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Prijungiamasis ryšys lietuvių sintaksės darbuose (XX a. pirmoji pusė)

Artūras Judžentis

Abstract

    Straipsnyje apžvelgiama, kaip XX a. pirmosios pusės lietuvių sintaksės darbuose skirstomas prijungiamasis ryšys, kiek jo rūšių ir kokios jos skiriamos. Pradedama nuo Jono Jablonskio Lietuvių kalbos sintaksės (1911), o baigiama Leonardo Dambriūno Lietuvių kalbos sintakse (1946 metų ir vėlesniais leidimais). Žiūrima skiriamų prijungimo rūšių sampratos, jų apibrėžimo ir taikymo apibūdinant bei skirstant sakinio dalis.

Full text

ARTŪRAS JUDŽENTIS Kunstakademie Vilnius DIE SUBORDINIERENDE BEZIEHUNG IN LITAUISCHEN SYNTAXARBEITEN (ERSTE HÄLFTE DES 20. JAHRHUNDERTS)1 SCHLÜSSELWÖRTER: Subordination, Kongruenz, Rektion, Jurgis Ambraška, Leonardas Dambriūnas-Dambrauskas, Mykolas Durys, Jonas Jablonskis, Alfonsas Kalnius, Petras Klimas, Zigmantas Kuzmickis, Petras Skardžius, Juozas Žiugžda. ZUSAMMENFASSUNG Der Artikel gibt einen Überblick darüber, wie in den Syntaxarbeiten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die subordinierende Beziehung im Litauischen eingeteilt wird, wie viele Arten davon unterschieden werden und welche dies sind. Die Darstellung beginnt mit Jonas Jablonskis Lietuvių kalbos sintaksės (1911) und endet mit Leonardas Dambriūnas’ Lietuvių kalbos sintakse (Ausgabe von 1946 und spätere Ausgaben). Untersucht werden die Konzepte der unterschiedenen Arten der Subordination, ihre Definition und ihre Anwendung bei der Beschreibung und Einteilung der Satzglieder. EINLEITUNG Kongruenz und Rektion – traditionelle Arten der subordinierenden Beziehung – werden bereits in der ersten Grammatik der litauischen Sprache aus dem Jahr 1653 erwähnt. Danielius Kleinas erkennt Kongruenz dort, „wo Wörter im selben Kasus und derselben Person übereinstimmen“, Rektion hingegen dort, „wo ein Wort ein anderes Wort in einem anderen Kasus oder einer anderen Person regiert“ (Kruopas, Hrsg., 1957: 511). Es zeigt sich, dass bereits in diesen ersten Definitionen syntaktische Phänomene – Arten der Subordination – nicht von morphologischen Phänomenen unterschieden werden, das heißt, nicht von ihrer Kennzeichnung durch morphologische Formen der abhängigen Wörter. Leider war dies für die litauische Syntaxwissenschaft noch fast dreieinhalb Jahrhunderte lang charakteristisch – bis zum Ende des 20. Jahrhunderts und häufig sogar bis heute. 1 Der Artikel entstand im Rahmen des von der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache geförderten Projekts Lietuvių kalbos sintaksiniai ryšiai (Vertrag Nr. K-16/2020 vom 31.01.2020). BENDRINĖ KALBA 94 (2021) http://journals.lki.lt/bendrinekalba ISSN 2351-7204 ARTŪRAS JUDŽENTIS. Prijungiamasis ryšys lietuvių sintaksės darbuose (XX a. pirmoji pusė) | 2 doi.org/10.35321/bkalba.2021.94.05 Um zu verstehen, wie das heutige schulische System der drei Arten der Anfügung – Kongruenz, Rektion und Anlehnung – entstanden ist, wurde beschlossen, die syntaktischen Arbeiten des frühen 20. Jahrhunderts genauer in den Blick zu nehmen, vor allem Lehrbücher für höhere Schulen und für die breite Öffentlichkeit bestimmte Nachschlagewerke. Den Ausgangspunkt bildet Jonas Jablonskis Lietuvių kalbos sintaksės, da seine Lietuviškos kalbos gramatikoje von 1901 zu den hier interessierenden Fragen nichts gesagt wird. Von anderen Übersichten ähnlicher Art (z. B. derjenigen in der Dissertation von Ramunė Vaskelaitė, siehe Vaskelaitė 2009) unterscheidet sich diese Arbeit vor allem durch andere theoretische Ausgangspunkte: Der Autor versteht syntaktische Beziehungen als Phänomene der Syntaxebene, die auf der Morphologieebene ausgedrückt werden können. Daher werden darin die Ebenen der Auffassung syntaktischer Phänomene eingehender untersucht. Ziel dieser Übersicht ist es, die Ursprünge einiger grundlegender Begriffe der litauischen Syntax des 20. Jahrhunderts erneut zu erörtern und nachzuzeichnen, wie die noch heute vorherrschenden Auffassungen syntaktischer Beziehungen entstanden sind, wobei der Unterscheidung der Ebenen von Semantik, Syntax und Morphologie besondere Aufmerksamkeit gilt. Aus diesem Ziel ergeben sich unmittelbar auch die Forschungsaufgaben: die in jeder syntaktischen Abhandlung unterschiedenen syntaktischen Beziehungen zu beschreiben, sie mit früheren Arbeiten (im Hinblick auf Übernahme) und späteren Arbeiten (im Hinblick auf mögliche Einflüsse) zu vergleichen und die vermutete Herkunft der theoretischen Grundlagen herauszuarbeiten. Die Forschungsmethoden entsprechen denen, die für Arbeiten dieser Art üblich sind. Zunächst wird jede der besprochenen Arbeiten untersucht (analytische Methode); anschließend wird sie mit früheren und späteren Arbeiten verglichen, um ihren Stellenwert in der Entwicklung der syntaktischen Theorie zu bestimmen (vergleichende Methode); schließlich wird ein allgemeinerer Blick auf die Arbeiten des Untersuchungszeitraums geworfen und es werden Besonderheiten der Entwicklung des syntaktischen Denkens sowie theoretische Tendenzen herausgearbeitet (deduktive Methode). Die besprochenen Arbeiten werden chronologisch dargestellt. Der Artikel gliedert sich entsprechend dem Erscheinungszeitpunkt der behandelten Arbeiten in drei Abschnitte: „Vorfrühling“, „Die Zeit der Unabhängigkeit“ und „Kriegsjahre“. Er schließt mit einer Zusammenfassung der Übersicht. I. VORFRÜHLING Jono Jablonskio Lietuvių kalbos sintaksėje (1911) prijungimo atmainos – derinimas ir valdymas – atskirai neaptariamos, nėra nė jų apibrėžimų. Vis dėlto apie derinimą veikale kalbama. Štai skyriaus „Sakinio dalių sudėtis ir įvairovės“ 25-oje skiltyje minimas tarinio derinimas su veiksniu: „Grynasis tarinys (ir sudurtinio tarinio jungtis) asmenimi ir skaičiumi BENDRINĖ KALBA 94 (2021) http://journals.lki.lt/bendrinekalba ISSN 2351-7204 ARTŪRAS JUDŽENTIS. Prijungiamasis ryšys lietuvių sintaksės darbuose (XX a. pirmoji pusė) | 3 doi.org/10.35321/bkalba.2021.94.05 wird sprachlich mit dem Subjekt kongruent gesetzt“, z. B.: Mes nė vienas neišmanom. Žt. (Palionis, Hrsg., 1957: 462). In Spalte 26 heißt es, dass auch der nominale Teil des zusammengesetzten Prädikats mit dem Subjekt kongruiert: „Die Kasus der kongruierenden Wortarten, die an die Stelle des flektierten Prädikatsteils treten, kongruieren hinsichtlich Genus und Numerus mit den Subjekten der Sätze“, z. B.: Dievo gėrybė neišmastoma. Pr. (Palionis, Hrsg., 1957: 462). Wie zu erkennen ist, vermischen sich in diesen Aussagen untrennbar die Ebenen der Syntax (die syntaktische Beziehung selbst) und der Morphologie (ihre Kennzeichnung durch Genus-, Numerus- und Kasusmorpheme). Weiter spricht Jablonskis (in Spalte 27) über die Kongruenz der sogenannten Neutrumadjektive und -partizipien, die als nominaler Teil des zusammengesetzten Prädikats fungieren, in unpersönlichen Sätzen: „Wo das Subjekt des Satzes grammatisch unklar ist, wo kein grammatisches Subjekt vorhanden ist (in allen unpersönlichen Sätzen), wo es durch ein Adjektiv oder Pronomen im Neutrum vertreten wird, wo das Subjekt durch eine unausgesprochene Ausdrucksform [= den Infinitiv] vertreten wird, allein oder auch zusammen mit dem Nominativ eines flektierbaren Wortes, nehmen in allen solchen Sätzen die kongruierenden Prädikate (Adjektive und Partizipien) die Neutrumform an“, z. B.: Dabar dienos trumpa, nakties ilga. Sv. (Palionis, Hrsg., 1957: 463). Außerdem können Adjektive und Pronomen im Neutrum, die als nominaler Prädikatsteil fungieren, auch mit dem Nominativ des Subjekts oder einem Infinitiv kongruieren, allein oder zusammen mit dem Nominativ eines flektierbaren Wortes, z. B.: Iš bado ir varškė gardu. Sv. (Palionis, Hrsg., 1957: 464–465). In diesen Fällen, in denen der Inhalt der Subjektkategorie unklar oder die Satzbedeutung verallgemeinert ist, werden die Prädikate zwar als kongruierend bezeichnet, doch wird das Neutrum, das in ihrem nominalen Teil auftritt, nicht kongruiert, sondern gewählt (sie „nehmen“ das Neutrum „an“). Neben Syntax und Morphologie ist in solchen Fällen auch die Bedeutung des Satzes von Belang. J. Jablonskis spricht über Kongruenz auch, wenn er Attribute in kongruierende und nicht kongruierende einteilt. In Spalte 29 schreibt er: „Das kongruierende Attribut drücken wir durch Adjektive, Partizipien, Pronomen, Numeralia und mitunter auch durch bestimmte Substantive aus, die mit ihren Bezugswörtern hinsichtlich Genus, Numerus und Kasus kongruieren“ (Palionis, Hrsg., 1957: 467). Dies ist die in der litauischen Sprachwissenschaft übliche grammatische Kongruenz. Kongruierende Attribute werden auch in der Lietuvių kalbos gramatikoje von 1922 erwähnt (Palionis, Hrsg., 1957: 407–408). In der Lietuvių kalbos sintaksėje wird auch „Kongruenz nach dem Sinn“ erwähnt, bei der man beim Kongruieren „nicht auf Genus, Numerus und Kasus der Grammatik, sondern auf den gesamten Sinn dieser Äußerungen achtet“, z. B.: Šeimyna pasilikę vienas kalė, kitas dailino... Žt. (Palionis, Hrsg., 1957: 467). Mit dieser Aussage betont J. Jablonskis die Bedeutung der semantischen Komponente und ihren Vorrang gegenüber der Morphologie. BENDRINĖ KALBA 94 (2021) http://journals.lki.lt/bendrinekalba ISSN 2351-7204 ARTŪRAS JUDŽENTIS. Prijungiamasis ryšys lietuvių sintaksės darbuose (XX a. pirmoji pusė) | 4 doi.org/10.35321/bkalba.2021.94.05 Ein durch ein Substantiv ausgedrücktes kongruierendes Attribut wird Apposition genannt. Mit dem Bezugswort kongruiert die Apposition nur im Kasus, z. B.: Pamotėlė-raganėlė grub ein Loch für Glutstückchen. Ps. (Palionis, Hrsg., 1957: 468). Die Rektion wird nicht nur nicht definiert, auch den Begriff verwendet J. Jablonskis nicht. Man könnte begründet erwarten, dass die Rektion im Abschnitt über Objekte erwähnt wird. Dort ist jedoch von der Bedeutung der Objekte die Rede, nicht von syntaktischen Eigenschaften: „<...> diese Objekte werden noch andere Dinge bezeichnen, mit denen die genannten = [<...>] Handlungen verbunden sind“ (Palionis, Hrsg., 1957: 470). Objekte bezeichnen, „welche anderen Dinge außer dem Subjekt am Geschehen oder am Zustand in irgendeiner Weise beteiligt sind“ (Palionis, Hrsg., 1957: 470). Diese Aussagen umreißen den Inhalt des Objekts als Satzglied. Der Begriff des Objekts wird überhaupt nicht mit der syntaktischen Rektion des übergeordneten Wortes, also mit dessen Forderung, in Verbindung gebracht. Man kann sagen, dass J. Jablonskis Lietuvių kalbos sintaksė die Leitlinien für die Entwicklung der litauischen Sprachwissenschaft vorgab. Sie bildete die Grundlage, von der aus die junge Sprachwissenschaft des unabhängigen Litauens ihren Ausgang nahm. Wie zu sehen ist, trägt dieses Werk wenig zur Theorie der syntaktischen Beziehungen bei: Kongruenz wird als Abstimmung morphologischer Formen aufgefasst (des einfachen Prädikats, der Kopula des zusammengesetzten Prädikats und seines nominalen Teils mit dem Subjekt sowie des Attributs mit seinem Bezugswort), mit einem Einschlag semantischer Kongruenz (in unpersönlichen Sätzen); die Rektion wird nicht einmal als Begriff erwähnt. Dieses Verständnis von Kongruenz übernahmen, entwickelten und präzisierten sämtliche litauischen Grammatiken des unabhängigen Litauens; die Rektion als eigenständige Art der Unterordnung wurde dagegen erst viel später und nur mit Mühe erkannt und definiert. Petro Klimo Lietuvių kalbos sintaksėje (1915), kurią jis parašė, naudodamasis J. Jablonskio Sintaksės turiniu, jokių naujovių mums rūpimu reikalu nėra. P. Klimas, kaip ir J. Jablonskis, aptaria tarinių ir pažyminių derinimą, o apie valdymą visai nekalba. Papildiniai, jo manymu, tik papildo tarinio reikšmę: „Be papildinių veiksmas arba stov(is) sakinyje labai dažnai neišeitų aikštėn pilnokas“ (Klimas 1915: 13). Jo Sintaksėje kalbama tik apie veiksmažodžio papildinius. II. DIE ZEIT DER UNABHÄNGIGKEIT Aus Sicht der Syntax-Theorie war das Lehrbuch von Mykolas Durys, Lietuvių kalbos sintaksė (1927), eigenständig und mutig. Es beeindruckt mit seinem Anspruch, die Logisierung der Grammatik zu überwinden und „philosophische Spekulation“, „tote Scholastik“ aufzugeben. Der Autor räumt ein, dass er sich beim Schreiben BENDRINĖ KALBA 94 (2021) http://journals.lki.lt/bendrinekalba ISSN 2351-7204 ARTŪRAS JUDŽENTIS. Prijungiamasis ryšys lietuvių sintaksės darbuose (XX a. pirmoji pusė) | 5 doi.org/10.35321/bkalba.2021.94.05 des Lehrbuchs auf die Junggrammatiker und russische Sprachwissenschaftler stützte, vor allem aber auf die russische Syntax von Aleksandr Matvejevič Peškovskij (Пешковский 1920). Auch in diesem Lehrbuch werden die syntaktischen Beziehungen nicht gesondert behandelt. Über Kongruenz ist jedoch im Abschnitt „Kongruenz des Prädikats mit dem Subjekt“ die Rede (Durys 1927: 22–23). Selbst das Prädikat definiert M. Durys nicht anhand seiner Bedeutung, sondern anhand der Kongruenz: „Prädikat nennen wir zunächst das mit dem Subjekt kongruierende Verb des Satzes“ (Durys 1927: 21). Im genannten Abschnitt wird diese Kongruenz präzisiert: „Numerus und Person sind die Formen, durch die sich das Prädikat in unserer Sprache gewöhnlich (zumindest meistens) den Formen des Subjekts anpasst“ (Durys 1927: 23). Direkt anschließend folgt die Definition der Kongruenz: „<...> Eine Anpassung, bei der nämlich die Form eines Wortes einer anderen Wortform folgt, heißt in der Syntax Kongruenz“ (Durys 1927: 23). Dies ist wohl die erste Definition der Kongruenz im unabhängigen Litauen. Sie bringt übrigens das syntaktische Wesen der Beziehung recht gut zum Ausdruck – konkrete morphologische Formen, durch die Kongruenz ausgedrückt wird, werden nicht genannt; stattdessen ist allgemein von der „Wortform“ die Rede. J. Jablonskis folgend behandelt M. Durys anschließend zwei Arten der Prädikatskongruenz: Das einfache Prädikat und die Kopula des zusammengesetzten Prädikats kongruieren mit dem Subjekt in Person und Numerus, die nominalen Teile zusammengesetzter Prädikate und prädikativer Verbindungen (M. Durys’ Terminus) dagegen in Genus und Numerus. Auch Fälle fehlender Kongruenz werden behandelt. Attribute werden im Lehrbuch, ähnlich wie Prädikate, anhand ihrer Kongruenz definiert: „Als Attribut bezeichnen wir ein Adjektiv oder Partizip, das beim Substantiv steht und mit ihm kongruiert“ (Durys 1927: 29). Behandelt werden ausschließlich kongruierende Attribute. Die Formen mano, tavo, savo, die mit Substantiven auftreten, werden als nichtgrammatische Attribute bezeichnet (Durys 1927: 76). Eine gesonderte Definition der Rektion gibt M. Durys nicht. Er erwähnt sie jedoch im Zusammenhang mit den Objekten. Zunächst wird bei deren Definition auf die Abhängigkeit abgestellt: „Objekte sind keine selbstständigen, sondern abhängige Formen; sie hängen von anderen Satzwörtern ab“ (Durys 1927: 25). Unterschieden werden regierte und freie Objekte. „Regierte Objekte sind solche, deren bestimmte Form (Kasus) das Verb zwingend verlangt“, z. B. Svetimi dūmai akis graužia R. J.; „freie Objekte nennen wir diejenigen Objekte, deren bestimmte Form (Kasus) das Verb nicht zwingend verlangt“, z. B.: kalbėjome visą valandą (Durys 1927: 26). Wie zu sehen ist, kommt die Definition der regierten Objekte dem Begriff der Rektion selbst sehr nahe. Zwar wird Rektion mit der Forderung nach einer morphologischen Kasusform in Verbindung gebracht, doch diese Form (oder BENDRINĖ KALBA 94 (2021) http://journals.lki.lt/bendrinekalba ISSN 2351-7204 ARTŪRAS JUDŽENTIS. Prijungiamasis ryšys lietuvių sintaksės darbuose (XX a. pirmoji pusė) | 6 doi.org/10.35321/bkalba.2021.94.05 (Formen) wird nicht benannt. Viele der von M. Durys angeführten Beispiele für freie Ergänzungen sind aus heutiger Sicht nichts anderes als Adverbialbestimmungen. Darüber hinaus bringt M. Durys Ergänzungen nicht nur mit Verben in Verbindung – sie „können von jedem Wort eines vollständigen Satzes abhängen“: von Substantiven, Adjektiven und Adverbien (Durys 1927: 27–28). Auch Ergänzungen bei Nomina können regiert oder frei sein, doch „[E]ine fest mit einem Substantiv verbundene, tatsächlich regierte (abhängige) Ergänzung ist nur der Genitiv“, z. B. das Haus des Vaters, während „alle übrigen Nominalergänzungen lediglich freie Ergänzungen sind, die den Nomina nur beigefügt sind“ (Durys 1927: 29). Somit wird in M. Durys’ Syntax wohl zum ersten Mal im unabhängigen Litauen eine Definition der Kongruenz gegeben. Außerdem wird sie nicht an einen bestimmten morphologischen Ausdruck gebunden. Obwohl die Rektion im Lehrbuch nicht definiert wird, ist der Begriff Rektion dennoch in Gebrauch (regierte Ergänzungen). Der Begriff der Rektion wird mit Abhängigkeit verbunden, und Rektion wird allgemein als Forderung einer Kasusform verstanden. M. Durys’ innovatives Lehrbuch war offenbar nicht erfolgreich. 1930 erschien Zigmanto Kuzmickio Lietuvių kalbos sintaksė. Es war an Schulen beliebt: Innerhalb eines Jahrzehnts wurden fünf Auflagen dieses Lehrbuchs veröffentlicht. Z. Kuzmickis’ Lehrbuch folgt nicht dem Weg der formalen Grammatik („die rein formale Richtung der Grammatik ist uns vorerst nicht annehmbar“), sondern dem damals üblichen Weg der logisch-psychologischen Grammatik: „Beim Schreiben dieser Syntax richtete ich viel Aufmerksamkeit auf die grammatischen Formen und ihre Beziehungen, bemühte mich aber, sie überall mit dem psychologisch-logischen Denken zu verbinden“ (Kuzmickis 1930: 5). Die Gliederung von Z. Kuzmickis’ Lehrbuch ist neuartig: Den syntaktischen Beziehungen widmet er nicht nur ein eigenes Kapitel „Kongruenz und Rektion der Wörter“, sondern stellt es auch an den Anfang des einleitenden Teils der Syntax (Kuzmickis 1930: 11–15). Seine Definition der Kongruenz ähnelt der von M. Durys gegebenen: „Eine solche Ordnung der Wortformen im Satz, bei der eine Wortform, von einer anderen abhängig, mit dieser anderen Form in Einklang gebracht, mit ihr abgestimmt wird, heißt Kongruenz“ (Kuzmickis 1930: 13). Auch hier werden keine konkreten morphologischen Formen genannt, sondern allgemein von einer Wortform gesprochen. Außerdem wird Kongruenz mit Abhängigkeit verbunden (abhängig). Im Lehrbuch wird wohl zum ersten Mal im unabhängigen Litauen die Rektion definiert, doch wird sie nicht durch die Hervorhebung ihrer charakteristischen Merkmale, sondern durch die Abgrenzung von der Kongruenz definiert: „Eine solche Form der Satzwortformen BENDRINĖ KALBA 94 (2021) http://journals.lki.lt/bendrinekalba ISSN 2351-7204 ARTŪRAS JUDŽENTIS. Prijungiamasis ryšys lietuvių sintaksės darbuose (XX a. pirmoji pusė) | 7 doi.org/10.35321/bkalba.2021.94.05 „Die Regelung, bei der eine Wortform beim Übergang von einer anderen Form nicht mit dieser anderen Form in Einklang gebracht, nicht mit ihr abgestimmt wird, heißt Rektion“ (Kuzmickis 1930: 13). Bei der Untersuchung der Syntax des einfachen Satzes wird nicht das Prädikat (wie bei M. Durys), sondern das Subjekt anhand der Kongruenz (sowie der Ausdrucksform und der Bedeutung) definiert: „<...> Das Subjekt ist ein Nominativ, der seiner Form nach mit dem Prädikat kongruiert, oder ein anderes Wort, das diesen Nominativ vertritt und dasjenige bezeichnet, dem die Handlung oder Eigenschaft des Prädikats zugeordnet wird“ (Kuzmickis 1930: 17). Die Kongruenz des Subjekts mit dem Prädikat wird auch in einem eigens dafür vorgesehenen Abschnitt behandelt, in dem das einfache und das zusammengesetzte Prädikat untersucht werden. Z. Kuzmickis fügt eine bemerkenswerte Anmerkung hinzu: „Der Kasus des nominalen Prädikatsteils wird bisweilen nicht kongruiert, sondern regiert: gewöhnlich regiert ihn die Prädikatskopula (nėr močiutės)“ (Kuzmickis 1930: 22). Er hat richtig erkannt, dass der Kasus des Substantivs, das als nominaler Prädikatsteil fungiert, von der negativen Kopula abhängt. Folgt man dieser Einsicht konsequent weiter, müsste auch die bejahende Kopula den entsprechenden Nominativ regieren (yra / buvo močiutė)... Z. Kuzmickis unterteilt die Attribute in kongruierende und regierte. Kongruierende Attribute sind adjektivisch und kongruieren mit den Bezugswörtern in Genus, Numerus und Kasus, oder substantivisch, also Appositionen, die nur im Kasus kongruieren. Regierte Attribute stehen entweder im Genitiv oder im Instrumental, z. B.: sidabro (Tau), geltonais žiedeliais (Blume) (Kuzmickis 1930: 27). Die Auffassung regierter Attribute verwischt die Unterschiede zwischen Attributen und Objekten (als regiert gelten gewöhnlich Objekte, nicht Attribute). Diese Auffassung räumt nicht den syntaktischen Beziehungen Vorrang ein (denn ihr zufolge können sowohl Objekte als auch Attribute regiert sein), sondern der morphologischen Ausdrucksform dieser Satzglieder. M. Durys’ Sintaksė war in dieser Hinsicht „syntaktischer“. Bei der Beschreibung der Objekte kommt Z. Kuzmickis hingegen ganz ohne Erwähnung der Rektion aus. Ihm genügen allein ihre Ausdrucksform und ihre Funktion im Satz: „<...> jene Wörter, die durch flektierbare Wörter oder durch andere Wörter, die diese vertreten, mit oder ohne Präpositionen ausgedrückt werden und im Satz keine adverbiale Bestimmung bilden, nennen wir Objekte“ (vgl. Kuzmickis 1930: 43–44). Bei einer Neuauflage des Buches nahm der Autor einige Änderungen vor und präzisierte insbesondere die Definitionen. So werden Kongruenz und Rektion in der fünften, vermutlich 1939 erschienenen Ausgabe des Lehrbuchs (das Erscheinungsjahr ist nicht angegeben) folgendermaßen definiert: „Wenn ein Wort von einem anderen Wort abhängt und mit ihm kongruiert, so heißt ein solches Wortverhältnis K o n g r u e n z“; „Wenn ein Wort von einem anderen Wort abhängt, aber nicht mit ihm kongruiert, so heißt ein solches Wortverhältnis R e k t i o n“ (Kuzmickis [1939?]: 13). Beide syntaktischen Beziehungen werden auf der Grundlage des Begriffs der Abhängigkeit definiert, als wären sie deren Unterarten. Die syntaktische Natur von Kongruenz und Rektion wird treffend herausgearbeitet. Allerdings wird Kongruenz in einem fehlerhaften Zirkelschluss definiert BENDRINĖ KALBA 94 (2021) http://journals.lki.lt/bendrinekalba ISSN 2351-7204 ARTŪRAS JUDŽENTIS. Prijungiamasis ryšys lietuvių sintaksės darbuose (XX a. pirmoji pusė) | 8 doi.org/10.35321/bkalba.2021.94.05 (weil in der Definition dasselbe Wort sowohl in seiner gewöhnlichen als auch in seiner terminologischen Bedeutung verwendet wird: kongruiert, also Kongruenz), während die Definition der Rektion auf der Kongruenz beruht. Auch die Definition des Subjekts wurde präzisiert – die Kongruenz mit dem Prädikat ist darin nicht mehr enthalten: „Das Subjekt ist ein Nominativ, der angibt, wem das Prädikat zugeordnet wird; mit dem Subjekt kongruiert das Prädikat“ (Kuzmickis [1939?]: 18). Unverändert blieben die Erörterung der Kongruenz von Subjekt und Prädikat, die Unterteilung der Attribute und die Definition der Objekte. Wie sich zeigt, griff Z. Kuzmickis bei der Definition der Arten der Unterordnung auf M. Durys’ Vorarbeit zurück und führte sie konsequent weiter. Die von Z. Kuzmickis herausgestellte Abhängigkeit (Kongruenz) des Subjekts vom Prädikat, auf die später verzichtet wurde, wirkt ausgesprochen modern. Die Unterscheidung eines regierten nominalen Prädikatsteils sowie regierter Attribute zeigt jedoch, dass Z. Kuzmickis die syntaktische Natur der Wortbeziehung noch nicht von ihrer morphologischen Ausdrucksform abgrenzt. Betrachten wir nun die Hochschullehre. In Pranas Skardžius’ Vorlesungen „Istorinė lietuvių kalbos gramatika: sintaksė“, die vermutlich zwischen 1935 und 1938 verfasst wurden, werden nicht nur Themen der historischen Syntax behandelt. Wie der Herausgeber des Buches, Albertas Rosinas, anmerkt, „sind sie im Wesentlichen den Problemen der synchronischen Syntax gewidmet und spiegeln die Errungenschaften des europäischen syntaktischen Denkens der dreißiger Jahre wider“ (Rosinas, Hrsg. und Bearb., 1998: 15). Im Abschnitt „Wortgruppen“ unterteilt P. Skardžius, ausgehend von Bedeutungsbeziehungen, die syntaktischen Beziehungen zwischen den Wörtern, aus denen sie bestehen, in koordinierende (beiordnende) und subordinierende (unterordnende): „Mit Wortgruppen bezeichnen wir die wechselseitige Beziehung auf unterschiedliche Weise, nämlich: So wie einzelne Vorstellungen entweder koordiniert (d. h. einander gleichrangig gegenübergestellt) oder subordiniert (d. h. einander untergeordnet) sein können, so können auch die sprachlichen Ausdrucksformen dieser Vorstellungen koordiniert oder subordiniert sein“ (Rosinas, Hrsg. und Bearb., 1998: 520). In den Vorlesungen werden die wechselseitigen Beziehungen der Wörter, die subordinierte Gruppen bilden, nicht eigens erörtert; dem Begriff der Rektion nähert sich der Text jedoch im Abschnitt „Verbgruppe“, wo davon die Rede ist, dass Verben ein Objekt „verlangen“ (d. h. fordern) oder „nicht verlangen“: „<...> Man unterscheidet transitive und intransitive Verben, d. h. solche, die ein Objekt verlangen, und solche, die keines verlangen, z. B.: mušti, siūti ir miegoti, šokti. Dieser Unterschied ist jedoch nicht immer eindeutig“ (Rosinas, Hrsg. und Bearb., 1998: 526). Skyrelyje „Kongruencija“ (Rosinas, sud. ir par., 1998: 544–546), jau aptarus subordinuojamąsias ir koordinuojamąsias žodžių grupes, atskirai kalbama apie formalų žodžių BENDRINĖ KALBA 94 (2021) http://journals.lki.lt/bendrinekalba ISSN 2351-7204 ARTŪRAS JUDŽĖNTIS. Prijungiamasis ryšys lietuvių sintaksės darbuose (XX a. pirmoji pusė) | 9 doi.org/10.35321/bkalba.2021.94.05 Die Kongruenz. Darin werden kurz verschiedene Kongruenzfälle erörtert: die Kongruenz der Apposition mit ihrem Bezugswort, das Substantiv (Prädikatsnomen) und das Adjektiv (Prädikatsadjektiv) im zusammengesetzten Prädikat mit einem als Subjekt fungierenden Substantiv, das als Attribut fungierende Adjektiv (attributives Adjektiv) mit dem Bezugsnomen, ein attributives oder prädikatives Adjektiv mit mehreren Substantiven, ein prädikatives Attribut mit einem als Subjekt fungierenden Substantiv, ein als Attribut fungierendes Adjektiv mit seinem Bezugsnomen oder mehreren Substantiven und schließlich ein Verb mit einem als Subjekt fungierenden Pronomen. Im letztgenannten Fall wird beispielsweise nur die Kongruenz des Verbs in Person und Numerus mit einer oder mehreren als Subjekt fungierenden Personen erwähnt. Mit anderen Worten: Es werden lediglich verschiedene Fälle der morphologischen Realisierung der Kongruenz behandelt. Syntaktische Beziehungen werden auch im Abschnitt „Die Hauptsatzglieder“ nicht erwähnt (Rosinas, Hrsg. und bearb., 1998: 559–563). Bei der Behandlung zusammengesetzter Sätze genügt man sich ebenfalls mit einer groben Einteilung der syntaktischen Beziehungen: Erwähnt werden Satzgefüge und Satzreihen sowie die Verbindung und Unterordnung der sie bildenden Sätze, zum Beispiel: „Nebensätze werden durch bestimmte Verbindungselemente den Hauptsätzen untergeordnet; deshalb ist ihre Beziehung viel enger und deutlicher als die von Satzreihen“ (Rosinas, Hrsg. und bearb., 1998: 567). Wie zu sehen ist, beschränkte sich P. Skardžius in seinen Vorlesungen auf die Einteilung syntaktischer Beziehungen in nebenordnende und unterordnende. Aus seinen Vorlesungen erfuhren die Studierenden fast nichts über die Rektion von Wörtern und lediglich Allgemeines über ihre Kongruenz; letztere wurde nicht einmal mit den genannten Typen syntaktischer Beziehungen (den Beziehungen zwischen Wörtern) in Verbindung gebracht. Auch der syntaktische Charakter der Kongruenz trat nicht hervor, da lediglich verschiedene Fälle ihrer morphologischen Realisierung behandelt wurden. Leonardas Dambrauskas straipsnyje „Žodžių santykiai sakinyje“ (1939) mini derinimą ir valdymą, tačiau terminas valdymas, jo nuomone, nėra tikslus, nes taikomas tik daliai prijungiamųjų (jo vadinamų prijungtinėmis) žodžių grupių, nors „visos prijungtinės grupės yra „valdomosios“ (Dambrauskas 1939: 86). Todėl prijungiamąsias grupes jis siūlo skirstyti į derinamąsias ir nederinamąsias. Tokia klasifikacija primena sintaksinių ryšių skirstymą Z. Kuzmickio vadovėlyje. Matyti, kad M. Dambrauskas valdymą suprato labai plačiai – maždaug kaip žodžių priklausomybės ryšį, kuris prijungiamosiose grupėse „nėra vienodo stiprumo“ (Dambrauskas 1939: 85). Toks platus ir nelabai apibrėžtas valdymo suvokimas lietuvių sintaksėje neturėjo tęsinio. Für M. Dambrauskas scheint die Beziehung zwischen Subjekt und Prädikat „der Beziehung in unterordnenden Gruppen näher zu stehen“ (Dambrauskas 1939: 85); es wird jedoch nicht gesagt, welches von beiden vom anderen abhängt. BENDRINĖ KALBA 94 (2021) http://journals.lki.lt/bendrinekalba ISSN 2351-7204 ARTŪRAS JUDŽENTIS. Prijungiamasis ryšys lietuvių sintaksės darbuose (XX a. pirmoji pusė) | 10 doi.org/10.35321/bkalba.2021.94.05 In Anlehnung an John Ries2 erwähnt M. Dambrauskas auch eine dritte Beziehung, die zwischen Unterordnung und Nebenordnung steht – die zwischen einer Apposition und ihrem Bezugswort, zum Beispiel: Versammelt hat sich das Parlament, die Vertretung des Volkes (Dambrauskas 1939: 85). Dies ist eine Neuerung in der litauischen Syntax, die in den Arbeiten einiger späterer Sprachwissenschaftler Widerhall fand. Im kurzen Syntaxlehrbuch von Jurgis Ambraška und Juozas Žiugžda, das 1940 erschien und in erster Linie für Grundschulen bestimmt war, wird von den syntaktischen Beziehungen an einigen Stellen nur die Kongruenz erwähnt. Sie wird im Abschnitt „Kongruenz der Hauptsatzglieder“ behandelt (Ambraška, Žiugžda 1940: 9–10). Dort heißt es, dass das reine Prädikat oder die Kopula eines zusammengesetzten Prädikats mit einem im Nominativ stehenden Subjekt in Numerus und Person kongruiert. Außerdem kongruiert der nominale Teil eines zusammengesetzten Prädikats mit einem solchen Subjekt in Numerus, Kasus und Genus, wenn auch nicht immer im Genus, zum Beispiel: Die Henne ist ein Vogel. Kongruenz wird auch im Abschnitt über das Attribut erwähnt. Durch Adjektive und Partizipien ausgedrückte Attribute kongruieren mit ihren Bezugswörtern in Genus, Numerus und Kasus (Ambraška, Žiugžda 1940: 13); Attribute im Genitiv oder Instrumental, die durch Substantive ausgedrückt werden, kongruieren nicht mit ihrem Bezugswort. Ein durch ein kongruierendes Substantiv ausgedrücktes Attribut wird Apposition genannt (Ambraška, Žiugžda 1940: 14). Wie zu sehen ist, wird in diesem Lehrbuch nichts Neues über die Arten der Unterordnung gesagt. Aufgeführt werden häufigere Fälle der morphologischen Realisierung der Kongruenz; der Begriff der Rektion wird nicht einmal erwähnt, sodass der Eindruck entsteht, man vermeide ihn. In den Jahren der Unabhängigkeit wurde beim Erfassen und Beschreiben syntaktischer Beziehungen ein kleiner Schritt getan – sie wurden definiert (M. Durio: Kongruenz; Z. Kuzmickis: auch Rektion). Dennoch vermischen sich in ihrem Verständnis untrennbar die Ebenen der Syntax und Morphologie; ihr syntaktischer Charakter wird mit ihrer morphologischen Realisierung verknüpft. Auch eine gewisse Unbestimmtheit des Begriffs der Rektion ist erkennbar: Sie wird als Nichtkongruenz beschrieben (Z. Kuzmickas), mit semantischer Abhängigkeit gleichgesetzt (L. Dambrauskas) oder schlicht vermieden (J. Ambraška, J. Žiugžda). 2 Greičiausiai jo garsioju darbu Was ist Syntax?: ein kritischer Versuch (Ries 1894, 1927). BENDRINĖ KALBA 94 (2021) http://journals.lki.lt/bendrinekalba ISSN 2351-7204 ARTŪRAS JUDŽENTIS. Prijungiamasis ryšys lietuvių sintaksės darbuose (XX a. pirmoji pusė) | 11 doi.org/10.35321/bkalba.2021.94.05 III. DIE KRIEGSJAHRE Noch unter den Bedingungen der deutschen Besatzung erschien Alfonso Kalniaus Lietuvių kalbos sintaksė (1943). Den syntaktischen Beziehungen, also der Kongruenz und der Rektion, ist darin kein eigener Abschnitt gewidmet. Wie bei J. Jablonskis werden sie bei der Behandlung der Satzglieder erörtert. So wird das Subjekt als „[T]as sakinio žodis ar žodžiai, kurie priklauso nuo tarinio ir dažniausiai atsako į klausimą kas?“ (Kalnius 1943: 15) definiert. In dieser Definition wird das Subjekt als vom Prädikat abhängig und nicht als selbstständiges Satzglied beschrieben. Die Angabe der Frage bindet es in der Definition jedoch erneut an seine morphologische Ausdrucksform. Im Abschnitt „Kongruenz der Hauptsatzglieder“ geht es um die Kongruenz des Prädikats mit dem Subjekt: Das einfache Prädikat und die Kopula des zusammengesetzten Prädikats kongruieren mit einem im Nominativ ausgedrückten Subjekt in Numerus und Person. Der nominale Teil des zusammengesetzten Prädikats kongruiert mit dem Subjekt in Numerus und Kasus, während „giminė jau dažnai nėra suderinta“ (Kalnius 1943: 21). Die Richtung der Kongruenz stimmt demnach nicht mit der Abhängigkeitsrichtung überein: Obwohl das Subjekt vom Prädikat abhängt, kongruiert gerade das Prädikat oder sein nominaler Teil mit dem Subjekt. Als Objekt wird „[Ž]odis, kuris papildo tarinio prasmę, atsakydamas į klausimus ko?, kam?, ką?, kuo?“ (Kalnius 1943: 22) bezeichnet. Diese semantische Ergänzung wird noch folgendermaßen erklärt: „Paprastai tariniai, geriau pasakius, veiksmažodžiai reikalauja tokių žodžių, kurie juos papildytų, padarytų juos pačius prasmingesnius“. Hier scheint die Forderung nach einem Wort gut von dessen Ausdrucksform unterschieden zu sein; die Kasusfragen in der Definition führen jedoch wieder zu dieser zurück. Zu den Attributen heißt es, sie „gali būti su pažymimuoju žodžiu suderinti ir nesuderinti, todėl, kaip J. Ambraškos ir J. Žiugždos vadovėlyje, jie skirstomi į dvi rūšis: derinamuosius ir nederinamuosius“ (Kalnius 1943: 26). Obwohl A. Kalniaus Sintaksėje interessante theoretische Beobachtungen enthält, kehrt sie insgesamt hinsichtlich der syntaktischen Beziehungen zu J. Jablonskis zurück: Die syntaktischen Beziehungen werden darin nicht gesondert behandelt, und Definitionen dazu werden nicht gegeben. Leonardo Dambriūno Lietuvių kalbos sintaksėLeonardo Dambriūno Lietuvių kalbos sintaksė3, die noch in Litauen vorbereitet, aber erstmals bereits im Ausland im Jahr 1946 veröffentlicht wurde, unterteilt die Beziehungen zwischen Wörtern nur in subordinierende und koordinierende Beziehungen (Dambriūnas 1963: 7–8). Die subordinierenden Beziehungen werden nicht weiter untergliedert. 3 Sie war mir leider nicht zugänglich, daher stützte ich mich auf die 3. Auflage des Lehrbuchs. BENDRINĖ KALBA 94 (2021) http://journals.lki.lt/bendrinekalba ISSN 2351-7204 ARTŪRAS JUDŽENTIS. Prijungiamasis ryšys lietuvių sintaksės darbuose (XX a. pirmoji pusė) | 12 doi.org/10.35321/bkalba.2021.94.05 Die Kongruenz wird im Lehrbuch nur am Rande erwähnt. Die wichtigsten Satzglieder – Subjekt und Prädikat – werden ausschließlich auf der Grundlage ihrer Bedeutung definiert. Zur Kongruenz von Subjekt und Prädikat heißt es lediglich, dass „das einfache Prädikat und das Bindeglied des zusammengesetzten Prädikats mit dem Subjekt (im Nominativ) in Person und Numerus kongruieren“ (Dambriūnas 1963: 22), und dass „der nominale Teil des zusammengesetzten Prädikats (im Nominativ) mit dem Subjekt in Kasus, Person und Numerus kongruiert“ (Dambriūnas 1963: 23). An derselben Stelle wird auch kurz die Kongruenz von Prädikaten mit „unausgesprochenen, aber sinngemäß erschließbaren Subjekten“ behandelt, z. B.: Dabar kiekvienas namo eisime. Attribute werden in kongruierende und nicht kongruierende eingeteilt. Die Kongruenz der ersteren mit den Bezugswörtern wird behandelt (Dambriūnas 1963: 24). Von Kongruenz ist auch die Rede, wenn die Kongruenz mehrerer Subjekte mit demselben Prädikat und die mehrerer Attribute mit demselben Bezugswort behandelt wird, z. B.: Aš ir jis dirbome visą dieną, Pirmame ir antrame aukšte (du aukštai) gyvena mūsų pažįstami (Dambriūnas 1963: 50). Bei der Definition und Erläuterung der Objekte stützt man sich ausschließlich auf ihre Funktion im Satz (sie ergänzen das Prädikat) und ihre Ausdrucksform. Von einer etwaigen Rektion der Objekte oder einer entsprechenden Forderung ist überhaupt nicht die Rede. Somit wird die Rektion in L. Dambriūnas’ Sintaksėje nicht nur nicht als eigene Kategorie unterschieden, sondern nicht einmal erwähnt. Das ist nicht überraschend, wenn man die in seinem Artikel von 1939 veröffentlichte Auffassung von Rektion bedenkt. Die syntaktischen Arbeiten der Kriegsjahre hielten konsequent an den theoretischen Auffassungen der vorangegangenen Periode fest und entwickelten sie weiter; größere Neuerungen wurden darin nicht veröffentlicht. ZUSAMMENFASSUNG In den litauischen syntaktischen Arbeiten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist von zwei Arten der Unterordnung die Rede – Kongruenz und Rektion. Am deutlichsten werden sie in Z. Kuzmickios Lietuvių kalbos sintaksėje unterschieden. In den übrigen Arbeiten werden sie, so könnte man sagen, noch nicht als Arten der Unterordnung (oder Abhängigkeit) aufgefasst. Kongruenz wird in allen untersuchten Arbeiten erwähnt. Behandelt wird darin die Kongruenz von Subjekt und Prädikat sowie die Kongruenz des Attributs mit seinem Bezugswort. Definiert wurde sie jedoch offenbar erstmals erst 1927 in M. Durios Lietuvių kalbos sintaksėje. Die Rektion wurde vermutlich erstmals 1930 in Z. Kuzmickios Lietuvių kalbos sintaksėje definiert. In den übrigen syntaktischen Arbeiten wird sie entweder gar nicht erwähnt oder nur im Zusammenhang mit den Arten der Objekte. BENDRINĖ KALBA 94 (2021) http://journals.lki.lt/bendrinekalba ISSN 2351-7204 ARTŪRAS JUDŽENTIS. Prijungiamasis ryšys lietuvių sintaksės darbuose (XX a. pirmoji pusė) | 13 doi.org/10.35321/bkalba.2021.94.05 Die dritte Art der Subordination, die uns heute noch geläufig ist – die Anfügung –, wird in den litauischen Syntaxarbeiten vor der sowjetischen Besatzung überhaupt nicht erwähnt. In den besprochenen Arbeiten zeigen sich auch Unterschiede im Verständnis der Subordination selbst. Besonders sticht die Auffassung von L. Dambrauskas hervor, der Subordination mit Rektion gleichsetzt. Daher wird vorgeschlagen, auf den letzteren Begriff zu verzichten und subordinative Beziehungen in kongruierende und nichtkongruierende einzuteilen. Charakteristisch für die Arbeiten des untersuchten Zeitraums ist, dass syntaktische Beziehungen nicht von ihrer morphologischen Ausdrucksweise unterschieden werden (Übereinstimmung in Genus, Person und Numerus; regierte Kasus). Darüber hinaus werden insbesondere im Fall der Rektion syntaktische Phänomene auch nicht von semantischen unterschieden (Kasus werden gefordert). QUELLEN UND LITERATUR Ambrāška Jurgis, Žiugžda Juozas 1940: Trumpa lietuvių kalbos gramatika. II dalis: Sintaksė, Kaunas: Sakalas. Dambrauskas Leonardas 1939: Žodžių santykis sakinyje. – Gimtoji kalba 6, 84–86. Dambriūnas Leonardas 1963: Lietuvių kalbos sintaksė, 3-ioji, papild. laida, Čikaga: Pedagoginis lituanistikos institutas. Durys Mykolas 1927: Lietuvių kalbos sintaksė. Vidurinei mokyklai, Kaunas: s. d. Kalnius Alfonsas 1943: Lietuvių kalbos sintaksė, Kaunas: Valstybinė leidykla. Klimas Petras 1915: Lietuvių kalbos sintaksė. Pirmoji dalis. Rygiškių Jono sintaksės turiniu naudodamasis parašė P. Klimas, Vilnius: Lietuvių mokslo draugijos leidinys. Kruopas Jonas, ats. red., 1957: Pirmoji lietuvių kalbos gramatika. 1653 metai, Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla. Kuzmickis Zigmantas 1930: Lietuvių kalbos sintaksė. Vadovėlis vidurinėms ir aukštesniosioms mokykloms, Kaunas: „Sakalo“ bendrovės leidinys. Kuzmickis Zigmantas [1939?]: Syntax der litauischen Sprache. Lehrbuch für Mittelschulen, 5. korrigierte Auflage, Kaunas: Sakalas. Palionis Jonas, sud., 1957: J. Jablonskis. Rinktiniai raštai 1, Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla. Ries John 1894: Was ist Syntax?: ein kritischer Versuch, Marburg: N. G. Elwert’sche Verlagsbuchhandlung. BENDRINĖ KALBA 94 (2021) http://journals.lki.lt/bendrinekalba ISSN 2351-7204 ARTŪRAS JUDŽENTIS. Prijungiamasis ryšys lietuvių sintaksės darbuose (XX a. pirmoji pusė) | 14 doi.org/10.35321/bkalba.2021.94.05 Ries John 1927: Was ist Syntax?: ein kritischer Versuch, zweite, um einen Anhang vermehrte Ausgabe, Prag: Taussig. Rosinas Albertas, sud. ir par., 1998: P. Skardžius. Rinktiniai raštai 4: Moksliniai straipsniai ir studijos, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas. Vaskelaitė Ramunė 2009: Sintaksinių ryšių modeliai lietuvių kalbos sintaksėje: humanitarinių mokslų daktaro disertacija, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, Vytauto Didžiojo universitetas. Пешковский Александр Матвеевич 1920: Русский синтаксис в научном освещении: популярный очерк: пособие для самообразования и школы, изд. 2-е, Москва: Государственное издательство. Eingegangen am 28.06.2021 Angenommen am 19.10.2021 SUBORDINATION IN DEN ARBEITEN ZUR LITAUISCHEN SYNTAX (ERSTE HÄLFTE DES 20TH. JAHRHUNDERTS) Zusammenfassung Der Artikel untersucht, wie die Arten syntaktischer Beziehungen in Arbeiten zur litauischen Syntax aus der erstenst Hälfte des 20.th Jahrhunderts beschrieben werden. Berücksichtigt werden das Konzept und die Definition der Unterordnungsarten sowie ihre Anwendung bei der Beschreibung und Einteilung der Satzglieder. In den untersuchten Arbeiten werden zwei Arten der Unterordnung genannt – Kongruenz und Rektion. Am klarsten werden diese Arten in Kuzmickis’ Syntax der litauischen Sprache unterschieden. In den übrigen Arbeiten ist ihre Auffassung als Unterordnungsarten noch vage. Die Kongruenz wird in allen untersuchten Arbeiten beschrieben. Üblicherweise wird zwischen der Kongruenz von syntaktischem Subjekt und Prädikat sowie der Kongruenz des Attributs mit seinem Bezugswort unterschieden. Zum ersten Mal definiert wird sie jedoch erst in Durys’ Syntax der litauischen Sprache (1927). BENDRINĖ KALBA 94 (2021) http://journals.lki.lt/bendrinekalba ISSN 2351-7204 ARTŪRAS JUDŽENTIS. Prijungiamasis ryšys lietuvių sintaksės darbuose (XX a. pirmoji pusė) | 15 doi.org/10.35321/bkalba.2021.94.05 Die Rektion wird erstmals in Kuzmickis’ Syntax der litauischen Sprache (1930) definiert. In den übrigen Syntaxarbeiten wird sie entweder überhaupt nicht erwähnt oder nur bei der Einteilung der Arten von Ergänzungen angeführt. Die dritte Unterordnungsart, die auch heute noch geläufig ist – šliejimas – wurde in den Arbeiten zur litauischen Syntax vor der sowjetischen Besatzung überhaupt nicht erwähnt. SCHLÜSSELWÖRTER: Unterordnung, Kongruenz, Rektion, Jurgis Ambraška, Leonardas Dambrūnas-Dambrauskas, Mykolas Durys, Jonas Jablonskis, Alfonsas Kalnius, Petras Klimas, Zigmantas Kuzmickis, Petras Skardžius, Juozas Žiugžda. ARTŪRAS JUDŽENTIS Vilniaus dailės akademija Maironio g. 6, LT-01124 Vilnius [email protected] BENDRINĖ KALBA 94 (2021) http://journals.lki.lt/bendrinekalba ISSN 2351-7204