Perkurtos frazeologijos žaismas žiniasklaidoje
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REGINA KOŽENIAUSKIENĖ
Vilniaus universitetas
DAS SPIEL MIT UMGEFORMTER PHRASEOLOGIE IN DEN MEDIEN
SCHLÜSSELWÖRTER: umgeformte Phraseologie, syntaktische Destruktionsfiguren, Akkumulation, Hyperbaton, Parzellierung, Parenthese.
EINLEITUNG
Überall auf der Welt erneuert sich die lebendige Sprache, selbst eine so alte wie das Litauische, ständig und passt sich den aktuellen Anforderungen der Zeit an. Die Umgestaltung der Phraseologie ist eines der markantesten Beispiele für die Erneuerung der Sprache: Dabei werden Aussagen, die scheinbar für immer erstarrt, geschlossen, unteilbar und in ihrer lexikalischen und grammatischen Struktur festgefügt sind, ebenso wie weithin verbreitete Zitate stilistisch und semantisch verändert. Entscheidend ist, dass diese Erneuerung kein Ende kennt: Jedes Mal aktualisiert der Autor selbst ein und dieselbe Aussage und verändert sie kreativ auf jeweils andere Weise, indem er sie neuen Bedingungen und einem neuen Kontext anpasst1. Dies zeugt von der „Gesundheit“ der Sprache: Sie ist dynamisch, offen und bemüht, sich der lebendigen Wirklichkeit anzupassen2.
In diesem Artikel wird ein weiter Begriff der Phraseologie zugrunde gelegt3, dessen wichtigstes Unterscheidungsmerkmal die Erstarrung der Aussage ist und dem zufolge zur Phraseologie nicht so sehr bildhafte Phraseologismen zählen (von ihnen handelt der Artikel
1 So lassen sich beispielsweise Dutzende völlig unterschiedlicher Umgestaltungen des Titels des bekannten Romans von Jonas Avyžius Die Zeit der leer werdenden Gehöfte finden: von Anspielungen auf Geldmangel und eine Bestandsaufnahme der Lage der Sozialversicherung „Sodra“ über Metamorphosen des Fernsehens bis hin zu Beschreibungen des Verhaltens von Politikern. Hier einige Beispiele: Die Zeit des schwindenden Geldes, Die Zeit der endgültigen Entleerung des Fernsehens, Die Zeit des Zaunbaus, Jetzt ist die Zeit, zwischen den Kanälen zu zappen, Die Zeit des schwindenden „Sodra“ und Ähnliches. (Alle Umgestaltungen stammen aus Texten von Skirmantas Valulis, nur die letzte von Eugenija Gribauskienė.)
2 http://www.delfi.lt/news/daily/lithuania/v-alisauskas-kalbininkas-turi-buti-tarnas-o-ne-diktatorius.d?id=61285085#ixzz2S6oIKFCG.
3 Juozas Pikčilingis hat in seiner Stilistik der litauischen Sprache in das Kapitel „Phraseologie“ neben Phraseologismen auch populäre literarische Zitate, „geflügelte“ Worte und biblische Wendungen aufgenommen (siehe Pikčilingis 1975: 361–370). Kazimieras Župerka nennt bei der Erörterung von Aktualisierungsverfahren in der Werbesprache nebeneinander nicht nur die Stilisierung und Umformung (Bearbeitungen) von Phraseologismen, sondern auch von Zitaten aus bekannten Texten, Sprichwörtern, Redensarten, Sentenzen, Gedichtzeilen, Liedmotiven sowie bekannten (Werbe-)Slogans; all dies gehört zu den Phänomenen der Intertextualität (Župerka 2008: 89–90). Auch die Autorin dieses Artikels vertritt diese Auffassung (siehe Koženiauskienė 2013: 60–86).
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(nicht wenige), sondern allgemein weit verbreitete feste Wendungen verschiedener Typen, „ebenso auch kleine Einheiten der Folklore wie Sprichwörter, Redensarten, Rätsel, Scherzfragen, Elemente aus Märchen, Spielen, Abzählreimen und Nachahmungen, außerdem Flüche, Worte aus verschiedenen Ritualen und Gebeten, Etiketteformeln und andere Höflichkeitsformeln, Aphorismen, Sentenzen, allgemein bekannte Zitate oder Anspielungen auf solche Zitate, Slogans, Warnungen, verbale Werbeelemente und überhaupt allerlei Wendungen, die in die vorherigen Abschnitte nicht aufgenommen wurden, sofern sie nur hinreichend erstarrt, allgemein verbreitet und aus dem Gedächtnis reproduzierbar sind und ihre fehlenden Glieder leicht erschlossen werden können“ (Marcinkevičienė 2001: 83).
Das Verhältnis zwischen traditioneller4 und umgestalteter5 Phraseologie erinnert an antike Palimpseste6. Wegen des Mangels an Schreibmaterialien wurden in kostbaren Papyrusrollen oder Pergamenten alte Texte abgeschabt und neue Texte aufgeschrieben; manchmal wurde ein zweiter Text durch einen dritten ersetzt und so weiter. Der ursprüngliche oder auch der zweite Text schimmerte durch, und mitunter ließ sich lesen, was zuvor darauf geschrieben worden war. Manchmal ergänzten diese Texte einander ganz zufällig, manchmal standen sie in Dissonanz zueinander und riefen ein Lächeln, Faszination oder Verwunderung hervor. Ähnlich löscht auch umgestaltete Phraseologie die geläufige Wendung nicht aus dem Gedächtnis des Adressaten, obwohl sie ihr mitunter widerspricht; mehr noch: Diese und ihr Kontext sagen alles, was der Autor nicht ausgesprochen hat, aber in einer spielerischen Implikation sagen wollte – in einer ganz anderen Zeit, unter veränderten Lebensbedingungen und Umständen und über andere Akteure.
Die Umgestaltung der Phraseologie wurde von litauischen und ausländischen Wissenschaftlern untersucht. In Litauen wurde ihr eine Dissertation gewidmet (Butkutė 2010), in der verschiedenste Verfahren der Modifizierung von Phraseologie vorgestellt werden: von der Erweiterung ihres Bestands über den Austausch und das Weglassen von Komponenten bis hin zu ihrer Ausweitung auf einen größeren Kontext. Dennoch gibt es noch viele unerforschte und aktuelle Aspekte dieses Themas. In diesem Artikel wird erstmals versucht, die umgestaltete Phraseologie aus einer neuen Perspektive zu betrachten: Sie wird im Kontext der sie begleitenden syntaktischen Figuren beschrieben und analysiert. Die Phraseologie selbst ist gewöhnlich bildhaft und bedeutungsvoll; noch mehr spielerischen Charakter und neue Inhalte verleihen ihr jedoch aus stilistischer Sicht die sie umgebenden syntaktischen Figuren.
Gegenstand des Artikels sind Texte von Journalisten aus dem allerjüngsten Jahrgang 20137 (Hauptquelle sind die Online-Tageszeitungen Lrytas.lt, Respublika.lt, Delfi.lt,
4 Außerdem: usuell, gebräuchlich.
5 Außerdem: okkasionell, erneuert, paraphrasiert.
6 Gr. palimpsēstos – erneut abgeschabt.
7 Kritische, polemische und politische Kommentare sowie Leitartikel wertenden Charakters im publizistischen Stil.
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15min.lt, TV antena) verwendet wird umgestaltete Phraseologie und der Kontext der mit ihr einhergehenden syntaktischen Figuren. Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen spielerisch umgestalteter Phraseologie und den markantesten destruktiven Figuren, deren rhetorische Funktion und Stellung in der Absatzstruktur zu zeigen und die Gründe für ihre Verwendung aufzudecken. Die Forschungsmethoden sind deskriptive sowie stilistisch-strukturelle und semantische Analyse.
ZUSAMMENHANG ZWISCHEN UMgestalteter PHRASEOLOGIE UND DESTRUKTIVEN FIGUREN
Alle syntaktischen Figuren – sowohl konstruktive als auch destruktive8 (Клюев 2001: 238–261) – transformieren die Struktur normgerechter Syntax (von Äußerungen oder Sätzen) und schaffen durch deren Veränderung neue Modelle; nur in diesem Fall verdienen sie die Bezeichnung Figuren, das heißt, wenn sie eine rhetorische Funktion erfüllen. Der Unterschied besteht darin, dass konstruktive Figuren „stärker ausgewogen“ sind (Клюев 2001: 238), auf flüssiger, wenn auch übermäßiger Wiederholung und Aufzählung beruhen, nicht mit der traditionellen Phraseologie in Konflikt geraten, sondern gleichmäßige Parallelen bilden:
Das Fernsehen hat einen guten Charakter, nur seine Kritik ist böse9.
Man sieht, dass die syntaktische Struktur beibehalten wurde: Das Waisenmädchen hat einen guten Charakter, seine Stiefmutter aber ist böse (S. Nėris).
8 Der Artikel stützt sich ausschließlich auf die von E. V. Kliujev, einem Rhetorikforscher, vorgelegte Einteilung syntaktischer Figuren, anders gesagt: Makrofiguren, deren Wesen nicht in der Transformation des Wortes (diese werden Mikrofiguren genannt), sondern der Satzstruktur besteht, in konstruktive und destruktive Figuren. Als konstruktive Figuren nennt dieser Autor: Parallelismus, Isokolon, Epanalepsis (eine Variante der Wiederholung – R. K.), Anapher, Epipher, Anadiplose, Symploke, Diaphora, Chiasmus, Epanodos (eine Variante des Chiasmus – R. K.), Asyndeton, Polysyndeton, Apo-koinu (eine Variante des Chiasmus – R. K.), Kyklos (Rahmung – R. K.), Homoioteleuton. Zu den destruktiven syntaktischen Figuren zählen: Inversion, Anastrophe (eine Variante der Inversion – R. K.), Ellipse, Parzellierung, Hyperbaton, Tmesis (Einschub, Parenthese – R. K.), Akkumulation, Amplifikation, Explektion (eine komplexere Variante von Akkumulation und Amplifikation – R. K.), Kontamination (Kette – R. K.) (Клюев 2001: 238–261). Eine solche Einteilung der Figuren haben litauische Stilisten nicht vorgelegt, obwohl alle Figuren in Stilistiken und Rhetoriken beschrieben sind, allerdings aufgrund ihrer zahlreichen Varianten mitunter unter anderen Bezeichnungen; deshalb wird in Klammern erläutert, welche Figur im Wesentlichen gemeint ist. Die Verfasserin dieser Zeilen (Koženiauskienė 2001: 254–328) ordnet die genannten Figuren nach der in der Rhetorik üblichen Klassifikation: figurae per adiectionem (Erweiterung), per detractionem (Kürzung) und per ordinem (Anordnung). Die meisten der letztgenannten werden von E. V. Kliujev wegen der Veränderung der ungewohnten syntaktischen Ordnung (lat. ordo, inis – Ordnung) sowie wegen der Umgruppierung syntaktischer Einheiten durch einige Kürzungsfiguren als destruktive Figuren bezeichnet.
9 S. Valiulis, TV antena, 1998 01 31–02 06.
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Aufgrund des für die konstruktive Figur Isokolon10 charakteristischen harmonischen Klangs in parallelen Sätzen entsteht ein Rhythmus, eine gewisse Periodizität. Auch zwischen den ersetzten lexikalischen Einheiten besteht kein Widerspruch. Das vernachlässigte, schlecht finanzierte Fernsehen steht nicht nur nicht im Konflikt, sondern passt auch zum Waisenmädchen, die Kritik zur Stiefmutter.
Destruktive Figuren hingegen entbehren nicht nur der Ordnung, sondern heben die syntaktische Unordnung auch deutlich hervor. Anders als konstruktive Figuren verbinden sie nicht einzelne Wörter, Äußerungen oder ganze Sätze, sondern heben sie voneinander ab, isolieren und zergliedern sie und trennen sie unerwartet (aus der Sicht der natürlichen Syntax sogar unzulässig) voneinander. Destruktive Figuren weisen ebenso wie der alltägliche umgangssprachliche Stil Freiheit auf, sogar eine nicht ganz logische Verknüpfung von Wörtern oder Sätzen, einen Gefühlsausbruch, Fragmentarität und Spontaneität. Im Text wird bewusst syntaktische Uneinheitlichkeit erzeugt; man hört ein Stocken, Intonationspausen, kurze Bemerkungen, Nachträge, völlige Abbrüche und einen unvollendeten Gedanken.
Was das Verhältnis zwischen umgestalteter Phraseologie und Figuren betrifft, muss betont werden, dass sich sowohl konstruktive als auch destruktive syntaktische Figuren zur Veränderung eignen:
Aus dem von N. V. mehrere Jahre lang höllisch geschickt aufgeblasenen Ballon der Massenpsychose entweicht pfeifend die Luft aus „Drąsos kelias“. Sonnenuntergang im Amtsbezirk Garliava. Von dem Vorhaben, Litauen richtig zu regieren, blieb auf dem kahlen Berg der Pädophilie nur eine übel riechende Verbindung mit dem angeklagten Fürsten von Kėdainiai zurück11.
Der Absatz besteht sogar aus einem Geflecht von drei phraseologischen Umformungen. Zunächst schafft der Autor ausgehend von der traditionellen Redewendung jemandem Sand in die Augen streuen, also eine wertlose Sache durch Lügen aufzubauschen, das etwas verwickelte Gebilde Aus dem von N. V. mehrere Jahre lang höllisch geschickt aufgeblasenen Ballon der Massenpsychose. Darauf folgt eine weitere abgesetzte und aktualisierte Umformung, Sonnenuntergang im Amtsbezirk Garliava (eine Modifikation von Petro Cvirkas Werk Sonnenuntergang im Amtsbezirk Nyka). Die dritte Umgestaltung, auf dem kahlen Berg der Pädophilie blieb nur eine übel riechende Verbindung mit dem angeklagten Fürsten von Kėdainiai zurück, stammt aus den bekannten Versen von Antanas Baranauskas’ Anykščių šilelis. Der Autor behält wie im Original die konstruktive Figur Homoioteleuton bei12, verwendet aber auch eine ausgeprägte destr-
10 Abk. Isokolon – die Wiederholung einer gleichen oder sehr ähnlichen Zahl von Silben und Takten in gleichrangigen parallelen syntaktischen Konstruktionen.
11 www.15min.lt/.../rimvydas-valatka-kedofilijos-saulelydis-500-325175.
12 Abk. Homoioteleuton – Ähnlichkeit der Endungen, Gleichklang grammatischer Formen pliko / liko in syntaktischen Strukturen desselben Typs; in diesem Beispiel tritt es gemeinsam mit dem Parallelismus auf – dem Grundprinzip der konstruktiven Figuren.
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… die rhetorische Figur des Hyperbatons13, indem er grammatisch zusammengehörige Satzteile über eine große Distanz hinweg auseinanderreißt (anstelle von drei Wörtern werden sogar acht eingeschoben). Der Autor schafft einen neuen Text, indem er ironisiert – geistreich und humorvoll. Die Konstruktionsfigur betont die Verbindung zwischen den vom Rost befallenen Kiefern und der übel riechenden Union; der komische Effekt entsteht jedoch durch die komische Diskrepanz, durch eine besondere Dissonanz zwischen dem romantisch beschriebenen Kontext der Naturkiefern und den neuen Realitäten der Kedophilie sowie des angeklagten Fürsten von Kėdainiai. Die poetischen, wenn auch traurigen Worte und die sehr poesiefremden Dinge, zu einem Ganzen verbunden, stehen im Konflikt und verleihen der Bearbeitung eine neue spöttische Färbung (dazu tragen sowohl das kontaminative Neologismus Kedophilie als auch das russische Fremdwort mit litauischer Endung Kniazius bei).
Drei spielerische Bearbeitungen und die damit einhergehenden destruktiven Figuren verdrehen und verflechten den Text so sehr, dass sie die ironisierende Funktion noch verstärken und die von der Heldin aus Garliava gesponnene Geschichte der Massenpsychose und teuflisch geschickt noch deutlicher hervortreten lassen. In diesem Absatz fällt die Parzellierung14 besonders auf, die das semantisch wesentliche Gebilde Sonnenuntergang im Amtsbezirk Garliava als eigenen Satz hervorhebt. Die Parzellierung zieht dann auch das die Dissonanz betonende Hyperbaton nach sich.
VERBREITUNG DER PARZELLIERUNG UND IHRE KRAFT, PHRASEOLOGISMEN ZU AKTIVIEREN
Nachdem sich die umgeformte Phraseologie in den Texten des publizistischen Stils etabliert hat, ist eine Tendenz erkennbar, dass sie mit Parzellierung einhergeht: von der Überschrift bis zum letzten Absatz. „Im publizistischen Stil ist die Gliederung (Parzellierung) besonders häufig“ (Bitinienė 2007: 57). Die Stilforscherin vermittelt die Gedanken des Semiotikers R. Bartes über den parzellierten, gegliederten Text, in dem der Autor keinerlei „Respekt“ vor der natürlichen Textgliederung zeigt, ihn unablässig zerreißt, um neue Informationen zu vermitteln: „Denn die zusätzliche Information der Gliederungselemente verändert, sobald sie in einen neuen Bedeutungsraum gelangt, die Bedeutung der gesamten Äußerung“ (Bitinienė 2007: 58). Wie die Beispiele zeigen, zer-
13 Gr. hyperbaton – weit versetzt, umgestellt. Eine wesentlich kompliziertere Variante der Inversion, bei der durch zahlreiche Einschübe und lange, unzusammenhängende Aufzählungen der natürliche Sprachfluss zergliedert und aufgebrochen wird; durch die Unordnung der Satzglieder entsteht im Kopf des Adressaten eine gewisse Verwirrung. Sie wird als „eine der am häufigsten verwendeten und daher wichtigsten Figuren“ bezeichnet (Ziomek 1990: 221–222).
14 Lat. parcere – sparsam (in Teilen) verwenden. Parzellierung ist die intonatorische Absonderung eines Teils vom Ganzen, bei der dieser Teil den Wert eines selbstständigen Satzes erhält. Jede abgetrennte Phrase, ein sogenanntes Parzellat, wird hervorgehoben. Diese Figur dient dazu, die wichtigsten semantischen Akzente hervorzuheben.
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Die Parzellierung hilft in knapper Form, zusätzliche implizite Informationen der umgeformten Phraseologie herauszuarbeiten.
Über die Verbreitung der Parzellierung, über die verbreitete aktive Verwendung dieser Stilfigur und über die Tendenz der modernen Syntax, syntaktische Konstruktionen nicht nur im literarischen, sondern auch im publizistischen Stil (in der Werbung und anderen sogenannten Massenmedien) zu verändern, schreiben auch ausländische Stilforscher. „Parzellierung ist nicht nur eine individuelle, autorenspezifische Art der Textgliederung, sondern auch ein markantes soziolinguistisches Phänomen, das die grundlegenden Tendenzen des Wandels der modernen gesprochenen Sprache widerspiegelt“ (Марышова 2011: 188). Parzellierung verstärkt das ironische Sprachspiel und die Bedeutungsschattierungen eines Textes, „ermöglicht es, bei minimalem Textumfang ein Maximum an Informationen zu vermitteln“ (Марышова 2011: 189). Parzelliertes Sprechen nähert sich dem umgangssprachlichen Stil an. In kurzen Sätzen wird der Gedanke in ruhigem Tempo und mit Pausen dargelegt; dadurch wird er für den Adressaten verständlicher, leichter zu erfassen und somit wirkungsvoller und zugänglicher.
Die stilistische Kraft der Parzellierung, Phraseologismen zu aktualisieren, ist besonders groß. Alle syntaktischen Figuren sind den Mitteln der expressiven Syntax zuzurechnen, insbesondere jedoch „Parzellierung, Segmentierung15, lexikalische Wiederholungen, monologische Textfragmente in Frage-und-Antwort-Form, Ketten von Nominalsätzen, Ausklammerungen sowie bestimmte Fälle der Wortstellung“ (Bitinienė 2007: 56). Unter den aufgeführten Figuren der expressiven Syntax wird also ebenfalls zuerst die Parzellierung und ihre Variante, die Segmentierung, genannt; hinzu kommen Ketten von Nominalsätzen16 und Ausklammerungen, die es ermöglichen, die Bedeutungs- und Ausdrucksschattierungen einer Äußerung zu verstärken. Einige Forscher „befürchten sogar, dass die Parzellierung inzwischen zum Gegenstand der Begeisterung, zu einem modischen Spiel und einem sich aktiv ausbreitenden Phänomen geworden ist – zu einer ‚Sprachleidenschaft‘“ (Марышова 2011: 186).
Beispiele für das Spiel mit Parzellierung in den Medien gibt es reichlich. Hier eine der jüngsten Publikationen: In der Überschrift von TV antenoje findet sich der Titel Das Fernsehen ist tot. Es lebe das Fernsehen! (eine Abwandlung des Spruchs Der König ist tot, es lebe der König); die Parzellierungsfigur ist deutlich ausgeprägt. Gleich im ersten Absatz danach heißt es:
Wie viel auch immer über den Tod des Fernsehens gesprochen wird, es erhebt sich doch immer wieder wie ein Phönix. Oder ein Drache. Je nachdem, was einem lieber ist17.
15 Eine Variante der Parzellierung ist die Segmentierung. Dabei wird das wichtigste Satzglied im Nominativ vorangestellt.
16 Dieselbe Variante der Parzellierung, die Segmentierung, nur werden dann mehrere Nominative hintereinander ausgegliedert.
17 Savukynas V. Das Fernsehen ist tot. Es lebe das Fernsehen! – TV antena, 14.–20. September 2013
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In diesem kurzen Absatz ist die Phraseologie ein wenig umgestaltet, außerdem finden sich zwei weitere Figuren der Parzellierung. Aus der bekannten Wendung: wie ein Phönix aus der Asche auferstehen, die sowohl verkürzt als auch erweitert wird: aus der Asche wird weggelassen, dafür aber das Pronomen dieser hinzugefügt; außerdem wird noch ein separat parzellierter, intrigierender Satz angefügt, der mit der Konjunktion Oder ein Drache beginnt. Der letzte, eigenständig parzellierte Satz mit einem Nebengedanken ist als Nachtrag zu bezeichnen18.
Um die Nuancen der Ausdruckskraft einer Wendung herauszuarbeiten, schaffen die Autoren mit umgestalteter Phraseologie und begleitender Parzellierung eine fragmentarisch lebendige, deutlich wirkungsvollere und originelle, daher einprägsame Wendung mit tiefem Subtext.
In Medientexten ist auch die mit Parzellierung einhergehende destruktive Figur der Akkumulation19 recht wirkungsvoll; ihre Syntax ist tatsächlich bisweilen stark überladen und deshalb verwirrend.
Wahre Sodoma und Gomorra – so nannten die Engländer die Litauer in London, die als Hilfsarbeiter tätig waren. [...] Genau hier liegt das Problem. Endlose Verschwörungstheorien, Zorn und offene Aggression, vermischt mit sentimentalen Erzählungen über einen Staat von Meer zu Meer und eine mystische heidnische Zivilisation – von Bewegungen à la N. V. ganz zu schweigen – lassen sich nur schwer mit der Fähigkeit vereinbaren, über sich selbst zu lachen20.
Schon die aus der Bibel stammende, weit verbreitete Wendung Sodoma und Gomora bezeichnet ein unvorstellbares Chaos: allgemeine Sittenlosigkeit, schreckliche Amoralität und Ausschweifung. Die vom Autor herangezogene, Unordnung symbolisierende Phraseologie passt gut zur akkumulierten Syntax. Der Autor erweitert diese Phraseologie noch und verstärkt sie ironisch, indem er sagt, es sei Wahre Sodoma und Gomora, obwohl er in Wirklichkeit das Gegenteil meint: Er sieht keinerlei Unsittlichkeit bei den Engländern, denn sie sagten die Wahrheit. Mit dieser umgedeuteten biblischen Wendung und der überladenen Syntax, in der zahlreiche untereinander kaum zusammenhängende Einzelheiten aufgezählt werden, hebt der Autor die Möglichkeit hervor, über negative Eigenschaften der Landsleute zu lachen. Die Akkumulation noch weiter
18 Eine weitere Variante der Parzellierung ist der Nachtrag, gleichsam ein kurzer Zusatz am Schluss.
19 Schon der Name dieser Figur bezeichnet Überladung, Unordnung: lat. accumulare – aufhäufen, ansammeln. Es muss betont werden, dass es mehrere Varianten der Akkumulation gibt: von der überladenen, aber vergleichsweise folgerichtigen Aufzählung zahlreicher Einzelheiten (so wird sie gewöhnlich von litauischen Stilforschern vorgestellt) bis hin zur völlig ungeordneten Anhäufung unterschiedlichster Aspekte, bei der der Autor mit einer verwirrenden und äußerst umfangreichen Aufzählung abstrakter Elemente kein Gesamtbild offenbaren, es vielmehr sogar bewusst verdunkeln und so im Subtext die wahre Verwirrung des Lebens selbst zeigen will. Eine solche Variante der Akkumulation ist eine typische destruktive Figur.
20 http://www.15min.lt/naujiena/ziniosgyvai/komentarai/rimvydas-valatka-tikra-sodoma-ir-gomora-londono-lietuvius-anglai-isvadino-juodadarbiais-500-361948#ixzz2cPAJcocB.
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verstärken zwei destruktive Figuren, Hyperbaton und Parenthese21: von Bewegungen à la N. V. ganz zu schweigen
DIE MITWIRKUNG VON PARENTHESEN UND ANDEREN FIGUREN AN DER NEUGESTALTETEN PHRASEOLOGIE
Die Parenthese zählt ebenso wie die Parzellierung zu den markantesten destruktiven Figuren. In der von E. V. Kliujev aufgelisteten Figurenreihe entspricht ihr vollständig die Tmesis22 (Клюев 2001: 256). Es handelt sich um verschiedene Einschübe eines entfernten Nebengedankens, die die rhetorische Funktion von Randbemerkungen, Nachträgen und Präzisierungen erfüllen und eine fesselnde Bedeutungsperspektive schaffen. Die Parenthese zerlegt den Gedanken, unterbricht ihn unerwartet und mitunter aggressiv und schweift ab. Darüber schreibt der Parenthesenforscher Gintautas Akelaitis: „Die Parenthese ist ein besonderes sprachliches Mittel, das es ermöglicht, gleichzeitig auch einen anderen, sei es nebensächlichen, sei es fragmentarischen Gedanken (Inhalt) auszudrücken. [...] Die Bestandteile der Parenthese bilden eine der Gruppen expressiver stilistischer Konstruktionen. Daher ist die Parenthese ein syntaktisch-stilistisches Phänomen derselben Rangordnung wie die Ellipse23, die Parzellierung, der Anakoluth24 und dergleichen.“ (Akelaitis 2005: 30–31). Wie man sieht, hat der Autor die markantesten destruktiven Figuren recht genau aufgezählt und die Parenthese zu Recht in diese Reihe aufgenommen.
Es kommt vor, dass die Phraseologie selbst als Parenthese (wie auch als andere Figuren) auftritt:
V. U., N. V., P. G., P. S., A. P. und – Worte aus dem Lied lassen sich nicht streichen – V. L. selbst sind Fahrgäste desselben WU-Waggons. Unerwartet, aber dies ist eine reale politische Allianz25.
Juozas Abaravičius schreibt, dass die Autoren mit Parenthesen und frei gesetztem linearem Text „auf eigene Weise den Dialogcharakter, die Widersprüche, die Diskrepanzen, die Zustimmung“
21Gr. parenthesis, lat. interpositio – unerwartetes Einfügen eines Nebengedankens in Klammern (kann auch durch Punkte, Gedankenstriche oder eckige Klammern abgegrenzt werden).
22Gr. tmesis – Einschub, Einfügung (eine Variante der Parenthese).
23Gr. elleipsis – Mangel, Auslassung. Bei der dynamischen Ellipsenfigur kann ein beliebiger, leicht erschließbarer Satzteil ausgelassen werden.
24Gr. anakoluthus – inkonsequent. Diese Figur wird als „eine der komplexesten destruktiven Figuren bezeichnet, bei der im Satz bewusst Missbrauch getrieben wird und Kasus, Genus usw. nicht übereinstimmen. E. V. Kliujev gibt folgendes Beispiel dafür: „Gamsachdurija, übrigens, Intelligenzija. Dieses Intelligenzija wusste genau, wohin es ging.“ (Клюев 2001: 257).
25www.15min.lt/.../rimvydas-valatka-kedofilijos-saulelydis-500-325175.
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ir nesutikimo, dermės ir neder-mės sąveiką“ (Abaravičius 2002: 229). Šiame akumuliuotame tekste kaip tik ta prieštarų grandinė ir pertraukta ilga parentezės pauze. Jos tikslas aiškus: leisti skaitytojui atsipie-kėti po keistokai pateikto ilgo politinės draugijos sąrašo, prie kurio po brūkšniais išskirtos parentezės paminima dar viena, regis, visai nederanti VU26 bendrakeleivio pavardė. Populiaraus posakio žodžių iš dainos neišmesi forma čia išlaikyta, bet įgavusi visai kitą potekstę. Parentezė „nuosekli sakinio grandinė per-traukiama, pažeidžiama. Dėl to atsiranda ar tik suaktyvėja asociacijų, aliu-zijų ar apskritai potekstės tėkmė“ (Abaravičius 2002: 228).
Die genannten wichtigsten destruktiven Figuren – Parzellierung, Hyperbaton, Akkumulation, Parenthese – treten nur selten völlig rein auf; da sie voneinander abhängen, bilden sie meist verschiedenste untrennbare Kombinationen und verbinden sich mit zahlreichen weiteren Figuren.
Das Unglück kommt selten allein. Es genügte nicht, dass die Polizisten P. G., einen Verfechter traditioneller Familienwerte, mehrmals zusammenfalteten und einpackten, so wie man ihnen auf der Polizeischule den Umgang mit Rowdys beigebracht hatte; da verließ ihn auch noch seine Frau, den Kämpfer gegen die Mühlen der Schwulen. Vor den Augen des ganzen Volkes. Mitten im Kampf. Und obendrein so gnadenlos – mit dem Vorwurf, der Kerl kümmere sich nicht um seine Familie27.
Das Phraseologismus gegen Windmühlen kämpfen hat der Autor durch den Austausch nur eines Lautes erneuert. Zwar wurde das Verb kämpfen durch das stammverwandte Substantiv Kämpfer ersetzt. Das findige Spiel mit ähnlich klingenden Wörtern Schwulen / Windmühlen (eine Figur der Paronomasie28) ruft die bekannte Wendung gegen Windmühlen kämpfen, also gegen einen eingebildeten Feind, in Erinnerung. Es handelt sich folglich um einen Kampf à la Don Quijote. Die Aussage wird zusätzlich durch Parzellierung, Hyperbaton und Ellipse sowie deren Variante, die Adjunktion29, verstärkt. Eine derart von der normgerechten Syntax abweichende Struktur zeigt deutlich, dass der Autor spielerischen Witz zu erzeugen vermag: Denn dieser
26 In den Medien wird diese Abkürzung, die für die Initialen eines prozessierenden Politikers steht, gewöhnlich mit Punkten geschrieben; in diesem Text fehlen sie jedoch (offenbar wird bewusst eine sarkastische Wirkung angestrebt, indem die Abkürzung der Universität Vilnius gegenübergestellt wird).
27 http://www.15min.lt/naujiena/ziniosgyvai/komentarai/rimvydas-valatka-ikliu-vo-kaip-mu-sele-i-isrugas-500-358795#ixzz2b5QHnnv9.
28 Gr. paronomasia – Beiwort. Diese Figur ist schon an sich ein Sprachspiel, ein Mittel des Witzes: Zwischen ähnlich klingenden, aber in keinerlei Zusammenhang stehenden Wörtern wird ein logischer Kausalzusammenhang hergestellt. Meist erfüllt diese Figur eine rhetorische Funktion des Sarkasmus.
29 Lat. adiunctio – Hinzufügung, Anfügung. Dies ist eine Variante der Ellipse, bei der mehrere Satzelemente an ein Satzglied angefügt werden. Sie tritt gewöhnlich zusammen mit Inversion oder Hyperbaton auf. Näheres zur Adjunktion und ihren Arten siehe Koženiauskienė 2001: 302–305.
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Der Protagonist ruft lautstark überall und jederzeit dazu auf, sich um die traditionelle Familie zu kümmern und sie zu bewahren, doch er selbst war nicht imstande, seine eigene Familie zu bewahren. Die Parzellierung dreier separater, ans Satzende gerückter Sätze hilft, jedes Detail dieses Unglücks zu betonen und hervorzuheben; zugleich bekräftigt sie die eingangs geäußerte bekannte Redensart, dass Das Unglück kommt selten allein. Was unausgesprochen bleibt und ans Ende gerückt wird, was verborgen ist – und dazu dreifach verborgen –, weckt stets Neugier. Ohne Adjunktion würde der parzellierte Text so klingen:
[...] da verließ ihn auch noch seine Frau, den Kämpfer gegen die Mühlen der Schwulen. Vor den Augen des ganzen Volkes [verließ ihn]. Mitten im Kampf [verließ ihn]. Und obendrein so gnadenlos [verließ ihn] – mit dem Vorwurf, der Kerl kümmere sich nicht um seine Familie30.
Betrachtet man die Syntax dieses Absatzes, zeigt sich, dass die drei parzellierten und ans Ende gerückten Sätze in Wirklichkeit nicht selbstständig sind, sondern lediglich aus dem Hauptsatz herausgelöst und aus dessen Rahmen gestellt wurden. Ohne den Hauptsatz wäre ihr Sinn unklar. Es sind gleichsam drei Nachträge, nachdem der Hauptgedanke bereits ausgesprochen wurde; das Hyperbaton verleiht diesen negativen Bemerkungen jedoch besonderes Gewicht: Der Adressat wird sie sich vor allem einprägen. Die destruktive Figur, die Ellipsenvariante Adjunktion, ist in diesem Absatz ebenfalls spürbar und erfüllt die rhetorische Funktion, die Aufmerksamkeit zu wecken. Das dreimal ausgelassene Wort verließ (von mir in eckige Klammern gesetzt – R. K.) verstärkt den semantischen Nachklang noch weiter. Obwohl diese Wörter ausgelassen sind, treten sie umso deutlicher hervor und gewinnen an Bedeutung, weil die Schlussadjunktion die Aufmerksamkeit des Adressaten auf sich zu lenken vermag.
DER STELLENWERT DER PHRASEOLOGIE IN DER ABSATZSTRUKTUR
In den Medien werden die verschiedensten erstarrten Wendungen umgedeutet: folkloristische Phraseologismen ebenso wie Wendungen biblischen oder mythologischen Ursprungs, Zeilen bekannter Lieder und literarischer Zitate, Romantitel sowie Zeilen aus allzu oft gesehenen Werbeanzeigen oder politischen Plakaten (vgl. Koženiauskienė 2013: 72–76; 168–170). Unabhängig von der Herkunft der Phraseologie31 ist ihr Platz in der syntaktischen Struktur eines abgeschlossenen Gedankens, der im schriftlichen Text gewöhnlich aus einem Ab-
30 http://www.15min.lt/naujiena/ziniosgyvai/komentarai/rimvydas-valatka-ikliuvo-kaip-mu-sele-i-isrugas-500-358795#ixzz2b5QHNnnv9.
31 Die Autorin des Artikels hat bewusst jeweils mindestens zwei Phraseologiebeispiele unterschiedlicher Herkunft ausgewählt.
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satz besteht, variieren: Sie kann am Anfang, in der Mitte oder am Ende eines Absatzes verwendet werden. In allen drei Fällen wird sie von spielerischen syntaktischen Destruktionsfiguren begleitet und erfüllt unterschiedliche rhetorische Funktionen.
Phraseologie am Absatzanfang kann bereits in der Überschrift der Publikation verwendet werden. „Um Aufmerksamkeit zu erregen, verleihen Autoren ihren Titeln eine negative Konnotation [...]. Am häufigsten werden Stilmittel eingesetzt, um die Ausdruckskraft der Überschrift zu steigern (Mažylė 2012: 170). Eine witzige Phraseologie eignet sich als Stilmittel dafür besonders gut:
Weint nicht am Grab (in memoriam der Basketballkirche Litauens)32 – so lautet der Titel des Artikels.
Was könnte negativer stimmen als ein trauriges in memoriam? Und noch dazu nicht für irgendwen, sondern für den vergötterten litauischen Basketball. Die hervorgehobene Verszeile aus der Dichtung von Julius Janonis ist korrekt, jedoch nicht vollständig; aus dem Zusammenhang gerissen, bildet sie einen unvollendeten Gedanken (dies ist die sogenannte Auslassung von Komponenten oder Ellipse) und wird in einen ganz anderen Kontext versetzt, den der Autor selbst mit einer Parenthese in Klammern erläutert. Der ursprüngliche Kontext passt jedoch durchaus gut: Weint nicht am Grab der tapferen Freunde, / die im Kampf gefallen sind, sie sind Helden. Denn der Verfasser des Artikels spricht von denjenigen, die den Kampf verloren haben, also von den im Kampf Gefallenen, unseren Helden – den Basketballspielern. Doch die Verse des revolutionären Dichters, die von einem ganz anderen Thema handeln, stehen im Konflikt sowohl mit dem Basketball, über den geschrieben wird, als auch erst recht mit der religiösen Terminologie, die im Artikel durchgehend verwendet wird: Kirche, Kirchenversammlung, Kardinal, Priester, Bischöfe, Gebet, Gesang, Gottesdienst usw. Andererseits stehen sie sowohl im Konflikt als auch im Einklang (Harmonie der Disharmonie), denn Basketball ist die zweite Religion, die von den Litauern verehrt wird (der Autor nennt sie die Basketballkirche Litauens). So sieht der gesamte Artikelabsatz mit dieser Phraseologie aus:
Tragödie? Weint nicht am Grab. Es wäre töricht zu behaupten, Kardinal Kęstutis habe für den Gottesdienst zum Viertelfinale die falschen Gebete und Gesänge ausgewählt oder überhaupt die falschen Basketballpriester unmittelbar vor unserer wichtigsten Kirchenversammlung im Vierjahresrhythmus zu Bischöfen ernannt33.
Die im Absatz hervorgehobene Phraseologie bildet einen eigenen parzellierten Satz: Weint nicht am Grab. Die sie begleitenden Figuren der Akkumulation und des Hyperbatons heben lediglich hervor, wie
32 http://www.15min.lt/naujiena/ziniosgyvai/komentarai/neverkit-pas-kapa-in-memoriam-lietuvos-krepsinio-baznyciai-500-240368#ixzz2aR sqhAU9.
33 http://www.15min.lt/naujiena/ziniosgyvai/komentarai/neverkit-pas-kapa-in-memoriam-lietuvos-krepsinio-baznyciai-500-240368#ixzz2aRsqhAU9.
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Der Autor bewertet die Lage des litauischen Basketballs, die unsichere Situation der Basketballspieler, die Verluste und die daraus in den Köpfen der Landsleute entstehende Verwirrung.
Auf ähnlich humorvolle Weise werden auch kirchliche Texte destrukturiert und auf die unerwartetsten Bereiche übertragen: das Militär, die Politik, den Sport, das Bankwesen und Ähnliches.
Lasst uns von Neuem auf die Knie fallen vor Hammer und Sichel. Nur auf europäische Art – aus freiem Willen. Die Polizei und B. V. samt Gefolge werden uns helfen. Und wir werden noch mehr Auszeichnungen erhalten34.
Die ersten Worte des bekannten Kirchenlieds von Antanas Strazdas, das vor der Messe in der Kirche gesungen wird, werden ironisch umgestaltet, indem zwei Wörter hinzugefügt werden: Von Neuem. Damit wird mit diesen Worten sofort deutlich, was gemeint ist, insbesondere wenn der Gedanke fortgesetzt wird: vor Hammer und Sichel. Der Konflikt dieser Aussage ergibt sich aus den heiligen Worten des Kirchenlieds und dem Symbol der Sowjetunion, die den Atheismus propagierte: Hammer und Sichel, vor denen wir schon einmal auf die Knie gefallen sind. Die Phraseologie, die den Konflikt zwischen Kirchenlied und Atheismus widerspiegelt, wird durch die gleichzeitig auftretenden destruktiven Figuren verstärkt: gleich drei Parzellierungen und eine Ellipse.
Eine an den Anfang (gewöhnlich auch in die Überschrift) gerückte umgestaltete Phraseologie zieht sofort die Aufmerksamkeit des Adressaten auf sich und erzeugt einen unerwarteten, faszinierenden Eindruck: Sie ist eine kurze und wirkungsvolle Werbung für die gesamte Publikation und vermittelt dem Adressaten die wichtigste Botschaft.
Auch die Phraseologie in der Mitte erzielt eine besondere Wirkung. Der Satz auf einem politischen Wahlplakat Wir haben es verdient, besser zu leben wurde wegen seiner doppeldeutigen Aussage zum Klassiker: Die Wähler bezogen diese Worte nicht auf sich selbst, sondern auf die Politiker, die nach der Macht strebten. Die Umformung bringt genau ein solches, von der Gesellschaft ausgesprochenes Urteil zum Ausdruck.
Anstelle von Humor wurde B. V. reichlich mit verlangsamtem Denkvermögen beschenkt. Das wäre ein Staatsgeheimnis geblieben, wenn die Sozialdemokraten nach 20 Jahren im Seimas nicht beschlossen hätten, dass ihre so lange dort sitzende Freundin es verdient habe, besser zu leben – als Wirtschaftsministerin35.
In diesem Absatz ist die Phraseologie in der Mitte als Höhepunkt des gesamten Absatzes von destruktiven Figuren eingerahmt. Zunächst durch Parzellierungen, bei denen ein untergeordneter Attributsatz ungewöhnlicherweise als selbstständiger Satz hervorgehoben wird. Dann durch einen Hyperbaton. Aufgrund der verwendeten destruktiven Figuren wird die lange Pause, die den Absatz durchschneidet, syn-
34 http://www.15min.lt/naujiena/ziniosgyvai/komentarai/rimvydas-valatka-kujis-pjautuvas-ir-j-stalinas-vel-pagarboi-500-334703#ixzz2T9D1wLDD.
35 http://www.15min.lt/naujiena/ziniosgyvai/komentarai/rimvydas-valatka-paplauke-ministrai-kietuole-ir-pukuotukas-500-325861#ixzz2Rpoohyrx.
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Die Taktik erfüllt eine rhetorische Funktion der Ironisierung, als bestätige sie das „verlangsamte Denken“ der Ministerin.
Ein weiteres Beispiel für eine in die Mitte eingefügte Phraseologie:
Während D. G. selbst gezwungen war, einen Regenschirm über dem Kopf des israelischen Präsidenten Sh. P. zu halten, liefen auf „YouTube“ bereits die undiplomatischen Gespräche zweier litauischer Diplomaten. Über den sau-jungen Premier, eine noch tollere Präsidentin und die durchgeknallten Botschafter Armeniens und Aserbaidschans, die tagein, tagaus in unser Außenministerium kommen. Sich beschweren. Der eine sagt, Litauen sei proarmenisch, der andere – es sei proaserbaidschanisch36.
In diesem Absatz ist die in die Mitte eingefügte Phraseologie recht einfallsreich umgestaltet. Wenn wir die beiden rhythmischen achtsilbigen Zeilen hören, können wir tatsächlich Parallelen zu einem nur unterschwellig anklingenden Text von S. Nėris ziehen:
Über den dritten Bruder Jonas – Welch vortrefflicher Reiter ist er. Über Eglė – des Schlangenkönigs Frau, Die ihre Kinder in Bäume verwandelt.
So werden die undiplomatischen Gespräche der litauischen Diplomaten in der unterschwelligen Bedeutung mit Nichtigkeiten, langen Märchen gleichgesetzt, die man „den Kleinen“ erzählt. Witz erhält der Text durch den Sprung vom Märchenmotiv in den prosaischen Alltag, mit dem die Parzellierung pointiert beschrieben wird: Zunächst werden die Gespräche durch einen Punkt abgetrennt. Über..., danach folgt eine aus einem einzigen Wort bestehende, durch Punkte abgetrennte Parzellierung Sich beschweren. Die verschlungenen Wege der Überschneidung von Märchen und Wirklichkeit werden durch den Hyperbaton noch stärker hervorgehoben: Üblicherweise würde man sagen: kommen, um sich zu beschweren, doch diese Verbindung wird durch die lange Wortgruppe in unser Außenministerium unterbrochen.
Noch ein Beispiel für eine in die Mitte eingefügte Phraseologie.
Für die meisten von Ihnen, oder sogar für diejenigen, die diese Zeitung und das Portal unter keinen Umständen jemals lesen (oder ihr Abonnement ab morgen kündigen), war dies ein Beweis dafür, dass die Medien, die unter die Fußleisten gesunken waren, nun schon die Fliesen vom Betonboden reißen und noch tiefer sinken. Dorthin, wo der Keller und bereits die Pforten der Hölle liegen37.
In der Mitte des Absatzes wird eine durch Kontamination umgestaltete Phraseologie verwendet: Der Phraseologismus ein Schlag unter die Gürtellinie wird vom Autor mit der Wendung verbunden, dass
36 http://www.15min.lt/naujiena/ziniosgyvai/komentarai/rimvydas-valatka-ik liuvo-kaip-musele-i-isrugas-500-358795#ixzz2b5RXMkrd.
37 http://www.lrytas.lt/lietuvos-diena/komentarai/tetutes-neringos-krepsys-kaip-pamoka-ziniasklaidai.htm 2013 08 22.
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„tief fallen“ (übertragen bedeutet dies moralischen Verfall) und daraus wird die okkasionelle Neubildung „unter die Fußleisten gefallen“ abgeleitet. Diese bislang unerhörte Wendung wird anschließend ironisch weiterentwickelt, indem man zu einer scheinbar wörtlichen Bedeutung übergeht, obwohl danach wieder zur übertragenen Bedeutung von „den Toren der Hölle“ zurückgekehrt wird. Diese etwas durcheinandergeratene Neubildung, die zusammen mit den destruktiven Figuren Parzellierung und Hyperbaton am Absatzende steht, wird zusätzlich durch Akkumulation und Parenthese gestützt („oder ab morgen das Abonnement kündigt“); sie zeigt den Wunsch des Autors, sich lustig zu machen und den vermeintlichen Niedergang und Zusammenbruch der Medien vor Augen zu führen.
Die mittlere Phraseologie, eingerahmt von destruktiven Figuren, bildet den Höhepunkt des Absatzes und den Gipfel des Witzes des Autors.
Die Phraseologie am Schluss bestätigt die Auffassung der Rhetoriktheoretiker, dass das, was ans Ende gerückt wird, dem Adressaten am längsten im Gedächtnis bleibt.
Hier ein Beispiel, in dem die Umformung einer phraseologischen Wendung schließlich einen reichlich akkumulierten und parzellierten Text abschließt und als Schlussfolgerung dient. Um zu zeigen, dass die Konservativen selbst nicht begreifen, was Konservatismus ist, spricht der Autor bewusst so verworren: In der akkumulierten Sprache versinkt der Konservatismus wie in einem Nebel unverständlich verflochtener Wörter. Das „gibt dem Autor die Möglichkeit, den Adressaten mit leeren, schlampig übereinandergestapelten Konstruktionen zur Verzweiflung zu treiben, um ihm im letzten Augenblick eine helfende Hand zu reichen – und die Kette der ‚Überlegungen‘ zu unterbrechen“ (Клюев 2001: 259).
Mag sein, dass man auf diesen Konservatismus pfeifen kann, den auch die meisten Konservativen nicht ausstehen können; bleibt nur die nackte Kalkulation, dass es besser als nichts sei, D. G. weitere fünf Jahre im Präsidentenamt zu haben, da sie wenigstens auf V. L. hört – dennoch war es diesmal etwas unangenehm, dem Duo V. L. und A. K. bei seinen Treueeiden gegenüber der Präsidentin zuzuhören. Warum? V. L. hatte A. K. einen guten Monat lang wegen mangelnder Nächstenliebe angeprangert. Schöne und richtige Worte. Eine Sünde, ihnen zu widersprechen. Der Mensch lebt wahrlich nicht allein von der Bewältigung von Krisen38. Vgl.: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein (NT, Mt 4,4).
Das Hyperbaton hebt die Unordnung der Akkumulation auch in der Umformung noch stärker hervor. Im Original wird „Brot“ betont und steht deshalb am Ende. In der neuen Variante wird „Brot“ durch „Krisenbewältigung“ ersetzt, während das ans Ende gerückte Wort „lebendig“ zum wichtigsten wird.
Und noch ein Beispiel, in dem dieselbe phraseologische Wendung in zwei Varianten geändert und in beiden Fällen ans Ende gerückt wird:
38 http://www.15min.lt/naujiena/ziniosgyvai/komentarai/v-landSbergis-nokdaune-n-venckiene-pogrindy-prie-razlivo-500-329932#ixzz2d4xD81Ac.
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Selbst wenn A. K. das Superfinale der Konservativen gewinnt – und es sieht ganz danach aus –, wäre das lediglich sein persönlicher Sieg. Den Ausgang dieser Wahlen könnte man nicht Patriarchenwinter nennen. Aber auch A. K.s Sieg wird nicht zum Frühling der Konservativen39.
Die Schlussphraseologie dieses Absatzes ist recht geistreich aus dem Titel des Buches Der Herbst des Patriarchen (Gabriel García Márquez) umgeformt. Bei der ersten Neubildung wurde nur die Jahreszeit geändert, bei der zweiten beide Lexeme; dennoch ist klar, dass beide auf dieselbe Quelle zurückgehen. Beide Neubildungen werden von einer Parzellierung begleitet (ungewöhnlicherweise steht vor der Konjunktion aber ein Punkt statt eines Kommas) und einer Parenthese (und es sieht ganz danach aus). Wo Parzellierung auftritt und zudem eine Parenthese eingeschoben wird, finden sich gewöhnlich auch Elemente eines Hyperbatons. Die ans Satzende gerückten, geistreich geschaffenen Neubildungen wird der Leser gewiss bemerken und sich merken.
Die ans Satzende gerückte Phraseologie vermittelt den Eindruck einer starken logischen Betonung und einer heiter formulierten abschließenden Schlussfolgerung. Sie ist gleichsam der lang ersehnte und endlich gefundene Ausweg aus einer verworrenen Rede.
GRÜNDE FÜR DIE UMFORMUNG DER PHRASEOLOGIE
Redefreiheit, die Demokratisierung der Sprache, bei der man sich zunehmend von der offiziellen Sprache hin zum privaten Sprachgebrauch und zum freien Stil der alltäglichen Kommunikation orientiert (Miliūnaitė 2009: 41–43), der Einfluss der Jugendsprache sowie der Wunsch, die Adressaten im zunehmend aggressiven Wettbewerb der Medien anzusprechen – dies sind nur einige Gründe für den intensiven Sprachwandel, die Veränderung der normativen Syntax und der üblichen syntaktischen Konstruktionen und damit auch für die immer häufigere Umformung der Phraseologie. Mit geistreich und einfallsreich umgeformten Wendungen versuchen Autoren bereits in der Überschrift, die Adressaten für sich einzunehmen.
„Die traditionelle Phraseologie wird den Bedürfnissen des modernen Adressaten nicht mehr gerecht; deshalb wird sie präzisiert, semantisch und stilistisch umgestaltet, ihr wird widersprochen, und man stimmt ihrem Sinn nicht zu“ (Stojanova 1999: 336). Was über die Erneuerung der traditionellen Phraseologie (zu ihrem Begriff gehören auch die Parömien40) in anderen Ländern geschrieben wird, trifft auch auf die Situation der litauischen Phraseologie im weiteren Sinne zu. Die ungarische Wissenschaftlerin Ana Litovkina schreibt: „Die Parodie von Sprichwörtern ist kein neues Phänomen, doch in den vergangenen zwei Jahrzehnten werden Sprichwörter verfremdet
39 http://www.15min.lt/naujiena/ziniosgyvai/komentarai/v-landsbergis-nokdaune-n-venckie-ne-pogrindy-prie-razlivo-500-329932#ixzz2d4xD81Ac.
40 Gr. paroimia – Spruch, Sprichwort. Der Begriff der Parömien wurde in den vergangenen Jahrzehnten erheblich erweitert: Dazu zählen auch „geflügelte“ Worte, Sentenzen, Aphorismen, Zitate literarischen Ursprungs und Ähnliches.
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und so intensiv parodiert, dass die neuen Varianten bisweilen viel häufiger zu hören sind als die ursprünglichen Sprichwörter“ (Litovkina 2004: 295). Oft wird die Phraseologie gleichsam spielerisch umgestaltet: Es wird ironisiert, parodiert, kritisiert; sowohl die Lexik als auch die Syntax werden verändert – „das, was alt, überholt und für diese Zeit nicht mehr passend ist“ (Zaikauskienė 2008: 86).
Die Zunahme umgestalteter Phraseologie und der sie begleitenden destruktiven Figuren in den Medien lässt sich auch mit einer modischen Tendenz in Texten des publizistischen Stils verschiedener Genres in Verbindung bringen. Andererseits könnte dieses soziolinguistische Phänomen aus Konflikten und Widersprüchen im sozialen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Leben hervorgegangen sein. Destruktive Figuren, die denselben Ursprung haben wie die umgestaltete Phraseologie, tragen wesentlich dazu bei, diese Widersprüche widerzuspiegeln und Dynamik sowie Spannung zu erzeugen: „den Gedanken nichtlinear darzulegen, den Wechsel der Satzintonation zu verändern, die Stellen der logischen Akzente neu zu verteilen, um eine widersprüchliche, dilemmatische Gedankenentwicklung zum Ausdruck zu bringen.“ (Abaravičius 2002: 223). Indem die Autoren kritisch parodieren, ironisieren und das Alte aufbrechen, spiegeln sie die allgemeine Spannung und die Unbeständigkeit des Lebens gut wider.
SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. Die Wirksamkeit der phraseologischen Umgestaltung sowie die stilistischen Möglichkeiten, ihren Inhalt zu aktualisieren und die Sprache zu beleben, nehmen zu, wenn sie mit syntaktischen destruktiven Figuren verflochten ist. Dann tritt auch die Wirkung dieser Figuren deutlicher hervor.
2. Je nachdem, an welcher Stelle der syntaktischen Struktur sich der paraphrasierte Text befindet, lassen sich Phraseologie am Absatzanfang, in der Absatzmitte und am Absatzende unterscheiden. Es hat sich gezeigt, dass sie sich in der Medienberichterstattung der vergangenen Jahre unabhängig von ihrer Position in der syntaktischen Struktur vor allem mit der allgegenwärtig etablierten Parzellierung verbindet. Mit ihr treten auch andere markante destruktive Figuren auf – Hyperbaton, Akkumulation, Ellipse, Adjunktion und Parenthese.
3. Die Wirksamkeit umgestalteter Phraseologie wird durch die Verflechtung mit destruktiven Figuren erheblich verstärkt; sie erfüllt die rhetorischen Funktionen, Aufmerksamkeit zu erregen, zu intrigieren, satirisch zu ironisieren, Witz und Humor zu vermitteln sowie zu parodieren. Eine spielerisch umgestaltete Äußerung zieht die Aufmerksamkeit des Adressaten auf sich und ruft augenblicklich die ursprüngliche Phraseologie mit ihrer gesamten gewohnten Lexik und Syntax in dessen Gedächtnis wach; erst der Kontext der destruktiven Figuren gibt den Gedanken die eigentliche Intention der phraseologischen Umgestaltung vor.
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LITERATŪRA
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Gauta 2013 10 09
Priimta 2013 12 20
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PLAY ON RECREATED PHRASEOLOGY IN THE MEDIA
Summary
The recreation of phraseology in the media relies on both the change of conventional and well-established lexis as well as syntactic order. First of all, phraseology itself is figure-based; stylistically, the figures around it are none the less important. The article shows how syntactic destructive figures help to highlight the meaning, implication and reasons of recreation of phraseology.
As a result of the playful combination of recreated phraseology and destructive figures in the text, rhetorical functions of attraction of attention, intriguing, satire-based irony and parody become especially strong. In combination with phraseology, destructive figures, which simultaneously comment on it, help to explain and understand the recreation of traditional phraseology and to highlight the turn of thought. The effect of the figures themselves increases when they intertwine among themselves, support one another and go together with phraseology.
It has been proven that irrespective of the place of phraseology in the syntactic structure, it first of all combines with parcellation and other accompanying destructive figures – hyperbaton, accumulation, parenthesis, adjunction, ellipsis. The domination of parcellation and other destructive figures is seen in a number of publicistic texts of the journalism of evaluative type of recent years.
The phraseology of the beginning, centre and end can be distinguished by the place of the paragraph content structure in which the rephrased text is located. The wittily recreated phraseology positioned in the beginning immediately draws the addressee’s attention and makes an unexpected intriguing impression. Central phraseology, framed by destructive figures, becomes the culmination of the paragraph. The phraseology positioned at the end creates an impression of a strong logical highlight and a vividly formulated final conclusion.
The growth in the number of recreated phrases conflicting with conventional phraseology and the accompanying destructive figures can be associated with the confusion in social, economic, political and cultural life as well as the increased competition within the media.
Critically and ironically-minded authors with a negative and especially hyperbolic evaluation of topical life affairs, witty and ingenuous parody as well as brave destruction of the old try to attract the addressee and to grip his/her attention by any means possible.
KEYWORDS: recreated phraseology, syntactic destructive figures, accumulation, hyperbaton, parcellation, parenthesis.
REGINA KOŽENIAUSKIENĖ
Vilniaus universiteto Filologijos fakultetas
Universiteto g. 5, LT-01513 Vilnius
[email protected]
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