scieee AI-readable full text Open interactive document viewer

Rašto ženklų įvardijimas Pilypo Ruigio žodyne Littauisch–Deutsches und Deutsch–Littauisches Lexicon (1747)

Jurgita Venckienė

Abstract

This study, dedicated to the history of linguistic terminology, analyses words denoting writting characters: letter, number character, period, diacritical mark, comma, and colon, included in Philipp Ruhig’s (Pilypas Ruigys, 1675–1749) dictionary Littauisch–Deutsches und Deutsch–Littauisches Lexicon (1747). The article also examines the connections of these terms with the sources of Ruhig’s dictionary and the dissemination in East Prussian Lithuanian and German dictionaries of the 19th century.

Full text

Terminologija / Terminology 2025, Nr. 32, p. 1–27 Turinio nuoroda / Contents link ISSN 2669–2198 (elektroninis / online) BEZEICHNUNG VON SCHRIFTZEICHEN IN PILYPAS RUIGYS’ WÖRTERBUCH LITTAUISCH–DEUTSCHES UND DEUTSCH–LITTAUISCHES LEXICON (1747) Bezeichnung von Schriftzeichen in Philipp Ruhigs Littauisch–Deutsches und Deutsch–Littauisches Lexicon (1747) JURGITA VENCKIENĖ Institut für Litauische Sprache E-Mail: [email protected] ORCID-ID: https://orcid.org/0000-0002-6305-6664 Forschungsschwerpunkt: Geschichte der litauischen Sprache und Schrift. https://doi.org/10.35321/term32-09 ZUSAMMENFASSUNG In dieser der Geschichte sprachwissenschaftlicher Termini gewidmeten Untersuchung werden Wörter analysiert, die Schriftzeichen bezeichnen – Buchstaben, Ziffern, Punkte, diakritische Zeichen, Kommata und Doppelpunkte – und in Philipp Ruhigs Wörterbuch Littauisch–Deutsches und Deutsch–Littauisches Lexicon (1747) aufgenommen wurden. Der Beitrag untersucht außerdem die Verbindungen dieser Termini zu den Quellen von Ruhigs Wörterbuch sowie ihre Verbreitung in den litauisch- und deutschsprachigen Wörterbüchern Ostpreußens des 19. Jahrhunderts. SCHLÜSSELWÖRTER: Philipp Ruhig, Buchstabe, Ziffer, Punkt, diakritisches Zeichen, Komma, Doppelpunkt. ZUSAMMENFASSUNG Diese der Geschichte der sprachwissenschaftlichen Terminologie gewidmete Studie analysiert die im Wörterbuch Littauisch–Deutsches und Deutsch–Littauisches Lexicon (1747) von Philipp Ruhig (Pilypas Ruigys, 1675–1749) enthaltenen Wörter für Schriftzeichen: Buchstabe, Zahlzeichen, Punkt, diakritisches Zeichen, Komma und Doppelpunkt. Der Artikel untersucht außerdem die Beziehungen dieser Termini zu den Quellen von Ruhigs Wörterbuch und ihre Verbreitung in den litauischen und deutschen Wörterbüchern Ostpreußens im 19. Jahrhundert. SCHLAGWÖRTER: Philipp Ruhig, Buchstabe, Zahlzeichen, Punkt, diakritisches Zeichen, Komma, Doppelpunkt. Copyright © 2025 Jurgita Venckienė. Herausgegeben vom Institut für Litauische Sprache. Dies ist ein Open-Access-Artikel, der unter den Bedingungen der Creative-Commons-Namensnennung-Lizenz verbreitet wird. Diese erlaubt die uneingeschränkte Nutzung, Verbreitung und Wiedergabe in jedem Medium, sofern der ursprüngliche Autor und die Quelle angegeben werden. // Herausgegeben vom Institut für Litauische Sprache. Dieser Artikel ist frei zugänglich und wird gemäß den Bedingungen der Creative-Commons-Namensnennung-Lizenz verbreitet, die eine uneingeschränkte Nutzung, Verbreitung und Wiedergabe des Inhalts in jedem Medium gestatten, sofern Autor und Quelle genannt werden. Eingegangen: / Received: 2025-07-03. Angenommen: / Accepted: 2025-08-25. 1 EINLEITUNG Den Beginn der litauischen sprachwissenschaftlichen Terminologie bringen Forschende mit Martynas Mažvydas’ Katekizmu1 in Verbindung; eine intensivere Phase der Terminologiebildung setzte jedoch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein – bis dahin dominierten in der litauischen Schriftlichkeit lateinische Termini (Balašaitis 1961: 10). Im 17. und 18. Jahrhundert waren Wörterbücher die wichtigsten Werke, die litauische Terminologie schufen und verbreiteten. Neuere Untersuchungen zu Pilypas Ruigys (1675–1749) Wörterbuch Littauisch–Deutsches und Deutsch–Littauisches Lexicon (Königsberg, 1747)2, insbesondere der von Ona Aleknavičienė erstellte Index litauischer Wörter (Aleknavičienė 2024), ermöglichen eine umfassendere Kenntnis der Terminologie. Antanas Balašaitis’ Dissertation Lietuvių kalbotyros terminų istorija (1961)3 behandelt die Geschichte der sprachwissenschaftlichen Termini vom Katechismus Mažvydas’ Katekizmo bis in die 1950er-Jahre. Ihr Ziel war es, „zu zeigen, wie mit der Entstehung der litauischen Sprachwissenschaft die Terminologie ihrer verschiedenen Zweige gebildet und normiert wurde, wie sie sich entwickelte, anwuchs, veränderte und sich in der litauischen Sprachwissenschaft durchsetzte“ (Balašaitis 1961: 3). Obwohl die Wörterbücher des 17. und 18. Jahrhunderts nicht unter den Quellen aufgeführt sind (vgl. Balašaitis 1961: 3), wurden auch ihre Daten in die Untersuchung einbezogen. Der Autor verzeichnete die ersten Belege für die Verwendung sprachwissenschaftlicher Termini; darunter waren auch einige Termini aus Pilypas Ruigys Wörterbuch Littauisch–Deutsches und Deutsch–Littauisches Lexicon. Ziel und weit gefasste zeitliche und sachliche Grenzen der Dissertation führten dazu, dass A. Balašaitis weder nach den Quellen der von Ruhig oder anderen Autoren verwendeten Termini suchte noch deren Verbreitung näher untersuchte. Diese Untersuchung widmet sich den Termini für Schriftzeichen, die Ruhig in sein Wörterbuch Littauisch–Deutsches und Deutsch–Littauisches Lexicon aufgenommen hat (im Folgenden R – das gesamte Wörterbuch, Rvl – der deutsch-litauische Teil, Rlv – der litauisch-deutsche Teil); sie zielt darauf, deren Quellen und Verbreitung in den Wörterbüchern Ostpreußens des 19. Jahrhunderts zu ermitteln. Es fällt auf, dass A. Balašaitis in den Rahmen seiner genannten Untersuchungen nicht alle im Wörterbuch Ruhigs enthaltenen Termini einbezog: So erwähnte er etwa nicht den Terminus skyrinėlis für den Doppelpunkt. Seine Arbeit erfasste nicht alle Synonyme der Termini bei Ruhig: Es wird angegeben, dass R „Buchstabe“ mit skaitytinė, rašytinė und raštnėlis bezeichnete (Balašaitis 1961: 40), nicht aber mit raštas, raštelis; für „Punkt“ werden die Termini žymelė und spakelis angegeben (Balašaitis 1961: 152), nicht jedoch žymė; für „Komma“ werden tarpbrūkšnelis und skyrimėlis genannt (Balašaitis 1961: 152), aber zwei weitere Synonyme, skyrinėlis und žymė, nicht erfasst. Da die Quellen nicht berücksichtigt wurden, sind nicht alle Bedeutungen der Termini benannt; so wurde etwa der mehrdeutige Terminus raštelis erwähnt4 1Im Katechismus wurden die Wörter Vokal „Vokal“, Diphthong „Diphthong“, Konsonant „Konsonant“ verwendet (Zinkevičius 1988: 36). 2 Die meisten Untersuchungen hat Vilma Zubaitienė veröffentlicht (Zubaitienė 2006; 2010a; 2010b; 2018), außerdem Vincentas Drotvinas (Drotvinas 2005). O. Aleknavičienė und V. Zubaitienė haben eine wissenschaftliche Ausgabe von Ruhigs Wörterbuch erstellt (2024). 3 In seinem Aufsatz „Aus der Geschichte litauischer sprachwissenschaftlicher Termini“ behandelte A. Balašaitis lediglich die Geschichte der Termini für Wortarten und Wortbildung seit Beginn des 19. Jahrhunderts (Balašaitis 2010: 3–12). 4 Forschende haben bereits auf die Termini in R hingewiesen: Domas Kaunas stellte fest, dass R 94 Termini zu Schrift, Buch, Druck und Lesen enthält, und legte eine Liste dieser Termini vor (Kaunas 1996: 141–142). 2 nur die Bedeutung „Buchstabe“, žymelė – nur die Bedeutung „Punkt“, doch ließ sich nicht feststellen, dass sie auch „diakritisches Zeichen“ bedeuteten. Der Begriff raištelis, der dieselbe Bedeutung hatte, ist überhaupt nicht belegt. Der Beitrag verfolgt folgende Ziele: 1) festzustellen, welche Begriffe für Schriftzeichen Ruigys in sein Wörterbuch aufnahm; 2) mögliche Quellen der R-Begriffe zu ermitteln; 3) zu klären, ob sie von den Verfassern späterer Wörterbücher des 19. Jahrhunderts aus Ostpreußen übernommen wurden. Bei der Analyse der Begriffe traten auch ihre Besonderheiten hervor: Synonymie und Mehrdeutigkeit. Die Wörter für Schriftzeichen in R wurden anhand seines Indexes litauischer Wörter identifiziert (Aleknavičienė 2024: 113–958). Es wurde festgestellt, dass R Begriffe für Buchstaben (die Konzepte Buchstabe und Laut wurden nicht unterschieden), Ziffern (die Konzepte Ziffer und Zahl wurden nicht unterschieden), diakritische Zeichen, Punkte, Kommas und Doppelpunkte enthält. In einem weiteren Untersuchungsschritt wurden ihre Bezüge zu früheren Arbeiten gesucht. Die Quellen von R sind aus dem Vorwort sowie aus den detaillierten Untersuchungen von V. Zubaitienė bekannt. Für die Analyse der Begriffe für Schriftzeichen sind die Quellen von Rvl von Bedeutung: das Wörterbuch von Erich Weismann (1641–1717) Lexicon Bipartitum (Stuttgart, 1725, im Folgenden W; Zubaitienė 2006: 97–148), die deutsche Lutherbibel5 (Zubaitienė 2010a: 13), die Bibelausgabe von 1735 BIBLIA, Tai efti: Wiffas Szwentas Raßtas, Séno ir Naujo Teftamento (Königsberg, 1735, im Folgenden B 1735), aus der litauische Entsprechungen deutscher Wörter gesammelt und das Register von Rvl ergänzt wurden (Zubaitienė 2010a: 221; 2018: 1–38). V. Zubaitienė zufolge war die Bibel für Ruigys eine der wichtigsten Quellen litauischen Wortschatzes und „spiegelte die Möglichkeiten der litauischen Sprache zur Bildung von Synonymen sowie die Möglichkeiten wider, Bezeichnungen für neue religiöse Konzepte (Personen, Dinge und andere Realien) zu übersetzen“ (Zubaitienė 2018: 4). Zur Übersetzung deutscher Wörter und zur Erstellung des Rlv-Registers stützte sich Ruigys auf die dritte Auflage des Wörterbuchs von Konstantinas Sirvydas Dictionarium trium linguarum (Vilnius, 1677, im Folgenden – SD 1677); die vergleichende Analyse zeigte jedoch, dass es keine Verbindungen zwischen diesem Wörterbuch und den Bezeichnungen für Schriftzeichen gibt. Eine wichtige Quelle für R ist das Wörterbuch von Friedrich Wilhelm Haack Vocabularium (Halle, 1730, im Folgenden – H, Hvl – der deutsch-litauische Teil, Hlv – der litauisch-deutsche Teil; Zubaitienė 2010a: 82, 160, 221)6; außerdem könnte sich Ruigys auch auf handschriftliche Wörterbücher des 17.–18. Jahrhunderts gestützt haben: Lexicon Lithuanicum (im Folgenden – Lex), Clavis Germanico-Lithvana (im Folgenden – C), das sogenannte Krause-Wörterbuch (im Folgenden – Q)7, das Lexicon Germanico–Lithvanicum et Lithvanico–Germanicum von Jokūbas Brodovskis (im Folgenden – B) oder Abschriften dieser Wörterbücher (Zubaitienė 2010a: 222–223)8. Das sogenannte Prager deutsch-litauische handschriftliche Wörterbuch9 (im Folgenden – P) 5 Welche Ausgabe der Lutherbibel oder welche Konkordanzen Ruigys verwendete, ist bislang nicht geklärt (Zubaitienė 2010a: 201; 2018: 33–34). Im Beitrag wird der deutsche Text nach der Ausgabe des Neuen Testaments von 1727 zitiert (im Folgenden NT 1727). 6 H kritinį leidimą žr. Zubaitienė 2012a, lietuviškų žodžių indeksą žr. Zubaitienė 2012b. 7 Apie rankraštinių žodynų ryšius žr. Urbutis 2008: 622–623. 8 Ruigys naudojosi ir Ernesto Dicelijaus (1629–1692) rankraštine medžiaga, bet ji nėra surasta (Zubaitienė 2010a: 222). Dar keletas R šaltinių šiam tyrimui nėra aktualūs: Ruigio veikalai Meletema ([1735]) ir Betrachtung der Littauischen Sprache, in ihrem Ursprunge, Wesen und Eigenschaften (Karaliaučius, 1747), iš kurių į R teimti posakiai ir iliustraciniai žodžių junginiai (Zubaitienė 2010a: 190, 310), Danieliaus Kleino, Teofilio Gotlibo Šulco ir Kristupo Sapūno lietuvių kalbos gramatikos (jomis Ruigys galėjo remtis pateikdamas 3 V. Zubaitienė erwähnte P 2010 nicht unter den Quellen von R, da es erst 2011 bekannt wurde. Wie die von Birutė Triškaitė vorgenommene textologische Analyse zeigt, ist P „eine Abschrift eines früheren handschriftlichen Wörterbuchs aus Kleinlitauen“, das mit Lex und Q in Verbindung steht (Triškaitė 2014: 313); daher ist auch sein Material für die Analyse der lexikalischen Quellen von R von Bedeutung. Der Vergleich mit den in diesen Wörterbüchern belegten deutschen und lateinischen Begriffen ermöglichte eine genauere Bestimmung der bezeichneten Konzepte. Anschließend wurde die Verbreitung der Begriffe für Schriftzeichen in R untersucht. R und die Grammatik des Sohnes Ruigys, Povilas Frydrichas, Anfangsgründe einer Littauischen Grammatik (Königsberg, 1747), wurden von Zeitgenossen hoch geschätzt. O. Aleknavičienė hat darauf hingewiesen, dass „der preußische Historiker Johann Friedrich Goldbeck (1748–1812) in seinem Werk Literarische Nachrichten von Preußen (1781–1783) erklärte, dies seien die besten Bücher, die es zum Erlernen einer Sprache geben könne; sie würden von allen Kennern dieser Sprache gelobt“ (Aleknavičienė 2024: 13). In diesem Beitrag wird untersucht, ob die betreffenden Begriffe in spätere Arbeiten übernommen wurden – in gedruckte litauisch-deutsche und deutsch-litauische Wörterbücher des 19. Jahrhunderts: in Kristijonas Gotlybas Milkus (1732–1807) Littauisch=Deutsches und Deutsch=Littauisches Wörter=Buch (Königsberg, 1800; im Folgenden M; Mvl bezeichnet den deutsch-litauischen Teil, Mlv den litauisch-deutschen Teil), Georg Heinrich Ferdinand Nesselsmanns (1811–1881) Wörterbuch der Littauischen Sprache (Königsberg, 1851; im Folgenden N) und Friedrich Kurschats (1806–1884) Wörterbuch der littauischen Sprache (im Folgenden K) – Deutsch–Littauisches Wörterbuch 1–2 (Halle, 1870–1874; im Folgenden Kvl) und Littauisch–Deutsches Wörterbuch (Halle, 1883; im Folgenden Klv). O. Aleknavičienė zufolge veranlassten R und die erwähnte litauische Grammatik des Sohnes Ruigys K. G. Milkus, eine überarbeitete und erweiterte Ausgabe von R vorzubereiten10 – M (Aleknavičienė 2024: 13–14). Dass K. G. Milkus R benutzte, zeigt der Titel seines Wörterbuchs: Littauisch–Deutsches und Deutsch–Littauisches Wörter=Buch, worinn das vom Pfarrer Ruhig zu Walterkehmen ehemals heraus gegebene zwar zum Grunde gelegt. G. H. F. Nesselmann führte im Vorwort zu seinem Wörterbuch die Quellen an, deren Material er verwendete; dazu zählt auch das Wörterbuch von Ruigys (N V). Friedrich Kurschat stützte sich bei der Erstellung von Kvl und Klv vermutlich nicht unmittelbar auf R, sondern verwendete handschriftliche Wörterbücher (Triškaitė 2011: 40, 44) sowie M und N (Drotvinas 2006: 33); aus letzteren könnte er die R-Begriffe übernommen haben. gramatines nuorodas (Zubaitienė 2010a: 300), Jono Šulco Ezopo pasakėčios (1706), iš kurių galbūt imti šnekamosios kalbos pavyzdžiai (Zubaitienė 2010a: 300–301). 9 Plačiau žr. Lemeškin 2013: 269–279. 10 Kaip K. G. Milkus keitė R medžiagą, žr. Zubaitienė 2003: 127–178. 4 BUCHSTABE In Rvl ist das deutsche Stichwort Buchstabe „Buchstabe“11 aufgenommen (in den Grammatiken des 17.–18. Jahrhunderts und später, bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, wurde der Buchstabe nicht vom Laut unterschieden), und es werden vier litauische Entsprechungen angegeben: skaitytinė, rašytinė, raštelis, raštas (siehe Abb. 1). Abbildung 1. Rvl 87: Buchftabe litauische Entsprechungen Skaitytinė, Raßytinė, Raßtėlis, Ráßtas; LMAVB RSS: LK–18/10 Die Liste ergänzt das Stichwort Rlv Schreibzeichen; somit gab es insgesamt fünf Termini mit der Bedeutung „Buchstabe“ (ihre Bedeutungen und Formen siehe Aleknavičienė 2024: 731, 691)12, vgl.: Rvl 87: Buchftabe. Lesebuchstabe, ê̇s, f. Schreibbuchstabe, ê̇s, f. Schriftchen, élio, m. Matt. V. 18. Schrift, to, m. Rom. II. 29. Rlv 118: Schreibzeichen élio, m. ein Buchftabe. Der Terminus für die Bezeichnung des Buchstabens wurde in W und die deutsch-litauischen Wörterbücher des 17.–18. Jahrhunderts aufgenommen – die handschriftlichen Lex, C, Q, B, P13 und H. Das deutsche Buchstabe hatte in den deutsch-litauischen Wörterbüchern zwei litauische Entsprechungen – skaitytinė und raštelis, vgl.: W 83: Buchstaben. litera, gramma, elementa, character. Hvl 165: Buchftabe Skaitytinė, Raßtelis. Lex 20a: Buchftabe Skaitytinė. C I 405: Buchftabe. Lesebuchstabe, ê̇s. F. Q 105: Buchftabe Lesebuchstabe. B 301: Buchftab Lesebuchstabe Lev 19,28 Matth 5,18. P 47v: Buchftabe Lesebuchstabe. Auch in SD 1677 ist ein Wort zur Bezeichnung des Buchstabens angegeben: Litera, czcionká Litera. Litera SD 1677 109, doch das lateinische litera nahm Ruigys anstelle des angegebenen litauischen Äquivalents nicht in sein Wörterbuch auf. 11 R enthält auch das Verb buchftabiren, Bokßtabéróju, Raßytines fudemi Rvl 87, das zuvor in W belegt war: Buchftabieren. coordinare literas & syllabas W 83; in B hat es keine Übersetzung: [Buchftab]biren B 301. In anderen Quellen kam dieses Verb nicht vor. 12 A. Balašaitis verzeichnete aus R nur drei Wörter mit der Bedeutung „Buchstabe“: skaitytinė, rašytinė, raštinėlis (Balašaitis 1961: 40). 13 Für die Daten aus dem Prager Wörterbuch danke ich Dr. Birutė Triškaitė herzlich. 5 Lesebuchstabe Der von Ruigys für Rvl als erster der Entsprechungen zu dt. Buchstabe angegebene Terminus Lesebuchstabe (siehe Abschnitt „Buchstabe“) erscheint auch als Lemma in Rlv und wurde außerdem zur Erklärung des Wortes silbė „Silbe“14 verwendet, vgl.: Rvl 87: Buchftabe, Lesezeichen, ês, f. Rlv 131: Lesezeichen, ês, f. der Buchftabe. Rvl 347: Silbe, Sillbė, ês, f. Lesezeichen, die jeweils in einem Zug ausgesprochen werden. Der Terminus Lesebuchstabe ist seit den ersten litauischen Schriften bekannt: Er wurde in Mažvydas’ Katechismus verwendet (Balašaitis 1961: 39), in Baltramiejus Vilentas’ Evangelien und Episteln, Simonas Vaišŏnoras’ Margarita Teologiška sowie Jokūbas Morkūnas’ Postille15. Wie erwähnt, wurde er in Hvl und in handschriftliche deutsch-litauische Wörterbücher des 17.–18. Jahrhunderts als Entsprechung zu dt. Buchftabe aufgenommen (siehe Abschnitt „Buchstabe“); in Hlv steht er außerdem als Lemma, vgl.: Skaitytine, ês ein Buchftabe Hlv 116. Lesebuchstabe findet sich auch in B 1735, doch Ruigys vermerkte bei diesem Wort keine Verweise auf die Bibel. In SD 1677 hatte skaitytinė eine andere Bedeutung – „Lesen“ statt „Buchstabe“: Czytánie, Lectio. Skaytimas, skaitytine SD 1677 31. Der Terminus Lesebuchstabe wurde auch in die Wörterbücher des 19. Jahrhunderts M, N und K übernommen: als litauische Entsprechung des deutschen Terminus in die deutsch-litauischen und als Lemma in die litauisch-deutschen Teile, vgl.: Mvl 114: Buchftabe, Lesezeichen, ês, f. Raßytinė, ês, Raßbėlis, élio, m. Matt. V, 18. Ráb tas, to, m. Rom. II, 29. Mlv 240: Lesezeichen, nės, f. der Buchftabe, nicht sehr verständlich. N 474: Lesezeichen, ês, f. ein Schriftzeichen, ein Buchftabe Plur. Lesezeichen, das Alphabet. Kvl I 267: Buchstabe, der, jetzt gew.: búkß taws. sonst auch: raßytiné. skaitytiné. balßo žymélé. Klv 376: ſkaitytiné, -ės Subst. f. der Buchstabe; bibl. sonst, jetzt búkßtawas. Wie zu sehen ist, kennzeichnete K. G. Milkus dieses Wort als wenig verständlich, F. Kuršaitis hingegen als biblisch. Letzterer führte auch den damals für „Buchstabe“ verwendeten Terminus an: „jetzt búkßtawas“, „jetzt gew.: búkßtaws“; vgl. auch seine Belegbeispiele: didėlis búkßtaws, mažas búkßtaws Kvl I 267; βwininei (od. lietiniei) búkßtawai Kvl II 25. Somit begann der Terminus Lesebuchstabe im 19. Jahrhundert aus dem Gebrauch zu verschwinden. In N ist er noch aufgenommen; F. Kuršaitis schlug jedoch als damals gebräuchliche litauische Entsprechung zu dt. Buchstabe das Wort búkßtawas. 14 Skaitytinė R turėjo ir „natos“ reikšmę (Aleknavičienė 2024: 731): Note, Žymėlė giedama, žáidžema: Skaitytine giedamoji Rvl 269. 15 Žr. LKŽ. 6 Schriftzeichen Der Terminus rašytinė „Buchstabe“ wird von Ruhig als Entsprechung des deutschen Buchstabe angegeben; er erscheint bei der Erklärung des Verbs buchstabieren und ist in das Register von Rlv aufgenommen, vgl.: Rvl 87: Buchſtabe [...] Raſytinė, ės, f. Rvl 87: buchſtabiren, Bokßtabėróju, Raſytines ſudemi. Rlv 118: Raſtinėlis ėlio, m. eine Buchſtabe. Raſytinė, ės, f. idem. A. Balašaitis zufolge bildete Ruhig rašytinė analog zum Wort skaitytinė (Balašaitis 1961: 40). In früheren Arbeiten war das Wort nicht belegt; in spätere Wörterbücher wurde es sowohl als Entsprechung eines deutschen Wortes als auch als Stichwort aufgenommen (mit Ausnahme von Klv), vgl.: Mvl 114: Buchſtabe [...] Raſytinė, ės, f. Mlv 218: Raſtinėlis, lio, m. Raſytinė, nės, f. der Buchſtabe, nicht sehr bekannt. N 429: Raszytinne, ės, f. ein Buchſtabe. Kvl I 267: Buchstabe, der, jetzt gew.: búkßṭaws. sonst auch: raſýtinė. skaitytinė. bálfo žymėlė. Mlv fügt jedoch die Bemerkung hinzu, dass es sich um ein wenig bekanntes Wort handelt; unklar ist allerdings, ob sie sich auf beide litauischen Wörter raštinėlis und rašytinė oder nur auf eines von ihnen bezieht. In Kvl wird rašytinė als eine von vier Entsprechungen des deutschen Buchstabe angegeben; Klv wurde jedoch nicht in das Register der Stichwörter aufgenommen. Zur Bezeichnung eines Buchstabens gibt es den Terminus būkštavas: búkβtawas, –o, Subst. m. der Buchstabe, (dtsch.) Klv 63. Schriftzeichen Ruigys führte den Terminus raštelis als eines von vier litauischen Äquivalenten für dt. Buchstabe an16; in Rlv kommt dieses Wort nicht vor, vgl.: Rvl 87: Buchſtabe [...] Raſtėlis, ėlio m. Matt. V. 18. A. Balašaitis erfasste bei seiner Untersuchung sprachwissenschaftlicher Termini die ersten Belege für deren Gebrauch; das Wort raštelis ‚Buchstabe‘ fand er bei H; weitere Autoren, die es verwendeten, darunter auch Ruigys, erwähnte er in seiner Untersuchung nicht mehr (Balašaitis 1961: 40). Gita Kazlauskaitė ordnete diesen Terminus den Arbeiten von K. G. Milkus, G. H. F. Nesselmann und Antanas Baranauskas zu (Kazlauskaitė 2002: 66). Wie ersichtlich, wurde er auch von Ruigys verwendet (siehe auch Aleknavičienė 2024: 691). Beim Terminus raštelis ‚Buchstabe‘ vermerkte Ruigys die Quelle – Mt 5,18. Ein Vergleich der deutschen Bibel mit B 1735, das Ruigys benutzte, zeigt, dass dt. Buchstabe17 in B 1735 raštelis entspricht, vgl.: 16 R raštelis hatte außerdem die Bedeutungen ‚diakritisches Zeichen‘ (siehe den Unterabschnitt „Schriftzeichen“) und ‚Schriftart‘ (Aleknavičienė 2024: 691). 7 Mt 5,18 NT 1727 15: Denn ich sage euch warlich, || Biß daß Himmel und Erde zer=||gehe, wird nicht zergehen der || kleineste Buchstabe, noch ein || Tittel vom Gesetze, biß daß es alles geschehe. B 1735 6: Nėfa iß tiefôs ſakau jums: || ik* dangus ir žéme ſugaiß, ne || ſugaiß nei mažáufas raßtélis, || arba ney wien’s žodélis žóka=||lno, ikk’ wiff’ iſſipildis. Der Terminus raštelis ‚Buchstabe‘ findet sich auch bei H: als eines der litauischen Äquivalente von dt. Buchstabe in Hvl sowie als Stichwort in Hlv. F. W. Haack könnte dieses Wort aus NT 1727 übernommen haben, an dessen Erstellung er selbst maßgeblich mitwirkte (Zubaitienė 2010a: 58); einen Bibelverweis hatte er jedoch nicht angegeben, vgl.: Hvl 165: Buchftabe Skaitytine, Raßtelis. Hlv 110: Raßtelis, lio ein Buchftabe I d. g. m. Mt 5,18 NT 1727 15: Nėfa iß tiefôs ſakau || jums: Ik Dangus ir Žéme || ſugaiß, ne ſugaiß ney ma=||žáufas Raßtelis, arba ney || wien’s Žodélis žokano, ikk’ || wiff’ iſſipildis. In früheren ostpreußischen Wörterbüchern ist dieser Terminus nicht belegt, in spätere Wörterbücher wurde er jedoch aufgenommen. K. G. Milkus nahm ihn in den Artikel „Buchstabe“ des Mvl auf (im Mlv fehlte er), und in N ist er als Stichwort (mit fünf Synonymen) aufgeführt, vgl.: Mvl 114: Buchftabe [...] das Schriftzeichen, -s, m. Matt. V, 18. N 429: Rasztélis, io, m. Rasztátis, czio, m. Rasztužis, io, m. Rasztinė, ės, f. ein Buchstabe; eine Stickerei. Rasztinélis, io, m. daff. Rasztinélė, ės, f. daff. Dim. Schrift, Buchftabe, Stikkerei. Schrift Das vierte Äquivalent von Rvl dt. Buchstabe ist raštas (bei A. Balašaitis nicht belegt, vgl. Balašaitis 1961: 40). Dieser Terminus hat nur in Rvl die Bedeutung „Buchstabe“, vgl.:18 Rvl 87: Buchftabe [...] Raßtas, to, m. Rom. II. 29. An der von Ruigys angegebenen Stelle, d. h. im Römerbrief 2,29, steht im NT 1727 dt. Buchstaben (V littera); es entspricht B 1735 raštą, vgl.: 17 In der Vulgata (im Folgenden – V) steht an dieser Stelle jota „der neunte Buchstabe des griechischen Alphabets“, vgl. Mt 5,18: „Amen quippe dico vobis, donec transeat cælum et terra, jota unum aut unus apex non præteribit a lege, donec omnia fiant.“ 18 R raštas hat auch andere Bedeutungen: „Schreiben; Heilige Schrift; Dokument; Ornament“ (Aleknavičienė 2024: 691). 8 Rom 2,29 NT 1727, 625: Sondern das ist ein Ju=||de, der inwendig verborgen ist; || und die Beschneidung des Her=||tzens ist eine Beschneidung die || im Geist und nicht im Buchsta=||ben geschicht; welches Lob ist || nicht aus Menschen sondern aus Gott. V: sed qui in abscondito Judaeus est, et circumcisio cordis in spiritu non littera, cuius laus non ex hominibus sed ex Deo est. B 1735, 214: Bet tas 3ydas yra, kurſai || widduje paſlėptas eſti, ir ßir=||diês appipjauſtimas, kurſai dwáſėje, o ne || raßte nufiduſt; kurro garbe || ne eſti iß 3monû, bet iß Diewo. Tad vok. Buchstabe atitikmenį raštas Ruigys veikiausiai įtraukė į R remdamasis B 1735. Juo labiau kad nei H, nei ankstesniuose rankraštiniuose žodynuose tokia šio žodžio reikšmė nebuvo nurodyta. Tik B duoti keli iliustraciniai žodžių junginiai, kuriuose vok. Buchstabe atitikmuo yra raštas, plg.: B 301: Buchſtab verguldet Slatitas Raßtas. B 377: Ebreiſcher Buchſtaben 3ydißkas Raßtas Luc. 23,38. Wie erwähnt, wurde der gesamte Rvl-Artikel „Buchstabe“ in Mvl übernommen und dieselben Äquivalente mit Verweisen auf dieselben Bibelverse angegeben, vgl.: Mvl 114: Buchſtabe [...] Raßtas, to, m. Rom. II, 29. Das Lemma raštas in Mlv hat kein deutsches Äquivalent Buchstabe, obwohl das Beispiel Ne moka Raß tus, er kann nicht ſchreiben den Eindruck erwecken könnte, dass es die Bedeutung „Buchstabe“ hat, vgl.: Mlv 218: Ráßtas, to, m die Schrift, das ausgenähte Bluhmwerk. Ne moka Raß tus, er kann nicht ſchreiben. Auch bei N gibt es zum Lemma raštas kein deutsches Äquivalent Buchstabe, doch ist auch hier das Beispiel aus Mlv eingefügt (nur die Wortstellung wurde geändert), das darauf hindeuten könnte, dass es die Bedeutung „Buchstabe“ hat, vgl.: Rásztus ne moka, er kann nich ſchreiben N 429. Das litauische Äquivalent raštas zum deutschen Buchstabe fehlt in Kvl (vgl. Kvl I 267); auch für die Bedeutung „Buchstabe“ des Lemmas raštas in Klv gibt es keinen Beleg (vgl. Klv 346). Somit war die Bedeutung „Buchstabe“ des von Ruigys aus der Bibel übernommenen Wortes raštas im 19. Jahrhundert nicht mehr gebräuchlich. Schriftchen Neben den vier besprochenen litauischen Entsprechungen für Rvl dt. Buchstabe gibt Rlv noch ein Wort mit der Bedeutung „Buchstabe“ an – raštinėlis (Aleknavičienė 2024: 691; siehe Abb. 2); in Rvl kommt es nicht vor, vgl.: Rlv 118: Raßtinélis élio, m. eine Buchſtabe. 9 Raštinelís elio, m. eine Buch- Abbildung 2. Rlv 118: Raštinėlis „Buchstabe“; LMAVB RSS: LK–18/10 In früheren Wörterbüchern ist dieser Terminus nicht belegt; A. Balašaitis zufolge wurde er von Ruhig selbst geprägt (Balašaitis 1961: 40). Raštinėlis wurde in Mlv in das Register der Stichwörter aufgenommen. Am Ende des Artikels wird vermerkt, dass das Wort wenig bekannt sei; unklar ist jedoch, ob sich die Anmerkung auf beide Wörter raštinėlis und rašytinė oder nur auf eines davon bezieht (in Mvl fehlt es beim dt. Buchstabe, ebenso wie in R), vgl.: Mlv 218: Raßtinélis, lio, m. Raßytinė, nės, f. der Buchftabe, nicht fehr bekannt. G. H. F. Nesselmann, der die meisten Wörter zur Bezeichnung des Buchstabens anführt, nahm raštinėlį ebenfalls in R und M auf; F. Kurschat übernahm es dagegen nicht in K, ebenso wenig wie die in R mit der Bedeutung „Buchstabe“ versehenen Wörter raštas, raš telis, vgl.: N 429: Rasztinė, ės, f. ein Buchftabe; eine Stikerei. Rasztinélis19, io, m. daff. Zusammenfassung Zur Bezeichnung des Buchstabens wurden die Quellen R – W, H und handschriftliche deutsch-litauische Wörterbücher des 17.–18. Jahrhunderts – herangezogen. In R sind fünf litauische Wörter zur Bezeichnung des Buchstabens belegt: skaitytinė, rašytinė, raštas, raštelis, raštinėlis. Die ersten vier (skaitytinė, rašytinė, raštas, raštelis) sind in Rvl als Entsprechungen des deutschen Buchstabe angegeben; mit Ausnahme von raštelis sind sie auch in das Verzeichnis Rlv aufgenommen; raštinėlis findet sich nur in Rlv. Skaitytinė, raštelis und raštas weisen Bezüge zu früheren litauischen Schriften auf: skaitytinė und raštelis finden sich in H; raštelis und raštas verweisen auf B 1735 (siehe Tabelle 1). Rašytinė und raštinėlis sind in früheren Texten nicht belegt und wurden wahrscheinlich von Ruigys selbst geprägt. Tabelle 1. Verwendung der in R für „Buchstabe“ stehenden Termini in früheren Werken H | Lex | C | Q | B | P | B 1735 rašytinė | – | – | – | – | – | – | – raštas | – | – | – | – | – | – | + raštelis | + | – | – | – | – | – | + 19 Die Endung –ėl- [ė] ist in N mit <ė> bezeichnet, vgl.: Abrufėlis R 3 – Abrusėlis N 2, Akmenėlis R 4 – Akmenėlis N 3, Apokėlis R 7 – Apokėlis N 8, Awinėlis R 11 – Awinėlis N 12. 10 H Lex C Q B P B 1735 raštinėlis - - - - - - skaitytinė + + + + + + K. G. Milkus übernahm aus R. alle Termini für „Buchstabe“. Skaitytinė, rašytinė und raštas sind wie bei R in Mvl als Entsprechungen des deutschen Buchstabe angegeben und stehen in Mlv als Stichwörter. Raštelis ist in M lediglich eine der Entsprechungen des deutschen Buchstabe, während raštinėlis nur als Stichwort in Mlv aufgenommen ist. Alle besprochenen Termini wurden auch in N übernommen. In K findet sich lediglich skaitytinė (in Kvl als Entsprechung des deutschen Buchstabe und in Klv als Stichwort); rašytinė steht nur in Kvl (siehe Tabelle 2). F. Kurschat gab als wichtigste Entsprechung des deutschen Buchstabe būkštavaas an. Die Untersuchungen von G. Kazlauskaitė zeigen, dass im 19. Jahrhundert in den Fibelbüchern Ostpreußens nur skaitytinė und rašytinė verwendet wurden (Kazlauskaitė 2002: 66). Vincentas Drotvinas zufolge widmete F. Kurschat in seinem Wörterbuch der Umgangssprache besondere Aufmerksamkeit (Drotvinas 2006: 32–33). Wahrscheinlich nahm F. Kurschat die Termini aus R nicht mehr in sein Wörterbuch auf, weil sie zu jener Zeit nicht mehr verwendet wurden. Tabelle 2. Die in R für „Buchstabe“ stehenden Termini in Wörterbüchern des 19. Jahrhunderts Mvl Mlv N Kvl Klv rašytinė + [+] + + - Schrift + - - - - Schriftchen + - + - - Schriftlein - [+] + - - Leseschrift + [+] + + [+] Anmerkung: [+] zeigt an, dass der Terminus aufgenommen, aber als veraltet, biblisch oder nicht ganz eindeutig gekennzeichnet ist. ZIFFER Rvl gibt die deutschen Entsprechungen Zahl und Ziffer rokuotinė, suskaitytinė „Ziffer“ (Aleknavičienė 2024: 705, 786; siehe Abb. 3; die Ziffer wurde nicht von der Zahl unterschieden), in einem Teil von Rlv fehlen sie, vgl.: Rvl 413: Ziffer, f. Zahl, Rokótinė, ê, f. Sufkaitytinė, ê, f. Ziffer, die Nulle, Nullè, lês, f. Rvl 408: Zahl, beim Schreiben, Rokótinė, nês, f. Abbildung 3. Rvl 413: Ziffer und Zahl litauische Entsprechungen Rokótinė, Sufkaitytinė; LMAVB RSS: LK–18/10 11 Das deutsche Zahl und Ziffer für „Ziffer“ findet sich sowohl bei W und H als auch in handschriftlichen Wörterbüchern; das Wort mit der Bedeutung „Zahlzeichen“ wurde auch in SD 1677 aufgenommen, vgl.: W 500: Zahl. numerus. W 508: Ziffer. numerus, nota numeri. Hvl 227: Zahl Skaitlus. Lex 108a: Zahl Skaitlus, C₃iene, Skaic₃zus Lex 109a: Zиеffer. Skaitlus. C II 1027: Zahl. Skaitlus, aus. M. C₃iene, és. F. [...] Skaic₃zus, aus. M. C II 1052: Ziffer. Skaitlus, aus. M. Q 633: Zahl Skaitlus. Skaiczus. C₃iene. SD 1677 108: Liczbá, Numerus (i. m.) Skayčius Wie zu sehen ist, übernahm Ruigys nicht die in H und den handschriftlichen Wörterbüchern angegebenen Entsprechungen für Zahl und Ziffer, skaitlius, skaičius. Die Wörter rokuotinė und suskaitýtinė in R waren in früheren Schriften nicht belegt und könnten vermutlich von Ruigys selbst geprägt worden sein (vgl. die Wörter skaitytinė, rašytinė). M führt wie R rokuotinė und suskaitýtinė nur als Entsprechungen deutscher Wörter auf, vgl.: Mv1 557: Ziffer, f. Zahl, Rokótinė, és, f. Sufkaitytinė, és, f. Mv1 550: Zahl, im Schreiben, Rokótinė, nês, f. G. H. F. Nesselmann nahm den Terminus rokuotinė als Lemma in sein Wörterbuch auf; suskaitýtinės findet sich bei N nicht20, vgl.: N 446: Rokótine, és, f. die geschriebene Zahl, die Ziffer. K ist ebenfalls nur ein R- und MZählwort – Kvl als Entsprechung des dt. Zahl und Ziffer; außerdem findet sich die Anmerkung, dass es sich um ein früher gebräuchliches Wort handelt, Klv als Stichwort (siehe Tabelle 3), vgl.:21 Klv 358: rokútinė, -ės, Subst. f. alt für das jetzt gewöhnliche cólis, die Zahl. Kvl II 365: Zahl, die, 1) Anzahl, Įkaitlius. [...] 2) Zahlzeichen, cólis, io. früher: rokútinė. Kvl II 372: Ziffer, die, cólis, io, früher: rokútinė. 20 Die Bedeutung ‚Ziffer‘ haben auch weitere Wörter: Suskaitinė, ės, f. die Ziffer, die Zahl; Skaitytinė, ės, f. ein Schriftzeichen; Skaiczus, aus, m. die Zahl, Anzahl; Skaitlus, aus, m. die Zahl, Anzahl N 474. 21 Skaitmens reikšmę K turi: [ſkaičius, -iaus, Subst. m. die Zahl, Anzahl, Rechnung. Szyrwid.] Klv 375; [ſkaitlius, -iaus, Subst. masc. die Zahl, Anzahl. Klv 376; [ſufkaitinė, -ės, Subst. f. die Ziffer, Zahl.] Klv 415. 12 Tabelle 3. Wörter mit der Bedeutung „Ziffer“ in Wörterbüchern des 19. Jahrhunderts Mvl | Mlv | N | Kvl | Klv; rokuotinė | + | - | + | + | +; suskaitytinė | + | - | - | - | - DIKRITISCHES ZEICHEN Ruigys nahm in Rvl Wörter auf, die sowohl die Bedeutung „Punkt – Satzzeichen“ als auch „diakritisches Zeichen“ haben. Die deutschen Wörter Dipfel, Tipfel22, die beide Bedeutungen haben, werden in R mit dem Wort žymelė wiedergegeben; die deutschen Wörter Tütel, Pünktlein23 mit drei Wörtern: raštelis, raištelis, žymelė (siehe Abb. 4); das deutsche Wort Punkt – žymelė sowie spakėlis (alle Bedeutungen und Formen siehe Aleknavičienė 2024: 687, 691, 936), vgl.: Rvl 101: Dipfel, Tipfel, Zeichen, es, f. Rvl 358: Tütel, Pünktlein, Schriftzeichen, es, m. Luc. XVI. 17. Raištėlis, ėlio, m. Matth. V. 18. Zeichen, es, f. Rvl 283: Punct, Zeichen, es, f. Spakielis, ėlio, m. Abbildung 4. Rvl 358: Tütel, Pünktlein litauische Entsprechungen Raštėlis, Raištėlis, Žymėlė; LMAVB RSS: LK–18/10 Zur Bezeichnung von „Punkt – Satzzeichen“ (lat. punctum) und „diakritischem Zeichen“ (lat. apex) dienten bereits W und SD 1677, vgl.: W 314: Punct. punctum, apex, centrum. SD 1677 93: Kropka piłarská, Apex (icis.), punctum. Taſzkielis, rašitoiu taſzkas. 22 Plg. Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/25. Prieiga internete: https://woerterbuchnetz.de/?sigle=DWB&lemid=D02652, https://woerterbuchnetz.de/?sigle=DWB&lemid=T04578. 23 Vgl. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Online verfügbar unter: https://www.dwds.de/wb/etymwb/T%C3%BCtel#wb-2. 13 Die deutschen Wörter Punkt, Pünktlein wurden auch in handschriftliche Wörterbücher des 17.–18. Jahrhunderts aufgenommen. In C bedeutet das deutsche Wort Punkt vermutlich ebenfalls sowohl „diakritisches Zeichen“ als auch „Punkt – Satzzeichen“. Die Bedeutung der in B und P aufgenommenen deutschen Wörter Punkt und Pünktlein ist nicht näher bestimmt, vgl.: C II 248: Punct. Žimele, ês, f. Κεραία, Apex. B 988: Punct Sȝlakas B 988: Pünctlein. Spakkelis P 202v: Punct Schriftzeichen Rvl ist zur deutschen Entsprechung Tütel, Pünktlein der Verweis raštelis „Schriftzeichen“ hinzugefügt; dazu kommt ein Verweis auf die Bibel – Lk 16,17. Derselbe Verweis findet sich auch in C, doch dort sind andere deutsche Entsprechungen für Tütel angegeben – piešėlis (pėšelis), brūkšmelis „kleiner Strich, Strichelchen“, vgl.: Rvl 358: Tȕtel, Pȕnktlein, Raƀtélis, élio, m. Luc. XVI. 17. C II 611: Tȕttel. Pėƀélis, iô. M. (mažaufis Brukƀmelis. [...] Pygėft yra jog Dangus ir Žėme praeit, neng wiens Pėƀélis | Brukƀmelis: | Ȝokano prapultu [...] Luc. 16. 17. Beim Vergleich der deutschen und litauischen Varianten von Lk 16,17 zeigt sich, dass das deutsche NT von 1727 Titel24 (V lat. apex) dem B 1735 Schriftzeichen entspricht; das Wort wurde also von Ruhig aus B 1735 übernommen. V hilft, die Bedeutung näher zu bestimmen – „diakritisches Zeichen“, vgl.: Lk 16,17 NT 1727 322: Es ift aber leichter, daß || Himmel und Erde vergehen, || denn daß ein Tittel vom Ge=||feȝ falle. B 1735 110: Bet piggiaus yra, kad dan=||gus ir žėme fugaißtu, kaip kad || wie’n’s raƀtélis ȝókone pra=||pultu. V: Facilius est autem caelum et terram praeterire, quam de Lege unum apicem cadere. H raštelis hat nur die Bedeutung „Buchstabe“ (siehe den Unterabschnitt „Schriftzeichen“); in den handschriftlichen Wörterbüchern kam dieses Wort nicht vor. Der gesamte Artikel „Tütel, Pünktlein“ aus R wurde nur in Mv1 übernommen; in den übrigen Wörterbüchern fehlt er, vgl.: Mv1 479: Tȕtel, Pȕnktlein, Raƀtélis, élio, m. Luc. XVI, 17. Raiƀtélis, élio, m. Matt. V, 18. Žýmėlė, lês, f. Schriftzeichen Das Gegenstück zu R Tütel, Pünktlein raštelis verweist ebenfalls auf die Bibel – Mt 5,18, vgl.: 24 LB yra tütel, plg. Lk 16,17: Es ift aber leichter das Himel und Erden vergehen, denn das ein tütel am Geſetz falle. 14 Rvl 358: Tūtel, Půnktlein [...] Raißtélis, élio, m. Matth. V. 18. In B 1735 (und NT 1727) gibt es jedoch in Mt 5,18 kein raištelis: NT 1727 entspricht deutsch Tittel25 in B 1735 dem Wörtchen; die Bedeutung von raištelio lässt sich anhand des lateinischen V apex „diakritisches Zeichen“ bestimmen, vgl.: Mt 5,18 NT 1727, 15 Denn ich sage euch warlich, || Biß daß Himmel und Erde zer=||gehe, wird nicht zugehen der || kleineste Buchstabe, noch ein || Tittel vom Gesetze, biß daß es || alles geschehe. B 1735: Nēfa iš tiefôs fakau jums: || ik* dangus ir žémę šugaiß, ne || šugaiß nei mažáufas raßtélis, || arba ney wien’s žodélis žóka=||no, ikk’ wiff’ ißfipildis. V: Amen quippe dico vobis: Donec transeat caelum et terra, iota unum aut unus apex non praeteribit a Lege, donec omnia fiant. In keinem der früheren Wörterbücher hat das Wort raištelis die Bedeutung „diakritisches Zeichen“. Vielleicht könnte raištelis ein Druckfehler sein (d. h. *raštelis), doch das ist wenig wahrscheinlich, da beide Wörter, raštelis und raištelis, in Rvl im selben Artikel „Tūtel, Pünktlein“ unmittelbar nebeneinander stehen (siehe Abschnitt „Diakritisches Zeichen“, Abb. 4). Man kann nur vorsichtig vermuten, dass Ruigys sich raištelis aus der gemeinsamen Übersetzung von NT 1727 und B 1735 eingeprägt hatte und deshalb ein Bibelverweis hinzugefügt wurde. Wie erwähnt, wurde der gesamte Rvl-Artikel „Tūtel, Pünktlein“ in Mvl übernommen, einschließlich raištelis (siehe Unterabschnitt „Schriftzeichen“). Es gelangte auch in N: Es wurde nach dem Wort raištas eingetragen und hat die Bedeutung „Pünktchen“, vgl.: N 432: Raisztas, o, m. ein Kreis. [...] Raisztélis, io, m. Dim. ein Kreischen, Pünktchen. Klv enthält lediglich raištas ([raißtas, -o, Subst. m. ein Kreis.] Klv 342), nicht aber raištelis. Pünktchen Das Wort Pünktchen26 wird in R als Synonym der Wörter Zettelchen und Bändchen angegeben, die „diakritisches Zeichen“ bedeuten, und als Äquivalent der deutschen Wörter Dipfel, Tipfel, Punkt, die sowohl „diakritisches Zeichen“ als auch „Punkt – Satzzeichen“ bedeuten können; vgl.: Rvl 358: Tüpfel, Pünktlein, Zettelchen, -chens, n. Luc. XVI. 17. Bändchen, -chens, n. Matth. V. 18. Pünktchen, -chens, f. Rvl 101: Dipfel, Tipfel, Pünktchen, -chens, f. Rvl 283: Punkt, Pünktchen, -chens, f. Spakiélis, -is, m. 25 LB yra Tūtel, plg. Mt 5,18: Denn ich sage euch warlich, Bis das Himel und Erde zergehe, wird nicht zugehen der kleinest Buchstab, noch ein Tūtel vom Gefetze, bis das es alles geschege. 26 In R bedeutet Pünktchen nicht nur „diakritisches Zeichen“ und „Punkt – Satzzeichen“, sondern auch „Zeichen“ und „Note“ (Aleknavičienė 2024: 936). 15 Wie bereits erwähnt, ist C Pünktchen das Äquivalent des deutschen Wortes Punkt und bedeutet „diakritisches Zeichen“ (gr. Κεραία, lat. apex); auch das deutsche Wort Punkt in W hatte diese Bedeutung. Das Wort Pünktchen wurde in der Bedeutung „diakritisches Zeichen“ in der Ausgabe des Neuen Testaments von Samuel Bitner (Königsberg, 1701; im Folgenden BtNT) verwendet, Mt 5,18 – diese Bibelstelle hatte Ruigys bei einem anderen Wort mit derselben Bedeutung, Bändchen, angegeben (vgl. NT 1727 dt. Titel27, V lat. apex); vgl.: Mt 5,18 BtNT: Denn wahrlich, ich sage euch =: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht ein Jota noch ein Pünktchen vom Gesetz vergehen, bis alles erfüllt ist. Dennoch lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, dass Pünktchen aus dem BtNT übernommen worden sein könnte, da die Untersuchungen von V. Zubaitienė zeigen, dass Ruigys sich wahrscheinlich nicht darauf stützte (Zubaitienė 2010a: 196). Pünktchen wurde mit den R-Artikeln „Dipfel, Tipfel“, „Punkt“ und „Tütel, Pünktlein“ in M übernommen, vgl.: Mvl 132: Dipfel, Tipfel, Pünktchen, -chens, f. Mvl 378: Punkt, Pünktchen, -chens, f. Spakiélis, -is, m. Mvl 479: Tüpfel, Pünktlein, Zettelchen, -chens, n. Luc. XVI, 17. Bändchen, -chens, n. Matt. V, 18. Pünktchen, -chens, f. G. H. F. Nesselmann und F. Kurschat nahmen das Wort Pünktchen ebenfalls in ihre Wörterbücher auf, und zwar als Diminutiv des Wortes Zeichen, das „Zeichen, Symbol, Schriftzeichen“ bedeutete; seine Bedeutung „diakritisches Zeichen“ führten sie jedoch nicht mehr an, vgl.: N 546: Z’yme, ês, f. ein Zeichen, ein Kennzeichen, ein Charakter; eine Spur, eine Narbe; ein Schriftzeichen, eine Ziffer. Z’ymélé, ês, f. Dim. daß. Klv 522: žymė, -ės, Subst. fem. ein Merkzeichen; Demin. žymėlė, -ės, ein kleines Merkzeichen, ein Komma. Zusammenfassung Ruigys nahm Wörter, die „diakritisches Zeichen“ bedeuteten, in sein Wörterbuch auf. Die deutschen Stichwörter im Rvl-Register weisen Bezüge zu den Quellen auf, während die litauischen Entsprechungen anders lauten, mit Ausnahme von C Markierung. Der Bibelverweis deutet darauf hin, dass Schleifchen aus B 1735 übernommen worden sein könnte (siehe Tabelle 4). Tabelle 4. Verwendung von Begriffen, die in R „diakritisches Zeichen“ bedeuteten, in früheren Werken H | Lex | C | Q | B | P | B 1735 Schleifchen | – | – | – | – | – | – 27 Vgl. LB Tütel. 16 H Lex C Q B P B 1735 Zettel − − − − − + Markierung − − + − − − Von den R-Begriffen zur Bezeichnung eines „diakritischen Zeichens“ nahm M. G. H. F. Nesselmann Zettel „Pünktchen“ („ein Kreischen, Pünktchen“) in sein Wörterbuch auf. F. Kursaitis nahm diese R-Begriffe nicht in sein Wörterbuch auf (siehe Tabelle 5). Tabelle 5. Begriffe, die in R „diakritisches Zeichen“ bedeuteten, in Wörterbüchern des 19. Jahrhunderts M N K Zettel + + − Zettel + − − Markierung + − − PUNKT Für die Bedeutung „Punkt“ hat R zwei Wörter: Zeichen und Spakelis. Zeichen Rlv duotas žodis žymė „taškui“ reikšti (Aleknavičienė 2024: 936)28, Rvl jo nebuvo, plg.: Rlv 192: Žymė, ės, f. eine Narbe, Maal der Wunde, 2. ein Comma oder Punkt der Schrift. Weder in früheren noch in späteren Wörterbüchern hatte Zeichen die Bedeutung „Punkt“. N Zeichen hat mehrere Bedeutungen, darunter „Schriftzeichen“, doch die Bedeutung „Punkt“ ist nicht eigens ausgewiesen, vgl.: N 546: Z’ymė, ės, f. ein Zeichen, ein Kennzeichen, ein Charakter; eine Spur, eine Narbe; ein Schriftzeichen, eine Ziffer. Spakelis Rvl dt. Punkt hat als eine seiner Entsprechungen Spakelis (in Rlv fehlt es). Zuvor ist Spakelis nur in B belegt, vgl.: Rvl 283: Punct, Žymėlė, ės, f. Spakiélis, élio, m. B 988: Pünctlein. Spakkelis. In M wurde der gesamte deutsche Artikel zu „Punkt“ aus R übernommen, also auch Spakelis. In N wird Spakelis als Diminutiv nur beim Wort spakas „Punkt“ erwähnt. „Punkt“ wird in N und K mit anderen Wörtern bezeichnet: N spakas, spuogis, K spuogelis, punktas (angegeben sind auch die „unklaren“ spakas, spuogas, taškas), vgl.: Spakas, o, m. ein Tropfen; ein Pünctchen. Spakélis, io, m. Dim. daff. N 491; Spugis, io, m. 28 R žymė bedeutet auch „Punkt – Satzzeichen“, „Trennzeichen“ und „Narbe“ (Aleknavičienė 2024: 936). 17 (3’em.) ein Punct N 494; Punct, der, 1) ein kleines rundes Tüpfchen, [pogēlis. als Interpunctiozeichen, pùṅktas Kvl 116; [fpakas, -o, ein Tropfen, ein Pünktchen, s. v. a. fpógas.] Kvl 395; [taßkas, -o, Subst. m. der Tropfen, ein Punkt in der Schrift.] Kvl 450. Zusammenfassung Die „Punkt“-Bedeutung wurde durch die Wörter žymė und spakelis wiedergegeben, die in früheren Arbeiten nicht belegt sind, mit Ausnahme von B spakelį (siehe Tabelle 6). Tabelle 6. Verwendung der Termini, die in R „Punkt“ bedeuteten, in früheren Arbeiten H | Lex | C | Q | B | P; žymė | – | – | – | – | – | –; spakelis | – | – | – | – | + | – Das in R für „Punkt“ verwendete žymė wurde in kein späteres Wörterbuch aufgenommen; spakelis „Punkt“ wurde in M aufgenommen, während G. H. F. Nesselmann es nur im Artikel „Spakas“ aufführte. F. Kurschat nahm die in R zur Bezeichnung von „Punkt“ verwendeten Termini nicht in sein Wörterbuch auf (siehe Tabelle 7). Tabelle 7. Die in R „Punkt“ bedeutenden Termini in Wörterbüchern des 19. Jahrhunderts M | N | K; žymė | – | – | –; spakelis | + | + | – KOMMA Rvl gibt zwei Entsprechungen für das deutsche Komma „Komma“ an: tarpbrūkšnelis und skyrिमėlis (siehe Aleknavičienė 2024: 826, 736; siehe Abb. 5), vgl.: Rvl 92: Komma, Tarpbrukßnelis, élio, m. Skyrimélis, élio, m. Im Register von Rvl gibt es weitere Termini mit der Bedeutung „Komma“: tarpbrūkšnelis sowie zwei weitere, in Rvl nicht erwähnte Wörter: skyrinėlis und žymė (siehe Aleknavičienė 2024: 736, 936), vgl.: Rlv 157: Tarp Brukßnelis, élio, m. ein Comma. Rlv 133: Skyrinélis, élio, m. ein comma oder colon im Buche. Rlv 192: Žymė, ės, f. eine Narbe, Maal der Wunde, 2. ein Comma oder Punct der Schrift. 18 Abbildung 5. Rvl 92: deutsche Comma litauische Entsprechungen Tarpbrukšnelis, Skyrimėlis; LMAVB RSS: LK–18/10 Insgesamt gibt es in R also vier Termini für „Komma“: tarpbrūkšnelis, skyrimėlis, skyrinėlis und žymė. Das Wort für Komma wurde in W und auch in B aufgenommen (dargestellt ist auch die Form dieses Zeichens </>). Die deutschen Übersetzungsvarianten von Rvl für Komma stimmen mit B überein; in den übrigen Wörterbüchern kamen diese Wörter nicht vor, vgl.: W 96: Comma, ātis, 3. n. eine Distinction in dem Schreiben, sonsten Virgula genannt. B 314: Comma. Tarp-brukßnelis, Skirimelis. v. g. (/) Der Strich Der Terminus tarpbrūkšnelis für „Komma“ findet sich sowohl in Rvl als auch in Rlv; wie erwähnt, kam er auch in B vor (siehe Abschnitt „Komma“). A. Balašaitis hat festgestellt, dass Ruigys’ tarpbrūkšnelis und das im Folgenden besprochene skyrimėlis (siehe Unterabschnitt „Skyrimėlis“) nicht weiter verbreitet waren (Balašaitis 1961: 152), doch fanden sie Eingang in Wörterbücher des 19. Jahrhunderts. K. G. Milkus nahm tarpbrūkšnelis in beide Teile seines Wörterbuchs auf (in Mvl übernahm er den gesamten Artikel „Komma“), vgl.: Mvl 121: Comma, Tarpbrukßnelis, elio, m. Skyrimėlis, elio, m. Žymėlė, ės. f. Mlv 288: Tarpbrukßnelis, lio, m. ein Comma, ein Unter=ſcheidungszeichen. In N ist tarpbrūkšnelis zweimal aufgeführt: in den Abschnitten zu den Buchstaben „B“ und „T“; F. Kuršaitis nahm es in Klv auf, setzte es allerdings in eckige Klammern, die anzeigen, dass das Wort unklar ist, vgl.: N 91: Tarpbruksżnélis, io, m. ein Comma, Interpunktionszeichen. N 347: Tarpbruksżnélis, io, m ein Komma. Klv 449: [tarpbrūkßnelis, -io, Subst. masc. demin. ein Komma.] In Kvl werden weitere Termini für „Komma“ angeführt: Komma, das, kūma, brukėlis, io. Kvl 699. Komma Der Terminus skyrimėlis „Komma“ findet sich, wie erwähnt, nur in Rvl; zuvor hatte J. Brodovskis ihn in sein Wörterbuch aufgenommen (siehe Abschnitt „Komma“). Dieser Terminus wurde in Mvl (siehe Unterabschnitt „Bindestrich“; in Mlv fehlt er) und N übernommen; in Klv steht er wie tarpbrūkšnelis in eckigen Klammern als unklar, vgl.: 19 N 478: Skyrimėlis, io, m. Dim. daff. 3. B. das Komma. Klv 381: [ſkyrimėlis, -io demin. zu ſkýrimas, die Scheidung, Trennung, das Komma.] Kommal Den Terminus skyrinėlis, der „Komma“ und „Doppelpunkt“ bedeutete (siehe Abschnitt „Komma“, siehe Abb. 6), erwähnte A. Balašaitis in seiner Untersuchung nicht; V. Zubaitienė hielt ihn für einen Druckfehler (Zubaitienė 2010a: 261). Es erscheint durchaus wahrscheinlich, dass hier tatsächlich ein Satzfehler vorliegen könnte: Vielleicht wurde anstelle von Skyrimėlis Skyrinėlis gesetzt. Ruigys hatte Rvl schließlich zwei deutsche Entsprechungen für Komma gegeben – tarprūškėnelis und skyrimėlis; der erste wurde als Stichwort in Rlv aufgenommen, der zweite jedoch nicht, dafür findet sich dort skyrinėlis, das in Rvl nicht vorkam. Auch in den R-Quellen gibt es den Terminus skyrinėlis nicht. Andererseits könnte es sich aber auch um ein von Ruigys gebildetes Wort handeln, das mit skyrinys „Einteilung, Trennung“29 zusammenhängt (vgl. raštinėlis). Abbildung 6. Rlv 133: Skyrinėlis „Komma“, „Doppelpunkt“; LMAVB RSS: LK–18/10 K. G. Milkus nahm skyrinė­lį in sein Wörterbuch auf, allerdings mit dem Hinweis, dass das Wort unklar sei; in N und K findet sich dieser Terminus nicht, vgl.: Mlv 244: Skyrinėlis, lio, m. ein Comma, ein Unterscheidungs=Zeichen im Buch; nicht sehr verständlich. Zeichen Eine der Bedeutungen des Wortes žymė in Rlv ist „Komma“30 (siehe Aleknavičienė 2024: 936), während Rvl für das deutsche Wort Komma kein litauisches Äquivalent žymė angibt, vgl.: Rlv 192: Žymė, ės, f. eine Narbe, Maal der Wunde, 2. ein Comma oder Punct der Schrift. Auch in den Quellen zu R hatte das Wort žymė nicht die Bedeutung „Komma“. K. G. Milkus ergänzte den übernommenen Rvl-Artikel „Komma“ um das Synonym žymelė, nicht aber um žymė (siehe Unterabschnitt „Tarprūškėnelis“); Mlv gab die Bedeutung „Komma“ des Wortes žymė, die in Rvl belegt war, nicht mehr an, vgl.: Mvl 121: Komma, Tarprukßnėlis, elio, m. Skyrimėlis, elio, m. Bezeichnung, ės. f. Mlv 351: Bezeichnung, ės, f. eine Narbe, Mal der Wunde, Mal=Zeichen. 29 Siehe LKŽ. 30 In R bedeutet žymė auch „Punkt – Satzzeichen“, „Unterscheidungszeichen“ und „Narbe“ (Aleknavičienė 2024: 936). 20 N žymė hat mehrere Bedeutungen, darunter „Schriftzeichen“; die Bedeutung „Komma“ ist jedoch nicht gesondert aufgeführt. Auch Klv žymė bedeutet nicht „Komma“; diese Bedeutung hat der Diminutiv žymelė, wie bei M, vgl.: N 546:Z’ymė, ės, f. ein Zeichen, ein Kennzeichen, ein Charakter; eine Spur, eine Narbe; ein Schriftzeichen, eine Ziffer. Klv 522 Zeichen, -s, Subst. fem. ein Merkzeichen; Demin. Zeichenlein, -s, ein kleines Merkzeichen, ein Komma. Zusammenfassung In R sind Begriffe zur Bezeichnung des Kommas aufgenommen. Zwei davon – tarpbrūkšnelis, skyr imėlis – stehen in Verbindung mit B; die anderen sind in den Quellen nicht erwähnt und wurden wahrscheinlich von Ruigys selbst gebildet (skyrinėlis [sofern es sich nicht um einen Druckfehler handelt], žymė; siehe Tabelle 8). Tabelle 8. Verwendung der Wörter, die in R „Komma“ bedeuteten, in früheren Werken H | Lex | C | Q | B | P | tarpbrūkšnelis | - | - | - | - | + | - | skyr imėlis | - | - | - | - | + | - | skyrinėlis | - | - | - | - | - | - | žymė | - | - | - | - | - | - Die in R „Komma“ bedeutenden Termini tarpbrūkšnelis und skyr imėlis wurden in alle drei Wörterbücher des 19. Jahrhunderts übernommen, in K jedoch als unklar gekennzeichnet. skyrinėlis mit derselben Bedeutung wurde nur in M aufgenommen, während žymė in N und K nicht mehr die Bedeutung „Komma“ hat (nur žymelė) (siehe Tabelle 9). Tabelle 9. In R „Komma“ bedeutende Termini in Wörterbüchern des 19. Jahrhunderts (eckige Klammern zeigen an, dass das Wort dem Verfasser unklar oder unbekannt war) M | N | K | tarpbrūkšnelis | + | + | [+] | skyr imėlis | + | + | [+] | skyrinėlis | + | - | - | žymė | - | - | - DOPPELPUNKT Der Terminus skyrinėlis in R hat die Bedeutung „Doppelpunkt“ (und „Komma“)31 (Aleknavičienė 2024: 736, siehe 6.3), vgl.: Rlv 133: Trennzeichen, -s, m. ein Komma oder Kolon im Buch. 31 Skyrinėlis ist im LKŽₑ von R nur in der Bedeutung „Komma“ belegt. 21 In W und B sind auch Stichwörter aufgenommen, die den Doppelpunkt bezeichnen; in B gibt es jedoch keine litauische Entsprechung, sondern nur das Zeichen <:>, vgl.: W 94: Colon, colum. n. 2. zwei Puncta. B 314: colon v. g (:) Wie bereits erwähnt, wurde dieses Wort in M übernommen, ihm wird hier jedoch nicht die Bedeutung „Doppelpunkt“ zugewiesen (siehe den Unterabschnitt „Skyrinėlis“). In N und KŽ gibt es skyrinėlio nicht; der Doppelpunkt wird dort mit den Termini dvispuogis, dvillinkas punktas bezeichnet, vgl.: Dwispugis, io, m. ein Doppelpunct, das Kolon N 494; Doppelpunct, der, dwilinkas punktas Kvl 302; [dwifpugis, -io, Subst. m. ein Doppelpunct. Wohl eine Erfindung der Sprachlehrer.] Klv 103. SCHLUSSFOLGERUNGEN Im 17. und 18. Jahrhundert, als Grammatiken der litauischen Sprache in anderen Sprachen verfasst wurden, waren Wörterbücher die wichtigsten Werke, die eine litauische Terminologie schufen. Pilypas Ruigys nahm in sein 1747 veröffentlichtes litauisch-deutsches und deutsch-litauisches Wörterbuch litauische Termini für Schriftzeichen auf: sowohl Stichwörter als auch litauische Entsprechungen deutscher Termini. Der vergleichende Abgleich deutscher und lateinischer Termini, die in R, mehrsprachigen Wörterbüchern und der Bibel belegt sind, ermöglichte eine genauere Identifizierung der von ihnen bezeichneten Begriffe. In früheren Untersuchungen zur Terminologie wurden nicht alle von Ruigys verwendeten Termini für Schriftzeichen erfasst. In diesem Artikel werden erstmals die in R aufgeführten Wörter mit den Bedeutungen „Doppelpunkt“ und „diakritisches Zeichen“ behandelt. Es wurde festgestellt, dass die Stichwörter in Rv1 für Buchstabe, Ziffer, diakritisches Zeichen, Punkt und Doppelpunkt Bezüge zu W aufweisen. Auf H weisen die deutschen Äquivalente Buchstabe in Rv1 hin, skaitytinė, raštelis, die in den litauisch-deutschen Teilen beider Wörterbücher auch als Stichwörter erscheinen. Mit B verbindet das deutsche Buchstabe das Äquivalent raštas, das deutsche Komma die Äquivalente tarpbrūkšnelis und skyr imėlis sowie das deutsche Punkt, Pünktlein das Äquivalent sp akelis. Aus C könnte das deutsche Buchstabe mit dem Äquivalent skaitytinė übernommen worden sein. Die mit Bibelstellen versehenen Wörter raštas, raštelis „Buchstabe“, raštelis „diakritisches Zeichen“ lassen sich mit B 1735 in Verbindung bringen. Die Termini rašytinė, raštinėlis „Buchstabe“, rokuotinė, suskaitytinė „Ziffer“, raištelis „diakritisches Zeichen“, žymė „Punkt“, „Komma“, skyrinėlis „Komma“, „Doppelpunkt“ sind in früheren Arbeiten nicht belegt; ihr Urheber könnte Ruigys sein. Die meisten Termini aus R wurden in M übernommen: der Artikel „Buchstabe“ aus Rv1 mit den litauischen Äquivalenten skaitytinė, rašytinė, raštelis, raštas; die Artikel „Ziffer“ und „Zahl“ mit den Äquivalenten rokuotinė, suskaitytinė; die Äquivalente der deutschen Tütel, Pünktlein, Dipfel, Tipfel, raštelis, raištelis, žymelė „diakritisches Zeichen“; die Äquivalente des deutschen Komma, tarpbrūkšnelis, skyrinėlis; des deutschen 22 Entsprechungen von Punkt sind žymelė, spakelis; aus Rlv stammen die Stichwörter skaitytinė, rašytinė, raštinėlis für „Buchstabe“ sowie tarpbrūkšnelis, skyrinėlis für „Komma“. In späteren Wörterbüchern gibt es weit weniger der in R verzeichneten Termini für Schriftzeichen. In N wurden als Stichwörter die R-Termini skaitytinė, rašytinė, raštelis, raštinėlis für „Buchstabe“, rokuotinė für „Ziffer“, tarpbrūkšnelis, skyrinėlis für „Komma“ und spakelis für „Punkt“ aufgenommen. Die Verbindungen von KŽ zu R sind noch spärlicher: Kvl führt lediglich die litauischen Entsprechungen zu Rvl und dt. Buchstabe rašytinė, skaitytinė auf (als wichtigste litauische Entsprechung von dt. Buchstabe gab F. Kuršaitis būkštavus an), die Entsprechung von dt. Zahl und Ziffer rokuotinė sowie die Entsprechungen von dt. Komma tarpbrūkšnelis, skyrinėlis auf (beide als unklar gekennzeichnet; als Bezeichnungen für das Komma werden die Termini kuma, brūkelis angegeben); Klv führt die Stichwörter skaitytinė (als biblisch gekennzeichnet) und rokuotinė, tarpbrūkšnelis auf (als unklar gekennzeichnet). Die Untersuchung zeigte, dass die R-Termini mehrdeutig sind: Ein litauisches Wort bezeichnet mehrere Begriffe: raštelis entspricht sowohl dt. Buchstabe „Buchstabe“ als auch Tütel, Pünktlein „diakritisches Zeichen“ (und außerdem dt. Schrift der Buchdrucker, Lėtas Raβtelis Druckorū „Schrift“); skyrinėlis (sofern es sich nicht um einen Druckfehler handelt) hat zwei Bedeutungen: „Komma“ und „Doppelpunkt“; žymė bedeutet „Komma“ und „Punkt“. Für die R-Termini zur Bezeichnung von Schriftzeichen ist auch Synonymie charakteristisch: Ruigys gab für deutsche Wörter jeweils mehrere litauische Entsprechungen an: dt. Buchstabe „Buchstabe“ – skaitytinė, rašytinė, raštelis, raštas, raštinėlis; dt. Komma „Komma“ – tarpbrūkšnelis, skyrinėlis, skyrinėlis; dt. Punct „Punkt“ – žymelė, žymė, spakelis. ŠALTINIAI B: LEXICON GERMANICO=LĪTHVANĪCVM ET LĪTHVANICO=GERMANĪCVM [...], [prieš 1744]. Dokumentinis leidimas, žodžių indeksas: Brodovskis Jokūbas 2009: Lexicon Germanico=Lithvanicum et Lithvanico=Germanicum. Rankraštinis XVIII amžiaus žodynas 1–3, parengė V. Drotvinas, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas. B 1735: BIBLIA, Tai efti: Wiffas Sʒwentas Raβtas, Sėno ir Naujo Teftamento, Pagal Wokiβką Pėrguldimą D. Mertino Luteraus [...] Karaláuczuje. BtNT: NOVUM TESTAMENTUM LITHVANICUM [...] Naujas Teftamentas Lietuwiβkas [...] Karalauczuje / Ißβáuśtas nūg Potámkû Reuβnėraus. Mėtu 1701. Internetinis leidinys: Samuelis Bitneris, Naujasis Testamentas, 1701, parengė O. Aleknavičienė, J. Venckienė, programavo V. Zinkevičius, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2007–2008. Prieiga internete: https://seniejirastai.lki.lt/db.php?source=26. C: Clavis Germanico-Lithvana [po 1680]. Faksimilinis leidimas: Clavis Germanico-Lithvana. Rankraštinis XVII amžiaus vokiečių–lietuvių kalbų žodynas 1–2, parengė V. Drotvinas, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla, 1995–1997; 3–4, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas, 1997. H, Hvl, Hlv: [Hakas Frydrichas Vilhelmas,] VOCABVLARIVM LITTHVANICO-GERMANICVM, ET GERMANICO-LITTHVANICVM [...] HALLE, Druckts Stephanus Orban, Univerf. Buchdr. [1730]. Kritinis leidimas: Zubaitienė 2012a, 23 lietuviškų žodžių indeksas: Zubaitienė 2012b. Internetinis leidinys: Hakas Frydrichas Vilhelmas 1730: Vocabularium Litthuanico–Germanicum, et Germanico–Litthuanicum, parengė V. Zubaitienė, programavo V. Zinkevičius, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2018. Prieiga internete: https://seniejirastai.lki.lt/db.php?source=61. Klv: [Kuršaitis Frydrichas,] Littauisch-Deutsches Wörterbuch [...], Halle: Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, 1883. Kvl I: [Kuršaitis Frydrichas,] Wörterbuch der littauischen Sprache [...], Erster Theil: Deutsch-Littauisches Wörterbuch, Halle: Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, 1870. Kvl II: [Kuršaitis Frydrichas,] Wörterbuch der littauischen Sprache [...], Erster Theil: Deutsch-Littauisches Wörterbuch, Zweiter Band, Halle: Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, 1874. LB: D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe. Die Deutsche Bibel 6–7, Weimar: Hermann Böhlau Nachfolger, 1929–1931. Lex: Lexicon Lithuanicum: rankraštinis XVII a. vokiečių–lietuvių kalbų žodynas. Įvadą, žodyno teksto transliteraciją ir žodžių rodyklę parengė V. Drotvinas, Vilnius: „Mokslas“, 1987. M, Mlv, Mvl: [Milkus Kristijonas Gotlybas,] Littauifch=Deutfches und Deutfch=Littauifches Wörter=Buch [...], Königsberg, 1800. Im Druck und Verlag der Hartungfchen Hofbuchdruckerey. N: [Nesselmann Georg Heinrich Ferdinand,] Wörterbuch der Littauifchen Sprache [...], Königsberg: Verlag der Gebrüder Bornträger, 1851. NT 1727: Naujas Teſtamentas Mufu Pono Iezaus Kriſtaus / ir Pſalteras Dowido [...]. Karalauczuje, Mete 1727. Internetinis leidinys: Naujasis Testamentas, 1727, parengė M. Šinkūnas, B. Triškaitė, J. Venckienė, programavo V. Zinkevičius, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2016. Prieiga internete: http://seniejirastai.lki.lt/. P: Rankraštinis vad. Prahos vokiečių–lietuvių kalbų žodynas [XVIII a. pirmoji pusė], NK ČR: XVI.F.30. R, Rlv, Rvl: [Ruigys Pilypas,] Littauifch=Deutfches und Deutfch=Littauifches Lexicon [...], Königsberg: druckts und verlegts I. H. Hartung, 1747. Faksimilinis leidimas: Aleknavičienė, Zubaitienė 2024; kritinis leidimas: Zubaitienė 2024; lietuviškų žodžių indeksas: Aleknavičienė 2024. Q: Krauzės vokiškai–lietuviškas žodynas XVII a., LLTIB R: F 1–5792. SD 1677: [Sirvydas Konstantinas,] DICTIONARIUM TRIUM LINGVARUM, In ufum Studiofae Iuuentutis [...] Vilnae, Typis Academicis Societatis IESV. Anno Domini M. DC. LXXVII. Internetinis leidinys: Konstantinas Sirvydas, Dictionarium trium linguarum, 1677, parengė M. Šinkūnas, programavo V. Zinkevičius, Vilnius: Lietuvių 24 kalbos institutas, 2012. Prieiga internete: https://seniejirastai.lki.lt/db.php?source=53. W: [Weismann Erich,] Lexicon bipartitum, Latino-germanicum, et Germanicolatinum [...] auctore Eryco Weismanno, Stuttgardia, Sum[p]tibus, Joh. Bened. Mezleri & Christoph Erhardi, Anno MDCCXXV [1725]. LITERATŪRA Aleknavičienė Ona 2024: Pilypo Ruigio žodynas Littauisch–Deutsch und Deutsch–Littauisches Lexicon, 1747 3 [The Littauisch–Deutsches und Deutsch–Littauisches Lexicon, 1747, dictionary by Philipp Ruhig 3]: studija ir morfologiškai anotuotas lietuviškų žodžių indeksas, Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla (spausdinama). Aleknavičienė Ona, Zubaitienė Vilma 2024: Pilypo Ruigio žodynas Littauisch–Deutsches und Deutsch–Littauisches Lexicon, 1747 1 [The Littauisch–Deutsches und Deutsch–Littauisches Lexicon, 1747, dictionary by Philipp Ruhig 1]: faksimilė, Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla leidykla (spausdinama). Balašaitis Antanas 1961: Lietuvių kalbotyros terminų istorija [History of Lithuanian Linguistic Terminology]: disertacija filolog. m. kand. laipsniui įgyti, Vilnius; VUB RS, F 76–298. Balašaitis Antanas 2010: Iš lietuviškų kalbotyros terminų istorijos [From the History of Lithuanian Linguistic Terminology]. – Gimtoji kalba 5, 3–12. Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm [The Deutsches Wörterbuch by Jacob Grimm und Wilhelm Grimm], digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/25. Prieiga internete: https://www.woerterbuchnetz.de/DWB. Drotvinas Vincentas 2005: Dėl Pilypo Ruigio „Littauifch=Deutfches und Deutfch=Littauifches Lexicon [...]“ (Königsberg, 1747) vokiečių–lietuvių dalies registro šaltinių: Ehrenreicho Weismanno „Lexicon Bipartitum, latino-germanicum et germanico-latinum [...]“ [Regarding the Sources of the Register of the German-Lithuanian section of Philip Ruig’s Littauifch=Deutfches und Deutfch=Littauifches Lexicon [...] (Königsberg, 1747): Ehrenreich Weismann’s Lexicon Bipartitum, latino-germanicum et germanico-latinum]. – Lituanistica 1, 25–37. Drotvinas Vincentas 2006: Fridrichas Kuršaitis žodynininkas [The Lexicographer Friedrich Kurschat]. – Gimtasis žodis 4, 31–35. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen [Etymological Dictionary of German]. Prieiga internete: https://www.dwds.de/d/wb-etymwb. 25 Kaunas Domas 1996: Mažosios Lietuvos knyga. Lietuviškos knygos raida 1547–1940 [The Book of Lithuania Minor. The Development of Lithuanian Book, 1547–1940], Vilnius: Baltos lankos. Kazlauskaitė Gita 2002: Lietuviškų elementorių kalbotyros terminai [Linguistic Terms of Lithuanian ABC Books]. – Lituanistica 2, 63–83. Lemeškin Ilja 2013: Prahos vokiečių–lietuvių rankraštinio žodyno autorystės klausimu [On the Issue of Authorship of the Prague Manuscript German–Lithuanian Dictionary]. – Acta Linguistica Lithuanica 69, 269–279. Prieiga internete: https://journals.lki.lt/actalinguisticalithuanica/article/view/967/1057. LKŽe: Lietuvių kalbos žodynas [Dictionary of the Lithuanian Language] 1–20 (1941–2002), red. Kolegija: G. Naktinienė, J. Paulauskas, R. Petrokienė, V. Vitkauskas, J. Zabarskaitė, vyr. red. G. Naktinienė, e. variantas, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2008 (atnaujinta versija, 2018). Prieiga internete: https://ekalba.lt/. Trishkaitė Birutė 2011: Recepcija rukopisnyx slovarej Maloj Litvy v leksikograficheskix rabotax G. G. F. Nesselmana i F. Kurshaitisa [Reception of Manuscript Dictionaries of Lithuania Minor in Lexicographic Works by G. H. F. Nesselmann and F. Kuršaitis]. – Kul’turnoe nasledie Vostochnoj Prusii: sbornik statej 1, Kaliningrad, 30–45. Triškaitė Birutė 2014: Ar Frydrichas Vilhelmas Hakas – vadinamojo Prahos rankraštinio žodyno autorius? [Is Friedrich Wilhelm Haack the Author of the So-Called Prague Manuscript Dictionary?]. – Acta Linguistica Lithuanica 71, 292–317. Prieiga internete: https://journals.lki.lt/actalinguisticalithuanica/article/view/932/1022. Urbutis Vincas 2008: Žodynų istorija [History of Dictionaries]. – Lietuvių kalbos enciklopedija, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas, 622–628. V: Nestle-Aland, Novum Testamentum Graece et Latine [The New Testament in Greek and Latin], Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft, 52016. Zinkevičius Zigmas 1988: Lietuvių kalbos istorija 3: Senųjų raštų kalba [History of the Lithuanian Language 3: The Language of the Old Writings], Vilnius: Mokslas. Zubaitienė Vilma 2003: Kristijono Milk aus pakeitimai Pilypo Ruigio (1747) žodyne [Christian Gottlieb Mielcke’s Amendments to Phillip Ruhig’s dictionary (1747)].– Archivum Lithuanicum 5, 127–178. Zubaitienė Vilma 2006: Aštuntasis Ehrenreicho Weismanno Lexicon bipartitum leidimas(1725) – Pilypo Ruigio žodyno (1747) vokiečių–lietuvių kalbų dalies registro šaltinis [The Eight Edition of Lexicon Bipartitum by Ehrenreich Weismann (1725) as a Source for the German–Lithuanian Part of the Dictionary by Philipp Ruhig (1747)]. – Archivum Lithuanicum 8, 97–148. 26 Zubaitienė Vilma 2010a: Pilypo Ruigio Littauisch–Deutsches und Deutsch–Littauisches Lexicon (1747): šaltiniai ir leksikografinis metodas [Philipp Ruhig’ Littauisch–Deutsches und Deutsch–Littauisches Lexicon (1747): Sources and Lexicographical Method], Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla. Zubaitienė Vilma 2010b: Priešai Pilypo Ruigio (1747) ir Frydricho Kuršaičio (1883) žodynų egzemplioriuose [Additions Found in the Copies of the Dictionaries by Pilypas Ruigys (1747) and Frydrichas Kuršaitis (1883)]. – Leksikografija ir leksikologija 2, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 123–139. Zubaitienė Vilma 2012a: Frydrichas Vilhelmas Hakas, Vocabularium Litthvanico-Germanicum, et Germanico-Liththvanicum... Nebst einem Anhang einer kurtzgefassten Litthauischen Grammatic (1730) 1 [Friedrich Wilhelm Haack, Lithuanian-German and German-Lithuanian Dictionary with an Appendix Containing a Concise Lithuanian Grammar (1730) 1]: kritinis leidimas, gramatiką iš vokiečių kalbos vertė L. Plaušinaitė, Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla. Zubaitienė Vilma 2012b: Frydrichas Vilhelmas Hakas, Vocabularium Litthvanico-Germanicum, et Germanico-Liththvanicum... Nebst einem Anhang einer kurtzgefassten Litthauischen Grammatic (1730) 2 [Friedrich Wilhelm Haack, Lithuanian-German and German-Lithuanian Dictionary with an Appendix Containing a Concise Lithuanian Grammar (1730) 2]: studija, indeksai, rodyklės, Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla. Zubaitienė Vilma 2018: 1735 m. Biblijos leksika Pilypo Ruigio žodyne [Vocabulary from 1735 Lithuanian Translation of the Bible in the Dictionary of Pilypas Ruigys]. – Lietuvių kalba 12, 1–37. Prieiga internete: https://www.zurnalai.vu.lt/lietuviu-kalba/article/view/22513. Zubaitienė Vilma 2024: Pilypo Ruigio žodynas Littauisch–Deutsches und Deutsch–Littauisches Lexicon 1747 2 [The Littauisch–Deutsches und Deutsch–Littauisches Lexicon, 1747 dictionary by Philipp Ruhig 2]: mokslo studija ir kritinis leidimas, Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla (spausdinama). 27