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Dėl kai kurių baltų kalbų augalų pavadinimų kilmės

A. Sabaliauskas

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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, II LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA ZUR HERKUNFT EINIGER PFLANZENNAMEN IN DEN BALTISCHEN SPRACHEN A. SABALIAUSKAS Dill (Anethum graveolens) 1. Der Dill ist eine alte Kulturpflanze. Seine Heimat liegt wahrscheinlich in Südeuropa (vgl. O. Schrader, Reall., 1,344; J. Hoops, Reall., 1, 468). Die alten Ägypter verwendeten Dill bereits zu Heilzwecken. Möglicherweise bauten ihn auch die Hebräer an (vgl. G. Buschan, 147). 2. In den idg. Sprachen finden wir verschiedene Bezeichnungen für diese Pflanze. Die alten Griechen nannten sie ἄνηθον. Man hat versucht, dieses Wort mit gr. ἄνεμος „Wind, Hauch“ in Verbindung zu bringen. Es könnte jedoch auch aus Asien oder Ägypten ins Griechische gelangt sein (vgl. É. Boisacq, D. ét., 62). Aus dem Griechischen gelangte diese Bezeichnung ins Lateinische — anethum, von dort ins Französische anet(h). Ein anderer Teil der romanischen Sprachen hat eine vom lat. feniculum abgeleitete Bezeichnung für Dill (vgl. A. Walde, Et. Wb., 282): ital. finocchio, port. funcho, span. hinojo, ferner franz. fenouil, engl. fennel. Die Rumänen und Moldauer haben wiederum eine andere Bezeichnung: rum. mărăr, mold. мяряр. Das Wort findet sich auch im Albanischen — maráq „Feniculum officinale“. Die Quelle dieser Wörter ist lat. marathrum (vgl. G. Meyer, Et. Wb., 259-60). Die germanischen Sprachen haben wiederum eine andere, etymologisch unklare Bezeichnung für Dill: ahd. tilli, mhd. tille, dt. Dill, engl. dill, dän. dild, schwed. dill, norw. dill. Aus dem Germanischen gelangte dieses Wort auch in einige finno-ugrische Sprachen: estn. till, finn. tilli (vgl. Л. Хакулинен, 2,55). 3. Auch die slawischen Sprachen haben eine von den zuvor genannten völlig verschiedene Bezeichnung für Dill: kirchenslaw. копър, russ. укроп, укропина, кроп, копер (В. Даль, 2, 198; 4,485), balt. кроп, ukrain. кpin, bulg. копър, serb.-kroat. kónap, tschech. kopr, slowak. koper, poln. копър, obersorb. коприк (vgl. F. Miklosich, Et. Wb., 129; E. Berneker, Et. Wb., 564). Über die Herkunft dieses Wortes gibt es verschiedene Auffassungen. A. Meillet (Étud., 409) hält es für ein Lehnwort, gibt jedoch keine Quelle an. Andere Sprachwissenschaftler vermuten einen slawischen Ursprung. F. Miklošič (Et. Wb., 129) stellt die Bezeichnung für Brennnessel mit der genannten Dillbezeichnung in Verbindung: russ. крапива, bulg. коприва, tschech. kopřiva, poln. pokrzywa usw. Zu dieser Gruppe möchte er auch kirchenslaw. коприна, bulg. коприна „Seide“ stellen. Ferner vergleicht er diese Wörter, natürlich in erster Linie die Dillbezeichnung, mit lit. kvepėti, kvapas, lett. kūpēt, kvēpt, kvēpēt, kvēpes. Semantisch ist ein solcher Vergleich durchaus möglich, doch phonologisch lässt er sich schwer rechtfertigen. Pho- 5. Kalbotyros klausimai II. 65 netisch ist die Verbindung dieser Dillbezeichnung mit der genannten Bezeichnung für Brennnessel sehr gut begründet. Hier finden wir auch die für beide Wörter typische Konsonantenmetathese. E. Berneker (Et. Wb., 564-5) stimmt einem solchen Vergleich von F. Miklošič ebenfalls zu. Seiner Ansicht nach bedeuteten *koprъ, *kroprъ ursprünglich „Brennnessel“. Da die Brennnessel auch als Nahrungsmittel und in der Volksmedizin Verwendung findet, könnte auch eine andere Pflanze ihren Namen von ihr erhalten haben, nämlich der Dill. Als analoges Beispiel führt er das Wort bbršč. an. Doch lässt sich wohl nicht behaupten, dass es sich dabei um einen völlig analogen Vorgang handelt. Hier trat eine Pflanze an die Stelle einer anderen und übernahm deren Funktionen und Namen; Dill und Brennnessel hingegen sind wahrscheinlich zu unterschiedliche Pflanzen, als dass sie einander in ihren Funktionen hätten ersetzen können. V. Machek (Rost., 165) erklärt die Herkunft dieser Dillbezeichnung auf andere Weise. Seiner Meinung nach handelt es sich um eine slawische Wurzel. Er verbindet diese Dillbezeichnung außerdem mit russ. кропило „Oenanthe phellandrium“, poln. kropidło, russ. (o) кроп, укроп „kochendes Wasser“. Demnach wäre die ursprüngliche Bedeutung dieser Wurzel „kochen“, und die Wörter kropъ, kopr, kropidło hätten Pflanzen bezeichnet, die zum Kochen verwendet wurden. Wenn diese Etymologie zutrifft, wäre Dill eine der ältesten vom Menschen genutzten Kulturpflanzen. V. Machek schreibt in Rost., 165: „Anethum — jedna z nejstarších pěstovaných rostlin“. Doch auch diese Erklärung ist höchst zweifelhaft. Erstens gibt es außer diesem Vergleich keinerlei Argumente dafür, dass Dill eine so bedeutende und alte Pflanze gewesen sei. Andererseits lässt sich das Wort укроп wahrscheinlich nicht vom Verb кропить trennen (vgl. A. Meillet, Étud., 219). Außerdem müsste diese Bezeichnung, wenn Dill eine so bedeutende und alte Pflanze gewesen wäre, möglicherweise auch in anderen idg. Sprachen vorkommen, während sie heute nur bei den Slawen belegt ist. Somit muss die slawische Dillbezeichnung vorläufig als etymologisch unklar gelten. Aus den slawischen Sprachen gelangte diese Dillbezeichnung auch in andere Sprachen: alb. kopër, ung. kapor. In späterer Zeit übernahmen weitere Sprachen der Sowjetunion das Wort aus dem Russischen: baschkir. укроп, mokscha укроп, kasach. укроп, burjatisch-mong. укроп, osset. укроп, evenk. укроп, tschuwasch. укроп, tuwin. укроп usw. 4. Die litauische Bezeichnung dieser Pflanze, krapas, ist ebenfalls aus dem Slawischen entlehnt. Das Wort gelangte wahrscheinlich aus dem Polnischen ins Litauische (vgl. A. Brückner, Fw., 96; Pr. Skardžius, Lw., 109; E. Fraenkel, Et. Wb., 288). Es findet sich bereits im Wörterbuch von K. Sirvydas (Di., 104). Belegt ist es auch in allen litauischen Dialekten. Auch lettisch kropas, das aus dem Polnischen entlehnt wurde, ist in den Dialekten Lettgallens belegt (Summent, 153; vgl. E. Fraenkel, Et. Wb., 288). 5. Im Lettischen wird überwiegend die Bezeichnung dille für Dill verwendet. Sie ist bereits in lettischen Sprachdenkmälern des 17. Jahrhunderts belegt: G. Mancélis (Phras. lett., XVI) schreibt „Dillen, Dilles“, J. Langijas (Wb., 27) „Dilles, Dill, herba“. Auch in der Bibelübersetzung von Glück finden wir: „juhs dohd ah to desmitu Teesu no Mehtrehm, Dilles un Kimmines“ (vgl. J. Sehwers, 305). Die Letten übernahmen diese Dillbezeichnung aus dem Deutschen. Aus dem Deutschen gelangte das Wort auch ins Litauische: dilė (L. k. žd., 2,375), dilutė (L. k. žd., 2,381; J. Dagys, 23). Im Litauischen wird es jedoch nur sehr selten verwendet. 66 6. In den Denkmälern des Altpreußischen finden wir keine Bezeichnung für Dill. Wohl aber finden wir den prußischen Ortsnamen Crapiten (G. Gerullis, Ort., 71), der wahrscheinlich aus Krape (einem solchen prußischen Personennamen) und dem Suffix -it- gebildet ist. Auch im Litauischen finden wir die Familiennamen Krapaitis, Krāpas. Es ist jedoch schwer festzustellen, ob diese Personennamen von der Bezeichnung für Dill oder von einem anderen Wort abstammen. 7. Somit finden wir in den indogermanischen Sprachen zahlreiche Bezeichnungen für Dill. Die slawischen Sprachen haben eine gemeinsame, ihrer Herkunft nach unklare Bezeichnung für Dill. Aus dem Polnischen übernahmen die Litauer und einige lettische Dialekte diese Bezeichnung. Im Übrigen wird im Lettischen eine Bezeichnung für Dill deutschen Ursprungs verwendet. Gelegentlich findet sie sich auch in einigen litauischen Denkmälern. Über das Altpreußische lässt sich nichts Sicheres sagen. Kümmel (Carum carvi) 1. Kümmel war schon in alten Zeiten eine weit verbreitete Gewürzpflanze. Nach Dioskurides (De mat. med., 3, 61) zogen die Ägypter die besten Kümmel, insbesondere die Bewohner des Nildeltas (vgl. G. Buschan, 148). Hippokrates bezeichnet die abessinischen Kümmel schlicht als königliche — κύμινον βασιλικόν (vgl. V. Hehn, 206). Gemeint ist hier wahrscheinlich die Kümmelart Cuminum Cyminum. In Europa ist die Kümmelart Carum carvi am weitesten verbreitet. Samen dieser Pflanze finden sich bereits in den Ausgrabungen der Pfahlbausiedlungen von Robenhausen in der Schweiz (vgl. G. Buschan, 149). Die alten Slawen sollen Kümmel bei Ritualen verwendet haben, wenn ein Neugeborenes in ihre Gemeinschaft aufgenommen wurde (vgl. Л. Нидерле, 183). Etwas, das einem verkohlten Kümmelsamen ähnelte, wurde unter anderen Körnern bei den Ausgrabungen des Burgbergs von Gabrieliškės gefunden (vgl. W. Swederski, 245). Da jedoch weitere belastbare Belege fehlen, lassen sich keine Schlussfolgerungen über den Kümmelanbau in Litauen jener Zeit ziehen. 2. Die meisten indogermanischen Sprachen haben dieselbe Bezeichnung für Kümmel, die sie zumeist durch Entlehnung voneinander übernommen haben. Die griechische Bezeichnung für Kümmel κύμινον ist wahrscheinlich eine Entlehnung aus den semitischen Sprachen; vgl. hebr. kammōn, aram. kammōnā, assyr. kamūnu usw. (vgl. O. Schrader, Real., 1, 655). Vergleicht man diese semitischen Bezeichnungen für Kümmel mit der griechischen, fällt eine gewisse Abweichung im Vokalismus auf; daher neigen manche, beispielsweise P. Kretschmer (KZ, 29, 440-1), dazu, diese Auffassung anzuzweifeln. Er stellt das gr. σκάμμωνία neben χάμων (lat. scammonia) „eine solche Art von Kletterpflanzen“ mit den genannten orientalischen Bezeichnungen für Kümmel. Es ist jedoch zu sagen, dass der Vokalismus alter orientalischer Entlehnungen häufig nicht übereinstimmt; deshalb halten offenbar die meisten Sprachwissenschaftler gr. κύμινον mit Recht für ein stammverwandtes Wort zu den genannten semitischen Bezeichnungen für Kümmel (vgl. O. Schrader, Real., 1, 655; K. Lokotsch, Et. Wb., 84; Weigand, 1, 1169; E. Berneker, Et. Wb., 681; V. Machek, Rost., 157; A. Brückner, St. et., 239). Aus dem Griechischen gelangte diese Bezeichnung für Kümmel ins Lateinische — cuminum — und von dort auf verschiedenen Wegen in die germanischen und romanischen Sprachen: ahd. kumil < kümīn, mhd. kumin, dt. Kümmel, engl. cumin, schwed. kummin, dän. kommen, niederl. komijn, ital. comino, span. comino, port. cominho, rum. chimen, 67 mold. kùmen. Dieses Wort gelangte auch in andere europäische Sprachen: ung. kőmény, finn. kumina (vgl. T. E. Karsten, IF, 26,249), est. köömen u. a. 3. Diese Bezeichnung für Kümmel findet sich auch in den slawischen Sprachen: kirchenslaw. kjuminъ, russ. тмин, тминъ, тминь, тминок, тминъ (В. Даль, 4,408), weißruss. кмен, ukrain. кмин, tschech. kmín, serb.-kroat. kömin, poln. kmin, slowen. kumin, kum, čimin (vgl. F. Miklosich, Et. Wb., 117; E. Berneker, Et. Wb., 681). Wie wir sehen, kommen in den slawischen Sprachen verschiedene lautliche Varianten dieses Wortes vor. Sie lassen sich durch die Verschiedenheit der Entlehnungsquelle erklären oder entstanden erst innerhalb der slawischen Sprachen. 4. Auch in den baltischen Sprachen findet sich eine Bezeichnung für Kümmel mit dieser Wurzel. Auch dort gelangte sie auf verschiedenen Wegen hin. In den litauischen Dialekten und Schriftdenkmälern begegnen verschiedene lautliche Varianten dieser Bezeichnung: kmynas, akmynas, ikmynas, kȯynas, knȳnas, kimȳnas, kȯmelis, kimulis, kėmelis, kemelys (vgl. J. Dagys, 74). In der Literatursprache verwendet und in den Dialekten am weitesten verbreitet ist die Form kmynas. Sie findet sich bereits in unseren ältesten Schriften (C. Szyrwid, Di., 86; M. Daukša, P., 314). Dieses Wort muss aus dem Weißrussischen oder Polnischen ins Litauische gelangt sein (vgl. A. Brückner, Fw., 95, 101; Pr. Skardžius, Lw., 104; J. Otrębski, Tw., 3,29). Im Litauischen ist die Konsonantenverbindung km— ungebräuchlich. Daher wurde km— in einigen Dialekten zur leichteren Aussprache in zwei Silben aufgelöst; so entstanden die Formen: akmynas (Rk, Sdk, Zr, Trgn), ikmynas (Všk, Grž), kimynas. In fast ganz Niederlitauen ist die Form koȳnas anzutreffen. Diese Form entstand durch Dissimilation aus der Form kmynas. Ein solcher Wechsel von v und m neben einem anderen Nasallaut ist auch in anderen indogermanischen Sprachen anzutreffen: in polnischen Dialekten świntarz < cementarz (vgl. M. Niedermann, Tiž, 2,440), ital. nov<ero <lat. numerus, spät-sanskrit. śravaṇa < śramaṇa, vimamsā < mimāmsā (vgl. J. Wackernagel, KZ, 43,282). Im Litauischen beobachten wir einen solchen Wechsel auch im Wort bezvėnas < bezmėnas < weißruss. бязмен (vgl. E. Fraenkel, IF, 53,127). Auch in den lettischen Dialekten finden wir eine Form gleicher Herkunft, bazvanc (vgl. M. A. Alksnis, FBR, 12,26). In den Gebieten von Linkuva und Šeduva kommt gelegentlich die Form knȳnas vor, die durch Assimilation aus der Form kmynas entstanden ist. In den Wörterbüchern der Litauer in Ostpreußen finden wir die Form knyvai (vgl. P. Ruhig, Lex., 1, 65; Chr. Mielcke, Wb., 1, 125; G. Nesselmann, Wb., 223). Diese Form könnte durch Metathese aus der Form kūynai entstanden sein; vgl. lett. senalas; lit. šėlenos, lett. notal; lit. nuolat, lett. gazore < garože (vgl. I. Endzelins, La. Gr., 235). Da diese Form in der gesprochenen Sprache nicht vorkommt, versucht man, ihr Auftreten in den genannten Wörterbüchern auch anders zu erklären. Die Form findet sich in der Handschrift von D. Kleins Wörterbuch (=Lexicon Lithuanicum in usum eorum..., vgl. G. Gerullis, KZ, 50, 233). Dort könnte sie irrtümlich statt kūynai aufgezeichnet worden sein und von dort auch in andere Wörterbücher gelangt sein (vgl. Pr. Skardžius, Lw., 105). Die Formen mit dem Formans -l- gelangten aus dem Deutschen ins Litauische, wie auch die Verbreitung dieses Wortes anhand der Belege zeigt (Kbr, Vrb, Nm, Sdr, Gl, Plv, Snt, Grš). In G. Nesselmanns Wörterbuch (Wb., 353) finden wir neben der Form lauk-kmynai 68 und die Form laukkkimmėlei. Dies sind Lehnübersetzungen aus dem Deutschen Feldkümmel (vgl. K. Alminauskis, 78). 5. Auch im Lettischen finden wir eine Kümmelbezeichnung gleichen Stammes. In den Dialekten und anderen Sprachdenkmälern begegnen verschiedene Varianten dieser Bezeichnung: ķimene, ķimins, ķimens (EM, 2, 381; EH, 1, 703), ķimenis (EH, 1, 703), ķimans (EH, 1, 702), ķimuni (EH, 1, 703), ķimele (EM, 2, 381), ķėmele (EM, 2, 373), ķėmeles (EM, 2, 376), ķiemeles (EM, 2, 390), ķinepes (EM, 2, 382). Die Form ķimene könnte aus dem Deutschen, vgl. deutsch cimen, oder aus dem Russischen ins Lettische gelangt sein (vgl. EM, 2, 381). J. Ževeris (306) neigt dazu, sie als Entlehnung aus dem Russischen zu betrachten. Die Quelle für die Kümmelbezeichnung mit dem Suffix -l- war das Deutsche. Die Form ķimeles finden wir bereits im Wörterbuch von G. Mancelius. Die Formen ķėmele, ķieme le gehen wahrscheinlich auf niederdeutsch kömel zurück (vgl. J. Sehwers, 66, 306; EH, 1, 707). Die Form ķermeles ist wahrscheinlich aus ķėmeles entstanden, indem der Konsonant r eingeschoben wurde. Eine solche Einschiebung von r zwischen Vokal und Konsonant kommt in verschiedenen Sprachen vor, besonders bei Entlehnungen; gelegentlich begegnet sie auch in lettischen Dialekten: iegārtnis < iegātnis, mēr telis < mētėlis, kārsis < kāsis, pār taga < pataga, paērg lis < paeglis (vgl. J. Endzelīns, KZ, 44, 60; La. Gr., 237-8). Eine recht merkwürdige Form ist ķinepes. Sie entstand wahrscheinlich unter dem Einfluss der Wörter kaņepes „Hanf“, sinepes „Senf“. Bemerkenswert ist, dass das Wort ķinepes mancherorts Kümmel, andernorts Hanf und wieder anderswo Senf bezeichnet (vgl. EM, 2, 382). Wie wir sehen, haben die baltischen und slawischen Sprachen Kümmelbezeichnungen gleichen Stammes und fremder Herkunft. Diese Bezeichnung gelangte auf verschiedenen Wegen in die betreffenden Sprachen. Ein Teil der baltischen Sprachen übernahm die Kümmelbezeichnung aus dem Slawischen, ein anderer Teil aus dem Germanischen. Über die Kümmelbezeichnung im Altpreußischen ist nichts bekannt. Meerrettich (Cochlearia armoracia) 1. A. de Candolle (43, 553) hält Osteuropa für die Heimat dieser Pflanze. An den Küsten des Schwarzen Meeres wächst wilder Meerrettich. Verwilderten Meerrettich kann man gelegentlich auch in Litauen und Lettland finden (vgl. P. Snarskis, 381; P. Galenieks, 2,344). Zu seiner Verwendung in der Antike fehlen verlässliche Angaben. P. Einhorn erwähnt in seiner „Historia lettica“ (35), dass die Letten keine Gewürzpflanzen verwenden (vgl. J. Sehwers, 305).1 2. In den indogermanischen Sprachen finden sich verschiedene Bezeichnungen für Meerrettich. Diese Bezeichnungen sind jedoch meist nicht alt: Entweder stammen sie aus Nachbarsprachen oder sind verhältnismäßig jung gebildete Zusammensetzungen in den jeweiligen Sprachen, deren eine Komponente eine andere Pflanze bezeichnet, meist „Rettich“. Vgl. port. rabano de cavalo (rabano „Rettich“, cavalo „Pferd“), engl. horse-radish, schwed. pepparrot (peppar „Pfeffer“), woraus finn. piparjuutti, deutsch Meerrettich. Die schwedische Bezeichnung dieser Pflanze weist darauf hin, dass die Schweden den Pfeffer früher gekannt haben müssen als den Meerrettich. 3. Eine alte Bezeichnung für Meerrettich haben die slawischen Sprachen: ssl. chrěnъ, russ. хрен, weißruss. хрэн, ukrain. хрін, bulg. хрян, serb.-kroat. хрен, slowen. hren, tschech. křen, 1 Allerdings könnte P. Einhorn hier die aus den östlichen Ländern eingeführten Gewürzpflanzen (Pfeffer usw.) gemeint haben. 69 alttschech. chřen, slowak. chren, poln. chrzan, obersorb. khrěn, niedersorb. kšėn, polab. chrón (vgl. F. Miklosich, Et. Wb., 90; E. Berneker, Et. Wb., 402; A. Будилович, 1,91; M. Vasmer, Et. Wb., 3,271; F. Sławski, Sl.et., 1,84). Der Ursprung dieser Bezeichnung ist auf verschiedene Weise zu erklären versucht worden. Diese Deutungen sind jedoch bislang sehr wenig überzeugend. J. Lioventakis (AfslPh, 37,384) versuchte auf sehr gekünstelte Weise, die indogermanischen Vorformen *kerāinō-s, *(s)kerāinō-s, *kserainō-s zu rekonstruieren und sie mit skr. kśárā-h „brennend, nagend“, lat. seresco „ich trockne“ zu verbinden. Ebenso missglückt ist sein Versuch (ZfslPh, 7,407), diese Meerrettichbezeichnung mit niederländ. schrijnen „brennen, brennen“ in Verbindung zu bringen. Wenn diese Vergleiche semantisch auch begründet sind, so sind sie phonetisch kaum möglich. Zu weiteren ähnlichen Deutungen vgl. M. Vasmer, Et. Wb., 3,271; F. Sławski, Sl.et., 1, 84. Wahrscheinlich gehört auch gr. χεράν derselben Wurzel an wie die slawische Bezeichnung für Meerrettich. Dieses Wort erwähnt bereits Theophrast. Er schreibt (IX, 15,5): „...Pflanzen, die die einen wilden Rettich (ῥάφανον ἀγρίαν), die anderen Ärzte aber kerāin nennen“ (vgl. O. Schrader, Reallex., 2,55). Die Griechen wie die Slawen könnten diese Bezeichnung für Meerrettich aus einer östlichen Sprache übernommen haben (vgl. V. Machek, LP, 2,158; Rost., 66). Aus dem Slawischen gelangte die erwähnte Meerrettichbezeichnung auf verschiedenen Wegen in andere Sprachen: mittelhochdeutsch krēn, krēne, französisch cran, makedonisch-rumänisch (aromunisch) hreanu, dakorumänisch (dakorumänisch) hrean (vgl. A. Rosetti, 44), moldauisch хрян usw. In späterer Zeit gelangte dieses Wort aus dem Russischen in viele weitere Sprachen der Sowjetunion: erzja köpēn, baschkirisch керян, tadschikisch хрен, kasachisch хрен, lesgisch хрен, ossetisch хрен, burjatisch-mongolisch хрен, awarisch хрен, tschuwaschisch хе̌рен, tuwinisch хрен usw. 4. Aus dem Slawischen gelangte eine solche Meerrettichbezeichnung auch in die baltischen Sprachen. Dieses Wort findet sich bereits im Wörterbuch von K. Sirvydas (Di., 27). Ins Litauische könnte es aus dem Russischen oder Belarussischen gelangt sein (vgl. Pr. Skardžius, Lw., 110; A. Brückner, Fw., 97; J. Otrębski, Tw., 3,26; В. И. Костельницкий, 218). Eine solche Meerrettichbezeichnung (krienas) ist in allen litauischen Mundarten gebräuchlich. Sie ist auch den lettischen Mundarten Latgales bekannt (vgl. P. Galenieks, 2,344). 5. In den lettischen Mundarten und in der Literatursprache wird jedoch ansonsten eine andere, nicht slawischen Ursprungs stammende Bezeichnung für Meerrettich verwendet. In den Mundarten und verschiedenen Sprachdenkmälern kommen unterschiedliche Varianten dieser Bezeichnung vor: mārrutks (EM, 2,584), mēr-rutks, mērāutks (EM, 2,620), mēr(r)uks (EH, 1,809), mārrakas (EM, 2,583), māraka (J. Endzelīns, La. Gr., 76). Diese Wörter sind Entlehnungen aus dem Deutschen, wobei lediglich der zweite Bestandteil des Wortes übersetzt wurde (vgl. J. Sehwers, 78). Die lautliche Variation wird durch die unterschiedlichen Quellen erklärt, aus denen das Wort entlehnt wurde (niederdeutsch mahrreddick, mittelniederdeutsch merredich), oder durch Veränderungen, die sich bereits im Lettischen vollzogen. Die beiden letzten Formen sind durch Assimilation entstanden. Eine solche Vokalassimilation ist den baltischen Sprachen völlig fremd, daher ist es möglich, dass hier ein Einfluss der livischen Sprache vorliegt (vgl. J. Endzelīns, La. Gr., 76). Im Lettischen findet sich eine Meerrettichbezeichnung derselben Wurzel, bei der der zweite Bestandteil nicht übersetzt ist — mērdīķis (EM, 2,618; J. Sehwers, 299). Diese Meerrettichbezeichnungen finden sich bereits in lettischen Sprachdenkmälern des 17. Jahrhunderts. G. Manc elis (Phras. lett. XVI) schreibt „Merrettich, Swāti Rutki, Mahra — Rutki“, I. Langijas (Wb., 114) — „Mahrrutki, Meerettig. Sonst heissen sie swāhti Rutki“ (vgl. J. Sehwers, 299). 70 Auch eine Meerrettichbezeichnung dieser Wurzel, bei der der zweite Bestandteil fehlt, ist belegt: márėne (EH, 1,792). 6. Bei der Durchsicht der Meerrettichbezeichnungen sehen wir, dass die slawischen Sprachen eine alte, etymologisch undurchsichtige Bezeichnung für Meerrettich haben. Diese Bezeichnung ist auch in andere indogermanische Sprachen gelangt, darunter auch in die baltischen Sprachen. Sie ist in litauischen Dialekten und in einem kleinen Teil der lettischen Dialekte Latgales belegt. Die übrigen lettischen Dialekte haben eine zusammengesetzte Meerrettichbezeichnung deutschen Ursprungs, meist mit übersetztem zweitem Bestandteil. Über eine Meerrettichbezeichnung im Altpreußischen gibt es keinerlei Informationen. ABKÜRZUNGEN alb. — Albanisch angl. — Englisch aram. — Aramäisch asyr. — Assyrisch aukšt. — Aukštaitisch avar. — Awarisch balt. — Weißrussisch bašk. — Baschkirisch bulg. — Bulgarisch bur.-mong. — Burjatisch-Mongolisch ček. — Tschechisch čuv. — Tschuwaschisch dan. — Dänisch erz. — erzjanisch est. — estnisch evenk. — evenkisch gr. — griechisch hebr. — hebräisch ide. — indoeuropäisch isp. — spanisch it. — italienisch kazach. — kasachisch lat. — lettisch lenk. — polnisch lezg. — lesgisch liet. — litauisch lot. — lateinisch luž. — sorbisch (lausitzisch) mokš. — mokschanisch mold. — moldauisch norw. — norwegisch niederl. — niederländisch osset. — ossetisch polab. — polabisch port. — portugiesisch frz. — französisch rum. — rumänisch russ. — russisch alt. — alt serb.-kroat. — serbokroatisch skr. — Sanskrit slowen. — slowenisch slowak. — slowakisch altslaw. — Altslawisch finn. — finnisch schwed. — schwedisch tadsch. — tadschikisch tuw. — tuwinisch ukr. — ukrainisch ung. — ungarisch mitt. — mittel dt. — deutsch niedersam. — niederlitauisch Gl — Gelgaudiškis, Kreis Šakiai Grš — Griškabūdis, Kreis Naumiestis Grž — Gružiai, Kreis Joniškėlis Kbr — Kybartai Nm — Kudirkos Naumiestis Plv — Pilviškiai, Kreis Vilkaviškis Rk — Rokiškis Sdk — Sudeikiai, Kreis Utena Sdr — Sudargas, Rajon Šakiai Snt — Sintautai, Rajon Kudirkos Naumiestis Trgn — Tauragnai, Rajon Utena Vrb — Virbalis, Rajon Kybartai Všk — Vaškai, Rajon Linkuva Žr — Zarasai 71 LITERATŪRA 1. M. A. Alksnis, Filologu biedrības raksti, 12, 26-48, Rīgā (1932). 2. K. Alminauskis, Die Germanismen des Litauischen, Kaunas, 1935. 3. E. Berneker, Slawisches etymologisches Wörterbuch, Heidelberg, 1908-13. 4. É. Boisacq, Dictionaire étymologique de la langue grecque, Heidelberg-Paris, 1916. 5. A. Brückner, Die slavischen Fremdwörter im Litauischen, Weimar, 1877. 6. A. Brückner, Słownik etymologiczny języka polskiego, Kraków, 1927. 7. А. Будилович, Первобытные славяне, 1, Киев, 1878. 8. G. Buschan, Vorgeschichtliche Botanik der Cultur- und Nutzpflanzen der alten Welt auf Grund prähistorischer Funde, Breslau, 1895. 9. A. De Candolle, Der Ursprung der Culturpflanzen, Leipzig, 1884. 10. J. Dagys, Lietuviškas botanikos žodynas, Kaunas, 1938. 11. B. Даль, Толковый словарь живого великорусского языка, 1-4, Москва, 1955. 12. Daukšos Postilė, fotografuotinis leidimas, Kaunas, 1926. 13. J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, Rīgā, 1951. 14. J. 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Neu herausgegeben von O. Schrader mit botanischen Beiträgen von A. Engler, Berlin, 1902. 24. J. Hoops, Reallexikon der germanischen Altertumskunde, 1, Strassburg, 1911. 25. T. E. Karsten, Indogermanische Forschungen, 26, 236-58, Strassburg (1909). 26. В. И. Костельницкий, Русско-литовские языковые связи по словарным материалам литовского языка, Ленинград, 1953 (rankraštis). 27. P. Kretschmer, Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete der indogermanischen Sprachen, 29, 381-483, Gütersloh (1888). 28. L. k. žd. — J. Balčikonis, Lietuvių kalbos žodynas, 2, Kaunas, 1947. 29. J. Loewenthal, Archiv für slavische Philologie, 37, 377-94, Berlin (1920). 30. J. Loewenthal, Zeitschrift für slavische Philologie, 7, 406-8, Leipzig (1930). 31. K. Lokotsch, Etymologisches Wörterbuch der europäischen (germanischen, romanischen und slavischen) Wörter orientalischen Ursprungs, Heidelberg, 1927. 32. V. Machek, Česká a slovenská jména rostlin, Praha, 1954. 33. V. 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Славянские языки имеют общее название укропа (русск. укроп, укр. кріп, чеш. kopr и др.). Происхождение данного названия неясное. Вернее всего, оно имеет тот же корень, что и славянское название крапивы (русск. крапива, чеш. kopřiva, болг. коприва и др.). Литовцы название укропа (krãpas) позаимствовали у славян, скорее всего у поляков. Из польского языка это название попало и в некоторые диалекты латышского языка (kropas). Но вообще в латышском языке употребляется название укропа немецкого происхождения (dille). Иногда такое название (dilė, dilutė) обнаруживается и в литовском языке. О названии укропа в древнерусском языке что-нибудь определённого сказать трудно. 73 Тмин (Carum carvi) Исторические данные показывают, что тмин является давно известным культурным растением. В большинстве индоевропейских языков обнаруживается одинаковое название тмина. В греческий язык оно (κύμινον), по всей вероятности, проникло из семитских языков. Из греческого языка это название попало в латинский язык (cuminum), а оттуда разными путями — в другие европейские языки. В литовских диалектах больше всего употребляется название тмина (kmynas), позаимствованное у славян. В литовском языке это слово испытывало разные фонетические изменения: akmynas, ikmynas, kūmnas, knūnas, kitūnas. В небольшой части диалектов употребляется название тмина (kimelis), позаимствованное из немецкого языка. В латышский язык название этого растения попало тоже двумя путями: из немецкого и русского языков. Немецкого происхождения являются формы с формантом -l- (kimele, kēmele, ķimele), а русского — без этого форманта (ķimene, ķimins, ķimens и др.). Разные фонетические варианты названия тмина (kērneles, ķinepes) возникли уже на почве латышского языка. О названии тмина в древнепрусском языке нет никаких данных. Хрен (Cochlearia armoracia) В индоевропейских языках встречаются разные названия хрена. Но эти названия чаще всего не являются древними. Древнее название хрена обнаруживается в славянских языках (русск. хрен, болг. хрян, польск. chrzan и др.). Славянское название хрена, вернее всего, является того же происхождения что и греческое χεράνιον. Из славянских языков это название проникло и в другие европейские языки. У славян название хрена позаимствовали и литовцы (krienas). Это название обнаруживается и в некоторых латгальских диалектах латышского языка. В большинстве латышских диалектов употребляется название mār(r)utks и разные фонетические варианты этого слова. Данное название латыши позаимствовали из немецкого языка, только второй компонент перевели на латышский язык (ruts „редька“). О названии хрена в древнепрусском языке нет никаких данных.