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Įterpiniai, jų aiškinimas Jono Jablonskio gramatikos darbuose

Gintautas Akelaitis

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GINTAUTAS AKELAITIS Mykolas-Romeris-Universität PARENTHETISCHE EINSCHÜBE UND IHRE DARSTELLUNG IN DEN GRAMMATISCHEN WERKEN VON JONAS JABLONSKIS EINLEITUNG Parenthetische Einschübe sind ein Randthema der Satzsyntax des Litauischen und ihrer Beschreibung. Doch ohne ihre Erörterung wäre die Beschreibung der Satzsyntax nicht nur unvollständig, sondern auch unabgeschlossen. Dabei ist es völlig unerheblich, wie sie bezeichnet und bewertet werden: ob traditionell als parenthetische Einschübe oder mit für das Deutsche und Englische geeigneten Begriffen und Konzepten, in denen die formalen Beziehungen zwischen Satzgliedern anders zum Ausdruck kommen als im Litauischen, als Satzadverbiale, Sentence adverbs – Satzadverbien (siehe Holvoet, Pajėdienė 2005: 107 u. a.), oder mit dem aus der klassischen Rhetorik übernommenen Begriff parentete (siehe Koženiauskienė 2001: 176 u. a.; Rulíková 1973). Heute ist offensichtlich, dass parenthetische Einschübe, da sie nicht zum Satzkern gehören, der Äußerungsebene des Satzes zugeordnet werden und in verschiedene Satz- und sogar Textebenen eingeschoben sind – sie dienen sowohl der Modalitätsbildung als auch als Ausdruckselemente der Diskursivität des Satzes; im Text tragen sie zudem zum Satzkohäsion, d. h. zum grammatischen Zusammenhang, bei. Um zu verstehen, wie die Beschreibung parenthetischer Einschübe in den grammatischen Werken von Jonas Jablonskis ausfiel und welche Bedeutung sie hatte, ist zumindest ein knapper Überblick über die Geschichte der Erforschung der litauischen Syntax erforderlich – darüber, was vor J. Jablonskis zu parenthetischen Einschüben gesagt worden war. 1. In den litauischen Grammatiken vor J. Jablonskis gab es keine Beschreibung parenthetischer Einschübe. In den nicht auf Litauisch verfassten Grammatiken – sogar in denen von August Schleicher und Friedrich Kurschat – war auch die Beschreibung des Satzes selbst äußerst knapp; syntaktische Themen wurden nach dem sogenannten Prinzip der Syntax der Wortarten dargestellt (vgl. Būda 1987: 13 u. a.). Doch erste Beispiele, die heute als parenthetische Einschübe gelten, tauchten bereits auf. So schrieb A. Schleicher bei der Erörterung der Präposition anot, die nur in eingeschobenen Konstruktionen verwendet wird: „Die Bedeutung von anot ist mir unklar; es“ G. AKELAITIS. Įterpiniai, jų aiškinimas Jono Jablonskio gramatikos darbuose 57 (d. h. anot. – G. A.) wird in folgenden Verbindungen verwendet: anot tevo, anot jo žodzo“ (Schleicher 1856: 280). 2. In den auf Litauisch veröffentlichten Grammatiken – von Antanas Baranauskas (1896), Petras Gražbylys (Povilas Januševičius) (1905) und Adomas Stuobrys (1906) – werden parenthetische Einschübe zwar nicht beschrieben, doch erscheinen in Abschnitten zu den Satzzeichen die ersten Bezeichnungen für das, was heute parenthetische Einschübe genannt wird. Konkret: eingeworfene Wörter, eingeschobene Satzwörter (A. Baranauskas); eingeworfene Wörter, eingeschobene Sätze (Gražbylys-Januševičius); eingefügte Wörter und Sätze (Adomas Stuobrys). Diese Bezeichnungen mit ihren expressiven kongruierenden Bestandteilen konnten sich weder längere Zeit halten noch setzte sich eine davon durch. Somit gebührt Jonas Jablonskis der Vorrang sowohl bei der Etablierung der Begriffe als auch bei der Beschreibung parenthetischer Einschübe als Einheiten der Satzsyntax. DIE DARSTELLUNG DER EINSCHÜBE IN DEN GRAMMATISCHEN ARBEITEN VON JONAS JABLONSKIS Von den grammatischen Arbeiten (d. h. Lehrbüchern) von Jonas Jablonskis werden die Einschübe, wie selbstverständlich, am ausführlichsten in der Syntax der litauischen Sprache von 1911 Lietuvių kalbos sintaksėje beschrieben. In der Grammatik der litauischen Sprache von 1901 Lietuviškos kalbos gramatikoje, deren Entstehungs- und Veröffentlichungsgeschichte in der litauischen Sprachwissenschaft allgemein bekannt ist, finden sich keine Informationen über Einschübe: Als Beschreibungsgegenstand gelangten sie nicht in das Kapitel „Einige syntaktische Regeln“ (siehe Jablonskis 1957: 158–177), denn dieses Kapitel zielte nicht darauf ab, eine systematische, wenn auch knappe Beschreibung der litauischen Syntax zu geben; vielmehr wollte man „nur die wichtigsten grammatischen Fragen“ behandeln, und zwar nach den Prinzipien früherer Sprachlehren, nicht einer Grammatik nach Jablonskis’ Grundsätzen. Obwohl es ein Kapitel „Einige Worte über die Rechtschreibung der Grammatik“ gibt, wird die Zeichensetzung nicht einmal erwähnt – folglich konnten die Einschübe auch auf diesem Weg nicht in die Grammatik von 1901 gelangen. (Selbst in der Syntax der litauischen Sprache Lietuvių kalbos sintaksėje (S. 102) erklärte J. Jablonskis: „Die Satzzeichen und ihre Lehre gehören, genau genommen, weniger zur Syntax als zur Rechtschreibung“ – damit unterstrich er, dass Rechtschreibung und Zeichensetzung eine Einheit des Wissens über die schriftliche Darstellung der Sprache bilden.) Was J. Jablonskis über Einschübe in den Kapiteln „Erste syntaktische Themen“ und in den Beschreibungen der Zeichensetzung geschrieben hat, die in der Grammatik der litauischen Sprache von 1922 (und 1919) Lietuvių kalbos gramatikoje sowie im Lehrbuch der litauischen Sprache von 1925 Lietuvių kalbos vadovėlyje enthalten sind, wurde im Rahmen der Untersuchung mit dem entsprechenden Material der Syntax der litauischen Sprache von 1911 Lietuvių kalbos sintaksės verglichen. Daraus ergab sich folgende Schlussfolgerung: Sowohl in der Grammatik als auch im Lehrbu- 58 KALBOS KULTŪRA | 83 -ch legte J. Jablonskis zu den Einschüben die aus seiner Sicht wichtigsten Sachverhalte dar und entnahm sie der Syntax der litauischen Sprache Lietuvių kalbos sintaksės. Nur eine Kleinigkeit: In den grammatischen Arbeiten von 1922 und 1925 verwendete er in den Wortbestandteilen der Termini interptinis, interptiniai das Präfix in- nicht mehr; stattdessen führte er diese Bestandteile mit dem Präfix į- an (siehe Jablonskis 1957: 412–413). Gegenstand der folgenden Analyse ist also, was J. Jablonskis über Einschübe in der Syntax der litauischen Sprache von 1911 geschrieben hat.Lietuvių kalbos sintaksėje. TERMINI, KLASSIFIKATION UND STELLUNG DER EINSCHÜBE IN DER SYNTAXBESCHREIBUNG J. Jablonskis verwendete den einfachen Terminus įterpiniai nicht – wie bereits erwähnt, gebrauchte er zusammengesetzte Termini mit dem flektierbaren Bestandteil įterptinis. Der von ihm am deutlichsten hervorgehobene Terminus war įterptiniai sakiniai. Aus seiner Erläuterung, dass „es nicht nur eingeschobene Sätze gibt, sondern auch eingeschobene und abgesonderte Äußerungen und Wörter“ (Lietuvių kalbos sintaksė, S. 76; im Folgenden abgekürzt als S 1911), lassen sich die Termini įterptiniai žodžiai ir įterptiniai pasakymai – „eingeschobene Wörter“ und „eingeschobene Äußerungen“ – klar erschließen. Diese Termini haben klassifikatorische Bedeutung. Die Klassifikation der eingeschobenen Erscheinungen ist tatsächlich zweigliedrig: 1) eingeschobene Sätze, 2) eingeschobene Äußerungen und Wörter. Dass J. Jablonskis die beiden Arten der zweiten Gruppe als Einheit auffasste, zeigt, dass er erkannte, dass eingeschobene Äußerungen, die nach heutigem Verständnis als erstarrt gelten, den eingeschobenen Wörtern nahestehen. Ein besonderer Aspekt ist die Frage, wie J. Jablonskis die Einschübe in die Syntaxbeschreibung einordnete. Er verlieh den Einschüben einen sehr wichtigen, wenn auch formalen Status: Neben die Satzverknüpfung durch Unterordnung, Beiordnung und Verbindung (heute: Sätze mit gleichrangigen Satzgliedern) stellte er das Interpimas von Sätzen. Das bedeutet, dass ein Satz mit Einschub seinem Verständnis nach ein zusammengesetzter Satz ist. Dies hat er ausdrücklich so gesagt: „Im zusammengesetzten Satz unterscheiden wir: 1) die Unterordnung von Sätzen, 2) die Beiordnung von Sätzen, 3) die Verbindung von Sätzen und 4) das Interpimas von Sätzen.“ (S 1911: 87). Andererseits stehen die Einschübe in der Syntaxbeschreibung selbst jedoch nicht im Kapitel „Satzgefüge“, d. h. in der Beschreibung der grammatischen Satztypen, sondern werden ausführlich im Kapitel „Andere Besonderheiten der Sätze und ihre Vielfalt“ behandelt. Sie werden zuerst besprochen; darauf folgen die direkte Rede, ihre Varianten, die Erinnerungssätze und die erzählende Rede, oder die indirekte Rede, die sogenannte Partizipialrede. Daher lässt sich vorsichtig feststellen, dass J. Jablonskis Einschübe sowohl als etwas dem einfachen Satz beziehungsweise dem Satz als sprachlicher Einheit allgemein Zugehöriges als auch als etwas außerhalb dieses Bereichs Stehendes auffasste. G. AKELAITIS. Įterpiniai, jų aiškinimas Jono Jablonskio gramatikos darbuose 59 DER BEGRIFF DER EINSCHÜBE Aus der Beschreibung (ob man sie überhaupt als Definition bezeichnen kann, ist fraglich) geht hervor, dass J. Jablonskis den Begriff der Einschübe sehr weit und etwas widersprüchlich fasste. Die Beschreibung hängt wesentlich damit zusammen, dass er schon mit dem Terminus vor allem hervorhob, dass es sich bei Einschüben um Sätze handele, und Sätze mit Einschüben, wie erwähnt, als zusammengesetzt betrachtete. „Ein unabhängiger Satz, der, wenn er in einen anderen eingeschoben wird, mit diesem keine grammatische Verbindung (d. h. keine grammatische Beziehung. – G. A.) hat und in die gesamte Äußerung eine gewisse Erläuterung, Markierung oder Einschränkung des Gedankens einbringt, heißt ein eingeschobener Satz“ – so beschrieb (nun ja, definierte) J. Jablonskis die Einschübe. Gleich darauf fügte er allerdings hinzu, dass „auch sonst Äußerungen und einzelne Wörter eingeschoben werden“ (S 1911: 76). Weshalb diese Aussagen nicht miteinander vereinbar sind, erklärte er nicht. Wie er selbst sagte, stützte er sich auf die „einfachen Syntaxlehrbücher“ seiner Zeit. Russische Linguisten wie Dimitrij Ovsianiko-Kulikovskis und später auch Aleksandras Peškovskis wiesen beispielsweise darauf hin, dass eingeschobene Wörter und Wendungen entweder Elemente eines unvollständigen Satzes oder eines verkürzten Satzes seien. Daher erscheint J. Jablonskis’ grundlegende Beschreibung der Einschübe, vorsichtig formuliert, einigermaßen widersprüchlich. J. Jablonskis zufolge sind Einschübe, in heutiger Terminologie, lediglich eine Nebensache – sie drücken keine Bestandteile des durch den Satz ausgedrückten Inhalts aus. Dazu schreibt der Linguist: „Ein eingeschobener Satz lässt sich manchmal leicht und vollständig weglassen, und dieses Weglassen ändert nichts am Sinn der syntaktischen Vollständigkeit. Die Äußerung: ‚Du warst, sagt man, gestern in der Stadt‘ bedeutet dasselbe wie der Satz ‚Du warst gestern in der Stadt.‘“ (S 1911: 78). In einem solchen Beispiel, das durch das erläuternde Wort „manchmal“ begleitet wird, verdoppelt der Einschub sako („sagt“), um J. Jablonskis’ Terminologie zu verwenden, die Rede der Beteiligten. Wie Einschübe jedoch Inhalt und Bedeutung eines Satzes modifizieren, nahm er nicht in den Blick. Aus der Perspektive heutiger Beschreibungen der litauischen Syntax entwickelte J. Jablonskis ein eigenständiges, weites Verständnis der Einschübe. Die Breite dieses Verständnisses und des Umfangs der Einschübe als konkreter syntaktischer Satzelemente war dadurch bedingt, dass sich zu der Zeit, als J. Jablonskis seine grammatischen Arbeiten verfasste, die formale Grammatikrichtung durchgesetzt hatte (er selbst blieb zwar der logischen Grammatikrichtung treu). Aus diesem Grund schenkten die Verfasser von Grammatiken der Semantik sprachlicher Erscheinungen wenig Aufmerksamkeit. Diese Tendenz ist auch in J. Jablonskis’ grammatischen Arbeiten deutlich erkennbar. Deshalb beschrieb er auch die Semantik beziehungsweise die Bedeutungen der Einschübe, wie aus der angeführten Beschreibung ersichtlich war, sehr allgemein und ungefähr: „bringt in die gesamte Äußerung eine gewisse Erläuterung, Markierung oder Einschränkung des Gedankens ein“. Darüber hinaus spiegelt diese Beschreibung … 60 KALBOS KULTŪRA | 83 … nicht die Bedeutungen der charakteristischsten Einschübe des Litauischen wider, die J. Jablonskis zuerst anführte – sako, girdi, vadinas, rodos, regis, žiūrėk, matyti, anot (ko nors) und Ähnliches. Vgl. die angeführten Beispiele (S 1911: 76–78) mit diesen charakteristischsten Einschüben des Litauischen: „Dabar eikit“, sako, „namo“, „paskui“, girdi, „surasim, kas čia kaltas“. Tu, regis, nebuvai tą dieną nė iš namų išvažiavęs. Priėjo višta, kiaulė arba koks galvijas – žvirbliui nė motais, lesa sau gretymais su jais ir dar, žiūrėk, ant nugaros atsistos. Tu nieko, matyti, iš to nelaimėsi. Tuomet ir žmonių, matai, nedaug buvę. Reikėjo „pačiupinėti“, anot motynos, ir nebebūtų lindęs. Reikėtų jam, vienu žodžiu, galas padaryti und Ähnliches. Anders als in späteren Arbeiten zur litauischen Syntax versuchte J. Jablonskis nicht einmal, die Einschübe einzuteilen oder sie nach Bedeutungen zu erörtern. Von den grammatischen Merkmalen der Einschübe ist außerdem wichtig, dass J. Jablonskis ihnen eine freie dreifache Position zuschrieb: „Eingeschobene Sätze können häufig auch am Ende und am Anfang anderer Sätze stehen, nicht nur in der Mitte.“ (S 1911: 78). Die Zwischenstellung ist somit die charakteristischste Position der Einschübe. Was ihre Position bestimmt und wovon sie abhängt, erklärte er jedoch – wie viele spätere Syntaxforscher, darunter auch heutige – nicht. SPEZIFISCHE EINSCHÜBE Die sehr allgemeine Beschreibung der Bedeutungen von Einschüben und die Tatsache, dass die Verfestigung der als Einschübe verwendeten Wörter, Wendungen und sogar Sätze noch nicht hinreichend erkannt worden war, ermöglichten es J. Jablonskis, den Einschüben solche Konstruktionen zuzuordnen, die in keine andere Gruppe syntaktischer Erscheinungen passten und mit Einschüben nur insofern verwandt waren, als sie im geschriebenen Satz durch Satzzeichen und im gesprochenen – wie offensichtlich – durch deutlichere oder schwächere Pausen abgegrenzt werden. So fanden sich unter den Einschüben Konstruktionen mit be: Buvo septyni vyrai, be Petro. Be šių išrodymų, buvo daugybė ir kitų, dar didesnių. Lietuvoje, be lietuvių, gyvena dar lenkų, rusų (baltųjų ir didžiųjų), žydų, vokiečių, nemaža latvių... (S 1911: 78). Übrigens werden solche Konstruktionen auch in heutigen Syntaxdarstellungen, insbesondere in Beschreibungen der Interpunktion, noch den Einschüben zugeordnet, vor allem aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit dem eigentlichen Einschub be to. Andererseits schwankte auch J. Jablonskis selbst hinsichtlich der genannten Konstruktionen mit be: Im Abschnitt „Satzzeichen“ bezeichnete er im Satz Kitų švenčių, be sekmadienių, anglai beveik neturi die Konstruktion be sekmadienių als Apposition (siehe S 1911: 97). G. AKELAITIS. Įterpiniai, jų aiškinimas Jono Jablonskio gramatikos darbuose 61 Als Einschübe betrachtete J. Jablonskis die Worte des Autors, die in einen Satz der direkten Rede eingefügt sind: „Du, Mutter, bleib beim Kranken“, sagte der Vater, „und ich fahre, den Arzt zu holen.“ „Gott behüte, das ist nicht nötig! – rief Juozapas: – ich werfe ihn in die Grube, und damit basta“ (S 1911: 76). Zu den Einschüben zählte er auch jene Worte des Autors, die nicht in die direkte Rede eingeschoben sind, sondern auf sie folgen, d. h. am Ende des ganzen Satzes stehen: „Man muss es zuerst waschen“, fügte der Alte hinzu (S 1911: 76). In den Arbeiten zur wissenschaftlichen Syntax der litauischen Sprache wurde J. Jablonskis Entscheidung, die Worte des Autors als Einschübe zu betrachten, nicht nur nicht erörtert, sondern nicht einmal erwähnt. J. Jablonskis rechnete zu den Einschüben, modern ausgedrückt, auch völlig freie, nicht erstarrte, sogar nichtstandardsprachliche Äußerungen, meist in Satzform, die in einen Satz eingeschoben sind. Doch führte er kein einziges davon unter den 80 Beispielen in der Beschreibung der Einschübe an, sondern nahm sie in das Kapitel „Satzzeichen“ auf, als Konstruktionen, die durch Gedankenstriche und insbesondere Klammern abgegrenzt werden, und bezeichnete sie ausdrücklich als Einschübe. Hier sind diese Beispiele: Einmal – das Mädchen war bereits zwölf Jahre alt – begannen die Gutsleute zu plaudern. Wenn die Quelle klein ist und nur wenig Wasser enthält, – so geschieht es sehr oft, – dann trinken die Menschen allein. Bald wird die Zeit kommen, da kein deutscher Auswanderer (jedes Jahr ziehen über hunderttausend von ihnen aus Deutschland nach Amerika), der in Amerika als Landarbeiter tätig werden will, ohne einen Käfig mit ein paar oder einem Dutzend Spatzen aus Europa dorthin reisen wird. (S 1911: 100, 101). Der Ort, an dem die Beispiele angeführt werden, zeigt, dass der Sprachwissenschaftler frei eingeschobene Konstruktionen nicht als eigentliche Einschübe betrachtete, da sie in der lebendigen Umgangssprache und in Texten ihres Stils selten vorkommen. Die Beispiele, die von allen Forschern zu J. Jablonskis Werken besonders geschätzt werden, sagen heute viel über das fragliche Sprachphänomen aus, also darüber, was im Lehrbuchtext nicht geschrieben wurde. Auch Sätze mit Einschüben entnahm J. Jablonskis nicht nur der von ihm besonders geschätzten Volkssprache, sondern auch der Fachliteratur, obwohl er betonte, dass dies mit Vorsicht zu tun sei; somit zeigte er indirekt auch einige für die Fachsprache typischen Einschübe, vgl. zum Beispiel: Das Leben der gesellschaftlichen Hausgenossen war, wie Sie bemerken konnten, für uns völlig verständlich. Ihre Übersetzungen habe ich, wie gesagt, korrigiert und verglichen. Vgl. auch einzelne Einschübe: genau genommen, was am wichtigsten ist, zum Beispiel, nach Ansicht der Historiker (siehe S 1911: 77–79). Verschiedene eingeschobene Formen desselben Wortes und Wendungen mit diesem Wort versuchte er nebeneinander anzuführen, zum Beispiel: sagt, sagt Jurgis; erzählen, erzählen alte Leute usw. Aus den von J. Jablonskis angeführten Beispielen können wir einiges über den Wandel der Einschübe erschließen, obwohl fast ein ganzes Jahrhundert Sprachentwicklung nur wenig erkennen lässt. Hier 62 KALBOS KULTŪRA | 83 haben wir heute nur vielleicht, vermutlich, während es zu J. Jablonskis Zeiten sogar Varianten gab, die als Einschübe verwendet wurden: 1) kann sein, muss sein; 2) kann sein, muss sein; 3) könnte sein, muss sein und 4) könnte sein, muss sein – letztere wurden vor dem Hintergrund der drei vorhergehenden Varianten als zweigliedrig aufgefasst. Vgl. zum Beispiel: Außerdem werden, kann sein (muss sein), Gäste kommen. J. Jablonskis hat eine Präpositionsform belegt, die heute nur aus dem Wörterbuch der litauischen Sprache bekannt ist: anote: Was wird mir dieser „Taugenichts“, sagt der Vater, schon antun! (S 1911: 77). Lange Zeit wurden J. Jablonskis Auffassung der Einschübe und Beispiele aus dem umfangreichen von ihm zusammengestellten Material (80 Sätze mit Einschüben) unverändert oder nur geringfügig angepasst in die zahlreichen damals für Schulen verfassten Syntaxlehrbücher der litauischen Sprache übernommen. * Offensichtlich stützen sich auch zwei unterschiedliche wissenschaftliche Auffassungen der Einschübe im heutigen Litauischen auf J. Jablonskis Beschreibung der Einschübe. Die eine ist die enge Auffassung, die in den akademischen Beschreibungen der Syntax der litauischen Sprache dargelegt wird (LKG III 1976: 701–713; DLKG 1997: 641–644): Als Einschübe gelten hier erstarrte, standardsprachliche Wörter und Wendungen mit einem begrenzten Bedeutungsumfang; freie eingeschobene Konstruktionen, die ein „unsystemisches Phänomen der Redeebene“ darstellen (DLKG 1997: 645), werden „Einfügungen“ genannt (auf dieser Konzeption beruhen auch die Untersuchungen des Autors dieses Artikels zu Einschüben). J. Jablonskis neigte offenbar zur engen Auffassung von Einschüben, doch führte er als aufmerksamer Beobachter syntaktischen Materials auch Beispiele für Einschübe an, die mehr oder weniger die Herausbildung einer weiten Auffassung ermöglichten. Ihr wichtigstes Unterscheidungsmerkmal besteht nicht so sehr darin, dass Einfügungen nicht von Einschüben abgegrenzt werden, sondern darin, dass auch Einschübe berücksichtigt werden, die grammatisch mit Satzgliedern verbunden sind (siehe Balkevičius 1963: 267–281; Labutis 2002: 343–353). SCHLUSSFOLGERUNGEN 1. Jonas Jablonskis erörterte Einschübe wiederholt in seinen Grammatikarbeiten (1911, 1919 und 1922, 1925), am ausführlichsten jedoch 1911 in einem eigenen Kapitel der Syntax der litauischen Sprache; einige zusätzliche Informationen über Einschübe finden sich im Kapitel „Satzzeichen“ dieses Werks. Als der Sprachwissenschaftler verkürzte Fassungen der Beschreibung der Einschübe in spätere Grammatikarbeiten aufnahm, änderte er weder seine Auffassung von Einschüben noch das illustrative Material im Geringsten. G. AKELAITIS. Įterpiniai, jų aiškinimas Jono Jablonskio gramatikos darbuose 63 2. J. Jablonskis stellte die Einschübe den prädikativen Gliedern eines zusammengesetzten Satzes (heutiger Terminus) gleich; Sätze mit Einschüben betrachtete er als zusammengesetzt, obwohl er die Einschübe selbst als eine Besonderheit von Sätzen und ihre Vielfalt erörterte. Die Einschübe selbst charakterisierte er ebenfalls als Sätze (d. h. als prädikative Glieder zusammengesetzter Sätze). 3. Neben der Satzform nannte J. Jablonskis bei der Beschreibung der Einschübe auch andere Formen – Äußerungen und Einzelwörter. Bei der Charakterisierung der Einschübe hob er folgende unterscheidende grammatische Merkmale hervor: das Fehlen einer grammatischen Verbindung (d. h. einer grammatischen Beziehung) zu den übrigen Satzwörtern, die freie Möglichkeit dreier Positionen im Satz sowie die Möglichkeit, die Einschübe aus dem Satz wegzulassen (ihre Randständigkeit). Die sehr geringe Beachtung der Bedeutungen von Einschüben war eine Voraussetzung dafür, neben der vorherrschenden Gruppe charakteristischer Einschübe des Litauischen auch solche Satzelemente anzuführen, die wie Einschübe das Merkmal der intonatorischen und durch Satzzeichen markierten Absonderung aufweisen (J. Jablonskis benannte dies nicht ausdrücklich). 4. J. Jablonskis erfasste den Kernbestand der Einschübe im Litauischen und hob ihn durch die Zahl und die Art der Beispiele hervor; auf diesen Kernbestand stützt sich auch das heutige enge Verständnis von Einschüben. Indem der Sprachwissenschaftler neben die Einschübe verschiedene Konstruktionen stellte, die irgendein Merkmal der Einfügung aufweisen, schuf er die Voraussetzung für die Entwicklung eines weiten Verständnisses von Einschüben. LITERATŪRA Balkevičius J. 1963: Dabartinės lietuvių kalbos sintaksė, Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla. Būda V. 1987: Lietuvių kalbos prijungiamieji sakiniai: tyrimo istorija, Vilnius: Moks las. DLKG 1997: Dabartinės lietuvių kalbos gramatika. Red. V. Ambrazas. 3-iasis patais. leid., Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas. Holvoet A., Pajėdienė J. 2005: Aplinkybės ir jų tipai. – Lietuvių kalbos gramatikos darbai 3. Gramatinių funkcijų tyrimai. Red. R. Mikulskas, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas. Jablonskis J. 1957: Rinktiniai raštai. Sud. J. Palionis, Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla. Koženiauskienė R. 2001: Retorika: iškalbos stilistika. 2-asis patais. leid., Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas. Labutis V. 2002: Lietuvių kalbos sintaksė. 3-iasis patais. leid., Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla. LKG III 1976: Lietuvių kalbos gramatika 3. Sintaksė. Vyr. red. K. Ulvydas, Vilnius: Mokslas. 64 KALBOS KULTŪRA | 83 S 1911: Rygiškių Jono Lietuvių kalbos sintaksė 1, Seinai: Laukaičio, Dvaranausko, Narjausko ir B-vės spaustuvė. Rulíková B. 1973: Parenteze v současné češtinč, Praha: Academia. Schleicher A. 1856: Handbuch der litauischen Sprache von August Schleicher. Bd. 1. Grammatik, Prag: Clave. Gauta 2010 11 03 INSERTS AND THEIR TREATMENT IN JONAS JABLONSKIS’ GRAMMARS S u m m a r y The creator of Standard Lithuanian, Jonas Jablonskis, was also a grammarian who wrote several grammar books that became widely used and that had a major impact on the work of future textbook authors and linguists. The article analyzes one grammatical (syntactical) topic, namely, the treatment of inserts by J. Jablonskis. The study of J. Jablonskis articles revealed several issues. There had been no descriptions of inserts in pre-Jablonskis grammars though some sources had proposed various Lithuanian terms for the insert. These terms, however, were not broadly accepted. Thus the authorship of the term įterpinys should be ascribed to J. Jablonskis who was also the first to define the term and explain the principles of its establishment. His definition includes such features of the insert that do occur in more recent explanations, namely, the absence of grammatical relation to the other words of the sentence, a free placement in the sentence, secondary importance to the basic meaning of the sentence. J. Jablonskis paid little attention to the semantics of inserts and he treated as inserts such constructions that only had a formal intonational and punctuational feature. Some of these aspects gave rise to the tradition of narrow and broad treatment of inserts in the Lithuanian syntax. An interesting yet linguistically unfruitful was J. Jablonskis’ understanding of the insert: he treated inserts as sentences, and a sentence with an insert, in his view, was a complex sentence. GINTAUTAS AKELAITIS Mykolo Romerio universitetas Ateities g. 20, LT–08303 Vilnius [email protected] G. AKELAITIS. Įterpiniai, jų aiškinimas Jono Jablonskio gramatikos darbuose 65