauischen Sprache“ genannt wurde, und kommt gelegentlich in Arbeiten zur Beschreibung der Neologismenforschung vor (vgl. Daiva Murmulaitytės Aufsatz „Neubildungen zusammengesetzter Substantive im Litauischen und die Normen der Gemeinsprache“. – Baltu filoloģija 28(2), 2019, 107–122).
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Seit 2011 wird am Institut für Litauische Sprache systematisch (zugegeben, manuell) eine die neue Lexik des 21. Jahrhunderts widerspiegelnde Sammlung aufgebaut und zugleich online veröffentlicht: Lietuvių kalbos naujažodžių duomenynas (im Folgenden ND; zu den dort erfassten Neologismen, ihrer Präsentation und den Suchmöglichkeiten in der Datenbank siehe ausführlicher Miliūnaitė 2015: 161–184; Miliūnaitė 2018: 1–21). Bis Ende 2020 waren im ND mehr als 6.000 Stichwörter lexikografisch beschrieben und mit Verwendungsbeispielen versehen. Mit der Zunahme der Daten zu Neologismen des Litauischen und ihrem Gebrauch intensiviert sich auch deren Erforschung. Zudem werden studentische Forschungsarbeiten verfasst, und Neologismen werden zunehmend an allgemeinbildenden Schulen und in den Medien thematisiert. Bei dem Bestreben, den Neologieprozess besser kennenzulernen und sich vertieft mit den Entstehungsweisen von Neologismen, Auswahlkriterien und Klassifizierungsmöglichkeiten, semantischen Veränderungen und Wortbildungseigenschaften zu befassen, stößt man zugleich auf einen Mangel an neologischer Terminologie und auf deren Unbestimmtheit. Dass sich die terminologische Basis dieses vergleichsweise jungen Zweigs der Sprachwissenschaft noch nicht gefestigt hat, gilt als eines der Probleme der Neologie selbst (vgl. Мельник, Штехман 2015). Auch dieser Artikel befasst sich mit den terminologischen Problemen der Neologie. Dabei ist die Erfahrung mit der in anderen Sprachen verwendeten neologischen Terminologie hilfreich, deren Neologismenforschung stärker entwickelt ist.
Ziel des Artikels ist es, den Begriff der neuen lexikalischen Einheit aus heutiger Sicht zu betrachten und seine wesentlichen Merkmale zu erörtern, zu deren Herausarbeitung häufig nicht nur der grundlegende neologische Terminus Neologismus, sondern auch weitere Teiltermini verwendet werden. Zugleich sollen neue Bedürfnisse im Hinblick auf diese Terminologie in der praktischen lexikografischen Bearbeitung litauischer Neologismen aufgezeigt werden. Dies soll dazu anregen, die litauische neologische Terminologie zu aktualisieren und die Verständigung bei der Untersuchung neografischer Probleme zu erleichtern.
Der Artikel stellt folgende Aufgaben:
1) zu untersuchen, wie Neologismen in ausgewählten litauischen und ausländischen lexikografischen Quellen definiert werden;
2) anhand litauischer und ausländischer sprachwissenschaftlicher Literatur sowie empirischer Daten zu Neologismen die wesentlichen Merkmale zu bestimmen, die den Begriff des Neologismus prägen;
3) den Inhalt der neologischen Termini Neologismus, Protoneologismus, Prälogismus, Okkasionalismus, Ephemerismus, Paleologismus und einiger weiterer offenzulegen sowie ihre Vielfalt und Gebrauchsprobleme im Hinblick auf die praktischen Bedürfnisse der lexikografischen Bearbeitung litauischer Neologismen aufzuzeigen.
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Obwohl die Benennung verschiedener Arten von Neologismen eng mit dem Problem ihrer strukturellen Klassifizierung (nach den Entstehungs- oder Bildungsverfahren von Neologismen) verbunden ist, wird dieses im Artikel nicht ausführlicher behandelt, da dabei die traditionelle Terminologie zur Beschreibung von Sprachphänomenen verwendet wird (vgl. Lehnwörter, Lehnübersetzungen, Kurzwörter u. a.).
Im Artikel werden analytische, vergleichende und beschreibende Methoden angewandt. Die wichtigste Datenquelle zu Neologismen ist das bereits erwähnte ND, das die Autorin des Artikels zusammenstellt und gemeinsam mit Agne Aleksaite fortlaufend ergänzt und aktualisiert. Der Artikel könnte nicht nur für Forschende der neuen Lexik und der Tendenzen der Wortbildung nützlich sein, die diese Datensammlung nutzen, sondern auch für Terminologieforschende und Terminografen verschiedener Fachgebiete, da die sich wandelnde Terminologie jeder Sprache und jedes Fachgebiets in den Bereich der Neologie fällt.
Der Artikel besteht aus vier Teilen, in denen die zur Benennung von Neologismen verwendeten Termini anhand verschiedener für Neologismen charakteristischer Merkmale untersucht werden.
1. BEGRIFF UND DEFINITIONEN DES NEOLOGISMUS
Der allgemeinste Begriff zur Bezeichnung neuer lexikalischer Einheiten im Litauischen ist naujažodis und sein internationales Äquivalent, ein absolutes Synonym (Dublette), Neologismus. Neologismen gelten allerdings als Teil einer noch höheren systemischen Kategorie – der lexikalischen Innovationen –, wobei man versucht, eigentliche Neologismen, die sich langfristig im lexikalischen Sprachsystem etablieren, von einzelnen, für eine konkrete Situation in der Rede geschaffenen und nach einiger Zeit wieder verschwindenden lexikalischen Einheiten sowie anderen zufälligen lexikalischen Neuerungen zu unterscheiden (siehe Dzhabrailova, Rybakova 2019: 20). Ein solches engeres Verständnis des Neologismus ist sinnvoll, wenn man den Prozess der Neologie diachron betrachtet und der gesamte Weg eines Neologismus von seinem Entstehen bis zu seiner Aufnahme in Wörterbücher bereits deutlich ist. Synchron lässt sich oft nicht vorhersagen, welches Schicksal die neu entstandene lexikalische Einheit nehmen wird; daher stützt sich der vorliegende Artikel auf ein breiteres Verständnis des Neologismus, das auch einzelne, situationsgebundene neue Wörter einschließt. Übrigens werden lexikalische Einheiten in den ersten, von Forschenden noch nicht überprüften Ergebnissen der im Einleitungsteil des Artikels erwähnten automatischen Auswahl von Neologismen aus großen Datensammlungen sowohl in der ausländischen als auch in der litauischen Neologieforschung üblicherweise als Kandidaten für Neologismen bezeichnet.
Das Wort Neologismus gelangte über Vermittlersprachen aus dem Französischen des späten 18. Jahrhunderts ins Litauische, wo das Wort néologisme belegt ist und seinerseits
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auf das Griechische zurückgeführt wird: neos „neu“, logos „Wort“ (siehe MW; OLD). Etymologisch kann Neologismus oder naujažodis somit als jedes „neu in einer Sprache entstandene Wort“ definiert werden.
Schwierigkeiten bereitet im Wesentlichen nicht die Bezeichnung des Terminus naujažodis (Neologismus), sondern sein Inhalt. In ausländischen linguistischen Arbeiten zur Neologie wird allgemein anerkannt, dass sich der Begriff des Neologismus im Laufe der Zeit gewandelt hat – von einem neu entstandenen Wort, das eine neue Realie bezeichnet, hin zu einem komplexen neuen soziopsycholinguistischen Phänomen – und bis heute vage, unpräzise und uneinheitlich verstanden bleibt (vgl. Fjeld, Nygaard 2012: 222; Drutė 2013: 751). Daher überrascht es nicht, dass Neologismus in vielen Quellen ähnlich definiert wird (wobei man sich nicht weit von der ursprünglichen etymologischen Bedeutung entfernt), der Inhalt des damit bezeichneten Begriffs jedoch unterschiedlich interpretiert wird und mitunter auch einander widersprechende Positionen anzutreffen sind.
Betrachten wir, wie die Neologismen (Neuwörter) in den wichtigsten litauischen lexikografischen Quellen (siehe Tabelle 1) und in einigen weiteren linguistischen Arbeiten beschrieben werden.
Tabelle 1. Definitionen der Termini Neologismus und neues Wort in litauischen lexikografischen Quellen
(sie sind alphabetisch nach Abkürzungen angeordnet)
ŠALTINIAI
NEOLOGIZMO APIBRĖŽTYS
NAUJAŽODŽIO APIBRĖŽTYS
DLKŽ7i (2015)
neologizmas (2) lingv. naujažodis
naujažodis (1) lingv. naujas žodis (naujadaras ar skolinys), neologizmas
KTŽ (1990)
neologizmas, naujažodis (неоло-изм, неологизм) Naujas kalbos žodis, atsiradęs morfologinės žodžių darybos būdu (ansamblietis, mėnuleigis, priešoperacinis, -ė, puolūš, -i), darant santrumpas (autokelias, pram-prekyba, telelaida), skolinantis leksemas iš kitų kalbų (kosmonautas, lauvsanas, mazeris, telereportažas) ir pan. <…>4.
naujažodis žr. neologizmas.
4 Šią apibrėžtį KTŽ toliau išplėsta išsamesniu paaiškinimu, kaip atsiranda neologizmų, kaip jie funkcionuoja vartosenoje ir kt.
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ŠALTINIAI
NEOLOGIZMO APIBRĖŽTYS
NAUJ AŽODŽIO APIBRĖŽTYS
LKE (2008)
neologizmas, naujažodis, – kiekvienas naujai atsiradęs žodis. Dažniausiai tai arba ↗naujadaras (pvz., ātmušas ‘atrama sulaikyti vagონams gale kelio’, dūrinys ‘sudurtinis žodis’ <...>, arba naujas ↗skolinys (pvz., bიონika ‘mokslas apie organizmų veiklos principų taikymą mechanikoje’ <...>.5
[Atskiro straipsnio nėra, naujažodis pateikiamas tik neologizmo straipsnyje kaip sinonimas. – Aut. past.]
LKŽ6
neologizmas sm. (2) DŽ lingv. naujai atsiradęs, bet neįsigalėjęs kalboje žodis, naujadaras.7
naujažodis sm. (1) K.Būg, NdŽ; EncV309 žr. naujadaras 1. naujadaras sm. (1) 1. Jn lingv. naujai sudarytas, bet neįsigalėjęs kalboje žodis, neologizmas
ŠŽe (2015)
neologizmas 2 → naujadaras
naujažodis 1 → naujadaras naujadaras 1 (naujai sudarytas žodis) – neologizmas, naujažodis knyg.
TŽŽ (2013)
neologizmas [↗ neo + gr. logos – žodis] 1. naujadaras, kalboje atsiradęs naujas žodis arba žodžių junginys 2. psich. psichikos ligonio sudarytas beprasmiskas naujažodis 3. 3–5 m. vaikų sukurtas naujažodis jiems dar nežinomiems reiškiniams apibūdinti.
[Naujažodis vartojamas kaip neologizmo sinonimas 2-a ir 3-ia reikšme. – Aut. past.]
5 Prie šios apibrėžties pateikiamas platesnis paaiškinimas: „Palyginti atsitiktiniai tėra dar kaip kitaip naujai atsiradę žodžiai – arba dėl ryškios semantinės raidos (tada susidaro semantiniai homonimai <...>), arba dėl žodžių kūrybos (tai onomatopėjiniai, garsų mėgdžiojamieji žodžiai; prie jų būtų galima skirti ir dirbtinai sukurtuosius jungiant atskirus kalbos garsus, arba dėl ↗kontaminacijos. Kitiems [neologizmas] gali būti ir naujas pastovus žodžių junginys, frazeologizmas. Kartais [neologizmo] terminas vartojamas dar plačiau – juo vadinama kiekviena kalbos naujovė, ir tada jis tampa termino ↗inovacija (kalbos, lingvistinė) sinonimu.“ (LKE 2008: 369).
6 Knyginiame šio šaltinio leidime neologizmo ir naujažodžio straipsniai pateikti 8-ame tome (1970).
7 Beje, LKŽe (skaitmeninio formato) neologizmo straipsnyje žodis „naujadaras“ atskirtas ne kabliataškiu, o kableliu (greičiausiai dėl teksto skenavimo paklaidos). Tačiau apibrėžtyse tokiais atvejais kablelį ir kabliataškį galima interpretuoti skirtingai: kableliu paprastai atskiriami artimi sinonimai, kabliataškiu – labiau semantiškai nutolę (galintys turėti skirtingų atspalvių) prasminiai apibrėžties dėmenys.
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Aiškinantis naujažodžio sampratą, pravartu žvilgterti ir į kelis dažnai cituojamų autoritetingų autorių darbus.
Vinco Urbučio monografijoje Žodžių darybos teorija teigiama, kad „[k]iekvienas naujai pasirodęs žodis gali būti vadinamas naujažodžiu, arba neologizmu. Tačiau ne kiekvienas naujažodis kartu yra naujadaras“. Toliau glaustai apibūdinami pagrindiniai naujažodžių atsiradimo būdai – skolinimas, semantinė raida bei naujų žodžių (naujadarų) sudarymas iš jau esamų kitų žodžių (Urbutis 2009: 36).
Evalda Jakaitienė studijų knygoje Leksikografija (Jakaitienė 2005: 250–251) naujažodžius apibrėžia taip:
Naujažodžiai, arba neologizmai, yra žodžiai, atskiros jų reikšmės ar žodžių junginiai, atsirandantys dėl visuomeninių santykių kitimo, mokslo, technikos, kultūros pažangos ir visuomenės suvokiami kaip nauji, neįprasti, dar neprigiję ir nepaplitę. Tie iš jų, kurie pasirodo esą reikalingi ir geriausiai atitinką kalbos dėsnius, išplinta, patenka į aktyviąją vartoseną ir paliauja būti neologizmais.8
Pirmiausia minėtuose lietuviškuose šaltiniuose į akis krinta nevienodas terminų naujažodis – neologizmas – naujadaras santykis. Daugeliu atvejų naujažodis ir neologizmas pateikiami kaip absoliutieji sinonimai (dubletai), iš kurių pirmenybę linkstama teikti lietuviškajam naujažodžiui, o naujadarų žymima sąvoka laikoma esančia žemesnio lygmens, t. y. įeina į platesnės apimties naujažodžio sąvoką. Tik dviejuose ankstesniuose šaltiniuose – LKŽ ir jo pagrindu sudarytame SŽe (1-as knyginio varianto leidimas 1981 m.), kiek galima spręsti iš straipsnių pateikimo, naujažodis (neologizmas) ir naujadaras laikomi lygiavertės apimties sąvokomis. O tai jau neatitinka tikrovės.
Ką rodo minėtų šaltinių duomenys apie naujažodžio sampratą? Apibrėžiant naujažodį, iškeliami tokie svarbiausi šios sąvokos aspektai:
1) naujažodžio, kaip kalbos reiškinio, naujumas, neįprastumas kalbinei bendruomenei;
2) naujažodžio, kaip leksikos vieneto, forma;
3) naujažodžių funkcionavimo ypatumai (atsiradimo priežastys, būdai, funkciniai požymiai).
Trumpajai naujažodžio apibrėžčiai sudaryti dažniausiai naudojami trys semantiniai dėmenys: kas? (tam tikras leksikos vienetas) + koks? (naujas) +
8 Toliau šiame šaltinyje pateikiama naujažodžių klasifikacija pagal inovacijų tipus, kilmę, darybą, funkcijas ir vartoseną.
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Neologijos terminija ir Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyno praktika
kaip atsiradęs? (skolinimo, vertybos, darybos arba semantinės raidos būdu). Enciklopedinėse apibrėžtyse šios ypatybės aiškinamos išsamiau. Užsienio leksikografijos šaltiniuose ir neologijai skirtoje literatūroje nauja-žodžio (neologizmo) samprata iš esmės nesiskiria nuo lietuviškųjų šaltinių (žr. 2-ą lentelę).
2 lentelė. Termino neologizmas apibrėžtys skaitmeniniuose užsienio leksikografijos šaltiniuose
ŠALTINIAI
NEOLOGIZMO APIBRĖŽTYS
CED
neologism 1. a newly coined word, or a phrase or familiar word used in a new sense 2. the practice of using or introducing neologisms (Collins English Dictionary) neologism A neologism is a new word or expression in a language, or a new meaning for an existing word or expression. Synonyms: new word, buzz word [informal], coinage, new phrase (COBUILD Advanced English Dictionary)
MD
neologism a new word or expression, or an existing word used with a new meaning
MW
neologism 1. a new word, usage, or expression // technological neologisms 2. psychology: a new word that is coined especially by a person affected with schizophrenia and is meaningless except to the coiner, and is typically a combination of two existing words or a shortening or distortion of an existing word
OLD
neologism a new word or expression, or a new meaning of a word
VPSV
neologisms sk. jaunvārds jaunvārds, neologiżms Žodis, paprastai padarytas pavadinti iki tol nežinomai ar svetimos kilmės žodžiu žymimai sąvokai, aktualiai konkrečiu kalbos vartojimo laikotarpiu.9
9 Ačiū Daivai Murmulaitytei už apibrėžties vertimą iš latvių kalbos. Šio žodyno straipsnyje toliau pateikiama skirtingiems laikotarpiams būdingų naujažodžių pavyzdžių, parodoma jų dinamika ir kalbos vartojimo sritys, kuriose naujų žodžių atsiranda dažniausiai.
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ŠALTINIAI
NEOLOGIZMO APIBRĖŽTYS
НCИC
НЕОЛОГИ’ЗМ [нео… + гр. logos слово] – вновь появившиеся в языке слово или оборот речи, а также новое значение старого слова, обозначающие новые либо уже существующие понятия, предмет, явления (напр.: разрядка, черный ящик, луноход, зимник, фломастер и др.).
СЛТ
НЕОЛОГИЗМ (новое слово) англ. neologism, фр. néologisme, нем. Neologismus, Neubildung, исп. neologismo. 1. Слово или оборот, созданные (возникшие) для обозначения нового (прежде неизвестного) предмета или для выражения нового понятия, Русск. лавсан. 2. Новое слово или выражение, не получившее прав гражданства в общенародном языке и потому воспринимающееся как принадлежащее к особому, нередко сниженному стилю речи, Русск. зеленокудрые, акростишействовать, кисляйство, молоткастый.10
ТС
НЕОЛОГИ’ЗМ, -а, м. В языкознании: новое слово или выражение, а также новое значение старого слова.
Taigi užsienio leksikografijos šaltiniuose neologizmo apibrėžtyse iškeliami tie patys naujažodžių apibūdinimo aspektai: naujumas, formos ir funkcijų bei vartojimo ypatumai. Skiriasi tik detalės (ne visada į naujažodžio sąvoką įtraukiamas naujadaro ar naujos žodžio reikšmės dėmuo ir pan.). Daugiau įvairovės esama kalbotyros literatūroje. Pavyzdžiui, kai kuriuose prancūzų neologijos tyrimuose naujažodis laikomas daugiareikšmiu žodžiu ir apibrėžiamas kaip turintis tris reikšmes (žr. Drutą 2013: 751 ir ten nurodytus prancūzų leksikografijos veikalus): 1) naujas žodis, paskolintas iš kitos kalbos; 2) žodis, kuris jau egzistuoja kalboje, įgavęs naują reikšmę; 3) sukurtas naujas žodis, kuris suprantamas tik jo kūrėjui (atsiradęs paprastai kaip šizofrenijos padarinys). Beje, psichologijoje vartojamą naujažodžio reikšmę, kaip matyti 1-oje lentelėje, nurodo ir lietuviškasis TŽŽ: „psichikos ligonio sudarytas beprasmiškas naujažodis“, taip pat prie naujažodžių šiame šaltinyje priskiriami ir pavieniai vaikų naujadarai. Pastarosios naujažodžio reikšmės yra pakraštinės ir tokie nauji žodžiai paprastai paliekami už neologijos tyrimo ribų.
Toliau straipsnyje svarbiausi naujažodžio sąvokos aspektai aptariami išsamiau. Kartu išaiškėja papildomų naujažodžio sąvokos ypatybių, pagal
10 Toliau šiame šaltinyje apibūdinamos įvairios naujažodžių rūšys (pvz.: stilistiniai naujažodžiai, potencialieji žodžiai ir kt.), pateikiama pavyzdžių.
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Neologijos terminija ir Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyno praktika
kurias naujažodžius galima skirstyti į smulkesnes rūšis ir jas įvardyti skirtingais terminais.
2. DAS PROBLEM DER NEUHEIT DES NEOLOGISMUS
Das wesentliche Merkmal eines Neologismus, das im ersten Bestandteil des Kompositums naujažo-dis kodiert ist, ist die Neuheit, d. h. das Auftreten eines bis dahin in der Sprache nicht vorhandenen Wortes (oder einer anderen lexikalischen Einheit). Diese Eigenschaft ist jedoch für sich genommen recht unbestimmt: nauja ist relativ, da es sich um ein zeitlich veränderliches Phänomen handelt (Fjeld, Nygaard 2012: 223), das einer Präzisierung bedarf:
1) Was ist der Bezugspunkt für die Neuheit?
2) Wie lange dauert die Neuheit an und wann endet sie?
Im Lehrbuch Leksikologija merkt E. Jakaitienė ebenfalls an, dass Neuheit allzu subjektiv verstanden werden könne; daher „gelten diejenigen lexikalischen Einheiten (Wörter, ihre Bedeutungen) als Neologismen, die zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt existieren und in einer früheren Entwicklungsphase der Sprache nicht vorhanden waren“ (Jakaitienė 2010: 203, 205–206).
Für die Definition von Neologismen ist also ein von den Forschenden festgelegter konkreter, längerer oder kürzerer Zeitraum des Sprachgebrauchs wichtig. Darauf wird auch im Kalbotyros terminų žodynas (im Folgenden KTŽ) hingewiesen:
Der Begriff Neologismus ist hinsichtlich Zeit und Gebrauch begrenzt. In einer Sprache gibt es keine Neologismen schlechthin; vielmehr spricht man von Neologismen einer bestimmten Epoche, eines Jahrhunderts, eines Jahrzehnts, der Literatursprache¹¹, einer bestimmten funktionalen Varietät oder eines einzelnen Sprachbenutzers, zum Beispiel von Neologismen der litauischen Schriftlichkeit des 16. Jahrhunderts, Neologismen der litauischen Sprache zur Zeit von „Aušra“, Neologismen von J. Jablonskis usw.
Das elektronische Suchwerkzeug im Lietuvių kalbos žodynas (im Folgenden LKŽe) findet 3037 Stichwörter mit der Kennzeichnung „neol.“, d. h. „Neologismus“. Ein beträchtlicher Teil davon sind Fachtermini verschiedener Bereiche, die Ende des 19. Jahrhunderts in der litauischen Presse und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Schriften belegt sind und im Zuge der Sprachreinigung geschaffen wurden. Sie blieben Neologismen jener Zeit, da sie sich nicht weiter verbreiteten und von anderen Varianten verdrängt wurden. Einige Beispiele:
eismėmोकslis (Neol.) m. (1) Nd޹² Phys. Kinematik.
ėmyba (Neol.) f. Fähigkeit, sich etwas einzuprägen: Davyba und ėmyba bilden den Bereich der peripheren (äußeren) psychischen Funktionen EncVl197. Die psychische ėmyba von Kindern ist intensiver als die ėmyba von Greisen Enc.
11 Derzeit hat sich der Terminus bendrinė kalba. etabliert.
12 Abkürzungen wie in der Quelle.
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Naturlehre (Neol.) Substantiv, Fem. A1884,199 Naturwissenschaft.
Dampfmanometer (Neol.) Substantiv, Mask. L677 Manometer.
Sprachforscher, -in (Neol.) Substantiv, Mask. Pl. Sprachforscher, Linguist: Fast alle Sprachforscher erkennen an, dass es zwei Herkunftsarten gegeben hat a K.Būg. Über... hätten (neben būtumei) die Sprachforscher bis heute noch nichts herausgearbeitet LTII162.
Funkenlöscher (Neol.) Substantiv, Fem. (1) VĮ, NdŽ Technik Funkenlöscher.
Atemwegserkrankung (Neol.) Substantiv, Fem. (1); rš Medizin Bronchitis.
Bei dem Versuch, die Komponente „Neuheit“ des Begriffs Neologismus zu definieren, stützt sich die sprachwissenschaftliche Literatur gewöhnlich auf zwei Kriterien – das soziopsychologische und das lexikografische.
Erstens geht es um das bei den Sprachbenutzern entstehende „Neuheitsgefühl“, wenn sie einem bis dahin unbekannten Wort begegnen, denn Neologismen zeichnen sich durch relative Ungewöhnlichkeit (Befremdlichkeit) aus (Barnhart R., Barnhart C. 1990: 1159) – bis die Neuheitskonnotation verblasst und das Wort zur tatsächlichen Sprachnorm wird. Dieses Kriterium ist recht subjektiv, wenn man einzelne Sprachbenutzer und ihre unterschiedliche Spracherfahrung betrachtet13. Die Neuheit eines Wortes muss von der Mehrheit der Sprachbenutzer eines bestimmten Zeitraums wahrgenommen werden, deren Spracherfahrung das kollektive Sprachbewusstsein bildet (vgl. Fjeld, Nygaard 2012: 223); verlässliche Methoden, diese Wahrnehmung festzustellen, gibt es jedoch nicht (Umfragen unter einzelnen Sprachbenutzern können den gesamten Neologieprozess nicht erfassen). Hinzuzufügen ist, dass eng fachsprachlich gebrauchte Termini im alltäglichen Kontext gewöhnlichen Benutzern mitunter neu und unbekannt erscheinen, obwohl sie in der Fachsprache schon lange existieren können. Ähnlich verhält es sich mit Archaismen, die Menschen mitunter für Neologismen halten (zum Beispiel haben Besucher des ND das Wort nepuotis „Söhnchen; Töchterchen“ eingesandt).
Im Laufe der Zeit durchläuft ein Neologismus entweder einen Sozialisierungs- und Lexikalisierungsprozess und verliert seinen Neuheitscharakter, oder er bleibt wenig verbreitet und wird lediglich zu einem Faktum des Sprachgebrauchs; wird er nirgendwo verzeichnet, verschwindet er ganz.
Zweitens wird zur Identifizierung von Neologismen häufig das lexikografische Kriterium herangezogen. Die meisten Lexikografen stimmen darin überein, dass ein Wort oder eine Phrase neu ist, wenn es beziehungsweise sie in den maßgeblichen Wörterbüchern der Sprache nicht verzeichnet ist (Barnhart R., Barnhart C. 1990: 1160). Sobald ein Wort nicht mehr nur als individueller Gebrauchsakt auftritt, sondern im Sprachgebrauch wiederholt vorkommt, durchläuft es einen längeren oder kürzeren Prozess der gesellschaftlichen Etablierung-
13 Das hängt auch von einem solchen soziolinguistischen Faktor wie dem Alter der Sprachbenutzer ab. Wenn beispielsweise ein Wort wie mėsainis aufkommt, wenn jemand bereits über viel Spracherfahrung verfügt, kann es lange als neu wahrgenommen werden; hört ein Kind dasselbe Wort hingegen von klein auf, wird es es nicht für einen Neologismus halten, obwohl beide Sprachbenutzer eine gewisse Zeit lang im selben synchronischen Sprachabschnitt leben.
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Wird er im Laufe der Zeit (die gewöhnlich von der Gebrauchshäufigkeit und Verbreitung des Wortes abhängt) in die allgemeinen Wörterbücher aufgenommen, gilt er nicht mehr als Neologismus (Drutą 2013: 752).
Da Neuheit an sich recht unbestimmt ist und zudem verschiedene lexikografische Probleme bestehen, lässt sich die genaue Menge der Neologismen eines bestimmten Zeitraums selbst bei umfangreichen Korpora nicht vollständig ermitteln. Außerdem ist zu bedenken, dass Neologismen als die beweglichste Sprachschicht mehrere Entwicklungsphasen durchlaufen können; die Besonderheiten ihrer jeweiligen Funktionsweise hängen jedoch von den Bedürfnissen der Gesellschaft ab:
Das Schicksal von Neologismen ist, wie das anderer Wörter einer Sprache, unterschiedlich – manche verbreiten sich rasch in der Sprache und verlieren in der Wahrnehmung der Sprecher schnell den Eindruck des Neuen, andere verbleiben lange im Status lexikalischer Varianten, wieder andere gehen schließlich nicht in die Sprache ein und bleiben für immer lediglich Wörter eines bestimmten Textes oder Autors. (KTŽ)
Die Frage zu beantworten, wie lange ein Wort neu ist und wann es aufhört, neu zu sein, ist nicht einfach. In der sprachwissenschaftlichen Literatur gibt es hierzu keine einheitliche Auffassung. Im Folgenden werden einige schwierigere Fälle erörtert.
Bei der Erfassung von Daten für das ND ist Ungewöhnlichkeit der erste Schritt zur Identifizierung eines Neologismus: Fällt eine sprachliche Einheit Sprachforschern mit entsprechender Spracherfahrung oder Besuchern des ND (Neologismenvorschlagenden) als bislang unbekannt auf, besteht die Möglichkeit, dass es sich um einen Neologismus handelt; dann kommen weitere Prüf- und Auswahlkriterien zur Anwendung. In dieser Phase, wenn ein Neologismus erst wahrscheinlich ist, bezeichnen ihn die Forscher zu Neologismen des Litauischen manchmal (scherzhaft, im Arbeitskontext) als ein Wort ohne Terminusstatus: naujaradas14.
Das lexikografische Kriterium wird meist mit dem Sprachgebrauch eines bestimmten, klar abgegrenzten Zeitraums in Verbindung gebracht, der sich am besten in Wörterbüchern und im digitalen Zeitalter auch in umfangreichen elektronischen Sprachdatensammlungen, etwa Korpora, widerspiegeln lässt. Daher wird manuell oder automatisch überprüft, ob das Wort (die Wortbedeutung) in den maßgeblichen Wörterbüchern der Sprache verzeichnet ist.
Bei der Erstellung des ND musste ein Zeitraum festgelegt werden, dessen Neologismen erfasst werden, ebenso wie die dazugehörigen maßgeblichen lexikografischen Quellen. Als orientierender Bezugspunkt wurde der Beginn des 21. Jahrhunderts gewählt sowie einige grundlegende Wörterbücher des Litauischen, die ungefähr zu jener Zeit erschienen: Dabartinės lietuvių kalbos žodynas (2006 erschien die 6. Auflage (3. elektronische Auflage), die sich faktisch auf die 4. gedruckte Auflage von 2000 stützt); das elektronische Lietuvių kalbos žodynas (die Belegbeispiele seiner jüngsten Bände reichen bis 2001);
14 Siehe ND: naujaradas „neu gefundene (unbekannte) Wortschöpfung“.
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Tarptautinių žodžių žodynas (Alma littera, 2001) (plačiau žr. Milūnaitė 2015: 168–171). Kaupiant ND duomenis paaiškėjo, kad esama naujažodžių, kurie vartosenoje fiksuoti XX a. pab., tačiau į minėtus žodynus dar nepateko. Tai nėra keista, nes dėl naujažodžio atsiradimo laiko neografijoje dažniausiai esama nežinios – ar žodis negalėjo būti kur nors fiksuotas anksčiau, nei pavyko jį aptikti. Taigi kai kuriais atvejais į ND dedami ir XX a. pab. naujažodžiai, nes buvo netikslinga juos išleisti iš akių kaip iki tol leksikografiškai iš viso neaprašytus. Daugėjant skaitmeninių kalbos duomenų ir tobulėjant kalbos technologijoms, naujažodžių atsiradimo laiką ilgainiui bus galima nustatyti vis tiksliau (plg. Ефремов 2014: 16).
Im Laufe des nahezu zehnjährigen Bestehens des ND hat sich der lexikografische Kontext der litauischen Sprache verändert (es wurde mehr Text des BŽ öffentlich zugänglich gemacht, 2012 erschien die 7. Auflage des DLKŽ, deren Anhang rund 200 Neologismen enthält, 2015 folgte eine Online-Version; 2013 erschien eine neue Auflage des TŽŽ). Daher war es wichtig, die Grundsätze für die Auswahl der Neologismen im ND beizubehalten und sich flexibel an die neuen Bedingungen anzupassen.
Wie jedoch in ausländischen Arbeiten zur Neologie hervorgehoben wird und die Praxis des ND zeigt, ist das lexikografische Kriterium bei der Erfassung von Neologismen nicht in allen Fällen zuverlässig. Seine Zuverlässigkeit hängt vor allem vom Zustand der Lexikografie in der jeweiligen Sprache ab (vom Zeitraum des Sprachgebrauchs, den die Wörterbücher abdecken, und von ihrer Vollständigkeit). Außerdem war der Umfang der Wörterbücher in der vordigitalen Ära durch die gedruckte Form stark begrenzt, die zum Platzsparen zwang; daher wurden nicht alle regelmäßigen Bildungen aufgenommen (Dzhabrailova, Rybakova 2019: 20). Dass ein Wort oder eine bestimmte Wortbedeutung in Wörterbüchern fehlt, kann auch eine Lücke15 sein (Fjeld, Nygaard 2012: 223) – aufgrund der Seltenheit des Wortes selbst oder einer allzu spezifischen, in einem eng begrenzten Bereich verwendeten Bedeutung, manchmal aber auch aufgrund eines Versehens der Lexikografen.
Unter Berücksichtigung dieser lexikografischen Faktoren werden einer kleinen Zahl von Neologismen im ND, bei denen Zweifel bestehen oder Informationen fehlen, zusätzliche Merkmale zugeordnet, anhand derer sich diese Datensätze herausfiltern lassen. Solche Wörter bilden in der traditionellen Neologie einen Teil der unechten Neologismen.
Der wohl häufigste Fall eines unechten Neologismus liegt vor, wenn ein Wort nicht neu ist, weil Belege dafür vorliegen, dass es bereits vor Beginn des 21. Jahrhunderts im Sprachgebrauch nachweisbar war, aber nicht in die Referenzwörterbücher aufgenommen wurde. Das kann sich ganz zufällig herausstellen oder erst
15 Vgl. lakūnā (aus dem Lateinischen lacuna „Vertiefung; Lücke“) 1. Sprachw. Textlücke, Auslassung, fehlende Stelle (TŽŽ). Im Litauischen wird die lexikografische lakūna unterschiedlich bezeichnet – als Wörterbuchlücke, -loch oder -spalte.
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nach zusätzlichen Untersuchungen verschiedener Sprachgebrauchsquellen; deshalb wird einem Neologismus nicht unbedingt von Anfang an, wenn er in den ND aufgenommen wird, das Merkmal „nicht neu (nicht belegt)“ zugeordnet. In der Neologie werden solche Wörter, bei denen es sich vermutlich um Neologismen handelt, die sich im Laufe der Zeit jedoch als seit Langem bestehend erweisen (insbesondere, wenn sie selten gebraucht werden), manchmal als Paläologismen bezeichnet (Behera, Mishra 2013: 27). Stellt sich heraus, dass ein in den ND aufgenommenes Wort ein Paläologismus ist, wird es nicht vorschnell gestrichen, damit der lebendige Neologieprozess abgebildet wird und die lexikografischen Lücken einer bestimmten vergangenen Periode sichtbar bleiben. Ein Beispiel für ein solches Wort ist marsaegis „Gerät, das über die Marsoberfläche fährt und diesen Planeten erforscht“. Solche Geräte kamen weltweit bereits im 8. Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts auf; in litauischen Referenzwörterbüchern ist das Wort jedoch bis heute nicht verzeichnet, während Belege für seinen Gebrauch in der litauischen Presse (z. B. in der Zeitschrift Mokslas ir technika) spätestens ab 1995 zu finden sind (siehe DLKT). Nach der Digitalisierung der Ergänzungskartei des Wörterbuchs der litauischen Sprache zeigt sich, dass es noch weitere solche Fälle gibt: Wörter wurden nicht in die Referenzwörterbücher aufgenommen, obwohl sie in der Kartei belegt sind (manchmal sogar mehr als einmal). So findet sich das Wort daiktadėžė nicht in den Referenzwörterbüchern. Im ND sind dafür drei Bedeutungen angegeben; eine davon, „kleines Fach in der Kabine oder im Innenraum eines Autos, meist vorn vor dem Beifahrersitz, zur Aufbewahrung verschiedener Kleinigkeiten“, war bereits in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bekannt (1967 in der Zeitschrift Mokslas ir technika belegt) (siehe Abb. 1).
Abb. 1. Karteikarte zum Wort daiktadėžė in der Ergänzungskartei des Wörterbuchs der litauischen Sprache (https://ekalba.lt)
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In eine ähnliche lexikografische Lücke sind auch Wörter geraten, für deren Gebrauch es deutlich frühere Belege gibt als aus dem Beginn des 21. Jahrhunderts: geoglifas „alte Zeichnung, die sich auf der verhärteten Erdoberfläche erhalten hat“, pareidolija „psychologisches Phänomen, bei dem Naturerscheinungen, zufälligen Bildern, Geräuschen oder Gegenständen die Gestalt oder der Klang eines bekannten Phänomens zugeschrieben wird“, namotyra „Wissenschaft, die die Geschichte des Wohnraums (insbesondere des ländlichen) untersucht“, gaiviklis „Mittel, das die Luft erfrischt und für Frische und einen frischen Duft sorgt“ u. a.
Zu den unechten Neologismen können auch Wörter gerechnet werden, die im ND die Kennzeichnung „wiederbelebt“ tragen. Da der Status eines Neologismus damit zusammenhängt, dass ein Wort in einem bestimmten Zeitraum funktioniert, kommt es vor, dass ein deutlich früher gebrauchtes Wort über längere Zeit aus dem aktiven Sprachgebrauch verschwindet. Die Sprecher vergessen es, weil es nicht mehr aktuell ist (etwa nachdem ein bestimmter Lebenssachverhalt verschwunden ist); unter günstigen Umständen lebt es jedoch wieder auf oder wird erneut entlehnt, manchmal mit neuen Bedeutungsnuancen, und wird dann als neu wahrgenommen. Darin unterscheiden sich wiederbelebte Wörter von Paläologismen, deren Gebrauch nicht unterbrochen war. Können wiederbelebte Wörter als Neologismen gelten? In der ausländischen Sprachwissenschaft wird diese Frage üblicherweise bejaht (siehe Barnhart R., Barnhart C. 1990: 1160; Fjeld, Nygaard 2012: 223). Dabei wird darauf hingewiesen, dass ein solches Wort aus synchronischer Sicht in ein Wörterbuch der Neologismen passt, das den gegenwärtigen Sprachzustand beschreibt, insbesondere wenn es eine Zeit lang nicht in die Hauptwörterbücher aufgenommen wurde.
Ein gutes Beispiel ist das Wort mokslintojas, -a, das im Litauen der Zwischenkriegszeit in der Bedeutung „Verbreiter wissenschaftlicher Erkenntnisse“ bekannt war. Es wurde 1936 von Juozas Šalkauskis verwendet, war jedoch in Wörterbüchern nicht verzeichnet. In den letzten Jahren hat es eine Journalistin gezielt wiederbelebt, die nach einem einwortigen Begriff für Wissenschaftsvermittler (Wissenschaftskommunikator) suchte (Näheres siehe ND).
Natürlich ist es manchmal schwierig festzustellen, ob ein Wort tatsächlich wiederbelebt oder nach einem typischen Wortbildungsmuster neu gebildet und an neue Bedürfnisse angepasst wurde, wobei seine Bedeutung mitunter leicht verändert wird. So klingt das vor Kurzem in Gebrauch gekommene Verb amžėti, das als Synonym des Verbs senėti (senti) verwendet wird, um direkte Assoziationen mit Alter und Alterung euphemistisch zu vermeiden, und der davon abgeleitete medizinische Begriff amžėjimas (vgl. engl. ageing) für heutige Sprecher neu. In der Ergänzungskartei des Wörterbuchs der litauischen Sprache finden sich jedoch zwei Wörterbuchkarten mit Beispielen aus der gesprochenen Sprache: įamžėti „alt werden“ und mit ähnlicher Bedeutung suamžėti „im Alter kindisch werden“ (siehe Abb. 2).
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Abb. 2. Die Karteikarten zu den Wörtern įamžėti und suamžėti in der Ergänzungskartei des Wörterbuchs der litauischen Sprache (https://ekalba.lt)
In der Neologieforschung wird die wichtige Frage, ab wann ein Wort als Neologismus gelten kann, unterschiedlich beurteilt: bereits ab dem Zeitpunkt, an dem es geschaffen und verwendet wird, oder erst, wenn es sich im Sprachgebrauch zu verbreiten beginnt? E. Jakaitienė weist darauf hin, dass Neologismen zu den lexikalischen Einheiten gehören, die „„gerade erst entstanden und noch nicht weit verbreitet sind“, während „[w]örter, die in den aktiven Sprachgebrauch eingegangen sind, nicht mehr als Neologismen gelten“ (Jakaitienė 2010: 203, 205–206). Nach dieser Auffassung gilt ein Wort also von seinem Entstehen an als Neologismus und behält den Status des Neuen, solange es sich im Sprachgebrauch noch nicht etabliert hat.
Nach einer anderen Auffassung gilt ein gerade erst entstandenes Wort noch nicht als Neologismus, solange es nicht unabhängig von seinem Urheber verwendet wird, mit anderen Worten: solange die Gesellschaft nicht ihr Bedürfnis zeigt, das Wort zu verwenden und zu verbreiten. Für solche Wörter,
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die noch nicht den eigentlichen Status eines Neologismus erlangt haben und sich nicht weiter verbreitet haben, sondern nur von ihren Urhebern verwendet wurden, wird der besondere Terminus Protologismus16 verwendet. Er wurde Anfang des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts von dem aus Russland stammenden britischen Professor Mikhail Epstein geprägt (siehe MD: protologism). Um den Unterschied zwischen Protologismus und Neologismus deutlicher herauszustellen, ist festzuhalten, dass ein Protologismus lediglich ein möglicher Neologismus („hypothetische Projektion“) ist, das heißt ein vom Urheber geschaffenes Wort, in der Erwartung, dass es in einer realen Lebenssituation verwendet werden wird. Als relativ neues Wort ist Protologismus als Terminus in der litauischen Linguistik selbst noch ein Neologismus – er hat kaum eine Verwendungstradition; doch angesichts der Intensivierung der Neologismenforschung wird er in den letzten Jahren bereits häufiger verwendet (vgl. Aleksaitė 2018: 5–6).
Ein noch seltenerer Terminus, mit dem in ausländischen Arbeiten zur Neologieforschung vereinzelt neu entstandene Wörter bezeichnet werden, die die Protologismusphase bereits durchlaufen haben, sich aber noch nicht als Neologismen etabliert haben, ist Prälogismus (siehe Anesa 2018: 41). In Arbeiten zur litauischen Linguistik ließ er sich nicht finden.
Leserinnen und Leser des ND nutzen häufig die Möglichkeit, vorzuschlagen, einen von ihnen in einer Quelle entdeckten Neologismus in die Datenbank aufzunehmen. Unter den Vorschlägen finden sich auch von den Leserinnen und Lesern selbst erfundene Wörter, die nirgends sonst belegt sind und nicht als tatsächlicher Sprachgebrauch, sondern lediglich als die erwähnte „hypothetische Projektion“ verzeichnet werden. Solche Wörter bleiben lediglich in der Vorschlagsliste (die ebenfalls öffentlich zugänglich ist) und werden nicht in den Bestand der Neologismen des ND aufgenommen. Zum Beispiel išmafonas „Smartphone“; brauknys „Unterstrich (wird beim Programmieren gewöhnlich anstelle eines Leerzeichens verwendet)“; keleivožis „Bus“; lindžius „Pop-up-Werbung“ usw. Sie erhalten den Status „im Sprachgebrauch nicht belegt“, wobei die Möglichkeit einer künftigen Verbreitung nicht ausgeschlossen wird.
In der Neologieforschung ist es üblich, von Kindern geschaffene Wörter nicht zu den Neologismen zu zählen. Zwar schlagen lesende Eltern des ND gelegentlich vor, Wörter ihrer Kinder darin aufzunehmen (z. B. glanis „Freund, Kumpel“; sausryčiai „trockenes Frühstück“ usw.), doch handelt es sich um ein völlig eigenständiges Phänomen und Forschungsgebiet, das an Entwicklungspsychologie und Pädagogik grenzt.
3. DIE FORM DES NEOLOGISMUS ALS LEXIKALISCHE EINHEIT
Neben der Frage, wie die Neuheit eines Neologismus verstanden wird, stellt sich eine weitere, nicht minder wichtige Frage: Welche Spracheinheiten gelten in der Neologieforschung als Neologismen? Wie aus den in Tabelle 1 und 2 aufgeführten Definitionen des Neologismus hervorgeht
16 Protologismus – aus dem Griechischen prōtos „erster, ursprünglich“ + logos „Wort“.
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Bei den Abgrenzungen werden in verschiedenen Quellen den Neologismen meist nicht nur einzelne Wörter (Lexeme) zugeordnet, wie es der etymologischen Bedeutung von Neologismus entsprechen müsste, sondern auch komplexere lexikalische Einheiten: feste Wortverbindungen (sowohl Mehrworttermini als auch Phraseologismen), seltener auch Abkürzungen. Ein engeres oder weiteres Verständnis des Neologismus ist somit eine Frage der Übereinkunft und hängt von den Zielen der Forschenden ab.
Nach ihrer Form werden Neologismen üblicherweise in drei Arten unterteilt:
1) Wort (z. B.: aerogelis, tenesinas, sąžvelnis, irklentė);
2) Wortverbindung oder Neophrase (siehe Fjeld, Nygaard 2012: 225–226) (z. B.: soziales Dumping, Körperertüchtigung);
3) Abkürzung (z. B.: CEO, STEM, Wi-Fi, BDAR).
Nach den Typen lexikalischer Innovationen werden neue Wörter (Lexeme) und neue Wortbedeutungen (Sememe) unterschieden (Jakaitienė 2005: 250).
In die ND werden nicht nur neue lexikalische Einheiten aufgenommen (twiteris, asmenukė), sondern auch neue Bedeutungen bereits bestehender lexikalischer Einheiten (z. B.: im Geschäftsleben Ein שע? „ein innovatives Start-up-Unternehmen, das aufgrund seines schnellen Wachstums und der angezogenen Investitionen zu einem Unternehmen mit einem Wert von über 1 Mrd. US-Dollar heranwächst“; Phönix „ein unehrliches Unternehmen, das absichtlich Insolvenz anmeldet, um seinen finanziellen Verpflichtungen zu entgehen, und unter einem neuen Namen ‚wiederaufersteht‘“).
Naujų reikšmių įgiję žodžiai kartais vadinami naujosiomis sememomis (Jakaitienė 2005: 251), semantiniais naujadarais (Jakaitienė 2010: 211), neosemantizmais (Fjeld, Nygaard 2012: 224–226) arba neosemais (Drūtė 2013: 756).
4. FUNKTIONALE BESONDERHEITEN VON NEOLOGISMEN
Neu entstandene Wörter fungieren wie der gesamte Wortschatz als neutrale Spracheinheiten (dies gilt auch für die Fachlexik – die neue Terminologie, d. h. Neonyme, engl. neonym, andernfalls Neotermini17, engl. neoterm) oder entwickeln zusätzliche funktionale und stilistische Merkmale. Für manche funktional und stilistisch markierten Neologismen werden eigene Termini verwendet (siehe Aleksaitė 2018: 5), doch sind diese weder in der ausländischen noch in der litauischen Sprachwissenschaft etabliert. Außerdem ist wichtig, auf welcher logischen Grundlage sie abgegrenzt werden und welches – engere oder weitere – Verständnis von Neologismus zugrunde gelegt wird.
17 Diese oder ähnliche Neologismen konnten in der litauischen Sprachwissenschaft nicht nachgewiesen werden; vgl. das im Lettischen verwendete jauntermins nach engl. neoterm (siehe VPSV).
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Als Arten von Neologismen (gewöhnlich: Neubildungen) oder als Neologismen verwandte Begriffe werden meist stilistische Neubildungen, Okkasionalismen, autorengeprägte Neubildungen, individuelle Neubildungen, situative Neubildungen, Ephemerismen und Potenzialismen genannt. Ihre Beziehungen zueinander werden jedoch recht verworren beschrieben, da derselbe Terminus für verschiedene Arten von Neologismen verwendet werden kann oder derselbe Neologismus aufgrund unterschiedlicher Merkmale mit mehreren Termini bezeichnet werden kann.
Im Eintrag naujadaras des KTŽ (dessen Entsprechungen in anderen Sprachen mit einer breiteren Bedeutung angegeben werden, als sie heute üblich ist, nämlich russisch неологизм, englisch neologism18) wird die stilistische Neubildung (und ihre Synonyme individuelle Neubildung, autorengeprägte Neubildung) gesondert beschrieben als „[ein] von einem einzelnen Autor in einem bestimmten Werk gebildetes neues Wort, das anderswo gewöhnlich nicht verwendet wird“. Stilistische Neologismen werden also geschaffen und verwendet, um Expressivität zu erzielen (übrigens erfüllen in der heutigen Verwendung des Litauischen zunehmend auch neue englische Lehnwörter diese Funktion, wenn sie nicht wegen fehlender litauischer Entsprechungen, sondern angeblich aus Gründen der Überzeugungskraft als Zitate in einen Text eingefügt werden).
In diesem Wörterbuch werden Okkasionalismen nicht zu den stilistischen Neubildungen gezählt, sondern gesondert beschrieben, obwohl sie zu einem beträchtlichen Teil ebenfalls als stilistische Neubildungen gelten können. Als Okkasionalismen (oder okkasionelle Neubildungen) bezeichnet man „meist ungewöhnlich gebildete, einmalige Bildungen, die zu Zwecken der künstlerischen Typisierung, Stilisierung oder einfach zur Unterhaltung geschaffen werden; ihre Entstehung wird vom Streben nach Ungewöhnlichkeit und Seltsamkeit bestimmt“ (Jakaitienė 2005: 250–251), „es sind Wörter, die nur in einem bestimmten Kontext vorkommen; sie erstarren gewissermaßen in dem Text (Gespräch oder Werk), in dem sie verwendet wurden“ (Jakaitienė 2010: 207). V. Urbutis merkt an, dass okkasionelle Bildungen „mehr oder weniger weit vom in der Sprache wirksamen Wortbildungssystem entfernt sind: Einige von ihnen verstoßen gegen die Anforderungen des Wortbildungstyps <...>, andere zeichnen sich lediglich dadurch aus, dass sie nach unproduktiven oder wenig produktiven Typen gebildet sind“ (siehe Urbutis 2009: 322–327). E. Jakaitienė behandelt Okkasionalismen im Zusammenhang mit Neologismen und Neubildungen; im KTŽ werden Okkasionalismen dagegen überhaupt nicht mit Neologismen in Verbindung gebracht:
Okkasionalismus 2, okkasionelles Wort – оказионализм Wort oder Wortverbindung, die für den allgemeinen Sprachgebrauch untypisch ist und nur einmal in einem bestimmten Kontext vorkommt. Hinsichtlich der Wortbildung sind Okkasionalismen untypisch und individuell <...>.
18 Vgl. genauere litauische Entsprechungen des Terminus naujadaras: russisch новообразование, englisch (new-word coinage.
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Der Terminus autorininiai naujadarai bezeichnet neu gebildete Wörter – Neubildungen – nach ihrem Urheber (vgl. Jakaitienė 2010: 207). Selbstverständlich lässt sich nicht immer feststellen, wer ein bestimmtes neues Wort zuerst erfunden hat; dies trifft jedoch besonders auf Neubildungen in literarischen Texten zu, deren Urheber bekannt ist. Demnach scheinen Okkasionalismen und autorininiai naujadarai im Wesentlichen dasselbe Objekt zu bezeichnen – ein neu geschaffenes Wort –, wobei jedoch unterschiedliche Merkmale hervorgehoben werden. Es gibt allerdings auch teilweise strukturelle Unterschiede: Okkasionalismen werden entweder auf der Grundlage unproduktiver Wortbildungstypen oder mit deutlichen Abweichungen von der regelmäßigen Wortbildung gebildet (Martseva et al. 2018: 270). Autorengeprägte Neubildungen können auch nach regelmäßigen Wortbildungsmodellen geschaffen werden. Einige autorengeprägte Neologismen gehen in das lexikalische System der Sprache ein; dies gilt jedoch eher als Ausnahme. So wurde das Wort laikraštiena „minderwertige, oft boulevardeske Printmedien“ den Daten des ND zufolge 1990 vom Dichter Jonas Juškaitis geprägt. Im Laufe der Zeit verbreitete es sich so stark und setzte sich im Sprachgebrauch so fest, dass es in das BŽ aufgenommen wurde. Da die Printpresse zurückgeht, könnte dieses Wort in den passiven Wortschatz übergehen; nach diesem Wortbildungsmodell verzeichnet das ND jedoch auch Neubildungen für digitale Medien: internetiena, portaliena usw.
Autorengeprägte Neubildungen werden auch individuelle Neologismen genannt, womit ihre Besonderheit und Originalität hervorgehoben wird. Sie werden als Wörter beschrieben, die nicht ein Sprach-, sondern ein Redephänomen sind und von Autoren für spezifische Zwecke geschaffen werden – um neue Gedanken und Konnotationen auszudrücken (Martseva et al. 2018: 270)19.
Im ND wird ein Neologismus mit der Kennzeichnung „autorengeprägt“ versehen, wenn eindeutig bekannt ist, wer sein Urheber ist (wobei es sich nicht notwendigerweise um eine Neubildung handeln muss – es kann sich auch um eine von einem Autor in einer anderen Sprache geprägte und ins Litauische gelangte Entlehnung handeln). Zum Beispiel: båslikas, -à „platt (d. h. hilflos in voller Länge ausgestreckt) wie ein Besenstiel“; čiulbingala „singende Nachtigall (Bezeichnung eines geschnitzten Kunstwerks)“; glostinukas „kleines Kunstwerk, aus Ton durch spezielle streichende Handbewegungen geformt“; sveikoninė „eine andere Bezeichnung für Krankenhaus – wenn Genesung und Gesundheit stärker betont werden sollen“.
Okkasionalismen und autorengeprägten Neubildungen nahe stehen situative Neubildungen (engl. nonce-formation, nonce-word) – neue, kontextabhängige Wörter, die für einen einzigen konkreten Anlass geschaffen werden. In diesem Fall ist der Terminus
19 Manchmal werden individuelle Neologismen auch mit dem in der Korpuslinguistik verwendeten Terminus hapax legomena bezeichnet; er bedeutet, dass ein Wort in einem Text oder einer Textsammlung nur ein einziges Mal vorkommt. Vgl. hapax legomenon griechisch „einmal (Gesagtes)“:
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nas hebt nicht den Aspekt der Urheberschaft eines Neologismus hervor, sondern die Umstände seiner Entstehung. Mitunter werden situative Neubildungen nicht als eigentliche Neologismen betrachtet (vgl. Štekauer 2002: 97).
Ungewöhnliche, nur einmal verwendete Neologismen erhalten im ND die Kennzeichnung „Einzelbeleg“, und wenn der Urheber bekannt ist, zusätzlich die Kennzeichnung „Autorenbildung“. Somit kann eine Autorenbildung auch ein Einzelbeleg sein, wenn sie sich nicht über die Texte ihres Urhebers hinaus verbreitet.
Zu den stilistischen Neubildungen lassen sich Ephemerismen20 zählen. Dabei handelt es sich um Neologismen, die für bestimmte Phasen der gesellschaftlichen Entwicklung charakteristisch sind, gewöhnlich mit den Namen bekannter Politiker oder anderer Persönlichkeiten verbunden sind und eine ausgeprägte, meist negative stilistische Konnotation aufweisen (ausführlicher siehe Заботкина 1989; Kostanian 2015: 3–9). Sie bestehen so lange fort, wie die Person aktiv ist, von deren Nachnamen die Neologismen abgeleitet werden; wichtig ist jedoch, dass zum Verständnis von Ephemerismen außersprachliche Kompetenz erforderlich ist – die Orientierung in den politischen oder sonstigen aktuellen Themen einer bestimmten Zeit (Kostanian 2015: 8). Mitunter werden Ephemerismen weiter gefasst und nicht nur mit Politikern, sondern auch mit bedeutsamen Ereignissen einer bestimmten Zeit in Verbindung gebracht (Заботкина 1989: 24).
Im ND ist eine beträchtliche Zahl sowohl entlehnter Ephemerismen verzeichnet, die mit bekannten ausländischen Persönlichkeiten oder Ereignissen verbunden sind (z. B.: trampokalipsė, putinomika, putirendumas, okupendumas, Lukašesku usw.), als auch litauischer Bildungen, die überwiegend von den Nachnamen politischer Persönlichkeiten abgeleitet sind (z. B. vom Nachnamen des Gesundheitsministers Aurelijus Veryga, der für unpopuläre strenge Maßnahmen zur Alkoholkontrolle und zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie bekannt ist: veryganas, –ė; verygininkas, –ė; verygizacija; verygizatorius, –ė; verygmarinas; verygmetis; verygvalda u. a.).
In sprachwissenschaftlichen Arbeiten wird Potenzialismen (oder potenzielle Neubildungen, potenzielle Bildungen) unterschiedlich bewertet; sie können als Gegenstück zu okkasionellen Bildungen gelten. V. Urbutis zufolge sind „[p]otenzielle Bildungen Wörter aus sehr regelmäßigen und produktiven Wortbildungstypen, die nicht als eigenständige lexikalische Einheiten in die Sprache eingehen, sondern von diesen Typen vollständig vorherbestimmt sind und beim Sprechen jederzeit realisiert werden können, sobald Bedarf an ihnen besteht“; zudem sei eine solche Bildung „so natürlich und verständlich, dass sie gewöhnlich nicht einmal bei ihrem ersten Auftreten im Sprechen als Neubildung wahrgenommen wird“ (Urbutis 2009: 316–317). Vielleicht werden Potenzialismen deshalb oft gar nicht mit Neologismen in Verbindung gebracht. V. Urbutis räumt jedoch ebenfalls ein, dass „es in Wirklichkeit keine scharfe Grenze zwischen potenziellen und allen anderen typischen
20 Vgl. griech. ephemeros „eintägig, kurzlebig“ (TŽŽ).
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Bildungen gibt“, ebenso wenig wie es „objektive Kriterien gibt, anhand deren sich in Zweifelsfällen feststellen ließe, ob ein Wort nur dem Sprechen angehört oder bereits auch in die Sprache eingegangen ist“ (Urbutis 2009: 316, 318).
Das ND verfolgt nicht das Ziel, jeden Potenzialismus zu erfassen, da dies den Umfang der Datenbank stark vergrößern und die verfügbaren Kapazitäten für die Bearbeitung dieser Daten übersteigen würde. Es wird jedoch versucht, diejenigen potenziellen Bildungen auszuwählen, die zusätzliche Besonderheiten aufweisen. So deutet etwa die Zunahme von Substantiven mit dem Suffix -inė, mit dem Ortsbezeichnungen gebildet werden, auf die Ausweitung des Geschäftslebens hin – auf die wachsende Zahl von Imbissbetrieben, deren Bezeichnungen von unterschiedlichen Grundwörtern abgeleitet sind: dešraininė, falafelinė, jogurtinė, kebabinė, spraginė usw. Die Zunahme von Substantiven mit dem Suffix -iena, mit dem Fleischbezeichnungen gebildet werden, verweist hingegen auf ein Angebot an Fleisch exotischer Tiere, das zuvor in Wörterbüchern nicht verzeichnet war: buivoliena, kengūriena, krokodiliena, sraigiena, šikšnosparniena, vabzdiena.
Die Vielfalt der Bezeichnungen für neu entstehende lexikalische Einheiten und ihres Gebrauchs zeigt, dass die Grenze zwischen eigentlichen und uneigentlichen Neologismen sehr unscharf und zeitlich veränderlich ist. Der Begriff des Neologismus im ND umfasst nicht nur eigentliche, sondern auch den Großteil der traditionell als uneigentlich verstandenen Neologismen. Ein derart weiter Begriff ist angesichts der Besonderheiten beim Aufbau der Datenbank zweckmäßig. Das ND erfasst synchron einen Zeitraum von etwa zwei Jahrzehnten des Bestehens der litauischen Sprache und lässt daher gewisse Entwicklungen bei Neologismen erkennen: Einige neue Wörter werden nur einmal belegt, andere verbreiten sich nach und nach im Sprachgebrauch und können nach einiger Zeit ihren Neuheitsstatus verlieren (beispielsweise, wenn sie in das im Aufbau befindliche und schrittweise öffentlich zugänglich gemachte Wörterbuch der litauischen Standardsprache (BŽ) aufgenommen werden; vgl.: naujienlaiškis, skaityklė, šonaslydis usw.; damit ist das ND praktisch auch eine der Quellen für den Wortschatz, den das neue BŽ umfasst).
Das Phänomen der Neologismenbildung ist äußerst vielschichtig und lässt sich beschreiben, indem unterschiedliche semantische, formale und funktionale Merkmale neuer lexikalischer Einheiten aufgezeigt werden. Die Suchfunktionen des ND ermöglichen es, Neologismen aus der Datenbank nach verschiedenen Ausprägungen und Kombinationen dieser Merkmale herauszufiltern. Mit zunehmender Datenmenge lässt sich so ein umfassenderes Bild dieser interessanten Schicht des sich ständig wandelnden Wortschatzes gewinnen und zugleich nach neuen Klassifikationsgrundlagen suchen sowie die Terminologie der litauischen Neologie weiterentwickeln.
SCHLUSSFOLGERUNGEN
Mit der raschen Entwicklung der Wissenschaft in verschiedenen Bereichen, die auch den Fortschritt der Informationstechnologien vorantreibt, sowie der Intensivierung vielfältiger gesellschaftlicher Aktivitäten und der Ausbreitung sozialer Netzwerke und anderer elektronischer Kommunikationsformen erneuert sich sicht-
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bar auch die lexikalische Schicht moderner Sprachen. Neologie und Neographie, die neue lexikalische Phänomene untersuchen und beschreiben, entwickeln sich zu immer aussichtsreicheren Zweigen der Lexikologie und Lexikographie, die großes Interesse nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der Gesellschaft wecken; das Aufkommen neuer Termini (Neonyme) fördert die Erforschung der Neonymie. Diese Forschung benötigt ihrerseits eine Terminologie der Neologie, die jedoch sowohl in litauischen als auch in ausländischen Arbeiten stark variiert und bislang kein klares System bildet.
1. Eine Untersuchung des Verständnisses des wichtigsten Begriffs der Neologie – des Neuworts oder Neologismus – in der litauischen und ausländischen linguistischen Literatur sowie in Wörterbüchern zeigt, dass die synonymen Termini, aus denen es sich zusammensetzt, mehrere interne und externe Widersprüche verbergen. Der Begriff selbst ist nicht eindeutig definiert und hängt davon ab, welche Aspekte der lexikalischen Form und des Inhalts die Forschenden nach eigener Wahl (Vereinbarung) einbeziehen:
1.1. Als Neuwörter gelten gewöhnlich nicht nur neue Wörter, sondern auch andere lexikalische Einheiten, etwa Wortverbindungen und Abkürzungen; außerdem werden meist auch bestehende Wörter, die neue Bedeutungen angenommen haben, den Neuwörtern zugerechnet – Neosemantismen;
1.2. Das wesentliche semantische Merkmal des Begriffs Neuwort ist die Neuheit; sie verleiht der lexikalischen Einheit jedoch nur vorübergehend diesen Status, solange diese noch weder in den aktiven Sprachgebrauch noch in allgemeine Wörterbücher der Sprache Eingang gefunden hat und die Sprachbenutzer ihre Ungewöhnlichkeit wahrnehmen. Sowohl die Kategorie „Neuheit“ selbst als auch weitere Merkmale des Begriffs Neuwort lassen sich nur unter Berücksichtigung eines konkreten, zeitlich begrenzten Kontexts definieren, in dem der Begriff verwendet wird;
1.3. In der traditionellen Lexikographie werden Neuwörter statisch betrachtet – als Ergebnis einer bestimmten Entwicklungsphase der Sprache. Daher unterscheidet man echte Neuwörter, die im Laufe der Zeit von der Gesellschaft angenommen werden, sich im Sprachgebrauch etablieren und zu üblichen Einheiten des lexikalischen Systems werden, von unechten Neuwörtern, die lediglich ein Phänomen der Rede sind.
2. Die wesentlichen Merkmale, die das Verständnis des Neuworts und seiner Teilerscheinungen prägen, treten bei der Suche nach Antworten auf folgende Fragen hervor: Welche Spracheinheiten gelten in der Neologie als Neuwörter? Was ist der Bezugspunkt für die Neuheit einer lexikalischen Einheit? Wie lange dauert diese Neuheit an und wann endet sie? Welche funktionalen Merkmale von Neuwörtern sind am wichtigsten?
3. Art und redaktionelle Praxis der Daten des ND, die seit 2011 am Institut für Litauische Sprache gesammelt und im Internet laufend aktualisiert werden, zeigen, dass der traditionelle Begriff des Neuworts in der modernen digitalen Neographie zu eng gefasst ist. Da im ND die lebendige Neologie synchron erfasst wird,...
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…zess ist oft nicht klar, welches weitere Schicksal die entdeckte neue lexikalische Einheit haben wird – ob sie nur ein kurzlebiges, situatives Phänomen bleibt oder mit der Zeit Teil des alltäglichen Wortschatzes wird, ein ganzes Wortbildungsmuster aktiviert, in allgemeine Wörterbücher der Sprache aufgenommen wird usw. Daher wurde im ND zu Recht die weitestmögliche Begriffsbestimmung des Neologismus als einer neu entstandenen lexikalischen Einheit gewählt.
4. Nach dem traditionellen Begriff des Neologismus können die von den eigentlichen Neologismen abgegrenzten, nur in der Rede funktionierenden Neologismen anhand verschiedener Merkmale unterschiedlicher logischer Art (Entstehungszeit, strukturelle, stilistische Eigenschaften usw.) beschrieben werden: Protologismen, Präologismen, Okasionalismen, Ephemerismen, Paleologismen, stilistische, autorengeprägte, situative Neologismen, Potenzialismen usw. Sie können als Arten weit gefasster Neologismen betrachtet werden.
5. Mit der Zunahme der Daten und dem Einsatz neuer Sprachtechnologien (automatische Auswahl von Neologismen aus großen Datenbeständen) ermöglicht die digitale Neografie einen umfassenderen Einblick in diese interessante Schicht des sich ständig wandelnden Wortschatzes und zugleich die Suche nach neuen Klassifizierungsgrundlagen sowie die Weiterentwicklung der Terminologie der Neologie.
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Rita Miliūnaitė
Neologijos terminija ir Lietuvių kalbos naujažodžių duomenyno praktika
TERMS OF NEOLOGY AND THE PRACTICE OF THE DATABASE OF LITHUANIAN NEOLOGISMS
Summary
As the renewal of vocabulary of contemporary languages is gathering pace, neology and neography investigate and describe its new phenomena, meanwhile new terms are the object of neonymy. This job requires the terms of neology, but they are rather varied in Lithuanian and foreign studies, and do not yet constitute a clear system.
The article sets out to analyse how the major works of Lithuanian linguistics define the concept of neologism (and its equivalent in Lithuanian naujažodis). It reveals the content of the terms naujažodis, neologizmas, protologizmas, okazionalizmas, efemerizmas, paleologizmas, etc. and shows their diverse usage. It builds upon foreign lexicographical sources and studies on neology, as well as the experience of managing the Database of Lithuanian Neologisms, which has been compiled and continuously updated online since 2011.
The definitions of neologism (Greek neos “new”, logos “word”) in Lithuanian and foreign linguistic sources show that this term has several underlying contradictions:
1) neologisms usually include not only new words but also other lexical units – word phrases, abbreviations as well as words which acquired new meanings, i.e., neosemanticisms;
2) the main semantic component of the concept of neologism is novelty, but this is a rather subjective feature;
3) in traditional lexicography the approach towards neologisms is rather static – they are viewed as the outcome of a certain period of language development; therefore, proper neologisms (Lith. tikrieji naujažodžiai), which are eventually accepted by the public and become commonplace units of the lexical system, are distinguished from improper neologisms (Lith. netikrieji naujažodžiai), which are only a speech phenomenon.
The type of data collected in the Database of Lithuanian Neologisms and their management practice show that in contemporary digital neography the traditional concept of neologism is too narrow. As a live process of neology is recorded synchronically, it is often not clear how the existence of the new lexical unit is eventually going to evolve. Since the amount of data is growing and new linguistic technologies are applied (automated selection of neologisms from vast collections of data), digital neography enables us to improve the terms of neology.
Gauta 2020-10-07
Rita Miliūnaitė Lietuvių kalbos institutas P. Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius E. paštas [email protected]
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