Das unflektierte Partizip des präteritums auf „-us“ im Litauischen
Full text
LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, VI
LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA
DAS UNFLEKTIERTE PARTIZIP DES PRÄTERITUMS AUF -US IM LITAUISCHEN
G. BENSE
1. Einleitung
1.1 Zum Formenbestand der unflektierten Partizipien (unfl. Part.)1, auch Gerundien oder Verbaladverbien genannt (lit. pãdalývis; russ. деепричастие), gehören in der modernen litauischen Literatursprache eine Form des Part. Präs. akt. auf -nt, z. B. sùkant, šaũkiant, mỹlint; eine Form des Part. fut. akt. auf -siant, z. B. sùksiant, šaũksiant, mylėśiant; eine Form des Part. prät. akt. auf -us, z. B. sùkus, gỹdžius, mylė́jus; und eine Form des Part. prät. akt. II auf -davus, z. B. sùkdavus, šaũkdavus, mylė́davus. Reflexive Formen zu nicht präfigierten Verben werden mit der Endung -is gebildet, z. B. juõkiantis, juõkusis. Bei präfigierten Verben tritt die Reflexivpartikel -si- zwischen Präfix und Verbalstamm, z. B. nesijuõkiant. nusisùkus.
1.2 Hinsichtlich der syntaktischen Funktion lassen sich grundsätzlich zwei gut voneinander abzugrenzende Anwendungstypen der unfl. Part. unterscheiden, die in auffallender Weise der relativ einheitlichen Form gegenüberstehen.
1.21 Die beiden Anwendungstypen lassen sich kurz folgendermassen charakterisieren:
I. Skylant atomams, išsiskiria energija (mit ausgedrücktem Handlungsträger der Partizipialform); Auštant tėvas išvažiavo (ohne ausgedrückten Handlungsträger der Partizipialform).
Diese Konstruktionen mit dem unfl. Part. dienen dem Ausdruck einer Nebenhandlung („Begleithandlung“) zur Haupthandlung ohne grammatische Bindung an ein Glied des Gesamtsatzes.
1 Unter unfl. Part. sind diejenigen nominalen Verbalformen zu verstehen, die keine Numerus- und Kasuszeichen annehmen, dagegen hinsichtlich des Tempus (im Gegensatz zum Infinitiv) und im begrenzten Umfang hinsichtlich des Genus verbi — sofern man die Diathese reflexiv: nicht reflexiv als eine Erscheinungsform des Gegensatzes Aktiv: Passiv auffassen darf — formell differenzierbar sind.
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II. Visi mato (mašīna) atvažiuojant (sog. Akkusativkonstruktion nach den Verben „sentiendi et declarandi“). Derartige Konstruktionen dienen dem Ausdruck einer Handlung als Objekt einer anderen Handlung.
1.22 Es ist zu beachten, dass die Verteilung der einzelnen Formen der unfl. Part. auf die beiden Anwendungstypen nicht einheitlich ist: während in der sog. Akkusativkonstruktion Formen des Präsens, des Präteritums und des Futurs vorkommen, begegnet man innerhalb des 1. Anwendungstyps nur Formen des Präsens und des Präteritums2.
1.3 In der modernen lettischen Literatursprache lassen sich die Konstruktionen mit unfl. Part. in zwei entsprechende Anwendungstypen aufteilen, z. B. Saulei lēcot, visi putni dzied; Metot harpūnu, dzīvnieks tika ievainots: 1. Anwendungstyp; Visi redz (mašīnu) atbraucam: 2. Anwendungstyp. Im Lettischen werden nun die beiden verschiedenen Formen des unfl. Part., die auf -ot und die auf -am/ām, in wesentlichen Zügen jeweils auf einen der beiden Anwendungstypen verteilt (wobei Überschneidungen nur im 2. Anwendungstyp vorkommen können).
Das Lettische kennt — ausser den aus dem Akk.sg. des Part. Präs. pass. entwickelten Neubildungen auf am/-ām— nur ein unfl. Part. Präs. akt. auf -ot (= -uot aus -ant) und ein unfl. Part. fut. akt. auf -šot (= -šuot aus -siant). Letztere Form begegnet nur in dem 2. Anwendungstyp strukturmässig nahestehenden sog. „modus relativus“3.
1.4 Man kann mithin nur die unflektierte Form des Part. präs. akt. (vom -nt-Stamm) und die unflektierte Form des Part. fut. akt. (mit dem stammbildenden Element -siant-4) als gemeinsame Bildungen des Litauischen und des Lettischen auffassen (auf die wenigen altpreussischen Belege gehe ich hier nicht ein).
Die Herausbildung eines unfl. Part. prät. akt. (vom -us-Stamm) zu einer speziellen grammatischen Form ist also in diesem Sinne als litauische Neuerung zu verstehen.
2. Zur Geschichte der Konstruktionen mit unfl. Part. im Litauischen (Baltischen)
2.1 Allein schon die Tatsache, dass das unfl. Part. prät. auf -us als litauische Neuerung aufzufassen ist, weist darauf hin, dass das Problem der Entstehung dieser Bildung nicht ohne weiteres mit dem Problem der Entstehung von unfl. Part. im Baltischen überhaupt zu identifizieren ist. Es ergeben sich jedoch noch weitere Gründe, die eine Sonderentwicklung der unfl. -us-Partizipien wahrscheinlich machen. Zur Darstellung der auf-
2 Das unfl. Part. prät. akt. II auf -davus ist eigentlich fast nur eine Grammatikerfiktion, denn es kommt praktisch so gut wie gar nicht vor.
3 Lett. „atstāstījuma izteiksme“. Diese Konstruktionsweise ist letzten Endes aus der sog. Akkusativkonstruktion entstanden, zeigt allerdings auch Beziehungen zu den Konstruktionen mit flektierten Partizipien zum Ausdruck der unbestimmten Aussage (z. B. lit. Sako miškas didelis buvęs).
4 Die Belege für mögliche futurische Bildungen auf -sint- kann man hier ausser acht lassen.
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tretenden Probleme sei es mir gestattet, kurz auf die diesbezüglichen Ergebnisse meiner „Untersuchungen zur Entstehung des unflektierten Partizips (Gerundiums) in den baltischen Sprachen“5 einzugehen.
2.2
Zunächst zeigt es sich, dass es sich bei der Herausbildung der unfl. Part. speziell im Litauischen, aber auch im Lettischen keineswegs um einen geschlossenen einmaligen Vorgang handeln kann, sondern vielmehr um die Zusammenfassung mehrerer ursprünglich unabhängiger morphologischer und syntaktischer Erscheinungen. Das beweist die Entstehung der unfl. Part. auf -am/-ām im Lettischen — ein Vorgang, der erst seit dem Einsetzen der schriftlichen Überlieferung wirksam wird. Hier liegt wohl die jüngste Phase der Entstehung von unfl. Part. im baltischen Bereich vor. Auf Grund der Verhältnisse in den ältesten litauischen Texten — sowohl in formeller Hinsicht als auch in Bezug auf die Unterscheidung der beiden oben genannten Anwendungstypen — ergibt sich auch für das Litauische, dass die Herausbildung von Akkusativkonstruktionen mit unfl. Part. die jüngste Phase der Entstehung des unfl. Part. als spezieller grammatischer Form darstellt6.
Somit können Beobachtungen an Konstruktionen mit unfl. Part., soweit diese als Akkusativkonstruktionen nach den Verben „sentiendi et declarandi“ auftreten, bei der Behandlung der formellen und funktionellen Erscheinungsweise der unfl. Part. innerhalb des 1. Anwendungstyps unberücksichtigt bleiben.
2.3
Innerhalb des 1. Anwendungstyps lässt sich der Gebrauch von unfl. Part. auf ältere Konstruktionsmodelle zurückführen, und zwar bieten sich hier, entsprechend der Unterscheidung von Konstruktionen mit ausgedrücktem Handlungsträger und solchen ohne ausgedrückten Handlungsträger der Partizipialform, einerseits die sog. absoluten Partizipialkonstruktionen anderer ie. Sprachen7 und andererseits die alleinstehenden nominalen Verbalformen8 zum Vergleich an.
2.31
Die litauischen (und lettischen) Konstruktionen in ihrer einzelsprachlichen Entwicklung fallen in diesem Rahmen besonders dadurch auf, dass der verbale (prädikatswertige) Bestandteil der absoluten Partizipialkonstruktionen formell identisch ist mit der alleinstehenden nominalen Verbalform9: in beiden Stellungen tritt das unfl. Part. auf.
5 Inaugural-Dissertation, Halle, 1961 (maschinenschriftlich).
6 Es handelt sich dabei im Grunde um die Differenzierung von Akkusativkonstruktionen mit flektiertem Partizip und solchen mit unfl. Part., die auf der Tendenz beruht, die im Partizip ausgedrückte Handlung im Falle des unfl. Part. verstärkt als direktes Objekt einer andern Handlung aufzufassen, im Gegensatz zum stark attributivischen Verhältnis des flektierten Partizips zum nominalen Akkusativobjekt.
7 Etwa der altindische „locativus absolutus“, der griech. „genitivus absolutus“, der latein. „ablativus absolutus“, der „dativus absolutus“ im Gotischen und im Slavischen.
8 Etwa altind. Absolutiv auf -tvā, -(t)ya, das Gerundium im Slavischen, das gérondif im Französischen und ähnliche Bildungen in anderen romanischen Sprachen.
9 Der formellen Identität entspricht eine spezifische Funktionsbelastung des unfl. Part. für beide Konstruktionen, was aus dem Verhältnis derselben zueinander deutlich wird: sie unterscheiden sich nicht durch ihre Stellung im Gesamtsatz (als „absoluter Kasus“ oder „subjektsbezogene Nebenhandlung“), sondern vor allem durch das Vorhandensein oder Fehlen des Handlungsträgers des unfl. Part.
13. Kalbotyros klausimai VI.
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2.32 Das Spezifikum einer absoluten Partizipialkonstruktion besteht darin, dass sie eine vom Hauptverb und von jedem anderen Satzteil unabhängige feste Verbindung von einem Nominalkasus und einem flektierten (übereingestimmten) Partizip darstellt10, die dem Ausdruck einer primär temporalen Bestimmung im Satz dient. Tritt nun zu einem Nomen im Lokativ ein Partizip in der Funktion einer näheren (attributiven) Bestimmung desselben, so wird zufolge der verbalen Natur des Partizips zugleich auch das Prädikat näher bestimmt11. Die Beziehung dieser nicht mehr zufälligen lokativischen Verbindung Nomen-Partizip zum Prädikat wird also enger, als das beim einfachen Lokativ (als dem Kasus der räumlichen und zeitlichen Fixierung, dem „grammatisch ungebundenen“ Adverbialkasus schlechthin) der Fall ist. Es entsteht innerhalb des Satzganzen eine syntaktische Gliederung in Haupt- und Nebenhandlung mit jeweils verschiedenem Handlungsträger. Und der temporale (nicht „lokal und/oder temporal“!) Charakter dieser „absoluten“ Partizipialkonstruktion resultiert nicht aus der lexikalischen und grammatisch/kategorialen Bedeutung der Einzelelemente, sondern aus dem nicht als punktual (Gleichzeitigkeit), vielmehr als linear (Abfolge, Aufeinanderfolge) aufzufassenden syntaktischen Aufbau der Satzkonstruktion mit zwei Verbalhandlungen, von denen eine im Prädikat und die andere im Partizip ausgedrückt ist. Die absolute Partizipialkonstruktion erhält also ihren grundsätzlich temporalen Charakter nicht einfach aus dem aktualisierten Ausdrucksgehalt ihrer beiden Komponenten, sondern aus der rein syntaktischen Qualifizierung von Haupt- und Nebenhandlung. Die spezifische Fixierung eines Zeitverhältnisses im Litauischen durch die obligatorische Unterscheidung zwischen den durch -nt- und durch -us-Partizipien wiedergegebenen Zeitwerten ist auch von diesem Standpunkt aus gesehen sekundär (um so bemerkenswerter, dass das Lettische diese Unterscheidung in der absoluten Partizipialkonstruktion nicht zu kennen scheint!). Auch die Verwendung von aktiven Partizipien des Perfekts in der absoluten Partizipialkonstruktion etwa im Griechischen und von Partizipien perf. pass. im Lateinischen stellt schon eine jüngere, auf das jeweilige einzelsprachliche Verbalsystem ausgerichtete Erscheinung dar, ganz zu schweigen von den Verhältnissen in den hinsichtlich ihres Alters und ihres Ursprungs problematischen absoluten Partizipialkonstruktionen im Slawischen und Germanischen12.
2.4
Seit dem Einsetzen der schriftlichen Überlieferung des Litauischen und Lettischen ist ein absoluter Dativ (abs. Dat.) bekannt, eine Verbindung von einem (nominalen) Dativ und einer unflektierten Partizipial-
10 Vgl. Hermann Hirt, Indogermanische Grammatik, Band VII, Heidelberg, 1937, S. 92.
11 Vgl. Kühner/Gerth, Ausführliche Grammatik der griechischen Sprache. Satzlehre, Teil II⁴, Hannover, 1955, S. 77.
12 Vgl. Rudolf Růžička, Struktur und Echtheit des altslavischen dativus absolutus (in „Zeitschrift für Slawistik“, VI, Berlin, 1961, S. 588—596).
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form13 des ursprünglichen konsonantischen Stammes der -nt-Partizipien. Jedoch kann diese ausschliesslich dativische Auffassung, zumal sie sich nunmehr auf den nominalen Bestandteil der Konstruktion stützt, durchaus sekundär sein. Aus den Kasusverhältnissen im Baltischen14 sowie aus den überlieferten Formen des unfl. Part. (-nt < -nti; daneben -ntie < *-ntei) lässt sich für das (Ost-) Baltische eine absolute Partizipialkonstruktion auf der Basis eines lokativischen Kasus erschliessen. Diese Annahme wird u. a. gestützt durch die Tatsache, dass der Dativ im Baltischen nie Zeitkasus sein kann.
Im Rahmen dieser Konstruktion entstand das unfl. Part. präs. akt. auf -nt(i), indem es aus dem Verband der flektierten Partizipien auf Grund seiner syntaktischen Sonderstellung ausschied, während der nominale Kasus im Zuge der Herausbildung des neuen baltischen Lokativs zufolge seiner formellen Identität (oder Ähnlichkeit) mit dem Dativ den Zusammenhang mit dem Kasussystem als Dativform bewahrte.
2.5 Die Konstruktionen ohne ausgedrückten Handlungsträger (Absolutivkonstruktionen15) im Litauischen und im Lettischen sind unter die absolute Partizipialkonstruktion zu subsumieren, ungeachtet der verschiedenen Entwicklung in diesen beiden Sprachen16.
3. Die Stellung des unfl. Part. prät. auf -us innerhalb der Konstruktionen mit unfl. Part. im Litauischen
3.1 Hinsichtlich der Konstruktionsmöglichkeit ist das unfl. Part. prät. auf -us heute dem unfl. Part. präs. auf -nt fast vollkommen gleichgestellt. Durch die beiden unfl. Part. wird lediglich eine andere relative Zeitstufe bezeichnet. Die Präsensform dient dem Ausdruck der Gleichzeitigkeit, die präteritale Form dem Ausdruck der Vorzeitigkeit der in der Partizipialform enthaltenen Verbalaussage in Bezug auf eine andere Aus-
13 Die abs. Dat. mit flektiertem Partizip des jo-Stammes des Partizips erweisen sich als ausserhalb dieser Entwicklung liegende, wahrscheinlich hyperkorrekte Bildungen. Anders V. Ambrāzas, Дательный самостоятельный в памятниках литовского языка XVI—XVII вв. Автореферат диссертации ..., Vilnius, 1958, S. 4.
14 Zu den Besonderheiten des balt. Kasussystems, die in unserm Zusammenhang von Interesse sind, gehören vor allem die Ausbildung eines mit einer Postposition versehenen ostbalt. Lokativs, der im Altpreussischen fehlt; das Vorhandensein sog. lokativischer Restkasus wie Illativ, Allativ, Adessiv (mit deutlichen Spuren älterer Lokativformationen in diesen „Restkasus“, vgl. auch A. Laigonaitė, Pašalio vietininkai dabartinėje lietuvių kalboje, „Gramatikos klausimai“ Vilnius, 1957, S. 21—39); das Verhalten des Dativs gegenüber Präpositionen.
15 Als rein grammatischen Terminus für die absoluten Partizipialkonstruktionen ohne ausgedrückten Handlungsträger (= Konstruktionen mit alleinstehendem unfl. Part.) im Litauischen verwende ich im weiteren Verlauf meiner Untersuchungen einfach „Absolutivkonstruktion“.
16 Während Absolutivkonstruktionen im Litauischen im allgemeinen nicht auf den Subjektskasus bezogen werden können („Subjektsverschiedenheit“), ist dies bei entsprechenden Konstruktionen im Lettischen durchaus möglich, z. B. Atgriežoties (oder atgriezdamies!) no ekskursijas, jaunieši runāja par gūtajiem iespaidiem (zitiert nach Gailums/ Vilāns, Latviešu valodas gramatika VIII—XI klasei, Rīgā, 1958, S. 265).
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sage. Das Problem besteht also darin, warum es im Litauischen (nicht aber im Lettischen) zu diesen zwei Zeitstufen sowohl im abs. Dat. als auch in der Absolutivkonstruktion kommt, die formell streng voneinander getrennte Ausdrucksmöglichkeiten haben (innerhalb dieser Problemstellung spielen die Verwendungsmöglichkeiten der unfl. Part. in der sog. Akkusativkonstruktion keine Rolle). Das unfl. Part. des Litauischen bezeichnet sowohl in der einen als auch in der anderen Konstruktion einen bestimmten festen Zeitwert.
3.2 Hinsichtlich der Bezeichnung von Zeitwerten verhalten sich die unfl. Part. ähnlich wie die flektierten (aktiven) Partizipien, die ja, unabhängig von der syntaktischen Stellung, allein durch ihre Form einen bestimmten relativen Zeitbezug („Gleichzeitigkeit“, „Vorzeitigkeit“ oder „Nachzeitigkeit“) der in ihnen enthaltenen Verbalusssage in Bezug auf eine andere (verbal oder nominal formulierte) Aussage bezeichnen.
3.21 Aus der Tatsache, dass das unfl. Part. und das flektierte Partizip gewisse Gemeinsamkeiten innerhalb der syntaktischen Funktion „Ausdruck einer Nebenhandlung zur Haupthandlung“ besitzen17, könnte man freilich folgern, dass das unfl. Part. mit dem flektierten Partizip auch hinsichtlich des Ausdrucks eines festen Zeitwertes übereinstimmt, man vergleiche etwa: eidamas suklupo — nereikia einant suklupti; atėjęs rado visus namie — nelengva atėjus visus rasti namie.
Es ist wahrscheinlich, dass diese Übereinstimmung auf einer sekundären Annäherung beruht. Im Litauischen wird die Absolutivkonstruktion betreffs des Verhältnisses zum Träger der Haupthandlung („Subjektsverschiedenheit“) vom Charakter des abs. Dat., d. h. der absoluten Partizipialkonstruktion bestimmt und somit von den Konstruktionen mit flektierten Partizipien abgegrenzt. Aber das unfl. Part. erhält umgekehrt in seiner Eigenschaft als prädikatswertiger Bestandteil der absoluten Partizipialkonstruktion auch die Möglichkeit, einen festen Zeitwert zu bezeichnen, allerdings nur in der Alternative „Gleichzeitigkeit“ oder „Vorzeitigkeit“.
3.22 Dieser Prozess der sekundären Annäherung, der zu dem heutigen Zustand führt, lässt sich anhand einer einfachen Statistik erläutern, die ich auf Grund der von mir herangezogenen altlitauischen Belegstellen aufstellen kann18. Während nämlich 210 abs. Dat. mit Formen des
17 Konstruktionen mit unfl. Part. und solche mit flektiertem Partizip, die dem Ausdruck einer Nebenhandlung zur Haupthandlung dienen, stellen satzbautypenmässig verwandte Konstruktionen dar, deren unterscheidendes Merkmal im wesentlichen in der Stellung besteht, die der jeweilige Handlungsträger der in der Partizipialform ausgedrückten Verbalusssage im Gesamtsatz einnimmt.
18 Ausser den im Verzeichnis der benutzten Texte angegebenen altlit. Texte ist für diese Statistik nur noch der Katechismus von Daukša (Литовский катихизис Н. Даукши перепечатанном Э. А. Вольтером, С-Петербург, 1886) herangezogen worden. Unberücksichtigt bleiben in dieser Statistik die Belege von -norint- in den genannten altlit. Texten.
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präsentischen Partizipialstammes gebildet sind, enthalten 92 abs. Dat. Formen des präteritalen Partizipialstammes19.
Dagegen finden sich bei den Absolutivkonstruktion 132 Verbindungen mit präsentischen Formen und 101 mit solchen des Präteritums. Dieses Verhältnis weist darauf hin, dass die alleinstehenden unfl. Part. hinsichtlich der Verteilung von Präsens- und Präteritalformen den „verbundenen“ flektierten (aktiven) Partizipien entsprechen, deren Anteil an präsentischen und präteritalen Formen jeweils etwa den gleichen Prozentsatz ausmacht.
3.3 Im einzelnen ergibt die Statistik darüber hinaus folgendes: Von den Absolutivkonstruktionen entfällt ein Grossteil auf bereits phrasenhaft verwendete Ausdrucksmöglichkeiten mit einem unfl. Part., wie z. B. ißskirus, ißbėmus, pradeius u. a., die parenthetischen Wendungen sakant, kalbant, netarent usw. In den übrigen nicht sehr zahlreichen Absolutivkonstruktionen (insgesamt 64) überwiegen bei weitem die präteritalen Formen, z. B. ir numirus dubias mūsų Dievui afierawojɔ „nach unserem Tode opfert er unsere Seelen Gott“ (DP 516); Nėssa tarp ławōno žmogaus ir maitós ßunes/ne kokio numirus skiriaus ne rasi „Denn zwischen der Leiche eines Menschen und dem Kadaver eines Hundes findet man keinen Unterschied, wenn (Mensch und Hund) gestorben sind“ (DP 583); Bet priminus Diewa mus per wargus wadinanti pakutospi/weisdekem... „Eingedenk dessen, dass...“ (BrP II 479); ...adunt žmones mokietu ne tiktay ne ápłavst dáŕbu ižgānimo/del pasipeneimo/bet ir pati walgimu áp taydus skubinties ßwentump dayktump: (Si II 177; einziger Beleg dieser Art, den ich überhaupt bei Širvyd gefunden habe!).
Als Beispiel für Absolutivkonstruktionen, die mit dem unfl. Part. Präs. gebildet sind, seien folgende Sätze angeführt: ...kokis ten’ būwo gałfėjimas Wiespaties Jėsaus ręgint’ teip’ primistų motiną sawą... (DP 174); Musu budas irá/taymiey giwenant/ir sweykays esant/ape Pona Diewa maž ad-boti... (KNSu 238); Tay ptáčiey išguldìt galesis kas čionay trumpay ažu-sirakiną/mokštu duodunt kaliniams/ku turi weykti kaliney (Si I 42/3); ...at-tad ûti dani/tatai est/cziese alba kartais renkant mesława (BrP II 503).
3.4 Die Beobachtung des relativ häufigen Vorkommens präteritaler Formen in den Absolutivkonstruktionen altlitauischer Texte (im Verhältnis zu präsentischen Formen in der Absolutivkonstruktion bzw. in den absoluten Partizipialkonstruktionen überhaupt) lässt die Schlussfolgerung zu, dass in diesen Absolutivkonstruktionen mit unfl. Part. prät. ein Konstruktionstyp vertreten ist, der dem ursprünglichen Strukturmodell für die Verwendung der unflektierten -us-Partizipien besonders nahe stehen muss. Dieses Strukturmodell kann also keine absolute (d. h. ihrem Ursprung nach attributivische) Partizipialkonstruktion gewesen sein; es könnte sich demzufolge um eine Partizipialkonstruktion gehandelt haben, die in der herkömmlichen Weise als prädikativ zu bezeichnen wäre. Da-
19 Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt auch V. Ambrazas, l. c., S. 7; ders. Absoliutinis naudininkas su dalyviu XVI—XVII aa. lietuvių kalbos paminkluose, „Lietuvos TSR Mokslų akademijos darbai“, Serija A 2(5), 1958, S. 152.
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mit ist ein Faktum gegeben, von dem man ausgehen kann, um die Entstehungsgeschichte des innerhalb des Baltischen nur im Litauischen anzutreffenden unfl. Part. prät. auf -us, das sowohl im abs. Dat. als auch in der Absolutivkonstruktion vorkommen kann, einigermaßen aufzuhellen.
4. Bemerkungen zur Bildung des Partizips präs. akt. und des Partizips prät. akt. im Baltischen
4.1 Zunächst müssen noch einige Grundzüge der Bildung des Partizips präs. akt. und des Partizips prät. akt. im Baltischen herausgestellt werden, die in unserm Zusammenhang von Interesse sind.
Das baltische Part. präs. akt. mit dem Bildungselement -nt- ist altes ie. Erbe, es wird vom Präsensstamm des Verbs gebildet und zeigt solche altertümlichen Formen wie sant- von der Wurzel es-, „sein“ (vgl. ai. sant-/sat-, griech. ōn usw.), ent- von der Wurzel ei-/iā „gehen“ (mit ungeklärtem Ablautverhältnis²⁰). Das Part. präs. akt. ist im Baltischen in allen Formen deutlich als präsentische Formation gekennzeichnet.
Anders verhält es sich mit dem baltischen Part. prät. akt., das seiner Bildungsweise nach eine baltische Neubildung ist. Dafür spricht die Verallgemeinerung einer Ablautstufe des Suffixes -ves-/-us-, das im Altindischen und Griechischen nominale Verbalformen von Perfektstämmen bildet²¹, sowie der Antritt dieses Suffixes an ganz verschieden charakterisierte Verbalstämme. Beides begegnet auch im Slawischen. Jedoch stimmen das Baltische und das Slawische nicht weiter als in den allgemeinen Ansätzen zu dieser Bildung überein. Genauso wie das baltische Präteritum eine spezifisch baltische Eigenbildung ist, die sich nur in einzelnen Formen bestimmter Verben mit dem Slawischen oder mit anderen ie. Sprachen vergleichen lässt, geht auch das -us- Partizip hinsichtlich seines Ausbaus und seiner Eingliederung in das Verbalsystem seine eigenen Wege.
4.2 Nach den baltischen Verhältnissen zu urteilen, denen zufolge man keinen Beweis erstellen kann, dass das Baltische das ie. Perfekt und den ie. Aorist „verloren“ hätte²² (man muss vielmehr annehmen, dass das Baltische diese Formationen nie wirklich ausgebildet hat), dürfte das Suffix -us- ursprünglich kein „Perfektsuffix“ gewesen sein. Man wird es im Baltischen zunächst lediglich als Mittel nominaler Verbalableitung mit eigener semantischer Prägung auffassen. Der Zusammenhang dieser us-Bildungen mit dem baltischen Präteritum ist freilich offensichtlich. Das
²⁰ Siehe J. O t r ę b s k i, Gramatyka języka litewskiego, III, Warszawa, 1956, S. 251; A. S a b a l i a u s k a s, Atematiniai lietuvių kalbos veiksmažodžiai, „Gramatikos klausimai“, Vilnius, 1957, S. 99 ff.
²¹ Vgl. K. B r u g m a n n, Grundriss der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen II, 1, Strassburg, 1889, S. 410 ff.
²² Zu einer möglichen partizipialen Perfektform im Altlettischen buwis, būwis aus *būwens (?), die mit slaw. byvъ, ai. babhūván verglichen werden kann, vgl. J. E n d z e l i n, Lettische Grammatik, Heidelberg, 1923, S. 727; Chr. S. S t a n g, Das slavische und baltische Verbum, Oslo, 1942, S. 196/209.
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bedeutet jedoch noch nicht, dass die Ableitung mit dem Suffix -us- nicht auch unabhängig von der Präteritalbildung erfolgen konnte, zumal dieses Prinzip in entsprechendem Rahmen gerade eben für die alte ie. Partizipialbildung gilt.
Ganz allgemein kann gesagt werden, dass das baltische Particip auf -us- von einem Verbalstamm gebildet wird, der kein Präsenskennzeichen (Präsensablaut, Nasalinfigierung, -st--Infix, ie/o-Stammbildung u. ä.) aufzuweisen hat, man vergleiche etwa krentant- : kritus-; renkant- : rinkus-; rūkstant- : rīkus-; āriant- : ārus-.
4.3 Für das (heutige) Litauische gilt die Regel, dass das Part. prät. akt. vom Präteritalstamm gebildet wird. Die baltischen Präteritalstämme ihrerseits auf -ē und auf -ā beruhen auf einer komplizierten Verflechtung von verschiedenartigen verbalen Stammbildungen, die ursprünglich nicht ausschliesslich temporalen Charakter besassen. Die Form der Verbalwurzel in dieser Stammbildung kann mit verschiedenen alten ie. verbalen Wurzelablauttypen und unter Umständen auch mit anderen Stammbildungen verglichen werden²³, nur nicht mit solchen des alten Präsens. Infinitivstamm und Präteritalstamm sind im Baltischen nicht identisch.
4.31 Weiterhin spiegeln sich in den heute vorliegenden litauischen Partizipialformen auf -us- gewisse Unterschiede der präteritalen Stammbildung wider, die in den finiten Verbalformen nicht mehr in Erscheinung treten: man vergleiche sãkius- zu sakýti (Infinitiv), sãko (präs.), sãkė (prät.) gegenüber baigus- zu baigti, baigia, baigė und dėgus- zu dègti, dėga, dėgė. In der 1. Pers-sg- heisst es jeweils sakiau, baigiau, degiau. Neben heute gleichlautenden ē-Präterita tritt also im Partizip einmal -ius- und das andere Mal -us- auf. Diese Verschiedenheit kann in unserm Zusammenhang die Auffassung bestärken, dass das baltische -us-Partizip nicht unbedingt gleichzeitig mit den verbalen ē-Stämmen zu einer präteritalen Formation innerhalb des baltischen Tempussystems geworden ist²⁴.
4.4 Von der Wurzel- und Stammgestaltung her besteht für das Part. prät. akt. eine geringere und weniger merkmalhafte Kennzeichnung als für das Part. präs. akt. Überdies finden sich im Baltischen innerhalb des Komplexes der -us-Partizipien Formen der -nt-Partizipien, und zwar im Nom. sg. mask. (nešęs) und im Nom. plur. mask. bzw. im Nom. sg. neutr. (nešę). Denn in neuerer Zeit wird mit vollem Recht geltend gemacht, dass diese Formen aus dem -nt-Partizip des verbalen ē-Stammes herzuleiten sind, also nešęs aus *nešent-s wie nešąs aus *nešant-s usw.²⁵. Man wird diese Formen als Reste der ē-Flexion des Verbums aus einer Zeit auffassen, da die temporale (präteritale) Funktion dieser Bildung noch nicht ausgeprägt war. Im Verlaufe der Entwicklung des baltischen
²³ Chr. Stang, l. c., S. 189/190.
²⁴ Zur Diskussion über die verschiedenen dem baltischen Präteritum zugrundeliegenden Verbalstämme vgl. zuletzt Chr. Stang, l. c., S. 150 f., 209 f.
²⁵ J. Otrębski, l. c., S. 257 f.; Chr. Stang, l. c., S. 208.
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Präteritums sind diese -nt-Formen schliesslich in den Komplex der -us-Partizipien einbezogen worden.
4.5 Diese „Heteroklise“ des Part. prät. akt. kann deswegen leicht wahrscheinlich gemacht werden, weil es sich auch im Nominativ der aktiven Präsenspartizipien um einen Punkt handelt, in dem auf Grund syntaktisch-funktioneller Bedingungen das Flexionsparadigma des Partizips gewissermassen durchbrochen wird. Im Nominativ des Präsenspartizips (der sich selbstredend auf ein Nomen im Subjektskasus beziehen muss) entspricht der Unterscheidung zwischen attributiver und adverbial/zirkumstantialer Funktion eine formell differenzierte Ausdrucksweise; es stehen -nt-Partizip und -dama-Partizip nebeneinander (nešąs — nešdamas). Im Nominativ des präteritalen Partizips haben wir eine „heteroklitische“ „Formation (nešęs — nešusi, nešę — nešusios), aber keine doppelte Bezeichnungsweise für die verschiedenen Funktionen des Partizips. Es kann unter Umständen damit gerechnet werden, dass sich in den „heteroklitischen“ Formen des Part. prät. akt. ein dem Präsens ähnlicher Ansatz zur Differenzierung widerspiegelt. Man vergleiche dazu den Stand im Litauischen:
1. e i d a m a s namo nuvargo — parėjęs namo pailsėjo
(adverbial/zirkumstantial)
2. p r i d e r ą s (priderantis) elgesys — n ū v a r g ę s žmogus
(attributiv)
4.6 In den obliquen Kasus besteht keine formelle Differenzierungsmöglichkeit innerhalb der Partizipialflexion zum Ausdruck der attributiven und der adverbial/zirkumstantialen Funktion. Es ist nun durchaus möglich, dass die Verhältnisse im Nominativ, der diese Differenzierungsmöglichkeit realisieren kann, auch auf die obliquen Kasus Einfluss gewinnen können. Im Verlaufe der ostbaltischen Sprachentwicklung ist eine derartige Differenzierung tatsächlich mit Hilfe des unfl. Part. weitgehend möglich gemacht worden. Man vergleiche dazu den Stand im Litauischen:
1. Pasakė pareinantiems vyrams — pasakė parėjusiems vyrams (attributiv)
2. Tai padaryta vyro, einančio namo — Tai padaryta vyro, parėjusio namo („appositiv“, nicht adverbial/zirkumstantial)
3. Tai padaryta vyro einant namo — Tai padaryta vyro, parėjus namo (adverbial/zirkumstantial)26
26 Es widerspricht nicht den Leitgedanken der vorgetragenen Argumentation, dass der Handlungsträger des -dama-Partizips in der adverbial/zirkumstantialen Konstruktion auf jeden Fall im Subjektskasus bzw. dessen Äquivalent ausgedrückt erscheint, während der Handlungsträger der adverbial/zirkumstantialen Absolutivkonstruktion zwar in einem beliebigen obliquen Kasus ausgedrückt sein, jedoch auch vollkommen unausgedrückt bleiben kann. Im obigen Beispiel sind folgende Interpretationen möglich:
1. Tai padaryta vyro (jam pačiam) einant namo;
2. Tai padaryta vyro (kitiems) einant namo;
3. Tai padaryta vyro (jam pačiam ir kitiems) einant namo.
200
4.7
Neben dieser Tendenz, die Unterscheidung „attributiv—nicht attributiv (bzw. adverbial/zirkumstantial)“ auch von der Form der differenzierbar zu machen, sind andererseits Bestrebungen zu erkennen, das präsentische und das präteritale Partizipialparadigma in Bezug auf die Ausdrucksmöglichkeiten derartiger Unterscheidungen (ganz abgesehen von dem absoluten Zeitwert, den jede Form des einen oder des anderen Partizipialparadigmas bezeichnet) möglichst ähnlich zu gestalten. Dabei sind das Litauische und das Lettische verschiedene Wege gegangen: Das Lettische hat das unfl. Part. präs. des -nt-Stammes gewissermassen auf den Nominativ ausgedehnt und somit das Paradigma der Präsenspartizipien dem des Präteritalpartizips angeglichen. Es neutralisierte im Präsens formelle Unterschiede auf der funktionellen Ebene (vgl. den Beispielsatz in Anmerkung 16) und ordnete die Charakterisierung der verschiedenen Partizipialfunktionen wie im Präteritum27 dem Kontext unter, allerdings mit gewissen Einschränkungen28.
Das Litauische hat dagegen durch die Ausbildung von unfl. Part. prät. des -us-Stammes zusätzliche formelle Unterscheidungsmöglichkeiten geschaffen, um auch im Präteritum die funktionellen Gegebenheiten berücksichtigen zu können. Die besondere Aufmerksamkeit muss in dem die Entstehung des unfl. -us-Partizips betreffenden Zusammenhang jedoch den Verhältnissen im Nominativ des präteritalen Partizips (mit seinen „heteroklitischen“ Formen) gelten.
5. Der Nominativ sg. fem. des Partizips prät. akt.
5.1
Überblickt man die eben geschilderten Verhältnisse innerhalb des Präteritalpartizips und dabei die besondere Stellung des Nominativs, so verstärkt sich die Vermutung, dass auch im Hinblick auf die in Abschnitt 3.4 erarbeiteten Schlussfolgerungen über das ursprüngliche Strukturmodell der Konstruktionen mit unfl. Part. prät. hier der Ansatzpunkt für die Erklärung der Entstehung des unfl. Part. prät. auf -us im Litauischen zu suchen ist.
Der Nominativ des Partizips prät. akt. kann also auf jeden Fall eine Nebenhandlung zur Haupthandlung bei gleichem Handlungsträger ausdrücken (während im Nominativ des Part. präs. akt. in dieser speziellen Konstruktionsweise das -dama-Partizip verwendet wird, das den Funktionsbereich des -nt-Partizips im Nominativ einschränkt). Tatsächlich ergibt sich bei der Durchsicht eines beliebigen längeren litauischen Textes, dass der Anteil der adverbial/zirkumstantial gebrauchten Nominative des Part. prät. akt. gegenüber den attributiv verwendeten Nominativen meistens sogar wesentlich grösser ist.
27 Das Lettische verwendet auch im sog. „Modus relativus“ nur flektierte Formen des Präteritalpartizips, also in einer gleichen syntaktischen Umgebung, in der im Präsens das unfl. Part. steht. Übrigens wohl auch eine Bekräftigung dessen, dass das Litauische unfl. Part. auf -us nicht in der sog. Akkusativkonstruktion entstanden ist.
28 Vgl. Mūsdienu latviešu literārās valodas gramatika, I, Rīgā, 1959, S. 662/3.
201
5.2 Von den Nominativformen des Part. prät. akt. interessieren in unserem Zusammenhang jetzt besonders die Formen des Nominativs sg. fem.
Der Nom. sg. fem. des -us-Partizips lautet normalerweise auf -usi aus und enthält die alte Femininbildung des Partizips auf -ī. Diese Form gehört ursprünglich und fest zu den -us-Partizipien, während die maskulinen und neutralen Nominative auf -ęs und -ę einem anderen Partizipialparadigma entsprungen sind (vgl. oben Abschnitt 4.4). Der Nom. sg. fem. der -us-Partizipien unterscheidet sich seinerseits vom Nom. sg. fem. der -nt-Partizipien dadurch, dass die Endung -usi in bedeutend stärkerem Masse die Tendenz aufweist, das auslautende -i (aus -ī) schwinden zu lassen, als dies bei der Endung -nti (-i aus -ī) der Fall ist²⁹. Derartige endungslose Formen des Nom. sg. fem. der -us-Partizipien finden sich in der modernen litauischen Literatursprache so gut wie etwa in altlit. Texten, z. B. ...ir užžaugūs padārė wáišių Bimterioką (DP 97); ...karalienė ...ižgirdūs Ißmiti Salomonolui regėdama aną didį ápstią ...apie jį nustėbus bėčio: (DP 323); Mergaitė sėdėjo prie lango, padėjus ant rankų galvą, ir verkė — (T); Ji nepaprastai išaugusi, nebe mergytė, bet subrendusi mergina, pasi-puošus ir sustambėjus (P).
Es lässt sich leicht feststellen, dass die Formen ohne -i vorwiegend bei adverbial/zirkumstantialem Gebrauch der Partizipien (und in der zusammengesetzten Verbalform, die hier ausserhalb der Betrachtung bleibt) vorkommen; attributive i-lose Formen sind viel seltener. Eine Regel für die Verteilung von i-losen Formen und solchen mit -i in nicht attributiver Verwendung lässt sich nicht angeben³⁰. Bezüglich altlit. Sprachdenkmäler kann allgemein gesagt werden, dass Texte, die beim Infinitiv dazu neigen, das auslautende -i zu vernachlässigen, mit den Formen auf -usi des Nom. sg. fem. vom Part. prät. akt. genauso verfahren (z. B. Daukša, Širvyd), während umgekehrt solche Texte mehr volle Formen auf -usi aufweisen, die auch im Infinitiv das auslautende -i bewahren (z. B. Bretkun).
5.3
Es kommt mir im Rahmen der vorliegenden Untersuchung darauf an zu zeigen, dass auf ganz anderem Wege als das unfl. Part. präs. auf -nt eine als flektiert aufzufassende Partizipialform zu der Funktion „Ausdruck einer Nebenhandlung zur Haupthandlung“ kommt, die seit dem Einsetzen der schriftlichen Überlieferung bis zum heutigen Tag vom unfl. Part. prät. auf -us formell nicht zu unterscheiden ist. In solchen Fäl-
²⁹ Endungslose Formen des Nom. sg. fem. des Part. präs. akt. auf -nt finden sich (zufolge einer Mitteilung von Professor J. Kruopas) gelegentlich in altlit. kalvinistischen Texten, in neuerer Zeit vielfach in ost- und bes. in nordost-aukštaitischen Dialekten, in Dialekten also, die im Gegensatz etwa zu den Dialekten, die die Grundlage der heutigen litauischen Literatursprache bilden, auch sonst einen stärkeren Verfall der Endungen aufweisen. Dagegen ist der Schwund des auslautenden -i in der Endung -usi des Nom. sg. fem. des Part. prät. akt. wohl im gesamten litauischen Sprachgebiet möglich.
³⁰ Auch für das Auftreten von i-losen und auf -i auslautenden Infinitiven in beliebigen litauischen Texten, deren Sprache beide Möglichkeiten gestattet, lässt sich keine allgemeine Regel aufstellen; die Verteilung scheint sich vielfach nach euphonischen Gesichtspunkten zu regeln.
202
len kann nur die Feststellung, ob Haupt- und Nebenhandlung den gleichen Handlungsträger haben oder nicht, darüber entscheiden, ob eine konkrete Form auf -us als Nom. sg. fem. des Part. prät. akt. oder als unfl. Part. prät. aufzufassen ist; man vergleiche dazu solche Sätze, in denen das Subjekt und die Partizipialform weit voneinander entfernt sind: Kayp tay rayßku ugnij/kuri (= ugnis) ne pirmiaus azudega medžiu/net ižžio-wins iump ßłapiby/želiby/ir ßalti/ir kitas priepuolebes/kurios priešīnasi ios prigimimuy/tay padarius/tuoiaus iż medžio daro ugni (Si I 142); Apkurti-na (=Welinas) idant ne girdetu (=dūsia) ir ne klausitu Diewo bałso sąwo širdiy/ney Diewo žodžio/kurii žgirdus (zu lesen als -kuri iżgirdus-) lautus piktibiu (Si II 50/51).
5.4 Das alles legt den Schluss nahe, dass der Nom. sg. fem. des Part. prät. akt. nicht nur funktionsmässig, sondern auch rein von der Form her bei der Herausbildung des unfl. Part. prät. einen wesentlichen Faktor darstellt. Wenn man davon ausgeht, dass das baltische -us-Partizip ursprünglich nicht in der absoluten Partizipialkonstruktion verwendet werden konnte, fehlt die allgemeine Voraussetzung für die Erklärung „absolut“ gebrauchter flexionsloser Formen dieser Partizipien auf der Grundlage eines lokativischen bzw. dativischen Kasus.31
5.41 Hinzu kommt, dass die Erklärung des unfl. Part. prät. aus einem obliquen Kasus der -us-Partizipien auch noch andere Schwierigkeiten macht. Das -us-Partizip wird gewöhnlich als alter konsonantischer Deklinationstyp aufgefasst. Dazu ist zu bemerken, dass man in der baltischen Überlieferung keine gesicherte konsonantische Deklinationsform dieser Partizipien belegen kann32, da die Nominative auf -ęs und -ę, die zwar sicher konsonantische Deklinationsformen darstellen, als Formationen eines -nt-Partizips aufzufassen sind. Und auf das einzig verbleibende Zeugnis, nämlich die unfl. Part. prät. im Litauischen, kann man sich nicht verlassen. Diese werden zwar meistens als Dativ — möglicherweise als Lokativ — des Singulars mask. und neutr. des alten konsonantischen Partizipialstammes angesehen, jedoch kann diese Ansicht nur durch die jeweilige Konzeption vom Wesen der flexionslosen -us-Form gestützt werden.
5.42 Der dativischen Auffassung des unfl. Part. prät. auf -us dient im allgemeinen ihr Auftreten im abs. Dat. als Stütze. Im Falle der -nt-Partizipien des Präsens scheint der dativischen Auffassung die grammatische Isolierung des Partizips als prädikatswertiger Bestandteil der absoluten Partizipialkonstruktion voraus oder zumindest konform gegangen zu sein. Selbst wenn man für diese Periode der baltischen absoluten Partizipialkonstruktionen bereits die Einbeziehung der -us-Partizipien in die-
31 Eine baltische Form auf -usi könnte z. B. den im Altindischen belegten Lokativformen entsprechen, vgl. ai. viduṣi.
32 Der Akk. sg. mask. im Litauischen und Lettischen auf -į (-i), im Altpreussischen auf -in und der altpreuss. Akk. plur. auf -ins sind von Formen der i-Stämme nicht zu unterscheiden. Trotzdem kann die Existenz von konsonantischen Flexionsendungen für die balt. -us-Partizipien nicht unbedingt bestritten werden.
203
selbe annehmen wollte, müsste es fraglich erscheinen, ob die Dativ-Lokativform der -us-Partizipien dann noch eine konsonantische Deklinationsform war.
5.5 Von der Form her lassen sich der Erklärung von flexionslosen -us-Formen aus dem Nom. sg. fem. auf -us(i) (aus -usī) gewiss nicht mehr Einwände entgegenhalten, als es Bedenken gegen die Entstehung von unfl. -us-Partizipien aus einem obliquen Kasus des betreffenden Paradigmas gibt. Auch die reflexive Form auf -usis fügt sich weitgehend dieser nominativischen Erklärung. In den meisten litauischen Dialekten, einschliesslich der meisten altlit. Dialekte, und in der modernen litauischen Literatursprache sind die reflexive Form des Nom. sg. fem. des Part. prät. akt. und die reflexive Form des unfl. Part. prät. identisch: in beiden Fällen heisst es nešusis (bzw. nu-si-nešus(i) bei präfigiertem Verb für die Nominativform und nu-si-nešus für das unfl. Part.). Man vergleiche dazu im Altlitauischen etwa stóiusis išg ußpakalo kóiosiam[p] io/pradėio aßaromis wilgit... (DP 476), kuriol' ii ertės uždariusis medes... (DP 599).
5.51 Der vokalischen Vertretung unmittelbar vor der Reflexivpartikel -s(i) muss auch im Fall des unfl. Part. prät. Beachtung geschenkt werden, da in der Stellung unmittelbar vor der Reflexivpartikel vielfach im Litauischen (Baltischen) die „ungekürzte“ und meist als ursprünglich anzusprechende Flexionsendung auftritt, z. B. beim finiten Verb 1. Sg. präs. nešu : reflexiv nešuos(i). Wenn die Gleichheit der oben genannten Reflexivformen tatsächlich auch die Entstehung des unfl. Part. prät. aus dem Nom. sg. fem. des Part. prät. akt. bekräftigen soll, so darf man im litauischen Sprachgebiet keine andere vokalische Vertretung erwarten. Im Falle des unfl. Part. präs. deuten die litauische dialektische Endung -nties (z. B. juókianties³³) und die lettische Endung -ties³⁴ (z. B. mazgājoties) auf eine diphthongische Flexionsendung (-ie aus *-ei) der Partizipialform hin, die zwar nicht älter bzw. ursprünglicher als die Endung -nti ist (vgl. litauisch reflexiv -ntis, z. B. juókiantis)³⁵, immerhin jedoch als (alte) Nebenform aufgefasst werden kann.
Nun treten aber reflexive Formen des unfl. Part. prät. auf -usies, z. B. mušusies, dirbusies u. ä., allerdings nur in žemaitischen Dialekten,
33 J. Otrębski, l. c., S. 277.
34 Es kann jedoch geltend gemacht werden, dass die lett. Reflexivendung -ies beim unfl. Part. präs. insofern an Beweiskraft verliert, als sie auch sonst nicht in jedem Fall auf kontinuierlicher Entwicklung, dagegen vielfach auf Verallgemeinerung (zugunsten einer einheitlichen Bezeichnung grammatischer Kategorien) beruht, man vergleiche dazu etwa nur die lett. Reflexivform des unfl. Part. auf -am/-ām, z. B. ceļamies, mazgājamies (-am/-ām ist aus *-amā über -amu/-āmu entstanden; siehe J. Endzelin, l. c., S. 715).
35 Sowohl im Litauischen als auch im Lettischen lässt sich die endungslose unflektierte Form auf -nt bzw. -ot besser aus einer Partizipialform mit der Endung -i als aus einer Form mit diphthongischer Endung erklären.
204
auf36; diese Formen scheinen gegen die Hypothese einer nominativischen Entstehung des unfl. Part. prät. zu sprechen. Der Wert dieser litauischen dialektischen Belege kann jedoch erst dann richtig beurteilt werden, wenn es gelingt festzustellen (was mir derzeit noch nicht möglich ist), in welchem Verhältnis in den Dialekten die genannten Formen jeweils zum Nom. sg. fem. des Part. prät. akt. reflexiv stehen, d. h. welchen Stellenwert die Reflexivendung -ies in den jeweiligen sprachlichen Systemen (der Dialekte) einnimmt (vgl. die Verallgemeinerung der Reflexivendung -ies im Lettischen, siehe Anmerkung 34).
5.52 Eine nicht reflexive Form des unfl. Part. prät. auf -usi, d. h. mit einer Flexionsendung, die Aufschluss über die ursprüngliche Gestalt der in Frage kommenden Partizipialform geben könnte, kann ich anhand der mir zur Verfügung stehenden altlit. Texte nur in der sog. Akkusativkonstruktion für das Altlitauische belegen. Derartige Formen auf -usi können jedoch kaum als „vollere“ Form des unfl. Part. prät. angesehen werden, da sie entsprechend den Verhältnissen in den jeweiligen altlit. Texten letzten Endes doch als Akk. sg. mask. des -us-Partizips zu interpretieren sind (vgl. oben Abschnitt 2.2). Formen auf -usi auch innerhalb des 1. Anwendungstyps der unfl. Part. im Litauischen, sofern diese belegt werden können37 würden im Sinne der Erklärung des unfl. Part. prät. aus dem Nom. sg. fem. des Part. prät. akt. keine Unregelmässigkeit darstellen.
5.6 Schwierigkeiten bereitet es zunächst, die Übertragung der femininen Form auf das Maskulinum und auf den gesamten Plural zu erklären. Man findet im Altlitauischen und in neulitauischen Dialekten wohl vereinzelt die Verwendung von maskulinen Formen im Nom. plur. fem.38, aber man findet keine wirkliche Übertragung im Singular, auch nicht die Verwendung femininer Formen für das Maskulinum. Auch könnte man immerhin einwenden, dass es nicht selbstverständlich ist, dass ein und dieselbe grammatische Form, in diesem Fall also der Nom. sg. fem. des Part. prät. akt. als verallgemeinerte (und nicht mehr flektierbare) Form, d. h. als unfl. Partl. prät. Verwendung findet, während sie gleichzeitig als spezielle Femininform des flektierten Partizips fortbesteht, d. h. in der Ausgangsposition für die Verallgemeinerung verbleibt.
5.61 Um die Annahme einer Verallgemeinerung des Nom. sg. fem. zu stützen, könnte man auf eine ähnliche Entwicklung im Slawischen, beispielsweise etwa im Russischen verweisen: Das Gerundium Präs. auf -uči wird formell vom Nom. sg. fem. abgeleitet. Es stellt demnach funktionell eine Verallgemeinerung dieser Kasusform für alle Genera und Numeri
36 Derartige Endungen -ies (d. h. deren žemaitische Reflexe) sind verzeichnet in J. Aleksandavičius, Kretingos tarmės veiksmažodis, „Vilniaus Valstybinio Pedagoginio instituto Darbai“, VIII, Vilnius, 1959 (mir leider nicht zugänglich bis jetzt) und in P. Jonikas, Pagramančio tarmė, Kaunas, 1939. Aus dem in der letztgenannten Arbeit S. 67/8 dargestellten Material geht aber vorerst nur hervor, dass die reflexive Form des unfl. Part. prät. -mūšūsi˙s- mit der reflexiven Form des flektierten Part. prät. -mūšūsi˙s- gleichlautet.
37 Vgl. J. Jablonskis, Rinktiniai raštai, I, Vilnius, 1957, S. 323.
38 Vgl. A. Senn, Kleine litauische Sprachlehre, Heidelberg, 1929, S. 209.
205
meri dar. Dieses Gerundium auf -uči besteht im Russischen noch heute als Restform39 neben der dominierenden Form auf -ja, die vom Nom. sg. mask. der sog. Kurzform des Partizips hergeleitet wird40. Allerdings muss der Handlungsträger des russischen Gerundiums mit dem der Haupthandlung übereinstimmen (einige phrasenhafte Wendungen ausgenommen). Der Grad der Verallgemeinerung ist also ein geringerer als er für das litauische unfl. Part. auf -us angenommen werden müsste. Überdies handelt es sich bei den slawischen Formen auf -uči selbstverständlich um das alte -nt-Partizip. Man kann die Entwicklung der slawischen Formen auf -uči und die Entstehung des unfl. Part. prät. im Litauischen aus einem Nom. sg. fem. also nicht etwa als Parallelentwicklung oder auch nicht als syntaktische Entlehnung auffassen. Eine Vergleichsmöglichkeit für die Gebrauchsweise gewisser syntaktischer Konstruktionen mit aktiven Partizipien bliebe immerhin bestehen.
5.62 Für die Verallgemeinerung einer femininen Form des Part. prät. akt. zu einer unflektierten Partizipialform mit besonderer syntaktischer Spezialisierung könnte schließlich auch die Tatsache sprechen, dass die maskulinen Nominativformen auf -ęs und -e deswegen nicht zur Verallgemeinerung geeignet sind, weil sie keine charakteristische baltische Präteritalkennzeichnung im stammbildenden Partizipialsuffix aufweisen. Da es sich aber beim unfl. Part. auf -us auch nachdem es seine Spezifikation als unveränderliche nominale Verbalform im grammatischen System des Litauischen erlangt hat, um ein Mittel zum Ausdruck der Vorzeitigkeit einer Verbaläußerung im Verhältnis zu einer anderen Aussage handelt, ist eine eindeutige formelle Präteritalkennzeichnung für diese Bildung sicher notwendig.
6. Zur Frage eines alten endungslosen Nominativs des Partizips prät. akt.
6.1 Trotz allem bleibt aber die Entwicklung des unfl. Part. auf -us aus dem Nom. sg. fem. des Part. prät. akt. fragwürdig (auch die erwähnte Ableitung des slawischen Gerundiums auf -uči ist keineswegs gesichert). Einen nicht zu unterschätzenden Widerspruch zu der in den vorigen Abschnitten erläuterten Hypothese scheint eben doch das System des litauischen Partizipialparadigmas selbst darzustellen, insofern nämlich, als dass das Femininum in diesem System nie als merkmalloses Glied auftritt, also nicht als „neutrale“ Form verwendet werden kann, zumindest einer solchen Verwendung seinem Wesen nach entgegensteht.
Nicht weniger hypothetisch, aber dem litauischen Partizipialsystem eher gemäss ist der Versuch, maskuline bzw. neutrale Formen zur Erklärung der Herkunft des unfl. auf -us heranzuziehen.
39 Z. B. будучи, читаючи, едучи, живучи zitiert nach R. Trautmann, Kurzgefasste russische Grammatik, Leipzig, 1948, S. 102.
40 P. J. Tschernych, Historische Grammatik der russischen Sprache, Halle, 1957, S. 239 ff.; В. В. Иванов, Развитие грамматического строя русского языка, Москва, 1960, S. 121 ff.
206
6.2 Denn man muss sich schliesslich die Frage vorlegen, ob nicht doch auch für das Maskulinum ursprünglich eine Formation des -us-Partizips anzusetzen ist41. Die Beobachtungen über die „heteroklitische“ Bildungsweise der Nominativformen des Part. prät. akt. ihrerseits hindern nicht daran — sie können eher darin bestärken — ältere, d. h. nicht überlieferte Bildungen vom -us-Stamm des Partizips auch für das Maskulinum anzunehmen. Denkbar wäre beispielsweise, dass diese -us-Bildungen formell (und funktionell) nicht genügend charakterisiert erschienen und daher in allen syntaktischen Stellungen durch die Formen auf -ęs und -ę „ersetzt“ wurden, die möglicherweise zunächst nur zur Bezeichnung entweder der attributivischen oder der adverbial/zirkumstantialen Funktion des Part. prät. akt. Verwendung fanden. In diesem Sinne hätte sich die formelle Charakterisierung nach Genus, Numerus und Kasus als stärker erwiesen als die unzweideutige formelle Charakterisierung des absoluten Zeitwertes bzw. des spezifischen Ausdrucksgehaltes des baltischen -us-Partizips. Nur scheint es schwierig zu sein, konkrete Anhaltspunkte für eine so oder ähnlich geartete Entwicklung zu finden.
6.3 Im Slawischen begegnet man wiederum einem Hinweis zugunsten einer entsprechenden Argumentation in Bezug auf die litauische (baltische) Entwicklung: das Gerundium prät. auf -vъ (z. B. znavъ) wird aus einem Nom. sg. mask. auf *-(u)us42 hergeleitet43. Eine slawische Form *znavus würde also einem litauischen žinojus entsprechen. Nun kann man zwar nicht mit Sicherheit beweisen, dass es je im Baltischen eine derartige Form des Maskulinums gegeben hätte (ausser mit den von mir hier vorgebrachten funktionell motivierten Bildungsmöglichkeiten), genausowenig kann man es aber widerlegen. Träfe die Vermutung dennoch zu, dass eine Form wie žinojus ein maskuliner Nominativ gewesen ist, so hätten wir es mit einer auffallenden baltoslawischen (besser litauischslawischen) Übereinstimmung, gewissermassen mit einer partiellen Neuerung im Baltoslawischen zu tun.
6.4 Diese Bildung vom Typ žinojus ist als endungslose Form des -us-Partizips aufzufassen, die möglicherweise ursprünglich eine neutrale Form war. Es kann darauf verwiesen werden, dass der Nom. plur. mask. der -nt-Partizipien vom Typ nešą ebenfalls auf eine neutrale, d. h. auf eine endungslose Form zurückgeführt wird. Die Verhältnisse sind auch beim -nt-Partizip recht kompliziert, nicht leicht ist z. B. die (spätere) Verwendung der endungslosen Form im Plural zu erklären. Und doch scheint die Erklärung der pluralischen Formen auf -ą, -į, -ę aus (gleichlautenden) Formen des Neutrums die einzig plausible zu sein.
41 Der Versuch, die Nominative auf -ęs und -ę als Bildungen mit der starken Stammstufe des Partizipialsuffixes -ves\-us zu erklären, beruht ja auch vor allem auf der Voraussetzung eines einheitlichen Paradigmas der -ves\-us-Partizipien, der zuliebe beträchtliche Unregelmässigkeiten der lautlichen Entwicklung in Kauf genommen werden.
42 Die Verallgemeinerung des Stammes auf -uus- (= -vus-) ist slawische Neubildung.
43 Vgl. V. Ivanov, l. c., S. 123; J. Otrębski, l. c., S. 257 fasst die slawische Form auf -us als ursprünglich neutrale Form auf, die in das Maskulinum eingedrungen ist.
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So ist es wohl keinesfalls so ganz abwegig, die Existenz einer endungslosen Form des -us-Partizips zu vermuten. Diese Formation auf -us ist im Baltischen vielleicht nicht über das Stadium einer „neutralen“ Ausdrucksweise hinausgekommen.
6.5 Es besteht folglich die Möglichkeit zur Annahme, so gewagt sie auch erscheinen mag, dass es sich beim einzelsprachlich geprägten litauischen unfl. Part. prät. um eine alte endungslose Form des -us-Partizips handelt. Diese Form müsste im Litauischen nominativisch gewesen sein, und sie könnte nach dem Verlust des (baltischen) Neutrums dem Maskulinum angehört haben. Es wäre durchaus denkbar, dass zufolge des Ausscheidens dieser Form aus dem Verband der flektierten Partizipien vom -us-Stamm die Übernahme der Nominative auf -ęs und -e erfolgt sei. Andererseits könnte man in der „heteroklitischen“ Bildungsweise des Nominativs des Part. prät. akt. den Grund für eine grammatische Isolierung eines möglichen maskulinen Nominativs auf -us sehen, der in diesem Fall die adverbialzirkumstantiale Funktion des Partizips erfüllt haben muss. Auf diese Weise wird auch das Fortbestehen des der Form nach dem unfl. Part. prät. sehr ähnlichen Nom. sg. fem. auf -us(i) ohne weiteres verständlich. Die Reflexivbildung des unfl. Part. prät. auf -usis kann als Analogiebildung, als Formausgleich etwa nach dem Muster des Infinitivs, des unfl. Part. präs., des Nom. sg. mask. des Part. präs. und prät. akt. (z. B. dirbąsis, dirbęs(is)) oder des Nom. sg. mask. des -dama-Partizips (z. B. nėsdamasis44) abgetan werden. Allerdings dürfte man wiederum keine Formen des unfl. Part. prät. mit einem diphthongischen Element vor der Reflexivpartikel erwarten. Solange die žemaitischen Formen auf -usies jedoch hinsichtlich ihres tatsächlichen Charakters im Sinne einer innersprachlichen Rekonstruktion der jeweiligen Dialekte selbst ungeklärt bleiben (vgl. oben Abschnitt 5.51), können sie weder die eben genannte noch eine andere Hypothese über die Entstehung des unfl. Part. prät. beeinträchtigen oder bestätigen.
7. Die weitere Ausbildung der endungslosen Form des präteritalen -ūs-Partizips
7.1 Es lässt sich also die Hypothese aufstellen, dass es im Baltischen eine von Anfang an flexionslose Form des -us-Partizips gab, der im Laufe der (einzelsprachlichen) Entwicklung des Partizipialparadigmas im Litauischen ausschliesslich die Funktion „Bezeichnung einer der Haupthandlung vorangegangenen Nebenhandlung“ zufiel. Eine solche Form mit einer derartigen Funktion konnte leicht zu einer (unflektierten) adverbartigen Form werden, die keine Genus- und Numerusbezeichnungen auszudrücken imstande war, diese auch gar nicht auszudrücken brauchte. Auf diesem Weg erübrigt sich natürlich die Erklärung einer „Übernahme“ der flexionslosen -us-Form in alle Genera und Numeri.
44 dirbąsis anstelle von *dirbąs-si, dirbęsis anstelle von *dirbes-si, nėsdamasis anstelle von *nėdamas-si, vgl. J. Otrębski, l. c., S. 252 f., 258 f., 271.
208
7.2 Um die Stellung dieser flexionslosen -us-Form zu den unfl. Part. präs. auf -nt und die dann erfolgte „Gleichschaltung“ dieser beiden unfl. Part. zu einer für das Litauische charakteristischen grammatischen Formation mit eigener Prägung so zu veranschaulichen, dass das Besondere dieser Erscheinung ersichtlich wird, muss an dieser Stelle konstatiert werden, dass für das unfl. Part. präs. auf -nt eine entsprechende Ableitung aus einer Nominativform nicht in Betracht kommen kann, auch nicht etwa als parallele Entwicklung zu der oben im 2. Kapitel dargestellten Entstehung des unfl. Part. präs. auf -nt im Rahmen einer absoluten Partizipialkonstruktion (mit späterem Zusammenfall dieser Bildungen). Dafür lassen sich vor allem zwei Gründe anführen:
7.21 Eine endungslose Form des -nt-Partizips liegt vor im Nom. plur. mask. bzw. Nom. sg. neutr., z. B. neša, saka, myli. Diese Formen werden bekanntlich auf *nešant, *sakōnt, *mylint zurückgeführt. Auf Grund der baltischen Auslautgesetze kann eine litauische Form auf -nt nur aus einer längeren Form entstanden sein, wogegen sich litauisches auslautendes -us auf baltisches -us zurückführen lässt, man vergleiche etwa den Nom. sg. (mask.) der u-Stämme sūnūs, saldus usw.
7.22 Das auslautende -i des Nom. sg. fem. der -nt-Partizipien fällt mit nur wenigen Ausnahmen (vgl. Anmerkung 29) im gesamten litauischen Sprachgebiet weder bei Voran- noch bei Nachstellung des (attributiven) Partizips noch normalerweise in der zusammengesetzten Verbalform aus (hier einmal ganz abgesehen von bestimmten phonetischen Bedingungen im Realisierungsverlauf der Redefolge, die einen Abfall des auslautenden -i verursachen könnten, z. B. Elision vor anlautendem Vokal u. ä.). Ausser rein lautlichen und lauthistorischen Gegebenheiten dürfte hier die Tatsache eine Rolle spielen, dass die feminine Form auf -nti vorwiegend attributivisch und in der zusammengesetzten Verbalform gebraucht wird (zum Ausdruck der adverbial/zirkumstantialen Funktion ist ja das -dama-Partizip vorhanden) und somit wie die adjektivischen Attribute eine Charakterisierung des Kasus in der Form ausdrücken muss.
7.3 Seine weitere grammatische Ausbildung im Litauischen hat das unfl. Part. präs. auf -us nach dem Muster und unter dem Einfluss des unfl. Part. präs. auf -nt erhalten, so vor allem hinsichtlich der Verwendung im abs. Dat. und unter den Bedingungen der sog. „Subjektsverschiedenheit“. Es kann jedoch nicht ganz von der Hand gewiesen werden, dass die Tendenz zur („teilweisen“) Subjektsgleichheit der Konstruktionen mit unfl. Part. in der modernen litauischen Literatursprache (z. B. Išėjus iš girios, aš, tikra to žodžio prasme, parkritau ant griovio krašto (išėjau aš ir dar keli vaikai) I. Simonait ytė, ...o buvo taip, Vilnius, 1960, S. 321; Einant palei dailiai pakirptus krūmus, ji įsipainiojo į voratinklį P 1960/12 S. 75) auf der Tatsache beruhen könnte, dass gerade die präteritale flexionslose Form auf -us ihrem Ursprung nach eine „subjektsgleiche“ Aus-
14. Kalbotyros klausimai VI.
209
drucksweise gewesen ist und unter Umständen diese Konstruktionsmöglichkeit nie ganz aufgegeben hat45.
7.4
Zusammenfassend sei nochmals hervorgehoben, dass das unfl. Part. prä t. auf -us, das nur im Litauischen vorliegt, nicht gleichzeitig und auch nicht auf dem gleichen Wege wie das unfl. Part. präs. auf -nt entstanden ist. Während letzteres, das man als baltisch ansetzen darf, den besonderen Bedingungen der absoluten Partizipialkonstruktion im Baltischen seinen Ursprung verdankt, handelt es sich beim ersteren um ursprünglich nominativische Formen, die in der adverbial/zirkumstantialen Funktion vorkamen und die entweder von Anfang an abseits vom (flektierten) Partizipialparadigma standen oder aber relativ früh aus diesem ausschieden und eine Art Sonderstellung bezogen.
7.5
Die so dargestellten Verhältnisse beziehen sich nur auf den 1. Anwendungstyp der unfl. Part. (siehe oben Abschnitt 1.21). Für die Entwicklung des unfl. Part. auf -us innerhalb des 2. Anwendungstyps ist — genauso wie für das unfl. Part. auf -nt — mit einer morphologischen und syntaktischen Verquickung von Akkusativkonstruktionen mit flektiertem Partizip und Konstruktionen mit unfl. Part. aus dem 1. Anwendungstyp zu rechnen. Der Koinzidenzbereich dürfte in beiden Fällen vor allem den Akk. sg. mask. der flektierten Partizipien einerseits und die Form des unfl. Part. andererseits umfasst haben.
Da das Lettische in der sog. Akkusativkonstruktion, abgesehen von dem lettischen unfl. Part. auf -am/-ām, dessen Verwendung nicht in diesem Zusammenhang erörtert zu werden braucht, nur Formen des unfl. Part. auf -nt (lett. -ot) kennt, ist auch die Einbeziehung des unfl. Part. auf -us in die sog. Akkusativkonstruktion als eine einzelsprachlich ausgebildete Erscheinung des Litauischen zu werten. Man kann in altlitauischen Texten beobachten, dass endungslose -us-Formen in der sog. Akkusativkonstruktion nur ganz vereinzelt beim Akk. sg. mask. (also -us neben häufigerem -usi, -usį als flektierter Form), aber so gut wie gar nicht in anderer Umgebung vorkommen; die Auswertung der mir zur Verfügung stehenden altlit. Texte ergab jedenfalls kein anderes Bild. Dagegen können endungslose -nt-Formen in der sog. Akkusativkonstruktion in allen Umgebungen — allerdings mit unterschiedlicher Häufigkeit — belegt werden. Auch daraus kann man den Schluss ziehen, dass zu dieser Zeit der ersten schriftlichen Überlieferung das unfl. Part. prät. auf -us auch innerhalb des 1.
45 Allerdings trifft man in diesen Sätzen mit „teilweiser“ Subjektsgleichheit das unfl. Part. präs. ebenso wie das unfl. Part. prät., beide sogar auch im abs. Dat. an! Als Beispiele etwa: Kalbant apie tai, paklausių mokinių, kuo skiriasi gyvas žmogus ar gyvulys nuo mirusių TMa 1959/11 S. 20; Dabar anksti aušė, anksti kėlė, jautėsi sveikas, valgė daug, kaip studijų laikais gavus stipendiją M. Sluckis, Vėjų pagairėje, Vilnius, 1958, S. 6; Kolūkiečiai vieningai nutarė — Lietuvos TSR dvidešimtmetį sutikti įvykdžius pusantros metinės užduoties T 1960 VI 16; ...paklausė Adomėnienė Barvainio, jiems išėjus į aikštę P 1960/12 S. 44. Die Tendenz zur Subjektsgleichheit kann also andere Ursachen haben, bestimmt hat sie ausser der erwähnten Stellung des unfl. Part. auf -us auch noch andere Ursachen, etwa das Umsichgreifen bestimmter formelhafter Wendungen, z. B. atidarant mitingą (kongresą, spaudos konferenciją u. a.), atsisveikinant, baigiant (mit und ohne Objekt) usw.
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Anwendungstyps noch nicht dem unfl. Part. präs. auf -nt in dem Masse gleichgestellt war, wie das in der modernen litauischen Literatursprache der Fall ist.
Halle/Saale
Verzeichnis der benutzten Texte, soweit diese nicht in der Arbeit voll zitiert wurden
BrP I—II — Postilla tatai esti Trumpas ir Prastas Ischuldimas Euangeliju... Per Jana Bretkuna Lietuvos Plebona, Karalaucziuje... 1591, Teil I und II.
DP — Daukšos Postilė, Fotografuotinis leidimas, Kaunas, 1926.
Si I—II — Šyrwids Punktay Sakimu, Herausgegeben von F. Specht, Göttingen, 1929, Teil I und II.
KNSn — Kniga Nobaznistos Kirkščioniškos... antrą kartą perdrukawota, Kiedaynise, 1653; Summa arba Trumpas iszguldimas Ewangeliju Szwentu...
T — Tiesa (Lietuvos Komunistų partijos Centro Komiteto, Lietuvos TSR Aukščiausiosios Tarybos Prezidiumo, Lietuvos TSR Ministrų Tarybos organas), Vilnius.
P — Pergalė (Literatūros, meno ir kritikos žurnalas; Lietuvos TSR Tarybinių rašytojų Sąjungos organas), Vilnius.
TMa — Tarybinė mokykla (Lietuvos TSR Švietimo ministerijos organas), Vilnius.
(Alle wissenschaftliche Literatur, die für diesen Aufsatz benutzt wurde—soweit sie nicht hier in der Arbeit angemerkt ist—, ist im Literaturverzeichnis der Dissertation der Verfasserin angegeben.
ДЕЕПРИЧАСТИЕ ПРОШЕДШЕГО ВРЕМЕНИ С -us В ЛИТОВСКОМ ЯЗЫКЕ
Г. БЕНЗЕ
Резюме
На основе формальных и синтаксических особенностей деепричастия прошедшего времени в статье выдвигается предположение, что данное деепричастие по происхождению различается от деепричастия настоящего времени, которое автор считает застывшим локативом основы на согласный. Деепричастие прошедшего времени можно вывести из предполагаемого именительного падежа единственного числа причастия прошедшего времени среднего рода с -us, т. е. без окончания (ср. лит. žinojus и слав. znawъ<*znawus). Возвратным деепричастиям свойственное окончание -i (напр.: praūšusi-s) могло возникнуть по аналогии с инфинитивом, деепричастием настоящего времени и именительным падежом мужского рода причастий настоящего и прошедшего однократного времени.
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LIETUVIŲ KALBOS BŪTOJO LAIKO PADALYVIS SU -US
G. BENZĖ
Reziumė
Remiantis būtojo laiko padalyvio forma ir vartosena, straipsnyje daroma prielaida, jog šis padalyvis savo kilme skiriasi nuo esamojo laiko padalyvio, autorės laikomo sustabarėjusiu priebalsinio kamieno lokatyvu. Būtojo kartinio laiko padalyvis gali būti kildinamas iš rekonstruojamo būtojo kartinio laiko dalyvių bevardės giminės vienaskaitos vardininko su *-us, t. y. be galūnės (plg. liet. žinojus ir sl. znawъ < *znawus). Sangrąžinių padalyvių galūnė -i (pvz., praūsusi-s) galėjo atsirasti dėl analogijos su bendratimi, esamojo laiko padalyviu ir esamojo bei būtojo kartinio laiko dalyvių vyriškosios giminės vienaskaitos vardininku.